Der Neue Merker

LAXENBURG bei Wien/ Schlosstheater: COSÌ FAN TUTTE im „Teatro Barocco“

Der Reiz des barocken Originals Copyright © barbara pálffy

Der Reiz des barocken Originals
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Schlosstheater Laxenburg: SO MACHEN’S NICHT ALLE: BRILLANTE „COSI FAN TUTTE“ IM TEATRO BAROCCO (12.3.2017)

Er ist wirklich ein echter Theater-Zampano, der Leiter des „Teatro Barocco“ und Regisseur einer hochkarätigen „Cosi fan tutte“-Produktion im Barocken Schlosstheater von Laxenburg Bernd  Roger Bienert. Er begann als Tänzer der Wiener Staatsoper – neben Rudolf Nurejew. Sattelte dann um auf Regie und Choreographie, war Ballett-Direktor in Zürich und Saarbrücken. Gastierte in den verschiedensten Funktionen rund um den Erdball und entdeckte zuerst in Stift Altenburg und dann in Laxenburg das „Teatro Barocco“-nach Bühnenbilder-Vorlagen und Kostümen aus der Barockzeit, als das Rampenlicht noch bestimmend war. Nun: bis 19.März 2017 kann man sich vom hohen Niveau der diesjährigen Mozart-Inszenierung im Stil der Uraufführung selbst überzeugen und ab 8. Juli 2017 gibt es in Stift Altenburg die nächste Mozart-Wieder-„Erweckung“ mit „Bastien und Bastienne“ .

Nun also zur aktuellen Serie, die man mit der Überschrift „Neuer,frischer Wein in alten Schläuchen“ betiteln könnte. Junge Musiker im Orchester, die  in kleiner Besetzung auf alten Instrumenten spielen. Also ein Horn, ein Fagott, eine Querflöte etc. Dazu ein junges Ensemble auf der Bühne, durchwegs Super-Talente und dann mit Juliette Mars von der Wiener Staatsoper als Dorabella und Wolfgang Holzmair, der einst als Harlekin in Ariadne debütierte und dann in der „Weissen Rose“ reüssierte und sich nun von der Bühne verabschieden will.

Auch der Dirigent hat ein Naheverhältnis zum Haus am Ring: David Aronson war von 1991 – 2015 Solokorrepetitor der Staatsoper, seither arbeitet er als „freier“ Dirigent. Mit der Laxenburger „Cosi fan tutte“ gibt er jedenfalls eine starke Empfehlung ab. Er führt mit behutsamer Hand die kammermusikalisch geführten Rezitative und Arien und entwickelt daraus die Ensembles so stringent, so transparent und brillant, dass man nur summieren kann: So machen’s nicht alle! Das Ensemble ist sehr homogen, dennoch ragt die Interpretin der Despina – die Südafrikanerin Megan Khats – besonders hervor. Sie punktet mit ihren Arien ebenso wie in den Verkleidungs-Szenen als Arzt und Notar. Mit erotischem Charme und vokaler Souveränität erspielt sie sich die Schlüssel-Rolle in diesem fröhlich-tiefgründigen Stück über Liebe, Eifersucht und Partnertausch, an dem die Männer ebenso beteiligt sind wie die Frauen. Von den beiden „Testpersonen“ fängt  die Französin Juliette Mars als Dorabella früher Feuer. Sie ist großartig und erinnert an eine Christa Ludwig in Bestform. Nicht ganz so souverän ist Fiordiligi , die US-Amerikanerin Anne Wieben. Sie meistert insgesamt die extremen Lagen ihrer Rolle souverän und kommt vor allem mit den Alt-Koloraturen gut zurecht. Nur in der extremen Höhe bekommt ihre Stimme einen gewissen „Klirr-Faktor“, an dem sie technisch arbeiten sollte.

Ohne Einwand kommen die 3 Männer „davon“. Vor allem der Ferrando des Briten Thomas Elwin beeindruckt sowohl in seinen lyrischen Passagen ( „Un’aura amorosa“) wie in den dramatischen Passagen – etwa wenn er das „Schwachwerden“ von Dorabella entdeckt. Tadellos auch der fesche Guglielmo aus Österreich – Christian Kotsis : ein Sänger mit angenehmen Timbre, erfrischendem Spiel. Vielleicht muss er sich für größere Häuser noch entwickeln. Für Laxenburg reicht es in der Tat! Wunderbar auch der offizielle Drahtzieher Don Alfonso in Person von Wolfgang Holzmair. Ein verschmitzer, „weiser“ Komiker, der an die Comedia dell’arte-Spielweise erinnert. Köstlich! Zu erwähnen ist ein junger Mini-Chor, der auch als Dienstpersonal für die Szenen-Wechsel fungierte. Alles in allem: eine gelungene, geradezu tänzerische Wiedergabe eines Meisterwerkes mit alten Kulissen, wenig Licht und viel musikalischem „Drive“.

Hut ab vor dem Nachfahren von La Roche – Bernd Roger Bienert!

Peter Dusek

 

 

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