Der Neue Merker

LAUSANNE/ Opera de Lausanne: Jacques Offenbach „LA VIE PARISIENNE“

Lausanne / Opera de Lausanne: Jacques Offenbach „La vie Parisienne“ Vorstellung vom 30.12.16

  • Die Idee das Werk in der Bahnhofshalle aufzuführen ist ein gelungener Ansatz. Der Regisseur wollte eine lebendige Atmosphäre mit viel Raum für Tanz, witziger Theatralik und opulenten Kostümrevue erreichen, dies ist ihm sehr gut gelungen, mit viel Witz und Spass.
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    Copyright: Théâtre Municipale de Lausanen

 Das Thema

Pariser Leben ist ein höchst lebendiges, unterhaltsames Stück mit einer Fülle wunderschöner Kostüme und knisternder Erotik und mit seinen zahllosen Irrungen und Wirrungen sehr verspielt. Die unbändige Spielfreude eines erfolgreichen Ensembles, wunderschöne, eingängige Musik von Jacques Offenbach und eine gefällige Inszenierung prägen den Abend. Ein nicht enden wollender Reigen von Festen gibt in dieser mitreissenden Opéra bouffe den Takt vor. Das ganze Stück ist ein grosses Maskenspiel. Das Werk beschert Paris mit diesem Stück ein Denkmal voller Witz und Ironie.

 Der Inhalt

Paris steht 1867 ganz im Zeichen der sechsten Weltausstellung. Der schwedische Baron Gondremarck und seine Frau kommen in die französische Metropole, um sich ganz dem Vergnügen hinzugeben. Inmitten von kreativen Modeschöpfern, betörenden Mannequins und anderen Lebenskünstlern geraten sie in einen Strudel von Verwicklungen. Nichts ist, wie es scheint, in dieser Welt der Haute Couture.

 Die Inszenierung und das Bühnenbild

Eine geräumige Bahnhofshalle und eine schöne, grosse Bahnhofsuhr die derjenigen im Museum D’Orsay ähnelt, dominieren das Einheitsbühnenbild von Bruno de Lavenère. Sie dient als Raum für die intimen Momente oder als Gesamtkulisse für die Grand Opera Szenen. Die Dialoge sind raffiniert pointiert und vermählen sich gut mit der schönen Musik. Die Dialoge sind witzig und entsprechen den Klischees dieser Belle-Epoque-Zeit.

Der Regisseur Waut Koeken, versteht es, Witz und Geschichte in die heutige Zeit spannend einzubringen. Das Ensemble agiert als integriertes, durchdachtes Kollegium, dass sich hervorragend ergänzt und viel Spass am Spiel hat.

Die Musik

Christopher Gay hat das Orchester gutgelaunt im Griff. Er hat ein gutes Gefühl für die Musik Offenbachs und führt das hochmotivierte Orchester „Sinfonietta de Lausanne“ feinfühlig durch den Abend. Er trägt den Erfolg des Abends durch seine beachtliche Leistung als Dirigent. Der Chor wurde durch Jacques Blanc raffiniert einstudiert und präsentiert sich ebenfalls gutgelaunt und in Bestform.

Die Sänger

Le baron de Gondremarck (Patric Rocca) und seine Gattin la baronne de Gondremarck (Brigitte Hohl) werden von beiden hervorragende interpretiert, musikalisch wie darstellerisch. Sie schaffen es, das komödiantische mit dem nicht allzu einfachen Gesang perfekt zu paaren und somit eine rundum professionelle Leistung hinzukriegen.

Philippe Talbot ist ein amüsanter rollenverspielter Raoul de Gardefeu, Louis Zaitoun interpretiert einen „Le brasilien“ mit viel Charme und Verve, Christophe Gay einen Bobinet ohne Fehl und Tadel und Stuart Patterson einen vertrackten Frick/Prosper. Marie Kalinien (Métella), Joel Terrin (Gontran/Urbain/Alfred) Léonie Renaud (Pauline), Richard Lahady (Alphonse), Elodie Tuca (Clara), Carole Meyer (Léonie) und Betrice Nani (Louise) bilden ein hervorragendes wie ergänzendes Ensemble. Die Überraschung des Abends ist die Sängerin Melody Louledjian die als Gabrielle brilliert, singend, sprechend wie tanzend.

Das Fazit

Offenbachs Operetten finden heutzutage nicht mehr so leicht den Weg auf die Bühne. Darum macht es immer wieder Freude, wenn sich die Oper Lausanne diesem Thema widmet. Diese Produktion ist sehr gelungen und zeigt, wie gut es ist, Produktionen zu teilen. Diese Koproduktion stammt von der Opéra national du Rhin aus Strassburg.

Marcel Paolino

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