Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM NOVEMBER 2015

IN MEMORIAM-Geburtstage

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

2.11. Vieri TOSATTI: 95. Geburtstag

 Biographie des italienischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Vieri_Tosatti

 2.11. Hildegard JONAS: 100. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung in den dreißiger Jahren in Berlin und debütierte 1940 am Theater von Troppau (Opava) als Sieglinde in der »Walküre«. Sie sang dann jeweils für eine Spielzeit an der Volksoper Wien (1941-42), am Stadttheater von Gießen (1942-43) und an der Staatsoper Dresden (1943-44). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges trat sie zuerst gastierend auf, war dann 1949-50 wieder Mitglied des Stadttheaters Gießen, wechselte von dort an das Staatstheater Kassel (1950-51) und war von 1951 bis zu ihrem Abschied von der Bühne 1967 am Stadttheater (Opernhaus) von Nürnberg engagiert. Seit 1955 bestand gleichzeitig für mehrere Jahre ein Gastvertrag mit der Berliner Staatsoper. 1959 sang sie bei den Festspielwochen von Zürich die Brünnhilde im »Siegfried«. Sie war vor allem eine große Wagner-Interpretin in Partien wie der Senta in »Der fliegende Holländer«, der Elisabeth im »Tannhäuser«, der Venus in der gleichen Oper, der Ortrud im »Lohengrin«, der Sieglinde in der »Walküre«, der Brünnhilde im Ring-Zyklus, der Isolde in »Tristan und Isolde« und der Kundry im »Parsifal«. In ihr Interpretationsbereich fielen aber auch die Leonore im »Troubadour«, die Aida, die Amelia in Verdis »Maskenball«, die Leonore in »La forza del destino« wie in Beethovens »Fidelio«, die Fürstin in »Rusalka« von Dvorák und die Lady Billows in »Albert Herring« von B. Britten. Gastspiele führten sie an Opernhäuser in Spanien, Frankreich, Belgien, Österreich und in der Schweiz. Sie starb 1973 in Lauf bei Nürnberg. Sie war mit dem Tenor Adolf Richter verheiratet.

2.11. Marie GOETZE: 150. Geburtstag

 

Marie_Goetze_als_Brangaene
Als Brangäne

 Sie war die Tochter eines Königlich preußischen Beamten und konnte erst nach Überwindung des Widerstands ihrer Eltern mit 19 Jahren das Gesangstudium beginnen. Dies erfolgte am Stern’schen Konservatorium in Berlin bei Jenny Meyer, dann wurde sie Schülerin von Désirée Artôt de Padilla. Sie debütierte 1884 an der Berliner Kroll-Oper als Azucena im »Troubadour«. Noch im gleichen Jahr wurde sie an die Berliner Hofoper verpflichtet, an der sie bis 1886 blieb. 1886-90 sang sie am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg, wo sie sogleich in ihrer Antrittsrolle, der Carmen, eine sensationellen Erfolg hatte. In der Spielzeit 1890-91 trat sie an der Metropolitan Oper New York auf (Antrittsrolle: Loretta in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Asrael« von Franchetti). Dort hörte man sie als Ortrud im »Lohengrin«, als Fides in Meyerbeers »Le Prophète«, als Erda im »Siegfried«, als Fricka wie als Siegrune in der »Walküre«, als Brangäne in »Tristan und Isolde« und als Bostana im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius. 1891 glanzvolles Gastspiel an der Hofoper von Wien als Fides und als Amneris in »Aida«. 1892 kam sie wieder an die Berliner Hofoper, an der sie bis 1920 sehr erfolgreich wirkte. Sie sang dort am 26.11.1884 in der Uraufführung der Oper »Hero« von Ernst Frank, am 15.11.1892 in der der Oper »Genesius« von Felix von Weingartner, am 4.5.1895 in der Uraufführung von »Der Evangelimann« von Wilhelm Kienzl (die Partie der Magdalena), 1899 in der von Albert Lortzings »Regina«, 1900 in der von Ferdinand Hummels Oper »Die Beichte«, 1902 in der Uraufführung von »Heilmar, der Narr« von W. Kienzl. 1906 wirkte sie in der Berliner Premiere der Richard Strauss-Oper »Salome« als Herodias mit, 1909 als Klytämnestra in der von »Elektra«. 1893 trat sie am Hoftheater von Gotha in der Uraufführung der Oper »Die Rose von Pontevedra« von Josef Foerster auf. 1897 sang sie bei den Krönungsfeierlichkeiten für Zar Nikolaus II. in Moskau. Seit 1899 gastierte sie oft am Opernhaus von Köln, seit 1900 an der Oper von Frankfurt a.M. 1901 war sie am Deutschen Theater in Prag, 1907 an der Hofoper von Dresden, 1910 an der Covent Garden Oper London (als Klytämnestra und als Brangäne), 1911 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1916 an der Hofoper von München zu Gast. Weitere Höhepunkte in ihrem Repertoire für die Bühne waren die Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Adriano in Wagners »Rienzi«, die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns und die Frau Reich in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«. 1902 unternahm die auch als Konzertsängerin gefeierte Künstlerin eine Konzert-Tournee durch die USA. Sie sang (zeitweilig) unter dem Namen Marie Ritter-Goetze, nachdem sie den Bariton Josef Ritter (1859-1911) geheiratet hatte, der mit ihr zusammen in Hamburg engagiert war. Sie starb 1922 in Berlin.

Schallplatten auf G & T (die ältesten bereits von 1901, in Berlin aufgenommen), auf Odeon, Lyrophon, Anker, Pathé, Beka und HMV (hier u.a. Siebel in der denkwürdigen vollständigen Aufnahme von Gounods »Faust« von 1908); auch Edison-Zylinder (Berlin, 1905).

 3.11. Paulette MERVAL: 95. Geburtstag

 Biographie der französischen Sopranistin auf Französisch: https://fr.wikipedia.org/wiki/Paulette_Merval

 3.11. Herbert BRAUER: 100. Geburtstag

 Studium an der Berliner Hochschule für Musikerziehung und Kirchenmusik und an den Universitäten von Berlin und Gießen. 1942 promovierte er in Gießen mit der Dissertation »Goethes Lieddichtung bei Schubert und Hugo Wolf«. Seine Stimme wurde durch die berühmten Sänger Willi Domgraf-Fassbaender und Karl Schmitt-Walter in Berlin ausgebildet. In den Jahren 1945-48 war er an der Berliner Staatsoper tätig und war dann bis 1964 an der Städtischen Oper Berlin engagiert. Am 20.6.1952 wirkte er in Zürich in der Uraufführung der Neufassung von Hindemiths »Cardillac« mit, am 13.3.1951 an der Städtischen Oper Berlin in der von R. Oboussiers »Amphitryon«. Auf der Bühne war er als Don Giovanni, als Figaro im »Barbier von Sevilla«, als Papageno in der »Zauberflöte«, als Marcello in »La Bohème«, als Rigoletto, als Tonio im »Bajazzo« und in vielen anderen Partien erfolgreich. Seine eigentliche Bedeutung lag jedoch auf dem Gebiet des Konzertgesangs. Als Solist in Oratorien wie als Liedersänger konnte er in Deutschland wie auch im Ausland große Erfolge erzielen; zumal schätzte man seine Gestaltung der Werke von J.S. Bach. Seit 1956 war er als Dozent an der Berliner Musikhochschule tätig und wurde dann zum Professor ernannt. Er starb 2013 in Berlin.

Schallplatten: Eurodisc (Querschnitte »Der Bajazzo«, »La Bohème«, »Oberon«), Columbia, DGG, Melodram (»Die Fledermaus«), geistliche Musik u.a. auf Cantate.

3.11. Hans WUZÉL: 150. Geburtstag

 Er wurde Elementarschullehrer und trat in den Schuldienst ein. 1885-89 war er als Lehrer in Neuburg am Rhein beschäftigt. Zunächst erregte er Aufsehen durch sein Violin- und Orgelspiel. Seine Stimme wurde durch den Bassisten Karl Speichler entdeckt, den er bei Konzertveranstaltungen am Klavier begleitete. Darauf ging er nach Karlsruhe und ließ seine Stimme durch den Pädagogen Josef Hauser wie auch am Konservatorium von Karlsruhe ausbilden. Nachdem er bereits als Konzertsänger seine ersten Erfolge (erstes Konzert 1891 in Bern in der Schweiz) erzielt hatte, begann er 1891 seine Bühnenkarriere am Stadttheater von Bern. 1893 kam er an das Opernhaus von Düsseldorf, 1894 an das Theater von Königsberg (Ostpreußen), 1895-98 war er am Stadttheater von Magdeburg verpflichtet. 1898 gastierte er am Hoftheater von Kassel als Tonio im »Bajazzo« und als Telramund im »Lohengrin« und wurde darauf an dieses Haus engagiert. 1896-99 trat er alljährlich an der Berliner Sommeroper auf. Er gab Gastspiele an der Berliner Hofoper, am Hoftheater von Wiesbaden und am Opernhaus von Leipzig. Er war sowohl auf der Bühne wie im Konzertsaal (hier namentlich als Lied-Interpret) in einem umfangreichen Repertoire zu hören. Von seinen Bühnenpartien sind zu nennen: der Fliegende Holländer, der Wotan im Nibelungenring, der Hans Sachs in  »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Titelheld in »Hans Heiling« von Marschner, der Rigoletto, der Scherasmin in »Oberon« von Weber, der Graf Luna im »Troubadour«, der Silvio im »Bajazzo« und der Frank in der »Fledermaus«. Er blieb bis 1930 in Kassel engagiert, wo er dann als Gesanglehrer wirkte und 1940 starb. Er war verheiratet mit der Sängerin Lilli Schuchardt (* 1867).

 3.11. Adrien-Louis-Victor BOIELDIEU (französischer Komponist): 200. Geburtstag

 5.11. Anthony ROLFE JOHNSON: 75. Geburtstag

Anthony Rolfe Johnson

 Er war zunächst als Farmer tätig, bevor er sich zur Ausbildung seiner Stimme an der Guildhall School of Music in London bei Keeler entschloss. 1972 gewann er ein Stipendium der Eva Turner-Stiftung. Nachdem er bereits als Konzert- und Oratoriensänger erste Erfolge gehabt hatte, kam es 1973 zu seinem Bühnendebüt bei der English Opera Group als Vaudémont in Tschaikowskys Oper »Jolanthe«. 1974-75 erregte er bei den Festspielen von Glyndebourne als Fenton im »Falstaff« von Verdi und als Lenski im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky Aufsehen; 1974-76 sang er dort auch den Storch in der autobiographischen Oper »Intermezzo« von Richard Strauss, 1994 den Peter Grimes von B. Britten, 1996 den Male Chorus in »The Rape of Lucretia«. 1975 wurde er mit dem John Christie-Preis ausgezeichnet. 1977 sehr erfolgreiche Konzerttournee durch Westdeutschland und Holland; 1978 gab er weitere Konzerte in Holland und Belgien. 1978 übernahm er bei der English National Opera London den Don Ottavio im »Don Giovanni«. An der Scottish Opera Glasgow sang er 1979 den Tamino in der »Zauberflöte«, 1979-80 den Lenski, 1982 den Bajazet in Händels »Tamerlano«, 1983 den Aschenbach in B. Brittens »Death in Venice«, 1994 die Titelpartie in B. Brittens »Peter Grimes« und 2001 den Arbace in Mozarts »Idomeneo«. Am Grand Théâtre Genf gastierte er 1981 als Einfältiger in »Boris Godunow«, 1983 als Aschenbach und 1993 als Schuiskij in »Boris Godunow«. 1983 hörte man ihn bei den Salzburger Mozartwochen in der Mozart-Oper »La finta semplice«, 1984 an der Mailänder Scala als Titelhelden in »Lucio Silla« von Mozart. 1986 trat er bei der Opera North Leeds als Tom Rakewell in Strawinskys »The Rake’s Progress« auf. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1987 den Johannes im »Buch mit sieben Siegeln« von Franz Schmidt, 1990 den Orfeo in der gleichnamigen Oper von Monteverdi, 1991 die Titelpartie in »Idomeneo«, 1992 das Tenor-Solo in Beethovens Missa solemnis, 1993 die Titelpartie in »Lucio Silla« von Mozart und in Monteverdis Marienvesper, 1994 in Mozarts C-Moll-Messe und 1996 die Titelpartie in Händels »Jephta«. 1988 debütierte er an der Covent Garden Oper London in der Händel-Oper »Semele«. 1989 trat er bei der English National Opera London in der Titelrolle von Monteverdis »Il ritorno d’Ulisse in patria« auf. 1991 gastierte er als Idomeneo an der Wiener Staatsoper. Als Idomeneo debütierte er auch 1991 an der Metropolitan Oper New York, an der er bis 1997 auch den Aschenbach, den Peter Grimes und den Tito in Mozarts »La clemenza di Tito« sang. Den Peter Grimes sang er auch 1995 am Teatro Massimo Palermo. Er gastierte am Teatro Liceu Barcelona, in Amsterdam und Brüssel und sang 1992 in der Marienkirche in Lübeck das Tenorsolo im War Requiem von Benjamin Britten, 1995 bei der Welsh Opera und 1996 an der Opéra Bastille Paris abermals die Titelrolle in »Idomeneo« von Mozart. 1996 sang er bei der English National Opera London den Florestan im »Fidelio« und an der Covent Garden Oper den Don Ottavio. Er trat 1998 am Théâtre de la Monnaie Brüssel als Prolog/Quint in »The Turn of the Screw« von B. Britten und bei den Festspielen von Savonlinna als Peter Grimes auf. 1999 gastierte er in Sydney in der Titelrolle von Monteverdis »Il ritorno d’ulisse in patria«. Am 10.12.1999 sang er am Théâtre de la Monnaie Brüssel in der Uraufführung der Oper »Wintermärchen« von Philippe Boesmans den Polyxenes (den er 2000 an der Oper von Lyon wiederholte). 2000 hörte man ihn dort wie an der Oper von Antwerpen als Oedipus in Strawinskys »Oedipus Rex«, bei den Festspielen von Drottningholm in der Händel-Oper »Tamerlano«. Er betätigte sich auch als Dirigent, erstmals in St.Louis, wo er 1997 Monteverdis »L’Orfeo« dirigierte. Seit 1990 Director of Singing Studies an der Britten-Pears Music School. 1992 wurde er zum Commander of the British Empire ernannt. Er starb im 2010 in London. – Schöne, italienisch anmutende lyrische Tenorstimme, auf der Bühne als Mozartsänger (Ferrando in »Così fan tutte«) und im Belcanto-Repertoire, dazu als begabter Darsteller, auf dem Konzertpodium vor allem als Händel-Interpret, aber auch als Liedersänger, bewundert.

Lit: A. Rolfe Johnson: Quick Study (in »Opera News«, 1987-88); A. Blyth: Anthony Rolfe-Johnson (in »Opera«, 1993).

Zahlreiche Schallplattenaufnahmen: Philips (»Il sposo deluso«, »Il mondo della luna« und Stabat mater von J. Haydn, »La finta semplice« von Mozart, »Jephtha« und »Messiah« von Händel, »The Rake’s Progress« von Strawinsky), Decca (Cassio in Verdis »Otello«, »Ode for St. Cecilia’s Day« und »Alexander’s Feast« von Händel), DGG (»Idomeneo«, Matthäus-Passion von J.S. Bach, »Acis and Galatea« von Händel, War Requiem von B. Britten, Polyxenes in »Wintermärchen« von Philippe Boesmans), Hyperion (Schubert-Lieder), EMI (Tamino in der »Zauberflöte«), RCA (Hohe Messe und Magnificat von J.S. Bach), DGA (»Hercules« von Händel), Erato (»Semele« von Händel, Captain Vere in »Billy Budd« von B. Britten), Orfeo (»La finta semplice«), Unicorn (Lieder von Delius), Teldec (Johannes-Passion von J.S. Bach, »Saul« von Händel, Missa solemnis von Beethoven), Sony (»Don Giovanni«), Opus (»Applausus« von J. Haydn), Telarc (Florestan im »Fidelio«), Accord (»The Turn of the Screw« als Prolog und Quint), Chandos/Koch (Kantaten von Herbert Howells).

5.11. Nicholas MAW: 80. Geburtstag

Seine Eltern waren Clarence Frederick Maw und Hilda Ellen Kammern. Er besuchte die Wennington School, ein Internat in Wetherby, West Yorkshire. Seine Mutter starb an Tuberkulose, als er 14 Jahre war. 1960 heiratete er Carol Graham, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte. Die Ehe wurde im Jahr 1976 geschieden. Seine letzten 24 Lebensjahre lebte er in Washington D. C. mit seiner Lebensgefährtin, der Keramik-Künstlerin Maija Hay.

Er studierte 1955-58 bei Paul Steinitz und Lennox Berkeley an der Royal Academy of Music, London, und in Paris bei Nadia Boulanger und dem Schönberg-Schüler Max Deutsch. Stationen seiner Laufbahn als Hochschullehrer waren das Trinity College in Cambrisge, die Exeter University und die Yale University. Zuletzt war er Professor für Komposition am Peabody Conservatory in Baltimore. Für sein kammermusikalisches Schaffen erhielt er 1993 zusammen mit Aaron Jay Kernis den Stoeger Prize. Seine Oper Sophie’s Choice wurde unter anderem am Royal Opera House (London), an der Deutschen Oper Berlin und der Volksoper Wien aufgeführt. Er verstarb im Mai 2009 im Alter von 73 Jahren aufgrund einer Herzinsuffizienz mit Komplikationen in Washington D. C.

5.11. Luisa MALAGRIDA: 95. Geburtstag

 Sie lebte seit ihrem achten Lebensjahr in Ferrara. Ausbildung in Ferrara und an der Accademia di Santa Cecilia Rom. 1945 debütierte sie am Teatro Verdi Ferrara als Suzel in Mascagnis »L’Amico Fritz«. Nach Auftritten an Opernhäusern in der italienischen Provinz ging sie 1948 für zwei Jahre nach Südafrika, kam dann aber wieder nach Italien zurück, wo sie jetzt eine sehr erfolgreiche Karriere entwickeln konnte. Sie sang an allen großen italienischen Bühnen, so seit 1951 am Teatro Comunale Bologna, seit 1954 am Teatro San Carlo Neapel und am Opernhaus von Genua, seit 1955 am Teatro Verdi Triest; auch am Teatro Fenice Venedig, am Teatro Massimo Palermo und in Turin aufgetreten. Sie sang an der Oper von Rom 1956 in »La figlia di Jorio« von I. Pizzetti (in der sie auch am 4.12.1954 am Teatro San Carlo Neapel in der Uraufführung gesungen hatte), 1957 in »Il Dibuk« von L. Rocca, 1960 bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom die Santuzza in »Cavalleria rusticana«. 1956 erreichte sie die Mailänder Scala, wo sie als Mila in der Oper »La figlia di Jorio« von I. Pizzetti debütierte. Am 1.3.1965 sang sie dort in der Uraufführung der Oper »Clitennestra«, ebenfalls von Pizzetti, die Partie der Cassandra, bereits am 8.2.1963 an der Piccola Scala in der Uraufführung von Renzo Rossellinis »Il Linguaggio dei Fiori« die Partie La Zia. 1971 hörte man sie an der Scala als Susanna in »Chowanschtschina« von Mussorgsky. 1958 sang sie am Teatro Sociale Como die Maddalena in Giordanos »Andrea Chénier«, 1963 am Teatro Goldoni Livorno die Titelfigur in Mascagnis »Iris«. Ebenfalls 1963 wirkte sie im italienischen Rundfunk RAI Rom in der Oper »Il testamento di Euridice« von Adriano Lualdi mit. In der Saison 1963-64 sang sie an der Metropolitan Oper New York in zwei Vorstellungen die Leonore im »Troubadour«. Die Künstlerin gastierte 1957 am Teatro San Carlos Lissabon, 1964 an der Oper von Monte Carlo, 1964 in Belfast und Dublin und 1974 am Opernhaus von Graz. 1975 verabschiedete sie sich am Teatro San Carlo Neapel als Santuzza von der Bühne. Von den Partien, die Bestandteil ihres Bühnenrepertoires waren, seien die Aida, die Traviata, die Titelheldin in Verdis »Luisa Miller«, die Tosca, die Butterfly, die Mimi in »La Bohème«, die Nedda im »Bajazzo«, die Leah in »Il Dibuk« von L. Rocca, die Ornella in »La Figlia di Jorio« von Pizzetti, die Agathe im »Freischütz« und die Micaela in »Carmen« genannt. Sie lebte dann in Rom, wo sie 2008 starb

Schallplatten: Cetra (Nedda in vollständiger »Bajazzo«-Aufnahme), MRE (Giocasta in »Edipo Re« von Leoncavallo, Teatro San Carlo Neapel, 1970), Monarch (Recital), Philips (Querschnitt »Tosca«, 1953).

 

6.11. Nicola ROSSI-LEMENI: 95. Geburtstag
Nicola-Rossi-Lemeni und Viriginia Zeani
Nicola Rossi-Lemeni mit Virginia Zeani

 Sein Vater war Hauptmann der italienischen Armee, seine Mutter, Xenia Lemeni-Macedon, war Sängerin und Pädagogin am Konservatorium von Odessa gewesen. Er wurde in Italien erzogen und studierte dort Rechtswissenschaften. Während des Zweiten Weltkrieges diente er in der italienischen Armee. Ohne eine eigentliche Ausbildung debütierte er 1946 am Teatro Fenice von Venedig als Warlaam im »Boris Godunow«. 1946 erregte er an der Oper von Triest als König Philipp im »Don Carlos« von Verdi Aufsehen. Er wurde in seiner Karriere wesentlich durch den berühmten Dirigenten Tullio Serafin gefördert, dessen Tochter Vittoria er 1949 heiratete. 1946-48, 1952 und 1954 hörte man ihn bei den Festspielen in der Arena von Verona (1947 in den Aufführungen von »La Gioconda«, die für Maria Callas den Durchbruch zum Weltruhm brachten). Seit 1947 sang er regelmäßig an der Mailänder Scala (Antrittsrolle 1947: Warlaam) und an der Oper von Rom. An der Scala sang er u.a. das Bass-Solo im Verdi-Requiem und den Alfonso in Donizettis »Lucrezia Borgia« (1951), den Oroveso in »Norma« und die Titelrolle in »Mefistofele« von Boito (1952), den Basilio im »Barbier von Sevilla« (1952, 1956), den König Philipp (1952, 1954), den Baldassare in Donizettis »La Favorita« und den Archibaldo in »L’Amore dei Tre Re« von Montemezzi (1953), die Titelrolle in »Boris Godunow« (1953, 1956), den Mephisto im »Faust« von Gounod, den Orest in »Elektra« von R. Strauss und den Oberpriester in »La Vestale« von Spontini (1954), den Lunardo in »I Quatro Rusteghi« von E. Wolf-Ferrari (1954, 1957), den Kaspar im »Freischütz«, den Selim in Rossinis »Il Turco in Italia« und den Cerevik in Mussorgskys »Der Jahrmarkt von Sorotschinzy« (1955), den Lazaro di Roio in I. Pizzettis »La figlia di Jorio«, den Abimelech in »Samson et Dalila« von Saint-Saens und den Titelhelden in Händels »Giulio Cesare« (1956), den Dulcamara in »L’Elisir d‘amore« (1956, 1958), den Enrico in Donizettis »Anna Bolena« und den Vater in »Louise« von Charpentier (1957), den Silva in Verdis »Ernani« und den Eurito d’Ilaco in »Fedra« von Pizzetti (1959), den Don Chisciotte in M. de Fallas »El retablo de Maese Pedro« (1959, 1971), den Titelhelden in »Macbeth« von Ernest Bloch (1960), die vier dämonischen Partien in »Hoffmanns Erzählungen« (1961) sowie mehrere Liederabende. Er wirkte dort am 2.1.1955 in der Bühnenuraufführung von Darius Milhauds »David« als Saul und am 10.3.1966 in der Uraufführung von Renzo Rossellinis »La Leggenda del Ritorno« als Kardinal mit. Bereits am 1.3.1958 sang er an der Scala in der Uraufführung von Pizzettis Oper »Mord in der Kathedrale« (»L’Assassinio nella cattedrale«) die Rolle des Thomas Becket. Diese Partie trug er dann auch an der Oper von Rom (1958), in Genua (1960) und im Vatikan in einer Sondervorstellung vor Papst Johannes XXIII. vor. An der Oper von Rom übernahm er 1948-49 die Titelrolle in »Mosè in Egitto« von Rossini, 1950-51 den Zaccaria in Verdis »Nabucco« und 1951 den Boris Godunow. In dieser Partie hatte er dann auch 1949 am Teatro Colón Buenos Aires und 1952 an der Covent Garden Oper London herausragende Erfolge. Die Kritik bezeichnete ihn als den größten Interpreten dieser Partie seit Fedor Schaljapin. An der Oper von Rom kreierte er 1952 den Titelhelden in der Premiere der Oper »The Emperor Jones« von L. Gruenberg, 1961 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Un Sguardo dal Ponte« von Renzo Rossellini mit. 1951 gastierte er in Nordamerika; an der Oper von San Francisco feierte man ihn dabei als Boris Godunow. An diesem Haus gastierte er dann bis 1969 auch als Colline in »La Bohème«, als Padre Guardian in »La forza del destino«, als Don Giovanni, als Archibaldo in »L’Amore dei Tre Re«, als Titelheld in »Mefistofele« von Boito, als Basilio im »Barbier von Sevilla« und als Vater in »Louise«. 1953 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle Mephisto im »Faust« von Gounod). Hier trat er in der Saison 1953-54 in zwölf Vorstellungen auf, auch als Don Giovanni und als Boris Godunow. Er sang am 17.3.1965 an der Oper von Rom die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »Wallenstein« von Mario Zafred. 1956 Gastspiel an der Oper von Chicago. 1965 wirkte er in Florenz in der italienischen Erstaufführung von Benjamin Brittens »Billy Budd« mit. An der Oper von Monte Carlo wirkte er 1968 in der Uraufführung von Renzo Rossellinis »L’Avventurio«, 1973 in der von »La Reine morte« vom gleichen Komponisten mit. Er gastierte am Bolschoi Theater Moskau, an den Opern von Leningrad, Budapest, Mexico City, Rio de Janeiro, an der Grand Opéra Paris, an der Hamburger Staatsoper, in Bukarest, Zagreb, Genf (1966 vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen« und Vater in »Louise« von Charpentier, 1968 Titelpartien in »Don Quichotte« von Massenet und »Macbeth« von E. Bloch, 1970 Titelpartie in »Boris Godunow«), Basel und Brüssel. Seine Stimme ließ frühzeitig nach, so dass seine Auftritte bereits in den sechziger Jahren seltener wurden. Seit 1965 betätigte er sich als Opernregisseur. 1980 erhielt er eine Professur an der Universität von Bloomington (Indiana). Er wurde zum Groß-Offizier des Verdienstordens der Italienischen Republik ernannt. Seit 1958 war er in zweiter Ehe mit der Sopranistin Virginia Zeani (* 1925) verheiratet. Er trat auch als Dichter in Erscheinung, veröffentlichte zwei Gedichtbände (»Impeti«, »Le Orme«) und war Mitarbeiter literarischer Zeitschriften. Er starb 1991 in Bloomington. – Kraftvolle, voluminöse Bass-Stimme, im italienischen wie zumal im russischen Repertoire ausgezeichnet; letzteres wurde von ihm in der Originalsprache gesungen. Dazu ebenso intelligenter wie temperamentvoller Darsteller. Zu seinen größten Kreationen zählte auch der Dosifej in »Chowanschtschina«.

Schöne Aufnahmen auf Cetra (»Don Carlos«), Philips (»Mosè in Egitto« von Rossini), Columbia (»Norma«, »I Puritani«, beide mit Maria Callas, »La serva padrona« von Pergolesi, »Il Turco in Italia« von Rossini, ebenfalls mit Maria Callas), EJS (»Otello« von Rossini), Cetra Opera Live (»Anna Bolena« von Donizetti, »La Vestale« von Spontini mit Maria Callas), Fonit-Cetra (»I quattro rusteghi« von Wolf-Ferrari), Fono (Presidente in »Il piccolo Marat« von Mascagni), Gala (Lunardo in »I quattro rusteghi« von Wolf-Ferrari, Turin 1969).

7.11. Fritz PETER: 90. Geburtstag

 Nachdem er zunächst eine Ausbildung als Maschinenbauer erhalten hatte, studierte er 1945-48 in Winterthur Gesang bei Annelies Gamper und Elfriede Lemmer, 1948-55 bei Margherita Perras in Zürich, später noch bei Alphons Fischer in Stuttgart. 1955-61 war er am Stadttheater von Ulm und seit 1961 am Opernhaus von Zürich verpflichtet. Von dort aus gastierte er an den Theatern von Basel, Genf (1968 Mime im »Rheingold«), Luzern und St. Gallen, an den Staatsopern von München und Hamburg, an den Opernhäusern von Frankfurt a.M. und Köln, in Dortmund, Saarbrücken, Karlsruhe und an der Oper von Nizza. Hinzu traten Gastspiele mit dem Zürcher Ensemble an der Mailänder Scala und beim Festival von Edinburgh (1978 in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«), an der Staatsoper Dresden, an der Oper von Helsinki, bei den Wiener Festwochen, bei den Festspielen von Wiesbaden und Athen. 1990 beendete er sein Engagement am Zürcher Opernhaus, wo er aber noch weiter als Gast auftrat. Sein Bühnenrepertoire besaß einen besonders großen Umfang und enthielt Partien aus dem lyrischen, dem Charakter- wie dem heldischen Bereich. Am Opernhaus von Zürich wirkte er in den Uraufführungen der Opern »Griechische Passion« von B. Martinù (1961), »Madame Bovary« von H. Sutermeister (1967), »Ein Engel kommt nach Babylon« von R. Kelterborn (1977) mit. Er wirkte auch am 3.12.1961 hier in der Uraufführung der Operette »Barbasuk« von Paul Burkhard als Ali mit, außerdem in den Schweizer Erstaufführungen von »Der Besuch der alten Dame« von G. von Einem (Spielzeit 1971-72 als Butler), »Ein Stern geht auf aus Jakob« von P. Burkhard (1972-73 als Aram), »Elisabeth Tudor« von W. Fortner (1972-73 als Gresham), »Karl V.« von E. Krenek (1969-70 als Frangipani und als Hofastrologe), »La Mystère de la Nativité« von B. Martinu (1961-62 als Rifflard) und »Lear« von A. Reimann (1987-88 als Herzog von Cornwall). Er trat auch in Konzerten und Rundfunksendungen auf. Er starb 1994 in Zürich. – Sein Bruder Otto Peter (* 17.8.1922 Alabardia im Kanton Tessin) war ein bekannter Konzertbariton, der in Zürich, Winterthur und Luzern als Pädagoge wirkte und Schallplatten bei Schwann und im J. Stauder-Verlag veröffentlicht hat.

Schallplatten von Fritz Peter: Telefunken (»L’Incoronazione di Poppea« und »Il Ritorno d’Ulisse in patria« von Monteverdi), Tono (Querschnitte »Don Pasquale« als Ernesto, »Der Freischütz« als Max, »Tristan und Isolde« als Titelheld, »Paganini« von Lehár, ebenfalls in der Titelrolle).

8.11. Arturo SERGI: 90. Geburtstag

Arturo SERGI

Sein Vater war Amerikaner, seine Mutter Italienerin. Zunächst wollte er Veterinärmedizin an der Columbia University in New York studieren. Er wurde als Soldat eingezogen und kam zur US-Besatzungsarmee in Deutschland. Sein Gesangstudium erfolgte u.a. mit einem Stipendium der amerikanischen Armee bei Sergio Nazor und bei Angelo Minghetti in Rom. Er war in New York auch Schüler von Friedrich Schorr, Michael Zetkin und Leon Cortilli. 1954 debütierte er am Opernhaus von Wuppertal als Otello von Verdi. 1958-68 war er Mitglied der Hamburger Staatsoper, zugleich auch 1957-60 der Oper von Frankfurt a.M., bis 1970 dazu dem Opernhaus von Köln verbunden. Erfolgreiche Gastspiele an führenden deutschen Theatern (München, Stuttgart, Berlin), 1957-62 an der Covent Garden Oper London u.a. als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg« und als Alfred in »La Traviata«. Seit 1961 gehörte er auch zum Ensemble der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. 1963 trat er an der Hamburger Oper in der Uraufführung von G. Klebes »Figaro lässt sich scheiden« auf. 1964 wirkte er bei den Festspielen von Bayreuth als Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser« mit. 1963 debütierte er an der Metropolitan Oper New York als Dimitrij im »Boris Godunow« und ist bis 1984 in insgesamt 64 Vorstellungen auch als Walther von Stolzing, als Otello von Verdi, als Lohengrin, als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, als Macduff in Verdis »Macbeth«, als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, als Ernani, als Erik in »Der fliegende Holländer«, als Radames in »Aida«, als Kodanda in »The Last Savage« von G.C. Menotti, als Walther von der Vogelweide, als Hermann in Tschaikowskys »Pique Dame«, als Alfred in der »Fledermaus« und als Jacob Schmidt in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill aufgetreten. Gastspiele in Paris und Amsterdam, in Rio de Janeiro (1969), Barcelona und Budapest (1969), an der Wiener Staatsoper (1959 als Turiddu und 1969 als Manrico im »Troubadour«) und an Theatern in Nordamerika. Bei den Salzburger Festspielen trat er 1991 als Trimalchio in B. Madernas »Satyricon« auf. Seine besten Leistungen erreichte er in Opern von Verdi und Wagner; neben den bereits genannten Partien auch als Tannhäuser, aber auch als Florestan im »Fidelio«, als Cavaradossi in »Tosca«, als Rodolfo in »La Bohème« und als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. Angesehener Konzert- und Oratoriensänger (»Gurrelieder« von Schönberg). Er erhielt 1973 einen Lehrauftrag an der University of Texas in Austin, wo er 2006 starb. Kraftvolle, lyrisch-heldische Tenorstimme.

Schallplatten: Eurodisc (Querschnitt »Fidelio«), MMS, TIP (Italienische Lieder), Musica et Litera.

8.11. Lamberto GARDELLI: 100. Geburtstag

Er studierte bei Amilcare Zanella und Adriano Ariani. Anschließend wechselte er an die Accademia Nazionale di Santa Cecilia nach Rom, wo er u.a. bei Goffredo Petrassi und Alessandro Bustini seine Studien abschließt. Lamberto Gardelli begann seine Tätigkeit als Assistent von Tullio Serafin und dirigierte in dieser Zeit verschiedene italienische Orchester. Als Operndirigent debütierte er 1944 in Rom mit Verdis »La Traviata«. 1946-55 war er an der Stockholmer Oper als ständiger Dirigent beschäftigt. Daraufhin leitete er von 1955-61 das Symphonieorchester des Dänischen Rundfunks, anschließend bis 1965 die Budapester Oper. Nach Jahren mit wechselnden Tätigkeiten leitete er 1978-84 die Berner Oper und 1982-85 das Münchner Rundfunkorchester. Anschließend hat er ein zweites Mal 1986-89 die Leitung des Symphonieorchesters des Dänischen Rundfunks übernommen. Er war auch an der Met (1966-68 insgesamt 28 Vorstellungen der Opern »Andrea Chénier«, »Rigoletto«, »La Traviata« und »Madame Butterfly« sowie ein Galakonzert mit Renata Tebaldi) und beim Glyndebourne Festival ein gern gesehener Gastdirigent. Legendär sind seine vielen Opernaufnahmen auf Schallplatte, wobei er insbesondere für weniger bekannte Werke der italienischen Opernliteratur engagiert wurde. Weniger bekannt war er als Konzertdirigent, wobei immerhin ein so bekanntes Werk wie Gottfried von Einems 4.Sinfonie von ihm uraufgeführt wurde. Seine eigenen Opern und Orchesterwerke erlangten keine bleibende Bedeutung für das Repertoire. Er starb 1998 in München.

8.11. Hanns FLEISCHER: 125. Geburtstag

Hanns_FLEISCHER

 Er war ein Bruder der bekannten Sopranistin Edytha Fleischer (1895-1957). Nach seiner Ausbildung sang er an verschiedenen Theatern in der deutschen Provinz und entwickelte sich zu einem hervorragenden Vertreter des Buffo-Fachs. Als seine Glanzrolle galt an erster Stelle der Mime im »Ring der Nibelungen«, weiter der David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail« und der Monostatos in der »Zauberflöte«. 1924-45 war er am Opernhaus von Leipzig engagiert, wo er sehr beliebt war. Hier nahm er auch am 1.12.1928 an der Uraufführung der Oper »Die schwarze Orchidee« von Eugen d’Albert, am 9.3.1930 an der Uraufführung von Kurt Weills »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« (in der Rolle des Willy) teil. In den Jahren 1933-36 hatte er große Erfolge bei regelmäßigen Gastspielen an der Covent Garden London; die Kritik bezeichnete ihn als den besten Mime, den man seit Menschengedenken in der englischen Metropole gehört habe. Erfolgreiche Gastspiele und Konzerte in den großen deutschen Musikzentren und am Teatro Colón von Buenos Aires. Er starb 1969 in Leipzig.

Von seiner Stimme sind elektrische Tri-Ergon-Aufnahmen vorhanden, fast alle jedoch nur mit Unterhaltungsliedern und Operettentiteln; auf Pearl singt er in einem Mitschnitt von Wagners »Der fliegende Holländers« von 1936 den Steuermann.

 8.11. Bjørn TALÉN: 125. Geburtstag

Björn TALEN

 Er besuchte zuerst die Offiziersakademie in Oslo und war Offizier in der norwegischen Armee. 1914-15 studierte er Gesang bei Sebastianini in Neapel und debütierte 1915 in Oslo. Bis 1920 trat er in Norwegen auf und war darauf 1921-28 Mitglied der Berliner Staatsoper. 1929-32 wirkte er an der Städtischen Oper Berlin. 1929 sang er als Gast an der Berliner Kroll-Oper unter Otto Klemperer den Narraboth in »Salome« von R. Strauss. 1925 und 1929 gastierte er an der Staatsoper von Dresden, 1923-24 durchreiste er mit der Bronsgeest-Wanderoper Holland. Weitere Gastspiele in Kopenhagen und Stockholm, in Zürich und Hamburg, in Madrid und Turin. Dabei sang er auf der Bühne neben Partien aus dem italienischen Repertoire auch Wagner-Rollen wie den Lohengrin oder den Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Einen besonderen Höhepunkt in seinem Repertoire stellte die Partie des Nureddin im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius dar, den er 1922 sehr erfolgreich an der Berliner Staatsoper zum Vortrag brachte, an der er auch 1924 in der Uraufführung von Ernst Kreneks Oper »Die Zwingburg« mitwirkte. Er starb 1947 in Bergen (Norwegen).

Vox-, Odeon- und Homochord- (Berlin, 1923), auch Kristall-Schallplatten.

 9.11. Lída MAŠKOVÁ: 125. Geburtstag

 Sie wurde hauptsächlich am Konservatorium der Stadt Wien ausgebildet und debütierte 1914 am Stadttheater von Ostrava (Mährisch-Ostrau). Es folgten Engagements an tschechischen Theatern, vor allem am Theater von Olomouc (Olmütz), doch gastierte sie während dieser Zeit auch im deutschen Sprachraum. So trat sie 1924 als Gast an der Wiener Staatsoper als Tosca auf. 1927-31 war sie am Stadttheater von Duisburg im Engagement und gastierte während dieser Jahre u.a. an den Opernhäusern von Leipzig und Köln. In Deutschland trat sie meistens unter dem Namen Lydia Maschek auf. 1931 kehrte sie wieder in die Tschechoslowakei zurück, wo sie einen Gastvertrag mit dem Theater von Ostrava abschloss, aber auch oft am Nationaltheater Prag erschien. Daneben wirkte sie erfolgreich als Konzertsängerin und nach dem Zweiten Weltkrieg als Pädagogin. Auf der Bühne sang sie Partien wie die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Elsa im »Lohengrin«, die Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss, die Titelfiguren in »Mona Lisa« von Max von Schillings, in »Jenufa« von Janácek und in »Louise« von Charpentier, die Dorotka in »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von Weinberger und die Sonja in »Schuld und Sühne« von A. Pedrollo. Sie starb 1976 in Prag. Sie war verheiratet mit dem Tenor Richard Kubla (1890-1964).

 11.11. Vernon HANDLEY: 85. Geburtstag

Er wurde als Sohn walisischer Eltern in eine musikalisch gebildete Familie geboren. Schon während seiner Schulzeit besuchte er die BBC Aufnahmestudios in Maida Vale und beobachtete dort seinen späteren Lehrmeister Sir Adrian Boult bei der Arbeit. Nach Handleys eigenem Bekunden erlernte er so das Rüstzeug dirigentischer Technik. In den frühen 1950er Jahren korrespondierten beide schriftlich und trafen schließlich 1958 persönlich aufeinander, nachdem Handley seinen Militärdienst beendet und das Studium am Balliol College, Oxford abgeschlossen hatte. Er erinnert sich lebhaft an jene erste Begegnung: „Im Verlaufe unseres Treffens drillte er mich in den schlimmsten zwei Stunden Kontrapunkt und Harmonielehre, die ich je erlebt hatte.“ Im Anschluss legte ihm Boult die Partitur einer Symphonie vor und fragte Handley, wie er eine bestimmte problematische Stelle darin lösen würde. „Ich hatte Glück. Es war eine Seite aus Arnold Bax’ 3. Sinfonie, ein Werk, das ich in- und auswendig kannte.“ Handley löste das Problem zur Zufriedenheit des älteren Dirigenten, der ihm daraufhin seine Unterstützung zusagte. Bax’ 3. Sinfonie war es auch, die als zentrales Werk auf dem Programm von Handleys erstem öffentlichem Konzert in London, mit dem Orchester des Merton College, stand. Handley war ein anerkannter Experte auf dem Gebiet der Musik gerade dieses englischen Spätromantikers, dessen vollständige Symphonien und symphonische Dichtungen er später auf CD einspielte. 1962 wurde Handley zum Chefdirigenten des jungen Guildford Philharmonic Orchestra ernannt, das er in den folgenden einundzwanzig Jahren leitete. Zugunsten dieser Aufgabe verzichtete Handley weitgehend auf eine internationale Karriere, was erklärt, warum er noch heute trotz seines umfassenden diskografischen Wirkens und der Bewunderung seiner Kollegen außerhalb Großbritanniens nur einem kleinen Kreis von Kennern bekannt ist. Neben Guildford baute Handley auch das Orchester von Tonbridge auf. 1983 schließlich ernannte man ihn zum ständigen Gastdirigenten des London Philharmonic Orchestra. Ebenso leitete er das Amsterdam Philharmonic Orchestra (nicht zu verwechseln mit dem Royal Concertgebouw Orchestra), das Ulster Orchestra in Belfast und ist Ehrendirigent des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, einem der ältesten Klangkörper Großbritanniens. In zahlreichen Konzerten, Rundfunkaufnahmen und CD-Einspielungen dirigierte er mehrfach alle großen Londoner Orchester ebenso wie sämtliche regionalen Orchester der BBC. Schallplattenfirmen, mit denen Vernon Handleys Karriere eng verbunden war, sind EMI, Chandos Records, Hyperion Records und zuletzt Dutton. Das Wiederaufleben des Spezialitätenlabels Lyrita und die nachfolgende Veröffentlichung klassischer Aufnahmen aus den 1970er Jahren verschaffte Handleys Wirken neue Aufmerksamkeit. Im Verlauf seiner fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere führte Handley zahllose Werke britischer Komponisten auf, darunter die Symphonien von Robert Simpson und Granville Bantock, die er ebenfalls – meist in Erstaufnahmen – einspielte. Zu seinen vielfach ausgezeichneten CD-Aufnahmen gehören unter anderem auch vollständige Zyklen der Symphonien von Ralph Vaughan Williams, Malcolm Arnold und Charles Villiers Stanford, ebenso wie Werke von Edward Elgar, Arthur Bliss, Edgar Bainton, Alexander Mackenzie und York Bowen, dessen Instrumentalkonzerten besonders in den letzten Jahren Handleys Aufmerksamkeit gegolten hat. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt Handley am 3. Mai 2007 den Ehrenpreis der Classical Brit Awards. Bereits 2004 hatte ihn die britische Königin Elisabeth II. zum „Commander of the British Empire“ (CBE) ernannt. Im Januar 2007 wurde Handley zum Chefdirigenten des English Symphony Orchestra ernannt. Am 10. September 2008 starb Dr. Vernon Handley in seinem Haus in Monmouth. In seinen letzten Lebensjahren hatte er u.a. mit einer schweren Diabetes und den Folgen eines Verkehrsunfalls in München im Februar 2002 (bei dem der Fahrer seines Taxis starb) zu kämpfen.

11.11. Lucie SCHÄFER: 100. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung 1931-33 am Konservatorium von Zürich, anschließend Weiterbildung an der Musikhochschule von Stuttgart. Sie war eine begabte Lied- Komponistin und trug diese Lieder in Liederabenden vor, in denen sie im Übrigen ihrem Publikum ein breit gefächertes Lied-Programm anbot, das von der Klassik und der Romantik bis zum zeitgenössischen Liedschaffen reichte. Von ihren Liedern sind die Zyklen »Geistliche Lieder nach Hermann Hiltbrunner«, »Blauer Schmetterling« (nach Hermann Hesse), »Liebeslieder« (nach Ricarda Huch) und »Nachtlieder« (nach Christian Morgenstern) zu nennen. Die bereits 1956 in Muralto im Schweizer Kanton Tessin verstorbene Künstlerin gab ihre Liederabende in den Musikzentren in der Schweiz, in Stuttgart, Paris, Mailand und in weiteren Städten.

12.11. Michael LANGDON: 95. Geburtstag

Michael LANGDON

 Er nahm als Luftwaffensoldat am Zweiten Weltkrieg teil und begann 1946 sein Gesangstudium. Er studierte bei den Londoner Pädagogen Joseph Yates und Samuel Worthington und war weiter Schüler von Alfred Jerger in Wien, von Maria Carpi in Genf und von Otakar Kraus in London. Er trat zunächst 1948 in den Opernchor der Covent Garden Oper London ein. Nach und nach übertrug man ihm immer größere Solopartien. 1960 hatte er seinen entscheidenden Erfolg als Ochs im »Rosenkavalier« an der Londoner Covent Garden Oper. Er hat diese Partie im Lauf seiner Karriere mehr als hundertmal gesungen, so 1961 in Hamburg, 1962 in Brüssel, Paris, Berlin und San Francisco, 1963 in Zürich und an der Staatsoper Wien, 1964 an der Metropolitan Oper New York, 1970 an der Nationaloper Budapest. An der Oper von San Francisco hörte man ihn 1962 auch als Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, als Commendatore im »Don Giovanni«, als Pistola in Verdis »Falstaff« und als Doktor im »Wozzeck« von A. Berg; 1972 gastierte er hier nochmals als Großinquisitor, als Warlaam in »Boris Godunow« und als Swallow in »Peter

Grimes« von B. Britten). Wie viele englische Sänger seiner Generation widmete er sich dem Werk von Benjamin Britten. Er sang in Uraufführungen von Bühnenwerken dieses englischen Meisters, so an der Covent Garden Oper den Mr. Ratcliffe in »Billy Budd« (1.12.1951) und den Norwich in »Gloriana« (8.6.1953). An der Covent Garden Oper wirkte er auch in den Uraufführungen der Opern »The Midsummer Marriage« von M. Tippett (27.1.1955 als He-Ancient) und »We come to the River« von H.W. Henze (12.7.1976), in den Premieren der Opern »Wozzeck« von A. Berg (1952), »Jenufa« von Janácek (1956), »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch (1963), »Moses und Aron« von Schönberg (1965) und »Die schweigsame Frau« von Richard Strauss (1961) mit. Beim Edinburgh Festival, bei dem er seit 1950 oft im Rahmen von Gastspielen der Covent Garden Oper London auftrat, kreierte er am 27.8.1975 die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »Hermiston« von Orr. Am Grand Théâtre Genf gastierte er 1963 und 1969 als Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, 1964, 1966 und 1973 als Ochs, 1965 als Mephisto im »Faust« von Gounod. Bei der Scottish Opera Glasgow gastierte er 1971- 78 als Ochs, als Don Pasquale, als Raimondo in »Lucia di Lammermoor« und als Warlaam. 1961 sang er beim Festival von Glyndebourne den Osmin und den Commendatore, 1963 den Bartolo in »Le nozze di Figaro«, 1965 den Banquo in Verdis »Macbeth«, 1979 den Minister im »Fidelio«. Er gastierte an der Grand Opéra Paris (1971) und am Teatro Colón Buenos Aires. Weitere Gastspiele an den Opernhäusern von Stuttgart, Wiesbaden, Seattle, Marseille, Monte Carlo und Houston/Texas. 1979-80 gastierte er nochmals als Ochs an der Opera North Leeds. 1978-86 Direktor des National Opera Studio London. Seine Autobiographie erschien unter dem Titel »Notes from a Low Singer« (1982). Er starb 1991 in Hove (Sussex).

Lit: H. Rosenthal: Michael Langdon (in »Opera«, 1975); E. Downes & E. Forbes: Michael Langdon, 1920-1991 (in »Opera«, 1991).

Schallplatten der Marken Decca (»Semiramide« von Rossini, »Billy Budd« von B. Britten), MMS, HMV (Bartolo in »Le nozze di Figaro«, »The Wandering Scholar« von Gustav Holst), Unicorn (»Saul og David« von Carl Nielsen), Paragon (»Don Carlos« von Verdi), Gala (»The Midsummer Marriage« von M. Tippett, Mitschnitt der Uraufführung von 1955), Queensway, Capitol (»Die Jahreszeiten« von J. Haydn); Pickwick-Video (»Fidelio«, 1980).

12.11. Lawrence WINTERS: 100. Geburtstag

Lawrence Winters

 Er entstammte einer farbigen Familie und sang bereits als Kind in einem Kirchenchor. Er begann sein Gesangstudium in Salisbury (North Carolina) und besuchte seit 1941 die Howard University; auch Schüler des farbigen Baritons Robert Todd Duncan. Nach anfänglicher Tätigkeit im Konzertsaal wurde er im Zweiten Weltkrieg Soldat und konnte erst nach Kriegsende seine Karriere fortsetzen. 1946 trat er in New York in einem Musical auf, 1947 gab er ein Konzert in der New Yorker Town Hall. 1948 erfolgte sein Operndebüt an der New York City Opera. Hier sang er 1950 in der amerikanischen Erstaufführung von Carl Orffs »Die Kluge«, 1951 in der Uraufführung der Oper »The Dybbuk« von D. Tamkin und trat bis 1956 in Partien wie dem Tonio im »Bajazzo«, dem Escamillo in »Carmen« und dem Amonasro in »Aida« auf. Danach Konzert-Tourneen in Mittelamerika und auf den Westindischen Inseln. 1949 kam er nach Europa und erregte bei einem Liederabend in Berlin Aufsehen. 1952 wurde er an die Staatsoper von Hamburg verpflichtet, wo er sehr große Erfolge erzielte (Antrittsrolle: Amonasro) und bis 1957 blieb. Er sang in Hamburg u.a. den Nabucco und den Germont-père in »La Traviata« von Verdi. 1957-61 war er Mitglied der Städtischen Oper Berlin. Er gastierte 1950-51 an der Königlichen Oper Stockholm; erfolgreiche Gastspiele auch an der Staatsoper Wien (1963 als Fliegender Holländer) und 1958-59 an der Oper von San Francisco (als König in »Die Kluge«, als Wolfram im »Tannhäuser«, als Amonasro, als Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg« und als Tonio). Er setzte seine Karriere als Konzert-, und vor allem als Liedersänger weiter fort; er ist auch als Schauspieler aufgetreten. Er starb 1965 in Hamburg.

Schallplatten: Columbia (»Porgy and Bess«), DGG, (»Nabucco« von Verdi).

13.11. Stanko LIPŠA: 100. Geburtstag

 Er war der ältere Bruder der Mezzosopranistin Ana LipšaTofović  (1926-2012) und war nach seiner Ausbildung in Zagreb seit 1933 an der Oper von Zagreb als Bariton engagiert, später sang am Theater von Rijeca (Fiume) und seit 1952 am Opernhaus von Skopje. Er starb 1986 in Skopje.

 13.11. Elise HAUB: 200. Geburtstag

 Sie war die Tochter des Kreisrates und Theaterintendanten Haub in Mannheim und wurde im privaten Erziehungsinstitut von Mme. Devin in Heidelberg erzogen. Sie erhielt ihre Ausbildung zur Sängerin bei dem bekannten Sänger und Pädagogen Ciccimarra in Wien und begann 1835 ihre Bühnenkarriere. Sie trat in Mainz, Darmstadt, Köln, Aachen und Basel mit größtem Erfolg sowohl auf der Bühne wie im Konzertsaal auf. Weitere Gastspiele in Wien, Linz/Donau und Nürnberg wiesen auf eine sich entfaltende glänzende Karriere hin, wobei auf der Opernbühne Partien wie die Agathe im »Freischütz«, die Anna in »La Dame blanche« (»Die weiße Dame«) von Boieldieu, die Irma in »Maurer und Schlosser« (»Le Maçon«) von Auber und die Giulia in Spontinis »La Vestale« im Vordergrund ihres Repertoires standen. Ihr letztes Engagement hatte sie in Mainz. Die Sängerin starb jedoch ganz jung, erst 22 Jahre alt 1837 in Wiesbaden, noch bevor sie den Höhepunkt ihrer Sängerlaufbahn erreicht hatte.

 15.11. Simon van der GEEST: 80. Geburtstag

 Er erhielt seine Ausbildung am Muziek-Lyceum und am Konservatorium von Amsterdam und studierte weiter am Salzburger Mozarteum bei dem großen Tenor Julius Patzak und bei Rennert. Er debütierte 1968 an der Niederländischen Oper Amsterdam in der Partie des Tamino in der »Zauberflöte« und hatte an diesem Haus wie bei Gastspielen eine langjährige, erfolgreiche Karriere. Aus seinem weit gespannten Repertoire sind der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Ferrando in »Così fan tutte«, der Idamante in Mozarts »Idomeneo«, der Graf Almaviva in den Opern »Der Barbier von Sevilla« von Rossini wie von Paisiello, der Ernesto im »Don Pasquale«, der Nemorino in »L’Elisir d’amore«, der Fenton in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, der Hans wie der Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, der Châteauneuf in Lortzings »Zar und Zimmermann«, die Hexe in »Hänsel und Gretel« von Humperdinck, der Riccardo in »Il Trionfo dell’onore« von Scarlatti und der Fischer in »Le Rossignol« von Strawinsky hervorzuheben. Im holländischen Fernsehen wirkte er in einer Aufführung der Oper »Hoffmanns Erzählungen« in der Titelpartie mit. Von fast noch größerer Bedeutung war seine Karriere als Konzertsänger, wo er ein sehr vielseitiges Repertoire zum Vortrag brachte. Dazu wirkte er in Haarlem als Pädagoge. Er starb im Jahr 2001.

15.11. Rose WALTER: 125. Geburtstag

 Die Künstlerin kam in den zwanziger Jahren zu einer großen Karriere als Konzertsängerin in Deutschland. Sie trat mit Konzertabenden in den deutschsprachigen Musikzentren und als Solistin in Oratorien auf und setzte sich besonders für das zeitgenössische Musikschaffen ein. So war sie als Interpretin der Vokalwerke von Schönberg, Hindemith und Strawinsky bekannt und trug die damals in Deutschland noch wenig bekannten Werke von Maurice Ravel dem Publikum vor. Sie ging dieser Konzerttätigkeit von Berlin, ihrem Wohnsitz, aus nach. Auf der Bühne ist sie nur gelegentlich an der Oper von Budapest erschienen. Dafür trat sie als Mitglied des »Berliner Vokalquartetts« zusammen mit Roland Hell, Th. Bardas und Wilhelm Guttmann in Erscheinung. 1926 gastierte sie in Amsterdam, 1932 in Paris, 1929 unternahm sie eine Holland-Tournee. Nach 1933 konnte sie als Jüdin in Deutschland nicht mehr auftreten. Sie hat dann Deutschland verlassen, ging 1934 nach England, wo sie noch als Sängerin auftrat, hauptsächlich aber als Pädagogin wirkte. Seit 1940 lebte sie in New York, wo sie 1962 starb. Sie war verheiratet mit dem Architekten Paul Zucker (1881-1971).

Einige schöne Aufnahmen unter dem Etikett von HMV-Electrola haben uns ihre Stimme überliefert; darunter befinden sich Duette (u.a. ein Duett aus »Boccaccio« von F. von Suppé) mit der Sopranistin Elisabeth Böhm-van Endert und »La Flute enchantée« von Ravel. Auch Polydor-Platten. Aufnahmen des »Berliner Vokalquartetts« erschienen bei Homochord.

 15.11. Nicolaus Adam STRUNGK: 375. Geburtstag

Er war der Sohn Delphin Strungks. Nicolaus Adam, der bereits von seinem Vater Orgelunterricht erhielt, studierte an der Universität Heidelberg. Später lernte er bis 1660 Violine bei Nathanael Schnittelbach. Als Violinist trat Strungk vor dem Herzog von Wolfenbüttel, sowie vor Kaiser Leopold I. in Wien als Geigen- und Klavierspieler auf. 1665 trat er als Kammermusikant in den Dienst Johann Friedrichs in Hannover. Die 1672 geborene Dichterin Christine Dorothea Lachs war seine Tochter. 1679 wurde Strungk Direktor der Hamburger Ratsmusik. 1688 wurde er als Nachfolger von Christian Ritter Vizekapellmeister und Kammerorganist in Dresden. 1693 übernahm er die Nachfolge Christoph Bernhards als Hofkapellmeister. Diesen Posten verließ er 1696, um schließlich in Leipzig Direktor der dortigen Oper zu werden. Strungk, der sein ganzes Leben unter finanziellen Schwierigkeiten litt, verstarb 1700 in Dresden „am hitzigen Fieber“. Strungk komponierte für Hamburg und Leipzig mehrere Opern. An Instrumentalmusik sind vor allem Klavier- und Orgelwerke überliefert. Weiterhin sind einige geistliche Kantaten erhalten.

16.11. Girolamo ABOS: 300. Geburtstag

Er erhielt seine Ausbildung ab 1729 im Conservatorio dei Poveri di Gesù in Neapel unter Gaetano Greco und später Francesco Durante. Seine erste Oper Le due zingare simili wurde 1742 am Teatro Nuovo in Neapel aufgeführt. Abos war seit 1742 Musiklehrer in verschiedenen Konservatorien in Neapel: 1742 „secondo maestro“ neben Francesco Feo in der Scuola dei Poveri di Gesù, 1743 Stellvertreter von Ignazio Prota, Leonardo Leo und Durante am Conservatorio di Sant’Onofrio a Porta Capuana und 1754 „secondo maestro“ am Conservatorio della Pietà dei Turchini. 1756 reiste er als Cembalist nach London und wurde „Maestro al cembalo“ am italienischen Theater. 1759 gab er seine Unterrichtstätigkeit auf. Abos wirkte auch an verschiedenen Kirchen in Neapel als Kapellmeister. Er starb 1760 in Neapel.

17.11. Sir Charles MACKERRAS: 90. Geburtstag

Er studierte und spielte zunächst in Sydney Oboe, bevor er sich dem Dirigieren zuwandte. Prägend waren seine Studienjahre bei Václav Talich in Prag, aus denen er als Wahrer der böhmischen Tradition hervorging. 1948-77 dirigierte Mackerras regelmäßig am Londoner Sadler’s Wells Theatre (zuletzt als dessen Generalmusikdirektor), 1961-63 an der Berliner Staatsoper, 1965-70 an der Hamburgischen Staatsoper und seit 1964 auch in Covent Garden. Sein Debüt an der Metropolitan Opera feierte er 1972 (mit Glucks »Orfeo ed Euridice«; bis 2002 dirigierte er hier in insgesamt 60 Vorstellungen außerdem noch »Le Prophète« von Meyerbeer, »Kát’a Kabanová«, »Billy Budd«, »The Makropulos Case«, »Die Zauberflöte«, »Lucia di Lammermoor« und »Hänsel und Gretel«). An der Pariser Oper dirigierte er 1980  »Jenufa« und 1988 »Aus einem Totenhaus« von Janácek sowie 2000 »Così fan tutte«. Spätestens seitdem war er einer der weltweit gefragtesten und geehrtesten Dirigenten, und galt seit dem Tode Rafael Kubeliks auch als der authentischste „tschechische“ Dirigent der alten Schule. 1980-89 dirigierte er auch an der Wiener Staatsoper (»Jenufa«, »Der Rosenkavalier«, »Il Trovatore«, »Der fliegende Holländer«, »Attila«, »La Bohème«, »La Traviata«, »Macbeth« und »Iphigénie en Aulide«). Er war Ehrenbürger Prags und leitete jahrzehntelang regelmäßig die Tschechische Philharmonie. Bahnbrechend in seiner diskografischen Karriere war seine hochkarätig besetzte und historisch getreue Aufnahme des »Messiah« (1969, mit Robert Tear, Janet Baker und Elizabeth Harwood), die nach wie vor trotz mittelmäßiger Chöre als Meilenstein gilt. Auch werden seine Aufnahmen der Opern von Janácek – die ihm mehr als irgendjemand anderem ihre neuzeitliche Anerkennung auf westlichen Bühnen verdanken – als mustergültig angesehen. Er war (zusammen mit Dr. Marion North) Präsident des Trinity Laban. Sir Charles Mackerras starb im 2010 in London.

17.11. Paul STIEBER-WALTER: 125. Geburtstag

Paul STIEBER-WALTER

 Er absolvierte sein Gesangstudium bei Hans Nietan in Dessau und später bei Harry de Garmo in Wiesbaden. 1915 debütierte er am Stadttheater von Mainz, wo er bis 1918 blieb. 1918-21 sang er am Stadttheater von Chemnitz, 1921-22 am Landestheater Darmstadt. 1921 wirkte er in Chemnitz in der Uraufführung der Oper »Der Sonnenstürmer« von seinem Bruder Hans Stieber mit. 1922 kam er an das Opernhaus von Hannover, an dem er bis 1929 engagiert war, und wo er u.a. 1927 in der Uraufführung der damals sehr erfolgreichen Oper »Herrn Dürers Bild« von Joseph Gustav Mraczek mitwirkte. Zugleich bestand 1924-28 ein Gastvertrag mit der Berliner Staatsoper. Nach 1929 wandte er sich für einige Jahre mit großem Erfolg der Operette zu und war am Theater des Westens wie am Metropol-Theater Berlin zu hören. 1936-39 gehörte er als Sänger und Regisseur dem Stadttheater von Frankfurt a. d. Oder an und wirkte anschließend in gleicher Eigenschaft an den Theatern von Liegnitz (1939-41) und Görlitz (1941-42). Seit 1943 lebte er in Marktl am Inn. Er trat auch erfolgreich als Konzert- und Oratoriensänger, vor allem aber als Lied-Interpret, auf. Dabei wurde er oft von seinem Bruder, dem Komponisten und Pianisten Hans Stieber (1886-1969) am Klavier begleitet. Er gastierte an der Staatsoper von Dresden (1927), am Opernhaus von Köln (1925) und wirkte 1934 bei den Festspielen von Zoppot mit. Aus seinem Bühnenrepertoire seien der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der Nureddin im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, der Fritz in »Der ferne Klang« von F. Schreker, der Alviano in »Die Gezeichneten« vom gleichen Komponisten, der Mephisto in »Doktor Faust« von F. Busoni, der Herzog im »Rigoletto«, der Alfredo in »La Traviata« und der Klas in »Enoch Arden« von Ottmar Gerster genannt. Er starb 1973 in Ruhpolding. Nach seinem Tod hat sein Sohn das Tagebuch veröffentlicht, wonach Paul Stieber-Walter, der auch unter dem Namen Paul Devrient aufgetreten ist, angeblich der Stimmbildner und Sprechlehrer von Adolf Hitler gewesen sein soll. Die Echtheit des Tagebuches wird allerdings angezweifelt.

Schallplattenaufnahmen unter dem Etikett von Odeon.

 18.11. Heinz LAMBRECHT (Dirigent): 95. Geburtstag

 18.11. Fritz HOPPE: 100. Geburtstag

 Seine Ausbildung erfolgte durch Waldemar Staegemann in Dresden. Noch vor seinem Debüt wurde er 1939 zum Kriegsdienst eingezogen. 1947 trat er dann sein erstes Engagement am Stadttheater von Zittau an, wo er als König Heinrich im »Lohengrin« debütierte. Bereits 1947 wurde er durch Michael Bohnen für die Städtische Oper Berlin vorgesehen, doch kam dieses Engagement erst 1949 zustande. Seitdem war er einer der beliebtesten Künstler dieses Opernhauses; er sang hauptsächlich die komischen Typen seines Stimmfachs, war aber auch als Alberich im Ring-Zyklus, als Landgraf im »Tannhäuser«, als Sparafucile im »Rigoletto« und in vielen anderen seriösen Partien erfolgreich. Er beherrschte ein Bühnenrepertoire von über 70 Partien, von denen der Dr. Bartolo im »Barbier von Sevilla«, der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Kaspar im »Freischütz«, der Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Klingsor im »Parsifal«, der Don Pasquale, der Waldner in »Arabella« von R. Strauss, der Zuniga in »Carmen«, der Teufel in »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von J. Weinberger und der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut« genannt seien: darin fanden sich auch Operettenrollen wie der Lambertuccio in »Boccaccio« von F. von Suppé, der Zsupan im »Zigeunerbaron« und der Ypsheim in »Wiener Blut« von J. Strauß. Selbst kleine Rollen erfüllte er mit ungewöhnlich dramatischem Leben; so war eine seiner Lieblingspartien der Pankratius im »Wildschütz« von Lortzing. 1952 wirkte er an der Städtischen Oper Berlin in der Uraufführung der Oper »Ein preußisches Märchen« von Boris Blacher mit. Große Verdienste erwarb er sich als Vertreter von Künstlerorganisationen und als Regisseur (u.a. auf der Freilichtbühne Rehberge bei Berlin). 1963 wurde er Dozent am Städtischen Konservatorium Berlin, 1969 Professor am gleichen Institut. Er starb 1973 in Berlin.

Schallplatten: Telefunken, Electrola, Amadeo, Odeon, Eurodisc (u.a. »Der Postillon von Lonjumeau« von A. Adam), DGG (Alcindor in »La Bohème«), Melodram (»Feuersnot« von R. Strauss).

20.11. Arpinee SANOUKIAN BERBERIAN: 85. Geburtstag

 Informationen über die armenische Sopranistin auf Englisch: http://www.mirrorspectator.com/2014/07/18/renowned-mezzo-soprano-and-scholar-arpinee-sanoukian-berberian-dies/

 20.11. Armin SCHIBLER: 95. Geburtstag

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Aarau studierte er am Konservatorium Zürich Musik. Dort begegnete Schibler seiner zukünftigen Frau, der Geigerin Tatjana Berger. Nach Kriegsende bereiste Schibler England. Dort traf er die Komponisten Michael Tippett und Benjamin Britten. 1947 wurde Schibler vollamtlicher Lehrer für Musik am Literargymnasium Zürich, wo er bis kurz vor seinem Tod arbeitete. Schibler war zu Lebzeiten einer der am meisten aufgeführten Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts, ausgezeichnet mit internationalen Musikpreisen, darunter in Würdigung seines musikalischen Gesamtwerkes mit dem Kunstpreis der Stadt Zürich. Weltweit anerkannte Dirigenten, Orchester und Solisten waren Interpreten seiner Uraufführungen. Er starb 1986 in Zürich.

Schon die Kompositionen des jungen Schibler zeigen einen persönlichen Musikstil, den er bis zum Lebensende weiterentwickelt. Ab 1949 setzte er sich anlässlich der Darmstädter Ferienkurse mit der Dodekaphonie auseinander und übernahm Zwölfton-Elemente als geistiges Ordnungsprinzip in seine Musik, lehnte jedoch die strengen Regeln der Dodekaphonie ab. Ab 1952 arbeitete er mit Rhythmus (Schlagzeug) und Tanz. Es gelang ihm, auf der Grundlage seines Musikstil seine Kompositionen mit dem Archaischen des Rhythmus und Tanzes als Körpererlebnis zu gestalten; seine Werke integrieren nichtklassischen Musikidiome wie Jazz, Blues, Volks- und Popularmusik und schließlich elektronische Musik. Aus seiner Schulmusikpraxis heraus schrieb er Kompositionen für den schulmusikalischen Alltag und entwickelte seinen Lehrgang Vom Körper zum Schlagzeug. Wenig später wandte sich Schibler dem Musiktheater zu und komponierte mehrere Opern. Betroffen von den Problemen seiner Zeit – zum Beispiel Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, Ost-West-Konflikt, Machtmissbrauch in Diktaturen, Kommerzialisierung und Vermassung des kulturellen und geistigen Lebens – drängte es Schibler, diese musikalisch-künstlerisch zu gestalten: Er entwickelte die Oper weiter zum Hörwerk als eigene musikalische Gattung. Es zeichnet sich durch eine Verbindung von Musik und Sprache in gegenseitiger Bezogenheit aus, wobei beide künstlerische Medien ihre Eigenständigkeit bewahren. Viele der so entstandenen Hörwerke waren gesellschaftskritisch, andere befassten sich mit philosophisch-mythischen Themen, ein Bereich, mit dem sich Schibler zeitlebens beschäftigte, wofür er ständig auf der Suche nach geeigneten Textvorlagen aus Vergangenheit und Gegenwart war; und wenn er Vorlagen zu bestimmten Themen nicht fand, musste er sein eigener Schriftsteller werden. Seine Vision eines Gesamtkunstwerkes ließ ihn nicht los: Verschiedenste künstlerische Medien sollten in den Dienst einer Werkidee, eines Stoffes treten. Experimentierend, erreichte er eine Synthese der unterschiedlichsten kreativen Medien: Musik, Sprache, Theater, Bild (Film) und Tanz (Ballett). Es entstanden daraus viele Werke in Anlehnung an die Idee des totalen musikalischen Theaters. Auch in der absoluten Musik war Schibler produktiv. Er komponierte mehrere Symphonien und Orchesterstücke, für jedes Instrument mindestens ein Solowerk. Schibler realisierte seine Vision von einer alle Lebensbereiche umfassenden Tonsprache, welche die verschiedensten Musikidiome angemessen einsetzt, um die bunte Vielfalt des Lebens künstlerisch wiederzugeben. Grundlage ist ein musikalischer Personalstil, der im Spannungsfeld von strukturellen Neuerungen und Tradition steht; typisch sind Halbtonschritte und ihre Komplementärformen sowie Spaltklänge, u.a. der gespaltene Septakkord.

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Web-Seite: http://www.arminschibler.ch/

20.11. Friedrich Heinrich HIMMEL: 250. Geburtstag

Sein musikalisches Talent wurde früh erkannt, als Knabe erhielt er in seiner Heimatstadt Orgel- und Klavierunterricht bei dem dortigen Organisten. Himmel studierte seit 1785 in Halle Theologie, tat sich dort aber hauptsächlich als Klaviervirtuose hervor. Er bewarb sich als Feldprediger nach Potsdam, was ihm die Möglichkeit verschaffte vor dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. zu spielen. Dieser war von seinen Fähigkeiten beeindruckt und ermöglichte Himmel über ein Stipendium in Dresden bei Johann Gottlieb Naumann Musik zu studieren. Nachdem er in Berlin im Jahr 1792 sein Oratorium Isaak aufführen konnte, ernannte ihn der König zum Kammerkomponisten und erlaubte ihm gleichzeitig, nach Italien zu gehen, um mehrere Opern aufzuführen. Nach seiner Rückkehr wurde er 1795 an Johann Friedrich Reichardts Stelle zum königlichen Kapellmeister ernannt. Erfolgreich und beeindruckend war er vor allem als Klaviervirtuose, was ihm auch weiterhin die Gunst Friedrich Wilhelms II., seiner Familie und dessen Kämmerer verschaffte. Diese versuchte er sich durch Intrigen zu erhalten. Aufgrund seiner aufwendigen und unsoliden Lebensführung war er ständig in Geldschwierigkeiten, deshalb begegnete er am Hofe auch offener Feindschaft, ihm wurde Liederlichkeit und Trunk vorgeworfen. Als Komponist war er nur mäßig erfolgreich; sein schon von seinen Zeitgenossen häufig als oberflächlich betrachtetes Werk umfasst einige Opern und Singspiele, zahlreiche Lieder, Klavierstücke und auch wenige Orchesterwerke. Lediglich die Oper Fanchon, das Leyermädchen (Text von August von Kotzebue nach einem französischen Vaudeville) konnte an den deutschen Bühnen einigen Erfolg verzeichnen, verschwand aber gegen Mitte des 19. Jahrhunderts von den Spielplänen, auch fanden einige seiner vorwiegend patriotisch und religiös gehaltenen Lieder im 19. Jahrhundert Eingang in Schulliederbücher. Im Ausland blieb er weitgehend unbekannt. Er unternahm zahlreiche Konzertreisen etwa nach Italien, St. Petersburg und Stockholm, immer in der Absicht, sich durch Aufführung seiner Kompositionen Ansehen und Einkommen zu verschaffen. Auch dies war nur von mäßigem Erfolg. Beethoven, der ihn während seines Aufenthalts in Berlin kennenlernte, urteilte über ihn: Er besitze ein ganz artiges Talent, weiter aber nichts. Himmel war Freimaurer; er war u.a. 1807 bei der Aufnahme von Louis Spohr in die Loge Ernst zum Compaß in Gotha anwesend. Himmel starb nach längerer Krankheit 1814 in Berlin an der Wassersucht.

21.11. Nicola MONTI: 95. Geburtstag

Nicola_Monti

 Da seine Familie arm war, musste er einen praktischen Beruf ergreifen und seine Stimme in Abendkursen ausbilden lassen. Er erhielt seine Gesangsausbildung in Florenz. 1941 gab er seine ersten Konzerte auf Sardinien und debütierte im gleichen Jahr am Opernhaus von Cagliari als Herzog im »Rigoletto«. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er eine Beschäftigung in einer Apotheke an. 1950 wurde er als Schüler in die Opernklasse der Mailänder Scala aufgenommen. 1951 sang er dann seine ersten größeren Partien am Teatro San Carlo von Neapel, darunter den Elvino in Bellinis »La Sonnambula«. Er debütierte 1951 an der Mailänder Scala als Nemorino in »L’Elisir d’amore« (den er hier 1955-58 dann auch alljährlich sang). An diesem Haus sang er dann 1951 auch den Don Carlos in Cherubinis »L’Osteria Portoghese«, 1954 den Ramiro in Rossinis »La Cenerentola«, 1956 den Paolino in Cimarosas »Il matrimonio segreto«, den Don Ottavio im »Don Giovanni« und den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla« von Rossini, 1957 den Filipeto in »I quattro rusteghi« von E. Wolf-Ferrari, 1957 und 1959 den Elvino und 1958 den Rudolf in Schuberts »Der häusliche Krieg«. Am 8.2.1960 wirkte er an der Mailänder Scala in der Uraufführung der Oper  »La notte di un nevrastenico« von Nino Rota als Lui mit. Er sang weiter an der Oper von Rom (1953 den Ecclitico in »Il Mondo della luna« von Paisiello), am Teatro Comunale Bologna (1954 den Nicias in »Thaïs« von Massenet, 1962 den Don Ottavio), am Teatro Comunale Florenz (1955 den Nemorino, 1963 den Fenton im »Falstaff« von Verdi und als Solist in der 9. Sinfonie von Beethoven, 1964 den Grafen Almaviva, 1966 den Lucano in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«), am Teatro Regio Parma (1955), am Teatro Comunale Genua (1956-58), am Teatro Massimo Palermo (1958), am Teatro Bellini Catania (1961 den Elvino), am Teatro Sociale Como (1961 den Grafen Almaviva). In der ersten Opernsendung des italienischen Fernsehens gestaltete er im April 1954 den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«. Es schlossen sich Gastspiele in Paris, Brüssel und in Nordamerika an. Er trat beim Maggio Musicale Fiorentino (1952 in der Titelrolle in »Le Comte Ory« von Rossini und als Dorvil in »La scala di seta« vom gleichen Komponisten, 1960 als Lindoro in »L’Italiana in Algeri«, 1962 als Luigino in »La Molinara« von Paisiello), beim Wexford Festival (1952-55 als Nemorino und als Elvino, 1962 in der Titelrolle der Oper »L’Amico Fritz« von Mascagni), bei den Festspielen von Aix-en-Provence (1954 als Don Ottavio), beim Holland Festival (1957-63 als Ernesto im »Don Pasquale« und in »L’Infedeltà delusa« von J. Haydn) und beim Festival von Montreux (1965) auf. Er gastierte an der Oper von Monte Carlo (1952 als Graf Almaviva), am Opernhaus von Köln (1957 als Elvino mit dem Ensemble der Scala und Maria Callas als Partnerin, 1959 konzertant in »Alcina« von Händel mit Joan Sutherland), an der Staatsoper München (1960), an der San Francisco Opera (1960 als Elvino), am Teatro San Carlo Lissabon (1961 als Graf Almaviva), an der Oper von Philadelphia (1962 als Graf Almaviva), im Palacio de las Bellas Artes in Mexico City (1963 als Lindoro), auch an den Opern von Dallas, Chicago und New Orleans (1964 als Elvino), und bei einer Tournee mit dem Piccolo Teatro di Roma (in »La cambiale di matrimonio« von Rossini und »Il barbiere di Siviglia« von Paisiello). Er starb 1993 in Fidenza. – Schöne, rein lyrische Tenorstimme.

Sang auf HMV in vollständigen Aufnahmen von »Il Barbiere di Sivigila« von Rossini und »L’Elisir d’amore«, auf Columbia in »La Sonnambula« zusammen mit Maria Callas, auf DGG nochmals im » Barbiere di Sivigila« von Rossini, auf Decca den Elvino in »La Sonnambula« als Partner von Joan Sutherland, auf RCA in »Il Re pastore« von Mozart, auf Melodram in »Alcina« von Händel, auf Mercury in »Il Barbiere di Sivigila« von Paisiello und in »La cambiale di matrimonio« von Rossini, auf IRTEM in »Il Re Teodoro« von Paisiello.

21.11. Josip ŠUTEJ: 95. Geburtstag

Josip Šutej

Er erhielt seine Ausbildung durch Zlatko Sir, Liga Dorogy und Ancica Mitrovic in Zagreb. Bühnendebüt 1946 an der Kroatischen Nationaloper von Zagreb als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«. Seitdem für viele Jahre Mitglied dieses Opernhauses, später zugleich auch der Nationaloper Belgrad. Als Gast war er an der Komischen Oper Berlin, an den Opernhäusern von Genua, Neapel und Triest, am Stanislawski-Theater Moskau, an der Oper von Kiew und in den Musikzentren seiner jugoslawischen Heimat zu hören. Höhepunkte in seinem Bühnenrepertoire bezeichneten Rollen wie der Herzog im »Rigoletto«, der Riccardo in Verdis »Maskenball«, der Manrico im »Troubadour«, der Don José in »Carmen«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Rodolfo in »La Bohème«, der Titelheld in Massenets »Werther«, der Mitcha in »Ero der Schelm« von Gotovac oder der Bojan in »Morana« vom gleichen Komponisten. Neben seinem Wirken auf der Bühne auch als Konzerttenor und später als Pädagoge erfolgreich tätig. Er starb 2006 in Zagreb. – Sein Sohn Vjekoslav Šutej (1951-2009) war ein erfolgreicher Dirigent, der auch oft an der Wiener Staatsoper wirkte.

Schallplatten: Jugoton.

21.11. Barbara KOSTRZEWSKA: 100. Geburtstag

Barbara KOSTRZEWSKA

 Sie begann ihre Bühnenkarriere 1937 an der Nationaloper von Warschau, musste diese aber während der Zeit des Zweiten Weltkrieges unterbrechen. 1945-49 gehörte sie als Solistin der Schlesischen Oper Bytom (Beuthen) an, wo sie im Koloraturfach wie im lyrischen Repertoire zu großen Erfolgen kam. 1949 ging sie an das Theater von Posen (Poznan), an dem sie in großen Aufgaben herausgestellt wurde. 1954 folgte sie einem Ruf an die Oper von Warschau, wandte sich aber seit 1955 der Operette zu, nachdem sie schon zuvor auf diesem Gebiet bedeutende Erfolge erzielt hatte. Sie führte auch in Operettenaufführungen Regie. Sie starb 1986 in Warschau.

Schallplatten: Polskie Nagrania (u.a. Hanna im »Gespensterschloss« von Moniuzko).

22.11. Gunther SCHULLER: 90. Geburtstag

Der Sohn deutscher Einwanderer studierte Flöte, Horn und Musiktheorie. Im Alter von 17 Jahren wurde er Hornist im Cincinnati Symphony Orchestra, zwei Jahre später im Orchester der Metropolitan Opera (bis 1959). Schuller kam früh in Kontakt mit der New Yorker Bebop-Szene und spielte mit bedeutenden Jazzmusikern wie Dizzy Gillespie, Miles Davis (Birth of the Cool, Porgy and Bess 1958) und John Lewis. Ab 1950 unterrichtete er Horn an der Manhattan School of Music; anschließend hatte er eine Professur für Komposition an der School of Music der Yale University inne. 1967-77 war er Präsident des New England Conservatory of Music in Boston. Außerdem wirkt er als Artistic Director beim Tanglewood Berkshire Music Center und dem Festival in Sandpoint (Idaho), als Co-Direktor beim Smithsonian Jazz Masterworks Orchestra sowie als Artistic Director beim Spokane Bach Festival. Schuller komponierte mehr als 160 Werke in praktisch allen Musikgenres, unter anderem als Auftragskompositionen verschiedener Orchester (u.a. Baltimore Symphony, Berliner Philharmonisches Orchester, Boston Symphony, Chicago Symphony, Minneapolis Symphony, National Symphony, New York Philharmonic). Beispiele: Of Reminiscences and Reflections (Louisville Orchestra), An Arc Ascending (American Symphony Orchestra League und Cincinnati Symphony), The Past is in the Present (Cincinnati Symphony), ein Sextett für Leon Fleisher und die Kennedy Center Chamber Players, das Brass Quintet No. 2 für das American Brass Quintett oder Ritmica-Melodica-Armonica für das Newton Symphony Orchestra. 1959 komponierte er Seven Studies on a Theme of Paul Klee. Seine im afroamerikanischen Milieu spielende Jazz-Oper The Visitation ist eine freie Adaption von Kafkas Romanfragment Der Prozess und eine Anklage gegen den Rassismus. Die Oper wurde als Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper im Oktober 1966 unter Schullers Leitung uraufgeführt. 1968 wurde die Oper erstmals in deutscher Sprache unter dem Titel Heimsuchung und der Leitung von János Kulka in Wuppertal herausgebracht. Schuller arbeitete auch erfolgreich mit anderen Künstlern unterschiedlicher Richtungen wie Arturo Toscanini, Aaron Copland, Leonard Bernstein, Charles Mingus, John Updike, Joe Lovano (dessen Stücke aus Rush Hour er 1994 für Bigband arrangierte), Elvis Costello, Wynton Marsalis und Frank Zappa zusammen. Als Instrumentalist war Schuller unter anderem an den Nonett-Aufnahmen von Miles Davis im März 1950 beteiligt, die einige Zeit später zusammen mit dem Material aus zwei vorhergehenden Sessions zur LP Birth of the Cool zusammengestellt wurden. Im Jahr 2006 spielte er die Birth of the Cool Suite in Zusammenarbeit mit einer Band um den Saxophonisten Joe Lovano ein, in der die originalen Arrangements von Gil Evans, John Lewis und Gerry Mulligan ausschnittsweise erneut zu hören sind. Mitte der 1950er Jahre war er der Mitbegründer und in der Folgezeit ein Hauptvertreter der Third Stream genannten Musikrichtung, von ihm stammt auch die Bezeichnung. Dieses Genre versuchte die Stilhöhendifferenz zwischen Jazz als improvisationsbasierter Unterhaltungsmusik (zu der Jazz auch heute noch oft gezählt wird) und auskomponierter Kunstmusik (sogenannte „Ernste Musik“) zu überwinden und eine Fusion der beiden Richtungen zu erreichen. 1960 erschien sein Album Jazz Abstractions mit Abstractions und Variations on a Theme by Thelonious Monk (mit Bill Evans, Scott LaFaro, Eric Dolphy, Jim Hall, Ornette Coleman). Im selben Jahr komponierte er Variants on a Theme by John Lewis. Die Wiederentdeckung des Ragtime in den späten 1960er Jahren, insbesondere der Musik Scott Joplins, geht maßgeblich auf das Engagement Schullers für diese zu diesem Zeitpunkt völlig vergessene Musik zurück. Die anschließende Popularität des Ragtime, vor allem im Gefolge des Films Der Clou (Originaltitel The Sting, 1973), nutzte Schuller wiederum für sein ambitioniertes Projekt der Erstaufführung von Scott Joplins einziger Oper Treemonisha. Schuller ist auch der Autor einer auf drei Bände angelegten „History Of Jazz“, die bis jetzt nicht in Deutsche übersetzt wurde. Die bisher erschienenen Bände „Early Jazz“ (1968) und „The Swing Era“ (1989) gelten wegen der fundierten Herleitung der Thesen des Autors als Standardwerke der Jazzforschung. Zur Ausgabe 2003 der Encyclopaedia Britannica hat Schuller einen vorzüglichen Artikel über Jazz beigesteuert.

Schuller setzte sich über die Jahrzehnte fördernd für viele Musiker der jeweiligen Jazz-Avantgarde ein, darunter die Saxophonisten Sonny Rollins, Ornette Coleman, den Pianisten Ran Blake und die Vokalistin Jeanne Lee. Er dirigierte zahlreiche Third-Stream-Kompositionen und war an der Erstaufführung von Mingus‘ Epitaph entscheidend beteiligt. Jazz- und Third-Stream-Aufnahmen werden (ebenso wie klassische Kompositionen mit hohem Repertoire-Wert) auf seinem Label GM Recordings veröffentlicht. Schullers Söhne sind Jazzmusiker geworden: George als Schlagzeuger, Edwin „Ed“ Schuller als Kontrabassist. Gunther Schuller erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Stoeger Prize (1987), William Schuman Award (1988), MacArthur Foundation „genius“ award (1991), BMI Lifetime Achievement Award (1994), Pulitzer-Preis (1994) (für Of Reminiscences and Reflections), Gold Medal for Music from the American Academy of Arts and Letters (1997) sowie verschiedene Grammy Awards, des Weiteren zwölf Ehrendoktorate von verschiedenen Universitäten und Hochschulen. Er ist Gründungsmitglied der American Classical Music Hall of Fame. Im Jahr 2000 bekam er eine Ehrung der International Horn Society für sein Lebenswerk als Musiker und Hornist. 2008 erhielt er die NEA Jazz Masters Fellowship. Er starb am 21.6.2015 in Boston.

22.11. François COLLIN DE BLAMONT: 325. Geburtstag

Sein Vater, Nicolas Collin de Blamont war Musiker am Hofe Ludwigs XIV. und befasste sich auch mit der Malerei. Er war ein Freund des Malers Hyacinthe Rigaud (1659–1743). So erhielten seine beiden Söhne François und Hyacinthe eine musikalische und eine malerische Ausbildung. François erhielt den ersten Unterricht vom Vater und wurde 1707 in die Kapelle der Herzogin du Maine aufgenommen. Hier nahm er an der Seite bekannter Musikerkollegen an den damals berühmten „Nuits de Sceaux“, bestehend aus musikalischer Unterhaltung und Mythologie, teil. Er komponierte eine Kantate nach einer Textvorlage von Jean-Jacques Rousseau, welche er dem Komponisten Michel Richard de Lalande widmete. Im Gegenzug unterrichtete dieser ihn in Harmonielehre und Kontrapunkt. Im Jahre 1719 erhielt er den Posten des Superintendenten der Musik am königlichen Hofe, ein Posten, den de Lalande ruhen ließ. Diese Position teilte er mit André Cardinal Destouches. Am 3. Juli 1723 gelangte das Heldenballett „Les Festes Grecques et Romaines“ an der königlichen Akademie mit großem Erfolg zur Aufführung, noch bis zu fünfzig Jahren später wurde es immer wieder in unterschiedlichen Fassungen gegeben. Collin de Blamont avancierte zum Hofkomponisten und schuf Werke für zahlreiche öffentliche Ereignisse, wie beispielsweise für die Hochzeit von Ludwig XV. zu den Geburten der Prinzessinnen und des Dauphins. Gemeinsam mit André Cardinal Destouches bestritt er die Hofkonzerte für die königliche Familie in Versailles und Fontainebleau. Nach dem Tod von Michel-Richard Delalande wurde er „maître de musique de la chambre“. Nachdem bereits vorher zahlreiche Motetten beim Concert spirituel aufgeführt wurden, wurde dort 1726 sein Te Deum gegeben. Nachdem er bereits 1750 durch den Königin den Adelsstand erhoben wurde, wurde er ein Jahr später zum Ritter (Chevalier de l’Ordre de Saint Michel) ernannt. Er starb 1760 in Versailles. Seinem Neffen und Schüler, dem Komponisten bernard de Bury (1720–85) vermachte er die Privilegien seines Amtes. In seinem 1756 veröffentlichten „Essai sur les goûts ancien et moderne françoise, relativement aux paroles d’opéra“ greift er aktiv in den Buffonistenstreit ein.

23.11. Wolfgang KANDUTSCH: 70. Geburtstag

Er besuchte zunächst die Lehrerbildungsanstalt in Wiener Neustadt, entschloss sich dann aber zur Ausbildung seiner Stimme. Zuerst war er Schüler von Ferdinand Großmann in Wien, dann von Josef Greindl und Ruthilde Boesch; Liedstudium bei Anton Dermota, Hans Hotter und Eric Werba, Schauspielunterricht bei Christl Mardayn und Peter J. Jost. Schließlich erwarb er sein Diplom an der Musikhochschule Wien, wo er durch Josef Witt weitergebildet wurde. Bereits während seines Studiums wurde er an die Wiener Kammeroper engagiert. Nachdem er während der Spielzeit 1972-73 an einigen kleineren Bühnen aufgetreten war, wurde er 1973 an die Wiener Volksoper verpflichtet und blieb deren Mitglied bis zu seinem plötzlichen Tod. Er trat an diesem Haus in einem weitläufigen Rollenrepertoire auf, das vor allem komische, Comprimario- und Charakter-Partien in Opern und Operetten umfasste. Gastspiele führten ihn, mit dem Ensemble der Volksoper, an Theater in Österreich wie im Ausland. Dazu trat er in Rundfunksendungen und Konzerten hervor und wurde namentlich als Liedersänger bekannt. Dabei bemühte er sich in besonderer Weise um die Komponisten (G. Mahler, A. Berg, A. Schönberg, E. Krenek) und Schriftsteller des legendären Wiener »Café Central«. Er starb 1989 in Udine (Italien) nach einem plötzlichen Herzversagen.

Schallplatten: Preiser (Pedro in »Das Nachtlager von Granada« von C. Kreutzer), Denon (»Wiener Blut«).

23.11. Maria DI GERLANDO: 90. Geburtstag

 Sie absolvierte ihr Gesangstudium bei Kathryn Lang an der Music and Art School in Newark und bei dem Pädagogen Renato Bellini. 1950-51 war sie Mitglied der San Carlo Opera Company und entfaltete dann eine erfolgreiche Tätigkeit in lyrischen Partien an Bühnen in Nordamerika. So debütierte sie 1953 an der City Opera New York als Traviata, und trat zwischen 1959 und 1969 häufig an diesem Opernhaus auf, u.a. als Butterfly, als Mimì in »La Bohème« und in der Titelrolle von Puccinis »Suor Angelica«. 1960 gastierte sie beim Santa Fé Festival sowie in Mexico City, 1961 an der Oper von Washington als Lisa in »Pique Dame« von Tschaikowsky. Gastauftritte führten sie auch nach Kanada, wo sie 1965 die Traviata am Opernhaus von Edmonton sang. Bereits 1954 hatte sie am New Yorker Broadway Theatre an der Uraufführung der Oper »The Saint of Bleecker Street« von Gian Carlo Menotti teilgenommen. (Von dieser Produktion erschien 1955 eine Gesamtaufnahme auf RCA-Schallplatten) Sie starb 2010 in Paterson (New Jersey).

 23.11. Bianka DEZMAN-KAVUR: 100. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung zur Sängerin in Split und an der Musikakademie von Zagreb durch M. Kostrencic. 1935 kam es zu ihrem Bühnendebüt am Theater von Split als Fiametta in der Operette »Boccaccio« von F. von Suppé. 1935-37 blieb sie in Split tätig und wurde dann an das Opernhaus von Zagreb engagiert. Seit 1937 war sie dort für über zwanzig Jahre im Engagement und hatte ihre größten Erfolge in Partien aus dem lyrischen wie dem Soubretten-Fach: als Adina in »L’Elisir d’amore«, als Carolina in Cimarosas »Il matrimonio segreto«, als Norina im »Don Pasquale«, als Susanna in »Figaros Hochzeit«, als Papagena in der »Zauberflöte«, als Violetta in »La Traviata«, als Mimi wie als Musetta in Puccinis »La Bohème« und als Sophie in Massenets »Werther«. Gastspiele an der Nationaloper Belgrad und an weiteren Theatern in Jugoslawien; auch als Konzertsopranistin erfolgreich aufgetreten. Sie starb im Jahr 1994.

Schallplatten: Philips (»Das Märchen vom Zaren Saltan« von Rimsky-Korssakow).

23.11. Marcello CORTIS: 100. Geburtstag

 

Marcello_Cortis_als_Falstaff

 Er studierte Klavierspiel und Musikwissenschaft am Konservatorium von Prag. Dann Ausbildung der Stimme durch Giovanni Binetti in Mailand. Er debütierte 1940 in Mailand und hatte seine ersten Erfolge an italienischen Theatern; seine Karriere wurde durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges unterbrochen und konnte erst 1946 wieder aufgenommen werden. 1946 sang er sehr erfolgreich am Teatro Comunale Bologna. Seit 1947 trat er an der Mailänder Scala auf, wo er als erste Partie den Melot in »Tristan und Isolde«, dann den Guglielmo in »Così fan tutte« übernahm. Bedeutende Erfolge auch bei Gastspielen an der Grand Opéra Paris (1947 als Rigoletto) und London, in Brüssel und Amsterdam, zumal aber in Wien. Er wirkte bei den Festspielen von Glyndebourne 1957 als Taddeo in Rossinis »L’Italiana in Algeri« mit. Bei den Festspielen von Aix-en-Provence trat er sehr erfolgreich in den Jahren 1949-61 auf (Don Alfonso in »Così fan tutte«, Bartolo im »Barbier von Sevilla«, 1952 als Leporello im »Don Giovanni«, 1954 in den Aufführungen von Gounods »Mireille« im Val d’enfer, 1961 auch in der Uraufführung der Oper »Lavinia« von Henri Barraud). Beim Holland-Festival von 1959 sang er in J. Haydns Oper »Il mondo della luna«. Er gastierte am Stadttheater von Zürich (1948), am Opernhaus von Straßburg (1954), an der Oper von Monte Carlo (1954 als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, auch 1957 und 1962), am Teatro Comunale Bologna (1946 als Guglielmo, 1952 als Alberich im »Siegfried«), an der Oper von Rom (1949 als Amfortas im »Parsifal«, 1950 als Albert im »Werther« von Massenet, 1951 als Schaklowity in »Chowanschtschina« von Mussorgsky), am Teatro Comunale Florenz (1961 als Inigo in »L’Heure espagnole« von M. Ravel) und beim Maggio Musicale Fiorentino (1960 als Taddeo). Seit 1950 arbeitete er zugleich als Regisseur, wobei seine Inszenierungen von Mozart-Opern in Aix-en-Provence besondere Beachtung fanden. Als Regisseur betätigte er sich auch in Neuseeland. 1950-57 war er in zahlreichen Opernsendungen des italienischen Rundfunks RAI zu hören. Er starb 1962 in Wien.

Schallplatten des namentlich als Mozartsänger bekannten Künstlers finden sich auf Columbia (»L’Italiana in Algeri« von Rossini, »Il Maestro di Capella« von Cimarosa. »Mireille«), auf DGG (»La serva padrona«), Cetra (»Rita« von Donizetti), Urania (Guglielmo in »Così fan tutte«) sowie auf einigen kleineren Marken, u.a. auf Nixa.

23.11. Thomas ATTWOOD: 250. Geburtstag

 Er studierte in Neapel bei Gaetano Latilla und bis 1787 in Wien bei Wolfgang Amadeus Mozart. Die Studien, die Attwood bei Mozart absolvierte, sind erhalten und im Rahmen der Neuen Mozart-Ausgabe ediert. 1795 wurde er Organist der St. Paul’s Cathedral in London und 1796 Hofkomponist. Ab 1821 war er als Organist in verschiedenen Hofämtern tätig. Attwood schrieb 19 Opern klassizistischer Haltung, Orgelwerke und Kammermusik. Er starb 1838 in London.

 24.11. Paolo MARTINELLI: 60. Geburtstag

 Seine Ausbildung erfolgte durch Frau Basia Retchitzka und am Conservatoire von Genf (hier bei Hans-Ulrich Mielsch). Er war am Conservatoire National de Paris Schüler von Régine Crespin und nahm noch an Meisterkursen in München und Salzburg teil. 1980-88 kam er zu einer erfolgreichen Karriere am Grand Théâtre in Genf, wo er u.a. den Sid in »Albert Herring« von Benjamin Britten, den Figaro in »Il Barbiere di Siviglia« von Paisiello, den Dandini in Rossinis »La Cenerentola«, den Marco in »Gianni Schicchi« von Puccini, den Don Pedro in »La Périchole« von Offenbach und den Papageno in der »Zauberflöte« sang. Er gastierte am Théâtre des Champs-Élysées Paris, an den Opernhäusern von Lausanne (als Hémon in »Antigone« von A. Honegger), Nantes, Metz, Orléans, Angers, Cannes und beim Festival von Aix-en-Provence, in Padua und am Teatro Malibran in Venedig. Von seinen Opernpartien sind noch der Figaro in »Le nozze di Figaro«, der Guglielmo in »Così fan tutte«, der Valentin im »Faust« von Gounod, der Fabrizio in »Crispino e la comare« von L. und F. Ricci und der Mari in »Les Mamelles de Tirésias« von F. Poulenc zu nennen. Als Konzertsänger kam er, vor allem im Bereich des Oratoriums, zu einer internationalen Karriere mit Auftritten in Genf, Zürich, St. Gallen und beim Festival von Lausanne, in Paris, Rouen, bei Tourneen in Spanien (Festival von San Sebastian) und in Japan. Der 1988 in Genf im Alter von nur 33 Jahren verstorbene Sänger trat auch in Radiosendungen in Genf und Paris auf.

 25.11. Maiju KUUSOJA: 90. Geburtstag

Maiju KUUSOJA

 Schülerin von Maria Gerhardt, Elsa Larcén und Aulikki Rautavaara. Debüt 1949 an der Oper von Helsinki als Marcellina in »Figaros Hochzeit«. Sie wirkte länger als 25 Jahre an diesem Opernhaus, an dem man sie sehr schätzte. Gastspiele führten sie an die Königliche Oper Stockholm, an die Opernhäuser von Kopenhagen und Oslo, an das Bolschoi Theater Moskau, an die Nationalopern von Budapest und Prag, an die Opern von Tiflis (Tblissi) und Leningrad und an die Oper von San Antonio (Texas). Ihre dunkel getönte, zu großer dramatischer Steigerung fähige Stimme beherrschte ein umfangreiches Repertoire, das von Mozart bis zu Wagner und modernen Komponisten reichte und auch zahlreiche Konzertwerke umfasste. Sie starb 2008 in Helsinki.

Schallplatten auf der Marke Found of the Promotion of Finnish Music.

25.11. Josef DEGLER: 125. Geburtstag

Josef_Degler

 Er wurde in München zum Sänger ausgebildet. 1911 begann er seine Bühnenlaufbahn am Stadttheater von Heidelberg, dem er bis 1913 angehörte. Anschließend sang er am Stadttheater von Mainz (1913-14) und wurde dann 1914-15 zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen. 1915-19 war er am Stadttheater von Bremen engagiert und folgte 1919 einem Ruf an das Stadttheater (spätere Staatsoper) Hamburg. Hier blieb er bis zur Aufgabe seiner Karriere 1944. In dieser langen Zeit wirkte er in Hamburg in einer Vielzahl von Uraufführungen und Premieren mit, u.a. in den Uraufführungen von »Die tote Stadt« von Korngold (1920), »Die versunkene Glocke« (»La Campana sommersa«) von O. Respighi (als Nickelmann 1927), von »Li-Tai-Pe« von Cl. von Franckenstein (1920), in der Uraufführung der Oper »Schwarzer Peter« von Norbert Schultze (1936) und in den deutschen Erstaufführungen der Opern »Belfagor« von O. Repighi (1925 in der Titelrolle), »Küsse und Keile« (»Baci e Bote«) von R. Pick-Mangiagalli (1931), »Debora e Jaele« von I. Pizzetti (1928) und »Fra Gherardo« vom gleichen Komponisten (1931). Gastspiele führten ihn an die Covent Garden Oper London (1926 als Graf in »Figaros Hochzeit«), an die Hofoper von Wien (1917 als Papageno in der »Zauberflöte« und als Wolfram im »Tannhäuser«), an die Städtische (1924) wie die Staatsoper Berlin, an Theater in Deutschland, in Belgien und in der Schweiz. Zu seinem sehr umfangreichen Bühnenrepertoire gehörten Partien wie der Don Giovanni, der Minister im »Fidelio«, der Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Klingsor im »Parsifal«, der Faninal im »Rosenkavalier«, der Geisterbote in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, der Storch in dessen »Intermezzo«, der Daniello in »Jonny spielt auf« von Krenek, der Rigoletto, der Malatesta im »Don Pasquale«, der Figaro im »Barbier von Sevilla«, der Lescaut in Puccinis »Manon Lescaut«, der Westmoreland in »Sly« von Wolf-Ferrari und der Titelheld in »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von J. Weinberger. Er zeichnete sich im Lauf seiner Karriere auch als vielseitiger Konzertsänger aus und betätigte sich im pädagogischen Bereich. Er starb 1957 auf der Fraueninsel im Chiemsee.

 25.11. Albin von RITTERSHEIM: 125. Geburtstag

Albin von Rittersheim

 

 Eigentlicher Name Albert von Rechtenthal, unter dem er 1910-11 am Deutschen Theater in Brünn (Brno) auftrat. Danach setzte er seine Ausbildung in Wien und Rom weiter fort und nahm für seine weitere Karriere den Namen Albin Rittersheim an. Unter diesem Namen debütierte er 1912 am Theater von Olmütz (Olomouc). 1912-14 war er am Theater von Czernowitz, 1914-15 am Stadttheater von Augsburg engagiert. 1915 wurde er an die Wiener Volksoper verpflichtet und blieb deren Mitglied (mit kurzer Unterbrechung) bis 1928. Hatte er zuerst lyrische Partien wie den Fenton in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Faust von Gounod, den Alfredo in »La Traviata« und den Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut« gesungen, so wandte er sich zunehmend dem schwereren Tenorfach zu und sang jetzt den Lohengrin, den Erik in »Der fliegende Holländer«, den Tannhäuser, den Johann von Leiden im Meyerbeers »Der Prophet«, den Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, den Eleazar in »La Juive« von Halévy bis hin zum Otello in Verdis gleichnamiger Oper und dem Radames in »Aida«. In den Jahren 1916-28 gastierte er an der Hofoper (Staatsoper) von Wien (als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, als Raoul in Meyerbeers »Die Hugenotten« und als Cavardossi in »Tosca«; nach 1928 trat er noch als Gast auf und wirkte schließlich als Pädagoge in Wien, wo er 1971 starb.

 26.11. Antonio GALIÈ: 90. Geburtstag

Antonio_GALIÈ

 Er erhielt seine Ausbildung bei Calcagni-Soldini in Rom und konnte, nachdem er 1953 einen Gesangwettbewerb gewonnen hatte, im gleichen Jahr am Teatro Sperimentale in Spoleto als Titelheld in »Andrea Chénier« von Giordano debütieren. Er war dabei so erfolgreich, dass man ihn sogleich für diese Partie an die Oper von Rom verpflichtete, wo er sie als Partner von Renata Tebaldi sang. Seit 1954 war er bis in die sechziger Jahre ständig an diesem Haus zu hören, u.a. als Pinkerton in »Madame Butterfly«, als Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera« und als Don José in »Carmen«. Es folgte eine Tournee durch Ägypten, 1958 ein Gastspiel an der Oper von Dublin als Riccardo. Bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla trat er 1957 als Alfredo in »La Traviata«, 1959 und 1960 als Herzog im »Rigoletto« auf. 1960 gastierte er in Amsterdam als Pinkerton, 1961 am Staatstheater von Wiesbaden als Rodolfo in »La Bohème«, 1963 an der Oper von Kairo ebenfalls als Rodolfo, 1964 als Edgardo in »Lucia di Lammermoor« und 1966 als Pinkerton. Am Nationaltheater von Mannheim hörte man ihn 1963 als Herzog im »Rigoletto«, am Opernhaus von Straßburg 1964 als Ismaele in Verdis »Nabucco«. Er trat weiter am Teatro Massimo von Palermo, am Teatro San Carlo von Neapel und am Theater von Cagliari auf. 1960 Gastspiel in Amsterdam als Titelheld in Mascagnis »L’Amico Fritz«. Seine weitere Karriere hat sich zumeist an Bühnen in der italienischen Provinz abgespielt, u. in Rovigo, Livorno und Cagliari, wo er noch 1969 in Pizzettis »Assassinio nella Cattedrale« auf der Bühne stand. Er trat auch als Konzerttenor hervor. Er starb 1998 in Ascoli Piceno.

Schallplatten: Zwei Opernarien auf Philips.

 26.11. Earl WILD: 100. Geburtstag

 Er begann mit dem Klavierspiel im Alter von vier Jahren, bemaß aber den ersten Lehrern bis zum Alter von elf Jahren keine Bedeutung bei und bezeichnete sich insoweit als Autodidakt. Mit elf Jahren wurde er bis zu seinem Abschluss 1937 Schüler am Carnegie Institute of Technology bei dem Deutschen Selmar Janson, der bei Eugen d‘Albert, Teresa Carreno und Xaver Scharwenka studiert hatte. 1934 konnte er durch das Preisgeld bei einem Kompositionswettbewerb ein Jahr Privatunterricht in New York City bei Egon Petri finanzieren. Über Jahrzehnte nahm er den Rat von Paul Doguereau in Boston an, der selbst ebenfalls bei Petri, Paderewski, Marguerite Long, Emil von Sauer, Józef Hofmann und Maurice Ravel studiert hatte. In den frühen 1950er Jahren, als Wild bereits lange als Konzertpianist tätig war, nahm er noch einige Stunden bei Helene Barere, die bei Felix Blumenfeld studiert hatte und die Witwe des russischen Virtuosen Simon Barere war. Ab 1957 beriet er sich einige Jahre mit Volya Cossack, die bei dem Leszetycki-Schüler Richard Buhlig und bei Isidore Philipp studiert hatte. 1937 wurde Wild Pianist bei der NBC, dadurch war er 1939 der erste, der einen im US-Fernsehen übertragenen Klavierabend gab. 1942 kam die allgemeine Bekanntheit durch den Solopart in Gershwins Rhapsody in Blue in einer Rundfunkübertragung unter Toscanini, die Wild fortan als „Gershwin-Spezialist“ gelten ließ – nicht unbedingt zu seinem Vorteil bei Kritik und Intellektuellen. 1942-44 gehörte er kriegsbedingt der United States Navy Band und dem U.S. Navy Symphony Orchestra an, in ersterer spielte er auch Flöte. 1946 wechselte er zur ABC, der er bis 1968 als Pianist, Dirigent und Komponist treu blieb. In den 60er Jahren entstanden außerdem bis heute legendäre Aufnahmen für Reader’s Digest, v. a. von virtuosen romantischen Klavierkonzerten, daneben war er als Dirigent unter anderem in Opernproduktionen zu sehen. 1997 war er der erste Pianist, von dem – durch Mithilfe der Informatik-Fakultät der Carnegie Mellon University – ein Klavierabend im Internet gestreamt wurde. Wild lehrte 1964-2005 an zahlreichen US-amerikanischen Konservatorien und Hochschulen. Er war zu seiner guten Zeit einer der technisch besten Pianisten aller Zeiten. Schwierigkeiten scheinen in seinen legendären 60er-Jahre-Aufnahmen aller Rachmaninow-Konzerte, die er alle fünf zusammen (einschl. Paganini-Rhapsodie) innerhalb einer Woche einspielte, trotz außerordentlich hoher Tempi nicht zu existieren. In den USA ist Earl Wild, der für sechs aufeinander folgende US-Präsidenten (Coolidge bis Kennedy) spielte, durch seine jahrzehntelangen Fernseh-, Rundfunk- und Konzertauftritte und die lange Zeit erheblich bessere Erhältlichkeit seiner vielen Schallplattenaufnahmen deutlich populärer als in Europa, wo er nur in Frankreich, Monaco, England, Italien und den Niederlanden spielte. In Deutschland trat er nur im Jahr 1949 als Liedbegleiter in 10 Opernhäusern auf. Wild spielte ca. 50 Jahre auf Baldwin-Instrumenten (außer auf Tourneen in Europa), da ihm die amerikanischen Steinway zu schwergängig waren und zu viel Spieltiefe (Tastengang) hatten und ihm die Firma Baldwin außerdem einen guten technischen Service bot. Nachdem Baldwin nach der Jahrtausendwende wieder insolvent wurde, wechselte er im hohen Alter zu Shigeru Kawai. Seine Diskographie der Jahre 1939 bis 2005 umfasst 35 Klavierkonzerte, 26 Werke der Kammermusik und über 700 Solowerke. Sein Solorecital The Romantic Master zum Anlass seines 80. Geburtstag 1995 erhielt 1997 den Grammy als bestes klassisches Soloinstrument-Album ohne Orchester. Wild lebte offen homosexuell in Palm Springs (Kalifornien), New York City und Columbus (Ohio). Sein Lebensgefährte war der 34 Jahre jüngere Michael Rolland Davis, den er 1972 kennengelernt hatte und der sein Manager, Produzent und Verleger wurde. Earl Wild starb 2010 in Palm Springs.

 27.11. Victor ALESSANDRO: 100. Geburtstag

 Er studierte bei seinem Vater Waldhorn, dann nahm er Unterricht in Komposition bei Howard Hanson und Bernard Rogers an der Eastman School of Music in Rochester, New York. Anschließend absolvierte er einige Klassen an der Santa Cecilia-Akademie in Rom; nach seiner Rückkehr in die USA war er Direktor des Oklahoma Symphony Orchestra (1938-51); 1951 wurde er zum Dirigenten des San Antonio Orchestra ernannt – diese Stellung behielt er bis zu seinem Tod im Jahr 1976.

 27.11. Josephine PICHON: 175. Geburtstag

 Sie war eine Schülerin von Frau Elise Haas-Capitain in Frankfurt a.M. und begann ihre Bühnenkarriere als Sopranistin 1861 am Opernhaus von Köln. Sie war u.a. 1865-66 am Stadttheater von Heidelberg, 1868-69 am Opernhaus von Laibach (Lubljana) engagiert.

Es schlossen sich Engagements am Deutschen Theater Amsterdam, an den Theatern von Linz/Donau und Graz an. Sie wechselte Mitte der siebziger Jahre ins Mezzosopran-Fach und war dann 1877-84 am Hoftheater von Darmstadt, 1884-85 am Stadttheater von Nürnberg und 1885-86 am Stadttheater von Mainz tätig. 1886 wurde sie als Sängerin wie als Schauspielerin an das Hoftheater von Weimar berufen und wirkte dort bis zur Aufgabe ihrer Karriere 1894, zuletzt hauptsächlich in Sprechrollen. Sie sang als Mezzosopranistin Partien wie die Marthe im »Faust« von Gounod, die Marcellina in »Figaros Hochzeit«, die Irmentraud im »Waffenschmied« von Lortzing, die Edvige in Rossinis »Wilhelm Tell« und die Königin in »Die Zigeunerin« (»The Bohemian Girl«) von M. Balfe. – Sie war verheiratet mit dem Bassisten und Schauspieler Franz Pichon (* 13.10.1845 Riga, † 28.9.1899 Königsberg). Aus dieser Ehe stammte die bekannte Schauspielerin Marie Pichon (* 12.12.1872 Wien).

 28.11. Rudo TIMPER: 95. Geburtstag

 Er studierte Medizin, promovierte in diesem Fach, war dann Facharzt in Essen, später bei der Bundeswehr in Hamburg und Hannover. Neben seinem Wirken als Arzt trat er mit schriftstellerischen Arbeiten hervor, wurde aber vor allem als Konzertsänger bekannt. Erst mit 34 Jahren entschloss er sich endgültig zur Sängerkarriere. Seine Lehrer waren Hans-Joachim Vetter, Franziska Martienssen-Lohmann und Maja Stein. Sein Liedvortrag wurde durch die Intelligenz der Textausdeutung wie durch eine stilsichere Interpretation gekennzeichnet. In besonderer Weise war er mit dem Liedschaffen von Ernst Krenek verbunden. Der Komponist, mit dem er eng befreundet war, begleitete ihn bei seinen Konzerten häufig am Flügel, vor allem in seinen drei Liedzyklen »Reisebücher«. Er war ein großer Interpret des finnischen Liedes von Jan Sibelius und Yrjö Kilpinen, beherrschte aber auch mit Meisterschaft das klassische und das romantische deutsche Lied und eine Anzahl von Oratorienpartien. Er wurde durch Sendungen des deutschen, des finnischen, des argentinischen und des Schweizer Rundfunks bekannt. Der Sänger wurde auf dem Gipfel seiner Karriere durch einen tragischen Tod zu früh dahingerafft. Er starb 1970 bei einem Verkehrsunfall in der Nähe von Sainte-Cécile-les-Vignes in Südfrankreich.

Schallplatten: Telefunken (Lieder von Schubert und Brahms), Edition Rhodos (»Winterreise« von Schubert, »Reisebücher« von Krenek mit dem Komponisten als Begleiter).

30.11. Dirk SAGEMÜLLER: 65. Geburtstag

 Er absolvierte zuerst ein Studium zum Agraringenieur, wandte sich dann aber der Ausbildung seiner Stimme zu, die seit 1974 in Hamburg, zuerst durch Gisela Litz, dann durch Gisela Aulmann, erfolgte. 1978 debütierte er auf der Bühne der Hamburger Staatsoper. Mit diesem Haus wie mit dem Stadttheater von Münster (Westfalen) und dem Landestheater von Kiel war er durch Gastspielverträge verbunden. 1982-87 und später noch als Gast wirkte er am Stadttheater von Aachen. 1988 gastierte er am Teatro Verdi Triest als Harlekin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und beim Festival von Spoleto als Vater in »Hänsel und Gretel« von Humperdinck. Weitere Gastspiele führten ihn an das Grand Théâtre Genf (1981 Graf Ceprano im »Rigoletto« und Lowitzki in »Boris Godunow«), an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an das Nationaltheater Mannheim, an das Staatstheater Wiesbaden, an das Teatro Verdi Triest (1990 als Minister im »Fidelio«) und an das Opernhaus von Charleston. 1990 sang er in der Berliner Lindenkirche in der Uraufführung von Winfried Radekes »Damaskus« die Haupt-Partie. Sein Bühnenrepertoire hatte einen großen Umfang und gipfelte in Partien wie dem Grafen Almaviva in »Figaros Hochzeit«, dem Guglielmo in »Così fan tutte«, dem Don Giovanni, dem Papageno in der »Zauberflöte«, dem Figaro in Rossinis »Barbier von Sevilla«, dem Dandini in »La Cenerentola«, dem Belcore in »L’Elisir d’amore«, dem Valentin im »Faust« von Gounod, dem Grafen Eberbach im »Wildschütz« von Lortzing, dem Rigoletto (Theater Brandenburg 1994), dem Marcello in Puccinis »La Bohème«, dem Demetrius in »A Midsummer Night’s Dream« von B. Britten und dem Sekretär in »Der junge Lord« von H.W. Henze. Im Konzertsaal präsentierte er sich als Oratoriensolist (Bach, Händel, Mozart, C. Orff) und als Liedersänger von Rang, nachdem er u.a. durch Dietrich Fischer-Dieskau in den Liedgesang eingeführt worden war. Er starb 1995 in Bockhorn (Oldenburg).

Schallplatten: DGG (Graf Ceprano in »Rigoletto«).

30.11. Vitaly VLASSOV: 90. Geburtstag

Biographie des russischen Tenors auf Englisch; http://soviet-tenors.blogspot.co.at/2013/12/normal-0-false-false-false_4729.html

 

 

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