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JACK REACHER: KEIN WEG ZURÜCK

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Filmstart: 11. November 2016
JACK REACHER: KEIN WEG ZURÜCK
Jack Reacher: Never Go Back  /  USA  /  2016
Regie: Edward Zwick
Mit: Tom Cruise, Cobie Smulders, Patrick Heusinger, Danika Yarosh u.a.

Wer nur ein bisschen Ahnung von der Branche hat, hätte sich sehr gewundert, wäre Jack Reacher nicht wieder gekehrt. Es ist die Rolle, die Tom Cruise in seiner derzeit etwas tümpelnden Karriere braucht, um wenigstens nicht aus dem Blick des Publikums zu fallen. Die aufwendigen „Mission Impossible“-Spektakel sind nicht am Fließband zu erzeugen (ebenso wenig, wie uns auffällt, die James Bond-Filme), aber eine Rolle wie den Jack Reacher hält den Mittfünfziger, der krampfhaft versucht, seine Figur fit und sein Lächeln „boyish“ zu halten, am Leinwand-Leben.

Reacher ist Ex-Soldat, hart und schweigsam, dabei ungemein schnell im Begreifen und darin, etwaige Gegner auf den Boden zu verfrachten. Alles, was der Action-Held braucht. Und die gute Nachricht: Autor Lee Child hat schon an die zwei Dutzend Jack Reacher-Romane geschrieben, der Stoff wird nicht ausgehen, solange Cruise durchhält.

Der erste Film der Serie aus dem Jahr 2012 war sehr flott, in der Handlung eindimensional – und die Leute um Cruise haben einiges daraus gelernt. Vor allem: Setze nie wieder eine gute Schauspielerin neben ihm ein, schon Nicole Kidman scheiterte daran, dass sie so ungleich besser war als er, und im vorigen Film stahl ihm Blondschopf Rosamund Pike total die Show. Das passiert diesmal nicht, die Damen des Films sind unansehnlich, es gibt einen Bösewicht-Gegner, aber er ist bestenfalls mittelstark, dafür wurde das Ambiente ein bisschen aufgebessert, u.a. mit einem Abstecher nach New Orleans, wo man im Baton Rouge-Viertel drehte, das sich auf der Leinwand immer vorzüglich ausmacht.

Dieser Film, mit dem ersten nur durch die Hauptfigur und das Milieu des Militärs verbunden, zeigt Reacher wieder auf der Flucht, diesmal mit einer Soldatin namens Susan Turner im Schlepptau, die für ihre Vorgesetzten zum Sündenbock für schmutzige Geschäfte im Afghanistan-Krieg gemacht werden soll (Cobie Smulders darf nicht besonders hübsch sein und nicht besonders auffallen). Weil man Reacher hindern will, ihr zu helfen, hängt man ihm eine angebliche Tochter um den Hals, die dann auch bei der Flucht dabei sein muss – Danika Yarosh ist zwar gelegentlich pfiffig, aber selten liebenswert und nie eine Augenweide, also auch keine Konkurrenz für Cruise.

Ihm auf den Fersen ist Patrick Heusinger, noch der Fall einer B- (bis C-)Besetzung, damit nichts das Licht vom A-Star abzieht. Allerdings darf Reacher diesem Killer immer entkommen bzw. sich auch eine üble Rangelei hoch auf den Dächern von New Orleans liefern – man sieht, nichts Neues, rein gar nichts, die Routine des Action-Film-Machens, die Tom Cruise anzieht wie eine zweite Haut. Und Regisseur Edward Zwick, der mit Cruise den „Letzten Samurai“ gemacht hat (mit Sicherheit einer seiner interessantesten Filme), sorgt dafür, dass das alles wieder so schnell läuft, dass man nicht dazu kommt, sich über die üblichen Logik-Löcher im Drehbuch den Kopf zu zerbrechen…

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Ja, was wäre noch zu sagen? Die schuldlose Susan Turner aus dem Gefängnis befreien und erst einmal zu fliehen, die angebliche Tochter mitnehmen, weil einem nichts anderes übrig bleibt, den von den mächtigen Bösewichten im Hintergrund losgeschickten Killer immer wieder austricksen und am Ende siegreich sein – das und eine Prise Sentimentalität, wenn’s um die Tochter geht (ist sie es oder ist sie es nicht? Diese Spannung zerstört man natürlich nicht….), es wird den Cruise-Fans genügen. Genügen müssen. So witzig wie Bruce Willis in seiner besten Zeit ist der gute Tom ja wirklich nicht. Apropos Titel: Wohin „kein Weg zurück“ führt – ja, das ist die Frage.

Renate Wagner

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