Der Neue Merker

LINZ/ Black Box des Musiktheaters: LA ROSINDA von Francesco Cavalli. Opernrarität

Opernrarität in Linz: „La Rosinda“ von Francesco Cavalli (Vorstellung: 21. 9. 2017)

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Julia Grüter in der Titelrolle und Xiaoke Hu als Clitofonte (Copyright: Alexi Pelekanos)

Als Produktion des Oberösterreichischen Opernstudios brachte das Musiktheater Linz in der 160 Zuschauer fassenden BlackBox die Barockoper „La Rosinda oder Die verliebten Zauberinnen“ von Francesco Cavalli zur Aufführung. Das Dramma per musica in drei Akten wurde im Jahr 1651 in Venedig uraufgeführt und nun in Kooperation mit dem Institut für Alte Musik der Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln gezeigt

In der Oper La Rosinda, deren Libretto von Giovanni Faustini stammt, kämpfen zwei verliebte Zauberinnen mit allen Mitteln um denselben Mann. Die Vorgeschichte der turbulenten Handlung: Der alte Magier Meandro begehrt die junge Zauberin Nerea, die aber den Prinzen Clitofonte liebt. Aus Rache entzieht Meandro Nerea ihre Zauberkraft. Zur gleichen Zeit treffen die Kriegerin Rosinda und Fürst Clitofonte an einer magischen Quelle aufeinander. Als beide aus ihr trinken, verlieben sie sich sofort ineinander. – Nerea sucht Hilfe bei der Unterweltkönigin Proserpina. Rosinda, die mit Clitofonte auf einer Insel landet, erhält die Nachricht, dass sich ihr einstiger Liebhaber Thisandro wegen ihres Treuebruchs getötet habe. In Wahrheit jedoch verfolgt Thisandro den Plan, den Nebenbuhler zu töten und sich vor den Augen Rosindas das Leben zu nehmen. – Im weiteren Verlauf der turbulenten Handlung treffen Liebe auf Hass, Vernunft auf Wahnsinn und Magisches auf Realistisches. Durch die Künste der Zauberinnen kommt es zu vielen Verwechslungen, wozu auch der Liebesgott Amor beiträgt. – Schließlich beendet der Magier Meandro alle Liebeswirren, sodass sich die ursprünglichen Paare Rosinda und Thisandro sowie Nerea und Clitofonte wiederfinden.

Regisseur Gregor Horres verwendete in seiner Inszenierung viele Klischees aus früheren Opernzeiten: Es gibt eine geflutete Bühne, um die Insel als Spielort zu zeigen, ein paar Koffer und Aktentaschen zum Transport des Badezeugs etc. Aus einem Revolver werden Schüsse abgefeuert – mit dem Nebeneffekt, dass eingenickte Zuschauer und Zuschauerinnen wieder aufgeweckt werden. Positiv ist anzumerken, dass durch die kreative Personenführung des Regisseurs das gute Sängerensemble sich auch darstellerisch exzellent entfalten konnte.

Für die Ausgestaltung der Bühne – ein hügeliger, mit Samt überzogener Bretterboden, auf dem einige Sänger des Öfteren regelrecht trampelten, was für die Musik mehr als störend wirkte – und für die Kostüme – im Stil der Neuzeit mit ein paar Barocknuancen – war Jan Bammes zuständig. Für das Lichtdesign, das gottlob nur zu Beginn das Publikum blendete, zeichnete Bernhard Rosenbüchler verantwortlich.

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Zum Schluss finden Rosinda (Julia Grüter) und Thisandro (Justus Seeger) wieder zueinander (Copyright: Alexi Pelekanos)

Das Instrumentalensemble, von Anne Marie Dragosits vom Cembalo aus geleitet, brachte die nuancenreiche Partitur des Komponisten facettenreich zum Erklingen, wobei in diesem Werk die Klagelieder dominierten. In der Titelrolle brillierte die Sopranistin Julia Grüter sowohl stimmlich wie auch darstellerisch durch ihr temperamentvolles Spiel. Dass sie vor allem Klage-Arien zu singen hatte, die sie mit großer Leidenschaft interpretierte, lag in erster Linie an ihrer Rolle. Ihr in jeder Hinsicht ebenbürtig war die Sopranistin Fenja Lukas als Königin und Geliebte von Clitofonte, den der chinesische Tenor Xiaoke Hu recht anschaulich darstellte.

Attraktiv besetzt war die Unterwelt mit dem ukrainischen Bass Nikolai Galkin als Plutone – er gab auch den Magier Meandro – und der Linzer Sopranistin Ilia Staple, die beide stimmlich wie schauspielerisch überzeugten. Als Liebesgott Amor konnte der Pole Pawel Żolądek seine turnerische Beweglichkeit ausspielen.

Aus dem großen Sängerensemble seien noch genannt der deutsche Bariton Justus Seeger in der Rolle des Thisandro, der slowakische Bariton Rastislav Lalinski als Rosindas Knappe Rudione, die Sopranistin Gotho Griesmeier als Nereas Hofdame Cillena, der Countertenor Onur Abaci als Nereas Page Vafrillo und die Salzburger Mezzosopranistin Isabell Czarnecki in der Rolle der Zofe Aurilla.

Das bis zum Schluss ausharrende Publikum – zur Pause verließen nicht wenige Zuschauerinnen und Zuschauer die BlackBox des Musiktheaters – zollte den Mitwirkenden reichlich Beifall. Man hatte allerdings das Gefühl, dass sich bei vielen Besuchern die Begeisterung in Grenzen hielt.

Udo Pacolt

 

 

 

 

 

 

 

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