Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM OKTOBER 2016)

IN MEMORIAM-Geburtstage im Oktober 2016

Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 

 1.10 Gerhard STOLZE: 90. Geburtstag

Gerhard SOLZE als Loge
Als Loge in Bayreuth

 Nachdem er den Zweiten Weltkrieg als Soldat mitgemacht hatte, wurde er zuerst Schauspieler und wirkte als solcher am Stadttheater von Bautzen, am Komödienhaus in Dresden und bei einer Wanderbühne. Dann ließ er jedoch seine Stimme durch Willy Bader und Rudolf Dittrich in Dresden ausbilden. Debüt als Opernsänger 1949 an der Staatsoper von Dresden als Augustin Moser in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Seinen ersten großen Erfolg hatte er bei den Bayreuther Festspielen, wo er seit 1951 fast alljährlich auftrat. Er sang in Bayreuth 1951-58 und 1961-62 einen der Knappen im »Parsifal«, 1951-52 den Augustin Moser und 1956-61 den David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1952 und 1962 den Hirten sowie 1953 und 1962 den jungen Seemann in »Tristan und Isolde«, 1953 den Froh sowie 1960-62 und 1964 den Loge im »Rheingold«, 1953-54, 1958 und 1962 einen der Edlen im »Lohengrin«, 1954-55 Heinrich den Schreiber und 1961-62 den Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, 1957-58 und 1968-69 den Mime im »Rheingold«, 1958 und 1968-69 den Mime auch im »Siegfried«. Bis 1953 blieb er in Dresden und war 1953-61 an der Staatsoper von Berlin engagiert. Seit 1956 war er durch Gastspielverträge mit der Staatsoper von Stuttgart verbunden. Mit dem Stuttgarter Ensemble wirkte er bei den Schwetzinger Festspielen am 9.5.1957 in der Uraufführung der Oper »Der Revisor« von Werner Egk mit, am 4.10.1959 an der Berliner Staatsoper in »Der arme Konrad« von K. Forest, am 2.11.1965 an der Hamburger Staatsoper in der von Giselher Klebes »Jacobowsky und der Oberst«, am 2.6.1966 an der Staatsoper Stuttgart in der von »Siebzehn Tage und vier Minuten« von Werner Egk. Am 17.8.1959 wirkte er bei den Festspielen von Salzburg in der Uraufführung der Oper »Julietta« von H. Erbse als Forstmeister mit; bei den gleichen Festspielen trat er 1965 als Ägisth in »Elektra« von R. Strauss, 1965-67 als Schuiskij im »Boris Godunow« und 1978 als 1. Jude in »Salome« von R. Strauss auf. In Salzburg wirkte er auch am 15.8.1960 in der szenischen Uraufführung von Frank Martins »Le Mystère de la Nativité« in der Partie des Satans mit. Seit 1958 war er Mitglied der Wiener Staatsoper (Debüt als Chlestakow in »Der Revisor« von Werner Egk). Hier sang er in insgesamt 495 Vorstellungen den Jaquino im »Fidelio«, den Loge wie den Mime, den Hauptmann als auch die Titelpartie im »Wozzeck« von A. Berg, den Catull in »Catulli Carmina« von C. Orff, den 1. Geharnischten wie den Monostatos in der »Zauberflöte«, den Steuermann in »Der fliegende Holländer«, den Eroschka in »Fürst Igor« von Borodin, einen der Versucher in »Mord in der Kathedrale« von I. Pizzetti, den Valzacchi im »Rosenkavalier«, den David wie den Balthasor Zorn in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Aegisth, den Prinzen Orlofsky wie den Blind in der »Fledermaus«, den Herodes in »Salome« von R. Strauss, den Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, den Scaramuccio in »Ariadne auf Naxos«, den Oberon im »Sommernachtstraum« von B. Britten, den Teufel in der »Geschichte vom Soldaten« von Strawinsky, den Nerone in der »Krönung der Poppea« von Monteverdi, den Kavalier in »Cardillac« von P. Hindemith, den Laca in »Jenufa« von Janácek, den Novagerio in »Palestrina« von H. Pfitzner, den Sergej in »Katerina Ismailowa« von Schostakowitsch, den Dr. Cajus im »Falstaff« von Verdi, die vier Dienerrollen in »Hoffmanns Erzählungen«, den Robespierre in »Dantons Tod« von G. von Einem, den Maler in  »Lulu« von A. Berg, den Josef K. in »Der Prozess« von G. von Einem, den Mr. Triquet im »Eugen Onegin«, einen der Stammesfürsten in »Moses und Aron« von A. Schönberg, den Hirten in »Tristan und Isolde«, den Monsieur Taupe im »Capriccio« von R. Strauss, den Butler im »Besuch der alten Dame« von G. von Einem und den Gottesnarren im »Boris Godunow«. Am 27.4.1961 sang er hier die Titelpartie in der Uraufführung von Carl Orffs »Oedipus der Tyrann«. Er gastierte 1960 an der Covent Garden Oper London. 1968 erfolgte sein Debüt an der Metropolitan Oper New York als Loge im »Rheingold«; bis 1972 sang er dort in insgesamt 15 Vorstellungen auch den Herodes und den Mime im »Siegfried«. Weitere Gastspiele an der Grand Opéra Paris, am Nationaltheater Prag, am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Fenice Venedig, an der Königlichen Oper Stockholm, am Teatro Liceu Barcelona, am Grand Théâtre Genf (1975 als Jack in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill) und am Opernhaus von Zürich. Er starb 1979 in Garmisch-Partenkirchen. Er war in erster Ehe mit der Schauspielerin Gabriele Gretschel, in zweiter Ehe mit der Mezzosopranistin Gerda Prochaska verheiratet, mit der er zusammen in Garmisch-Partenkirchen eine Pension eröffnete. Die Schauspielerin Lena Stolze (* 8.8.1956) ist seine Tochter aus erster Ehe. – Die Wandlungsfähigkeit seiner Stimme und sein großes Komödiantentum bewährten sich vor allem in den Charakter- und Buffo-Partien für Tenor..

Schallplatten: Decca (»Salome«, »Tannhäuser«, »Siegfried«, »Die Zauberflöte«, »Elektra«) DGG (»Antigonae« von C. Orff, »Wozzeck« von A. Berg, Ring-Zyklus aus Salzburg, »Oedipus der Tyrann« von Orff, »Mord in der Kathedrale« von I. Pizzetti, Nerone in Monteverdis »Die Krönung der Poppea«)., Melodram (Loge in »Rheingold«, Bayreuth, 1960, David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Bayreuth, 1957), Foyer (Loge in »Rheingold«, Bayreuth 1953). Auf Topaz-Video erscheint er als Mr. Triquet in »Eugen Onegin« (München, 1972).

 

2.10. Paul WEBER: 125. Geburtstag

 Er erhielt seine Ausbildung zum Sänger 1920-28 am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt a.M., dann bei Louis Bachner in Berlin. 1928 debütierte er am Landestheater von Allenstein (Ostpreußen) als van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing. Er blieb dort bis 1932, sang 1932-40 am Staatstheater von Oldenburg, 1940-41 am Stadttheater von Hagen (Westfalen) und trat in den Jahren 1932-40 als Gast an der Hamburger Staatsoper wie am Stadttheater von Lübeck auf. Bis 1942 nahm er oft an Sendungen deutscher Radiostationen teil. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1946 an das Stadttheater von Göttingen engagiert, wo er noch bis 1950 als Sänger, seit 1950 als Schauspieler und als Leiter der Statisterie beschäftigt war. Sein umfangreiches Repertoire enthielt 70 Opern- und 50 Operettenpartien, darunter an erster Stelle Buffo- und Charakterrollen wie den Baculus im »Wildschütz«, den Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Alberich im Nibelungenring, den Ochs im »Rosenkavalier« den Zsupan im »Zigeunerbaron« und den Weps im »Vogelhändler« von C. Zeller. Er wirkte auch in einigen Tonfilmen mit (»Die unsterbliche Geliebte«, 1950). Er starb 1969 in Göttingen.

 

3.10. Marie BRANDIS: 150. Geburtstag

 Sie hieß (nach ihrer Heirat mit einem Dr. Berzé) eigentlich Marie Berzé und begann ihre Bühnenkarriere am Theater an der Wien, wo sie (vielleicht unter einem anderen Namen) debütierte. Nachdem sie an verschiedenen Bühnen im deutschen Sprachraum und auch in den USA gesungen hatte, debütierte sie 1899 am Theater von Graz als Ortrud im »Lohengrin«. Sie blieb bis 1901 Mitglied dieses Hauses, war dann am Opernhaus von Breslau (1901-03) und schließlich am Opernhaus von Köln (1903-04) engagiert. Es schlossen sich Verpflichtungen am Deutschen Theater Prag (1904) und nochmals am Theater von Graz an, wo sie, erst vierzig Jahre alt, 1906 starb. Gastspiele führten sie 1899 zu den Festspielen von Bayreuth (1899 als Gerhilde in der »Walküre)« und an die Wiener Hofoper (1901 als Senta in »Der fliegende Holländer«). Sie vertrat auf der Bühne das hochdramatische und das Wagner-Fach in Partien wie der Rachel in »La Juive« von Halévy, der Leonore im »Fidelio«, der Isolde in »Tristan und Isolde« und der Brünnhilde im Nibelungenring.

 

3.10. Learmont DRYSDALE: 150. Geburtstag

 Biographie des schottischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Learmont_Drysdale

 

4.10. Disma DE CECCO: 90. Geburtstag

Disma de CECCO mit Ehemann Nicola Benois
Mit ihrem Ehemann Nicola Benois

 Ausbildung in der Opernschule der Mailänder Scala. Zu ihren Lehrern gehörten in Mailand Aureliano Pertile, Giulia Tess und Gemma Bellincioni. Sie debütierte sogleich an der Mailänder Scala 1948 als Liu in Puccinis »Turandot«. An der Scala hatte sie bis Mitte der sechziger Jahre ihre großen Erfolge u.a. 1951 als Cecchina in Piccinis »La Cecchina ossia La Buona Figliuola«, als Clorinda in Monteverdis »Il Combattimento di Tancredi e Clorinda« und als Donna Gabriella in  Cherubinis »L’Osteria Portoghese«, 1952 als Santuzza in »Cavalleria rusticana« und als Elena in Boitos »Mefistofele«, 1953 und 1960 als Marina im »Boris Godunow«, 1954 als Desdemona in Verdis »Otello«, 1957 als Proserpina in Monteverdis »L‘Orfeo«, 1961 als Hippolyta in der italienischen Erstaufführung von B. Brittens »A Midsummer Night’s Dream« und 1967 als Emma in »Chowanschtschina« von Mussorgsky. Am 2.1.1955 sang sie an der Mailänder Scala in der Uraufführung der Oper »David« von D. Milhaud die Michal. Sie sang an den großen Operntheatern der italienischen Halbinsel, in Palermo, Parma, Triest und bei den Festspielen in der Arena von Verona. Dort trat sie 1948 als Liu, 1952 als Marina und 1954 als Elena in »Mefistofele« auf. Zu Gast an den Opernhäusern von Genf und Zürich, am Teatro Colón von Buenos Aires und an der Oper von Rio de Janeiro (1951 als Santuzza), an den Opern von Sofia, Monte Carlo und Köln, am Bolschoi Theater Moskau, in Leningrad und Tiflis (Tbilissi) und bei verschiedenen englischen Operngesellschaften. Mittelpunkt ihres Repertoires bildeten die großen dramatischen Partien aus der italienischen Opernliteratur. Sie war später auch als Opernregisseurin tätig. Sie starb 2005 in Mailand. – Sie war verheiratet mit dem Bühnenbildner Nicola Benois (1901-88).

Schallplattenaufnahmen bei Cetra (Elena in »Mefistofele« von Boito).

 

4.10. Gianni POGGI: 95. Geburtstag

Gianni POGGI

 Er begann seine Ausbildung 1942 bei Valeria Manna, wurde dann aber zur italienischen Luftwaffe eingezogen. Nach Kriegsende studierte er bei Emilio Ghirardini in Mailand. Er debütierte 1947 am Teatro Massimo in Palermo als Rodolfo in »La Bohème«. Bereits 1948 wurde er an die Mailänder Scala verpflichtet, an der er als Riccardo in Verdis »Un Ballo in maschera« debütierte und seit dieser Zeit bis 1965 in zehn Spielzeiten auftrat. Er sang an der Scala u.a. den Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli, den Cavaradossi in »Tosca«, 1951 den Riccardo in Verdis »Oberto«, 1953 den Fernando in »La Favorita« von Donizetti (eine seiner Hauptrollen), 1954 den Herzog im »Rigoletto«, den Edgardo in »Lucia di Lammermmor« und den Faust von Gounod, 1955, 1959 und 1965 den Rodolfo, 1958 und 1964 den Faust in »Mefistofele« von Boito, 1958 den Ismaele in »Nabucco« von Verdi und das Tenor-Solo im Verdi-Requiem, 1959 das Tenor-Solo in Dvoráks Stabat mater und 1960 nochmals den Riccardo. 1949 sang er an der Oper von Rio de Janeiro den Alfredo in »La Traviata« mit Maria Callas als Partnerin, 1953 an der Oper von Rom (an der er seit 1951 regelmäßig auftrat) den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, ebenfalls mit Maria Callas in der Titelpartie. 1950 hörte man ihn bei den Zürcher Festwochen als Cavaradossi. Seit 1951 gastierte er oft am Teatro Comunale Florenz, 1948 bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla als Riccardo und als Edgardo, 1954 als Herzog, 1955 als Faust in »Mefistofele« und 1960 als Canio im »Bajazzo«, an der Oper von Monte Carlo 1953 wieder als Herzog und beim Maggio Musicale von Florenz 1955 in der Titelpartie von Donizettis Oper »Don Sebastiano«, 1956 an der Berliner Staatsoper als Cavaradossi. 1955 debütierte er an der Metropolitan Oper New York als Herzog im »Rigoletto« und sang an diesem Haus in zwei Spielzeiten bis 1957 in insgesamt 15 Vorstellungen sechs Partien: den Cavaradossi, den Rodolfo, den Edgardo, den Alfredo und den Enzo. 1959-64 trat er an der Wiener Staatsoper in 18 Vorstellungen als Riccardo in Verdis »Un Ballo in maschera«, als Herzog, als Alfredo, als Canio, als Cavaradossi, als Rodolfo und als Pinkerton in »Madame Butterfly« auf. 1960 sang er am Prince’s Theatre in London den Herzog im »Rigoletto«. 1961 trat er in Tokio als Cavaradossi und als Herzog auf, in Antwerpen als Cavaradossi, in San Remo 1964 als Manrico im »Troubadour«, in Mannheim 1965 als Cavaradossi. Seit den sechziger Jahren hörte man ihn hauptsächlich an Opernhäusern in der italienischen Provinz, vor allem bis 1969 regelmäßig am Theater seiner Vaterstadt Piacenza, wo er 1963 sogar den Lohengrin übernahm. Als letzte Partie sang er dort 1969 den Faust von Gounod. Er starb 1989 in Piacenza. – Typisch italienische Tenorstimme, vor allem im lyrischen Stimmfach erfolgreich.

Lit: Jean Jacques Hanine Roussel: Gianni Poggi – Spirto Gentil (Piacenza 1995).

Schallplatten: Nixa (»Mefistofele«, »Lucia di Lammermoor«), Decca (»La Favorita«, »La Traviata«), Cetra (»La Gioconda«, »Tosca«), DGG (»Un Ballo in maschera« von Verdi, »La Bohème«), Columbia, Philips, (»La Bohème«, »Tosca«, »Cavalleria rusticana«, »Pagliacci«), EJS (»Oberto« von Verdi), MRF (»Don Sebastiano« von Donizetti, Florenz 1955), Voce (»Tosca«).

 

5.10.  Consuelo Marie DOMENECH: 150. Geburtstag

 Sie stammte aus einer spanischen Familie und wurde zunächst am Conservatoire von Paris zur Pianistin ausgebildet, wechselte dann aber ins Gesangfach. 1890 debütierte sie an der Pariser Grand Opéra als Leonore in »La Favorite« von Donizetti und blieb dort bis 1893 tätig. 1891 sang sie an der Grand Opéra in der Uraufführung der Oper »Thamara« von Louis Albert Bourgault-Ducoudray. In der Spielzeit 1893-94 war sie an der Metropolitan Oper New York engagiert, wo sie als Gertrude im »Hamlet« von A. Thomas und als Ortrud im »Lohengrin« in insgesamt 10 Vorstellungen auftrat. Nach Europa zurückgekehrt, trat sie an den großen Opernbühnen in der französischen Provinz auf. 1897-1901 war sie am Théâtre de la Monnaie Brüssel im Engagement, wo sie in der ersten französischsprachigen Aufführung von Wagners »Rheingold« mitwirkte (1898). Sie gastierte u.a. 1905 an der Oper von Monte Carlo als Siebel im »Faust« von Gounod. Ihr ausgedehntes Bühnenrepertoire umfasste Partien wie die Amneris in »Aida«, die Uta in »Sigurd« von Reyer, die Anna Bolena in »Henri VIII.« von Saint-Saëns, die Veredha in »Le Mage« von Massenet, die Fricka in der »Walküre« und die Mutter in »De Herbergprinses« von Jan Blockx.

 

5.10. Eduard FESSLER: 175. Geburtstag

 Als Sohn eines Oberlehrers studierte er zunächst klassische Philologie in München, ließ sich aber zugleich am Münchner Konservatorium und bei der Pädagogin Frau Seidler-Ernst zum Sänger ausbilden. 1862 debütierte er am Theater von Bamberg als Kaspar im »Freischütz« und gastierte 1863 am Hoftheater von Coburg in der Rolle des Jägers im »Nachtlager von Granada« von Conradin Kreutzer. Er wurde engagiert und blieb Mitglied dieses Hauses bis zur Auflösung des Coburger Opernensembles 1881. Darauf war er 1881-83 am Opernhaus von Frankfurt a.M., 1883-89 am Hoftheater von Darmstadt und 1891-94 am Stadttheater von Zürich engagiert. Er nahm dann kein festes Engagement mehr an, sondern gab sehr erfolgreiche Gastspiele an Opernbühnen in Deutschland (Kroll-Oper Berlin, Hoftheater von Weimar und Kassel, Stadttheater Nürnberg), in Belgien und in der Schweiz. Dabei hatte er seine großen Erfolge als Wagner-Interpret (Fliegender Holländer, Telramund im »Lohengrin«, Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Wotan im Ring-Zyklus, Wolfram im »Tannhäuser«), aber auch als Titelheld in Marschners »Hans Heiling« und in »Wilhelm Tell« von Rossini, als Rigoletto, als Zampa in der gleichnamigen Oper von Hérold, als Don Giovanni und als Figaro in »Figaros Hochzeit«. 1881 wirkte er am Opernhaus von Frankfurt a.M. in der Uraufführung der Oper »Das Käthchen von Heilbronn« von Karl Reinthaler, 1882 in der von Wilhelm Hills »Alona« mit. Er war ein angesehener Konzertsänger und gab u.a. Konzerte in Frankfurt a.M., München, Leipzig und Düsseldorf. Er komponierte selbst mehrere Lieder. Nach Beendigung seiner Bühnenkarriere eröffnete er in Berlin eine Gesangsschule, an der auch seine Gattin, die Sängerin Käthe Feßler-Wriedt (1850-1924), die auch unter dem Namen Käte Ernst auftrat und u.a. an den Hoftheatern von Meiningen und Gotha in Thüringen engagiert war, unterrichtete. Eduard Feßler starb 1901 in Berlin.

 

6.10. John-Eric JACOBSSON: 85. Geburtstag

Er war in Stockholm Schüler von Toivo Ek, Arne Sunnegaard und Sonny Peterson. 1963 kam es zum Bühnendebüt des Künstlers an der Königlichen Oper Stockholm als Turiddu in »Cavalleria rusticana«. 1976 sang er an der Stockholmer Oper den Abu Said in der Uraufführung der Oper »Kalifens son« von Eysert, 1977 den Alwa in der schwedischen Erstaufführung der Oper »Lulu« von Alban Berg. Zu den Hauptrollen des Sängers gehörten noch der Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, der Jaquino im »Fidelio«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Ismaele in Verdis »Nabucco«, der Titelheld in Benjamin Brittens »Albert Herring«, der Jim Mahoney in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill, der Eisenstein wie der Orlofsky in der »Fledermaus«, der Schuiskij im »Boris Godunow«, der Janek in »Die Sache Makropoulos« von Janácek sowie weitere Charakterrollen. Gastspiele an den Opern von Kopenhagen und Oslo sowie bei den Opernfestspielen von Drottningholm. 1970 sang er den Alwa im Dänischen Fernsehen. Bedeutende Karriere als Konzert- und Oratorientenor. Er starb 2012 in Täby.

Schallplatten: schwedische HMV; Virgin-Video (»Idomeneo« von Mozart)

 

6.10. György TRÉFÁS: 85. Geburtstag

György-TRÉFÁS

Er war in der ungarischen Hauptstadt Schüler der Gesangpädagogen Werner Alajos, Makai Mihály, Lendvay Andor und Hetényi Kálmán. Er debütierte am Opernhaus (Csokonay Theater) von Szeged und kam dort wie an der Nationaloper Budapest zu einer erfolgreichen Karriere als Bassist. Dabei übernahm er Partien wie den König Philipp im »Don Carlos« von Verdi, den Titelhelden in Verdis »Attila«, den Silva in dessen »Ernani«, den Rocco im »Fidelio« und den Titelhelden in »Herzog Blaubarts Burg« von Béla Bartók. Diese Partie sang er auch an den Opern von Antwerpen und Dresden. An der Nationaloper Sofia gastierte er als Zaccaria im »Nabucco« von Verdi, am Stadttheater von Magdeburg als Mephisto im »Faust« von Gounod und in »Angélique« von Ibert. Weitere Höhepunkte in seinem umfangreichen Bühnenrepertoire waren der Sarastro in der »Zauberflöte« und der Osmin in der »Entführung aus dem Serail«. 1968 wurde er mit dem Franz Liszt-Preis ausgezeichnet, 1980 zum Verdienten Künstler der Ungarischen Volksrepublik ernannt. Er starb am 2.7.2016 in Debrecen.

Schallplatten: Hungaroton.

 

6.10. Hanns LANGE: 125. Geburtstag

Er wurde in seiner Heimatstadt Dresden ausgebildet und debütierte dort 1912 an der damaligen Hofoper, der späteren Staatsoper, deren Mitglied er praktisch bis zum Ende seiner Karriere geblieben ist, als Froh im »Rheingold«. Nachdem er anfänglich lyrische Tenorpartien gesungen hatte, verlegte er sich später auf das Buffo- und Charakterfach, wobei er auch als Darsteller Hervorragendes leistete. Gastspiele führten ihn, zum Teil mit dem Dresdner Ensemble, nach Genf, Zürich und Riga. Er wirkte bis 1945 an der Dresdner Oper, wo er in einer Vielzahl von wichtigen Uraufführungen und Premieren auftrat, so u.a. am 14.1.1918 in der Uraufführung von »Der Eroberer« von Jan Brandts-Buys, am 4.11.1924 in der der der autobiographischen Oper »Intermezzo« von Richard Strauss, am 19.5.1926 in der von Alfred Schattmanns »Die Hochzeit des Mönchs«. Er wirkte dort auch 1938-44 als Regisseur. 1945-49 war er als Sänger und Regisseur an der Volksoper Dresden tätig, zugleich seit 1927 als Pädagoge am dortigen Konservatorium (Musikhochschule), wo er die Opernklasse leitete. Seit 1949 Oberspielleiter der Sächsischen Landesbühnen Dresden-Radebeul.  Er war zeitweilig verheiratet mit der Opernsängerin Helga Petri (1890-1945).

Schallplatten: HMV (Augustin Moser im 3. Akt von Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« unter Karl Böhm, 1938); auf der Marke Parlophon tritt er im Finale der Operette »Der Zigeunerbaron« auf (1982 Neu-Ausgabe auf Ritornello). Auf einer bedeutend älteren akustisch aufgenommenen Parlophon-Platte von 1914 singt er in einem Quartett zusammen mit Erik Enderlein, Robert Büssel und Ludwig Ermold patriotische Lieder. Auf Rococo wurden Ausschnitte aus Verdis »Macbeth« veröffentlicht, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen worden sind.

 

6.10. Settimia CACCINI: 425. Geburtstag

Settimia Caccini

 Sie war eine Tochter des berühmten Komponisten und Sängers Giulio Caccini (1551-1618) und die jüngere Schwester von Francesca Caccini (* 1587, † etwa 1640). Auch sie wurde eine in ganz Italien bekannte Sängerin und trat vor allem am Hof der Medici in Florenz auf. Seit 1602 ist sie dort vielfach nachzuweisen. 1604 verbrachte sie mit anderen Mitgliedern ihrer Familie auf Einladung der französischen Königin Maria de Medici sechs Monate in Paris. Am 28.5.1608 sang sie in Mantua bei den Festlichkeiten zur Hochzeit des Erbprinzen von Mantua Francesco Gonzaga mit der Prinzessin Margherita von Savoyen in der Uraufführung von Monteverdis Oper »Arianna« die Partie der Venus. (Es ist nach neuesten Erkenntnissen unsicher, ob sie tatsächlich in dieser Aufführung mitwirkte.) Leider ist von der Musik dieser Oper nur das berühmte Lamento d’Arianna erhalten geblieben. Sie heiratete Alessandro Ghivizzani (1572-1632), der am Hof der Medici als Maestro di Capella und als Sänger wirkte. Sie blieben bis 1610 am Hof der Medici in Florenz. Herzog Ferdinando Gonzaga holte die Sängerin und ihren Ehemann 1613 aus Lucca an seinen Hof nach Mantua, wo beide sechs Jahre in seinen Diensten blieben, 1619 aber nach Lucca zurückkehrten. 1622 ließ sich das Sänger-Ehepaar Ghivizzani-Caccini in Parma nieder. Dort nahmen beide Ehegatten 1628 an der Aufführung der Oper »Mercurio e Marte« von Monteverdi (zur Eröffnung des Teatro Farnese im Rahmen des Hochzeitsfestes für den Herzog Odoardo Farnese und die Prinzessin Maria de‘ Medici) teil, Settimia in der Rolle der Aurora. Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1632 kehrte sie nach Florenz zurück, wo sie 1638 in den Zahlungslisten des Mediceerhofes erscheint. Dort trat sie 1639 in der Oper »Le nozze degli dei« von Carlo Coppola auf. Sie muss um 1640 verstorben sein.

 

7.10. Hugo MARCOS: 70. Geburtstag

 Biographie des kubanischen Baritons auf Spanisch: https://www.ecured.cu/index.php/Hugo_Marcos

 

7.10. Vladimír KREJČÍK: 85. Geburtstag

Nachdem er ursprünglich das Chemiestudium betrieben hatte, nahm er ab 1958 Gesangunterricht bei Vojtech Borivoj Aim in Prag. In den Jahren 1955-58 war er Mitglied des Opernchores am Smetana Theater in Prag. 1959-60 war er am Theater von Liberec (Reichenberg in Böhmen) engagiert, wo er bereits kleinere Solopartien übernahm. 1960 folgte der Künstler einem Ruf an das Opernhaus von Brno (Brünn), dem er länger als 45 Jahre angehörte. Er zählte zu den beliebtesten Sängern dieses Hauses, an dem er in einem sehr umfangreichen Repertoire auftrat. Neben seinem Wirken auf der Bühne war er ein angesehener Konzert- und Oratoriensolist. Er starb 2013 in Brünn.

Schallplatten: Supraphon (»Osud« von Janácek, »Komödie auf der Brücke« von B. Martinù), Supraphon-Eurodisc (Stewa in »Jenufa« von Janácèk, Oratorium »Die Heilige Ludmila« von A. Dvorák), Decca (»Das schlaue Füchslein«, »Die Sache Makropoulos« und »Katja Kabanowa« von Janácek).

 

7.10. Rolf REUTER: 90. Geburtstag

Er wurde als Sohn des Komponisten Fritz Reuter in Leipzig geboren. Nach dem Musikstudium an der Hochschule für Musik in Dresden begann er seine Laufbahn 1951 als Kapellmeister am Theater in Eisenach. 1956 wechselte er nach Meiningen, von dort ging er 1961 als Generalmusikdirektor an das Opernhaus Leipzig. 1978-80 war er Chefdirigent der Staatskapelle Weimar. Ab 1981 war er Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin, wo er bis 1993 blieb. Seine zahlreichen Gastspiele und Meisterkurse führten ihn rund um die Welt, so u.a. nach Paris, London, Tokyo, Peking, Houston und Buenos Aires, sowie nach Israel, Italien, Frankreich, Spanien, in die ehem. Sowjetunion, Bulgarien etc. Seine Dirigate, zum Teil in Zusammenarbeit mit Harry Kupfer, (so z.B. der Mozart-Zyklus, Die Meistersinger von Nürnberg, Boris Godunow, die Uraufführung der Matthus-Oper Judith) prägten maßgeblich das künstlerische Profil der Komischen Oper Berlin. Zu den bedeutendsten Künstlern, mit denen er auftrat, gehören u.a. David Oistrach, Jessye Norman, David Geringas, Alfredo Kraus, Anna Tomowa-Sintow, Christa Ludwig, Peter Seiffert, Kiri Te Kanawa, Theo Adam u.v.m. Seit 1966 war Reuter neben seiner Dirigententätigkeit außerdem Leiter der Fachrichtung Dirigieren an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ in Leipzig. Er war Präsident a.D. der Hans-Pfitzner-Gesellschaft und Honorarprofessor an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Aus seinem Unterricht gingen weltbekannte Dirigenten hervor, so z.B. Wladimir Jurowski, Walter Taieb, Thomaskantor Georg Christoph Biller, sowie Shi-Yeon Sung. Rolf Reuter starb 2007 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Inneren Plauenschen Friedhof in Dresden.

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Homepage: http://www.rolfreuter.de/

 

7.10. Ivan JIRKO: 90. Geburtstag

 Biographie des tschechischen Komponisten auf Tschechisch:

https://cs.wikipedia.org/wiki/Ivan_Jirko

 

8.10. Molly ÅSBRINK-BERGENGREN: 100. Geburtstag

 Zuerst Schülerin von Camilla Liedbergius in Stockholm wie auch der Stockholmer Musikhochschule, an der sie 1942-44 bei Joseph Hislop studierte. Weitere Studien an der Accademia Chigiana Siena bei Giorgio Favaretto und bei dem Pädagogen A. Barutti in Rom. 1946 debütierte sie mit einem Liederabend in Stockholm und leitete damit eine bedeutende Konzertlaufbahn ein. Sie trat als Konzertaltistin in den skandinavischen Ländern, in Italien und in der Sowjetunion auf und war in Rundfunksendungen des schwedischen, norwegischen, finnischen und sowjetrussischen Rundfunks zu hören. Sie brachte neben Liedern aus allen Bereichen des Musikschaffens und Partien in Oratorien in ihren Konzerten mit Vorliebe nordische Volkslieder zum Vortrag. Sie starb 2005 in Stockholm.

Mitschnitte aus den zahlreichen Radiosendungen der Künstlerin sind vorhanden.

 

8.10. Irma GONZÁLEZ: 100. Geburtstag

Irma GONZALEZ

 Sie erhielt zuerst eine Ausbildung als Pianistin bei Manuel Ponce in Mexico City, wechselte dann jedoch ins Gesangfach und wurde hier Schülerin von Maria Bonilla. Sie debütierte bereits 1940 an der Oper von Mexico City, an der sie in den folgenden Jahren regelmäßig auftrat. Dazu erschien sie seit 1943 mit großem Erfolg an amerikanischen Opernhäusern; so sang sie 1943 die Micaela in »Carmen« an der San Francisco Opera, 1944-45 und 1949 an der City Center Opera New York die Mimi in »La Bohème« und die Butterfly. Sie gastierte 1946 an der Oper von Miami, 1964 an der Chicago Opera und auch am Opernhaus von New Orleans. Mehrfach war sie als Gast am Teatro Colón Buenos Aires anzutreffen (1956, 1958, 1961), wo sie u.a. als Liu in Puccinis »Turandot« auftrat. Weitere Gastspiele führten sie an das Opernhaus von Vancouver (1963) und an das Teatro Liceu Barcelona (1966 als Liu). An der Oper von Mexico City ist sie noch 1972 aufgetreten. Im Zentrum ihres Bühnenrepertoires standen vor allem Partien aus dem lyrischen und dem jugendlich dramatischen Stimmfach wie die Euridice in »Orfeo ed Euridice« von Gluck, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Aida, die Desdemona in Verdis »Otello«, die Nedda im »Bajazzo«, die Tosca, die Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano und die Elsa im »Lohengrin«. Außerdem hatte sie eine erfolgreiche Karriere als Konzert- und Oratoriensängerin. Sie starb 2008 in Mexico City.

Schallplatten: RCA (Arien), CBS (9. Sinfonie unter Bruno Walter), HRE (»Faust« von Gounod, Mitschnitt einer Aufführung in Mexico City von 1948 mit Giuseppe di Stefano als Partner).

 

9.10. Helmut BERGER: 75. Geburtstag

 Er studierte am Konservatorium der Stadt Wien und hatte zu Beginn seiner Karriere 1967 erste Erfolge in Südamerika, wo er Bass-Buffo-Partien sang, darunter vor allem den Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«. 1968 wurde er an das Theater von Klagenfurt verpflichtet und von dort 1971 an das Staatstheater Hannover berufen, an dem er bis 1989 eine lange, erfolgreiche Karriere hatte. Er gab Gastspiele an den Staatsopern von Hamburg und Stuttgart, an der Deutschen Oper Berlin, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, am Opernhaus von Frankfurt a.M. und an vielen anderen deutschen Bühnen. Im Ausland trat er als Gast in Rio de Janeiro, an den Opernhäusern von Zürich, Graz und Salzburg, am Teatro Massimo Palermo, an der Jütländischen Oper Aarhus und in Teheran auf. Höhepunkte in seinem umfangreichen Repertoire für die Bühne waren der Bartolo in »Figaros Hochzeit« wie im »Barbier von Sevilla«, der Waldner in »Arabella« von R. Strauss, der Daland in »Der fliegende Holländer«, der Leporello im »Don Giovanni«, der Warlaam im »Boris Godunow«, der Sprecher in der »Zauberflöte«, die Titelrollen in »Don Pasquale« von Donizetti und »Gianni Schicchi« von Puccini, der Dulcamara in »L’Elisir d’amore« und der Fra Melitone in »La forza del destino« von Verdi. Er betrieb später ein Hotel in Bad Sachsa, wo er 1998 starb.

 

9.10. Richard KAPP: 80. Geburtstag

 Er studierte zunächst Deutsch und Geschichte an der Johns Hopkins University in seiner Heimatstadt Chicago. Seine musikalische Ausbildung in den Fächern Dirigieren, Komposition und Klavier absolvierte er an der Musikhochschule Stuttgart. 1960-62 wirkte er als Korrepetitor am Basler Stadttheater. Nach seiner Rückkehr in die USA wurde er an die Manhattan School of Music nach New York berufen. 1968 gründete er das Ensemble Philharmonia Virtuosi, welches er bis 2004 leitete. Zudem hob er das Label Ess.a.y. aus der Taufe, auf dem er unter anderem seine gemeinsamen Aufnahmen mit der Geigerin Mela Tenenbaum veröffentlichte. Er starb 2006 in Danbury (Connecticut).

 

10.10. Mária DUNSZT: 80. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung an der Budapester Musikakademie bei Imré Molnár und Oszkar Maleczky. Sie wurde sogleich an die Nationaloper Budapest verpflichtet und debütierte dort 1961 als Melinda in »Bánk Bán« von Ferenc Erkel. 1960 gewann sie den internationalen Gesangwettbewerb von Toulouse, 1960 den Ferenc Erkel-Concours in Budapest. Sie blieb über 15 Jahre bis 1976 eine der führenden Sängerinnen der Budapester Oper und wurde von allen Dingen wegen ihrer Darstellung dramatischer Partien geschätzt. Ihre Glanzrollen waren die Leonore im »Fidelio«, die Elsa im »Lohengrin«, die Sulamith in »Die Königin von Saba« von Goldmark, die Leonore im »Troubadour« und die Melinda in »Bank Bán« von F. Erkel. Im ungarischen Fernsehen wirkte sie in Sendungen der Opern »Cavalleria rusticana« von Mascagni und »Jenufa« von Janácek (hier in der Partie der Küsterin) mit. Sie trat gastweise in Bulgarien, in der CSSR und in Ostdeutschland auf. Erfolgreich auch als Konzertsopranistin. Sie starb im August 1994.

Schallplatten: Qualiton, Hungaroton (»Cavalleria rusticana«, »Aida«).

 

10.10. Lucienne DELVAUX: 100. Geburtstag

 Ihre Ausbildung erfolgte in ihrer Heimatstadt, worauf sie 1947 an der Oper von Gent als Gudule in der Oper »De Bruid der Zee« (»La Fiancée de la Mer«) von Jan Blockx debütierte. Von Gent ging sie an die Oper von Antwerpen und war dann 1953-55 Mitglied des Théâtre de la Monnaie Brüssel. In der Saison 1955-56 war sie an der Pariser Grand Opéra tätig, wo sie die Amneris in »Aida«, die Dalila in »Samson et Dalila« und die Ortrud im »Lohengrin« sang. Danach trat sie regelmäßig in den Jahren 1956-62 an der Oper von Gent auf, setzte aber eine intensive Gastspieltätigkeit an den großen französischen Provinztheatern fort, u.a. in Bordeaux, Toulouse, Straßburg und Nantes, eine Tätigkeit, die bis zum Beginn der siebziger Jahre dauerte. 1961 gastierte sie am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich als Dalila. Zu ihren Bühnenpartien gehörten die Leonore in »La Favorite« von Donizetti, die Azucena im »Troubadour«, die Eboli in Verdis »Don Carlos«, die Carmen, die Herodias in »Salome« von R. Strauss, die Brangäne in »Tristan und Isolde«, die Fricka in der »Walküre«, die Kundry im »Parsifal«, die Cassandre in »Les Troyens« von Berlioz, die Königin in »Hamlet« von A. Thomas, die Wirtin im »Boris Godunow«, die Mère Marie in »Dialogues des Carmélites« von Poulenc, die Schwiegermutter in »Bluthochzeit« von W. Fortner und die Königin in »Bánk Bán« von Ferenc Erkel, die sie 1960 an der Oper von Gent in der belgischen Erstaufführung des Werks vortrug. Zudem war sie eine geschätzte Konzert- und Oratoriensängerin und gab Gastspiele in Holland, Österreich und in Nordafrika. Sie starb 2015 in Embourg (Liège).

Schallplatten: EJS (Königin in vollständiger Oper »Hamlet« von Thomas).

 

10.10. Heinrich DE MARCHION: 200. Geburtstag

 Er erhielt ersten Gesangunterricht am Josefinum in Hildesheim, und als Knabe von 12 Jahren sang er schon bei einem Konzert, das die große Primadonna Henriette Sontag in Hildesheim gab, eine kleine Arie. 1833 begann er seine Theaterlaufbahn in Lübeck in der Rolle des Fiorello in Rossinis »Barbier von Sevilla«. Es schloss sich ein Engagement in Flensburg an, wo er bereits den Titelhelden in »Jean de Paris« von Boieldieu, den Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer und den Oberst in »Fanchon das Leiermädchen« von Friedrich Heinrich Himmel sang. Nun folgten Engagements am Hamburger Steinstraßentheater und in Magdeburg, dann in Berlin, wo er sich als Schauspieler wie als Sänger in Opern, Singspielen und Vaudevilles betätigte. Aus diesen Jahren resultierte seine Freundschaft mit dem Komponisten Ferdinand Gumbert, dessen damals sehr populäre Lieder bevorzugt von ihm gesungen wurden. 1843 wurde er an das Carl-Theater in Wien engagiert, absolvierte dort aber gleichzeitig weitere Studien bei dem Pädagogen Gentiluomo. In Wien wurde er als Konzertsänger bekannt und wirkte mehrfach in Hofkonzerten mit. 1848-51 war er wieder in Hamburg anzutreffen, und es schlossen sich dann Gastspielauftritte in Köln, Karlsruhe und Amsterdam an, bis er 1858 einem Ruf als Tenor-Buffo an die Hofoper von Dresden Folge leistete. Hier sang er bis 1875 Partien wie den Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, den Junker Spärlich in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Peter Iwanow in Lortzings »Zar und Zimmermann« und ähnliche Rollen. Er starb 1890 in Dresden.

 

11.10. Maria Luisa SALINAS (mexikanische Sopranistin): 90. Geburtstag

 

11.10. Dorothea SIEBERT: 95. Geburtstag

Dorothea SIEBERT

 Ausbildung in Berlin und Wien. Debüt 1943 am Stadttheater von Marburg a.d. Drau (Maribor) in Slowenien. Sie sang 1945-48 am Stadttheater von Klagenfurt, 1948-51 am Stadttheater von Graz. Nach einem Gastspiel 1950 als Rosalinde in der »Fledermaus« wurde sie 1951 an die Wiener Staatsoper engagiert, deren Mitglied sie bis 1955 geblieben ist. Hier sang sie neben ihren Opernpartien (u.a. Baronin im »Wildschütz« von Lortzing, Lola in »Cavalleria rusticana«, Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, Antonia in »Hoffmanns Erzählungen«, Mimì in »La Bohème«, Micaela in »Carmen«, Monica in Menottis »Das Medium«, Blanchefleur im »Kuhreigen« von Kienzl) auch viele Operettenrollen (u.a. Laura in Millöckers »Der Bettelstudent«, Cagliari und später auch die Gabriele im »Wiener Blut«, Fiametta in Suppés »Boccaccio«, Marguerite im »Opernball« von Heuberger, Kurfürstin im »Vogelhändler« von Zeller, Hanna Glawari in Lehárs »Die lustige Witwe«, Leila in »Tausend und eine Nacht« von J. Strauß, Helena im »Polenblut« von Nedbal). Nach der Salzburger Premiere von »La finta semplice« unternahm sie mit dem Ensemble des Salzburger Landestheaters 1956 unter Bernhard Paumgartner eine Europa-Tournee und sang in Vorstellungen dieser Oper in Paris, London, Brüssel, in westdeutschen und skandinavischen Großstädten. 1956-64 Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, 1964-75 des Opernhauses von Zürich. Sie gastierte an der Londoner Covent Garden Oper, am Teatro San Carlo von Neapel, in Rom, Brüssel und Paris. Bei den Salzburger Festspielen sang sie am 14.8.1952 in der Uraufführung der Oper »Die Liebe der Danaë« von R. Strauss die Semele. Seit 1954 sang sie bei den Festspielen von Bayreuth bis 1971 (in 18 Festspielsommern!) ein Blumenmädchen im »Parsifal«, 1957-58, 1960 und 1965-69 die Woglinde, 1958 und 1960 den Waldvogel und 1967 die 2. Norn im Nibelungenring. 1960 gastierte sie noch einmal als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« an der Wiener Staatsoper. Sie trat auch am Theater am Gärtnerplatz in München auf. Koloratursopran von hoher technischer Vollendung. Sie starb im Mai 2013.

Schallplatten der Sängerin erschienen bei Philips (»La finta semplice« von Mozart sowie Rollen im Ring-Zyklus), Vox (F-Moll-Messe von Bruckner), Decca (»Die Zauberflöte«), Bella Voce (»La Rondine« von Puccini, Radiosendung in deutscher Sprache mit Ljuba Welitsch). Auf Melodram singt sie den Waldvogel im »Siegfried« (Bayreuth, 1960).

 

11.10. Ellen FORSTER: 150. Geburtstag

Ellen Forster

 Sie begann mit 14 Jahren das Gesangstudium bei Louise Dustmann und bei Emilie Dorr in Wien. Sie debütierte 1885 am Stadttheater von Danzig als Marguerite im »Faust« von Gounod. 1886 wirkte sie bei den Festspielen von Bayreuth (als Blumenmädchen im »Parsifal«) mit. 1887 wurde sie an die Wiener Hofoper berufen, an der sie bis zum Ende ihrer Karriere blieb. 1889 wirkte sie in der Wiener Premiere von »Die drei Pintos« von Weber (in der Neu-Bearbeitung durch Gustav Mahler) als Inez mit, 1891 in der Premiere von Mozarts »Bastien und Bastienne« (als Bastienne). Am 16.2.1892 sang sie an diesem Haus in der Uraufführung der Oper »Werther« von Massenet die Partie der Sophie, am 21.3.1896 in der Uraufführung der Oper »Das Heimchen am Herd« von Goldmark die Titelpartie. Als man 1894 erstmals die Johann Strauß-Operette »Die Fledermaus« an der Wiener Hofoper aufführte, sang sie darin die Adele. Sie sang auf der Bühne der Wiener Hofoper u.a. auch den Oscar in Verdis »Maskenball«, die Margiana im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, die Hero in »Beatrice et Benedict« von Berlioz, die Mimì in »La Bohème« von Leoncavallo, die Micaela in »Carmen«, die Zerlina im »Don Giovanni«, die Martha im »Evangelimann« von Kienzl, die Margarethe im »Faust« von Gounod, die Marzelline im »Fidelio«, die Serpetta in Mozarts »La finta giardiniera«, die Agathe im »Freischütz«, die Anna in »Hans Heiling« von Marschner, die Gretel in »Hänsel und Gretel«, die Elsa im »Lohengrin«, die Anna in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Gabriele im »Nachtlager von Granada« von C. Kreutzer, den Cherubino wie die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Freia im »Rheingold«, die Gutrune in der »Götterdämmerung«, die Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod, die Titelrolle in Lortzings »Undine«, die Emmy im »Vampyr« von Marschner, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, das Gretchen im »Wildschütz« von Lortzing, die Titelrolle in »Zaide« von Mozart, die Marie in »Zar und Zimmermann« von Lortzing und die Pamina in der »Zauberflöte«. Auch als Konzert- und Liedersängerin war sie erfolgreich; sie wirkte in Wien oft bei Hofkonzerten mit. Bei der Salzburger Mozart-Centenarfeier des Jahres 1891 trat sie in einem Fest-Konzert auf. 1905 nahm sie von der Bühne als Lola in »Cavalleria rusticana« Abschied, 1906 beendete sie endgültig ihre Karriere. Sie starb 1921 in Baden bei Wien. Sie trat auch unter dem Namen Ellen Forster-Brandt auf.

Ihre Stimme ist durch einige seltene Schallplatten der Marke G & T (Wien, 1902) erhalten.

 

12.10. Hedy GRAF: 90. Geburtstag

 Sie war Schweizerin und erhielt ihre Ausbildung am Konservatorium von Zürich wie 1949-52 bei der Gesangpädagogin Regine Salomon in Zürich. Ergänzende Studien bei Roy Henderson in London (1952, 1956) und bei der bekannten Sopranistin und Pädagogin Sylvia Gähwiller in Zürich. Seit 1955 war sie als führende Konzertsängerin in der Schweiz wie in Deutschland tätig. Sie sang ein überaus vielgestaltiges Repertoire, das Partien in Oratorien und religiösen Vokalwerken aller Art enthielt, und seine Höhepunkte in den großen Werken von J.S. Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Bruckner, andererseits aber auch in Aufgaben aus dem Barock-Repertoire wie in Werken zeitgenössischer Komponisten (O. Schoeck, W. Burkhard, Frank Martin, Hindemith, Strawinsky, Schönberg) fand. Sie wirkte in einigen Uraufführungen von modernen Werken mit, so 1966 in Zürich in dem Oratorium »Jeremia« von E. Hess, 1965 in Zürich und Basel in »Cantico di frate sole di San Francesco d’Assisi« von Rudolf Moser, 1977 über Radio Zürich in »Tenebrae« von M. Schlumpf. Noch weiter gespannt war ihr Repertoire für den Vortrag von Liedern und Arien aus allen Epochen der Musikgeschichte. Ihre Konzertauftritte beschränkten sich nicht nur auf die Schweiz und Deutschland; sie trat auch in Antwerpen, Jerusalem, Tel Aviv, in Scheveningen, Wien und Straßburg auf. Die Sängerin, die mit dem Bratschisten Werner Esser verheiratet war, wirkte als Gesangpädagogin an der Kantonsschule in Küsnacht (Kanton Zürich) und in Zürich. Sie hatte ihren Wohnsitz in Benken (Kanton Zürich), wo sie 1997 starb.

Schallplatten: Erato (Bach-Kantaten), Cantate (»Der Messias« von Händel, Weihnachtskantaten der Barockzeit), Pallas (Mozart-Requiem).

 

13.10. Ruth LINGE: 95. Geburtstag

 Ausbildung durch Adelaide von Skilondz in Stockholm, durch Karl Aagard Oestvig und Maria Rajdl in Oslo, schließlich durch Ernst Tempele in Wien. Bühnendebüt 1951 an der Oper von Oslo als Norina im »Don Pasquale«. Sie blieb für 25 Jahre ein beliebtes Mitglied dieses Opernhauses. 1975 wirkte sie in Oslo in der Uraufführung der Oper »Den Stundeslose« von Braein mit. Im Übrigen sang sie dort eine Vielzahl von Partien aus dem Koloraturfach wie das Blondchen in der »Entführung aus dem Serail«, die Zerline und die Donna Elvira im »Don Giovanni«, den Cherubino in »Figaros Hochzeit«, die Adina in »L’Elisir d’amore«, die Olympia in »Hoffmanns Erzählungen«, die Musetta in »La Bohème«, die Gilda im »Rigoletto«, die Rosina im »Barbier von Sevilla« und das Ännchen im »Freischütz«. Sie wirkte in Fernsehsendungen der Opern »Der Schauspieldirektor« von Mozart und »Le astuzie femminili« von Cimarosa mit und war eine angesehene Konzertsängerin (Sopransolo in den Carmina Burana von C. Orff). Sie starb 1989 in Porsgrunn (Norwegen).

Mitschnitte von Rundfunksendungen auf privaten Marken.

 

13.10. David HOLLESTELLE: 100. Geburtstag

 Er war ein Schüler des holländischen Sängers und Pädagogen Laurens Bogtman. Zuerst betätigte er sich als Chorleiter und dirigierte u.a. 1947-53 den Niederländischen Rundfunkchor. Seit 1953 trat er dann als Oratorien- und Konzertsänger hervor. Nach ersten Erfolgen in Holland gastierte er in verschiedenen europäischen Ländern. Im Mittelpunkt seines umfangreichen Repertoires standen die Werke von J.S. Bach, G.Fr. Händel und Mendelssohn. Nicht zuletzt wurde er durch seine Rundfunkauftritte und Schallplattenaufnahmen bekannt. Er starb 2001 in Hilversum.

Schallplatten: Telefunken (Matthäus-Passion und h-moll-Messe von J.S. Bach), Concert Hall (Werke von Händel und Mendelssohn), Philips (Osteroratorium von J.S. Bach, 8. Sinfonie von Gustav Mahler), Handel Society.

 

13.10. Armand NARCON: 150. Geburtstag

Armand Narcon

 Er wurde am Conservatoire National de Paris ausgebildet. 1891 begann er seine Karriere als Chorist an der Grand Opéra Paris und wurde 1893 als Solist in das Ensemble des Hauses übernommen. Für rund 50 Jahre blieb er Mitglied der Grand Opéra, an der er noch 1940 aufgetreten ist. Er debütierte dort 1893 in einer kleinen Rolle in der Uraufführung der Oper »Deidamie« von Henri Marechal. In den langen Jahren seiner Zugehörigkeit zu diesem Haus hat er praktisch jede Basspartie im Repertoire des Hauses gesungen, von der kleinsten Comprimario-Rolle bis zum Mephisto im »Faust« von Gounod. Die Ur- und Erstaufführungen, an denen er teilnahm, lassen sich nicht einmal annähernd wiedergeben. Hervorzuheben ist sein Auftreten an der Grand Opéra in den Uraufführungen der Opern »Scémo« von Alfred Bachelet am 6.5.1914, »Pâdmâvâti« von Roussel am 1.6.1923, »La Légende de Saint-Christophe« von d’Indy am 6.6.1920 und »Renard« von Strawinsky am 2.6.1922 sowie »Le Jardin de Paris« von A. Bruneau (29.10.1923), »Sept Chansons« von Gian Francesco Malipiero (10.7.1928), »Le Marchand de Venise« von Reynaldo Hahn (21.3.1935), »Roland et le mauvais garçon« von Henri Rabaud (28.5.1934) und »Oedipe« von Georges Enescu (10.3.1936). 1929 wirkte er dort in der Premiere des Opernwerks »Les Troyens« von Berlioz mit. Als eine seiner großen Kreationen galt der Hunding in der »Walküre«. Bis 1940 wirkte er an der Grand Opéra und war dort so beliebt, dass er kaum Gastspiele unternommen hat. Er galt auch als vorzüglicher Interpret von Solopartien in Oratorien und in geistlichen Musikwerken; während vieler Jahre trat er bei den Kirchenkonzerten in Saint- Philippe-du-Roule in Paris auf. Seit 1934 war er Professor am Conservatoire National von Paris. Er starb 1844 in Paris.

Bereits vor 1914 sang der verdiente Künstler auf Odeon (Ensembleszenen aus Opern; Solo-Aufnahmen mit religiöser Musik); später zahlreiche akustische wie elektrische Aufnahmen auf HMV und auf Columbia, darunter auch Soli.

 

14.10. Willy ALBERTI: 90. Geburtstag

Willy ALBERTI

 Seine stimmliche Begabung fiel schon als Kind auf, mit 14 Jahren übernahm er bereits Partien in Operetten. Ausbildung der Stimme durch Maria Hoving-van Driel in Amsterdam, später durch Leonard dal Ferro. Obwohl er eine sehr schöne lyrische Tenorstimme besaß, trat er nur in Konzerten, und hier mit Vorliebe als Interpret italienischer Lieder und Kanzonen auf, doch sang er auch Arien aus dem entsprechenden Opernrepertoire. In Holland wurde er sehr populär, vor allem auch durch Rundfunk- und Fernsehsendungen. Er starb 1985 in Amsterdam. – Seine Tochter Willeke Alberti (* 3.2.1945) hatte eine ähnliche Karriere.

Schallplatten mit Liedern, Kanzonen und Arien auf CNR.

 

14.10. Armando MONTIEL OLVERA (mexikanischer Dirigent): 100. Geburtstag

 

15.10. Karl RICHTER: 90. Geburtstag

Er kam als viertes von fünf Kindern des evangelischen Pfarrers Christian Johannes Richter und Clara Hedwig Richter in Plauen zur Welt. Seine Familie ging zwei Jahre später nach Marienberg im Erzgebirge. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1935 zog die Mutter mit den Kindern nach Freiberg Sachsen, wo der junge Karl die Gelegenheit erhielt, auf der großen Silbermann-Orgel im Freiberger Dom zu üben. Ab 1937 besuchte er das Kreuzgymnasium in Dresden und war Mitglied des Dresdner Kreuzchores. 1940 nahm ihn Karl Straube nach seinem Ruhestand als letzten Schüler an. 1944 starb seine Mutter, während Richter in den letzten beiden Kriegsjahren den unfreiwilligen Kriegsdienst ausüben musste. Nach dem Krieg studierte Richter am Konservatorium Leipzig und am Kirchenmusikalischen Institut bei Karl Straube und Günther Ramin. 1949 wurde er Thomasorganist. Die gute Ausbildung bei seinen Lehrern und sein hervorragendes Staatsexamen kamen ihm bei der Bewerbung zu Hilfe.

1950 reiste Richter mit dem Thomanerchor unter der Leitung Ramins nach Süddeutschland und Zürich, wo er seine spätere Frau Gladys kennenlernte. 1951 kehrte er – nur mit einem kleinen Koffer ausgestattet – der DDR den Rücken und ging zunächst nach Zürich, um sich von dort nach einer Stelle umzusehen. Nach einem Probespiel erhielt er die Stelle als Kantor an der Markus-Kirche in München. Im gleichen Jahr übernahm er den Heinrich-Schütz-Kreis, den späteren Münchener Bach-Chor und zwei Jahre später das Münchener Bach-Orchester. 1952 heiratete er Gladys Müller in Zürich. Das junge Paar zog im gleichen Jahr nach München, wo 1953 der Sohn Tobias und 1961 die Tochter Simone geboren wurden. Er lehrte an der Münchener Musikhochschule, wo er 1956 zum Professor ernannt wurde. Ab 1967 lebte die Familie Richter wieder in der Schweiz. Richter baute seinen Ruf kontinuierlich aus und war international als Musiker geschätzt. 1964 führte er mit dem Münchener Bach-Chor die erste große Tournee in Italien durch. Danach folgten fast jährlich Auftritte in den USA, Frankreich, Finnland, England, Spanien, Japan, in der Sowjetunion, in der Schweiz oder in Österreich. Richter arbeitete beispielsweise mit den Sopranistinnen Edith Mathis und Evelyn Lear, mit den Tenören Peter Schreier und Ernst Haefliger oder mit dem Bariton Dietrich Fischer-Dieskau zusammen. 1955-64 leitete er als Cembalist und Dirigent die Baschwoche Ansbach. Richter hatte zu seinen Lebzeiten bei seinen Hörern zahlreiche Fans. John F. Kennedy war einer von ihnen. Am 22. November 1965 gab Richter in der Philharmonic Hall in New York das offizielle Kennedy-Gedächtnis-Konzert, exakt zwei Jahre nach der Ermordung des US-Präsidenten. Richter leitete 1968 in Moskau und Leningrad Aufführungen der Johannes-Passion und der H-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Seine Interpretation des 2. Brandenburgischen Konzertes führt den musikalischen Teil der Schallplatte Voyager Golden Record an, die als Botschaft der Menschheit an Bord der Sonden Voyager 1 und Voyager 2 unser Sonnensystem verlassen hat. Richter starb 1981 im Alter von 54 Jahren an Herzversagen in einem Hotel in München. Er wurde auf dem Friedhof Enzenbühl (FG 81163) in Zürich beerdigt. Im Gedächtniskonzert für Karl Richter am 3. Mai 1981 dirigierte sein Freund Leonard Bernstein den Münchener Bach-Chor und das Bach-Orchester im Herkules-Saal der Münchener Residenz.

Von 1953 bis zu seinem Tod war Richter einer der weltweit bekanntesten Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels. Weniger bekannt ist, dass Richter auch Werke anderer Komponisten aufgeführt und eingespielt hat, beispielsweise von Joseph Haydn, Johannes Brahms, Anton Bruckner oder Antonin Dvorák. Sein Stil war geprägt von Expressivität und impulsiver Musizierfreude. Die Musikkritiker bemängelten gelegentlich Richters „romantisierende“ Bach-Interpretationen oder den Einsatz stark besetzter Chöre. Die gleichzeitig aufkommende historische Aufführungspraxis mit Originalinstrumenten interessierte Richter nicht besonders, auch wenn er sich gelegentlich daran versuchte. Letztlich blieb er seinem Stil bis zu seinem Tod treu. Als Solist auf dem Cembalo und an der Orgel setzte Karl Richter Maßstäbe: So sind die 1978 entstandenen Interpretationen der („Dorischen“) Toccata und Fuge D-Moll BWV 538 oder der Passacaglia C-Moll BWV 582 auf der Silbermann-Orgel im Freiberger Dom bis heute interessante Einspielungen dieser Schlüssel-Werke Johann Sebastian Bachs. Ähnliches gilt für die Einspielung von Bachs Orgelkonzerten (BWV 592–597, nach Vivaldi) auf der Silbermannorgel im Arlesheimer Dom 1973. Auch die Interpretation der Toccata und Fuge D-Moll BWV 565 an der Orgel in der Victoria Hall in Genf gilt bis heute als Referenzaufnahme. Auf der Aufnahme von Bachs Goldberg-Variationen mit dem Label Deutsche Grammophon im Jahr 1970 zeigt Karl Richter sein Können auf dem Cembalo. Bei der Vorbereitung seiner Live-Konzerte als Orgelvirtuose – beispielsweise in Ottobeuren – versuchte Richter die maximale Klangwirkung im Raum zu erreichen. Dies gelang ihm unter anderem durch eine gründlich ausgearbeitete Phrasierung auf dem Instrument. Richter war zu seiner Zeit neben Helmut Walcha der bedeutendste Interpret der Orgelmusik Johann Sebastian Bachs. Ein Konzert an der Basilika Ottobeuren wurde verfilmt. Richter ist es zu verdanken, dass in den 1950er-Jahren Schallplattenaufnahmen mit klassischer Musik einem breiten Publikum bekannt gemacht wurden. Die erstmalige Einspielung der Matthäus-Passion bei der „Archiv“-Produktion 1958 erlangte unter Verwendung eines mächtigen Chores viel Aufmerksamkeit. Diese Aufnahme auf einer LP-Kassette wurde in den folgenden sieben Jahren 50.000 Mal verkauft. 1964 folgte die Einspielung von Bachs Johannes-Passion. 1980 kam eine weitere Einspielung der Matthäus-Passion mit dem Münchener Bach-Chor und dem Schallplatten-Label „Deutsche Grammophon“ heraus. Schon im Alter von 30 Jahren wurde Karl Richter das Amt als Thomaskantor in Leipzig angeboten. Doch Richter lehnte ab. Er sagte dazu später: „Es wäre die Krönung meiner Karriere gewesen. Aber ich habe in München etwas aufgebaut, was ich nicht mehr aufgeben kann.“ Schüler von Karl Richter sind Hedwig Bilgram, Günter Jena, Walther R. Schuster, Albrecht Haupt und Rudolf Kelber. Mit dem Münchner Geiger Otto Büchner (1924–2008) bestand eine musikalische und persönliche Partnerschaft.

 

16.10. Madelaine CHAMBERS: 90. Geburtstag

 Sie studierte an der New York University, am Teachers College der Columbia University und an der Juilliard School. Sie gewann ein Fulbright Stipedium für ein Gesangsstudium in Italien. Sie debütierte Anfang der 1950er Jahre am Teatro Nuovo in Mailand als Musetta in »La Bohème«. Soe gewann mehrere Gesangswettbewerbe, darunter den Internationalen Gesangwettbewerb in Lausanne und die Marian Anderson Scholarship Fund Auditions in New York. 1954 debütierte sie als Micaela in »Carmen« an der New York City Opera, an der sie bereits am nächsten Abend die Zerlina in »Don Giovanni« sang. 1955 war sie Gewinnerin der Metropolitan Opera’s Auditions of the Air und wurde sofort an die Metropolitan Opera engagiert, an der sie 1956 als 2. Dame in der »Zauberflöte« debütierte. Bis 1959 sang sie hier in insgesamt 136 Vorstellungen u.a. auch die Kate Pinkerton in »Madame Butterfly«, die Gräfin Ceprano im »Rigoletto«, den Tebaldo in Verdis »Don Carlos«, die Curra in »La forza del destino«, die Nella in »Gianni Schicchi« und die Frasquita in »Carmen«. Später unterrichtete sie Gesang an der New Yorker Princeton University.

 

17.10. Wilfried KRUG: 85. Geburtstag

Wilfried KRUG

 Seine Ausbildung zum Sänger fand in Berlin statt, wo er Schüler von Tiana Lemnitz war, später in Dresden von Rudolf Dittrich. 1957 debütierte er am Theater von Erfurt als Max im »Freischütz«. 1959 wurde er an die Staatsoper von Dresden berufen, an der er im heldischen und im Wagner-Repertoire zu einer bedeutenden Karriere kam. Regelmäßige Gastspiele führten ihn an die Staatsoper wie an die Komische Oper Berlin. Er gastierte an weiteren Opernhäusern in Ost- wie in Westdeutschland, in der UdSSR, in Ungarn und in Rumänien. 1960 sang er kleinere Partien (einen der Gralsritter im »Parsifal«, einen der Edlen im »Lohengrin« und den Kunz Vogelgesang in »Die Meistersinger von Nürnberg«) bei den Festspielen von Bayreuth. In seinem Bühnenrepertoire standen an erster Stelle die Wagner-Heroen: der Erik in »Der fliegende Holländer«, der Lohengrin, der Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Siegmund in der »Walküre« und der Parsifal. Hinzu traten Rollen wie der Florestan im »Fidelio«, aber auch Partien aus dem italienischen Fach. Wegen seines Gesundheitszustandes musste der Künstler in den siebziger Jahren seine Karriere beenden. Er starb 1988 in Karlsburg (Mecklenburg).

Schallplatten: Eterna (u.a. Szenen aus »Tannhäuser« zusammen mit Sena Jurinac).

 

18.10. Václav KÁLIK: 125. Geburtstag

Er erlernte in Zábřeh (Hohenstadt an der March) bei Prof. Hudec das Geigen- und Klavierspiel, leitete den Chor des Gymnasiums, dirigierte Streichmusik und komponierte eine ganze Reihe von Stücken. Vor dem Abitur im Jahre 1908 verstarb sein Vater. Auf Ansuchen der Vormunde konnte er jedoch das Studium an der Karlsuniversität in Prag fortsetzen. Er studierte allgemeine Geschichte, Kunst- und Musikgeschichte und setzte gleichzeitig seinen Klavier-, Geigen-, Musiktheorie- und Kompositionsunterricht am Konservatorium bei V. Novák fort. Zu jener Zeit nahm er auch seine Dirigententätigkeit auf. Er leitete den gemischten Chor des Musikbunds der Absolventen und Schüler der Prager Hochschulen, den Prager „Hlahol“ und den Gesangsverein der südböhmischen Lehrer. Zudem war er auch in der Tschechischen Philharmonie tätig. Seine musikalische Ausbildung setzte er in Dresden beim Chef der dortigen Oper, Ernst von Schuch, fort, absolvierte im Jahre 1926 die Meisterschule Josef Suks und krönte sein Studium mit einer Stipendienreise nach Italien. Am 18.6.1946 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und der Kunst in Prag gewählt. Václav Kálik schuf Klaviermusik, Orchesterkompositionen, Kammermusik, Kompositionen für Soloinstrumente, Lieder, drei Opern und Chöre –insgesamt 77 musikalische Werke. Sein Lebenscredo brachte er dann kurz vor seinem Tode in der Motette „Laudetur Jesus Christus“ und im Männerchor „Srdce“ („Herz“) zum Ausdruck.

Seine Lebensgefährtin Marie Pokorná (1893–1987) hatte er schon im Jahre 1911 kennengelernt, heiratete sie aber erst im August 1946. Ab 1925 lebte und arbeitete er in Nymburk und zog erst im Jahre 1947 wieder nach Prag, wo er vier Jahre darauf einem Lungeninfarkt erlag. Das Schlesische Studieninstitut in Opava ließ am 14.5.1955 an seinem Geburtshause eine Gedenktafel enthüllen. Die künstlerische Grundschule Opava in der Nachbarschaft seines Geburtshauses trägt seit 1990 den Namen des Komponisten, und am 18.9.1991 wurde vor ihrem Eingang Káliks Büste, ein Werk des Prager Bildhauers J. V. Hampl, enthüllt.

 

19.10. Karl-Birger BLOMDAHL: 100. Geburtstag

Er studierte zunächst Biochemie, später war er Schüler von Hilding Rosenberg. Er wurde stark von Paul Hindemith beeinflusst und war Mitglied der Montagsgruppe. 1960-64 war er Professor für Komposition an der Königlich Schwedischen Musikakademie, anschließend bekleidete er 1965-68 beim Schwedischen Rundfunk die Position des Musikchefs. Zu seinen Kompositionen gehören neben 3 Sinfonien, Konzerten, Opern und Kammermusik auch elektronische und experimentelle Musik. Er schrieb die Musik zur Weltraumoper Aniara. Dafür wurde er 1965 mit dem Musikpreis des Nordischen Rates ausgezeichnet. Den Text dazu schrieb Erik Lindegren, der sich nach dem Buch von Harry Martinson inspirieren ließ. Die Uraufführung fand 1959 statt. Blohmdahl komponierte auch die Oper Herr von Hancken, deren Text auch von Erik Lindegren stammte, inspiriert von Hjalmar Bergman. Die Uraufführung fand 1965 in Stockholm statt. Blomdahl starb 1968 in Kungsängen bei Stockholm.

 

20.10. David ATKINSON: 95. Geburtstag

 Biographie des kanadischen Baritons auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/David_Atkinson_(baritone)

 

20.10. Michael POLLOCK: 95. Geburtstag

 Biographie des amerikanischen Tenors auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Pollock_(tenor)

 

21.10. Kenneth COLLINS: 85. Geburtstag

Kenneth  COLLINS

 Er lernte anfänglich den Beruf eines Optikermechanikers, kam dann aber zum Gesangstudium bei Charles Dean, das er bei Ettore Campogalliani in Mantua abschloss. Er sang bereits 1963 an der Welsh Opera Cardiff den Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, 1970 beim Camden Festival den Marcello in der englischen Erstaufführung der Oper »La Bohème« von Leoncavallo. 1970 sang er an der Covent Garden Oper London als Antrittsrolle den Arturo in »Lucia di Lammermoor«. 1971 trat er bei der Welsh Opera Cardiff als Radames in Verdis »Aida« auf. In den folgenden Jahren sang er bei dieser Gesellschaft wie bei der English National Opera London eine Anzahl von Partien sowohl aus dem heldischen wie aus dem lyrischen Tenorfach, u.a. den Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet, den Rodolfo in Puccinis »La Bohème«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Kalaf in »Turandot«, den Titelhelden in Verdis »Don Carlos«, den Alvaro in »La forza del destino«, den Gabriele Adorno in »Simon Boccanegra«, den Maurizio in Cileas »Adriana Lecouvreur« und den Erik in »Der fliegende Holländer«. Zu Gast an der Opéra du Rhin Straßburg, an der er einen seiner größten Erfolge als Manrico im »Troubadour« hatte und in der Spielzeit 1990-91 den Kalaf und den Radames sang. Er gehörte später dem Ensemble der Australian Opera Sydney an, wo er 1994 den Canio im »Bajazzo«, 1995 den Ismaele in Verdis »Nabucco« sang. Er trat als Gast auch an der City Opera New York und am Teatro Colón Buenos Aires (als Pollione in »Norma«) auf. 1997 sang er an der Australian Opera Sydney den Alvaro, 1998 den Cavaradossi. Erfolgreiche Karriere auch im Konzertsaal. Er starb 2013 in Lavender Bay (Australien).

Schallplatten: HMV (Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«), RCA (»Norma«, »Nabucco«), dazu privater Mitschnitt der oben erwähnten Aufführung von Leoncavallos »La Bohème«; auf Voce als Macduff in Verdis »Macbeth« anzutreffen. Auf Topaz-Video als Manrico im »Troubadour« zusammen mit Joan Sutherland aus der Oper von Sydney.

 

21.10. Kunikazu OHASHI: 85. Geburtstag

Kunikazu OHASHI

 Der japanische Sänger wurde zuerst in seiner Heimat, dann an der Wiener Musikakademie ausgebildet. Nach ersten Auftritten im Konzertsaal debütierte er 1961 in Wien in einer konzertanten Aufführung von Mussorgskys »Boris Godunow« in der Partie des Pimen. 1961-63 war er dann am Landestheater Salzburg, 1963-68 am Opernhaus von Graz und gleichzeitig seit 1964 an der Wiener Volksoper (wo er u.a. den Wassermann in »Rusalka« von Dvorák und den Eremiten im »Freischütz« sang) engagiert. 1968 wurde er an das Opernhaus von Köln berufen, dessen Mitglied er bis zu seinem plötzlichen Tod geblieben ist. Gastspiele brachten ihm am Teatro Liceu Barcelona (1963, 1965), am Teatro Colón Buenos Aires (1965 als Daland in »Der fliegende Holländer«), am Opernhaus von Zürich (1968) und mit dem Ensemble der Kölner Oper zusammen in London (1969) große Erfolge. 1966 wirkte er am Theater an der Wien in der österreichischen Hauptstadt in der Uraufführung der Oper »Die schwarze Spinne« von J.M. Hauer mit. Seit Mitte der sechziger Jahre gastierte er regelmäßig in Japan, vor allem bei der Nikikai-Oper in Tokio, an der er 1967 den Gurnemanz in der japanischen Erstaufführung des »Parsifal« sang. Seine Stimme, ein voluminöser, dunkler Bass, beherrschte ein weitläufiges Bühnenrepertoire mit Partien wie dem Rocco im »Fidelio«, dem Sarastro in der »Zauberflöte«, dem Hunding wie dem Fafner im Nibelungenring, dem König Marke in »Tristan und Isolde«, dem Mephisto im »Faust« von Gounod, dem Arkel in »Pelléas et Mélisande«, dem Basilio im »Barbier von Sevilla«, dem Sparafucile im »Rigoletto«, dem Pater Guardian in Verdis »La forza del destino«, dem Ramfis in »Aida«, dem König Philipp im »Don Carlos«, dem Colline in »La Bohème«, den Titelhelden im »Don Giovanni« von Mozart und in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók. Im Konzertsaal war er ein geschätzter Interpret von Oratorienpartien. Er starb 1974 in Tokio.

Schallplatten: Vox (Schubert-Messen), Lyrophon (geistliche Vokalmusik), Amadeo (»Die schwarze Spinne« von J.M. Hauer, Mitschnitt).

 

21.10. Malcolm ARNOLD: 95. Geburtstag

Er war Sohn eines wohlhabenden Schuhfabrikanten. Er studierte am Royal College of Music in London Komposition bei Gordon Jacob und Trompete bei Ernest Hall. Danach wurde er Trompeter beim London Philharmonic Orchestra (1941-48), zwischenzeitlich auch im BBC Symphony Orchestra. Ab dem Ende der 1940er Jahre widmete er sich gänzlich der Komposition. Er erhielt 1970 den Order of the British Empire, sowie 1993 den Ritterschlag. Arnold war ein vergleichsweise konservativer und zugleich fruchtbarer und erfolgreicher Komponist tonaler Werke. Er selbst benannte Hector Berlioz als Inspiration, und verschiedene Kritiker zogen Vergleiche zu Jean Sibelius. Arnolds neun Sinfonien gelten allgemein als seine wichtigsten Werke. Er schrieb weiterhin eine Anzahl von Konzerten, so auch ein Gitarren-Konzert für Julian Bream und eines für Mundharmonika für Larry Adler. Seine Tanzfolgen (2 Reihen von English Dances, und jeweils eine von Scottish Dances, Irish Dances, Welsh Dances und Cornish Dances) sind heiter gestimmt und zugleich volkstümlich (einer der English Dances ist das musikalische Motto für die englische Fernsehsendung What the Papers Say). Ein weiteres bekanntes, kürzeres Werk ist das Divertimento für Flöte, Oboe und Klarinette op. 37. Arnold schrieb außerdem 132 Filmmusiken, gewann einen Oscar für Die Brücke am Kwai (1958), lieferte aber beispielsweise auch die Musik zu The Belles of St Trinian’s (1954), Die Herberge zur 6. Glückseligkeit (1958), Whistle Down the Wind (1961), Neun Stunden zur Ewigkeit (1963) oder Kennwort „Schweres Wasser“ (1965). Er dirigierte das London Philharmonic Orchestra bei der Aufnahme von Deep Purples Concerto for Group and Orchestra sowie das London Symphony Orchestra bei Jon Lords Gemini Suite. Seine Werke sind besonders bei Jugend- und Liebhaberorchestern erfolgreich, teils wegen ihrer relativ leichten Spielbarkeit, aber auch wegen der Zugänglichkeit seines Personalstils, der Elemente der klassischen Musik, des Jazz, der Volks- sowie Popularmusik verschmilzt. Er war Schirmherr des Colne Valley Youth Orchestra. Er starb 2006 in Norfolk.

 

21.10. Jarmil BURGHAUSER: 95. Geburtstag

Sein Werk war lange an der spätromantischen Musiksprache orientiert und umfasst Opern, Oratorien und Kantaten, Kammermusik und Vokalkompositionen. Anfang der sechziger Jahre setzte er sich verstärkt mit Dodekaphonie und serieller Musik auseinander und entwickelte in dem Orchesterwerk Sieben Reliefs und der Oper Most (Die Brücke) einen individuellen Stil, den er selbst als harmonischen Serialismus bezeichnete. Burghauser veröffentlichte den Thematischen Katalog der Werke von Antonin Dvorák und war auch wesentlich an der der kritischen Gesamtausgabe der Werke von Leos Janácek beteiligt. Er starb 1997 in Prag.

 
22.10. Elizabeth CONNELL: 70. Geburtstag

Elizabeth_Connell

Sie entstammte einer irischen Familie und studierte Musik und Gesang an der Witwatersrand Universität von Johannesburg; sie schloss dieses Studium mit einem akademischen Grad ab. Bereits während ihres Studiums trat sie in Johannesburg in Schüleraufführungen auf, u.a. als Ludmilla in Smetanas »Die verkaufte Braut«. 1970 kam sie zur weiteren Ausbildung ihrer Stimme nach London und studierte am dortigen Opera Centre, vor allem bei dem Pädagogen Otakar Kraus. Ihr eigentliches Bühnendebüt kam beim Wexford Festival 1973 als Varvara in Janáceks Oper »Katja Kabanowa« zustande, nachdem sie 1972 den Maggie Teyte-Concours in London gewonnen hatte. 1973-75 war sie Mitglied der Australian Opera Sydney (Debüt als Venus im »Tannhäuser«). 1975 wurde sie an die English National Opera verpflichtet, an der sie eine fünfjährige Karriere mit der Partie der Donna Elvira im »Don Giovanni« begann, und an der sie auch später noch als Gast auftrat. Hier trat sie in einer Vielzahl sehr verschieden gearteter Partien auf: als Eboli in Verdis »Don Carlos«, als Azucena im »Troubadour«, als Herodias in »Salome« von R. Strauss, als Kabanicha in »Katja Kabanowa«, als Eglantine in »Euryanthe« von Weber, als Judith in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók, als Isabella in Rossinis »L’Italiana in Algeri« (einer schwierigen Kolortaur-Alt-Partie), als Marina im »Boris Godunow« und als Sieglinde in der »Walküre«. 1976 debütierte sie an der Covent Garden Oper London als Viclinda in »I Lombardi« von Verdi. Seitdem große Karriere in der englischen Metropole wie bei Gastspielen in aller Welt. So sang sie an der Niederländischen Oper Amsterdam, an der Oper von Boston, in Angers, am Staatstheater Wiesbaden, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg und an der Oper von Frankfurt a.M. Seit 1983 nahm sie Sopranpartien in ihr sehr umfangreiches Repertoire für die Bühne auf. Bei den Festspielen von Bayreuth sang sie 1980-82 die Ortrud im »Lohengrin«, 1981 die Brangäne in »Tristan und Isolde« und 1990 die Senta in »Der fliegende Holländer«. Beim Holland Festival 1981 gastierte sie als Kundry im »Parsifal«. 1981 debütierte sie als Ortrud an der Mailänder Scala, an der sie auch 1983 die Corinne in »Anacréon« von Cherubini, 1983 die Fiordiligi in »Così fan tutte«, 1984 die Elisabeth im »Tannhäuser«, 1985 die Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«, 1986 die Giselda in Verdis »I Lombardi«, 1989 und 1993 die Rezia im »Oberon« von Weber sang. 1983 gastierte sie in Philadelphia als Donna Anna im »Don Giovanni«. Bei den Salzburger Festspielen sang sie 1983-84 die Elettra in Mozarts »Idomeneo« und 1989 die Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss, sowie 1984 in einem Mozart-Konzert. Am Grand Théâtre Genf gastierte sie 1984 als Elettra in Mozarts »Idomeneo« und als Titelheldin in Bellinis »Norma«, 1986 als Elisabeth im »Tannhäuser«, 1989 als Leonore im »Fidelio«, 1992 als Odabella in Verdis »Attila« und 1995 als Abigaille im »Nabucco«; 1989 gab sie hier auch sehr erfolgreich einen Liederabend. 1985 erfolgte ihr Debüt an der Metropolitan Oper New York (Antrittspartie: Vitellia in »La clemenza di Tito« von Mozart); bis 1991 sang sie dort in insgesamt 12 Vorstellungen außerdem die Lady Macbeth und die Leonore im »Fidelio«. 1985-2000 trat sie an der Wiener Staatsoper in insgesamt 51 Vorstellungen als Elisabeth im »Tannhäuser«, als Leonore im »Fidelio«, als Chrysothemis, als Ariadne auf Naxos von R. Strauss, als Senta, als Lady Macbeth, als Ortrud und als Brünnhilde in der »Walküre« auf. 1985 großer Erfolg an der Münchner Staatsoper (und 1993-94 am Opernhaus von Köln) als Lady Macbeth. 1985 sang sie auch bei den Festspielen von Glyndebourne die Elettra in »Idomeneo«. 1986 sang sie beim Festival von Orange die Rezia. An der Grand Opéra Paris gastierte sie 1987 als Senta und als Lady Macbeth, 1997 und 1999 als Ortrud. An der Oper von Rom sang sie 1987 die Lady Macbeth. An der Oper von San Francisco gastierte sie 1987 als Leonore im »Fidelio«, 1991 als Odabella, 1996 als Ortrud, 1997 als Elektra von R. Strauss und 1998 als Isolde in »Tristan und Isolde«. 1989 trat sie an der Covent Garden Oper, 1991 beim Festival von Orange als Chrysothemis auf, 1990 am Teatro Regio Turin als Elisabetta in Verdis »Don Carlos«. 1993 gastierte sie am Teatro Colón Buenos Aires als Odabella. Beim Orange Festival 1994 trat sie als Abigaille auf, ebenso 1995 an der Australian Opera Sydney, dort auch als Ellen Orford in »Peter Grimes«; 1995 hörte man sie an der Oper von Santiago de Chile als Brünnhilde in der »Walküre«. 1993 sang sie in der Festival Hall in London, 1993 und 1995 an der English National Opera im Londoner Coliseum Theatre, 1997 in New York (hier konzertant) die Isolde. 1998 gastierte sie an der Staatsoper von Hamburg als Lady Macbeth, an der Australian Opera Sydney als Kostelnicka in Janáceks »Jenufa«, 1999 an der Berliner Staatsoper wieder als Elektra. 1999 hörte man sie im Cultural Centre von Macau als Senta, in Sydney (konzertant) als Brünnhilde im »Siegfried«. 2000 sang sie in Rom (konzertant) die Brünnhilde im »Siegfried«, am Teatro Real Madrid die Isolde, in Sydney (konzertant) die Brünnhilde in der »Götterdämmerung«, 2001 an der Oper von Bordeaux die Elektra. Auch als Konzert-, Oratorien- und Liedersängerin kam sie zu einer weltweiten Karriere. Sie starb 2012 in London.

Schallplatten: Philips (»I due Foscari« von Verdi), CBS (Ortrud in vollständiger »Lohengrin«-Aufnahme aus Bayreuth), Denon (»Wilhelm Tell« von Rossini, »Gurrelieder« von A. Schönberg), DGG (2. Sinfonie von G. Mahler), Decca (»Die Gezeichneten« von F. Schreker), Hyperion (Schubert-Lieder), Nuova Era (»Poliuto« von Donizetti), Aleba Gartner (Isolde in »Tristan und Isolde«, Carnegie Hall New York 1997), HRE (Viclinda in »I Lombardi« von Verdi, Covent Garden Oper London 1976). Auf Topaz-Video Federica in »Luisa Miller« aus der Covent Garden Oper, auf Philips-Video »Lohengrin« aus Bayreuth.

 

22.10. Fidelio F. FINKE: 125. Geburtstag

Er wurde als Sohn eines Lehrers im nordböhmischen Josefstal geboren. 1906-08 besuchte er ein Lehrerseminar in Reichenberg. Er erhielt Orgel-, Klavier- und Violin-Unterricht und besuchte 1908-11 das Prager Konservatorium, wo er Klavier und Komposition studierte. Ab 1911 arbeitete er als privater Musiklehrer und ab 1915 als Lehrer für Musiktheorie am Prager Konservatorium. Im Jahr 1920 wechselte er an die Deutsche Akademie für Musik und darstellende Künste in Prag und war zunächst als Lehrer für Musiktheorie und Komposition tätig. Er wurde schließlich 1926 Professor und wirkte 1927-45 als Rektor. Nach Amtsenthebung und Enteignung infolge der Benes-Dekrete sowie einem Suizidversuch 1945 wurde Finke von Angehörigen der sowjetischen Besatzungsmacht über Moskau nach Dresden gebracht. Dort gründete er die Staatliche Akademie für Musik und Theater Dresden und war bis 1951 ihr Rektor. Bis 1958 war er als Professor für Tonsatz an der Leipziger Hochschule für Musik tätig. Sein Gesamtwerk umfasst etwa 170 Kompositionen. Während der deutschen Okkupation der Tschechoslowakei komponierte er Werke nationalsozialistischer Gesinnungsmusik, darunter den Hymnus O Herzland Böhmen (1942). Finke war von 1946 bis zu seinem Tod Mitglied der SED. Er verstarb 1968 in Dresden und wurde auf dem dortigen Heidefriedhof beigesetzt. Sein Grabstein ziert seine Signatur. Finkes Nachlass verwahrt die Deutsche Akademie der Künste (Berlin).

 

23.10. Denise DUVAL: 95. Geburtstag

Denise DUVAL

Sie war Schülerin des Konservatoriums von Bordeaux; 1943 debütierte sie am Opernhaus von Bordeaux als Lola in »Cavalleria rusticana«. Sie wandte sich jedoch zunächst der Unterhaltungsmusik zu und wirkte sogar 1944 bei einer Revue in den Folies Bergères in Paris mit. 1947 nahm sie ein Engagement an der Grand Opéra Paris an, an der sie als Salomé in »Hérodiade« von Massenet debütierte, im gleichen Jahr debütierte sie an der Opéra-Comique Paris als Butterfly. Sie sang an der Grand Opéra Paris auch die Thaïs von Massenet, die Rosenn in »Le Roi d’Ys« von E. Lalo, die Prinzessin in »Mârouf« von H. Rabaud, die Portia in »Le marchand de Venise« von Reynaldo Hahn und die Concepción in »L’Heure espagnole« von Ravel. 1957 wirkte sie an der Grand Opéra als Blanche in der französischen Erstaufführung der Oper »Dialogues des Carmélites« von Poulenc mit. An der Opéra-Comique sang sie am 3.6.1947 in der Uraufführung der Oper »Les mamelles de Tirésias« von Poulenc die Partie der Thérèse. 1953 kreierte sie die gleiche Oper in New York für Nordamerika, wo sie bereits 1951 bei der American Opera Society in New York gastiert hatte. 1949 wirkte sie an der Opéra-Comique in der Uraufführung der Oper »Le Oui des jeunes filles« von Reynaldo Hahn, 1952 in der von »Dolorès« von Michel-Maurice Lévy mit. An der Oper von Monte Carlo hörte man sie 1950 als Thaïs, 1952 in »L’Amour des trois oranges« von Prokofieff und als Concepcion, 1953 als Musetta in »La Bohème« und als Prinzessin in »Marouf«, 1967 in »The Medium« von G.C. Menotti, beim Maggio Musicale von Florenz 1953 in »Les Indes galantes« von Rameau, 1955 als Concepcion. 1953 trat sie an der Mailänder Scala in A. Honeggers »Jeanne d’Arc au bûcher« auf. Sie beherrschte ein umfangreiches Bühnenrepertoire, wobei der Schwerpunkt auf den klassischen französischen Sopran-Partien lag, doch widmete sie sich auch der zeitgenössischen Musik. 1959 hatte sie einen der größten Triumphe ihrer Karriere, als sie zuerst an der Opéra-Comique (6.2.1959), dann an der Mailänder Scala und 1960 beim Edinburgh Festival und beim Festival von Aix-en-Provence »La Voix Humaine« von Poulenc kreierte, ein Werk, das der Komponist für sie geschrieben hatte. 1959-60 Gastspiel am Opernhaus von Köln, wo sie am 23.11.1959 an der Uraufführung der Oper »Der Tod des Grigori Rasputin« von Nikolas Nabokov teilnahm. Sie gastierte auch am Théâtre de la Monnaie von Brüssel, in Amsterdam und Lüttich; 1962-63 sang sie bei den Festspielen von Glyndebourne die Mélisande in »Pelléas et Mélisande« von Debussy. Am 10.3.1961 nahm sie an der Piccola Scala Mailand als Dulcinea an der Uraufführung der Oper »Pour un Don Quichotte« von Jean Pierre Rivière teil, am 5.3.1963 auch in der Uraufführung der Oper »Tiresias« von Poulenc (als Teresa). 1962 trat sie bei den Festspielen von Aix-en-Provence in »Les Malheurs d’Orphée« von Darius Milhaud auf. 1960, 1964 und 1965 gastierte sie am Teatro Colón von Buenos Aires. Aus ihrem Bühnenrepertoire sind noch die Tosca und die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen« nachzutragen. Nicht zuletzt wirkte sie auf der Bühne durch die aparte Schönheit ihrer Erscheinung und durch ihr darstellerisches Talent. 1964 kreierte sie bei Radio Suisse Romande »Faits divers« von Zbinden. 1965 nahm sie von der Bühne Abschied und wurde Professorin an der École Française de Musique in Paris; sie betätigte sich auch als Opern-Regisseurin. Sie starb am 25.1.2016 in Bex (Kanton Waadt, Schweiz).

Schallplatten: Columbia (u.a. vollständige Opern »L’Heure espagnole« von Ravel, »Les mamelles de Tirésias« von Poulenc), HMV (Blanche in »Dialogues des Carmélites« von Poulenc), INA-Archives (Arien, von Francis Poulenc am Klavier begleitet).

 

24.10. Rainer KUNAD: 80. Geburtstag

Er studierte 1955-59 in Dresden und Leipzig Musik. 1960-74 leitete er die Schauspielmusik am Staatstheater Dresden, seit 1971 arbeitete er auch an der Deutschen Staatsoper in Berlin. Er komponierte Klavierstücke, Kammer- und Orchestermusik und Opern (unter anderem „Bill Brook“ nach einer Erzählung von Wolfgang Borchert und „Der Meister und Margarita“ nach dem Roman von Michail Bulgakow). Rainer Kunad starb 1995 in Reutlingen.

 

24.10. Sena JURINAC: 95. Geburtstag

Sena-Jurinac

 Sie war die Tochter eines jugoslawischen Arztes und einer Wienerin. Sie studierte an der Musikakademie von Zagreb und war Schülerin von Mila Kostrencic. 1942 debütierte sie am Opernhaus von Zagreb als Mimi in Puccinis »La Bohème«. Sie sang dort in den folgenden zwei Jahren Partien wie die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Freia im »Rheingold«, die Isabella in der Premiere von Werner Egks »Columbus« und in den kroatischen Opern »Suncanica« von Papandopoulo und »Morana« von Gotovac. 1944 wurde sie an die Wiener Staatsoper berufen, konnte dort aber erst 1945 in der ersten Vorstellung einer Oper nach Kriegsende als Cherubino in »Figaros Hochzeit« debütieren. Bald hatte sie in Wien glänzende Erfolge zu verzeichnen. Während ihres langen Engagements bis 1982 sang sie hier in mehr als 1200 Vorstellungen die Mimì, die Gabriele im »Wiener Blut«, den Fjodor und später auch die Marina im »Boris Godunow«, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Martha im »Evangelimann« von Kienzl, die Rosalinde in der »Fledermaus«, die Antonia und die Giulietta sowie die Stella in »Hoffmanns Erzählungen«, die Micaela in »Carmen«, die Kordula im »Werbekleid« von F. Salmhofer, den Octavian und später die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Ortlinde in der »Walküre«, die Eurydike in »Orpheus in der Unterwelt« von Offenbach, den Komponisten in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, die Dorabella in »Così fan tutte«, den Rigobert in Offenbachs »Die kleine Zauberflöte«, die 2. Dame und die 1. Dame sowie die Pamina in der »Zauberflöte« von Mozart, die Rosaura in E. Wolf-Ferraris »Die schalkhafte Witwe«, die Margiana im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, den Ighino im »Palestrina« von H. Pfitzner, die Titelrolle in »Manon« von Massenet, die 5. Magd in »Elektra« von R. Strauss, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Donna Elvira und die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Woglinde in der »Götterdämmerung«, die Marzelline und später die Leonore im »Fidelio«, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Desdemona im »Otello« von Verdi, die Butterfly, die Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, die Wellgunde im »Rheingold«, die Tatjana im »Eugen Onegin«, die Titelrolle in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«, die Titelrolle und später auch die Kostelnicka in Janáceks »Jenufa«, die Tosca, die Titelrolle in Glucks »Iphigenie auf Tauris« und die Elettra in Mozarts »Idomeneo«. Glänzende Erfolge bei Gastspielauftritten in den Zentren des internationalen Musiklebens. Bei den Salzburger Festspielen sang sie 1947 die Dorabella, 1948 den Cherubino und den Amor in »Orfeo ed Euridice« von Gluck, 1957-58 die Marzelline im »Fidelio«, 1958 und 1960 die Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, 1959 die Eurydike in »Orfeo ed Euridice« von Gluck, 1960 und 1963-64 den Octavian im »Rosenkavalier« (u.a. auch in der Eröffnungsvorstellung des neuen Festspielhauses 1960), 1962 die Gräfin in »Le nozze di Figaro«, 1964-65 den Komponisten in »Ariadne auf Naxos« 1965-67 die Marina und 1980 die Eleonore in einer konzertanten Aufführung der Oper »Karl V.« von E. Krenek. 1947, 1959-63, 1965 und 1973 war sie als Gast an der Londoner Covent Garden Oper zu hören. 1961 hatte sie dort einen ihrer größten Erfolge als Leonore im »Fidelio«; sie sang an der Covent Garden Oper später auch die Marschallin und die Iphigenie in Glucks »Iphigenie auf Tauris«. An der Mailänder Scala übernahm sie als Antrittsrolle 1948 den Cherubino, eine ihrer größten Kreationen; hier hörte man sie 1952 als Octavian, 1954 wieder als Cherubino, 1958 als Butterfly und als Euridice in »Orfeo ed Euridice« von Gluck, 1959 als Suor Angelica von Puccini, 1960 als Gräfin in »Le nozze di Figaro« und 1967 als Elisabeth im »Tannhäuser«. Beim Glyndebourne Festival sang sie 1950-53 und 1956 die Fiordiligi in »Così fan tutte«, 1951-52 die Ilia in »Idomeneo«, 1953-54 den Komponisten in »Ariadne auf Naxos«, 1954 die Donna Elvira, 1955-56 die Donna Anna und 1955 die Gräfin in »Le nozze di Figaro«. Beim Edinburgh Festival gastierte sie, jeweils mit dem Ensemble des Glyndebourne Festival, 1949 als Dorabella, 1950 als Cherubino, 1953 als Ilia, 1954 als Komponist und als Fiordiligi und 1955 als Leonora in »La forza del destino«. Sie gastierte beim Holland Festival, 1950 bei den Zürcher Festwochen als Cherubino und 1952 beim Maggio Musicale von Florenz als Lisa in »Pique Dame« von Tschaikowsky. 1951 gab sie in Kopenhagen und Stockholm sehr erfolgreiche Konzerte. Sie trat als Gast 1956 an der Oper von Rom auf (als Pamina und als Lisa), auch am Teatro San Carlo Neapel. Bei den Festspielen von Bayreuth wirkte sie 1957 als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« mit.

An der Oper von San Francisco hörte man sie 1959 als Butterfly, als Donna Anna, als Eva und als Komponisten, 1971 als Marschallin und 1980 als Kostelnicka. 1963 gastierte sie an der Chicago Opera als Desdemona. Auch am Teatro Colón Buenos Aires kam sie zu bedeutenden Erfolgen. Sie galt als eine der größten Mozart-Interpretinnen innerhalb ihrer künstlerischen Generation. Im Laufe der Zeit, etwa seit 1957, fügte sie in ihr Repertoire die schwereren lyrisch-dramatischen Partien ein. Im Konzertbereich übernahm sie u.a. Solopartien in der Johannespassion von J.S. Bach, im Verdi-Requiem, in »Le Roi David« von A. Honegger und in den Carmina Burana von C. Orff. Ihr Abschied von der Bühne fand 1982 in Wien (als Marschallin im »Rosenkavalier«) statt. Seit 1968 war sie Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper. Die Sängerin war seit 1953 in erster Ehe mit dem Bariton Sesto Bruscantini (1919-2003), seit 1961 in zweiter Ehe mit dem Augsburger Chirurgen Dr. Josef Lederle verheiratet; sie nahm in Augsburg auch ihren Wohnsitz, wo sie 2011 starb. – Hervorragend schöne, in der Kunst der Phrasierung und der frischen Natürlichkeit des Vortrages immer wieder bewunderte Sopranstimme.

Lit: R. Celletti & R. Vegeto: Sena Jurinac (in »Le grandi Voci«; Rom 1964); U. Tamussino: Sena Jurinac (in »Opera«, 1966), U. Tannussino: »Sena Jurinac« (Augsburg, 1971), Earl of Harewood: Sena Jurinac (in »Opera«, 1990).

Schallplatten: HMV (Cherubino in »Figaros Hochzeit«, Ilia in »Idomeneo«, Marzelline im »Fidelio«, Gutrune in der »Götterdämmerung«), Vox, Westminster (Mozart-Requiem), Acanta (»Der Zigeunerbaron«), Philips (Donna Elvira im »Don Giovanni«), RCA (Komponist in »Ariadne auf Naxos«), Decca (Octavian im »Rosenkavalier«), DGG (Donna Anna im »Don Giovanni«, Titelrolle in Monteverdis »L’Incoronazione di Popeea«). Auf Eurodisc Tatjana in vollständigem »Eugen Onegin« (von 1952, erst 1980 veröffentlicht). Weitere Aufnahmen bei Replica (»Fidelio«, »Orfeo ed Euridice« von Gluck), Melodram (»Don Carlos«, Salzburg 1960; »Der Barbier von Bagdad« von Cornelius, Donna Elvira im »Don Giovanni«, Neapel 1955), World Records (Leonore im »Fidelio«, München 1961), Cetra-Opera Live (»Iphigenie auf Tauris«, »Don Carlos«), Philips-Amadeo (Eleonore in »Karl V.« von E. Krenek, Salzburger Festspiele 1980), Documents (Lisa in »Pique Dame«, Florenz 1952).

 

25.10. Anita VÄLKKI: 90. Geburtstag

Anita VÄLKKI als Brünnhilde in Bayreuth

 Zuerst Schauspielerin und Operettensängerin am Theater von Kokkola, 1952-55 in Vaasa. Gesangstudium bei Tynne Haase, Jorma Huttunen und Lea Piltti in Helsinki. Konzertdebüt 1954 in Helsinki. 1955 wurde sie an die Nationaloper von Helsinki verpflichtet. 1960 gastierte sie mit dem Ensemble dieses Hauses in Stockholm, wo sie als Santuzza in »Cavalleria rusticana« Aufsehen erregte. Dort hatte sie bei weiteren Gastspielen als Brünnhilde in der »Walküre« wie als Aida große Erfolge. 1960 gastierte sie in Prag, 1961, 1962 und 1964 an der Covent Garden Oper London. Hier war sie namentlich im Ring-Zyklus erfolgreich. 1962-66 sang sie in insgesamt 18 Vorstellungen an der Metropolitan Oper New York die Brünnhilde in der »Walküre«, die Senta in »Der fliegende Holländer«, Puccinis Turandot, die Kundry im »Parsifal« und die Venus im »Tannhäuser«. Als Brünnhilde in der »Walküre« erschien sie am Teatro Massimo von Palermo. 1962 gastierte sie an der Oper von Mexico City, 1963 in Philadelphia. 1962-64 gastierte sie an der Wiener Staatsoper in insgesamt 18 Vorstellungen als Brünnhilde in der »Walküre«, als Senta und als Turandot. 1963-64 hörte man sie bei den Festspielen von Bayreuth als Brünnhilde in der »Walküre« und als 3. Norn in der »Götterdämmerung«. 1983, 1985 und 1989 sang sie bei den Festspielen von Savonlinna die Mary in »Der fliegende Holländer« bereits 1975 war sie bei diesen Festspielen in der Uraufführung der Oper »Der Reitersmann« von Aulis Sallinen aufgetreten; 1986 hörte man sie an der Oper von Helsinki in der Oper »Juha« von A. Merikanto. Ihre Autobiographie »Taiteen vuoksi« erschien 1971 in Helsinki. Sie starb im April 2011 in Helsinki.

Von der hochdramatischen, klangschönen Stimme der Künstlerin existierte lange nur eine Aufnahme auf Decca (3. Norn in vollständiger »Götterdämmerung«). Später kamen Aufnahmen auf Finlandia (integrale Oper »Der Reitersmann« von Sallinen, Szenen aus finnischen Opern) und auf Teldec (»Der fliegende Holländer«) heraus.

 

25.10. Galina WISCHNEWSKAJA: 90. Geburtstag

Galina WISCHNEWSKAJA

Ausgebildet am Konservatorium von Leningrad bei Vera Garina. Mit 18 Jahren trat sie am Operetten-Theater von Leningrad auf und gab später Konzerte mit dem Philharmonischen Orchester von Leningrad, entschloss sich dann aber zur Karriere einer Opernsängerin. Ihr Operndebüt erfolgte 1950 in Leningrad als Polenka in der Oper »Kholopka« von Strelnikow. 1953 wurde sie an das Bolschoi Theater Moskau berufen (Antrittsrolle: Tatjana im »Eugen Onegin«), wo sie bis 1974 glänzende Erfolge hatte. 1957 sang sie am Bolschoi Theater Moskau in der Premiere der Oper »Der Widerspenstigen Zähmung« (»Ukroschchneiye sztroptivoy«) die Partie der Katharina und in weiteren Premieren 1959 die Natascha in »Krieg und Frieden« von Prokofieff, 1964 die Marina in »Oktjabr« (»Oktober«) von Muradeli, 1970 die Sofija in »Semyon Kotko« von Prokofieff. Man hörte sie dort auch als Liu in Puccinis »Turandot«, als Kupava in »Schneeflöckchen« von Rimsky-Korssakow, als Traviata, als Aida, als Tosca, als Leonore im »Troubadour« und in dem Monodrama »Erwartung« von Schönberg. Gastspiele und Konzerte in den russischen Musikmetropolen schlossen sich an. Die Künstlerin heiratete den berühmten Cellisten und Dirigenten Mstislaw Rostropowitsch (1927-2007), der sie auch bei ihren Liederabenden am Flügel begleitete. 1955 bereiste sie die Tschechoslowakei und Jugoslawien, 1957 Finnland und Italien, 1955 und 1959 gab sie Konzerte in Deutschland, 1959 in England, 1960 in Australien. 1960 feierte man sie bei einer großen Nordamerika-Tournee. In der Spielzeit 1961-62 gastierte sie mit glänzendem Erfolg in insgesamt fünf Vorstellungen an der New Yorker Metropolitan Oper als Aida und als Butterfly; 1975 sang sie hier in einer einzigen Vorstellung noch die Tosca. 1962 sang sie an der Londoner Covent Garden Oper die Aida. 1964 debütierte sie an der Mailänder Scala als Liu (nachdem sie sie kurz zuvor in diesem Haus bereits die Lisa in »Pique Dame« und die Natascha in »Krieg und Frieden« im Rahmen eines Gastspiel des Bolschoi Theaters gesungen hatte). 1973 gastierte sie nochmals an der Scala mit dem Ensemble des Bolschoi Theaters, diesmal als Tatjana in »Eugen Onegin« und als Sofia in »Semyon Kotko«; 1974 und 1979 gab sie an der Mailänder Scala Konzerte gemeinsam mit ihrem Mann Mstislaw Rostropowitsch.

Am 10.5.1962 sang sie in der Kathedrale von Coventry die Sopranpartie in der Uraufführung des War Requiems von Benjamin Britten. Bedeutende Komponisten schrieben Werke für ihre Stimme: Benjamin Britten »L’Echo du Poète«, Schostakowitsch seine »Satiren, op. 109« und seine »Sieben Romanzen nach Gedichten von Alexander Block«. 1969 sang sie in der Uraufführung der 14. Sinfonie von Dimitrij Schostakowitsch das Sopran-Solo. An der Wiener Staatsoper gastierte sie 1972 als Tosca und als Butterfly Liu (nachdem sie sie kurz zuvor in diesem Haus bereits die Natascha in »Krieg und Frieden« im Rahmen eines Gastspiel des Bolschoi Theaters gesungen hatte). Das Künstlerehepaar Rostropowitsch-Wischnewskaja geriet in Gegensatz zu der kommunistischen Diktatur in Russland und setzte sich u.a. für den Schriftsteller Solschenizyn ein. 1974 konnten die beiden Künstler Russland verlassen und wieder außerhalb der Sowjetunion auftreten, wurden jedoch von der russischen Regierung ausgebürgert. Seitdem hatte die Sängerin, namentlich in Nordamerika, große Erfolge, so 1975 in San Francisco als Lisa in »Pique Dame«. Ihre weiteren großen Rollen waren die Leonore im »Fidelio«, die Marguerite im »Faust« von Gounod und die Marfa in der »Zarenbraut« von Rimsky-Korssakow, die Francesca da Rimini in der gleichnamigen Oper von Rachmaninoff, die Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«, die Alice Ford im »Falstaff« von Verdi, die Desdemona im »Otello« und die Titelheldin in »Lady Macbeth von Mzensk« (»Katarina Ismailowa«) von Schostakowitsch, die sie auch in einem russischen Film darstellte. 1982 nahm sie an der Grand Opéra Paris, wo sie ihren Wohnsitz hatte, als Tatjana von der Bühne Abschied. Sie veröffentlichte ihre Memoiren unter dem Titel »Galina« (1987; danach wurde das Libretto zu einer gleichnamigen Oper für Marcel Landowski geschrieben, die 1996 am Opernhaus von Lyon uraufgeführt wurde mit Gwynne Geyer in der Partie der großen russischen Sängerin). Nach dem Ende des kommunistischen Regimes wurde 1990 dem Künstlerehepaar erneut die russische Staatsbürgerschaft verliehen, indem sich die Regierung zugleich für das begangene Unrecht entschuldigte. Sie starb 2012 in Moskau. – Eine der großen Sopranstimmen ihrer Generation, von besonderer Reife des Vortrages und ungewöhnlicher Schönheit der Tongebung. Sowohl im italienischen und französischen als im russischen Repertoire bewundert, aber auch im Konzertsaal im Oratorium und im Lied ausgezeichnet.

Schallplatten der staatlichen sowjetischen Schallplattenproduktion (Melodiya), darunter auch vollständige Opern (»Eugen Onegin«, »Krieg und Frieden« von Prokofieff, »Falstaff« von Verdi »Fidelio«, letztere auf Period übertragen). Eine Schallplatte der Marke RCA, auf Philips Solistin im Verdi-Requiem, auf Decca Marina im »Boris Godunow« weitere Aufnahmen auf DGG (»Tosca«, »Pique Dame« von Tschaikowsky), Erato (Natascha in einer zweiten Aufnahme von »Krieg und Frieden« von 1986) und HMV (»Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch).

 

25.10. Karl ELMENDORFF: 125. Geburtstag

 Er war Sohn eines Kaufmanns und besuchte das Gymnasium in Düsseldorf. Anschließend studierte er Philologie in Freiburg im Breisgau, München, Bonn und Münster, sowie Musikwissenschaft an der Kölner Musikhochschule. Ebenso absolvierte er ein Gesangsstudium. 1913-16 war er am Konservatorium Köln Schüler der Dirigenten Hermann Abendroth und Fritz Steinbach. Elmendorff wurde in Freiburg aktives Mitglied der katholischen Studentenverbindung Rheno-Palatia im KV. Nach vierjähriger Tätigkeit als Kapellmeister in Düsseldorf durchlief er ähnliche Stationen in Mainz, Hagen und Aachen. Im Jahre 1925 verpflichtete ihn die Staatsoper in München als Ersten Kapellmeister. Dieses Engagement bestand bis 1931. 1927 wurde er als Dirigent zu den Wagner-Festspielen nach Bayreuth berufen, wo er bis 1942 tätig war. Im Jahre 1930 dirigierte er dort erstmals den Ring des Nibelungen. Bedeutende Bayreuther Aufführungen unter seiner Leitung waren beispielsweise Tristan und Isolde 1928, der Tannhäuser 1930 mit Erna Berger oder die Götterdämmerung 1942. In den 1930er Jahren zog es ihn als Chefdirigent nach Kassel, 1932 ans Nassauische Landestheater, und 1935 wurde er Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim. Nach ersten Einladungen als Gastdirigent an der Berliner Staatsoper trat Elmendorff mit Wirkung vom 1. Mai 1937 der NSDAP bei und wurde unter der Parteinummer 5.059.744 registriert. 1938 wurde er zum Staatskapellmeister ernannt. 1939-42 war er ständiger Dirigent an der Berliner Staatsoper. Während des Zweiten Weltkrieges gab er im deutsch besetzten Paris mit Die Walküre am 1. März 1941 ein Gastspiel. Seinen Karrierehöhepunkt erreichte er 1942-44, als er in Dresden die Nachfolge von Karl Böhm antrat und Leiter der Sächsischen Staatskapelle Dresden und der Semperoper wurde. Hier entstanden künstlerisch signifikante Aufnahmen wie Hermann Goetz‘ Der Widerspenstigen Zähmung, Hugo Wolfs Der Corregidor, Aubers Fra Diavolo, Luisa Miller von Giuseppe Verdi, Mozarts Don Giovanni und Webers Der Freischütz mit der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft, oftmals mit bedeutenden Sängern wie Kurt Böhme, Margarete Teschemacher, Hans Hotter oder Gottlob Frick. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges wurde er im August 1944 in die von Adolf Hitler genehmigte Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Dirigenten aufgenommen, was ihn von einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfront, bewahrte. Nachdem er 1947 von der Spruchkammer Mannheim entlastet worden war, war er 1948-51 als musikalischer Oberleiter am Staatstheater Kassel tätig. Danach war er bis 1955 Chefdirigent am Staatstheater Wiesbaden und wurde anschließend Musikberater des Magistrats der Stadt Wiesbaden. 1956 wurde er mit der Goethe-Plakette des Landes Hessen ausgezeichnet. In seinen letzten Lebensjahren war er als Gastdirigent tätig. Elmendorff starb 1962 in Hofheim am Taunus an einem Herzleiden.

 

27.10. Gabriele FLORESTA: 80. Geburtstag

 Er arbeitete zunächst als Buchhalter und als Kaufmann im Baugewerbe, entschloss sich dann aber zur Ausbildung seiner Stimme. Diese erfolgte am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand durch Fiorenzo Tasso, Wladimiro Badiali und Alfonso Siliotti. 1966 fand sein Bühnendebüt am Teatro Comunale von Adria als Amonasro in »Aida«. statt. Er kam an den führenden italienischen Opernhäusern zu einer bedeutenden Karriere und sang u.a. am Teatro Comunale Florenz, am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Massimo Palermo, am Teatro Fenice Venedig, in Genua und Triest. Nicht weniger erfolgreiche Gastspiele am Théâtre de la Monnaie Brüssel, an der Königlichen Oper Kopenhagen, am Opernhaus von Frankfurt a.M. und an weiteren Bühnen von Rang. In Seattle gastierte er 1983 als Tonio im »Bajazzo«. Seine großen Partien waren der Renato in Verdis »Un Ballo in maschera«, der Rigoletto, der Germont-père in »La Traviata«, der Don Carlo in »Ernani« wie in »La forza del destino« von Verdi, der Graf Luna im »Troubadour«, der Scarpia in Puccinis »Tosca«, der Marcello in »La Bohème«, der Lescaut in »Manon Lescaut«, der Escamillo in »Carmen«, der Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano, der Riccardo in Bellinis »I Puritani«, der Tonio im »Bajazzo«, der Enrico in »Lucia di Lammermoor«, der Belcore in »L’Elisir d’amore« und der Alfonso in »La Favorita« von Donizetti. Er starb 1991 in Mailand.

 

28.10. Judas Thaddäus GERL: 250. Geburtstag

 Wie sein älterer Bruder Franz Xaver Gerl (1764-1827) wurde auch er ein bedeutender Bassist. Die Biographien der beiden Brüder sind in den einzelnen Lebensereignissen oft schwer gegeneinander abzugrenzen. Auch er scheint im Salzburger Domchor unter Leopold Mozart gesungen zu haben und wurde nach 1780 als Komponist von Flötenmusik bekannt. Spätestens 1788 kam auch er zu der Truppe, mit der Schikaneder im Theater auf der Wieden in Wien Aufführungen veranstaltete. 1789-93 sang er dort erste Basspartien und trat gerne zusammen mit dem Tenor Benedikt Schack auf, u.a. 1789 in Schikaneders Singspiel »Der dumme Jäger aus dem Gebirge« ein weiteres Singspiel »Der Stein der Weisen« von 1790 enthielt Musik von Gerl, Schack, Henneberg und Mozart. Zu seinen Glanzrollen gehörten der Richard Boll in der »Schweizerfamile« von Joseph Weigl, der Mikhéli in »Der Wasserträger« (»Les deux journées«) von Cherubini, der Jakob in »Joseph« von Méhul und der Minnewart im »Donauweibchen« von Ferdinand Kauer. Es ist behauptet worden, bei der Uraufführung der »Zauberflöte« am 30.9.1792 habe er und nicht sein Bruder Franz Xaver Gerl den Sarastro gesugen. (Überliefert ist, dass »Herr Gerl« den Sarastro sang, der Vorname wird nirgendwo angegeben). Wenn Judas Thaddaeus der erste Sarastro gewesen wäre, hätte seine Gattin, die Sängerin Franziska Gerl-Kosteletzky, die ebenfalls der Schikanederschen Truppe angehörte, die Papagena gesungen und nicht Barbara Gerl-Reisinger, die Gattin von Franz Xaver. Diese schwierige Frage kann hier nicht endgültig entschieden werden, doch ist es wohl sicher, dass – wie bisher angenommen – Franz Xaver Gerl der erste Sarastro war. Judas Thaddaeus Gerl ging um 1795 von Wien nach Brno (Brünn), wo er eine von ihm komponierte Operette »Graf Balbarone oder die Maske« aufführen ließ. 1795 wurde er Domchoralist in Salzburg, 1796 Hofbassist auf Probe am Hof des Erzbischofs von Salzburg, seit dem 25.10.1799 wirklicher Hofbassist in Salzburg. Er wurde später Schlossverwalter in Bayreuth, wo er 1844 starb. Von seinen Kindern wurde vor allem sein Sohn ein bekannter Sänger: Johannes Gerl (* 29.10.1803 Salzburg, † 1.1.1873 Coburg) war 1835-50 und wieder seit 1853 als Bariton am Hoftheater von Coburg engagiert und betätigte sich dort auch als Pädagoge; dessen Tochter Helene Gerl (* 15.2.1847 Coburg, † 19.2.1905 Braunschweig) debütierte 1867 als Gilda im »Rigoletto« am Coburger Hoftheater und war dort bis 1881 und 1881-95 als Koloratrice am Hoftheater von Braunschweig engagiert. Ihre großen Bühnenpartien waren die Amina in Bellinis »La Sonnambula«, die Lucia di Lammermoor, die Giulietta in »I Capuleti e i Montecchi« von Bellini und die Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«.

 

29.10. William WALKER: 85. Geburtstag

 Er erhielt seine Ausbildung zum Sänger an der Texas Christian University in San Antonio. 1955 debütierte er an der Fort Worth Opera (Texas) als Schaunard in Puccinis »La Bohème«. Er sang in Nordamerika an den Opern von New Orleans, Santa Fé, Milwaukee, Fort Worth, in Washington und Vancouver, vor allem auch an der Oper von San Antonio. 1962 wurde er an die Metropolitan Oper New York engagiert (Debüt als kaiserlicher Kommissionär in »Madame Butterfly«), deren Ensemble er bis 1978 angehörte. Hier sang er in insgesamt 364 Vorstellungen kleinere, aber auch tragende Partien, wie das Repertoire es erforderte, darunter den Schaunard wie den Marcello in »La Bohème«, den Frank in der »Fledermaus«, den Papageno in der »Zauberflöte«, den Heerrufer im »Lohengrin«, den Silvio im »Bajazzo«, den Valentin im »Faust« von Gounod, den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Paolo in »Simon Boccanegra«, den Hohepriester in »Samson et Dalila« von Saint-Saens,  den Sharpless in »Madame Butterfly«, den Figaro in Rossinis »Barbier von Sevilla«, den Jeletzky im »Eugen Onegin«, den Lescaut in Puccinis »Manon Lescaut«, den Roucher in »Andrea Chénier« von Giordano, den Masetto im »Don Giovanni«, den Germont-père in »La Traviata«, den Peter in »Hänsel und Gretel«, den Escamillo in »Carmen«, den Malatesta im »Don Pasquale«, den Ford im »Falstaff« von Verdi, den Michele in Puccinis »Il Tabarro«, den Enrico in »Lucia di Lammermoor«, den Grafen Luna im »Troubadour«. Zu nennen sind aus seinem Repertoire für die Bühne noch: sein Gugliemo in »Così fan tutte« sein Rigoletto, sein Amonasro in »Aida«, sein Alfio in »Cavalleria rusticana«, sein Tonio im »Bajazzo« und sein Bob in »The Old Maid and the Thief« von G.C. Menotti. Angesehener Konzertsänger. Er starb 2010 in Fort Worth (Texas).

Schallplatten: Mitschnitte von Rundfunksendungen aus der Metropolitan Oper.

 

29.10. Jon VICKERS: 90. Geburtstag

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 Er wollte Medizin studieren, konnte aber keinen Studienplatz an der Universität erhalten. Er sang dann als Solist in Kirchen und in Winnipeg in der Operette »Naughty Marietta«. Nach seinem Gesangstudium am Konservatorium von Toronto bei George Lambert und bei Hermann Geiger-Torel trat er zuerst in Oratorien auf. 1954 debütierte er bei der Canadian Opera Company in Toronto als Herzog in Verdis »Rigoletto« und sang dort bis 1956. 1954-56 wirkte er auch beim Stratford Festival (Ontario), u.a. als Don José in »Carmen« und als Male Chorus in B. Brittens »The Rape of Lucretia« mit. 1957 hatte er ein glanzvolles Debüt an der Londoner Covent Garden Oper als Riccardo in Verdis »Un Ballo in maschera«. Seitdem durchlief er eine sehr erfolgreiche, langjährige Karriere an diesem Opernhaus, an dem er bis 1969 Partien wie den Titelhelden in Verdis »Don Carlos«, den Radames in »Aida«, den Florestan im »Fidelio«, den Giasone in »Medea« von Cherubini, den Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, den Aeneas in »Dido and Aeneas« von Purcell, den Énée in »Les Troyens« von Berlioz, den Siegmund in der »Walküre« und den Tristan sang. 1958 hörte man ihn bei den Festspielen von Bayreuth als Siegmund, 1964 als Parsifal. Er galt als hervorragender Wagner-Interpret, wobei man die Kraft und die Ausdrucksintensität seiner Stimme, deren Durchschlagskraft und Klarheit der Diktion und nicht zuletzt sein bezwingendes Bühnenspiel bewunderte. 1959-87 gastierte er in insgesamt 67 Vorstellungen an der Staatsoper von Wien als Siegmund, als Don José, als Radames, als Don Carlos, als Canio im »Bajazzo«, in der Titelpartie von Giordanos »Andrea Chénier«, als Florestan, als Parsifal, in der Titelpartie von Verdis »Otello« und als Tristan. Mehrfache Gastspiele an der Grand Opéra Paris (u.a. 1976 als Parsifal, 1977 als Otello, 1978-79 als Nerone in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«, 1978 als Samson in »Samson et Dalila«, 1981 als Peter Grimes in der gleichnamigen Oper von B. Britten, 1982 als Florestan und 1982-83 als Canio). An der Oper von Dallas feierte man ihn als Giasone zusammen mit Maria Callas als Medea. Die gleiche Partie sang er 1959 mit ihr an der Covent Garden Oper. 1959 wurde er für viele Jahre an die Metropolitan Oper New York berufen, wo er im Januar 1960 als Canio debütierte und bis 1987 in insgesamt 280 Vorstellungen als Florestan, als Siegmund, als Don José, als Radames, als Erik in »Der fliegende Holländer«, als Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns wie im »Samson« von Händel, als Otello von Verdi (eine seiner besonderen Glanzrollen), als Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky, als Peter Grimes, als Énée in »Les Troyens« von Berlioz,  als Tristan, als Laça in Janáceks »Jenufa«, als Alvaro in »La foraz del destino«, als Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut« und als Parsifal zu sehen war. Als Florestan debütierte er 1960 an der Mailänder Scala, an der er dann 1961 den Giasone, 1968 den Siegmund, 1970 den Canio, 1976 den Peter Grimes (bei einem Gastspiel der Londoner Covent Garden Oper) und 1983 in einem Maria-Callas-Gedächntniskonzert sang. Er debütierte an der Oper von Chicago 1961 als Siegmund. 1966-67 sang er bei den Festspielen von Salzburg den Don José (mit Grace Bumbry als Carmen), 1970-72 den Otello von Verdi. Bei den Salzburger Osterfestspielen trat er 1967-68 als Siegmund, 1971 als Florestan und 1972-73 als Tristan auf. An der Oper von San Francisco debütierte er 1959 als Radames, er sang an diesem Haus fast alljährlich; er trat hier bis 1976 als Don José, als Canio, als Siegmund, als Florestan, als Sergej in »Katerina Ismailowa« von  Schostakowitsch, als Don Carlos von Verdi, als Énée in »Les Troyens« und als Peter Grimes auf. Seit 1975 erschien er auch an der Oper von Dallas, an der er als erste Partie den Tristan übernahm. 1975 sang er an der Oper von Boston die Titelrolle in der amerikanischen Premiere der Oper »Benvenuto Cellini« von Berlioz, bei den Opernfestspielen von Orange 1973 den Tristan, 1974 den Herodes in »Salome« von R. Strauss und den Pollione in »Norma«. Noch 1984 gastierte er in Kapstadt als Otello, 1985 sang er an der Covent Garden Oper die Titelrolle in einer szenischen Aufführung des Händel-Oratoriums »Samson«. Neben seiner Bühnenkarriere hochgeschätzter Konzert- und Oratoriensänger. Er wohnte seit 1957 in London, später auf den Bermudas. Er starb 2015 in Ontario (Canada).

Lit: N. Goodwin: Jon Vickers (in »Opera«, 1962); J. Ardouin: Jon Vickers, the Tenor (New York, 1974); J. Williams: Jon Vickers. A Hero’s Life (Northeastern University Press, 1999).

Seine ersten Schallplatten erschienen auf kanadischer RCA (»Messiah«), dann auf DGG (»Die Walküre«), Columbia (»Carmen«, »Fidelio«), Electrola (»Tristan und Isolde«, »Fidelio«), Philips (»Les Troyens« von Berlioz, »Das Lied von der Erde« von G. Mahler, »Peter Grimes« von B. Britten), Melodram (»Fidelio«, Herodes in »Salome«, Festspiele von Orange 1974), Legendary Records (»L’Incoronazione di Poppea«), HMV (»Samson et Dalila«) und auf amerik. RCA (»Otello«, »Aida«, 9. Sinfonie von Beethoven); Dream Live-Video (Titelrolle im »Tristan und Isolde«, Pollione in »Norma«, Orange 1973 bzw. 1974); auf VAI kam eine Video-Aufnahme eines Konzerts, das der Sänger 1965 in Toronto gab, heraus.

 

29.10. Edith JACQUES: 95. Geburtstag

 Sie erhielt zuerst eine Ausbildung als Pianistin, begann aber daneben ein Gesangstudium. Sie trat dann in den Chor des Theaters von Dijon ein, wo sie bald auch in kleinen Rollen eingesetzt wurde. Sie setzte ihre Ausbildung weiter fort und wurde allmählich auch in größeren Partien herausgestellt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann sie mit Gastspielen an führenden Opernhäusern in Frankreich wie in Belgien. So erschien sie 1947 an der Opéra-Comique Paris als Charlotte in Massenets »Werther«, 1950-52 am Thèâtre de la Monnaie Brüssel, 1952 an der Oper von Monte Carlo (u.a. als Geneviève in »Pelléas et Mélisande« von Debussy), 1955 am Opernhaus von Straßburg und 1963 an der Pariser Grand Opéra als Carmen. Weitere Höhepunkte in ihrem Bühnenrepertoire waren die Taven in »Mireille« von Gounod und die Titelfigur in »Mignon« von A. Thomas. Sie kam auch als Konzertsängerin zu einer Karriere von Bedeutung. Sie starb 1967 bei Dijon (als Opfer eines Autounfalls).

 

30.10. Licinio MONTEFUSCO: 80. Geburtstag

Licinio Montefusco

 Er wurde durch Rhea Toniolo in Mailand ausgebildet. Sein Debüt erfolgte 1961 am Teatro Nuovo Mailand als Zurga in »Les pêcheurs de perles« von Bizet. Nach Auftritten an kleineren italienischen Theatern erreichte er 1963 einen entscheidenden Erfolg beim Maggio Musicale von Florenz als Renato in Verdis »Un Ballo in maschera«. Jetzt kam es zu Auftritten an allen großen Bühnen in Italien, am Teatro Verdi Triest, am Teatro Comunale Bologna, am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Comunale Florenz, am Teatro Fenice Venedig, in Genua, vor allem aber am Teatro Regio, am Teatro Margherita und an weiteren Theatern in Turin, wo er länger als 25 Jahre immer wieder auftrat. 1963 gastierte er am Grand Théâtre Genf als Germont-père in »La Traviata«. 1964-74 mehrfach zu Gast an der Staatsoper Wien (als Amonasro in »Aida«, als Carlo in »La forza del destino«, als Graf Luna im »Troubadour« und als Posa in Verdis »Don Carlo« in insgesamt sieben Vorstellungen) und am Teatro San Carlos Lissabon. 1965 kam es zu seinem USA-Debüt an der Oper von Philadelphia, an der er 1967 und 1969 wieder erschien. Seit 1966 gastierte er auch an der Deutschen Oper Berlin, 1967-68 an der Oper von Monte Carlo. 1970 debütierte er an der Mailänder Scala als Montfort in Verdis »I Vespri Siciliani«; noch im gleichen Jahr sang er dort auch den Grafen Luna im »Troubadour«. 1972 hörte man ihn bei den Festspielen von Verona als Amonasro. 1972 und 1974 gastierte er am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1973 an der Opéra du Rhin Straßburg. 1975 war er an der Grand Opéra Paris als Posa zu Gast, 1979 an der Oper von Marseille, seit 1982 mehrfach in Dublin. Er sang auch in Madrid. 1990 sang er den Amonasro auch bei den Festspielen in den Therman des Caracalla in Rom und am Teatro Regio Turin, wo man ihn 1991 in der »Königin von Saba« von Goldmark hörte. Das Schwergewicht seines Repertoires für die Bühne lag in den großen Verdi-Partien (Rigoletto, Macbeth, Francesco in »I due Foscari«, Ford im »Falstaff«). Weitere Glanzrollen des Künstlers waren der Enrico in »Lucia di Lammermoor«, der Alfonso in »La Favorita« von Donizetti, der Lusignano in dessen »Caterina Cornaro«, der Sharpless in »Madame Butterfly«, der Marcello in »La Bohème«, der Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano und der Valentin im »Faust« von Gounod. Er starb 2012 in Istanbul.

Schallplatten: MMS (Titelheld in vollständiger »Rigoletto«-Aufnahme).

 

30.10. Rudolf ASMUS: 95. Geburtstag

Rudolf Asmus

 Er besuchte Schulen in Ostrava (Mährisch Ostrau) und begann als Chorsänger am dortigen Stadttheater. Gesangsausbildung an der Städtischen Musikschule Ostrava und bei dem Pädagogen Vasek. Er debütierte 1942 in Ostrava, als er für einen erkrankten Sänger als Ramfis in »Aida« einsprang. 1944-53 sang er an der Oper von Brno (Brünn), seit 1953 Mitglied des Nationaltheaters Prag. 1957 wurde er an die Komische Oper Berlin engagiert, wo er seither mit großen Erfolgen auftrat (Antrittsrolle: Förster in Janáceks »Das schlaue Füchslein«). Mit dem Ensemble dieses Theaters gastierte er in Wiesbaden, Moskau, Paris und Prag. Auch zu Gast in Venedig, Bologna, Warschau, Stockholm, Budapest, Bukarest und an westdeutschen Bühnen. Zu den besten Leistungen auf der Bühne zählten bei dem auch als Darsteller gerühmten Künstler der Hunding in der »Walküre«, der Kaspar im »Freischütz«, der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Jago in »Otello«, der Leporello im »Don Giovanni«, der Boris Godunow, der Sancho Panza in Massenets »Don Quichotte«, der Bartolo im »Barbier von Sevilla«, der Popolani in »Ritter Blaubert« von Offenbach und die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«. 1976 wirkte er an der Berliner Staatsoper in der Uraufführung der Oper »Meister Röckle« von Joachim Werzlau mit, an der Komischen Oper Berlin 1972 in »Noch einen Löffel Gift, Liebling?« von S. Matthus. Er trat auch in Musicals und in Opernfilmen unter der Regie von W. Felsenstein auf. Noch 1996 hörte man ihn an der Berliner Staatsoper als Benoît in »La Bohème« und als Wirt in »Carmen«. Er starb 2000 in Berlin.

Schallplatten: Supraphon (vollständige Opern »Das schlaue Füchslein«, »Die Teufelskäthe« von Dvorák), Opus, Philips (»Ariadne auf Naxos« von R. Strauss).

 

30.10. Peter Paul FUCHS: 100. Geburtstag

 Er studierte Klavier, Komposition und Dirigieren (bei Weingartner und Krips) und erhielt rasch Engagements an der Wiener Volksoper sowie an der Deutschen Oper in Brünn, 1938 emigrierte er in die USA, diente in der Armee und wirkte als Begleiter bei der Oper in San Francisco und an der Metropolitan Opera in New York. Er gründete ein kleines Opernensemble „Opera for Everyone“ und trat damit an Colleges und Musikschulen auf. 1950-76 lehrte er an der Louisiana State University in Baton Rouge, wo er gleichzeitig ab 1960 das Baton Rouge Symphony Orchestra dirigierte. Während einer ausgedehnten Europa-Tournee leitete er Opern in Rumänien, den Niederlanden, Griechenland, der Bundesrepublik Deutschland und Österreich. Er starb im März 2007

 

31.10. Erika MECHERA: 85. Geburtstag

 Trotz des ärmlichen Arbeitermilieus in Wien-Kaisermühlen wurde ihr Kontakt mit Musik geboten. So spielte die Mutter Zither und der Vater Posaune, und die Großmutter sowie ein Onkel hatten hervorragende Naturstimmen. So erlernte Erika Mechera Ziehharmonika und später Klavier. Durch das Begleiten von russischen Offizieren am Klavier kam die 14.jährige zu ersten „Einnahmen“ in Form von Lebensmitteln, die im Wien der Nachkriegsjahre unbezahlbar waren und den Hunger der Familie etwas linderten. Nach der Handelsschule studierte Erika Mechera Orgel an der Akademie für Kunst in Wien. Dort wurde man dann auch auf ihren hellen Sopran aufmerksam. Die Gabe der glockenhellen Stimme blieb ihr, dank einer fundierten Gesangstechnik, bis ins hohe Alter erhalten. Nach diversen Stationen der Lehrjahre wurde sie Chormitglied in der Wiener Volksoper. Später gelang der Sprung zur Solistin (u.a. Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, Gilda im »Rigoletto«, Traviata, Mimi in »La Bohème«), und auch das große Schwesternhaus, die Wiener Staatsoper holte die Sängerin auf die Bühne. Sie debütierte an der Staatsoper 1960 als Königin der Nacht und sang hier noch die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail« und 8 weitere, zumeist kleinere Partien in insgesamt 125 Vorstellungen. Die Königin der Nacht sang sie in den drei Wiener Opernhäusern (Staatsoper, Volksoper, Theater an der Wien), aber auch in Salzburg und München, sowie bei diversen Tourneen in unzähligen Vorstellungen. In dieser Zeit gab es diverse Plattenproduktionen, z.B. mit Karl Böhm, Franz Bauer-Theussl u.s.w. Namhafte Künstler wie u.a. Lotte Rysanek, Rita Streich, Renate Holm, Anton Dermota, Adolf Dallapozza, Karl Terkal, Eberhard Waechter, Waldemar Kmentt,, Fritz Wunderlich, Kurt Equiluz, Rudolf Christ und Heinz Holecek standen mit Erika Mechera auf der Bühne bzw. im Tonstudio. 1972 zog sie sich von der großen Bühne der Staatsoper zurück. Zum Einem gab es Differenzen zwischen ihr und der Bundestheaterleitung. Zum anderen nahmen 3 Kinder auch einen Teil ihres Lebens ein. Sie blieb aber bei vielen diversen Tourneen, Festspielen, sowie großen Konzerthäusern eine gern gehörte Solistin. Viel Zeit widmete sie der Pflege des Wienerliedes. Für langjährige Ausübung von Kirchenmusik (u.a. Karlskirche Wien, Piaristenkirche, Votivkirche, Michaelerkirche…) erhielt sie im Jahr 2000 das Kirchenmusikdiplom der Diözese Wien. Ihre fundierte Kenntnis der Stimmtechnik gab sie mit Freuden an Schüler wie Arno Raunig oder Vladimir Skal weiter. 2009 verstarb Erika Mechera nach längerer Krankheit in Wien.

 

31.10. Božena RUK- FOČIĆ: 85. Geburtstag

Božena Ruk-Fočić

Schülerin von Zlatko Sir in Zagreb. Erstes Bühnenauftreten 1961 am Stadttheater von Basel als Micaela in »Carmen«. Sie wurde dann ein führendes Ensemblemitglied der Kroatischen Nationaloper in Zagreb. Eine ausgedehnte Gastspieltätigkeit führte die Künstlerin an die Nationaloper Belgrad, an die Staatsopern von Wien (1972 als Leonore im »Troubadour« und 1978 als Sieglinde in der »Walküre«), Berlin, Stuttgart und Hamburg, an die Londoner Covent Garden Oper (als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«), an das Opernhaus von Kiew und an die Nationaloper Budapest. In Italien sang sie an der Mailänder Scala (1968 die Sieglinde und 1970 in der italienischen Erstaufführung von Dallapiccolas »Ulisse« die Calypso), in Rom, Genua, Neapel, Triest, Palermo und Turin, in Nordamerika an den Opernhäusern von Houston/Texas, Pittsburgh, Seattle (1973 die Sieglinde, 1976 die Aida) und Washington, weiter an der Oper von Bukarest, in Zürich, Genf (die Sieglinde und 1974 die Jaroslawna in »Fürst Igor« von Borodin), am Teatro Liceu Barcelona, bei den Festspielen von Salzburg (1964-65 als Kammerfrau in Verdis »Macbeth«) und Athen. Sie bewältigte ein umfangreiches Repertoire, das eine bunte Fülle von sehr verschiedenartigen Partien enthielt: die Titelfigur in Glucks »Alceste«, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Butterfly, die Tosca, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Tatjana im »Eugen Onegin«, die Aida, die Leonore in »La forza del destino«, die Desdemona im »Otello«, die Elsa im »Lohengrin«, die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Gutrune in der »Götterdämmerung«, die Titelfiguren in den Richard Strauss-Opern »Ariadne auf Naxos« und »Arabella« wie auch die Agathe im »Freischütz«. Nicht weniger umfangreich war das Konzertrepertoire der Künstlerin. Sie starb 2010 in Zagreb.

Schallplatten: Frequenz (»Macbeth« von Verdi), Jugoton., ZYX-Records (Opernszenen).

 

31.10. Eduard STOCKER: 90. Geburtstag

 Er studierte bei Lucia Corrideri in Luzern, bei Elisabeth Bosshart in Zürich, an der Wiener Musikakadmie bei Armin Weltner und bei Eva Liebenberg in Hilversum (Holland). In der Spielzeit 1951-52 gehörte er dem Ensemble des Landestheaters Linz/Donau an, wo er u.a. in der österreichischen Erstaufführung der Oper »Leonore 40/45« von R. Liebermann (als Lejeune) mitwirkte; er gastierte in der Schweiz an den Theatern von Zürich, St. Gallen und Luzern. Er wirkte am Opernhaus von Zürich in der Schweizer Erstaufführung von Strawinskys »Le Rossignol« (Spielzeit 1961-62) als 2. Japaner mit. Von seinen Opernpartien seien der Tagliaferro in »La buona figliuola« von Piccinni, der Uberto in »La serva padrona« von Pergolesi, der Ferrando im »Troubadour«, der Ramfis in »Aida«, der Cuperus in der »Zaubergeige« von W. Egk und der Kostandis in der »Griechischen Passion« von B. Martinù genannt. Das Schwergewicht seiner künstlerischen Tätigkeit lag jedoch im Konzertfach, wo er sich sowohl als Oratoriensolist wie als Lied-Interpret auszeichnete. Dabei beherrschte er auf dem Konzertpodium ein vielseitiges Repertoire, das von Werken der Barockmusik bis zu zeitgenössischen Kompositionen reichte. Als Konzertsolist trat er in der Schweiz (Basel, Bern, Biel, Interlaken, Lausanne, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Winterthur, Zürich), in Deutschland (Stuttgart, Ulm, München, Kaiserslautern, Bamberg, Karlsruhe, Bremen, Düsseldorf, Berlin), Frankreich (Paris, Marseille, Bordeaux), in Wien und Brüssel, in Madrid und Valladolid, in Meran und Rovereto auf. Er wirkte in Luzern als Gesanglehrer. Er starb am 15.1.2016.

Schallplatten: Accord (»Schwanengesang« von Schubert, Lieder von Hugo Wolf), Aulos (Messe D-Dur von Dvorák), Fono (Messe zu Ehren des hl. Franziskus von A. Jenny).

 

31.10. Jenny MEJO: 175. Geburtstag

 Sie wurde als Tochter des Sängerehepaars Franz Mejo (1798-1855) und Rosa Mejo-Straub (* 1798) geboren. Sieben Kinder, die aus dieser Ehe hervorgingen, waren als Sänger oder Schauspieler beim Theater, darunter als berühmteste neben Jenny Mejo ihre Schwestern Fanny Höfler-Mejo (1821-83) und Anna Grobecker-Mejo (1836-1908). Jenny Mejo begann ihre Sängerlaufbahn 1860 im Soubrettenfach am Opernhaus von Köln und sang dann am Hoftheater von Schwerin, schließlich am Stadttheater von Nürnberg. Als sie 1865 den Freiherrn Karl Theodor von Cetto heiratete, gab sie ihre viel versprechende Karriere auf, die ihr vor allem in den Titelrollen von Flotows »Martha« und Lortzings »Undine« große Erfolge gebracht hatte. Sie starb 1906 in München. Sie war die Großmutter der bekannten Sopranistin Moje Forbach (1898-1933).

 

 

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