Der Neue Merker

Ivor BOLTON: „Don Giovanni ist etwas Besonderes unter Mozarts Opern“

Anlässlich der Star-besetzten DON GIOVANNI -Premiere im Theater an der Wien sprach Jasmin Wolfram mit dem Dirigenten (Dezember 2016)

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Ivor Bolton. Copyright: Ben Wright

PriComm: Warum ist Don Giovanni etwas Besonderes unter den Mozart Opern?

Ivor Bolton: Von den DaPonte Opern hebt sich Don Giovanni mehr als die anderen Opern dieses Zyklus ab. Hier geht es um existentielle Fragen des Lebens: Gut und Böse, Übernahme von Verantwortung für das eigene Tun im Zusammenhang mit einer Komödie im Stile ‚dramma giocosa‘, eine Spielform, die ihre Wurzeln in Goldonis venezianischem Spiel hat. Unwiderstehliche Unterhaltung in Mozarts Oper durch tiefgründige Ensembles, im Besonderen im Quartett, Sextett und den zwei Finalen.

 Welche Beziehung haben Sie zu diesem Stück?

Ivor Bolton: Don Giovanni spielt eine große Rolle in meiner langen Karriere. Mein erster Job, den ich noch als Student übernahm, war der eines Chormeisters für eine Don Giovann Produktion und Aufnahme unter Bernhard Haitink. Es war die erste Oper, die ich für ‚English Touring Opera‘ geleitet habe und später in Glyndebourne und bei den Proms. Daraus ergab sich eine Produktion am Royal Opera House in London und an der Bayerischen Staatsoper.

 Was ist das Besondere diese Oper in Wien zu machen?

Ivor Bolton: Obwohl die Premiere in Prag stattgefunden hat, erfuhr sie in Wien ihren eigentlichen Durchbruch. Don Giovanni wurde ein Eckstein des Opern Repertoires und der Erfolg hinterließ einen tiefgreifenden Eindruck über die kulturelle Bewegung des 19. Jahrhunderts, geehrt von Kirkegaard, Saint-Saens und George Bernhard Shaw.

 Was ist das Besondere dieser Produktion?

Keith Warners funkelnde Produktion erfasst für mich die verschiedenen Dimensionen dieses Stücks und die Elemente des ‚dramma giocosa‘. Es gibt Helligkeit und Humor, Tiefe in den entscheidenden Momenten, alles im Kontext mit ständig wechselnden Bildern. Für mich ist die Idee das Stück in einem Hotel spielen zu lassen passend.

Warum ist das Mozarteumorchester das richtige Orchester für diese Produktion?

Das Mozarteumorchester ist, wie der Name bereits suggeriert, ausgerichtet auf die Musik seines namengebenden Komponisten. Anders als andere Ensemble erkunden wir die ganze Skala von Mozarts Werk, inklusive der Divertimenti, Serenaden und weniger bekannt Symphonien. Solange ich Chef des Orchesters war haben wir hart daran gearbeitet, um eine Synthese der Spieltechnik aus dem 18. Jahrhundert und der Praxis eines modernen Orchesters zu finden. Während die musikalische Welt bereichert wurde durch Aufführungen von Mozart auf historischen Instrumenten, spielt das Mozarteumorchester dieses Repertoire von Jahr zu Jahr mit sich ständig vertiefenden Verständnis. Anders als die Ensembles für Alte Musik, die die Werke erarbeiten, aufnehmen und dann meist  jahrelang liegen lassen.

 Was kann Salzburg Wien über Mozart lehren?

Ich denke lehren ist nicht der Richtige Ausdruck aber im besten Sinne des Wortes bietet Salzburgs Mozarteumorchester  eine stets wachsende Entwicklung, die durchaus parallel zur Wiener Entwicklung verläuft und doch ganz unterschiedlich ist.

Jasmin Wolfram/ Dezember 2016

 

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