Der Neue Merker

IN MEMORIAM GEBURTSTAGE IM OKTOBER 2015

IN MEMORIAM-Geburtstage

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

1.10. Brendan O’DOWDA: 90. Geburtstag

 Biographie des irischen Tenors auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Brendan_O%27Dowda

 1.10. Constantin C. NOTTARA: 125. Geburtstag

 Biographie des rumänischen Komponisten auf Rumänisch: https://ro.wikipedia.org/wiki/Constantin_C._Nottara

 1.10. Max BUCKSATH: 150. Geburtstag

 Er wollte, genau wie sein Vater, Maler werden und studierte bildende Kunst bei Arthur Fitger. Er ließ dann jedoch seine Stimme durch Siga-Garso in Bremen ausbilden, musste aber aus finanziellen Gründen dann doch den Beruf eines Kaufmanns ergreifen. Sieben Jahre hindurch arbeitete er als Verwalter auf einer Tabakplantage in Sumatra. Erst 1893 konnte er nach Europa zurückkehren und setzte jetzt sein Gesangstudium in München fort. Seine Lehrer waren hier die Pädagogen Karl Erler, Franz Fischer und Heinrich Porger. Ein Probesingen vor dem Dirigenten und Direktor des Hoftheaters Schwerin Hermann Zumpe führte zu seiner Verpflichtung an dieses Haus, wo er 1897 als Heerrufer im »Lohengrin« und als Jäger im »Nachtlager von Granada« von C. Kreutzer debütierte. Noch im Sommer 1897 wirkte er bei den Festspielen von Bayreuth als Donner im »Rheingold« und als 2. Gralsritter im »Parsifal« mit. Er blieb bis 1902 in Schwerin engagiert, wo er auch 1899 in der Uraufführung der Oper »Der Pfeifertag« von Max von Schillings mitwirkte. 1900 gastierte er beim Amsterdamer Wagnerverein in dessen Aufführungen von Wagner-Opern und erregte besonderes Aufsehen als Kurwenal in »Tristan und Isolde«. Von Schwerin aus ging er an das Hoftheater von Mannheim, dem er 1902-05 angehörte, für die Spielzeit 1905-06 an das Stadttheater Magdeburg. Er lebte dann gastierend, zuerst in Magdeburg, seit etwa 1913 in Wiesbaden, wo er noch 1921 dieser Tätigkeit nachging. Vor allem in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts wurde er durch eine Anzahl von Gastauftritten bekannt; so sang er an den Hofopern von Wien (1901 den Telramund im »Lohengrin«) und Berlin (1908), an den Hoftheatern von Karlsruhe (1904), Dessau und Coburg, an den Opernhäusern von Frankfurt a.M. (1903), Köln (1904) und Leipzig (1907), an den Stadttheatern von Bremen (1901) und Straßburg (1908). Er galt als großer Wagner-Interpret in Partien wie dem Wotan im Ring-Zyklus, dem Fliegenden Holländer, dem Hans Sachs wie dem Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Höhepunkte in seinem Bühnenrepertoire waren weiter der Escamillo in »Carmen«, der Valentin im »Faust« von Gounod, der Lysiart in Webers »Euryanthe« und der Don Pizarro im »Fidelio«.

 1.10. Paul DUKAS: 150. Geburtstag

Er studierte am Pariser Konservatorium Klavier, Harmonielehre und Komposition. Später unterrichtete er dort selbst; zu seinen Schülern zählten u. a. Jehan Alain, Maurice Duruflé und Olivier Messiaen. Daneben war Dukas seit 1892 als Musikkritiker tätig, unter anderem schrieb er über Debussys Pelléas et Mélisande und Wagners Ring des Nibelungen, aufgeführt in London unter der Leitung von Gustav Mahler. Bezüglich seines eigenen Werkes sprach sich Dukas wiederholt gegen den Vorwurf der Imitation des Wagner-Stils aus. Dukas pflegte stets Kontakte zu anderen berühmten Komponisten wie beispielsweise Claude Debussy. Zeitgenossen beschreiben ihn als einen Mann von hoher Allgemeinbildung. Sein Hang zur Selbstkritik führte dazu, dass er eine ganze Reihe komponierter Werke nach ihrem Beginn abbrach und schließlich einige ganz vernichtete, weil sie seinen Ansprüchen nicht genügten. Dieselbe Charaktereigenschaft zeigte später auch sein Schüler Duruflé. Hohen Bekanntheitsgrad erlangte Dukas durch die Vertonung der Ballade Der Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe. Das Orchesterscherzo ist oft in Konzertsälen zu hören. Noch populärer wurde das Stück durch die Verwendung in Walt Disneys Zeichentrickfilm Fantasia. Dennoch sind die Oper Ariane et Barbe-Bleue von 1907, die sich an das Märchen vom Herzog Blaubart anlehnt, und das Ballett La Péri (1911) Dukas‘ bedeutendste Werke. Die Oper ist in einer zeitgemäß modernen Tonsprache geschrieben, die sehr subtil und von weit tieferer emotionaler Bedeutung ist, als man aus dem Titel schließen könnte. Dukas hat auch Werke alter Meister durch Erarbeitung entsprechender Ausgaben zugänglich gemacht – ein Beispiel sind seine Rameau-Bearbeitungen. Aus seinem Nachlass erschienen gesammelte Kritiken, Les écrits sur la musique. Er starb 1935 in Paris. Am 15. Februar 1965 erschien zu Ehren seines 100. Geburtstages eine 0,40+0,10-Franc-Sonderbriefmarke mit dem Porträt Dukas‘ nach einem Entwurf von René Cottet.

1.10. Theodor SCHMIDT: 150. Geburtstag

 Nachdem er ursprünglich einen kaufmännischen Beruf ergreifen sollte, ließ er seine Stimme durch Josef Wurda in Hamburg und durch Fritz Rebling in Leipzig ausbilden. 1861 schloss er sich einer deutschen Operngesellschaft an, die unter Emil von der Osten eine Tournee durch Schweden und Norwegen unternahm. 1863 ging er an das Stadttheater von Kiel, sang anschließend in Dortmund und Neustrelitz und 1868-71 am Opernhaus von Leipzig. 1871 kam er zu seiner Berufung an die Berliner Hofoper, der er bis 1898 angehörte. Neben seiner Tätigkeit als Sänger wurden ihm dort seit 1892 auch Aufgaben im Rahmen der Opernregie zugeteilt. Er sang an der Berliner Oper eine Vielzahl von Partien, von denen nur sein Kurwenal in »Tristan und Isolde«, sein Alberich im Nibelungenring, sein Telramund im »Lohengrin«, sein Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, sein Papageno in der »Zauberflöte«, sein Don Giovanni, sein Nelusko in Meyerbeers »Afrikanerin« und sein Kühleborn in »Undine« von Lortzing genannt seien. 1872 nahm er dort an der Uraufführung der Oper »Hermione« von Max Bruch, 1874 an der der Oper »Cesario« von W. Taubert, 1875 an der von »Die Maccabäer« von A. Rubinstein und »Das goldene Kreuz« von Ignaz Brüll, 1884 an der Uraufführung von Ernst Franks »Hero«, 1888 an der Uraufführung von Theobald Rehbaums »Turandot«, 1892 an der von »Hiarne« von Ingeborg von Bronsart, 1894 an der der Oper »Angla« von Ferdinand Hummel teil. Er starb 1912 in Süderende auf der Insel Föhr.

 3.10. Alicia AGUILAR: 85. Geburtstag

Alicia_AGUILAR

 Sie begann ihre musikalische Ausbildung am Conservatorio Nacional de Música und studierte dann Gesang an der Academia del Instituto Nacioanl de Bellas Artes. Sie debütierte im April 1961 am Teatro de Bellas Artes Mexico als Violetta in »La Traviata« mit dem Tenor Jorge Lagunes als Alfredo. Sie sang die gleiche Partie im Mai 1961 in Monterrey an der Seite von Plácido Domingo. Sie starb im Juli 2005.

 3.10. David EPSTEIN (amerikanischer Dirigent): 85. Geburtstag

 3.10. Wilhelm BEYER: 150. Geburtstag

 Die gesamte Karriere des Künstlers hat sich, abgesehen von einigen Gastspielen, in seiner Geburtsstadt Karlsruhe abgespielt. Hier wurde er durch die Pädagogen August Harlacher und Rudolf Lange ausgebildet und betrat 1884 erstmals die Bühne des dortigen Hoftheaters. Bis zur Aufgabe seiner Karriere aus Gesundheitsgründen 1903 blieb er ein hoch geschätztes Mitglied des Karlsruher Hoftheaters. Das Repertoire, das er auf der Bühne zum Vortrag brachte, umfasste eine Vielzahl von Opernpartien, dazu Sprechrollen aus dem Bereich des Schauspiels. Als Sänger brillierte er vor allem in Aufgaben wie dem Papageno in der »Zauberflöte«, dem Ottokar im »Freischütz«, dem Lord Cockburn in »Fra Diavolo« von Auber, dem Plumkett in Flotows »Martha«, um nur einige von vielen Partien zu nennen. Er starb 1904 in Karlsruhe.

 4.10. Sten WAHLUND: 75. Geburtstag

Sten_WAHLUND_als_König_Marke

 Er durchlief seine Ausbildung zum Sänger in den Jahren 1964-70 an der Musikhochschule von Stockholm und war Schüler so bedeutender Sänger und Pädagogen wie Arne Sunnegaardh, Uno Ebrelius, Erik Saedén, Clemens Kaiser-Breme und Walter Berry. 1969 wurde er als erster Bassist an die Königliche Oper Stockholm (Debüt als Sarastro in der »Zauberflöte«) verpflichtet. Seit 1973 war er reguläres Mitglied dieses Hauses, an dem er eine lange, erfolgreiche Karriere hatte. Seit 1969 wirkte er oft bei den Festspielen im barocken Schlosstheater von Drottningholm mit. Von seinen mehr als 70 Bühnenpartien sind zu nennen: der Commendatore im »Don Giovanni«, der Basilio im »Barbier von Sevilla« von Rossini, der Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, der Colline in »La Bohème«, der Fafner in Nibelungenring, der Gurnemanz im »Parsifal« (Stockholm 1995), der König Heinrich im »Lohengrin«, der Pimen im »Boris Godunow« (Stockholm 1996) und der Titelheld im »Don Pasquale« von Donizetti. Am 18.10.1986 wirkte er an der Stockholmer Oper in der Uraufführung der Oper »Christina« von Hans Gefors mit, am 9.4.1994 in der der Oper »Doktor Glas« von Arne Mellnäs. 1990 sang er dort den Mephisto im »Faust« von Gounod. Gastspiele und Konzertauftritte in den schwedischen Musikzentren wie in weiteren europäischen Ländern. 2000 sang er am Theater von Karlstad den König Marke in »Tristan und Isolde«. Er starb im Jänner 2011.

 4.10. Anna REYNOLDS: 85. Geburtstag

Anna REYNOLDS

 Sie studierte Klavierspiel an der Royal Academy of Music in London und erwarb den Grad eines Licentiate of Music. Dann ließ sie ihre Stimme in Rom bei Debora Fambri, Ré Koster und Rodolfo Ricci ausbilden. Sie hatte ihre ersten Erfolge an italienischen Opernhäusern. 1958 sang sie in Como in »Dido and Aeneas« von Purcell. Ihr eigentliches Debüt fand 1960 in Parma als Suzuki in »Madame Butterfly« statt. 1961 gastierte sie an der Oper von Triest und in Piacenza, später in Rom, Mailand, Venedig und in anderen italienischen Städten. Zugleich war sie eine angesehene Konzertaltistin. 1960 trat sie am Opernhaus von Köln auf. Gastspiele in Belgien, Frankreich, Deutschland und Österreich schlossen sich an. Beim Glyndebourne Festival gastierte sie 1962-63 als Geneviève in Debussys »Pelléas et Mélisande«, 1964 als 2. Dame in der »Zauberflöte«, 1964-65 als Ortensia in Rossinis »La pietra del paragone« und 1965 als Annina im »Rosenkavalier«. Sie sang 1963 am Théâtre de la Monnaie Brüssel die Dorabella in »Così fan tutte«, 1966 beim Festival von Aix-en-Provence die Geneviève, die sei auch 1973 und 1976 an der Mailänder Scala vortrug, an der sie bereits 1967 in einem Konzert auftrat. 1966 wurde sie dann auch Mitglied der Covent Garden Oper London; im gleichen Jahr sang sie beim Wexford Festival in Irland und bei den Festspielen von Verona. Weitere Gastspiele führten sie 1969 an das Teatro Fenice Venedig (Dido in »Dido and Aeneas« von Purcell), an das Teatro Massimo Palermo (1970 in »Il Governatore« von Nicolo Lagrascino), nach Israel, an die Chicago Lyric Opera (1974) und an die Oper von Monte Carlo (1976 als Geneviève). Seit 1968 gehörte sie zum Ensemble der Salzburger Osterfestspiele. Seit 1970 wirkte sie bei den Festspielen von Bayreuth als bedeutende Wagner-Interpretin mit. Hier sang sie 1970-75 die Fricka in der »Walküre« sowie die 2. Norn und die Waltraute in der »Götterdämmerung«, 1971-75 auch die Fricka im »Rheingold«, 1972-75 zusätzlich auch die Siegrune in der »Walküre« und 1973-75 die Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1968 erfolgte ihr Debüt an der Metropolitan Oper New York als Flosshilde im »Rheingold«. Bis 1975 trat sie auch dort mit großen Erfolgen in insgesamt 11 Vorstellungen als Fricka im Ring-Zyklus sowie als 2. Norn und als Waltraute in der »Götterdämmerung« auf. 1970 gastierte sie an der Oper von Rom als Elisabetta in Donizettis »Maria Stuarda«. An der Covent Garden Oper London sang sie 1978 die Andromache in »King Priam« von M. Tippett. Sie sang weiter die Titelrolle in Rossinis »Tancredi« und die Charlotte im »Werther« von Massenet. Als Konzertsängerin feierte man sie in Berlin mit den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado, in London mit den Londoner Philharmonikern unter Haitink, 1970 in Chicago bei Konzerten des Chicago Symphony Orchestra unter Giulini, weiter in Düsseldorf, Palermo, Lissabon, Montreal und bei den Festspielen von Edinburgh. 1970 trug sie bei den Wiener Festwochen das Alt-Solo in der 9. Sinfonie von Beethoven unter Herbert von Karajan vor. Sie betätigte sich später als Pädagogin. Sie starb 2014 in Peesten (Markt Kasendorf, Bayern). Sie war verheiratet mit dem amerikanischen Heldentenor Jean Cox (1922-2012).

Schallplatten auf DGG (»Götterdämmerung«, »L‘Orfeo« von Monteverdi), HMV (9. Sinfonie von Beethoven), Philips (9. Sinfonie von Beethoven, »Die Meistersinger von Nürnberg«), Cetra (»Il Pastor fido« von Händel), Decca (»Eugen Onegin« von Tschaikowsky, »Dido and Aeneas« von Purcell, »Luisa Miller« von Verdi), Mercury-Turnabout (»The old Maid and the Thief« von Menotti), RCA (Flora in »La Traviata«, »L’ajo nell‘ imbarazzo« von Donizetti) und auf Nimbus Records (»Das klagende Lied« von G. Mahler); auf EJS in einer Aufnahme der vollständigen Oper »Otello« von Rossini anzutreffen.

 4.10. Ilga TIKNUSE: 85. Geburtstag

 Gesangstudium in den Jahren 1949-53 an der J. Medins-Musikschule in Riga und an einem Musikinstitut in Moskau (1953-58). Sie begann dann eine erfolgreiche Konzertkarriere in ihrer lettischen Heimat und wurde Solistin der Rigaer Philharmonie. Zugleich widmete sie sich seit 1960 der pädagogischen Tätigkeit am Konservatorium von Riga. Zahlreiche Konzertreisen innerhalb der Sowjetunion und in die DDR. Neben Liedern sang sie die großen Solopartien in Oratorien wie im Verdi-Requiem und in der Matthäuspassion von J.S. Bach, dazu lettische und russische Vokalwerke. Sie starb am 5. April 2015.

Schallplatten der staatlichen sowjetrussischen Produktion, darunter eine Aufnahme der 3. Sinfonie von Gustav Mahler unter Kondraschin, die auf Ariola-Eurodisc übernommen wurde. Hier wird ihr Name fälschlich als Ilga Tiknuss angegeben.

4.10. Willi BIRRENKOVEN: 150. Geburtstag

Willi BIRRENKOVEN als Tannhäuser
Als Tannhäuser

 1884-88 Studium am Konservatorium von Köln. Er debütierte 1888 am Opernhaus Düsseldorf. Weitere Engagements: 1890-93 am Opernhaus von Köln, 1893-1912 am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg. Hier sang er u.a. in den Uraufführungen der Opern »Die Brautwahl« von F. Busoni (1902) und »Sternengebot« von Siegfried Wagner (1908). Er wurde namentlich als Wagner-Interpret bekannt; bei den Bayreuther Festspielen von 1894 sang er den Lohengrin und den Parsifal. Gastspiele in London, an der Wiener Hofoper (1904 als Canio im »Bajazzo«), in Amsterdam und an den großen deutschen Bühnen, darunter an der Berliner Hofoper, an der Hofoper von München, an den Hoftheatern von Karlsruhe und Hannover, an den Opernhäusern von Köln und Frankfurt a.M. und am Stadttheater von Bremen. Große Erfolge hatte er auch bei einer Nordamerika-Tournee. Seine wichtigsten Bühnenpartien waren der Florestan im »Fidelio«, der Max im »Freischütz«, der Siegmund wie der Siegfried im Nibelungenring, der Tannhäuser, der Tristan, der Pedro in »Tiefland« von E. d’Albert, der Otello von Verdi, der Siegnot in »Die Rose vom Liebesgarten« von Hans Pfitzner und der Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns. Bedeutender Konzert- und Liedersänger. 1912-13 leitete er als Direktor das Theater von Bochum. Dann ging er wieder nach Hamburg zurück, von wo aus er noch bis etwa 1916 gastierte und in Operetten auftrat. Er starb 1955 in Hanstedt bei Hamburg. Seit 1892 war er mit der Sopranistin Anna Slach verheiratet, die bereits am 20.4.1903 in Hamburg starb. Sie war zuvor in Düsseldorf, dann in Köln und, zusammen mit ihrem Gatten, bei der bereits erwähnten Nordamerika-Tournee und an der Metropolitan Oper New York aufgetreten. Auch sein Bruder Fritz Birrenkoven (1876-1939) war ein bekannter Opern-Tenor. (Ein dritter Bruder, Franz Birrenkoven, war ebenfalls Tenor und hat viele Schallplatten besungen, die während seiner Tätigkeit in Frankfurt a.M. 1903 auf G&T und 1906 auf Zonophon aufgenommen wurden. Er debütierte 1901 am Stadttheater von Danzig, sang als lyrischer Tenor 1902-04 am Opernhaus von Frankfurt a.M., dann 1904-07 am Stadttheater von Augsburg, 1907-12 am Stadttheater von Aachen und 1912-13 am Stadttheater von Bochum und gastierte 1906 an der Oper von Hamburg als Lyonel in »Martha«.)

Von Willi Birrenkoven existieren einige seltene Schallplattenaufnahmen auf G & T (Hamburg, 1904-08) und Pathé (Berlin 1908).

 4.10. Heinrich GÄRTNER: 150. Geburtstag

 Er besuchte die Königliche Musikschule München und war dort Schüler von Heinrich Richter. Er begann zunächst eine Karriere als Schauspieler, die ihn nacheinander an das Stadttheater von Halle (Saale), an das Victoriatheater Berlin, an die Hoftheater von Sigmaringen, Meiningen und Coburg (1882) führte. 1884-92 war er am Hoftheater von Kassel, 1892-94 am Hoftheater von Hannover engagiert. 1894 kam er an das Deutsche Theater Prag. War er bisher als Schauspieler, zumal als Darsteller von Väterrollen, aufgetreten, so veranlasste der berühmte Impresario Angelo Neumann, damals Direktor des Deutschen Theaters Prag, den Künstler, sich der Oper zuzuwenden. So sang er denn seit 1897 in Prag und 1902-03 in einem weiteren Engagement am Hoftheater von Dresden, schließlich 1903-13 am Opernhaus von Düsseldorf Partien wie den Landgrafen im »Tannhäuser«, den König Heinrich im »Lohengrin«, den Daland in »Der fliegende Holländer«, den Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Hagen in der »Götterdämmerung«, den Kardinal in Halévys »La Juive« und den Sarastro in der »Zauberflöte«. Am Deutschen Theater Prag wirkte er am 3.3.1901 in der Uraufführung der Oper »Der polnische Jude« von K. Weis in der Titelrolle mit. Später wirkte er an den Theatern von Düsseldorf (bis 1917 als Schauspieler, seit 1908 auch als Regisseur), dann in Duisburg wieder als Schauspieler. Er starb 1929 in Düsseldorf.

 4.10. Charles LENEPVEU: 175. Geburtstag

Er studierte am Pariser Konservatorium bei Ambroise Thomas und gewann 1865 einen Prix de Rome. Während seines Romaufenthaltes entstand die Oper Le Florentin, die 1868 einen Opernwettbewerb der Opéra comique erhielt und 1874 in Paris uraufgeführt wurde. Eine weitere Oper, Valléda, wurde 1882 in London aufgeführt. 1878 war Lenepveu Juror des Prix Cressent. Seit 1880 unterrichtete er Harmonielehre und Komposition am Conservatoire de Paris; 1894 folgte er Ernest Guiraud als Professor für Komposition nach. Zu seinen Schülern zählten u.a. Paul Bazelaire, André Caplet, Paul Pierné, Philippe Gaubert, André Gailhard und Jules Mazellier. 1896 wurde er Nachfolger seines Lehrers Ambroise Thomas bei der Académie des Beaux Arts. Neben fünf musikdramatischen Werken komponierte Lenepveu zwei Requiems, mehrere Chorwerke und einige Stücke für Klavier und Orchester. Er starb 1910 in Paris.

5.10. Jürgen JÜRGENS: 90. Geburtstag

Er erhielt seine musikalische Ausbildung in seiner Heimatstadt bei Kurt Thomas am Musischen Gymnasium und studierte später bei Konrad Lechner in Freiburg. 1961 wurde Jürgens per Lehrauftrag zum Leiter der „Akademischen Musikpflege“ und am 15. Februar 1966 zum Universitätsmusikdirektor an der Universität Hamburg ernannt. 1973 folgte die Ernennung zum Universitäts-Professor. 1955 gründete er den Monteverdi-Chor Hamburg, den er bis zu seinem Tod leitete und der sich besonders der Pflege Alter Musik und des Werks von Claudio Monteverdi widmet. Zusammen mit dem Chor nahm er zahlreiche Schallplatteneinspielungen auf, von denen viele mit Schallplattenpreisen bedacht wurden. Berühmt machte ihn die Einspielung der Vespro della Beata Vergine (Marienvesper) von Claudio Monteverdi mit dem Monteverdi-Chor Hamburg und dem Concentus Musicus Wien in einer von ihm für die Aufnahme erstellten Ausgabe. Jürgens war auch Herausgeber von zahlreichen Noteneditionen, gab Dirigier-Meisterkurse und war Juror in diversen Chorwettbewerben. 1985 wurde er vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg mit der Biermann-Ratjen-Medaille für seine künstlerischen Verdienste um die Stadt Hamburg geehrt, 1991 mit der Johannes-Brahms-Medaille. Er starb 1994 in Hamburg. Beigesetzt wurde er auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf in Hamburg.

5.10. Sidney HARTH: 90. Geburtstag

 Biographie des amerikanischen Geigers und Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Sidney_Harth

 6.10. Dennis WICKS: 90. Geburtstag

 Er wurde zuerst Tischler, ließ dann aber seine Stimme bei Janni Strasser und David Franklin ausbilden. Er begann seine Karriere bei den Festspielen von Glyndebourne des Jahres 1961, wo er als Debütrolle den Antonio in »Le nozze di Figaro« und dann bis 1975 zahlreiche Partien sang. In den folgenden Jahren durchlief er eine bedeutende Karriere an den großen Opernhäusern Englands. So sang er regelmäßig an der Londoner Covent Garden Oper, bei der English National Opera London, bei der Welsh Opera Cardiff und bei der Scottish Opera Glasgow (1950 als Antonio, 1951 als Alcalde in »La forza del destino« und 1953 als Wärter des Irrenhauses in »The Rake’s Progress« von Strawinsky). Er gastierte in Nordamerika an der Oper von Chicago und wirkte 1963 am Londoner St. Pancras Theatre in der Premiere von Rossinis »La Pietra del paragone« mit. An der English National Opera trat er 1974 in der englischen Bühnen-Erstaufführung von H.W. Henzes Oper »Die Bassariden« auf, 1977 in der von »The Royal Hunt of the Sun« von Iain Hamilton. An der Opera North Leeds sang er 1983 in »Katja Kabanowa« von Janácek, 1990 gastierte er an der Welsh Opera im »Rosenkavalier« von R. Strauss. Er sang auf der Bühne die Standardpartien für Bass in Opern von Mozart, Beethoven, Verdi, Smetana, Wagner, R. Strauss wie auch in Werken zeitgenössischer Komponisten. Bedeutende Erfolge dazu im Konzertsaal. 1986 wurde er zum künstlerischen Direktor der New Sussex Opera ernannt. Er starb 2003 in Brighton.

Schallplatten: zumeist kleinere Partien in Opern auf Philips und CBS (»Il Tabarro« von Puccini). Auf HRE wirkt er in einer vollständigen Aufnahme von Mozarts »Idomeneo« mit.

6.10. Delia RIGAL: 95. Geburtstag

Delia_RIGAL

 Ihr eigentlicher Name war Delia Dominga Mastrarrigo; sie begann ihre Ausbildung mit 14 Jahren bei der Pädagogin Rosalina Crocco und setzte sie in Buenos Aires bei Jean Dumas und seit 1940 in der Escuela de Canto del Teatro Colón fort. Sie sang bereits 1942 am Teatro Colón Buenos Aires die Amelia in der Verdi-Oper »Simon Boccanegra«, 1943 hörte man sie dort als Traviata, 1945 als Titelheldin in »Armide« von Gluck mit Raoul Jobin als Partner. In der Saison 1947-48 war sie an der Mailänder Scala als Violetta in Verdis »La Traviata« sehr erfolgreich und in den folgenden Spielzeiten bis 1950 in weiteren Partien, u.a. als Leonore im »Fidelio«, als Lodoiska in der gleichnamigen Oper von Cherubini und 1949 in der Uraufführung der Oper »Regina Uliva« von G.C. Sanzogno. 1949 gastierte sie an der Grand Opéra Paris als Desdemona in Verdis »Otello«, an der dortigen Opéra-Comique als Traviata. 1950 folgte sie einem Ruf an die Metropolitan Oper New York, wo sie als Antrittsrolle die Elisabetta in Verdis »Don Carlos« sang. Sie trat dort bis 1957 in insgesamt 108 Vorstellungen auch als Traviata, als Leonore im »Troubadour«, als Nedda im »Bajazzo«, als Marguerite im »Faust« von Gounod, als Aida, als Desdemona, als Gräfin in »Le nozze di Figaro«, als Donna Elvira im »Don Giovanni« und als Tosca auf. Dann sang sie wieder mehr in Südamerika. Ihre Auftritte wurden jedoch zunehmend seltener; einer ihrer letzten Auftritte war 1955 am Teatro Colón als Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano. In den sechziger Jahren war ihre Karriere wohl beendet. 1966 trat sie noch einmal in der großen Abschiedsgala der alten MET auf. Auf der Bühne sang sie neben den bereits genannten Partien auch die Fiora in »L’Amore dei tre Re« von Montemezzi, die Thaïs von Massenet, die Leonore in »La forza del destino« von Verdi, die Amelia im »Maskenball« und die Titelrolle in »Manon Lescaut« von Puccini. Auch als Konzertsängerin kam sie zu großen Erfolgen. Sie starb 2013 auf Long Island (NY).

Schallplatten: Argentinische Odeon-Aufnahmen, HRE-Peoria Record Club (»Don Carlos« von Verdi, Mitschnitt einer Aufführung der Metropolitan Oper mit Jussi Björling und Cesare Siepi).

 7.10. Bryan DRAKE: 90. Geburtstag

 Seine Stimme wurde zuerst durch seinen Vater Ernest Drake in seiner neuseeländischen Heimat, dann durch Dawson Freer in London ausgebildet. Debüt 1948 in Neuseeland als Escamillo in »Carmen«. Er kam dann jedoch nach England, wo er den Höhepunkt seiner Karriere erreichte und namentlich im Kreis um den Komponisten Benjamin Britten tätig war. Er wirkte in mehreren Uraufführungen von dessen Opern mit: am 1.12.1951 an der Londoner Covent Garden Oper in »Billy Budd«, am 13.6.1964 beim Festival von Aldeburgh (in der Kirche von Orford) in »Curlew River«, am 9.6.1966 beim gleichen Fest in »Burning Fiery Furnace« und am 10.6.1968, wiederum in der Kirche von Orford im Rahmen des Aldeburgh Festivals in »The Prodigal Son«. Beim Aldeburgh Festival von 1972 wirkte er in der Uraufführung der Oper »The Visitors« von John Gardner (als Joe Buston) sowie 1974 in der Uraufführung von »The Voice of Ariadne« von Thea Musgrave mit. Dazu trat er regelmäßig an den großen englischen Opernbühnen auf: an der Covent Garden Oper London wie bei der English National Opera und bei den Edinburgher Festspielen (1951 als Graf Ceprano im »Rigoletto«, 1952 als Donald in B. Brittens »Billy Budd« und als Pilgrim in »The Pilgrim’s Progress« von R. Vaughan Williams jeweils in Gastspielen der Covemt Garden Oper; 1963 als Lockit in »The Beggar’s Opera« und 1965 als Mr. Gedge in B. Brittens »Albert Herring« bei Gastspielen der English Opera Group). An der Welsh Opera Cardiff hörte man ihn 1956-72 u.a. als Schaunard in »La Bohème«, als Sharpless in »Madame Butterfly«, als Ferrando im »Troubadour«, als Germont sr. in »La Traviata«, als Pagano in »I Lombardi« von Verdi, als Monterone im »Rigoletto«, als Nabucco wie als Zaccaria in Verdis »Nabucco«, als Gessler in »Wilhelm Tell« von Rossini, als Macbeth von Verdi und als Mr. Flint in »Billy Budd« von B. Britten. 1966 sang er am Londoner Camden Theatre in der englischen Premiere von Verdis »Il Corsaro«. An der Opera Scotland Glasgow hörte man ihn 1958 als Escamillo in »Carmen« und als Sharpless. Auch große Karriere als Konzertsänger. Er wirkte 1971-81 als Pädagoge an der Guildhall School of Music in London, 1981-85 Direktor der Opernabteilung des Royal College of Music London. Er starb 2001 in Aldeburgh.

Schallplatten: Decca (»Billy Budd«, »Curlew River«, »The Burning Fiery Furnace«, »The Prodigal Son«, »The Rape of Lucretia«, alle von B. Britten); auch Aufnahmen der Marke London..

7.10. Emma KIRCH-MOERDES: 150. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung hauptsächlich durch Frau Anna Deinet-Possart in München und war dann in Paris Schülerin von Pauline Viardot-Garcia. 1884 debütierte sie in München als Ännchen im »Freischütz« und wurde noch im gleichen Jahr an das Stadttheater von Augsburg engagiert. Sie sang dann an der Stuttgarter Hofoper und gastierte 1887-88 an der Hofoper von St. Petersburg. 1888-91 war sie Mitglied des Hoftheaters von Hannover. Sie gab Gastspiele an der Berliner Hofoper, an den Hoftheatern von Gotha und Kassel, an den Stadttheatern von Straßburg und Mainz sowie am Deutschen Theater Prag, wo sie 1896 als letzte Rolle die Rosalinde in der »Fledermaus« sang. Sie unternahm zusammen mit ihrem Gatten, dem Schauspieler Richard Kirch (1867-1912), eine Nordamerika-Tournee. Aus ihrem Bühnenrepertoire seien die Carmen, die Zerline im »Don Giovanni«, die Pamina in der »Zauberflöte« und der Cherubino in »Figaros Hochzeit« hervorgehoben. Sie starb 1898 in Wien.

 8.10. Irene DALIS: 90. Geburtstag

Irene DALIS
Als Lady Macbeth

 Ausbildung in New York bei Edyth Walker und bei Paul Althouse, abschließende Studien in Mailand bei Otto Mueller, später in Berlin bei Margarete Klose. Sie debütierte 1953 am Landestheater von Oldenburg als Prinzessin Eboli in Verdis »Don Carlos«. 1955-60 erste Altistin an der Städtischen Oper Berlin (Antrittsrolle: Eboli). 1957 wurde sie an die Metropolitan Oper New York berufen, wo sie wieder als Eboli debütierte und seitdem große Erfolge hatte. Sie hat an der Metropolitan Oper bis 1976 in 19 Spielzeiten 22 verschiedene Partien in insgesamt 274 Vorstellungen gesungen: die Azucena im »Troubadour«, die Amneris in »Aida«, die Brangäne in »Tristan und Isolde«, die Fricka im Ring-Zyklus, die Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«, die Venus im »Tannhäuser«, die Kundry im »Parsifal«, die Ortrud im »Lohengrin«, die Waltraute und die 2. Norn in der »Götterdämmerung«, die Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Principessa di Bouillon in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, die Herodias in »Salome« von R. Strauss, die Amme in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss, die Ulrica in Verdis »Un ballo in maschera«, die Frugola in Puccinis »Il tabarro«, die Principessa in »Suor Angelica« und die Zita in »Gianni Schicchi«. Seit 1958 regelmäßig zu Gast an der Londoner Covent Garden Oper (Antrittsrolle: Ortrud). Im Herbst 1958 feierte man sie an der Oper von Chicago. An der Oper von San Francisco sang sie 1958-73 die Eboli, die Klytämnestra, die Azucena, die Amneris, die Amme in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss (1959), die Ortrud, die Cleo Lafont in der Uraufführung der Oper »Blood Moon« von Norman Dello Joio (18.9.1961), die Marina im »Boris Godunow«, die Santuzza, die Kundry, die Fricka in der »Walküre«, die Isolde in »Tristan und Isolde«, die Küsterin in Janáceks »Jenufa« und die Ulrica. Bei den Bayreuther Festspielen 1961-1963 sang sie die Kundry, 1962 auch die Ortrud. 1967-71 war sie an der Hamburger Staatsoper engagiert. In ihrer amerikanischen Heimat sang sie auch an den Opernhäusern von Miami, Philadelphia´und Seattle, in Europa am Teatro Liceu Barcelona und am Teatro San Carlo Neapel. 1966 Gastspiel mit dem Ensemble der Hamburger Staatsoper in London, wo sie u.a. 1966 an der Sadler’s Wells Oper in der englischen Premiere der »Frau ohne Schatten« wieder in der Rolle der Amme auftrat. Neben den erwähnten Partien sang sie auch die Klytämnestra in Glucks »Iphigénie en Aulide«. Auch als Konzert-Altistin war sie sehr erfolgreich tätig. Nach ihrem Rücktritt von der Bühne richtete sie in San José in Kalifornien ein Opernstudio ein, seit 1984 leitete sie die San José Opera. Unter ihrer künstlerischen Leitung brachte die San José Opera jährlich vier Opernproduktionen heraus und legte großen Wert auf Kinder- und Schulvorstellungen. Sie wurde 1986 zum Ehrenbürger der Stadt San José, 1987 zum Ehrendoktor der Santa Clara University ernannt. Sie starb 2014 in Saratoga (Kalifornien).

Von ihrer Stimme sind Telefunken-Schallplatten vorhanden. Sie sang auf Philips die Kundry im »Parsifal« in einer Aufnahme aus Bayreuth.

 8.10. Dorothy DOW: 95. Geburtstag

Dorothy_DOW

 Sie erhielt ihre Ausbildung zum größten Teil an der Juilliard Music School in New York. Noch während ihres Studiums sang sie als Solistin in Kirchenchören (1938-42) und dirigierte den Episcopal Junior Choir, seit 1942 den Methodist und 1943-44 den Presbyterian Choir in New York. Nachdem sie bereits im Konzertsaal und 1946 in Buffalo als Santuzza in »Cavalleria rusticana« aufgetreten war, sang sie am 7.5.1947 am Theater der Columbia University New York in der Uraufführung der Oper »The Mother of Us All« von Virgil Thomson die Partie der Susan B. Anthony. 1948-50 gehörte sie zum Ensemble des Stadttheaters von Zürich. In der Spielzeit 1950-51 gastierte sie am Opernhaus von Zürich als Leonore im »Fidelio«, als 1. Dame in der »Zauberflöte« und als Elena in Verdis »I Vespri Siciliani«, in der folgenden Spielzeit 1951-52 als Kundry im »Parsifal« und wieder als 1. Dame. 1951 sang sie als Antrittsrolle an der Mailänder Scala die Venus im »Tannhäuser«. 1952 trat sie dort als Marie in A. Bergs »Wozzeck« auf. 1952 sang sie an der Scala auch die Titelrolle in der italienischen Erstaufführung der Richard Strauss-Oper »Die Liebe der Danaë«, 1953 die Titelpartie in »La Gioconda« von Ponchielli, 1954 die Judith in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók und die Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss, 1956 nahm sie dort an der italienischen Erstaufführung der Oper »Troilus and Cressida« von W. Walton in der Partie der Cressida teil. Sie trug den dramatischen Monolog »Erwartung« von A. Schönberg 1951 in der amerikanischen Erstaufführung am Opernhaus von Washington (und danach auch in New York) vor. 1952 wirkte sie in der New Yorker Carnegie Hall in der konzertanten amerikanischen Erstaufführung der Oper »Christophe Colombe« von Darius Milhaud mit. 1951 hatte sie bei den Festspielen von Glyndebourne große Erfolge als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«, 1953 als Ariadne in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1953 sang sie in Genua in der italienischen Erstaufführung der Richard Strauss-Oper »Capriccio« die Partie der Gräfin. Dann gastierte sie an der Londoner Covent Garden Oper und an den führenden italienischen Operntheatern. Am 14.9.1955 sang sie in Venedig in der Bühnen-Uraufführung von Prokofieffs »The Fiery Angel« die Partie der Renata, 1953 beim Maggio Musicale von Florenz in Spontinis »Agnese di Hohenstaufen« die Irmengarda. Man schätzte sie vor allem als Interpretin von dramatischen Sopranpartien; dazu übernahm sie auch gern Rollen in modernen Opern. In ihrer amerikanischen Heimat gab sie Gastspiele an der Oper von Dallas. Weitere Gastspiele am Teatro Comunale Bologna (1953 als Donna Elvira im »Don Giovanni«), am Teatro Fenice Venedig (1954), am Teatro Regio Turin (1955) und am Teatro Colón Buenos Aires (1954). Sie starb 2005 in Galveston (Texas).

Schallplatten: Kommerzielle Schallplatten der Sängerin waren zunächst nicht vorhanden; auf Allegro Royale erschien jedoch ein Querschnitt durch Verdis »Macbeth«, bei dem es sich zweifelsfrei um eine Bandaufnahme aus Glyndebourne von 1951 handelt. Da diese Aufnahme, bei der neben Dorothy Dow Marko Rothmüller und James Johnston singen, nicht autorisiert war, sind die Sänger auf dem Etikett mit fingierten Namen bezeichnet. Später kam auf Cetra eine vollständige Aufnahme der oben erwähnten Oper »Agnese di Hohenstaufen« heraus, in der sie die Partie der Irmengarda singt, auf Philips der Monolog »Erwartung« von Schönberg, auf Koch Records Werke von Webern.

8.10. Waldemar THRANE: 225. Geburtstag

Er studierte 1814-15 in Paris und war der bedeutendste norwegische Musiker seiner Zeit und ein Pionier des norwegischen Musiklebens. Seine Musik verrät Einflüsse der Wiener Klassik und Carl Maria von Webers. Er ist vor allem wegen seines Singspiels Fjeldeventyret (Das Abenteuer am Berg) von 1824 bekannt, in welchem Thrane Anspielungen auf norwegische Volksmusik einfügt. Er starb 1828 in Christiania (Oslo). Sein Neffe, Marcus Thrane, war ein früher norwegischer Sozialist.

9.10. Ruthild ENGERT: 75. Geburtstag

Ruthild_ENGERT

 Sie war zuerst als Kindergärtnerin tätig, wurde dann Kunsthändlerin und ließ gleichzeitig ihre Stimme an der Frankfurter Musikhochschule bei H. Champain und G. Aulmann ausbilden; Weiterbildung bei Josef Metternich in Köln. 1969-72 war sie am Stadttheater von Koblenz engagiert, 1972-77 am Stadttheater von Freiburg i. Br., 1977-79 am Staatstheater Hannover. Seit 1979 Mitglied der Deutschen Oper Berlin. Ein Gastspiel am Staatstheater von Oldenburg als Kundry im »Parsifal« erregte erstes Aufsehen. 1980 gastierte sie an der Staatsoper von Hamburg. Sie trat als Gast am Teatro Regio Turin (1987 Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss), am Teatro Fenice Venedig (1988 Komponist in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss), in Genua (1988), am Teatro Real Madrid, am Teatro San Carlos Lissabon und an der Staatsoper von Dresden auf. 1990 Gastspiel an der Mailänder Scala als Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg«, in Charleston wie an der Oper von Antwerpen als Kundry, an der Deutschen Oper Berlin als Ortrud im »Lohengrin«. 1991 gastierte sie als Kundry an der Wiener Staatsoper. 1992 hörte man sie am Teatro Bellini Catania als Octavian im »Rosenkavalier«. Bei den Bayreuther Festspielen sang sie 1982-85 einen der Knappen und 1984-85 auch das Altsolo im »Parsifal«, 1983 die Grimgerde sowie 1985-86 die Schwertleite in der »Walküre« und 1989 die Venus im »Tannhäuser«. In der Eröffnungsvorstellung des Opernhauses von Chemnitz am 19.12.1992 trat sie als Kundry auf; am Opernhaus von Gent 1994 als Ortrud zu Gast, am Teatro Bellini Catania 1994 als Venus, in Montpellier 1995, in Antwerpen und in Gent 1996 wieder als Kundry, am Muziektheater Amsterdam 1995 als Magdalene, an der Oper von Antwerpen 1996 auch als Principessa in »Suor Angelica« und als Zita in »Gianni Schicchi« von Puccini. Sie trat 1995 an der Oper von Nizza, 1997 an der Washington Opera, 1998 am Teatro Bellini Catania und 1999 an der Hawaii Opera Honolulu als Klytämnestra auf, 1997 in Genua als Türkenbaba in »The Rake’s Progress« von Strawinsky. 1999 trat sie am Theater im Revier Gelsenkirchen als Herodias in »Salome« von R. Strauss auf. Aus ihrem Bühnenrepertoire sind weiter der Cherubino in »Figaros Hochzeit«, die Dorabella in »Così fan tutte«, die Fenena in Verdis »Nabucco«, die Preziosilla in dessen »La Forza del destino«, die Eboli im »Don Carlos«, die Meg Page im »Falstaff«, die Fatime im »Oberon« von Weber, die Fricka in der »Walküre«, die Brangäne in »Tristan und Isolde«, die Waltraute in der »Götterdämmerung«, der Hänsel in »Hänsel und Gretel«, der Nicklaus in »Hoffmanns Erzählungen« und die Charlotte in der zeitgenössischen Oper »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann zu nennen. Auch als Konzert- und Liedersängerin kam sie zu einer großen Karriere. Seit ihrer Heirat mit dem Musikwissenschaftler Norbert Ely trat sie auch unter dem Namen Ruthild Engert-Ely auf. Sie starb 2013 in Berlin.

Schallplatten: Acanta (Elsbeth in »Feuersnot« von R. Strauss), Philips (»Parsifal«, Bayreuth 1985; »Tannhäuser«, auch als Video), DGG (»Die Walküre« als Schwertleite, Bayreuth 1987, Filipjewna im »Eugen Onegin«, »L’Ange de feu« von Prokofieff), RCA (Trauerkantate von Cherubini).

 9.10. Jānis MEDINS: 125. Geburtstag

Er war 1904-13 Orchestermusiker in Riga und studierte daneben bis 1908 am dortigen Musikinstitut. Bis 1920 war er Militärkapellmeister und bis 1944 Dirigent an der Oper von Riga. Danach lebte er in Stockholm, wo er 1966 starb. Mit vier Opern und einem Ballett begründete er die eigenständige lettische Tradition in diesen Genres. Daneben komponierte er drei Sinfonien, zwei Orchestersuiten, zwei sinfonische Dichtungen, zwei Cellokonzerte, ein Klavierkonzert, kammermusikalische Werke und eine Chorkantate. Seine beiden älteren Brüder Jāzeps Mediņš (1877–1947) und Jēkabs Mediņš (1885–1971) waren ebenfalls bekannte lettische Komponisten.

10.10. Ursula MAYER-REINACH: 90. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung zur Sängerin in Hamburg und Kopenhagen. Sie trat zu Beginn ihrer Karriere hauptsächlich als Oratorien- und Konzertsängerin auf. 1961 sang sie bei einer Operntournee die Mrs. Herring in »Albert Herring« von B. Britten. Sie wandte sich in der Folge der Interpretation zeitgenössischer Musik zu und trug Kompositionen, die eigens für sie geschrieben worden waren, vor. 1973 sang sie beim Festival für zeitgenössische Musik in Reykjavik, 1975 und 1978 beim Menuhin-Festival in Gstaad, 1976 bei den Festwochen von Luzern und Athen, 1979 bei einer internationalen Orgel- und Vokalmusikwoche in Sinzig/Rhein. Bekannt als Solistin in Oratorien und durch ihre Liederabende, durch ihr Mitwirken in Rundfunk- und Fernsehsendungen. 1973 Auftritt in den Salzburger Mozarteum-Konzerten, 1977 Tournee durch die USA. Der Komponist Frank Martin wählte sie als Solistin für die Schallplattenaufnahme seines Werks »Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke« auf Disco-Jecklin aus. Seit 1967 verheiratet mit dem Musikwissenschaftler Peter Gradenwitz (1910-2001) mit Wohnsitz in Tel Aviv, wo sie auch als Pädagogin wirkte. Sie starb im Jahr 1997.

Weitere Schallplatten auf Musical Heritage New York, auf Orion-California und auf Gallo/Disco Center (»Ein Liederabend am Mittelmeer«).

10.10. Marise BEAUJON: 125. Geburtstag

Marise_BEAUJON

 Sie wurde bei einem Amateur-Gesangwettbewerb durch den Direktor der Oper von Lyon Gaston Beyle entdeckt und debütierte an diesem Haus 1919 als Micaela in »Carmen«. Zehn Jahre lang sang sie an französischen Provinzbühnen, bevor sie 1921 an die Grand Opéra von Paris berufen wurde (Antrittsrolle: Mathilde in »Wilhelm Tell« von Rossini). Bis 1930 blieb sie ein gefeiertes Mitglied der Grand Opéra, wo sie 1928 die Titelrolle in der Erstaufführung von Puccinis »Turandot« sang. 1926 gastierte sie in Madrid, Barcelona und Monte Carlo, 1928 in Brüssel, 1929 in Kairo. 1928 sang sie an der Londoner Covent Garden Oper die Marguerite im »Faust« von Gounod. 1927 war sie an der Oper von Monte Carlo als Marschallin im »Rosenkavalier«, als Rezia im »Oberon« von Weber, als Marina im »Boris Godunow« und als Thaïs von Massenet zu Gast, 1930 nochmals als Thaïs; sie gastierte auch an den Opernhäusern von Lüttich und Antwerpen. An der Grand Opéra übernahm sie Partien wie die Thaïs, die Alice Ford in Verdis »Falstaff«, die Marina, die Brunehild wie die Hilda in »Sigurd« von Reyer, die Salomé in Massenets »Hérodiade« und die Marguerite in Gounods »Faust«. 1930 wechselte sie an die Pariser Opéra-Comique (Antrittsrolle: Tosca), 1932 trat sie am Théâtre Mogador in Paris in der Offenbach-Operette »Orphée aux enfers« auf. doch musste sie dann bald aus gesundheitlichen Gründen ihre Bühnenkarriere aufgeben, nachdem sie nochmals an der Opéra-Comique in der Titelrolle von Charpentiers »Louise« einen ihrer großen Erfolg erzielt hatte. Sie starb 1973 in Illiers-Cambray. – Üppige, dabei ausdrucksreiche lyrisch-dramatische Sopranstimme.

Schallplatten: Akustische Aufnahmen auf HMV, elektrische auf Columbia.

 10.10. Gemma BOSINI: 125. Geburtstag

Gemma BOSINI

 Sie studierte in Mailand bei Salvatore Pessina und debütierte 1913 am Teatro Politeama von Genua als Mimi in Puccinis »La Bohème«. Zwanzig Jahre hindurch trat sie an den größeren italienischen Opernhäusern in Erscheinung, u.a. am Teatro Lirico Mailand, am Teatro Petruzzelli Bari, am Teatro della Pergola Florenz, vor allem aber am Teatro Massimo von Palermo. Dort hatte sie 1915 als Antonia in »Hoffmanns Erzählungen« große Erfolge. Hier lernte sie auch den berühmten Bariton Mariano Stabile (1888-1968) kennen, den sie heiratete. 1918 sang sie als Gast am Teatro Liceu Barcelona die Donna Elvira im »Don Giovanni«, während einer Saison war sie an der Oper von Kairo engagiert. Sie gastierte am Teatro San Carlo Neapel (u.a. als Manon Lescaut von Puccini und als Micaela in »Carmen«), am Teatro Verdi Triest und am Teatro Colón Buenos Aires (als Alice Ford in Verdis »Falstaff«, ihre Hauptrolle, die sie im Ablauf ihrer Karriere über 400mal sang). 1930 erschien sie wohl letztmals in Palermo als Alice Ford auf der Bühne. Sie widmete sich dann der Karriere ihres berühmten Gatten, mit dem sie sich in Nordamerika, später wieder in Italien aufhielt. Ihre großen Bühnenpartien waren noch die Desdemona in Verdis »Otello«, die Tosca, die Maria in »Guglielmo Ratcliff« von Mascagni, die Iris in der gleichnamigen Oper von Mascagni, die Fedora von Giordano (eine weitere Glanzrolle der Sängerin), die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Elsa im »Lohengrin« und die Margherita in »Mefistofele« von Boito. Ihren Lebensabend brachte sie in der Casa di riposo Verdi in Mailand zu, wo sie 1982 starb. – Ein Bruder der Künstlerin war ein bekannter Organist, der später am Mailänder Dom tätig war.

Schallplatten: Auf HMV sang sie die Marguerite wie die Mimi in vollständigen Aufnahmen der Opern »Faust« von Gounod und »La Bohème« von Puccini. Hier erschien auch ein Duett der Künstlerin mit Benjamino Gigli aus »Mefistofele« von Boito, schließlich auch Aufnahmen aus den Operetten »Die Geisha« von S. Jones und »Die lustige Witwe« von Lehár.

 10.10. Franziska BURRIAN-JELINEK: 150. Geburtstag

 Sie war tschechischer Abstammung und hieß mit ihrem Geburtsnamen Frantiska Jelinková. In Deutschland nannte sie sich jedoch Franziska Jelinek bzw. nach ihrer Heirat mit dem berühmten tschechischen Tenor Carl Burrian (auch Karel Burian, 1870-1924) Franziska Burrian-Jelinek. Sie erhielt ihren Gesangsunterricht in der Opernschule Lukes in Prag und debütierte dort 1885 am Tschechischen Nationaltheater als Agathe im »Freischütz«. Darauf war sie, hauptsächlich gastierend, an Opernhäusern im tschechischen und polnischen (u.a. in Lemberg) Sprachgebiet tätig, kam dann jedoch nach Deutschland und war in der Spielzeit 1888-89 am Stadttheater von Dortmund engagiert. Von hier ging sie für die folgende Spielzeit 1889-90 an das Opernhaus von Leipzig und sang dann bis 1892 am Stadttheater von Nürnberg. 1892 folgte sie einem Ruf an das Opernhaus von Köln. Dort lernte sie Carl Burrian kennen, der am gleichen Haus tätig war, und heiratete ihn 1894. In Köln wirkte sie in den Uraufführungen der Opern »A basso porto« von Nicola Spinelli (18.4.1894, damals ein großer Erfolg), »Sjula« von Karl von Kaskel (29.11.1895 in der Titelrolle) und »Elsi, die seltsame Magd« von Arnold Mendelssohn (1896 in der Titelrolle) mit; an den beiden letztgenannten Uraufführungen nahm auch Carl Burrian teil. 1896 verließ sie Köln und trat in den folgenden Jahren als Gast u.a. an den Hoftheatern von Dresden und Wiesbaden, an den Opernhäusern von Leipzig, Hamburg und Bremen und mehrfach am Deutschen Theater Prag auf. In der Spielzeit 1898-99 war sie am Berliner Theater des Westens anzutreffen, wo sie 1899 die Tatjana in der Berliner Premiere von Tschaikowskys »Eugen Onegin« sang. In den Jahren 1902-06 war sie dann nochmals, gemeinsam mit ihrem Gatten, an der Hofoper Dresden engagiert. Sie lebte später als Konzertsängerin und Pädagogin in ihrer Geburtsstadt Prag, wo sie 1937 starb. Ihre großen Bühnenpartien waren die Pamina in der »Zauberflöte«, die Undine in Lortzings Märchenoper, die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Elsa im »Lohengrin«, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Sieglinde in der »Walküre«, die Rachel in Halévys »La Juive«, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Milada in »Dalibor« vom gleichen Meister und die Margit in »Pád Arkuna« (»Der Fall Arkuns«) von Zdenek Fibich.

Seltsamerweise sind von ihrer Stimme keine Schallplattenaufnahmen vorhanden.

 11.10. Günter BENNDORF: 90. Geburtstag

 Er erlernte zuerst den Beruf eines Feinoptikers. Seine Stimme wurde während seiner Kriegsgefangenschaft entdeckt. Darauf Gesangstudium bei K. Wichmann an der Franz Liszt- Musikhochschule in Weimar. 1952 Debüt am Landestheater von Greiz als Turiddu in »Cavalleria rusticana«. Er sang dann an den Theatern von Bernburg und Rudolstadt und kam 1956 an das Stadttheater von Magdeburg, an dem er 1956-59 engagiert war. 1959-64 trat er am Staatstheater Schwerin auf. 1964-67 Mitglied der Staatsoper von Dresden, 1967-84 des Opernhauses von Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Gastspiele und Konzerte in den Musikzentren der DDR wie im Ausland. Hatte er auf der Bühne zunächst Partien aus dem lyrischen Fach gesungen, so wandelte sich seine Stimme später zum Wagner- und Heldentenor; neben Verdi- und Wagner-Partien (Erik in »Der fliegende Holländer«, Tannhäuser, Alvaro in »La forza del destino«, Gabriele Adorno in »Simon Boccanegra«) sang er den Florestan im »Fidelio«, den Max im »Freischütz«, den Klas in »Enoch Arden« von O. Gerster, den Kardinal Albrecht in »Mathis der Maler« von Hindemith, den Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und den Cavaradossi in »Tosca«. 1984 verabschiedete er sich in Chemnitz als Lukullus in »Die Verurteilung des Lukullus« von Paul Dessau von der Bühne. Er starb 1992 in Bayreuth.

Eterna-Aufnahmen (Querschnitt »Enoch Arden«).

11.10. Roberto STAGNO: 175. Geburtstag

Roberto_Stagno

 Der Künstler, der eigentlich Vincenzo Andrioli hieß und aus einer angesehenen Familie stammte, studierte in Mailand bei Giovanni Lamperti. 1862 erfolgte sein Bühnendebüt am Teatro San Carlos Lissabon in der Partie des Rodrigo in Rossinis »Otello«. Er erregte erstes Aufsehen, als er 1865 am Teatro Real in Madrid den berühmten italienischen Tenor Enrico Tamberlik in der Titelpartie der Oper »Robert le Diable« von Meyerbeer ersetzte und in dieser Rolle, die seine Glanzrolle blieb, einen sensationellen Erfolg erzielte. 1868 hatte er in Moskau am dortigen Bolschoi Theater glänzende Auftritte, vor allem als Partner der berühmten Primadonna Désirée Artôt. Besonders beliebt war der Künstler in Madrid und seit 1879 in Buenos Aires, wohin er immer wieder zurückkehrte. 1886 heiratete er in Buenos Aires die große italienische Sopranistin Gemma Bellincioni (1864-1950), mit der er jetzt oft zusammen auftrat. 1888 sang er den Titelhelden in der Erstaufführung von Verdis »Otello« am Teatro Politeama von Buenos Aires (wenige Tage vor der Premiere der gleichen Oper am Teatro Colón ebenfalls in Buenos Aires). Auch in Italien hatte das Sängerehepaar eine glänzende Karriere; Roberto Stagno sang in Rom, Neapel und 1884 am Opernhaus von Florenz. In der Eröffnungssaison der Metropolitan Oper 1883-84 war er Mitglied dieses Opernhauses, wo er als Manrico im »Troubadour« debütierte und in insgesamt 51 Vorstellungen auch den Arturo in Bellinis »I Puritani«, den Herzog im »Rigoletto«, die Titelrolle in »Robert le Diable«, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den Enzo in der amerikanischen Premiere von Ponchiellis »La Gioconda«, den Lyonel in Flotows »Martha«, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor« und den Jean in Meyerbeers »Le Prophète« sang. 1884 gab er Gastspiele am Théâtre-Italien in Paris in der letzten Saison dieses traditionsreichen Opernhauses. Zusammen mit Gemma Bellincioni wandte er sich gegen Ende seiner Karriere der Interpretation von Partien in Opern des aufkommenden italienischen Verismo zu. So sang er am 17.5.1890 am Teatro Costanzi in Rom in der Uraufführung von Mascagnis »Cavalleria rusticana« die Rolle des Turiddu, während seine Gattin die Santuzza kreierte. Im gleichen Jahr wirkte das Sängerehepaar dort auch in den Uraufführungen von Nicola Spinellis Oper »Labilia« (8.3.1890) und von Vincenzo Ferronis »Rudello« (28.5.1890) mit, 1892 am Teatro Argentina Rom in »Mala vita« von Umberto Giordano, 1895 in Triest in der Uraufführung von Antonio Smareglias »Nozze Istriane«. Roberto Stagno trat während dieser Zeit als Gast u.a. an der Wiener Hofoper (1893-94 als Turiddu, in der Titelpartie von Mascagnis »L’Amico Fritz« und als Alfredo in »La Traviata«), an den Opernhäusern von Frankfurt a.M. (1893), Zagreb (1894), Brünn (Brno, 1894) und an der Berliner Kroll-Oper (1892) auf. Das Bühnenrepertoire des Sängers war sehr umfangreich und enthielt Partien wie den Elvino in »La Sonnambula«, den Pollione in »Norma«, den Poliuto in der gleichnamigen Oper von Donizetti, den Gennaro in dessen »Lucrezia Borgia«, den Raoul in Meyerbeers »Hugenotten«, den Radames in »Aida«, den Roméo von Gounod und den Lohengrin. Er starb 1897 in Genua. – Eine Tochter des Sängerehepaars, Bianca Stagno-Bellincioni (1888-1981), die selbst auch Opernsängerin war und 1913 in Graz debütierte, beschrieb das Leben ihrer Eltern in »Roberto Stagno e Gemma Bellincioni« (Mailand, 1945); Gemma Bellincioni gab ihre Memoiren unter dem Titel »Io ed il palcoscencio« (Mailand, 1920) heraus.

 12.10. Luciano PAVAROTTI: 80. Geburtstag

Luciano_PAVAVROTTI

 Sein Vater Fernando Pavarotti (1912-2002) war Chorsänger, er selbst studierte zunächst Pädagogik an der Scuola delle Magistrale in Modena und war dann zwei Jahre als Volksschullehrer in Modena tätig. Er entschloss sich jedoch, seine Stimme ausbilden zu lassen und absolvierte ein sechsjähriges Studium bei Arrigo Pola in Modena und bei Ettore Campogalliani in Mantua. 1961 gewann er den Internationalen Gesangwettbewerb von Reggio Emilia und hatte daraufhin am dortigen Opernhaus sein Debüt als Rodolfo in »La Bohème« (1961). Nach ersten Erfolgen in Italien debütierte er, wieder als Rodolfo in »La Bohème«, 1963 an der Wiener Staatsoper, an der er bis 1996 in insgesamt 56 Vorstellungen auch den Herzog im »Rigoletto«, den Manrico im »Troubadour«, den Nemorino in »L’elisir d‘amore«, den Radames in »Aida«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Rodolfo in Verdis »Luisa Miller«, den Gustavo in Verdis »Un ballo in maschera« und die Titelrolle in »Andrea Chénier« von Giordano sang. 1963 gastierte er in Amsterdam als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«. Es schlossen sich glanzvolle Gastspiele in Hamburg und Zürich an. Den Rodolfo in »La Bohème«, eine seiner großen Glanzrollen, sang er dann auch als Antrittsrolle am Teatro San Carlo Neapel (1964). Im September 1964 ersetzte er an der Covent Garden Oper London den erkrankten Giuseppe di Stefano als Rodolfo in »La Bohème«. Im gleichen Jahr bewunderte man dort sowie bei den Festspielen von Glyndebourne seinen Idamante in Mozarts »Idomeneo«. Seitdem ständige Auftritte an diesem Opernhaus u.a. als Tonio in »La Fille du Régiment« von Donizetti, als Elvino in »La Sonnambula«, als Herzog im »Rigoletto«, als Alfredo in »La Traviata« und als Edgardo. Am Grand Théâtre Genf debütierte er 1964 als Idamante. 1964 unternahm er eine ausgedehnte Tournee durch Spanien, Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei. 1965 gastierte er erstmalig in Nordamerika, und zwar an der Oper von Miami als Partner der berühmten Primadonna Joan Sutherland in »Lucia di Lammermoor«. Mit ihr zusammen unternahm er anschließend eine große Operntournee durch Australien, bei der er als Nemorino und als Alfredo auftrat. Als erste Partie an der Mailänder Scala sang er 1965 den Herzog im »Rigoletto«, dann bis 1992 auch den Rodolfo in »La Bohème«, den Tebaldo in »I Capuleti e i Montecchi« von Bellini, das Tenor-Solo im Verdi-Requiem, den Tonio in »La Fille du Régiment«, den des Grieux in Massenets »Manon«, den Nemorino, den Fernando in Donizettis »La Favorita«, den Rodolfo in »Luisa Miller«, den Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, den Cavardossi, den Edgardo, den Radames und den Don Carlos von Verdi sowie mehrere Liederabende. 1967 gastierte er beim Edinburgh Festival als Tebaldo. 1967 debütierte er an der San Francisco Opera einmal mehr als Rodolfo in »La Bohème«. Dort trat er bis 1991 auch als Edgardo, als Nemorino, als Riccardo, als Fernando, als Rodolfo in »Luisa Miller«, als Manrico, als Kalaf in »Turandot« von Puccini, als Cavaradossi, als Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli und als Radames sowie in mehreren Liederabenden auf. 1968 erschien er am Teatro Bellini Catania als Arturo in »I Puritani« von Bellini. Seit 1968 Gastspiele an der Grand Opéra Paris und am Teatro Liceu Barcelona (u.a. 1971 als Partner von Montserrat Caballé). Im November 1968 sang er als Antrittsrolle an der Metropolitan Oper New York wiederum den Rodolfo in »La Bohème«. Seitdem trat er in den folgenden 36 Jahren fast in jeder Spielzeit an diesem Haus auf, an dem er 20 Partien in insgesamt 378 Vorstellungen sang: den Edgardo, den Alfredo, den Tonio, den Herzog im »Rigoletto«, den Nemorino, den Arturo, den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, den Manrico, den Fernando, den Cavaradossi, den Riccardo, den Rodolfo in »Luisa Miller«, den Idomeneo von Mozart (1982 in der dortigen Premiere der Oper), den Ernani von Verdi, den Radames, den Oronte in »I Lombardi« von Verdi, den Canio im »Bajazzo«, den Andrea Chénier und den Kalaf. Im November 1998 sang er an der Metropolitan Oper New York in einem Gala-Konzert anlässlich seines 30jährigen Haus-Jubiläums. 1969 hörte man ihn an der Oper von Rom als Oronte. Sehr große Erfolge hatte er bei den Festspielen in der Arena von Verona (1971-73, 1976, 1978, 1980, 1985). Seit 1971 hatte er eine große Karriere an der Oper von Philadelphia, seit 1973 an der Oper von Chicago. 1973 verlieh ihm die Stadt Neapel eine Goldmedaille zum 100. Geburtstag des großen Tenors Enrico Caruso. Bei den Salzburger Festspielen gab er 1976, 1978, 1985 und 1988 glanzvolle Liederabende; er sang dort 1978 auch den italienischen Sänger im »Rosenkavalier« und 1983 den Idomeneo. Bei den dortigen Osterfestspielen sang er den Cavaradossi unter Herbert von Karajan. Seit 1977 traten seine großen Konzertauftritte (zum Teil in Freiluftkonzerten vor zehntausenden von Zuhörern) und seine Tätigkeit beim Fernsehen mehr in den Vordergrund, doch ging er auch weiter seiner glänzenden Bühnenkarriere nach. 1983 gastierte er Rodolfo in »Luisa Miller« an der Grand Opéra Paris, an der auch 1984 den Cavaradossi, 1986 den Rodolfo in »La Bohème«, 1987 den Nemorino und 1992 den Riccardo sang. Er gab erstmals 1990 in den Thermen des Caracalla in Rom (anlässlich der in Italien ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft) zusammen mit den berühmten Tenören Placido Domingo und José Carreras ein gemeinsames Gala-Konzert, das die drei Sänger bei zahlreichen Tourneen, u.a. 1996 bei einer Welt-Tournee, wiederholten. Auch bei den Fußball-Weltmeisterschaften 1994 in Los Angeles und 1998 in Paris gaben »die drei Tenöre« Gala-Konzerte; bei dem zuletzt erwähnten Konzert in Paris wohnten weltweit zwei Milliarden Zuschauer und Zuhörer (!) über Radio und Fernsehen dem spektakulären Ereignis bei. 1991 sang er erstmalig in Chicago, dann auch in New York den Otello in konzertanten Aufführungen dieser Verdi-Oper. 1996 gastierte er am Teatro San Carlo Neapel als Cavaradossi. Im Januar 2000 sang er in Rom in einer Galavorstellung zum 100. Jahrestag der Uraufführung von Puccinis »Tosca« den Cavaradossi. Seinen Wohnsitz behielt der Sänger in seiner Heimatstadt Modena, wo er 2007 starb. – Einer der bedeutendsten Tenöre seiner künstlerischen Generation. Seine lyrische, aber doch kraftvolle, technisch vorbildlich beherrschte Tenorstimme kam vom rein lyrischen Repertoire im Lauf ihrer Entwicklung zum dramatischen Fach, ohne etwas von ihrer musikalischen Schönheit zu verlieren. Seine Bühnenpräsenz wie seine darstellerische Begabung wurden immer wieder hervorgehoben. Seine Erinnerungen gab er unter dem Titel » My Own Story « (London 1981; auf deutsch »Meine Welt – mein Leben«, München, 1995) heraus.

Weitere Lit: G. Gualerzi: Luciano Pavarotti (in »Opera«, 1981); M. Mayer: Grandissimo Pavarotti (Garden City NY, 1981); M. Mayer & G. Fitzgerald: »Pavarotti, Mythos, Methode und Magie« (Zürich, 1992)

Schallplatten: Aufnahmen auf Decca (vollständige Opern »La Bohème«, »Madame Butterfly«, Orombello in »Beatrice di Tenda« von Bellini, »Lucia di Lammermoor«, »L’Elisir d’amore«, Tonio in »La Fille du Régiment«, Leicester in »Maria Stuarda« von Donizetti, italienischer Sänger im »Rosenkavalier«, »Un ballo in maschera«, »Luisa Miller«, »Rigoletto«, »La Traviata«, »Macbeth«, Oronte in »I Lombardi« und Ernani von Verdi, »Mefistofele« von Boito, »Bajazzo«, »Idomeneo«, Radames in »Aida«, »Norma« mit Joan Sutherland und Montserrat Caballé, Verdi-Requiem in einer Aufnahme zum 100. Geburtstag von Arturo Toscanini unter Karajan). Es ist als interessant anzumerken, dass in zwei seiner Opernaufnahmen (»Luisa Miller« und »Bajazzo«) sein Vater, Fernando Pavarotti, in kleinen Comprimario-Partien mitwirkt. Auf HMV ist Luciano Pavarotti in »L’Amico Fritz« von Mascagni, auf HRE in »Manon« von Massenet, in »Tosca« und in Mozarts »Idomeneo« anzutreffen, auf DGG in »La Traviata«, »Rigoletto« und in »Un ballo in maschera«, auf EMI in »Don Carlos« von Verdi, auf Gala als Enzo in »La Gioconda« (San Francisco 1979); auf Warner-Video als Radames in »Aida« (San Francisco 1981), auf DGG-Video als Riccardo in »Un ballo in maschera« (Metropolitan Oper 1991) und als Manrico im »Troubadour« (Metropolitan Oper 1988), auf EMI-Video in der Titelrolle in Verdis »Don Carlos« (Scala 1992), auf Pioneer-Video in »Aida« und in »La Bohème«, auf RCA-Video in »Tosca«, auf Decca Video-Aufnahmen von Konzerten (darunter »The three Tenors«, Rom 1990 und Paris 1998). Dazu existiert eine unübersehbare Fülle von weiteren Schallplatten- und Videoaufnahmen, wobei es sich zum Teil um Mitschnitte von Aufführungen auf Privatmarken handelt.

12.10. John MALOY: 85. Geburtstag

John_Maloy_als_Fenton_und_Cato_Brink_als_Nannetta_im_Falstaff
Als Fenton in „Falstaff“ mit Cato Brink als „Nanetta“

 Er begann zu singen, während er auf der High School war. Er studierte bei Anna Kaskas und Sergio Nazor an der Indiana University, wo zu seinen ersten Opernpartien bereits der Parsifal zählte. Nach weiterführenden Studien in der Opernabteilung der University of Southern California besuchte er mit einem Fulbright Stipendium die Hochschule für Musik Hamburg. Danach sang er führende Tenorrollen in deutschen und schweizerischen Opernhäuser. Sein Repertoire umfasste ca. 30 Opern und 10 Oratorien und er machte viele Schallplattenaufnahmen. Seit 1966 unterrichtete er an der Eastman School of Music in Rochester und leitete die Gesangsklasse dort bis 2001. Zu seinen Schülern zählen Renée Fleming, Anthony Dean Griffey, Nicola Stabell und Ian Greenlaw. 2003 wurde er mit dem Eastman School’s Eisenhart Award ausgezeichnet. Er starb 2012 in Rochester (NY).

 12.10. Eric SHILLING: 95. Geburtstag

Eric_SHILLING

 Ausbildung 1939-44 an der Guildhall School of Music in London durch Walter Hyde, 1944-48 am Royal College of Music London durch Dorothea Webb und Clive Carey sowie durch Frank Titterton in London. Er debütierte 1945 bei der Sadler’s Wells Opera London als Marullo in Verdis »Rigoletto«. Er trat über 40 Jahre bei dieser Gesellschaft (und bei ihrer Nachfolgerin der English National Opera London), wo er sehr beliebt war, auf, seit 1959 war er dort als erster Bariton tätig. Er übernahm in dieser langen Zeit eine Vielzahl von Partien, wobei er sich vor allem im komischen Fach als glänzender Darsteller erwies. Hier seien nur einige davon genannt: der Don Pasquale, Puccinis Gianni Schicchi, der Frank in der »Fledermaus«, der Leporello im »Don Giovanni«, der Daland in »Der fliegende Holländer« und der Alberich im Nibelungenring. Er wirkte hier in Uraufführungen von Opern der Komponisten Richard R. Bennett (»A Penny for a Song«, 1968), Malcolm Williamson (»Our Man in Havanna«, 1963), Gordon Crosse (»The Story of Vasco«, 1974) und Robin Holloway (»Hiawatha«, 1990) mit. 1972 sang er dort in der englischen Erstaufführung von Prokofieffs Oper »Krieg und Frieden«, 1969 in der von Janáceks »Die Sache Makropoulos«, 1973 in »Die Teufel von Loudun« von Penderecki. 1990 wirkte er bei der English National Opera in Aufführungen von »Béatrice et Bénédict« von Berlioz als Somarone mit. Auch bei der Welsh Opera Cardiff und bei der Intimate Opera London (1948-58) aufgetreten. Bei den Festspielen von Edinburgh sah man ihn 1960-69 (immer bei Gastspielen der Sadler’s Wells Opera London) als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, als Don Magnifico in »La Cenerentola«, als Jupiter in Offenbachs »Orphée aux enfers«, als Ashby in »La fanciulla del West«, als Papageno in der »Zauberflöte«, als Frosch in der »Fledermaus« sowie als Colonel Calverley in der Operette »Patience« von Gilbert & Sullivan. Sein Repertoire umfasste Partien in Opern von Mozart, Donizetti, Rossini, Smetana, R. Wagner, R. Strauss, Janácek und vor allem auch Aufgaben in modernen Werken. Neben seinem Wirken auf der Opernbühne stand eine zweite Karriere als Konzertsänger. Er trat oft im englischen Fernsehen auf und gab über 500 Recitals in der Art eines Collegium musicum, zusammen mit seiner Gattin, der Sopranistin Erica Johns. 1964-71 bekleidete er eine Professur am Royal College of Music in London. Seine Bühnenkarriere dauerte sehr lange, noch 1993 sang er bei der English National Opera den Benoît und den Alcindor in Puccinis »La Bohème«. Er starb 2006 in London.

Schallplatten der Marken EMI-HMV, L’Oiseau Lyre (»Béatrice et Bénédict« von Berlioz), Argo, Saga (»The Cooper« von Thomas Arne), BBC-Artium (»Irmelin« von F. Delius); Decca-Video (»Peter Grimes«).

14.10. Ljubomir BODUROV: 90. Geburtstag

Ljubomir BODUROV und Irina ARCHIPOWA in CARMEN
Mit Marina Archipova in „Carmen“

 Er war in Sofia Schüler von K. Kriova und besuchte die dortige Musikhochschule. Er debütierte 1950 am Staatlichen Musiktheater, einer Operettenbühne, in Sofia als Adam in der Operette »Der Vogelhändler« von Zeller. 1951 wurde er an die Nationaloper Sofia verpflichtet. Seitdem blieb er für viele Jahre Mitglied dieses bedeutendsten bulgarischen Opernhauses. Er trat dort vornehmlich in Tenorpartien aus der italienischen wie der slawischen Opernliteratur auf. Durch Gastspielverträge war er der Staatsoper von Berlin verbunden. Weitere Gastspiele brachten ihm an der Wiener Staatsoper (1962-63 als Don José in »Carmen« und 1978 als Schuiskij in »Boris Godunow« sowie im Rahmen von Gesamtgastspielen der Oper Sofia als Schuiskij und als Golizyn in »Chowanschtschina« von Mussorgsky), am Bolschoi Theater Moskau, am Théâtre de la Monnaie Brüssel, am Teatro Liceu Barcelona, an der Niederländischen Oper Amsterdam, an der Pariser Grand Opéra, an der Nationaloper von Belgrad, an Bühnen in Westdeutschland, an der Chicago Opera wie in Tokio Erfolge ein. 1987 sang er, zusammen mit dem Ensemble der Oper von Sofia, in Perugia in Aufführungen der Oper »Fürst Igor« von Borodin. Zu seinen Bühnenpartien gehörten der Lohengrin, der Titelheld in »Hoffmanns Erzählungen«, der Dimitrij im »Boris Godunow« und der Hermann in »Pique Dame«. Neben seinem Wirken auf der Bühne war er ein geschätzter Konzert- und Oratoriensänger. Er starb im April 1992.

Schallplatten: Harmonia mundi (Schuiskij in vollständiger Aufnahme von Mussorgskys »Boris Godunow« aus Sofia, 1973), Balkanton (Andrej in »Chowanschtschina« von Mussorgsky), Eterna, Capriccio (»Der goldene Hahn« von Rimsky-Korssakow).

14.10. Theodor KRUIS: 175. Geburtstag

 Er war der Sohn eines Volksschullehrers und Organisten und sollte zunächst auch diesen Beruf ergreifen. Er besuchte dann aber drei Jahre lang das Konservatorium von München, an dem er Schüler von Franz Hauser und F.W. Meyer war. Er begann seine Bühnenlaufbahn 1863 am Hoftheater von Mannheim, wo er durch den Hofkapellmeister Vincenz Lachner gefördert wurde. 1865 ging er als Tenor-Buffo an das Stadttheater von Mainz, 1866-67 war er am Theater von Zürich engagiert, 1867-70 am Opernhaus von Breslau. Während einer kurzen Zeit war er im deutsch-französischen Krieg 1870 als Soldat eingezogen, wurde aber noch 1870 für ein Engagement am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg freigestellt. 1873 verließ er Hamburg und sang dann 1873-82 am Hoftheater von Hannover. 1882 folgte er einem Ruf als erster Tenor-Buffo an die Hofoper von Dresden, wo er viele Jahre hindurch in Partien wie dem David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, dem Mime im Nibelungenring und dem Barbarino in »Alessandro Stradella« von Flotow zu hören war. Er wirkte in den Dresdner Uraufführungen der Richard Strauss-Opern »Feuersnot« (21.11.1901) und »Salome« (9.12.1905 als zweiter Nazarener) mit, bereits 1892 sang er dort in der Uraufführung der Oper »Herrat« von Felix Draesecke. Er war bis 1907 an der Dresdner Hofoper im Engagement; hier sang er 1902 den Spoletta in der deutschen Erstaufführung von Puccinis »Tosca«. Er gastierte an deutschen Bühnen und nahm 1876 an der Gastspieltournee einer deutschen Operngesellschaft durch Schweden und Norwegen teil. Neben seinem Wirken auf der Bühne war er ein geschätzter Konzert- und Oratoriensänger. Er starb 1916 in Dresden.

 15.10. David SHALLON: 65. Geburtstag

Er erlernte als Junge das Geigen- und Waldhornspiel. An der Musikakademie Tel Aviv studierte er bei Niam Sheriff Dirigieren und setzte sein Studium in Wien bei Hans Swarowsky fort, wo er seine zukünftige Frau, die deutsche Bratschistin Tabea Zimmermann kennenlernte.

Auf Einladung von Leonard Bernstein wurde er sein Assistent, dirigierte 1980 Gustav Mehlers 3. Sinfonie bei den Wiener Philharmonikern und trat seither mit weltberühmten Solisten auf, darunter Gidon Kremer, Radu Lupu, Alicia de Larrocha, Itzhak Perlman, András Schiff, Heinrich Schiff, Isaac Stern, Frank Peter Zimmermann und Tabea Zimmermann. Er dirigierte zudem Aufführungen an verschiedenen Opernhäusern, wie der Wiener Staatsoper (1979 Fidelio), der Oper Frankfurt, der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, der Oper Amsterdam und der New Israeli Opera in Tel Aviv. 1987-93 war er Generalmusikdirektor der Süsseldorfer Symphoniker und leitete zur selben Zeit außerdem das Jerusalem Symphony Orchestra und ab 1997 das Philharmonische Orchester Luxemburg. Am 15. September 2000 verstarb David Shallon während einer Konzerttournee in Japan plötzlich und unerwartet an einem Asthma-Anfall in Tokio.

15.10. Claude MONTEUX: 95. Geburtstag

 Biographie des amerikanischen Flötisten und Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Claude_Monteux

 15.10. Carlos ALEXANDER: 100. Geburtstag

Carlos_ALEXANDER_als_Beckmesser_in_Bayreuth
Als Beckmesser in Bayreuth

 Er besuchte Schulen in Mexico City, in der Schweiz und in Berlin. In Berlin studierte er u.a. bei A. Schadow Orchesterleitung, Komposition und Gesang und vollendete diese Ausbildung bei dem berühmten Bariton Friedrich Schorr in New York. 1940 debütierte er in St. Louis als Monterone im »Rigoletto«, 1941 sang er dort den Masetto im »Don Giovanni«. Bis 1948 hatte er in den USA, in Mittel- und Südamerika bedeutende Erfolge als Opernsänger, vor allem in Partien aus dem Bassfach. 1948 kam er als Universitätslehrer in den Staat Utah; hier gründete er in Salt Lake City eine Operngesellschaft, bei der er während fünf Spielzeiten mehr als 20 Opern inszenierte und teilweise auch dirigierte. 1955 ging er nach Deutschland. Hier sang er zuerst an den Stadttheatern von Münster (Westfalen) und Krefeld, dann am Staatstheater von Hannover und seit 1958-61 am Opernhaus von Köln. 1960 sang er dort in der Premiere von Prokofieffs »L’Ange de feu« (»Der feurige Engel«). 1961 wurde er an die Staatsoper von Stuttgart verpflichtet, an der er bereits vorher mehrfach gastiert hatte, und deren Mitglied er bis 1975 blieb. Er gab weiterhin Gastspiele an den Opern von Köln, München und Düsseldorf. 1961 sang er an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg in der Uraufführung der Oper »Die Ameise« von P. Ronnefeld. 1961 gastierte er beim Maggio Musicale von Florenz als Mandryka in »Arabella« von R. Strauss und bei den Festspielen von Glyndebourne, 1966 wirkte er beim Edinburgh Festival mit (als Dr. Schön in A. Bergs »Lulu« im Rahmen eines Gastspiels der Stuttgarter Oper); auch an der Städtischen Oper Berlin und am Théâtre de la Monnaie Brüssel war er zu Gast, 1963-64 bei den Bayreuther Festspielen als Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1958-67 gastierte er an der Wiener Staatsoper als Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, als Mandryka, als Galitzky in »Fürst Igor« von Borodin, als Gunther in der »Götterdämmerung«, als Fliegender Holländer, als Telramund im »Lohengrin« und als Sprecher in der »Zauberflöte«, dazu noch im Rahmen von Gastspielen der Stuttgarter Oper 1969 in der Titelrolle von C. Orffs »Prometheus« und 1973 als Vater Urbain Grandier in Pendereckis »Die Teufel von Loudun«. 1965 sang er an der Grand Opéra Paris den Jochanaan. An der Stuttgarter Staatsoper wirkte er in der Uraufführung der Oper »Prometheus« von Carl Orff in der Titelrolle mit (24.3.1968), bei den Festspielen von Schwetzingen in der von H.W. Henzes »Elegie für junge Liebende« (20.5.1961), in deren Premiere er dann auch 1961 bei den Festspielen von Glyndebourne auftrat. Zu seinen weiteren Rollen zählten der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Wolfram im »Tannhäuser«, der Wotan im Ring-Zyklus, der Borromeo in »Palestrina« von H. Pfitzner, der Faust in Busonis »Doktor Faust«, der Moses in »Moses und Aron« von Schönberg und die Titelpartie in Verdis »Simon Boccanegra«. Er wirkte als Pädagoge am Salzburger Mozarteum. Er starb 1991 in Stuttgart.

Schallplatten: DGG (»Antigonae« und »Oedipus der Tyrann« von Carl Orff), EJS (2. Akt »Don Giovanni«), Harmonia mundi, Music and Arts (8. Sinfonie von Gustav Mahler)

16.10. Margreta ELKINS: 85. Geburtstag

Margreta_ELKINS

 Mit 17 Jahren gewann sie ein Stipendium des australischen Staates Queensland für ihre Ausbildung zur Sängerin. Sie studierte zuerst in Australien bei Ruby Dent in Brisbane und bei Pauline Bindley in Melbourne, dann in London bei Vera Rozsa und bei Ettore Campogalliani in Mantua. Sie sang bereits 1953 bei einem Gastspiel der Australian National Opera in Brisbane die Carmen, später bei der Brisbane Opera Company die Suzuki in »Madame Butterfly«, den Siebel im »Faust« von Gounod und 1955 die Azucena im »Troubadour«. 1956 kam sie nach England, trat in Dublin als Dorabella in »Così fan tutte« und als Carmen auf und nahm 1956-58 an Tourneen der Carl Rosa Opera Company teil. 1958 debütierte sie an der Londoner Covent Garden Oper als eine der Walküren in der »Walküre«. Seither hatte sie an diesem Opernhaus eine erfolgreiche Karriere; man hörte sie dort als Amneris in »Aida«, als Octavian im »Rosenkavalier«, als Maddalena im »Rigoletto« und in vielen anderen, zum Teil auch kleineren Partien. Am 29.5.1962 sang sie in Coventry in der Uraufführung der Oper »King Priam« von M. Tippett die Partie der Helena, die sie bei der Aufführung an der Covent Garden Oper wiederholte. Auf der Bühne wie vor allen Dingen auf der Schallplatte trat sie oft als Partnerin der berühmten Joan Sutherland in Erscheinung, so 1963 an der Sadler’s Wells Opera London in »Giulio Cesare« von Händel. 1965 erschien sie an der Oper von Philadelphia als Siebel und nahm im gleichen Jahr an einer Australien-Tournee mit der Sutherland Williamson Opera Company teil. 1974 gastierte sie in Amsterdam in der Barockoper »Rodelinda« von Händel und sang beim Wexford Festival des gleichen Jahres in »Medea in Corinto« von Simone Mayr. Sie ging einer ausgedehnten Gastspieltätigkeit nach und trat in Lyon, Köln, Genua, Neapel, Barcelona, Lissabon, Boston, New Orleans und Philadelphia auf. 1975 wurde sie an die Oper von Sydney verpflichtet. Seitdem kam sie in Australien zu einer sehr erfolgreichen, lang dauernden Karriere. 1988 sang sie in einer Gala-Aufführung zur Eröffnung der Weltausstellung von Brisbane die Amneris, 1989 trat sie dort als Azucena auf. Auch als Konzert und Oratoriensängerin war sie mit Erfolg tätig. Sie starb 2009 in Brisbane.

Schallplatten: Viele vollständige Opern auf Decca, meist mit Joan Sutherland als Partnerin (u.a. »I Puritani« und »La Sonnambula« von Bellini, »Faust« von Gounod, »Rosina« von William Shield, »Julius Caesar« von Händel, »Griselda« von Bononcini). Auf Columbia als Alisa in »Lucia di Lammermoor« mit Maria Callas in der Titelrolle; auf BJR vollständige Oper »Maria Padilla« von Donizetti, auf OPD vollständige Oper »Rodelinda« von Haendel (London 1959).

17.10. Marie ERICH: 150. Geburtstag

Sie trat bereits mit zehn Jahren in das Ballett der Wiener Hofoper ein und blieb bis 1884 dort als Tänzerin engagiert. 1884 übernahm sie als erste Gesangspartie die einer Brautjungfer im »Freischütz«. Damit leitete sie nun ihre Karriere als Bühnensängerin ein. In den Jahren 1887-91 war sie an der Wiener Hofoper verpflichtet (wo sie u.a. die Eudora in »Belisario« von Donizetti sang) und sang in der Spielzeit 1891-92 am Theater von Troppau (Opava). 1893 wurde sie als erste Koloratursopranistin an das Theater von Preßburg (Bratislava) engagiert, dem sie bis 1895 angehörte. Sie setzte ihre Karriere 1895-97 am Theater von Reichenberg (Liberec, Böhmen), 1897-98 am Carl Schultze-Theater in Hamburg und 1898-1900 am Stadttheater Hannover (als Operettensängerin) fort. Sie sang in erster Linie Partien aus dem Fachgebiet der Soubrette. Sie starb 1906 in Wien.

18.10. Alexander YOUNG: 95. Geburtstag

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 Nachdem er den Zweiten Weltkrieg als Soldat mitgemacht hatte, erfolgte seine Ausbildung zum Sänger am Londoner Royal College of Music und bei Stefan Pollman. Zu Beginn seiner Karriere trat er als Konzertsänger auf. 1948 debütierte er dann auf der Bühne, und zwar beim Edinburgh Festival als Scaramuccio in »Ariadne auf Naxos« von Richard Strauss. Seine Bühnenkarriere führte ihn darauf in England zu großen Erfolgen. 1953 sang er im englischen Rundfunk BBC die Partie des Tom Rakewell in Strawinskys »The Rake’s Progress« in der englischen Erstaufführung dieser Oper, im gleichen Jahr bei BBC London auch den Charles Darnay in der Uraufführung der Oper »A Tale of Two Cities« von Arthur Benjamin. 1954 sang er beim Aldeburgh Festival (Uraufführung der Oper »A Dinner Engagement« von L. Berkeley). 1955-70 war er mit kurzen Unterbrechungen an der Covent Garden Oper London verpflichtet, an der er als Antrittsrolle den Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut« sang. Hier hörte man ihn u.a. als Matteo in »Arabella« von R. Strauss und als Lysander in »A Midsummer Night’s Dream« von B. Britten. Bedeutende Karriere auch an der Sadler’s Wells Opera London; hier sang er u.a. den Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, den Titelhelden in Rossinis »Le Comte Ory« und wirkte 1959 in der englischen Premiere von »Il Prigioniero« von Dallapiccola mit. Er übernahm an diesem Haus auch den Orfeo in »Orfeo ed Euridice« von Gluck, man hörte ihn dort in Monteverdis »L’Orfeo« und in der Offenbach-Operette »Orphée aux Enfers«. Er trat am letztgenannten Haus wie bei der Handel Opera Society in mehreren Opern von Händel auf. Er gastierte auch bei der Welsh Opera Cardiff und bei der Scottish Opera Glasgow (1964 als Don Ottavio im »Don Giovanni«, 1967 und 1971 als Tom Rakewell, 1972 und 1975 als Ferrando in »Così fan tutte«), wo er am 16.3.1974 in der Uraufführung der Oper »Catiline Conspiracy« von Hamilton als Cicero mitwirkte. Er wirkte auch in den englischen Erstaufführungen der zeitgenössischen Opern »The Diary of a Madman« von Humphrey Searle (Sadler’s Wells Opera 1960) und »Die Bassariden« von H.W. Henze (BBC London 1968 als Dionysos) mit. Er trat auch bei den Festspielen von Edinburgh (1961 als Don Ramiro in »La Cenerentola« und 1967 als Orfeo in »Orfeo ed Euridice« von Gluck bei Gastspielen der Sadler’s Wells Opera) und Glyndebourne auf. 1965 gastierte er in San Francisco und Los Angeles als David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla« und als Brighella in »Ariadne auf Naxos« von Richard Strauss. Weitere Gastspiele an den Opern von Oslo und beim Wexford Festival. Im dänischen Fernsehen erschien er als David in einer Aufnahme der Oper »Saul og David« von C. Nielsen. 1969 beim Holland Festival zu Gast; er gab Konzerte in Düsseldorf (1970) und in Köln (1973). Seine lyrische Stimme kam namentlich in Opern von Mozart, Rossini, Händel, aber auch in Werken von Benjamin Britten und Strawinsky zur Geltung. Er war der erste Tenor, der an der Sadler’s Wells Oper den Orpheus von Gluck anstelle einer Altistin gestaltete. Vorrangig trat er jedoch als Konzertsänger in Erscheinung. 1973-86 leitete er die Vokalabteilung des Royal College of Music in Manchester. Er starb 2000 in Macclesfield.

Schallplatten: DGG (»Israel in Egypt« von Händel, englische Lieder von Beethoven, »Das Paradies und die Peri« von Schumann), Westminster. (»Rodelinda« von Händel), Decca (»Alceste« von Gluck mit Kirsten Flagstad in der Titelrolle, 9. Sinfonie von Beethoven, Cäcilienode von Purcell, »Idomeneo« von Mozart), RCA (»Eracle« von Händel), Philips (Johannes-Passion von J.S. Bach) Cambridge, CBS (»The Rake’s Progress« unter der Leitung von Strawinsky, »Die Schöpfung« von J. Haydn), HMV (»The Kingdom« von E. Elgar), Unicorn (»Saul og David«), Argo, EJS (»La jolie fille de Perth« von Bizet), Vanguard (»Jephta« und »Theodora« von Händel), Claves (Verdi-Requiem).

19.10. Elizabeth WRANCHER (amerikanische Sopranistin): 85. Geburtstag

 20.10. Franz NAVÁL: 150. Geburtstag

Franz_NAVÀL

Eigentlich Franz Pogacnik. Er begann seine Ausbildung bei A. Nedred in Laibach und vollendete sie bei Joseph Gänsbacher in Wien. Er debütierte 1888 am Opernhaus von Frankfurt a.M. als Lyonel in Flotows »Martha«. Er blieb sieben Jahre an diesem Haus tätig und sang dann 1895-98 an der Berliner Hofoper. Dort trat er 1897 in der deutschen Erstaufführung von Puccinis »La Bohème« in der Partie des Rodolfo auf. 1897 wurde er an die Hofoper von Wien berufen, wo er sehr große Erfolge hatte und bis 1902 blieb. Sein Wirken an diesem Haus fiel in dessen Glanzzeit unter der Leitung von Gustav Mahler. Er sang an der Wiener Hofoper 1900 in der denkwürdigen Aufführung von Mozarts »Così fan tutte« den Ferrando, im gleichen Jahr wirkte er in der Premiere von Tschaikowskys »Jolanthe« als Graf Vaudemont mit. An der Wiener Hofoper debütierte er als Alfredo in »La Traviata« und hier hörte man ihn auch als Tamino in der »Zauberflöte«, als Don José in »Carmen«, als Werther von Massenet, als Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod, als Erik in »Der fliegende Holländer«, als Faust von Gounod, als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als Conrad in »Hans Heiling« von Marschner, als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, als Georges Brown in »Die weiße Dame« von Boildieu, als Alfred in der »Fledermaus«, als des Grieux in »Manon« von Massenet, als Don Cesar in »Donna Diana« von Reznicek, als Froh im »Rheingold«, als Adolf in Lortzings »Die Opernprobe«, als Gomez in Kreutzers »Das Nachtlager in Granada«, als Marquis von Chateauneuf in Lortzings »Zar und Zimmermann«, als Tonio in Donizettis »Regimentstochter«, als Sylvain in Maillarts »Das Glöckchen des Eremiten«, als Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, als Herzog im »Rigoletto«, als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, als Fürst von Sinodal in A. Rubinsteins »Der Dämon«, als Harun in Bizets »Djamileh«, als Florestan im »Fidelio«, in der Titelrolle von Ludwig Thuilles »Lobetanz«, als Lyonel, als Fenton in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, als Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera« und als Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«. 1906 gastierte er nochmals an der Wiener Hofoper; weitere Gastspiele an der Hofoper von Dresden (1901, 1902), am Stadttheater Hamburg (1903), an den Theatern von Brünn (Brno, 1892), Zagreb (1900), Zürich (1906) und Graz (1911), an der Königlichen Oper Stockholm (1902) und am Berliner Theater des Westens (1902). 1903-04 war er an der Metropolitan Oper New York engagiert, an der er als Georges Brown (an der Seite von Jahanna Gadski) debütierte und in insgesamt 27 Vorstellungen auch den Faust von Gounod, den Nemorino in »L’elisir d‘amore«, den Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod, den Don José in »Carmen«, den Alfredo und den Turiddu sang. 1907 zu Gast an der Covent Garden Oper London, u.a. als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«. 1903-08 wirkte er wieder an der Hofoper von Berlin; hier wurde er jetzt vor allem als Partner von Geraldine Farrar gefeiert (u.a. 1903 in der Premiere von Massenets »Manon«). 1908 kam er an die Berliner Komische Oper. Seit 1910 trat er sehr erfolgreich als Konzert- und namentlich als Liedersänger auf. Nach Beendigung seiner Bühnenkarriere lebte er als Pädagoge in Wien, wo er 1939 starb. Fein gebildete lyrische Tenorstimme. Zu seinen großen Rollen zählte auch der Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«.

Viele schöne Schallplatten; die ältesten Aufnahmen auf Berliner Records (Wien, 1899-1901), dann auf den Marken G & T (Wien, 1901-02, 1905), Odeon (Berlin, 1906-09), auf letzterer Marke u.a. vollständige »Cavalleria rusticana« und Liedzyklus »Die schöne Müllerin« von Schubert.

22.10. Daniel STEIBELT: 250. Geburtstag

Er wurde in Berlin als Sohn eines preußischen Offiziers geboren. Er war Schüler des Pianisten Johann Philipp Kirnberger und beschloss, entgegen dem Wunsch des Vaters nicht eine militärische Karriere, sondern die Musikerlaufbahn anzustreben. Ab 1790 lebte er in Paris, wo er sich als Pianist und Komponist einen Namen machte. Aus dieser Zeit stammt auch seine bekannteste Oper Romeo und Julia, welche 1793 in Paris uraufgeführt wurde. Finanzielle Probleme zwangen ihn 1796 zum Umzug nach London. Auch hier wirkte er weiterhin als Pianist und Komponist. 1799 begann er eine große Konzerttournee durch Deutschland und Österreich. Dabei kam es im Mai 1800 in Wien zu einem Klavierwettstreit mit Beethoven, den der für seine Virtuosität berühmte Steibelt verlor. Dies führte zum Abbruch seiner Tournee durch die deutschsprachigen Länder. In den nächsten Jahren lebte und wirkte er in London und Paris, bis er 1808 einem Ruf des Zaren nach Sankt Petersburg folgte. Zunächst war Steibelt Kapellmeister und ab 1811 bis zu seinem Tod Direktor der Zaristischen Oper in St. Petersburg. Er starb 1823 in Sankt Petersburg.

Steibelt war einer der geschäftstüchtigsten und produktivsten Komponisten seiner Zeit. Zu seinem Werk gehören zahlreiche Stücke für Klavier und Violine und einige Opern. So komponierte er 7 Klavierkonzerte, 46 Klaviersonaten, 65 Sonaten für Klavier oder Cembalo und Violine, mehrere Ballette, einige Trios, Quartette und Quintette und unzählige Etüden. Seine 1810 komponierte und in Sankt Petersburg uraufgeführte Oper Cendrillon nach einem französischen Märchen von Charles Perrault erfreute sich eine Zeitlang großer Beliebtheit an russischen Bühnen. Nach seinem Tod erlosch das Interesse an seinen Werken bald. Und so kommen bis heute höchstens seine Klavierstücke zur Aufführung, während die Opern so gut wie nie aufgeführt werden.

23.10. John GERMAIN: 85. Geburtstag

 Er wurde zunächst Schullehrer, studierte dann jedoch Gesang am New South Wales Conservatory bei Raymond Beatty und bei dem Pädagogenehepaar Portnoj in Melbourne. Bühnendebüt 1957 bei der Australian Opera Sydney als Schaunard in Puccinis »La Bohème«. Für mehr als zwanzig Jahre blieb er Mitglied dieses bedeutendsten Opernhauses auf dem australischen Kontinent. Seine Glanzrollen waren der Escamillo in »Carmen«, der Titelheld in »Figaros Hochzeit«, der Rigoletto, der Germont-père in »La Traviata«, der Malatesta in Donizettis »Don Pasquale«, der Belcore in »L’Elisir d’amore«, der Figaro wie der Bartolo im »Barbier von Sevilla« von Rossini, der Sharpless in »Madame Butterfly«, der Jack Rance in »La Fanciulla del West«, der Faninal im »Rosenkavalier« von R. Strauss, der Nick Shadow in »The Rake’s Progress« von Strawinsky und der König in »Die Kluge« von Carl Orff. Im Lauf seiner langen Karriere war er in Australien auch in einem vielseitigen Konzertrepertoire zu hören. Er starb im Jahr 2003.

24.10. Luciano BERIO: 90. Geburtstag

Er wurde in einer musikalischen Familie in der ligurischen Küstenstadt Oneglia geboren. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater waren Organisten und lehrten ihn das Klavierspiel. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er zur Armee eingezogen, verletzte sich aber bereits am ersten Tag mit einem Gewehr die Hand. Er verbrachte einige Zeit in einem Militärkrankenhaus und floh schließlich, um sich einer Widerstandsgruppe anzuschließen.

Nach dem Krieg studierte Berio am Mailänder Konservatorium bei Giulio Cesare Paribeni (1891–1964) und Giorgio Federico Ghedini. Durch die verletzte Hand am Klavierspiel gehindert, konzentrierte er sich auf die Komposition. 1947 fand die erste öffentliche Aufführung eines seiner Werke statt, einer Suite für Klavier. Zu dieser Zeit verdiente Berio seinen Lebensunterhalt mit der Begleitung von Gesangsklassen; dabei lernte er die amerikanische Sopranistin Cathy Berberbian kennen. Sie heirateten kurz nach seinem Universitätsabschluss 1950 (die Ehe wurde 1964 geschieden). 1951 ging Berio in die Vereinigten Staaten, um in Tanglewood bei Luigi Dallapiccola zu studieren, der sein Interesse an serieller Musik weckte. Bruno Maderns brachte ihn zu den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik, die er 1954-59 besuchte. Dort lernte er Pierre Bouelz, Karlheinz Stockhausen, György Ligeti und Mauricio Kagel kennen. Er begann sich für elektronische Musik zu interessieren und gründete 1955 mit Bruno Maderns in Mailand das Studio di Fonologia Musicale, ein Studio für elektronische Musik. Er lud eine Reihe bedeutender Komponisten ein, hier zu arbeiten, darunter Henri Pousseur und John Cage. Darüber hinaus gab er eine Zeitschrift für elektronische Musik heraus, die Incontri Musicali. 1960 kehrte Berio als „Composer in Residence“ nach Tanglewood zurück und übernahm 1962 auf Einladung von Darius Milhaud eine Dozentenstelle am Mills College in Oakland (Kalifornien). 1965 begann er, an der Juilliard School zu unterrichten, wo er das Juilliard Ensemble gründete, das sich der Aufführung zeitgenössischer Musik widmet. Im gleichen Jahr heiratete er zum zweiten Mal.

Währenddessen arbeitete Berio stetig an seinen Kompositionen. 1966 gewann er den Prix Italia für Laborintus II, 1968 wurde mit großem Erfolg sein wohl bekanntestes Werk, die Sinfonia uraufgeführt. 1972 kehrte Berio wieder nach Italien zurück. 1974-80 war er Direktor der Abteilung für Elektroakustik am IRCAM in Paris. 1977 heiratete er zum dritten Mal (seine zweite Ehe war 1971 geschieden worden). 1987 gründete er in Florenz Tempo Reale, ein Zentrum mit ähnlicher Ausrichtung wie das IRCAM. 1988 wurde er mit einem Antonio-Feltrinelli-Preis ausgezeichnet. 1994-2000 war er „Distinguished Composer in Residence“ in Harvard. Luciano Berio starb 2003 in Rom, er hinterließ seine zweite Frau, Susan Oyama, sowie seine dritte Frau Talia Pecker Berio, die zwei Töchter Cristina und Marina Berio, die drei Söhne Stefano, Dani und Yoni Berio und vier Enkel.

Berios elektronische Werke stammen zum überwiegenden Teil aus seiner Zeit am Mailänder Studio di Fonologia. Eines seiner einflussreichsten Werke aus dieser Zeit ist Thema (Omaggio a Joyce) von 1958, in dem Cathy Berberian aus James Joyces Ulysses liest. In einer späteren Arbeit, Visage (1961), erschuf Berio eine wortlose emotionale Sprache, indem er Fragmente einer Aufnahme von Berberians Stimme arrangierte. 1968 vollendete Berio O King. Von dieser Komposition existieren zwei Versionen, eine für Stimme, Querflöte, Klarinette, Geige, Violoncello und Klavier, die andere für acht Stimmen und Orchester. Das Stück ist der Erinnerung an Martin Luther King gewidmet, der wenig vorher einem Attentat zum Opfer gefallen war. Die Orchesterfassung von O King wurde kurz nach ihrer Vollendung in die Sinfonia (1968-69) für Orchester und acht Stimmen integriert. Die Stimmen werden hier nicht auf traditionelle Art eingesetzt; die Sänger werden durch Mikrophone verstärkt, außer Gesang wird rhythmisiertes oder freies Sprechen und Flüstern verlangt. Berio verwendet Textmaterial aus verschiedensten Quellen, so aus Claude Lévi-Strauss‘ Le cru et le cuit, Samuel Becketts The Unnameable, Aufführungsanweisungen aus diversen Partituren, Solmisations- und Scatsilben oder Kommentare zu gerade erklingenden musikalischen Zitaten. Besonders bekannt geworden ist der dritte Satz; hier nimmt Berio den dritten Satz aus Mahlers Zweiter Symphonie und lässt das Orchester eine leicht gekürzte und neu arrangierte Version davon spielen. Gleichzeitig rezitieren verschiedene Stimmen Texte aus verschiedenen Quellen, und das Orchester spielt Zitate von Claude Debussy, Arnold Schönberg und anderen. Auf diese Weise entsteht eine dichte Collage. Das Ergebnis ist ein Werk mit dem in der klassischen Musik üblichen Schema von Spannung und Auflösung – unter Verwendung einer völlig neuen Sprache. Zu jedem Zeitpunkt spielen die tatsächlich verwendeten Akkorde und Melodien eine untergeordnete Rolle gegenüber der Tatsache, dass man ein bestimmtes Zitat von Mahler, Alban Berg oder Beckett hört. Aus diesem Grund wird der Satz oft als eines der ersten Beispiele für Postmoderne in der Musik betrachtet. Auch wurde er als Dekonstruktion von Mahlers zweiter Symphonie beschrieben, ähnlich wie Visage eine Dekonstruktion von Berberians Stimme gewesen war. A-Ronne, von 1975, verwendet ebenfalls die Collagetechnik, konzentriert sich aber mehr auf die Stimmen. Es ist ein Stück für acht Stimmen und optionalem Klavierteil. Die Arbeit ist eine aus einer Serie von Kooperationen mit dem Dichter Edoardo Sanguineti, der für sie einen Text voller Zitate der Bibel, T.S. Eliots und Karl Marx‘ schuf. Nicht alle von Berios Arbeiten zitieren Werke anderer. Vielleicht die bekannteste unter denen, für die das nicht zutrifft, ist die Serie von Kompositionen für Soloinstrumente unter dem Namen Sequenze. Sequenza I entstand 1958 und ist für Querflöte, die letzte Sequenza XIV, für Violoncello, wurde 2002 vollendet. Gemeinsames Charakteristikum dieser Arbeiten ist, dass sie die Möglichkeiten des Instrumentes zu erkunden suchen, und oft neue Spieltechniken verlangen. Berio ist bekannt dafür, die Musik von anderen zu adaptieren und zu verwandeln, aber er unterwarf auch seine eigenen Werke diesem Prozess: die Serie der Sequenze war Ausgangspunkt einer Reihe von Chemins genannten Werken, die jeweils auf den Sequenze basieren. Chemins II (1967) etwa geht von der ursprünglichen Sequenza VI für Bratsche aus und adaptiert sie für Bratsche und neun weitere Instrumente. Durch Hinzunahme weiterer Instrumente entstanden daraus weitere Ableitungen, Chemins IIb, Chemins IIc und Chemins III. Die Namen der abgeleiteten Werke folgen nicht zwangsläufig diesem Schema, so basiert etwa Corale von 1981 auf der Sequenza VIII für Solovioline. Neben eigenständigen Arbeiten unternahm Berio eine Reihe von Arrangements von älteren Arbeiten, darunter Werke von Claudio Monteverdi, Henry Purcell, Johannes Brahms und Gustav Mahler. Für Berberian schrieb er Folk Songs (1964) sowie (1967) Bearbeitungen dreier Lieder von John Lennon und Paul McCartney. Ebenfalls in diesen Zusammenhang gehört auch seine Vollendung von Giacomo Puccinis Oper Turandot (uraufgeführt 2002 in Amsterdam, dirigiert von Riccardo Chailly, inszeniert von Nikolaus Lehnhoff); in seinem Orchesterstück Rendering (1989) vervollständigte er die wenigen Skizzen, die Franz Schubert für seine Symphonie Nr. 10 hinterlassen hat, mit eigener, von anderen Werken Schuberts abgeleiteter Musik. Zu den weiteren Kompositionen Berios gehören Circles (1960) und Recital I (for Cathy) (1972), beide für Berberian geschrieben, und eine Reihe von Bühnenwerken, von denen Un re in ascolto, in Zusammenarbeit mit Italo Calvino entstanden, vermutlich das bekannteste ist.

 25.10. Hana JANKÚ: 75. Geburtstag

Hana_JANKU

Gesangstudium in der Hauptsache bei Jaroslaw Kvapil in Brno. Debüt als Gräfin in der Oper »Lucerna« von Vitezlav Novák 1959 an der Oper von Brno, wo sie gleich in der Spielzeit 1959-60 die Leonore im »Troubadour«, die Turandot von Puccini, die Titelrolle in Smetanas »Libussa«, die Rusalka in der gleichnamigen Oper von Dvorák und die Milada in »Dalibor« von Smetana sang. Sehr erfolgreiches Gastspiel an der Mailänder Scala 1968 als Turandot in der bekannten Puccini-Oper. 1969-77 gastierte sie an der Wiener Staatsoper, an der sie die Turandot, die Milada, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Elisabetta in Verdis »Don Carlo«, die Tosca und die Kundry im »Parsifal« sang. 1970 Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, zugleich an der Deutschen Oper Berlin tätig. Auch dem Nationaltheater Mannheim verbunden. Gastspiele am Teatro Colón von Buenos Aires und Mexico City ließen in ihr eine der führenden dramatischen Sopranistinnen ihrer Generation erkennen. Als Tosca gastierte sie 1972 an der Grand Opéra Paris sowie am Opernhaus von San Francisco und 1973 an der Covent Garden Oper London. Sie wirkte 1969, 1973 und 1975 bei den Festspielen von Verona, auch bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom, mit. 1974 bewunderte man am Teatro Liceu Barcelona ihre Leonore in Verdis »La forza del destino«. Zu den weiteren Höhepunkten im Repertoire der Künstlerin gehörten die Titelheldin in »La Gioconda«, die Ariadne in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und die Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«. Als eine ihrer letzten Partien, bereits schwer erkrankt, sang sie in Mannheim noch einmal die Kundry. Sie trat auch im Konzertsaal hervor. Sie hat auch unter dem Namen Hana Swoboda-Jankú gesungen. Sie starb 1995 in Berlin.

Schallplatten: BASF (»Penthesilea« von Othmar Schoeck), Supraphon (»Dalibor« von Smetana), Opera 96 (Titelrolle in »Turandot« von Puccini, Mitschnitt aus der Rheinoper Düsseldorf von 1975).

25.10. Jörn W. WILSING: 75. Geburtstag

Jörn W. Wilsing

Er begann eine Lehre als Industriekaufmann, wurde dann aber an der Kölner Musikhochschule Schüler von Clemens Glettenberg und setzte seine Ausbildung 1962-63 am Salzburger Mozarteum sowie am Richard Strauss-Konservatorium in München fort. Bühnendebüt 1964 am Landestheater von Coburg als Heerrufer im »Lohengrin«. Er wirkte lange Jahre am Staatstheater von Karlsruhe und trat an den Staatsopern von München und Stuttgart, in Köln, Nürnberg, Dortmund und an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg erfolgreich als Gast auf. Er war auch zu Gast an der Berliner Staatsoper und an der Komischen Oper Berlin, an der Oper von Nancy, in Amsterdam, Bologna (1983) und Basel und bei den Festspielen von Salzburg, wo er 1973 den Arbace in Mozarts »Idomeneo« sang. An der Staatsoper Stuttgart trat er 1996 als König Bobèche in der Offenbach-Operette »Ritter Blaubart«, 1996 als Ford im »Falstaff« von Verdi und 2000 als Frank in der »Fledermaus« auf. Sein weit gespanntes Repertoire für die Opernbühne enthielt an erster Stelle Aufgaben aus dem lyrischen Fach und reichte von Barockwerken bis zu modernen Komponisten. Ähnlich vielgestaltig war auch das Konzertrepertoire des Künstlers. Er starb im September 2010 in Stuttgart.

Schallplatten: Eurodisc (»Die verkaufte Braut« von Smetana), HMV-Eletrola (»Intermezzo« von R. Strauss), Orfeo (»La Bohème« von Leoncavallo), Ex Libris (»Romeo und Julia« von H. Sutermeister).

25.10. Oralia DOMINGUEZ: 90. Geburtstag

Oralia_DOMINGUEZ

 Sie studierte am Mexikanischen Nationalkonservatorium in Mexico City und sang schon während des ersten Studienjahres eine Solopartie in »La Damoiselle élue« von Debussy. Am 23.10.1948 sang sie im Palacio de Bellas Artes in Mexico City die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »La Mulata de Córdoba« des mexikanischen Komponisten José Pablo Moncayo García. 1953 kam sie nach Europa und gab ihr erstes Konzert in der Londoner Wigmore Hall. Nach Konzertreisen durch Frankreich, Spanien, Deutschland und Holland debütierte sie 1953 an der Mailänder Scala als Principessa di Bouillon in »Adriana Lecouvreur« von Cilea; dort sang sie 1953 auch das Alt-Solo im Verdi-Requiem, 1956 die Marina im »Boris Godunow«, 1958 wieder die Principessa di Bouillon und 1961 die Eboli in Verdis »Don Carlos«. Am 27.1.1955 sang sie an der Londoner Covent Garden Oper in der Uraufführung der Oper »A Midsummer Marriage« von Michael Tippett die Rolle der Sosostris. 1955 und 1960 wirkte sie beim Edinburgh Festival als Mrs. Quickly im »Falstaff« von Verdi mit sowie 1957-64 bei den Festspielen von Glyndebourne, und zwar 1957 als Isabella in Rossinis »L‘Italiana in Algeri«, 1957, 1958 und 1960 als Mrs. Quickly sowie 1962-64 als Arnalta in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea«. Große Erfolge hatte die Künstlerin in Südamerika, vor allem seit 1961 am Teatro Colón Buenos Aires, und an der Oper von Mexico City. 1960-69 der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg verbunden; für die Jahre 1972-74 bestand ein Gastvertrag mit der Staatsoper Hamburg, für 1972-76 mit der Staatsoper Stuttgart. 1963 gastierte sie an der Wiener Staatsoper als Eboli, 1964 bei den Festspielen von Aix-en-Provence als Amalta (eine ihrer Glanzrollen) und als Mrs. Quickly, an der Grand Opéra Paris 1963 als Amneris in »Aida«. 1956 gastierte sie an der Oper von San Francisco als Marina, als Mrs. Quickly und als Azucena im »Troubadour«. 1959 unternahm sie eine USA-Tournee. 1965 hörte man sie an der Oper von Monte Carlo als Mrs. Quickly; beim Maggio Musicale von Florenz 1961 als Eboli, an der Covent Garden Oper London 1959 als Amneris und 1966 als Mrs. Quickly, an der Oper von Rom 1955 als Ulrica in Verdis »Un Ballo in maschera«. Bei den Salzburger Osterfestspielen wirkte sie in Aufführungen des Nibelungenrings mit. Sie sang gastweise an den Opernhäusern von Tel Aviv (1959) und Frankfurt a.M., auch in Venedig (u.a. 1960 in »Alcina« von Händel als Partnerin von Joan Sutherland), am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Massimo Palermo, am Théâtre de la Monnaie Brüssel, in Chicago, Dallas und New Orleans. 1982 trat sie im Palacio de Bellas Artes in Mexico City im Verdi-Requiem zum letzten Mal auf. Technisch vortrefflich durchgebildete üppige Stimme von reizvollem exotischem Timbre, dazu als hervorragende Darstellerin bekannt geworden. Sie starb 2013 in Mailand.

Schallplatten: Columbia, DGG (Recital; Erda im Ring-Zyklus, Krönungsmesse von Mozart, Verdi-Requiem), Decca (»Il Tabarro« von Puccini, La Cieca in »La Gioconda«), BJR (»Aida«, Mitschnitt einer Aufführung in Mexico City mit Maria Callas als Partnerin, 1951), Replica (Mrs. Quickly in »Falstaff«), HRE (»Luisa Miller« von Verdi), Melodram (»Stiffelio« von Verdi, Parma 1968), Arkadia (Zauberin in »Dido and Aeneas« von Purcell), Mondo Musica (Cornelia in »Giulio Cesare« von Händel, Teatro Fenice Venedig 1977), Gala (»The Midsummer Marriage« von M. Tippett, Mitschnitt der Uraufführung), Bella Voce (»Alcina« von Händel); Hardy-Video (Preziosilla in »La forza del destino« von Verdi, Neapel 1958).

 25.10. Edmund KOSSOWSKI: 95. Geburtstag

Er war in der Hauptsache Schüler des Pädagogen B. Romaniszych. 1954 war er Preisträger bei einem Gesangwettbewerb in Toulouse. Nachdem er 1945 in der Rolle des Drziemba in Monisuzkos »Halka« debütiert hatte, war er 1946-48 am Opernhaus von Krakau tätig. 1948 kam er an das Opernhaus von Poznan (Posen), und von dort wurde er 1954 an die Nationaloper in Warschau berufen, an der er eine jahrzehntelange Karriere als Bass-Bariton hatte. Er sang dort sehr erfolgreich Partien wie den Boris Godunow, den Don Giovanni und den Leporello im »Don Giovanni«, den Mephisto im »Faust« von Gounod, den Scarpia in »Tosca«, den Titelhelden in Massenets »Don Quichotte«, den Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Janusz wie den Stolnik in »Halka« von Moniuszko, den König Philipp im »Don Carlos« von Verdi. den Pater Guardian in »La forza del destino«, den Grafen Luna im »Troubadour«, den Amonasro in »Aida«, den Zaccaria in Verdis »Nabucco«, den Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Landgrafen im »Tannhäuser« und den Ochs im »Rosenkavalier«. Ein ähnlich vielgestaltiges Repertoire trug er auch im Konzertsaal vor. 1958-60 war er am Stadttheater von Basel engagiert. In der Spielzeit 1960-61 trat er gastweise am Opernhaus von Zürich als Fliegender Holländer auf. 1961 gastierte er am Theater von Graz. Gastspiele und Konzerte sowie eine pädagogische Arbeit am der Musikhochschule Warschau kennzeichneten die weitere Karriere des Sängers. Er starb 2002 in Warschau.

Schallplatten: Muza (darunter vollständige Oper »Halka« als Stolnik), Polskie Nagranie (vollständige Oper »Das Gespensterschloss« von Moniuszko), DGG.

 

26.10. Jane RINELLA: 95. Geburtstag

 

Obwohl sie in Neapel geboren war, hatte sie eine ganz französische Karriere. Einen ersten Erfolg erzielte sie 1944 an der Oper von Monte Carlo mit Auftritten als Tosca und als Santuzza in »Cavalleria rusticana«. 1946 gastierte sie an den Opernhäusern von Lausanne und Marseille, wo sie bis Mitte der sechziger Jahre oftmals zu Gast war. 1949 sang sie an der Opéra-Comique Paris die Santuzza, 1950 an der Pariser Grand Opéra die Aida. Daneben hörte man sie regelmäßig an den führenden Operntheatern in der französischen Provinz, u.a. in Bordeaux, Lyon, Toulouse und Vichy. Aus ihrem Repertoire für die Bühne seien noch genannt: die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Selika in Meyerbeers »Afrikanerin«, die Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer, die Rachel in Halévys »La Juive«, die Brunehilde in »Sigurd« von Reyer, die Margared in »Le Roi d’Ys« von Lalo, die Titelrolle in Massenets »Hérodiade«, die Marguerite in »La Damnation de Faust« von Berlioz und die Turandot in der Puccini-Oper gleichen Namens. Sie starb im Jahr 2002.

Schallplatten: Pléiade (Ausschnitte aus Meyerbeers »Hugenotten«).

27.10. Richard CURTIN: 70. Geburtstag

 Er studierte Rechtswissenschaften und war als Rechtsanwalt tätig, ließ schließlich aber seine Stimme in Sydney und in Wien ausbilden. Er war dann in Deutschland am Stadttheater von Bremen und 1979-81 am Opernhaus von Essen engagiert, wo er u.a. den Minister im »Fidelio«, den Sarastro in der »Zauberflöte«, den Angelotti in »Tosca«, den Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, den Zuniga in »Carmen« und den Wassermann in »Rusalka« von Dvorák sang. 1981-84 gehörte er dem Ensemble der Hamburger Staatsoper an und betätigte sich dann als freischaffender Künstler. Er trat in den folgenden 15 Jahren als Gast in Paris und München, in Zürich und Frankfurt a.M. in einem Repertoire auf, das mehr als 60 Opernpartien umfasste. 1998 nahm er wieder ein Engagement am Opernhaus von Essen an. Er starb 2006 in Sydney.

27.10. Nancy STORACE: 250. Geburtstag

Nancy_STORACE

Sie hieß ursprünglich Ann Selina Storace, führte aber später zumeist den Vornamen Nancy. Ihr Vater, Stefano Storace (eigentlich Sorace), war ein italienischer Kontrabassspieler und Musiklehrer, der in Dublin und in London wirkte. Ihre Mutter war eine englische Flötistin. Sie war Schülerin des Kastraten Venanzio Rauzzini und debütierte 1776, erst zehn Jahre alt, in einer von diesem komponierten Oper »Le ali d’amore« in der Partie des Cupido. Sie ging zur weiteren Ausbildung nach Venedig, studierte dort bei Sacchini und trat auch an italienischen Bühnen auf. So sang sie 1780 sehr erfolgreich am Teatro della Pergola Florenz (wo sie den Kastraten Marchesi in den Schatten stellte und darauf Florenz verlassen musste), 1781 in Parma und 1782 an der Mailänder Scala, an der sie am 14.9.1782 in der Uraufführung der Oper »I Due Littiganti« von Giuseppe Sarti mitwirkte. 1783 hatte sie am Teatro San Samuele in Venedig (wo sie zusammen mit dem irischen Tenor Michael Kelly auftrat) sensationelle Erfolge. Der österreichische Gesandte in Venedig, Graf Giacomo Durazzo, vermittelte ihr darauf ein Engagement an der Wiener Hofoper. 1784 wurde sie an das Theater in der Hofburg in Wien verpflichtet, wo man ihr ein ungewöhnlich hohes Jahresgehalt von tausend Dukaten bezahlte. Hier debütierte sie in der Partie der Gräfin in der für sie (bereits in Venedig) komponierten Oper »La scuola dei gelosi« von A. Salieri. Hier heiratete sie 1783 den englischen Komponisten John Abraham Fisher. Die Ehe verlief unglücklich; wegen seines gewalttätigen Charakters trennte sie sich von ihm und war 1786-87 in Wien die Mätresse von Lord Barrard. Am 7.2.1786 sang sie im Theater in der Orangerie von Schloss Schönbrunn in der Uraufführung von Antonio Salieris Divertimento teatrale »Prima la Musica e poi le parole« die Rolle der Eleonora. Als in Wien am 1.5.1786 Mozarts Oper »Le Nozze di Figaro« zur Uraufführung kam, sang sie unter der Leitung des Komponisten die Partie der Susanna. Mozart komponierte für die von ihm sehr geschätzte Sängerin (in die er sich wohl auch verliebt hatte) die Konzertarie »Ch’io mio scordi di te« KV 505 und hatte die Absicht, für sie eine Oper »Il sposo deluso« zu komponieren, in der sie die Emilia singen sollte, doch blieb das Werk ein Fragment (von dem nur die Ouverture und vier Gesangsnummern ausgeführt wurden). Am 17.11.1786 sang sie im Theater in der Wiener Hofburg in der Uraufführung der Oper »Una cosa rara« von Marín y Soler die Partie der Lilla; hierbei erlebte sie ihren größten Triumph in der österreichischen Metropole. Bereits 1785 hatte sie dort in der Uraufführung der Opera buffa »Gli Sposi malcontenti«, einem Werk ihres Bruders Stephen, die Eginia kreiert. Im Februar 1787 kam sie mit ihrer Mutter, dem Komponisten Thomas Attwood und dem Tenor Michael Kelly nach London, wo sie im April 1787 am King’s Theatre in Paisiellos »Gli schiavi per amore« erstmals wieder zu hören war. Hier sang sie u.a. 1789 am King’s Theatre in der englischen Premiere der Oper »Il Barbiere di Siviglia« von Paisiello. Nachdem sie am King’s Theatre in italienischen Opern aufgetreten war, sang sie seit 1789 bis 1796 am Drury Lane Theatre hauptsächlich Opern in englischer Sprache, darunter Opernwerke ihres Bruders Stephen Storace. Wahrscheinlich bestand zu dieser Zeit eine Affäre der Sängerin mit dem damaligen Prince of Wales. Nach dem Tod ihres Bruders verließ sie 1796 das Drury Lane Theater und unternahm Tourneen, vor allem durch Italien, mit ihrem neuen Geliebten, dem berühmten Tenor John Braham (1774-1856), von dem sie 1802 einen Sohn bekam. (Beide konnten jedoch nicht heiraten, da John Abraham Fisher noch lebte; schließlich trennte sie sich 1816 von Braham). 1799 wirkte sie, zusammen mit John Braham, an der Mailänder Scala in der Uraufführung der Oper »Il Ritratto« von Nicola Zingarelli mit. Sie wurde namentlich auf dem Gebiet der komischen Oper bewundert, wo sie ihre anmutige Erscheinung und ihr gewandtes Bühnenspiel voll einsetzen konnte; dagegen kritisieren zeitgenössische Berichte manchmal die Härte ihrer Tongebung. Ihr Bruder Stephen Storace (1762-96), der sie nach Wien begleitet hatte, war ein bekannter Violinist und Komponist und mit Mozart freundschaftlich verbunden. Er komponierte eine Anzahl volkstümlicher Opern (u.a. »Gli Equivoci« nach Shakespeares »Comedy of Errors«, »The Haunted Tower«, »The Siege of Belgrad«, »The Pirates«), in denen er dankbare Partien für seine Schwester, für den Tenor Michael Kelly (der auch in der Wiener Uraufführung von »Le Nozze di Figaro« mitgewirkt hatte) und andere englische Sänger dieser Epoche schrieb. Er starb im Alter von nur 34 Jahren. Nancy Storace erwarb auch einen großen Ruf als Konzert- und Oratoriensopranistin und sang u.a. beim Händel Festival in der Westminster Abbey 1791 und beim Hereford Festival von 1792. 1801-08 war sie an der Covent Garden Oper engagiert; dort verabschiedete sie sich in der Oper »The Cabinet« von ihrem Publikum. Sie starb 1817 in London.

Literatur: B. Matthews: The Childhood of Nancy Storace (in »The Musical Times«, 1969); K. Geiringer und I. Geiringer: »Nancy Storace in Vienna« (Louisville, 1981); B. Matthews: Nancy Storace and the Royal Society of Musicians (in »The Musical Times«, 1987); F. Lewy Gidwitz: Vocal Profiles of Four Mozart Sopranos (Dissertation, University of California, Berkeley, 1991).

28.10. Warren ELLSWORTH: 65. Geburtstag

 Seine Ausbildung erfolgte an der Miami University und an der Juilliard Music School New York. Er begann zunächst eine Karriere als Bariton und trat als solcher an der Oper von Houston/Texas und an anderen amerikanischen Bühnen auf. Er wurde dann aber seit 1977 durch Elena Nikolaidi und Marlena Malas zum Tenor umgeschult. 1979 debütierte er als Tenor an der Oper von Houston (Texas) in der Rolle des Pinkerton in »Madame Butterfly«. Er sang in Houston, wo er seinen Wohnsitz nahm, dann noch den Cassio in Verdis »Otello« und trat in Washington als Arturo in »Lucia di Lammermoor« von Donizetti und als Melot in »Tristan und Isolde« auf. 1981 kam er an die Welsh Opera Cardiff, an der er in der Saison 1982-83 einen seiner größten Erfolge als Parsifal erzielen konnte. Er hatte den Parsifal, der seine Glanzrolle wurde, mit dem englischen Dirigenten Reginald Goodall einstudiert, der ihn in seiner weiteren Karriere förderte. Er sang bei der Welsh Opera auch den Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut« und den Pinkerton und war 1983 als Siegmund in der »Walküre« abermals sehr erfolgreich. 1983 sang er bei der Canadian Opera Company den Lohengrin, 1984 den Turiddu in »Cavalleria rusticana«. Gastspiele auch an der Oper von San Francisco (1980 als Melot und 1990 als Tambourmajor in A. Bergs »Wozzeck«) und beim Tanglewood Festival. 1985 sang er in der New Yorker Carnegie Hall den Siegmund in einer konzertanten Aufführung der »Walküre« unter Julius Rudel, 1986 an der Opéra du Rhin Straßburg den Lohengrin. 1986 erfolgte sein Debüt an der Covent Garden Oper London als Siegmund; 1988 hatte er dort als Parsifal einen besonderen Erfolg. Seit 1987 Mitglied der Deutschen Oper Berlin, wo er u.a. auch den Florestan im »Fidelio« und den Max im »Freischütz« übernahm. Es schlossen sich Gastspiele am Grand Théâtre Genf (1987 als Siegmund), an der Wiener Staatsoper (1987-88 als Siegmund und als Parsifal) und am Theater von Lausanne (1988 als Giasone in »Medea« von Cherubini) und am Théâtre des Champs-Élysées Paris (1988 als Siegmund), in Los Angeles (1988 als Tambourmajor in »Wozzeck« von Alban Berg), bei der English National Opera London (1986 als Parsifal) und an der Londoner Covent Garden Oper (1988 als Parsifal) an. 1990 sang er beim Maggio Musicale von Florenz, 1992 in Genua den Jim Mahoney in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill, 1991 im Straßburger Kongresspalast und an der Mailänder Scala den Parsifal, 1991-92 bei den Aufführungen des Nibelungenrings in Seattle wie bereits 1990 an der Deutschen Oper Berlin den Siegmund. Er starb 1993 im Alter von nur 41 Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Karriere stehend, in Houston/Texas..

Schallplatten: HMV (Titelheld in vollständiger »Parsifal«-Aufnahme unter Sir Reginald Goodall).

28.10. Claramae TURNER: 95. Geburtstag

Claramae_TURNER

 Gesangstudium bei Nino Comel, Armando Angini und Giacomo Spadoni in San Francisco, dann bei Dick Marzollo in New York. Nachdem sie bereits im Konzertsaal aufgetreten war, erfolgte ihr Bühnendebüt 1942 an der San Francisco Opera (unsichtbar) als Stimme in »L’Amore dei Tre Re« von Montemezzi. An der Oper von San Francisco sang sie bis 1974 u.a. auch die Stimmer der Mutter in »Hoffmanns Erzählungen«, die Schenkenwirtin wie die Amme wie die Marina in »Boris Godunow«, die Mercedes wie die Titelrolle in »Carmen«, die Grimgerde in der »Walküre«, die Berta im »Barbier von Sevilla«, die Marthe im »Faust« von Gounod, die 2. Norn in der »Götterdämmerung«, die alte Dame in »L‘Amore dei Tre Re«, die Marcellina in »Le nozze di Figaro«, die Mutter in »Louise« von Charpentier, die Maddalena im »Rigoletto«, die Gertrude in »Roméo et Juliette« von Gounod, die Mamma Lucia in »Cavalleria rusticana«, die Preziosilla in »La forza del destino«, die Cieca in »La Gioconda« von Ponchielli, die Emilia in Verdis »Otello«, die Gräfin Coigny wie die Madelon in »Andrea Chénier«, die 3. Dame in der »Zauberflöte«, die Herodias in »Salome« von R. Strauss, die Principessa in »Suor Angelica«, die Zita in »Gianni Schicchi«, die Frugola in »Il Tabarro«, die Azucena im »Troubadour«, die Marquise de Berkenfield in »La fille du régiment«, die Amneris in »Aida«, die Dryade in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, die Mme. de Croissy in »Dialogues des Carmélites« von Poulenc, die Ulrica in Verdis »Un ballo in maschera«, die Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss, die Néris in »Medée« von Cherubini, die Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg« und die Geneviève in »Pelléas et Mélisande«. 1946 folgte sie einem Ruf an die Metropolitan Oper New York, wo sie in ihrer Karriere durch Arturo Toscanini gefördert wurde. Sie sang dort als erste Partie die Marthe im »Faust« von Gounod und brachte in vier Spielzeiten (bis 1950) insgesamt 14 Partien in 105 Vorstellungen zum Vortrag: die Schenkenwirtin, die Amneris, die Grimgerde, die Mutter in »Hänsel und Gretel«, die Gertrude in »Roméo et Juliette«, die Marcellina in »Le nozze di Figaro«, die Erda im »Siegfried«, die Rosette in »Manon« von Massenet, die Mamma Lucia, die Berta, die Auntie in »Peter Grimes« von B. Britten, die alte Dame in »L‘Amore dei Tre Re« und die Zita. 1952-69 wirkte sie an der City Opera New York. Große Erfolge hatte sie 1956 an der Oper von Chicago als Azucena und als Fricka in der »Walküre«; man hörte sie hier auch in »Lord Byron’s Love Letter« von Banfield. Sie wirkte 1967 an der Oper von San Diego in der amerikanischen Premiere von H.W. Henzes Oper »Der junge Lord« mit. 1957-58 erfolgreiches Gastspiel am Teatro Liceu Barcelona; weiter gastierte sie am Teatro Colón von Buenos Aires, in Mexico City, Venedig, Monte Carlo, Boston, Dallas, Houston/Texas, Baltimore, Pittsburgh und Philadelphia. Gleichzeitig war sie eine bedeutende Konzertaltistin. Am 8.5.1946 sang sie im Brander Matthews Theatre der Columbia University in der Uraufführung von Menottis »The Medium« die Partie der Madame Flora (die sie 1952 an der City Opera wiederholte), am 1.4.1954 in der Uraufführung von A. Coplands »The Tender Land« an der City Opera New York, am 1.11.1967 in Washington in »Bomarzo« von Ginastera. Zu ihren Bühnenrollen gehörten auch die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, die Mrs. Quickly in Verdis »Falstaff«, die Türkenbaba in »The Rake’s Progress« (1952 City Opera New York) und die Little Buttercup in der Gilbert & Sullivan-Operette »HMS Pinafore«. Man schätzte neben ihrem ausgeprägten musikalischen Stilgefühl auf der Bühne ihre Kunst der Darstellung in einem weit gespannten Repertoire. Sie trat auch in mehreren amerikanischen Filmen auf. Sie starb 2013 in Santa Rosa (Kalifornien)

Schallplatten der Marken RCA (Ulrica in Verdis »Maskenball« unter Toscanini), Colosseum (»The Medium«, Neris in »Medea« von Cherubini), Hunt-TIS (»Roméo et Juliette« von Gounod), UORC (Preziosilla in »La forza del destino«), Morgan (Marthe im »Faust« von Gounod), CBS (»Bomarzo« von Ginastera).

28.10. Jiří PINKAS: 95. Geburtstag

 Biographie des tschechischen Dirigenten auf Tschechisch:
http://www.filharmonie-brno.cz/jiri-pinkas-p771.html

 28.10. Georgine SCHUBERT: 175. Geburtstag

Sie war die Tochter der berühmten Sopranistin Maschinka Schubert (1815-82) und des Violinisten und Komponisten Franz Schubert (1808-78). Sie wurde zunächst durch ihre Eltern unterrichtet. Als die große Jenny Lind das Kind singen hörte, drängte sie die Eltern, ihr eine Bühnenkarriere zu ermöglichen. Darauf kam sie 1857 nach London und wurde Schülerin des berühmten Pädagogen Manuel Garcia jr. Auch Jenny Lind beteiligte sich an der Ausbildung der jungen Sängerin, die noch durch theatralischen Unterricht in Berlin ergänzt wurde. 1859 fand ihr Bühnendebüt am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg als Amina in »La Sonnambula« von Bellini statt. Als zweite Rolle sang sie dort mit triumphalem Erfolg die Dinorah in der gleichnamigen Oper von Meyerbeer. 1840 ging sie nach Italien und wurde in Florenz als Bertha in »Le Prophète« von Meyerbeer und als Adalgisa in Bellinis »Norma« gefeiert. Nach Deutschland zurückgekehrt, sang sie zuerst an der Hofoper Berlin, anschließend am Opernhaus von Frankfurt a.M. Sie folgte dann einer Einladung an das Théâtre Lyrique Paris. Gounod, der sie hier bei einer Probe zu seinem »Faust« in der Partie der Marguerite hörte, äußerte sich begeistert über die Leistung der jungen Sängerin; auch die berühmten Komponisten Rossini und Auber bewunderten in Paris ihre Kunst. 1864 unternahm sie eine große Gastspieltournee durch Deutschland und war dann 1865-67 Mitglied des Hoftheaters Hannover. 1867 ging sie schließlich an das Hoftheater von Neustrelitz; mit der Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz verband sie eine herzliche Freundschaft, die mit dafür bestimmend war, dass sie in Neustrelitz blieb. Sie unternahm jedoch weiter sehr erfolgreiche Gastauftritte auf der Bühne wie im Konzertsaal und sang u.a. 1875 bei den Monday Popular Concerts in London. Auf dem Höhepunkt ihrer Sängerlaufbahn verstarb sie 1878 plötzlich im Alter von nur 38 Jahren in Neustrelitz.

29.10. Giuseppina GERBINO: 90. Geburtstag

 Ausbildung durch Contessa Irene Morozzo Della Rocca. Bühnendebüt am Teatro Civico von Biella als Lola in »Cavalleria rusticana«. Sie sang dann über Radio Turin (RAI) als Partnerin von Lina Pagliughi in der Operette »Boccaccio« von F. von Suppé und nahm 1949 an ersten Experimenten mit musikalischen Sendungen des italienischen Fernsehens teil. Sie bereiste dann mit einer Gesellschaft Südamerika, die das Vaudeville »Carosello Napoletano« aufführte. 1951 sang sie in Turin die Partie der Samaritana in »Francesca da Rimini« von Zandonai und begann nun eine Karriere in kleinen und Comprimario-Partien des Mezzosopranfachs, die ihr an den großen Bühnen Italiens während der folgenden zwanzig Jahre allseitige Anerkennung eintrugen. Sie sang insgesamt über hundert derartige Rollen an der Mailänder Scala (1955 als Curra in »La forza del destino«), am Teatro Fenice Venedig, am Teatro Regio Parma, am Teatro Grande Brescia, am Teatro Municipale Reggio Emilia, am Teatro Petruzzelli Bari und an vielen anderen Opernbühnen wie auch im italienischen Rundfunk. Am 2.1.1955 wirkte sie an der Mailänder Scala in der Uraufführung der Oper »David« von Darius Milhaud mit. Die Sängerin war mit dem Violinisten Adriano Crotta verheiratet und ist auch unter dem Namen Giuse Gerbino-Crotta aufgetreten. Sie starb im Jänner 2004.

Schallplatten: Kleine Partien in Opern-Gesamtaufnahmen auf Cetra, darunter die Giovanna in Verdis »Rigoletto« zusammen mit Maria Callas, Giuseppe di Stefano und Tito Gobbi.

31.10. Ferenc SZILÁGYI: 90. Geburtstag

Biographie des ungarischen Tenors auf Ungarisch: https://hu.wikipedia.org/wiki/Szil%C3%A1gyi_Ferenc_(opera%C3%A9nekes)

 

 

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