Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM NOVEMBER 2017

IN MEMORIAM-Geburtstage im November 2017

Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

1.11. Gian Piero MASTROMEI: 85. Geburtstag

Gian Piero MASTROMEI

Seine Familie war italienischer Abstammung, wanderte aber nach Argentinien aus. Er erhielt seine Ausbildung in Buenos Aires, zum Teil bei dem berühmten Bariton Apollo Granforte. Er kam als Eleve an das Teatro Colón Buenos Aires, in dessen Opernschule er durch Mario Melani und Hina Spani weitergebildet wurde. Er debütierte 1959 am Teatro Colón Buenos Aires als Schaunard in »La Bohème« und trat während 13 Spielzeiten an diesem Haus auf. 1962 kam er nach Europa und war dort zuerst am Opernhaus von Marseille erfolgreich. 1969 debütierte er als Scarpia in »Tosca« an der Wiener Staatsoper, an der er bis 1990 in 107 Aufführungen in Erscheinung trat (als Luna im »Troubadour«, als Escamillo in »Carmen«, als Posa in Verdis »Don Carlos«, als Carlo in Verdis »La forza del destino«, als Jago in Verdis »Otello«, als Amonasro in »Aida«, als Tonio im »Bajazzo«, als Marcello in »La Bohème«, als Macbeth in der gleichnamigen Verdi-Oper, als Sharpless in »Madame Butterfly«, als Rigoletto, als Lescaut in Massenets »Manon«, als Germont-pêre in »La Traviata« und als Dulcamara in »L’Elisir d‘amore«). Bei den Festspielen in der Arena von Verona hörte man ihn 1971-72, 1976 sowie 1983-86 als Amonasro, 1974 und 1984 als Scarpia. An der Mailänder Scala debütierte er 1972 als Amonasro und hatte hier noch im gleichen Jahr als Renato in Verdis »Un ballo in maschera« großen Erfolg; 1973 sang er an der Scala nochmals den Amonasro, 1975 den Scarpia. 1972 am Teatro Colón als Carlo in »La forza del destino« zu Gast, 1972-74 am Teatro Liceu Barcelona. Er sang bei den Festspielen von Caracas, Oviedo und Bilbao sowie während einer italienischen Saison in Tokio. Im Verlauf seiner Karriere trat er auch in London und Hamburg, in Madrid und Budapest, in San Francisco (1973 als Germont-père), Dallas und Philadelphia auf. 1987 sang er den Amonasro bei den Aufführungen von Verdis »Aida«  vor den Tempeln im ägyptischen Luxor. 1989 Gastspiel in Havanna als Scarpia. Er ist im September 2016 verstorben.
Schallplatten: RCA (»Simon Boccanegra« von Verdi), Philips (»Il Corsaro« von Verdi), MRF (»Aida«).

1.11. Eugene TOBIN: 100. Geburtstag

Eugene TOBIN

Er wurde zuerst Sekretär; nach seinem Studium in New York (1946-52) hatte er seine ersten bedeutenden Erfolge während seines Wirkens an der Oper von Düsseldorf in den Jahren 1952-54. 1955-68 Mitglied der Staatsoper Stuttgart, wo er 1961 als Partner von Renata Tebaldi den Cavaradossi in Puccinis »Tosca« sang. In den Jahren 1956-64 bestand ein Gastspielvertrag mit der Hamburger Staatsoper, in ähnlicher Weise 1959-61 mit der Städtischen Oper Berlin und 1960-65 mit dem Opernhaus von Köln verbunden. 1953-54 sang er kleinere Rollen bei den Festspielen von Bayreuth (1953 den Hirten in »Tristan und Isolde«, 1953-54 einen der Gralsritter im »Parsifal« und 1954 einen der Edlen im »Lohengrin«). 1954 wirkte er beim Maggio Musicale von Florenz mit, 1958 sang er bei den Zürcher Festwochen den Cavaradossi als Partner von Birgit Nilsson, 1961 den Erik in »Der fliegende Holländer«. 1956 debütierte er an der Wiener Staatsoper als Cavaradossi. Hier sang er bis 1963 in insgesamt 32 Vorstellungen außerdem noch den Radames in »Aida«, den Kalaf in Puccinis »Turandot«, den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, den Don José in »Carmen«, den Canio im »Bajazzo«, den Froh im »Rheingold« und den Erik. 1959 gastierte er an der Oper von Chicago als Erik, 1960 in Köln als Riccardo im »Maskenball« von Verdi. 1963 hörte man ihn an der Mailänder Scala als Froh. 1964 Gastspiel am Teatro San Carlo von Neapel. Seit 1965 auch Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Er starb 2014 in South Bend (St. Joseph County, Indiana). – Kraftvolle, namentlich im heldischen Repertoire der italienischen Oper beheimatete Stimme.
Schallplatten: Telefunken, Opera (Querschnitt »Otello« von Verdi); Artists International-Video (Cavaradossi in »Tosca« als Partner von Renata Tebaldi).

2.11. Paul ABRAHAM: 125. Geburtstag

Er wurde in der donauschwäbischen. deutschsprachigen Gemeinde Apatin (damals Ungarn) als Sohn des jüdischen Kaufmanns Jakab Ábrahám und seiner Frau Flóra Blau geboren. In Budapest, das bis 1918 zum österreichisch-ungarischen Reich der Habsburger-Monarchie gehörte, studierte er an der Königlich-Ungarischen Musikakademie bei Victor von Herfeld Komposition (1913-17). Während des Studiums entstanden erste Kompositionen, die im großen Musiksaal der Akademie aufgeführt wurden. Es handelte sich um eine ungarische Serenade, ein Cellokonzert und ein Streichquartett (alle 1915). „Verwegene Bankgeschäfte“ haben ihn, wie er später selbst erzählte, Anfang 1924 als Bankrotteur ins Gefängnis gebracht. Das Strafmaß ist unbekannt. Abraham arbeitete dann als Angestellter und dirigierte nebenbei in Cafés und Jazzkellern kleine Ensembles. 1927 wurde Abraham Kapellmeister am Budapester Hauptstädtischen Operettentheater, wo er in der Folge mit vier Liedern für die Operette Zenebona Aufsehen erregte. Der Gatte des Fräuleins war dann sein erstes eigenes Musiktheaterstück. 1930 wurde dann in Budapest die Operette Viktória erfolgreich uraufgeführt. Zeitgleich wurde er in Deutschland mit einem Lied aus Der Gatte des Fräuleins bekannt. Dieses steuerte Paul Abraham dem ersten UFA-Tonfilm Melodie des Herzens bei. Unter dem Titel Bin kein Hauptmann, bin kein großes Tier, wurde die Komposition, gesungen von Willy Fritsch, zu einem riesigen Schallplattenerfolg. Mit der Ausweitung seiner Popularität in Deutschland übersiedelte er nach Berlin. Dort wurde er Anfang der 1930er zum gefragtesten Komponisten seiner Zeit. Mit der überarbeiteten Operette Viktória (unter dem neuen Namen Viktoria und ihr Husar), der Blume von Hawaii und dem Ball im Savoy schuf er zusammen mit den Librettisten Alfred Grünfeld und Fritz Löhner-Benda die erfolgreichsten musikalischen Bühnenstücke in ganz Europa. Durch seine modernen Kompositionen, in denen er traditionelle Elemente mit jazzigen Rhythmen kombinierte, galt er als der Erneuerer und Retter des etwas in die Jahre gekommenen Genres Operette. Gleichzeitig steuerte er die Musik zu zahlreichen Filmen aus Produktionen in Deutschland und im europäischen Ausland bei. 1933 endete dieser Höhenflug jäh durch die Machtübernahme an die Nationalsozialisten. Der Jude Abraham musste zurück nach Budapest gehen, seine Musik wurde geächtet und geriet in Deutschland in Vergessenheit. In Wien konnte er in den 1930ern noch die Operetten Märchen im Grandhotel, Dschainah und Roxy und ihr Wunderteam herausbringen, dann musste er aufgrund der faschistischen Umtriebe, die auch Ungarn erreicht hatten, Budapest verlassen. Er flüchtete ohne seine Ehefrau nach Paris. 1940 kam er über Kuba nach New York, wo er aber nicht Fuß fassen konnte. Im „Mutterland des Jazz“ hatte an seinen Kompositionen niemand Interesse. Eine neue schöpferische Tätigkeit wurde zusätzlich durch eine verhängnisvolle Krankheit verhindert. 1946 dirigierte er geistesverwirrt auf einer belebten New Yorker Straße den Verkehr und erregte auch durch andere Schübe von Geisteskrankheit Aufsehen. Er kam, am vierten Stadium an Syphillis erkrankt, zunächst ins Bellevue Hospital in Manhattan, von dort aus in das Creedmoor State Hospital, eine riesige psychiatrische Anstalt auf Long Island. 1956 kehrte der Komponist – nachdem die Bundesrepublik mit den USA die Fragen der Ausreise des ungarischen Staatsbürgers geklärt hatte – auf Initiative eines maßgeblich von Walter Anatole Persich in Hamburg gegründeten Paul-Abraham-Komitees nach Deutschland zurück. Er wurde zunächst in der Psychiatrie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf behandelt. Danach lebte er noch knapp vier Jahre mit seiner inzwischen aus der Volksrepublik Ungarn ausgereisten Ehefrau zusammen. 1960 starb er nach einer schweren Krebserkrankung und wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt. Bis zu seinem Tode war Abraham weiter der Überzeugung, in New York zu leben und bald wieder einen großen Kompositionserfolg landen zu können.
Seit 2013 erleben die Operetten Paul Abrahams in Deutschland eine Renaissance. In der Folge einer Inszenierung von Ball im Savoy an der Komischen Oper Berlin, die vom Intendanten Barrie Kosky selbst besorgt wurde, finden an deutschen Bühnen vermehrt Inszenierungen von Paul-Abraham-Operetten statt, darunter auch 2014 die deutsche Erstaufführung der Fußball-Operette Roxy und ihr Wunderteam an der Oper Dortmund.
Basis und Voraussetzung für diese Renaissance sind die neuen, sogenannten „Bühnenpraktischen Rekonstruktionen“ der Partituren der Abraham-Operetten von Henning Hagedorn und Matthias Grimminger. Nach der Wiederentdeckung der verloren geglaubten Originalpartituren eines Großteils der Operetten erarbeiten Hagedorn und Grimminger in Zusammenarbeit mit den Verlagen Josef Weinberger und Musik und Bühne Notenausgaben mit dem Ziel, das für die Entstehungszeit der Operetten typische Klang- und Aufführungserlebnis mit den Mitteln eines heutigen Theaterorchesters wieder erlebbar zu machen.
Auch am wechselhaften Leben Abrahams ist in den letzten Jahren neues Interesse erwacht. 2008 schuf János Darvas unter dem Titel Bin nur ein Jonny eine einstündige TV-Dokumentation über Paul Abraham für den deutsch-französischen Sender Arte. 2014 legte der Publizist Klaus Waller die international erste Biographie des Komponisten vor: „Paul Abraham. Der tragische König der Operette“. Und 2015 brachten die Kammerspiele Hamburg in Kooperation mit den Kammerspielen Magdeburg das biographische Theaterstück Abraham von Dirk Heidecke heraus. In der Titelrolle spielte und sang Jörg Schüttauf.

2.11. Elisa BAELS: 200. Geburtstag

Sie hieß eigentlich Elisa Meerti. Die Ausbildung ihrer Stimme erfolgte in Antwerpen und Brüssel. Sie erregte bald nach ihrem Auftreten großes Aufsehen und wurde vor allem von Felix Mendelssohn-Bartholdy bewundert, der sie in den Leipziger Gewandhauskonzerten 1839, 1841 und 1842 auftreten ließ, wobei sie glänzende Erfolge erzielte. 1839 hatte sie ähnliche Erfolge bei einem Konzert der Philharmonic Society London. Sie gab dann Konzerte in Dresden, Prag und Weimar zusammen mit dem belgischen Klarinettisten Arnold Joseph Baels (1814-92). Eine Tournee durch Deutschland (1840) und durch Russland (1842-43) brachte den beiden Künstlern, wo sie auch auftraten, wahre Triumphe. Der berühmte Tenor Giovanni Battista Rubini sang mit ihnen zusammen, der noch berühmtere Franz Liszt begleitete sie am Klavier. Höhepunkte im Repertoire bildeten dabei die Arie »Parto, parto« aus »La clemenza di Tito« von Mozart und Schuberts »Hirt auf dem Felsen«, beide mit obligater Klarinette. 1843 heiratete die große Sängerin den berühmten Klarinettisten. Das Ehepaar setzte seine Reisetätigkeit weiter fort und trat, namentlich in Brüssel und Paris, im Konzertsaal hervor. 1846 ehrte die Société des Concerts in Paris Elisa Baels mit ihrer Medaille. Sie wirkte nach Abschluss ihrer Karriere als Pädagogin in Brüssel, wo sie 1878 starb.

3.11. William Wade HINSHAW: 150. Geburtstag

William Wade HINSHAW als Wotan
Als „Wotan“

Er durchlief an der Valparaiso University Indiana zuerst eine allgemeine musikalische Ausbildung, ließ dann aber speziell seine Stimme ausbilden. 1899 debütierte er bei der Savage Opera Company in St. Louis als Mephisto im »Faust« von Gounod und erschien anschließend bei verschiedenen anderen amerikanischen Operngesellschaften. Er gründete nach der Jahrhundertwende in Chicago eine Opern- und Theaterschule, die 1903 in das Chicago Conservatory aufging. Zusammen mit dem Tenor James F. Sheehan rief er in Chicago die Metropolitan Grand Opera Company ins Leben, die im International Theatre in Chicago Opern in englischer Sprache herausbrachte. In der ersten Vorstellung dieser Gesellschaft sang er 1908 den Telramund im »Lohengrin«. 1910 wurde er an die New Yorker Metropolitan Oper engagiert, wo er als Antrittsrolle den Biterolf im »Tannhäuser« sang. Bis 1913 trat er dort in insgesamt 143 Vorstellungen in mittleren und kleineren Partien, vor allem aus dem Wagner-Repertoire, auf, so als Titurel im »Parsifal«, als Heerrufer im »Lohengrin«, als Melot in »Tristan und Isolde«, als Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg« und als Donner im »Rheingold«. Gelegentlich übernahm er aber auch größere Aufgaben wie den Amfortas im »Parsifal« und den Gunther in der »Götterdämmerung«. Am 28.12.1910 wirkte er in der Uraufführung der »Königskinder« von Humperdinck in einer kleineren Rolle mit. Am 14.3.1912 sang er in der Uraufführung der Oper »Mona« von Horatio Parker den Gloom und am 27.2.1913 in der Uraufführung der Oper »Cyrano« von W. Damrosch die Partie des Le Bret. Er wirkte auch in den amerikanischen Erstaufführungen der Opern »Lobetanz« von Thuille (1911) und »Versiegelt« von L. Blech (1912) in kleineren Partien mit. Dazu war er oft in den Sunday Night Concerts der Metropolitan Oper zu hören. 1912 gastierte er in Graz, 1914 in Berlin bei Wagner-Festspielen als Wotan. 1915 wirkte er in Los Angeles in der Uraufführung der Oper »Fairyland« von Horatio Parker in der Rolle des Corvain mit.
Später gastierte er als Konzertsänger und bei weiteren reisenden Operngesellschaften. Er leitete mehrere derartige Operntruppen, so die Hinshaw Opera, mit der er 1920-26 die USA, Kanada und Kuba bereiste. Er setzte sich für standespolitische und soziale Probleme der amerikanischen Sänger ein und war in den Jahren 1918-20 Präsident der Society of American Singers in New York. Er starb 1947 in Washington.

3.11. Siegfried KALLENBERG: 150. Geburtstag

Er wurde in Schachen als Urenkel des Schriftstellers Jean Paul, Enkel des Malers Ernst Förster und Sohn des Turners und Jahn-Mitstreiters Karl Kallenberg (1825–1900) geboren. Sein Taufpate war der italienische Nationalheld Giuseppe Garibaldi. Nachdem Siegfried Kallenberg das Abitur abgelegt hatte, studierte er am Königlichen Konservatorium für Musik in Stuttgart, und daraufhin an der Königlichen Akademie der Tonkunst in München, wobei er sich auf die Kompositionslehre spezialisierte. Er unterrichtete an Konservatorien in Stettin, Königsberg und Hannover und stand diesen Einrichtungen auch als Rektor vor. Im Jahre 1910 zog er sich vom aktiven Dienst zurück und ließ sich in München nieder, um fortan als freischaffender Künstler zu leben. Er veröffentlichte in der NS-Zeitschrift Musik im Kriege.
Siegfried Kallenberg starb am 9. Februar 1944 in München.

4.11. Zaccaria Cirilo MARQUES: 90. Geburtstag

Ausbildung durch den Pädagogen Domenico Silvestro in Rio de Janeiro. Er debütierte 1958 in Rio de Janeiro als Rodolfo in »La Bohème«. Seither gehörte er zu den beliebtesten Sängern des Opernhauses von Rio de Janeiro. Erfolgreiche Gastspiele am Teatro Colón Buenos Aires, an der Oper von São Paulo und am Teatro Massimo Palermo. Höhepunkte in seinem Bühnenrepertoire waren Partien in Opern von Verdi, Puccini, Bizet, Donizetti, Mascagni, Massenet und vor allem die Tenorpartien in den Opern des brasilianischen Komponisten Carlos Gomes. Auch als Konzertsänger kam er zu einer bedeutenden Karriere. 1972 wurde er von der Brasilianischen Musikakademie mit einer besonderen Auszeichnung geehrt. Er starb 1985 in Rio de Janeiro.
Schallplattenaufnahmen: Master Class (vollständige Oper »Fosca« von Carlo Gomes, São Paulo, 1973), Mitschnitte von Rundfunksendungen unter privaten Etiketten.

4.11. Poul Rovsing OLSEN: 95. Geburtstag

Biographie des dänischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Poul_Rovsing_Olsen

5.11. Ingeborg EXNER: 95. Geburtstag

Sie studierte am Konservatorium der Stadt Berlin Klavierspiel und Gesang, weitere Ausbildung durch Frida Leider und Ivo Götte in Berlin. Debüt 1949 am Staatstheater von Dessau als Pamina in der »Zauberflöte« (in einer Aufführung, womit das neue Haus dieses Theaters eingeweiht wurde). Sie kam von dort 1951 an das Staatstheater von Karlsruhe, 1953-55 sang sie am Stadttheater von Bielefeld, 1955-59 an der Städtischen Oper Berlin. 1959-67 war sie als erste Sopranistin am Opernhaus von Köln tätig, bis 1970 durch einen Gastvertrag dem Stadttheater von Würzburg verbunden. Erfolgreiche Gastspiele an der Wiener Staatsoper (1956 als Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, 1961 als Senta in »Der fliegende Holländer«), an der Oper von Monte Carlo (1957 als Gräfin in »Le nozze di Figaro«), am Teatro San Carlos Lissabon (1962 als Kaiserin in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss), am Teatro Regio Parma (1962 als Leonore im »Fidelio«, die als ihre besondere Glanzrolle galt), an der Mailänder Scala (1963 als 3. Norn in der »Götterdämmerung«), am Opernhaus von Cagliari (1966 als Senta), an der Opéra du Rhin Straßburg (1964 als Ariadne in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, 1965 als Kaiserin), an den Staatsopern von Hamburg und München, am Staatstheater von Hannover (jeweils als Leonore im »Fidelio«). Aus ihrem umfangreichen Bühnenrepertoire sind außerdem die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Elsa im »Lohengrin«, die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Abigaille in Verdis »Nabucco«, die Amelia in dessen »Simon Boccanegra«, die Leonore in »La forza del destino«, die Aida, die Alice Ford im »Falstaff« von Verdi und die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen« zu nennen. Seit 1970 war sie Dozentin an der Musikhochschule von Köln. Sie starb 1979 in Köln. – Warm timbrierte, ausdrucksvolle Sopranstimme.
Schallplatten: Opera (Santuzza in Ausschnitten aus »Cavalleria rusticana« als Partnerin von Sandor Konya), HMV-Electrola, DGG (Werke von Debussy).

5.11. Marie DICKMANN: 200. Geburtstag

Sie studierte in Berlin Klavierspiel und Gesang bei Nicolai; ergänzende Gesangstudien führte sie, ebenfalls in Berlin, bei L. Rellstab durch. 1835 trat sie der Berliner Singakademie bei und trug dort als Debüt ein Solo in dem Oratorium »Joseph« von G.F. Händel vor. 1837 kam es dann zu ihrem Bühnendebüt, indem sie am Königstädtischen Theater Berlin die Giulietta in Bellinis »I Capuleti e i Montecchi« sang. Bis 1839 durchlief sie an diesem Haus wie auch als Konzertsolistin in der preußischen Hauptstadt eine große Karriere, gastierte 1839 am Hoftheater von Hannover und wechselte dann 1839 an das Theater von Breslau. Dort heiratete sie 1841 den Musikdirektor Eugen Seidelmann (1806-65). Sie setzte ihre Karriere bis 1845 fort, beendete diese aber im Alter von noch nicht einmal dreißig Jahren. Ihre wichtigsten Bühnenpartien waren die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Adalgisa in »Norma«, die Anna in »Die weiße Dame« von Boieldieu, die Angélique in »Der schwarze Domino« von Auber und die Effie in »Le Brasseur de Preston« von Adolphe Adam.

6.11. Leo GOEKE: 80. Geburtstag

Leo GOEKE

Er studierte an der Louisiana University, dann an der State University of Iowa bei David Lloyd, in New York bei Hans Heinz und bei Margaret Harshaw. Er begann seine eigentliche Karriere in den sechziger Jahren und wurde dann in das Opernstudio der Metropolitan Oper New York aufgenommen, an der er 1970 als Gastone in »La Traviata« debütierte und bis 1974 in insgesamt 212 Vorstellungen anfangs kleinere Rollen (u.a. Graf von Lerma in Verdis »Don Carlos«, Arturo in »Lucia di Lammermoor«, Nathanael in »Hoffmanns Erzählungen«, Richter in Verdis »Un ballo in maschera«, junger Diener in »Elektra« von R. Strauss und  Borsa in »Rigoletto«), später aber auch den Beppe im »Bajazzo«, den Jaquino im »Fidelio«, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Herzog im »Rigoletto«, den Ferrando in »Così fan tutte«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Cassio in Verdis »Otello«, den Alfredo in »La Traviata«, den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, den Hylas in »Les Troyens« von Berlioz und  den Tamino in der »Zauberflöte« sang. Er verlegte sich in der Hauptsache auf das lyrische Tenorfach und sang Partien wie den Ernesto im »Don Pasquale« von Donizetti, den Tom Rakewell in »The Rake’s Progress« von Strawinsky und die Tenorpartien in Mozart-Opern. Man hörte ihn an den Opern von Baltimore und Seattle, an der New York City Opera, in Straßburg, Amsterdam und beim Festival von Glyndebourne. Hier sang er 1973 den Flamand im »Capriccio« von R. Strauss, 1974 den Idamante in Mozarts »Idomeneo«, 1975 und 1977-78 den Tom Rakewell, 1977 den Don Ottavio und 1978 den Tamino. Auch der Staatsoper von Stuttgart verbunden, an der er 1981 in der deutschen Erstaufführung der Oper »Satyagraha« von Philipp Glass mitwirkte. In seinem Repertoire für die Bühne fanden sich weiter der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der Des Grieux in Massenets »Manon«, der Pinkerton in »Madame Butterfly« und der Admet in »Alceste« von Gluck, den er 1982 in Louisville/Kentucky sang. Auch im Konzertsaal erfolgreich aufgetreten. Er starb 2012 in Pittsfield (Massachusetts).
Schallplatten: RCA (Beppe im »Bajazzo«), Gala (»La Sonnambula« von Bellini, New York 1961); Pickwick-Video (»Don Giovanni« aus Glyndebourne, 1977; »The Rake’s Progress«), Longman-Video (»Die Zauberflöte«), Arthaus-Video (»Satyagraha« von Philip Glass, Stuttgart 1981).

6.11. András MIHÁLY: 100. Geburtstag

Er studierte an der Musikhochschule Budapest bei Leó Weiner, Pál Kadosa und Imre Waldbauer. Ab 1946 war er Solocellist an der Staatsoper, ab 1950 war er Professor für Kammermusik an der Musikhochschule. 1967 gründete er das Ungarische Kammerensemble, das sich der Pflege der avantgardistischen Musik widmete. Mihály komponierte eine Oper (Együtt és egyedül: Vereint und allein, 1966), drei Sinfonien, ein Cello-, ein Violin- und ein Klavierkonzert, eine Fantasie für Bläser und Orchester, kammermusikalische Werke, Klavierstücke, Chormusik und Lieder. 1971 komponierte er die Musik zum Film Szerelem. Er starb 1993 in Budapest.

7.11. Trudeliese SCHMIDT: 75. Geburtstag

Trudeliese Schmidt

Sie erhielt zunächst eine kaufmännische Ausbildung und studierte Gesang nur in ihrer Freizeit. Dann Ausbildung der Stimme in Saarbrücken bei Hannes Richrath und in Rom. 1965 begann sie ihre Bühnenkarriere am Landestheater von Saarbrücken als Hänsel in »Hänsel und Gretel« von Humperdinck. Über das Hessische Staatstheater in Wiesbaden kam sie 1969 an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Damit begann für die Künstlerin eine große internationale Laufbahn. Seit 1971 war sie durch Gastspielverträge mit den Staatsopern von Hamburg und München verbunden. An der Wiener Staatsoper debütierte sie 1974 als Octavian im »Rosenkavalier« und sang bis 1991 dort außerdem den Niklaus in »Hoffmanns Erzählungen«, den Komponisten in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, den Annio in »La Clemenza di Tito« von Mozart, den Silla in »Palestrina« von H. Pfitzner, die Dorabella in »Cosí fan tutte«, den Cherubino in »Le nozze di Figaro« und die Brangäne in »Tristan und Ioslde« in insgesamt 120 Vorstellungen. Sie gastierte regelmäßig an der Oper von Frankfurt a.M. Auch an der Deutschen Oper Berlin, in Essen, Stuttgart und Nürnberg, wo sie 1969 an der Uraufführung der Oper »Träume« des koreanischen Komponisten Isang Yun teilnahm, an der Niederländischen Oper Amsterdam, an der Covent Garden Oper London (1974 als Cherubino), in Zürich und Nancy hatte sie ihre Erfolge. 1972 und 1974 trat sie beim Holland Festival in Erscheinung. Große Erfolge hatte die Künstlerin auch bei ihrem Auftreten im deutschen Fernsehen (zum Teil in eigenen Seriensendungen) und im Rundfunk. Sie gastierte in Moskau und Leningrad und unternahm 1974 mit dem Ensemble der Münchener Oper eine Gastspieltournee durch Japan. 1975 wirkte sie bei den Bayreuther Festspielen als Wellgunde und als Grimgerde im Nibelungenring sowie als einer der Knappen und als Blumenmädchen im »Parsifal« mit. 1976 sang sie bei den Festspielen von Glyndebourne die Dorabella. 1977 gastierte sie als Cherubino am Grand Théâtre Genf. 1983 an der Oper von Lyon als Marguerite in »La damnation de Faust« von Berlioz, 1986 am Teatro Regio Turin als Octavian aufgetreten. Sehr erfolgreich auch bei den Festspielen von Salzburg, dort sang sie 1974 und 1978-80 die 2. Dame in der »Zauberflöte«, 1979-82 den Komponisten in »Ariadne auf Naxos«, 1980 den Cherubino, 1981-82 die Meg Page in Verdis »Falstaff«, 1983-84 den Idamante in »Idomeneo« von Mozart, 1985-87 die Clairon im »Capriccio« von Richard Strauss und 1995-96 die Marcellina in »Le nozze di Figaro«; sie wirkte in Salzburg in mehreren Konzertveranstaltungen mit (1975 in Mahlers 8. Sinfonie, 1984 in Mozarts C-Moll-Messe, 1986 als Solistin in der Missa solemnis von Beethoven). An der Grand Opéra Paris gastierte sie 1983 als Cherubino und als Orlofsky in der »Fledermaus«, 1983 und 1986 als Komponist in »Ariadne auf Naxos«, 1984 als Octavian, 1987 als Idamante und als Sesto in »La clemenza di Tito« von Mozart, 1992 als Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss und 1995 als Leokadia Begbick in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill. 1986 nahm sie an der Japan-Tournee der Wiener Staatsoper teil. An der Mailänder Scala gastierte sie 1984 als Komponist in »Ariadne auf Naxos« und 1989 als Fatima im »Oberon« von Weber (nachdem sie bereits 1978 beim Gastspiel der Zürcher Oper La Musica und Speranza in Monteverdis »L‘Orfeo« und die Ottavia in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea« gesungen hatte). Bei den Festspielen von Schwetzingen sang sie in der Uraufführung der Oper »Enrico« von Manfred Trojahn die Partie der Marchesa (11.4.1991), am Théâtre de la Monnaie Brüssel trat sie in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea« auf. 1996 sang sie an der Deutschen Oper am Rhein die Herodias in »Salome« von R. Strauss, 1998 die Küsterin in »Jenufa« von Janácek, 1997 bei der Reisopera Nederland (Forum Enschede) in dem Monodrama »Erwartung« von A. Schönberg, an der Staatsoper von München die Marcellina in »Le nozze di Figaro«, 1998 dort die Baronin Grünwiesel in »Der junge Lord« von H.W. Henze, 2000 wieder die Marcellina. Sie wurde vor allem in Travestierollen (neben den bereits erwähnten Partien auch als Siebel im »Faust« und als Page Isolier in »Le Comte Ory« von Rossini) bekannt, wobei ihr gesangliches Können durch ihre charmante Bühnenerscheinung glücklich ergänzt wurde. Weitere Glanzrollen der Künstlerin waren die Columbina in »Arlecchino« von Busoni, die Preziosilla in Verdis »La forza del destino«, die Isabella in Rossinis »L‘Italiana in Algeri«, die Amastris in »Serse« von Händel, die Carlotta in »Die Gezeichneten« von Fr. Schreker (Düsseldorf 1987), die Charlotte in der zeitgenössischen Oper »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann und die Titelfigur in »Mignon« von A. Thomas. Große Konzertkarriere; am 29.6.1985 sang sie das Alt-Solo in einer denkwürdigen Aufführung der Krönungsmesse von Mozart im Petersdom in Rom unter H. von Karajan während Papst Johannes Paul II. die Messe zelebrierte. Auch im Konzertsaal erschien sie in einem sehr umfangreichen Repertoire. Sie starb 2004 in Saarbrücken. – Ihre Schwester Ingrid Caven (* 3.8.1938 Saarbrücken) entfaltete eine erfolgreiche Karriere als Schauspielerin und Chansonsängerin (letzteres zumal in Frankreich).
Trudeliese Schmidt ist auf sehr vielen Schallplatten zu hören: auf Eurodisc (»Der Barbier von Bagdad« von Cornelius, »Madame Butterfly«, »L‘Egisto« von Cavalli, »Iphigenie in Aulis« von Gluck), Decca (»Die lustigen Weiber von Windsor« von Nicolai), HMV-Electrola (»Mathis der Maler« von Hindemith, »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, 8. Sinfonie von G. Mahler), Telefunken (»Idomeneo« von Mozart), »L‘Orfeo«, »L’Incoronazione di Poppea« und »Il ritorno d’Ulisse in patria« von Monteverdi, »Dido and Aeneas« von Purcell, DGG (9. Sinfonie und Missa solemnis von Beethoven), BASF (Mozart-Requiem, Salve Regina von J. Haydn aus der Barock-Kirche Birnau), Corona (Bach-Kantaten), CPO (»Enrico« von M. Trojahn), Capriccio/EMI (»Die sieben Todsünden« von K. Weill); DGG-Video (»Ariadne auf Naxos«).

7.11. Patricia BROOKS: 80. Geburtstag

Patricia Brooks

Erste Ausbildung durch ihre Mutter E. Brooks, die selbst Sängerin war. Sie begann dann auch eine Ausbildung als Tänzerin, die zum Teil bei der berühmten Martha Graham stattfand. Anfänglich war sie Schauspielerin, Tänzerin und Sängerin volkstümlicher Lieder, entschloss sich dann aber zur seriösen Sängerlaufbahn und studierte nochmals bei Margaret Harshaw in New York, bei Daniel Ferro und Luigi Ricci in Rom. Sie debütierte 1960 an der New York City Opera als Marianne Leitmetzerin im »Rosenkavalier« und als Musetta in Puccinis »Bohème«. Seither hatte sie länger als 15 Jahre an diesem Opernhaus immer wieder große Erfolge. Hier wirkte sie 1961 in der Uraufführung der Oper »Crucible« von Robert Ward, 1960 in der amerikanischen Erstaufführung von »Der Revisor« von W. Egk unter Leitung des Komponisten mit. Sie sang auch an den Opern von Chicago, Memphis, New Orleans, Philadelphia und Santa Fé (u.a. 1967 in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Boulevard Solitude« von H.W. Henze) und war eine geschätzte Konzertsopranistin. 1966 wirkte sie in Lawrence (Kansas) in der Uraufführung der Oper »Carry Nation« von Douglas Moore mit. An der Londoner Covent Garden Oper war sie 1969 als Königin von Schemacha in Rimsky-Korssakows »Der goldene Hahn« zu hören. Auf der Bühne gestaltete sie hauptsächlich Partien aus dem lyrischen Stimmfach (Mozart, Puccini, Verdi, R. Strauss, Debussy, Rossini, Gounod), übernahm aber auch Aufgaben in modernen Werken von Strawinsky, Henze und Carl Orff. Eine ihrer großen Kreationen war die Titelfigur in »Lulu« von Alban Berg, die sie u.a. 1974 an den Opern von Santa Fé und Houston/Texas sang. Ihre weiteren Bühnenpartien waren die Sophie im »Rosenkavalier«, die Traviata, die Manon von Massenet, die Nedda im »Bajazzo«, die Gilda im »Rigoletto«, die Lucia di Lammermoor und als eine besondere Glanzrolle die Mélisande in »Pelléas et Mélisande«. Sie starb 1993 in Mount Kisko (New York).
Schallplatten: CRI (»The Crucible« von R. Ward), MRF (»La Canterina« von Haydn).

7.11. Klaus KIRCHNER: 90. Geburtstag

Klaus Kirchner

Er begann nach der Teilnahme am Zweiten Weltkrieg ein Studium der Wirtschaftswissenschaften, das er mit dem Diplom abschloss, nahm daneben aber ein Gesangstudium bei A. Kemper in Essen auf. Weitere Ausbildung der Stimme durch Clemens Glettenberg in Köln und durch den Pädagogen Müller in Mailand. Bühnendebüt 1954 am Landestheater Detmold in der Partie des Herrn Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«. Seine Engagements waren 1954-56 am Landestheater Detmold, 1956-59 am Stadttheater Mainz, 1959-63 am Theater von Gelsenkirchen, 1963 bis zu seinem Tod 1990 am Staatstheater Karlsruhe. Bei den Bayreuther Festspielen wirkte er 1962 als einer der Edlen im »Lohengrin« mit. Er trat als Gast an der Staatsoper von Wien (1970-71 als Barbier in »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, als Faninal im »Rosenkavalier« und als Figaro im »Barbier von Sevilla« in insgesamt vier Vorstellungen), beim Maggio Musicale von Florenz (1977 und 1980 als Alberich im Nibelungenring), am Teatro Bellini Catania (1980 als Alberich), am Teatro San Carlo Neapel (1981 als Alberich) und 1982 in Athen (als Don Alfonso in »Così fan tutte«) auf, bereits 1977 in einer Konzert-Tournee in Israel. Er trat als Gast weiters an der Deutschen Oper Berlin, an den Staatsopern von München, Hamburg und Stuttgart, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, am Nationaltheater Mannheim, an den Staatstheatern von Hannover, Kassel, Wiesbaden und Darmstadt, an den Opernhäusern von Köln, Nürnberg und Wuppertal auf. Auslandsgastspiele führten ihn an die Niederländische Oper Amsterdam, an die Opéra du Rhin Straßburg, an das Teatro Regio Turin, an das Teatro San Carlos Lissabon, an die Opernhäuser von Genf (1971 als Dr. Schön in A. Bergs »Lulu«) und Zürich. Sein Repertoire war umfangreich und enthielt Partien wie den Don Giovanni, den Figaro wie den Grafen in »Figaros Hochzeit«, den Guglielmo in »Così fan tutte«, den Titelhelden in »Giulio Cesare« von Händel, die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, den König in »Die Kluge« von Carl Orff, den Grafen Eberbach im »Wildschütz« von Lortzing, den Grafen Liebenau in dessen »Waffenschmied«, den Sharpless in »Madame Butterfly«, den Gianni Schicchi von Puccini, den Amfortas im »Parsifal«, den Wolfram im »Tannhäuser«, den Rigoletto, den Renato in Verdis »Maskenball«, den Germont-père in »La Traviata«, den Grafen Luna im »Troubadour«, den Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, den Mandryka in »Arabella« vom gleichen Komponisten und den Eugen Onegin von Tschaikowsky. Er wirkte in Gelsenkirchen am 2.3.1961 in der Uraufführung der Oper »Ariadne« von B. Martinù, in Karlsruhe am 4.3.1967 in der Uraufführung der Oper »Kaiser Jovian« von Rudolf Kelterborn, am 26.9.1970 in »Der Dybuk« von K.K. Füssl und am 6.3.1986, immer noch in Karlsruhe, in der Uraufführung der Oper »Der Meister und Margarita« von Rainer Kunad mit. Seit 1973 war er als Pädagoge an der Musikhochschule von Karlsruhe tätig. Er starb 1990 in Karlsruhe.

7.11. Rainer LÜDEKE: 90. Geburtstag

Er begann seine Ausbildung bei Erwin Roettgen in Essen und wurde dann Schüler der Leipziger Pädagogin Christa-Maria Ziese (1924-2012), die er heiratete. Debüt 1951 am Volkstheater von Halberstadt als Komtur im »Don Giovanni«. 1952-55 sang er beim Sächsischen Landestheater Dresden-Radebeul und wurde 1957 an das Opernhaus von Leipzig verpflichtet. Hier wie bei regelmäßigen Gastspielen an den Staatsopern von Berlin und Dresden hatte er eine sehr erfolgreiche Karriere. Internationale Gastspieltätigkeit mit Auftritten am Bolschoi Theater Moskau, an der Nationaloper von Belgrad, an den Opernhäusern von Lodz und Brno (Brünn). Beim Festival von Lausanne gastierte er 1983 als König Marke in »Tristan und Isolde«. 1990 sang er bei einem Gastspiel des Staatstheaters von Dessau in Ludwigshafen den Ochs im »Rosenkavalier«. Mit seiner voluminösen, ausdrucksstarken Stimme bewältigte er ein sehr umfangreiches Repertoire, sowohl auf der Bühne wie auf dem Konzertpodium; darin fanden sich Opernpartien von Mozart, Verdi, Richard Wagner, Richard Strauss, Bizet, Puccini, Borodin und Tschaikowsky bis hin zu Werken von Gershwin und Paul Hindemith. Seit 1961 Übergang ins Heldenbariton-Fach, später sang er vor allem Partien für Bass-Buffo. Zu nennen sind: der Osmin in der »Entführung aus dem Searil«, der Figaro in »Figaros Hochzeit«, der Don Giovanni, der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Kaspar im »Freischütz«, der Don Pizarro im »Fidelio«, der Stadinger im »Waffenschmied« von Lortzing, der Wotan, der Wanderer wie der Gunther im Nibelungenring, der Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, der Mandryka in dessen »Arabella«, der Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos«, die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, der Wassermann in »Rusalka« von Dvorák, der Ramfis in »Aida« und der Porgy in »Porgy and Bess« von Gershwin. Er starb im Oktober 2005.
Schallplatten der Marken Eterna, Telefunken (»Die Verurteilung des Lukullus« von P. Dessau), Radio DDR-Platten.

7.11. Gertrude GROB-PRANDL: 100. Geburtstag

Gertrude Grob-Prandl

Sie war an der Wiener Musikakademie Schülerin von Frau Singer-Burian. Sie debütierte 1940 an der Wiener Volksoper, an der sie fünf Jahre lang blieb, als Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Sie sang dort u.a. die Amelia in Verdis »Maskenball«, die Elisabetta in dessen »Don Carlos«, die Aida, die Tosca und die Titelfigur in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1943 gastierte sie an den Staatsopern von Dresden und München. 1943-44 gastierte sie bereits als Santuzza und als Elsa im »Lohengrin« an der Wiener Staatsoper. 1945 wurde sie an die Wiener Staatsoper engagiert und sang an diesem Haus bis 1971, als sie sich dort als Venus im »Tannhäuser« von der Bühne verabschiedete, in insgesamt 310 Vorstellungen. Man hörte sie hier als Tosca, als Martha im »Evangelimann« von Kienzl, als Rosalinde in der »Fledermaus«, als Gräfin in »Figaros Hochzeit«, als Amelia im »Maskenball« von Verdi, als Senta in »Der fliegende Holländer«, allein 50mal als Leonore im »Fidelio«, als Ortrud im »Lohengrin«, als Turandot von Puccini, als Elisabeth im »Tannhäuser«, als Martha in »Tiefland« von E. d’Albert, als Brünnhilde im Ring-Zyklus, als Gertrud in »Hänsel und Gretel« von Humperdinck, als 1. Dame in der »Zauberflöte«, als Heilige Jungfrau in »Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen« von Honegger, als Isolde in »Tristan und Isolde«, als Ariadne und als Leonore in »La forza del destino«.  1945-47 war sie auch am Stadttheater von Zürich engagiert. 1949 sang sie bei den Festspielen von Salzburg die 1. Dame in der »Zauberflöte«. Seit 1954 war sie der Berliner Staatsoper als erste dramatische Sopranistin verbunden, trat aber gleichzeitig auch weiterhin in Wien auf. In den Jahren 1961-64 bestand auch ein Gastvertrag mit der Hamburger Staatsoper. Sie gastierte an der Mailänder Scala (1951 als Isolde, 1954 als Brünnhilde in der »Götterdämmerung«), 1951 am Teatro San Carlo Neapel, 1950 am Teatro Colón Buenos Aires (im Nibelungenring), 1950-54 am Teatro Liceu Barcelona, 1958 beim Maggio Musicale von Florenz (als Turandot), 1953 an der Oper von Rom (als Brünnhilde im Ring-Zyklus), 1954 und 1956 bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla (als Turandot). An der Grand Opéra Paris war sie 1953 als Isolde, 1962 in der »Götterdämmerung«, am Théâtre de la Monnaie Brüssel 1954, am Teatro Massimo Palermo 1954, am Teatro Fenice Venedig 1953, am Opernhaus von Bordeaux 1954 (im Nibelungenring), am Teatro Comunale Bologna 1952 (als Brünnhilde im »Siegfried«) und 1953 (als Isolde), am Teatro Verdi Triest 1953, am Teatro Carlo Felice Genua 1959 (als Santuzza) anzutreffen. Weitere Gastspiele an der Covent Garden Oper London (1951 als Turandot), an der Oper von San Francisco (1953 als Isolde, als Brünnhilde in der »Walküre« und als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, zugleich ihr Nordamerika-Debüt) und bei den Festspielen in der Arena von Verona (1954). Sie hat allein die Titelpartie in Puccinis »Turandot« über hundertmal gesungen. 1972 gab sie ihre Karriere auf. Sie starb 1995 in Wien. – Groß dimensionierte, dramatische Sopranstimme, die zumal im Wagner-Repertoire geschätzt wurde.
Auf Nixa sang sie die Donna Anna in einer vollständigen Aufnahme des »Don Giovanni«, auf Remington die Titelrolle in Puccinis »Turandot«, auf Cetra erschien eine Arien-Platte sowie eine vollständige »Tristan und Isolde«-Aufnahme mit der Sängerin als Isolde und Max Lorenz als Tristan, auf Discocorp »Die Zauberflöte« (Mitschnitt aus Salzburg, 1949).

8.11. Marjan TRČEK: 60. Geburtstag

Biographie des slowenischen Tenors auf Slowenisch: https://sl.wikipedia.org/wiki/Marjan_Tr%C4%8Dek

8.11. Ingrid BJONER: 90. Geburtstag

Ingrid Bjoner

Sie studierte zunächst Pharmazie und legte 1951 an der Universität von Oslo ihr Examen als Apothekerin ab. Sie begann dann ihre Sängerausbildung bei Gudrun Boellemose in Oslo und erregte bereits 1952 bei einem Konzert im Dom von Oslo Aufsehen; sie studierte weiter an der Frankfurter Musikhochschule bei Paul Lohmann sowie in Düsseldorf bei Franziska Martienssen-Lohmann, später noch bei Ellen Rapp in New York. 1956 sang sie im Norwegischen Rundfunk die 3. Norn und die Gutrune in der »Götterdämmerung« mit Kirsten Flagstad als Brünnhilde. Darauf wurde sie durch diese an die Oper von Oslo verpflichtet, an der sie 1957 als Donna Anna im »Don Giovanni« debütierte. Als man Kirsten Flagstad einlud, bei den Festspielen von Drottningholm die Titelrolle in »Rodelinda« von Händel zu singen, vermittelte sie diese Aufgabe an Ingrid Bjoner, die darin 1957 in Drottningholm einen ungewöhnlichen Erfolg erzielen konnte. 1957-59 war sie am Opernhaus von Wuppertal tätig und kam von dort für die Jahre 1959-61 an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf- Duisburg. Gastspiele brachten ihr an der Staatsoper Hamburg, in London und San Francisco (1960 als Elsa im »Lohengrin«, zugleich ihr US-Debüt) bedeutende Erfolge. Durch Gastspielverträge war sie mit den Opern von Stockholm und Oslo verbunden. In den Jahren 1959 bis 1986 trat sie als Gast in insgesamt 53 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper auf  (als Donna Anna, als Gräfin in »Le nozze di Figaro«, als Turandot in der gleichnamigen Puccini-Oper, als Isolde, als Desdemona in Verdis »Otello«, als Titelheldin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Leonore im »Fidelio«, als Senta in »Der fliegende Holländer«,  als Brünnhilde in der »Walküre«, als Chrysothemis und später auch in der Titelrolle in »Elektra« von R. Strauss, als Ortrud im »Lohengrin« und als Färberin in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss). Bei den Bayreuther Festspielen sang sie 1960 die Freia, die Helmwige und die Gutrune im Ring-Zyklus. 1961 wurde sie an die Staatsoper von München berufen. Hier sang sie 1963 in der Eröffnungsvorstellung des neu aufgebauten Hauses die Kaiserin in der »Frau ohne Schatten«, 1965 die Isolde in der Gala-Vorstellung zur Hundertjahrfeier von Wagners »Tristan und Isolde« und 1964 mit großem Erfolg die Titelfigur in der Richard Strauss-Oper »Daphne«. 1961 wurde sie an die Metropolitan Oper New York verpflichtet (Antrittsrolle: Elsa), an der sie bis 1974 in insgesamt 48 Vorstellungen als Gutrune, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Donna Anna, als Ariadne, als Gräfin in »Le nozze di Figaro«, als Kaiserin in »Die Frau ohne Schatten«, als Leonore im »Fidelio« und als Turandot zu  sehen war. 1967 gastierte sie an der Covent Garden Oper London als Senta, als Sieglinde in der »Walküre« und als Fidelio-Leonore. Die zumal als Wagner-Interpretin geschätzte Künstlerin gab 1961 Gastspiele in Warschau und Vancouver, 1962 am Opernhaus von Zürich. Bei den Salzburger Festspielen von 1969 und 1970 sang sie die Titelpartie im »Fidelio«. Weitere Gastspiele an der Mailänder Scala (1965 als Elsa, 1972 als Chrysothemis, 1974 als Brünnhilde in der »Walküre«, 1975 als Brünnhilde im »Siegfried«), an der Deutschen Oper Berlin, am Opernhaus von Köln (1981 als Elisabeth im »Tannhäuser«) und an der Staatsoper von Stuttgart. 1974 wirkte sie in der New Yorker Carnegie Hall in der konzertanten amerikanischen Premiere von Busonis »Doktor Faust« mit. Sie erschien 1972 an der Pariser Grand Opéra als Isolde und als Tosca. Sie gab eine Vielzahl weiterer Gastspiele, so 1967 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1969 an der Oper von Rom, 1967 an der Miami Opera, 1970 in Madrid, 1970 am Opernhaus von Pittsburgh, auch an der Königlichen Oper Kopenhagen. Zu ihren großen Partien gehörte auch die Rezia im »Oberon« von Weber. 1985 führte sie an der Oper von Oslo Regie in einer »Elektra«-Aufführung und sang zugleich die Titelrolle, 1986 unternahm sie das gleiche an der Oper von Kopenhagen. 1986 sprang sie bei den Bayreuther Festspielen nochmals als Isolde ein und sang in Karlsruhe die Küsterin in Janáceks »Jenufa«, 1987 im italienischen Rundfunk RAI die Elektra, 1988 an der Münchner Staatsoper die Färberin, 1989 an der Oper von Oslo die Senta, 1990 am Staatstheater Karlsruhe wieder die Färberin. Während ihrer gesamten Karriere trat sie im Konzertsaal in Oratorien, religiösen Vokalwerken und als Lied-Interpretin auf. 1964 wurde sie von König Olav V. von Norwegen mit dem St. Olav-Orden ausgezeichnet. Sie starb 2006 in Oslo.
Schallplatten: Decca (Gutrune und 3. Norn in der »Götterdämmerung«), Ariola-Eurodisc (Szenen aus »Turandot« und »Oberon«), DGG (»Die Frau ohne Schatten«), Eterna (Querschnitt »Aida«), Melodram (»Das Rheingold«, »Götterdämmerung«), SST (Wesendonck-Lieder von R. Wagner, Lieder von Jean Sibelius).

8.11. Jan JORIS: 90. Geburtstag

Biographie des flämischen Baritons auf Niederländisch: http://mechelen.mapt.be/wiki/Jan_Joris

8.11. Ivo VINCO: 90. Geburtstag

Ivo VINCO

Gesangstudium am Liceo Musicale Verona bei Mme. Zilotti, dann in der Opernschule der Mailänder Scala bei Ettore Campogalliani. Sein offizielles Debüt hatte er 1954 am Opernhaus von Verona als Ramfis in »Aida«. 1961 sang er die gleiche Partie bei den Festspielen in der Arena von Verona. Er debütierte jedoch bereits 1952 an der Mailänder Scala (als Spinelloccio und als Notar in »Gianni Schicchi«) und hatte hier eine langjährige Karriere. Er sang an der Scala 1952 den Herold in Verdis »Macbeth«, 1953 den Inigo in Cherubinis »L’Osteria Portoghese«, 1956 den Iona di Midia in I. Pizzettis »La Figlia di Jorio«, 1959, 1963-69 und 1971 den Colline in »La Bohème«, 1959 den Asdrubale in Rossinis »La Pietra del Paragone«, 1960 und 1962 den Conte Rodolfo in Bellinis »La Sonnambula«, 1960 und 1972 den Ramfis, 1961 den Tomsky in »Pique Dame« von Tschaikowsky und den Giorgio in Bellinis »I Puritani«, 1961 und 1963 den Pistola in Verdis »Falstaff«, 1962, 1965 und 1974 den Baldassare in Donizettis »La Favorita«, 1962 den Sparafucile im »Rigoletto«, 1962, 1964, 1967 und 1970 den Ferrando im »Troubadour«, 1964 den Basilio im »Barbier von Sevilla« und den Banquo in Verdis »Macbeth«, 1966 und 1972 den Fiesco in »Simon Boccanegra«, 1972 den Oroveso in Bellinis »Norma«, 1989 und 1991 den Fürsten von Bouillon in »Adriana Lecouvreur« von F. Cilea. An den großen italienischen Bühnen hatte er dann eine sehr erfolgreiche Karriere; er trat an den Opernhäusern von Rom, Neapel, Turin, Venedig, Bologna, Palermo und Parma, bei den Festspielen von Florenz und in den Thermen des Caracalla in Rom auf. Kaum ein anderer Sänger war so oft bei den Festspielen in der Arena von Verona anzutreffen wie er, wo er von 1954-69 alljährlich und dann noch 1971-74, 1978 und 1980-86 sang. Im Ausland gastierte er an den Staatsopern von Hamburg und München, an der Deutschen Oper Berlin, am Teatro Colón von Buenos Aires, an der Grand Opéra Paris (1973 und 1975 als Ferrando im »Troubadour«, 1985 als Samuel in Verdis »Un ballo in maschera«), an den Opern von Monte Carlo, Mexico City, Lissabon, Barcelona und am Bolschoi Theater von Moskau. An der Wiener Staatsoper debütierte er 1963 als Ramfis und war dann bis 1978 in insgesamt 43 Vorstellungen auch als Großínquisitor in Verdis »Don Carlos«, als Sparafucile, als Ferrando im »Troubadour«, als Timur in Puccinis »Turandot«, als Colline, als Pater Guardian in »La forza del destino« und als Lodovico in Verdis »Otello« zu hören. 1970 Debüt an der Metropolitan Oper New York als Oroveso, bis 1978 sang er hier in insgesamt 37 Vorstellungen auch den Ramfis, den Sparafucile, den Ferrando und den Fürsten von Bouillon; weitere Gastspielauftritte an den Opern von Chicago, Miami, Seattle und San Francisco (1977 als Ramfis). 1984 hörte man ihn am Teatro Comunale von Treviso als Simon in »I quattro rusteghi« von E. Wolf-Ferrari. 1988 Gastspiel am Teatro Liceu Barcelona als Alvise in »La Gioconda« von Ponchielli. Er starb 2014 in Verona. – Zeitweilig war er verheiratet mit der berühmten italienischen Altistin Fiorenza Cossotto (* 1935). Sein Neffe und Schüler Marco Vinco wurde als Bass-Bariton bekannt.
Schallplatten: DGG (»Lucia di Lammermoor«, »Il Trovatore«, »Rigoletto«, Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«), Columbia (Alvise in »La Gioconda« von Ponchielli, Bartolo in »Le nozze di Figaro«), EJS (»Iris« von Mascagni), MRF (»Norma« mit Montserrat Caballé), GOP (Tomsky in »Pique Dame« von Tschaikowsky).

8.11. Eugen GURA: 175. Geburtstag

Eugen Gura als Hans Sachs in Bayreuth
Als Hans Sachs

Er war der Sohn eines Volksschullehrers und wollte ursprünglich Maler werde. Er besuchte die Münchner Kunstakademie; dort wurde seine Stimme entdeckt, als er bei der Dilettanten-Aufführung einer Ritterkomödie ein Lied sang. Er konnte nur unter großen Schwierigkeiten zur Ausbildung seiner Stimme kommen; er studierte schließlich in Wien und bei Franz Hauser in München Gesang. 1865 kam es zu seinem Bühnendebüt an der Hofoper von München im »Waffenschmied« von Lortzing. Es schlossen sich Engagements an den Opernhäusern von Breslau (1867-70), Leipzig (1871-76, Antrittsrollen: Wolfram im »Tannhäuser« und Wilhelm Tell von Rossini) und Hamburg (1873-83) an. Während seines Engagements in Hamburg trat er u.a. als Wotan im »Rheingold« und in der »Walküre« (1878) auf. Dann wirkte er 1883-96 an der Hofoper von München. Er galt, vor allem für den Bereich des Wagner-Gesangs, als einer der bedeutendsten Künstler seiner Generation. Bei den ersten Bayreuther Festspielen im Jahre 1876 sang er den Donner im »Rheingold« und den Gunther in der »Götterdämmerung« (bei dieser Aufführung am 17.8.1876 handelte es sich gleichzeitig um die Uraufführung der »Götterdämmerung«, während »Rheingold« bereits 1869 in München uraufgeführt worden war). Bei den Festspielen von Bayreuth sang er 1886 den Amfortas im »Parsifal«, 1886, 1889 und 1982 den König Marke in »Tristan und Isolde«, 1889 und 1892 den Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1882 war er als Gast am Drury Lane Theatre London zu hören; hier sang er wieder den König Marke und den Hans Sachs in den englischen Erstaufführungen der beiden Wagner-Opern »Tristan und Isolde« und »Die Meistersinger von Nürnberg«. In der gleichen Saison trat er am Drury Lane Theatre auch als Lysiart in »Euryanthe« von Weber auf. Er gastierte an der Hofoper von Dresden, an den Hoftheatern von Mannheim und Weimar und am Stadttheater von Basel. Am 19.10.1887 sang er in München in der Uraufführung der Oper »Faust« von Heinrich Zöllner die Titelrolle. 1892 übernahm er in München in der Uraufführung der Oper »Gringoire« von Ignaz Brüll die Titelrolle. Neben seinem Wirken auf der Bühne war er ein hoch angesehener Konzert- und vor allem Liedersänger. Sein Vortrag der Balladen von Carl Loewe galt als klassisch. Er setzte sich in besonderer Weise für das Liedschaffen des damals noch weitgehend unbekannten Hugo Wolf ein. Er nahm im August 1901 in München seinen offiziellen Bühnenabschied als Hans Sachs in der Eröffnungsvorstellung des Prinzregententheaters; 1902 gab er in München einen letzten Liederabend. Zu seinen großen Bühnenrollen gehörten auch der Figaro in »Figaros Hochzeit«, der Leporello im »Don Giovanni«, der Hans Heiling in der gleichnamigen Oper und der Aubry im »Vampyr« von H. Marschner, der Telramund im »Lohengrin«, der Werner Kirchhofer im »Trompeter von Säckingen« und der Hunold im »Rattenfänger« von V. Nessler, der Abul Hassan im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, der Petrucchio in »Der Widerspenstigen Zähmung« von H. Goetz, der König Salomon in Goldmarks »Königin von Saba«, der Rigoletto, der Jago im »Otello« und der Titelheld im »Falstaff« von Verdi sowie der Mephisto im »Faust« von Gounod. Er gab unter dem Titel »Erinnerungen aus meinem Leben« (1905) eine Autobiographie heraus. Er starb 1906 in Aufkirchen am Starnberger See. Sein Sohn Hermann Gura (1870-1944) war wie sein Vater ein bekannter Bariton, Opernsänger und -direktor. Dessen Gattin, Annie Gura-Hummel (1884-1964) war, wie auch die Tochter aus dieser Ehe Anita Gura (1911-78), eine geschätzte Sopranistin. Ein zweiter Sohn von Eugen Gura, Eugen Gura jr. (1869-1940) wurde ein angesehener Schauspieler.
Lit.: R. Quoika: »Eugen Gura« (1968).

9.11. Belén AMPARÁN: 90. Geburtstag

Belén_Amparán

Sie entstammte einer mexikanischen Familie und studierte am Konservatorium von Mexico City, dann in Mailand bei Adelaide Saraceni. 1952 debütierte sie am Teatro Nuovo Mailand. 1956 wurde sie an die Metropolitan Oper New York berufen (Debütrolle: Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach), an der sie bis 1967 in insgesamt 157 Vorstellungen in einer Vielzahl kleinerer und größerer Partien aufgetreten ist, u.a. als Schwertleite in der »Walküre«, als 1. Norn in der »Götterdämmerung«, als Cieca in Ponchiellis »La Gioconda«, als Filipjewna in »Eugen Onegin« von Tschaikowsky, als Madelon in »Andrea Chénier« von Giordano, als Preziosilla in »La forza del destino«, als Zita in Puccinis »Gianni Schicchi«, als Carmen, als Suzuki in »Madame Butterfly«,  als Maddalena im »Rigoletto«, als 3. Dame in der »Zauberflöte«, als Ulrica in Verdis »Un ballo in maschera«, als Lola in »Cavalleria rusticana«, als Annina im »Rosenkavalier«, als Mary in »Der fliegende Holländer«, als Czipra im »Zigeunerbaron« von J. Strauß und  als Azucena im »Troubadour«. Am 16.9.1966 wirkte sie in der Uraufführung der Oper »Anthony and Cleopatra« von S. Barber als Iras mit (zur Eröffnung des neuen Hauses der Metropolitan Oper). Seit 1953 war sie immer wieder an der Oper von Mexico City anzutreffen, zu deren Ensemble sie während der sechziger Jahre gehörte. 1955 gastierte sie an der Oper von Rom und am Teatro Liceu Barcelona, 1959 am Opernhaus von Philadelphia, am Teatro San Carlo Neapel und bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom, wo sie die Amneris in »Aida« sang. 1961 zu Gast an der Oper von Pittsburgh, 1963 in Bordeaux. Weitere Gastspielauftritte am Teatro Regio Parma, an den Opernhäusern von Catania und Florenz, in Wiesbaden und Bordeaux, in Boston und Chicago. 1955 unternahm sie eine ausgedehnte Konzerttournee durch Frankreich. Ihr Bühnenrepertoire besaß einen großen Umfang und enthielt außerdem Rollen wie den Orpheus von Gluck, die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, die Fricka in der »Walküre«, und die Olga im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky. Sie wirkte später als Pädagogin am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand. Sie starb 2002 in Mexico City.
Schallplatten: RCA (Cieca in »La Gioconda«, 1958), Melodram (eine der Walküren in »Die Walküre« aus der Metropolitan Oper, 1956), Myto (Titelrolle in »Carmen« mit Franco Corelli als Partner, 1958 RAI Mailand).

9.11. Heinrich KUPPINGER: 125. Geburtstag

Er war Schüler des Pädagogen Jan van Gorkom in Karlsruhe. 1920 begann er seine Bühnenkarriere als lyrischer Tenor in Freiburg i. Br. Anschließend sang er bis 1924 am Stadttheater von Krefeld und 1924-25 an der Staatsoper von Dresden. Er war 1925-27 am Staatstheater Wiesbaden, 1927-29 an der Staatsoper Berlin, 1929-31 an der Staatsoper Stuttgart, 1931-36 als Heldentenor am Nationaltheater Mannheim tätig, 1938-44 am Stadttheater Mönchengladbach-Rheydt. 1928 sang er in den Aufführungen, die die Berliner Kroll-Oper unter Otto Klemperer veranstaltete, und die damals großes Aufsehen erregten, den Fernando in »Luisa Miller« von Verdi, den Leandro in »Le Médecin malgré lui« von Gounod und in »Cardillac« von Hindemith. Er wirkte am 14.2.1932 am Nationaltheater Mannheim in der Uraufführung der Oper »Der gewaltige Hahnrei« von Berthold Goldschmidt mit, am 24.5.1937 am Stadttheater von Basel in der von »Tartuffe« von Hans Haug. Am 4.9.1937 nahm er am Theater des Volkes in Berlin an der Uraufführung der Operette »Hofball in Schönbrunn« von August Pepöck teil. Gastspiele führten ihn 1927 an die Staatsoper Wien (als Tamino in der »Zauberflöte«), 1929 an das Staatstheater Kassel, 1923 an das Opernhaus Köln. 1925 wirkte er in Dresden in der Uraufführung der Oper »Dr. Faust« von Busoni mit. 1927 sang er an der Berliner Kroll-Oper. Partien aus seinem Bühnenrepertoire: der Idamante in Mozarts »Idomeneo«, der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der Florestan im »Fidelio«, der Max im »Freischütz«, der Tannhäuser, der Königssohn in »Königskinder« von Humperdinck, der Matteo in »Arabella« von R. Strauss, der Pedro in »Tiefland« von E. d’Albert, der Herzog im »Rigoletto«, der Riccardo im »Maskenball« von Verdi, der Manrico im »Troubadour«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Kalaf in Puccinis »Turandot«, der Titelheld in »Dalibor« von Smetana und der Don José in »Carmen«. Er trat auch als Konzertsänger auf. Er starb 1965 in Rheydt.

10.11. Nicolae FLOREI: 90. Geburtstag

Nicolae FLOREI

Am Konservatorium von Bukarest Schüler von Petre Stefanescu-Goanga. Debüt 1955 an der Rumänischen Nationaloper in Bukarest als Nilakantha in »Lakmé« von Delibes. 1955 gewann er drei internationale Gesangwettbewerbe in Bukarest, Warschau und Genf. Für länger als zwanzig Jahre gehörte er dem Ensemble der Bukarester Oper an. Gastspiele an den Nationalopern von Prag, Budapest und Zagreb, an der Münchner Staatsoper, am Nationaltheater von Mannheim, an der Grand Opéra Paris sowie an den Opernhäusern von Rouen und Lüttich. Er sang auf der Bühne alle klassischen Partien seines Stimmfachs, darunter auch Wagner-Heroen; geschätzter Konzertbassist. Er starb 2000 in Bukarest.
Schallplatten: Electrecord (u.a. Pater Guardian in vollständiger Aufnahme von Verdis »La forza del destino«).

10.11. Maria SCHREKER-BINDER: 125. Geburtstag

Maria Schreker Binder als Grete in Der ferne Klang
Als Grete in „Der ferne Klang“

Sie studierte am Wiener Konservatorium am Karlsplatz und trat 1908 in den von dem Komponisten Franz Schreker (1878-1934) geleiteten Philharmonischen Chor ein. Bereits 1909 heiratete sie Franz Schreker; sie gab ihre Ausbildung zunächst auf, sang aber noch weiter im Philharmonischen Chor. Schließlich gab sie Liederabende mit Werken ihres Gatten, wobei dieser sie am Flügel begleitete. 1920 übersiedelte sie mit Franz Schreker nach Berlin. 1923 sprang sie in Münster (Westfalen) für eine erkrankte Opernsängerin bei einer Aufführung der Oper »Der Schatzgräber« von Schreker ein, 1923 sang sie die gleiche Partie an der Berliner Staatsoper. 1924 feierte man sie an diesem Haus in Schrekers Oper »Der ferne Klang« als Partnerin von Richard Tauber. 1923 und 1924 gastierte sie am Opernhaus von Köln, 1924 in Hannover. 1924 nahm sie ein Engagement an der Berliner Städtischen Oper an. Sie sang hier Partien wie die Carmen, die Mignon, die Mimi in Puccinis »La Bohème« und die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen«, musste jedoch wegen einer Stimmkrise ihre Verpflichtung bald wieder lösen. 1928 war sie sehr erfolgreich als Rosalinde in der »Fledermaus« in einer Inszenierung durch Max Reinhardt. 1929 gastierte sie nochmals am Stadttheater von Mainz, 1932 trat sie in Wien in einem Konzert auf, gab dann aber ihre Karriere endgültig auf. Sie lebte später in Wien. Sie starb 1978 in Berlin.
Schallplatten: akustische Aufnahmen auf Grammophon-Polyphon, elektrische auf DGG, auf Ultraphon und Parlophon, darunter Szenen aus Opern von Franz Schreker unter dessen Leitung.

11.11. Eduardo AYAS: 60. Geburtstag

Biographie des argentinischen Tenors auf Englisch:
http://www.bach-cantatas.com/Bio/Ayas-Eduardo.htm

11.11. Alva TRIPP: 80. Geburtstag

Er entschloss sich nach anfänglichem Studium der Elektrotechnik und der englischen Literatur zur Sängerlaufbahn. Ausbildung am Mannes College of Music in New York sowie am Hofstra College in Hempstead. 1964 erhielt er ein Fulbright Stipendium und vollendete damit seine Studien an den Musikhochschulen von München und Köln. 1965-68 war er am Pfalztheater von Kaiserslautern, 1968-71 am Stadttheater von Aachen, seit 1971 für lange Zeit an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg engagiert. Nachdem er bereits 1962 mit einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall debütiert hatte, war er seit 1965 bei Konzerten und Gastspielen in den deutschen Großstädten, in Belgien und Holland erfolgreich. Er gastierte als Opernsänger, hauptsächlich in lyrischen Partien, in Zagreb, Warschau, Luxemburg, Kopenhagen, Stockholm, an der Wiener Staatsoper (1974 als Lenski im »Eugen Onegin«) und beim Edinburgh Festival (1972 als Intelletto in »Rappresentatione di Anima e di Corpo« von E. de Cavalieri sowie 1976 als junger Mann in »Moses und Aron« von A. Schönberg, jeweils bei Gastspielen der Deutschen Oper am Rhein). Er starb 2010 in Milton (Kentucky). Er war verheiratet mit der Opernsängerin Drusilla Lodge, die u.a. am Stadttheater von Aachen engagiert war. .
Schallplatten: Decca (Messe in Es-Dur von Schubert), Electrola (»Das Paradies und die Peri« von Schumann), FSM (Messe in A-Dur von César Franck), Fono (Requiem von Bruckner).

11.11. Liselotte LOSCH: 100. Geburtstag

Sie studierte bei Lorenz Hofer in Berlin und begann ihre Bühnenkarriere mit einem vierjährigen Engagement am Stadttheater von Ulm in den Jahren 1939-42, sang 1942-44 an der Volksoper Berlin und 1945-48 am Städtischen Opernhaus Berlin. 1948-61 war sie an der Staatsoper Berlin tätig, an der sie eine Vielzahl von Partien sang. Einen ihrer größten Erfolge hatte sie dort als Verdis Traviata. Aus ihrem Bühnenrepertoire seien genannt: die Ottavia in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea«, die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Leonore im »Troubadour«, die Amelia in »Simon Boccanegra« von Verdi, die Titelpartien in den Opern »Martha« von Flotow und »Halka« von Moniuszko, die Prinzessin Elvira in »La Muette de Portici« von Auber, die Concepcion in »L’Heure espagnole« von Ravel und die Lady Billows in »Albert Herring« von Benjamin Britten. Sie starb im November 2011. Sie war verheiratet mit dem berühmten Bariton Josef Metternich (1915-2005).
Schallplattenaufnahmen bei HMV (2. Dame in der »Zauberflöte«), Opera (Nedda im »Bajazzo« mit Sándor Konya als Partner), RCA (hier auch Operettenmusik), DGG (eine der drei Damen in der »Zauberflöte«)

11.11. Bernhard ROMBERG: 250. Geburtstag

Er wurde am 11. oder 12. November 1767 in Dinklage als Sohn des Fagottisten Bernhard Anton Romberg in eine Musikerfamilie geboren. Er verbrachte seine Jugend in Münster und begann schon in jungen Jahren eine Ausbildung als Cellist. Es ist nicht eindeutig geklärt, von wem Romberg Unterricht im Violoncellospiel erhielt, unterschiedliche Quellen nennen den deutschen Cellisten Johann Konrad Schlick, den Wiener Cellisten Franz Marteau oder Bernhard Rombergs eigenen Vater, der auch Cello spielte. Es ist auch möglich, dass Romberg von einem Violinisten unterrichtet wurde, da sein späteres Cellospiel für die Violine typische Elemente enthielt. Zusammen mit seinem etwa gleichaltrigen Cousin Andreas Romberg (1767–1821), der Violine spielte, trat Bernhard Romberg schon im Alter von sieben Jahren in Münster vor Publikum auf. In den folgenden Jahren unternahmen die beiden einige Konzertreisen durch Europa, wurden dabei jedoch fälschlich als „die jüngeren Brüder Romberg“ bezeichnet. 1776 besuchten sie die Niederlande, 1782 Frankfurt am Main und 1784 und 1785 Paris. Der französische Musiker Francois-André Danican Philidor war von den Vettern beeindruckt und stellte sie dem herausragenden Violinisten Giovanni Battista Viotti vor. In Paris lernte Bernhard Romberg die Werke Haydns und die Opern Glucks kennen.
Aufgrund ihrer erfolgreichen Auftritte in Pariser Salons wurden die Vettern 1785 für das Concert Spirituel engagiert. In Münster widmete sich Bernhard Romberg weiter intensiv dem Cellospiel. Zusammen mit seinem Cousin Andreas spielte er in der Hofkapelle in Münster. Dort schloss er sich der Freimaurerloge „Zu den drei Balken“ an. 1790 wechselten sie in die Kurkölnische Hofkapelle in Bonn. Dort trafen die Vettern auf viele bekannte Musiker, darunter Christian Gottlob Neefe (mit dem sie seit 1782 bekannt waren), Ludwig van Beethoven, den Geiger Franz Anton Ries (dessen Sohn Ferdinand von Bernhard Cellounterricht erhielt), und den tschechischen Cellisten Joseph Reicha mitsamt seinem Neffen Anton. Für die Anekdote, Beethoven habe Romberg die Komposition und Widmung eines Cellokonzertes angeboten und Romberg habe erwidert, er spiele ausschließlich eigene Werke, gibt es keinen Beleg. Zusammen mit Franz Anton Ries (Violine) und Ludwig van Beethoven (Bratsche) traten die beiden Rombergs als Quartett auf. Im Jahr 1799 trennten sich ihre Wege. Bernhard Romberg ging auf Konzertreise nach Spanien, dozierte am Konservatorium in Paris und wurde Mitglied der Königlichen Kapelle in Berlin. 1820 zog Bernhard Romberg nach Hamburg, wo er bis zu seinem Tod am 13. August 1841 wohnte.
Über das Cellospiel hinaus war Bernhard Romberg Komponist von Opern, Sinfonien und kammermusikalischen Werken. Er verfasste eine bedeutende Celloschule; sie erschien 1840 und zählt bis heute zur Standardliteratur im Cellounterricht.

12.11. Tudor DAVIES: 125. Geburtstag

Tudor Davies

Er arbeitete als Bergmann in einer walisischen Kohlengrube und hatte große Schwierigkeiten zu überwinden, um zu einem Gesangstudium zu kommen, das am Konservatorium von Cardiff, dann am Royal Conservatory of Music in London bei Gustave Garcia stattfand. 1920 kam es zu seinem Bühnendebüt am Londoner Old Vic Theatre als Tamino in der »Zauberflöte«. 1922 kam er als erster Tenor zu der British National Opera Company. Mit dieser Truppe gastierte er im Gebäude der Covent Garden Oper von London als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Als die Covent Garden Oper 1922 mit einer Vorstellung von »La Bohème« wieder eröffnet wurde, sang er den Rodolfo. Am 14.7.1924 wirkte er am His Majesty’s Theatre von London in der Uraufführung der Oper »Hugh the Drover« von Vaughan Williams mit, 1925 in Manchester in der von »At the Boar’s Head« von Holst. 1928 sang er an der Oper von San Francisco den Lohengrin. Er war 1931-41 bei der Old Vic Company in London engagiert, die sich bald Sadler’s Wells Opera nannte. 1941-46 sang er bei der Carl Rosa Company ein ausgedehntes Rollenrepertoire; er trat vor allem auch in Partien aus dem Bereich der italienischen Oper auf: als Radames in »Aida«, als Manrico im »Troubadour«, als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, als Pinkerton in »Madame Butterfly«, als Cavaradossi in »Tosca«, aber auch als Don José in »Carmen« und als Faust von Gounod. Man schätzte ihn dazu als Konzert- und Oratorientenor. Er wandte sich bereits früh dem Rundfunk zu und wirkte in vielen Sendungen der BBC London mit. In Nordamerika wurde er in erster Linie als Konzertsänger bekannt. 1946 gab er seine Karriere auf. Er wirkte später als Gesangpädagoge in London, wo er 1958 starb. Er war verheiratet mit der Sopranistin Ruth Packer (* 22.10.1910 London, † 12.1.2005 Sao Bras de Alportel (Portugal).
Lit: A.D. Hillier & J. Jarrett: Tudor Davies (in »Record Advertiser«, 1971-72).
Von seiner Stimme existieren HMV-Platten, die meisten noch akustisch aufgenommen; darunter finden sich auch integrale Opernaufnahmen (»Die Meistersinger von Nürnberg«, »Madame Butterfly« in englischer Sprache mit Rosina Buckman in der Titelrolle, Ausschnitte aus »Hugh the Drover«), auch akustische Aufnahmen auf der englischen Marke Scala.

13.11. Caj EHRSTEDT: 80. Geburtstag

Er war zunächst 1962-64 Schüler von Antti Koskinen in Helsinki, dann von Carl Martin Öhman in Stockholm. Er schloss seine Ausbildung durch Studien bei Anton Dermota in Wien und bei den Mailänder Pädagogen Tomaso Jappelli und Arturo Merlini ab. 1964 erfolgte sein Bühnendebüt am Opernhaus von Helsinki in der Rolle des Rodolfo in Puccinis »La Bohème«. 1967 wurde er an die Königliche Oper Stockholm verpflichtet, wo er bis 1972 blieb. 1972 wurde er an das Opernhaus von Oslo (Den Norske Operan) berufen, dessen Mitglied er für die nächsten zwanzig Jahre war. Er sang dort wie auch bei Gastspielen, vornehmlich in den skandinavischen Ländern, rund 50 große Tenorpartien aus allen Bereichen des Repertoires. Davon seien der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Herzog im »Rigoletto«, der Manrico im »Troubadour«, der Alfredo in »La Traviata«, der Riccardo im »Maskenball« von Verdi, der Ernesto im »Don Pasquale«, der Lenski im »Eugen Onegin«, der Dimitrij im »Boris Godunow«, der Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, der Titelheld in Benjamin Brittens »Peter Grimes« und der Pinkerton in »Madame Butterfly« genannt. 1974 trat er als Gast am Teatro Liceu Barcelona auf. Dazu war er ein geschätzter Konzert- und Oratoriensolist. Seit 1975 nahm er eine Professur an der Staatlichen Norwegischen Theaterschule in Oslo wahr. Er starb 2015 in Ekenäs.
Schallplatten: BIS (»Der heilige Berg« von Sinding).

13.11. Leonhard KERN: 125. Geburtstag

Er erhielt seine Ausbildung am Konservatorium von Karlsruhe, dann bei George Fergusson in Berlin und bei August Iffert in Dresden. Da er im Ersten Weltkrieg als Soldat eingezogen wurde, konnte er seine Karriere erst 1920 am Stadttheater von Meißen beginnen. Nach Engagements am Stadttheater von Oppeln (1921-22) und am Landestheater von Gotha (1922-24) wurde er 1924 an die Berliner Staatsoper berufen, deren Mitglied er bis 1935 blieb. Hier wirkte er u.a. in der Uraufführung von Alban Bergs »Wozzeck« am 14.12.1925 in einer kleinen Rolle mit. 1927 sang er an der Berliner Kroll-Oper in der Uraufführung von Kurt Wells »Royal Palace«, 1929 in der deutschen Erstaufführung von Darius Milhauds »Le pauvre Matelot« (»Der arme Matrose«). Er gastierte an der Dresdner Staatsoper, bei den Wagner-Festspielen in Amsterdam und an der Nationaloper von Bukarest (1934). Er sang vor allem mittlere und Comprimario-Rollen wie den Nourabad in den »Perlenfischern« von Bizet, den Morales in »Carmen«, den Melot in »Tristan und Isolde«, den Harlekin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, den Titelhelden in Giordanos »Il Re«, wurde aber auch in größeren Partien eingesetzt.
Schallplatten: Polydor (in mehreren Kurzopern).

13.11. Josefine DORA: 150. Geburtstag

Josefine DORA

Ihr eigentlicher Name war Isidora Emilie Skuhra Friese. Sie war die Tochter des Sängers, Schauspielers und Komikers Carl Adolf Friese (1831-1900). Sie kam ganz jung, angeblich bereits mit drei Jahren, zum Theater. Im Alter von acht Jahren trat sie am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater Berlin auf. Mit 14 Jahren begann sie ihre eigentliche Bühnenlaufbahn am Theater an der Wien im Soubrettenfach und gastierte in den folgenden sechs Jahren in Deutschland, Österreich, in der Schweiz und in Holland. Man nannte sie nach der berühmten Wiener Operettendiva Josefine Gallmeyer »die kleine Gallmeyer«. Sie begleitete diese Künstlerin zu Beginn der achtziger Jahre bei deren Nordamerika-Tourneen, damals noch nicht zwanzig Jahre alt. 1885 kam sie nach Europa zurück und ging, jetzt als erste Soubrette, an das Wiener Theater in der Josefstadt. 1887 hatte sie am Central-Theater Berlin glänzende Erfolge, 1890 am Adolf Ernst-Theater, 1892 am Tivoli-Theater Bremen, dann am Thomas-Theater Berlin. Sie unternahm weiter große Gastspielreisen und sang u.a. 1900 am Deutschen Theater in London und an weiteren englischen Bühnen. 1900 auch am Deutschen Theater Prag. Seit 1900 trat sie an zahlreichen Berliner Operettenbühnen auf, zunehmend in komischen Rollen bzw. als Operetten-Alte. So wirkte sie noch 1928 am Berliner Metropol-Theater in der Uraufführung der Lehr-Operette »Friederike« mit. Sie starb 1944 in Bad Kühlungsborn (Mecklenburg). Seit 1888 war sie mit dem Schauspieler Richard Schultz (1863-1928) verheiratet. Nachdem sie sich von diesem getrennt hatte, heiratete sie in zweiter Ehe den Schauspieler Georg Worlitzsch, der am 22.1.1902 während einer Vorstellung am Deutschen Theater London tot zusammenbrach. Sie ging danach noch eine dritte Ehe mit dem Schauspieler Arthur Weinschenk (* 1856) ein.
Schallplatten: G & T (Berlin, 1907), HMV (etwa 1913 aufgenommen), Beka, Zonophone, Grammophone, zumeist Couplets und andere Operettenszenen..

13.11. Louis LEFÉBURE-WÉLY: 200. Geburtstag

Er wurde als Sohn des Organisten Isaac François Lefèbre (spätere Namensänderung in Lefébure) in Paris geboren. Er studierte am Pariser Konservatorium Orgelmusik bei Francois Benoist (1794–1878), einem der renommiertesten Organisten seiner Zeit, und Klavier bei Pierre Zimmermann. Lefébure-Wély trat in die Fußstapfen seines Vaters und löste ihn als Organist an der Pariser Kirche Saint-Roch ab. 1847 wechselte er an die Kirche La Madeleine (ebenfalls Paris) und spielte dort von 1847 bis 1857 auf der neuerbauten Cavaillé-Orgel-Orgel. Zu dieser Zeit genoss Lefébure-Wély große Popularität in Frankreich. Er war bekannt als genialer Improvisateur und Komponist, der die neuen Möglichkeiten der modernen Orgel effektvoll einzusetzen wusste. Von 1857 bis 1863 hielt er kein Organistenamt. Nach der Fertigstellung der mit 100 Registern größten Orgel Cavaillé-Colls war er bis zu seinem Tod 1869 an der Kirche St.-Sulpice de Paris verpflichtet. Sein Nachfolger wurde Charles-Marie Widor. Lefébure-Wély starb am Silvesterabend 1869 und ist in Paris auf dem Friedhof Père Lachaise nicht weit von Chopin beigesetzt.
Bezeichnend für die Orgelbehandlung Lefébure-Wélys ist ein beim Bürgertum von Paris gleichermaßen beliebter wie von den Reformern der Kirchenmusik oftmals gescholtener mondäner Stil, der volkstümliche Themen wie Can-can oder gar Elemente der Salonmusik und Operette mit dem Stil der Französischen Romantik verband. Er verwendet oft gefällige, eingängige Motive für seine Themen und gibt im Notentext detaillierte Anweisungen zur Registrierung. Zu seinen bekanntesten Orgelkompositionen gehört der Konzertbolero („Boléro de concert“) g-Moll Opus 166. Er komponierte auch zahlreiche Stücke für Klavier und Harmonium. Sein Hauptwerk ist die in 12 Lieferungen im Verlag Richault erschienene Sammlung „L’Organiste Moderne“ („Der moderne Organist“). Sie enthält liturgische Orgelmusik, die Lefébure-Wély für den katholischen Mess- und Verspergottesdienst seiner Zeit komponierte. Er betitelte seine Werke oft mit der direkten Funktion, die sie im Gottesdienst erfüllen. Typische Bezeichnungen sind etwa „Sortie“ (Musik zum Ausgang), „Offertoire“ (anstelle oder nach dem Offertorium) und „Communion“ (Begleitmusik zur Kommunion). Die komplette Serie „L’Organiste Moderne“ ist als Nachdruck der Originalausgabe im Musikverlag Dr. J Butz erschienen.

14.11. Cilla MAYER: 100. Geburtstag

Sie entstammte einer sehr musikalischen Familie. 1946 begann sie ihre Ausbildung an der Musikhochschule von Freiburg i. Br. bei Margarethe von Winterfeld. Bereits während ihrer Studienzeit sang sie seit 1947 als Solistin im Münster von Überlingen, wo sie ihren Wohnsitz nahm. 1949 Examen als Musikpädagogin; sie war dann zehn Jahre lang Stimmbildnerin an der bekannten Internats-Schule von Salem. Zugleich hatte sie eine erfolgreiche Karriere als Oratorien- und Liedersängerin, die ihr in Süddeutschland, in der Schweiz, in Wien und in Frankreich (Bach Festival 1955 in der Basilika von Pontoise) bedeutende Erfolge brachten. 1953 sang sie erstmals in Lindau das Sopransolo in der Matthäuspassion, während Karl Erb in der gleichen Aufführung letztmalig seinen berühmten Evangelisten zum Vortrag brachte. Große Verdienste erwarb sie sich durch die Gründung der Birnauer Kantorei 1966. Sie organisierte mit dieser regelmäßig Aufführungen von Oratorien und geistlichen Musikwerken in der berühmten Barock-Kirche Birnau am Bodensee, in denen sie selbst oft als Solistin auftrat. 1975 glanzvolle Konzerte mit der Birnauer Kantorei in Rom. Dazu war sie eine bedeutende Lied-Interpretin (u.a. Lieder von Julius Weismann) und eine gesuchte Pädagogin. Bis 1994 leitete sie die Birnauer Kantorei. Sie starb 1994 in Überlingen (Bodensee).
Der geistvolle, stilsichere Vortrag der Künstlerin kommt auf BASF-Aufnahmen (Krönungsmesse und Requiem von Mozart, Gloria von Vivaldi, Salve Regina von Haydn, zusammen mit der Birnauer Kantorei) zum Ausdruck.

14.11. Ludwig WELTER: 100. Geburtstag

Ludwig-Welter

Er debütierte in der Spielzeit 1949-50 am Landestheater von Detmold und sang dann 1950-59 am Opernhaus von Frankfurt a.M. (Antrittsrolle: Sarastro in der »Zauberflöte«), wo er seine ersten großen Erfolge hatte. Er trat an diesem Haus in neun Spielzeiten in 90 Partien und über 1800 Vorstellungen auf. 1956 sang er als Gast am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich den Ochs im »Rosenkavalier«. 1958 wurde er an die Wiener Staatsoper berufen (Debüt als Ochs), wo er sehr beliebt war. Bis zu seinem Tod sang er hier in mehr als 440 Vorstellungen u.a. den Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, den Geronte in Puccinis »Manon Lescaut«, den Sarastro, de Alidoro in Rossinis »La Cenerentola«, den Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Bartolo in »Figaros Hochzeit«, den Lodovico in Verdis »Otello«, den Mönch wie den Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, den Colline in Puccinis »La Bohème«, den Teiresias in »Oedipus Rex« von Strawinsky, den Mesner in »Tosca«, den Baculus im »Wildschütz« von Lortzing, den Chorführer in »Oedipus der Tyrann« von C. Orff, den Don Alfonso in »Così fan tutte«, den Hunding in der »Walküre«, den Squenz in B. Brittens »Ein Sommernachtstraum«, den Bauer in »Die Kluge« von Carl Orff, den Fafner im »Rheingold« und den Minister im »Fidelio«. Er gastierte u a. in Berlin und München. Aus dem großen Repertoire des zu früh verstorbenen Künstlers sind die auch schauspielerisch glänzend gestalteten komischen Partien (van Bett in »Zar und Zimmermann«, Warlaam im »Boris Godunow«, Petrus in »Der Mond« von Carl Orff, Basilio im »Barbier von Sevilla« und Mustafà in »L’Italiana in Algeri« von Rossini), aber auch der Komtur im »Don Giovanni«, der Daland in »Der fliegende Holländer« und der Landgraf im »Tannhäuser« hervorzuheben. Große Erfolge hatte er bei den Festspielen von Salzburg. Am 16.8.1961 sang er dort in der Uraufführung der Oper »Das Bergwerk zu Falun« von Wagner-Régeny, Am 15.8.1960 sang er dort  in Frank Martins »Mystère de la Nativité« den Lucifer und einen der Heiligen drei Könige, am 16.8.1961 in der Uraufführung der Oper »Das Bergwerk zu Falun« von Wagner-Régeny den Pehrson Dahlsjö, 1962 den Oberpriester des Neptun in Mozarts »Idomeneo« sowie 1962-63 sehr erfolgreich den Osmin. Er starb 1965 in Eppstein (Taunus) nach einem Herzinfarkt.
Eurodisc-Schallplatten (Dulcamara in vollständiger Aufnahme »L‘Elisir d’amore«), DGG (Biterolf im »Tannhäuser«, Wien 1963; »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss; kleine Partie in »Die Sizilianische Vesper« von Verdi, 1951), Melodram (»Intermezzo« von Richard Strauss).

15.11. Leo DE LEEUWE: 150. Geburtstag

Er begann seine Karriere auf der Bühne 1899 als Tenor-Buffo. 1899-1901 war er am Stadttheater von Würzburg engagiert, 1901-03 am Theater von Metz, 1903-04 am Stadttheater von Freiburg i. Br., 1904-06 in Rostock, 1906-07 am Stadttheater von Aachen, 1907-08 am Stadttheater von Stettin, 1908-09 in Magdeburg, 1909-11 am Hoftheater von Darmstadt, 1912-13 am Hoftheater von Wiesbaden und dann seit 1913 für mehr als zwanzig Jahre (bis 1934) am Stadttheater von Essen. Dort wirkte er 1914 in der Uraufführung der Oper »Herr Dandolo« von Rudolf Siegel (aus Anlass des Deutschen Tonkünstlerfestes) mit. In seinem Repertoire für die Opernbühne standen an erster Stelle Partien wie der Mime im Nibelungenring, der David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Basilio in »Figaros Hochzeit«, der Junker Spärlich in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, der Georg im »Waffenschmied« von Lortzing, der Veit in dessen »Undine«, der Frédéric in »Mignon« von A. Thomas, die vier Dienerrollen in »Hoffmanns Erzählungen« und der Remendado in »Carmen«. Er starb 1955 in Utrecht. – Seine Gattin, Paula de Leeuwe-Bauer (* 14.5.1880 Karlstadt am Main, † 9.9.1956 Utrecht) wirkte als Opernsängerin 1903-06 am Stadttheater von Würzburg, 1906-07 am Stadttheater von Essen, 1907-09 am Stadttheater von Magdeburg und gab danach noch Gastspiele. Ein Sohn des Künstlerehepaars, Hans de Leeuwe (1916-2006), wurde als Theaterwissenschaftler bekannt. Ihren Ruhestand verbrachten die beiden Sänger in der holländischen Heimat von Leo de Leeuwe.

16.11. Árpád KISHEGYI: 95. Geburtstag

Árpád KISHEGYI

Nach seiner Ausbildung, die er in Budapest erhielt, debütierte er 1946 an der Volksoper Budapest als Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«. 1947 wurde er an die Nationaloper Budapest engagiert, an der er über dreißig Jahre bis zu seinem Tod wirkte. Im Mittelpunkt seines Repertoires für die Bühne standen Buffo- und Charakterrollen für Tenor wie der Monostatos in der »Zauberflöte«, der David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Mime im Nibelungenring, der Bardolfo in Verdis »Falstaff«, der Spoletta in »Tosca«, der Goro in »Madame Butterfly«, die vier Dienerrollen in »Hoffmanns Erzählungen« und der Schreiber in »Chowanschtschina« von Mussorgsky. Er starb 1978 in New York.
Zahlreiche Schallplattenaufnahmen auf Qualiton-Hungaroton, darunter Opern-Gesamtaufnahmen und Operetten (u.a. Gesamtaufnahme der »Entführung aus dem Serail« in ungarischer Sprache als Pedrillo).

17.11. Carlo Enrico PASTA: 200. Geburtstag

Biographie des italienischen Komponisten auf Englisch: http://www.encyclopedia.com/humanities/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/pasta-carlo-enrico-1817-1898

18.11. Renate FUDE: 80. Geburtstag

Ausbildung an der Leipziger Musikhochschule durch E. Fleischer. 1963 erfolgte ihr Bühnendebüt am Opernhaus von Leipzig als Irene in »Rienzi« von R. Wagner. Seitdem blieb sie für viele Jahre Mitglied dieses Hauses, an dem sie das jugendlich-dramatische Stimmfach vertrat. Sie sang an der Leipziger Oper in mehreren Uraufführungen des Komponisten Fritz Geißler, so in dessen Opern »Eve«, »Nicole« und »Julia Giuli«, 1971 in »Der zerbrochene Krug« vom gleichen Komponisten. 1968-70 war sie durch einen Gastspielvertrag der Komischen Oper Berlin verbunden. Gastspiele und Konzerte in Jugoslawien wie in den Musikzentren der DDR. Neben ihrem Wirken auf der Bühne stand eine zweite bedeutende Karriere als Konzert- und Oratoriensängerin. Nicht zuletzt auch durch Rundfunksendungen bekannt geworden, von denen zweifellos Mitschnitte vorhanden sind. Sie starb 2000 in Leipzig.

18.11. Una HALE: 95. Geburtstag

Una HALE

Ihr Vater war protestantischer Geistlicher. Ihre Stimme wurde zunächst am Elder Conservatory der Universität Adelaide durch Hilda Gill ausgebildet. 1946 gewann sie einen Vokal-Wettbewerb in Adelaide; im gleichen Jahr verzog ihre Familie nach London. Dort besuchte sie in den folgenden zwei Jahren das Royal College of Music und trat dann dem Ensemble der Carl Rosa Opera Company bei, wo sie bereits große Rollen, darunter die Marguerite im »Faust« von Gounod, sang. 1949 gastierte sie an der Covent Garden Oper London als Micaela in »Carmen«, 1953-61 trat sie an diesem großen Opernhaus in einem vielgestaltigen Repertoire in Erscheinung: als Mimi wie als Musetta in Puccinis »La Bohème«, als Gräfin in »Le nozze di Figaro«, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Elsa im »Lohengrin«, als Ellen Orford in Benjamin Brittens »Peter Grimes« und als Cressida in der zeitgenössischen Oper »Troilus and Cressida« von William Walton. Sie wirkte beim Aldeburgh Festival (das durch Benjamin Britten ins Leben gerufen worden war) und beim Gulbenkian Festival in Portugal mit, betrieb aber während dieser Zeit auch noch weitere Studien in Berlin (bei Tiana Lemnitz) und Wien. 1962 nahm sie an einer Australien-Gastspielreise mit der Elizabethan Opera Company teil, bei der sie vor allem in der Titelpartie der Richard Strauss-Oper »Ariadne auf Naxos« Aufsehen erregte. Sie gastierte 1961 an der Sadler’s Wells Opera London, 1963 am Théâtre de la Monnaie Brüssel. Sie starb 2005 in Bath. Seit 1960 war sie verheiratet mit dem Bühnendirektor des Royal Ballet London Martin Carr.
Schallplatten: HMV.

18.11. Félix Máximo LÓPEZ: 275. Geburtstag

Biographie des spanischen Komponisten auf Spanisch: https://es.wikipedia.org/wiki/F%C3%A9lix_M%C3%A1ximo_L%C3%B3pez

19.11. Hans KÖHLER: 175. Geburtstag

Er war der Sohn eines Universitätsprofessors in Innsbruck. Er schlug zunächst das Chemiestudium ein, ließ dann aber seine Stimme ausbilden und begann seine Bühnenlaufbahn 1864 am Hoftheater von Meiningen (Thüringen). 1866-69 wirkte er am Opernhaus von Frankfurt a.M. und wurde dann an die Hofoper von Dresden berufen. Man erblickte in dem jungen Künstler den Nachfolger des großen Bassisten Emil Scaria und bewunderte seinen voluminösen, tiefen Bass in einem umfassenden Repertoire, u.a. als Sarastro in der »Zauberflöte«, als Kaspar im »Freischütz«, als Bertram in Meyerbeers »Robert der Teufel«, als Don Pedro in dessen »Afrikanerin« und als Mephisto im »Faust« von Gounod. 1874 nahm er in Dresden an der Uraufführung der Oper »Die Folkunger« von Edmund Kretschmar teil. Leider machten sich seit 1877 zunehmende Symptome einer Geisteskrankheit bei ihm bemerkbar, die schließlich zu seiner Einweisung in eine geschlossene Anstalt in Sonnenstein bei Pirna (Sachsen) führten, wo er 1880 starb.

20.11. Iwan ERSCHOW: 150. Geburtstag

Iwan ERSCHOW als Tannhäuser
Als Tannhäuser

Er wuchs in ganz ärmlichen Verhältnissen heran. Seine Stimme wurde zufällig in einer Familie entdeckt, in der seine Mutter als Küchenhilfe arbeitete. Er sang dann in einem Kirchenchor. Gesangstudium seit 1888 in Moskau bei Frau Alexandrowa-Kotschetowa, dann 1888-93 auf Veranlassung des berühmten Komponisten Anton Rubinstein bei Gabel und Paletschek in St. Petersburg. Debüt 1893 in St. Petersburg als Titelheld im »Faust« von Gounod. 1893 ging er zur weiteren Ausbildung bei Cesare Rossi nach Italien. 1894 sang er an italienischen Theatern, u.a. am Teatro Alfieri Turin. 1894-95 war er an der Oper von Charkow engagiert, wo man ihn als Faust, als Romeo, als Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer und als Ernani hörte. 1895 folgte er einem Ruf an die Hofoper von St. Petersburg, die nachmalige Leningrader Oper, an der er bis 1929 eine glanzvolle Karriere hatte. Hier sang er u.a. am 10.12.1895 in der Uraufführung von »Die Nacht vor Weihnachten« (»Notsch pered roshdestwom«), am 20.2.1907 in der Uraufführung der »Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch« von Rimsky-Korssakow (als Grischka). (Dabei soll er Rimsky-Korssakow aufgefordert haben, bei seinen Partien mehr auf deren Sangbarkeit zu achten und die Sänger zu konsultieren). Am 14.8.1902 nahm er an der Hofoper von St. Petersburg an der Uraufführung der Oper »Servilia« von Rimsky-Korssakow teil, am 29.10.1895 an der Uraufführung der »Oresteya« von Sergej Tanejew (als Orest). Sein breit gefächertes Repertoire – insgesamt 58 große Partien – reichte von heldischen Partien und Wagner-Heroen (Siegfried, Siegmund, Lohengrin, Tannhäuser, Tristan) bis zu den großen Tenor-Partien der russischen Oper (Glinka, Tschaikowsky, Borodin, Rimsky-Korssakow, Prokofjew). Hervorzuheben sind der Manrico im »Troubadour«, der Otello von Verdi, der Radames in »Aida«, der Canio im »Bajazzo«, der Cavaradossi in »Tosca« und der Don José in »Carmen«. Als glänzender Darsteller wurde er, namentlich im Wagner-Fach, mit Fedor Schaljapin verglichen. Von seinen Wagner-Partien ist an erster Stelle sein viel bewunderter Tannhäuser zu nennen. Man rühmte allgemein die Durchschlagskraft und die strahlende Tonhöhe seiner Stimme, zugleich die Eleganz und den Nuancenreichtum seines Vortrags. Man nannte ihn auch »den russischen Tamagno«. 1916-41 unterrichtete er zugleich als Professor am Konservatorium von St. Petersburg-Leningrad und war als Opernproduzent tätig. Neben seinem erfolgreichen Wirken auf der Opernbühne wurde er auch als Konzert- und Liedersänger (»Lieder und Tänze des Todes« von Mussorgsky) gefeiert. 1941 wurde er zum »Doktor der Kunst« ernannt. Während der Belagerung von Leningrad durch die deutschen Armeen im Zweiten Weltkrieg wurde er nach Taschkent evakuiert, wo er 1943 starb. Seine sterblichen Überreste fanden 1956 auf dem Alexander Newski-Friedhof in Leningrad in einem Ehrengrab ihre letzte Ruhestätte.
Lit.: V. Bogdanow-Berezowsky: »Iwan Erschow« (Leningrad, 1951); A.A. Hosenpud: »Iwan Erschoff« (1986), M.O. Iankowsky: »Iwan Wassiljewitsch Erschow« (Leningrad, 1966).
Kraftvoll geführte, große Heldentenorstimme, von der sehr seltene Schallplatten auf G & T (Petersburg, 1903) und auf Columbia (Petersburg 1905) existieren.

20.11. Karoline TELLHEIM: 175. Geburtstag

Sie war eine Cousine der berühmten Altistin Karoline Gomperz-Bettelheim (1845-1926) und hieß mit ihrem eigentlichen Familiennamen ebenfalls Bettelheim. 1861 betrat sie am Wiener Carl-Theater in der Operette »Das war ich« von Klerr erstmals die Bühne. Bereits im folgenden Jahr wurde sie zu einem Gastspiel nach Berlin eingeladen, kam wieder ans Carl-Theater zurück und folgte 1862 einem Ruf an die Wiener Hofoper. Bis 1871 trat sie hier in Opernpartien aus dem Fachbereich der Koloratursoubrette auf: u.a. als Zerline im »Don Giovanni« (die sie auch in der Eröffnungsvorstellung der Hofoper 1869 sang), als Marzelline im »Fidelio«, als Jemmy in Rossinis »Wilhelm Tell«, als Page Urbain in Meyerbeers »Hugenotten«, als Papagena in der »Zauberflöte«, als Elvira in Aubers »Die Stumme von Portici«, als Stephano in »Roméo et Juliette« von Gounod, als Zerline in »Fra Diavolo« von Auber, als Dämon in Glucks »Armida«, als Ännchen im »Freischütz« und als Benjamin in »Joseph und seine Brüder« von Méhul. 1871 ging sie abermals an das Carl-Theater und hatte jetzt hier als Interpretin der Partien in den Operetten von Jacques Offenbach sensationelle Erfolge. Sie kreierte für Wien die Partie des Prinzen Raphael in Offenbachs »Prinzessin von Trapezunt« (1871) und wiederholte diese in über hundert glanzvollen Vorstellungen. 1872 gab sie nach ihrer Heirat für zwei Jahre ihre Karriere auf, erschien aber 1874 wieder, zuerst an der Komischen Oper Wien, dann auch in Hamburg, auf der Bühne. 1875 begann sie mit der Adele in der »Fledermaus« nochmals eine Karriere am Theater an der Wien in der österreichischen Metropole. Hier wirkte sie am 1.10.1880 in der Uraufführung der Johann Strauß-Operette »Das Spitzentuch der Königin« mit. Anfangs der achtziger Jahre nahm die Künstlerin von der Bühne Abschied, trat aber anlässlich ihres 40jährigen Bühnenjubiläums 1901 nochmals am Wiener Raimund-Theater auf. Neben ihrem Wirken auf der Bühne war sie eine Konzertsängerin von internationalem Ruf; sie gab Konzerte mit Arien und Liedern in mehreren Sprachen in Paris, Nizza, und Monte Carlo wie in den deutschen Musikzentren. Sie starb 1906 in Wien. Ihr Sohn Georg August Kanitz (* 18784 Wien) trat unter dem Namen Gustav Tellheim als Schauspieler, Journalist und Schriftsteller hervor.

21.11. Alessandro FELICI: 275. Geburtstag

Er war der Sohn des Komponisten Bartolomeo Felici. Nach erstem Unterricht bei seinem Vater studierte er 1756-64 bei Giuseppe Castrucci in Florenz und anschließend bis 1765 bei Gennaro Manna in Neapel. Bereits mit vierzehn Jahren hatte er einen guten Ruf als Organist und Cembalist. 1767 wurde er Lehrer an der Kompositions- und Orgelschule seines Vaters, wo unter anderem der Sänger Francesco Porri und Luigi Cherubini zu seinen Schülern zählten. Er starb 1772 mit nicht einmal dreißig Jahren in Florenz. 1778 wurde sein Nachlass von den Erben verkauft. Seither sind viele seiner Werke verschollen.
Im Mai 1768 wurde seine erste Oper, das dramma giocoso La serva astuta, am Teatro Cocomero in Florenz aufgeführt. Sein dramma per musica Antigono hatte im Januar des folgenden Jahres einen überwältigenden Erfolg im Teatro della Pergola. Er erhielt daraufhin den Auftrag, für die Inaugurationskonzerte der Accademia degl’Ingegnosi die dramatische Kantate Apollo in Tessaglia zu schreiben. Felicis erfolgreichste Oper ist das dramma giocoso L’amore soldato, das zunächst 1769 im Teatro San Moisè in Venedig aufgeführt und anschließend von Opernhäusern in Turin, Parma, Florenz, Dresden, München und Sassuolo gespielt wurde. Es ist auch seine einzige Oper, deren Partitur erhalten geblieben ist.
Alessandro Felicis Musik ist im Vergleich mit der einiger seiner Zeitgenossen ausdrucksstark und lässt insbesondere in schwermütigen Passagen bereits die Romantik vorausahnen. Seine Cembalokonzerte zeigen eine für sein Alter ungewöhnliche Reife, die darauf schließen lässt, dass er das Potenzial gehabt hätte, einer der führenden Komponisten seiner Zeit zu werden.

22.11. Cecilio Jorge LAGUNES: 85. Geburtstag

Biographie des 2001 verstorbenen mexikanischen Tenors auf Spanisch: http://es.doblaje.wikia.com/wiki/Jorge_Lagunes

22.11. Fikret AMIROV: 95. Geburtstag

Er war seit seiner frühesten Kindheit mit der aserbaidschanischen Volksmusik vertraut, da sein Vater einer der berühmtesten Volksmusiker Aserbaidschans war. Nach dem Besuch der Musikschule in Ganca begann er 1939, Komposition am Konservatorium in Baku zu studieren. 1941 wurde sein Studium unterbrochen, da er Soldat wurde. Schon Ende 1942 kehrte er jedoch von der Front zurück, da er an einer Kriegsneurose litt und durch eine schwere Operation kriegsunfähig geworden war. 1943 setzte er seine Studien in Baku fort und wurde Leiter der Musikschule und der Philharmonie von Kirowabad (dem ehemaligen und heutigen Ganca). Ab 1947 leitete er die Philharmonie der Aserbaidschanischen SSR; ein Jahr später schloss er seine Studien ab. Im Jahre 1956 wurde er Erster Sekretär des Aserbaidschanischen Komponistenverbandes sowie Direktor des Opern- und Balletttheaters in Baku. In den 1970er-Jahren wurde er Mitglied des Vorstandes des Sowjetischen Komponistenverbandes. Er wurde mit zahlreichen Auszeichnungen versehen. Er erhielt z. B. 1949 den Stalinpreis für seine beiden Muğamen Şur und Kürd ovşarı, 1959 den Leninorden und 1980 den Staatspreis der UdSSR. Er starb 1984 in Baku.
Die Grundlage von Amirovs Stil ist die aserbaidschanische Volksmusik. Er führte sein Leben lang intensive Volksmusikforschungen durch und erreichte so einen äußerst nationalen Tonfall. Gleichzeitig verband er diese Elemente der Folklore mit der westlichen Tradition. Ein Beispiel hierfür sind seine Muğamen. Amirov adaptierte diese traditionelle Form eines Zyklus von Tanz- und Vokalepisoden für großes Orchester und erreicht so eine bemerkenswerte Synthese zweier Kulturkreise. Amirov war vor allem ein Orchesterkomponist. Er verstand es aufgrund seiner großen Kenntnisse der Möglichkeiten eines jeden Instrumentes, sehr wirkungsvoll und klangmächtig für ein großes Orchester zu komponieren. Besonders bei seiner Orchestration ist der Einfluss von Nikolai Rimski-Korsakow deutlich spürbar, welcher der für Amirovs Schaffen bedeutsamste Komponist war. In Amirovs Musik wechseln sich Abschnitte von eher improvisatorischem Charakter mit kompakteren Passagen ab. Außerdem hegt Amirov eine Vorliebe für ausdrucksstarke Melodien und effektvolle Dramatik. Seine Werke weisen einen großen Reichtum an Farben und Stimmungen auf. Die Harmonik orientiert sich an der Volksmusik, sodass das System einer erweiterten, stark von den Skalen der Musik Aserbaidschans geprägten Tonalität stets beibehalten wird. Von den musikalischen Neuerungen des 20. Jahrhunderts blieb er hingegen unberührt. Amirov gilt neben Qara Qaraxev als bedeutendster Komponist Aserbaidschans.

22.11. Marie VESELÁ: 125. Geburtstag

Marie Veselá

Sie hieß mit ihrem Geburtsnamen Marie Kabelácová und erhielt ihre Ausbildung 1907-14 durch den Pädagogen Gustav Geiringer in Wien. Abschließende Studien bei den Pädagogen Molitor und Hoffmann, nachdem sie Preisträgerin im Rubinstein-Concours gewesen war. 1914 begann sie ihre Karriere am Opernhaus von Brno (Brünn) mit der Partie der Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«. Sie sang dort Rollen wie die Aida, die Sophie in der »Legende von der heiligen Elisabeth« von F. Liszt und eine Anzahl von Wagner-Partien. 1916 gastierte sie am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg; bis 1918 und wieder in den Jahren 1919-22 gehörte sie dem Ensemble des Opernhauses von Brno an. 1922 folgte sie einem Ruf an das Nationaltheater von Prag. Hier hatte sie ihren ersten großen Erfolg in der Partie der Küsterin in Janáceks »Jenufa«. Am 23.10.1923 sang sie dann an der Oper von Brno die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »Katja Kabanowa« von Janácek. Sie gastierte an den Opernhäusern von Wien, Dresden, Hamburg, Stuttgart und Mannheim. 1926 sang sie in Prag in der tschechischen Erstaufführung und 1928 an der Berliner Staatsoper die Marie in Alban Bergs »Wozzeck«. Mit dem Prager Ensemble gastierte sie in Amsterdam und Moskau. Aus ihrem Repertoire seien die Krasava in Smetanas Nationaloper »Libussa«, die Jezibaba wie die Fürstin in »Rusalka« von A. Dvorák, die Mesjanowka in »Eva« von Foerster (die sie nochmals an ihrem 70. Geburtstag 1962 am Prager Nationaltheater sang), die Milada in »Dalibor« von Smetana, die Klásková in »Die Laterne« (»Lucerna«) von Novák und die Titelrolle in »Juliette« von B. Martinù genannt. Weitere Höhepunkte in ihrem Bühnenrepertoire bildeten Partien in den Opern von Verdi und Wagner (Ortrud, Isolde, Kundry) die Elektra von R. Strauss sowie Partien aus dem Umkreis der russischen Oper. Bis 1959 blieb sie Mitglied des Prager Opernhauses. Sie starb 1969 in Prag. In erster Ehe war sie verheiratet mit dem Bariton Stepan Chodounský (1886-1954).
Schallplatten: Ultraphon, Supraphon.

22.11. Leopoldine Freifrau von WAIDECK: 175. Geburtstag

Leopoldine Freifrau von WAIDECK

Die Sängerin hieß eigentlich Leopoldine Hofmann; ihr Vater war Magistratsbeamter in Krems. Sie studierte am Konservatorium von Wien und begann ihre Bühnenlaufbahn 1864 am Theater von Graz. Hier kam es nun zu einer damals viel beachteten und besprochenen Liebesromanze zwischen ihr und dem österreichischen Erzherzog Heinrich (1828-91), Sohn des Erzherzogs Rainer von Österreich aus dem Hause Habsburg, dem ehemaligen Vizekönigs des Lombardisch-Venezianischen Königreichs, und der Prinzessin Maria Elisabeth von Savoyen-Carignan. Erzherzog Heinrich, der als Generalmajor und Brigadier in Graz stationiert war, war weder durch Interventionen des Wiener Hofes und des Kaisers noch durch eine Versetzung nach Brünn 1866 zu bewegen, sich von der schönen, 13 Jahre jüngeren Künstlerin zu trennen. Auf seine Bitten hin gab sie ihre Bühnenkarriere auf und nahm als Fides in Meyerbeers »Der Prophet« und als Orpheus von Gluck Abschied von ihrem Publikum in Graz, das sie sehr verehrte. Im Februar 1868 heiratete das Paar in Bozen, wo es auch seinen Wohnsitz nahm und Mittelpunkt eines schöngeistigen, vielseitig interessierten Kreises wurde. Der österreichische Kaiser erhob die Sängerin zur Freifrau von Waideck; 1872 wurde eine Tochter Maria Rainera geboren. Die auch wegen ihres sozialen Engagements geschätzte Künstlerin starb im Alter von nur 49 Jahren. Bei einem Besuch in Wien erkrankte sie gemeinsam mit ihrem Gemahl an Lungenentzündung und beide starben in derselben Nacht vom 29. auf den 30. November 1891.

22.11. Felix SCHWEIGHOFER: 175. Geburtstag

Felix-Schweighofer

Er war der Sohn eines Buchhalters in einem Großhandelshaus, entlief jedoch von zu Hause und trat einer Theatertruppe bei. 1862 debütierte er als Schauspieler unter dem Namen Felix Dammer in Krems (Österreich). Es kam zu einem unsteten Wanderleben durch alle Länder der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie; zeitweilig gab er die Theaterlaufbahn wieder auf, arbeitete in einem Pelzwarengeschäft und in einer Anwaltskanzlei, auch bei der österreichischen Staatseisenbahn. 1865 nahm er seine Karriere als Komiker in Czernowitz (Tschernowzy) wieder auf, bereiste dann Rumänien und Südrussland (Charkow, Odessa, Cherson), erschien an Theatern in Innsbruck und Ödenburg (Sopron) und war endlich in Graz engagiert. Hier hörte ihn der Operettenkomponist Franz von Suppé und vermittelte ihm ein Engagement am Strampfer-Theater in Wien (1870). Damit begann seine große Karriere als Buffo-Sänger für den Bereich der klassischen Wiener Operette. 1873 wechselte er an das Theater an der Wien in Wien, und hier wirkte er in vielen Uraufführungen von Operetten mit, so am 18.12.1878 in »Blindekuh«, am 1.10.1880 in »Das Spitzentuch der Königin« und am 25.11.1881 in »Der lustige Krieg« von Johann Strauß, am 6.12.1882 als Ollendorff in Carl Millöckers »Der Bettelstudent« und am 25.1.1884 als Nasoni in »Gasparone« von Millöcker, bereits 1880 in dessen Operette »Apajune der Wassermann«. 1878 war er in der Wiener Premiere der französischen Operette »Les cloches de Corneville« von Robert Planquette in der Rolle des Gaspard zu hören. Am 9.10.1883 wirkte er am Theater an der Wien in der Premiere der Johann Strauß-Operette »Eine Nacht in Venedig« mit, sechs Tage nach deren Uraufführung in Berlin. Neben dem unvergesslichen Alexander Girardi galt er als der bedeutendste Buffo-Sänger der Wiener Operette innerhalb seiner Generation. 1883 ging er vorübergehend an das Wiener Carl-Theater, unternahm dann aber ausgedehnte und sehr erfolgreiche Tourneen durch die ganze Welt. Er ist in Russland wie in Nordamerika und allerwärts in Europa in seinen Glanzrollen aufgetreten; daneben war er auch ein gern gesehener Darsteller in Wiener Volksstücken und Possen. Er starb 1912 in Blasewitz bei Dresden. Er war verheiratet mit der Schauspielerin Fritzi Blum. Sein Bruder Gustav Schweighofer (1839-1920) hatte eine ähnliche, wenn auch nicht so glanzvolle Karriere an österreichischen und deutschen Operettentheatern.

23.11. Clemens KAUFUNG: 150. Geburtstag

Er wurde Elementarschullehrer und war zunächst während einiger Jahre an einer Kölner Volksschule tätig. Seit 1890 studierte er jedoch Gesang bei Benno Stolzenberg und bei Wolfram Kundsohn in Köln, und 1893 debütierte er am Stadttheater von Lübeck als Max im »Freischütz«. 1894-96 war er am Stadttheater von Essen engagiert. 1896 ging er an das Opernhaus von Köln und hatte dort sogleich in seiner Antrittspartie, dem Lohengrin, einen glänzenden Erfolg. Er war bis 1901 am Opernhaus von Köln tätig, lebte 1901-02 gastierend in Leipzig und sang dann 1902-04 am Opernhaus von Düsseldorf, 1904-07 am Deutschen Theater Prag, 1907-11 am Theater von Mülhausen im Elsass. Er hielt sich danach wieder gastierend in Berlin auf, wo er noch 1915-16 an der Deutschen Volksoper auftrat. Er gab Gastspiele am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg (1901), am Opernhaus von Frankfurt a.M. (1899, 1900), an den Hofopern von München (1906 als Siegfried in der »Götterdämmerung«) und Wien (1906 als Pollione in »Norma« mit Lilli Lehmann als Partnerin), am Hoftheater von Wiesbaden (1898, 1899) und am Stadttheater der Schweizer Bundeshauptstadt Bern (1909-10). In Köln wirkte er 1899 in der Uraufführung der Oper »Mandanika« von G. Lazarus mit. Er war auch als Konzertsänger tätig und arbeitete später als Pädagoge in Berlin. Er sang auf der Bühne ein Repertoire, das 60 große Partien umfasste, darunter den Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer, den Titelhelden in dessen »Robert der Teufel«, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Faust von Gounod, den Don José in »Carmen«, den Manrico im »Troubadour« und Tenor-Partien in Wagner-Opern wie den Tannhäuser, den Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg« und den Siegfried im Nibelungenring. Er starb 1921 in Berlin.

24.11. Alfredo KRAUS: 90. Geburtstag

Alfredo Kraus als Roméo an der MET

Sein eigentlicher Name war Alfredo Kraus Trujillo. Er studierte zunächst Elektrotechnik, entschloss sich dann aber doch zur Ausbildung seiner Stimme, die in Barcelona (seit 1948 bei Gali Markoff), in Valencia (bei Francisco Andrés) und in Lissabon, dann in Mailand (wo er hauptsächlich Schüler von Maria Llopart, der Schwester der berühmten Sopranistin Mercedes Llopart, war) erfolgte. 1956 debütierte er sehr erfolgreich an der Oper von Kairo als Herzog im »Rigoletto« von Verdi, nachdem er bereits 1954 in Madrid in einer Zarzuela aufgetreten war. 1958 sang er am Teatro San Carlos Lissabon den Alfredo in »La Traviata« als Partner von Maria Callas, 1961 den Arturo in »I Puritani« von Bellini. 1959 gastierte er an der Covent Garden Oper London (wo er auch wieder 1974 auftrat) als Edgardo in »Lucia di Lammermoor« mit Joan Sutherland in der Titelrolle. In der Saison 1959-60 erreichte er die Mailänder Scala, an der er als erste Partie den Elvino in Bellinis »La Sonnambula« sang und leitete damit eine langjährige Karriere an diesem Haus ein, wo er fast alljährlich zu hören war. Er sang hier 1961 den Fenton, 1962 wieder den Elvino, 1963 den Nadir in Cherubinis »Alí Baba«, 1964 den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla« und den Nemorino in »L’Elisir d‘amore«, 1965, 1973 und 1985 den Ernesto im »Don Pasquale«,  1965 den Fernando in Donizettis »La Favorita«, 1969 den Des Grieux in »Manon« von Massenet, 1970-71 den Herzog im »Rigoletto«, 1972 den Carlo in »Linda di Chamounix« von Donizetti, 1976 und 1980 den Werther von Massenet, 1977 den Faust von Gounod und 1984 den Edgardo. 1961 hatte er an der Oper von Rom große Erfolge als Alfredo; er wirkte dort auch 1961 in der Uraufführung von Renzo Rossellinis Oper »Il Sguardo dal Ponte« mit. Seit 1962 (nach seinem Debüt als Nemorino) hatte er an der Oper von Chicago eine lang andauernde Karriere. 1963 gastierte er mit dem Ensemble des Teatro San Carlo Neapel Ernesto im »Don Pasquale« beim Festival von Edinburgh. Er gastierte auch am Teatro Colón Buenos Aires. 1964 sang er am Teatro Zarzuela Madrid in der Uraufführung einer Neufassung der Oper »Pepita Jiménez« von Isaac Albeniz (durch Pablo Sorozábal) den Don Luis als Partner von Pilar Lorengar. 1965 trat er erstmals in Wien, und zwar an der Volksoper (als Edgardo), auf. Seit 1966 war er für fast drei Jahrzehnte Mitglied der Metropolitan Oper New York, an der er als Herzog im »Rigoletto« debütierte und bis 1994 in insgesamt 134 Vorstellungen den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den Edgardo, den Nemorino, den Ernesto, den Alfredo, den Faust von Gounod, den Werther, den Tonio in »La Fille du Régiment« von Donizetti, den Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, den Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod und den Des Grieux in »Manon« von Massenet sang. An der Oper von San Francisco gastierte er 1966 als Arturo in Bellinis »I Puritani« und als Herzog im »Rigoletto«, 1967 als Nemorino und als Faust von Gounod, 1985 als Werther, 1986 nochmals als Faust und 1987 als Roméo. 1968 debütierte er an der Wiener Staatsoper als Herzog in »Rigoletto«. Es sang hier bis 1994 in insgesamt 49 Vorstellungen den Alfredo, den Don Ottavio, den Faust von Gounod, den Edgardo, den Werther und den Nemorino, dazu gastierte er auch an der Wiener Volksoper als Tonio in »La Fille du Régiment« und als Hoffmann. 1968-69 trat er bei den Festspielen von Salzburg als Don Ottavio unter H. von Karajan sowie 1990 sehr erfolgreich in einem Liederabend mit Liedern spanischer und französischer Komponisten auf. An der Grand Opéra Paris hörte man ihn 1984 als Werther und 1985 als Roméo, 1986 an der Opéra-Comique als Tonio in »La Fille du Régiment«. Seine Karriere dauerte sehr lange. Am 13.7.1989 sang er in dem Eröffnungs-Konzert der neuen Bastille-Oper Paris. 1990 bewunderte man ihn an der Oper von Rom als Herzog im »Rigoletto«, am Opernhaus von Dallas als Hoffmann. 1991 sang er den Hoffmann an der Covent Garden Oper, am Teatro Colón Buenos Aires den Werther. Er wirkte 1992 bei den spektakulären Eröffnungskonzerten der Weltausstellung in Sevilla und der Olympiade von Barcelona mit. 1996 trat er nochmals an der New Yorker Metropolitan Oper in einem Galakonzert auf. 1996 gastierte er mit glänzendem Erfolg an der Deutschen Oper Berlin als Edgardo, am Teatro San Carlo Neapel wie am Opernhaus von Zürich als Werther. Noch 1997 trat er am Opernhaus von Sevilla, 1998 an der Deutschen Oper Berlin als Werther auf. Weitere Höhepunkte in seinem Bühnenrepertoire waren der Ferrando in »Così fan tutte« und der Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet. Großer Konzert-, Oratorien- und Liedersänger. Er war als Pädagoge in Madrid und an der Sommerakademie in Santander tätig. Er starb 1999 in Madrid. – Eine der schönsten lyrischen Tenorstimmen innerhalb seiner künstlerischen Generation, bewundernswert in der variantenreichen Nuancierung des Vortrags wie in einem außergewöhnlichen musikalischen Stilgefühl. – Sein älterer Bruder Francisco Kraus (21.10.1926-27.2.2016) war zeitweilig als Bariton tätig. (Er sang u.a. auf der Schallplatten-Marke Montilla in »Marina« von Arrieta.)
Lit: Giovanni Vitali: Alfredo Kraus; R. Celletti: Alfredo Kraus (in »Opera«, 1975).
Sehr viele Schallpaltten: RCA (»Rigoletto«, »Lucrezia Borgia« von Donizetti), EMI (Titelrolle im »Werther« von Massenet mit Régine Crespin als Charlotte), HMV (»La Bohème«, »Werther« und »Manon« von Massenet, »La jolie fille de Perth« von Bizet, »Rigoletto«, »La Traviata«, »Don Pasquale«, »La Fille du Régiment« von Donizetti, »La muette de Portici« von Auber, »I Puritani« von Bellini, »Roméo et Juliette« von Gounod, »Lucia di Lammermoor«), Ricordi (»Rigoletto«, »Lucrezia Borgia«), HRE (»La Sonnambula« von Bellini), Philips (»La Traviata«; Arienplatten), Melodram (»Les pêcheurs de perles« von Bizet), Bongiovanni (Arien), Ariola-Nimbus (Barocke Arien), Capriccio (Lieder), Nuova Era (»Ali Baba« von Cherubini); Auvidis/Valois (Jorge in »Marina« von Arrieta), Valois/ MS (in »Doña Francisquita« von Amadeo Vives), Hardy-Video (Herzog im »Rigoletto«, Reggio Emilia, 1987), dazu spanische Aufnahmen. Er gab auch Schallplatten durch eine eigene, ihm gehörende Firma heraus.

24.11. Horst WILHELM: 90. Geburtstag

Horst WILHELM als Froh in Bayreuth
Als „Froh“ in Bayreuth

Er sang als Kind in Berliner Kirchenchören, später im Jugendchor des Berliner Rundfunks. Im Zweiten Weltkrieg wurde er Soldat und geriet gegen Kriegsende in englische Gefangenschaft. Seit 1947 Gesangstudium an der Berliner Musikhochschule bei Götte. Debüt 1951 an der Städtischen Oper Berlin, der er bis 1956 als erster lyrischer Tenor angehörte. 1956 gastierte er in Zürich als Matteo in der Richard Strauss-Oper »Arabella«. Seit 1956 am Staatstheater von Kassel engagiert. 1962-73 Mitglied der Staatsoper Hamburg. Hier wirkte er in den Uraufführungen der Opern »Der goldene Bock« von E. Krenek (16.6.1964), »Arden muss sterben« von Alexander Goehr (5.3.1967), »Die Teufel von Loudun« von K. Penderecki (20.6.1969) und »Das kommt davon« von E. Krenek (27.6.1970) mit. 1962-63 sang er bei den Festspielen von Bayreuth den Froh im »Rheingold«, 1963-64 bei den Festspielen von Glyndebourne den Flamand im »Capriccio« von R. Strauss. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1967 als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla« und als Flamand in insgesamt drei Vorstellungen. 1968 und 1970 war er am Théâtre de la Monnaie Brüssel zu Gast. Weitere Gastspiele an der Staatsoper Berlin, in München und Hannover, dazu bedeutende Karriere als Konzert- und Oratoriensänger. Seit 1973 Pädagoge an der Musikhochschule von Lübeck. Er starb 2000 in Hamburg.
Zahlreiche Schallplatten: HMV (Szenen aus »Die lustigen Weiber von Windsor« von Nicolai), Ariola (»Gasparone«), Philips (»Die Teufel von Loudun«), Vox, Orbis, Bach-Guild, Electrola. Die unter seinem Namen veröffentlichten Aufnahmen auf Allegro Royale sind nicht von seiner Stimme.

25.11. Frauke HAASEMANN: 95. Geburtstag

Sie studierte Musik und speziell Kirchenmusik an der Evangelischen Kirchenmusikakademie in Herford (Westfalen) und legte ihr Examen als Kirchenmusikdirektorin ab. Zusätzliches Gesangstudium an der Folkwang-Musikhochschule Essen und an der Musikhochschule Hannover. 1951 begann sie eine internationale Karriere als Konzert- und vor allem Oratoriensolistin, wobei sie sich in besonderer Weise der Musik der Barock-Epoche widmete. Sie war die Solistin der Westfälischen Kantorei, die unter dem Dirigenten Wilhelm Ehmann große Tourneen in Europa, Nordamerika und Asien unternahm. Frauke Haasemann zeichnete sich nicht allein als Oratorien- und Liedersängerin aus sondern galt auch als Autorität in der Chorleitung. So bereitete sie den Westminster Symphonic Choir für seine Auftritte in New York und Philadelphia vor und arbeitete mit führenden Dirigenten ihrer künstlerischen Generation zusammen. Sie betätigte sich in Hannover wie auch in den USA in vielfältiger pädagogischer Weise. Sie veröffentlichte mehrere Werke auf diesem Gebiet, so »Handbuch der chorischen Stimmbildung« (1984), »Voice Building for Choirs« (1981), »Group Vocal Technique« (1990). Sie starb 1991 in Princeton (New Jersey).
Als Solistin der Westfälischen Kantorei ist ihre Stimme auf zahlreichen Schallplattenaufnahmen zu hören, die unter den Etiketten von Cantate, Musicaphon, Musical Heritage und Laudate herauskamen (darunter Werke von J.S. Bach). Auf Aulos Solistin in Messen von J. Haydn.

25.11. Ilja HURNÍK: 95. Geburtstag

Er studierte am Prager Konservatorium Klavier bei Vilém Kurz und Komposition bei Vítezslav Novák sowie an der Kunstakademie Prag bei Ilona Stepánová-Kúrzová. In den 1960er Jahren trat er vermehrt als Konzertpianist auf. Seit 1970 unterrichtete er am Prager Konservatorium und 1974-79 an der Kunstakademie in Bratislava. Er starb im September 2013.
Er komponierte fünf Opern und zwei Ballette, eine Sinfonie, ein Streicherkonzert, ein Konzert für Bläser und Pauken, ein Oboenkonzert, ein Konzert für Oboe, Cembalo und Streicher, kammermusikalische Werke, drei Orgelsonaten, Klavierwerke, Lieder und Liederzyklen, ein Oratorium, eine Messe und mehrere Kantaten. Daneben trat er auch als Librettist und Autor von Kurzgeschichten sowie einer Autobiographie hervor. Sein Sohn Lukás Hurník ist ebenfalls Komponist.

25.11. Armand MESTRAL: 100. Geburtstag

Biographie des 2000 verstorbenen französischen Bassisten auf Französisch:
https://fr.wikipedia.org/wiki/Armand_Mestral

25.11. Jeanne-Eugénie NARDI: 150. Geburtstag

Sie war die Tochter eines Fabrikanten; ihr eigentlicher Name war Jeanne-Eugénie Durand. Sie hatte bereits früh den Wunsch zum Theater zu gehen und wurde in dieser Absicht durch ihre Familie unterstützt. Sie erhielt Schauspielunterricht durch Mr. Martel von der Comédie-Française und trat bereits mit 15 Jahren als Dorina in Molières »Tartuffe« auf. Sie entschloss sich dann jedoch zur Sängerlaufbahn und wurde durch Mme. Godin zur Sängerin ausgebildet. Sie sang dem Direktor der Opéra-Comique Léon Carvalho vor und wurde für dessen Haus engagiert, doch kam dieses Engagement durch den großen Brand der Opéra-Comique im Jahre 1887 zunächst nicht zustande. Sie sang dann an verschiedenen anderen Theatern, kam dann aber doch an die Opéra-Comique, an der sie nun eine sehr erfolgreiche Karriere hatte. Sie sang dort 1888 zuerst die Rose Friquet in »Les Dragons de Villars« von A. Maillart und ersetzte einige Wochen später Mme. Deschamps-Jehin in der Rolle der Margared in der neuen Oper »Le Roi d’Ys« von Lalo. Ihre weiteren großen Partien an der Opéra-Comique waren die Carmen und die Perseïs in »Esclarmonde« von Massenet. 1890 wirkte sie dort in der Uraufführung der Oper »Dante et Béatrice« von Benjamin Godard mit. Sie gastierte 1889 an der Oper von Monte Carlo als Rose Friquet, 1890 am Théâtre Royal de la Haye im Haag als Mignon von A. Thomas. Bereits 1886 erschien sie an der Opéra-Comique Paris in der kleinen Rolle des Pagen in der Oper »Egmont« von G. Salvayre. Sie wirkte dort 1887 in kleinen Rollen in den Uraufführungen der Opern »Proserpine« von Saint-Saëns und »Le Roi malgré lui« von E. Chabrier mit. 1891 sang sie an der Opéra-Comique die Carmen in der 500. Aufführung dieser Oper. 1892-93 war sie am Théâtre de la Monnaie Brüssel engagiert, doch brechen damit die Nachrichten über sie ab.

26.11. Nadine BULOZE: 75. Geburtstag

Sie wurde zunächst in Genf und München zur Balletttänzerin ausgebildet und dann in das Ballett des Grand Théâtre Genf verpflichtet. Sie wirkte später als Ballettmeisterin und Choreographin beim Takai-Ballett im japanischen Osaka. Sie begann dann jedoch das Gesangstudium bei Anna Maria Guglielmetti und bei Derrik Olsen in Genf. Weitere Ausbildung an der Musikhochschule Freiburg i. Br. durch Horst Günter, durch Elisabeth Grümmer in Darmstadt, David Harper in London, Clemens Kaiser-Breme in Düsseldorf, Josef Metternich in München und durch Kurse bei Hugues Cuénod und Gérard Souzay. 1975-78 war sie am Staatstheater von Darmstadt, 1978-82 am Stadttheater von Basel engagiert. In Basel sang sie u.a. die Dorabella in »Così fan tutte«, die Teresa in »La Sonnambula« von Bellini, die Charlotte im »Werther« von Massenet, die Geneviève in »Pelléas et Mélisande«, die Maddalena im »Rigoletto«, die Flosshilde in der »Götterdämmerung«, die Junon in »Platée« von Rameau und die Hata in Smetanas »Die verkaufte Braut«. Sie gastierte am Grand Théâtre Genf (Sesto in »Giulio Cesare« von Händel, Ciesca in »Gianni Schicchi«), am Opernhaus von Zürich (Charlotte im »Werther«, Frau Reich in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«), in Lausanne (Tisbe in »La Cenerentola«) und Luzern, an den Theatern von Ulm, Bremen, Hagen (Westfalen) und am Opernhaus von Essen, in Montpellier, Avignon, Besançon, Tours, Dijon und Lyon. Auch als Konzertsolistin kam sie, vor allem im Bereich des Oratoriums, zu einer internationalen Karriere mit Auftritten in der Schweiz (wo sie in der Nähe von Genf lebte), in Mannheim, Speyer, Heidelberg, Paris, Nantes, Rom, Alicante und Angers. Sie wirkte in Radiosendungen in Genf, Lausanne, Paris und Rom mit. Mit dem Ensemble des Staatstheaters Darmstadt sang sie 1977 bei den Festspielen von Schwetzingen in der Premiere der zeitgenössischen Oper »Der Schuhu und die fliegende Prinzessin« von Udo Zimmermann. Sie starb 1991 in Genf.

26.11. Robert MOULSON: 85. Geburtstag

Er war Schüler von Frederick Jagel und Samuel Margolis in New York. 1958 fand sein Bühnendebüt an der New York City Opera statt, an der er seither immer wieder aufgetreten ist. Er sang an den großen amerikanischen Operntheatern, u.a. in Boston, Pittsburgh, Portland, Cincinnati, Houston/Texas, San Francisco (1963 Titelrolle in »Hoffmanns Erzählungen«) und Seattle. Auslandsauftritte vor allem in Westdeutschland. Er war 1963-65 am Staatstheater Hannover, 1965-67 am Opernhaus der Stadt Bonn, 1965-67 als Gast und 1967-69 als Ensemblemitglied am Opernhaus von Frankfurt a.M. engagiert und war an den Staatsopern von Hamburg und Stuttgart, in Köln und an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg; auch an der Oper von Vancouver zu Gast gewesen. 1970 sang er am Opernhaus von Seattle in der Uraufführung von »Of Mice and Men« von Carlisle Floyd die Partie des Lennie. Mit dieser Rolle wurde er in der Folgezeit weitgehend identifiziert und trat in ihr an zahlreichen nordamerikanischen Theatern auf. Zu seinen weiteren Glanzrollen gehörten der Don José in »Carmen«, der Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, der Fernando in »La Favorita« von Donizetti, der Canio im »Bajazzo«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Faust von Gounod, der Radames in »Aida«, der Titelheld in Verdis »Don Carlos«, der Herzog im »Rigoletto«, der Alfredo in »La Traviata«, der Titelheld in »Oedipus Rex« von Strawinsky, der Aegisth in »Elektra« und der Sam Polk in »Susannah« von C. Floyd. Neben der Opernkarriere auch erfolgreicher Konzertsänger. Er starb 2003 in Roswell (Georgia).
Aufnahmen auf amerikanischen Privatmarken, darunter Mitschnitt einer Aufführung von »Of Mice and Men«.

26.11. Günther MORBACH: 90. Geburtstag

Günther Morbach

Er begann Ende der vierziger Jahre das Gesangstudium bei Prof. Korberg in Hamburg und debütierte 1955 am Stadttheater von Flensburg als Polizeikommissar im »Rosenkavalier«. 1956 ging er an das Stadttheater von Augsburg, dann für die Spielzeit 1959-60 an das Opernhaus von Essen und für die Jahre 1960-65 an das Opernhaus von Frankfurt a.M. Über das Opernhaus von Dortmund kam er 1969 an das Staatstheater von Braunschweig, dem er bis zum Ende seiner Bühnenkarriere 1993 verbunden blieb. Sein vielgestaltiges Repertoire von über 180 Partien umfasste sowohl komische als auch seriöse Rollen, später auch eine Reihe von Charakterpartien. Zu seinen wichtigsten Bühnenfiguren gehörten der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Rocco im »Fidelio«, der Daland in »Der fliegende Holländer«, die König Heinrich im »Lohengrin«, der Hunding in der »Walküre«, der Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, der Baculus im »Wildschütz«, der Bartolo im »Barbier von Sevilla«, der Dulcamara in »L‘Elisir d’amore«, der Malatesta im »Don Pasquale«, der Fiesco in Verdis »Simon Boccanegra«, der Großinquisitor in dessen »Don Carlos«, der Pimen im »Boris Godunow«, der Pommersfelden in »Mathis der Maler« von Hindemith, der Schigolch in »Lulu« von A. Berg und der Oberlin in »Lenz« von W. Rihm. Gastspiele führten ihn, zum Teil mit dem Ensemble der Frankfurter Oper, nach London (1963), Paris, Kopenhagen, Athen, Barcelona und Rio de Janeiro. Neben seiner Bühnentätigkeit entwickelte er eine ebenso erfolgreiche Karriere als Konzert- und Oratoriensänger. Er starb im August 2009.
Schallplatten: Nonesuch (Missa solemnis von Beethoven unter G. Wand).

26.11. Irene TZSCHOPPE: 95. Geburtstag

Gesangstudium in ihrer Geburtsstadt Chemnitz (Karl-Marx-Stadt) und bei A. Pfanner-Driesen in Dresden. Sie debütierte 1954 am Landestheater von Altenburg (Thüringen) als Elisabeth im »Tannhäuser«. Bis 1957 sang sie an diesem Haus und wechselte dann für die Jahre 1957-60 an das Stadttheater von Halle (Saale). 1960-62 war sie am Stadttheater von Aachen engagiert, 1962-66 am Staatstheater Schwerin. 1966 folgte sie einem Ruf an das Opernhaus von Leipzig. Hier zeichnete sie sich in dramatischen Partien aus dem deutschen Fach (Opern von R. Wagner, R. Strauss, Leonore in Beethovens »Fidelio«) wie als Verdi-Interpretin aus. Gastspiele führten die Künstlerin in die Musikzentren in Westdeutschland, in Österreich, Holland und in der CSSR. Neben ihrem Wirken im Konzertsaal nahm sie einen Lehrauftrag an der Leipziger Musikhochschule wahr. Sie starb 2005 in Leipzig.
Schallplatten: Eterna, Mitschnitte von Rundfunksendungen.

27.11. Eunice ALBERTS: 95. Geburtstag

Eunice Alberts als Amneris
Als „Amneris“

Gesangstudium bei Cleora Wood und Rosalie Miller in Boston, dann Schülerin von Boris Goldovsky in New York. Sie bereiste zwei Jahre lang Nordamerika und Europa als Mitglied einer Madrigal-Gruppe, die unter der Leitung von Nadia Boulanger stand. 1951 erfolgte ihr Bühnendebüt an der New York City Opera in der Uraufführung der Oper »The Dybuk« von D. Tamkin. Sie sang an diesem Haus 1961 in der Uraufführung einer weiteren Oper, »The Crucible« von Ward, und 1971 die Mrs. Herring in Benjamin Brittens »Albert Herring«. Es schloss sich eine erfolgreiche Opernkarriere an den großen Operntheatern der USA an. So sang sie in Chicago und Cincinnati, in Houston (Texas), Kansas City und New Orleans. Sie trat regelmäßig in den sechziger und siebziger Jahren an der Oper von Boston auf, u.a. 1977 als Ratmir in der amerikanischen Erstaufführung von Glinkas »Ruslan und Ludmilla« und wirkte dort noch 1988 in der amerikanischen Premiere der modernen russischen Oper »Die toten Seelen« von R. Schtschedrin mit. Man hörte die Sängerin auch an der Washington Opera, beim Central City Opera Festival und beim Tanglewood Festival. Auf der Bühne übernahm sie gern Charakterrollen wie die Marcellina in »Figaros Hochzeit«, die Marthe im »Faust« von Gounod, die Mutter in Charpentiers »Louise«, die Mary in »Der fliegende Holländer«, die Wirtin im »Boris Godunow«, die Frugola in Puccinis »Il Tabarro« und die alte Buryja in »Jenufa« von Janácek. Hinzu kam eine bedeutende Konzert-Karriere. Sie trat zusammen mit den führenden amerikanischen Orchestern (New Yorker Philharmoniker, Boston Sinfonie-Orchester, Philadelphia Sinfonie-Orchester) auf und brachte im Konzertsaal ein umfassendes Repertoire zum Vortrag. Sie starb im April 2012.
Schallplatten: CRI (Mitschnitt der Uraufführung »The Crucible« als Rebecca Nurse), Westminster (Johannespassion von J.S. Bach, »Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz« von J. Haydn), RCA (Mozart-Requiem und 9. Sinfonie von Beethoven), Vanguard (Werke von S. Barber).

27.11. Charles KOECHLIN: 150. Geburtstag

Er entstammte einer weit verzweigten Familie von Erfindern, Ingenieuren, Industriellen und Künstlern, die über Jahrhunderte im elsässischen Mülhausen ansässig war. Schon sehr früh kam er mit Musik in Berührung. Das Klavierspiel der älteren Schwester regte seine kindliche Phantasie an. Erste Kompositionsversuche unternahm er als Fünfzehnjähriger, regelmäßige Konzert- und Opernbesuche erschlossen ihm die Musik von Charles Gounod, Hector Berlioz, Camille Saint-Saens, César Franck, Georges Bizet, Jules Massenet, Richard Wagner oder Frédéric Chopin. Nachhaltigen Eindruck hinterließen eine Aufführung von Bachs Messe in H-Moll und – im Jahre 1884 – ein Konzert des russischen Pianisten Anton Rubinstein mit Chopins Sonate in B-Moll. Allerdings kam Koechlin erst auf Umwegen zu dem Entschluss, die Musik zu seinem Beruf zu machen. Er sah in seinem Leben „eine Folge glücklicher Fügungen im Missgeschick, oder anders gesagt: ‚die Ereignisse wenden sich letztendlich doch zu meinen Gunsten.‘“ Die entscheidende Weichenstellung seines Lebens rührte aus solchem Missgeschick: Koechlin musste sein Studium an der Pariser École Polytechnique, das eine zivile Ingenieurslaufbahn vorsah, wegen einer lebensbedrohenden Tuberkulose im Jahre 1888 unterbrechen. Durch zwei jeweils mehrmonatige Algerienaufenthalte konnte er die Erkrankung auskurieren. Infolge der langen Unterbrechung verschlechterte sich seine Einstufung an der École Polytechnique jedoch erheblich, ein Umstand, der ihm den Zivilberuf verwehrt und nur die Wahl zwischen Artillerie- oder Marineoffizierslaufbahn gelassen hätte. Eine Militärkarriere war für Koechlin kaum denkbar, und so beendete er 1889 seine Ausbildung als „Polytechnicien“. Den Weg zu seiner Entscheidung für die Musik beschreibt Koechlin so: „Nun war ich also frei. Ich besuchte Charles Lefêbvre und zeigte ihm mein Orchesterlied Clair de lune, das ich gerade beendet hatte; er war davon ziemlich beeindruckt und gab mir Privatstunden in Kontrapunkt.“ Im Verlauf des Jahres 1891 schrieb Koechlin sich als Student am Pariser Conservatoire ein. Er belegte Harmonielehre und Kontrapunkt bei Antoine Taudou und bei André Gedalge, 1892 erfolgte die Aufnahme in die Kompositionsklasse von Jules Massenet. Bei Louis-Albert Bourgault-Ducoudray hörte er Vorlesungen, u.a. über Wagner. 1909 gründete er zusammen mit Gabriel Fauré, Maurice Ravel und Florent Schmitt die Societé Indépendante de Musique (S.I.M.). Nicht nur im Wiener Kreis um Arnold Schönberg, sondern auch bei der Generation der zwischen 1860 und 1880 geborenen französischen Komponisten hatte die Erfahrung der komplexen, nicht mehr aufgelösten Dissonanzen in Wagners Tristan oder im Ring des Nibelungen die Horizonte erweitert: ein nachhaltiger Impuls, der vorwärts gewandtes Komponieren um die Jahrhundertwende auf ganz unterschiedlichen Wegen zum Verlassen des abgesicherten Terrains der Tonalität führen sollte. Zur Kompositionsklasse Massenet, die 1896 von Gabriel Fauré übernommen wurde, gehörten neben Koechlin auch Florent Schmitt, Reynaldo Hahn, der noch ganz junge George Eneescu und Maurice Ravel. Die damals vorherrschende Aufbruchstimmung beschreibt Koechlin in seinen bereits zitierten Aufzeichnungen: „Es gab da ganz ungewöhnliche Einblicke, ähnlich einem sich öffnenden Fenster zu der geheimnisvollen Welt der Töne oder den Entdeckungsreisen in einen unerforschten Urwald vergleichbar. Genau so stellte sich für uns die Musik der Zukunft dar. Diese Einsichten, diesen Wunsch nach Übertretung der alten Regeln, diese neuen Klangentdeckungen fanden wir schon bei Franck, Chabrier und bei Fauré, vor allem aber bei einem merkwürdig-mysteriösen Kollegen, den Florent Schmitt und Ernest Le Grand in den Himmel hoben: Claude Debussy. Ich kannte, um genau zu sein, von ihm fast nichts, als ich Schüler von Taudou wurde, nur [das 1890 veröffentlichte Lied] Mandoline. Aber dieses ‚fast nichts‘ war sehr viel; in diesem Lied gibt es zu Beginn ein paar modulierende Akkorde, die mir alle Arten von Modulationsmöglichkeiten erschlossen. Manchmal reicht ein einziger Takt eines genialen Kollegen aus, um uns das Tor zu den verzauberten Gärten zu öffnen, in denen wir dann vielleicht ganz andere Blumen als er selbst pflücken dürfen.“ Koechlins vielfältige Inspirationsquellen reichten von Gedichten der Antike, der Poesie der französischen Gruppe Les Parnassiens über Heinrich Heine bis zu Kiplings Dschungelbüchern, von einer Novelle seines Onkels, des Philosophen Charles Dollfus (Le Docteur Fabricius op. 202) über Romain Rolland (Le Buisson ardent op. 203/171) bis zu den Filmen der 1930er Jahre. In der Periode von 1890 bis 1908 stehen Vokalkompositionen ganz im Vordergrund seiner kompositorischen Arbeit. Sie zeigen das Bedürfnis, sehr entfernte Tonarten gegeneinander zu stellen oder überraschend zu verbinden, eine große Freiheit der Modulation und die Verwendung nicht mehr aufgelöster Vorhalte und Dissonanzen sowie parallel geführter Nonenakkorde. So erschloss sich Koechlin neue Klangwelten, die durch den großen Atem weitgespannter Linien und durch filigrane Harmonik charakterisiert sind. Seine singuläre Orchestrationstechnik verfügt durch Mischung und Kombination der Instrumente über unerschöpfliche Abstufungen und Farben. Ein hinzugefügtes Streicherflageolett stellt die vollkommene Balance her, ein tiefer Klavierton verleiht dem weichen Ansatz der Kontrabässe die notwendige Kontur. Dieser vielfältigen Mischtechnik aus der Zauberwerkstatt des Klangalchimisten Koechlin verdankt sich die prägnante Transparenz seiner Orchesterwerke. Seine Farbpalette reicht vom tiefsten, dennoch klar konturierten Dunkel bis zu fast schmerzhaft-blendender Helligkeit. Beeindruckend sind dabei die Räumlichkeit und die vielfachen Perspektiven des Klangbilds. Polytonalität (die Gleichzeitigkeit und Schichtung entfernter Akkorde und Tonarten) und Atonalität (die nicht mehr grundtonbezogene Harmonik und Melodik) waren ab 1910 Koechlins bevorzugte Stilmittel. Derartige Tendenzen und Verfahrensweisen lassen sich schon in seinen frühen Orchesterliedern aus den Jahren 1892 bis 1906 beobachten, lange bevor sie um 1915 zum Begriff und Etikett wurden. In einer seiner fruchtbarsten Schaffensperioden entstanden zwischen 1910 und 1921 rund 50 Werke, in erster Linie Klavier- und Kammermusik. Mit dem Klavierzyklus Les Heures persanes op. 65 (1913–19; Orchesterversion 1921) und dem Quintette pour piano et cordes op. 80 (1908–21) gehört Koechlin zur Avantgarde der französischen Komponisten jener Zeit. Zunächst bestimmten praktische Notwendigkeiten die weitere Orientierung: Durch private Lehrtätigkeit und intensive musikschriftstellerische Arbeit sicherte Koechlin die eigene materielle Existenz und die seiner Familie. Aus dieser Lehrtätigkeit gingen fundierte Schulwerke hervor, die zwar auch das Handwerk, in erster Linie aber die Musikalität und die Kreativität des Lernenden entwickeln wollen. Unter Koechlins Schülern waren unter anderem Francis Poulenc und Henri Sauguet. 1928 erhielt er einen Lehrauftrag an der University of California in Berkeley, 1929 erhielt er den Hollywood-Bowl-Preis. In den 1930er Jahren ließ sich Koechlin durch den frühen Tonfilm verzaubern. Allerdings hat er selbst kaum Filmmusik beigesteuert, vielmehr inspirierten ihn Filmerlebnisse zu eigenständigen Kompositionen, beispielsweise zu The Seven Stars’ Symphony op. 132. Ein 1932 in Paris veranstaltetes Festival, bei dem Orchesterwerke Koechlins – unter anderem La Course de printemps op. 95 als Uraufführung – unter der Leitung von Roger Désormière gespielt wurden, brachte ihm zwar große Anerkennung, aber nicht den erhofften Durchbruch. Den Beginn des Zweiten Weltkriegs erlebte der linke Humanist Koechlin als unfassbare Katastrophe: Seine kompositorisch-schöpferische Inspiration kam ab Ende 1939 für über zwei Jahre völlig zum Erliegen. In dieser Zeit widmete er sich der Fertigstellung seines vierbändigen Traité de l’orchestration. Mit der Orchesterkomposition Offrande musicale sur le nom de BACH op. 187 nahm er zu Beginn des Jahres 1942 seine Kompositionsarbeit wieder auf. Die beiden letzten Lebensjahrzehnte brachten insgesamt eine reiche Ernte von Orchesterwerken. 1949 wurde ihm von der Société des Auteurs der Grand Prix de la Musique francaise verliehen. Er war ein humanistischer Geist, der es während eines langen Lebens immer verstand, seine Unabhängigkeit und Freiheit zu bewahren. Am 31. Dezember 1950 starb Charles Koechlin in seinem am Mittelmeer gelegenen Haus in Le Canadel im französischen Département Var.
Koechlins umfangreiches Schaffen umfasst Lieder mit Klavier oder Orchester, Klavierwerke, Kammermusik und Orchesterwerke. Als Musiktheoretiker und Verfasser von Lehrbüchern über Harmonie, Kontrapunkt und Orchestration wurde er hochgeschätzt. Seine Orchestrationskunst (teils unter Verwendung von Ondes Martenot) besticht durch ihre Klarheit und räumliche Tiefe; Koechlin ist ein „Meister des kleinsten Übergangs“ im Bereich der Orchesterfarben. Der Kompositionsstil Koechlins entzieht sich einer einfachen Kategorisierung. Er wechselt zwischen impressionistischen und expressionistischen Merkmalen und greift auf alte Techniken (wie Kirchentonarten) ebenso zurück wie auf moderne Mittel, etwa Polytonalität oder Atonalität. Auffällig in seinem 225 Opuszahlen umfassenden Werk sind häufige außermusikalische Bezüge. Oft liegen auch den rein instrumentalen Werken literarische Vorlagen zugrunde, so entstanden über einen Zeitraum von fast 40 Jahren mehrere sinfonische Dichtungen nach dem Dschungelbuch von Rudyard Kipling: Trois poèmes op. 18; La course de printemps (Der Frühlingslauf) op. 95; La méditation de Purun Bhagat op. 159; La loi de la jungle (deutsch: Das Gesetz des Dschungels) op. 175; Les Bandar-log op. 176. In der 1933 komponierten 7-sätzigen Seven Stars Symphony op. 132 setzte er sieben Filmstars ein klingendes Denkmal (Douglas Fairbanks, Lilian Harvey, Greta Garbo, Clara Bow, Marlene Dietrich, Emil Jannings und Charlie Chaplin). Koechlins Kompositionen stoßen seit dem Jahr 2001 auf ein zunehmendes Interesse der musikalischen Öffentlichkeit, dies nicht zuletzt durch die – in Kooperation von SWR und dessen Radio-Sinfonieorchester Stuttgart mit dem Dirigenten Heinz Holliger sowie mit Hänssler Classic und dem Archiv Charles Koechlin (Kassel) – produzierte Reihe von CD-Veröffentlichungen.

28.11. Cvetka AHLIN: 90. Geburtstag

Ihre Stimme fiel bereits in einem Kinderchor auf. Sie besuchte dann die Musikhochschule in Ljubljana, war dort Schülerin von Julius Betetto und legte 1951 ihr Examen als Musikpädagogin ab. 1952 fand ihr Bühnendebüt am Opernhaus von Ljubljana statt. Sie setzte ihre Ausbildung in München fort und gewann 1954 in München den ersten Preis beim Internationalen Gesangwettbewerb der Europäischen Rundfunkanstalten. Darauf wurde sie 1955 an die Staatsoper von Hamburg berufen, deren Mitglied sie während ihrer weiteren Karriere bis 1974 geblieben ist. In Hamburg hörte man sie als Orpheus von Gluck, als Azucena im »Troubadour«, als Marina in »Boris Godunow«, als Dorabella in »Così fan tutte«, als Zaide in »Il Turco in Italia« von Rossini, als Carmen, als Geneviève in »Pelléas et Mélisande«, als Charlotte in Massenets »Werther«, als Amneris in »Aida«, als Suzuki in »Madame Butterfly«, als Herodias in »Salome« von R. Strauss, als Octavian im »Rosenkavalier«, als Adelaide in »Arabella« von R. Strauss und als Olga in Tschaikowskys »Eugen Onegin«. Am 20.6.1969 wirkte sie dort in der Uraufführung der Oper »Die Teufel von Loudun« von K. Penderecki mit, im gleichen Jahr in der von »Die Reise« von Wehle, am 27.6.1970 in der von E. Kreneks »Das kommt davon«, bereits am 16.6.1964 in »Der goldene Bock«, ebenfalls einem Werk von E. Krenek. Gastspiele führten die Künstlerin nach England, Dänemark, Frankreich, Italien, in die Schweiz, in die Tschechoslowakei, nach Israel und in ihre jugoslawische Heimat, wobei sie auch im Konzertsaal sehr erfolgreich auftrat. 1963 wirkte sie erstmals bei den Festspielen von Salzburg mit; hier sang sie 1963-64 und 1967-68 die 2.Dame in der »Zauberflöte«, 1964-65 die 3.Magd in »Elektra« von R. Strauss, 1969 die Annina im »Rosenkavalier« und 1965 das Alt-Solo in der 9.Sinfonie von Beethoven. Bei den Salzburger Osterfestspielen 1967 trat sie als Grimgerde in der »Walküre« unter H. von Karajan auf. Sie gastierte mit dem Ensemble der Hamburger Oper in London, Kopenhagen und Stockholm und beim Festival von Edinburgh (1968 als Dryade in »Ariadne auf Naxos« und als 1. Magd in »Elektra« von R. Strauss). 1969 sang sie mit der Kölner Oper bei einem Gastspiel in London in der englischen Erstaufführung von H. W. Henzes Oper »Der junge Lord«. 1966 war sie am Opernhaus von Lyon als Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg« zu Gast, 1972 an der Wiener Staatsoper als Annina im »Rosenkavalier«, 1974 bei den Festspielen von Eutin. 1974 erhielt sie einen Lehrauftrag an der Musikhochschule von Lübeck Sie ist auch unter dem Namen Cvetka Ahlin-Soucek aufgetreten. Sie starb 1985 in Hamburg.
Ihre groß dimensionierte, ausdrucksreiche Altstimme begegnet uns auf DGG (Ring-Zyklus, »Die Zauberflöte«, Querschnitte »Aida«, »La forza del destino«, »Der Troubadour«), Philips (»Die Teufel von Loudun« von Penderecki) und auf Eurodisc (Ausschnitte aus »Der Wildschütz« von Lortzing).

28.11. Hermann SCHROETTER: 175. Geburtstag

Er war in Berlin Schüler von Elsner und Hein. 1869 begann er seine Sängerlaufbahn am Hoftheater von Neustrelitz und wechselte in der folgenden Spielzeit an das Hoftheater von Schwerin. Hier sang er 1870-73 und folgte dann einem Ruf an das Hoftheater von Braunschweig. Bis 1896 gehörte er zu den führenden Kräften dieses Hauses, wo er vor allem im heldischen und im Wagner-Repertoire zu großen Erfolgen kam. 1887 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Der wilde Jäger« von August Schulz mit. Gastspiele ließen seinen Namen weithin bekannt werden; so gastierte er an den Opernhäusern von Köln und Frankfurt a.M., am Hoftheater von Hannover und 1880 an der Hofoper von Wien (als Tannhäuser). Richard Wagner schätzte den Künstler sehr und erwog, ihm die Partie des Siegfried für die erste Aufführung des Nibelungenrings in Bayreuth zu übertragen. Dies erwies sich jedoch als undurchführbar, da der Braunschweiger Hof nicht bereit war, den Sänger für längere Zeit zu beurlauben. Er starb 1897 in  Braunschweig.

29.11. John BRECKNOCK: 80. Geburtstag

john-Brecknock

Nach anfänglichem Ingenieurstudium Ausbildung der Stimme an der Birmingham Music School bei Frederic Sharp und Denis Dowling. Bühnendebüt bei der Salder’s Wells Opera London 1967 in der Partie des Alfred in der »Fledermaus«. Er trat dann für mehr als zehn Jahre bei der Sadler’s Wells Opera (später English National Opera) London auf, u.a. als Don Ottavio im »Don Giovanni« und als Tamino in der »Zauberflöte« (seine beiden großen Partien), als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, als Titelheld in »Le Comte Ory« von Rossini und als Alfredo in »La Traviata«. Er sang 1974 an der Sadler’s Wells Opera in der Uraufführung der Oper »Story of Vasco« von Crosse, 1972 den Anatol in der englischen Erstaufführung von »Krieg und Frieden« von Prokofjew, 1974 am Londoner Coliseum Theatre in »The Bassarids« von H.W. Henze. 1967-69 sang er auch an der Scottish Opera Glasgow (den 1. Priester und den 1. Geharnischten in der »Zauberflöte«, den Governor Sciocca in »The Violins of Saint-Jacques« von Malcolm Williamson, den Boten in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, den Alfred in der »Fledermaus«, den Paris in Offenbachs »La belle Hélène« und die Tiltelrolle in Offenbachs »Barbe-bleue«). Gastspieltournee mit der Glyndebourne Touring Opera 1971 als Ferrando in »Così fan tutte«. Der Künstler hatte nun eine erfolgreiche Karriere an der Londoner Covent Garden Oper (Debüt 1974 als Fenton in Verdis »Falstaff«) und bei der Opera North Leeds (Debüt 1982 als Werther von Massenet, dann 1983 in »Béatrice et Bénédict« von Berlioz). Man schätzte ihn in Partien wie dem Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«. Gastspiele an den Opern von Houston (Texas) und Ottawa. 1977-78 in insgesamt elf Vorstellungen an der Metropolitan Oper New York als Tamino und Don Ottavio aufgetreten. An der Grand Opéra Paris gastierte er 1977-78 als Ramiro in Rossinis »La Cenerentola« und 1984 als Werther. An der Wiener Staatsoper 1978 als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla« und 1983 als Des Grieux in »Manon« von Massenet zu Gast. 1981 und 1985-86 gastierte er wieder in Paris in Belcanto-Partien, 1983-84 an der Opéra de Wallonie Lüttich als Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod. Auch an italienischen Bühnen erfolgreich aufgetreten, u.a. 1985 am Teatro Regio Parma als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«. Er wirkte in mehreren Opernfilmen des britischen Fernsehens BBC in den Hauptrollen mit (»La Traviata«, »Rigoletto«, »Lucia di Lammermoor«). Seine ganz lyrisch gehaltene Stimme war auch in einem umfassenden m Konzertrepertoire erfolgreich. Nach Beendigung seiner Karriere lebte er in Spanien. Er starb am 30.5.2017 in Benissa (Provinz Alicante, Spanien).
Schallplatten: RCA (kleine Partie in »Salome« von R. Strauss), MRF (vollständige Oper »Lucrezia Borgia« von Donizetti, Houston, 1975), HMV (Alfredo in Englisch gesungener »La Traviata« als Partner von Valerie Masterson), Chandos (Titelrolle in »Werther« von Massenet mit Janet Baker, 1979).

29.11. Manlio ROCCHI: 85. Geburtstag

Manlio Rocchi

Er wurde an der Accademia di Santa Cecilia in Rom ausgebildet; seine Lehrerin war hauptsächlich Elena d’Ambrosio. Sein Debüt erfolgte 1961 in Rom als Prunier in »La Rondine« von Puccini. 1962 gewann er den Gesangwettbewerb von Spoleto. Als Interpret lyrischer Tenorpartien aus dem Bereich der italienischen Oper trat er erfolgreich an den Theatern von Venedig, Rom und Neapel wie auch bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom auf. Gastspiele am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, an den Nationalopern von Sofia, Bukarest und Athen, am Opernhaus von Zürich und bei den Festspielen von Orange. Er sang am Teatro Massimo Palermo 1964 den Gerardo in Puccinis »Gianni Schicchi«, 1965 den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, 1968 trat er bei einer Holland-Tournee der reisenden italienischen Gesellschaft Compagnia d’Opera Italiana di Milano u.a. in Rotterdam als Edgardo in »Lucia di Lammermoor« auf. 1969 hörte man ihn in der gleichen Rolle am Teatro Comunale Bologna, dort auch 1970 als Beppe in »Rita« von Donizetti. Er wiederholte diese Partie 1971 und 1972 an der Piccolo Scala in Mailand. 1971 gastierte er am Opernhaus von Gent in Belgien, 1972 am Teatro Comunale Modena (als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«) und gab Konzerte in Israel. Am 9.10.1973 wirkte er in Bergamo in der Uraufführung der Oper  »Il Sogno« (»Traumspiel«) von Roman Vlad mit. Am Teatro Margherita Genua hörte man ihn 1984 in »Volo di notte« von L. Dallapiccola und in »Morte dell‘aria« von Petrassi (jetzt in Charakterrollen). 1985 wirkte er am Teatro Margherita in Genua in der Premiere der ganz in Vergessenheit geratenen Oper »Il Diluvio universale« von Donizetti mit. Der Künstler, der in Rom lebte, wurde auch durch seine Radio- und Fernsehauftritte bekannt. Er starb 2008 in Olevano Romano bei Rom.
Er sang auf den Schallplattenmarken RCA-Victor (Dormont in »La scala di seta« von Rossini) und Fratelli Fabbri (u.a. Mitwirkung in vollständigen Aufnahmen von Verdis »Rigoletto« und »L‘Elisir d’amore« von Donizetti).

29.11. Erich ZIMMERMANN: 125. Geburtstag

Erich Zimmermann als Mime
Als „Mime“

Er war zuerst Porzellanmaler an der Meißener Porzellan-Manufaktur. Er studierte dann in Dresden Gesang und debütierte 1918 an der Staatsoper von Dresden. Es schlossen sich Engagements in Dortmund, Braunschweig und Leipzig an. 1925-30 war der Künstler an der Münchner Staatsoper tätig, 1930-34 an der Staatsoper von Wien. Hier debütierte er bereits 1927 als David in »Die Meistersinger von Nürnberg« und sang u.a. den Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, den Basilio in »Figaros Hochzeit«, den Monostatos in der »Zauberflöte«, den Baron Lummer im »Intermezzo« von R. Strauss, den Mime im Nibelungenring, den Eisenstein in der »Fledermaus«, den Dancairo in »Carmen«, den Beppe im »Bajazzo«, den Steuermann in »Der fliegende Holländer«, den Goro in »Madame Butterfly«, den Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut«,  den Spoletta in »Tosca«, die vier Dienerrollen in »Hoffmanns Erzählungen«, den Tanzmeister in »Ariadne auf Naxos«, den Valzacchi im »Rosenkavalier«, den Abdisu in »Palestrina« von H. Pfitzner, den Baron Kronthal im »Wildschütz« von Lortzing, den Jaquino im »Fidelio«,  den Nando im »Tiefland« von d‘Albert, den Ottokar im »Zigeunerbaron« von J. Strauß, den Baba Mustafa im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, die Hexe in »Hänsel und Gretel« von Humperdinck, den Missail im »Boris Godunow«, den Georg im »Waffenschmied« von Lortzing, den Matteo in »Arabella« von R. Strauss und den Filipeto in Wolf-Ferraris »Die vier Grobiane«. 1934-35 war er an der Staatsoper von Hamburg engagiert. 1935 folgte er einem Ruf an die Berliner Staatsoper, an der er bis 1944 große Erfolge erzielen konnte. Sehr erfolgreich war er auch bei den Festspielen von Bayreuth, namentlich als einer der Knappen im »Parsifal« (1925, 1937), als David (1925, 1933, 1943-44), als Mime im Ring-Zyklus (1930-31, 1933-34, 1936-42), als einen der Edlen im »Lohengrin« (1937) und als Steuermann in »Der fliegende Holländer« (1939-42). Er gastierte an der Grand Opéra Paris (1934, 1938, 1941, 1951, 1955), an der Covent Garden Oper London (1934, 1937-39 und nochmals 1950), in Brüssel und Amsterdam und auch bei den Salzburger Festspielen. Hier sang er 1930-32 den Basilio in »Figaros Hochzeit«, 1931 den Monostatos, 1938 den David. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er bis 1954 Mitglied der Städtischen Oper Berlin, an der er 1955 nochmals gastierte. Gastspiele führten ihn an die Staatsoper von Dresden (1927), an das Opernhaus von Zürich (1938) und an die Oper von Monte Carlo (1937, 1938). An der Berliner Staatsoper wirkte er in den Uraufführungen der Opern »Rembrandt van Rijn« (23.1.1937) von Paul von Klenau, »Peer Gynt« von Werner Egk (24.11.1938), »Schneider Wibbel« von Mark Lothar (12.5.1938) und »Schloss Dürande« von Othmar Schoeck (1.4.1943) mit, an der Städtischen Oper Berlin in der Uraufführung von »Ein preußisches Märchen« von Boris Blacher (23.9.1952). Als Tenor- Buffo muss man ihn als den Nachfolger des großen Julius Lieban bezeichnen. Seine Karriere dauerte mit Gastspielen und Konzerten bis in die ersten zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Zuletzt wirkte er als Pädagoge in Berlin, wo er 1968 starb.
Schallplatten: Akustische wie elektrische Odeon-Platten; Aufnahmen auf Telefunken (Bayreuth, 1936), Vox, DGG, HMV (David in einer nicht ganz vollständigen Aufzeichnung der »Meistersinger von Nürnberg« unter W. Furtwängler aus Bayreuth von 1943), NBC/Naxos (Pappacoda in »Eine Nacht in Venedig«, Reichssender Stuttgart 1938), Gebhardt (Georg in Gesamtaufnahme »Der Waffenschmied« von Lortzing, Reichssender Berlin 1936). Auf HRE erschien der Mitschnitt einer Aufführung der »Entführung aus dem Serail« von 1936 mit ihm als Pedrillo. Mehrere Fragmente aus Opernaufführungen der Wiener Staatsoper aus den dreißiger Jahren auf Koch Records (u.a. als David und als Mime).

30.11. Richard T. GILL: 90. Geburtstag

Richard T. Gill

Er studierte Ökonomie und Finanzwissenschaft und war Lecturer of Economics an der Harvard Universität. Er veröffentlichte fünf wissenschaftliche Bücher in seinem Fach, schrieb aber auch Kurzgeschichten und Artikel in renommierten amerikanischen Zeitschriften. Nach erfolgter Ausbildung seiner Stimme durch Herbert Mayer in Boston und New York entschloss er sich, eine zweite Karriere als Opernsänger zu beginnen. 1970 kam es zu seinem Bühnendebüt an der Oper von Boston als Lumpensammler in »Louise« von Charpentier. Er war 1971-74, 1975-76 und 1977- 78 an der City Opera New York engagiert; 1973-76 Mitglied der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Panthée in »Les Troyens« von Berlioz), wo er in insgesamt 86 Vorstellungen auch den Frère Laurent in »Roméo et Juliette« von Gounod, den Timur in »Turandot« von Puccini, den Dorfrichter in »Jenufa« von Janácek, den Komtur im »Don Giovanni«, den Alcalde in Verdis »La forza del destino«, den Jero in der amerikanischen Erstaufführung von Rossinis »Le siège de Corinthe«, den Pimen im »Boris Godunow«, den König in »Aida« und den Truffaldin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss sang. Gastspiele an der Oper von Houston/Texas und in anderen amerikanischen Großstädten bei einer gleichzeitigen intensiven Konzerttätigkeit. Seine Hauptpartien auf der Bühne waren der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Seneca in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea«, der Creon in »Medea« von Cherubini, der Sulpice in Donizettis »La Fille du Régiment«, der Warlaam in »Boris Godunow«, der Colline in Puccinis »La Bohème« und der Tiresias in »Oedipus Rex« von Strawinsky. Er starb 2010 in Providence (Rhode Island).
Mitschnitte von Opernaufführungen aus der Metropolitan Oper.

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