Der Neue Merker

Jasmin Solfaghari: OPERNFÜHRER FÜR EINSTEIGER

BuchCover Solfaghari  Opernführer

Jasmin Solfaghari:
OPERNFÜHRER FÜR EINSTEIGER
Die Hochzeit des Figaro, Der Freischütz, Der Ring des Nibelungen

Wahlweise: Deutsch-Sächsisch, Deutsch-Alemannisch

160 Seiten, Verlag Schott Music, 2017

Jasmin Solfaghari ist Opernregisseurin, deren besonderes Interesse auch dem Bereich der Oper für Kinder gilt. Hier hat sie als Vermittlerfigur den Erzähler „Luna“ gefunden. Und die Regisseurin weiß durch zahlreiche Publikumsgespräche, wie viel Bedürfnis nach Wissen über Oper besteht, sowohl im Blick auf die Werke wie auch in der Neugierde darüber, was hinter den Kulissen geschieht („Wird auf der Bühne wirklich gegessen?“).

Nun kann man nicht alles live vermitteln – dazu ist schließlich die Schrift erfunden worden. Im Internet und als Book on Demand (wer noch Papier in den Händen halten will) hat Jasmin Solfaghari einen „Opernführer für Einsteiger“ geschaffen, der wirklich etwas Besonderes ist.

Zuerst erzählt die Autorin – oder nein, ihr Alter Ego „Luna“ – die Geschichte dreier Opernwerke nach, von Mozarts „Figaro“, Webers „Freischütz“, Wagners „Ring“, und sie tut es einfach, aber über die Handlung auch auf die Gefühle der Figuren eingehend und mit Hinweis auf die berühmtesten Arien und Passagen. Eine Art Stammtafel-Zeichnung – wer gehört wie zu wem – bietet Beziehungs-Übersichten, mit deren Hilfe man sich näher mit den Figuren befassen kann.

Ja, und anschließend ein bisschen Anekdotisches (dass der „Drache“ für „Siegfried“ in England angefertigt wurde und nur teilweise in Bayreuth ankam, lag daran, dass ein Teil davon nach Beirut verschickt wurde) und viel Praktisches: Wie geht das, wenn Sänger sich auf der Bühne ohrfeigen? Wie und was trinkt man auf der Bühne? (Ein Detail sei verraten: Whisky ist Apfelsaft!) Warum braucht man im „Ring“ ganz verschiedene Speere? Wie funktioniert das mit dem „Umziehen auf der Bühne“?

Kurz, hier kann man wirklich in die Realität des „Opernmachens“ eintreten, weil eine Regisseurin nicht nur an sich und ihre „Konzepte“, sondern mehr noch an das Publikum denkt, für das sie arbeitet.

Die letzte Besonderheit am Ende: Jasmin Solfaghari weiß natürlich, dass „Hochdeutsch“ die Lingua franca aller Deutschsprechenden ist, dass ein Großteil der Menschen aber doch ihre heimische Mundart spricht, die vom Hochdeutschen nicht nur abweicht, sondern auch einen eigenen Klang und eine eigene Formulierungskraft hat. Also gibt es wahlweise für den Opernführer im zweiten Teil eine Übersetzung des Textes ins Sächsische, ins Alemannische.

Renate Wagner

Diese Seite drucken