Der Neue Merker

LANDSHUT/ Landestheater Niederbayern: LA WALLY von Alfredo Catalani

Landshut, Landestheater Niederbayern,: Catalani, LA WALLY  am 5.März 2017

wally

Adelheid Fink (Wally) und Emily Filtz (Walter). Quelle: Landestheater Niederbayern

Alfredo Catalani´s Versmo-Oper „La Wally“ bleibt in den Spielplänen selten. Trotz der großteils hervorragenden Komposition tut man sich szenisch schwer. Die Vorlage „Die Geierwally“ ist ein ursprünglich ein Roman, später ein Volkstheaterstück, und als große italienische Oper will das Werk im Jodler- und Bauerntanz-Genre nicht recht überzeugen.
Der künftige Augsburger Intendant ANDRÉ BÜCKER  nimmt sich am Landestheater Niederbayern dieser Rarität an. Und er macht es klug, im sicherlich keinen Budget bescheiden bleibend, konzentriert er sich auf die spannende Geschichte. Ein teilbares Holzhäuschen (Bühne: JAN STEIGERT) kann so zur Kirche, zum Zimmer oder zu Schluchten werden. Die schwer inszenierbare Schneelawine modelliert er mit dezent filmischer Hilfe plastisch.
Die Kostüme von SUSE TOBISCH bleiben im Trachtenmillieu; nicht vorteilhaft allerdings ist das erste Auftrittskostüm der Protagonistin.

Man kennt aus der Oper die große Arie: „Ebben ? Ne andró lontana“, ein Paradestück für jede italienisch-dramatische Sopranistin. In Landshut wird die Titelpartie ADELHEID FINK  anvertraut. Der erfahrenen und klugen Sängerin fällt die Wally schwer. Die Höhen kommen nicht leichtgängig und in den lauteren Legatophrasen wirkt sie überfordert. Künstlerisch spannend hingegen gestaltet sie die rezitativischen Versimo-Teile und Szenen.
Ihr Partner JEFFREY NARDONE (Hagenbach) hat einen kräftigen und klingenden Spinto-Tenor und setzt diesen gekonnt dramatisch ein.  Auch spielt er den Tiroler Naturburschen geradlinig und charmant.
CHYUN CHUN KIM hat als Gegenspieler Gellner eine große Baritonstimme und technisch wenig Mühe mit der heiklen Partie. Ihm fehlt es jedoch an Persönlichkeit, um den um Liebe werbenden und barsch zurückgewiesenen Mann vielfarbiger anzulegen. Bei den Bassisten hat MARC KUGLER deutlich die Nase vorn. Sein dauertrunkener Landstreicher spielt sich zu den Protagonisten und sein markiger Bassbariton klingt in jeder Szene potent. Der Stomminger von (?) hingegen hat nicht diese Autorität. Seine Baßstimme ist mangelhaft fokussiert und entfaltet wenig Sonorität.
KIMBERLEY BOETGER-SOLLER lässt als Afra aufhorchen mit wohlklingendem Mezzosopran, EMILY FULTZ in der Hosenrolle des Walter gefällt mit frischem Spiel und warmer, lyrischer Stimme.

Der Chor des Hauses bemüht sich nach Kräften, diese üppige Partitur vokal zu erfüllen. Die Philharmonie Niederbayern spielt konzentriert und absolut das Metier beherrschend.
Gewissenhaft und  das Werk bestens kennend ordnet die junge italienische Dirigentin MARGHERITA COLOMBO das musikalische Geschehen.

Man darf berichten, dass sich der Besuch in Landshut sehr gelohnt hat. Man hört und sieht ein selten gespieltes Werk in guter Qualität. Mehr Besucher hätte auch das am Stadtrand liegende Theaterzelt allemal verdient.

Christian Konz

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