Der Neue Merker

INNSBRUCK/ Festwochen der Alten Musik: DIE RÖMISCHE UNRUHE oder DIE EDELMÜTIGE OCTAVIA von Reinhard Keiser

Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2017:

„Die römische Unruhe oder Die edelmütige Octavia“ von Reinhard Keiser

(Vorstellung: 25. 8. 2017)

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Nero (Morgan Pearse)  mit seiner Frau Octavia( Suzanne Jerosme). Foto: Rupert Larl

Mit einer weiteren Opernrarität warteten die  41. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik in diesem Jahr auf: „Die römische Unruhe oder Die edelmütige Octavia“ von Reinhard Keiser. Die Aufführung fand im Innenhof der Theologischen Fakultät statt. Die Uraufführung dieser Oper nach einem Libretto von Barthold Feind war 1705 in Hamburg.

Reinhard Keiser (1674 – 1739), der 1685 in die Leipziger Thomanerschule eintrat, wirkte ab 1694 am Hof von Braunschweig, wo er seine ersten Opern aufführte. Zwei Jahre später wurde er Kapellmeister der Hamburger Oper, deren Direktion er ab 1702 fünf Jahre lang innehatte. 1719 bis 1721 war er Kapellmeister in Ludwigsburg, ab 1728 Kantor am Hamburger Dom. Die Anzahl seiner Opern schwankt zwischen 70 und 100, wobei er Stoffe der griechischen Mythologie und römischen Geschichte ebenso verwendete wie biblische Themen. Die dramatisch fundierte Instrumentation in seinen Werken und das gewählte Einsetzen von Soloinstrumenten unterschieden ihn von seinen Zeitgenossen. Der Hamburger Komponist Johann Mattheson bezeichnete Reinhard Keiser in seinem Musiker-Lexikon als „größten Opern-Componist von der Welt“. Er galt am Hamburger Opernhaus als unmittelbarer Konkurrent von Georg Friedrich Händel, der seine Qualitäten so hoch schätzte, dass er viele seiner Opernarien übernahm. Vor allem aus „Octavia“ entnahm er zehn Arien, allein sechs für seine Oper „Agrippina“.

Der Inhalt der „Octavia“ in Kurzfassung: Nero will die armenische Königin Ormoena heiraten, weshalb er seiner Ehefrau Octavia befiehlt, sich selbst zu töten. Bei einem Fest zu Ehren Ormoenas und ihres Gemahls König Tiridates kommt es zum Eklat, als Octavia gekränkt das Fest verlässt. Nero folgt ihr, um sie zu maßregeln, seine neue Geliebte Ormoena und deren eifersüchtiger Ehemann stürzen ihnen nach. – Fürst Piso, verliebt in Octavia und rebellierend gegen Nero, gelingt es, den Selbstmord zu verhindern. Octavia erscheint Nero, der inzwischen von Selbstzweifeln geplagt wird, als Geist und bringt ihn dazu, seine Entscheidung rückgängig zu machen. Am Ende ist Octavia wieder an Neros Seite.

Die Inszenierung von Regisseur François de Carpentries zeichnete sich durch viele humorvolle Szenen und durch eine gute Personenführung aus. Dennoch hatte die dreieinhalbstündige Aufführung Längen, die wahrscheinlich durch Kürzungen des Werks vermeidbar gewesen wären. Für das Bühnenbild, das sich praktikabel verwandeln ließ, und für die Kostüme, die nur zum Teil barocke Anklänge hatten, zeichnete Karine Van Hercke verantwortlich.

Aus dem Sängerensemble ragte der australische Bariton Morgan Pearse, der Sieger des Cesti-Gesangswettbewerbs 2016, heraus. Mit seiner kraftvollen, gut geführten Stimme war er auch schauspielerisch ein brillanter Darsteller des Nero. Als seine Gemahlin Octavia überzeugte die in Paris geborene Sopranistin Suzanne Jerosme ebenfalls stimmlich wie darstellerisch. Ihre Klage-Arien sang sie auf herzergreifende Art, die das Publikum zu Szenenbeifall animierte. Hervorragend auch ihre „Widersacherin“, die italienische Sopranistin Federica Di Trapani, als Neros Geliebte Ormoena, Gemahlin des armenischen Königs. Sie spielte ihre Rolle erst zurückhaltend, dann – in Neros Armen –  leidenschaftlich.

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Nero mit seiner Geliebten. Foto: Rupert Larl

Den armenischen König Tiridates gab der amerikanische Countertenor Eric Jurenas, der seine Eifersucht sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch zu gestalten wusste. Ausgezeichnet stimmlich und darstellerisch in den Rollen des „Hofstaates“ von Nero waren die israelische Sopranistin Yuval Oren als kokette latinische Prinzessin Livia und die britische Sopranistin Robyn Allegra Parton als florentinische Prinzessin Clelia. Der italienische Bariton Paolo Marchini als Philosoph Seneca überzeugte mit sonorer Stimme und subtiler Eleganz. Ebenso wie der kolumbianische Tenor Camilo Delgado Diaz mit Leidenschaft den verliebten Fürsten Piso gestaltete.

In kleineren Rollen waren noch der japanische Tenor Akinobu Ono als kaiserlicher General Fabius, der südkoreanische Countertenor Jung Kwon Jang als Kammerherr Lepidus und der italienische Tenor Roberto Jachini Virgili als Hof-Kurier Davus im Einsatz.

Das Orchester Barockensemble:Jung brachte unter der Leitung von Jörg Halubek die farbenreiche Partitur des Komponisten in allen Facetten zum Erklingen. Zur Freude des Publikums, das am Schluss allen Mitwirkenden und dem Regie-Team für ihre Leistungen mit lang anhaltendem Beifall dankte.

Udo Pacolt

 

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