Der Neue Merker

KS LEONIE RYSANEK AN DER WIENER STAATSOPER

Cover Leonie Rysanek~1

KS  LEONIE RYSANEK AN DER WIENER STAATSOPER
Broschüre,
Eigenverlag der Wiener Staatsoper, 2016 / 17

Leonie Rysanek (1926-1998) – Opernfreunde vergessen ihre Lieblinge auch nicht, wenn sie tot sind. Im November letzten Jahres veranstaltete die Wiener Staatsoper anlässlich des 90. Geburtstages von Leonie Rysanek, den sie ja leider nicht erleben durfte, eine Ausstellung im Gustav Mahler Saal. Nächstes Jahr im März könnte man ihres 20. Todestages gedenken. Jedenfalls liegt nun eine jener Broschüren vor, die die Wiener Staatsoper wichtigen Ereignissen und bedeutenden Mitgliedern des Hauses widmet.

Peter Dusek, dessen „Liebe zu Leonie“ legendär ist (er konnte am Stehplatz von nichts anderem reden als von ihr), schrieb die Einführung, in der er das glühende Temperamentsbündel Rysanek zur „Primadonna des Herzens“ erklärt, Hubert Deutsch, der seit seinen Anfängen (er wurde 1955 Solo-Korrepetitor der Wiener Staatsoper) mit der Rysanek zusammen gearbeitet hat, findet gleichfalls Worte des Gedenken. Der Rest der Broschüre sind Bilder und Dokumente.

Leider werden nur die 13 Premieren aufgeführt, in denen die Rysanek am Haus sang, von der „Frau ohne Schatten“ 1955 bis zum „Parisfal“ 1979 (das war noch die Everding/Stein-Inszenierung mit Siegfried Jerusalem und Ridderbusch), und leider nicht die anderen Rollen – da muss man sich schon im Online-Archiv des Hauses zusammen suchen, was sie am meisten gesungen hat: 61 x die Marschallin, 53 x die Tosca, dann die beiden Rollen, in die man sie gefühlsmäßig meint, am öftesten gesehen zu haben, nämlich die Sieglinde (46x) und die Chrysothemis (45 x), weiters sang sie 38x Salome, 36 x Fidelio-Leonore, 35 x die Kaiserin, 30 x die Ariadne, 24 x die Amelia und vieles andere mehr. In den Jahren zwischen 1955 und 1991, in denen sie an der Wiener Staatsoper sang, hatte sie auch den Fachwechsel vollzogen, von Salome zu Herodias, von Elsa zu Ortrud, zu den großen „Altersrollen“ Janaceks, der Küsterin und Kabanicha. Schade, dass man hier nicht den Platz für die Liste und eine Analyse ihrer Figuren fand.

Der Foto-Teil zeigt sie in vielen Rollen, es gibt wichtige Theaterzettel, man sieht ihre Ehrungen, einen „10 Jahres Kalender“, bei den man sich nicht ganz auskennt, und viele bewundernde Worte von Kollegen, von Böhm und Karajan bis Pavarotti. Die „Star-Fotos“ vermitteln ihr grandioses Image, die Szenenfotos aus verschiedenen Werken ihre unvergessliche Magie.

Renate Wagner

 

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