Der Neue Merker

INNSBRUCK/ Tiroler Landestheater: MARA von Josef Netzer. Premiere

Gelungene Wiederentdeckung in Innsbruck: „Mara“ von Josef Netzer (Premiere: 7. 12. 2013)

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Susann Hagel als Mara im Tigerkäfig und Roman Payer als junger Adeliger Manuel (Foto: Rupert Larl)

 Im Tiroler Landestheater fand am 7. Dezember 2013 in der Reihe „Opera Austria“ die Premiere der Wiederentdeckung der romantischen Oper „Mara“ von Josef Netzer statt, die im Jahr 1841 am Wiener Kärntnertortheater, der späteren Hofoper, mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Es ist eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Tiroler Landesmuseum, in dessen Musiksammlung sich die autographe Partitur des Werks befindet und das beim Erstellen des Notenmaterials maßgeblich dazu beitrug, dass die Oper erstmalig in Tirol zur Aufführung kam.

 Der aus Tirol stammende Komponist Josef Netzer (1808 in Zams geboren, 1864 in Graz verstorben) erlangte zu Lebzeiten überregionale Anerkennung. Nachdem er in Wien seine Ausbildung erhalten hatte, wirkte er als Komponist und Kapellmeister unter anderem in Leipzig, Mainz, Wien und Graz. Um 1840 feierte er in Wien große Erfolge mit seinen symphonischen Kompositionen, aber auch mit seiner Kammermusik und seinem Liedschaffen, wobei er sich insbesondere von Schuberts Stil inspirieren ließ. Insgesamt komponierte er fünf Opern. Von 1844 bis 1845 war Netzer zusammen mit Albert Lortzing als Kapellmeister in Leipzig engagiert, danach bis 1848 Kapellmeister am Theater an der Wien. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Graz, wo er 1854 die erste „Tannhäuser“-Aufführung in Österreich dirigierte.

 Die Oper „Mara“, deren Libretto der oberösterreichische Lyriker Otto Prechtler (1813 – 1881) verfasste, gilt als sein bedeutendstes Werk, das ihm auch einen internationalen Erfolg bescherte. Unter anderem wurde es in Prag, Leipzig, Mainz, Berlin, Braunschweig und Graz aufgeführt. Die Handlung erzählt von der Liebe der Zigeunerin Mara zu Manuel, dem Sohn eines adeligen Großgrundbesitzers. Da sich sowohl der „Häuptling“ der Zigeuner wie auch Manuels Vater, der seinen Sohn mit der reichen Erbin Ines verheiraten will, gegen die Verbindung der beiden stellen, findet die Liebesgeschichte ein tragisches Ende.   

 Johannes Reitmeier, der Intendant des Tiroler Landestheaters,  inszenierte das Werk sehr realistisch, wobei er es statt bei Zigeunern im Zirkusmilieu spielen ließ. So verbannt er Mara in einer Szene in einen Tigerkäfig, als ob der Anführer der fahrenden Truppe sie als „Zirkusprinzessin“ halten würde. Für die Bühnengestaltung zeichnete Michael D. Zimmermann verantwortlich. Er stellte der bunten Welt der fahrenden Zirkustruppe einen kühlen in Weiß gehaltenen Palast der Adelsgesellschaft gegenüber, der bereits morbid wirkte und zahlreiche Risse aufwies. Die Kostüme entwarf Gregor Pirouzi, die Kleider von Mara und Ines wurden von Vivienne Westwood Shop Wien zur Verfügung gestellt.  

 In der Titelrolle überzeugte Susann Hagel sowohl schauspielerisch wie auch stimmlich mit ihrem dramatischen Sopran. Es gelang ihr, die gesamte Gefühlsskala der jungen leidenschaftlichen Zigeunerin – von Liebe und Sehnsucht bis Wut und Verzweiflung, die schließlich zur Selbsttötung führt – eindrucksvoll darzustellen. Mit seinem lyrischen Tenor spielte der Wiener Roman Payer den verliebten Manuel, der in der Adelsgesellschaft wie ein Bohemien wirkte und sich nur widerwillig den Wünschen seines Vaters unterwarf.

 Torald, den Anführer des fahrenden Volkes, der den Reizen der Zigeunerin verfallen ist, gab der Bariton Armin Kolarczyk mit steter Gewaltbereitschaft und grimmiger Miene, die er auch stimmlich auszudrücken verstand. Manuels Braut Ines, die mit allen Mitteln versucht, die Zuneigung Manuels zu gewinnen, wurde von der Sopranistin Susanna van der Burg mit sehr ausdruckstarker Mimik dargestellt. Der Bassbariton Marc Kagel ließ sich vor der Vorstellung als nach einer Erkältung indisponiert ansagen, bewältigte jedoch seine Rolle als Manuels Vater Cornaro nicht nur schauspielerisch, sondern auch gesanglich tadellos. Stimmkräftig agierte auch der Chor und Extrachor des Tiroler Landestheaters (Einstudierung: Michel Roberge).

 Die romantisch klingende Partitur, die von starkem melodischen Reiz ist und des Öfteren an Lortzing erinnerte, wurde vom Tiroler Symphonieorchester Innsbruck unter der profunden Leitung von Alexander Rumpf sehr nuanciert wiedergegeben und begeisterte schon mit der großartigen Ouvertüre. Dazu ein Zitat des Intendanten Johannes Reitmeier aus einem im reich illustrierten Programmheft abgedruckten Interview: „Jetzt, da ich die ‚Mara‘ in den Proben immer besser kennengelernt habe, begeistert mich die Musik zunehmend. Netzer hat eine melodiengesättigte, einfalls- und abwechslungsreiche Komposition geschaffen, die mitreißende Wirkung hat.“ Der Intendanz des Tiroler Landestheaters kann man zu dieser  Wiederentdeckung nur gratulieren

 Das beifallsfreudige Premierenpublikum belohnte am Schluss alle Mitwirkenden einschließlich Regieteam mit nicht enden wollendem Applaus.

 Udo Pacolt

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