Der Neue Merker

KLOSTERNEUBURG/ Kaiserhof des Stiftes / „operklosterneuburg“: LE COMTE ORY – Der liebestolle Graf. Premiere

KLOSTERNEUBURG STIFTSHOF: „LE COMTE ORY“ – „DER LIEBESTOLLE GRAF“. Premiere am 8.7.2017

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Copyright: „operklosterneuburg“/ Mark Glassner

Nach einem kurzen nassen Schreckschuss aus einer kleinen Wolke konnte die Vorstellung beginnen, kein Sternenhimmel, es war bedeckt mit leicht angenehm kühlen auffrischenden  Windböen. Nach vielen Reden, zur Eröffnung, und natürlich zum 20 Jubiläum der Intendanz von Michael Garschall und auch noch zu seinem 50 Geburtstag hatten viele Mitstreiter etwas zu sagen. Einen hohen künstlerischen Wert hatten alle diese Aufführungen, auch bereits unter der kurzen vorangegangen Intendanz. Aber internationaler wurden sie sicher in den letzten Jahren.

Le Comte Ory  ist ein nicht so oft gespieltes Werk, es ist auch schwierig zu besetzen. Eine lustige, völlig unrealistische irre Geschichte, mit viel Charme, die unbedingt eine witzige, spritzige und mit etwas Klamauk behaftete Regie braucht. Das alles fand in der Arbeit von François de Carpentries statt. Die dazu passenden Kostüme von Karine van Hercke, die den Übergang von Renaissance zu Barock hatten, passten perfekt dazu. Großartig die überdimensionalen Flügelhauben der  männlichen „Nonnenbruderschaft“. Dazu schuf Hans Kudlich ein einfaches, praktisches und stimmig schönes, phantasievolles Bühnenbild, das von sorgfältiger Lichtarbeit unterstütz wird.

Unter Christoph Campestrini wurde ein lockerer heiterer Rossini-Stil gepflegt. Das Orchester  „Beethoven Philharmonie“ war gut im Schuss und konnte auch ein paar Bläserungenauigkeiten (Luftfeuchtigkeit ?) gut überspielen.

Auf der Bühne agierten alle mit ungeheuer viel Spielfreude und Spaß an der Sache. In der Titelrolle der französischen Komödie hörte man Iurie Ciobanu, ein Tenore di grazia mit bereits leicht metallischen Tönen in der Mittellage, aber einer in der Höhe sicher und schlank geführten Stimme. Seine Arien, mit Schwierigkeiten gespickt konnte er bravourös bieten und ebenso klangen die Ensembles gut. Ein Darsteller, der sichtlich Freude an den diversen Verkleidungen zeigte. Daniela Fally ist bereits ein Stammgast im Ensemble dieses Festivals vor den Toren Wien. (Ein Döblinger ist rascher in Klosterneuburg als am Stephansplatz). Sie hat für die verwitwete Gräfin Adele genau die richtige zarte Lyrik in der Stimme und kann mit feinsten Pianohöhen begeistern. Auch sie spielt ambitioniert und sehr humorvoll. Ab Herbst kann man sie wieder an der Wiener Staatsoper hören. Eben von dort kommt auch Margarita Gritskova. Die als Page Isolier einfach umwerfend ist. Die Stimme ist für den Isolier geschaffen, er wurde sozusagen in die Kehle gelegt, der leichte Mezzo mit toller Tiefe klingt in allen Lagen bruchlos. Als Darstellerin mit viel Charme und Witz  an der Sache, köstlich wie sie ihren Herren, das liebestolle Bürscherl reinlegt. Zur Bande des Grafen gehört auch sein Erzieher Le Gouverneur. Der Bariton Peter Kellner singt und spielt diese musikalisch schöne Rolle gut. Dass seine Erziehungsversuche scheitern, ist wohl klar. Der nächste Spießgeselle ist Raimbaud. Martin Achrainer zeigt eine wohlklingende, saftige Stimme, sehr tragfähig und gut geführt. Auch diese beiden lassen darstellerisch nichts anbrennen, In der großen „Nonnenszene“ legen sie noch eine perfekte Tanzeinlage aufs Parkett. Ein weiterer Gast aus der Wiener Staatsoper ist Carole Wilson als besorgte Dame Ragonde. Sie singt ihre Passagen schön und spielt ebenso mit Witz wie alle ihre Kollegen. Das junge Mädchen Alice ist Florina Ilie.

Einfach köstlich die Umsetzung des Mathurin als Esel, Stier und Einhorn, sehr gut getanzt und gespielt von Michael Mayer und Anna Katharina Slavicek in der Choreographie von Monica I. Rusu–Radman.  Sie sorgte auch für die weiteren köstlichen Tanzeinlagen.

Sehr gut bei Stimme und Spielfreude der Chor „Operklosterneuburg“ unter Michael Schneider.               

Maske und Licht besorgten erstklassig Csilla Domjan und Lukas Siman.

Das Publikum dankte sehr animiert und hielt tapfer bis fast Mitternacht durch. Nach der Pause war kein Besucherschwund zu vermerken. Also ein Abend der sich lohnt. Selten Gehörtes hat eben auch seinen Reiz, das Werk würde einen fixen Platz im Repertoire der renommierten Häuser verdienen.  

Nächstes Jahr gibt es dafür wieder Meistgehörtes. „La Traviata“ , könnte sicher szenisch mehr erfreuen als an anderen Häusern?!

Elena Habermann

 

 

 

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