Der Neue Merker

JESI/ Italien: ADELSON E SALVINI von Vincenzo Bellini

Opernrarität in Jesi: „Adelson e Salvini“ von Vincenzo Bellini (Vorstellung: 13. 11. 2016)

adelson e salvini-2

Szenenbild: Copyright: Pergolesi-Theater Jesi

Am 13. 11. 2016 wurde im Pergolesi-Theater in Jesi, wo neben Pergolesi auch der italienische Komponist Spontini geboren wurde, „Adelson e Salvini“, das Erstlingswerk von Vincenzo Bellini (1801 – 1835), in einer Koproduktion mit dem Teatro Massimo „V. Bellini“ in Catania aufgeführt. Die Uraufführung fand 1825 in Neapel statt, zu einer Wiederaufführung des kaum gespielten Werks kam es 1985 in Catania, der Geburtsstadt des Komponisten.

Die Handlung der dreiaktigen Oper, deren Libretto Andrea Leone Tottola verfasste und die in Irland im 17. Jahrhundert spielt, in Kurzfassung: Auf Lord Adelsons Schloss in Irland wohnt neben seiner Verlobten Nelly auch sein italienischer Freund Salvini, der ein begabter Maler ist. Oberst Struley, ein erbitterter Feind des Lords, kommt mit einigen Freunden in die Nähe des Schlosses und will Nelly entführen, um sich an Adelson zu rächen. Zufällig trifft er auf Salvini, der kurz zuvor Nelly seine Liebe gestanden hat, aber von ihr abgewiesen wurde. Struley will den Maler für seine Zwecke nutzen und zeigt ihm einen gefälschten Brief von Adelson, aus dem hervorgeht, dass der Lord Nelly nicht heiraten werde, da er an eine andere Frau gebunden ist. – Salvini hofft, Nelly immer noch für sich zu gewinnen und nimmt an der geplanten Entführung teil. Struley lässt in den Schlossgebäuden Feuer legen. Inzwischen zeigt Salvini Nelly den Brief, die aber nicht daran glaubt, als Struley hereinstürmt und sie fortschleppt. – Als das Feuer gelöscht ist, ertönt ein Schuss und Salvini berichtet, dass Nelly bei seiner Rettungstat verletzt wurde. Doch Nelly kehrt unverletzt ins Schloss zurück und Adelson erfährt, was geschehen ist. Salvini entschließt sich, mit seiner Malschülerin Fanny, die zu Adelsons Untergebenen zählt, für einige Zeit nach Italien zurückzukehren, um seinen Liebeskummer zu vergessen.

adekl
Schluss-Szene. Copyright: Pergolesi-Teatro Jesi

 

Regisseur Roberto Recchia kam in seiner Inszenierung mit wenigen Requisiten aus und präsentierte neben der Staffelei des Malers viele großflächige Gemälde Salvinis, wodurch er ein künstlerisches Ambiente im Schloss schuf (Ausstattung: Benito Leonori). Die zum Teil farbenprächtigen Kostüme entwarf Catherine Buyse Dian, für die Lichteffekte war Alessandro Carletti zuständig.

Das Sängerensemble in Jesi überraschte mit zum Teil hoher Qualität. Der russische Bariton Rodion Pogossov überzeugte als Lord Adelson stimmlich wie darstellerisch ebenso wie der kasachische Bassbariton Baurzhan Anderzhanov als Oberst Struley, dessen volltönende tiefe Stimme seiner Rolle als „vornehmer Geächteter“ gerecht wurde. Überzeugend auch der türkische Tenor Merto Sungu als Maler Salvini, der seinen Liebeskummer in höchsten Tönen beklagte. Das von allen begehrte Waisenmädchen Nelly wurde von der hübschen italienischen Mezzosopranistin Cecilia Molinari dargestellt, deren Stimme Wohlklang verströmte und die auch schauspielerisch zu gefallen wusste.

Als Salvinis Diener Bonifacio begeisterte der italienische Bariton Clemente Antonio Daliotti das Publikum. Er spielte seine Rolle im Stil der Commedia dell’ Arte, ohne in Klamauk zu verfallen. Das junge Mädchen Fanny, das dem Maler Salvini zugetan ist, wurde von der italienischen Mezzosopranistin Sara Rocchi dargestellt, Madame Rivers, die Gouvernante in Adelsons Haus, recht ansprechend von der Mezzosopranistin Giovanna Lanza gesungen und gespielt. Mit sonorer Bass-Stimme stellte Enrico Marchesini Struleys Freund Geronio dar. Sehr stimmkräftig zeigte sich der Männer-Chor Lirico Marchigiano „V. Bellini“ (Einstudierung: Carlo Morganti).

Für die hohe musikalische Qualität der Aufführung sorgte unter der Leitung des spanischen Dirigenten José Miguel Perez Sierra das Sinfonie-Orchester „G. Rossini“, das die vielschichtige Partitur des jungen Bellini in allen Nuancen zum Erklingen brachte.

Das begeisterte Publikum belohnte alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus, unter den sich auch Bravorufe mischten.

Udo Pacolt

Diese Seite drucken