Der Neue Merker

LINZ/ Brucknerhaus: EDITA GRUBEROVA „von der Magie des Belcanto“

VON DER MAGIE DES BELCANTO : EDITA GRUBEROVA IM LINZER BRUCKNERHAUS (18. November 2015)

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Edita Gruberova. Copyright: Reinhard Winkler

Die Magie des Belcanto schlug wieder einmal voll zu: Edita Gruberova gab die Bravour-Arien und Wahnsinns-Szenen aus Linda di Chamounix, Lucia di Lammermoor, I Puritani sowie La Straniera – und erwies sich bei diesem ausschließlich Gaetano Donizetti und Vincenzo Bellini gewidmeten Super – Programm in  stimmlicher Höchstform. Gemeinsam mit den Nürnberger Symphonikern unter der kompetenten Leitung des Slowaken  Peter Valentovic löste sie beim Publikum Ovationen aus. Am Schluss gab es Blumen, Zugaben und „standing ovations“ und die Gewissheit, eine historisch einzigartige  Vorstellung erlebt zu haben.

Unglaubliche 48 Jahre Karrierejahre hat die in Bratislava geborene Sopranistin , die von Wien aus die Bühnen der Welt eroberte und heute bei Zürich lebt, schon hinter sich. Und der Kaufpreis für dieses Phänomen: Edita Gruberova ist heute von der Abendverfassung abhängig, liefert auch Vorstellungen, in den sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gerät und sogar mitunter ein Spitzenton misslingt. Im Linzer Brucknerhaus war nichts davon zu konstatieren: die Stimme klang jung und lyrisch, die Koloraturen waren „stupend“, die Triller raffiniert. Kurzum Edita Gruberova klang so wie Rossini den „Belcanto“ definierte – „ als süßes italienisches Singen, das uns die Seele rührt“. Melancholie und Lebenslust wechselten ab, Freude und Angst, Hoffnung und Wehmut. Das war kein „Ziergesang“ sondern der Blick in die Psyche der Menschen mit ihren oft widersprüchlichen Gefühlsausformungen. Jedenfalls werden Viele aus dem (fast) ausverkauften Brucknerhaus noch lange von diesem Abend schwärmen, der eine der erfolgreichsten Sängerinnen nach Linz brachte – in einer Stadt, in der sie nur selten auftrat. Immerhin gastierte Edita Gruberova im Linzer Landestheater noch vor ihrer „Entdeckung“ als Zerbinetta im Jahr 1976. Und zwar als Oscar im Maskenball von Verdi – eine Rolle, die man ihr an der Staatsoper nur selten anbot. Nun könnte es sein, dass sich Edita Gruberova von Linz verabschiedet hat. Aber bei dieser Karriere, in der die Naturgesetze des Singens aufgehoben werden, ist immer noch Platz für Überraschungen. Apropos „unerwartet“. Als Zugaben wählte die Belcanto-Königin eine Rolle, die sie meines Wissens nie auf der Bühne gestaltet hat. Sie rührte mit den beiden Arien der Liu aus Puccini’s Turandot das Publikum zu Tränen. Und das Orchester (das zuvor mit  Ouvertüren von Rossini,Donizetti und Bellini brilliert hatte) setzte nach: mit dem Intermezzo sinfonico aus Cavalleria Rusticana. Am Schluss beklatsche das sehr junge Orchester die Primadonna, die Diva staunte über die Treue eines Publikums, das sie nur selten live erlebt hat.

Und der Veranstalter wunderte sich über die natürlichen Umgangsformen einer der ganz Großen, die nun auch einen Belcanto-„Nachhilfekurs“ in Linz abhielt. Und wie!

Peter Dusek

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