Der Neue Merker

KLAGENFURT: LES PÊCHEURS DE PERLES

Konzertante Opernaufführung in Klagenfurt: „Les Pêcheurs de Perles“ von Georges Bizet (Vorstellung : 20. 4. 2013)


David Steffens, Peter Mazalán, Yosep Kang und Evgeniya Sotnikova (von links) waren die Sänger, Peter Marschik dirigierte das Kärntner Sinfonieorchester (Foto: Stadttheater Klagenfurt)

 Im Stadttheater Klagenfurt steht zurzeit die Oper „Les Pêcheurs de Perles“ von Georges Bizet in einer Serie von konzertanten Aufführungen auf dem Spielplan. Diese nicht allzu häufig gespielte musikalische Perle unter den französischen Opern, die 1863 in Paris uraufgeführt wurde, erfreut sich zurzeit einer großen Beliebtheit, steht sie doch in den nächsten Monaten unter anderem auch in Innsbruck und in Straßburg szenisch auf dem Programm. In Klagenfurt wird sie in der Urtext-Ausgabe von Brad Cohen gebracht.

 Der Inhalt der Oper, die auf der Insel Ceylon spielt und deren Libretto Michel Carré und Eugène Cormon verfassten: Die Fischer der Insel rufen die Götter um Schutz und Gnade für die Zeit an, in der sie im Meer nach Perlen tauchen. Zu ihrer Unterstützung soll eine Priesterin Tag und Nacht im Tempel beten, wobei sie sich nur verschleiert zeigen darf, andernfalls droht ihr der Tod. Der Jäger Nadir erkennt in der jungen Frau seine Jugendliebe Leila wieder, in die auch sein Freund Zurga, der König der Perlenfischer, verliebt war. Um ihre Freundschaft nicht aufs Spiel zu setzen, leisteten die Männer damals den Schwur, ihrer Liebe zu entsagen. – Als Nadir Leila im Tempel überrascht, besingen sie ihre Liebe, werden aber von Nourabad, dem Gemeindeältesten, und den Wachen gestellt. Man verurteilt beide zum Tode. – Leila bittet Zurga vergeblich um Gnade für Nadir. Erst als Zurga bei ihr die Halskette erkennt, die sie von einem Fremden geschenkt bekam, weil sie ihn vor Verfolgern im Haus ihres Vaters verbarg, weiß er, dass er in ihrer Schuld steht und plant ihre Rettung. Als die beiden zum Richtplatz geführt werden, legt Zurga ein Feuer. Die Fischer laufen davon, um ihr Hab und Gut zu retten – und Leila und Nadir gelingt die Flucht. Zurga bleibt allein zurück.

 Das Stadttheater Klagenfurt bot für die konzertante Aufführung, die in französischer Sprache mitdeutschen Übertiteln gesungen wurde, ein exzellentes Sängerensemble auf. Als Tempelpriesterin Leila begeisterte die junge russische Sopranistin Evgeniya Sotnikova das Publikum mit ihrer klaren, koloratursicheren Stimme. Wunderschön klang ihre mit Bravour gesungene Arie Comme autrefois dans la nuit sombre“. Darüber hinaus versuchte sie ihre Gefühle auch mimisch auszudrücken – mit einem bezaubernden Lächeln im ersten Akt und am Schluss, als sie gerettet ist. Der koreanische Tenor Yosep Kang war ihr als Nadir mit seiner prächtigen lyrischen Stimme ein idealer Gesangspartner, dessen Arie Je crois entendre encore“ mit großem Beifall aufgenommen wurde. Leider vermied er es konsequent, irgendeine Regug zu zeigen. Mit stoischer asiatischer Ruhe sang er vom Blatt ins Publikum – mit herrlichem Timbre, aber ohne jegliche Mimik. Auch wenn die russische Sopranistin sich ihm während des Gesangs zuwandte, ließ er sie abblitzen und blieb regungslos.

Den Perlenfischer Zurga gab der junge slowakische Bariton Peter Mazalán (auch er wie die russische Sopranistin unter dreißig) mit kräftiger, ausdrucksstarker Stimme. Es wäre interessant, ihn in einer szenischen Aufführung der „Perlenfischer“ zu erleben. Der Basssänger David Steffens, der schon als Student etliche Preise erhielt und im Vorjahr bei den Salzburger Festspielen im Young Singers Project engagiert war, lieh seine mächtige
Stimme Nourabad, dem Gemeindeältesten.

 Stimmgewaltig agierte der Chor (samt Extrachor) des Stadttheaters Klagenfurt (Einstudierung: Günter Wallner), dem in diesem Werk große Bedeutung zukommt. Die oftmals orientalisch anmutende Partitur von George Bizet, die von außergewöhnlicher Instrumentierung ist und eine wunderbare atmosphärische Dichte aufweist, wurde vom Kärntner Sinfonieorchester unter der Leitung des in Hannover geborenen Dirigenten Peter Marschik, der an der Musikhochschule in Wien studierte und seit November 2012 Professor für Musikalische Interpretation an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien ist, exzellent wiedergegeben.

 Das von der musikalischen Qualität sehr angetane Publikum sparte nicht mit Beifall nach Arien und überschüttete am Schluss alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus und das Sängerensemble mit vielen Bravorufen, die sogar dem koreanischen Tenor ein kurzes Lächeln entlockten!

 Udo Pacolt, Wien – München

 

 

 

 

 

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