Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM SEPTEMBER 2016)

 

IN MEMORIAM-Geburtstage IM SEPTEMBER 2016

Berücksichtigt wurden runde und habrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 

1.9. Samuel KRACHMALNICK: 90. Geburtstag

 Biographie des amerikanischen Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Samuel_Krachmalnick

 

1.9. Gustav SCHMIDT: 200. Geburtstag

 

Er war der älteste Sohn eines Weimarer Hofbeamten, seine Großmutter väterlicherseits entstammte der Allstedter Musikerfamilie Martini. Seinen ersten Musikunterricht erhielt Schmidt, der mit Goethes Enkeln befreundet war, in Weimar bei Johann Nepomuk Hummel, Franz Carl Adalbert Eberwein und Johann Christian Lobe, zwischendurch (1833–36) Jura-Studium in Jena, hier auch Unterricht beim Liederkomponisten J. Chr. C Töpfer. 1840-41 lebte Schmidt als Schüler von Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig, ab 1841 war er Theaterkapellmeister in Brünn und fungierte im Jahre 1845 als Musikdirektor am Theater Würzburg. Nachdem er von 1846 an in Hechingen und Leipzig privatisiert hatte, brachte er in Frankfurt am Main seine erste Oper Prinz Eugen, der edle Ritter auf die Bühne, zu der er auch den Text selbst verfasst hatte. Nach einem Engagement in Wiesbaden als erster Kapellmeister und Operndirektor am Hoftheater ging er im Tausch gegen Ludwig (Louis) Alexander Balthasar Schindelmeisser 1851 als Kapellmeister an das Frankfurter Stadttheater, wo seine zweite Oper Die Weiber von Weinsberg zur Aufführung kam. 1864 wurde er Theaterkapellmeister in Leipzig, und in diese Zeit fällt die Entstehung der Opern La Réole und Alibi. Schmidt galt als Förderer Berlioz‘ und Wagners, dessen Tannhäuser und Lohengrin er erstmals in Frankfurt aufführte. 1876 wurde er als Hofkapellmeister nach Darmstadt berufen, wo er bis 1880 tätig war und 1882 verstarb. Verheiratet war Schmidt mit der Schauspielerin Emilie Böttiger. Ein jüngerer Bruder seines Vaters war der Schauspieler und Theaterdirektor Heinrich Schmidt, die älteste Schwester Maria Henrietta Carolina (1775–1837), Witwe von Herders ältestem Sohn, dem Hofmedicus Wilhelm Christian Gottfried Herder (1774–1806), heiratete 1811 den Juristen Christian Gottlob Voigt (1774–1813), Sohn des Christian Gottlieb von Voigt, welcher im Frühjahr 1813 in französische Gefangenschaft geriet, aus der er zwar befreit werden konnte, an deren Folgen er jedoch kurz darauf auf Grund einer fiebrigen Erkrankung verstarb.

 

2.9. Maria CAPUANA: 125. Geburtstag

 Maria_CAPUANA

Sie war die ältere Schwester des Dirigenten Franco Capuana (1894-1969). Sie studierte Gesang und Klavierspiel am Konservatorium San Pietro a Majella in Neapel und debütierte 1916 in Reggio Emilia als Amneris in Verdis »Aida«. 1918 gastierte sie am Teatro San Carlo Neapel als Page Urbain in den »Hugenotten« von Meyerbeer. 1920 hatte sie am Teatro Regio in Turin großen Erfolg als Brangäne in »Tristan und Isolde«. Sie sang die gleiche Rolle bei einer Wiederholung der Turiner Aufführung am Théâtre des Champs Élysées Paris, in Reggio Emilia (1920), in Triest und später auch an der Mailänder Scala. Die Brangäne galt als besonderer Höhepunkt in ihrem Repertoire, wie sie denn überhaupt eine der führenden italienischen Wagner-Interpretinnen innerhalb ihrer künstlerischen Generation war. 1922 kam sie an die Mailänder Scala (Antrittsrolle: Ortrud im »Lohengrin«). 1923 feierte man sie an der Scala als Herodias in »Salome« von R. Strauss, 1925-27 als Fricka in der »Walküre«, als Amneris und als Rubria in Boitos »Nerone«. Am Teatro Carlo Felice in Genua hörte man sie 1924 als Brangäne, 1936 als Ortrud, am Teatro San Carlo Neapel 1927 in »Nerone« von Boito, 1930 in »Conchita« von Zandonai. 1925 trat sie am Teatro Colón von Buenos Aires als Amneris auf, weitere Gastspiele in Barcelona, Lissabon, Kairo, Südafrika, bei den Festspielen von Verona (1923 als Adalgisa in »Norma«, 1926 als Rubria) und an den großen italienischen Bühnen. 1926 wirkte sie in Bergamo in der Uraufführung der Oper »Ivania« von Pizzi mit. Ebenfalls 1926 gastierte sie am Teatro Regio Parma, 1931 und 1934 am Teatro Massimo Palermo. 1931 nahm sie an einer der ersten Italien-Tourneen der Wanderoper Carro di Tespi teil, bei der sie als Amneris auftrat. Sie bereiste auch Chile und gastierte 1935 in Vichy in Frankreich. Dazu war sie als Konzertsängerin hoch angesehen. Sie starb 1955 in Cagliari (Sardinien). – Dunkel timbrierte, ausdrucksstarke Stimme, namentlich im Wagner-Repertoire von Bedeutung.

Akustische Schallplatten der Marke Fonotecnica (um 1924 aufgenommen), elektrische auf Columbia (vollständige Oper »Aida«, 1929).

 

2.9. Gino NERI: 125. Geburtstag

 Seine Stimme wurde während seiner Militärdienstzeit in Mailand durch den Mäzen Luzzatti entdeckt und dort auch ausgebildet. 1921 debütierte er am Teatro Sociale von Crema (bei Mailand) als Edgardo in »Lucia di Lammermoor« von Donizetti. In den folgenden Jahren konnte er eine sehr erfolgreiche Karriere an den führenden Theatern Italiens entwickeln. Er sang in Novi Ligure, Monza, Cremona, Parma, am Teatro Dal Verme Mailand (1922 den Canio im »Bajazzo« und den Turiddu in »Cavalleria rusticana«), am Teatro Carcano Mailand (1922 den Cavaradossi in »Tosca«), am Teatro Verdi Pisa (1922-23, 1926), in Ferrara und Livorno, am Teatro Petruzzelli Bari (1925, 1929), in Piacenza und Bologna, in Vercelli und an vielen weiteren Bühnen. 1925 war er zu Gast am Grand Théâtre Genf (als Pinkerton in »Madame Butterfly« und als Turiddu), 1926-27 sang er am Theater von Lausanne den Pinkerton und den Rodolfo in »La Bohème«. 1928-29 erreichte er einen weiteren Höhepunkt in seiner Karriere, als er am Teatro Municipal von São Paulo in Brasilien in einer Vielzahl von Partien große Erfolge hatte; ähnliche Erfolge stellten sich bei Auftritten am Teatro San Pedro von Porto Alegre ein wie auch bei Konzerten, die er in Süd- und Mittelamerika gab. 1932 sang er am Teatro Fenice Venedig in der Uraufführung der Oper »Le astuzie di Colombina« von G. Zuffellato. 1933 gab er ein längeres Gastspiel in Tokio, bei dem er den Titelhelden im »Faust« von Gounod, den Herzog im »Rigoletto« und den Alfredo in »La Traviata« zum Vortrag brachte. 1944 gab er seine Karriere auf und wohnte seither in Mailand, wo er 1961 starb.

 

3.9. Thurston DART: 95. Geburtstag

Er besuchte die Hampton Grammar School und war Chorist der Royal Chapel in Hampton Court. 1938-39 studierte er Tasteninstrumente am Royal College of Music in London. Während des Zweiten Weltkrieges war er Offizier der Royal Air Force. Danach setzte er sein Studium bei Charles van den Boren in Brüssel fort. 1947-64 war er zunächst Dozent, später Professor für Musik an der University of Cambridge. Danach nahm er eine King-Edward-Professur für Musik am King’s College der University of London an. Seine bekanntesten Schüler waren der Komponist Michael Nyman und der Dirigent Christopher Hogwood. Seit den späten 1940er Jahren trat Dart als Cembalist und Organist auf und spielte auch historische Instrumente der Barockzeit. 1950 spielte er die ersten Aufnahmen mit dem Jacobean Ensemble ein, das sich auf frühe Musik spezialisiert hatte und dem u.a. Neville Marriner angehörte. Später übernahm er die Leitung des Boyd Neel Orchestra, das in Philomusica of London umbenannt wurde. Während der vier Jahre seiner Leitung spielte er mit dem Ensemble u.a. Bachs Brandenburgische Konzerte und Orchestersuiten, seine Doppelkonzerte für Violinen und seine Cembalokonzerte, weiter John Dowlands Lachrymae, Georg Friedrich Händels Wassermusik, Serenaden von Mozart, Concerti grossi von Alessandro Scarlatti, Arcangelo Corelli und Francesco Geminiani sowie verschiedene Werke Johann Christian Bachs auf Schallplatte ein. Daneben gab er 1947-54 das Galpin Society Journal heraus und betreute 1950-65 die Herausgabe der Musica Britannica. Er verfasste Artikel über die Interpretation der Werke von Bach, Händel und Purcell, überwachte die Revision der Ausgaben der Werke von William Byrd und Francois Couperin und gab selbst Werke von Thomas Morley, John Bull und anderen heraus. Als sein musiktheoretisches Hauptwerk erschien 1954 in London The Interpretation of Music. Er starb 1971 in London.

 

3.9. Karl DÜFFKE: 200. Geburtstag

 Er begann seine Bühnenkarriere 1837 als Chorsänger am Stadttheater von Hamburg, wo er bis 1842 blieb und bereits gelegentlich kleine Solopartien übernahm. Seine eigentliche Solistenkarriere begann er 1842 am Stadttheater von Rostock, dem er bis 1845 angehörte. 1845-47 am Theater von Königsberg engagiert, 1847-48 Mitglied des Stadttheaters von Bremen, 1848-50 des Stadttheaters von Danzig und in der folgenden Spielzeit 1850-51 des Stadttheaters von Stettin. Von dort ging er 1851 an das Friedrich Wilhelmstädtische Theater Berlin und wurde dann 1853 als Bass-Buffo an die Berliner Hofoper engagiert. 1855 wechselte er an das Hoftheater von Hannover, als dessen Mitglied er bis zu seiner Pensionierung 1868 aufgetreten ist. Hier sang er Partien für Bass-Buffo aus allen Bereichen der Opernliteratur, hatte aber – einer alten deutschen Theatertradition folgend – auch eine Vielzahl von Aufgaben aus den Bereichen des Schauspiels, der Posse und der Operette in seinem Repertoire. Er gab Gastspiele an den großen deutschen Theatern, auch an der Hofoper in Wien. Man schätzte seinen Gesangsvortrag wie seine Kunst der Darstellung vor allem in Singspielen von Karl Ditters von Dittersdorf (»Doktor und Apotheker«, »Hieronimus Knicker«) und in Partien wie dem Leporello im »Don Giovanni«, dem Papageno in der »Zauberflöte«, dem Baculus im »Wildschütz«, dem van Bett in »Zar und Zimmermann« und dem Kellermeister in »Undine« von Lortzing, dem Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, dem Figaro wie dem Bartolo im »Barbier von Sevilla« und dem Dulcamara in »L‘Elisir d’amore«. Er starb 1880 in Hannover.

 

4.9. Siegfried LANDAU: 95. Geburtstag

 Biographie des deutsch-amerikanischen Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Landau

 

4.9. Ariel RAMÍREZ: 95. Geburtstag

Bereits in jungen Jahren interessierte er sich für die indianische und kreolische Volksmusik seines Heimatlandes Argentinien. Auf den Rat des Dichters Atahualpa Yupanqui bereiste er 1941 die Provinzen Tucumán, Salta und Jujuy und lernte in Humahuaca den Musiker und Kenner der nationalen Kultur Justiniano Torres Aparicio kennen. Seit 1943 trat er als Pianist mit einem immensen Repertoire auf südamerikanischer Folklore beruhender Stücke auf, von denen er 1946 eine Anzahl auf Schallplatte einspielte. 1950-54 hielt er sich in Europa auf. 1954 ließ er sich in Lima nieder, im folgenden Jahr kehrte er nach Argentinien zurück, wo er die Compañía de Folklore Ariel Ramírez gründete. Mit dem Ensemble unternahm er 1957 eine Reise durch die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und Polen. Daneben vervollkommnete er seine Ausbildung durch Kompositionsstudien bei Erwin Leuchter.

1964 entstand sein bekanntestes Werk, die Misa Criolla (Kreolische Messe), das er in den Folgejahren in Lateinamerika und 1967 in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz aufführte. Daneben komponierte er mehrere Kantaten und andere Vokalwerke, häufig auf Texte des Dichters Félix luna. Ramírez war Leiter der Sociedad Argentina de Autores y Compositores und wurde 1988 als erster Lateinamerikaner zum Präsidenten der International Confederation of Authors and Composers Societies (CISAC) gewählt. Er starb 2010 in Monte Grande (Argentinien).

 

4.9. François BAZIN: 200. Geburtstag

Er studierte am Pariser Konservatorium und erhielt den Prix de Rome. Nach seiner Rückkehr aus Italien unterrichtete er am Konservatorium als Gesangslehrer, seit 1849 als Harmonie- und seit 1871 als Kompositionslehrer. Einer seiner Schüler war Charles Lecocq. Neben neun komischen Opern komponierte er ein Oratorium, eine Messe, Chöre und Lieder im romantischen Stil. Er starb 1878 in Paris.

 

5.9. Danilo MERLAK: 95. Geburtstag

Er erhielt seine Ausbildung zum Sänger bei E. de Filippi in Triest und bei E. Belucci in Bologna. 1942 debütierte er am Teatro Verdi Triest als Commendatore im »Don Giovanni«. 1947-48 war er am Theater von Split (Spalato), 1948-52 in Maribor (Marburg a. d. Drau) engagiert. 1952 wurde er an die Slowenische Nationaloper in Ljubljana (Laibach) verpflichtet, deren Mitglied er bis zu seinem Tod 1979 geblieben ist. Hier und bei Gastspielen (u.a. mit dem Ensemble von Ljubljana 1956 beim Holland Festival und an der Grand Opéra Paris) hörte man ihn in Partien wie dem Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, dem Wassermann in »Rusalka« von Dvorák, dem Gremin in Tschaikowskys »Eugen Onegin«, dem Mephisto im »Faust« von Gounod, dem König Philipp in Verdis »Don Carlos« und dem Zaccaria in dessen Oper »Nabucco«. Er gastierte auch an italienischen Theatern, u.a. 1961 in Genua.

Schallplatten: Philips (»L’Amour des trois oranges« von Prokofieff in der Partie des Leander, Aufnahme von 1957).

 

5.9. Hanna ALLIN: 100. Geburtstag

Sie war Schülerin der Pädagogen Kristine Lindemann, Margrete Ernst und Ingeborg Steffensen in Kopenhagen, dann von Maestro Rizzo in Neapel und von Elisabeth Rado in Wien. 1939 debütierte sie in einem Tivoli-Konzert in Kopenhagen. 1940 wurde sie Mitglied der Königlichen Oper von Kopenhagen, an der sie als Marguerite im »Faust« von Gounod debütierte und eine lange, erfolgreiche Karriere hatte. Sie sang hier Partien wie die Mimi in »La Bohème«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Agathe im »Freischütz« von Weber, die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Bess in »Porgy and Bess« von Gershwin, die Michal in »Saul og David« von C. Nielsen und weitere Aufgaben aus allen Bereichen der Opernliteratur. Auch als Konzertsopranistin erfolgreich. Sie starb 1962 in Gjentofte.

Aufnahmen auf dänischen Marken, zumeist Überspielungen von Rundfunksendungen.

 

5.9. Jolanda di MARIA-PETRIS: 100. Geburtstag

Jolanda-di-Maria-Petris

Sie erhielt ihre Ausbildung am Konservatorium von Bologna bei Arrigoni. Während der Spielzeit 1935-36 debütierte sie an der Oper von Rom als Margherita in »Mefistofele« von Boito. Sie hatte dann eine erfolgreiche Laufbahn an den großen italienischen Provinzbühnen. 1939 erfolgte in Rom ihr Konzertdebüt in Ravels »Scheherazade«. Der Erfolg war so groß, dass sie sich seitdem ganz auf den Konzertgesang spezialisierte. 1946 bereiste sie die skandinavischen Staaten, 1948 Nordamerika. Gegen Ende ihrer Karriere unternahm sie erfolgreiche Tourneen durch die DDR, wobei auf der Marke Eterna Aufnahmen ihrer Stimme entstanden. Außerdem sind aus dem Jahre 1946 Aufnahmen auf schwedischen HMV-Platten vorhanden. Sie starb im Februar 1987.

 

5.9. Giacomo MEYERBEER: 225. Geburtstag

Er wurde als Jakob Meyer Beer und Sohn des jüdischen Zuckerproduzenten und Bankiers Jacob Herz Beer (1769–1825) und der Amalie („Malka“) Beer, einer Tochter des Liepmann Meyer Wulff, in einem Reisewagen, mit dem seine Mutter von Berlin nach Frankfurt (Oder) unterwegs war, in Tasdorf geboren. Das Geburtshaus stand bis Januar 2013 und wurde dann abgerissen (bewohnt war es bis ca. 1990). Die Gedenktafel, die sich an diesem Haus befand, befindet sich jetzt in der Heimatstube der Gemeinde Rüdersdorf. Seine Brüder waren Wilhelm Beer (ein Geschäftsmann, der als Amateurastronom bekannt wurde) und Michael Beer (der als Schriftsteller bekannt wurde). Der dritte Bruder Heinrich Beer (1794–1842) war wohl das Sorgenkind der Familie und übte nie einen Beruf aus. Jakob wurde frühzeitig unter Leitung von Franz Seraphimus Lauska (1764–1825), zeitweilig auch von Muzio Clementi zum Pianisten ausgebildet und trat als solcher bereits im Alter von neun Jahren an die Öffentlichkeit. Seine späteren Kompositionsstudien leiteten der Kapellmeister B. A. Weber, Carl Friedrich Zelter und ab 1810 der Abbé Vogler in Darmstadt, wo Carl Maria von Weber sein Mitschüler war. Zu jener Zeit komponierte er kirchenmusikalische Werke verschiedener Art sowie eine Kantate: Gott und die Natur. Ab 1810 zog er die Namen Meyer und Beer zu einem Wort zusammen und nannte sich Meyerbeer. Im gleichen Jahr trat er der Gesellschaft der Freunde bei. Während der Studienzeit bei Zelter in Berlin war er auch Mitglied in der Sing-Akademie. Zur dramatischen Komposition übergehend, welcher er fortan seine Kräfte widmete, schrieb er die Oper Jephthas Gelübde, die in München unter mäßigem Beifall zur Aufführung kam. Anfang 1813 ging er nach Wien und widmete sich hier zehn Monate lang musikalischen Studien bei Antonio Salieri. Auch seine zweite Oper Wirt und Gast hatte sowohl in Stuttgart (Dirigent: Conradin Kreutzer) als auch in Wien mit Cathinka Buchwieser (bearbeitet als: Die beiden Kalifen) nur geringen Erfolg. Meyerbeer ging 1814 nach Paris und Ende 1815 auf Anraten Salieris nach Italien, wo er in dem neuen, durch Gioacchino Rossini begründeten Opernstil für die dortige Bühne eine Reihe von Opern schrieb. In Deutschland bekannt wurden Emma di Resburgo, Margherita d’Anjou und Il crociato in Egitto (Der Kreuzritter in Ägypten), ohne jedoch einen durchgreifenden Erfolg zu haben. Die übrigen waren: Romilda e Costanza, La Resmiramide riconosciuta, L’esule di Granada und Almansor. 1824 nach Paris zurückgekehrt, verband er sich mit dem Dramatiker Eugène Scribe, mit dem er zum Hauptvertreter der französischen Großen Oper des 19. Jahrhunderts wurde. Dieser Verbindung verdankte die Oper Robert le Diable (Robert der Teufel) ihre Entstehung, welche – 1831 uraufgeführt – in Frankreich mit einem bis dahin ganz unerhörten Beifall aufgenommen wurde und selbst die beiden gefeierten Meister jener Tage, Rossini und Auber, zeitweilig verdrängte. Das Sujet derselben ist in szenischer Hinsicht wirksam und bei genauer Kenntnis des Bühnenwesens mit außerordentlichem Geschick zusammengestellt. Die Musik steigert den Eindruck der Handlung; sie ist ungewöhnlich prägnant, melodiös ins Gehör fallend, sinnlich ansprechend und energisch erregend, oft charakteristisch und bezeichnend für die Situation, effektreich durch grelle, kontrastierende Instrumentalfarben. 1834 wurde Meyerbeer als auswärtiges Mitglied in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen. Sein nächstes großes Werk war die ebenfalls von Scribe gedichtete, Anfang 1835 vollendete, aber erst am 29. Februar 1836 aufgeführte Oper Les Huguenots (Die Hugenotten), welche an Reichtum der musikalischen Erfindung, dramatischer Wirksamkeit und geschicktem Einsatz aller der französischen großen Oper zu Gebote stehenden Kunstmittel Robert le Diable noch übertrifft und in Paris wie später in ganz Europa großes Aufsehen erregte. 1842 wurde Meyerbeer vom König von Preußen als Nachfolger Gaspare Spontinis zum Generalmusikdirektor der Berliner Oper ernannt, mit der Verpflichtung, vier Monate im Jahr zu dirigieren; doch trug die Stellung in Wahrheit fast den Charakter eines Ehrenamtes. Auf das damit verbundene Gehalt von 4000 Talern verzichtete Meyerbeer zu Gunsten der Kapelle. Meyerbeer erhielt den Orden Pour le Mérite. An Kompositionen folgten jetzt u. a. die Oper Ein Feldlager in Schlesien, zur Einweihung des Berliner Opernhauses geschrieben und 1844 zuerst aufgeführt; ferner die Musik zum Trauerspiel Struensee seines verstorbenen Bruders Michael Beer, sowie seine dritte große Oper Le prophète (Der Prophet), die 1849 in Paris uraufgeführt wurde und ab 1850 auch auf den größeren deutschen Bühnen die Runde machte. In ihr ist bei allem individuellem Reichtum der Charakteristik gegen Robert der Teufel und Die Hugenotten ein Sinken der musikalisch schöpferischen Kraft des Komponisten unverkennbar, während das Aufgebot szenischer Mittel ungewöhnlichster Art überwiegend in den Vordergrund tritt. Die letzten Arbeiten Meyerbeers, der von nun an abwechselnd in Berlin und Paris lebte, waren die Umarbeitung seines Feldlagers zu der für Paris bestimmten komischen Oper L’étoile du nord (Der Nordstern, 1854) und eine zweite, hinsichtlich Stilreinheit wie Erfindung weniger bedeutende komische Oper Dinorah, ou le pardon de Ploermel (Dinorah, 1859 uraufgeführt); ferner Gelegenheitsstücke, zu denen ihm Friedrich Schillers 100ster Geburtstag (Schillermarsch, 1859), die Krönung Wilhelms I. zum König von Preußen (Fackeltänze, 1861) und die Weltausstellung London 1862 (Festouvertüre) Anlässe boten. Während er in Paris die Aufführung seiner bereits 20 Jahre zuvor begonnenen, aber erst 1863/64 vollendeten vierten großen Oper L‘Africaine (Die Afrikanerin) vorbereitete, starb er plötzlich am 2. Mai 1864. Die Leiche wurde testamentarischer Bestimmung gemäß zur Bestattung auf dem jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee nach Berlin gebracht; in Paris wurde jedoch eine großartige Totenfeier veranstaltet. Ein Jahr später wurde die letztgenannte Oper in einer bearbeiteten und gekürzten Fassung unter der Leitung von Francois-Joseph Fétis in Paris mit großem Aufwand aufgeführt und fand die glänzendste Aufnahme. Meyerbeer war Mitglied der Freimaurerloge Les Frères Unis Inséparables in Paris. Giacomo Meyerbeer heiratete 1827 seine Cousine Minna Mosson (1804–84). Sie hatten fünf Kinder.

Die Opern Meyerbeers werden auch heute noch vereinzelt aufgeführt, ihre Anziehungskraft hat jedoch stark nachgelassen. Sie werden jedoch von Liebhabern geschätzt, namentlich Die Hugenotten, in denen die außerordentlichen Fähigkeiten des Komponisten, dramatische Wärme, gut geführte, weitausgreifende Melodien, die Kunst, wirksam für die Singstimmen zu schreiben, und farbenprächtige Instrumentalisierung zur Verdeutlichung der darzustellenden Charaktere und Situationen am entschiedensten hervortreten. Dazu kommt noch seine Befähigung, sich den Kunstgeist der Musiknationen Deutschland, Italien und Frankreich anzueignen und zu einem eigenartigen Neuen zu verschmelzen, wie es die französische große Oper verlangt, deren wesentliches Merkmal eben jener Eklektizismus bildet. Gerade in den letzten Jahren wurde wiederholt aufgezeigt, wie eminent die Bedeutung Meyerbeers für die Weiterentwicklung der Großen Oper gewesen ist. Auch durch seine Publikumserfolge und seine romantische Auffassung von der Oper übten seine Werke einen starken Einfluss auf Hector Berlioz und den jungen Richard Wagner aus (deutlich zu erkennen in Rienzi und Tannhäuser). Wagner stufte Meyerbeers Werk später jedoch als nur auf äußerlichen Effekt bedacht („Wirkung ohne Ursache“) geringer ein, obwohl es Meyerbeer war, der Wagner bei der Entstehung des Rienzi unterstützt hatte. Wagners antisemitisches Pamphlet „Das Judenthum in der Musik“ zielte (neben Mendelssohn Bartholdy) auf Meyerbeer. Spott und Kritik erfuhr Meyerbeers musikalischer Stil aber auch von Heinrich Heine, Robert Schumann und Hector Berlioz. Letzterer schrieb über ihn: „Ich kann hier meinem musikalischen Glauben … nicht abschwören, einem Glauben, … dessen Apostel Gluck, Spontini, Mozart, Beethoven, Rossini (in Wilhelm Tell und der Barbier von Sevilla), Weber, Grétry, Méhul und so viele andere große Meister waren. Diese Abirrungen in der theatralischen Musik sind mir immer als die abscheulichsten Ketzereien vorgekommen und flößen mir tiefen Widerwillen ein.“

Meyerbeer hinterließ ein fürstliches Vermögen, welches er, wie schon bei Lebzeiten so auch testamentarisch, zu freigebiger Unterstützung unbemittelter Kunstgenossen verwendete. In seinem Testament setzte Meyerbeer ein Legat von 10.000 Reichstalern aus (Meyerbeer-Stiftung), dessen Zinsen alle zwei Jahre an junge deutsche Komponisten zum Zweck eines Studienaufenthalts von je sechs Monaten in Italien, Paris, Wien, München und Dresden vergeben wurden. Zur Bewerbung um das Stipendium waren nur die Schüler der Königlichen Hochschule für Musik (Abteilung für Komposition), des Stern’schen Konservatoriums, der Kullakschen Akademie in Berlin und die des Kölner Konservatoriums berechtigt. Die Bewerbung erfolgte durch die Komposition einer achtstimmigen doppelchörigen Vokalfuge, einer Ouvertüre für großes Orchester und einer dreistimmigen dramatischen Kantate mit Orchester. Der größte Teil des schriftlichen Nachlasses von Giacomo Meyerbeer befindet sich in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Einiges befand sich bis 1987 noch im Staatlichen Institut für Musikforschung. Was bis dahin bereits im Besitz der Staatsbibliothek war, kehrte zum Großteil nicht aus kriegsbedingter Verlagerung zurück. Knapp dreißig Bände davon lagern gegenwärtig in der Biblioteka Jagiellonska in Kraków, der Rest gilt als verschollen bzw. verloren. Die Bibliothèque national de France hält ebenfalls etliche Autographe.

 

5.9. Luigi BASSI: 250. Geburtstag

Luigi_Bassi_als_Don_Giovanni

Er sang bereits 1779 als Knabensopran in Pesaro in der Oper »Il curioso indiscreto« von Anfossi. Er war zunächst Schüler von Pietro Morandi in Senegallia. Er ging dann zur weiteren Ausbildung nach Florenz und studierte dort bei dem Pädagogen Pietro Laschi. Der Impresario Domenico Guardasoni vermittelte 1784 ein Engagement des Künstlers an das Ständetheater (Nostické divadlo) von Prag. Dort hatte er aufsehenerregende Erfolge in den Opern »Il Re Teodoro« und »Il Barbiere di Siviglia« von Paisiello, in Cimarosas »L’Italiana in Londra« sowie in »Una Cosa rara« von Vicente Martín y Soler. 1786 hörte Mozart ihn in der Prager Erstaufführung von »Le nozze di Figaro« in der Partie des Grafen Almaviva. Der Meister war von der Leistung des jungen Sängers so begeistert, dass er die Titelrolle in seinem »Don Giovanni« im Hinblick auf dessen Stimme, einen hell timbrierten, hohen Bariton, schrieb. Am 29.10.1787 sang Luigi Bassi dann den Don Giovanni in der Prager Uraufführung dieser Oper im dortigen Ständetheater; er begeisterte dabei das Publikum auch durch seine mitreißende Darstellungskunst. (Er soll Mozart veranlasst haben, fünfmal das Duettino »Là ci darem la mano« geändert zu haben). 1793 sang er in Leipzig den Papageno in der »Zauberflöte« (in italienischer Sprache!). Bis 1806 wirkte der Künstler in Prag, wo er sehr beliebt war. Er trat später auch in weiteren Mozart-Partien auf, als Guglielmo in »Così fan tutte«, als Masetto im »Don Giovanni« und auch als Papageno in der »Zauberflöte«. Er ging 1806 nach Wien und trat dort in den Dienst des Fürsten Lobkowitz. 1814 kam er nochmals für eine Saison nach Prag, ging dann aber 1815 nach Dresden. Er sang zu Beginn seines Dresdner Engagements in den Opern »Axur« von A. Salieri und »Amor Mariano« von J. Weigl und trat dort auch als Don Giovanni auf, 1816 in der Uraufführung der Oper »Il Barbiere di Siviglia« von Francesco Morlacchi und nochmals als Graf in »Figaros Hochzeit«, 1817 als Guglielmo. Den Don Giovanni sang er gegen Ende seiner Karriere nicht mehr, dafür aber (wenig erfolgreich) den Masetto. Da seine Stimme dann deutlich nachließ, wurde er Regisseur an der Italienischen Oper in Dresden. Hier setzte er sich für den jungen Carl Maria von Weber ein, den er aus seiner Prager Zeit kannte. Er unterstützte Weber vor allen Dingen in seinen Auseinandersetzungen mit dem Dresdner Kapellmeister Francesco Morlacchi. Beethoven, der den berühmten Sänger 1824 und 1825 in Wien traf, erinnert sich in seinen Aufzeichnungen an ihn als »il focoso Italiano«. Luigi Bassi blieb bis zu seinem Tod 1825 der Dresdner Oper verbunden.

Lit: T. Mantovani: Luigi Bassi ed il »Don Giovanni« di Mozart (cale III, 3).

 

6.9. Arthur OLDHAM: 90. Geburtstag

 Biographie des englischen Komponisten und Chorleiters auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_Oldham

 

6.9. John Charles THOMAS: 125. Geburtstag

John Charles THOMAS

Sein Vater war ein Methodistengeistlicher. Er bereitete sich auf den Beruf des Arztes am Mount Street College in Baltimore vor und studierte dann Gesang am Peabody Conservatory Boston und bei Adelin Fermin in New York. Zuerst war er seit 1915 als Operettensänger am New Yorker Broadway tätig, wo er namentlich in dem Musical »Apple Blossoms« erfolgreich war und bald einer der beliebtesten Künstler auf diesem Gebiet wurde. Er strebte jedoch eine Laufbahn als Opern- und Konzertsänger an. 1918 Konzert-Debüt in der New Yorker Aeolian Hall. 1922 kam er nach Europa und studierte nochmals in Paris bei dem berühmten Tenor Jean de Reszke. 1924 sang er in Washington den Amonasro in »Aida«. Er wurde nach einem Konzert in Brüssel sogleich an das Théâtre de la Monnaie Brüssel verpflichtet, an dem er 1925-28 mit großen Erfolgen auftrat. Er sang hier zuerst den Hérode in Massenets »Hérodiade«, dann den Amonasro, den Hamlet von A. Thomas, den Escamillo in »Carmen« und den Zurga in »Les pêcheurs de perles« von Bizet. Am 7.5.1926 sang er hier in der Uraufführung der Oper »Les malheurs d’Orphée« von Darius Milhaud. Seine erste Partie an der Covent Garden Oper London war 1928 der Valentin im »Faust« von Gounod, gefolgt vom Amonasro. 1928 kehrte er nach Amerika zurück, gab dort zuerst Konzerte und gastierte an den Opern von Philadelphia, San Francisco (1930 als Valentin, als Tonio im »Bajazzo«, als Jochanaan in »Salome« von R. Strauss und als Wolfram im »Tannhäuser«; 1943 nochmals als Tonio und als Rigoletto) und Chicago, an der er 1930-42 auftrat (Debüt als Tonio). 1934 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Germont-père in »La Traviata«), deren Mitglied er bis 1943 blieb. In dieser Zeit sang er dort in neun Spielzeiten Partien wie den Tonio, den Scarpia in »Tosca«, den Amonasro, den Rigoletto, den Figaro im »Barbier von Sevilla«, den Athanaël in »Thaïs« von Massenet (mit Helen Jepson in der Titelrolle), den Renato in Verdis »Un ballo in maschera« und den Valentin. Er wurde durch Gastspiele und Konzertreisen international bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab er zahlreiche Konzerte und Liederabende in Nordamerika, England, Deutschland, Frankreich und Italien. 1950 unternahm er eine Tournee durch Australien; zuletzt lebte er als Pädagoge in Los Angeles; er war auch Manager eines Radiosenders in Apple Valley und trat noch gelegentlich in Operetten auf, auch in Filmen. Er starb 1960 in Apple Valley (Kalifornien). – Baritonstimme von üppiger Tonfülle und ergreifender Ausdrucksintensität, zumal im italienischen Repertoire hervorgetreten.

Schallplatten der Marken Vocalion (1917-20, zumeist Ausschnitte aus Musicals), Brunswick und RCA (seit 1934), eine unveröffentlichte Edison-Platte. Sang auf HRE in einer vollständigen Aufnahme des »Faust« von Gounod den Valentin, auf UORG den Figaro im »Barbier von Sevilla« (Metropolitan Oper, 1938).

 

7.9. Peter LAGGER: 90. Geburtstag

Peter LAGGER

Seine Familie stammte väterlicherseits aus Italien, mütterlicherseits aus Russland. Zuerst studierte er am Konservatorium von Zürich, dann in Wien bei Seehofer Klavierspiel. Er ließ schließlich aber seine Stimme in Wien, u.a. bei Hans Duhan, ausbilden. Er wurde auch durch Marko Rothmüller und durch Sylvia Gähwiller ausgebildet. Er begann seine Karriere 1953 in Graz, sang 1955-57 am Opernhaus von Zürich, 1957-59 am Staatstheater Wiesbaden und 1959-63 am Opernhaus von Frankfurt a.M., seitdem bis zu seinem Tod 1979 an der Deutschen Oper Berlin. Hier kam er bald zu einer großen, dann auch internationalen Karriere. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1963-64 den Bartolo in »Le nozze di Figaro«, 1964 auch den Banquo in »Macbeth« von Verdi; am 6.8.1966 wirkte er bei den gleichen Festspielen in der Uraufführung der Oper »Die Bassariden« von H.W. Henze (als Kadmos) mit sowie am 17.8.1974 in der Uraufführung des Magnificat von K. Penderecki. Er trat als Gast an der Staatsoper Wien (1967 als Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, 1979 als Sarastro in der »Zauberflöte« und als Kaspar im »Freischütz«), in München, Paris, Lyon, Rio de Janeiro, Warschau, Neapel, Madrid und Genf (1961 als Landgraf im »Tannhäuser«,  1965 und 1971 als Sarastro, 1967 als Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1968 als Hunding in der »Walküre«, 1969 als Hagen in der »Götterdämmerung« und 1972 als Daniel in einer szenischen Aufführung von Händels »Belshazzar«) auf und war seit 1972 durch einen Gastvertrag der Hamburger Staatsoper verbunden. Er gastierte auch in Washington (1974), Parma, Triest und Lissabon. Er trat beim Edinburgh Festival 1972 als Konzertsolist sowie 1973-74 als Commendatore im »Don Giovanni« auf. Er sang auch bei den Festspielen von Glyndebourne (1957 als Herr Frank in Mozarts »Schauspieldirektor«, als Truffaldin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und als Gouverneur in Rossinis »Le Comte Ory«), Aix-en-Provence und Luzern. 1967 übernahm er in Berlin erstmalig den Boris Godunow, seither ein besonderer Höhepunkt in seinem umfassenden Repertoire für die Bühne. 1982 wirkte er in Frankfurt a.M. in der Uraufführung der Oper »Alkestiade« von Louise Talma mit. Aus seinem Repertoire seien noch der Daland in »Der fliegende Holländert«, der Crespel in »Hoffmanns Erzählungen« und der Warlaam im »Boris Godunow« genannt. Er nahm am Opernhaus von Zürich in der Spielzeit 1955-56 an der Schweizer Erstaufführung der Oper »Peer Gynt« von W. Egk (als Schnapper) teil. Neben seiner Karriere als Opernbassist entfaltete er eine zweite, ebenso erfolgreiche Karriere im Konzertsaal. Hier trug er in meisterhafter Interpretation Werke von J.S. Bach bis hin zu modernen Komponisten vor. Sein Bruder kam unter dem Namen Alexander Malta (* 1942) ebenfalls zu einer großen Karriere als Bass-Bariton, vor allem an den Opernhäusern von München und Stuttgart.

Schallplatten: Decca, Philips (Russische Volkslieder; englische und deutsche Volkslieder sowie Lieder von Schubert), Columbia (»Der Mond« von Carl Orff), DGG (»Le nozze di Figaro«, »Die Meistersinger von Nürnberg«, Te Deum von A. Bruckner), Eurodisc (»Fidelio«), Philips-RCA (»Utrenja« von Penderecki), HMV-Electrola (»Don Giovanni«), Orfeo (»Macbeth« von Verdi), Westminster (Matthäuspassion), Disco-Jecklin (Requiem von Frank Martin), Myto (Alvise in »La Gioconda« von Ponchielli), GAM (»Le Prophète« von Meyerbeer); Topaz-Video (»Eugen Onegin«).

 

7.9. Bertha PESTER-PROSKY: 150. Geburtstag

Bertha PESTER-PROSKY

Nach ihrem Studium bei M. Dessoff debütierte sie 1884 am Stadttheater von Würzburg als Soubrette und hatte dann 1886-89 erste Erfolge als Operettensängerin am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater Berlin. Sie setzte ihre Ausbildung bei Frau Elisabeth Dreyschock in Berlin fort, die sie zur dramatischen Sopranistin umschulte. Als solche kam sie 1890 an das Stadttheater von Halle (Saale). 1891-95 war sie am Stadttheater von Zürich tätig, 1895 kam sie an das Opernhaus von Köln, wo sie den Höhepunkt ihrer Karriere erreichte und bis 1902 engagiert blieb. Seitdem gab sie nur noch Gastspiele. 1899 gastierte sie an der Berliner Hofoper als Isolde in »Tristan und Isolde«, wo sie 1907-08 nochmals auftrat, 1901 an der Wiener Hofoper als Aida und als Senta in »Der fliegende Holländer«, weiter an den Hoftheatern von Hannover (1890-1907), Wiesbaden (ständig seit 1890), Karlsruhe (seit 1904), Mannheim (1900-1902) und Stuttgart (1905), in Frankfurt a.M. (1895, 1902), Breslau (1905) und Bremen (1903, 1905). Sie gastierte u.a. 1900 nochmals am Stadttheater von Zürich, 1904-06 am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg. Sie galt als große Wagner-Interpretin in Partien wie der Elisabeth im »Tannhäuser«, der Ortrud im »Lohengrin« und der Brünnhilde. Ihre weiteren großen Rollen waren die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Leonore im »Fidelio«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Norma, die Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer, die Rachel in »La Juive« von Halévy, die Milada in Smetanas »Dalibor«, die Amelia in Verdis »Maskenball«, die Rezia im »Oberon« von Weber, die Titelrolle in »Jessonda« von Louis Spohr, die Sulamith in Karl Goldmarks »Die Königin von Saba«, die Didon in »Les Troyens« von Berlioz und die Ingwelde in der gleichnamigen Oper von Max von Schillings. Sie setzte ihre Gastspiele bis 1914 fort. Später lebte sie unter sehr dürftigen Verhältnissen als Pädagogin in Köln. Sie starb 1922 in Krefeld. Seit 1894 war sie mit dem Harfenvirtuosen Reinhold Pester (1870-1928) verheiratet, der 1906 Direktor des Stadttheaters von Krefeld wurde.

Von ihrer Stimme existieren vier ebenso seltene wie schöne Schallplattenaufnahmen auf G & T (Köln, 1907).

 

8.9. Hans Ulrich ENGELMANN: 95. Geburtstag

Obwohl Engelmann für die Nationalsozialisten „Halbjude“ war, konnte er in seiner Heimatstadt Darmstadt das Abitur ablegen, wurde dann aber als Arbeiter in einem Darmstädter Rüstungsbetrieb zwangsverpflichtet. Sein Vater, der Ingenieur Rudolf Engelmann, protestantisch getauft und Offizier im Ersten Weltkrieg, kam im April 1945 im Ghetto Theresienstadt zu Tode. Nach Ende des 2. Weltkriegs studierte Hans Ulrich Engelmann zunächst Architektur und erhielt ab 1946 privaten Kompositionsunterricht bei Hermann Heiß. Er besuchte die neu gegründeten Darmstädter Ferienkurse, wo er auf den Archivlisten des Internationalen Musikinstituts Darmstadt als Student Nr. 1 der Ferienkurse 1946 vermerkt ist und ihn in den Folgejahren vor allem die Zwölftonmusik-Kurse von René Leibowitz (1948) und Ernst Krenek (1951) beeinflussten. Ab 1947 studierte er Musikwissenschaft (Friedrich Gennrich, Helmuth Osthoff) und Philosophie (Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Hans-Georg Gadamer) sowie Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte in Frankfurt und nahm Kompositionsunterricht bei Wolfgang Fortner. 1952 folgte die Promotion über Béla Bartóks Mikrokosmos. Nach Heirat und einjährigem Island-Aufenthalt war Engelmann an mehreren deutschen Theatern als Dramaturg, Schauspielkomponist und Regieassistent tätig. Als Dozent wirkte er bei den Musiktagen in Bilthoven und den Ferienkursen in Darmstadt. Ab 1969 Lehrauftrag für Komposition in Frankfurt, wo er 1969-86 als Ordentlicher Professor unterrichtete. Gastprofessuren in Gent, Offenbach am Main, Tel Aviv-Jaffa und Jerusalem. Kompositionskurse in Moskau und Vilnius (1985) sowie an der Columbia University (1995). Engelmann erhielt Stipendien der Harvard University (1949) und der Villa Massimo Rom (1960, 1967, 1983) und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Seit 1995 war Engelmann Vorsitzender des Werkausschusses der GEMA. 2006 wurde Engelmann (nach Gründler, Resch und Leopolder) als viertem die Ehrensenatorwürde der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main verliehen. Er starb im Januar 2011 in Darmstadt.

 

8.9. Antonín DVOŘÁK: 175. Geburtstag

František Dvořák, der Vater,  (1814–94) betrieb eine Gaststätte und einen Metzgerladen, den er von seinem Vater geerbt hatte. In späteren Jahren gab sein Vater die Metzgerei auf und verdiente seinen Lebensunterhalt als Zitherspieler. Antonín wurde die Musik in die Wiege gelegt, so waren in der Familie des Vaters auch zwei Onkel Berufsmusiker, sie arbeiteten als Trompeter und Violinist. Die Mutter Anna, geb. Zdeňková, war die Tochter des Verwalters von Fürst Lobkowitz. Die beiden hatten am 17. November 1840, ein Jahr vor Antoníns Geburt, geheiratet, und Antonín war das erste von neun Kindern dieser Ehe. Mit sechs Jahren ging er in die Schule von Nelahozeves (Mühlhausen) und bekam dort von seinem Lehrer, Joseph Spitz, zum ersten Mal Geigenunterricht. 1853 siedelte er nach Zlonice (Slonitz) über, um dort Deutsch zu lernen, ohne welches man in Böhmen damals nicht auskam. Beim dortigen Kantor Anton Liehmann lernte er zudem Klavier und Orgel. Während dieser Zeit spielte Dvořák gelegentlich aushilfsweise Orgel, wirkte in der Kapelle seines Lehrers mit und fing an zu komponieren. Obwohl sein Lehrer nach Aussage Dvořáks streng und jähzornig war, schätzte der Schüler ihn sehr. In der Oper Der Jakobiner setzte er ihm ein Denkmal.

Entgegen einer lange verbreiteten und durch einen gefälschten Gesellenbrief gestützten Legende gibt es keine Anzeichen dafür, dass Dvořáks Eltern ihn ins Metzgerhandwerk drängen wollten oder dass er eine Ausbildung in dieser Richtung anfing. Im Herbst 1856 ging Dvořák nach Ceska Kamenice (Böhmisch-Kamnitz), vermutlich um seine Deutschkenntnisse aufzubessern und sich für die deutschsprachige Prager Orgelschule vorzubereiten. Ab Oktober 1857 besuchte er zwei Jahre lang die Orgelschule, daneben die deutsche Fortbildungsschule des Franziskanerklosters zu Maria Schnee, und trat gleichzeitig als Bratschist in das zweimal jährlich auftretende Orchester des Cäcilienvereins unter Leitung von Anton Apt ein. 1859 absolvierte er als Zweitbester die Orgelschule. Da Dvořáks Versuche, eine Stelle als Organist zu erlangen, scheiterten, arbeitete er ab Sommer 1859 als Bratschist im privaten Orchester von Karl Komzák, das in Kaffeehäusern und auf öffentlichen Plätzen Potpourris, Ouvertüren und Tänze spielten. Dieses Leben als Musiker zog sich über elf Jahre hin, ohne dass Dvořák mit eigenen Kompositionen an die Öffentlichkeit ging. Diejenigen, die ihm nicht gefielen, verbrannte er sogar. Nach den überlieferten Werken zu urteilen, scheint er jedoch autodidaktisch seinen Kompositionsstil fast planmäßig weiterentwickelt zu haben, angefangen bei Mozart über Mendelssohn und Schumann bis zu Wagner am Ende der 1870er Jahre. In den musikalischen Formen lag der Schwerpunkt zunächst beim Streichquartett. Ab 1862 spielte Komzáks Kapelle auch im neueröffneten Prager Interimstheater, das 1865 vollständig in dem Opernorchester aufging und in dem Dvořák als Erster Bratschist tätig war. Das Interimstheater war – bis zum Bau des Nationaltheaters – das erste Theater, in dem sich national geprägte tschechische Opern und Schauspiele entwickeln konnten. Eine wichtige Rolle in diesem Umfeld spielte Bedrich Smetana, dessen Opern Die Brandenburger in Böhmen und Die verkaufte Braut 1866 uraufgeführt wurden. Ab 1865 erteilte Dvořák neben seiner Arbeit am Theater Klavierunterricht. Zu seinen Schülerinnen gehörten die Schwestern Josefina und Anna Čermáková. In die sechzehnjährige Josefina verliebte er sich unglücklich, die zu der Zeit elfjährige Anna heiratete er acht Jahre später, am 17. November 1873. 1870 schrieb Dvořák seine erste Oper Alfred auf ein deutschsprachiges Libretto von Theodor Körner, die aber zu seinen Lebzeiten nie aufgeführt wurde und wohl eher ein Übungsstück darstellte. Das erste für die Öffentlichkeit bestimmte Werk war die Oper Der König und der Köhler auf ein Libretto in tschechischer Sprache von Bernhard J. Lobeský. Um mehr Zeit für das Komponieren zu haben, gab er im Juli 1871 seine Stelle als Orchestermusiker auf. Gleichzeitig mit der Komposition führte er im Laufe der Jahre 1871-73 Lieder, kammermusikalische Werke und den Hymnus Die Erben des Weißen Berges für Chor und Orchester auf, die gut bis enthusiastisch aufgenommen wurden. Mit dem letztgenannten patriotischen Werk gelang ihm der Durchbruch. Allein mit seiner Oper Der König und der Köhler hatte er weniger Glück. Die 1873 am Interimstheater aufgenommenen Proben wurden bald abgebrochen, weil das Werk als zu schwierig und unsingbar erachtet wurde. Dvořák überdachte daraufhin seinen Kompositionsstil und wandte sich von der Neudeutschen Schule ab. Seine Oper schrieb er neu und führte sie im November 1874 erfolgreich auf. Im selben Jahr begann Dvořák an einer privaten Musikschule zu unterrichten und trat im Februar eine Organistenstelle an, die er bis Februar 1877 behielt. In den Jahren 1874-77 wurde dem Komponisten jährlich ein staatliches Stipendium verliehen. Mitglied der begutachtenden Kommission war Eduard Hanslick, später auch Johannes Brahms. Dieser verhalf Dvořák 1877 schließlich zu seinem endgültigen Durchbruch, indem er sich bei seinem Verleger Fritz Simrock (1838–1901) für die Veröffentlichung der Klänge aus Mähren, einer Sammlung von Duetten, einsetzte. Gleichzeitig war dies der Beginn einer lebenslangen Freundschaft zwischen den beiden Komponisten. 1884 unternahm Dvořák auf Einladung der Philharmonic Society die erste von mehreren Reisen nach London. Dort führte er sein Stabat Mater (1880) auf. Als Auftragswerke für Birmingham bzw. Leeds entstanden in diesem und dem folgenden Jahr die Oratorien Die Geisterbraut nach einer Ballade von Karel Jaromir Erben und Die Heilige Ludmilla, das erste große tschechischsprachige Oratorium. Nach der ersten Londonreise erwarb Dvořák eine Sommerresidenz in Vysoká bei Príbram, wo er fernab der Stadt seiner Liebe zur Natur entsprechend leben konnte. Auch in seiner öffentlichen Tätigkeit lässt sich ab 1887 eine ruhigere Phase ausmachen, in der er weniger Aufträge annahm, ältere Werke überarbeitete und die Oper Die Jakobiner komponierte. Anfang 1889 unternahm Dvořák auf Einladung der kaiserlich-russischen Musikgesellschaft eine Konzertreise nach Moskau und St. Petersburg. Nach einem weiteren Besuch in London kehrte er nach Prag zurück, wo ihm die Ehrendoktorwürde der Karlsuniversität verliehen wurde. Im Oktober 1890 nahm er schließlich eine Stelle als Professor am Prager Konservatorium an, die ihm schon im Januar 1889 angeboten worden war, die er zunächst wegen der anderen Verpflichtungen ausgeschlagen hatte. 1891 wurde ihm vom Kaiser in Wien der Orden der Eisernen Krone der III. Klasse verliehen, er wurde Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Prag und bekam die Ehrendoktorwürden der tschechischen Universität in Prag und der University of Cambridge. Im September 1892 trat Dvořák eine Stelle als Direktor des National Conservatory of Music in New York an. Die Stelle war mit 15.000 Dollar jährlich dotiert und damals ein attraktives finanzielles Angebot für Dvořák, wenn er auch für diesen langen Aufenthalt eine Lösung für seine Familie finden musste. Seine Frau, seine Tochter Otilie und sein Sohn Antonín begleiteten ihn. Die anderen vier Kinder kamen nur für die Sommermonate 1893 in die USA, die die Familie in dem tschechisch geprägten Spillville in Iowa verbrachte.

Initiatorin des Angebots war die Präsidentin Jeannette Thurber, die von der Idee geleitet wurde, Amerika von der Vorherrschaft der europäischen Kunstmusik zu lösen und ein nationales amerikanisches Kunstidiom zu fördern. Dvořák ließ sich von dieser Idee begeistern und studierte Spirituals der schwarzen Plantagenarbeiter und Indianermelodien, in denen er die Grundlage für eine charakteristisch amerikanische Musik sah. Den Wurzeln der amerikanischen Kultur Rechnung tragend, sind die Themen in der Regel aber klassisch-periodisch gebaut und nehmen zuweilen den Volksliedton auf, der für Dvořáks böhmische Heimat so charakteristisch ist. Die so genannten Amerikanismen beschränken sich auf wenige Details. Für New York schrieb Dvořák einige seiner bekanntesten Werke: Die Sinfonie Nr. 9 (Aus der Neuen Welt), das Te Deum und das Streichquartett op. 96, das oft als Amerikanisches Streichquartett bezeichnet wird. Hier zeigte sich der Einfluss des Landes in bestimmten Eigenarten der Komposition wie Pentatonik, einem erniedrigten Leitton, dem Scotch snap und der Synkopierung. Zu Dvořáks Hauptaufgaben am Konservatorium zählte der Kompositionsunterricht, bei dem unter anderem Rubin Goldmark sein Schüler war. Offiziell war Dvořáks Vertrag zunächst für zwei Jahre abgeschlossen, dann um zwei Jahre verlängert worden. Jedoch reiste er schon im April 1895 wieder nach Hause. Ein Grund dafür mag die finanzielle Lage seiner Mäzenin Thurber gewesen sein, die sich durch die Wirtschaftskrise dramatisch verschlechtert hatte, so dass er mehrmals auf sein Gehalt warten musste. Er selbst führte aber im Wesentlichen seine Kinder an, um deren Obhut in Prag er besorgt war und von denen seine Frau nicht getrennt sein wollte. So verbrachte Dvořák zunächst einige ruhige Monate in Vysoká, um im November wieder seine Tätigkeit am Prager Konservatorium aufzunehmen. Er erwog kurze Zeit einen Umzug nach Wien, wo er am Konservatorium eine Stelle hätte bekommen können, entschied sich dann aber dagegen. In dieser Zeit entstanden seine letzten Streichquartette. Die Honorare aus Amerika ermöglichten Dvořák den Erwerb eines Palais an der Kateřinská in der Prager Neustadt, dem er den Namen „Villa Amerika“ gab. Dort befindet sich heute das Dvořák-Museum. Das Jahr 1896 markiert Dvořáks Abkehr von der absoluten Musik. Er hatte zwar schon vorher Werke geschrieben, die man als Programmmusik bezeichnen konnte, so vor allem 1889 die Poetischen Stimmungsbilder für Klavier, die er als „Programmusik, aber im Sinne Schumanns“ bezeichnete, oder das Dumky-Trio (ein Klaviertrio) im selben Jahr. Doch nun wandte er sich direkt der sinfonischen Dichtung zu, eine Gattung, die im Streit um die Neudeutsche Schule um Franz Liszt und Wagner eine wichtige Rolle gespielt hatte. Innerhalb eines Jahres schrieb er den Wassermann, die Mittagshexe, das Goldene Spinnrad und Die Waldtaube, alle nach Balladen aus der Sammlung Kytice des tschechischen Dichters Karel Jaromír Erben. Zusammenfassungen der jeweiligen Handlung gab er den Hörern in Prosaform mit. Dazu kam noch im nächsten Jahr das Heldenlied, dessen Programm er nicht explizit veröffentlichte, das er aber in einem Brief erklärte. Dvořák hatte nun mit seinem Kammermusik- und Orchesterschaffen abgeschlossen. In seinen letzten Jahren komponierte er nur noch Opern: 1898 Die Teufelskäthe (Čert a Káča), 1900 Rusalka, eine Geschichte, die der Kleinen Meerjungfrau ähnelt, und 1902/03 Armida. Während der Uraufführung der Armida musste Dvořák aufgrund plötzlichen Unwohlseins das Theater verlassen. Er litt an einer schmerzhaften Lebererkrankung und Zerebralsklerose trat hinzu. Er starb am 1. Mai 1904 im Kreis seiner Familie an einem Schlaganfall. Viele Tausende begleiteten den Trauerzug. Dvořáks Grab befindet sich auf dem Vysehrader Friedhof, auf dem zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten der tschechischen Nation ihre letzte Ruhe fanden.

In seinem Werk verbindet Dvořák Einflüsse von Klassik und Romantik mit Elementen der Volksmusik. Sein persönlicher Stil ist insgesamt viel mehr von Neuorientierungen als durch eine lineare Entwicklung geprägt. Während er sich in seinen frühen Jahren an Mozart und Beethoven orientierte, suchte er erst 1873 seinen eigenen nationalen Stil. Die zwei darauffolgenden slawischen Schaffensperioden (1876–81 und 1886–91) waren nun nicht mehr klassisch, sondern tschechisch-folkloristisch geprägt. In den in Amerika entstandenen Werken versuchte er das typisch amerikanische Kolorit einzufangen und wandte sich gegen Ende seines Lebens schließlich verstärkt der Programmmusik und Opern zu. Zu seinen Hauptwerken gehören seine neun Sinfonien, darunter am bekanntesten die Sinfonie Nr. 9 Aus der Neuen Welt, das Cellokonzert H-Moll op. 104, Oratorien mit großer Suggestivkraft wie das Stabat Mater und das Requiem, zahlreiche Kammermusikwerke, die sechzehn slawischen Tänze und die Oper Rusalka. Bis in die 1970er-Jahre wurden die ersten vier Sinfonien nicht gezählt. Dementsprechend hatte damals beispielsweise die Sinfonie Aus der Neuen Welt die Zählung 5. Sinfonie. Mit Dvořáks vielseitigem Werk fand das tschechische Musikschaffen seine unverwechselbare nationale Identität. Was Bedrich Smetana mit den nationalen Stoffen und folkloristischen Zügen einiger seiner Opern und mit seinem Zyklus Mein Vaterland eingeleitet hatte, führte Dvořák zu einem Höhepunkt. Unbeirrt von ideologischen Strömungen ging er seinen eigenen Weg und ließ es sich nicht nehmen, in gleicher Weise Wagner und Brahms zu bewundern. Heimatliebe, Naturverbundenheit, tiefe Religiosität, aber ebenso berauschende Lebensfreude kommen in Dvořáks Werk zum Ausdruck, der einige Misserfolge durchzustehen hatte, bis durch die Empfehlung von Brahms seine Slawischen Tänze im Druck erschienen und die Musikwelt auf ihn aufmerksam wurde. Nachdem zunächst nur wenige seiner Werke im internationalen Musikbetrieb Fuß gefasst hatten, änderte sich dies unter anderem durch die Gesamteinspielung seiner Sinfonien durch István Kertész.

 

10.9. Christopher HOGWOOD: 75. Geburtstag

Er studierte Musik am Pembroke College in Cambridge. Er war Schüler von Raymond Leppard und Stanley Thurston, Rafael Puyana und Gustav Leonhardt. Nach einem einjährigen Stipendium in Prag wurde er Cembalist des Early Music Consort in London, einem Ensemble, das mit großem Erfolg auch Musik der Renaissance zur Aufführung brachte. 1973 gründete er die Academy of Ancient Music, ein Orchester, das sich besonders um die historische Aufführungspraxis verdient macht. Seit 1981 dirigierte er große Orchester in den USA und leitete dort Opernaufführungen. Im Jahre 1992 wurde er Professor für Alte Musik an der Royal Academy of Music in London. Hogwood schrieb mehrere Bücher, so etwa einen grundlegenden musikalischen Führer über die Triosonate und eine Biographie von Georg Friedrich Händel. Hogwood starb 2014 in Cambridge. Kurz vor seinem Tode trennte er sich von seinem Civil PArtner, dem englischen Filmregisseur Anthony Fabian.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.hogwood.org/

 

10.9. Beatriz AZNAR: 85. Geburtstag

Biographie der mexikanischen Sopranistin auf Spanisch: http://www.poresto.net/ver_nota.php?zona=yucatan&idSeccion=1&idTitulo=202271

 

10.9. Zdzisław NIKODEM: 85. Geburtstag

 Biographie des polnischen Tenors auf Polnisch: https://pl.wikipedia.org/wiki/Zdzis%C5%82aw_Nikodem

 

10.9. Barbara TROXELL: 100. Geburtstag

Barbara TROXELL

 Sie studierte in ihrer amerikanischen Heimat am Curtis Institute of Music bei der berühmten Sopranistin Elisabeth Schumann. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sie in Nordamerika wie auch in Europa, namentlich in Westdeutschland, eine erfolgreiche Bühnen- und Konzertlaufbahn. In der Saison 1950-51 war sie an der New Yorker Metropolitan Oper engagiert (Debüt als Ines im »Troubadour«); hier sang sie in insgesamt 17 Vorstellungen außerdem noch eine der adeligen Waisen im »Rosenkavalier« von R. Strauss. Auf der Bühne war sie als Vertreterin des lyrischen Stimmfachs angesehen; als Konzertsängerin trat sie in einem reichhaltigen Repertoire auf; dazu Tätigkeit im pädagogischen Bereich. Sie starb 1984 in Ithaka (New York).

Schallplattenaufnahmen unter dem Etikett von Allegro Royale.

 

10.9. David KLEIN: 200. Geburtstag

 Er sang nacheinander am Stadttheater von Mainz (1843-47), am Theater von Konstanz (1847-48), am Theater von Linz a.d. Donau (1848-49), am Theater von Ulm (1849-50), dann nach weiterer Ausbildung 1851-52 am Theater von Olmütz (Olomouc), 1852-53 am Hoftheater Mannheim, 1853-59 am Hoftheater von Darmstadt. 1859-60 war er am Hoftheater von Hannover engagiert, seit 1860 bis zu seiner Pensionierung 1881 am Hoftheater von Wiesbaden. Aus seinem Repertoire sind der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Komtur im »Don Giovanni«, der Bassi in Flotows »Alessandro Stradella«, der Minister im »Fidelio«, der Eremit im »Freischütz«, der Kardinal in »La Juive« von Halévy, der Giorgio in Bellinis »I Puritani« und der Oroveso in »Norma« zu nennen. Er starb 1884 in Wiesbaden.

 

11.9. Elisabetta BARBATO: 95. Geburtstag

Elisabetta BARBATO

Gesangstudium 1939-44 am Konservatorium von Bologna bei M. Aguccini und an der Accademia di Santa Cecilia in Rom. Debüt 1944 an der Oper von Rom als Garsenda in »Francesca da Rimini« von Zandonai. 1944-47 setzte sie ihre Ausbildung bei Luigi Ricci in Rom fort. 1945 sang sie bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom die Aida, bei denen sie bis 1948 und dann wieder 1953-54, 1956 und 1958-60, insbesondere als Aida und als Tosca, auftrat. Einen entscheidenden Erfolg hatte sie, als sie 1946 an der Oper von Rom für Maria Caniglia als Aida einsprang. 1944-62 trug sie ihre großen Partien an der Oper von Rom vor. 1946 erfolgte ihr Debüt an der Mailänder Scala als Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano; sie trat dort 1946 und 1948 als Aida und als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, 1949 als Manon Lescaut von Puccini und wieder als Amelia sowie am 17.3.1952 in der Uraufführung der Oper »Proserpina e lo Straniero« von Juan José Castro als Proserpina auf. Große Erfolge erzielte sie in Südamerika, vor allem an der Oper von Rio de Janeiro (wo sie 1947 und 1949-51 auftrat) und am Teatro Colón Buenos Aires (1950-51). 1949 traten während einer Saison die drei großen Primadonnen Maria Callas, Renata Tebaldi und Elisabetta Barbato in Rio de Janeiro auf, wobei das Publikum die letztgenannte besonders (und mehr als die beiden anderen Sängerinnen) feierte. 1949 kam es zu ihrem US-Debüt, als sie an der Oper von San Francisco die Tosca und anschließend die Aida sang; als Tosca debütierte sie im gleichen Jahr auch an der Metropolitan Oper New York (wo sie in insgesamt vier Vorstellungen auch die Butterfly sang). Seit 1951 war sie immer wieder am Teatro San Carlo Neapel zu hören, wo sie auch 1952 die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »Maria Antonietta« von Gargiulo sang und 1953 in der italienischen Erstaufführung von »Der Spieler« von Prokofieff mitwirkte. Am Teatro Comunale Florenz gastierte sie 1948 als Manon Lescaut von Puccini, 1951 als Amelia, 1952 in der Titelrolle von Catalanis »La Wally«. Weitere Gastspiele fanden am Teatro Comunale Bologna (seit 1948), am Teatro San Carlos Lissabon, am Teatro Liceu Barcelona, am Opernhaus von Caracas, am Opernhaus auf Malta (1962 als Maddalena in »Andrea Chénier«), am Teatro Massimo Palermo (1964 als Mme. Lidoine in »Dialogues des Carmélites« von Poulenc) und am Teatro Petruzzelli in Bari (1967 als Madelon in »Andrea Chénier«, wohl der Ausklang ihrer Karriere) statt. 1962 war sie an der Oper von Rom als Judith in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók zusammen mit Nicola Rossi-Lemeni zu hören. Aus ihrem Bühnenrepertoire seien noch die Iris in der Oper gleichen Namens von Mascagni, die Mariella in »Il piccolo Marat« von Mascagni, die Giorgetta in »Il Tabarro« von Puccini, die Minnie in »La Fanciulla del West« vom gleichen Komponisten, die Giulietta in »Giulietta e Romeo« und die Francesca da Rimini in der Oper gleichen Namens von R. Zandonai, die Titelrolle in »Margherita di Cortona« von Licinio Refice und die Jaroslawna in Borodins »Fürst Igor« genannt. Sie starb 2014 in Rom.

Von ihrer musikalisch vortrefflich geführten, ausdrucksreichen Stimme sind nur einige wenige Cetra-Platten vorhanden. Auf ANNA-Records wurden Szenen aus »La forza del destino« mit Benjamino Gigli als Partner herausgebracht.

 

11.9. Leonard HANCOCK (englischer Dirigent): 95. Geburtstag

 

13.9. Werner HOLLWEG: 80. Geburtstag

Werner Hollweg

 Er arbeitete zuerst als Bankangestellter in Hamburg; seine Ausbildung (seit 1958) wurde durch W. Brückner-Rüggeberg gefördert. Er wurde an den Musikhochschulen von Detmold und München sowie in Lugano als Schüler von Fred Husler, Günter Weißenborn und Hubert Giesen ausgebildet. Er debütierte in Bonn in Mozarts »Il Re pastore«, sang 1962 an der Wiener Kammeroper und war dann 1963-67 am Stadttheater von Bonn, 1967-69 am Stadttheater von Gelsenkirchen und 1969-72 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg engagiert. Beim Maggio Musicale von Florenz gastierte er 1969 als Belmonte in der »Entführung aus dem Serail« und 1974 als Tamino in der »Zauberflöte«. Er ging Gastspielverpflichtungen mit den Staatsopern von Hamburg und München und mit der Deutschen Oper Berlin ein. Seine internationale Karriere gestaltete sich glanzvoll; so war er zu Gast in Rom, New York und Los Angeles. Von Salzburg aus, wo der Künstler wohnte, unternahm er seine Gastspiel- und Konzertreisen in alle Welt. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1970-75 den Belmonte, 1974 auch den Tamino, 1976-77 und 1979 den Titelhelden in »La clemenza di Tito« von Mozart, 1984 den Idomeneo von Mozart, 1984-86 die Titelfigur in »Jephta« und 1985 den Jonathan in »Saul« in szenischen Aufführungen dieser Oratorien von Händel, 1990 den Gran Sacerdote in Mozarts »Idomeneo« und 1991 den Mr. Hill in der Oper »Mozart in New York« von Helmut Eder. 1983 wirkte er dort in einer konzertanten Aufführung der Oper »Dantons Tod« von G. von Einem als Camille Desmoulins mit sowie 1989 in einer konzertanten Aufführung der Oper »Antigonae« von Carl Orff  als Hämon. Seit 1969 war er immer wieder bei Konzerten im Rahmen der Salzburger Festspiele zu hören (1969 in der Grande Messe des Morts von H. Berlioz, 1969, 1972, 1976 und 1990 in Mozart-Konzerten, 1986 in der 8. Sinfonie von G. Mahler, 1988 in Kirchenkonzerten; 1984 gab er dort sehr erfolgreich einen Liederabend). Am Opernhaus von Zürich hatte er in den Aufführungen unter N. Harnoncourt bedeutende Erfolge. Er gastierte beim Spoleto Festival (1969), am Nationaltheater Prag, am Opernhaus von Bordeaux, an der Staatsoper Stuttgart, in Monte Carlo (1971 als Konzertsolist), an der Budapester Nationaloper und an der Oper von Rio de Janeiro. An der Staatsoper von Wien hörte man ihn 1969-91 in insgesamt 23 Vorstellungen als Tamino, als Belmonte, als Tito in »La clemenza di Tito« sowie in Mozarts »Idomeneo« gleich in drei verschiedenen Partien: als Gran Sacerdote, als Arbace und in der Titelrolle). An der Mailänder Scala debütierte er 1970 in Beethovens C-Dur-Messe und sang dort bis 1980 sehr oft in Konzerten (u.a. 1971 in Mahlers »Das klagende Lied«, 1977 in Beethovens 9. Sinfonie und 1980 in »Judas Makkabaeus« von Händel) sowie 1976 die Titelpartie in »La clemenza di Tito« von Mozart (anlässlich eines Gastspiels der Londoner Covent Garden Opera) und 1978 die Titelpartie in Monteverdis »Il ritorno d’Ulisse in patria« (anlässlich eines Gastspiels des Opernhauses Zürich). Beim Edinburgh Festival gastierte er 1971 als Belmonte (anlässlich eines Gastspiels der Deutschen Oper Berlin), 1978 in der Titelpartie in Monteverdis »Il ritorno d’Ulisse in patria« (anlässlich eines Gastspiels des Opernhauses Zürich), 1981 in der Titelpartie in Mozarts »La clemenza di Tito« (anlässlich eines Gastspiels der Kölner Oper) und 1987 in der »Schöpfung« von J. Haydn. An der Covent Garden Oper London sang er 1976 den Tito. Am Teatro Margherita Genua sang er 1978 in Bellinis Oper »Bianca e Fernando«, am Teatro San Carlo Neapel wie am Teatro Colón Buenos Aires 1980 wieder den Tito, am Teatro Fenice Venedig 1981 den Idomeneo. In Helsinki wie am Opernhaus Zürich trat er 1983 erneut als Tito auf. An der Grand Opéra Paris gastierte er 1986 als Jason in Cherubinis »Medée« mit Shirley Verrett in der Titelpartie und am 20.5.1989 in der Uraufführung der Oper »Der Meister und Margarita« von York Höller (als Matthieu Levi). 1988 gastierte er am Teatro Liceu Barcelona als Titelheld in »La clemenza di Tito« von Mozart. 1993 wirkte er am Opernhaus von Wuppertal in der deutschen Erstaufführung von Alfred Schnittkes »Leben mit einem Idioten« (als Wowa), 1996 am Stadttheater von Bern in der Uraufführung von »Der Sturm« von Daniel Schnyder (als Prospero). 1998 übernahm er am Theater von St. Gallen in der Uraufführung der Oper »Stichtag« von Daniel Fueter die Partie des Damunt; im gleichen Jahr sang er in Montpellier den Podestà in »La finta giardiniera« von Mozart. Er galt als einer der großen Mozartsänger seiner Epoche und gestaltete Partien wie den Don Ottavio im »Don Giovanni« oder den Ferrando in »Così fan tutte« in vorbildlicher Weise. Weitere Opernpartien: der Sesto in »Giulio Cesare« von Händel, die Titelfigur in Händels »Serse«, der Paolino in »Il matrimonio segreto« von Cimarosa, der Pylades in »Iphigenie auf Tauris« von Gluck, der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der Ernesto im »Don Pasquale«, der Zephoris in »Si j‘ étais Roi« von A. Adam, der Faust in »La damnation de Faust« von H. Berlioz, der Lenski im »Eugen Onegin«, der Flamand im »Capriccio« von R. Strauss, der Max im »Freischütz«, der Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg« und der Hüon im »Oberon« von Weber. Zugleich war er ein bedeutender Konzertsänger. 1970 sang er bei der Weltausstellung von Osaka das Tenorsolo in der 9. Sinfonie von Beethoven unter Herbert von Karajan, 1989 bei den Londoner Promenade Concerts als Solist im »Psalmus Hungaricus« von Z. Kodaly. Er trat auch als Schauspieler auf. Er arbeitete auch als Opernregisseur und inszenierte u.a. am Landestheater von Linz/Donau 1986 Mozarts »Idomeneo«. 1995 wurde er zum Professor an der Musikhochschule von Freiburg i. Br. ernannt. Er starb 2007 in Freiburg i. Br.

Sehr viele Schallplattenaufnahmen: Decca (kleine Rolle im »Tannhäuser«, »Jephtha« von Händel, »Capriccio« von R. Strauss), HMV (»Die Jahreszeiten« von Haydn, Basilio in »Le nozze di Figaro«, Operettenmelodien), Philips (»Das klagende Lied« von Gustav Mahler, »La finta giardiniera« und »Zaide« von Mozart), DGG-Polydor (»Die lustige Witwe«, 2. Sinfonie »Lobgesang« von Mendelssohn, »Mitridate, Rè di Ponto« von Mozart), Telefunken (»Idomeneo« von Mozart, »Il Combattimento di Tancredi e Clorinda« von Monteverdi, Balladen von Schubert, Schumann und Loewe, »Die Fledermaus«), Orfeo (»Zaide« von Mozart, »Lazarus« von Schubert, »Dantons Tod« von G. v. Einem), Metronom-CBS (»Christus« von Liszt), RCA (»Die drei Pintos« von Weber-Mahler), MRF (»La Cecchina« von Piccinni), Obligat (»Die Jahreszeiten«), Capriccio (Krönungsmesse von Mozart), Voce (»Alessandro Stradella« von Flotow), Edition Schwann (»Der Corregidor« von Hugo Wolf), Intercord (Lieder, von Hubert Giesen am Klavier begleitet), Amadeo (»Frühling in Wien«).

 

14.9. Ada NORDENOVÁ: 125. Geburtstag

 Eigentlicher Name Ada Nováková; ihr Vater war Postangestellter; der bekannte tschechische Komponist Joseph Bohuslav Foerster (1859-1951) war ihr Onkel. Ihre Tante, dessen Gattin, die bekannte Sängerin Bertha Foerster-Lauterer (1859-1936), erteilte ihr ersten Gesangunterricht. Sie verbrachte ihre Kindheit und ihre Schulzeit in Plzen (Pilsen) und wurde durch die Pädagogin Klara Kaspar dort weiter ausgebildet. 1913 debütierte sie an der Oper von Plzen, doch konnte sich ihre Karriere in den Jahren des Ersten Weltkrieges nicht entwickeln. Sie war nach 1918 zuerst als Bankangestellte tätig, betrieb aber zugleich die weitere Ausbildung ihrer Stimme. Nach weiterem Studium bei K. Wallerstein in Prag kam sie 1920 an das Opernhaus von Ostrava (Mährisch Ostrau), 1922-24 sang sie wieder in Plzen und folgte dann 1924 einem Ruf an das Nationaltheater Prag. Sie gehörte bis 1942 zu den bekanntesten Mitgliedern dieses bedeutendsten Opernhauses der Tschechoslowakei. Hier wirkte sie am 27.4.1927 in der Uraufführung der Oper »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von Weinberger mit. Sie gastierte an den Opernhäusern von Stockholm (1928) und Bukarest (1929). Zu ihren großen Kreationen zählten die Marie in »Die verkaufte Braut« von Smetana und die Titelrolle in der tschechischen Nationaloper »Libussa«, ebenfalls von Smetana, doch meisterte sie ein umfangreiches Repertoire mit Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur: Donna Elvira im »Don Giovanni«, Elisabeth im »Tannhäuser«, Senta in »Der fliegende Holländer«, Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Marschallin im »Rosenkavalier«, Desdemona in Verdis »Otello«, Jitka in »Dalibor« von Smetana, Jenufa von Janácek, Tatjana im »Eugen Onegin«, Jaroslawna in »Fürst Igor« von Borodin, Rusalka in der gleichnamigen Oper von Dvorák. 1942 verabschiedete sie sich am Nationaltheater Prag als Vendulka in Smetanas »Hubicka« (»Der Kuss«) von der Bühne. 1953-61 wirkte sie als Professorin am Staatlichen Konservatorium in Prag. Sie starb 1973 in Prag. Sie war verheiratet mit dem Schauspieler Josef Jenicek.

Schallplattenaufnahmen auf HMV, darunter als Marie in der ersten vollständigen Aufnahme von Smetanas »Die verkaufte Braut« von 1933; auch Schallplattenaufnahmen auf Ultraphon.

 

15.9. Jan Frank FISCHER: 95. Geburtstag

Biographie des tschechischen Opernkomponisten auf Tschechisch: https://cs.wikipedia.org/wiki/Jan_Frank_Fischer

 

15.9. Nikolai Iwanowitsch WASSILJEW: 125. Geburtstag

 Er erhielt seine Ausbildung am Konservatorium von Leningrad, wo er in der Hauptsache Schüler der Pädagogin S. Andrejewa war. 1922 begann er seine Karriere am Narodny-Theater Leningrad und sang dann in der Spielzeit 1923-24 am Theater von Swerdlowsk. 1924 wurde er als erster Tenor an das Lettische Nationaltheater in Riga berufen, an dem er zunächst bis 1941 wirkte und in Partien wie dem Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky, dem Don José in »Carmen«, dem Canio im »Bajazzo« und in weiteren Rollen, vornehmlich aus dem dramatischen Fachbereich, zu großen Erfolgen kam. Seit 1940 übernahm er auch die Inszenierung von Opernwerken, flüchtete aber bei der Besetzung der Baltischen Staaten durch die deutschen Truppen 1941 in das Innere der Sowjetunion. Hier gab er bis 1945 Gastspiele und Konzerte, kam aber 1945 wieder nach Riga zurück. Jetzt betätigte er sich an der dortigen Oper als Regisseur für Opern- und Ballettaufführungen. Seit 1950 nahm er dazu eine Professur am Konservatorium von Riga wahr.

 

16.9. Fritz GEISSLER: 95. Geburtstag

Er stammte aus bescheidenen Verhältnissen, der Vater war Maurer. Er erhielt früh Geigenunterricht und trat nach abgebrochener Lehre als Musiker in Leipziger Kaffeehäusern auf. Im Jahr 1940 wurde er zum Kriegsdienst in der Wehrmacht eingezogen. Er war bei einem Luftwaffen-Musikkorps auf Guernsey stationiert. 1945 geriet er in englische Kriegsgefangenschaft, wo er sich als Geiger hervortat. 1948 wurde er entlassen und studierte bis 1950 Komposition und Viola bei Max Dehnert, Arnold Matz und Wilhelm Weismann an der Leipziger Musikhochschule. Nach einer Tätigkeit als Bratscher am Landessinfonieorchester Gotha studierte er erneut Komposition bei Boris Blacher, Konrad Friedrich Noetel und Hermann Wunsch an der Hochschule für Musik Berlin-Charlottenburg.

1954-78 war Geißler Dozent an der Universität Leipzig und später Professor für Komposition an den Musikhochschulen Leipzig und Dresden. Zu seinen Schülern gehören Peter Herrmann, Wilfried Krätzschmar, Reinhard Pfundt, Johannes Reiche, Friedrich Schenker, Karl Ottomar Treibmann, Lothar Voigtländer und Günther Witschurke. Fritz Geißler war 1956-68 Vorsitzender des Komponistenverbandes in Leipzig und 1972-84 Vizepräsident des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR sowie Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Er starb 1984 in Bad Saarow.

 

16.9. Czesław MAREK: 125. Geburtstag

Während seiner Musikstudien war er Schüler von Hermann Graedener, Teodor Leszetycki und Karl Weigl in Wien und von Hans Pfitzner in Straßburg. 1916-19 unterrichtete er am Berrs-Konservatorium in Zürich. 1929-30 leitete er das Konservatorium in Posen, danach lebte er erneut in der Schweiz. Er verstarb 1985 in Zürich.

Marek komponierte eine Sinfonie (3. Preis beim Internationalen Schubert-Wettbewerb 1928) und eine Sinfonietta, eine Orchestersuite, Capriccio und Meditationen für Orchester, kammermusikalische Werke, Chormusik und Lieder. Zwischen 1940 und 1972 veröffentlichte er seine Schule des Klavierspiels.

 

16.9. Max SCHLOSS: 200. Geburtstag

Er begann seine Bühnentätigkeit in den Jahren 1839-41 mit einem Engagement am Stadttheater von Bremen. Er war dann 1841-45 am Hoftheater von Detmold, in der Spielzeit 1845-46 an der Hofoper von Dresden engagiert, wo er 1845 in der Uraufführung von Richard Wagners »Tannhäuser« den Walther von der Vogelweide sang. 1846-48 sang er am Opernhaus von Breslau und wirkte dann zehn Jahre hindurch am Hoftheater von Kassel, wo er auch damit begann, Regie zu führen. 1858 wurde er wieder an die Dresdner Hofoper berufen, an der er jetzt bis 1865 als Sänger wie als Regisseur wirkte. Er wurde 1875 als Oberregisseur an das Stadttheater von Hamburg verpflichtet, starb aber noch vor dem eigentlichen Antritt seines Amtes 1875 in Wehlen (Sächsische Schweiz). Vor allem in den vierziger Jahren war er gastweise an den führenden deutschen Operntheatern aufgetreten und trug dabei besonders Partien aus dem lyrischen Stimmfach vor: den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla« (seine große Glanzrolle), den Tamino in der »Zauberflöte« den Alessandro Stradella in der gleichnamigen Oper von Flotow, den Hüon im »Oberon« von Weber, den George Brown in »La Dame blanche« von Boieldieu, den Chapelou im »Postillon von Lonjumeau« von A. Adam und den Fra Diavolo von Auber, doch übernahm er auch schwerere Rollen wie den Pollione in »Norma«, den Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer und den Eleazar in »La Juive« von Halévy.

 

16.9. Angelo AMOREVOLI: 300. Geburtstag

Angelo AMOREVOLI in  Antigono von Hasse

 Seine ersten Opernauftritte erfolgten 1730 (im Alter von 14 Jahren!) in Venedig in »Dalisa« von J.A.Hasse und im gleichen Jahr in Rom in »Mitridate« und in »Siface« von Porpora. 1731-35 trat er in Florenz, 1736-40 in Neapel auf, hier u.a. am 4.11.1737 in der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Teatro San Carlo in der Oper »Achille in Sciro« von Domenico Sarro und am 19.12.1737 in der zweiten dort aufgeführten Oper »L‘Olimpiade« von Leonardo Leo (den Clistene). Er wurde durch Horace Mann, der ihn 1741 in Florenz gehört hatte, nach London empfohlen. Er trat dort 1741-43 am King’s Theatre in zehn verschiedenen Opern, u.a. sehr erfolgreich in den Pasticcio »Alexander in Persia«, auf. 1744-45 war er in Mailand zu hören; dann ging er nach Dresden, wo er als gefeierter Tenor an der Dresdner Hofoper in Erscheinung trat. Hier wurde er namentlich in den Opernwerken von Johann Adolf Hasse, damals Direktor der Dresdner Hofoper, herausgestellt. Auf Grund seiner Verbindungen zu dem berühmten Librettisten und Hofdichter Pietro Metastasio kam er auch in Wien zu großen Erfolgen. So sang er dort am 14.5.1748 in der Uraufführung der Oper »Semiramide riconosciuta« von Christoph Willibald von Gluck. 1748-49 und 1760-61 trat er nochmals in Mailand auf. 1764 schied er aus dem Ensemble der Dresdner Oper aus, verblieb aber im Dienst des sächsischen Hofes als Kirchen- und Kammersänger. Er starb 1798 in Dresden. Der Familienname des Künstlers kommt auch in der Schreibweise Amerevoli vor. Burney schreibt über ihn, dass er bessere Tenöre gehört, aber dabei nie auf der Bühne mehr Geschmack und Erfahrung angetroffen habe.

 

18.9. József SIMÁNDY: 100. Geburtstag

Jozsef SIMANDY

 

 Er konnte erst nach großen Schwierigkeiten am Konservatorium von Budapest studieren. Er war Schüler der Pädagogin Emilia Posszert. 1940 trat er in den Chor der Nationaloper Budapest ein. Sein Debüt als Solist gab er 1946 an der Oper von Szeged als Don José in »Carmen«. 1947 wurde er an die Nationaloper Budapest berufen, an der er als erster Tenor für viele Jahre bis 1982 blieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er bei Gastspielen bedeutende Erfolge; so sang er 1956 an der Wiener Staatsoper den Don José in zwei Vorstellungen. Seit 1956 war er durch einen Gastspielvertrag der Staatsoper von München verbunden. Er sang sowohl Partien aus der italienischen wie aus der französischen Opernliteratur, aber auch Wagner-Heroen, dazu natürlich das ungarische Repertoire. Höhepunkte in seinem Repertoire für die Bühne waren u.a. der Lohengrin, der Radames in »Aida«, der Otello von Verdi sowie die Titelrollen in »Bánk Bán« und »Hunyadi Lászlo« von F. Erkel. 1984 sang er bei der Hundertjahrfeier der Nationaloper Budapest nochmals eine Szene des Bánk Bán. 1978-86 bekleidete er eine Professur an der Staatlichen Musikhochschule von Budapest. Er gab 1983 in Budapest eine Selbstbiographie heraus. Er starb 1997 in Budapest..

Lit: L. Dalos: Bánk bán elmodja (Budapest, 1983).

Schallplatten: DGG (Krönungsmesse von Liszt), Qualiton-Hungaroton (»Hunyadi Laszlo« und »Bánk Bán« von Erkel, »Bajazzo«, »Cavalleria rusticana«, Psalmus Hungaricus von Kodály), weitere Aufnahmen auf Hungaroton (Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Titelheld in »Lohengrin«).

 

18.9. Anna SCHIMON-REGAN: 175. Geburtstag

 Die berühmte Altistin Caroline Sabatier-Unger (1803-77), eine der großen Primadonnen ihrer Epoche, war ihre Tante. Sie wurde im Hause des Arztes Dr. Unger in Karlsbad erzogen. 1859 ging sie zur Ausbildung ihrer Stimme nach Dresden und wurde Schülerin von Maschinka Schubert-Schneider. Im folgenden Jahr 1860 begleitete sie ihre Tante Caroline Sabatier-Unger nach Florenz und vervollständigte ihre Ausbildung unter deren Anleitung bis 1864. Nachdem 1864 ein erster Bühnenauftritt in Siena sehr erfolgreich verlaufen war, nahm sie ein Engagement am Hoftheater von Hannover an, dem sie 1864-67 angehörte. Auf Einladung der russischen Großherzogin Helena ging sie 1869 nach St. Petersburg. Hier trat sie als Konzertsängerin auf und war die Solistin in drei von den sieben Konzerten, die Hector Berlioz in der russischen Residenzstadt dirigierte. 1869 besuchte sie London zusammen mit ihrer Tante und Lehrerin Caroline Sabatier-Unger und sang u.a. in Konzerten im Crystal Palace und in den Philharmonic Concerts. Bis 1875 war sie dann in England immer wieder zu hören, wobei sie sich besonders als Interpretin der Lieder von Schubert auszeichnete. 1870 und 1871 hatte sie in Wien ganz ungewöhnliche Erfolge. 1872 heiratete sie in Florenz den österreichischen Komponisten Adolf Schimon (1820-87). 1872 und 1873 unternahm sie zwei glanzvolle Konzerttourneen zusammen mit der berühmten Zélia Trebelli und anderen Künstlern. Danach hörte man sie nur noch bei einigen Leipziger Gewandhauskonzerten. Nach dem Tod ihres Gatten nahm sie einen Lehrauftrag an der Königlichen Musikakademie in München an und wurde eine hoch geschätzte Pädagogin. Sie starb 1902 in München.

 

20.9. Gustave DORET: 150. Geburtstag

Er studierte an der Musikhochschule Berlin bei Joseph Joachim, danach am Conservatoire de Paris bei Théodore Dubois und Jules Massenet. 1893-95 war er zweiter Dirigent der Concerts d’Harcourt, 1904 dirigierte er das Orchester der Opéra-Comique in Paris. Er schrieb in den Jahren 1905 und 1927 die Musik zum Fête des Vignerons. Seine Oper Les Armaillis (1900) und das Oratorium Les sept paroles du Christ (1895) sind in einem Stil gehalten, der noch nahe bei Massenet liegt. Sein Name ist eng mit dem Théâtre du Jorat in Mézières VD verbunden, für welches er zu zahlreichen Stücken die Bühnenmusik schrieb: Aliénor (1910), La Nuit des Quatre Temps (1910), Tell (1914), La Servante d’Evolène (1937). Der 1990 entstandene Werkskatalog der Bibliothèque Cantonale et Universitaire de Lausanne führt beinahe 400 Kompositionen auf. Er starb 1943 in Lausanne.

 

22.9. Colin GRAHAM: 85. Geburtstag

Er besuchte die Stowe School und die Royal Academy of Dramatic Art. Schon in den fünfziger Jahren begann er eine intensive Zusammenarbeit mit dem Komponisten Benjamin Britten, dessen Opern er größtenteils zur Uraufführung brachte. Sein Interesse für das japanische Theater führte ihn später nach Tokio zu dem Komponisten Minoru Miki, für den er drei Opern inszenierte. Er arbeitete außerdem für das Royal Opera House und die English National Opera in London sowie für das Glyndebourne Festival in Sussex, bevor er 1978 nach St. Louis zog, wo er 2007 starb. Er inszenierte die Weltpremieren von John Coriglianos Oper The Ghosts of Versailles für die Metropolitan Opera, André Previns A Streetcar Named Desire für die San Francisco Opera und Bright Shengs The Song of Majnun für die Lyric Opera of Chicago. Zusätzlich leitete er Produktionen für die Santa Fé Opera, unter anderem Shengs Madame Mao im Jahre 2003. Er führte dort seine Zusammenarbeit mit dem Generaldirektor Richard Gaddes fort, die er in St. Louis begonnen hatte. Von 1985 bis zu seinem Tod war Graham Artistic Director des Opera Theatre of Saint Louis. Nach Angaben der Zeitung St. Louis Post-Dispatch erlag er am 6. April 2007 einem Herzversagen. Einen Tag vor seinem Tod arbeitete er noch an der kurz bevorstehenden Erstaufführung von David Carlsons Oper Anna Karenina, für die er auch das Libretto geschrieben hatte.

 

22.9. Edmund NICK: 125. Geburtstag

Der Kaufmannssohn studierte 1910-15 in Wien und Graz Jura, absolvierte gleichzeitig eine musikalische Ausbildung an der Wiener Musikakademie und am Dresdner Konservatorium und wurde 1918 an der Universität Graz zum Dr. jur. promoviert. Nick war seit 1920 mit der Konzertsängerin Käte Jaenicke (1889–1967), Tochter von Karl Jaenicke, verheiratet; sie hatten die 1926 geborene Tochter Dagmar Nick. Käte Nick-Jaenicke galt in der Zeit des Nationalsozialismus als „Halbjüdin“ und alle drei waren Repressalien ausgesetzt. 1921 wurde Nick Kapellmeister der Schauspielbühnen in Breslau, 1924 gemeinsam mit Fritz Ernst Bettauer künstlerischer Leiter der Schlesischen Funkstunde. 1928 holte er den noch jungen Dirigenten Franz Marszalek an diesen Sender. 1929 entstand in Zusammenarbeit mit Erich Kästner das Funkspiel „Leben in dieser Zeit“. 1933 wurde er im Zuge der Gleichschaltung beim Sender entlassen. Er übersiedelte nach Berlin, wo er bis 1935 als musikalischer Leiter des Kabaretts Die Katakombe arbeitete und 1936-40 musikalischer Leiter am Theater des Volkes in Berlin-Mitte war. Nick erhielt Aufträge zur Komposition der Musik einer Vielzahl von Ufa-Filmen, zuletzt 1944 für Eine Frau für drei Tage. Im Dezember 1943 wurde er ausgebombt, wich mit der Familie nach Böhmen aus und musste von dort im Februar 1945 nach Bayern flüchten. Ab Herbst 1945 übernahm Nick zusammen mit Kästner, dem früheren Mitarbeiter in Breslau und Berlin, und Rudolf Schündler den Aufbau und die Leitung des Kabaretts Die Schaubude in München. 1947 wurde Nick Chefdirigent der Bayerischen Staatsoperette, dem heutigen Staatstheater am Gärtnerplatz, in München. 1949-52 hatte er eine Professur an der Münchner Musikhochschule inne. Er war 1952-56 Leiter der Musikabteilung beim Westdeutschen Rundfunk in Köln, wo er die Cappella Coloniensis gründete, ein Ensemble für historisch informierte Aufführungspraxis. 1957-60 war er Musikkritiker der „Welt“, ab 1962 der „Süddeutschen Zeitung“. Nick komponierte das musikalische Lustspiel Das kleine Hofkonzert (1935), Operetten (unter anderem Über alles siegt die Liebe, 1940, und Das Halsband der Königin, Uraufführung 1. Dezember 1948) sowie Unterhaltungs-, Bühnen- und Filmmusik. Er schrieb Paul Lincke (1953) und Vom Wiener Walzer zur Wiener Operette (1954). Am Ende der Zusammenarbeit mit Kästner komponierte er 1969 die Musik zu dem 1955 entstandenen Gedichtzyklus „Die 13 Monate“. Edmund Nick starb 1974 in Geretsried. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Münchner Westfriedhof.

 

23.9. Elisabeth SCHWARZENBERG: 90. Geburtstag

Elisabeth Sschwarzenberg

 Sie erhielt ihre Ausbildung an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien. Die Künstlerin fand ihr erstes Bühnenengagement 1956 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, wo sie als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« debütierte. Hier hatte sie sogleich große Erfolge zu verzeichnen, die zu Gastspielen an den führenden in- und ausländischen Opernhäusern Anlass gaben. So gastierte sie an der Münchener Staatsoper, an der Grand Opéra Paris, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, an der Niederländischen Oper in Amsterdam, in Nizza, Turin, Dublin, Zürich und Genf (1963 Marzelline im »Fidelio«). Sie blieb bis 1966 an der Deutschen Oper am Rhein tätig und war dann seit 1966 für mehr als zwanzig Jahre an der Wiener Volksoper engagiert. Bei den Festspielen von Salzburg sang sie am 16.8.1961 in der Uraufführung der Oper »Das Bergwerk zu Falun« von Rudolf Wagner-Régeny die Anna. Bereits 1958 wirkte sie in Düsseldorf in der Uraufführung einer Neufassung der Oper »Karl V.« von E. Krenek und am 3.6.1957 ebenfalls in Düsseldorf in der Uraufführung der Oper »Die Räuber« von G. Klebe mit. Auch bei den Festspielen von Bayreuth trat sie in Erscheinung; dort sang sie die Wellgunde (1962-64, 1968-69), die Ortlinde (1962-64) und die Gerhilde (1968-73) im Nibelungenring, den 1. Knappen (1968-73) und ein Blumenmädchen (1969, 1972-73) im »Parsifal«. In den Jahren 1968-72 gastierte sie auch an der Wiener Staatsoper (als 3. Norn, als Freia, als Gutrune, als Gerhilde und als Wellgunde im Nibelungenring sowie als 1. Dame in der »Zauberflöte«). 1967 gastierte sie am Teatro San Carlos von Lissabon; als ihre Glanzrolle galt allgemein die Marschallin im »Rosenkavalier« von R. Strauss. Auch als Mozart-Interpretin genoss sie hohes Ansehen. Sie starb 2004 in Wien. Sie war verheiratet mit dem Opernsänger Georg Schnapka (1932-2005), der ebenfalls lange Zeit an der Wiener Volksoper tätig war.

Schallplatten: Eurodisc (Donna Elvira in Querschnitt durch »Don Giovanni« in deutscher Sprache), DGG (kleine Partie im »Parsifal«), Melodram (Marzelline im »Fidelio«, Genf 1963).

 

24.9. Norman GIFFIN: 95. Geburtstag

 Der amerikanische Tenor sang in Europa hauptsächlich im Wagner-Fach, darunter den Tannhäuser und den Lohengrin. An der Metropolitan Opera debütierte er 1965 in A. Bergs »Wozzeck«. Bis 1971 sang er hier in insgesamt 19 Vorstellungen auch den Boten im »Troubadour«; am 16.9.1966 wirkte er bei der Eröffnung des neuen Hauses der Metropolitan Opera im Lincoln Center in der Uraufführung der Oper »Antony and Cleopatra« von Samuel Barber in der Partie des Demetrius mit. Er starb 2012 in Ocala (Florida).

 

24.9. Karin BRANZELL: 125. Geburtstag

Karin Branzell

 Ursprünglich Organistin in Stockholm, dann Gesangsausbildung durch Thekla Hofer in Stockholm, Ludwig Mantler und Louis Bachner in Berlin, schließlich durch Enrico Rosati in New York. Bühnendebüt 1912 an der Königlichen Oper von Stockholm, wo sie bis 1918 blieb. Ihre Debütrolle war der Prinz Sarvilaka in der Oper »Izeyl« von d’Albert. 1918-33 Mitglied der Staatsoper Berlin (Antrittsrolle: Fricka in der »Walküre«), an der man sie in einer Vielzahl von Partien erlebte. Hier wirkte sie 1919 in der Premiere von Hans Pfitzners »Palestrina«, 1920 in der Premiere der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss als Amme mit. 1924 kam sie an die Metropolitan Oper New York (Antrittspartie: Fricka in der »Walküre«), an der sie bis zu ihrem Abschied von der Bühne 1951 aufgetreten ist. Sie war dort in den Jahren 1924-42, dann nochmals 1944 und schließlich in der Spielzeit 1950-51 engagiert. Sie ist an der Metropolitan Oper in insgesamt 412 Vorstellungen und in 18 verschiedenen Rollen aufgetreten. Dabei sang sie in erster Linie dort Wagner-Rollen (Ortrud im »Lohengrin«, Erda und Fricka im Nibelungenring, Brangäne in »Tristan und Isolde«, Waltraute in der »Götterdämmerung«, Venus im »Tannhäuser«, Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg«), trat aber auch als Amneris in »Aida«, als Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, als Azucena im »Troubadour«, als Küsterin in »Jenufa« von Janácek, als Laura in »La Gioconda« von Ponchielli, als Fidès in Meyerbeers »Le Prophète«, als Klytämnestra in »Elektra« und als Herodias in »Salome« von R. Strauss auf. 1931 wirkte sie in der amerikanischen Erstaufführung von Weinbergers »Schwanda, der Dudelsackpfeifer« in der Rolle der Königin mit. 1926 glanzvolles Gastspiel am Teatro Colón von Buenos Aires, wo sie auch wieder 1934 und 1938 auftrat. Sie sang 1930-31 bei den Festspielen von Bayreuth die Fricka und die Waltraute im Ring-Zyklus. Sie gastierte in Paris, an der Wiener Staatsoper (1921 als Amneris, als Ortrud, als Waltraute in der »Götterdämmerung« und als Amme in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss), in Mailand, an der Covent Garden Oper London (1935-38), in Brüssel (1941), Leningrad (1935), Chicago und San Francisco (1941 als Venus). 1935-39 nahm sie an den Münchner Sommerfestspielen teil, wo sie auch den Adriano in Wagners »Rienzi« vortrug, 1922 und 1939 gastierte sie in Zürich, 1934 an der Oper von Rio de Janeiro. Auch als Konzertsängerin war sie sehr erfolgreich. 1951 nahm sie an der Metropolitan Oper in der Partie der Erda im »Siegfried« ihren Abschied von der Bühne. 1932 wurde sie mit dem schwedischen Orden »Litteris et artibus« ausgezeichnet, 1936 schwedische Hofsängerin. Sie war verheiratet mit dem Maler Einar Eduardsen, der 1929 starb; später erscheint sie unter dem Namen Karin Branzell-Reinshagen. 1946-50 Pädagogin an der Juilliard-Schule in New York, 1952-58 an der Adelphi School of Music, ebenfalls in New York. Sie lebte zuletzt in Kalifornien. Sie starb 1974 in Altadena bei Los Angeles. Ihre Schülerinnen waren u.a. die bedeutenden Sängerinnen Jean Madeira, Nell Rankin und Mignon Dunn. – Umfangreiche, samtige Stimme von großer Wandlungsfähigkeit, dabei zu erregendem dramatischem Ausdruck fähig; hervorragende Wagner-Interpretin. Aus ihrem Repertoire sind noch die Carmen, die Brünnhilde in der »Walküre« und der Orpheus von Gluck nachzutragen.

Lit: R. Celletti & Leo Riemens: Karin Branzell (in »Le grandi Voci«, Rom 1964).

Die Künstlerin sang akustische Aufnahmen auf Homochord, Brunswick und Homophon, elektrische auf den Marken Parlophon, HMV, Brunswick, Odeon (hier Duette mit Emmy Bettendorf) und Urania-Remington (deutsche Lieder). Dazu mehrere Mitschnitte von Opernaufführungen aus der Metropolitan Oper (Fricka in »Rheingold« von 1938, Ortrud im »Lohengrin« von 1936, Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg« von 1936).

 

26.9. Charles MUNCH: 125. Geburtstag

Er war der Sohn des Elsässer Organisten und Chorleiters Ernst Münch. Er studierte Geige am Konservatorium in Straßburg und 1912 bei Lucien Capet in Paris. Einer seiner Lehrer am Straßburger Konservatorium war Hans Pfitzner. Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er als Artillerie-Sergeant zum Deutschen Heer eingezogen. Bei Péronne erlitt er eine Gasvergiftung und in der Schlacht von Verdun wurde er verwundet. Nach Kriegsende kehrte er ins Elsass zurück und wurde französischer Staatsbürger. Nach weiteren Studien bei Carl Flesch in Berlin verfolgte Charles Münch eine Solistenkarriere und lehrte Violine am Straßburger Konservatorium (1919) und dann am Leipziger Konservatorium. Seit 1926 war er Konzertmeister des Leipziger Gewandhausorchesters. Im November 1932 gab er in Paris sein Debüt als Dirigent mit dem Orchestre Straram. Erst seine 1933 erfolgte Heirat mit der Enkelin eines der Gründer des Nestlé-Konzerns ermöglichte ihm die Finanzierung seiner weiteren Karriere. 1933-40 bildete er sich im Dirigieren bei Alfred Szendrei in Paris weiter. 1935-38 war er Dirigent des von Alfred Cortot gegründeten Orchestre de la Société Philharmonique in Paris und 1936 erhielt er eine Stelle als Lehrer an der École Normale de Musique de Paris. 1938 wurde er zum Direktor der Société des Concerts du Conservatoire de Paris ernannt und behielt diesen Posten während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Da er die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten ablehnte und stattdessen die Résistance unterstützte, erhielt er 1945 den Orden der Ehrenlegion. Charles Münch gab sein Debüt in den USA als Gastdirigent des Boston Symphony Orchestra im Dezember 1946. 1948 folgte eine Tournee durch die USA mit dem Orchestre de la Radio nationale de France und 1949 wurde er zum Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra ernannt, mit welchem er und Pierre Monteux 1952 eine erste Europa-Tournee unternahmen. 1950 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1956 folgte eine weitere Tournee durch Europa und die Sowjetunion. 1962 zog er sich von seinem Posten in Boston zurück und war fortan als Gastdirigent tätig. Außerdem war er 1967 an der Gründung des Orchestre de Paris beteiligt. Er starb 1968 in Richmond, als er mit dem Orchestre de Paris auf einer Amerika-Tournee war.

Er erlangte Anerkennung als Interpret des französischen Repertoires. Seine Aufführungen zeichneten sich durch Spontaneität, Farbe und Eleganz aus. Die französische Musik des 20. Jahrhunderts nahm in seinen Programmen einen herausragenden Platz ein. Er brachte neue Werke von Albert Roussel, Darius Milhaud, Arthur Honegger und anderen zur Aufführung. In seiner Pariser Zeit führte er neue Werke in die Programme des Lamoureux Orchesters, der Shihoan Konzerte und der Straram Konzerte ein. Er schrieb das Werk Je suis chef d’orchestre (1954).

 

26.9. Marius AUDRAN: 200. Geburtstag

 Er kam als Kind nach Marseille, wo sein Vater als Maurer und Bauunternehmer arbeitete. Er sollte Architektur studieren, doch wurde seine Stimme in Liebhaberkreisen entdeckt. Darauf begann er das Gesangstudium bei E. Arnaud in Marseille. Eine Ausbildung am Conservatoire National in Paris musste er wegen fehlender finanzieller Mittel aufgeben und vollendete dann sein Gesangstudium bei Panseron in Marseille. 1837 debütierte er an der Oper von Marseille in »Le Chalet« von Adam. Er hatte dort große Erfolge in »La dame blanche« von Boieldieu und in »Le pré aux clercs« von Hérold. 1838 ersetzte er am Théâtre de la Monnaie in Brüssel den plötzlich verstorbenen Tenor Thénard in »Le Domino noir« von Auber. 1839 sang er am Opernhaus von Bordeaux, 1840-41 in Lyon. 1842 wurde er an die Pariser Opéra-Comique verpflichtet. Hier sang er sehr erfolgreich in »La dame blanche« von Boieldieu und in »Les diamants de la couronne« von Auber und war in den Uraufführungen der Opern »Le Roi d’Yvetot« von Adam (30.10.1842), »La Sirène« von Auber (26.3.1844), »Le Val d’Andorre« von Halévy (11.11.1848) und »Haydée« (»Le Secret«, 28.12.1847) von Auber, auch in »Giralda« von A, Adam (20.7.1850), zu hören. Als unübertroffen galt seine Interpretation der Titelrolle in »Jean de Paris« von Boieldieu. Weitere Höhepunkte in seinem Repertoire waren der Titelheld in »Fra Diavolo« von Auber und der Chapelou in »Le Postillon de Lonjumeau« von Adam, die beide enorme Anforderungen an die Stimme in den höchsten Lagen stellen. In Paris trat er auch in den Concerts du Conservatoire auf. Nach einem Streit mit der Direktion der Opéra-Comique verließ er 1852 Paris und sang 1852 wieder in Marseille sowie 1853-56 in Bordeaux. 1857 erschien er am Théâtre Lyrique in Paris in der Uraufführung der Oper »La Demoiselle d’honneur« von Semet. 1857-59 unternahm er Gastspielreisen durch Frankreich, Belgien und Italien. 1861 gab er seinen Rücktritt von der Bühne bekannt; 1863 wurde er Professor am Konservatorium von Marseille. Er starb 1887 in Marseille. Sein Sohn Edmond Audran (1840-1901) wurde als Komponist von sehr beliebten Operetten (u.a. »Les Noces d’Olivette«, »La Cigale et la Fournie«, »Monsieur Lohengrin«, vor allem »La Poupée«) bekannt.

 

27.9. Fred TESCHLER: 90. Geburtstag

 Sein Vater war Chorist an der Dresdner Staatsoper, er selbst nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Journalist. Nach Ausbildung seiner Stimme durch Senta Kutzschbach in Dresden debütierte er 1955 an der Staatsoper von Dresden als Bauer in »Die Kluge« von C. Orff. Seitdem blieb er für mehr als zwanzig Jahre ein beliebtes Mitglied dieses Opernhauses, an dem er 1979 an der Uraufführung der Oper »Vincent« von Rainer Kunad teilnahm. Seit 1962 war er als ständiger Gast der Berliner Staatsoper verbunden. Gastspiele an der Komischen Oper Berlin, an der Stuttgarter Staatsoper, an den Opernhäusern von Sofia, Brno (Brünn), Bukarest, Zürich, Leipzig, Baltimore und Boston. Berühmt als Interpret der klassischen Barockopern von Händel, namentlich im Rahmen der Händel-Festspiele von Halle, bei denen er Jahr für Jahr in Erscheinung trat. Neben seinem Bühnenrepertoire von mehr als 40 Rollen war er ein hoch geschätzter Konzert- und Oratorienbassist. Gastspiele und Konzertreisen führten ihn nach Holland und Frankreich, nach Westdeutschland und Finnland, nach Ägypten, Syrien und in den Irak. Er starb 1997 in Dresden.

Schallplatten der Marke Eterna (Lodovico in Verdis »Otello«, vollständige Aufnahme der Oper »Die Verurteilung des Lukullus« von Dessau) und Berlin Classics (Deutsche Sinfonie von Hanns Eisler). Sang auf HMV-Electrola in einem Querschnitt durch Verdis »Macht des Schicksals«, auf Pergola den Saretzki im »Eugen Onegin«, auf Koch Records im »Parsifal«.

 

27.9. Max MARTINI: 150. Geburtstag

 Er leitete seine Bühnenkarriere mit einem Engagement an der Dresdner Hofoper in der Spielzeit 1885-86 ein und sang dann 1887-89 am Stadttheater von Regensburg, 1889-90 am Stadttheater von Metz, 1890-92 am Stadttheater von Mainz. 1892 wurde er an das Opernhaus von Breslau verpflichtet, an dem er bis zu seinem Rücktritt von der Bühne 1913 wirkte. Seit 1904 war er dort auch als Regisseur beschäftigt. Er sang in erster Linie Partien aus dem Buffo- und dem Charakterfach wie den Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, den Peter Iwanow in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, den Georg im »Waffenschmied« vom gleichen Komponisten, den Mime in den Opern des Ring-Zyklus, den Eisenstein in der »Fledermaus« und den Simon in Millöckers »Der Bettelstudent«. Er starb 1915 in Breslau.

 

28.9. Bernhard KLEBEL: 80. Geburtstag

 Studien an der Musikakademie (Musikpädagogik, Oboe, Cembalo bei Eta Harich-Schneider, Dirigieren bei H. Gillesberger und H. Swarowsky) und an der Universität in Wien (Germanistik). Leiter des Madrigalchors der Katholischen Hochschulgemeinde in Wien, des Ensembles Musica Antiqua und des Wiener Motettenchores. Konzertreisen in ganz Europa, USA, Kanada und Mexico. Opernproduktionen in Wien (Theater an der Wien, Spectaculum u.a.), in Venedig (Teatro La Fenice), Neapel (Teatro San Carlo), Dresden, Augsburg, Rouen u.a. Er war Professor für Musiktheorie an der Grazer Musikuniversität und fungierte als Herausgeber und Bearbeiter bisher unveröffentlichter barocker Opern und Oratorien, die er z.T. auch selbst aufführte (u.a. 2002 und 2003 in der Wiener Kammeroper). Zahlreiche Schallplatteneinspielungen. Er starb im Juni 2013.

 

28.9. Ferry GRUBER: 90. Geburtstag

Ferry GRUBER

 Seine Ausbildung fand an der Wiener Musikakademie bei Hans Swarowski und bei Hermann Gallos statt. Zuerst wirkte er als Chordirektor und Dirigent in Wien, wandte sich dann aber der Sängerlaufbahn zu. Bühnendebüt 1950 am Stadttheater von Luzern als Tamino in der »Zauberflöte«, nachdem er bereits in Radiosendungen des Schweizer Senders Monte Ceneri erstes Aufsehen erregt hatte. Über das Stadttheater von Basel kam er 1954 an die Bayerische Staatsoper München, wo er in erster Linie Rollen aus dem Buffo- und dem Charakterfach sang. Im gleichen Jahr begann er eine große Karriere als Operettensänger, wobei er hauptsächlich am Münchner Gärtnerplatztheater auftrat. Es kam zu häufigen Gastspielen an der Staatsoper (1962-64 als Brighella in »Ariadne auf Naxos«, als Flaut in B. Brittens » A Midsummer Night’s Dream «, als Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, als Monostatos in der »Zauberflöte« und als Baron Lummer im »Intermezzo« von. R. Strauss) wie an der Volksoper von Wien, an der er seit 1960 ständig wirkte. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1959 den Cecco in »Il Mondo della luna« von J. Haydn. Weitere Gastspiele an den Opern von Hamburg und Köln, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an den Opernhäusern von Dortmund, Frankfurt a.M. und Stuttgart. Im Ausland hörte man ihn als Gast in Kopenhagen, Amsterdam, Lissabon und Monte Carlo, in Ottawa und Vancouver und 1988 am Teatro Verdi in Triest. Er wirkte bei den Festspielen von Florenz und Edinburgh (1965 als Baron Lummer bei einem Gastspiel der Bayerischen Staatsoper München) mit. Weitere Partien: Fenton im »Falstaff« von Verdi (Teatro Comunale Florenz 1956), Peter Iwanow und Châteauneuf in »Zar und Zimmermann« von Lortzing und Fatty in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill. Er galt allgemein als einer der führenden Operetten-Tenöre seiner Generation, wobei man auf diesem Gebiet wie bei seinen Buffotypen auf der Opernbühne auch sein temperamentvolles darstellerisches Talent bewunderte. Er wurde durch Rundfunk- und Fernsehauftritte bekannt und betätigte sich seit 1969 erfolgreich als Opern- und Operettenregisseur. Noch 1997 wirkte er bei den Münchner Festspielen als Zirkusdirektor in Smetanas »Die verkaufte Braut« mit. Er starb 2004 in München.

Schallplatten: Zahlreiche vollständige Operetten und Operetten-Querschnitte auf Eurodisc (»Die Lustige Witwe«, »Das Land des Lächelns«, aber auch in »Die Kluge« und »Der Mond« von Carl Orff und in einer italienisch gesungenen »Madame Butterfly«-Aufnahme), Electrola (Querschnitt »Der Vogelhändler«), DGG, Melodram (»Intermezzo« von R. Strauss), Voce (»Alessandro Stradella« von Flotow), EMI (»Der Rosenkavalier«), Nixa (»Gurrelieder« von A. Schönberg), Philips.

 

28.9. Václav HALÍŘ: 90. Geburtstag

Václav HALÍŘ

Er erhielt seine Ausbildung am Konservatorium von Brno (Brünn) sowie bei Bohuslav Sobeského. Sein Bühnendebüt fand 1953 am Janácek-Opernhaus in Brno statt, dem er bis Mitte der achtziger Jahre angehörte. Mit dem Ensemble dieses Hauses gastierte er 1966 beim Maggio Musicale Fiorentino in Janáceks »Die Sache Makropoulos«, 1967 in »Die Ausflüge des Herrn Broucek«. 1974 trat er am Teatro San Carlo Neapel in Rimsky-Korssakows »Der goldene Hahn« auf. Gastspiele, zum Teil auch als Konzertsänger, führten ihn nach China (1954), nach Warschau (1955), Leipzig (1960) und Berlin (1956). In Brno sang er u.a. 1963 den Ruprecht in der tschechischen Erstaufführung von Prokofieffs »L’Ange de feu«. Sein Bühnenrepertoire umfasste in erster Linie Partien aus dem slawischen Repertoire wie den Mumlal in Smetanas »Zwei Witwen«, den Chrudos in dessen »Libussa«, den Vavra in »Marysa« von Burian, den Förster wie den Pfarrer in Janáceks »Das schlaue Füchslein«, den Platzkommandanten in »Aus einem Totenhaus« vom gleichen Meister, den Würfel in »Die Ausflüge des Herrn Broucek«, den Kolenaty in »Die Sache Makropoulos« von Janácek, den Fürsten Galitzky in Borodins »Fürst Igor«, den Denisow in »Krieg und Frieden« von Prokofieff und den Boris Timofejew in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch. Er starb 1999 in Brünn.

Schallplatten: Supraphon (vollständige Opern »Das schlaue Füchslein«, 1958 und »Jenufa«, 1979).

 

29.9. Josef TRAXEL: 100. Geburtstag

Josef TRAXEL

 Er war zuerst an der Musikhochschule von Darmstadt Schüler von Noak. Er wurde im Zweiten Weltkrieg als Soldat einberufen und debütierte 1942 während eines Lazarett-Aufenthaltes am Stadttheater von Mainz als Don Ottavio im »Don Giovanni«. Gegen Ende des Krieges geriet er dann in englische Gefangenschaft. 1946 begann er seine eigentliche Bühnenlaufbahn am Stadttheater von Nürnberg. Von dort kam er 1952 an die Staatsoper von Stuttgart. Am 14.8.1952 sang er bei den Salzburger Festspielen in der Uraufführung der Richard-Strauss-Oper »Die Liebe der Danaë« die Rolle des Merkur. Seit 1954 wirkte er bei den Festspielen von Bayreuth mit, und zwar 1954-57 als Froh im »Rheingold«, 1954-55 als Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, 1955-56 als 1. Ritter im »Parsifal«, 1955 als Steuermann und 1956 als Erik in »Der fliegende Holländer«, 1956 als Kunz Vogelgesang und 1957 als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1957-58 als junger Seemann in »Tristan und Isolde«. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1958 und 1960 als Rodolfo in »La Bohème« von Puccini. Durch Gastspielverträge war er mit der Staatsoper von München und mit der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg verbunden. Konzert- Tourneen und Gastspiele trugen ihm in Frankreich (Grand Opéra Paris 1957, 1959), Österreich, Holland und in der Schweiz große Erfolge ein; 1957 unternahm er eine Nordamerika-Tournee. 1964 wirkte er in der Carnegie Hall New York in einer konzertanten Aufführung der Oper »Maria Stuarda« von Donizetti mit. Sein Bühnenrepertoire reichte vom Belmonte in Mozarts »Entführung aus dem Serail« bis zum Siegmund in der »Walküre«. Sehr erfolgreich auch als Konzertsänger, zumal als Evangelist in den Passionen von Bach. Seit 1963 war er Dozent an der Musikhochschule Stuttgart. Er starb 1975 in Stuttgart.

Schallplatten auf HMV, Decca (»Der Fliegender Holländer«), DGG, Eurodisc, Colosseum, Cetra Opera Live (Froh im »Rheingold«, Bayreuth 1957), Melodram (»Die Lustigen Weiber von Windsor«, 1949, »Die Liebe der Danaë« von R. Strauss, 1951), Hunt Records (Mozart-Requiem).

 

29.9. Enrico BEVIGNANI: 175. Geburtstag

 Biographie des italienischen Dirigenten und Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Enrico_Bevignani

 

30.9. Paul HÖGLUND: 90. Geburtstag

 Er studierte 1946-47 in der Opernklasse der Stockholmer Musikhochschule und war Schüler von Clemens Kaiser-Breme in Essen. 1948 debütierte er an der Königlichen Oper Stockholm als Bartolo in Rossinis »Barbier von Sevilla« und blieb bis 1952 an diesem Haus tätig, wo er u.a. den Masetto im »Don Giovanni« und den Hortensio in »La Fille du Régiment« von Donizetti sang. 1952-55 war er Mitglied des Stadttheaters Malmö, 1955-60 des Stora Theaters Göteborg. Hier trat er als Leporello im »Don Giovanni«, als Sparafucile im »Rigoletto« und in den vier dämonischen Partien in »Hoffmanns Erzählungen« auf. Seit 1960 gehörte er (nach einem Gastspiel als Figaro in »Le nozze di Figaro«) wieder bis 1983 der Oper von Stockholm an. Hier sang er 1977 in der Erstaufführung der Oper »Lulu« von Alban Berg die Rolle des Schigolch und wurde als Titelheld in Donizettis »Don Pasquale«, als Leporello, als Sparafucile, in den vier dämonischen Partien in »Hoffmanns Erzählungen«, als Sakristan in Puccinis »Tosca«, als Frosch in der Johann Strauß-Operette »Die Fledermaus« und in vielen anderen, darunter auch kleineren Partien (Alcindor in »La Bohème«, Antonio in »Le nozze di Figaro«), bekannt. 1968 wirkte er in der Stockholmer Uraufführung von F.A. Berwalds »Drottningen av Golconda« mit. Man schätzte seine darstellerische Begabung vor allem in Aufgaben aus dem Buffo-Fach. Er starb 2001 in Norra Åsum.

 

30.9. Konstantin OGNEVOI: 90. Geburtstag

Biographie des russischen Tenors auf Russisch:

ZUR BIOGRAFIE

 

30.9. Margarete von VAHSEL: 150. Geburtstag

Als sie elf Jahre alt war, hörte der Braunschweiger Hofkapellmeister und Komponist Franz Abt sie beim Vortrag von Liedern und riet dringend zur Ausbildung der Stimme. 1881 trat sie erstmals in einem Konzert in Magdeburg öffentlich auf; 1882 hatte sie als Soubrette ihr erstes Engagement am Stadttheater von Magdeburg und war dann in den Jahren 1883-94 am Hoftheater von Dessau tätig. 1894-95 gehörte sie dem Opernhaus von Leipzig an und gab seitdem nur noch Gastspiele und Konzerte. Eine weltweite Konzerttournee führte sie seit 1895 durch Nordamerika, Kanada, nach Neuseeland, Australien und Indien, und überall wurde sie bei ihren Auftritten gefeiert. Sie lebte dann für einige Jahre in New York und setzte dort ihre Konzerttätigkeit fort; sie betätigte sich zugleich auch als Gesanglehrerin. 1901 kam sie nach Deutschland zurück und nahm eine Stellung als Pädagogin am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin an. Von den Partien, die sie auf der Bühne gesungen hat, verdienen die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Marie in Donizettis »Regimentstochter«, die Carmen, die Undine von Lortzing, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Sieglinde in der »Walküre« und die Venus im »Tannhäuser« Erwähnung. Sie starb 1922 in Berlin. – Sie war mit dem lyrischen Tenor Rudolf Schmalfeld (* 22.2.1858 Neustrelitz, † 1922 Berlin) verheiratet, der Schüler von Franz von Milde in Hannover und dann 1885-95 am Hoftheater von Dessau, 1891-92 am Stadttheater von Zürich engagiert war und sich seit 1895 an den Kunstreisen seiner Gattin in aller Welt beteiligte; er trat 1897 an der Hofoper von München in der Uraufführung der Oper »Sarema« von A. Zemlinsk

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