Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM SEPTEMBER 2017

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 

IN MEMORIAM-Geburtstage

1.9. Margarita GONZÁLEZ ONTIVEROS: 90. Geburtstag

 Biographie der mexikanischen Altistin auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Margarita_Gonz%C3%A1lez_Ontiveros

 

3.9. Olga CHELAVINE: 100. Geburtstag

olga-chelavine

 Sie studierte am Conservatorio Nacional de Musica y Arte Escénico in Buenos Aires und erwarb ihr Diplom als Sängerin und Gesangslehrerin am Instituto Superior de Arte des Teatro Colón Buenos Aires, wo sie Schülerin von Edytha Fleischer war. 1943 debütierte sie am Teatro Coliseo in der argentinischen Hauptstadt als Prinz Orlofsky in der »Fledermaus«. Sie trat an den großen argentinischen Opernhäusern, seit 1944 vor allem am Teatro Colón Buenos Aires, auf. Sie gehörte zu den Mitbegründern des Teatro de Opera de Cámara in Buenos Aires. Sie gastierte in Rio de Janeiro, in Paris und Brüssel, in Manchester und an der Sadler’s Wells Opera London. Ihre großen Bühnenpartien waren der Cherubino, die Barbarina wie die Susanna in »Figaros Hochzeit« und die Sophie im »Rosenkavalier«; in Wagner-Opern trat sie als Rheintochter im Nibelungenring und als Blumenmädchen im »Parsifal« auf, sang im Übrigen jedoch ein umfangreiches Bühnen- wie Konzertrepertoire. 1962 nahm sie am Teatro Colón an der südamerikanischen Erstaufführung von Benjamin Brittens »A Midsummer Night’s Dream« in der Rolle des Puck teil. Sie wirkte später im pädagogischen Bereich am Instituto Superior de Musica der Universität von Rosario (Argentinien), lebte aber hauptsächlich in Uruguay. Sie starb 1996 in Buenos Aires.

 

3.9. Rudolf PETRÁK: 100. Geburtstag

 Er begann seine Ausbildung bei A. Korinskej in Prag und war dann Schüler von Balzer in Wien. 1943 debütierte er an der Wiener Volksoper als Herzog im »Rigoletto« und blieb für eine Spielzeit an diesem Haus tätig. 1944-45 sang er am Opernhaus von Bratislava (Preßburg), 1945-47 an der Oper des 5. Mai Prag und 1947-48 am Prager Nationaltheater. 1948 verließ er seine tschechische Heimat und emigrierte in die USA. Hier kam er zu einer langjährigen, erfolgreichen Karriere an der New York City Opera. An diesem Haus sang er u.a. 1960 in der amerikanischen Erstaufführung von Janáceks »Katja Kabanowa«. 1967 nahm er seinen Abschied von der Bühne, auf der er in Partien wie dem Rodolfo in »La Bohème«, dem Cavaradossi in »Tosca«, dem Titelhelden im »Faust« von Gounod, dem Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, dem Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, dem Radames in »Aida« und dem Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss seine größten Erfolge gehabt hatte. Auch als Konzerttenor durchlief er eine bedeutende Karriere, wobei er auch hier ein weitläufiges Repertoire zum Vortrag brachte. Er starb 1972 in Greenwich (Connecticut).

Schallplatten: Telefunken (»Meistersinger«-Quintett von 1943), Columbia (Carmina Burana von C. Orff), Everest (Tenorsolo in der 9. Sinfonie von Beethoven), MGM.

 

4.9. Niels MOELLER: 95. Geburtstag

Niels MOELLER als Melot in Bayreuth
Als Melot in Bayreuth

 Bis 1942 absolvierte er eine Handelslehre, studierte dann 1942-46 bei Anders Brems in Kopenhagen und anschließend bei Annemarie Martensen Gesang. Seit 1947 besuchte er auch die Königliche Opernschule Kopenhagen. 1953 debütierte er – als Bariton – in Kopenhagen in der Partie des Figaro in Rossinis »Barbier von Sevilla«. Weitere Baritonpartien, die er dort sang, waren der Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, der Dandini in »La Cenerentola« von Rossini und der Tarquinius in »The Rape of Lucretia« von Benjamin Britten. Nachdem sich zeigte, dass er eigentlich eine Tenorstimme besaß und nach nochmaliger Umschulung durch Annemarie Martensen debütierte er als Tenor 1959 an der Königlichen Oper Kopenhagen, deren Mitglied er während seiner gesamten Karriere 1953-75 war, als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1961-62 sang er bei den Festspielen von Bayreuth einen der Gralsritter im »Parsifal«, 1962 einen der Edlen im »Lohengrin«, 1962 und 1964 den Melot in »Tristan und Isolde«, 1965 den Erik in »Der fliegende Holländer«. Weitere erfolgreiche Gastspiele am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1964-67), an der Staatsoper von Wien (1967 als Ägisth in »Elektra« von R. Strauss), in Oslo (1966) und Amsterdam (1967 und 1968 als Herodes in »Salome« von R. Strauss), am Grand Théâtre Genf (1963 als Melot und 1967 als Herodes), am Teatro Fenice Venedig (1969 und 1971), am Teatro Liceu Barcelona (1968), am Teatro San Carlos Lissabon (1972) und an der Oper von Bordeaux (1968). Als Tenor übernahm er Partien aus dem heldischen Fach wie den Florestan im »Fidelio«, den Tannhäuser, den Don José in »Carmen«, den Schuiskij im »Boris Godunow«, den Tambourmajor in »Wozzeck« von A. Berg und den Zeus in »Il ritorno d’Ulisse in patria« von Monteverdi. 1960 sang er in Kopenhagen in der Uraufführung der Oper »Macbeth« von H. Koppel die Titelpartie. Sehr erfolgreich war er als Konzert- und Oratoriensänger in einem umfangreichen Repertoire. 1975 nahm er als Herodes in »Salome« von R. Strauss in Kopenhagen seinen Bühnenabschied und war dann in den Jahren 1978-83 Direktor der Kopenhagener Oper. Er starb im Dezember 1995. Auch seine Gattin hatte unter dem Namen Helmi Ewald eine erfolgreiche Bühnen- und Konzertkarriere.

Schallplatten: CBS (Werke von C. Nielsen), Metronome, HMV (»Gurrelieder« von Schönberg), Philips (»Parsifal« aus Bayreuth von 1962), Danacorn (»Saul og David« von C. Nielsen), Gailly (»Winterreise« von Schubert), Mondo Musica (Ägisth in »Elektra« von R. Strauss, Teatro Fenice Venedig, 1971).

 

4.9. Karl HAUSS: 125. Geburtstag

Carl Hauss

 Er begann nach dem Ersten Weltkrieg seine Bühnenkarriere mit einem Engagement am Theater von Saarbrücken (1919-21) und sang dann 1921-25 am Stadttheater von Duisburg. Nach einer Spielzeit am Stadttheater von Nürnberg 1925-26 folgte er einem Ruf an das Staatstheater (Opernhaus) von Hannover, dessen Mitglied er von 1926 bis 1952 und noch bis 1953 als Gast war. Er wurde zum Ehrenmitglied des Hauses ernannt. In Hannover wurde er zu einem der beliebtesten Sänger seiner Generation, kam aber auch bei Gastspielen zu glänzenden Erfolgen. So sang er 1926-27 gastweise an der Berliner Staatsoper, seit 1927 vielfach an der Staatsoper Dresden, seit 1928 am Opernhaus von Köln. 1929-31 und nochmals 1934 sang er oft an der Wiener Staatsoper (den Manrico im »Troubadour«, den Tamino in der »Zauberflöte«, den Ferrando in »Così fan tutte«, den Eisenstein wie den Alfred in der »Fledermaus«, den Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, den Don José in »Carmen«, den Gabriele Adorno in Verdis »Simon Boccanegra«, den Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, den Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Herzog in »Rigoletto«, den Alvaro in »La forza del destino«, den Lyonel in »Martha« von Flotow, den Cavaradossi in »Tosca«, den italienischen Sänger im »Rosenkavalier« und den Faust von Gounod). 1931 wirkte er bei den von Max Reinhard inszenierten Aufführungen von »Hoffmanns Erzählungen« am Berliner Schauspielhaus mit, die damals großes Aufsehen erregten. Bei den Festspielen von Salzburg sang er 1930 den Ernesto im »Don Pasquale« von Donizetti und den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«. 1934 sang er in Hannover in der Uraufführung der Oper »Blondin im Glück« von Hans Grimm; 1943 wirkte er dort in der deutschen Erstaufführung der Oper »Morana« von J. Gotovac mit. Sein Bühnenrepertoire besaß einen großen Umfang und enthielt Partien wie den Florestan im »Fidelio«, den Adolar in Webers »Euryanthe«, den Nureddin in »Der Barbier von Bagdad« von Cornelius, den Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, den Alfredo in »La Traviata«, den Titelhelden in Verdis »Don Carlos«, den Maurizio in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, den Romeo in »Giulietta e Romeo« von Zandonai, den Dick Johnson in Puccinis »La Fanciulla del West«, den Kalaf in »Turandot«, den Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer, den Titelhelden in »Fra Diavolo« von Auber und den Babinsky in »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von Weinberger. Im Konzertsaal brachte er ein Repertoire von ähnlicher Vielseitigkeit zum Vortrag. Er starb 1982 in Hannover.

Schallplatten: Koch/Schwann (Kalaf in »Turandot« von Puccini als Partner von Maria Cebotari, Reichssender Stuttgart 1938); elektrisch aufgenommene Polydor-Schallplatten.

 

4.9. Darius MILHAUD: 125. Geburtstag

Er stammte aus einer wohlhabenden, alteingesessenen jüdisch-provenzalischen Familie. Er wurde zwar in Marseille geboren, wuchs aber in Aix-en-Provence auf. Die geografische wie religiöse Herkunft blieb nach eigenem Zeugnis für ihn sein Leben lang von starkem prägendem Einfluss. Seine systematische Musikerziehung begann im Alter von 7 Jahren mit der Aufnahme von Violinunterricht. Erste eigene Kompositionen entstanden 1905. 1909 setzte er seine Violinstudien am Pariser Konservatorium fort, gab diese aber drei Jahre später zu Gunsten des Komponierens auf. Er studierte bei André Gedalge (Kontrapunkt, Komposition), Charles-Marie Widor (Komposition) und Vincent d‘Indy (Dirigieren). In Gedalges Kursen lernte er unter anderem Arthur Honegger und Jacques Ibert kennen. In dieser Zeit entstanden vor allem Lieder nach Gedichten zeitgenössischer französischer Dichter und eine erste Oper (La brebis égarée, 1910–15). 1912 wurde er mit dem Dichter Paul Caludel bekannt gemacht, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft und künstlerische Zusammenarbeit verbinden sollte. Als Claudel 1916 als französischer Botschafter in die brasilianische Hauptstadt Rio de Janeiro entsandt wurde, begleitete ihn Milhaud, vom Dienst im Ersten Weltkrieg befreit, als sein Attaché nach Südamerika. Dort lernte er die brasilianische Folklore und Popularmusik kennen, die seine Musik in den folgenden Jahren stark beeinflussen sollte. 1918 kehrte er nach Frankreich zurück. Er hatte Kontakt mit dem Kreis um Jean Cocteau und Erik Satie und gehörte schließlich zur Groupe des Six. Seine Kompositionen brachten ihm erste Erfolge, aber auch Skandale ein. 1925 heiratete er seine Cousine Madeleine. Im Paris der frühen 1930er Jahre traf sich er im Salon der niederländischen Komponistin Rosy Wertheim regelmäßig mit den Komponistenkollegen Barraine, Honegger, Ibert und Messiaen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges emigrierte Milhaud mit seiner Frau in die USA und wurde am Mills College in Oakland Lehrer für Komposition (bis 1971). Nach Ende des Krieges leitete er zusätzlich eine Kompositionsklasse am Konservatorium in Paris (bis 1972). Er unterrichtete in der folgenden Zeit jährlich wechselnd auf beiden Kontinenten. Seinen Unterricht besuchten so unterschiedliche Künstler wie der Jazzmusiker Dave Brubeck, der Minimalist Steve Reich, der Sinfoniker Allan Pettersson und die Avantgardisten Karlheinz Stockhausen, Larry Austin und Iannis Xenakis.

1959 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Ab 1972 war Milhaud als Nachfolger von Marcel Dupré Mitglied der Académie des Beaux-Arts. Er war zudem Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Milhaud war ein äußerst produktiver Komponist (sein Werkverzeichnis enthält mehr als 400 Einträge), der in allen bedeutenden traditionellen Musikgattungen arbeitete (Oper, sinfonische Musik, Konzerte, Kammer- und Vokalmusik, Lieder). Er selbst sah sich stark von der Musik des Mittelmeerraumes (besonders der italienischen), dagegen wenig von der deutschen Musik beeinflusst. Bei aller Vielgestaltigkeit seines Werkes ist insgesamt kennzeichnend eine ausgeprägte Melodik, ein ausgeprägter Klangsinn bei weitgehendem Verzicht auf strenge und formale Techniken des Tonsatzes. In der Harmonik verwendet Milhaud häufig Bi-/Polytonalität. Auch Polyrhythmik findet man in seinen Werken. Eines seiner bekanntesten Kammermusikwerke ist Scaramouche für zwei Klaviere, das er für viele Besetzungen arrangierte, unter anderem für Saxophon und Bläserquintett. Von allen Komponisten seiner und älterer Generation, die sich in wenigstens einer Komposition zur Aufgabe machten, den damals neu aufkommenden Jazz oder wenigstens dessen Musizierphänomene in ihre Kompositionen zu integrieren (die bekanntesten unter ihnen waren Strawinsky, Hindemith, Schostakowitsch, Satie und Schulhoff), war Darius Milhaud derjenige, der sich dieser Musik als klassischer Komponist am weitesten angenähert hatte. 1939 arbeitete er mit Arthur Honegger und Roger Désormière und schrieb die Musik für einen Film von Raymond Bernard mit dem Titel Cavalcade d‘amour. Der Film bestand aus drei Teilen, über leichtherzige Männer und die Spielarten der Liebe, die im Jahre 1430, 1830 und 1930 spielten. Jeder der drei Komponisten suchte sich eine Epoche aus, für die er komponierte. Milhaud entschied sich für die Zeit um 1430 und wählte die Geschichte eines Troubadours aus seiner Heimat, René d‘Anjou, einem Comte de Provence. König René erholte sich gern in einer windlosen Gegend auf dem Lande unter offenem Himmel beim Picnic. Dieser Ort erhielt den Namen La cheminée du roi René. Diese Filmmusik wurde Milhauds berühmtestes und populärstes Bläserquintett mit imaginären Szenen aus dem Leben des Königs René mit einer Prozession (Cortège), einer Morgenserenade (Aubade) und Jongleuren (Jongleurs), einer Beschreibung der näheren Gegend (La Maousinglade), Bootswettkämpfen auf dem Fluss Arc (Joutes sur l‘ Arc) einer Jagdszene (Chasse à Valabre) und endet mit einer Nachtszene (Madrigal-Nocturne). Die Uraufführung fand nach Milhauds Flucht an der University of Southern California 1941 durch das San Francisco Wind Quintett statt. Die Suite d’apres Corette basiert auf einigen Themen des weitgehend unbekannten französischen Komponisten Michel Corrette, die Milhaud sehr frei verarbeitete. Sie ist dem Trio d‘Anches, einem zur damaligen Zeit sehr berühmten Bläserensensemble, gewidmet. Das Divertissement en trois Parties für Bläserquintett wurde im April 1958 geschrieben. Es ist eine Filmmusik für den Film Gaugain von Alain Resnais. Die Opuszahl ist hier nicht chronologisch. Die Titel der drei Sätze lauten Balance (mit einem provenzalischen Thema), Dramatique (mit extremen Akkorden) und Joyeux (polyrhythmisch). Man spürt besonders im letzten Satz die Verwandtschaft mit seinem 20 Jahre älteren Bläserquintett La cheminée de Roi René. Hier wird die musikalische Entwicklung Milhauds in einer Generation mit einem Weltkrieg dazwischen deutlich. Die Four Sketches für Bläserquintett wurden im gleichen Jahr 1941 wie die Orchesterversion veröffentlicht. Sie beginnen ähnlich wie die Suite d´après Corette mit einem Thema in Oboe. Der Titel Pastoral entspricht dem Eglogue in der Orchesterversion und kommt hier als dritter Satz nach dem Madrigal. Milhaud starb 1974 in Genf. Ihm zu Ehren wurde der Neubau des Konservatoriums in Aix-en-Provence Conservatoire Darius Milhaud benannt. Das vom japanischen Architekten Kengo Kuma konzipierte Gebäude im Stadtzentrum enthält einen Konzertsaal mit 500 Sitzen und 240 m² Bühnenfläche.

 

5.9. Eduardo MATA : 75. Geburtstag

Er studierte in Mexiko bei Rodolfo Halffter und ab 1960 bei Carlos Chávez, danach in Tanglewood/Massachusetts bei Erich Leinsdorf, Max Rudolf, Gunther Schuller und Igor Kipnis. Seit 1964 leitete er das Balet Clásico und wurde dann Leiter des Universitätsorchesters von Guadalajara. Daneben reiste er als Dirigent durch Mexiko, die USA und Europa. 1972 verließ er Mexiko und dirigierte zunächst das Phoenix Symphony Orchestra und 1977-93 das Dallas Symphony Orchestra. Er komponierte drei Sinfonien, ein Ballett für Tonband, kammermusikalische Werke, eine Klaviersonate und weitere Klavierwerke. Er kam 1995 bei einem Flugzeugunglück ums Leben.

 

5.9. Peter BRANOFF: 80. Geburtstag

 Seine Bühnenengagements waren 1961-63 am Städtebundtheater Landshut (Bayern), 1963-64 am Landestheater Salzburg, 1964-68 am Staatstheater Braunschweig, 1968-73 am Opernhaus von Graz, 1973-74 als Gast am Theater an der Wien, 1974-76 an der Volksoper in Wien. Danach gastierte er vielfach und war durch Gastverträge 1976-78 dem Theater an der Wien wie dem Theater des Westens in Berlin, 1979-85 dem Staatstheater Braunschweig, 1979-83 dem Stadttheater von Mainz, 1984-89 dem Landestheater Salzburg verbunden. Seit 1989 wieder Mitglied der Wiener Volksoper. Hier sang er 1973 in der Uraufführung der Oper »Kleider machen Leute« von Marcel Rubin. 1969 wirkte er in Graz in der österreichischen Erstaufführung von Fr. Burts »Volpone« in der Titelrolle mit. Im Vordergrund seines Repertoires standen Buffo-Partien wie der Leporello im »Don Giovanni«, der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Don Pasquale, der Bartolo im »Barbier von Sevilla«, der Baculus im »Wildschütz« und der van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing und der Falstaff von Verdi, doch sang er auch kleinere Rollen wie den Zuniga in »Carmen« oder den Kuno im »Freischütz«. Sehr erfolgreich war er als Operettensänger, wobei der Ollendorf in Millöckers  »Der Bettelstudent« und der Zsupan im »Zigeunerbaron« zu seinen Glanzrollen zählten. Er starb am 30. März 2012.

 

6.9. Paul HARRHY: 60. Geburtstag

 Er war 1980-84 Schüler der Guildhall School of Music London. Er debütierte 1985 bei der Gesellschaft Opera 80 als Alfredo in »La Traviata« und sang mit diesem Ensemble auch den Tom Rakewell in Strawinskys »The Rake’s Progress«. Seit 1987 trat er vielfach bei der English National Opera London auf, u.a. als Hohepriester in »Akhnaten« (»Echnathon«) von Philip Glass, als Valzacchi im »Rosenkavalier«, als Truffaldino in Prokofjews »L‘Amour des trois oranges« und als Janek in »Die Sache Makropoulos« von Janácek. An der Scottish Opera Glasgow trat er 1986 als Remendado in »Carmen«, 1987 als Neuling in »Billy Budd« von B. Britten und als Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, 1989 als Mime im »Rheingold«, an der Opera North Leeds als Tom Rakewell (1986) und als Truffaldino auf (eine Partie, die er auch 1989 bei den Festspielen von Edinburgh bei einem Gastspiel der Kent Opera übernahm). Er sang bei der Chelsea Opera Group und bei der Opera Factory sowie in den Jahren 1988-90 beim Almeida Festival, wo er auch in der Uraufführung der Oper »The Golem« von John Casken (1989) mitwirkte. Er war bei Festspielveranstaltungen in Frankfurt a.M. (in »Les malheurs d’Orphée« von D. Milhaud), Venedig, Florenz, Cheltenham, Bath und Straßburg anzutreffen und sang beim Wexford Festival 1989 den Marzio in »Mitridate« von Mozart, den er dann auch in der Londoner Elizabeth Hall vortrug. 1990-91 gastierte er bei der City of Birmingham Touring Opera als Mime, 1991 bei der Opera 80 als Pedrillo, 1992 Gastspiel an der Oper von Tel Aviv. Er starb im März 1996.

Schallplatten: Virgin-Classics (»The Golem« von J. Casken), ASV (»Les malheurs d’Orphée« von D. Milhaud, »Renard« von Strawinsky).

 

6.9. Hiroyuki IWAKI: 85. Geburtstag

Er wurde an der Staatlichen Hochschule für Musik und bildende Künste in Tokio ausgebildet, trat erstmals beim NHK-Rundfunkorchester auf und unternahm am 1960 mit diesem Ensemble Tourneen durch Europa, die USA, Südostasien und Australien. Ab 1969 wurde er dessen Chefdirigent. Zwischen 1957 und 1960 dirigierte er zahlreiche Uraufführungen und japanische Premieren, später trat er des Öfteren als Gast bei europäischen Orchestern auf. 1965 wurde er zum Musikalischen Direktor und Chefdirigenten der Fujiwara Opera Company berufen (bis 1967). Neben seiner Tätigkeit beim NHK-Rundfunkorchester übernahm er 1974 die Stelle des Chefdirigenten beim Melbourne Symphony Orchestra. Zugleich war er ständiger Gastdirigent beim Atlanta Symphony Orchestra und kam als Gast auch zu den Berliner und Wiener Philharmonikern. Er starb 2006 in Tokio.

 

6.9. Wolfgang HOFMANN: 95. Geburtstag

Er war Sohn des Klarinettisten Hermann Hofmann (* 1889 in Frankfurt am Main), den einst Wilhelm Furtwängler als Soloklarinettisten an das Gewandhausorchester Leipzig berufen hatte. So wuchs Wolfgang Hofmann in Leipzig auf. Seinen ersten Klavierunterricht erhielt Wolfgang Hofmann im Alter von fünf Jahren beim Vater. Ein Jahr später begann er mit Violinunterricht bei Emil Kolb. Mit elf Jahren kam Tonsatzunterricht bei Hans Lindner hinzu. In diese Zeit fallen auch erste Kompositionsübungen, die aber sein Tonsatzlehrer mit dem Argument verbot, man müsse erst den vierstimmigen Satz so gut beherrschen wie Johann Sebastian Bach, bevor man sich an eigenen Kompositionen versuchen dürfe, so dass der Vater für neue Lehrer sorgte. Diese waren von besonderer Qualität: Rudolf Kempe (Klavier), zu dieser Zeit noch Solo-Oboist im Gewandhausorchester, der sich selbst auf seine Dirigentenlaufbahn vorbereitete, Kurt Stiehler (Violine), damals Konzertmeister des Gewandhausorchesters, später Professor in München, und Dr. Reinhard Oppel (Tonsatz, Musikgeschichte). Schon im jugendlichen Alter trat Hofmann als Solist auf. Mit 17 Jahren bekam er eine Stelle als Geiger im Gewandhausorchester, das damals von Hermann Abendroth geleitet wurde. Er wurde aber gleich 1939 zum Kriegsdienst eingezogen und musste deshalb seine Musikerlaufbahn acht Jahre lang unterbrechen. Während der französischen Kriegsgefangenschaft am Rande der Sahara allerdings hatten die dort gefangen gehaltenen Offiziere eine Lageruniversität gegründet, an der neben Geschichte, Jura, Mathematik, Naturwissenschaften, Architektur und Sprachwissenschaften auch Musik bei Wolfgang Hofmann studiert werden konnte. Vom Roten Kreuz wurden Instrumente gestellt. Hofmann dirigierte einen Lagerchor, gründete ein Lagerorchester, machte Kammermusik, gab Violin- und Theorieunterricht und war als Kirchenmusiker für beide Konfessionen tätig. Wolfgang Hofmann komponierte in dieser Zeit zum Beispiel ein Quintett für 2 Violinen, Viola, Violoncello und Flöte, 2 Kurzopern und auch eine katholische Messe. Alle diese Werke erlebten ihre Uraufführungen im Gefangenenlager am Rande der Wüste Sahara. Erst nach Kriegsende und Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1948 fand er Stellen als Geiger in den Orchestern von Kaiserslautern und Darmstadt – ab 1955 als Konzertmeister im Salzburger Mozarteumorchester. Er war damals auch Mitglied im Mozarteum-Quartett. Mit diesem Orchester, dem Mozarteum-Quartett und auch als Solist bereiste er in den folgenden Jahren Europa, Nordamerika und Afrika. Gestützt auf seine langjährigen Orchestererfahrungen wurde Wolfgang Hofmann 1959 Dirigent. Er übernahm die musikalische Leitung des Kurpfälzischen Kammerorchesters in Mannheim. Dieses Orchester leitete er fast drei Jahrzehnte lang bis zum 1. Oktober 1987. In dieser Zeit eroberte sich Hofmann die Konzertsäle im In- und Ausland, sowie viele deutsche und ausländische Rundfunkanstalten mit Programmen, die neben dem bekannten Kammerorchesterrepertoire immer wieder eigene Kompositionen enthielten. Außer eigenen Kompositionen widmete sich Wolfgang Hofmann intensiv der Ausgrabung und Bearbeitung zahlreicher Werke der Mannheimer Schule. Es ist ihm und dem Süddeutschen Rundfunk in Heidelberg zu verdanken, dass diese wunderbare Musik heute wieder spielbar vorliegt. 1968, nach dem Tod von Karl Ristenpart, arbeitete Hofmann für einige Jahre auch mit dem Kammerorchester des Saarländischen Rundfunks, mit dem er auch öfters im Fernsehen musizierte. 1973 verlieh ihm der Kultusminister von Rheinland-Pfalz die höchste kulturelle Auszeichnung des Landes, die Peter-Cornelius-Plakette. In der Komposition entwickelte Hofmann seinen eigenen Personalstil, der allein „das Komponieren über das Kunsthandwerk hinaushebt“ (Hofmann in seinem Buch Goldener Schnitt und Komposition, Heinrichshofen-Verlag). Von 1987 bis zu seinem Tod im Jahr 2003 arbeitete Wolfgang Hofmann als freischaffender Komponist in Mannheim. Anlässlich seines 75. Geburtstages veröffentlichte er heitere und kritische Betrachtungen über die Musik dieses Jahrhunderts in seinem Buch Divertissement. 1992 wurde die Wolfgang Hofmann Stiftung gegründet, die an Hochschulen und Musikschulen Wettbewerbe ausschreibt und sich so um die Förderung des musikalischen Nachwuchses bemüht.

 

7.9. Vladislav USPENSKY: 80. Geburtstag

 Biographie des russischen Komponisten auf Englisch: http://en.remusik.org/uspensky/

 

7.9. Kyrill MOLTSCHANOW (russischer Komponist): 95. Geburtstag

 

7.9. Evan WILLIAMS: 150. Geburtstag

Evan_Williams

 Die Eltern des Sängers stammten aus Wales. Zuerst arbeitete er in einem Stahlwerk; man entdeckte seine Stimme in einem Amateur-Ensemble. Darauf Gesangstudium bei Louise von Feilitsch in Cleveland. 1891 gab er ein erstes Konzert in Galion (Ohio), doch erfolgte sein offizielles Debüt erst 1896 beim Festival von Worcester. Nach weiteren Studien bei den Pädagogen Saubage, Ben Davies und Ffrangeon Davies in New York unternahm er 1903 eine England-Tournee, der 1906 eine zweite folgte. 1910 kam eine dritte England-Tournee zustande, die von der British Gramophone Company organisiert wurde. Evan Williams galt als der bedeutendste amerikanische Oratorien-Tenor seiner Zeit. Zugleich war er ein geschätzter Lied-Interpret; er soll allein in Amerika im Laufe seiner Karriere über tausend Liederabende gegeben haben. In den Jahren 1896-1911 feierte man ihn immer wieder beim Worcester Festival. 1912 unternahm er eine weitere England-Tournee zusammen mit dem New Symphony Orchestra unter Sir Landon Ronald und der Pianistin Irene Scharrer. Er starb 1918 in Akron (Ohio).

Zahlreiche Aufnahmen auf G & T (London, 1906-07), HMV (London, 1908) und Victor (seit 1908 in den USA entstanden); einige davon unter dem Namen Wm. T. Evans.

 

8.9. Ogan DURJAN ‘NARC: 95. Geburtstag

 Informationen über den israelischen Dirigenten auf seiner Homepage: http://www.ogandurjan.com/

 

8.9. Josef KEJŘ: 125. Geburtstag

Josef Kejř

 Er arbeitete zunächst als Bergmann in einer der Zechen im Kohlerevier von Kladno. Man entdeckte seine Stimme, und er begann ein Gesangstudium bei M. Nedbal. Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges debütierte er 1921 als lyrischer Tenor am Theater von Plzen (Pilsen), dem er bis 1936 angehörte. 1936 folgte er einem Ruf an das Opernhaus von Brno (Brünn), dessen Mitglied er bis zu seinem Bühnenabschied im Jahre 1959 blieb. Im Ablauf seiner Karriere ist er dort zunehmend in Buffo- und Charakterrollen aufgetreten. So umfasste sein Repertoire Partien wie den Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Lukas in »Hubicka« (»Der Kuss«) von Smetana, den Rektor in Janáceks »Das schlaue Füchslein«, den Hauk in »Die Sache Makropoulos« und die Titelpartie in »Die Ausflüge des Herrn Broucek« vom gleichen Meister, den Don Basilio in »Le nozze di Figaro«, den Dr. Cajus im »Falstaff« von Verdi und den Missail im »Boris Godunow«. Er starb im November 1979.

Schallplattenaufnahmen bei Supraphon.

 

8.9. José LEDERER: 175. Geburtstag

 Er sollte ursprünglich Kaufmann werden. Da seine Eltern nicht ihre Zustimmung zu einer Karriere beim Theater gaben, ging er zum österreichisch-ungarischen Militär und wurde 1859 in der Schlacht von Solferino verwundet. Er erhielt seine Ausbildung zum Sänger bei Richard Lewy in Wien. Er debütierte 1861 am Ungarischen Volkstheater in Budapest als Paris in der Operette »Zehn Mädchen und kein Mann« von Fr. von Suppé. Er kam dann als Tenor-Buffo nach Olmütz (Olomouc), 1864 an das Wiener Carl-Theater. Er war 1865-66 am Theater von Troppau (Opava), 1866 in Magdeburg, 1866-67 am Stadttheater Hamburg, 1867-74 am Hoftheater von Darmstadt im Engagement. Nach weiterem Gesangstudium bei Delsarte in Paris und bei Saini in Mailand und einer kurzen Verpflichtung am Stadttheater von Hamburg wurde er 1868 an das Hoftheater von Darmstadt engagiert. Hier debütierte er als Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer, als Vasco in dessen »Afrikanerin« und als Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell« und wurde als Nachfolger des großen Tenors Franz Nachbaur in das Ensemble aufgenommen. Er blieb bis 1874 in Darmstadt, sang 1874-76 am Deutschen Theater Rotterdam, 1876-82 am Hoftheater Wiesbaden (wo er 1878 in der Uraufführung der Oper »Die Albigenser« von Jules Deswert mitwirkte) und wurde 1882 an das Opernhaus von Frankfurt a.M. berufen, dessen Mitglied er bis zu seinem Tod 1895 blieb. Er gastierte 1868-71 an der Hofoper von Stuttgart, 1869 an der Dresdner Hofoper, 1870 und 1871 an der Hofoper Berlin, 1871 am Opernhaus von Leipzig, 1873 an der Komischen Oper Wien, 1874 am Hoftheater von Mannheim, auch in Riga, Moskau, den Haag und London. Dabei waren seine Bühnenpartien der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Florestan im »Fidelio«, der Adolar in »Euryanthe« und der Hüon im »Oberon« von Weber, der Veit in Lortzings »Undine«, der Lohengrin, der Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Tannhäuser, der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der George Brown in »La Dame blanche« von Boieldieu, der Masaniello in »La Muette de Portici« von Auber, der Jean in Meyerbeers »Der Prophet«, der Titelheld in Aubers »Fra Diavolo« und der Eleazar in »La Juive« von Halévy.

Seit 1869 war er mit der Sopranistin Asminde Ubrich (1837-90) verheiratet.

 

8.9. Karl August von LICHTENSTEIN: 250. Geburtstag

Er wurde in Würdigung seines am Schlosstheaters Dessau gezeigten Engagements 1798 zum ersten Intendanten der Dessauer Hofoper durch Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau berufen. Seine lebenslange Distanz zum zunehmend bürgerlich geprägten Schauspiel ermöglichte dem mit seiner Compagnie 1794 als „Hof Schauspiel Directeur“ engagierten Prinzipal Friedrich Wilhelm Bossann nach von Lichtensteins Abschied 1807 die erweiterte herzogliche Bestallung als „Herzogl. Anhalt. Hof-Theaterdirecteur“ unter der formalen Intendanz eines herzoglichen „Multi-Beamten“: des Oberhofmeisters Georg Heinrich von Berenhorst. Freiherr von Lichtenstein war ein gefragter Übersetzer von Libretti, der sich u.a. um die Werke von Daniel-Francois-Esprit Auber verdient gemacht hatte. Zwei Tage nach seinem 78. Geburtstag starb Freiherr von Lichtenstein am 10. September 1845 in Berlin.

 

9.9. Heinrich WIEGAND: 175. Geburtstag

Heirnich WIEGAND

 Er erhielt seine Ausbildung großteils in Paris und debütierte 1870 am Stadttheater von Zürich. 1873-77 wirkte er als erster Bassist am Opernhaus von Frankfurt a.M. 1877-78 nahm er an einer großen Nordamerika-Tournee mit der Adams-Pappenheim Opera Company teil. 1878 wirkte er an der New Yorker Academy of Music in der amerikanischen Erstaufführung von R. Wagners »Rienzi« mit. 1878-82 war er am Opernhaus von Leipzig engagiert, an dem er am 19.3.1879 an der Uraufführung der Oper »Der Rattenfänger von Hameln« von V. Nessler teilnahm. 1881-85 sang er an der Wiener Hofoper (u.a. den König in »Aida«, den Basilio im »Barbier von Sevilla«, den Zuniga in »Carmen«, den Komtur im »Don Giovanni«, den Mephisto im »Faust« von Gounod, den Minister wie den Don Pizarro im »Fidelio«, den Sulpice in Donizettis »La fille du régiment«, den Daland in »Der fliegende Holländer«, den Giacomo in Aubers »Fra Diavolo«, den Eremiten wie den Kaspar im »Freischütz«, des Gesler wie den Walter Fürst in Rossinis »Wilhelm Tell«, den St. Bris in Meyerbeers »Hugenotten«, den Kardinal Brogni in »La Juive«  von Halévy, den Heerrufer wie den König Heinrich im »Lohengrin«, den Herrn Reich in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Plumket in Flotows »Martha«, den Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Titelhelden in »Mefistofele« von Boito, den Laertes in »Mignon« von A. Thomas, den Figaro in »Le nozze di Figaro«, den Oberthal wie den Zacharie in Meyerbeers »Der Prophet«, den Donner im »Rheingold«, den Raimondo wie den Colonna in Wagners »Rienzi«, den Monterone im »Rigoletto«, den Hunding wie den Wotan in der »Walküre«, den Gunther in der »Götterdämmerung«, den Capulet in »Roméo et Juliette« von Gounod, den Biterolf wie den Landgrafen im »Tannhäuser«, den Publio in Mozarts »La clemenza di Tito«, den König Marke in »Tristan und Isolde«, den Ferrando im »Troubadour«, den Daniel in Cherubinis »Wasserträger«, den van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing und den Sprecher in der »Zauberflöte«. 1884-94 hatte er als Mitglied der Hamburger Oper (Stadttheater) eine große Karriere. Man bewunderte ihn vor allem auf dem Gebiet des Wagner-Gesangs. 1882 sang er am Her Majesty’s Theatre London in der dortigen Erstaufführung des Nibelungenrings unter Anton Seidl den Hunding und den Hagen. 1892 hatte er an der Covent Garden Oper London besondere Erfolge in den Aufführungen Wagner’scher Opern unter dem großen Dirigenten Gustav Mahler. In dieser Spielzeit wirkte er an der Covent Garden Oper auch in der englischen Premiere der Oper »Der Trompeter von Säckingen« von Nessler mit. Bei den Bayreuther Festspielen sang er seine Wagner-Heroen: 1886, 1888-89 und 1891 den Gurnemanz im »Parsifal«, 1886 den König Marke in »Tristan und Isolde«, 1888-89 den Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1891 den Landgrafen im »Tannhäuser«. 1894-96 war er an der Hofoper von München tätig. 1896 und 1897 erschien er nochmals als Gast am Hoftheater von Karlsruhe. Im Oktober 1897 sang er als letzte Partie in Hamburg den König Heinrich im »Lohengrin«. Dann machten sich zunehmend bei ihm Anzeichen einer Geisteskrankheit bemerkbar, die schließlich einen Anstaltsaufenthalt erforderlich machten. Er starb 1899 in Frankfurt a.M.

 

12.9. May TORREND: 100. Geburtstag

 Sie studierte in Luzern Klavierspiel bei Johann Baptist Hilber, in Basel Gesang bei Margit von Tolnay, dann in Zürich bei Margarethe Haeser. Als Opernsängerin war sie 1951-52 am Stadttheater von Basel, 1954-55 am Staatstheater von Braunschweig engagiert. Sie gastierte viel an Theatern in der Schweiz, so am Opernhaus von Zürich als Mary in »Der fliegende Holländer«, als Marcellina in »Figaros Hochzeit«, als 2. wie als 3. Dame in der »Zauberflöte«, als Fricka im Nibelungenring, als Mrs. Quickly in Verdis »Falstaff« und als Háta in Sematanas »Die verkaufte Braut«. Am Stadttheater Basel hörte man sie als Azucena im »Troubadour«, als Dorabella in »Così fan tutte«, als Suzuki in »Madame Butterfly«, als Carmen und als Rosalia in »Tiefland« von d’Albert. In Bern war sie als Cherubino in »Figaros Hochzeit« und als Czipra im »Zigeunerbaron« anzutreffen, in Luzern als Dorabella und als Larina im »Eugen Onegin«. Weitere Gastspiele an den Opernhäusern von Straßburg und Lille. Von noch größerer Bedeutung war jedoch ihre Konzertkarriere. Sie trat in Oratorien, in religiösen Werken und in zahlreichen Liederabenden vor ihr Publikum und beherrschte auch auf diesen Gebieten ein umfassendes Repertoire. Ihre Konzertauftritte fanden in der Schweiz (Zürich, wo sie ihren Wohnsitz hatte, Basel, Bern, Genf, Lausanne, Thun, Winterthur, Interlaken), in Bremen und Braunschweig, in Straßburg und Mulhouse (Elsass), in Paris und in Wien statt. Bei den Salzburger Festspielen der Jahre 1954-55 wirkte sie als Solistin in Konzerten mit religiöser Musik von Mozart und J. Haydn mit. Am Stadttheater von Basel trat sie in der Uraufführung der Oper »Leonore 40/45« von Rolf Liebermann (26.3.1952 als Mutter) auf. Sie starb im November 2009. Sie war verheiratet mit dem Tenor Ernst August Steinhoff (1917-98).

Schallplatten: Polydor, Erato (Kantate BWV 106 von J.S. Bach).

 

12.9. Mario ALTÉRY: 125. Geburtstag

Mario Altery

 Sein eigentlicher Name war Philippe Altare. Seine Ausbildung erfolgte überwiegend in Paris, nachdem er zuerst mehrere Jahre als Handelsvertreter gearbeitet hatte. So kam er erst spät 1934 am Opernhaus von Lüttich zu seinem Debüt. Bereits 1935 wurde er dann an die Opéra-Comique Paris berufen, an der er als Gérald in »Lakmé« von Delibes debütierte. In den folgenden zehn Jahren entfaltete er an diesem Haus eine umfangreiche Tätigkeit und erschien dort in Partien wie dem Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, dem Alfredo in »La Traviata«, dem Rodolfo in »La Bohème«, dem Cavaradossi in »Tosca«, dem Turiddu in »Cavalleria rusticana«, dem des Grieux in »Manon« von Massenet, dem Titelhelden in dessen »Werther«, dem Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet, dem Don José in »Carmen«, dem Vincent in »Mireille« von Gounod, dem Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas und dem Julien in Charpentiers »Louise«. In den Jahren 1940-46 kam er auch an der Grand Opéra Paris zu einer erfolgreichen Karriere, in deren Ablauf er dort u.a. den Faust von Gounod, den Roméo in Gounods »Roméo et Juliette« und den Mylio in »Le Roi d’Ys« von Lalo sang. Neben Gastauftritten an den größeren französischen Provinztheatern kam es auch zu Gastspielen in der Schweiz, in Rumänien und in Italien, hier u.a. 1947-48 am Teatro San Carlo Neapel. Seine Karriere dauerte bis zum Anfang der fünfziger Jahre. Er starb 1974 in Paris.

Schallplattenaufnahmen auf Pathé.

 

12.9. Marianne BRANDT: 175. Geburtstag

Marianne Brandt als Kundry in Bayreuth
Als Kundry in Bayreuth

 Ihr eigentlicher Name war Marie Bischof. Sie besuchte 1862-66 das Konservatorium der Stadt Wien als Schülerin von Therese Janda-Marschner und von Zeller. Debüt 1867 am Stadttheater von Olmütz (Olomouc) als Rachel in Halévys »Die Jüdin«. Nach einem Gastspiel in Graz erregte sie 1868 an der Berliner Hofoper Aufsehen als Fidès in Meyerbeers »Der Prophet« und als Azucena im »Troubadour« und wurde darauf an dieses Haus engagiert. 1868-86 war sie dann als erste Altistin an der Berliner Hofoper tätig. 1872 wirkte sie an diesem Haus in der Uraufführung der Oper »Hermione« von Max Bruch, 1875 in der Uraufführung von A. Rubinsteins »Die Maccabäer«, 1878 in der von »Ekkehard« von Johann Joseph Abert mit. 1869-70 studierte sie nochmals bei Mme. Viardot-García in Baden-Baden. Seit 1872 oft an der Covent Garden Oper in London zu Gast (Debüt 1872 als Leonore im »Fidelio«), 1873-83 auch an der Hofoper von Wien (als Azucena, als Fidès, als Selika in Meyerbeers »Die Afrikanerin«, als Adriano in Wagners »Rienzi«, als Eglantine in »Euryanthe« von C.M. von Weber, als Ortrud im »Lohengrin«, als Leonore im »Fidelio«, als Donna Elvira im »Don Giovanni«, als Sesto in Mozarts »La clemenza di Tito«, als Amneris in »Aida«, als Rachel, als Orpheus in Glucks »Orpheus und Eurydike«, als Maffio Orsini in Donizettis »Lucrezia Borgia« und als Brünnhilde in der »Walküre«). 1882 kreierte sie am Londoner Drury Lane Theatre die Brangäne in der englischen Erstaufführung von »Tristan und Isolde«. Vor allem als geniale Wagner-Interpretin geschätzt. Daher übertrug Wagner ihr bei den ersten Aufführungen des »Parsifal« in Bayreuth 1882 die Partie der Kundry, in der sie mit Amalie Materna und Therese Malten alternierte. Wagner nannte sie »die einzige Frau, die ich kenne, die die Voraussetzungen für eine Kundry in sich hat«. Dennoch stand die Sängerin Richard Wagner eher reserviert gegenüber, während sie mit Franz Liszt befreundet war. Bereits 1876 hatte sie in Bayreuth in der ersten Aufführung des gesamten Nibelungenrings in der »Götterdämmerung« die Waltraute in der »Götterdämmerung« gesungen. (Sie hatte ursprünglich die Übernahme dieser Partie abgelehnt, ersetzte dann aber doch Louise Jaide in der zweiten Aufführung). 1884-88 große Erfolge an der New Yorker Metropolitan Oper, wo sie in wichtigen Premieren mitwirkte. Als Antrittspartie sang sie dort die Leonore im »Fidelio«. 1885 trat sie in der amerikanischen Erstaufführung von Goldmarks »Die Königin von Saba« in der Koloraturrolle der Astaroth hervor. 1886 wirkte sie in den amerikanischen Erstaufführungen der Wagner-Opern »Die Meistersinger von Nürnberg« als Magdalene

und »Tristan und Isolde« als Brangäne mit. 1887 sang sie dort in der amerikanischen Erstaufführungen von Goldmarks »Merlin« die Morgana, von Wagners »Siegfried« die Erda und von Webers »Euryanthe« die Eglantine. 1988 sang sie in der amerikanischen Erstaufführung der »Götterdämmerung« die Wellgunde. Insgesamt trat sie dort in 189 Vorstellungen und in 18 verschiedenen Rollen auf, darunter auch als Hedwige in Rossinis »Wilhelm Tell«, als Ortrud, als Donna Elvira, als Fidès, als Maddalena im »Rigoletto«, als Fricka wie als Gerhilde in der »Walküre«, als Marguerite in »La dame blanche« von Boieldieu, als Orpheus von Gluck, als Siebel im »Faust« von Gounod, als Adriano und als Amneris. Sie gastierte auch am Deutschen Opernhaus in Rotterdam (1884), an der Münchner Hofoper (1881 und 1884), an den Hoftheatern von Mannheim, Kassel, Stuttgart und Karlsruhe, am Opernhaus von Frankfurt a.M., am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg (1876-78), an den Stadttheatern von Basel (1888) und Graz, am Theater von Brünn (Brno, 1886), am Opernhaus von Riga (1874) und an der Berliner Kroll-Oper (1888). Aus ihrem Repertoire für die Bühne sind ergänzend die Statira in »Olympia« von Spontini, die Margarethe in »Genoveva« von Robert Schumann, die Epicharis in »Nerone« von A. Rubinstein und die Leonora in »La Favorita« von Donizetti zu nennen. Seit 1890 lebte sie als Gesangspädagogin in Wien und trat noch im Konzertsaal auf. Sie starb 1921 in Wien. – Große dramatische Altstimme von ungewöhnlichem Tonumfang, so dass sie auch Partien für dramatischen Sopran singen konnte.

1905 wurde ihre Stimme in Wien auf drei Pathé-Zylindern dokumentarisch festgehalten.

 

13.9. Yma SUMAC: 95. Geburtstag

 Die Biographie der Künstlerin ist nicht mit Sicherheit zu klären. Sie soll indianisch-spanischer Abstammung gewesen sein und mit eigentlichem Namen Zoila Augusta Emperatriz Chavarri del Castillo geheißen haben. (Es kamen später Gerüchte auf, wonach sie Amerikanerin gewesen sei und eigentlich Amy Camus hieß, wobei Yma Sumac die Umkehrung dieses Namens sei). Sie soll ihre Ausbildung in Peru erhalten haben. Jedenfalls debütierte sie 1941 als Konzertsängerin in den USA und unternahm dann weltweite Reisen, die ihr in Amerika wie in Europa sensationelle Erfolge einbrachten. Sie verfügte über eine Stimme, die einen Umfang von fünf (!) Oktaven hatte und von den tiefsten Tönen der Contralto-Lage bis zu den Spitzentönen eines Koloratursoprans reichte. In ihren Konzerten trug sie folkloristische, peruanische Gesänge vor, die durch den Komponisten und Dirigenten Moises Vivanco arrangiert und bearbeitet worden waren und als »Inka-Folklore« bezeichnet wurden. Moises Vivanco, den sie heiratete (von dem sie sich jedoch in den späteren Jahren ihrer Karriere wieder trennte) begleitete sie bei ihren großen Tourneen. Die Sängerin, die 1955 die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, wurde vor allem durch ihre Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen auf verschiedenen amerikanischen und europäischen Marken bekannt. Sie setzte ihre Karriere bis in die neunziger Jahre fort und trat noch 1992 in Deutschland auf, wobei ihre Konzerte jedoch mehr den Charakter einer musikalischen Show annahmen. Sie starb 2008 in Silver Lake bei Los Angeles (Kalifornien).

Weitere Informationen auf der ihr gewidmeten Homepage: http://www.sunvirgin.com/

 

13.9. Robert WARD: 100. Geburtstag

Er studierte an der Eastman School of Music in Rochester bei Howard Hanson und Bernard Rogers, dann an der Juilliard School of Music bei Frederic Jacobi und Albert Stoessel und schließlich in Tanglewood bei Aaron Copland. 1946-56 unterrichtete er an der Juilliard School und an der Columbia University. Bis 1967 war er Mitarbeiter des Verlages Galaxy Music Corporation, danach Präsident der North Caroline School of Arts. Er komponierte u.a. sieben Opern, große und kleine Chorwerke, fünf Sinfonien, ein Ouvertüre, ein Klavier-, ein Saxophon- und ein Violinkonzert und Kammermusik. Für die Oper The Crucible wurde er 1962 mit dem Pulitzer-Preis für Musik und der New York Music Critic’s Citation ausgezeichnet. Er erhielt Preise der American Academy of Arts and Letters, deren Mitglied er ist, der Rockefeller Foundation und des National Endowment fort he Arts. Er starb 2013 in Durham (North Carolina).

 

13.9. Ödön MIHALOVICH: 175. Geburtstag

Er studierte in Budapest bei Mihály Mosonyi und in Leipzig bei Moritz Hauptmann. In München, wo er Unterricht bei Peter Cornelius nahm, lernte er Richard Wagner kennen, unter dessen Eindruck er in Budapest einen Richard-Wagner-Verein gründete. 1886-1919 leitete er die Landesmusikakademie. Er starb 1929 in Budapest.

Er komponierte vier Sinfonien und mehrere sinfonische Dichtungen, Orchesterouvertüren und ein Klavierkonzert, sechs Opern, Chorwerke und Lieder.

 

14.9. Rudolf BAUMGARTNER: 100. Geburtstag

Er studierte Violine bei Stefi Geyer, deren Kammermusik-Partner er im Stefi-Geyer-Quartett war. Danach unternahm weitere Violinstudien in Paris und Wien. Bis 1956 war er Zweiter Konzertmeister im Collegium Musicum Zürich. 1943 heiratete er die Zürcher Bildhauerin Katharina Sallenbach. 1945 war er Mitbegründer des Zürcher Kammerorchesters. 1956 gründete er zusammen mit Wolfgang Schneiederhan (Musiker), dessen Assistent er in den Meisterkursen Luzern und Salzburg bis 1959 war, das Kammerorchester Festival Strings Lucerne, deren Leiter er bis 1998 war. 1960-87 war er Leiter des Luzerner Konservatoriums. 1968 wurde er zum Künstlerischen Direktor der Internationalen Musikfestwochen (heute Lucerne Festival) berufen (bis 1980). 1979 erhielt er den Innerschweizer Kulturpreis und 1991 wurde er Ehrenbürger der Stadt Luzern. Er starb 2002 in Siena.

Er vergab auch Kompositionsaufträge an namhafte Komponisten wie z.B. Peter Mieg: So 1950 das Divertimento für Oboe und Streichtrio oder 1978 das Triple concerto dans le goût italien für Violine, Viola, Violoncello und Streichorchester.

 

15.9. Hilde GÜDEN: 100. Geburtstag

Hilde GÜDEN

 Eigentlich Hulda Geiringer; sie war an der Wiener Musikakademie Schülerin von Otto Iro im Gesang- und von Maria Wetzelsberger im Piano-Fach, dazu studierte sie auch Tanz. Sie debütierte 1937 unter dem Namen Hulda Gerin an der Wiener Volksoper in der Operette »Herzen im Schnee« von Benatzky. Sie begann ihre Karriere als Opernsängerin 1939 am Opernhaus von Zürich in der Partie des Cherubino in »Figaros Hochzeit«. Obwohl sie Jüdin war, kam sie 1941 auf Veranlassung des Dirigenten Clemens Krauss an die Staatsoper von München, musste aber 1942 nach Italien ausweichen, wo sie weiter studierte. 1942 Gastspiel an der Oper von Rom als Sophie im »Rosenkavalier«, 1942 sang sie unter Tullio Serafin in Rom und in Florenz. Erst nach Kriegsende konnte sie wieder an die Münchner Staatsoper zurückkehren. 1947 wurde sie an die Staatsoper von Wien berufen, an der sie bereits 1941 als Despina in »Così fan tutte« debütiert und 1947-70 eine große Karriere hatte, und deren Ehrenmitglied sie seit 1973 war. Zu den Partien, die sie an der Wiener Staatsoper in mehr als 670 Vorstellungen vortrug, gehörten die Sophie im »Rosenkavalier«, der Cherubino, die Susanna und die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Marzelline im »Fidelio«, die Micaela in »Carmen«, die Liù in Puccinis »Turandot«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Gilda im »Rigoletto«, die Alice Ford im »Falstaff« von Verdi, die Mimì wie die Musetta in »La Bohème«, die Zerlina wie die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, die Traviata, die Rosalinde in der »Fledermaus«, eines der Blumenmädchen im »Parsifal«, die Mélisande in »Pelléas et Mélisande«, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Titelrolle in »Daphne« von R. Strauss und die Fiordiligi in »Così fan tutte«. An der Mailänder Scala gastierte sie 1947 als Zerlina, 1949 als Marzelline im »Fidelio« und als Elisetta in »Il matrimonio segreto« von Cimarosa, 1951 als Blumenmädchen im »Parsifal« und als Euridice in »Orfeo ed Euridice« von Gluck, 1962 als Mélisande. Große Erfolge auch auf internationaler Ebene mit Gastspielen an der Covent Garden Oper London (1947), in Paris, bei den Festspielen von Edinburgh (1948 als Despina und als Zerlina), in Venedig (1949 in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea«), beim Maggio Musicale von Florenz, 1966 an der Deutschen Oper Berlin und in Japan. In den Jahren 1951-60 sang sie an der New Yorker Metropolitan Oper (Debüt als Gilda im »Rigoletto«) in neun Spielzeiten 138 Vorstellungen von 13 Partien: Rosalinde, Musetta, Susanna, Micaela, Sophie, Anne Trulove in der amerikanischen Erstaufführung von Strawinskys »The Rake’s Progress«, Mimì, Zerlina, Zdenka in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Arabella« von R. Strauss, Euridice, Norina in »Don Pasquale« und die Marguerite im »Faust« von Gounod. Ihr Name bleibt eng mit den Festspielen von Salzburg verbunden, wo sie die Zerlina (1946), die Despina (1947), den Cherubino (1947, 1952-53), den Amor in »Orfeo ed Euridice« von Gluck (1949), die Sophie (1949, 1953 und 1960 in der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Festspielhauses), die Ilia in »Idomeneo« von Mozart (1951), die Norina (1952), die Zerbinetta (1954-55), die Aminta in »Die schweigsame Frau« von Richard Strauss (1959) und die Gräfin in »Figaros Hochzeit« (1963-64) sang. Am 9.8.1950 wirkte sie dort in der szenischen Uraufführung der Oper »Romeo und Julia« von Boris Blacher (als Julia) mit; am gleichen Abend gestaltete sie zusätzlich in B. Brittens »The Rape of Lucretia« die Partie der Lucia. Außerdem trat sie bei diesen Festspielen in zahlreichen Konzerten (1947 in Mahlers 4. Sinfonie, 1949-52 im Mozart-Requiem, 1950 in J. Haydns »Die sieben Worte des Erlösers«, 1951 im »Paulus« von F. Mendelssohn-Bartholdy und in der »Schöpfung«  von J. Haydn,  1959 im »Buch mit sieben Siegeln« von F. Schmidt, 1963-64 in Mozarts C-Moll-Messe und 1963 einem Mozart-Konzert) vor ihr Publikum wie sie denn überhaupt eine hochgeschätzte Lieder- und Oratoriensängerin war. Sie trat auch in zeitgenössischen Bühnen- und Konzertwerken auf, u.a. in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von Kurt Weill. Galt sie auf der Opernbühne als große Mozart- und Richard Strauss-Interpretin, so übernahm sie auch gern Partien in den klassischen Wiener Operetten von Johann Strauß bis zu Franz Lehár. Eine ihrer Schülerinnen war die Sopranistin Inga Nielsen. Sie lebte, zuletzt durch eine schwere Erkrankung behindert, ganz zurückgezogen in Klosterneuburg bei Wien, wo sie 1988 starb. Sie wurde auf dem Waldfriedhof in München beigesetzt.

Lit: H. Liversidge: Hilde Güden (in »Grammophone Record Revue«, 1958), R. Celletti & R. Vegeto: Hilde Güden (in »Le grandi Voci«, Rom 1964).

Von ihrer Stimme sind sehr viele Schallplatten vorhanden, so dass hier nur ein annähernder Überblick gegeben werden kann: Sie finden sich auf Columbia (»Figaros Hochzeit«, »The Rake’s Progress«), DGG (»Daphne« von R. Strauss), Decca (Internationale Kinderlieder; vollständige Opern »Rigoletto«, »L‘Elisir d’amore«, »Figaros Hochzeit«, »La Bohème«, »Die Zauberflöte«, »Der Rosenkavalier«, »Arabella«, »Die Meistersinger von Nürnberg«, »Don Giovanni« und Operetten »Die Fledermaus«, »Die lustige Witwe«, »Giuditta« von Lehár), Remington, Philips (9. Sinfonie von Beethoven), Electrola (»Figaros Hochzeit«, »Der Zigeunerbaron«), Ariola-Eurodisc (»Wiener Blut«, »Der Bettelstudent«, Ausschnitte aus »Faust« von Gounod), LR (»Rigoletto«), Melodram (»Ariadne auf Naxos«, »Die schweigsame Frau«, »Das Buch mit sieben Siegeln« von F. Schmidt), Cetra Opera Live (»Der Rosenkavalier«, Amor in »Orpheus und Eurydike« von Gluck, Scala 1951), Rococo (9. Sinfonie von Beethoven) sowie Gebhardt (Musetta in Ausschnitten aus »La Bohème«, Berliner Rundfunk 1942); die Ausstrahlung dieser Aufnahme wurde durch das NS-Regime verboten, als sich herausstellte, dass die Sängerin Jüdin war. Ihr gelang jedoch mit Hilfe von Clemens Krauss die Flucht nach Italien.

 

15.9. Richard ARNELL: 100. Geburtstag

Er studierte 1936-39 am Royal College of Music in London die Fächer Klavier (bei John Dykes) und Komposition (bei John Ireland). Bereits während seiner Zeit am Royal College wurde sein heute vergessenes Violinkonzert uraufgeführt. 1941 wurde seine Ouvertüre New Age in der Carnegie Hall uraufgeführt, mit der er sich als Komponist etablierte. 1943-45 war er musikalischer Berater bei der BBC und begann 1948 am Trinity College of Music in London zu unterrichten. 1969/70 war er Professor am Bowdoin College in Maine und anschließend bis 1972 Gastprofessor an der Hofstra University in den USA. Im Jahr 1972 wurde er musikalischer Berater der London Film School. Er starb 2009 in Bromley (Kent).

Richard Arnell schuf auch einige Werke für das britische und das internationale Kino, unter anderem schrieb er 1942 die Musik für den US-amerikanischen Dokumentarfilm Das Land von Robert J. Flaherty. In den 1960er Jahren entstanden weitere Kompositionen für den Film. 1964 schrieb er neben Hans-Martin Majewski auch Teile der Filmmusik für die internationale Koproduktion Der Besuch des österreichischen Regisseurs Bernhard Wicki mit Ingrid Bergman und Anthony Quinn in den Hauptrollen und übernahm auch das Dirigat. 1967 steuerte er die Musik für das britische Kriminaldrama …und Scotland Yard schweigt mit Van Heflin bei.

 

15.9. Johanna DIETZ: 150. Geburtstag

Marianne Brandt als Kundry in Bayreuth

 Sie war am Raff’schen Konservatorium in ihrer Geburtsstadt Frankfurt Schülerin von Max Fleisch und debütierte 1889 am Hoftheater von Darmstadt. Doch schon 1890 gab sie ihre Bühnentätigkeit auf und konzentrierte sich ganz auf ein Wirken als Konzert-, Oratorien- und Liedersängerin. Sie wurde auf diesem Gebiet eine der führenden Sängerinnen im deutschen Sprachraum, kam aber auch zu einer glänzenden internationalen Karriere. Neben Auftritten in den Zentren des deutschen Musiklebens wie Berlin, Leipzig, Dresden und München, wo sie regelmäßig erschien, führten Konzerttourneen sie nach Österreich, in die Schweiz, nach Holland und nach Dänemark. Bei ihren Liederabenden wurde sie mehrfach durch den angesehenen Komponisten und Dirigenten Max von Schillings am Flügel begleitet (u.a. 1912-14 in München). Sie setzte sich besonders für das Liedschaffen von Franz Liszt ein, war aber auch eine große Interpretin der Lieder von Peter Cornelius, Robert Franz, Alexander Ritter und Franz Schubert und führte die Lieder von Richard Strauss zu ihren Erfolgen. Auf der Opernbühne erschien sie nur noch 1899 bei den Festspielen von Bayreuth (nachdem sie zuvor den Wagnergesang dort bei Julius Kniese studiert hatte) in den Partien der Gutrune und der Siegrune im Nibelungenring sowie einer Soloblume im »Parsifal«. Sie war nicht nur eine gefeierte Liedersängerin sondern genoss auch als Oratoriensolistin großes Ansehen. Auf diesem Gebiet gehörten der »Messias« von Händel, »Die Schöpfung« und »Die Jahreszeiten« von J. Haydn, die Missa solemnis und die 9. Sinfonie von Beethoven, »Das Paradies und die Peri« von R. Schumann, »Die Legende von der heiligen Elisabeth« und »Christus« von Franz Liszt zu ihrem, im Übrigen sehr umfangreichen, Repertoire. Sie lebte später in München; dort war sie seit 1911 als Pädagogin, seit 1917 als Professorin an der Akademie für Tonkunst tätig; sie setzte ihre Konzertkarriere bis zum Ausgang der zwanziger Jahre fort.

 

15.9. Anna HULTING: 150. Geburtstag

 Sie war Schülerin von Fritz Arlberg in Stockholm, dann von Enrico delle Sedie in Paris. 1893 erfolgte ihr Debüt an der Stockholmer Königlichen Oper, der sie 1893-94 und 1897-1915 als führendes Mitglied angehörte. Sie trat dort vor allem in Charakterrollen auf: als Filipjewna im »Eugen Onegin« (1903), als Frau Aibler im »Evangelimann« von W. Kienzl, als Antonia in »Tiefland« (1908) und als May im »Heimchen am Herd« von Goldmark; bei den genannten Opern handelt es sich um die schwedischen Erstaufführungen dieser Werke. Sie sang aber auch dramatische Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur; zu ihren besten Leistungen rechnete man die Agathe im »Freischütz« und die Donna Anna im »Don Giovanni«. 1899 wirkte sie in der Stockholmer Oper in der Uraufführung von »Valdemarskatten« von J.A. Hallén mit. 1899 Gastspiel an der Königlichen Oper Kopenhagen. Geschätzte Konzert- und Liedersängerin. Die Künstlerin verstarb, auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn stehend, 1916 in Stockholm.

Schallplatten der Marke Favorit (1905).

 

17.9. Pierre DUVAL: 85. Geburtstag

 Er studierte in Montreal und wurde anfänglich in seiner kanadischen Heimat als Rundfunk- und Fernsehsänger bekannt. 1960 erfolgte sein Bühnendebüt in Montreal als Titelheld im »Faust« von Gounod. Er gewann dann ein Stipendium zur Weiterführung seines Studiums und besuchte die Accademia di Santa Cecilia in Rom. 1961 aufsehenerregender Erfolg an der Oper von Rom als Fischer in Rossinis »Wilhelm Tell«. Danach hatte er bedeutende Erfolge an der Oper von Rom, in Spanien und 1963 bei den Festspielen von Glyndebourne (als italienischer Sänger im »Capriccio« von R. Strauss). Er gastierte in England und unternahm eine Südafrika-Tournee. Gastspiele in Nordamerika an den Opern von New Orleans (1971 als Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet, 1972 als Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod und als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«), Philadelphia (1967 als Elvino in »La Sonnambula«, 1967 als Arturo in »I Puritani« von Bellini, 1970 als Herzog im »Rigoletto«), Pittsburgh, an der New York City Opera (1964-65 als Faust von Gounod und als Rinuccio in »Gianni Schicchi« von Puccini, 1969 als des Grieux in »Manon« von Massenet und als Herzog im »Rigoletto«, 1974-75 als Arturo in »I Puritani« mit Beverley Sills Partnerin), in Ottawa, Toronto und Vancouver. 1969 hörte man ihn am Teatro Liceu Barcelona als Leicester in »Roberto Devereux« von Donizetti (mit Montserrat Caballé zusammen), in Santiago de Chile 1966 als Alfredo in »La Traviata«, 1967-70 ständig am Opernhaus von Quebec, seit 1970 auch an der Hartford Opera, 1973 am Teatro Comunale Bologna als Arturo. Noch 1978 sang er in Vancouver den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«. Man schätzte ihn vor allem als Interpreten von Tenorpartien aus der italienischen und französischen Opernliteratur, von denen noch der Rodolfo in »La Bohème«, der Cavaradossi in »Tosca« und der Canio im »Bajazzo« nachgetragen seien. Er starb 2004 in Laval (Kanada).

Auf Decca sang er den Arturo in »I Puritani« von Bellini als Partner von Joan Sutherland.

 

17.9. Liane SYNEK: 95. Geburtstag

Liane SYNEK

 Sie wurde ausgebildet durch Helene Wildbrunn und Anna Bahr-Mildenburg in Wien und gewann dort 1950 einen Gesangwettbewerb. Sie war zuerst 1951-52 am Stadttheater von Würzburg, dann 1952-54 am Opernhaus von Wuppertal tätig. 1954 wurde sie an das Staatstheater von Wiesbaden berufen, zu dessen beliebtesten Künstlern sie bis zu ihrem Tod zählte. 1959-71 war sie zugleich der Staatsoper Berlin, 1962-75 dem Opernhaus von Köln vertraglich verbunden. 1951 sang sie im Bayreuther Festspielchor; 1965 übernahm sie bei diesen Festspielen die Senta in »Der fliegende Holländer«, 1965-70 die Helmwige in der »Walküre« und 1968-70 die 1. Norn in der »Götterdämmerung«. 1954 sang sie am Opernhaus von Zürich die Titelrolle in der schweizerischen Erstaufführung der Oper »Penelope« von Rolf Liebermann, in der Spielzeit 1955-56 die Aida, die Donna Anna im »Don Giovanni« und die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, 1957 die Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss, 1960 die Ortrud im »Lohengrin«. 1958-81 gastierte sie in insgesamt 17 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper (als Ursula in »Mathis der Maler« von P. Hindemith, als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, als Leonore im »Fidelio«, als Chrysothemis, als Venus im »Tannhäuser«, als Turandot von Puccini, als Kundry im »Parsifal«, als Brünnhilde in der »Walküre«, als Isolde und als Claire Zachanassian im »Besuch der alten Dame« von G. von Einem). Gastspiele führten sie 1963 an die Mailänder Scala (als Sieglinde wie als Brünnhilde im Nibelungenring), 1962-63 an die Oper von Rom, nach Turin und Parma, 1965 an das Teatro Comunale Bologna und an das Teatro Fenice Venedig, 1967 an die Staatsopern von Dresden und München, 1963 an die Oper von Bordeaux, 1968-69 an das Grand Théâtre Genf (als Brünnhilde in der »Walküre« und im »Siegfried«), an die Opern von Budapest und Sofia (1970) und 1974 an die Oper von Warschau. 1959 sang sie an der Grand Opéra Paris (Elisabeth im »Tannhäuser«), 1961 am Teatro San Carlos Lissabon und an der Oper von Rio de Janeiro, 1962 am Opernhaus von Köln und im gleichen Jahr am Teatro San Carlo Neapel die Leonore im »Fidelio«. 1963 war sie in dieser Partie an der Sadler’s Wells Opera London mit dem Ensemble der Oper von Frankfurt a.M., wo sie oft auftrat, zu Gast, 1962 am Théâtre de la Monnaie Brüssel als Brünnhilde im Nibelungenring. 1964 sang sie beim Maggio Musicale von Florenz in dem Monodrama »Erwartung« von A. Schönberg. 1956-57 trat sie an der Hamburger Staatsoper, auch in Kopenhagen, Moskau und Kairo auf. Am 15.2.1965 wirkte sie in Köln in der Uraufführung der Oper »Die Soldaten« von Bernd Alois Zimmermann mit. Neben den bereits erwähnten Partien gehörten zu den Höhepunkten in ihrem Repertoire für dramatischen Sopran die Aida, die Lady Macbeth, die Abigaille in Verdis »Nabucco« und die Marschallin im »Rosenkavalier«. Auch als Konzertsopranistin angesehen. Sie starb 1982 in Hollabrunn.

Schallplatten: DGG (Querschnitt durch »Nabucco«), Philips (»Die Walküre«), Wergo (Gräfin in »Die Soldaten« von Bernd-Alois Zimmermann), Melodram (Arien-Platte).

 

17.9. Isang YUN: 100. Geburtstag

Yun, der in seiner Heimat Südkorea als Komponist von Liedern, darunter auch Schulhymnen, hervorgetreten war und durch ein Streichquartett I (1955) und ein Klaviertrio (1955) auf sich aufmerksam gemacht hatte, erhielt im Jahr 1956 den Kulturpreis der Stadt Seoul. Das Preisgeld erlaubte ihm den Aufbruch nach Europa, wo er an die zeitgenössischen internationalen kompositorischen Entwicklungen Anschluss finden wollte. Hier begann er im Juni desselben Jahres ein Kompositionsstudium in europäischer bzw. französischer Tradition am Conservatoire National de Musique in Paris. Gleichwohl hatte er von Anfang an Korea im Blick, wie u. a. aus dem Briefwechsel mit seiner Frau Sooja hervorgeht. Aufgewachsen in der Zeit, als Korea eine Kolonie Japans war, in der eine Verdrängung der koreanischen Kultur angestrebt wurde, war er daran interessiert, das koreanische Musikleben aufzubauen und diesem Impulse zu geben. Als Komponist träumte er von einer Musik, die internationalen Standards entsprechen sollte und international aufgeführt werden konnte, aber dennoch koreanische Elemente in sich tragen sollte, um einen Beitrag zu einer koreanischen Identität auf dem Gebiet der Musik zu leisten. In Paris studierte er Komposition bei Tony Aubin und Musiktheorie bei Pierre Revel, übersiedelte aber schon im Juli 1957 nach West-Berlin, wo er ab dem Wintersemester an der Hochschule für Musik Komposition bei Boris Blacher, Musiktheorie bei Reinhard Schwarz-Schilling und Zwölftontechnik bei Josef Rufer, einem Schüler Arnold Schönbergs, studierte. Im September 1958 besuchte Yun erstmals die Internationalen Ferienkurse für neue Musik in Darmstadt, wo er u. a. auf John Cage und Bruno Maderna traf. Im Juli 1959 machte Yun seine Abschlussprüfung an der Hochschule für Musik in Berlin. Die Erfolge von zwei Kompositionen, die wie ein Opus 1 bzw. Opus 2 sein offizielles Werkverzeichnis anführen, bewogen ihn, in Deutschland zu bleiben: In Darmstadt gelangte am 4. September 1959 die Musik für sieben Instrumente (1959) mit den Hamburger Kammersolisten – Gerhard Otto (Flöte), Heinz Nordbruch (Oboe), Rudolf Irmisch (Klarinette), Alfred Franke (Fagott), Rolf Lind (Horn), Bernhard Hamann (Violine) und Siegfried Palm (Violoncello) – unter der Leitung von Francis Travis zur Uraufführung. Am 6. September 1959 wurden beim Gaudeamus-Festival in Bilthoven die Fünf Stücke für Klavier (1958) durch Herman Kruyt uraufgeführt. (Am 1. Oktober spielte Rolf Kuhnert die deutsche Erstaufführung in Krefeld, wo Yun zeitweilig seinen Wohnsitz nahm.) In Berlin adaptierte Yun Schönbergs Zwölftontechnik; er stellte die Grundlagen seiner kompositorischen Technik, wie er später formulierte, „radikal um“. Dass Boris Blacher ihn ermutigte, die Individualität seiner Musiksprache aus der Auseinandersetzung mit der ostasiatischen traditionellen Musik – insbesondere den Hofmusiktraditionen Chinas, Koreas und Japans – zu entwickeln, führte in den frühen 1960er Jahren zu diversen Rundfunksendungen und wurde kompositorisch offensichtlich seit Werken wie Loyang für Kammerensemble (1962), Gasa für Violine und Klavier (1963) sowie Garak für Flöte und Klavier (1963). Yun gelang es fortan, sich, ausgehend vom deutschen Musikleben, als Komponist international zu etablieren, wobei er ostasiatische Musiktraditionen (insbesondere die des lang ausgehaltenen „Einzeltons“, eine musiktheoretische Abstraktion) mit Techniken der westlichen Avantgarde verschmolz. Im Sommer 1966 unternahm er eine zweimonatige Studien- und Vortragsreise in die Vereinigten Staaten: Tanglewood (Massachusetts), Aspen (Colorado), San Francisco, Los Angeles, Chicago, New York City. Zum Welterfolg wurde die Uraufführung von Réak (1966) bei den Donaueschinger Musiktagen am 23. Oktober 1966 unter Ernest Bour. Klänge der ostasiatischen Mundorgel (koreanisch Ssaenghwang, chinesisch Sheng, japanisch Sho) bildet Yun hier in einem auf den ersten Blick „avantgardistischen“ Orchestersatz nach. Eine Katastrophe, die sich nachfolgend ereignete, setzte Yun in ein Zwielicht, das bis heute Nachwirkungen zeigt: Als Patriot hatte er sich früh kritisch zur Entwicklung des Regimes Park Chung-hee (ab 1961) geäußert, entrüstet über die Zerschlagung der Gewerkschaften, die Errichtung der Militärdiktatur und die Liquidierung der Bestrebungen um die Wiedervereinigung Koreas. Im Jahr 1963 hatte er die Demokratische Volksrepublik Nordkorea besucht, was damals über die nordkoreanische Botschaft in Ost-Berlin möglich war. Gegenüber dem agrarischen Süden Koreas war das an Bodenschätzen reiche Nordkorea (damals das fortschrittlichere Korea) mit Hilfe der Sowjetunion und der DDR industrialisiert und infolge des Kalten Krieges gegenüber Südkorea abgeschottet. Am 17. Juni 1967 wurde Yun vom südkoreanischen Geheimdienst über die südkoreanische Botschaft in Bonn nach Seoul entführt. Er, seine Frau und weitere aus Südkorea gebürtige, in Europa und den Vereinigten Staaten lebende Koreaner wurden in Seoul nach dem Gesetz zur nationalen Sicherheit (NSG) des Landesverrats angeklagt. In einem Schauprozess wurde er, das prominenteste Opfer dieser „Entführung“ (in Süd-Korea verharmlosend „East Berlin Incident“ genannt), am 13. Dezember 1967 in erster Instanz zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 13. März 1968 wurde das Urteil in zweiter Instanz zu 15 Jahren Zuchthaus revidiert, schließlich in dritter Instanz im Januar 1969 zu zehn Jahren. Nach internationalen Protesten (zu den Unterstützern von Yun zählten u. a. Igor Strawinsky, Herbert von Karajan, Bernd Alois Zimmermann, György Ligeti und Karlheinz Stockhausen, aber auch Hans Zender) und dem Einsatz seiner Freunde sowie dem Auswärtigen Amt wurde er Ende Februar freigelassen und kehrte nach West-Berlin zurück, wo er und seine Frau im Jahr 1971 deutsche Staatsbürger wurden. Während seiner Seouler Gefangenschaft erhielt Yun im Oktober 1967 die Erlaubnis zu komponieren. In der Gefängniszelle vollendete er die Oper Die Witwe des Schmetterlings (1967/68) am 5. Februar 1968. Nach Haftverschonung aus gesundheitlichen Gründen entstanden in einem Krankenhaus unter Bewachung die Kammermusikwerke Riul [Gesetz] und Images. Der mit Images verbundene Bezug auf die Grabfresken im nordkoreanischen Kangso, die er bei seinem Besuch in Nord-Korea im Jahr 1963 besichtigt hatte, ist zugleich modellhafter Ausdruck von Yuns taoistischer Ästhetik bzw. ästhetischer Ambiguität. Seit Mitte der 1960er Jahre entstanden vier Opern (Der Traum des Liu-Tung, 1965; Die Witwe des Schmetterlings, 1967/68; Geisterliebe, 1969/70; Sim Tjong, 1971/72), die aus den verschiedensten Gründen (Avanciertheit der Musik und damit verbundene gesangs- wie spieltechnische Schwierigkeiten, die dazu in einem gewissen Gegensatz stehenden Märchenstoffe, der – zumindest bei den großen Opern – letztendlich an Wagners Musiktheater orientierte symphonische Anspruch) kaum neuinszeniert wurden.

Ins Konzert-Repertoire eingegangen ist Yuns Kammermusik. Vielfach aufgeführt wurden auch, zumal in den 1980er und frühen 1990er Jahren, seine Solokonzerte, beginnend mit dem autobiografisch motivierten Konzert für Violoncello und Orchester (1966/67) über das Konzert für Oboe und Harfe mit kleinem Orchester (1977), das Flötenkonzert (1977), das Klarinettenkonzert (1981) bis hin zu dem späten Oboenkonzert (1990) und dem Violinkonzert Nr. 3 (1992). Zu den bedeutenden Orchesterstücken seiner ersten Schaffensphase in Europa (bis etwa 1975/76) zählen Fluktuationen für großes Orchester (1964), Dimensionen für großes Orchester mit Orgel (1971), Konzertante Figuren für Orchester mit Flöte, Oboe und Violine solo (1972), Harmonia für Bläser, Harfe und Schlagzeug (1974) und Ouverture für großes Orchester (1973; rev. 1974). Ein Stilwandel kündigt sich an in Muak. Tänzerische Phantasie für großes Orchester (1978) sowie Fanfare & Memorial für Orchester mit Harfe und Flöte solo (1979). Das dreisätzige Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 (1981) und die viersätzige Symphonie I für großes Orchester (1982/83) zeigen diesen Stilwandel weg von bis zu zwölftönigen, relativ statischen, in sich belebten Klangflächen (gleichwohl mit einer latent traditionellen, weil „zielenden“ Dramaturgie) hin zu einer stärker tonalen Idiomatik mit entsprechend deutlicher artikulierten emotionalen Gehalten und einer vergleichsweise traditionelleren, fast klassizistischen Dramaturgie. Yun empfand diese stilistischen Veränderungen seiner musikalischen Sprache nicht als Rückschritt, sondern als Versuch, ein breiteres Publikum anzusprechen und insbesondere auch in seiner Heimat Korea Anerkennung zu finden. (Dazu zählt nicht zuletzt Silla. Legende für Orchester, 1992.)

Namo für drei Sopran und Orchester nach Gebetsformeln des Mayahana-Buddhismus (1971, auch in einer Fassung mit Solo-Sopran) entstand nach der Befreiung aus der Seouler Gefangenschaft und wurde zu einer Art Danksagung. Auch Gagok für Gitarre, Schlagzeug und Stimme (Phoneme, 1972) knüpft an die Tradition einer altkoreanischen Gattung an.

Memory für drei Stimmen und Schlaginstrumente auf ein Gedicht von Du-Mu (1974) entstand wahrscheinlich zur Erinnerung an einen Verstorbenen. Besonders berühmt wurden Vokalwerke wie An der Schwelle. Sonette von Albrecht Haushofer für Bariton, Frauenchor, Orgel und Instrumente (1975) sowie Teile dich Nacht. Drei Gedichte von Nelly Sachs für Sopran und Kammerensemble (1980), weil sie gegen die faschistische Herrschaft Stellung nehmen und damit auch europäische bzw. deutsche Thematik berühren. Weitere Werke nach Gedichten von Nelly Sachs sind Der Herr ist mein Hirte. Chor mit Solo-Posaune (23. Psalm und Nelly Sachs, 1981), O Licht. Chor mit Solo-Violine und Schlagzeug (Nelly Sachs und Buddhismus, 1981) sowie die Symphonie V (1987), die Friedenssymphonie.

Entsetzen über das Gemetzel von Kwangju 1980 zeigt das Orchesterstück Exemplum in memoriam Kwangju (1981). Als Kommentar zur Teilung Koreas entstand die Kantate mit oratorischen Zügen Naui ttang, naui minjogiyo! [„Mein Land, mein Volk“] für vier Vokalsolisten, Chor und Orchester (auf Lyrik südkoreanischer Oppositioneller, 1986/87).

Yun entfaltet in seinen Werken stilistische Vielfalt und Individualität. Neben den groß besetzten symphonischen Werken stehen sensible und filigrane Solostücke sowie Kammermusikwerke. Im Jahr 1988 wurde Yun mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Anlässlich seines 90. Geburtstags würdigte ihn der Sozialwissenschaftler und Friedensforscher Dieter Senghaas: „Nicht viele Komponistinnen und Komponisten haben ihr künstlerisches Lebenswerk dem Frieden, verstanden als Schutz vor Gewalt, Schutz der Freiheit und Schutz vor Not sowie einer Förderung von Empathie zwischen Kulturen, gewidmet. Isang Yun ist einer von ihnen, wobei er geradezu vorbildhaft dokumentiert, dass man ein kritisch gesinnter, politisch engagierter Patriot und gleichzeitig kosmopolitischer Weltbürger sein kann – und heute sein muss.“ Die Filmdokumentation Isang Yun: Ein Schicksal zwischen Nord- und Südkorea wurde 2013 bei ARTE ausgestrahlt. Die Körber-Stiftung bemerkt dazu: „Isang Yun sah die Möglichkeit, Brücken zu bauen und politische Gräben zu überwinden. Heute ist er die einzige zeitgenössische Persönlichkeit, der in beiden Teilen Koreas ein Museum gewidmet ist. Die Filmautorin Maria Stodtmeier zeichnet sein Leben nach und gibt mit seltenen Aufnahmen aus Nord- und Südkorea Einblicke in ein bis heute zutiefst gespaltenes Land.“ Im Juli 2015 veranstaltete der Nordstadt-Konzerte e.V. in Hannover zu Ehren des Komponisten eine Konzertreihe. Yun kam 1969 als Kompositionslehrer an die Musikhochschule Hannover. Er starb 1995 in Berlin. Er ist auf dem Landschaftsfriedhof Gatow bestattet. Sein Grab ist als Ehrengrab der Stadt Berlin ausgewiesen.

 

17.9. Hendrik ANDRIESSEN: 125. Geburtstag

Er studierte Komposition bei Bernard Zweers und Orgel bei Jean-Baptiste de Pauw (1852–1924) am Konservatorium Amsterdam. An der Maarschalkerweerd-Orgel der Sankt Katherinen-Kathedrale in Utrecht war er Organist und wurde bekannt wegen seiner Improvisationsgabe. 1926-54 dozierte er am Konservatorium in Amsterdam in den Fächern Komposition und Musiktheorie sowie 1930-49 am Institut für Katholische Kirchenmusik in Utrecht. 1937-49 war er Direktor des Konservatoriums in Utrecht und anschließend 1949-57 Direktor des Königlichen Konservatoriums in Den Haag. Die Katholische Universität Nimwegen berief ihn 1952 zum außerordentlichen Professor; dieses Amt bekleidete er bis 1962. Sein Werk fand große Verbreitung in der Katholischen Kirchenmusik in den Niederlanden. Er starb 1981 in Haarlem. Sein Bruder Willem und seine Söhne Louis und Jurriaan sind ebenfalls als Komponisten hervorgetreten.

 

17.9. Henri Montan BERTON: 250. Geburtstag

Sein Vater, Pierre-Montan Berton, war ebenfalls Komponist und Direktor an der Pariser Oper. Die wichtigsten Lehrer von Henri Montan Berton waren Jean-Baptiste Rey und später Antonio Sacchini. Berton versuchte sich während der Revolutionszeit im neu aufgekommenen Genre der dramatischen Rettungs- und Befreiungsoper. Im Jahre 1795 erhielt er eine Professur am Pariser Konservatorium und unterrichtete dort Harmonielehre. 1807 wurde er Kapellmeister an der Komischen Oper. Zwei Jahre später leitete Berton den Chor an der Pariser Oper. 1817 kehrte er wieder an das Konservatorium zurück und unterrichtete nun auch Kompositionslehre. Er starb 1844 in Paris.

Seine Kompositionen umfassen 48 Opern, 4 Ballette, 5 Oratorien, Kantaten, Messen und Instrumentalwerke. Seine 1823 aufgeführte Oper Virginie zählt zu den Glanzstücken seines Schaffens. Die Bühnenwerke des Komponisten gelten als Vorläufer der Romantik.

 

18.9. Maureen LEHANE: 85. Geburtstag

Maureen LEHANE

 Sie war Schülerin der Guildhall School of Music London und setzte ihre Ausbildung bei Hermann Weissenborn in Berlin und bei den englischen Pädagogen John und Aida Dickens fort. Sie debütierte 1967 bei den Festspielen von Glyndebourne als Melide in der Barock-Oper »L’Ormindo« von Cavalli und kam zu einer großen Karriere in England wie im Ausland. 1966 heiratete sie den Komponisten Peter Wishart (1921-84), für dessen Werk sie sich in besonderer Weise einsetzte. Sie sang zahlreiche Opernpartien, darunter für die Handel Opera Society Werke wie »Arianna« und »Faramondo« von Händel in England wie in den USA. Sie trat bei Konzerten in der Carnegie Hall New York, in England, Polen, Schweden und Deutschland mit großen Erfolgen auf. Sie sang auch bei den Festspielen von Aldeburgh, beim Strawinsky Festival, beim Three Choirs Festival, in Köln und bei den Göttinger Händel-Festspielen; sie unternahm eine Australien-Tournee, eine zweimonatige USA-Tournee und eine dreimonatige Konzertreise durch den Mittleren und Fernen Osten. 1971 gastierte sie im holländischen wie im belgischen Fernsehen, besuchte 1979-80 Berlin, Lissabon und Rom, 1981 Warschau. 1974 übernahm sie an der Sadler’s Wells Opera London die Titelrolle in »Ariodante« von Händel, 1976 an der Niederländischen Oper Amsterdam die Dido in »Dido and Aeneas« von H. Purcell. 1974 sang sie in London die Titelpartie in der Oper »Clytemnestra«, einem Werk ihres Gatten Peter Wishart, 1982 in der Oper »Adriano in Siria« von Johann Christian Bach, 1984 an der Reading University in Peter Wisharts »The Lady of the Inn«. 1986 begründete sie ein alljährlich stattfindendes Festival, das dem Andenken ihres inzwischen verstorbenen Gatten Peter Wishart und dessen Werk gewidmet sein sollte. Sie setzte ihre Karriere, vor allem in Rundfunk- und Fernsehsendungen, fort und betätigte sich auch im musikpädagogischen Bereich. Bereits 1972-73 gab sie in Holland Kurse zur Einführung in die Händel-Interpretation, die sie in ähnlicher Form in England betrieb. Sie sang auch die Koloraturrolle der Angelina in Rossinis »La Cenerentola«. Sie starb 2010 in Great Elm.

Schallplatten: Sehr viele Aufnahmen auf verschiedenen Marken, darunter Decca (»Belshazzar« von Händel, »Elektra«), HMV (Theresien-Messe von J. Haydn), BASF (Bach-Kantaten, religiöse Vokalwerke von J. Haydn, Mozart, Magnificat von J. Chr. Bach), Westminster (Arsamene in »Serse« von Händel), auch Lieder von H. Purcell in der Bearbeitung durch Peter Wishart.

 

19.9. Rina DEL MONACO: 100. Geburtstag

 Eigentlich Rina Fedora Filippini; sie sang u.a. an der Oper von Rom und an der Covent Garden Oper London, gab aber ihre Karriere früh auf, um sich ganz ihrem Gatten, dem Tenor  Mario del Monaco (1915-82) und ihrer Familie zu widmen. Nach dem Tod ihres Mannes stiftete sie zum Gedächtnis an Mario del Monaco die del Monaco-Foundation und den del Monaco-Concours in Castelfranco. Sie starb 1991 in Pesaro.

 

20.9. José Maurício NUNES GARCIA: 250. Geburtstag

Seine Eltern, freie Mulatten, starben früh. Eine Tante nahm das Kind auf, das bald großes musikalisches Talent zeigte. Nunes Garcia wurde Priester, was ihm die weitere Beschäftigung mit der Musik ermöglichte. Nunes Garcia war wohl musikalischer Autodidakt und hatte bereits einen Großteil seines Werkes geschrieben, bevor er zum ersten Mal Kontakt mit europäischen Musikern bekam. Als der Hof des portugiesischen Prinzregenten Johann (später Johann VI.) mit 15.000 Personen auf der Flucht vor Napoleon I. in Rio de Janeiro eintraf, wurde Nunes Garcia zum Kapellmeister der königlichen Kapelle ernannt. Er war ein guter Sänger, begleitete sich selbst am Cembalo und trug so Eigenkompositionen, aber auch Werke von Domenico Cimarosa oder seines Zeitgenossen Mozart vor. Pater José Maurício genoss die Hochachtung des Prinzen. Diese ging so weit, dass der Prinz einmal, von der Musik Garcias überwältigt, einem Adligen einen Orden abnahm und ihn dem Priester an die Soutane steckte. Später malte der Sohn des Komponisten, José Maurício Nunes Garcia, ein Porträt seines Vaters, auf dem dieser Orden an der Soutane zu sehen ist. Der Hof sah die dunkle Hautfarbe von Nunes Garcia als Problem an, welches von einigen am Hofe als „defeito visível“ (sichtbarer Defekt) bezeichnet wurde. Diese Diskriminierung führte zum Verlust des Postens des königlichen Kapellmeisters an Marcos António Portugal und zu einer Serie von Intrigen, die ihn jahrelang verfolgte. In dieser Situation gab Nunes Garcia die Beziehung zu einer Frau zu, mit der er bereits zwei Kinder hatte. Bei der Hochzeit des Prinzen Dom Pedro mit der österreichischen Prinzessin Leopoldina errang er die Bewunderung des Musiklehrers der Prinzessin. Unter den Werken von Nunes Garcia ist besonders die Missa de Réquiem für die Königin Maria I. von Portugal zu erwähnen. Die Königin starb 1816, im selben Jahr wie die Tante des Komponisten. Das mag dazu beigetragen haben, dass dieses Werk, das in Teilen an Mozarts Requiem erinnert, aber gleichzeitig seine Originalität bewahrt, zu den gefühlvollsten Werken Nunes Garcias gehört. Er starb 1830 in Rio da Janeiro.

 

21.9. Vladimir RUŽDJAK: 95. Geburtstag

 Ausgebildet am Konservatorium von Zagreb, als Schüler von Milan Reizer. 1949 Gewinner des Internationalen Gesangwettbewerbs von Genf. 1947-54 Mitglied des Opernhauses von Zagreb, wo er als Jeletzky in »Pique Dame« von Tschaikowsky debütierte. 1955 folgte er einem Ruf an die Hamburger Staatsoper, der er bis 1972 angehörte. Seitdem hatte er dort wie bei Gastspielen in München, Wien, Amsterdam und Brüssel bedeutende Erfolge. Er sang auch in Prag, Zagreb und beim Edinburgh Festival. 1961 debütierte er als Enrico in »Lucia di Lammermoor« an der Oper von San Francisco (zugleich sein US-Debüt), an der er in der gleichen Spielzeit noch den Sharpless in »Madame Butterfly« und den Rigoletto sang. 1962 debütierte er an der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Amonasro in »Aida«); er sang hier bis 1964 in insgesamt 16 Vorstellungen auch den Germont-père in  »La Traviata«, den Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, den Lescaut in »Manon« von Massenet, den Marcello in »La Bohème« und den Valentin im »Faust« von Gounod. Beim Aldeburgh Festival hörte man ihn 1960 als Tarquinius in »The Rape of Lucretia« von B. Britten, an der Sadler’s Wells Opera London 1962 in der englischen Erstaufführung von Henzes »Der Prinz von Homburg«, an der Covent Garden Oper London 1966 als Grafen in »Figaros Hochzeit«. Er gastierte weiter am Bolschoi Theater Moskau, an der Komischen Oper Berlin und beim Festival von Spoleto. Seit 1972 trat er wieder in seiner jugoslawischen Heimat auf. 1958 sang er in Hamburg in der Uraufführung der Oper »Der grüne Kakadu« von R. Mohaupt. Ebenfalls in Hamburg wirkte er am 22.5.1960 in der Uraufführung der Oper »Der Prinz von Homburg« von Hans Werner Henze, am 30.4.1963 in der szenischen Uraufführung von I. Strawinskys »The Flood«, am 16.6.1964 in »Der goldene Bock« von E. Krenek, am 13.1.1970 in der von Kelemens »Belagerungszustand« und 1971 in der Uraufführung der Oper »Ahsmedai« von Josef Tal mit. Zu seinen großen Bühnenpartien gehörte noch der Titelheld im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky. Weitere Bühnenpartien: der Papageno in der »Zauberflöte«, der Wolfram im »Tannhäuser«, der Golaud in »Pelléas et Mélisande«, der Nabucco von Verdi, der Carlos in dessen »La forza del destino«, der Creon in »Antigone« von A. Honegger und der Mr. Gedge in B. Brittens »Albert Herring«. Angesehener Konzertsänger. Der Künstler war auch als Komponist tätig und schrieb Klavier- und Orchesterlieder sowie Chorwerke. Seit 1975 Professor an der Musikakademie von Zagreb. Er starb 1987 in Zagreb.

Seine zumal im italienischen und slawischen Repertoire geschätzte Stimme ist auf Supraphon- und CBS-Platten zu hören.

 

22.9. Peter ERÖS: 85. Geburtstag

 Er studierte Klavier, Komposition (bei Kodály), Dirigieren (bei Somogyi) und Kammermusik. 1956 emigrierte er in die Niederlande, wo er 1958 Otto Klemperer beim Holland Festival assistierte. Anschließend assistierte er drei Jahre lang bei Ferenc Fricsay und arbeitete für die Deutsche Grammophone Gesellschaft. 1960-65 wirkte er als assistierender Dirigent beim Concertgebouw Orkest in Amsterdam, danach bis 1968 als Chefdirigent des Symphonieorchesters in Malmö, anschließend bis 1970 als Ständiger Gastdirigent des Melbourne Symphony Orchestra. 1972 ernannte ihn das San Diego Symphony Orchestra zum Musikdirektor und Dirigenten (bis 1980). Daneben dirigierte er das West Australian Symphony Orchestra der Australischen Rundfunk-Kommisson. 1982 ging er als Dirigent zum Peabody Symhony Orchestra nach Baltimore. Er starb 2014 in Seattle.

 

22.9. Herbert JANSSEN: 125. Geburtstag

Herbert Janssen

 Seine Familie war schwedischer Abkunft; zuerst Jurastudium an der Universität von Berlin, nach dem Ersten Weltkrieg dann Gesangsausbildung durch Oscar Daniel in Berlin. Durch Max von Schillings wurde er sogleich an die Berliner Staatsoper engagiert, wo er 1922 in Schrekers »Schatzgräber« debütierte. Zuerst wurde er dort in kleineren Rollen eingesetzt, kam dann aber in großen Partien zu seinen Erfolgen. Er wirkte an der Berliner Staatsoper 1923 in der deutschen Erstaufführung von Rimsky-Korrsakows »Der goldene Hahn« (als Prinz Afron) mit. 1930 nahm er an der Berliner Staatsoper an der Uraufführung der Oper »Fremde Erde« von Karol Rathaus teil, 1932 an der von »Andromache« von Herbert Windt. Nach seinen Erfolgen in Berlin gastierte er 1926 an der Londoner Covent Garden Oper als Kurwenal in »Tristan und Isolde« und als Gunther in der »Götterdämmerung« und war bis 1939 alljährlich an diesem Opernhaus zu Gast. Er trat hier als Titelheld in »Fürst Igor« von Borodin, als Orest in »Elektra« von R. Strauss, vor allem aber in seinen Wagner-Partien, auf. 1929 Gastspiel im Haag. 1931-34 gastierte er an der Grand Opéra Paris in Wagner-Rollen, 1934 und 1935 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1935 auch an der Oper von Antwerpen, 1928 und 1929 am Teatro Liceu Barcelona. Er gastierte auch an den Staatsopern von München und Dresden sowie an der Berliner Städtischen Oper, überall mit großen Erfolgen. 1928 sang er am Berliner Metropol Theater zusammen mit Göta Ljungberg in dem Musical »Drei Musketiere«. Bei den Festspielen von Zoppot trug er 1925 und 1932 den Wolfram im »Tannhäuser«, 1929 den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1927 den Gunther, 1928 und 1936 den Amfortas im »Parsifal« und 1932 den Telramund im »Lohengrin« vor. Seit 1930 trat er mit großem Erfolg bei den Festspielen von Bayreuth auf; hier sang er 1930 den Wolfram im »Tannhäuser« unter A. Toscanini, 1931, 1934 und 1936-37 den Amfortas, 1933-34 den Gunther, 1934 den Donner und den Kothner, 1936-37 den Heerrufer im »Lohengrin«. 1937 verließ er aus politischen Gründen Deutschland und wanderte nach Nordamerika aus, nachdem er während einer Saison (1937-38) an der Wiener Staatsoper gesungen hatte (Telramund, Carlo in »La forza del destino«, Scarpia in »Tosca«, Minister im »Fidelio«, Kurwenal, Tonio im »Bajazzo«, Wolfram und Amonasro in »Aida«). 1938 gastierte er am Teatro Colón Buenos Aires, 1939 an der Oper von Philadelphia (als Wanderer im »Siegfried«). 1939-52 war er Mitglied der New Yorker Metropolitan Oper, wo seine Karriere einen nochmaligen Höhepunkt erreichte. Als erste Partien sang er dort den Wanderer im »Siegfried« und den Wolfram. In den folgenden 13 Jahren übernahm er an diesem Haus in erster Linie seine Wagner-Partien und trat insgesamt in 208 Vorstellungen auf: als Gunther, als Telramund, als Kurwenal, als Kothner wie als Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Fliegender Holländer, als Amfortas, als Minister im »Fidelio«, als Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, als Wotan im Nibelungenring und als Sprecher in der »Zauberflöte«. Seit 1940 sang er während der Sommersaison ständig am Teatro Colón von Buenos Aires. 1945-51 war er als Gast der Oper von San Francisco verbunden und gastierte auch in Los Angeles (Wotan in der »Walküre«, Jochanaan, Kurwenal, Hans Sachs, Wanderer, Minister im »Fidelio«, Amfortas). 1946 gastierte er an der Oper von Rio de Janeiro. 1946 erwarb er die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1950 gastierte er nochmals an der Wiener Staatsoper (als Orest in »Elektra« von R. Strauss, als Amonasro, als Jochanaan, als Minister im »Fidelio«, als Kurwenal und als Sprecher in der »Zauberflöte«). Von seinen Bühnenrollen seien noch der Graf in »Figaros Hochzeit«, der Faninal im »Rosenkavalier«, der Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano, der Albert im »Werther« von Massenet, der Valentin im »Faust« von Gounod, der Don Pizarro im »Fidelio«, der Lothario in »Mignon« von A. Thomas, der Renato in Verdis »Maskenball«, der Jago in dessen »Otello«, der Don Carlo in »Ernani«, der Rigoletto und der Escamillo in »Carmen« genannt. Zuletzt lebte er als Pädagoge in New York, wo er 1965 starb. – Der Bariton des Künstlers wurde durch eine besondere Wärme und Tonfülle ausgezeichnet; er galt neben seinem erfolgreichen Wirken auf der Bühne und zumal im Wagner-Fach als einer der größten Lied-Interpreten seiner Generation.

Lit: T. Hart: Herbert Janssen (in »Record Collector«, 1973-74)

Aufnahmen auf Odeon, Ultraphon, HMV, (Lieder von Hugo Wolf), Columbia (»Tannhäuser«, Bayreuth, 1930) und RCA (vollständiger »Fidelio« unter Toscanini). Eine zweite »Fidelio«-Aufnahme (Mitschnitt aus der Metropolitan Oper, 1941) kam auf Accord heraus, eine Aufnahme der »Meistersinger von Nürnberg« (Mitschnitt aus der Metropolitan Oper 1952) kam auf Arlecchino heraus, auf Toscanini Society singt er das Solo im Deutschen Requiem von Brahms, auf Robin Hood Records den Orest in »Elektra« von R. Strauss, auf Bruno Walter Society den Kurwenal in »Tristan und Isolde« (Covent Garden Oper London, 1936), auf Melodram den Jochanaan in »Salome« (Metropolitan Oper, 1949), auf Danacord den Telramund im »Lohengrin« und auf Acanta den Gunther in Szenen aus der »Götterdämmerung«. Viele Aufnahmen auf EJS.

 

23.9. Anatoly SOLOVIANENKO: 85. Geburtstag

Anatoly Solovianenko

Er begann ein Bergbau-Studium am Polytechnischen Institut in Donezk. Er trat gelegentlich in Amateurkonzerten auf; seine Stimme wurde durch die Sängerin Margarita Fitinghof in Leningrad entdeckt, und er begann 1952 bei dem Pädagogen K.A. Korobetschjenko mit deren Ausbildung. 1954 schloss er jedoch zunächst einmal sein technisches Studium ab und nahm eine Assistentenstelle am Polytechnikum von Donezk an. 1962 trat er wieder in einigen Amateurkonzerten auf und entschloss sich nun zur Bühnenkarriere. Er trat in das Opernstudio des Opernhauses von Kiew ein und debütierte dort als Solist im Oktober 1963 in der Partie des Herzogs im »Rigoletto«. Weitere Ausbildung 1963-65 in der Opernschule der Mailänder Scala bei Gennaro Barra und bei Enrico Piazza. 1965 gewann er einen Gesangwettbewerb in Neapel. Seit 1966 kam er dann zu einer großen Karriere an der Oper von Kiew. Er sang hier u.a. den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Alfredo in »La Traviata«, den Manrico im »Troubadour«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Turiddu in »Cavalleria rusticana«, den Fra Diavolo von Auber, den Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet, den Faust von Gounod, den des Grieux in Massenets »Manon«, den Wladimir in »Fürst Igor« von Borodin, den Dimitrij im »Boris Godunow« und den Lenski im »Eugen Onegin«. Er gastierte am Opernhaus von Charkow (als Cavaradossi), am Bolschoi Theater Moskau (als Lenski, als Sadko und als Dimitrij) und an anderen russischen Theatern. An der Metropolitan Oper New York trat er in der Spielzeit 1977-78 in insgesamt 10 Vorstellungen als italienischer Sänger im »Rosenkavalier«, als Turiddu und als Herzog im »Rigoletto« auf. Bedeutende Karriere auch als Konzert- und Radiosänger. Seit 1973 lehrte er am Konservatorium von Kiew 1967 wurde er zum Verdienten Künstler der Ukrainischen Republik, 1969 zum Volkskünstler der UdSSR ernannt. Er starb 1999 in Kosyn (Ukraine).

Schallplatten: Melodiya.

 

23.9. Drago STARC: 100. Geburtstag

Drago STARC

 Er wurde am Stankovic-Konservatorium in Belgrad ausgebildet. 1947 begann er seine Karriere an der Nationaloper von Belgrad und ist bis zu deren Ende im Jahre 1973 Mitglied dieses Hauses geblieben. Er trat bei zahlreichen internationalen Gastspielen hervor, die er hauptsächlich als Ensemblemitglied der Belgrader Oper absolvierte. So sang er 1961 bei den Festspielen von Wiesbaden, 1961 und 1969 in Lausanne, 1962 am Teatro Liceu Barcelona. 1962 war er, wiederum mit dem Belgrader Ensemble, bei den Festspielen von Edinburgh zu hören, als Alexei in Prokofjews »Der Spieler« und als Juan in Massenets »Don Quichotte«; 1964 gastierte er mit dem Belgrader Ensemble auch an der Wiener Staatsoper als Alexei in Prokofjews »Der Spieler« und als Golizyn in »Chowanschtschina« von Mussorgsky; weitere Gastspiel- und Konzertauftritte in Italien, Frankreich, Österreich, Polen, Ungarn, England und Ägypten. Auf der Bühne gestaltete der Künstler ein vielseitiges Repertoire, in dem Partien wie der Faust von Gounod, der Don José in »Carmen«, der Alfredo in »La Traviata«, der Lenski im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky und der Wladimir in »Fürst Igor« von Borodin als Höhepunkte galten. Angesehen auch als Konzertsänger. Er starb 1984 in Belgrad.

Schallplatten: Decca (Sobinin in Glinkas »Iwan Susanin«, Lenski im »Eugen Onegin«, Galitzyn in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, alle um 1955 entstanden), Philips (Titelheld in »Sadko« von Rimsky-Korssakow, 1959); auch Aufnahmen auf Jugoton vorhanden. Auf den in Westeuropa veröffentlichten Schallplatten erscheint sein Name in der Schreibweise Drago Startz.

 

23.9. Margaret ROMAINE: 125. Geburtstag

 Sie studierte zunächst Cellospiel, ließ dann aber ihre Stimme in London und Paris ausbilden. Darauf trat sie zuerst in einigen kleinen Partien an der Opéra-Comique Paris auf, kam aber 1915 wieder in die USA, wo sie jetzt in Musical Comedies und als Unterhaltungssängerin in Erscheinung trat. (Auf diesem Gebiet war ihre Schwester Hazel Dawn ein allgemein bekannter Star). 1918 folgte Margaret Romaine einem Ruf an die Metropolitan Oper New York, an der sie als Musetta in »La Bohème«, ihrer besonderen Glanzrolle, debütierte. Bis 1924 sang sie dort in insgesamt 29 Vorstellungen neben der Musetta auch die Micaela in »Carmen« und eines der Blumenmädchen im »Parsifal«. Am 27.12.1919 wirkte sie hier in der Uraufführung der Oper »The blue bird« von A. Wolff in der Partie der Katze mit. Sie widmete sich in der Folgezeit dem Konzert- und hauptsächlich dem Liedgesang und gastierte auch wieder in Musical Comedies. Nach Beendigung ihrer Karriere Gesanglehrerin in New York.

Akustische Aufnahmen auf amerik. Columbia, vier Titel auf Victor, davon aber nur zwei aus Opern.

 

24.9. Pablo ELVIRA: 80. Geburtstag

 Er war anfänglich als Trompeter, später als Dirigent in einem Tanzorchester tätig, ließ dann aber seine Stimme am Pablo Casals-Konservatorium auf Puerto Rico ausbilden. 1968 debütierte er bei der Indiana University Opera in Bloomington als Titelheld in Verdis »Rigoletto«. 1969 sang er in Jerusalem als Solist in der Uraufführung des Oratoriums »El Pessebre« von Pablo Casals, 1972 in Bloomington in der Uraufführung der Oper »Heracles« von John Eaton die Titelrolle. Seine Karriere entwickelte sich sehr schnell an den führenden amerikanischen Operntheatern. So sang er an den Opern von Santa Fé, San Diego, New Orleans und seit 1974 an der New York City Opera (Debüt als Germont-père in »La Traviata«). 1978 kam es zu seinem Debüt an der Metropolitan Oper New York als Rigoletto von Verdi. Bis 1990 sang er an der Metropolitan Oper in insgesamt 118 Vorstellungen den Tonio im »Bajazzo«, den Alfio in »Cavalleria rusticana«, den Lescaut in »Manon Lescaut« von Puccini, den Theatermanager in »Les Mamelles de Tirésias« von Fr. Poulenc, den Sharpless in »Madame Butterfly« , den Figaro im »Barbier von Sevilla«, den Monforte in Verdis »I Vespri Siciliani«, den Enrico in »Lucia di Lammermoor«, den Carlo in »La forza del destino« von Verdi, den Chorèbe in »Les Troyens« von Berlioz, den Marcello in »La Bohème« und den Carlo in Verdis »Ernani«. 1985 sang er an der Oper von Chicago den Germont-père, in Melbourne den Figaro im »Barbier von Sevilla«, 1988 an der Oper von New Orleans den Renato in »Un ballo in maschera«, 1989 bei der Newark Opera den Belcore in »L‘Elisir d’amore«, 1990 an der Oper von Antwerpen den Macbeth von Verdi, 1991 an der Staatsoper München den Lescaut in »Manon Lescaut« von Puccini, am Teatro Colón Buenos Aires wieder den Figaro im »Barbier von Sevilla«. Im Mittelpunkt seines Bühnenrepertoires standen Aufgaben aus dem lyrischen Fachbereich der italienischen wie der französischen Oper, vor allem in Werken von Verdi, Donizetti, Mozart, Puccini, Gounod und Bizet, doch sang er auch Rollen wie den Titelhelden in Alban Bergs »Wozzeck« oder den Mandryka in »Arabella« von R. Strauss. Zugleich erfolgreicher Konzertsänger. Seit 1996 bekleidete er eine Professur an der Indiana University in Bloomington. Er starb im Jahr 2000 in Bozeman (Montana).

Schallplatten: RCA (Manfredo in »L’Amore dei tre Re« von Montemezzi, »Cavalleria rusticana«), BJR (»La Favorita« von Donizetti).

 

24.9. Carlo ZARDO: 80. Geburtstag

Carlo_Zardo_in_Faust

Er erhielt seine sängerische Ausbildung bei Maestro Otello Biselli in Turin und begann eine Tätigkeit als Chorsänger beim italienischen Rundfunk RAI in Turin. Von dort wechselte er in den Chor der Mailänder Scala. Er führte sein Gesangsstudium weiter fort und debütierte als Solist in der Spielzeit 1970-71 am Teatro Nuovo Mailand in Bellinis »I Puritani«. Er entfaltete nun eine erfolgreiche Karriere an zahlreichen italienischen Theatern mit Auftritten am Teatro Verdi Triest (1973 als Menico in »Nozze Istriane« von Smareglia, 1974 als Ginardo in »Mathilde di Shabran« von Rossini), am Teatro Margherita Genua (1974 ebenfalls als Ginardo), am Teatro Regio Turin (1974 als Colline in »La Bohème«, 1975 als Mephisto im »Faust« von Gounod und als Osiride in »Mosè in Egitto« von Rossini, 1979 wieder als Mephisto). 1974 debütierte er an der Mailänder Scala (als Herold in Prokofjews »L‘Amour des trois oranges«) und sang hier in der Folge 1975 die Titelrolle in Verdis »Attila«, 1975 den Arzt in »Macbeth« von Verdi, 1976 den Ramfis wie den König in »Aida« und den Grafen Walter in Verdis »Luisa Miller«, 1977 den Oroveso in »Norma«, 1978 den Massimiliano in Verdis »I Masnadieri«, den Pater Guardian in »La forza del destino« und den Ferrando im »Troubadour« von Verdi, 1979 den Colline in »La Bohème« und 1982 den Panthée in »Les Troyens« von H. Berlioz. 1979 übernahm er an der Scala die Partie des Satans in der europäischen Erstaufführung von K. Pendereckis »The Paradise Lost«. Am Teatro Comunale Bologna gastierte er 1973 als Faust in »L´Ange de Feu« von Prokofjew, 1975, 1976 und 1977 als Mephisto im »Faust« von Gounod, beim Puccini Festival in Torre del Lago 1975 als Colline, beim Maggio Musicale von Florenz 1975 als Gremin im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky, bei den Festspielen in der Arena von Verona u.a. 1976 als Ramfis, als Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, 1978 als Pater Guardian, 1981 als Ramfis. 1979 hörte man ihn am Teatro Ponchielli von Cremona als Basilio im »Barbier von Sevilla«, 1984 als Albano in »I Lituani« von Ponchielli, am Teatro Verdi in Pisa 1979 als L´Orco in »Il piccolo Marat« von Mascagni. 1980 gastierte er am Opernhaus von Graz als Zaccaria in Verdis »Nabucco«, 1984 am Teatro Comunale Treviso als Enrico in »Anna Bolena« von Donizetti, am Teatro del Giglio in Lucca 1985 in »Dejanice« von A. Catalani. Er starb am 11.5.2017 in Mailand.

Schallplatten: MRF (»Matilde di Shabran«, Mitschnitt von 1974), Myto (»Luisa Miller«, Mitschnitt der Scala-Aufführung von 1976), Bongiovanni (»Dejanice« von Catalani, Mitschnitt aus Lucca von 1985).

 

24.9. Ettore BASTIANINI: 95. Geburtstag

Ettore Bastianini

 

 Erster Gesangsunterricht durch Flaminio Contini in Florenz. Debüt als Bassist 1945 am Teatro Alighieri von Ravenna in der Partie des Colline in »La Bohème«. Er sang mehrere Jahre im Bass-Fach, u.a. am Teatro Regio Parma, wurde dann aber von seiner Lehrerin Rucciana Betarini umgeschult und debütierte am Silvesterabend 1951 abermals, jetzt als Bariton, in Bologna in der Partie des Germont-père in »La Traviata«. Er erregte Aufsehen, als er beim Maggio Musicale von Florenz 1952 den Tomsky in »Pique Dame« von Tschaikowsky,  1953 den Prinzen Andrej in »Krieg und Frieden« von Prokofjew und 1954 die Titelrolle von Tschaikowskys »Mazeppa« sang, wie er sich denn überhaupt gern mit Partien aus der russischen Opernliteratur befasste. 1953 kam er an die Mailänder Scala, wo er seitdem immer wieder aufgetreten ist. Schon 1948, noch als Bass, sang er hier in der Premiere von Strawinskys »Oedipus Rex«. Man hörte ihn hier u.a. 1954 als Eugen Onegin von Tschaikowsky, 1955-56 als Germont-père, 1956-57 als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, 1958 als Michonnet in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, als Belcore in »L’Elisir d‘amore«, als Ernesto in einer glanzvollen Aufführung von Bellinis »Il pirata« (zusammen mit Maria Callas), als Nabucco, als Scarpia in »Tosca« und als Lichas in Händels »Eracle«, 1959 als Marcello in »La Bohème«, als Carlo in Verdis »Ernani«, als Escamillo in »Carmen«, als Michele in Puccinis »Il tabarro« und als Grafen Luna im »Troubadour«,  1960 als Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano, wieder als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, als Severo in »Poliuto« von Donizetti (wieder zusammen mit Maria Callas) und als Posa in Verdis »Don Carlos«, 1961 als Carlo in Verdis »La forza del destino«, als Riccardo in Bellinis »I Puritani«, als Enrico in »Lucia di Lammermoor« und als Rolando in Verdis »La battaglia di Legnano«, 1962 als Alfonso in »La Favorita«, als Rigoletto und nochmals als Grafen Luna sowie 1963 nochmals als Posa. Im Dezember 1953 sang er an der New Yorker Metropolitan Oper als Antrittsrolle den Germont-père. Bis 1965  war er ständig an der Metropolitan Oper tätig. Er übernahm dort elf Partien in insgesamt 88 Vorstellungen: den Grafen Luna, den Enrico, den Amonasro in »Aida«, den Gérard, den Marcello, den Posa, den Rigoletto, den Escamillo, den Carlo in »La forza del destino« und den Scarpia. 1956 Gastspiel an der Chicago Opera als Riccardo in Bellinis »I Puritani«. In den Jahren 1956-61 trat er bei den Festspielen in der Arena von Verona als Escamillo und als Figaro im »Barbier von Sevilla« auf. Bei den Salzburger Festspielen war er 1958 und 1960 als Posa und 1962-63 als Graf Luna zu hören. In der Spielzeit 1957-58 trat er am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich gastweise als Graf Luna und als Germont-père  auf. Er galt als einer der bedeutendsten italienischen Baritonisten seiner Generation und trat an allen großen Bühnen der Welt in Erscheinung. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1958-65 in insgesamt 142 Vorstellungen als Rigoletto, als Posa, als Germont-père, als Renato, als Tonio im »Bajazzo«, als Escamillo, als Scarpia, als Amonasro, als Marcello, als Gérard, als Carlo in »La forza del destino« und als Graf Luna. 1962 an der Covent Garden Oper London als Renato zu Gast. Gastspiel- und Konzertreisen in Deutschland, Frankreich, Spanien, Ägypten und Südamerika. In den letzten beiden Lebensjahren lebte er, an einem Gehirntumor erkrankt, in seinem Landhaus in Sirmione am Gardasee, wo er 1967 starb. – Dunkel timbrierte, ausdrucksvolle Baritonstimme, die fast alle großen Partien des italienischen Repertoires beherrschte. Großer Verdi-Interpret; auch in Partien aus dem Bereich der russischen Oper erfolgreich.

Lit: Maria Bocagni: »Ettore Bastianini« (1983), M. Boagno & G. Starone: »Ettore Bastianini. Una voce di bronzo e di velluto« (1997), E. Pleus/E. Giudici/A. Rizzicasa/G. Tartoni/F. Venturi: Ettore Bastianini (Siena 1999).

Sehr viele Aufnahmen auf Ricordi (»Rigoletto«), vor allem aber auf Decca, darunter zahlreiche vollständige Opern (»La Favorita«, »Andrea Chénier«, »La Gioconda«, »La forza del destino«, »Der Barbier von Sevilla«). Auf DGG in »Lucia di Lammermoor«, »Un ballo in maschera«, »Don Carlos«. Mitschnitte von Opernaufführungen auf MRF und ANNA-Records. Auf Cetra Opera Live (»La Traviata«, »La forza del destino«, »Un ballo in maschera«, »Andrea Chénier«, »Mazeppa« von Tschaikowsky) Melodram (»La Bohème« von Leoncavallo, »Adriana Lecouvreur«, »Mazeppa« von Tschaikowsky, Florenz 1964), Replica (»Poliuto« von Donizetti mit Maria Callas), GDS Records (»Eracle« von Händel, 1960), Historical Performances (»Nabucco« von Verdi), Foyer (»Der Troubadour«, »La battaglia di Legnano« von Verdi), Documents (»Pique Dame«, Florenz 1952), Myto (Michele in Puccinis »Il Tabarro«, Norddeutscher Rundfunk Hamburg, 1953); Hardy-Video (»Der Troubadour« als Graf Luna, RAI 1958 und »La forza del destino« als Carlos, Neapel 1958).

 

24.9. Cornell MacNEIL: 95. Geburtstag

Cornell MacNeil

 Er wurde zunächst Maschinist, begann dann aber das Gesangstudium an der Hartt School in Hartford, u.a. bei dem berühmten Bariton Friedrich Schorr. Weitere Ausbildung durch Virgilio Lazzari, Dick Marzollo und Otto Guth in New York. Zu Beginn seiner Karriere trat er am New Yorker Broadway in Musicals auf. Er debütierte für den Bereich der Oper als John Sorel in der Uraufführung von Menottis »The Consul« in Philadelphia (1.3.1950). Anschließend sang er an kleineren amerikanischen Theatern und 1953-55 an der New York City Opera (Antrittsrolle: Germont-père in »La Traviata«). 1955 debütierte er als Escamillo in »Carmen« an der Oper von San Francisco und hatte hier bis 1975 große Erfolge als Valentin im »Faust« von Gounod, als Heerrufer im »Lohengrin«, als Sharpless in »Madame Butterfly«, als Silvio im »Bajazzo«, als Nabucco, als Rigoletto, als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, als Scarpia in »Tosca« und als Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano. Im März 1959 debütierte er als Carlo in Verdis »Ernani« an der Mailänder Scala, an der er 1960 auch als Amonsaro in »Aida« gastierte. 1959 begann er eine fast dreißigjährige, große Karriere an der Metropolitan Oper New York. Als Antrittspartie sang er hier den Rigoletto, wobei er von Mailand nach New York flog und ohne Probe auftrat. Er trat hier bis 1987 in insgesamt 641 Vorstellungen als Tonio im »Bajazzo«, als Scarpia, als Germont-père, als Amonasro, als  Titelheld im »Nabucco« von Verdi, als Renato, als Carlo in Verdis »Ernani« sowie in Verdis »La forza del destino«, als  Titelheld im »Macbeth« von Verdi, als Jago im »Otello« von Verdi, als Titelheld im »Simon Boccanegra« von Verdi, als  Graf Luna im »Troubadour«, als Barnaba in »La Gioconda«, als Fliegender Holländer, als Gérard, als Miller in »Luisa Miller« von Verdi, als Monforte in Verdis »I Vespri Siciliani«, als Marcello in »La Bohème«, als Falstaff von Verdi, als Michele in Puccinis »Il Tabarro«, als Gianni Schicchi, als Alfio in »Cavalleria rusticana«, als Trinity Moses in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill, als Giovanni in »Francesca da Rimini« von Zandonai und als Don Alfonso in »Così fan tutte« auf.  1964 gastierte er an der Londoner Covent Garden Oper als Macbeth von Verdi; weitere Gastspiele an der Staatsoper Wien (1971-82 als Germont-père, als Rigoletto, als Posa in Verdis »Don Carlos«, als Tonio, als Renato, als Fliegender Holländer und als Jago in insgesamt 23 Vorstellungen), an der Grand Opéra Paris, am Teatro Colón Buenos Aires, in Mexico City, Rio de Janeiro, Barcelona, Lissabon, Rom, Neapel, Genua, Neapel und Palermo. Zu Gast bei den Festspielen von Verona (1971, 1973), beim Maggio Musicale von Florenz und bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla. Noch 1987 gastierte er an der Oper von New Orleans als Jago. 1969 wurde er zum Präsidenten der American Guild of Musical Artists gewählt. Er starb 2011 in Charlottesville (Virginia). Er war in zweiter Ehe verheiratet mit der Violinistin Tania Rudensky; der Sohn aus erster Ehe, Walter MacNeil (* 1957), wurde als Opernsänger (Tenor) bekannt.

Lit.: E.C. Mordden: Big Mac (in »Opera News«, 1968-69); J. Hines: Cornell McNeil (Garden City, NY, 1982).

Schallplatten: Die Aufnahmen von Cornell MacNeil erschienen auf Decca und RCA, darunter viele vollständige Opern (»Un ballo in maschera«, »Rigoletto«, »Aida«, »Cavalleria rusticana«, »Pagliacci«, »La Fanciulla del West« von Puccini, »Luisa Miller« von Verdi). Auf Brunswick sang er in »The Consul« von Menotti, auf WEA in »La Traviata«, auf Movimento musica in »Ernani« von Verdi, auf Melodram in »Nabucco« und »Luisa Miller« von Verdi, auf HRE in »La Gioconda« von Ponchielli, in »Tosca« und im »Falstaff« von Verdi, auf VAI Ausschnitte aus »La Traviata« mit Dorothy Kirsten; DG-Video (»La Traviata«).

 

25.9. Sir Colin DAVIS: 90. Geburtstag

Er studierte zunächst Klarinette am Royal College of Music in London, wurde dann jedoch Dirigent. 1957 wurde er Dirigent des BBC Scottish Orchestra, 1961–65 der Sadler’s Wells Opera (später English National Opera). 1967 wurde er Chefdirigent des BBC Symphony Orchestra. 1971–86 war er Musikdirektor des Royal Opera House, wo er auch später immer wieder als Gastdirigent tätig war. 1977 und 1978 dirigierte er bei den Bayreuther Festspielen den Tannhäuser in der Regie von Götz Friedrich. 1983-92 leitete er das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. 1993 erhielt er die Karl-Amadeus-Hartmann-Medaille. 1994 dirigierte er den Chor und das Orchester der Hochschule für Musik München in einer konzertanten Aufführung der Zauberflöte, u. a. mit Jonas Kaufmann als Tamino. 1995-2007 war er Chefdirigent des London Symphony Orchestra, 1998–2003 Gastdirigent des New York Philharmonic Orchestra. Davis arbeitete 1981-2013 mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden zusammen. Dies führte 1991 zu einer Ehrendirigentschaft und am 9. Mai 2013 zu einem Gedenkkonzert. Neben seinen Interpretationen von Mozarts Werk zeichnete sich Sir Colin vor allem durch Einspielungen der Werke von Héctor Berlioz und Jean Sibelius aus. Auch dirigierte er mehrere Uraufführungen von Werken des zeitgenössischen britischen Komponisten Michael Tippett. An der Wiener Staatsoper dirigierte er 1986 Massenets Werther, 1990 Die Meistersinger von Nürnberg und 1994 Mozarts Idomeneo. Er starb 2013 in London.

 

26.9. Maria KOWA: 95. Geburtstag

Maria KOWA

 

26.9. Adolphe MARÉCHAL: 150. Geburtstag

Adolphe Marechal als Dick Johnson
Als Dick Johnson

 Gesangstudium am Konservatorium von Lüttich. Er debütierte 1891 am Theater von Dijon und sang dann an den Opernhäusern von Reims, Bordeaux und Nizza. 1895 wurde er an die Opéra-Comique Paris berufen, an der er als Don José in »Carmen« debütierte. Im Laufe der folgenden zehn Jahre hatte er an diesem Haus eine sehr erfolgreiche Karriere. Er wirkte dort in einer Reihe von Uraufführungen mit: am 2.2.1900 als Julien in »Louise« von Charpentier, am 29.4.1901 in »L’Ouragan« von Alfred Bruneau, am 20.11.1901 als Alain in »Grisélidis« von Massenet, am 23.12.1903 als Danielo in »La Reine Fiammette« von Xavier Leroux (als Partner von Mary Garden). 1898 sang er dort den Gérald in »Lakmé« von Delibes als Partner von Emma Nevada, 1899 sehr erfolgreich die Titelpartie in »Joseph« von Méhul. 1898 kreierte er für Paris an der Opéra-Comique den Rodolfo in Puccinis »La Bohème« mit Julia Giraudon in der Rolle der Mimi. 1902 Gastspiel an der Covent Garden Oper London als Don José, als Faust von Gounod und als des Grieux in »Manon« von Massenet. Er sang an der Covent Garden Oper London auch am 14.7.1902 in der Uraufführung von Herbert Bunnings Oper »Princess Osra« mit Mary Garden in der Titelrolle (unter der Leitung von André Messager), wobei man das Libretto vom Englischenins Französischer übersetzt hatte. Am 18.2.1902 sang er an der Oper von Monte Carlo in der Uraufführung von Massenets »Le jongleur de Notre-Dame« die Partie des Jean. Er war an den Opern von Nizza und Monte Carlo sowie an der Moskauer Hofoper zu Gast. 1907 gab er aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere auf und war in Lüttich als Pädagoge tätig. Später lebte er in Brüssel, wo er 1935 starb. – Schön gebildete lyrische Tenorstimme, vor allem in Partien aus dem Bereich der französischen Oper von Bedeutung. Jules Massenet schätzte den Sänger besonders und übertrug ihm große Aufgaben in seinen Opern.

Von seiner Stimme sind einige seltene Aufnahmen auf G & T (Paris, 1905) und auf Zonophone (Paris, 1907) vorhanden sowie auf Edison (Paris, 1904), Pathé (Paris, 1904, darunter Arien aus »Le jongleur de Notre Dame«).

 

26.9. Wenzel MÜLLER: 250. Geburtstag

Nach seiner Ausbildung, unter anderem bei Carl Ditters von Dittersdorf, war Wenzel Müller ab 1782 für das Theater tätig. 1786 übernahm er das Amt des Kapellmeisters und Hauskomponisten am Wiener Theater in der Leopoldstadt. Nach einem kurzen Intermezzo an der Deutschen Oper in Prag von 1807-13 kehrte er an seine angestammte Wirkstätte zurück, wo er bis 1830 arbeitete. Wenzel Müller verstarb 1835 im Haus Johannesgasse 25, Baden bei Wien, wo eine (1980 wieder angebrachte) Gedenktafel an ihn erinnert. Sein Leichnam wurde selben Ortes auf dem Stadtfriedhof (Grablage 6/1/M/07) beigesetzt.

Durch die Heirat seiner Tochter Therese, einer Opernsängerin, wurde er Schwiegervater von Johann Christoph Grünbaum. Deren Kinder, seine Enkel Caroline, Carl und Josef waren ebenfalls Sänger.

Müller hat vor allem volkstümliche Bühnenwerke und Singspiele geschaffen, darunter zahlreiche Vertreter der sog. Wiener Kasperl- und Zauberoper. Die meisten davon wurden im Leopoldstadt-Theater uraufgeführt. Bekannt geworden sind insbesondere

Das Sonnenfest der Braminen nach einem Libretto von Karl Friedrich Hensler, 1790, sowie Kaspar, der Fagottist, oder Die Zauberzither (Libretto Joachim Perinet), 1791 und Das Neusonntagskind, ein komisches Singspiel nach einem Libretto von Karl Friedrich Hensler. Es wurde seit 1796 mit großem Erfolg am Berliner Nationaltheater aufgeführt und erlebte bis 1828 101 Aufführungen. Beide Stücke befassen sich nämlich mit einem ähnlichen Stoff wie die etwa zeitgleich entstandene, aber weitaus berühmtere Oper Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, sie wurden vom zeitgenössischen Publikum zunächst durchaus als gleichwertige Konkurrenzstücke betrachtet. Nach Vorlagen Ferdinand Raimunds schrieb Müller Der Barometermacher auf der Zauberinsel (1823), Der Alpenkönig und der Menschenfeind (1828) sowie Die gefesselte Phantasie (1828). Weitere Werke entstanden auf der Grundlage von Librettos von Joachim Perinet, Karl Friedrich Hensler und Karl Ludwig Costenoble. Einige Lieder aus Müllers Bühnenwerk haben sich verselbständigt und wurden in Wien zu volkstümlichen Gassenhauern. Ein Beispiel hierfür ist etwa das Lied Ich bin der Schneider Wetz (auch: Ich bin der Schneider Kakadu) aus Die Schwestern von Prag, in dem eine Parodie auf Arien aus der Zauberflöte gesehen wird. Es wurde später sogar von anderen Komponisten bearbeitet, darunter Ludwig van Beethoven, der seine Variationen für Klaviertrio op.121a über das Lied schrieb. Mehrere Kompositionen Müllers erlangten volksliedhaften Charakter. Für das Studentenlied Ich hab den ganzen Vormittag aus Müllers Singspiel Irrtum in allen Ecken oder die Schwestern von Prag (1794) hat sich Müller verschiedener Melodieelemente bedient, die schon im 18. Jahrhundert volkstümlich waren; die Melodie des Kinderliedes Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann weist seinerseits große Ähnlichkeit mit Müllers Studentenlied auf. Die Melodie des Volkslieds Bald gras ich am Neckar erscheint erstmals 1821 in einem Quodlibet aus dem Stück Die Fee aus Frankreich; es ist allerdings nicht gesichert, dass sie von Müller komponiert wurde. Demgegenüber basiert die häufig zu findende Angabe, Müller habe auch die Melodie zu Kommt ein Vogerl geflogen komponiert, auf einem Missverständnis. Weiter hat Müller auch Ballette und Pantomimen, aber auch Blasmusik geschaffen. Insgesamt umfasst sein Œuvre etwa 250 Werke.

 

27.9. Sally AMATO: 100. Geburtstag

 Biographie der Gründerin der Amato Opera Company auf Englisch:

http://www.nytimes.com/2000/08/18/arts/sally-amato-82-a-founder-of-an-intimate-opera-company.html

 

28.9. Tom BRAND: 100. Geburtstag

 Er erhielt seine Sängerausbildung im Wesentlichen durch die Pädagogin Suzanne Luger in Maastricht. Sein Debüt erfolgte 1955. Er widmete sich in seiner Karriere ausschließlich dem Oratorien-, Konzert- und Liedgesang und erlangte auf diesen Gebieten in Holland, dann aber auch auf internationaler Ebene, hohes Ansehen. Gasttourneen trugen ihm in Frankreich, Italien, Belgien und Deutschland große Erfolge ein. Er galt als hervorragender Bach-Interpret und war besonders erfolgreich als Evangelist in den Passionen dieses Meisters wie auch in seinen Kantaten. Er starb 1970 in der Provinz Limburg (Holland).

Schallplatten: Telefunken (Matthäuspassion von J.S. Bach als Evangelist, Messe von Bach).

 

28.9. Václav KAŠLÍK: 100. Geburtstag

Biographie des tschechischen Komponisten, Opernregisseurs und Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/V%C3%A1clav_Ka%C5%A1l%C3%ADk

 

28.9. Adelina ADLER: 125. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung zur Sängerin zuerst in Budapest, setzte sie dann in München und in Salzburg fort und debütierte 1912 an der Volksoper (Népopera) Budapest als Rosina im »Barbier von Sevilla«. Sie blieb dort bis 1915 engagiert. Sie wechselte dann an die Budapester Nationaloper, der sie bis 1921 angehörte. Anschließend trat sie nur noch im Rahmen von Gastspielen auf und unternahm große Tourneen, in deren Verlauf sie u.a. in Berlin, Moskau und in der Schweiz zu Gast war. Im Zentrum ihres Repertoires für die Bühne standen Partien aus dem Koloraturfach wie die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Ophelie im »Hamlet« von A. Thomas, die Philine in »Mignon«, ebenfalls von Thomas, die Gilda im »Rigoletto«, die Lucia di Lammermoor und die Lakmé in der gleichnamigen Oper von Delibes. Sie starb 1976 in Bécs.

 

29.9. Pier Luigi SAMARITANI: 75. Geburtstag

Er studierte zunächst in seiner Heimatstadt Novara Altertumswissenschaften, später an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand und schließlich an der renommierten Ecole Supérieure d’Arts et Technique du Théâtre in Paris Bühnenbild und Kunst. Dort lernte er den bedeutenden Bühnenbildner und Maler Lila De Nobili kennen, der ihn in seiner Laufbahn stark prägte. Im Alter von 21 Jahren lud ihn der Regisseur Raymond Rouleau ein, die Ausstattung für Denckers Le Fil Rouge am Théâtre du Gymnase Mary-Bell zu gestalten. Im Folgenden wurde er Assistent Lila De Nobilis und arbeitete zusammen mit Fabrizio Clerici, Franco Zeffirelli und Giorgio De Chirico unter anderem am Teatro alla Scala in Mailand, der Opéra de Paris, am Teatro Romano und in Verona. Nachdem Massimo Begianckino Samaritani 1967 an das Opernhaus in Rom berufen hatte, um dort die Ausstattung für Schumanns Manfred zu gestalten, begann Samaritanis internationale Karriere. Langjährige künstlerische Zusammenarbeiten verbanden ihn u. a. mit dem Teatro alla Scala di Milano (Malipieros I Capricci di Callot, Donizettis Maria di Rohan, Bizets Carmen sowie Verdis Luisa Miller), mit dem Festival Dei Due Mondi di Spoleto (De Fallas El Retablo de Maese Pedro, Donizettis Don Pasquale), mit dem Maggio Musicale Fiorentino (Rossinis Semiramide, Wagners Tristan und Isolde, Rossinis Mosè, Henzes König Hirsch), mit dem Teatro Comunale di Firenze (Puccinis Madama Butterfly, Massenets Werther, Bizets Carmen, Strawinskys Le Baiser de la Fée, Puccinis Manon Lescaut), dem Teatro dell’Opera di Roma (Mozarts La clemenza di Tito, Puccinis La Bohème, Verdis La Traviata, Massenets Thais und Manon sowie Wagners Parsifal), dem Teatro Massimo di Palermo (Spontinis La Vestale, Menottis Sebastian). 1975 markierte einen wichtigen Punkt in seiner Karriere. So arbeitete er erstmals beim Spoleto Festival nicht nur als Ausstatter, sondern auch als Regisseur. Seine erste Arbeit wurde Menottis Die alte Jungfer und der Dieb. 1978 folgte in Florenz und Chicago Werther, 1979 Madama Butterfly am Teatro Comunale in Florenz und La Sonnambula für die Eröffnung des Spoleto Festivals, 1980 Francesca da Rimini für das Teatro Filarmonico in Verona sowie Tschaikowskys Eugen Onegin für den Maggio Musicale Fiorentino. Einladungen als Aussatter oder Regisseur führten ihn darüber hinaus ans Teatro Verdi in Triest mit Smareglias La Falena, ans Teatro San Carlo in Neapel mit Mayrs Medea in Corinto, an die Arena di Verona mit Donizettis Lucia di Lammermoor, ans Teatro Regio di Parma mit Puccinis La Rondine, ans San Francisco Opera House mit Verdis La Forza del Destino, an die Chicago Lyric Opera mit Gounods Faust und Verdis Aida, an die Metropolitan Opera New York mit Minkus‘ La Bayadere und Verdis Ernani, ans American Ballet Theatre mit Rietis La Sonnambula, zum Puccini-Festival in Torre del Lago mit Puccinis Madama Butterfly und nicht zuletzt ans Teatro Municipal de Santiago mit Verdis Macbeth. Gian Carlo Menottis Amahl und die nächtlichen Besucher sowie Hilfe! Hilfe! Die Globolinks stattete er aus für das Grand Théâtre de Genève, das Teatro dell’Opera in Rom und La Piccola Scala in Mailand. An der Deutschen Oper Berlin zeichnete er 1979 verantwortlich für die Ausstattung von Carmen in einer Inszenierung von Boleslaw Barlog und schuf Inszenierung und Aussattung zu Giacomo Puccinis Madama Butterfly im Jahre 1987. Er starb 1994 in Rom.

 

30.9. Gert LUTZE: 100. Geburtstag

 Er studierte Medizin, legte sein ärztliches Staatsexamen ab, promovierte zum Dr. med. und arbeitete als Assistenzarzt an der Universitätsklinik für Hautkrankheiten in Leipzig. Gleichzeitig sang er im Leipziger Thomanerchor, dem er schon seit 1928 als Knabe angehört hatte. Als in den Aufführungen der Matthäuspassion am Karfreitag 1946 der Tenor, der den Evangelisten singen sollte, ausfiel, ersetzte er diesen und hatte in dieser schwierigen Partie unter dem Thomaskantor Günter Ramin einen sensationellen Erfolg. Nach diesem spektakulären Debüt wurde er als Solist in Oratorien- und Kantatenaufführungen wie als Liedersänger bekannt. Er wirkte dann auch in Opernsendungen, vor allem über die Rundfunksender Leipzig und Berlin mit, und übernahm dort Partien für lyrischen Tenor wie den Rodolfo in »La Bohème«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Ferrando in »Così fan tutte« und den Titelhelden in »Sadko« von Rimsky-Korssakow. Er war auch in Operettensendungen (»Die Csardasfürstin«) zu hören. Im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit standen jedoch der Oratorien- und namentlich der Bach-Gesang. Er gehörte zu den bedeutendsten Künstlern auf diesem Gebiet innerhalb seiner künstlerischen Generation. 1950 sang er beim Internationalen Bachfest in Schaffhausen (Schweiz), 1952 in Zürich, Basel und Bern, 1953 in Kopenhagen und Helsinki, 1954 in Paris, Rouen, Nancy, Brüssel und Luxemburg. Im gleichen Jahr 1954 bewunderte man ihn als Evangelisten in der Johannespassion von J.S. Bach in Leningrad und Moskau, dann auch in Mailand, Turin, Genua, Florenz und Bologna. 1955 war er in Prag zu Gast und unternahm eine große Konzerttournee durch die Volksrepublik China. 1957 war er in Bologna und Florenz in der Matthäuspassion zu hören. 1960 wirkte er in einer Fernsehaufnahme des »Tannhäuser« auf der Wartburg mit. 1960 verlegte er seine Tätigkeit nach Leonberg bei Stuttgart. Hier ließ er sich als Hautarzt nieder, ging aber weiter seiner Karriere als Konzert- und Oratoriensänger nach. Er starb 2007 in München.

Er wurde weiten Kreisen durch seine Rundfunksendungen und durch seine Schallplatten bekannt. Diese erschienen zunächst auf Eterna, dann unter dem Etikett von Telefunken-Decca, darunter schöne Aufnahmen von Bach-Kantaten unter dem Münchner Dirigenten Karl Richter. Die ausdrucksreiche, technisch vortrefflich gebildete Stimme des Sängers, sein ausgeprägtes Stilgefühl und die Feinheit der Textdurchdringung sind dabei immer wieder zu bewundern. Rundfunksendungen und Aufnahmen des Künstlers mit Operetten- und gehobener Unterhaltungsmusik kamen unter dem Pseudonym Charles Geerd heraus.

 

30.9. Yuri LYUBIMOV: 100. Geburtstag

Er wurde in Jaroslawl, einer Provinzstadt nordöstlich von Moskau, als Sohn eines Händlers und einer Lehrerin geboren. Lyubimov studierte bis 1940 im Studio des Wachtangow-Theaters, wo er bereits als Student in verschiedenen Rollen auftrat. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete er wiederum am Wachtangow-Theater. 1946 verkörperte er in der russischen Verfilmung von Robinsoe Crusoe den Freitag. In den fünfziger Jahren begann er, auch als Regisseur zu arbeiten. In den frühen 1960er Jahren wirkte er am Puschkin-Theater (heute Alexandrinski-Theater). 1964 wurde er Chefregisseur am Moskauer Dramen- und Komödientheater. 1965 gründete er das Theater an der Taganka, das unter seiner Leitung Weltruhm erlangte. Er orientierte sich an der Ästhetik Bertolt Brechts und stand in der Tradition des Theaters von Wsewolod Emiljewitsch Meyerhold. Seine Theaterarbeiten zeichneten sich durch Poesie, Bildkraft, Spielfreude und Phantasie aus. Insbesondere in der Zusammenarbeit mit dem Schauspieler und Liedermacher Wladimir Semjonowitsch Wyssozki entstanden Inszenierungen, die weit über die Sowjetunion hinaus bekannt wurden. Lyubimov entdeckte Wyssozkis schauspielerisches Talent und förderte ihn, den amerikanische Journalisten den „Bob Dylan der Sowjetunion“ nannten. Wyssozki spielte unter anderem in Lyubimovs legendär gewordener Hamlet-Inszenierung von 1971 die Titelrolle. 1975 inszenierte Lyubimov die Uraufführung von Al gran sole carico d‘amore von Luigi Nono an der Scala in Mailand, einem Musiktheaterwerk, an dessen Libretto er mitgearbeitet hatte. Es dirigierte Claudio Abbado. 1977 brachte er Michail Bulgakows Roman Der Meister und Margarita in einer eigenen Bearbeitung auf die Bühne des Taganka-Theaters. Nach dem Tod Wyssozkis 1980 legte sich Lyubimov mit den sowjetischen Behörden an und sorgte für eine angemessene Trauerfeier für seinen Protagonisten. 1982 wurde seine Inszenierung Boris Godunow (Mussorgsky) wegen ihrer aktuellen konzeptionellen Anspielungen verboten. Im März 1984 wurde er als Chef des Theaters an der Taganka entlassen; im Juli erfolgte die Ausbürgerung. Lyubimov ging ins Ausland und inszenierte u.a. am Teatro alla Scala in Mailand, am Royal Opera House Covent Garden und an der Opéra Garnier in Paris. Ingmar Bergman holte ihn an das Königliche Dramatische Theater Stockholm. Im Jahr 1988 nahm Lyubimov die israelische Staatsbürgerschaft an. 1989, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, kehrte Lyubimov ans Taganka-Theater zurück. Die Strahlkraft, die sein Theater zu Zeiten der Sowjetunion hatte, konnte es allerdings nicht wieder erreichen. Streitigkeiten zwischen Lyubimov und einem Teil des Ensembles stellten Anfang der neunziger Jahre sogar die Existenz des Theaters in Frage. Lyubimov inszenierte zunehmend auch Opern, darunter Fürst Igor am Moskauer Bolschoi-Theater und Eugen Onegin am Opernhaus Zürich. 1994-98 war Lyubimov Chefregisseur der Oper Bonn. Am 5. Oktober 2014 verstarb der Regisseur in einem Moskauer Krankenhaus.

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Homepage: http://www.lubimov85.ru/

 

 

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