La Harpe Reine

by R.Wagner | 1. Januar 2017 18:41

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La Harpe Reine
Xavier de Maistre, Les Arts Florissants, William Christie –

harmonia mundi CD

Musik am Hofe Marie Antoinettes

Sie wollen das Neue Jahr musikalisch royal unbeschwert und mit perlendem Wohlklang beginnen? William Christie hat dafür die passende CD  parat. Im Juni 2016 anlässlich eines Konzerts an der Opéra Royal du Château de Versailles (das aus Anlass der Vermählung Marie Antoinettes erbaut wurde) mitgeschnitten, wartet das neue Album mit dem beschwingten Harfenkonzert von Jean-Baptiste Krumpholz Nr. 5 in B-Dur, der Haydn Symphonie „La Reine“, dem technisch höllisch schwierigen Harfenkonzert Nr. 1 in F-Dur von Johann David Hermann und einer Solotranskription des Tanzes der Seligen Geister aus Glucks Oper „Orphée et Euridice“ von Xavier de Maistre selbst auf.

Die junge Erzherzogin Marie Antoinette hatte eine Harfe im Gepäck, als sie von Wien nach Paris reiste und brachte dieses Instrument so richtig in Mode. Die Habsburgerin nahm jeden Vormittag eineinhalb Stunden Harfenunterricht (bei den deutschen Lehrern Philipp Joseph Hinner und Christian Hochbrucker) und liebte es, bei kleinen Kammerkonzerten in ihren Privatgemächern ihren Gesang selbst zu begleiten. Wie der wohl beste Harfenist der Welt, Xavier de Maistre, weiß, gab es 1760 über 200 Harfengeschäfte in Paris, heute sind es nur noch zwei. Damals spielten alle jungen  Mädchen der besseren Gesellschaft Harfe, es waren aber hauptsächlich Männer, die Harfenunterricht erteilten und als Konzertsolisten auftraten. 

Das musikhistorisch und -wissenschaftlich hochinteressante Programm beginnt mit dem fünften Harfenkonzert des gebürtigen Tschechen Jan Krtitel Krumpholtz, Schützling Haydns. Weil seine zweite Frau Anne-Marie Steckler mit ihrem Liebhaber, dem Pianisten und Komponisten Jan Ladislav Dussek nach London zog, stürzte sich Krumpholtz 1790 vom Pont Neuf in die Seine. Abgesehen von dieser tragischen Vita schuf der Tonsetzer achtzehn Konzerte, die so virtuos und technisch anspruchsvoll sind, wie sich dies eben auf den damaligen Instrumenten realisieren ließ. Im Andante con variazioni  wandelt Krumpholtz die Melodie des Chansons „O ma tendre musette“ in ausgezierteste Harfensoli. Prachtvoll! Johann David Hermann, ein weiterer Harfenlehrer Marie Antoinettes, folgt in seinem zweisätzigen hier aufgenommenen Opus einem überwiegend pianistisch gedachten Harfensatz. Xavier de Maistre, ehemaliger Wiener Philharmoniker,  spielt die beiden Werke auf einem Instrument des ausgehenden 18. Jahrhunderts von Chaillot. Trotz geringerer Saitenspannung, engeren Saitenabständen und einer weniger robusten Mechanik gelingen de Maitre „unvergleichlich transparente Klanggestalten“. 

Abgerundet wird die CD durch eine hinreißend musizierte 85. Symphonie von Joseph Haydn (vierte seiner sechs Pariser Symphonien), die ihren Beiname „La Reine“ allein dem Umstand verdankte, dass sie auf Königin Marie Antoinette einen besonderen Eindruck gemacht hat. Der Tanz der seligen Geister als Hommage an die Leier des Orpheus beschließt eine klug inszenierte und musikalisch geglückte Programm CD. William Christie und sein Orchester Les Arts Florissants liefern zur Harfe den adäquaten orchestralen Edelrokoko Soundtrack.

Dr. Ingobert Waltenberger

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