Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM OKTOBER 2017

IN MEMORIAM-Geburtstage im Oktober 2017

2.10. Günther HOFMANN: 90. Geburtstag

Er wurde in Dresden-Johannstadt in einfachen Verhältnissen geboren. Er hatte schon als kleiner Junge den Wunsch, Opernsänger zu werden. In seiner Autobiographie schrieb er: „Ich besuchte allabendlich die Dresdner Oper (Stehparkett 1,80 Mark). … Indessen lernte ich aus Reclam Textbüchern Arientexte auswendig und quälte meine liebe Klavierlehrerin mit dem Studium von Opernklavierliteratur, … die ich auch bald auswendig und mit orchestralem Aufwand … vortrug.“ Von seiner Volksschule wurde er nach der 4. Klasse 1938 zur Aufnahmeprüfung zum Dresdner Kreuzchor vorgeschlagen, die er bestand. Seine Eltern waren aber wegen des damit verbundenen Internatsaufenthaltes dagegen, und so wurde er nur in die 29. Volksschule – eine damalige Mittelschule – auf dem Riesaer Platz umgesetzt. Im Krieg war er zunächst Hilfsschaffner im Kriegseinsatz bei der Dresdner Straßenbahn, später Elektropraktikant im Sachsenwerk Dresden-Niedersedlitz. Nebenbei war er Statist an der Oper und am Schauspiel. So lernte er namhafte Künstler kennen, ebenso das Repertoire, Sänger und Dirigenten sowie die damalige Bühnentechnik. Kurt Böhme wurde sein Vorbild. Er erlebte als Statist noch Richard Strauss am Pult in der Oper Capriccio. Nach dem Abitur (8. Juni 1944) wurde er zum Reichsarbeitsdienst und anschließend zur Wehrmacht eingezogen. An die Grund- und Funkerausbildung schloss sich die Pferdepflege in der Kavalleriekaserne Neuruppen und Kurzig (jetzt polnisch Miedzryzecz) an. Am 23. Dezember 1944 wurde er entlassen; am 12. Januar 1945 wurde er zum Artillerie-Ersatz- und Ausbildungsbataillon in der Nähe von Prag (damals „Protektorat Böhmen und Mähren“) einberufen. Ohne nennenswerten Kampfeinsatz erlebte er das Kriegsende und ging nach der Kapitulation zu Fuß Richtung Bayern. Bei Písek kam er in US-amerikanischen Gewahrsam; in Blatná wurde er an tschechische Partisanen, danach der Roten Armee übergeben. Es folgte ein entbehrungsreicher Fußmarsch bis Brünn, wo er mit Dysenterie in ein Seuchenlazarett (ehemalige Mädchenschule unterhalb der Festung Spilberk) eingeliefert wurde, zusammenbrach und für tot erklärt wurde (13. Juli 1945). Eine sowjetische Ärztin entdeckte letzte Lebenszeichen und rettete ihm das Leben. Dieses Ereignis prägte seine Dankbarkeit zu den russischen Menschen. Im November 1945 wurde er per Personenzug über Wien, Szeged, Odessa, Gori nach Tiflis (Ortsteil Naphtlug/Nawtlugi/Navtlughi an der Kura) in das Lager 236 transportiert, in dem er am 20. Dezember 1945 ankam. Mit musisch gleichgesinnten Kriegsgefangenen und mit Unterstützung sowjetischer bzw. georgischer Lageroffiziere gelang es ihm, Theaterstücke zu inszenieren, aufzuführen und in Tiflis das Rustaweli-Theater zu besuchen. Bei den sonntäglichen Veranstaltungen war er Ansager, leitete den Chor und schrieb für Orchester und Chor aus dem Gedächtnis die Noten für Lieder und Ouvertüren. „[…] meine musikalische Begabung, das musikalische Gedächtnis, das sich verlässlich abrufen lies, halfen mir dabei.“ Hier erlernte er Russisch und auch etwas Georgisch, was ihm sehr von Nutzen war. Im Herbst 1946 erfolgte ein Lagerwechsel vom Ortsteil Nawtlugi nach dem Ortsteil Didube und später nach Rustawi. Am 6. Dezember 1949 wurde er entlassen. Über Baku, Rostow am Don, Charkow, Kiew, Brest, Frankfurt (Oder) und Cottbus erreichte er Dresden, wo er am 23. Dezember 1949 seine Eltern wiedertraf. In Dresden wurde er sofort und ohne Prüfung von der Akademie für Musik und Theater zum Studium in der Fachrichtung Gesang bei Herbert Meißner (1889–1954) zugelassen. Weitere Lehrer waren Siegmund Witting und Fidelio F. Finke. Seine Ausbildung schloss er 1953 als Opernsänger „mit sehr gutem Erfolg“ ab. Seine Abschlussarbeiten schrieb er über die „Die Entwicklung der russischen Musik im 19.  Jahrhundert zu einer Nationalkunst“ sowie über „Das Volk in Boris Godunow“. Darin schrieb er u. a.: „Und was der Zar befürchtet hatte, war Wirklichkeit geworden. Der Bauer Russlands stand auf der Bühne. Das hungernde Volk schrie sein Elend in das parfümierte Parkett.“ Hier offenbare sich hier die russische Seele in der Musik.

Eine erste Anstellung fand Hofmann am Zittauer Stadttheater als Erbförster Kuno in Webers Freischütz und als Tommaso in d’Alberts Tiefland. Gastrollen führten ihn u. a. an das Chemnitzer Opernhaus. In Zittau lernte er seine spätere Frau als Tänzerin kennen. 1955 heirateten sie und zogen nach Meiningen. In Meiningen lebte und wirkte Hofmann bis zu seinem Tode. An das Meininger Theater wurde er als „Sänger für Oper und Operette“ verpflichtet. Er hat einen Sohn und eine Tochter, die ebenfalls im musischen Ambiente beruflich tätig sind. – Die Verbindung nach Dresden zu seinen Eltern sowie Verwandten und Freunden hielt er intensiv lange Jahre mittels eines DDR-PKW Trabant aufrecht und solches bis 2003 ohne die Bundesautobahn 71. Ab 1960 wurde seine Tätigkeit mit „Regieverpflichtung für Oper und Operette“ ergänzt. 1963 kamen Inszenierungen hinzu. 1967 wurde er der erste Kammersänger des Meininger Theaters. 1973-93 war er Direktor der Sparte Musiktheater des Meininger Theaters. Auch trat er als Sänger in Sinfoniekonzerten und Oratorienaufführungen auf. Der Deutsche Fernsehfunk verpflichtete ihn ebenso. Auf seiner Initiative basierten umfangreiche Gastspiele des Meininger Theaters im Stadttheater von Budweis; nach der Wende 1989 wurde diese Tradition nicht fortgesetzt. Anlässlich seiner Gastspielreisen nach Budweis lernte er noch Tschechisch. Die Gefangenschaft in Georgien, zu dieser Zeit eine Teilrepublik Sowjetrusslands, hat bei Hofmann zu diesen Menschen nachhaltig Spuren hinterlassen, was u. a. aus seinen Abschlussarbeiten, seiner Boris-Rolle und seinen Bemühungen um eine Kooperation zwischen dem Tifliser und Meininger Opernhaus hervorgeht. Er schreibt: „Ich habe in den 4 Jahren das Land Georgien lieben gelernt wegen seiner subtropischen Vegetation und ich habe seine alte Kultur bewundert, die die rote Revolution dezimiert und übertüncht hatte mit endlosen Spruchbändern und Stalinbildern. … Niemals habe ich den Gedanken aufgegeben, noch einmal den Kaukasus und die Stadt Tiflis wiederzusehen. Unvergessliche Erinnerungen an die schöne Gegend und ihre Menschen, an romantische Bergschluchten, an die subtropische Flora und das Völkergemisch verdrängten zunehmend das düstere Andenken an die Gefangenschaft.“ So kam es folgerichtig 1981 und 1984 zu Besuchen der Tifliser Oper zwecks Gastspielaustausch, woraufhin er die georgische Oper Mindia von Otar Taktakischwili am Meininger Theater inszenierte. Die Premiere fand am 12. November 1981 statt, ein Austausch kam nicht zustande. Seine Inszenierung des Fliegenden Holländers am Meininger Theater vor der Wende (Premiere am 27. Mai 1988) stellte er unter das Motto: „Ach! ohne Hoffnung wie ich bin, geb’ ich mich doch der Hoffnung hin!“ (1. Akt, 3. Szene). Meiningen und das Meininger Theater waren seine Welt. Hier war er bis 1993 tätig. Gleichwohl schließt er seine Autobiographie mit den Worten des Dresdner Heimatforschers und vormaligen Direktors des dortigen Stadtmuseums Matthias Griebel: „Je weiter sich ein Dresdner von seiner Heimat entfernt, umso größer wird seine Liebe zu ihr.“ Auch nach seiner Pensionierung blieb Hofmann der Meininger Opernszene verbunden, wie seine Veröffentlichungen belegen. Die Maximen seiner Arbeit waren Realität und Verständlichkeit. Er stand damit im Widerspruch zu jüngeren Regisseuren, die alten Opern moderne Interpretationen unterlegen. Hofmann war ein hervorragender Sänger und Vollblut-Komödiant, ein „dienender“ Regisseur, einer, dem es um das Anliegen der jeweiligen Autoren ging, sowie ein geduldiger, menschlich zugänglicher und administrativ konsequenter „Chef“. Hierzu schreibt er in seiner Autobiographie: „Begriffe wie ‚Werktreue‘ gerieten in Verruf, weil man sie mit ‚museal‘ und altmodisch-einfallslos gleichzusetzen versuchte. Ich habe die Autoren immer ernst und beim Wort genommen: schreiben sie für die Szene vor ‚im tiefen Wald‘, lasse ich das nicht auf dem Herrenklosett spielen. Die richtige Opernmusik beherrscht ja die Szene, wie der ‚Freischütz‘ den Wald. Romantik heißt: Wiederspiegelung menschlicher Konflikte, Stimmungen und Gefühle in der Natur. Das entsprach der Geisteshaltung dieser Zeit. Sie ist für uns ebenso mitteilungswert, wie ein Gemälde, wie der Charakter der Musik. Alles andere ist Verfälschung, ist Aufopferung einer fremden Ideologie, ist historische Besserwisserei, ist Vernichtung der Autorenabsicht.“ Er hatte eine besondere Affinität zu Richard Strauss und Richard Wagner, erkenntlich auch an seinen Rollen. Nach dem Urteil von Dirigent Rolf Reuter war Hofmann „der beste Faninal der Welt“. Über Richard Wagner verfasste er mehrere Aufsätze. Hofmann ist als Interpret der tragenden und zumeist schweren Baritonpartien von Verdi bis Wagner, der russischen Opern, auch von Werken zeitgenössischer Komponisten eine herausragende Sängerpersönlichkeit gewesen, die sich auch an großen Häusern mit Sicherheit in eine exponierte Position gesungen hätte. Unvergesslich sein Sachs, Rigoletto, Boris, Einstein, auch manche komische Figur in Spielopern. Darüber hinaus hat er als Regisseur sowohl auf tradierende Werktreue, auf Sanglichkeit gesetzt und zugleich während dreißig Jahren für seriöse Kontinuität im Meininger Opernbetrieb gesorgt. An seinem Inszenierungsstil haben sich die meisten jüngeren Kollegen gerieben. Er engagierte sich auch im gesellschaftlichen Bereich; beispielsweise setzte er sich zusammen mit Rolf-Christoph Ullmann bei der Stadtverwaltung Meiningen für den Erhalt der Sammlung der Original-Prospekte der weltberühmten Theatermaler Gebrüder Max und Gotthold Brückner aus Coburg im Schloss Elisabethenburg ein. Es war ihm stets Ehre und Verpflichtung, seinen Gästen diese Sammlung zu zeigen und zu kommentieren. Er war einer der wenigen, die einen so langen Zeitraum am selben Haus erlebten; deshalb war er begehrter Gesprächspartner, wenn es galt, Historie aufzuarbeiten. Das war bis zu seinem Tod „sein“ Feld. Hofmann hatte zwei Hobbys: sein Aquarium und seine Modelleisenbahn Spur 0 – kostümiert mit Bahnermütze und Winkerkelle. Bei seinem einzigen Umzug in Meiningen 2005 musste er beide Hobbys aufgeben. Von 1995 an, insbesondere jedoch ab 2008 bis Ende 2010 schrieb und diktierte Hofmann mit Unterstützung von Horst Arnold seine Autobiographie. Sie umfasst 93 maschinengeschriebene DIN-A4-Seiten. Günther Hofmann starb 2013 in Meiningen. Er wurde auf dem Heidefriedhof in Dresden beigesetzt. (Quelle: Wikipedia)

 

2.10. Otmar MÁCHA: 95. Geburtstag

Er studierte am Konservatorium Prag und war bis 1948 Schüler von Jaroslav Rídký. 1947-62 arbeitete er als musikalischer Direktor und Regisseur beim Tschechoslowakischen Rundfunk in Prag. Danach lebte er als freischaffender Komponist. 1995 gründete er mit Zdenek Lukás, Sylvie Bodorová und Lubos Fiser die Komponistengruppe Quattro. Otmar Mácha komponierte fünf Opern, zwei Sinfonien und zwei Sinfonietten, eine sinfonische Dichtung, ein sinfonisches Intermezzo, Orchestervariationen, kammermusikalische Werke, ein Oratorium, drei Kantaten, Klavierstücke, Chorwerke, Filmmusiken und Lieder. Er starb 2006 in Pardubice.

 

4.10. David AIKEN: 100. Geburtstag

 Biographie des amerikanischen Baritons auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/David_Aiken_(baritone)  

 

4.10. Albert DE KLERK: 100. Geburtstag

Er ist der Sohn des Musikers Jos de Klerk (1885–1969), der als sein erster Lehrer auftrat. Albert de Klerk studierte am Conservatorium van Amsterdam, unter anderem bei Anthon van der Horst, Orgelspiel und schloss sein Studium 1939 mit einem Diplom mit der Note summa cum laude ab. Bereits 1934 folgte er auf Hendrik Andriessen als Organist an der St. Joseph-Kirche in Haarlem, ein Amt, das er bis zu seinem Tode hielt. 1946-64 unterrichtete de Klerk Orgel am Institut für Katholische Kirchenmusik Utrecht, bevor er 1965-83 als Professor für Orgel am Amsterdamer Konservatorium lehrte. 1956-86 deckte er zusammen mit Piet Kee das Amt des Stadtorganisten von Haarlem ab. De Klerk komponierte Werke im Bereich der Kammermusik für Orgel, Klavier, Glockenspiel, Chor und Sologesang. Außerdem betätigte er sich als Dirigent und Orgelimprovisator. Er starb 1998 in Haarlem.

 

4.10. Lawrence DAVIDSON: 100. Geburtstag

Lawrence DAVIDSON

 Er durchlief seine Ausbildung zum Sänger in seiner Vaterstadt Chicago, hauptsächlich bei Thomas MacBurney. 1942 debütierte er an der Oper von Chicago als Crespel in »Hoffmanns Erzählungen« und wechselte dann an das American Lyric Theatre. Er wurde jedoch bald darauf zum Kriegsdienst eingezogen und konnte erst 1946 seine Bühnentätigkeit wieder aufnehmen, als er in dem Musical »Carousel« von R. Rodgers am New Yorker Broadway auftrat. Nachdem er in Opernaufführungen beim Central City Opera Festival mitgewirkt hatte, wurde er 1947 an die Metropolitan Oper New York verpflichtet, der er (mit kurzer Unterbrechung) bis 1966 angehörte. Hier verkörperte er in insgesamt 713 Auftritten 43 zumeist kleinere und mittlere Partien, Er debütierte an der Metropolitan Oper als Schließer in »Tosca« und sang u.a. den Marquis d’Obigny in »La Traviata«, den Antonio in »Le nozze di Figaro«, den Wagner im »Faust« von Gounod, den Bartolo im »Barbier von Sevilla«, den Alberich im Nibelungenring, den Benoit wie den Alcindor in »La Bohème«, den Klingsor im »Parsifal«, den Masetto im »Don Giovanni«, den Irrenhauswärter in der amerikanischen Erstaufführung von Strawinskys »The Rake’s Progress«, den Mesner in »Tosca«, den Fra Melitone in »La forza del destino« von Verdi, den Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Lamoral in der amerikanischen Erstaufführung der »Arabella« von R. Strauss, den Warlaam im »Boris Godunow« und den Marullo im »Rigoletto«. Er setzte seine Bühnentätigkeit bis Anfang der siebziger Jahre fort und gastierte an verschiedenen amerikanischen Opernhäusern, u.a. an der Oper von New Orleans und an der Philadelphia Grand Opera. Er war aber auch als Konzert- und Rundfunksänger tätig und wirkte seit den sechziger Jahren als Pädagoge am Cape Code Conservatory of Music in Hyannis; gelegentlich betätigte er sich auch als Regisseur. Er starb im Februar 1998.

Schallplatten: Columbia (kleinere Partien in Gesamtaufnahmen »La Bohème«, »Faust«, »The Rake’s Progress«), HRE (Querschnitt »Tosca« von 1956 aus der Metropolitan Oper als Mesner mit Maria Callas als Tosca), Morgan (Mitschnitt »La Bohème« als Alcindor aus der Metropolitan Oper, 1951).

 

5.10. Charles ANSBACHER: 75. Geburtstag

Er war der Sohn des bekannten Psychologenpaares Heinz Ludwig Ansbacher und Rowena Ripin Ansbacher. Seine musikalische Ausbildung erhielt er durch Cello-Unterricht in seiner Kindheit. In seiner Jugend dirigierte er das High-School-Orchester in Burlington (Vermont) bei der Aufführung eines Werkes von Gustav Mahler. Seine Eltern ließen ihn darauf Kurse im Greenwood Music Camp und in Tanglewood besuchen. Er absolvierte zunächst ein Studium der Physik an der Brown University (1965) und der University of Cincinnati (M.M. 1968, D.M.A. 1979). Am Mozarteum Salzburg studierte er Dirigieren. Ansbacher war 1970-89 Dirigent und musikalischer Leiter des Colorado Springs Symphony Orchestra. Mitte der 1990er-Jahre lebte Ansbacher in Wien, wo er mehrfach an der Wiener Staatsoper dirigierte sowie mit dem Wiener Kammerorchester und den Innsbrucker Philharmonikern auftrat. Er dirigierte auch das Philharmonische Orchester Sarajevo in ihren Auftritten in Österreich, darunter im Großen Festspielhaus Salzburg und in der Wiener Stadthalle. Besondere Aufmerksamkeit widmete er osteuropäischen Ländern im Umbruch, wo er verschiedene Orchester dirigierte und den kulturellen Austausch förderte. So brachte er nicht nur die Philharmonie Sarajevo nach Österreich und Italien, sondern auch führende Mitglieder des Chicago Symphony Orchestra mit dem kroatischen Pianisten Ivo Pogorelich zusammen, um die Eröffnung des kroatischen Konsulates in Chicago zu gestalten. Ansbacher war ernannter Dirigent von Orchestern in Boston, Moskau, Bishkek und Sarajevo. Zu seinen berühmtesten Aufführungen zählte ein Brahms-Programm am Sanders-Theater der Harvard University, Beethovens 9. Sinfonie mit dem Tanglewood Festival Chorus, sowie die Aufführung desselben Werks in Belgrad mit amerikanischen und russischen Solisten. Kurz nach seiner Übersiedlung von Colorado nach Massachusetts war Ansbacher 1998-99 „Visiting Scholar“ im Harvard Music Department. Im Jahre 2000 gründete er das Boston Landmarks Orchestra, welches eintrittsfreie klassische Musikkonzerte an verschiedenen Orten im Großraum Boston gab. Er dirigierte auch das allererste Sinfoniekonzert im Stadion Fenway Park in Boston. Am 1. September 2010 wurde Ansbacher zum Ehrendirigenten dieses Orchesters ernannt. Er dirigierte auch die Welturaufführung eines musikalischen Mandela-Portraits in Johannesburg, ehe es 2004 in den USA aufgeführt wurde. Im Dezember 2005 leitete er das Jerusalem Symphony Orchestra in einer Aufführung mit dem palästinensischen Solisten Saleem Abboud-Ashkar. 2008 war er der erste US-amerikanische Dirigent, der das libanesische Symphonieorchester dirigierte. In Hanoi war er der erste Amerikaner, der das vietnamesische Nationalorchester leiten durfte. Präsident Bill Clinton nannte Ansbacher „den inoffiziellen US-Botschafter der Musik.“ Ansbacher engagierte sich auch gesellschaftlich. Er war als White House Fellow Vizevorsitzender der Task Force on the Use of Design, Art, and Architecture in Transportation des US-amerikanischen Verkehrsministeriums. durch sein Interesse an Gestaltung und Architektur wurde Ansbacher von Bürgermeister Federico Pena zum Mitglied des Blue Ribbon Committees für die Gestaltung des neuen Denver International Airport ernannt. Danach blieb er als Vorsitzender des Colorado Council on the Arts and Humanities, zu dem er von Gouverneur Roy Romer bestellt wurde, in der Politik. Ansbacher war verheiratet mit Swanee Hunt, die 1993-97 US-Botschafterin in Wien war. Das Ehepaar bekam drei Kinder, den späteren Filmemacher Henry Ansbacher, Lillian Shuff und Teddy Ansbacher-Hunt. Charles Ansbacher starb 2010 in Cambridge (Massachusetts).

 

6.10. Keith ERWEN: 75. Geburtstag

 Eigentlicher Name Ravan Keith Urwin; er erhielt seine Ausbildung an der Guildhall School of Music in London, u.a. bei Joseph Hislop. Sein Bühnendebüt fand 1969 bei der Welsh Opera Cardiff als Herzog von Mantua in Verdis »Rigoletto« statt. Er hatte als lyrischer Tenor wichtige Erfolge an den führenden englischen Operntheatern, besonders an der Covent Garden Oper London und an der English National Opera. Beim Glyndebourne Festival sang er 1970 einen der Priester und den 1. Geharnischten in der »Zauberflöte« sowie 1972 den Macduff in Verdis »Macbeth«; bei der Glyndebourne Touring Opera sang er 1972 den Rodolfo in  Puccinis »La Bohème«. Er gastierte u.a. am Opernhaus von Köln. Er verlor früh seine Stimme und musste seine Karriere 1976 aufgeben. Zu seinen Glanzrollen zählten der Tamino in Mozarts »Zauberflöte«, der Ferrando in »Così fan tutte«, der Don José in »Carmen«, der Ernesto im »Don Pasquale« von Donizetti, der Lenski im »Eugen Onegin« sowie Partien in Verdi-Opern. Dazu als Konzertsänger erfolgreich. Er starb 1984 in Cardiff.

Schallplatten: Philips, HMV (u.a. integrale Oper »Koanga« von Delius), Decca (»Hippolyte et Aricie« von Rameau, »La Traviata«, »Les Troyens« von Berlioz); Pickwick-Video (»Macbeth« von Verdi aus Glyndebourne).

 

6.10. Elena RIZZIERI: 95. Geburtstag

Elena RIZZIERI

 Sie wurde am Conservatorio Benedetto Marcello in Venedig ausgebildet und war Schülerin von Gilda dalla Rizza. 1946 fand ihr Bühnendebüt am Teatro Fenice von Venedig als Marguerite im »Faust« von Gounod statt. Sie hatte ihre großen Erfolge in Partien wie der Liu in »Turandot«, der Mimi in »La Bohème« und der Titelheldin in »Manon« von Massenet. 1948 sang sie bei den Festspielen von Verona. An der Mailänder Scala sang sie 1950 die Lucieta in »Il Campiello« von E. Wolf-Ferrari, 1953 die Titelrolle in »Manon« von Massenet und 1958-59 die Elena in Nino Rotas »Il cappello di paglia di Firenze«. Eine große Karriere hatte sie am Teatro Fenice Venedig; hier hörte man sie 1947 als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Mimi und als Ilia in »Idomeneo« von Mozart, 1948 als Liu, 1949 als Carmela in Giordanos »Mese Mariano« und als Mimi, 1950 als Parasha im »Jahrmarkt von Sorotschinzy« von Mussorgsky und als Marguerite im »Faust« von Gounod, 1951 in der Titelrolle der Oper »La Clementina« von Boccherini, 1952 als Euridice in Glucks  »Orfeo ed Euridice« und als Lucieta in »I quattro rusteghi« von E. Wolf-Ferrari, 1953 als Susanna, 1954 als Nedda im »Bajazzo« und als Lucieta in »I quattro rusteghi«, 1956 als Ännchen im »Freischütz«, 1958 als Gnese in »Il Campiello« von Wolf-Ferrari, 1960 als Serpina in »La serva padrona« von Pergolesi, als Rosa in »La Cantatrici villane« von Fioravanti, als Lesbina in »Il filosofo di Campagna« von Baldassare Galuppi und als Gnese, 1961 und nochmals 1962 als Lucieta in »I quattro rusteghi«. Am Teatro Massimo Palermo sang sie 1947 die Mimi, 1949 die Margherita in »Mefistofele« von Boito, 1951 die Butterfly und die Traviata, 1952 die Marguerite im »Faust« von Gounod und die Liu, 1953 die Mimi. Auch an der Oper von Rom übernahm sie eine Vielzahl von Rollen: 1947 die Mimi und die Marina im »Boris Godunow«, 1948-49 die Sinaide in Rossinis »Mosè in Egitto«, 1949-50 die Nanetta in Verdis »Falstaff« und die Traviata, 1950-51 die Parasha, die Mimi, die Euridice und die Caterina in »Vanna Lupa« von I. Pizzetti, 1951-52 die Emma in Mussorgskys »Chowanschtschina« und die Butterfly, 1953 die Marguerite und die Manon, 1954 die Titelfigur in der italienischen Erstaufführung von Rimsky-Korssakows »Schneeflöckchen«, 1955 die Traviata, 1958 die Marina und die Mimi, 1959 die Zerlina im »Don Giovanni«, 1960 die Colombine in Mascagnis »Le Maschere«. 1951 gastierte sie am Teatro Liceu Barcelona, 1951 am Teatro Comunale Bologna als Traviata und als Manon, 1952 als Margherita in »Mefistofele«, 1947 und 1951 am Teatro Comunale Modena als Mimi. Bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla sang sie 1948 die Traviata, die Marguerite im »Faust« von Gounod und die Mimi, 1949 die Marguerite, 1950 die Butterfly und die Anaide in »Mosè in Egitto«, 1951 wieder die Traviata, 1952 die Butterfly und 1955 die Margherita in »Mefistofele«. 1956 übernahm sie am Teatro Carignano in Turin die Susanna in »Le nozze di Figaro«, 1957 die Mimi und die Manon, 1959 die Serpina und die Rosa in »La Cantatrici Villane« von Fioravanti, am Teatro Comunale Florenz 1955 die Colombine in »Le Maschere«, am Teatro Verdi Triest 1961 die gleiche Rolle. Gastspiele brachten ihr an vielen italienischen Bühnen von Rang, in Spanien, Portugal, Frankreich und Deutschland bedeutende Erfolge ein. Am 4.5.1949 sang sie beim Maggio Musicale von Florenz in der Uraufführung der Oper »Vanna Lupa« von Pizzetti, am 26.2.1958 an der Oper von Rom in der von »Il Tesoro« von Jacopo Napoli. 1953 Gastspiel in Dublin als Butterfly, 1955-56 sang sie bei den Festspielen von Glyndebourne die Susanna, 1956 auch die Despina in »Così fan tutte«. 1957 bewunderte man in Paris, 1959 in der Royal Festival Hall in London ihre Gestaltung der Serpina in »La Serva padrona« von Pergolesi. Nach 1962 fanden sich keine Auftritte mehr an den großen italienischen Theatern. Sie starb 2016 in Rom.

Schallplatten: Cetra (»Martha« als Partnerin von Ferruccio Tagliavini, »Il segreto di Susanna« von Wolf-Ferrari, »I Zingari« von Paisiello), HMV (»Il Filosofo di Campagna« von Galuppi), MRF (»Il Crescendo« von Cherubini), Nuova Era (Titelrolle in »La Clementina« von Luigi Boccherini).

 

6.10. Rosa BALETTI: 250. Geburtstag

 Sie war die Tochter des (wohl aus Italien stammenden) Herzoglichen Württembergischen Ballettmeisters Baletti und wurde während elf Jahren in der École des Demoiselles in Stuttgart erzogen. Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie durch die Kapellmeister Mazzanti und Poli in Stuttgart und wurde dann als erste Sängerin in die Herzoglich Württembergische Hofkapelle aufgenommen. Ihr Ruf, den sie dort genoss, führte 1788 zu einer Einladung nach Paris, wo sie in den Concerts Spirituels mit großem Erfolg auftrat. Man verglich ihren Vortrag mit dem der großen Primadonna Luisa Rosa Todi, die damals sensationelle Erfolge bei ihren Auftritten in ganz Europa hatte. In Paris trat Rosa Baletti dann auch auf der Bühne in Erscheinung; bis 1792 sang sie am dortigen Théâtre Monsieur vor allem Buffo-Rollen. In Frankreich trat sie auch als Rosette Baletti (Balletti) auf. 1802 heiratete sie einen französischen Grafen und lebte 1806 in Paris »unter den glücklichsten Verhältnissen«.

 

8.10. Stefania WOYTOWICZ: 95. Geburtstag

Stefania WOYTOWICZ

 Sie verbrachte ihre Kindheit in Brest-Litowsk, seit 1943 wohnte sie in Warschau. 1945 begann sie an der Universität von Krakau das Studium der Romanistik und der Musikwissenschaft. Zugleich Ausbildung ihrer Stimme bei Stanislawa Zawadska in Krakau. 1949 kam es zu ihrem Konzertdebüt. 1950 gewann sie einen Gesangwettbewerb in Poznan (Posen), 1951 den Bach-Wettbewerb in Leipzig, 1954 den Wettbewerb beim Prager Musikfrühling. Nach ersten Erfolgen in Polen folgte 1955 eine große Tournee durch Österreich, Russland und China. Seitdem glänzende Erfolge in den Konzertsälen in aller Welt, in London und Paris, in Stockholm und Moskau, in Holland und Deutschland und bei den Festspielen von Edinburgh. 1960 unternahm die Sängerin, die in Warschau ihren Wohnsitz behielt, eine große Nordamerika-Konzertreise. Bei den Festspielen von Salzburg sang sie 1965 ein Solo in der Auferstehungs-Sinfonie von Gustav Mahler, 1970 in der Lukas-Passion von K. Penderecki. 1970 trat sie in einem Konzert in Brüssel, 1973 beim Maggio Musicale von Florenz auf. Auf der Bühne ist sie nicht erschienen, wohl aber in Fernsehopern. Dazu sang sie Opernmusik auf zahlreichen Schallplatten. Reich gebildete Sopranstimme von ungewöhnlicher Leuchtkraft des Timbres. Sie zeichnete sich auch als Interpretin moderner Musik (»Lieder nach Ansichtskartentexten« von A. Berg) aus. Sie starb 2005 in Warschau.

Schallplatten: Supraphon, Muza (»Halka« von Moniuszko); Eterna, besonders aber DGG (hier u.a. Titelrolle in vollständiger Oper »Tosca«, Stabat mater von Dvorák, Leonore in »La forza del destino«), Philips (Lukaspassion und »Utrenja« von Penderecki), Telefunken (Lieder von Chopin), Edition Schwann (Sinfonie Nr. 3 von Górecki), Eterna, RCA (»Utrenja« von Penderecki), Olympia (Orchesterlieder von Henryk Nikolaj Gorecki).

 

8.10. Mary LeSAWYER: 100. Geburtstag

 Biographie der amerikanischen Sängerin auf Englisch:

https://en.wikipedia.org/wiki/Mary_LeSawyer

 

8.10. Hans POSER: 100. Geburtstag

Er besuchte 1929-37 die Deutsche Oberschule in Auerbach als Internatsschüler. Schon während seiner Schulzeit setzte er sich mit Musiktheorie und Komposition auseinander. 1937-45 war er Soldat, zuletzt als Offizier der Luftwaffe. Ende September 1940 geriet er nach einem Aufklärungsflug über London in britische Kriegsgefangenschaft. Ab Anfang 1941 bis Kriegsende verbrachte Poser seine Kriegsgefangenschaft in Kanada im Lager Gravenhurst. Während dieser Zeit widmete sich Poser intensiv der Musik. Nachdem im Frühjahr 1941 Musikinstrumente durch die Vermittlung des YMCA und der American Aid for German War Prisoners eintrafen, leitete er das Lagerorchester, das bis zu 44 Instrumentalisten umfasste, sowie weitere Musikensembles. Zudem befasste er sich autodidaktisch mit Kompositionslehre, zum Beispiel 1943 Hermann Grabners „Der lineare Satz“. Auch nahm er vereinzelt brieflichen Kontakt mit deutschen Komponisten auf (Hermann Grabner, Paul Hindemith). Nach Kriegsende kehrte er Ende 1946 nach Deutschland zurück und ließ sich in Hamburg nieder. Dort studierte er bis Ende 1947 an der städtischen Schule für Musik und Theater (die spätere Hochschule) bei Ernst Gernot Klussmann und Wilhelm Brückner-Rüggeberg. Bereits in dieser Zeit erhielt er seinen ersten Lehrauftrag. Weitere Lehraufträge folgten und er wurde 1962 Professor der Hochschule für Musik in Hamburg. Ab 1968 leitete er die Abteilung für Komposition und Theorie. Seit 1953 war er außerdem Mitglied der Akademie der Künste Hamburg. Hans Poser war verheiratet und hatte fünf Kinder. Am 1. Oktober 1970 starb Hans Poser im Alter von 52 Jahren in Hamburg.             

Das vielfältige Schaffen Posers umfasst Orchester- und Klaviermusik, Chorwerke, Melodien für den Werbefunk und zwei Fernsehopern. Schlagartig bekannt wurde Poser mit der Uraufführung des Capriccio Till Eulenspiegel op. 35 auf dem Deutschen Sängerbundfest 1956. Nach dem anfänglichen Erfolg geriet das Werk jedoch schnell aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Posers Werk zeigt ein starkes Engagement für die Musikpädagogik, besonders die Kinder-, Jugend- und Schulmusik. Er komponierte zahlreiche Kinderlieder, Laiensingspiele und kleinere relativ leicht spiel- und singbare Werke, die sich besonders für den Musikunterricht eignen. Dieser „Gebrauchsmusik“ widmete er dabei genauso viel Leidenschaft und Energie wie seinen anderen Werken. Zum Teil verfasste er für diese Lieder selbst die Liedtexte. Seine kompositorische Handschrift ist nicht so sehr der avantgardistischen Musikströmung seiner Zeit wie etwa den Kompositionen Arnold Schönbergs zuzurechnen. Vielmehr zeichnen sich seine Werke durch eine Traditionsgebundenheit in ästhetischer Nähe zu Paul Hindemith aus. Für einige seiner Werke, die der Unterhaltungsmusik zuzurechnen sind, benutzte er seit 1939 das Pseudonym Wolfgang Tannenberg.

 

8.10. Minna NANITZ: 175. Geburtstag

Minna_Nanitz

 Nachdem sie zuerst am Hoftheater von Hannover ihre Erfolge gehabt hatte, kam sie 1870 als Nachfolgerin der berühmten Sängerin Aloysia Krebs-Michalesi an die Dresdner Hofoper. Bis zu ihrem Rücktritt von der Bühne 1885 durchlief sie an diesem Opernhaus eine große Karriere. Sie sang hier Partien wie die Ortrud im »Lohengrin«, die Amneris in Verdis »Aida«, die Frau Reich in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor« und den Orpheus in Glucks »Orpheus und Eurydike«. Am 21.3.1874 wirkte sie dort in der Uraufführung der Oper »Die Folkunger« von Edmund Kretschmar mit. Neben ihrem Wirken auf der Opernbühne hatte sie auch eine erfolgreiche Karriere als Konzert- und Oratoriensängerin. Sie starb 1903 in Karlsbad.

 

9.10. Anna ROCKE-HEINDL: 150. Geburtstag

Anna ROCKE-HEINDL

 Sie kam als Kind nach Nordamerika, obwohl sie einer Wiener Familie entstammte und erhielt dort ihren ersten Gesangunterricht. Nach Wien zurückgekehrt ließ sie ihre Stimme durch die berühmte Marianne Brandt ausbilden. 1892 begann sie ihre Bühnentätigkeit am Hof- und Nationaltheater Mannheim, wo sie als erste Partien die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer und die Donna Anna im »Don Giovanni« vortrug und sogleich große Erfolge erzielen konnte. In den folgenden zehn Jahren war sie eine der prominentesten Künstlerinnen dieses Hauses und hatte dort im dramatischen Stimmfach eine große Karriere: als Leonore im »Fidelio«, als Elsa im »Lohengrin«, als Sieglinde wie als Brünnhilde im Nibelungenring, als Amelia in Verdis »Maskenball«, als Violetta in »La Traviata«, als Gräfin in »Figaros Hochzeit«, als Pamina in der »Zauberflöte«, als Königin der Erdgeister in »Hans Heiling« von Marschner und als Selika in Meyerbeers »Afrikanerin«. 1903-06 war sie an der Hofoper von Dresden, 1906-08 am Hoftheater von Dessau engagiert. Gastspiele führten sie an die Hoftheater von Stuttgart (seit 1898), Wiesbaden (seit 1894) und Karlsruhe (seit 1900), an die Opernhäuser von Frankfurt a.M. (seit 1894) und Leipzig (1907) wie an das Deutsche Theater Prag (1905). 1905 gastierte sie in Amsterdam als Donna Anna. Auch nach 1908 war sie noch als Gast am Mannheimer Theater zu hören, wo sie sich später auch als Pädagogin betätigte. Sie setzte ihre Gastspieltätigkeit bis 1911 fort. Sie war mit einem Sohn des bekannten Tenors Leopold Rocke (1818-89) verheiratet; ihre Tochter Annemarie Rocke (1901-2004) wurde eine bekannte Schauspielerin, die mit dem nicht weniger bekannten Schauspieler Eduard Marks (1901-81) verheiratet war. Anna Rocke-Heindl lebte schließlich bei ihrer Tochter in Hamburg, wo sie 1963 hochbetagt starb.

 

9.10. Georg WEBER: 175. Geburtstag

 Er kam frühzeitig als Choreleve an das Hoftheater von Darmstadt. Der Großherzog von Hessen-Darmstadt Ludwig III. gewährte ihm ein Stipendium für eine dreijährige Ausbildung. Bis 1875 blieb er am Darmstädter Hoftheater tätig und ging darauf als erster Bassist an das Opernhaus von Frankfurt a.M., an dem er bis zu seinem Tod blieb. Hatte er zu Beginn seiner Karriere hauptsächlich Partien aus dem Bereich der deutschen Spieloper gesungen, so nahm er später eine Anzahl von Wagner-Partien (darunter vor allem den Fafner im Nibelungenring) in sein Repertoire auf. Auch als Konzertsänger kam er zu einer erfolgreichen Karriere und trat u.a. bei den Leipziger Gewandhauskonzerten auf. 1899 gastierte er am Opernhaus von Leipzig als Ritter Adelhof im »Waffenschmied« von Lortzing. Nur wenige Monate später starb er plötzlich in Luzern während eines Ferienaufenthalts in der Schweiz.

 

10.10. Marianne MARKAN: 150. Geburtstag

 Sie war die Tochter eines Bergwerksbesitzers und wurde durch die berühmte Marianne Brandt in Wien zur Sängerin ausgebildet. 1887 begann sie ihre Bühnenkarriere mit einem Engagement am Stadttheater von Stettin. 1889 ging die Künstlerin an das Stadttheater von Bremen und wurde 1890 an das Hoftheater von Dessau verpflichtet. Hier wie bei Gastspielen und Konzerten hatte sie in einer Vielzahl von Aufgaben wichtige Erfolge. Auf der Bühne trat sie u.a. als Fides in Meyerbeers »Der Prophet«, als Azucena im »Troubadour«, als Amneris in »Aida«, als Nancy in Flotows »Martha«, als Orpheus in Glucks »Orpheus und Euyrdike«, als Adriano in »Rienzi« von R. Wagner, als Ortrud im »Lohengrin« und als Mercedes in »Carmen« von Bizet auf. Bis zum Jahre 1900 gehörte sie dem Dessauer Hoftheater an. Über den Fortgang ihrer Karriere sind keine Nachrichten vorhanden.

 

11.10. Jacqueline LUSSAS: 95. Geburtstag

Ihr eigentlicher Name war Marthe Tournien. Sie erhielt ihre Ausbildung am Konservatorium von Nizza und debütierte 1943 an der Oper von Monte Carlo als Charlotte im »Werther« von Massenet mit José Luccioni in der Titelrolle. 1944-45 sang sie an der Oper von Marseille und wurde dann 1945 an die Pariser Opéra-Comique berufen, an der sie als Carmen debütierte. In den folgenden Jahren trat sie an diesem Haus als Mignon von A. Thomas, als Taven in »Mireille« von Gounod, als Santuzza in »Cavalleria rusticana«, als Tosca und als Mlle. Lange in »Le Fille de Madame Angot« von Lecocq auf, wobei sie zu großen Erfolgen kam. Man schätzte sie vor allem als hervorragende Darstellerin, eine Begabung, die sie in zahlreichen Auftritten in Operetten an den führenden Bühnen in der französischen Provinz bewies. Sie setzte aber auch ihre Karriere im Bereich der Oper fort und gastierte in der Schweiz, in Belgien und Italien. 1963-71 war sie dann nochmals an der Grand Opéra Paris engagiert, übernahm hier jedoch jetzt Charakterrollen wie die Marthe im »Faust« von Gounod, die Frugola in Puccinis »Il Tabarro«, die Zita in »Gianni Schicchi« und die Alisa in »Lucia di Lammermoor«. Neben ihrem Wirken auf der Bühne war sie auch im Konzertsaal erfolgreich tätig. Vielfach erschien sie an französischen Rundfunksendern. Seit 1971 wirkte sie als Pädagogin am Konservatorium von Issy-les-Moulineaux. Neben ihrer Glanzrolle, der Carmen, die sie im Verlauf ihrer Karriere rund 700mal übernahm, standen in ihrem Opernrepertoire die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns (u.a. 1944 in Monte Carlo), die Dulcinée in »Don Quichotte« von Massenet, die Concepcion in Ravels »L’Heure espagnole«, die Margared in »Le Roi d’Ys« von Lalo, die Titelpartie in »Hérodiade« von Massenet, die Ulrica im »Maskenball« von Verdi und die Lola in »Cavalleria rusticana« an führender Stelle. Sie starb im Jahr 2008.

 

11.10. Branko PIVNICKI: 100. Geburtstag

 Er war an der Belgrader Musikakademie Schüler des bekannten Bassisten Nikola Cvejic. 1936 begann er seine Bühnenlaufbahn auf der Nationaloper Belgrad, deren Mitglied er bis zu seinem Abschied von der Bühne 1971 geblieben ist. Seit 1957 war er als Dozent an der Musikakademie von Belgrad tätig Zahlreiche internationale Gastspiele, die er zumeist als Mitglied der Belgrader Oper absolvierte, ließen seinen Namen weiten Kreisen bekannt werden. So war er in der Schweiz, in Italien, Deutschland, Frankreich und Schweden zu Gast. Dabei sang er auf der Bühne Partien wie den Figaro in »Figaros Hochzeit«, den Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Titelhelden im »Don Pasquale« von Donizetti, den Bartolo im »Barbier von Sevilla« von Rossini, den Ramfis in »Aida«, den Pimen im »Boris Godunow« von Mussorgsky und war zugleich als Konzert- und Oratorienbassist bekannt. Er starb 1983 in Belgrad.

Schallplatten: Decca (Pimen in vollständiger Aufnahme von Mussorgskys »Boris Godunow«).

 

11.10. Franz Alfons WOLPERT: 100. Geburtstag

 Er erhielt von seinem Vater seine erste musikalische Ausbildung, die durch den Unterricht an der Dompräbende und bei den Regensburger Domspatzen 1928-37 ergänzt wurde. 1938 studierte er dann an der Kirchenmusikschule in Regensburg. Sein kompositorisches Schaffen umfasst zahlreiche Vokalwerke wie die Minnelieder für eine Singstimme und Klavier op. 1 und die Oper Der eingebildete Kranke, die 1975 an der Wiener Volksoper uraufgeführt wurde. Wolpert komponierte jedoch auch Instrumentalwerke wie die Sonate in D-Moll op. 21 und beschäftigte sich mit Musiktheorie, was sich in der Schrift Neue Harmonik die Lehre von den Akkordtypen zeigt. Er starb 1978 in München.

 

12.10. Karl-Heinz LIPPE: 90. Geburtstag

Karl-Heinz LIPPE

Er startete 1953 am Stadttheater seiner Geburtsstadt Hagen seine Karriere. Nach einem kurzen Abstecher nach Dortmund wurde Essen künstlerisch wie privat zu seiner Heimat. 1956 verpflichteten ihn die hiesigen Städtischen Bühnen als ersten lyrischen Bariton. Bis 1993 gestaltete er Partien wie den Wolfram in »Tannhäuser«, den Germont-père in »La Traviata«, den Figaro im »Barbier von Sevilla« oder den Guglielmo in »Cosi fan tutte«. Neben der Oper galt seine große Liebe dem deutschen Kunstlied, wie sich in seinen Konzerten immer wieder zeigte. Obwohl künstlerisch ausgefüllt, engagierte er sich ehrenamtlich für ältere Menschen, holte auch viele andere Kollegen mit ins Boot. 900 Konzerte organisierte er in 40 Jahren mit Hilfe seiner Frau Anita. Für seine hervorragenden Verdienste erhielt er den Titel „Kammersänger“ und das Bundesverdienstkreuz. Er starb 2011 in Essen

 

12.10. Jeff MORRIS: 90. Geburtstag

Jeff MORRIS

 Zunächst studierte er Politik an der De Pauw University und erwarb den Grad eines Bachelor of Arts, dann ließ er seine Stimme durch C.E. Jarvis, Cesare Sturan und schließlich durch Alberto Volonnino in Rom ausbilden, nachdem er 1958 ein Stipendium bei einem Wettbewerb der Metropolitan Oper gewonnen hatte. 1963 gewann er den Concours American Opera Auditions. Er debütierte am Teatro della Pergola Florenz als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla« von Rossini. Große Abschnitte seiner Bühnenkarriere spielten sich in der Folgezeit im deutschen Sprachgebiet ab. 1965-67 war er als erster Tenor für den lyrischen Fachbereich am Staatstheater von Oldenburg, 1967-70 nach einem Wechsel ins jugendliche Heldentenorfach am Staatstheater Saarbrücken, 1970-75 am Stadttheater von Basel engagiert. Gleichzeitig trat er in Gastspielen und Konzerten auf. 1975 folgte er einem Ruf als Professor und Leiter des Opera Workshops an die Dalhousie University in Halifax (Nova Scotia, Kanada). Er starb 2015 in Nova Scotia.

 

12.10. Gilda DALLA RIZZA: 125. Geburtstag

Gilda_dalla_Rizza

 Sie erhielt ihre Ausbildung durch die Pädagogen V. Ricci und Orefice in Bologna. Sie debütierte mit 19 Jahren 1912 am Teatro Verdi in Bologna als Charlotte im »Werther« von Massenet. 1913 wirkte sie am Teatro Costanzi Rom in den Uraufführungen der Opern »La Leggenda delle sette Torri« von Alberto Gasco und »Uguale Fortuna« von Vincenzo Tommasini mit. Sie sang am Teatro Costanzi auch die Iris von Mascagni und die Manon Lescaut von Puccini und trat seitdem dort häufig auf. Nach ersten Erfolgen an italienischen Bühnen wurde sie 1915 am Teatro Colón von Buenos Aires begeistert gefeiert, wo sie u.a. den Octavian in der Erstaufführung des »Rosenkavalier« sang. Bis 1930 ist sie während acht Spielzeiten dort aufgetreten und sang hier u.a. 1917 zusammen mit Enrico Caruso in der südamerikanischen Erstaufführung von Mascagnis »Lodoletta«. 1917 hörte man sie an der Oper von Rio de Janeiro, an der sie in den Jahren 1914-33 eine sehr erfolgreiche Karriere hatte, als Fedora von Giordano. 1915 debütierte sie an der Mailänder Scala als Jaroslawna in »Fürst Igor« von Borodin und sang dann dort die Isabeau in der Oper gleichen Namens von Mascagni und die Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano. Als Puccini die Sängerin 1921 an der Oper von Monte Carlo als Minnie in seiner Oper »La Fanciulla del West« hörte, sagte er, dass er sich genau so diese Partie bei der Komposition vorgestellt habe. 

Er schrieb für sie die Partie der Magda in »La Rondine«, die sie am 27.3.1917 an der Oper von Monte Carlo in der Uraufführung des Werks sang. Er soll die Rolle der Liu in seiner (unvollendet gebliebenen) Oper »Turandot« für sie komponiert haben, doch hat sie diese nicht bei deren Uraufführung an der Mailänder Scala gesungen. 1919 gestaltete sie am Teatro Costanzi in Rom die Lauretta in »Gianni Schicchi« und die Titelfigur in »Suor Angelica« in der italienischen Erstaufführung der beiden Puccini-Einakter. 1920 sang sie diese beiden Partien an der Covent Garden Oper London, 1919 auch am Teatro San Carlo Neapel. Arturo Toscanini gehörte zu den großen Bewunderern ihrer Kunst und holte sie 1923 an die Mailänder Scala, an der sie jetzt bis 1934 eine glanzvolle Karriere hatte; als ihre große Kreation galt hier die Titelheldin in »La Traviata« von Verdi. 1933 sang sie an der Scala in der italienischen Premiere von »La vida breve« von de Falla, 1936 an der Oper von Genua in der italienischen Erstaufführung der Oper »Arabella« von Richard Strauss die Titelrolle. 1931-37 hörte man sie immer wieder an der Oper von Rom; am Teatro San Carlo Neapel gastierte sie bereits 1919, dann 1921 als Francesca da Rimini von Zandonai, 1925-36 häufig am Teatro Carlo Felice Genua, 1920 am Teatro Comunale Bologna als Iris, 1929-30 am Teatro Comunale Florenz als Traviata. 1928 nahm sie an der Deutschland-Tournee mit der Gesellschaft von Max Sauter teil, 1930-31 war sie bei der Italienischen Oper in Holland engagiert. Besonders beliebt war sie an der Oper von Monte Carlo, an der sie in den Jahren 1917-27 und wieder 1933-39 regelmäßig auftrat, als Tosca, als Butterfly und als Minnie in »La Fanciulla del West«, aber auch als Turandot von Puccini. Sie wirkte in mehreren Uraufführungen zeitgenössischer Opern mit: am Teatro Costanzi Rom am 2.5.1921 in »Il piccolo Marat« von Mascagni, im gleichen Jahr und am gleichen Theater in »Anima allegra« von Vittadini, am 14.2.1922 abermals am Teatro Costanzi in »Giulietta e Romeo« von Zandonai, an der Mailänder Scala 1932 in »Palla de’Mozzi« von Marinuzzi, am 23.7.1933 am Teatro Colón von Buenos Aires in »Maria Egiziaca« von Respighi. Aus ihrem Repertoire seien noch die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Marguerite in »La Damnation de Faust« von Berlioz, die Titelrollen in »Thaïs« von Massenet und »Louise« von Charpentier, die Alice Ford im »Falstaff« von Verdi, die Stephana in Giordanos »Siberia« und die Fiora in »L’Amore dei tre Re« von Montemezzi nachgetragen. 1939 trat sie von der Bühne zurück, sang aber nochmals 1942 bei den Puccini-Feierlichkeiten in Vicenza die Suor Angelica. 1939-55 war sie Professorin am Konservatorium von Venedig. Zum Kreis ihrer Schüler gehörten u.a. Adriana Lazzarini, Rita Maltrasi, Elena Rizzieri und Laura Zannini. Gilda dalla Rizza starb 1975 in Mailand. Sie war verheiratet mit dem Tenor Agostino Capuzzo (1889-1963). – Die Stimme der Künstlerin wurde durch ihre Tonfülle und -schönheit wie durch ihre dramatische Gestaltungskraft ausgezeichnet.

Lit.: F.G. Rizzi: »Gilda dalla Rizza« (Venedig, 1964); R. Celletti & R. Vegeto: Gilda dalla Rizza (in »Le grandi Voci«, Rom 1964).

Akustische Schallplatten auf Columbia, elektrische auf Odeon, Fonotipia und Columbia (hier vollständige Oper »Fedora« von Giordano).

 

12.10. Gisela STOLL: 150. Geburtstag

 Tochter des Tenors Peter Stoll (1818-88), der eine über dreißigjährige Karriere an der Budapester Oper hatte, und Schwester des bekannten Tenors, Regisseurs und Gesangslehrers August Stoll (1853-1918). Sie war zuerst Schülerin ihres Vaters, dann von Karoline Pruckner in Wien. Nach ihrem ersten Engagement in Innsbruck sang sie in Budapest, dann 1891-92 am Stadttheater von Regensburg und 1892-94 am Opernhaus von Köln. 1895-96 erschien sie in Nordamerika als Mitglied der Damrosch Opera Company, mit der sie eine Coast to Coast-Tournee unternahm, die hauptsächlich dem Opernwerk von Richard Wagner gewidmet war. Nach Europa zurückgekehrt, wirkte sie 1897-99 am Stadttheater von Aachen und seitdem hauptsächlich als Gast an den führenden deutschen und österreichischen Bühnen. Aus ihrem umfangreichen Repertoire sind als Höhepunkte die Donna Anna im »Don Giovanni«, der Cherubino in »Figaros Hochzeit«, die Agathe im »Freischütz«, die Marguerite in Gounods »Faust« und die Lucrezia Borgia in der gleichnamigen Donizetti-Oper zu nennen. Erfolgreich auch als Konzertsopranistin.

 

13.10. Richard COLLINS: 90. Geburtstag

 Er begann das Chemiestudium an der University of Louisville, entschloss sich dann aber zum Musikstudium, das am Cincinnati Conservatory, an der Columbia University New York und an der Indiana University stattfand. Er schloss dieses Studium mit dem akademischen Grad eines Master of Music und der Promotion (mit der Dissertation »A Study of the Musical and Dramatic Treatment of Five Bariton Roles in Operas by Verdi«) ab. 1952 fand sein Bühnendebüt bei der Punch Opera New York statt. Er sang dann bei der Lake George Opera, bei der Birmingham Civic Opera (Alabama) und bei der State Opera of Florida rund 40 große Bariton-Rollen, darunter den Jago im »Otello« von Verdi, den Ford in dessen »Falstaff«, die Titelpartien im »Rigoletto« und in Puccinis »Gianni Schicchi« sowie den Amonasro in »Aida«. Noch mehr von Bedeutung war sein Wirken als Bühnendirektor an verschiedenen amerikanischen Theatern. 1963-80 leitete er die Birmingham Civic Opera (Alabama), 1964-69 die State Opera of Florida, 1970-84 die Jacksonville Opera (Florida), seit 1976 die Memphis Opera (Tennessee). Zugleich entfaltete er eine umfangreiche pädagogische Tätigkeit. Er wirkte als Professor an der Auburn University, an der Florida State University und an der Houston Baptist University. Er war Vizepräsident der American National Opera Association. Er starb im September 2003.

 

13.10. Ferdinand Karl HOLDAMPF: 175. Geburtstag

 Er begann das Musikstudium bei Thil in Budapest, musste dies aber abbrechen und, dem Wunsch der Eltern entsprechend, einen kaufmännischen Beruf erlernen. Er kam 1859 als Kaufmann nach Wien, nahm dort aber das Studium wieder auf. 1863 debütierte er am Theater von Köln als Bois-Rosé in den »Hugenotten« von Meyerbeer, blieb dabei aber ganz erfolglos. Man kündigte sogleich den bereits abgeschlossenen Vertrag. Darauf studierte er nochmals bei dem Pädagogen Ernst Koch in Köln und betrat nunmehr 1864 am Hoftheater von Neustrelitz als Alessandro Stradella in der gleichnamigen Oper von Flotow erneut die Bühne, diesmal mit glänzendem Erfolg. Er sang darauf 1864-65 in Neustrelitz, 1865 am Hoftheater Mannheim, 1866 in Regensburg und in den Jahren 1866-73 am Hoftheater von Coburg-Gotha. 1873 wechselte er an das Hoftheater von Karlsruhe, wo er bis 1879 auftrat. Er war an der Berliner Hofoper, an den Hoftheatern von Kassel und Meiningen, in Budapest und Bamberg zu Gast. Zuletzt lebte er in Klausenburg (Cluj, Siebenbürgen) und in Zürich, wo er sich als Kaufmann betätigte. Von seinen Bühnenpartien seien der Max im »Freischütz«, der Hüon im »Oberon« von Weber, der Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer, der Faust von Gounod und der Lohengrin genannt. Er starb 1880 in Zürich.

 

13.10. Moritz HAUPTMANN: 225. Geburtstag

Er erhielt seine musikalische Ausbildung u. a. bei Ludwig Spohr, mit dem ihn später eine tiefe Freundschaft verband. Im Jahre 1812 wurde er als Geiger in die Dresdner Hofkapelle aufgenommen, der er bis 1815 angehörte. Später ging er nach Russland, wo er hauptsächlich privaten Musikunterricht erteilte. Anfang der 1820er Jahre kehrte Hauptmann nach Deutschland zurück und wurde 1822 Violinist an der kurfürstlichen Hofkapelle in Kassel, wo er wiederum mit Spohr zusammenarbeitete. Im Jahr 1842 wurde Hauptmann auf Empfehlung des Gewandhaus-Kapellmeisters Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809–47) Thomaskantor und Musikdirektor in Leipzig. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tode inne. Im Jahr 1843 übernahm er zusätzlich die Stellung eines Lehrers der Musiktheorie am Konservatorium Leipzig. Gemeinsam mit Otto Jahn gründete er im Jahre 1850 die Bach-Gesellschaft, deren erster Vorsitzender er wurde. Er gab die ersten drei Bände der Bach-Gesamtausgabe heraus.

Am 3. Januar 1868 starb Moritz Hauptmann im Alter von 75 Jahren in Leipzig. Im Jahr 1873 wurde eine Straße in der Leipziger Westvorstadt („Bachstraßenviertel“) nach ihm benannt (Hauptmannstraße). Auch im Dresdner Stadtteil Mickten gibt es eine nach ihm benannte Hauptmannstraße.

Hauptmanns Kompositionen umfassen sowohl geistliche als auch weltliche Werke. Er schuf hauptsächlich Chorwerke, Lieder und Motetten. Als Musiktheoretiker und Musiküädagoge genoss er vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen ausgezeichneten Ruf. Zu seinen Schülern zählten beispielsweise Hans von Bülow, Joseph Joachim, Friedrich Curschmann, Salomon Jadassohn, Karl Juljewitsch Dawidow, Gustav Graben-Hoffmann, Norbert Burgmüller, Hugo Staehle, Moritz Heinrich Hauser sowie Ferdinand Breunung. Seine musiktheoretischen Schriften erregten seinerzeit großes Aufsehen. Seine Werke und sein Wirken sind heute nahezu in Vergessenheit geraten.

 

14.10. Enrico DI GIUSEPPE: 85. Geburtstag

Enrico DI GIUSEPPE als Lindoro an der MET
als Lindoro an der Met

 Er entstammte einer italienischen Familie. Er war am Curtis Institute in Philadelphia Schüler von Richard Bonelli, dann an der Juilliard School of Music in New York von Hans Heinz. Sein Debüt erfolgte 1959 an der Oper von New Orleans in der Partie des Des Grieux in »Manon« von Massenet. Er hatte eine ganz amerikanische Karriere mit Verpflichtungen an den Opern von Baltimore, Boston, Cincinnati, Dallas, Houston, Philadelphia, Pittsburgh und San Francisco (1962 Cavaradossi in »Tosca«, 1964 Rodolfo in »La Bohème«). Nachdem er auch seit 1965 an der New York City Opera (Debütrolle: Michele in Menottis »The Saint of Bleecker Street«) aufgetreten war, wurde er 1970 an die Metropolitan Oper New York berufen, zu deren Ensemble er seither gehörte. Er debütierte an der Metropolitan Oper als Pinkerton in »Madame Butterfly« und war bis 1986 an diesem Haus engagiert; er trat dort in 162 Vorstellungen als Turiddu in »Cavalleria Rusticana«, als Alfredo in »La Traviata«, als Cavaradossi, als Rodolfo in »La Bohème« (allein in dieser Partie 45mal), als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, als Werther in der Oper gleichen Namens von Massenet, als Faust von Gounod, als Herzog im »Rigoletto«, als Tonio in »La fille du régiment«, als Cassio in Verdis »Otello«, als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, als Elvino in »La Sonnambula«, als Nemorino in »L’Elisir d‘amore«, als Lindoro in Rossinis »L‘Italiana in Algeri«, als italienischer Sänger im »Rosenkavalier«, als Ernesto in »Don Pasquale«, als Fenton in Verdis »Falstaff«, als Ferrando in »Così fan tutte«, als Cleomene in Rossinis »L’Assedio di Corinto«, als Rinuccio in »Gianni Schicchi«, als Maurizio in Cileas »Adriana Lecouvreur« und als Philister in Händels »Samson« auf. Er gastierte an den Opernhäusern von Ottawa, Toronto, Vancouver und Mexico City. 1983-85 gab er mehrfach Gastspiele in Asien, vor allem als Don José in »Carmen«, 1984 auch in Irland. Sein Repertoire enthielt die klassischen Partien des italienischen und französischen Opernrepertoires, vor allem Aufgaben aus dem lyrischen Fach. Er wandte sich jedoch im Bühnen- wie im Konzertgesang auch zeitgenössischen Werken zu. Er starb 2005 in Voorhees Township (New Jersey).

Schallplatten: ABC, Eurodisc (Pollione in vollständiger Aufnahme von »Norma«), BJR (»Le Coq d’Or« von Rimsky-Korssakow), EMI (Richter von Urb in »Die Bürgschaft« von Kurt Weill).

 

15.10. Imre PÁLOS: 100. Geburtstag

 Eigentlicher Name Imre Paikert. Er erhielt seine Ausbildung bei der Budapester Pädagogin Sefcsik Magda Balassáné. Seit 1945 Mitglied der Nationaloper Budapest, an der er über dreißig Jahre mit großem Erfolg wirkte. Höhepunkte in seinem Bühnenrepertoire waren die heldischen Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur: so sang er den Florestan in Beethovens »Fidelio«, den Assad in der »Königin von Saba« von Goldmark, den Cavaradossi in »Tosca«, den Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, den Herodes in »Salome« von R. Strauss, den Titelhelden in »Hunyadi László« von Erkel, den Radames in Verdis »Aida«, den Alvaro in »La forza del destino«, den Manrico im »Troubadour« und den Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg« von Wagner. Er starb 1997.

Schallplatten: Qualiton-Hungaroton.

 

15.10. Gertrud BENDER: 125. Geburtstag

Gertrud-Bender

 Sie war eine Schülerin der Pädagogin Anna Rocke-Heindl in Mannheim. In der Spielzeit 1915-16 erfolgte ihr Bühnendebüt am Opernhaus von Breslau. Danach war sie 1916-17 am Stadttheater von Bern, 1917-21 am Opernhaus von Köln und 1921-29 am Staatstheater Stuttgart engagiert. In den folgenden Jahren gab sie Gastspiele an verschiedenen Bühnen, so 1932-34 am Stadttheater von Augsburg. Sie war zu dieser Zeit mit dem Dirigenten Joseph Rosenstock (1895-1985) verheiratet, musste aber mit ihm, da er Jude war, 1934 Deutschland verlassen. Sie sang 1935-36 am Opernhaus von Brünn (Brno), emigrierte dann aber zusammen mit ihrem Gatten in die USA, wo dieser sich jedoch von ihr trennte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie nach Deutschland zurück und lebte in Stuttgart, wo sie 1965 starb. Auf der Bühne übernahm sie in erster Linie Partien aus dem Koloratur- und aus dem lyrischen Fachbereich: die Marie im »Waffenschmied« und die Titelrolle in »Undine« von Lortzing, den Amor in Glucks »Orpheus und Eurydike«, den Cherubino in »Figaros Hochzeit«, die Marcelline im »Wasserträger« von Cherubini, die Nuri in »Tiefland« von d’Albert, die Agnes in H. Pfitzners »Der arme Heinrich«, den Ighino in dessen »Palestrina«, die Gretel in »Hänsel und Gretel«, die Mimi in »La Bohème« und die Titelfigur in »Madame Butterfly« von Puccini.

 

16.10. Henry LEWIS: 85. Geburtstag

Er wurde als Sohn von Henry J. Lewis, einem Automobilhändler und Mary Josephine Lewis, einer Krankenschwester, geboren. Er begann seine musikalische Ausbildung im Alter von fünf Jahren. Er lernte zunächst Klavier, später Klarinette und mehrere Streichinstrumente. Als Jugendlicher musizierte er in der Kirchengemeinde mit Laienensembles und spielte im Schulorchester. Er besuchte die Dorsey High School in Los Angeles. Während seiner Zeit in der Junior High School entschied sich Lewis für eine Karriere als professioneller Musiker. Dies war ungewöhnlich, da es zu dieser Zeit im Bereich der Klassischen Musik kaum farbige Musiker gab. Aufgrund seines Talents als Kontrabassist erhielt er ein Stipendium der University of Southern California. Die Universität verließ Lewis allerdings ohne Abschluss.

Er begann seine Karriere als Musiker 1948 als Kontrabassist beim Los Angeles Philharmonic Orchestra. Lewis war der erste afro-amerikanische Instrumentalist in einem amerikanischen Sinfonieorchester. 1955-56 war Lewis bei den Streitkräften der Vereinigten Staaten in Europa stationiert, wo er erstmals als Dirigent wirkte. Er wurde Leiter des in Stuttgart beheimateten Seventh Army Symphony Orchestra und dirigierte Konzerte in Deutschland und in den Niederlanden. 1957 kehrte er, nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst, in die Vereinigten Staaten zurück und gründete das Los Angeles Chamber Orchestra, mit dem er 1963 eine Tournee durch Europa unternahm. 1960 leitete Lewis als Gastdirigent das Los Angeles Philharmonic Orchestra in einigen Nicht-Abonnement-Konzerten auf einer Orchester-Tournee. Im Februar 1961 sprang er kurzfristig für den erkrankten Dirigenten Igor Markevitch ein. Er dirigierte ein Programm, das die Sinfonie Nr. 4 D-Moll op. 13 von Antonin Dvorák sowie Arien von Giuseppe Verdi und Ludwig van Beethoven enthielt. Dieses Konzert erhielt positive Kritiken und bedeutete den musikalischen Durchbruch für Lewis. 1961-65 war er Assistent von Zubin Mehta beim Los Angeles Philharmonic Orchestra. 1968-76 war er musikalischer Direktor des New Jersey Symphony Orchestra in Newark. Er war damit der erste Afro-Amerikaner, der ein amerikanisches Sinfonieorchester leitete. Dieses Orchester baute er zu einem renommierten Orchester aus, das über 100 Konzerte pro Saison spielte und in die bedeutendsten Konzertsäle der Vereinigten Staaten eingeladen wurde. Er verpflichtete internationale Solisten, unter anderem Misha Dichter und Itzhak Perlman. Mit dem New Jersey Symphony Orchestra gastierte Lewis unter anderem in der Carnegie Hall in New York und im Kennedy Center in Washington. 1972 dirigierte er erstmals an der Metropolitan Opera in New York. Sein Debüt gab er mit »La Bohème« von Giacomo Puccini. Er dirigierte hier bis 1977 insgesamt 139 Vorstellungen (»Carmen«, »L’Italiana in Algeri«, »Roméo et Juliette«, »Un Ballo in maschera« und Meyerbeers »Le Prophète«). 1975 leitete er die Japan-Tournee der Metropolitan Opera. Im Laufe seiner Karriere dirigierte Lewis fast alle großen amerikanischen Orchester: das Chicago Symphony Orchestra, das Cleveland Orchestra, das Boston Symphony Orchestra und das New York Philharmonic Orchestra. 1989-91 war er Chefdirigent des Niederländischen Radio-Sinfonieorchesters in Hilversum. 1991 leitete er in London eine Produktion von »Carmen Jones«. 1960-79 war Lewis mit der Opernsängerin Marilyn Horne verheiratet. Er starb 1996 in New York nach einem Herzinfarkt.

 

16.10. Hildegard BIEBER-BAUMANN: 125. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung zur Sängerin durch Elisabeth Gutzmann (später noch durch Hermann Jadlowker in Berlin) in Karlsruhe, wo sie 1910-12 ihre Bühnentätigkeit als Volontärin am Hoftheater begann. Ihre eigentliche Karriere setzte mit einem Engagement am Theater von Colmar im Elsass 1912-13 ein. Sie war dann 1913-16 am Stadttheater von Essen, 1916-18 am Stadttheater von Danzig, 1918-19 in Karlsruhe und in der Spielzeit 1921-22 am Opernhaus von Köln engagiert. 1922 folgte sie einem Ruf an das Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg. Hier sang sie 1923 die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »Mareike von Nymwegen« von Eugen d’Albert. Sie blieb bis 1927 in Hamburg und gehörte darauf 1927-29 dem Stadttheater von Duisburg an. Hier sang sie 1928 die Roxane in der deutschen Erstaufführung der Oper »König Roger« von K. Szymanowski und am 13.4.1929 die Nel in der Uraufführung von »Maschinist Hopkins« von Max Brand, einem Werk, das einen aufsehenerregenden Erfolg hatte. In den Jahren 1929-31 gehörte sie der Staatsoper Stuttgart an und trat anschließend noch bis Mitte der dreißiger Jahre gastierend auf. So gastierte sie 1933 am Stadttheater von Basel und bereits zuvor 1923 an der Staatsoper von Dresden, 1925 bei den Festspielen von Zoppot. Ihr vielseitiges Bühnenrepertoire umfasste Partien wie die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Salome von Richard Strauss, die Butterfly, die Rose Friquet im »Glöckchen des Eremiten« (»Les Dragons de Villars«) von Maillart, die Carmen und mehrere Operettenpartien. Sie ist auch als Konzertsängerin aufgetreten. Sie war seit 1922 mit dem Hamburger Groß-Kaufmann Helmut Bieber verheiratet und nahm in Hamburg ihren Wohnsitz. 1934 schied sie in Calw (Württemberg) freiwillig aus dem Leben.

 

17.10. Philip BRETT: 80. Geburtstag

 Biographie des britisch-amerikanischen Dirigenten auf Englisch:

https://en.wikipedia.org/wiki/Philip_Brett 

 

17.10. Herbert HOWELLS: 125. Geburtstag

Er war das jüngste der sechs Kinder von Oliver und Elizabeth Howells. Sein Vater war ehrenamtlicher Organist, und Herbert selbst zeigte früh eine vielversprechende musikalische Begabung. Er studierte zunächst bei Herbert Brewer an der Gloucester Cathedral, als Orgelschüler zudem bei Ivor Novello und Ivor Gurney, einem gefeierten englischen Liedkomponisten, mit dem er enge Freundschaft schloss. Später studierte er am Royal College of Music in London bei Stanford, Hubert Parry und Charles Wood. 1915 wurde bei ihm eine Schilddrüsenerkrankung diagnostiziert und noch eine Lebensspanne von sechs Monaten in Aussicht gestellt. Daher beschlossen die Ärzte, eine bislang unerprobte Behandlungsmethode anzuwenden, und er wurde der erste Patient in Großbritannien, der einer Strahlentherapie unterzogen wurde. 1917 wurde er vorübergehend Assistenzorganist an der Kathedrale von Salisbury, wegen seiner schweren Krankheit konnte er diese Stelle jedoch nur kurz bekleiden; später, während des Zweiten Weltkrieges, war er stellvertretender Organist am St. John’s College, Cambridge. Von 1936 bis zu seiner Emeritierung 1962 bekleidete Howells das Amt des Director of Music an der St Paul’s Girls‘ School in Brook Green, Hammersmith – als Nachfolger von Gustav Holst.

Während er in seinen 20ern bis 30ern stand, konzentrierte sich sein kompositorisches Schaffen vor allem auf Orchester- und Kammermusik, darunter auch zwei Klavierkonzerte. Die Ablehnung, die das 2. Konzert erfuhr, führte zu einem vorübergehenden Versiegen von Howells kompositorischer Aktivität. Ein weiterer Schicksalsschlag war 1935 der Tod seines Sohnes Michael (die Quellenangaben schwanken, ob durch Polio oder Meningitis), der Howells bis ins Mark traf. Dies scheint aber dennoch eine neue schöpferische Phase ausgelöst zu haben, wenngleich Howells und seine Musik nach dieser Lebenskrise nicht mehr dieselben waren. Obwohl kein strenger Christ, widmete er sich zunehmend der Komposition von Kirchenmusik. Am herausragendsten ist dabei der Hymnus Paradisi für Soli, Chor und Orchester. Das Werk entstand nach dem Tod des Sohnes, wurde jedoch erst 1950 uraufgeführt und veröffentlicht; nach Howells eigener Aussage auf Drängen seines Freundes und Mentors Ralph Vaughan Williams. Es beinhaltet Passagen eines Requiem a cappella, begonnen vor Michaels Tod, das jedoch erst 1981 veröffentlicht und seinem Gedächtnis gewidmet wurde.

Hymnus Paradisi war das erste von vier großformatigen geistlichen Chorwerken. Die Missa Sabrinensis ist, was Umfang und Besetzung angeht, vergleichbar mit der Missa solemnis von Ludwig van Beethoven, während An English Mass eine erheblich kleinere Besetzung vorsieht, weitgehend englische Texte verwendet und der anglikanischen Tradition eines Service nach dem Book of Common Prayer folgend, das Gloria an den Schluss stellt. Howells Stabat mater ist mit einer Dauer von etwa 50 Minuten eines der längsten musikalischen Werke über diesen Text. Howells wurde besonders bekannt für sein umfangreiches Schaffen im Bereich der anglikanischen Kirchenmusik, das einen vollständigen Gottesdienst für das Kings’s College, Cambridge einschließt, sowie unter anderem das Magnificat und ein Nunc dimittis für die Chöre der St. Paul’s Cathedral und der Gloucester Cathedral. Die Motette Take Him, Earth, for Cherishing wurde kurz nach der Ermordung John F. Kennedys geschrieben und dem Gedächtnis des Präsidenten gewidmet. In seinem späteren Leben wurde er Ehrendoktor der Universität Cambridge und Mitglied des Order of the Companions of Honour. Er starb 1983 in London.

 

17.10. Otakar JEREMIÁŠ: 125. Geburtstag

Der Bruder von Jaroslav Jeremiás war 1918-28 Direktor einer Musikschule in Budweis. Bis 1945 leitete er das Orchester des Prager Rundfunks und war dann Dirigent am Nationaltheater Prag. Er komponierte zwei Opern (Die Brüder Karamasow, 1922–27 und Eulenspiegel, 1937–47), zwei Sinfonien, eine Suite, eine Ouvertüre und eine Fantasie für Orchester, Kammermusik, Schauspiel- und Filmmusiken, Chorwerke und Lieder. Er starb 1962 in Prag.

 

18.10. Camillo TOGNI: 95. Geburtstag

 

Er studierte an der Universität von Pavia Philosophie und zugleich Klavier bei Giovanni Anfossi und Arturo Benedetti Michelangeli und Komposition bei Franco Margola und Alfredo Casella. 1950-55 nahm er an den Darmstädter Ferienkursen teil. Er befasste sich mit den Werken von Jean-Paul Sartre, Charles d’Orléans, T.S. Eliot und Georg Trakl, auf dessen Texten Kammermusikwerke wie Helian und Gesang zur Nacht und die Opern Blaubart und Barrabas beruhen. Mit dem Rondeaux per dieci für Sopran und neun Instrumente gewann Togni 1965 den Kammermusikpreis der Società Italiana di Musica Contemporanea (SIMC). 1978-88 unterrichtete er am Konservatorium von Parma, danach gab er Kurse an der Musikschule von Fiesole. Er starb 1993 in Brescia.

 

19.10. Karl SZIROVATKA: 150. Geburtstag

 Als man 1887 seine Stimme entdeckte, übernahm der Kunstmäzen Fürst Esterházy die Unkosten für seine Ausbildung. Er studierte dann bei Peter Stoll und bei Pauli in Budapest, anschließend bei Ress und Mancio in Wien. Auf Empfehlung von Gustav Mahler kam er 1891 an die Königliche Hofoper in Budapest, an der er in der Partie des Turiddu in »Cavalleria rusticana« debütierte. Bis 1894 blieb er an diesem Opernhaus und sang dann 1894-95 am Opernhaus von Düsseldorf. 1895 gastierte er an der Berliner Hofoper als Manrico im »Troubadour«, als Titelheld in Gounods »Faust« und als Canio im »Bajazzo« und wurde im gleichen Jahr an die Hofoper von Dresden engagiert, der er 1895-96 angehörte (Antrittspartie: Radames in »Aida«). 1896-98 trat er am Stadttheater von Danzig auf; 1898 wechselte er an das Opernhaus von Riga, dem er bis 1902 angehörte. Er sang anschließend 1902-03 am Theater von Graz, 1903-04 am Stadttheater von Posen (Poznan). Er änderte dann seinen Namen in Carl Balta um und war unter diesem Namen an den Theatern von Bern und Basel tätig. Von seinen weiteren Rollen sind der Herzog im »Rigoletto«, der Florestan im »Fidelio«, der Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, der Don José in »Carmen« und der Lyonel in Flotows »Martha« zu nennen.

 

20.10. Franco VENTRIGLIA: 95. Geburtstag

Franco VENTRIGLIA

 Er studierte zunächst in seiner amerikanischen Heimat, dann noch bei der großen Primadonna Toti dal Monte in Italien. Er debütierte 1956 am Teatro Massimo Palermo in »Die Meistersinger von Nürnberg« und kam zu einer erfolgreichen Karriere mit Gastspielen an den führenden italienischen Theatern wie in aller Welt. 1960 sang er an der Oper von Chicago, 1961 an der Oper von Monte Carlo, 1961-64 beim Wexford Festival in Irland. Beim Festival von Edinburgh hörte man ihn 1963 als Wurm in Verdis »Luisa Miller« (bei einem Gastspiel des Teatro San Carlo Neapel) und 1969 als Sparafucile in »Rigoletto« (bei einem Gastspiel des Teatro Comunale Florenz). Seit 1963 trat er oft am Teatro San Carlo Neapel auf, seit 1965 auch am Teatro Comunale Bologna und am Teatro Regio Parma. 1964 zu Gast an der Oper von Rom, 1963 in Kairo, seit 1969 immer wieder in Genua. Weitere Gastspiele am Teatro Regio Turin (1972), am Teatro Fenice Venedig, am Teatro Comunale Florenz, an der Mailänder Scala (1967 in einem Konzert, 1970-71 als Abimelech in »Samson et Dalila« von Saint-Saens), an der Staatsoper von Wien (1974-76 als Graf des Grieux in »Manon« von Massenet, als Ferrando im »Troubadour«, als Graf von Walter wie als Wurm in »Luisa Miller« in insgesamt 13 Vorstellungen), in Amsterdam (1965), Dublin (1965), London (1969) und an der Oper von Dallas. Er wirkte bei den Festspielen von Verona (1958-59) und in den Thermen des Caracalla in Rom mit. 1984 sang er in seiner Heimat bei der Connecticut Opera den Oroveso in »Norma« von Bellini, 1986 den Basilio im »Barbier von Sevilla«. Aus seinem umfangreichen Repertoire sind noch der Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, der Elmiro in Rossinis »Otello«, der König wie der Ramfis in »Aida«, der Dr. Grenvil in »La Traviata«, der Loredano in Verdis »I due Foscari«, der Großinquisitor im »Don Carlos«, der Colline in »La Bohème«, der Timur in Puccinis »Turandot« und der Alvise in »La Gioconda« von Ponchielli hervorzuheben. Der Künstler hatte auch eine erfolgreiche Karriere im Konzertsaal. Er starb 2012 in Wallingford (Connecticut).

Schallplatten: RCA (»La Traviata«), HMV (»Manon Lescaut« von Puccini), Angelicum.

 

20.10. Max TRAUN: 150. Geburtstag

 Er hieß eigentlich Maximilian Josef Augustin Edlbacher, sein Vater war österreichischer Reichsrats- und Landtagsabgeordneter. Er sollte zunächst die juristische Laufbahn einschlagen, studierte Rechtswissenschaften an der Universität von Innsbruck und war bei der Polizeidirektion in Wien tätig. Nachdem man jedoch auf seine schöne Tenorstimme aufmerksam geworden war, ließ er diese am Konservatorium der Stadt Wien ausbilden. Sein Lehrer war hier vor allem der italienische Pädagoge Felice Mancio. Auch Schüler von August Stoll. Debüt als Konzertsänger 1896. 1897 begann er seine Bühnenkarriere am Hoftheater von Wiesbaden (Antrittspartie: Titelheld in Flotows »Alessandro Stradella«). 1898-1902 sang er am Stadttheater von Bremen, 1902 wurde er Mitglied des Opernhauses von Leipzig. Hier wie bei Gastspielen und Konzerten kam er zu einer sehr erfolgreichen Karriere. So gastierte er u.a. am Opernhaus von Frankfurt a.M. (1907) und am Hoftheater von Stuttgart (1907). 1904-07 war er am Mannheimer Nationaltheater engagiert. In den folgenden Jahren gab er noch Gastspiele und Konzerte und begründete dann in Bremen ein eigenes Konservatorium, das er bis zu seinem Tod 1936 leitete. Seit 1912 war er Direktor der Kaufmännischen Liedertafel Bremen. Man bewunderte vor allem die Schönheit seiner Tenorstimme in den hohen und höchsten Lagen in Rollen wie dem Chapelou im »Postillon von Lonjumeau« von Adam, dem Lyonel in Flotows »Martha«, dem Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla« von Rossini, dem Manrico im »Troubadour«, dem George Brown in »La Dame blanche« von Boieldieu, dem Châteauneuf in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, dem Belmonte in der »Entführung aus dem Serail« und in vielen weiteren Aufgaben auf der Bühne wie auf dem Konzertpodium.

 

21.10. Francesco RUGGI (italienischer Komponist): 250. Geburtstag

 

22.10. Heinrich EBERIUS: 200. Geburtstag

 Sein Vater war lange Jahre Garderobier am Hoftheater von Dessau, so dass er schon früh mit dem Theater in Berührung kam. (Sein Bruder Karl Eberius übte die gleiche Tätigkeit wie sein Vater am Opernhaus von Frankfurt a.M. und in Hamburg aus). Er begann seine Bühnentätigkeit 1836 als Chorist am Dessauer Hoftheater, war 1838-39 als solcher am Stadttheater von Halle/Saale tätig und war 1838-39 für den Chor und für kleine Rollen am Hoftheater Hannover engagiert. 1840-41 sang er dann als Solist am Stadttheater von Frankfurt a.d. Oder, 1841-42 am Stadttheater von Rostock, 1842-44 am Hoftheater von Ballenstedt, 1844-45 am Stadttheater von Bremen, 1845-50 am Hoftheater von Wiesbaden. Seit 1850 war er Mitglied des Hoftheaters von Karlsruhe, dem er bis zu seiner Pensionierung 1867 angehörte. Er hatte im lyrischen Stimmfach wie auch als Charakter- und Buffotenor große Erfolge, die sich auch bei Gastspielen an führenden deutschen Bühnen wiederholten, darunter 1846 an der Berliner Hofoper. Aus seinem Repertoire seien genannt: der Lyonel in Flotows »Martha«, der Titelheld in »Alessandro Stradella« vom gleichen Komponisten, der Conrad in »Prinz Eugen, der edle Ritter« von Gustav Schmidt, der Gomez im »Nachtlager von Granada« von C. Kreutzer, der Tebaldo in Bellinis »I Capuleti e i Montecchi«, die Titelpartie in »Joseph« von Méhul, der Nemorino im »Liebestrank«, der Tonio in der »Regimentstochter« von Donizetti, der George Brown in »Die weiße Dame« von Boieldieu, der Chapelou im »Postillon von Lonjumeau« von Adam, der Alamir in »Belisario« von Donizetti und später, während seines Engagements in Karlsruhe, seine Buffo-Partien wie der Veit in Lortzings »Undine«, der Junker Spärlich in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor« und der Georg im »Waffenschmied« von Lortzing. 1867 gab er seine Bühnenlaufbahn auf und wirkte dann noch lange Zeit hindurch als Gesanglehrer in Wiesbaden, wo er 1886 starb.

 

22.10. Christian RAEDER: 225. Geburtstag

 Er kam 1764 in die wandernde Theatergesellschaft Leppert und blieb bis 1770 Mitglied dieser Truppe. Er trat dort als Schauspieler, aber auch als Sänger auf. Im gleichen Jahr 1764 kam auch die Schauspielerin und Sängerin Katharina Johanna Juliane Lucius (* 1744 Dresden, † 22.6.1772 Weimar) in die Leppert’sche Tuppe, deren Impresario Leppert ihr Vetter war. Sie heiratete Christian Raeder und trat seither unter dem Namen Mme. Raeder auf, starb aber früh im Alter von nur 28 Jahren. 1770 wurde das Engagement von Christian Raeder bei der Leppert’schen Gesellschaft beendet, und er trat nun der Seyler- Ekhof’schen Gesellschaft bei. Seit 1774 war er mit der Sängerin und Schauspielerin Amalie Raeder-Niebuhr († 1832 Posen), einer Nichte von Mme. Seyler-Hensel, verheiratet, die bei der genannten Gesellschaft eine große Karriere hatte, vor allem in Soubretten-Partien brillierte und später komische Rollen übernahm. Aus dieser Ehe stammte der Tenor Karl Friedrich Balthasar Raeder (1781-1861). Auch in den folgenden Generationen fanden sich unter den Nachkommen von Christian Raeder mehrere Bühnenkünstler und Sänger, so dass er der Stammvater einer großen Schauspieler- und Sängerfamilie wurde. 1782-84 war er als Opernregisseur am Nostitz-Theater in Prag beschäftigt, 1784-91 am Deutschen Theater St. Petersburg und nochmals 1802-15 in Breslau, immer zugleich als Sänger, Schauspieler und Regisseur. Er starb 1817 in Würzburg.

 

23.10. Wilfriede LÜTTGEN: 90. Geburtstag

 Sie begann ihre Ausbildung 1947 bei Frau Boecker-Ewald in Lüdenscheid und war 1950-53 als Elevin am Opernhaus von Dortmund tätig. Dann Vervollständigung der Ausbildung durch Franziska Martienssen-Lohmann und durch Clemens Glettenberg in Köln. 1957 sang sie am Westdeutschen Rundfunk Köln unter dem Namen Yvonne Coubier. 1958 gewann sie einen vom Hessischen Rundfunk veranstalteten Gesangwettbewerb in Frankfurt a.M. 1959 kam sie an das Stadttheater von Flensburg, wo sie als Königin der Nacht in der »Zauberflöte« eine großen Erfolg hatte. Sie entschloss sich jedoch frühzeitig zur Aufgabe ihrer Bühnentätigkeit und trat nur noch gelegentlich in Kirchenkonzerten im Raum Köln auf. Dagegen nahm sie eine Tätigkeit als Mitarbeiterin des Rundfunksenders Deutsche Welle in Köln auf und wirkte als Sekretärin des Intendanten dieses Senders Dr. Klaus Schütz. Sie starb im Jahr 2010.

Schallplatten: Ihr technisch vortrefflich gebildeter Koloratursopran, der eine besondere Beweglichkeit in den höchsten Lagen aufweist, erscheint in einem Querschnitt durch »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach auf Ariola-Eurodisc in der Partie der Olympia. Vergleichbare Sopranstimmen, die eine derartige ganz ungewöhnliche Tonhöhe bei einer so ausgefeilten Virtuosität erreichen, sind auf der Schallplatte nur als größte Ausnahme anzutreffen (Erna Sack, Mado Robin) und galten auch in früheren, nicht durch Aufnahmen dokumentiertem Epochen (Lucrezia Agujari) als sensationell.

 

23.10. Hannu HEIKKILÄ: 95. Geburtstag

 Schüler der Pädagogen Heikki Teittinen und Arturo Merlini in Helsinki. Ergänzende Studien bei Armini in Kopenhagen, bei Tino Pattiera in Wien und bei Leo Piccioli in Mailand. Sein Bühnendebüt fand 1953 an der Oper von Helsinki als Don Basilio in Rossinis »Barbier von Sevilla« statt. Seither erwarb er sich in einer über zwanzigjährigen Karriere, die bis 1975 dauerte, beim Opernpublikum der Finnischen Nationaloper Helsinki größte Beliebtheit. Er sang mit seiner dunkel getönten aber doch sehr beweglichen Bass-Stimme fast das gesamte klassische Repertoire für seriösen Bass wie für Bass-Buffo, darunter auch Partien in modernen Opernwerken. Er war zu Gast an den Staatsopern von Berlin und Stuttgart sowie mehrfach an der Königlichen Oper Stockholm. Bei den Festspielen von Savonlinna hatte er einen seiner größten Erfolge als Pimen im »Boris Godunow«. Weitere Höhepunkte in seinem Repertoire für die Bühne waren der Figaro in »Le nozze di Figaro«, der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Rocco im »Fidelio«, der Daland in »Der fliegende Holländer«, der König Marke in »Tristan und Isolde«, der König Philipp im »Don Carlos« von Verdi, der Pater Guardian in Verdis »La forza del destino«, der Arkel in »Pelléas et Mélisande« von Debussy und der Mephisto im »Faust« von Gounod. Er starb 2003 in Hollola.

Schallplattenaufnahmen der finnischen Marke Finnlevy.

 

23.10. Otto MARAU: 125. Geburtstag

 Der Sänger, dessen eigentlicher Name Otto Marousek war (und der auch unter diesem Namen zu Beginn seiner Karriere aufgetreten ist) begann seine Bühnentätigkeit 1920-24 mit einem Engagement am Stadttheater von Aussig (Ustí nad Labem). 1924-26 war er am Opernhaus von Breslau tätig, verlegte sich dann aber in der Hauptsache auf das Fachgebiet der Operette. Seine weiteren Engagements waren: 1926-27 Deutsches Künstlertheater Berlin, 1927-28 Deutsches Theater Mährisch Ostrau (Ostrava), 1928-30 Opernhaus Graz, 1930-33 Theater an der Wien in Wien, 1933-34 Plaza-Theater Berlin, 1934-35 Centraltheater Dresden, 1935-36 Stadttheater Bern (Schweiz), 1936-37 Mellini-Theater Hannover, 1937-39 erneut Opernhaus Graz, 1939-44 und 1947-48 Raimund-Theater Wien. 1949 ging er an das Stadttheater von Bern, wo er jetzt bis 1964 blieb und auch als Schauspieler auftrat. 1954 wirkte er dort in der Uraufführung der Operette »Arizona Lady« von E. Kálmán mit. Sein Rollenvorrat für das Gebiet der Operette war sehr groß und reichte von den klassischen Werken eines Offenbach, eines Johann Strauß, eines F. Lehár und eines E. Kálmán bis hin zu zeitgenössischen Operetten von Komponisten wie W. Burkhard, R. Benatzky, L. Schmidseder, E. Künnecke, Robert Stolz und bis zum Musical. Er ist aber in seiner langen Bühnenkarriere auch immer wieder in Partien aus dem Bereich der Oper aufgetreten. u.a. als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, als Haushofmeister der Marschallin im »Rosenkavalier« und als Ulrich Eisslinger in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Er starb 1971 in Bern.

 

24.10. Renato DE GRANDIS: 90. Geburtstag

Er studierte zunächst in seiner Heimatstadt Venedig am Konservatorium „Benedetto Marcello“ Komposition und Musikwissenschaften und besuchte ab 1951 Meisterkurse in Siena. Bereits 1945 erhielt er den ersten Preis des italienischen Rundfunks für junge Komponisten und im Jahr 1953 den 1. Nationalpreis Italiens für Komposition. Seit Mitte der 1950er Jahre lebt und arbeitet de Grandis vorwiegend in Darmstadt, er hatte sich nach Abschluss seiner Ausbildung besonders mit der seriellen und der Zwölftontechnik auseinandergesetzt und auch die Darmstädter Ferienkurse besucht. De Grandis sieht den Schwerpunkt seiner kompositorischen Arbeit in der Oper. In seinem Hauptwerk, Il Cieco di Yuga (Der Blinde von Yuga), versuchte er, fernöstliche Einflüsse mit alten italienischen und niederländischen Traditionen zu verbinden um so dem Ideal des „totalen Theaters“ nahezukommen. Hiermit übte er erheblichen Einfluss auf das europäische Musiktheater seiner Zeit aus. Neben weiteren musikdramatischen Werken liegen von ihm auch Werke für Orchester, Kammermusik, Chorwerke und Bearbeitungen von Werken des 17. und 18. Jahrhunderts vor, wobei er sich insbesondere den Kompositionen Vincenzo de Grandis (II)´ zuwandte. Er starb im Dezember 2008.

 

25.10. Nina CARINI: 85. Geburtstag

 Eigentlicher Name Josefina Scalesi. Zu ihren Lehrern gehörten die beiden bekannten Sängerinnen Lydia Kindermann und Kirsten Flagstad. 1955 begann sie ihre Opernkarriere auf der Bühne des Teatro Colón von Buenos Aires als Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Seitdem war sie eine der führenden Sängerinnen dieses Hauses, an dem sie vor allem Partien aus dem dramatischen Fach zum Vortrag brachte. In den über zwanzig Jahren ihres dortigen Wirkens hatte sie die größten Erfolge als Gräfin in »Figaros Hochzeit«, als Tosca, als Titelfigur in Puccinis »Suor Angelica«, als Aida, als Lady Macbeth in »Macbeth« von Verdi, als Abigaille in Verdis »Nabucco«, als Leonore im »Troubadour«, als Venus im »Tannhäuser«, als Maria Tudor in der gleichnamigen Oper von Carlos Gomes und als Mercedes in der Oper »Tucuman« des argentinischen Komponisten Felipe Boero. Sie gastierte an der Oper von Rio de Janeiro und am Opernhaus von La Plata und war mit großem Erfolg auch im Konzertsaal tätig. Sie starb 1978 in Buenos Aires.

Schallplatten: Edition Gomes (»Salvator Rosa« von Carlos Gomes), argentinische Aufnahmen kleinerer Marken.

 

26.10. Gene BULLARD: 80. Geburtstag

Gene Bullard

 Nachdem er in verschiedenen Berufen gearbeitet hatte, kam es zur Ausbildung seiner Stimme durch den Pädagogen Raymond Buckingham in New York. Bühnendebüt 1964 an der Oper von Baltimore als Herzog im »Rigoletto« von Verdi. Er hatte eine große Karriere an führenden Bühnen in seiner nordamerikanischen Heimat, darunter an der City Opera New York, an den Opern von Cincinnati, Baltimore, New Orleans, San Francisco (1968 als Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«), Philadelphia, Houston (Texas), Seattle, Miami, bei der Kentucky wie der Hawaii Opera. In Europa gab er u.a. Gastspiele an der Wiener Volksoper und am Teatro Liceu Barcelona. Der Künstler, der auch als Konzertsänger erfolgreich wirkte, sang auf der Bühne als Hauptpartien den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den Tamino in der »Zauberflöte«, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla« von Rossini, den Edward Milfort in dessen »Il cambiale di matrimonio«, den Don Ramiro in »La Cenerentola«, den Alfredo in »La Traviata«, den Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, den Radames in »Aida«, den Don José in »Carmen«, den Gérald in »Lakmé« von Delibes, den Faust von Gounod, den Riccardo in »Anna Bolena« von Donizetti, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Nemorino in »L‘Elisir d’amore«, den Leicester in Donizettis »Maria Stuarda«, den Dimitrij in »Boris Godunow« von Mussorgsky, den Rodolfo in »La Bohème« von Puccini, den Cavaradossi in »Tosca« und den Kalaf in »Turandot«. Er starb 2014 in New York City.

 

26.10. Julian PATRICK: 90. Geburtstag

Julian Patrick

 Schüler von Cornelius Reid in New York. Sein Debüt erfolgte 1950 bei einer Wandertruppe, der Mobile Opera Company, als Germont-père in »La Traviata«. Es kam in der Folgezeit zu einer bedeutenden Karriere an den führenden amerikanischen Operntheatern. Er sang an den Opern von Boston, Chicago, Dallas, Houston (Texas) und New Orleans, an der New York City Opera, in Pittsburgh, San Diego, Seattle (1986 den Scarpia in »Tosca«), Santa Fé und San Francisco (1965 den Ramiro in »L’Heure espagnol« von Ravel und den Guglielmo in »Così fan tutte«, 1969 den Grafen in »Le nozze di Figaro«, 1974 den Lescaut in Puccinis »Manon Lescaut« und den Sharpless in »Madame Butterfly«), dazu bei mehreren Opern-Wanderbühnen. Er gab ein Gastspiel an der Opéra du Rhin Straßburg sowie 1976 an der Wiener Volksoper in »Hoffmanns Erzählungen« (vier Bösewichter). 1970 sang er an der Oper von Seattle in der Uraufführung der Oper »Of Mice and Men« von Carlisle Floyd die Partie des George. Er trat auch an der New Yorker Metropolitan Oper 1988-90 in insgesamt 6 Vorstellungen als Alberich im Nibelungenring auf, einer Partie, die er auch bei den Ring-Aufführungen an der Oper von Seattle übernahm. Dort hörte man ihn 1990 als Napoleon in »Krieg und Frieden« von Prokofjew, 1991 als Don Pizarro im »Fidelio«. 1992 gastierte er am Grand Théâtre Genf als Don Alfonso in »Così fan tutte«, in Santa Fé als Faninal im »Rosenkavalier«, 1996 in Seattle als Don Magnifico in Rossinis »La Cenerentola«. Er  beherrschte auf der Opernbühne wie im Konzertsaal ein umfangreiches Repertoire und widmete sich auch der Interpretation zeitgenössischer Musikwerke; 1994 wirkte er in Washington in der Uraufführung von D. Argentos Oper »The Dream of Valentino« mit. 1998 sang er am Opernhaus von Seattle den Dulcamara in »L‘Elisir d‘ amore«. Er starb 2009 in Santa Fé (New Mexico).

Schallplatten: Columbia, Desto, CBS (»The Medium« von Menotti).

 

26.10. Simon EDWARDSEN: 125. Geburtstag

Simon Edwardsen

 Er absolvierte sein Gesangstudium 1915-19 als Schüler von Poul Bang in Kopenhagen. 1919 begann er seine Bühnenkarriere, wobei er zunächst bei kleineren Operngesellschaften in Dänemark und Norwegen auftrat. 1925-27 am Stora Theater Göteborg engagiert, 1927-50 Mitglied der Königlichen Oper Stockholm. 1951-55 sang er am Nationaltheater Reykjavik, 1953-54 an der Nationaloper Helsinki, 1960-61 nochmals am Rikstheater in Stockholm. Bereits während seines Engagements an der Stockholmer Oper betätigte er sich als Regisseur; 1951-53 leitete er die Elevenklasse am Göteborger Stora Theater. Unter den vielen Partien, die er gestaltete, ragen der Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, der Mime wie der Loge im Ring-Zyklus, der Monostatos in der »Zauberflöte« und der Gösta Berling in Zandonais »I cavalieri di Ekebù« heraus. Er starb 1985 in Stockholm.

Bereits 1914 erschienen erste Schallplattenaufnahmen auf Columbia (Oslo), später auf HMV (u.a. die Arie des Gösta aus der erwähnten Oper von Zandonai).

 

26.10. Teresa DE GIULI BORSI: 200. Geburtstag

Theresa De Giuli-Borsi

 Die Künstlerin, die mit ihrem eigentlichen Namen Maria Teresa Pippa hieß, kam erst mit 18 Jahren zum Gesangstudium, nachdem sie zuvor Klavierspiel studiert hatte. Sie wurde in Mailand Schülerin von Alberto Mazzucato, dann in Bologna von L. Ronzi. 1839 kam es zu ihrem Bühnendebüt am Teatro Re in Mailand in den Opern »Elisa e Claudio« von Mercadante und »Beatrice di Tenda« von Bellini. Sie ging dann nach Parma, wo man sie am Teatro Regio als Norma und als Elvira in »I Puritani« bewunderte. Sie gastierte anschließend erfolgreich in Venedig, Triest und an kleineren italienischen Theatern. 1842 wurde sie an die Mailänder Scala verpflichtet. Dort hatte sie als Abigaille in Verdis »Nabucco« einen spektakulären Erfolg und sang diese Rolle in 42 Vorstellungen. Sie blieb bis 1844 an der Scala, wo sie in Opern von Donizetti (»Lucia di Lammermoor«, »Maria di Rudenz«, »Gemma di Vergy«) abermals große Erfolge hatte und in mehreren Uraufführungen heute vergessener Opern mitwirkte. In der Saison 1844-45 war sie in Rom, in der folgenden Spielzeit 1845-46 in Turin anzutreffen. 1846-48 huldigte man der Künstlerin an der Hofoper von St. Petersburg. Nach Italien zurückgekehrt, sang sie am 27.1.1849 am Teatro Argentina in Rom in der Uraufführung von Verdis Oper »La battaglia di Legnano« die Partie der Lida; die Aufführung gestaltete sich zu einem überwältigenden Erfolg. Als sie die Verse »… dall‘ Alpi a Cariddi echeggi vittoria« sang, kam es in dem Opernhaus zu einer grandiosen nationalen Demonstration. Während der fünfziger Jahre fand ihre große Karriere an den italienischen Opernbühnen ihren Fortgang. Man schätzte sie dort namentlich als Interpretin der Sopranpartien in den Opern der frühen und mittleren Schaffensperiode Verdis. 1851-52 war sie am Teatro Regio Turin anzutreffen, wo sie in der Uraufführung der Oper »Camoëns« von Sanelli (8.1.1852) auftrat; 1852 war sie auch am Teatro San Carlo Neapel zu Gast. 1853 sang sie am Teatro Nuovo Neapel in der Uraufführung von Mercadantes Oper »Statira«. Sie sang während dieser Zeit oft an Theatern in Rom. Zuletzt lebte sie als Gesanglehrerin in Neapel, wo sie 1877 starb. – Ihre Tochter Giuseppina Giuli Borsi, die von ihr ausgebildet wurde, hatte in den Jahren 1870-90 eine beachtliche Karriere als Mezzosopranistin, vornehmlich an italienischen Opernhäusern.

 

27.10. Robert BLASS: 150. Geburtstag

Robert Blass

 Er stammte aus einer deutschen Familie. 1887 kam er nach Leipzig und studierte zuerst Violinspiel, später Gesang bei Julius Stockhausen in Frankfurt a.M. 1892 Debüt am Hoftheater von Weimar als König Heinrich im »Lohengrin« er blieb bis 1897 an diesem Haus engagiert und sang dann 1897-98 am Stadttheater von Lübeck, 1898-1900 am Stadttheater von Bremen. Er gab während dieser Zeit Gastspiele an verschiedenen deutschen Bühnen, so 1897 an der Hofoper von München, 1900 an der Hofoper von Dresden. Man hörte ihn bei den Bayreuther Festspielen 1901 abwechselnd als Gurnemanz und als Titurel im »Parsifal« sowie als Hagen in der »Götterdämmerung«. 1899 wirkte er am Berliner Theater des Westens in der Uraufführung von Heinrich Zöllners »Die versunkene Glocke« mit. Gastspiele an der Londoner Covent Garden Oper 1900 als Hagen, 1901-03 als König Heinrich im »Lohengrin«, als Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Landgraf im »Tannhäuser«, als König Marke in »Tristan und Isolde« und als Hunding in der »Walküre«. An der Covent Garden Oper London trat er auch als Dogberry in der Uraufführung der Oper »Much Ado About Nothing« von Charles Villiers Stanford auf (30.5.1901). Es folgte ein Engagement an der Metropolitan Oper New York (1900-10), wo er als Antrittsrolle den Landgrafen im »Tannhäuser« sang. Dort wirkte er 1902 in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Manru« von Paderewski  als Jagu mit, 1903 in der amerikanischen Erstaufführung von »Der Wald« von Ethel Smyth als Peddler, am 24.12.1903 in der amerikanischen Erstaufführung des »Parsifal« als Gurnemanz, 1907 in der amerikanischen Erstaufführung der »Salome« von R. Strauss als einer der Soldaten. 1905 nahm in Amsterdam (gegen das Verbot von Bayreuth) an der holländischen Premiere des »Parsifal« teil. Dann kam er wieder nach Deutschland, gastierte 1910 an der Berliner Hofoper und war 1913-19 am Deutschen Opernhaus Berlin tätig, wo er 1914 in der Premiere des »Parsifal« die Partie des Gurnemanz übernahm. 1920-22 war er dann abermals an der New Yorker Metropolitan Oper im Engagement. In insgesamt 481 Vorstellungen sang er dort den Daland in »Der fliegende Holländer«, den König Heinrich, den Fasolt wie den Fafner im »Rheingold«, den Hunding, den Fafner im »Siegfried«, den Rocco im »Fidelio«, den Pogner, den Hagen, den König Marke, den Sarastro in der »Zauberflöte«, den Giacomo in »Fra Diavolo« von Auber, den Komtur im »Don Giovanni«, den Gaveston in »La dame blanche« von Boieldieu, den Figaro in »Le nozze di Figaro«, den Oberpriester in Goldmarks »Die Königin von Saba«, den Conte Carnero im »Zigeunerbaron« von J. Strauß, den Ramfis in »Aida«, den Krusina in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Lord Syndham in Lortzings »Zar und Zimmermann« und den Kaspar im »Freischütz«. Später lebte er in Berlin und wirkte dort als Pädagoge. Er starb 1930 in Berlin.

Seltene, frühe Victor-Platten (New York, 1903) sowie einige Edison-Zylinder.

 

28.10. Dušan POPOVIC: 90. Geburtstag

 Nach seiner Ausbildung an der Belgrader Musikakademie begann er seine Karriere 1949 als Konzert- und Radiosänger. 1951-53 war er am Komödientheater von Belgrad engagiert. 1951 wurde er an die Nationaloper Belgrad berufen, deren Mitglied er bis 1960 blieb. Er verließ dann Jugoslawien und war 1964-70 am Staatstheater von Braunschweig engagiert. 1970-72 sang er am Opernhaus von Graz, 1972-76 am Landestheater Saarbrücken, wo er später als Gesanglehrer wirkte. Gastspiele führten ihn an die Staatsopern von Wien (1960 als Fürst Igor von Borodin, 1970 als Telramund im »Lohengrin«), Berlin und München, an das Bolschoi Theater Moskau, an die Opern von Leningrad, Sofia, Prag, Budapest und Zagreb, nach Lyon, Straßburg, Monte Carlo (1962 als Schaklowity in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, 1963 als Fürst Igor), Brüssel und Warschau. Er trat an der Mailänder Scala in einem Konzert 1961 mit den gleichen Erfolgen auf wie bei den Festspielen von Florenz und Wiesbaden. In Nordamerika gastierte er in Chicago und Montreal. Sein Bühnenrepertoire, das einen großen Umfang hatte, besaß seine Höhepunkte in den Bass-Baritonpartien des dramatischen Fachs. Wagner- und Verdi-Heroen standen darin neben Rollen in modernen Opern und solchen aus dem Bereich der slawischen Oper. In seinem Repertoire fanden sich Partien wie der Jago in »Otello«, der Alfio in »Cavalleria rusticana«, der Escamillo in »Carmen« und der Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Großer Konzert- und Liedersänger. Er starb 2001 in Belgrad.

Schallplattenaufnahmen: MGM-Heliodor (»Krieg und Frieden« von Prokofjew), Decca (darunter mehrere vollständige Opern, u.a. Titelheld im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky, »Chowanschtschina« von Mussorgsky, »Fürst Igor« von Borodin, »Pique Dame« von Tschaikowsky, »Schneeflöckchen« von Rimsky-Korssakow).

 

28.10. Benjamin WILKES (amerikanischer Tenor): 100. Geburtstag

 

28.10. Albert SALÉZA: 150. Geburtstag

Albert Saléza als Otello
Als Otello

 Er debütierte nach seiner Ausbildung am Conservatoire National de Paris, wo er Schüler von St. Yves Bax und Obin war, 1888 an der dortigen Opéra-Comique als Mylio in »Le roi d’Ys« von Lalo. 1892 debütierte er dann auch an der Grand Opéra in der Erstaufführung der Oper »Salammbô« von Reyer, 1894 sang er dort den Otello in der Premiere von Verdis gleichnamiger Oper und wirkte am 25.5.1894 in der Uraufführung der Oper »Djelma« von Charles Lefebvre mit. 1892 war er zu Gast in Nizza, 1894-97 an der Oper von Monte Carlo (u.a. am 4.3.1894 als Elolf in der Uraufführung der Oper »Hulda« von César Franck; 1907 nochmals in der Uraufführung von A. Bruneaus »Naïs Micculin«), 1898 am Théâtre de la Monnaie in Brüssel. Er gastierte 1898-1902 erfolgreich an der Londoner Covent Garden Oper (Debüt als Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod). Hier sang er 1898 in der Premiere von Mancinellis »Ero e Leandro« den Titelhelden. 1898 war er einem Ruf an die Metropolitan Oper New York gefolgt (Antrittsrolle: Roméo). Bis 1901 und abermals 1904-05 war er Mitglied der Metropolitan Oper. Insgesamt hat er in vier Spielzeiten an der Metropolitan Oper 14 Partien in insgesamt 110 Vorstellungen zum Vortrag gebracht: den Faust von Gounod, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Raoul in den »Hugenotten«, den Don José in »Carmen«, den Radamès in »Aida«, den Turiddu in »Cavalleria rusticana«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Herzog im »Rigoletto« und den Lohengrin. 1899 wirkte er hier in der amerikanischen Erstaufführung von Mancinellis »Ero e Leandro« als Leandro mit und 1901 in der amerikanischen Erstaufführung von »Salammbô« von Reyer als Mathô.  Er nahm dann 1905 seine Tätigkeit an der Grand Opéra in Paris wieder auf, der er noch bis 1911 nachging. Seine Gestaltung des Roméo und des Faust in den bekannten Opern von Gounod verglich die Kritik mit der des großen Jean de Reszke. Von seinen Bühnenrollen sind noch der Jean in »Le Prophète« von Meyerbeer, der Masaniello in »La muette de Portici« von Auber, der Tannhäuser und der Siegmund in der »Walküre« zu nennen. Er starb 1916 in Paris.

Er hat keine Schallplatten, sondern lediglich Fragmente von Opernszenen auf Mapleson-Zylindern hinterlassen, die während Vorstellungen in der New Yorker Metropolitan Oper aufgenommen wurden.

 

29.10. August HARLACHER: 175. Geburtstag

 Er war der Sohn eines Bergmanns, erhielt eine humanistische Bildung und wurde durch J.W. Rauscher zum Bühnensänger ausgebildet. 1871 kam er als Spiel- und Charaktertenor an das Hoftheater von Karlsruhe. Hier wirkte er am 6./7.12.1890 in der ersten Gesamtaufführung des Opernwerks »Les Troyens« von Berlioz unter Felix Mottl mit (dessen zweiter Teil, »Les Troyens á Carthage«, bereits am 4.11.1863 am Théâtre Lyrique in Paris zur Uraufführung gekommen war) August Harlacher führte bei diesen denkwürdigen Aufführungen auch Regie. 1893 wurde er an die Hofoper von Stuttgart berufen. Bereits 1888 hatte er in Bayreuth die Inszenierung der »Meistersinger von Nürnberg« vorgenommen und betätigte sich nun auch in Stuttgart als Opernregisseur. Nachdem er 1893 bei Gala-Aufführungen an der Stuttgarter Hofoper Regie geführt hatte, wurde er mit dem Titel eines Hofrats ausgezeichnet. 1905 beendete er seine Bühnentätigkeit. Von seinen zahlreichen Rollen sind zu erwähnen: der Don Diego in Meyerbeers »Afrikanerin«, der Paris in »Roméo et Juliette« von Gounod, der Dancairo in »Carmen« von Bizet, dazu viele kleinere und größere Aufgaben aus allen Bereichen der Opernliteratur. Er starb 1907 in Spiez am Thuner See (Schweiz). – Seine Gattin, die Sopranistin Elise Harlacher-Rupp (1859-1933) war Schülerin der berühmten Pauline Viardot-Garcia in Paris gewesen und war 1878-91 am Hoftheater ihrer Heimatstadt Karlsruhe als Sopranistin engagiert. Sie sang dort Partien wie den Cherubino in »Figaros Hochzeit«, den Siebel im »Faust« von Gounod, die Frasquita in »Carmen«, die Leonore in »Alessandro Stradella« von Flotow und die Baronin im »Wildschütz« von Lortzing. Auch sie war an der Gesamtaufführung von »Les Troyens« von Berlioz 1890 in Karlsruhe beteiligt.

 

30.10. Richard TORIGI: 100. Geburtstag

Richard Torigi

 Eigentlicher Name Santo Tortorigi. Er war zuerst als Offizier im Radar-Abwehrsystem der American Air Force tätig, ließ dann aber seine Stimme im Amato Workshop New York und bei den Pädagogen Eleanor McLellan und Dick Marzollo ausbilden. Sein Bühnendebüt fand 1947 bei der Rochester Opera (New York) als Escamillo in »Carmen« statt. Er hatte in den folgenden dreißig Jahren eine erfolgreiche Laufbahn an den amerikanischen Opernbühnen von Rang, vor allem an der New York City Opera, in Boston, Chicago, Philadelphia, Baltimore, Dallas, Houston/Texas, Pittsburgh, Cincinnati, Miami, New Orleans, San Antonio und Seattle. Er gastierte am Teatro Liceu Barcelona und am Opernhaus von Vancouver. Dabei sang er vor allem lyrische Partien aus dem Bereich der italienischen und der französischen Oper, aber auch moderne Rollen. Im amerikanischen Fernsehen NBC erschien er als Manfredo in »L’Amore dei tre Re« von Montemezzi und als Marcello in »La Bohème«, in einem musikalischen Tonfilm als Alfio in »Cavalleria rusticana«. Er starb 2010 in Sebastopol (Kalifornien).

Schallplatten: VAI (vollständige Opern »Madame Butterfly« und »Falstaff« von Verdi, New Orleans, 1960 bzw. 1956). In einer Aufnahme auf Melodram von Ginasteras Oper »Bomarzo« aus Washington singt er die Partie des Silvio de Narni.

 

30.10. Bohumil SOBĚSKÝ: 125. Geburtstag

Bohumil  SOBĚSKÝ

 Er studierte 1912-13 am Konservatorium von Brünn und war dann an der Wiener Musikakademie Schüler von Gustav Geiringer. 1919 kam es zu seinem Bühnendebüt am Nationaltheater von Prag in der Partie des Königs Wladislaw in »Dalibor« von Smetana. Er sang in der Folge dort Partien wie den Radovan in Smetanas »Libussa«, den Tomes in »Hubicka« (»Der Kuss«) von Smetana, den Budivoj in »Dalibor« den Krusina in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Förster in »Rusalka« von Dvorák, dazu zahlreiche andere, vor allem auch Charakter-Rollen, aus allen Bereichen der Opernliteratur. Am 23.4.1920 wirkte er am Prager Nationaltheater in der Uraufführung von Janáceks Oper »Die Ausflüge des Herrn Broucek« (»Výlety Pana Broucka«) mit. Er vervollständigte seine Ausbildung noch durch weitere Studien bei C. Emerich in Prag und bei Piccolino in Mailand, der ihn 1928-31 mit der italienischen Gesangsmethode vertraut machte. 1936 wurde er Professor am Konservatorium von Brünn (Brno), wo er noch am dortigen Opernhaus wie auch bei Konzerten in Erscheinung trat, sich jedoch seither in der Hauptsache der pädagogischen Arbeit widmete. Zu seinen Schülern in Brno zählen so bedeutende Sänger wie die Sopranistin Libuse Domaninská, der Tenor Zdenek Svehla und der Bariton Teodor Srubar. Bohumil Sobeský gab mehrere gesangpädagogische Schriften heraus. Er starb 1965 in Prag.

Schallplattenaufnahmen seiner Stimme sind bei Odeon und Parlophon vorhanden.

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