Der Neue Merker

KULTURTOURISMUS IN SPANIEN – und voll hinein in das Cervantes-Jahr 2016

Kulturtourismus in Spanien …. und voll hinein in das „Cervantes Jahr 2016“


Miguel de Cervantes

VON DON QUIJOTE NACH LA MANCHA VERFÜHRT


Komödienhof von Almagro

Mit spezieller Werbung für einen Spanien-Trip müsste Opernfreunden oder Kulturreisenden ja nicht der Mund wässrig gemacht werden. Zu beliebt und bekannt sind die verführerische Carmen, der verliebte habsburgische Infant Don Carlos oder rassige Flamenco-Tänzerinnen. Auch Plácido Domingo, der glückliche Real Madrid-Fan, ist nicht zu überhören. Und der in den Opernhäusern tanzende und auch schon recht bejahrte Don Quijote kommt zwar aus dem Moskauer Bolschoi-Theater, gibt sich aber mit seinem Kampf gegen die Windmühlen und soziales Leid und umringt von vielen strammen Toreros schon sehr, sehr überzeugend in spanischer Manier.

‚Cervantes–Jahr‘ heißt es heuer in Spanien, besonders aufwändig beworben. Vor vierhundert Jahren ist Poet Miguel de Cervantes Saavedra gestorben. Und da der Schöpfer der Kunstfigur Don Quijote nun einmal zu den ganz Großen der Weltliteratur zählt, setzt Spaniens Tourismus-Department dieses Jahr voll auf Fremdenverkehrswerbung mit all den Reizen der traditionsreichen Kultur und den vielen Naturschönheiten des Landes unter dem Motto „Auf den Spuren von Cervantes durch Madrid und die La Mancha“.

Also, auf dem Rücken von Rosinante, Don Quijotes altem dürren Gaul, müssen wir uns durch Kastiliens La Mancha, der südlich von Madrid gelegenen Steppenlandschaft, nicht abmühen. Empfohlen wird ein mit Komödianten besetzter ‚Cervantes Zug‘ von Madrid aus bis Alcalá de Henares, der Geburtsstadt des Dichters. Machen wir uns aber selbstständig, schauen wir, nicht den zehn angebotenen Routen folgend, was hier in dieser spanischen Kornkammer auf einer Hochebene mit rauhem Klima an den zahlreichen historisch geprägten kleineren Ortschaften mit kultureller Vergangenheit besonders reizvoll sein könnte.

TOLEDO: Ehemals Spaniens Handelszentrum, in dem Christen, Juden und Mauren in friedlicher Gemeinschaft ihre Kulturen ausleben konnten. Cervantes wohnte hier im arabischen Färberviertel. Im Museo de Santa Cruz wird an die Seeschlacht von Lepanto erinnert, in der des kämpfenden Dichters linke Hand verletzt und für immer entstellt worden ist.

EL TOBOSO
: Ja, hier, soll Don Quijote, der Ritter mit der traurigen Gestalt, laut seinem Schöpfer geboren worden sein. Und in der Casa de Dulcinea kann der Besucher so manches über die urige Architektur Kastiliens erfahren.

ALCALÁ DE HENARES:
1547 wurde unser Dichter hier geboren. Nahe von Madrid ist Alcalá, eine Univeriätsstadt, als UNESCO-Weltkulturerbe geadelt worden. Komödianten tummeln sich herum, im ‚Corral de Comedias‘, dem 1601 errichteten Freiluft-Komödienstadel. Und im Erzbischöflichen Palast sind Bauelemente von romanischen Zeiten über den Stil der Mauren, Mudéjar, bis in das Barock zu bestaunen.

ESQUIVIAS
: Cervantes heiratete in diesem Städtchen 1584 Dona Catalina de Salazar y Palacios. Und das Haus des Cervantes, ein altes zweistöckiges Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert, ist heute als ein Museum mit historischem Weinkeller zu besichtigen.


Komödienhof von Almagro

ALMAGRO
: Stopp hier! In der historischen Altstadt steht der nächste ‚Corral de Comedias‘, der historische Komödienhof aus der Zeit des Cervantes. Und wird mit dessen Theaterstücken wie ‚Das Wundertheater‘, ‚Die Höhle von Salamanca‘ oder ‘Zerstörung von Numantia‘ bespielt. Für ein internationales Theaterfestival im Juli wird geworben.

ILLESCAS:
Eine Königsresidenz des 12. Jahrhunderts. Fünf Meisterwerke von Maler El Greco sind hier im Hospital de la Caridad zu bestaunen.

MADRIJEOS:
‘Quijote-Tage‘ werden gefeiert, und Molino del Tío Genaro ist eine gar uralte Windmühle, deren Mechanik noch tadellos funktioniert.

ARGAMASILLA DE ALBA
: Ja, unser Dichter ist hier in einer Höhle eingekerkert gewesen. Er erinnerte sich nicht gern daran, hat aber in diesen Tagen mit der Niederschrift seines Hauptwerkes begonnen.

SIGUENZA:
In der Ausstellung ‚Cervantes 1616 – 2016 Shakespeare‘  werden die beiden im gleichen Jahr verstorbenen Dichtergrößen gegenübergestellt.


Windmühlen bei Consuegra

CONSUEGRA: Nahe dem Vulkangebiet der Region, mit Windmühlen auf den Höhen über der Stadt. Die alten Römer haben hier gegen die Punier gekämpft, und die muslimischen Almoraviden aus Nordafrika schlachteten 1097 Kastiliens christliche Krieger ab.

Genug. In La Mancha gibt es noch viel mehr zu sehen: Olivenhaine, Dörfer mit ausgedehnten Landwirtschaften, gewaltige Trotzburgen und Burgruinen, Windmühlen, Ehrfurcht erregende Kathedralen, die Kulturlandschaft von Aranjuez, Naturparks wie Las Lagunas de Ruidera mit seinen fünfzehn Seen inmitten der Steppe. Romantisches Fluidum bieten Jahrhunderte alte Gastwirtschaften, in denen ‚Vinos de Madrid‘ als kräftig und elegant beworben werden. Und Palast und Kloster Escorial in San Lorenzo, von Philipp II. erbaut und 45 Kilometer von Madrid entfernt, werden als größte Renaissanceanlage der Welt beschrieben.

Zurück nach MADRID, Startplatz und Schlusspunkt der diversen Cervantes-Routen. Der Königspalast schmückt sich heuer ‚cervantisch‘, und dessen Hauptgalerie sind historische Tapisserien zum Thema „el Quijote“ ausgestellt. Im berühmten Kunstmuseum Prado wird zur Zeit eine umfasende Hieronymus Bosch-Ausstellung gezeigt. Goya, Velazquez, Caravaggio, Botticelli, Dürer, Mantegna sind hier ständig zuhause. Plácido Domingo liebt das Fussballstadion Estadio Santiago Bernabéu, aber auch das Teatro de la Zarzuela, die Pflegestätte der spanischen Operetten. Und, schließlich, wohl ganz besonders, sein schönes Opernhaus Teatro Real. Bellins „I Puritani“ und Verdis „Il due Foscari“ werden dort in den Sommermonaten neben zahlreichen Konzertabenden zu erleben sein. Und für Jänner 2017 ist ein Gastspiel des Wiener Staatsballetts angesagt. Nicht mit dem christlichen Don Quijote als Titelhelden, sondern bestückt mit den grimmigen Muselmanen des „Le Corsaire“.
www. spain.info/at
 
Meinhard Rüdenauer

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