Der Neue Merker

KÖLN/ Philharmonie: LIEDERABEND VALER BARNA-SABADUS

LIEDERABEND VALER BARNA-SABADUS (Köln, 13.Januar 2013)

 „Entweder es gefällt dir oder es gefällt dir nicht“, so vor kurzem der aus Rumänien stammende VALER BARNA-SABADUS über die Zunft der Countertenöre. Bei seinem Konzert am Sonntag in der Kölner Philharmonie mochte man eigentlich nicht glauben, dass es gegen das Singen von Männern mit Kopfstimme überhaupt noch Widerstand geben könnte. Das Haus war stärker ausgelastet als bei Liederabenden üblich, es gab Ovationen, am Signiertisch bildeten sich lange Schlangen. Mit nur 26 Jahren schon eine solche Attraktion?

 Vielleicht lassen sich die 3 Aufführungen von Leonardo Vincis „Artaserse“ zu Weihnachten in der „Oper am Dom“ zur Erklärung heranziehen. Sie bildeten ja ein Gipfeltreffen von Countertenören, mit Stimmen eine schöner und interessanter als die andere. Der ebenfalls mitwirkende Philippe Jaroussky hat diese Produktion zum Anlass genommen, nochmals nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass die vokale Farbpalette unter den Vertretern des Counter-Fachs ähnlich groß ist wie bei „normalen“ Sängern.

 Schon bei diesem „Artaserse“ fiel Valer Barna-Sabadus mit seinem sopran-nahen, klangvollen und weich flutendem Organ auf. Beim jetzigen Soloabend mit englischem Barock-Repertoire, welches sich weitgehend mit der aktuellen CD „To touch, to kiss, to die“ deckt, konnte man sich auf den Gesang des jungen Künstlers noch stärker konzentrieren. Das Fazit, romantisch ausgedrückt: man schwebte auf Wolken.

 Der Gesang von Valer Barna-Sabadus schwebte seinerseits förmlich durch den Raum. Seine Stimme besitzt etwas mehr Volumen als die des eben genannten Philippe Jaroussky, auch wenn beiden ein ähnlich androgynes Timbre eignet. Die anderen Stimmen bei „Artaserse“ waren entschieden „maskuliner“.

 Der schlanke, hoch gewachsene Valer Barna-Sabadus ist ein ausgesprochen sanfter Sänger, wie speziell einige der Henry-Purcell-Songs nachwiesen (so „If Music be the Food of Love“ oder auch „O Solitude“). Doch bereits das „Come again sweet love doth now envite“ des „traurigen“ Komponisten John Dowland zu Beginn bezauberte durch feinsinnige Gestaltung. Dass die Stimme von Valer Barna-Sabadus bei aller Zartheit enorm projektionskräftig ist und geradezu mirakulöse Phrasen in messa-di-voce-Manier (An- und Abschwellen) zu bilden Girlandenhaften Koloraturgesang, wie beispielsweise von Georg Friedrich Händels Kantate „Dolc‘è pur d’amor l’affanno“ gefordert, bewältigte Valer Barna-Sabadus gleichfalls mit schwerloser Eleganz.

 Bei den instrumentalen Intermezzi brilliert vor allem der Gambist PAVEL SERBIN. Die Cembalistin OLGA WATTS (auch mit 2 Soli aufwartend) sowie der Lautenist AXEL WOLF besorgten vor allem die stilvolle Begleitung von Valer Barna-Sabadus. Diesen darf man ohne Übertreibung als Ausnahmesänger bezeichnen und auf seine (hoffentlich klug gestaltete) Zukunft gespannt sein.

 Christoph Zimmermann

 

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