Der Neue Merker

INNSBRUCK/ Festwochen der Alten Musik: L’ORONTEA von Pietro Antonio Cesti. Premiere

Innsbrucker Festwochen der Alten Musik: „L’Orontea“ von Pietro Antonio Cesti (Premiere: 22. 8. 2014)

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Solen Mainguené begeisterte als verliebte Hofdame Silandra (Foto: Rupert Larl)

 Als zweite Barock-Opernrarität zeigten die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik in diesem Jahr im Innenhof der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck die Oper „L’Orontea“ von Pietro Antonio Cesti, die ihre Uraufführung 1656 im Innsbrucker Neuen Hoftheater (Nel Teatro di Sala) hatte und zu den dauerhaftesten Erfolgen der italienischen Oper und zur meistgespielten Komödie im 17. Jahrhundert wurde. 1982 fanden im Rahmen der Innsbrucker Festwochen eine konzertante Aufführung und eine Schallplattenaufnahme unter der Leitung von René Jacobs statt.

 Pietro Antonio Cesti (geb. 1623 in Arezzo, gest. 1669 in Florenz) gilt als berühmtester italienischer Musiker seiner Zeit. Er gehörte dem Orden der Franziskaner an und war Domkapellmeister in Volterra. 1652 wurde er Kapellmeister in Innsbruck, zehn Jahre später Vizekapellmeister am Wiener Hof. Seine erste Oper L’Orontea wurde in den folgenden Jahrzehnten in ganz Europa populär, sein 1668 in Wien uraufgeführtes Werk Il pomo d’oro gehörte zu den Höhepunkten barocker Opernfestlichkeit. Weitere erfolgreiche Opern waren noch Il Cesare amante (1651), La Dori (1661), Il Tito (1666, Wiederaufnahme 1983 in Innsbruck!) und La Semiramide (1667).

 Die Handlung der komischen Oper, deren Libretto Hiacinto Andrea Cicognini verfasste (revidiert von Giovanni Filippo Apolloni) und die in italienischer Sprache gebracht wurde, in Kurzfassung: Die ägyptische Königin Orontea hat der Liebe abgeschworen. Doch als der bei einem Mordanschlag verwundete Jüngling Alidoro, ein Maler, an den Hof gebracht wird, verzaubert er nicht nur die Königin, sondern auch deren Hofdame, die bald die Eifersucht der Königin anstachelt. Nach vielen Verwicklungen und trotz des Abratens des Philosophen Creonte  vor einer nichtstandesgemäßen Heirat mit einem mittellosen Maler ehelicht Orontea Alidoro, der sich zudem als Königssohn entpuppt. Ein barockübliches Happyend.

 Regisseur Stefano Vizioli nützte die Architektur des Hofs der alt-ehrwürdigen Katholisch-Theologischen Fakultät geschickt für die Inszenierung und ließ das Dramma musicale in drei Akten schwungvoll und komödiantisch ablaufen, wobei er in der Kostümbildnerin Anna Maria Heinreich und der Choreographin Gloria Giordano eine gute Unterstützung fand. Auffallend die eloquente Personenführung, die im Schlussbild einen effektvollen Abschluss erzielte, als Orontea und Alidoro in inniger Umarmung stehen und die in den Maler verliebte Hofdame Silandra ihn von hinten umgarnt und sich auch noch die ehemalige Sklavin Giacinta dazugesellt und Alidoros Hand ergreift.

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Fernando Guimarães als Maler Alidoro nach einer Eifersuchtsszene (Foto: Rupert Larl)

 Im Rahmen des Projekts der Festwochen der Alten Musik „Barockoper jung“ wurden für diese Produktion junge Sängerinnen und Sänger aus dem nach Cesti benannten Gesangswettbewerb für Barockoper ausgewählt. Das junge Sängerensemble begeisterte vor allem durch ihre enorme Spielfreudigkeit, konnte aber auch stimmlich überzeugen. Allen voran die französische Sopranistin Solen Mainguené  als Hofdame Silandra. Mit ihrem Temperament „für drei“ spielte sie ihre Wutausbrüche in höchster Leidenschaft und bot mit ihrer farbenreichen Stimme eine eindrucksvolle Leistung.

 Nicht weniger ausdrucksstark die israelische Sopranistin Anat Edri als ehemalige Sklavin Giacinta, die in Männerkleidung den am phönizischen Hof in Ungnade gefallenen Hofmaler ermorden sollte. Sowohl schauspielerisch wie stimmlich bot auch sie eine eindrucksvolle Leistung. Am humorvollsten agierte der katalanische Tenor David Hernández Anfruns in der Rolle der Aristea, die für die Mutter des Malers gehalten wird. Stimmlich ein wenig zurückhaltend, begeisterte der Tenor das Publikum durch sein komödiantisches Spiel in Frauenkleidern.

 Den Maler Alidoro, ein Findelkind, das am Schluss als Floridano, Bruder der phönizischen Königin Arnea, identifiziert wird, stellte der portugiesische Tenor Fernando Guimarāes dar. Dass dieser fesche junge Mann nicht nur von der Königin Orontea, sondern auch von anderen Damen des Hofs begehrt wird, war glaubhaft. Auch stimmlich überzeugte er mit seinem angenehmen Timbre. Die italienische Sopranistin Giuseppina Bridelli agierte als vornehme Königin Orontea, die aus Eifersucht auch Feuer und Leidenschaft auszudrücken verstand. 

 Der in die Hofdame Silandra verliebte Corindo wurde vom polnischen Countertenor Michaŀ Czerniawski dargestellt, der seinen Widersacher Alidoro zum Duell auffordern will, aber schließlich doch Silandra zur Frau bekommt. Er konnte sowohl schauspielerisch wie stimmlich gefallen. Die gute Ensembleleistung ergänzten noch in Nebenrollen der italienische Bassbariton Giorgio Celenza als Gelone und die Südtiroler Mezzosopranistin Aurora Faggioli in der Hosenrolle des Tibrino.

 Eine exzellente Leistung bot Jeffrey Francis, der mit seiner starken Bühnenpräsenz als Philosoph Creonte brillierte.  Der amerikanische Tenor ist seit vielen Jahren als Sänger und Coach von jungen Kolleginnen und Kollegen des Innsbrucker Projekts Barockoper jung verbunden. Seine große Bühnenerfahrung war bei der Premierenvorstellung deutlich spürbar und dem jungen Ensemble sicherlich eine große Stütze. 

 Das neunköpfige Orchester La Nuova Musica brachte unter der Leitung des britischen Dirigenten David Bates, der seine erfolgreiche Laufbahn als Countertenor begann, die von großem musikalischem Einfallsreichtum gespickte Partitur des Komponisten facettenreich  zum Klingen. Das internationale Premierenpublikum der ausverkauften Vorstellung belohnte alle Mitwirkenden sowie das Regieteam mit lang anhaltendem Applaus und vielen lautstarken Bravo-, Brava- und Bravi-Rufen.

 Udo Pacolt

 PS: Die weiteren Vorstellungen der Oper „L’Orontea“ von Cesti finden am 24. und am 26. August im Innenhof der Theologischen Fakultät (bei Schlechtwetter in den Kammerspielen) statt.

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