Der Neue Merker

JULIA VARADY – Liebevolle Erinnerungen zum 75. Geburtstag

JULIA VARADY

julia-varady-medici.tv 

– Liebevolle Erinnerungen anlässlich des 75. Geburtstages am 1. September

„Mitleben – Miterleben“

Zunächst mal:

Notenrose Mini

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH,

liebe Frau Kammersängerin!

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Da ist doch eine, die in München alle Premieren singen darf, meinte in den 80er-90er Jahren eine Fachkollegin Julia Varadys, nicht ohne einen gewissen Neid in der Stimme. Ja tatsächlich war das so, wenn auch vielleicht nicht wirklich alle. Auf jeden Fall aber: Julia Varady konnte alles (!) singen!

1994 plante ich ein Merker-Interview mit Julia Varady, was sich aber durch ihr Auftreten beim Gesprächsabend des IBS (Interessenverein des Bayerischen Staatsopernpublikums) erübrigte, wo sie, für alle Fragen offen, heiter, temperamentvoll und frank und frei erzählte.  Auf die Bemerkung einer Besucherin, es sei doch bedauerlich, dass Julia Varady keine komischen Rollen verkörpere, meinte verschmitzt die Künstlerin: „Komisch bin ich zu Hause. Mein Mann sagt manchmal, ich sei die geborene Komikerin.“ –

varady-dieskau-orfeo cd Nach diesem so ergiebigen Gespräch schrieb ich ihr einen Brief, u. a. mit der Bemerkung, dass der so hochverehrte Maestro Dietrich Fischer-Dieskau, bei dessen Namensnennung viele in Ehrfurcht schier erstarrten, doch eigentlich „ein ganz normaler Mensch“ sein müsse, wenn er eine dermaßen fröhliche und humorvolle Gattin hat. Kurz darauf  klingelte mein Telefon und Fischer-Dieskau selbst war am Apparat – Er melde sich, damit ich sähe, dass er „ein ganz normaler Mensch“ ist …  – netter und charmanter ging’s nicht. Ich fiel vor freudigem Schrecken beinahe vom Sofa, erst recht nachdem ich von ihm eine Einladung zum Gespräch ins Haus in Berg am Starnberger See erhielt. Anlässlich seines Ablebens 2012 ließ ich diese Erinnerungen noch einmal aufleben ( http://der-neue-merker.eu/dietrich-fischer-dieskau-gest-18-05-2012-eine-kleine-geschichte-uber-einen-grosen-menschen )

Varady -CD_Cover Ich hatte das große Glück, Julia Varadys Spitzenzeit in München mit ihrem enorm breit gefächerten Repertoire über viele Jahre miterleben zu dürfen. > „Miterleben“ – das erscheint mir die passende Vokabel für Julia Varadys Auftritte: Sie sang, und wie! Mit ihrer schier grenzenlosen Stimme, vor innerer Glut vibrierend, mit Glanz und Strahlkraft in der Höhe, mit einem schlicht richtig aufregenden Timbre, glasklar bei Richard Strauss, wild erotisch als Abigaille und mit endlosen Nuancen für jede ihr gestellte Aufgabe. Und sie spielte quasi sich selbstentäußernd – und so fand immer dieses Mitleben einer Rolle von ihrer Seite aus statt, was zum Miterleben beim Zuhörer/schauer führte. Da gab es einige wahre Sternstunden an der Seite Vladimir Atlantows, er selbst damals ebenfalls auf dem Zenit seiner Karriere. Otello und Pique Dame bleiben mir davon in besonderer Erinnerung. Pique Dame, vielleicht meine russische Lieblingsoper, habe ich nie wieder derart fesselnd erleben können. Im langen Duett zwischen Lisa und Hermann spielte Varady jede Phase mit, reagierte auf alles, was der Partner von sich gab. (Russische Gastsängerinnen stellten sich hierbei einfach mit dem Rücken zum Publikum…). Als Onegin, wie auch in vielen anderen Opern, war Münchens Bariton Wolfgang Brendel einer ihrer herausragenden Partner, u. a. auch im Trovatore, da war Feuer auf der Bühne…

Nabucco Probenfoto Mü. - Wolfgang Brendel. Julia Varady Leider fiel die geplante Zusammenarbeit bei Nabucco wegen einer Erkrankung Brendels nicht statt (er gab sein Debut viel später in der Schweiz), es gab so schöne Probenfotos davon und La Varady als Abigaille wurde zum Großereignis.

Ein Schatz in jedem Musikarchiv ist Wagners RING in der Münchner Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff von 1987. Bei der Aufzeichnung 1989 auf Video und CD singt Julia Varady die Sieglinde (Wotan: Robert Hale – Dir: Wolfgang Sawallisch) – Und hier das „Hehrste Wunder“ (4-30) – zum Weinen schön – >> https://www.youtube.com/watch?v=NqlopUGaLz0  

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Mit 14 Jahren fing Julia Varady in ihrer Heimatstadt Klausenburg/Cluj  (ungar. Teil Rumäniens) ganz behutsam mit der Stimmbildung an. An der Oper in Klausenburg ersang sich Julia ein breit gefächertes Repertoire – zunächst, ohne klare Fachgrenzen. Mit 18 Pamina, mit 21 Santuzza, über die Figaro-Grafin, Liu, Fenena bis hin zur AbigaiIle,eine ihrer umwerfendsten Partien. – In München, wo sie ab 1971 ihre künstlerische Heimstatt fand, waren Rennert und Ponnelle ihre künstlerischen Mentoren. Zweiter Wohnsitz wurde später Berlin, und ihre „Heimat“ wurde, ist und bleibt das Haus am Starnberger See, umringt von den Erinnerungen an Dietrich Fischer-Dieskau.

Nach 33 Jahren einzigartiger Karriere hatte Julia Varady 1997 beschlossen, die Oper sein zu lassen, Ende 2003 verließ sie das Konzertfach. Abschiede, die wie ein Sterben und unter vielen Tränen erkauft waren – aber man sollte sie schließlich in bester Erinnerung behalten, und so ist es nun auch… „Jaaa, die Varady!!!“…  Münchens Opernbesucher haben die Zeit mit ihr genossen.

Und jetzt, Julia Varady?

Viele Kisten hat Julia Varady durchsucht und gesichtet. Ein paar sehr private Briefe hat sie für sich behalten, doch das meiste ging an die Berliner Staatsbibliothek, die nun neue Eigentümerin des Nachlasses ist, wie es Dietrich Fischer-Dieskau gewollt hat. Wer Julia Varady heute in Berg besucht, für den wird schnell klar: Ihr „Dieter“, mit dem sie ein Vierteljahrhundert bis zu seinem Tod 2012 verheiratet war, ist noch immer präsent im Haus am Starnberger See. Die Plattensammlung, die Fotos, die von ihm gemalten Bilder, die riesige Bibliothek. Oder die Dinge draußen. „Jeder Rhododendron wurde von uns selbst vor 40 Jahren gepflanzt“, sagt Julia Varady mit Blick in den großen Garten. „Berg ist meine Heimat. Hier bin ich zu Hause, weil ich hier frei und glücklich geworden bin. Hier sind meine Wurzeln, das ist unser gemeinsames Haus.“

Die aufwändige, emotional belastende Nachlassarbeit hat sie hinter sich gebracht. Einige private Briefe von Dieter hat sie dabei entdeckt, die er an sie adressiert aber nie abgeschickt hat. Eine Überraschung: „Er war ja nicht so spendabel mit überschwänglichem Lob.“  Mehr >>>  http://www.merkur.de/kultur/julia-varady-comeback-kein-stillstand-5575496.html

Seit 2000 ist Júlia Várady Gastprofessorin an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin und unterrichtet am Opernstudio der Staatsoper Unter den Linden (beides Berlin). Seit Oktober 2012 ist sie Gastprofessorin an der Hochschule für Musik in Karlsruhe.

Alles Liebe und Gute zu Ihrem 75., liebe, verehrte Frau Varady,

und Toi-toi-toi für alles, was Sie sich noch vorgenommen haben!

 Ihre Dorothea Zweipfennig, (Mü. 8,9-16)

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Neben einer erklecklichen Anzahl an Plattenaufnahmen und Livemitschnitten aus der Bayerischen STO gibt es auf Youtube erfreulicherweise viele hörens- und sehenswerte Dinge von Julia Varady. Hier ein paar besonders bemerkenswerte >

* https://www.youtube.com/watch?v=zrRL3rKnS_I  > Julia Varady als Abigaille-1995 !!!

https://www.youtube.com/watch?v=T8n_FQk_65k  > Julia Varady: Wie umgibst du mich mit Frieden (Die Liebe der Danae) Strauss

https://www.youtube.com/watch?v=Bdif0oM36ow  > Julia Varady: Salome (Final Scene) by Strauss 

https://www.youtube.com/watch?v=fPi4RbMtQXc > Richard Strauss – „Arabella“ Act II Duett – Varady, Fischer-Dieskau

https://www.youtube.com/watch?v=TK5uUHFbm-Y  > Portrait mit Dieskau

 

lehnhoff-Ring Walküre München 1989 >>

https://www.youtube.com/watch?v=LQO94pYBA-0 / 1

https://www.youtube.com/watch?v=fnvRGEk0YOA / 2

 

 Fotos:

1 – medici.tv

2 – Orfeo, CD-Cover

3 – CD-Cover

4 – Nabucco-Proben Bay. STO – Varady, Brendel 

 

 

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