Der Neue Merker

KLOSTERNEUBURG/Stiftsbasilika: OSTERKONZERT Bach Consort Wien / Salzburger Bachchor / RUBÉN DUBROVSKY

BASILIKA STIFT KLOSTERNEUBURG: Osterkonzert 2017 –  Bach Consort Wien / Salzburger Bachchor / RUBÉN DUBROVSKY mit Vivaldi

6.4. 2017 – Karl Masek

Bach Consort Wien Foto_ Julia Wesely
Bach Consort. Copyright: Julia Wesely

Vom Ospedale della Pietà, dem Waisenhaus  in Venedig zur Zeit des Antonio Vivaldi bis zur Privatstiftung „CONCORDIA Sozialprojekte“ des Jesuitenpaters Georg Sporschill, der z.B. seit einem Vierteljahrhundert in Rumänien obdachlose Kinder von der Straße holt: Sozialprojekte leisteten und leisten Großartiges, um Kindern in Rumänien, Bulgarien und Moldawien neben Geborgenheit für die Gegenwart auch Chancen für eine selbständige Zukunft zu ermöglichen. Selbst im Europa des 21. Jahrhunderts ist das Thema „Kinder-Obdachlosigkeit“ immer noch akut. Geregelter Tagesablauf, Schulbildung – und nicht zuletzt musikalische Erziehung, die eine wesentliche Basis für ein strukturiertes Leben und Lernen liefert, ist das Ziel solcher Aktivitäten.

Das Osterkonzert 2017 des Bach Consort Wien unterstützt diese Projekte. Musik von Vivaldi, von ihm einst – beginnend als 25-jähriger Priester –  ab 1703 für oben genanntes Waisenhaus komponiert, erklang an  diesem Abend in der Basilika Klosterneuburg.

Ruben Dubrovsky Foto_ Julia Wesely
Rubén Dubrovsky. Copyright: Julia Wesely

Das Bach Consort Wien wurde 1999 gegründet. Ich habe es bei „Osterklang 2010“ und dem Oratorium „Cristo nell‘ orto“ des steirischen Barockkomponisten Johann Joseph Fux, damals in der Minoritenkirche, in einer fabelhaften Aufführung „für mich“ entdeckt. Inzwischen ist das Ensemble unter der Leitung des Wahlwieners mit polnisch-italienischen Wurzeln,  Rubén Dubrovsky (in Buenos Aires geboren!), aus dem Wiener Konzert- und Opernleben (Theater an der Wien, Kammeroper!) kaum mehr wegzudenken. Seit 2014 werden die traditionellen Osterkonzerte vor allem im ORF und in 3sat aufgezeichnet und zu den Osterfeiertagen übertragen. Dieser Umstand trägt sukzessive zu internationalem  Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad bei. Ähnlich der Salzburger Bachchor, der seit Jahrzehnten in der Festspielstadt ein musikalischer Eckpfeiler ist.  Ob Mozartwoche, ob Sommerfestspiele, ob a-capella-Gesang oder zeitgenössische Musik, ob Messen, Oratorien oder Oper: Der Chor beweist unter der künstlerischen Leitung von Alois Glaßner stilistische Vielseitigkeit und hohe Flexibilität!

Im optisch wie akustisch prachtvollen Ambiente der Basilika in Klosterneuburg war das heurige Osterkonzert mit sechs verschiedenen Orchester- und Chorwerken Antonio Vivaldis eine meditative, klangsinnliche, spirituelle, berührende Zeitreise ins Venedig der Jahre nach 1703.

Die Waisenmädchen bekamen eine fundierte musikalische Ausbildung. Viele von ihnen waren hoch begabt. Die Konzerte des Waisenhauses wurden international gefeiert – und viele Musikliebhaber pilgerten ihretwegen nach Venedig. Chor und Orchester des Ospedale waren Stars im 18. Jahrhundert.

Sowohl das „Gloria“, RV 589 (Soli für 2 Soprane und eine Altstimmen) als auch das „Stabat Mater“ RV621 (für Altstimme und Orchester) wurden ursprünglich von Vivaldi jungen Sängerinnen mit noch mädchenhaften Stimmen anvertraut. Schon der junge Priester-Komponist schöpfte, was melodiösen Erfindungsreichtum, Klangsinn und und seinen sanften „inneren Swing“ betraf, bereits aus dem Vollen. Das Bach Consort Wien, angeführt von der souveränen Konzertmeisterin Agnes Stradner, der Salzburger Bachchor (perfekt einstudiert von Alois Glaßner) entführten das gebannte Auditorium  in herrlich austarierte Klangwelten. Wunderbare Echowirkungen, menschlicher Pulsschlag in der  Musik, mit Herzblut gestaltet: Rubén Dubrovsky entwickelte mit ruhiger Gestik wundersame gestalterische Qualitäten: Souverän die Klänge steuernd, zarte, verinnerlichte Sequenzen zulassend, ja suggestiv einfordernd.

Vorzüglich die Solisten: Counter Andreas Scholl gestaltete mit geschmeidigem, „immer jungem“ phasenweise sogar „keusch“ klingendem Altus das „Stabat Mater“, dass man meinte, die berühmte Stecknadel fallen hören zu können. Die Schilderung des Schmerzes der „Mater dolorosa“ kam leise, introvertiert, sozusagen tränenlos. Noch nicht so abgründig trauervoll wie später bei Pergolesi, aber nicht weniger berührend. Bravorufe für Scholl schon zur Pause.

Die beiden Sopranistinnen (die aus München stammende Hanna Herfurtner und die blutjunge Koreanerin Joowon Chung passten beim „Lauda Jerusalem“ RV 609 fast symbiotisch zusammen. Dennoch hoben sie sich stimmlich bestens voneinander ab. Herfurtner mit hellem, quicklebendigem, gleichsam quecksilbrigen Sopran, Chung mit dünklerem, weichem, gleichsam glockigen Sopran.

Hanna Herfurtner lieferte beim Ohrwurm des „Domine Deus, Rex celestis“ im „Gloria“ einen besonderen Höhepunkt an mädchenhaft-schlankem Singen voll von noch fast kindlicher Innigkeit.

Kongenial begleitet an der Oboe von Emma Black.

Bravorufe, Applaussalven, Blumen, emotionale Hochstimmung im vorösterlichen Sakralraum. Und  eine Menge an Spendengeldern für den guten Zweck kam auch zusammen.

(Empfehlung für alle, die nicht vor Ort sein konnten: Das Konzert wurde fürs Fernsehen aufgezeichnet und wird zu folgenden Terminen ausgestrahlt: Ostersonntag, 16.4., 9.05 Uhr in ORF 2; am selben Abend um 20.15 Uhr in „Erlebnis Bühne“ auf ORF III – und schließlich am Ostermontag, 17.4. um 9.05 Uhr auf 3sat)

Karl Masek

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Seite drucken