Der Neue Merker

JOROINEN/ Finnland: MUSIKTAGE-ABSCHLUSSKONZERT

Musiktage in Joroinen / Finnland – Abschlusskonzert am 30.7.2017

In Joroinen, einer kleinen Gemeinde mit gerade ein bisschen mehr als 5000 Einwohnern, idyllisch in der Seenplatte Savos gelegen, fand dieses Jahr nunmehr zum 40. Mal ein kleines, aber feines Festival statt. In einer Zeit, wo dieser Begriff schon verwendet wird, kaum dass ein Künstler einmal mehrere Tage am selben Ort verweilt, nimmt es sich geradezu sympathisch aus, wenn man es bescheiden-zurückhaltend Musiktage und nicht Festival nennt. Dabei kann sich das, was hier zwischen Mikkeli und Kuopio veranstaltet wird, sehen und hören lassen. Der Erfolg: In 10 Tagen wurden 25 Veranstaltungen von 5400 Zuschauern besucht, wobei das Spektrum von Rock bis hin zu Klassischer Musik reichte. Aus der Not, nicht wie in Savonlinna die Burg Olavinlinna oder in Mikkeli einen Konzertsaal aus Austragungsort für die Kammerkonzerte zu besitzen, machte man in Joroinen eine Tugend: diese Konzerte fanden in idyliischen, so typischen Land-Gutshäusern und in umliegenden Kirchen statt.

Seit 2015 liegt die Künstlerische Leitung in den Händen JAN HULTINs, der ab 1994 an der Finnischen Nationaloper sowie bei Savonlinna Opernfestival in leitenden Positionen tätig war. Dass er daneben auch als Agent bei einer in Deutschland ansässigen Künstler-Agentur wirkt, kam am 30.7. dem Abschlusskonzert der Musiktage in der Kirche von Juva zugute, als gleich zwei von vier Sängern (Marjukka Tepponen und Andrea Caré) ersetzt werden mussten. Der „Ersatz“ rekrutierte sich aus „seiner“ Agentur IOA (International Opera Artists).

Interessant und für Finnland typisch, dass unter den Zuhörern auch die finnische Dirigenten-Legende Leif Segerstam weilte, der aus dem nahen Savonlinna herüber geeilt war, wo er beim Festival dirigierte und sich offenbar einen Tag von der Komposition einer seiner mehr als 300 Sinfonien loseisen konnte. 71 Jahre alt und immer noch aktiv, war JAAKKO RYHÄNEN einer der Solisten und ließ in Arien aus „Zauberflöte“ und „Eugen Onegin“ sowie dem Monolog aus Kokkonens „Letzten Versuchungen“ einen immer noch resonanzreichen Bass hören, wenngleich er durch eine gewisse Kurzatmigkeit seinem Alter Tribut zollen musste.

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Victoria Yastrebova 2004 mit Vladimir Atlantov (Foto: Archiv Sune Manninen)

Statt Marjukka Tepponen sang die Mariinsky-Sopranistin VICTORIA YASTREBOVA Arien aus „Aida“ und „Tosca“ sowie Duette aus „Aida“ und „La Traviata“, also ein Repertoire, mit dem sie an ihrer Heimatbühne nur vereinzelt auftritt, da es dort mit lyrischeren Rollen wie „Figaro“-Contessa gemischt wird. Es war leider nicht zu überhören, dass sie sich die nötige Dramatik und das Volumen für diese Rollen durch künstlich herab gedrückte Bruststimme und Vokalverfärbungen erkaufte, so dass zeitweise ein leichtes Leiern wie bei einer schlecht zentrierten LP die Folge war. Hoffentlich nur ein Anzeichen einer nicht optimalen Tagesverfassung und nicht das von frühen Abnützungserscheinungen.

Dieselben „Untugenden“ sowie eine schaurige Diktion waren auch ANNA DANIK zu eigen, die erst vor fünf Jahren ins Mezzospran-Fach gewechselt war. Zwar erwies sie sich als echtes „Theaterpferd“, das in Carmens Habanera gekonnt mit Leif Segerstam „kommunizierte“, konnte damit aber nicht ihre vokalen Defizite verdecken. Zwar hatte sie alle für Dalila, Carmen und Amneris benötigten Töne, ließ jedoch jegliche Homogenität in der Tonproduktion vermissen, so dass die Register auseinanderklafften.

Wenn ein Tenor sich an Tonios Arie aus Donizettis „Regimentstochter“ wagt, so lässt dies auf einen C-Tenor schließen, und in der Tat produzierte JOSKA LEHTINEN seine hohen Cs mit einer Leichtigkeit und Strahlkraft, die sich auch hinter einem Pavarotti nicht zu verstecken brauchten. Damit ist dieser Vergleich aber auch am Ende, denn für den „Rigoletto“-Duca sowie für den „Norma“-Pollione fehlt ihm ein im Gedächtnis haftenbleibendes einschmeichelndes Timbre, für Pollione, den er in Nürnberg auf der Bühne darstellte, dazu noch die nötige Dramatik.

So hinterließ die stimmliche Leistung dreier Protagonisten bei mir die Frage, ob diese Künstler in der Wahl ihres Repertoires wirklich gut beraten waren. Gewiss, es war ein Konzert mit populärer Opernmusik, zudem vom Publikum reichlich akklamiert, doch die „Schokoladenseiten“ jeder Stimme waren nur schwer zu erkennen. HANS-OTTO EHRSTRÖM begleitete gekonnt die diversen Arien und Duette, die von AARO CRONVALL gewohnt charmant moderiert wurden.

Sune Manninen

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