INNSBRUCK: Zweimal „zum letzten Mal“ RUSALKA am 22.12. / HÄNSEL UND GRETEL am 26.12.

by ac | 27. Dezember 2016 18:28

Innsbruck

Zweimal „zum letzten Mal“:

„RUSALKA“ – Abschied von einer Vielgeliebten – 22.12.2016

Stets schwingen Momente der Wehmut mit, wenn eine besonders gelungene Produktion abgespielt ist und vom Spielplan verschwindet. Wie auch in diesem Fall, bei der tschechisch (!) gesungenen „Rusalka“. Beim mehrmaligen Besuch fallen in der Regel regieliche Ungereimtheiten oder musikalische Mängel auf, die man bei der Erstbegegnung nicht wahrgenommen hat. Nicht jedoch bei dieser „Rusalka“ (Innsbrucker EA) – da stimmte einfach alles. Selbst Sängerumbesetzungen und ein neuer am Pult des hervorragend aufspielenden Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck  waltender Mann (der für die herrliche Musik Dvoraks viel Gespür einbringende Seokwong Hong) konnten den höchst erfreulichen Gesamteindruck kaum mindern.

Dem drei Akte lang Rusalkas Schicksal beklagenden Wassermann gab Johannes Wimmer darstellerisch starkes Profil, gesanglich machte sich speziell in der Arie im 2. Akt das Fehlen eines wirklich wohl tönenden Nobelbasses  bemerkbar. Aber das „Gesamtpaket“ Wassermann passte. Stepanka Pucalkovas Hausdame sowie Dimitra Kalaitzi-Tilikidou (dritte Elfe) waren äußerst erfreuliche Hausdebutantinnen – beide Sängerinnen ließen sehr schönes Material vernehmen. Das übrige Personal war ident mit jenem aus der Premiere. Jennifer Maines war eine attraktive Fremde Fürstin vom Schlage einer Salonschlange, Susan Maclean neigte darstellerisch zur Outrage (um kleinere stimmliche Unpässlichkeiten zu kaschieren?), Susanna Langbein und Camilla Lehmeier (Elfen 1 + 2) verströmten stimmliche Wonnen. Dominik Sutowicz (Prinz) stellte überzeugend den Wandel vom Playboy zum Geläuterten dar und prunkte mit seinem reizvollen, höhenstarken Tenor. Joshua Lindsay als skuriller Butler sowie Daniel Raschinsky (Jäger) waren weitere Pluspunkte im Ensemble.

Die Seele dieser Produktion hieß erneut Anna-Maria Kalesidis. Die junge Sopranistin aus St. Petersburg identifizierte sich vollkommen mit Thilo Reinhardts schlüssigem Regiekonzept (und der großartigen Bühnenkonstruktion von Paul Zoller) und beglückte das Publikum mit ihrem herrlich aufblühenden, ans Herz gehenden Edelsopran. Kein Wunder, dass sie wie auch ihre musikalischen Mitstreiter vom vollen Haus mit lang anhaltenden, jubelnden Ovationen bedachte wurde. 

Dietmar Plattner

 

„HÄNSEL UND GRETEL“ – auf Erdbeersuche im Schnee – 26.12.2016

Nach dem Abstand von zwei Jahren wurde man nicht schlauer, warum Regisseurin Anette Leistenschneider die Handlung der beliebtesten Märchenoper in den Winter verlegte, wo doch die titelgebenden Kinder von ihrer Mutter den Auftrag erhalten in den Wald zu gehen, um Erbeln (= Erdbeeren) zu sammeln. Und warum wohl wurden die verschwundenen Kinder von der Knusperhexe in Erdbeeren (!) verwandelt, obwohl im Text eindeutig von Lebkuchenkindern die Rede ist? Egal, das Kopfzerbrechen hat mit heutigem Abend ein Ende, wenden wir uns der erfreulichen musikalischen Seite zu (wenngleich nicht verschwiegen werden soll, dass Leistenschneiders Personenregie ansonsten glaubwürdig über die Rampe kam).

Mit zwei Ausnahmen war die Besetzung identisch mit jener aus der Spielzeit 2014/15. Soll heißen: die bewährten Ensemblestützen Susanna von der Burg und Joachim Seipp glänzten als besorgtes Elternpaar, Joshua Lindsays eher drollige, keinerlei Angst einflößende Knusperhexe erheiterte die Kinder und erhielt für sein bombiges „Besen weg“ Szenenapplaus. Susanne Langbein entzückte als herzerwärmende Gretel ebenso wie die mit Freude an Spiel und Gesang mitwirkenden Wiltener Sängerknaben (Engel und Kinder). Der „Große Engel“ (Konrad Hochgruber) erwies sich erneut als überflüssige Regie-Beigabe.

Als erfreulicher Neuzuwachs in dieser Produktion profilierten sich Sophia Theodorides (Sand- und Taumännchen) und vor allem die mit einem herrlich frischen Mezzosopran gesegnete Camilla Lehmeier. Bei durchdachter Rollenwahl sollte von der sympathischen Münchnerin viel Schönes zu erwarten sein. Seokwon Hong brachte mit dem solide musizierenden Tiroler Symphonieorchester Innsbruck Humperdincks manchmal sehr auftrumpfende Musik so transparent wie möglich zum Erklingen. Volles Haus, Bombenstimmung, Jubelstürme. 

Dietmar Plattner

 

 

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