Der Neue Merker

KUOPIO/ Finnland: SAISONAUFTAKT DER KUOPIO-SINFONIKER

Kuopio / Finnland: Saisonauftakt der Kuopio-Sinfoniker – 14.9.2017

„Goldener Klang und brennendes Herz“. Wenn das erstmalige Auftreten der russischen Sopranistin PELAGEYA KURENNAYA im finnischen Kuopio mit diesem Slogan beworben wird, lässt dies natürlich die Erwartungen in die Höhe schnellen, und es macht den Rang dieser noch jungen Künstlerin aus, dass sie diesen (fast) entsprach. Mit Gliéres Konzert für Sopran und Orchester sowie Mozarts Konzertarie „Bella mia fiamma…. Resta, o cara“ hatte sie sich ein anspruchsvolles Programm ausgesucht, zumal beide Stücke zum ersten Mal aufführend. Um gleich mit einer Einschränkung zu beginnen: Beim Gliére wurde besonders im für einen Koloratursopran gedachten zweiten Teil deutlich, dass sie diesen noch nicht vollständig „in der Kehle“ hatte. Hier wäre ein Mehr an leichterem Tonansatz von Nutzen gewesen, und auch die diversen Staccati waren noch nicht vollkommen präzise.

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 Pelageya Kurennaya und Alberto Hold-Garrido nach dem Konzert (Foto: Archiv Manninen)

Doch bereits der erste Einsatz im langsamen, lyrischen Teil ließ die Vermutung aufkommen, es hier mit einer außergewöhnlichen schönen und interessant, da relativ dunkel timbrierten Stimme zu tun zu haben, deren Potential – wenn mich nicht alles täuscht – in Partien des lyrischen Faches am besten zum Tragen kommt. Dieser Eindruck wurde in Mozarts diffiziler Konzertarie vollkommen zur Gewissheit, die schon jetzt eine Staunen machende Perfektion erreichte. Herrlich mit langen Bögen ausgestaltet der lyrische Teil, während der mehr verzierte zweite Teil eine technische Sicherheit offenbarte, die dem Glière noch fehlte. Es wäre wünschenswert, der derzeit als Gast am St. Petersburger Mariinsky-Theater tätigen Sängerin bald wieder zu begegnen.

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 Pelageya Kurennaya. Copyright: Archiv Manninen

 
Mit dem Stadtorchester von Kuopio war ALBERTO HOLD-GARRIDO der jungen Künstlerin ein anpassungsfähiger und -williger Begleiter. Der gebürtige Spanier war in Kopenhagen aufgewachsen und hatte u.a. dort seine musikalische Ausbildung genossen. Offenbar dieser Tatsache war es zu verdanken, mit der 1. Sinfonie des dänischen Komponisten Carl Nielsen einem in Finnland selten zu hörenden Werk zu begegnen, und diese Begegnung machte gerade durch Hold-Garridos straffen, sich nicht in Details verzettelndem Zugriff Appetit auf Mehr. Ein geborener Kapellmeister, der durch überaus päzise Zeichengebung seine Intentionen auf das Orchester nahtlos übertrug. Nach den höher eingeschätzten (und dotierten) Musikern aus Helsinki, Lahti, Tampere und Turku gehört dieses Stadtorchester zur gehobenen Mittelklasse, und – zumindest nach diesem Konzert zu urteilen – scheint die Orchestererziehung des einst beim finnischen Dirigentenpapst Jorma Panula ausgebildeten Hold-Garrido Früchte zu tragen. Dies konnte man auch bei der dieses Konzert einleitenden Mozart-Sinfonie KV 318 heraushören, die mit ihren drei ineinander übergehenden Sätzen im Stil einer italienischen Ouvertüre gehalten ist, was eher zögerlichen Beifall des an eine viersätzige Sinfonie gewohnten Publikums zur Folge hatte. Ein schöner Saisonauftakt, dem durch das Auftreten der russischen Sopranistin der Charakter des Besonderen anhaftete.

Sune Manninen

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