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KLOSTER HEGNE – URLAUB MIT SPIRITUELLEM PLUS

Kloster Hegne – Urlaub mit spirituellem Plus, 10.08.2014

von Ursula Wiegand

Am späten Nachmittag kommen vier Radler: Vater, Mutter und zwei Söhne. Sie stellen die Bikes ab und gehen ins „Haus St. Elisabeth“, das Hotel vom Kloster Hegne. Hier machen sie Familienurlaub und wirken hochzufrieden.

kKloster Hegne, frühere Klosterpforte
Kloster Hegne, früheres Tor zum Kloster: Foto: Ursula Wiegand

Beim Abendessen – schmackhaft und zumeist „Bio“ – sitzen einige Paare in meiner Nähe, ein Stück weiter eine vergnügte achtköpfige Gruppe, gegenüber eine einzelne Dame. Eine Ordensschwester bringt die Getränke. „Haben Sie noch einen Wunsch?“ fragt sie freundlich. „Nein, danke“ Aber vielleicht hat den, so denke ich, jene Dame. 

„Es ist unser Plus, dass hier immer Schwestern unterwegs und ansprechbar sind,“ sagt  Schwester Edith Maria Senn. „Die Gäste können sie um Rat fragen, mit ihnen plaudern oder Entspannungsübungen machen. Alleinreisende finden so schnell Kontakt.“

„Barmherzige Schwestern vom Heiligen Kreuz“, heißt der 1856 gegründete Orden. Weltweit praktizieren 3.400 Schwestern in 15 Ländern diese Zugewandtheit. 170 von ihnen leben im Kloster Hegne – „im Alter von 30 bis fast 100,“ lächelt Schwester Edith. Einige pflegen alte Menschen und Demenzkranke. In der Theodosiusstube kümmert sich Schwester Rosia um Arme und Obdachlose. Die können duschen, sich frisch mit gespendeten Sachen einkleiden und sich täglich mit einer warmen Mahlzeit stärken.

kKloster Hegne, Eingangsbereich
Kloster Hegne, Eingangsbereich: Foto: Ursula Wiegand

Der Jugend gilt die besondere Aufmerksamkeit. Die private Schule mit 7 Zweigen und weltlichen  Lehrkräften ist stark gefragt, wie die Zahl von 645 Schülerinnen und Schülern zeigt. „Wir sind sehr ökumenisch gesinnt, alle Religionen und Konfessionen sind willkommen,“ betont Schwester Edith. Kinder mit leichten Defiziten finden hier offene Türen und Herzen. „Die werden besonders gefördert und haben so gute Entwicklungschancen,“ ergänzt sie.  

Sie selbst gehört seit 50 Jahren diesem Orden an.. Wie ist das zu schaffen? „Offen für die Menschen und verbunden mit Gott,“ ist hier Motto und Antwort zugleich. Die Ordensfrauen in Hegne wirken keineswegs „verknöchert“, Schwester Edith, Diplom-Sozialpädagogin, schon gar nicht. Mit ihr lässt sich über alles reden.

Sie und Katrin Gergen-Woll, eine junge Diplom-Theologin, konzipieren seit 2006 Kurse in spiritueller Erwachsenenbildung. Dazu gehören neben Schweigetagen und Exerzitien auch Kreativkurse und Tanz-Nachmittage. Ich liebe Bewegung in frischer Luft  und wähle die „Wander-Exerzitien“ mit Frau Gergen-Woll, eine 13 km lange Strecke vom Kloster bis zum Konstanzer Münster.

kBlick aufs Kloster Hegne
Blick aufs Kloster Hegne: Foto: Ursula Wiegand

Wir starten um 9 Uhr, stapfen zunächst zum Aussichtspunkt Hochfirst und haben nun die gesamte Klosteranlage klar im Blick. Der Bodensee und das jenseitige Ufer liegen noch im Morgendunst.

Meine Begleiterin macht Wahrnehmungsübungen: was sehe, höre und rieche ich, wie spüren meine Füße den Boden. Vertraute Dinge. Vielleicht müssen Stubenhocker das wieder lernen.

Schweigend gehen wir durch den stillen Wald. Wir sind nun auf dem Schwabenweg, einem Teilstück vom Jakobsweg, gekennzeichnet durch die Jakobsmuschel. „Wandern ist beten mit den Füßen“, zitiert sie den evangelischen Pfarrer Detlef Wendler (geb.1949).

„Wir Menschen sind evolutionsbiologisch gesehen zweibeinige Lauftiere. Es passt zu unserem Körperbau große Strecken … gehend zurückzulegen“, schreibt er und verweist auch auf die bessere Durchblutung von Körper und Gehirn beim Wandern. Wichtig sei, das Tempo selbst zu bestimmen, um nicht außer Atem zu geraten.

Frau Gergen-Woll bietet Ignatianische Exerzitien, geistige Übungen nach Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens. Was bedeutet das? „Das ist ein Erfahrungsweg, auf dem ich erfahre, wer ich bin und was für mein Leben wichtig ist, auf dem ich eine Beziehung zu Gott im Gebet suche,“ erklärt sie.

kWegkreuz bei Wollmatingen
Wegkreuz bei Wollmatingen: Foto: Ursula Wiegand

Zudem seien Exerzitien ein Übungsweg, auf dem ich lerne, die Gegenwart Gottes jeden Tag neu zu erspüren und mein Leben aus dem Geiste Jesu Christi zu gestalten. Ziel sei, ein Mensch zu sein, der immer „mehr lieben lernen will“. Das klingt anstrengend. Und ist das den Jesuiten gelungen? Denke ich kritisch. Ein Blick in die Geschichte des Ordens zeigt nicht selten die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Der heutige Pilger-Boom tut kund, dass viele lieber mit den Füßen beten oder ganz eigene Wege suchen.

„Wenn ich mit Gruppen unterwegs bin, tragen wir oft alle einen Stein. Den legen wir nach einer Weile am Wegkreuz bei Wollmatingen ab und entledigen uns symbolhaft einer unnötigen Last, erzählt meine Begleiterin. Ich trage lieber die Kamera.

kKonstanz, Inselhotel und Turm des Münsters
Konstanz, Inselhotel und Turm des Münsters: Foto: Ursula Wiegand

Unbeschwert gehen wir schließlich durch Petershausen bis zum Bodensee und folgen der Seestraße. Hinter dem Inselhotel, einem ehemaligen Dominikanerkloster, erblicken wir schon den Turm vom Konstanzer Münster.

kKonstanz, Münster, Hl. Grab in der Mauritius-Rotunde
Konstanz, Münster, Hl. Grab in der Mauritius-Rotunde. Foto: Ursula Wiegand

Dort, in der Mauritius-Rotunde aus dem 10. Jahrhundert mit dem nachgebauten Heiligen Grab, trafen sich stets die Jakobspilger und tun es nach wie vor. Ich betrachte die Apostelfiguren am Maßwerk und stutze angesichts der unüblichen Weihnachtsszene. Müde stützen Maria und Josef den Kopf in die Hand und denken vielleicht: Was nun?

kKonstanz, Münster, Hl. Grab mit Weihnachtsszene
Konstanz, Münster, Hl. Grab, Weihnachtsszene: Foto: Ursula Wiegand

Zwei arme Leute sind sie, die nun mit einem Baby vermutlich per pedes oder auf einem Esel nach der Volkszählung die beschwerliche Rückreise antreten müssen. Ein Grund zur Sorge, nicht zum Jubeln. Eine realistische Darstellung, keine Zuckerguss-Romantik.

Kaum wieder in Hegne (mit der Bahn), hole ich mir den Schlüssel fürs klostereigene Seegrundstück und schwimme entspannt in den klaren Fluten. Einige Schwestern haben sich auf den Liegen ausgestreckt, zwei jüngere heben die Röcke und kühlen die Füße im Wasser.

kHegne, Klosterkirche, Chormosaik
Hegne, Klosterkirche, Chormosaik: Foto: Ursula Wiegand

Bald rufen die Glocken zur Abendandacht, doch an diesem Wochentag beten nur einige Ordensfrauen vor dem ansprechend modernen Chormosaik. Christus als Weltenherrscher (Pantokrator) schaut auf uns herab, ein Werk von Wilfrid Perraudin aus dem Jahr 1963. Sonntags ist die Klosterkirche voller Gäste, hier holen sich alle neue Kraft.

Infos: Kloster Hegne, Konradistraße 12, D-78476 Allensbach-Hegne, Tel.: 0049-(0)7533-807-0. Mail: info@kloster-hegne.de, Web: www.kloster-hegne.de. Details unter “Angebote”.

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