INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 12. AUGUST 2017)

by ac | 12. August 2017 07:01

INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 12. AUGUST 2017)

SALZBURG/ Festspiele: Stehgeiger und  Schnürlregen

Momentaufnahme aus Salzburg  – 10. und 11. August 2017

Ist es der Hinterhäuser-Effekt ? So voll war die Stadt an der Salzach  schon lange nicht – trotz der schwülen Hitze gefolgt von abendlichem Kälteeinbruch mit Schnürlregen. Familien mit kleinen Kindern, viele junge  Paare aus Asien , dazu die Festspielgäste – darunter viele von weit her angereist. So auch aus Russland, das Wirtschaftswachstum hat dort ja angezogen,  vielleicht sogar   aus dem 3650 km entferntem  Perm, wo der derzeit angesagteste  Jung-Dirigent Teodor Currentzis  beruflich zu Hause ist.  Angeblich ist er dem Ruf des Permer Bürgermeisters nur gefolgt, weil er Orchester und Chor seiner MusicAeterna aus Nowosibirsk , die er an seiner früheren Arbeitsstätte aufgebaut hatte,  mitnehmen konnte. Somit gibt es jetzt in der östlichsten Millionenstadt Europas  im Uralvorland  jeweils zwei dieser Klangkörper, wobei die „Ewigen“ ein halbes Jahr mit dem Chef auf Tournee sind, so  im Herbst im Wiener Konzerthaus und derzeit eben in Salzburg.


Schlussapplaus: Patricia Kopatchinskaja, Teodor Currentzis, MusicAeterna. Copyright: Marco Borelli/ Salzburger Festspiele

Nach der Ehre der „ersten (Opern)Nacht “  mit La Clemenza di Tito und vorher dem Mozartrequiem in der Ouverture spirituelle folgte am 10.August  etwas  „Wienerisches“ , Alban Berg und Gustav Mahler. Die Felsenreitschule war für so ein anspruchsvolles Programm  sehr gut besucht, wenn auch nicht ganz ausverkauft . Das Orchester , mit seinem  Altersdurchschnitt könnte es dem Gustav Mahler Jugendorchester Konkurrenz machen, wurde mit freundlichem Applaus begrüßt. Alles wartete gespannt auf die Solistin Patricia Kopatchinskaja und den hochgewachsenen Dirigenten in den engsten schwarzen Jeans, die je ein 45jähriger bei der Arbeit getragen hat. Als das Paar sich zeigte, setzte wieder leise Applaus ein, worauf beide sofort stehen blieben. Das wiederholte sich noch einmal, bis alle im Saal begriffen hatten , „Dem Andenken eines Engel“ sollte  gleich zu Beginn mit angemessener Stille gedacht werde. Da die Violinvirtuosin  ein mehr als bodenlanges weißes Abendkleid trug, konnten die Wissenden auch kaum einen Blick  auf ihre bloßen Füße erhaschen. Der Applaus war heftig und lang.


Teodor Currentzis mit MusicAeterna. Copyright: Marco Borelli/ Salzburger Festspiele

Nach der Pause waren manche im Zuschauerraum verwirrt . Im Gegensatz zu vorher  standen viele einsame  Notenpulte auf der Bühne, nur wenige Stühle. Anderen fiel das zuerst gar nicht auf. Erst als das Orchester zu spielen begann, wurde mit Erstaunen konstatiert, dass die Mehrzahl der Musiker und ( zahlreichen) Musikerinnen es im Stehen taten. Nur wo die Instrumente zu schwer zum Halten waren, gab  es Sitze, die Celli, die Bratschen,  die Fagotte, natürlich die Harfen.

Auch der Dirigent stand jetzt auf  einem Pult , trotz seiner Größe wäre er sonst nicht für alle sichtbar gewesen.  Was das für die erste Geige bedeutete, die in Gegensatz besonders zart gewachsen ist  –  darüber  und über die Sitz- bzw. Stehordnung wurde leise flüsternd viel gerätselt. Aber das hörte bald auf, denn immer wieder gab bei der Symphonie Nr.1 das leiseste pianissimo das die Felsenreitschule seit langem gehört besser gesagt erfühlt hatte. Dafür war der Schlußapplaus um so lauter, und nachdem die ersten Bewunderinnen aufsprangen, blieb auch den anderen nichts übrig als sich zu Standing ovations zu erheben. Dafür bekamen sie auch noch eine Zugabe.

Da der Regen inzwischen aufgehört hatte, war die nächtliche Stimmung bestens. Außer im In-Restaurant neben den Festspielhäusern, da wegen der Kälte die Außentische wegfielen und viele Hungrige weiterziehen mußten. Auch die „Glücklichen“ die für Samstag Karten für Jedermann haben, bangten, ob sie vom Unwetter, das große Teile Österreichs heimgesucht hat, verschont blieben.  Aber nachdem ein verregneter Freitag mit spätnachmittäglichen Sonnenstrahlen aufheiterte, stehen die Chancen nicht so schlecht.

Ulrike Messer-Krol

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GRAFENEGG-FESTIVAL eröffnet am 18. August mit «Freischütz»

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Nach einer Serie höchst erfolgreicher Sommerkonzerte am Wolkenturm wird am Freitag, 18. August, das 11. Grafenegg Festival eröffnet, das bis 10. September an vier Wochenenden die besten Orchester, Dirigenten und SolistInnen präsentiert. Carl Maria von Webers romantische Oper «Der Freischütz» steht im Mittelpunkt des Festivalauftakts, der mit der Uraufführung der «Grafenegg Fanfare» von Brad Lubman eingeläutet wird. Der US-Amerikaner Brad Lubman ist 2017 Composer in Residence in Grafenegg und leitet auch den Composer-Conductor Workshop INK STILL WET. Wie seine Vorgänger wird er im Schlosspark einen Komponisten-Baum pflanzen. Seine Wahl fiel auf eine Salix babylonica, eine «Echte Trauerweide». Um den neuen Baum auch musikalisch in Grafenegg zu verwurzeln, hat Tonkünstler-Chefdirigent Yutaka Sado sein Super Kids Orchestra aus Japan eingeladen.
Eine besondere Aufgabe bei der konzertanten Aufführung des «Freischütz» kommt Otto Schenk zu: Er wird die Zwischentexte rezitieren, die der Autor Christoph Klimke eigens für Grafenegg geschrieben hat.

myfidelio.at streamt den Abend um 19.30 Uhr live, ORF3 überträgt die Aufführung live zeitversetzt um 20.15 Uhr in der Sendung «Erlebnis Bühne».

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Die Besetzung im Überblick:

ADRIAN ERÖD Ottokar, regierender Graf
SEBASTIAN WARTIG Kuno, gräflicher Erbförster
GAL JAMES Agathe, seine Tochter
DANIELA FALLY Ännchen, eine junge Verwandte
TUOMAS PURSIO Kaspar, erster Jägersbursch
MICHAEL KÖNIG Max, zweiter Jägersbursch
ALBERT DOHMEN Ein Eremit
BERNHARD HANSKY Kilian, ein reicher Bauer
OTTO SCHENK Samiel, der schwarze Jäger/Erzähler
ARNOLD SCHOENBERG CHOR (künstlerischer Leiter: Erwin Ortner)
LILIYA NAMISNYK Brautjungfer JORDI CASALS, OTTOKAR PROCHAZKA Choreinstudierung

TONKÜNSTLER-ORCHESTER NIEDERÖSTERREICH
YUTAKA SADO Dirigent

Weitere Infos: www.grafenegg.com [1]
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Morgen, SONNTAG 13. AUGUST: SOPHIA LARSON WIRD 70

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Sophia Larson

ART LARSON – Sophia Larson
 
Die Künstlerin Sophia Larson hat eine Weltkarriere auf der Opernbühne gemacht.  Sie ist eine der „Ausnahme-Sopranistinnen“, die sowohl bei den Bayreuther Festspielen (Venus, Sieglinde) als auch in der Arena di Verona (Titelpartie in „La fanciulla del West“ –  Das Mädchen aus dem goldenen Westen) aufgetreten ist. Sie sang und arbeitete an fast allen wichtigen europäischen und amerikanischen Opern- und Konzerthäusern, alternierend im deutschen und italienischen Heroinenfach, mit den Filmregisseuren Werner Herzog, Gianfranco De Bosio, Claudio Monticelli und Vittorio Rossi. Mit Ihrer Interpretation der Katjuscha in Alfanos „Risurrezione“ kam sie auf die Titelseite der Tageszeitung „La Stampa“ in Italien. Ihr Repertoire sang sie in sechs Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Tschechisch und Ungarisch.
 
Partien wie Elektra, Färberin, Turandot, Tosca, Minnie, Senta, Isolde und Brünnhilden brachten sie u.a.von den Staatsopern Hamburg, Stuttgart, München, Berlin (Staatsoper, Deutsche Oper, Komische Oper, Philharmonie) zu den Bayreuther Festspielen, in die Arena di Verona, nach Turin, Palermo, Rom, Paris, Nizza, Genf, Zürich, Amsterdam (Muziktheater und Concertgebouw), Rotterdam, Den Haag, Stockholm, Helsinki, London, Lissabon (Belem u. Opernhaus), Toronto, Montreal, New York (Carnegiehall), San Francisco, São Paulo, Pretoria, Zypernfestival Pafos, Athen (Megaron).
 
Als Elektra trat sie in vielen Produktionen auf, u. a. in Amsterdam, Rom, Athen und Berlin, unter der Regie von Harry Kupfer, Nikolaus Lehnhoff, Willi Decker, John Dew, Helmut Drese, Hans Hollmann.
 
Als Turandot war sie weltweit in über 30 Produktionen zu Gast, u. a. in Zürich/Hallenstadion, Salzburg/Großes Festspielhaus, Helsinki/Stadion, London, Lausanne/Palais Beaulieu, Catania/Giardino Bellini, Turin/Opernhaus und Palatenda, Puccinifestival/Torre del Lago, Arena di Pula, Festival Pafos/Zypern, Rotterdam/Ahojhalle, São Paulo und Santiago de Chile, Pretoria (Südafrika).
 
Besonders gefragt war Larson auch für Galaabende und im Außenseiterrepertoire als Fedra in „Fedra“ von Pizzetti, Maria in „Maria D’Alessandria“ von Ghedini, Renata in „Der Feurige Engel“ von Prokofjew, Emilia Marty in „Die Sache Makropulos“ von Janacek, Judith in „Blaubarts Burg“ von Bartok, Susanne in „Die Harmonie der Welt“ von Hindemith, Els in „Der Schatzgräber“ von Schreker.

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Hans Sisa, Sophia Larson
 
Larson moderierte die Gedenkfeier für Ingeborg Bachmanns 80. Geburtstag und arbeitet auch als Kuratorin für Galerien. Sie bildet mit Hans Sisa ein Team, das Benefizveranstaltungen und Events organisiert. Sie sind auch die Initiatoren der Malerfeste auf der Burg Reichenstein in Oberösterreich.
 
Nach 30 Jahren Bühnenkarriere widmet sich Sophia Larson nunmehr den bildenden Künstlern.

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Sie ist Herausgeberin verschiedener Kunstkataloge wie der  Monographie „Dämonie und Poesie“ Hans Sisa, „Scharfe Männer-Schrille Weiber“ Karikaturen von Hans Sisa, „Kraft und Poesie“ Hans Sisa-Eleonore Hettl-Wilhelm Kollar.
 
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WIEN: Am 16. September 2017 ist es soweit: I AM FROM AUSTRIA, das Musical mit den Hits von Rainhard Fendrich feiert seine Weltpremiere im Raimund Theater!

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Iréna Flury, Lukas Perman. Copyright: Herwig Prammer

Gestern luden die Vereinigten Bühnen Wien zu einem kleinen Probeneindruck auf die Probebühne.
VBW-Musical-Intendant Christian Struppeck, Regisseur Andreas Gergen, Choreografin Kim Duddy, die Solisten Lukas Perman, Iréna Flury, Elisabeth Engstler, Andreas Steppan, Martin Bermoser, Dolores Schmidinger, Matthias Trattner, Fabio Diso und Martin Berger und das großartige I AM FROM AUSTRIA-Ensemble gewährten erste Einblicke in diese neueste VBW-Eigenproduktion.

I AM FROM AUSTRIA ist ein großes, neues Musical voller Witz, Charme und Romantik, überraschend und berührend, mit einer Story rund um Liebe, Freundschaft und Familie. In eine neue Handlung verpackt, erzählen über 20 Rainhard Fendrich-Hits wie u. a. „Macho Macho“, „Haben Sie Wien schon bei Nacht geseh‘n“, „Es lebe der Sport“, „Blond“, „Strada del Sole“, „Tango Korrupti“, „Nix is Fix“, „Weus‘d a Herz hast wie a Bergwerk” und natürlich das Titellied “I Am From Austria“ die Geschichte von einem österreichischem Filmstar, der international Karriere gemacht, es bis nach Hollywood geschafft hat und nun anlässlich des Opernballs nach Wien zurück kehrt.

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Elisabeth Engstler, Kim Duddy. Copyright: Herwig Prammer

Die neueste VBW-Eigenproduktion mit den Hits von Rainhard Fendrich, beeindruckenden Bühnenbildern, mitreißenden Choreographien und schillernden Kostümen lässt das Publikum hinter die Kulissen eines Wiener Luxushotels blicken, wo ein prominenter Star-Gast für Trubel und viel Hollywood-Flair sorgt. Die Handlung berührt aber auch mit persönlichen und bewegenden Momenten abseits des grellen Blitzlichtgewitters. Das fiktive Wiener Traditionshotel „Edler“ wird in diesem neuen Musical zur Drehscheibe der großen Welt. Chaos, Küsse und Katastrophen sind vorprogrammiert in dieser fröhlich-frechen Story voller Romantik, Überraschungen und amüsanter Situationskomik.

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Lukas Perman, Andreas Steppan, Elisabeth Engstler. Copyright: Herwig Prammer
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Linzer Bilderstreit geht zurück zum Landesgericht

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Wo sind die Bilder? Bildquelle: APA (Symbolbild)/BARBARA GINDL

 Linz (APA) – Der seit Jahren schwelende Rechtsstreit um verschwundene Bilder von Egon Schiele und Gustav Klimt zwischen der Stadt Linz und den Erben muss zurück an den Start. Der Oberste Gerichtshof hat entschieden, dass das Landesgericht Linz den Fall neu und nach mündlicher Verhandlung beurteilen muss, bestätigte der Rechtsvertreter der Stadt, Bruno Binder.

1951 hatte die Eigentümerin Olga Jäger ein Gemälde von Klimt sowie drei Bilder von Schiele an die Neue Galerie der Stadt Linz (heute Lentos) verliehen. Als die Erben 2006 den Leihschein aus dem Nachlass einlösen wollten, waren die Werke aber nicht mehr auffindbar. Daher klagten sie die Stadt auf Schadenersatz – zugleich der Beginn eines Rechtsstreits durch alle Instanzen.

Im Juli des Vorjahres hatte dann der OGH entschieden, dass die Stadt den Erben 8,31 Millionen Euro zahlen müsse. Überraschend präsentierte die Stadt danach ein Schriftstück, wonach die Mutter der Erben bereits 1990 die Bilderleihe aufgekündigt hatte. Damit wäre die erste, 16 Jahre später eingebrachte Klage verjährt, weshalb beim Landesgericht die Wiederaufnahme dieses Verfahrens angestrebt wurde. Das wurde von zwei Instanzen zurückgewiesen, weshalb Binder Revision beim OGH einlegte. Am Donnerstag wurde dem Anwalt nun die Entscheidung des Höchstgerichts zugestellt. Es kam zu dem Schluss, dass das neue Beweismittel bisher nicht entsprechend gewürdigt wurde, so Binder.

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ORF III am Wochenende: „zeit.geschichte“ zu „Rommel“, Rabl-Stadler bei „André Hellers Menschenkinder“, „Aida“ mit Netrebko

Außerdem: „Speck vom Mangalitzaschwein und Rindersteak“ in „roadKITCHEN – Bauern kochen“, „Aus dem Archiv: Erwin Steinhauer“

Wien (OTS) – ORF III Kultur und Information widmet Samstag, den 12. August, dem sogenannten „Wüstenfuchs“ Erwin Rommel. Sonntag, der 13. August 2017, steht ganz im Zeichen der diesjährigen Salzburger Festspiele mit einer neuen Ausgabe von „André Hellers Menschenkinder“ mit Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und der Neuinszenierung von „Aida“ mit Opernstar Anna Netrebko.

Samstag, 12. August: „roadKITCHEN – Bauern kochen: Speck vom Mangalitzaschwein und Rindersteak“ (17.50 Uhr), „zeit.geschichte“ zu „Rommel: Mythos und Wahrheit“ (20.15 Uhr), „Rommel: Kampf um Tobruk“ (21.00 Uhr), „Rommel: Entscheidung von El Alamein“ (21.55 Uhr), „ORF III Spezial“ mit „Aus dem Archiv: Erwin Steinhauer“ (22.50 Uhr)

Hobbykoch Paul Kogelnig begibt sich in einer neuen Ausgabe „roadKITCHEN – Bauern kochen“ dieses Mal zum Demeter-Bauernhof von Werner Michlits, der mit seinem Vorzeigebetrieb besonders positiv heraussticht. Er erklärt die Vorzüge der Demeter-Richtlinien, während Paul Kogelnig auf seinem Kochfahrrad „Speck vom Mangalitzaschwein und Rindersteak“ (17.50 Uhr) mit frischem Salat und Wiesenkräutern zubereitet.

Anlässlich des 75. Jahrestags in der Wende des Afrikafeldzugs steht die „zeit.geschichte“ einen Abend ganz im Zeichen von „Wüstenfuchs“ Erwin Rommel. Die erste Dokumentation befasst sich mit „Rommel: Mythos und Wahrheit“ (20.15 Uhr). Der größte Förderer Erwin Rommels war Adolf Hitler und diesem diente er lange treu ergeben. Wie so viele führende Offiziere verschloss auch er die Augen vor dem wachsenden Terror der Nationalsozialisten. Aber Rommel hatte Glück – er kämpfte in Afrika und nicht im Osten. Mit Kriegsverbrechen wurde er nie ernsthaft in Verbindung gebracht und unterband nachweislich verbrecherische Befehle. Im Sommer 1944 brach er schließlich mit seinem Gönner Hitler. War auch Rommel dafür, den Diktator zu beseitigen? Und wie viel wusste er von der Verschwörung? Die Dokumentation von Christian Frey liefert neue Hinweise. Mit „Rommel: Kampf um Tobruk“ (21.00 Uhr) geht es anschließend weiter. Das an der libyschen Mittelmeerküste gelegene Tobruk war ein kleines, unscheinbares Städtchen und trotzdem rissen sich die Alliierten, Italiener und die Deutschen unter Rommel unerbittlich darum. Grund dafür: seine starke Festung und sein Tiefseehafen. In der Dokumentation von Steve Westh beschreiben ehemalige Soldaten beider Seiten den Kriegsalltag im Wüstensand. Auch der nachfolgende Film ist von Regisseur Steve Westh und thematisiert „Rommel: Entscheidung von El Alamein“ (21.55 Uhr). Die Kampfstrategie von Rommels Wehrmacht ging auf – abgefangene und entschlüsselte Funksprüche wurden zum Vorteil genutzt. Die Wehrmacht rückte immer weiter vor. Sogar Kairo und den Suezkanal drohte sie einzunehmen. Zumindest bis die Alliierten ihr Leck entdeckten und sich im ägyptischen Küstenort El Alamein mit Feuerkraft entgegenstellten.

Mit einem „ORF III Spezial“ schließt der Samstagabend und zeigt „Aus dem Archiv: Erwin Steinhauer“ (22.50 Uhr). Darin werden besondere Schätze aus dem ORF-Archiv ausgegraben und einer illustren Runde, bestehend aus Erwin Steinhauer, Chris Lohner, Alfred Komarek, Alfred Dorfer und Katharina Straßer, präsentiert. Diesmal sind es besondere Highlights aus Erwin Steinhauers vielseitiger Karriere als Schauspieler und Kabarettist.

Sonntag, 13. August: „Erlebnis Bühne: Anna Netrebko & Yusif Eyvazov in concert“ (18.00 Uhr), „Jedermann/Jedefrau – Das Salzburger Festspielmagazin“ (19.50 Uhr), „André Hellers Menschenkinder: Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler“ (20.15 Uhr), „Erlebnis Bühne“ von den „Salzburger Festspielen 2017: Aida“ (21.30 Uhr)

Am Sonntag, dem 13. August, begibt sich ORF III in die Festspiel-Hauptstadt Salzburg. Im Vorabend stimmen „Anna Netrebko & Yusif Eyvazov in concert“ (18.00 Uhr) mit ihren unvergleichlichen Stimmen bereits auf das diesjährige Opernhighlight der Salzburger Festspiele 2017 ein. Bei dem Konzert aus dem Jahr 2016 war das Powerpaar der Klassik zu Gast in Tokio und präsentierte unter der musikalischen Leitung von Jader Bignamini, begleitet vom Tokyo Philharmonic Orchestra, beliebte Duette aus ihrem Opernrepertoire. Danach ist die vierte Ausgabe des Festspielmagazins „Jedermann/Jedefrau“ (19.50 Uhr) zu sehen, mit neuen Einblicken aus der Festspiel-Hochburg. Im Hauptabend steht die seit 22 Jahren amtierende „Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler“ (20.15 Uhr) in „André Hellers Menschenkinder“ im Fokus. Ihr Leben führte sie vom Printjournalismus über die Politik und schließlich mitten ins Herz der Salzburger Kultur. Zu den vielen einprägsamen Momenten ihres Lebens zählte insbesondere ihr 21. Geburtstag, an dem ihr eröffnet wurde, dass ihr leiblicher Vater niemand Geringerer war als der langjährige ORF-Generalintendant Gerd Bacher. Sie erzählt im intimen Gespräch, wie die beiden es schafften, nach dem Kennenlernen eine funktionierende Vater-Tochter-Beziehung aufzubauen. Außerdem gibt sie Einblicke, mit welchen Härten ihr Leben in der Öffentlichkeit oft konfrontiert wurde.

Danach zeigt ORF III den Höhepunkt des diesjährigen Kultursommers: die neuinszenierte Verdi-Oper „Aida“ (21.30 Uhr) von den Salzburger Festspielen 2017, in der Starsopranistin Anna Netrebko ihr Debüt in der Titelrolle gibt. Den König gibt der Bass Roberto Tagliavini, am Dirigentenpult steht Riccardo Muti. In weiteren Rollen sind Francesco Meli in der Rolle des Radamès und Ekaterina Semenchuk als Amneris zu sehen.

Die ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at[2]) stellt alle ORF-III-Sendungen, für die entsprechende Lizenzrechte vorhanden sind, als Live-Stream und als Video-on-Demand bereit.

Das gesamte TV-Angebot des ORF – ORF eins, ORF 2, ORF III, ORF SPORT + sowie 3sat – ist auch im HD-Standard zu empfangen. Alle Informationen zum ORF-HD-Empfang und zur Einstellung der neuen HD-Angebote finden sich auf der Website hd.ORF.at, die ORF-Service-Hotline 0800 / 090 010 gibt kostenfrei aus ganz Österreich persönliche Hilfestellung.
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Riga/ Liepaja: Lettland feiert den 100. Geburtstag mit Musik und Tanz, 10.08.2017

von Ursula Wiegand

Lettland ist ein Land der Musik, und die Letten haben sie in ihren Kehlen, genau wie die Esten und Litauer. Nach wie vor lernen und singen sie von kleinauf ihre traditionellen, teils  mehr als tausendjährigen Volkslieder und gestalten mit ihnen ihre fabelhaften Gesangs- und Tanz-Festivals, ein Ereignis für Jung und Alt.  

Lettland, Gesangs- und Tanz-Festival, Foto Latvian National Centre for Culture
Lettland, Gesangs- und Tanz-Festival, Foto Latvian National Centre for Culture

Mit diesen Liedern haben alle drei Staaten während der 50jährigen sowjetischen Besatzung – ermöglicht durch den Hitler-Stalin-Pakt von 1939 und ein geheimes Zusatzprotokoll – ihre Identität und Kultur bewahrt, obwohl sie sie damals nur heimlich singen konnten.   

Die „Singende Revolution“

Am 23. August 1989  – genau 50 Jahre nach diesem Pakt – wurde plötzlich alles anders. Rund zwei Million Litauer, Letten und Esten fassten sich an den Händen und bildeten eine ca. 635 km lange Menschenkette durch alle drei Länder, von Vilnius in Litauen über Riga in Lettland bis nach Tallinn in Estland, auch bekannt als der Baltische Weg.  

Freiheitsdenkmal von 1935, Figur, Foto Ursula Wiegand 
Lettlands Freiheitsdenkmal in Riga schon von 1935, Foto Ursula Wiegand

Mutig haben sie ihre Lieder gesungen, mit dieser „Singenden Revolution“ ihren Protest ausgedrückt und schließlich ihre Freiheit errungen. Im Jahr 2008 wurden die Lieder aller drei Staaten von der UNESCO in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen.

Lettland, Gesangs- und Tanz-Festival, Foto Imants Urtāns
Lettland, Gesangs- und Tanz-Festival, Foto Imants Urtāns

Zunächst wurden diese Lieder und Verse – in Lettland Dainas genannt –  mündlich weitergegeben. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse stammen hier von 1584 und 1632. Johann Gottfried Herder, von 1764 bis 1769 als Lehrer an Rigas Domschule tätig, sammelte und veröffentlichte einige.    1Riga, Lettlands National Bibliothek, 2014, an der Daugava, Foto Ursula Wiegand
Riga. Lettlands National Bibliothek, 2014, an der Daugava, Foto Ursula Wiegand

Als Vater der lettischen Dainas gilt jedoch Krišjānis Barons, der von 1894 bis 1915 sechs Bände mit 217.996 Dainas, kurze Vierzeilen auf Zigarettenpapier, veröffentlichte. Die größte Sammlung überhaupt. Er entwarf auch den Daina-Schrank, heutzutage der größte Schatz in Lettlands National Bibliothek, eröffnet 2014. Stolz zeigt dort Anna Muhka dieses Schränkchen.

1Riga, Lettlands National Bibliothek, Sammlung lettischer Lieder, Weltkulturerbe, Foto Ursula Wiegand
 Riga, Lettlands National Bibliothek, der Daina-Schrank, Sammlung lettischer Lieder, Foto Ursula Wiegand

Bescheiden sieht der Schrank mit den vielen Schubladen aus. Dass er Lettlands Herz und Seele und gleichzeitig ein UNESCO-Welterbe ist, vermutet wohl niemand. Inzwischen ist die Sammlung auf etwa 1,2 Millionen Texte und mehr als 30. 000 unterschiedliche Melodien angewachsen.

Geburtsfeier mit einem Gesangs- und Tanzfestival

Diese Riesenmenge ist weit mehr als genug für Lettlands großartige Gesangs- und Tanzfeste, die alle fünf Jahre in traditionellen farbenprächtigen Kostümen Ohren und Augen begeistern. Auch sie gehören zum immateriellen UNESCO-Welterbe.

Das 26. Festival (seit 1873) fällt nun – anders als in Estland und Litauen – genau ins Jahr 2018 und wird in Riga vom 30. Juni bis 08. Juli gefeiert. Sicherlich ist es der Besuchermagnet im Geburtstagsjahr, und schon die stets vier- bis fünfstündige Parade der Sänger und Instrumentalisten durch die Altstadt bis zum Stadion ist ein unvergessliches Erlebnis. Schon laufen die Arbeiten zur Vergrößerung der Freiluftstätte auf 35.000 Sitz- und 60.000 Stehplätze. Rund 13.000 Sängerinnen und Sänger werden dann dort ihre klaren Stimmen erschallen lassen.

1Lettland, Gesangs- und Tanz-Festival, tanzende Paare, Foto Latvian National Centre for Culture
 Lettland, Gesangs- und Tanz-Festival, tanzende Paare, Foto Latvian National Centre for Culture

Das Daugava-Stadion, wo das Tanz-Festival mit etwa ebenso vielen Teilnehmern stattfindet, wird nach Rekonstruktionsarbeiten 10.000 Menschen Platz bieten. Deutlich reduziert wird jedoch die Zahl der Freikarten! Stattdessen sollen wesentlich mehr Tickets als früher fürs Publikum zur Verfügung stehen, zu Preisen von 2 – 65 Euro. Der Verkauf beginnt Anfang Januar, das genaue Datum steht noch nicht fest. Wenn es bekannt gegeben wird, sollten sich Interessenten mit der Bestellung beeilen.     

Ausstellungen im Nationalmuseum und eine internationale Konferenz über die vergangenen 100 Jahre und die nun folgenden stehen ebenfalls auf der Agenda, ebenso das traditionelle Lichtfest im November. Den grandiosen Schlusspunkt setzt der 18. November 2018, der eigentliche 100. Geburtstag, wurde doch am 18. November 1918 die Lettische Republik ausgerufen. Geplant ist eine erneute Parade aller Sänger/innen und Tänzer/innen durch Rigas Altstadt und am Abend ein Schlusskonzert mit dem Titel „Der Weg der Sterne“. Als hoffentlich gute Sterne sollen sie weiterhin über Lettland leuchten.  

Eine Schnuppertour vorab

Blick von der Petrikirche auf Altstadt und Dom, Foto Ursula Wiegand
Riga, Blick von der Petrikirche auf Altstadt und Dom, Foto Ursula Wiegand

Doch bis 2018 braucht niemand zu warten, und viele tun es ohnehin nicht. Ständig streifen Menschen aus aller Welt durch Rigas schöne, mehr als 800jährige Altstadt – seit 1997 UNESCO- Weltkulturerbe – sowie durch das faszinierende Jugendstil-Viertel.

1Riga, Jugendstil vom Feinsten, Foto Ursula Wiegand
Riga, Jugendstil vom Feinsten, Foto Ursula Wiegand

Nicht wenige schauen vom Turm der Petrikirche auf Riga, besuchen die schon erwähnte, liebevoll „Lichtschloss“ genannte Lettische National Bibliothek. – Mehr als nur einen Blick lohnt der Zentralmarkt (auch Weltkulturerbe), während Oldtimer-Fans gerne Stunden im neu gestalteten interaktiven Motormuseum verbringen.  

1Riga, Motormuseum, ein Krastin, Foto Ursula Wiegand
Riga, Motormuseum, ein Krastin, Foto Ursula Wiegand

Musik-Liebhaber zieht es selbstverständlich in Rigas „Weißes Haus“, die Nationaloper, die ab 16. August mit Peer Gynt, La Traviata und Carmen die nächste Spielzeit beginnt.

1Riga, die Lettische Nationaloper, neoklassisch., Foto Ursula WiegandRiga, die Lettische  Nationaloper, neoklassisch., Foto Ursula Wiegand

Klangbrillanz anderer Art bieten die Konzerte im nahen Badeort Jurmala und dort im 1936 geschaffenen Dzintaru Konzertsaal. Im Sommer finden sie im überdachten Open-Air-Anbau statt, und selbst der hat eine gute Akustik.

1Jurmala, Dzintaru Konzertsaal von 1936, Foto Ursula Wiegand
Jurmala, Dzintaru Konzertsaal von 1936, Foto Ursula Wiegand

Am 30. Juli habe ich mit dem Konzert der „3 Osokini“, einer auch international bekannten Pianistendynastie, das große Los gezogen. Professor Sergejs Osokins, der Vater, und seine beiden Söhne Andrejs und Georgijs greifen in die Tasten, musizieren zu dritt, zu zweit oder Solo. Alles gelingt bestens und ausdrucksstark, angefangen mit Vivaldi über Rachmaninow, Tschaikowski und Ravel.

Die 3 Osokini, Foto Jānis Romanovskis,  Gribuvasaru.lv
Die 3 Osokini, Foto Jānis Romanovskis/Gribuvasaru.lv

In der 2. Halbzeit gesellt sich ein reichlich besetztes Kammerorchester hinzu. Nun delektiert Sergejs Osokins sich und uns an Mozart, während sich der melancholisch wirkende Georgijs in Chopin versenkt und Andrejs kraftvoll mit Brahms glänzt. Bei Bach sind zuletzt alle drei wieder vereint. Ein eindrucksvoller Konzertabend am Ostseestrand.

Ein Highlight anderer Art sind die Konzerte im 1211 gegründeten Rigaer Dom. Das dortige Konzert des Orchestra Riga unter der Leitung seines 36jährigen Chefdirigenten Valdis Butᾱns mit den Solistinnen Sonora Vaice (Sopran) und Diana Jaunzeme-Portnaja (Orgel) am 01. August habe ich ebenfalls in sehr positiver Erinnerung.

Domkonzert, Sonora Vaice, Valdis Butans, Diana Jaunzeme-Portnaja, Foto Orchestra RIGA publicity photo
Domkonzert, Sonora Vaice, Valdis Butans, Diana Jaunzeme-Portnaja, Foto Orchestra RIGA publicity photo

Butᾱns hat Musik und Kunst in Wien studiert und in der Saison 2012/2013 die deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern geleitet. Sein Deutsch ist perfekt, wie sich hinterher herausstellt.

1Valdis Butans, Chefdirigent vom Orchestra Riga, Foto Ursula Wiegand
Valdis Butans, Chefdirigent vom Orchestra Riga, Foto Ursula Wiegand

Debussy, Bach und Dvořák stehen auf dem Programm, alle Stücke arrangiert für dieses Orchester. Überraschenderweise passt „Dvořáks Largo“ aus seiner 9. Sinfonie besonders gut in den gewaltigen Dom.  Debussys „La Cathédrale engloutie“, für Piano komponiert, überzeugt in diesem Rahmen auch als Orchesterstück. Nur bei Bachs bearbeiteter „Präludium und Fuge in Es-Dur, BWV 552“ verschwimmen die feinen Linien im mächtigen Raumklang. „Das liegt an der langen Nachhallzeit des Doms von 12 Sekunden,“ erklärt Valdis Butᾱns.  

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Liepaja, Ruhmesallee der Musiker, ihre Hände, Foto Ursula Wiegand

Doch nicht nur in Riga und Umgebung steht Musik hoch im Kurs, und nicht nur hier wird im nächsten Jahr der hundertste Staatsgeburtstag gefeiert, sondern in ganz Lettland. Mit erheblichem Einsatz sicherlich auch in der Küstenstadt Liepaja, die sich gerne als Musikperle im nördlichen Europa bezeichnet. Zu Recht, ist doch das dortige Sinfonieorchester das älteste im gesamten Baltikum. Und es gibt noch vieles mehr.

Liepaja, der Geisterbaum im Strand1park, Erinnerung ans einzige Rockkonzert unter sowjetischer Herrschaft, Foto Ursula Wiegand
Liepaja, der Geisterbaum im Strandpark, Erinnerung ans einzige Rockkonzert unter sowjetischer Herrschaft, Foto Ursula Wiegand

Eine Notenspur führt (ähnlich wie in Leipzig) zu den mit Musik verbundenen Orten. Sie beginnt mit der Ruhmesallee, den Händeabdrücken von Komponisten und Musikern, befestigt auf Steinsockeln. Im Strandpark erinnert der weiße Geisterbaum an Lettlands einziges Rockkonzert unter sowjetischer Besatzung. Per Knopfdruck ertönt Musik der Rockband „Livi“.  

1Liepaja, Dreifaltigkeitskirche, Riesenorgel von Barnim Grüneberg, Stettin, über 7000 Pfeifen, 131 Register, 4 Manuale,  Spieltisch, Foto Ursula Wiegand
 Liepaja, Dreifaltigkeitskirche, Riesenorgel von Barnim Grüneberg, Stettin, über 7000 Pfeifen, 131 Register, 4 Manuale,  Spieltisch, Foto Ursula Wiegand

Im Zentrum ist die evangelische Dreifaltigkeitskirche ein ganz wichtiges Ziel. Zum einen wegen ihrer hochfeinen spätbarocken Ausstattung, doch noch mehr wegen ihrer gigantischen Orgel mit über 7.000 Pfeifen, 131 Registern und 4 Manualen. „Grösste Orgel der Welt, erbaut  im Jahre 1885 von B. Grüneberg, Orgelbau-Anstalt Stettin“ steht auf einem Blechschild über dem Spieltisch.

1Liepaja, Dreifaltigkeitskirche,  Līga Auguste übt an der Riesenorgel von Barnim Grüneberg, Stettin, über 7000 Pfeifen, 131 Register, 4 Manuale, Foto Ursula Wiegand
Liepaja, Dreifaltigkeitskirche,  Līga Auguste übt an der Riesenorgel von Barnim Grüneberg, Stettin, Foto Ursula Wiegand

Am 3. August übt dort gerade Līga Auguste, ansonsten Kirchenmusikerin in St. Stephan Vlotho (Deutschland) für ihr Konzert am Abend. Toll klingt die Orgel, „aber sie einzurichten ist eine harte Arbeit,“ sagt die junge Lettin in akzentfreiem Deutsch. Leider kann ich mir ihr Konzert nicht anhören, beginnt doch am selben Abend das „Liepaja Art Forum“ im „Großen Bernstein“, in der 2015 eröffneten modernen Konzerthalle, entworfen vom Architekten Volker Giencke aus Graz. Die nur rd. 70.000 Einwohner zählende Stadt hat sich damit einen lange gehegten Traum erfüllt und besitzt nun eine Attraktion in internationalem Maßstab.  

1Liepala, Konzerthalle Großer Bernstein, 2015, Architekt Volker Giencke, Graz, Foto Ursula Wiegand
Liepaja, Konzerthalle Großer Bernstein, 2015, Architekt Volker Giencke, Graz, Foto Ursula Wiegand

Vom Turm der Dreifaltigkeitskirche zeigt sich der Große Bernstein in all’ seiner Schönheit. Schräg steht er zwischen den Häusern, so als hätten ihn Liepajas Winde etwas gekippt. Im Hintergrund ragen Kräne aus dem Dunst, hell schimmert die Ostsee. Rot leuchtet er, wie ein Bernstein in dieser Farbnuance. Auf mich wirkt dieser Beton-Stahl-Glasbau eher wie ein leuchtender Rubin.

1Liepala, Konzerthalle Großer Bernstein, innen, 2015, Architekt Volker Giencke, Graz
Liepaja, Konzerthalle Großer Bernstein, innen, 2015, Architekt Volker Giencke, Graz. Foto: Ursula Wiegand

Erst drinnen füllt das bekanntere Bernsteingelb die raffiniert gestaltete Halle, die über alle Stockwerke reicht. Die bereits hochgelobte Akustik verdankt der (fast) neue Musiktempel dem deutschen Experten Karlheinz Müller.

Josue Moreno, elektronische Klanginstallation im Großen Bernstein von Liepaja, Foto Ursula Wiegand
Josue Moreno, elektronische Klanginstallation im Großen Bernstein von Liepaja, Foto Ursula Wiegand

Den Auftakt bildet eine zweiteilige Klanginstallation, eingebettet in den Ostflügel und in die Nordlounge. Ihr Schöpfer, der in Finnland lebende Spanier Josue Moreno, ein freundlicher Riese, erklärt vorab, was zu erwarten sei. Bald schweben sanfte Klänge durch die Halle, nun ein ganzes Jahr lang. Moreno spricht von einem Akupunktur-Effekt, der die Besucher beim Gehen mal hier, mal dort überrascht, und meint, dass diese Klänge den Großen Bernstein selbst in ein Makro-Musikinstrument verwandeln.

Für das genaue Gegenteil sorgt dann der Belgier Godfried-Willem Raes mit seinem weltweit größten Robot Orchestra. Als junge Leute wollten er und seine Freunde nicht mehr Bach und Beethoven spielen, sondern neue Musik auf neuen elektronischen Instrumenten.

Godfried-Willem Raes, Gründer des Robot Orchestra, Foto Ursula Wiegand
Godfried-Willem Raes, Gründer des Robot Orchestra, Foto Ursula Wiegand

Das Resultat an diesem Abend? Wie ein großes glückliches Kind lässt der quicklebendige weißhaarige Raes die Töne aus seinen kunterbunten, sämtlich selbst gebauten elektronischen Spielzeugen quellen. Nach einem unspezifischen Klangdurcheinander am Anfang sind dann doch bald die Klassiker Beethoven und Mozart heraus zu hören, als Mittelstück gar ein 95-prozentiger Bach.

Godfried-Willem Raes mit Robot Orchestra, Foto  Valters Pelns
Godfried-Willem Raes mit Robot Orchestra, Foto Valters Pelns

Er lacht schelmisch, als ich ihm hinterher meinen Eindruck schildere und auch den bekannten Spruch zitiere: Nicht alle Musiker glauben an Gott – „ja, ja ich bin ein überzeugter Atheist“ wirft er ein – aber alle glauben an Bach.

Amüsant war’s auf alle Fälle.  Schade, dass ich nicht länger bleiben konnte, um die weiteren Tage dieses Art Forums oder ein klassisches Konzert im großen Saal zu erleben. Rund 200 Veranstaltungen pro Jahr werden im Großen Bernstein geboten. Welche Überraschungen werden sich die kreativen Programmgestalter fürs Geburtstagsjahr 2018 ausdenken?

Infos: Offizielle Lettland-Tourismus-Website: http://www.latvia.travel/de[3], Infos zur 100-Jahr-Feier auf Englisch unter www.lv100.lv. [4]Riga, Hotel Gutenbergs: www.gutenbergs.eu[5]. Auf der Dachterrasse sitzt und speist man direkt neben dem Domturm.   

Jurmala:  http://www.latvia.travel/de/city/jurmala-8[6], zum Dzintaru Konzertsaal auf Deutsch: https://www.liveriga.com/de/1198-konzertsaal-dzintari,[7] genaues Programm dort auf Englisch unter www.dzk.lv.[8]

Liepaja auf Deutsch: www.liepaja.travel[9], vor Ort auch Broschüren auf Deutsch. Großer Bernstein, Programm auf Englisch: http://www.greatamber.lv/en[10], 16.09.Saisonbeginn[11] mit Carmina Burana konzertant. Am 04.11. musiziert das Scharoun-Oktet der Berliner Philharmoniker.

  1. www.grafenegg.com : http://www.grafenegg.com
  2. http://TVthek.ORF.at: http://TVthek.ORF.at
  3. http://www.latvia.travel/de: http://www.latvia.travel/de
  4. www.lv100.lv. : http://www.lv100.lv.
  5. www.gutenbergs.eu: http://www.gutenbergs.eu/
  6. http://www.latvia.travel/de/city/jurmala-8: http://www.latvia.travel/de/city/jurmala-8
  7. https://www.liveriga.com/de/1198-konzertsaal-dzintari,: https://www.liveriga.com/de/1198-konzertsaal-dzintari,
  8. www.dzk.lv.: http://www.dzk.lv.
  9. www.liepaja.travel: http://www.liepaja.travel/
  10. http://www.greatamber.lv/en: http://www.greatamber.lv/en
  11. 16.09.Saisonbeginn: http://www.greatamber.lv/en%20.%2016.09.Saisonbeginn

Source URL: http://der-neue-merker.eu/infos-des-tages-samstag-12-august-2017