Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM MAI 2017

IN MEMORIAM-Geburtstage im Mai 2017

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

1.5. Wolf APPEL: 75. Geburtstag

Wolf APPEL als Mime in Bayreuth
Als Mime in Bayreuth

 Sohn des Opernsängers und Intendanten Willy Appel (* 1904). Studium am Städtischen Konservatorium Berlin. Er begann seine Karriere als Bariton 1960 am Elbe-Elster-Theater in Wittenberg. Nach weiteren Studien in Frankfurt a.M. sang er 1962-64 als Chorist am Stadttheater von Mainz. Dann wandelte sich seine Stimme zum Tenor, und als solcher war er 1964-66 am Opernhaus von Essen engagiert (Debüt als David in »Die Meistersinger von Nürnberg«). 1966-73 gehörte er der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg an, 1974-84 Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin. Gastspiele in Stuttgart, Hamburg, an der Mailänder Scala (1973 Mime im »Rheingold«), in San Francisco (1972 Basilio in »Le nozze di Figaro« und Mime im Ring-Zyklus, 1977 nochmals Mime im »Rheingold«) und Stockholm. 1973-76 wirkte er bei den Bayreuther Festspielen als Ulrich Eisslinger in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1976-77 in seiner besonderen Glanzrolle, dem Mime im »Rheingold«, mit. 1981 Gastspiel an der Wiener Staatsoper als Hauptmann in »Wozzeck« von A. Berg, 1985 am Teatro Liceu Barcelona als Mime, 1988 am Opernhaus von Zürich. Er spezialisierte sich in erster Linie auf das Buffo-Repertoire und fand in Partien wie dem dem Monostatos in der »Zauberflöte«, dem Laça in »Jenufa« von Janácek oder dem Jaquino im »Fidelio« die ihm gemäßen Aufgaben. Zu seinen Bühnenrollen gehörten auch der Herodes in »Salome« von R. Strauss und die Knusperhexe in »Hänsel und Gretel«. Er starb 1999 in Bern.

Schallplatten: Philips (kleine Rolle in »Die Meistersinger von Nürnberg«), Eterna (»Gurrelieder« von A. Schönberg).

 

1.5. Gary BERTINI: 90. Geburtstag

 Er erhielt seine Ausbildung in Mailand und Paris, wo er seine Studien bei Arthur Honegger und Olivier Messiaen vertiefte. In Israel gründete er 1965 das Israel Chamber Orchestra, welches er zehn Jahre leitete, bevor er erstmals in Europa und Deutschland dirigierte. 1987-91 war er Intendant und Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt und Leiter der Museumskonzerte in Frankfurt am Main. In seine Amtszeit fielen der Brand und der Wiederaufbau des Städtischen Opernhauses. Außerdem leitete er 1983-91 das WDR Sinfonieorchester. Er trat in der ganzen Welt auf, so zum Beispiel mit den Berliner Philharmonikern, dem Israel Philharmonic Orchestra, in den Opernhäusern von New York City, Philadelphia, London, München, Rom, Mailand (16.5.1989 Uraufführung der Oper »Doktor Faustus« von Giacomo Manzoni, 1999 »Manon« von Massenet, 2002 »Samson et Dalila« von Saint-Saens, 2003 »Tosca«, 2004 »Les contes d‘Hoffmann«), Neapel, Tokio und Paris (viele Aufführungen 1975-2004 an der Grand Opéra und der Opéra Bastille). Im Januar 2005 gastierte er noch im Mariinsky Theater in Sankt Petersburg und beim Russischen Nationalorchester in Moskau. Seine Vorliebe in Konzerten galt spätromantischer Musik (vor allem Gustav Mahlers Sinfonien, die er auch auf Schallplatten aufnahm und bei Gastkonzerten immer wieder dirigierte) und zeitgenössischer Musik. Bertini dirigierte zahlreiche Uraufführungen. Er wurde 77 Jahre alt und starb 2005 nach kurzer schwerer Krankheit in Tel Aviv.

 

1.5. Howard BARLOW: 125. Geburtstag

 Biographie des amerikanischen Dirigenten auf Englisch: http://www.barlowgenealogy.com/FairfieldFamilies/HDB-obit.html

 

1.5. Janet PATEY: 175. Geburtstag

Janet PATEY

 Eigentlich Janet Monach Whytock. Sie wurde durch John Wass ausgebildet und debütierte ganz jung in einem Konzert in Birmingham. Sie war dann Mitglied des Henry Leslie’s Choir, setzte aber ihre Ausbildung bei Mrs. Seems Reeves und Pinsuti in London fort. 1866 heiratete sie den Bariton John George Patey (1835-1901) und sang im gleichen Jahr beim Festival von Worcester. Sie wurde eine der großen englischen Altistinnen auf dem Konzertsektor innerhalb ihrer künstlerischen Generation. Sie sang in mehreren neuen Konzertwerken, betrat aber nur ausnahmsweise einmal in der Oper »The Lady of the Lake« von Macfarren die Bühne. 1871 unternahm sie zusammen mit Edith Wynne, Sir Charles Santley und ihrem Gatten eine Nordamerika-Tournee. 1875 brillierte sie in Paris als Solistin im »Messias« von Händel unter Lamoureux. Im gleichen Jahr hatte sie einen so großen Erfolg bei den Pariser Concerts du Conservatoire, dass sie für das folgende Jahr abermals eingeladen wurde und mit dem gleichen Erfolg auftrat. 1881 war sie als Solistin beim ersten Konzert anzutreffen, das Lamoureux in London dirigierte. 1890-91 bereiste sie Australien. 1894 unternahm sie eine Abschiedstournee durch England. Als sie bei einem Konzert in der Albert Hall eine Zugabe gesungen hatte, brach sie auf dem Konzertpodium zusammen und starb am nächsten Morgen in ihrem Hôtel. Eine Schilderung ihrer Stimme besagt: »..a magnificent contralto …produced with marvellous art…the real contralto«.

 

3.5. Stephen SIMON: 80. Geburtstag

 Er studierte am Oberlin College, Ohio und der Yale University in New Haven. Danach war er 1970-74 Direktor der Handel Society of New York. In dieser Eigenschaft führte er mehrere Werke von Georg Friedrich Händel erstmals in New York auf. Zur gleichen Zeit war er Dirigent des Handel Festival Orchestra of New York der Carnegie Hall in New York City.

Von 1976 an war er über 25 Jahre lang Leiter der Washington Chamber Symphony, dem ehemaligen Kammerorchester am „Kennedy Center for the Performing Arts in Washington DC“. Als wichtigstes Anliegen in seiner künstlerischen Laufbahn sah er, Kinder an die Klassische Musik heranzuführen und zu begeistern. So organisierte er die Konzertreihe Stories in Music für Kinder und Jugendliche, in der mit viel Heiterkeit und Spaß bei jedem Konzert ein bestimmter Komponist oder ein Instrument im Detail vorgestellt wurde. Wegen seiner aufschlussreichen Erklärungen innerhalb dieser Konzerte über die „magischen“ Effekte der Musik und Instrumente wurde Stephen Simon von seinem jungen Publikum auch Magic Maestro genannt. Unter diesem Namen baute er später einen Musik-Verlag auf, der zahlreiche CDs mit klassischer Musik für Kinder produzierte, die in Zusammenarbeit mit dem London Philharmonic Orchestra entstanden. Im Jahr 2004 gründete er das Kammerorchester Simon Sinfonietta, das regelmäßig Benefiz-Konzerte in der Falmouth Academy in Falmouth (Massachusetts) veranstaltete. Im Jahr 2010 folgte mit dem L’Orchestre des Portes Rouges ein weiteres Ensemble, mit dem er Benefiz-Konzerte in New York City aufführte. Darüber hinaus war er Leiter des jährlich stattfindenden Festivals Summer of Music on the Hudson im Lyndhurst-Anwesen in Tarrytown (New York). Konzertreisen führten ihn mehrfach nach Europa, in Deutschland dirigierte er im Juni 1990 das Oratorium Messiah bei den 39. Händel-Festspielen in Halle/Saale, der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels. Simon fühlte sich während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn der Pflege der Musik klassischer Meister verpflichtet und wurde ein anerkannter Experte für Produktionen und Aufführungen von Werken Georg Friedrich Händels. Für seine Aufnahme des Händel-Oratoriums Solomon mit dem Orchester der Volksoper Wien erhielt er 1971 eine Grammy-Nominierung.

 

3.5. Nadja AFEJAN: 100. Geburtstag

Nadja AFEJAN

Ihr Vater war Kunstmaler, die Mutter Pianistin. Sie trat bereits als Kind in kleinen Rollen am Theater von Varna auf. Ursprünglich wollte sie Schauspielerin werden und begann eine entsprechende Ausbildung an der Dramatischen Hochschule in Sofia. Man entdeckte jedoch ihr Gesangstalent, worauf sie ihre Stimme an der Musikhochschule von Sofia zur Ausbildung brachte; sie vervollständigte diese in Berlin und Wien (1944-45). Ihr Bühnendebüt erfolgte 1947 an der Nationaloper von Sofia als Azucena im »Troubadour«. Seitdem blieb sie für mehr als 25 Jahre Mitglied dieses Hauses. Eine umfangreiche Gastspieltätigkeit (zumeist mit dem Ensemble der Oper von Sofia) brachte der Künstlerin an der Berliner Staatsoper (mit der bis 1961 ein Gastvertrag bestand) wie an anderen ostdeutschen Bühnen, in Italien, Frankreich, Belgien, Spanien, in den skandinavischen Ländern und in England bedeutende Erfolge ein. 1964 gastierte sie an der Covent Garden Oper London als Amneris in »Aida«. Sie war weiter zu Gast an führenden Opernhäusern in der CSSR. in Russland, in Ungarn und in Polen. Dabei sang sie auf der Bühne vor allem die großen klassischen dramatischen Mezzosopran-Partien der italienischen Oper. Ihre Glanzrollen waren die Marfa in »Chowanschtschina« und die Marina im »Boris Godunow« von Mussorgsky, die sie u.a. 1965 bei den Festspielen von Wiesbaden, 1966 und 1970 am Teatro San Carlo Neapel, 1966 am Théâtre des Champs-Élysées Paris, 1970 in Brüssel und Moskau, 1972 in Barcelona und 1973 in Athen vortrug. Geschätzte Konzert-, Oratorien- und Liedersängerin. Sie starb im Jahr 2000.

Schallplatten der bulgarischen Marke Balkanton; auf Eterna als Leonora in Donizettis »La Favorita« zu hören, auf Koch Records in der »Dreigroschenoper« von K. Weill.

 

3.5. Carmen TORNARI: 125. Geburtstag

Carmen-Tornari

 Sie trat im Lauf ihrer Karriere an den führenden italienischen Theatern auf und war auch Mitglied wandernder Operntruppen. 1924 durchreiste sie mit einer solchen Opernkompanie, die die berühmte Nellie Melba zusammengestellt hatte, deren Heimat Australien. Dabei sang sie eine bunte Fülle von Partien aus dem Alt- und dem Mezzosopran-Fach, darunter größere und kleinere Aufgaben wie es die jeweilige Situation erforderte. Zu nennen sind davon die Madelon in »Andrea Chénier« von Giordano, die Emilia in Verdis »Otello«, die Meg Page in dessen »Falstaff« und die Suzuki in Puccinis »Madame Butterfly«. 1927 wirkte sie am Teatro Regio Turin in der Uraufführung der Oper »Madonna Imperia« von Franco Alfano mit. An der Wiener Staatsoper gastierte sie 1935 als Gräfin Coigny und als Madelon in »Andrea Chénier« sowie als Hirt in »Tosca«. Sie ist auch unter dem Namen Carmen Petrocchi-Tornari aufgetreten. Sie starb 1973 in Treia in der italienischen Provinz Macerata.

 

3.5. Charles CAMBON: 125. Geburtstag

Chjarles CAMBON

 Er besuchte zunächst das Konservatorium von Toulouse, dann das Conservatoire National de Paris. Er begann 1923 als Chorist an der Grand Opéra Paris und sang dort in den folgenden Jahren eine Vielzahl von kleinen Partien. Erst seit 1930 trat er an der Grand Opéra, der er bis 1953 angehörte, in den großen Heldenbariton-Rollen auf: als Rigoletto, als Amonasro in »Aida«, als Fliegender Holländer (1940), als Valentin im »Faust« von Gounod, als Oberpriester in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, als Silvio im »Bajazzo«, als Hérode in Massenets »Hérodiade« und als Bischof in »Esclarmonde« vom gleichen Komponisten. Er übernahm aber auch weiter dort seine mittleren und kleineren Partien. Er sang hier in den Premieren der Opern »Elektra« von R. Strauss (1932) den Orest und »Turandot« von Puccini (1928) den Altoum, am 23.10.1924 in der Uraufführung der Oper »Nerto« von Charles-Marie Widor und am 10.3.1936 in der der Oper »Oedipe« von Georges Enescu. 1942 wirkte er an der Grand Opéra in der französischen Erstaufführung von Hans Pfitzners »Palestrina« mit. Er absolvierte ein längeres Gastspiel am Teatro Liceu von Barcelona, trat 1937 als Gast an der Covent Garden Oper London auf und war häufig an den französischen Provinzbühnen, zumal an der Oper von Nizza, anzutreffen. An der Pariser Opéra-Comique sang er nur 1945 den Zurga in »Les pêcheurs de perles« von Bizet. Er wurde in Frankreich sehr bekannt durch seine Auftritte in Opernsendungen im Rundfunk; hier hörte man ihn u.a. als Jago in Verdis »Otello«, als Hamlet in der Oper gleichen Namens von A. Thomas, als Grafen Luna im »Troubadour« und als Athanaël in »Thaïs« von Massenet. Er starb 1965 in Paris.

Schallplatten: Bereits 1929 sang er eine kleine Partie in einer Szene aus »Boris Godunow« auf Columbia, später auf Polydor (Kurzoper »Faust«) und auf HMV (Duette mit José Luccioni); in der Langspielplattenära wirkte er in vollständigen Opern auf Pathé (Abimelech in »Samson et Dalila«), Columbia (Schlemihl in »Hoffmanns Erzählungen«), Decca (»Roméo et Juliette« von Gounod) und EJS (»Hérodiade« von Massenet) mit. Melodram/Balibran (Chorèbe/Narbal in »Les Troyens« von Berlioz, BBC London 1947).

 

3.5. Antonie MAYR-OLBRICH: 175. Geburtstag

 Sie wurde in Breslau durch den Musikdirektor Hirschberg und durch den Kapellmeister Konopaczek unterrichtet. Sie begann 1861 am Stadttheater (Opernhaus) von Breslau ihre Bühnenkarriere, wurde aber anfänglich nur in kleinen Rollen eingesetzt. 1865 ging sie als erste Koloratursopranistin an das Stadttheater von Bremen, von dort 1867 an die Oper von Riga und dann 1868 an das Hoftheater von Darmstadt. Hier blieb sie als hoch geschätztes Ensemblemitglied bis zur Aufgabe ihrer Karriere 1891. Sie gastierte 1867 an der Berliner Hofoper, auch an der Kroll-Oper Berlin. Sie gab weitere Gastspiele an den Hoftheatern von Stuttgart, Wiesbaden und Mannheim. Ihr Repertoire hatte seine Höhepunkte in den Partien in Opern von Mozart, Meyerbeer und aus dem Kreis der italienischen Belcanto-Oper. Die Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Isabella in »Robert der Teufel« von Meyerbeer, die Bertha in dessen Oper »Der Prophet«, die Madeleine in »Der Postillon von Lonjumeau« von Adam, die Gilda in Verdis »Rigoletto«, die Violetta in »La Traviata«, die Elvira in »I Puritani« von Bellini, die Lucia di Lammermoor, die Amina in Bellinis »La Sonnambula« und die Marguerite de Valois in den »Hugenotten« von Meyerbeer zählten zu ihren Glanzrollen. Gegen Ende ihrer Karriere nahm sie auch einige Wagner-Partien in ihr Repertoire auf. Bei ihrem Abschied von der Bühne wurde sie zum Ehrenmitglied des Darmstädter Hoftheaters ernannt. Sie starb 1912 in Würzburg. Sie war verheiratet mit dem Tenor Benedikt Mayr (* 21.9.1834 Karlskron bei Kempten im Allgäu, † 5.12.1902 Darmstadt), der zuerst in München, dann bei Manuel Garcia jr. in London studiert hatte und 1859 in Regensburg debütierte. Er sang dann in Braunschweig (1860-64), Breslau, Bremen und Riga (1867-68), zumeist an den gleichen Bühnen, an denen auch seine Gattin engagiert war. 1868 ging er zusammen mit ihr an das Hoftheater Darmstadt, an dem er bis 1889 als Heldentenor und seit 1880 auch als Opernregisseur tätig war. Er gastierte u.a. in Dresden, Wien, Hamburg, Karlsruhe, München und Weimar. Man schätzte ihn namentlich im Wagner-Fach wie als Titelhelden in Meyerbeers »Der Prophet«, als Masaniello in Aubers »Die Stumme von Portici«, als Titelhelden in »Fernand Cortez« von Spontini und in vielen anderen Tenorpartien. Ein Sohn des Sängerehepaars Ludwig Mayr (1876-1948) wirkte als Schauspieler und Regisseur.

 

4.4. Erzsébet PELLE: 70. Geburtstag

 Biographie der ungarischen Sopranistin auf Ungarisch: https://hu.wikipedia.org/wiki/Pelle_Erzs%C3%A9bet

 

5.5. Mark ERMLER: 85. Geburtstag

Der Sohn eines bedeutenden Filmregisseurs studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt Leningrad und wurde von Boris Khaikin und P. Rabinovitch zum Dirigenten ausgebildet. Nach Abschluss seiner Studien wurde er 1956 an das Moskauer Bolschoi-Theater berufen. Er arbeitete auch als Konzertdirigent. Gastspiele führten ihn nach Nordamerika, Japan und in viele Länder Europas. An der Wiener Staatsoper dirigierte er 1978-90 insgesamt 17 Vorstellungen der Opern »Boris Godunow«, »Don Carlos«, »Cavalleria rusticana«/»Pagliacci« und »Eugen Onegin«. Er starb 2002 in Seoul.

 

5.5. Siegfried BIMBERG: 90. Geburtstag

Er absolvierte nach seiner Rückkehr aus dem Krieg und Gefangenschaft sein pädagogisches Studium. Nach einer kurzen Tätigkeit an einer einklassigen Landschule studierte er Psychologie, Musikpädagogik und Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität. 1953 promovierte und 1956 bzw. 1981 habilitierte er schließlich. Zeitgleich war er 1953-58 als Verlagslektor tätig. 1957 übernahm er in Berlin eine Dozentenstelle an der Humboldt-Universität Berlin, kehrte jedoch 1962 wieder zurück nach Halle, um dort zunächst als Dozent und ab 1964 als Professor an der Martin-Luther-Universität zu unterrichten. Dabei hatte er von 1969 bis zu seiner Emeritierung 1992 den Lehrstuhl für Musikpädagogik inne. Sein Bereich schloss jedoch die Musikästhetik und Musikpsychologie mit ein. Siegfried Bimberg hat sich vor allem einen Namen gemacht durch zahlreiche Jugend- und Kinderlieder, Chorwerke und Kinderopern und Bearbeitungen für Chor. 1963 gründete er den Kammerchor Hallenser Madrigalisten, dessen Dirigent er bis 1980 war. Mit ihm unternahm er eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland sowohl mit alter als auch mit neuer Chormusik. Neben Schallplatten- bzw. CD-Produktionen sowie Produktionen für Rundfunk und Fernsehen veranstaltete Bimberg auch Workshops, Ateliers und Lehrgänge für Chorleiter. 1951 begründete Bimberg für die Gehörbildung ein eigenes System, deren Grundlage eine relativ-funktionale Basis in enger Verbindung mit absoluter Notation unter Verwendung der Jale-Silben und Tonika-Do-Handzeichen ist. Er starb 2008 in Halle.

 

5.5. Eva FLEISCHER: 95. Geburtstag

Eva_Fleischer

 Sie wurde an der Musikhochschule Leipzig ausgebildet und war dort Schülerin von F. Himmler, H. Lissmann und P. Russ. 1954 debütierte sie am Leipziger Opernhaus als Wanja in »Iwan Susanin« (»Ein Leben für den Zaren«) von Glinka. 1959-67 war sie als erste dramatische Altistin am Opernhaus von Leipzig engagiert; sie gastierte während dieser Jahre in Berlin, in Bulgarien und an führenden Opernbühnen der DDR. Auf der Bühne schätzte man sie vor allem als Interpretin dramatischer Partien in Verdi- und Wagner-Opern, im Konzertsaal trat sie in einem umfangreichen Repertoire auf, wobei sie vor allem als Oratorien- und Liedersängerin, namentlich als Bach-Interpretin, großes Ansehen erwarb. Einen weiteren Mittelpunkt ihrer künstlerischen Arbeit bildete die Gesangpädagogik: 1951-64 war sie als Dozentin, seit 1964 als Professorin an der Musikhochschule von Leipzig tätig. Sie starb 2016 in Leipzig. Sie war mit dem Pianisten Rudolf Fischer (1913-2003) verheiratet.

Schallplattenaufnahmen auf Eterna (vollständige Aufnahme von Monteverdis »L‘Orfeo«, Lieder von Mussorgsky), auf Urania, HMV (Page in »Salome« von R. Strauss, 1964), DGG (Bach-Kantaten) und auf Vox.

 

5.5. Carl Heinrich ZÖLLNER: 225. Geburtstag

Sein Vater war Organist an der Schlosskirche zu Oels und erteilte seinem Sohn schon früh Orgelunterricht. Nach weiterer Ausbildung bei Friedrich Wilhelm Berner in Breslau und einer Tätigkeit als Musiklehrer in Oppeln entschloss sich Carl Heinrich Zöllner zu einer Karriere als reisender Pianist, Organist und Komponist, die ihn in viele europäische Städte (unter anderem Warschau, London, Leipzig, Hamburg und Kopenhagen) führte. Insbesondere sein Orgelspiel wurde von der Kritik gelobt und vom Publikum gefeiert. Im Jahr 1832 ließ sich Zöllner in Hamburg nieder, wo er am 22. September 1835 seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte. Er starb 1936 in Wandsbek. Nur wenige Werke Zöllners sind heute noch bekannt. Am 27. März 1826 wurde im Theater an der Wien Zöllners Oper in fünf Akten Kunz von Kauffungen uraufgeführt. Mit Variations pour l’Orgue sur le Theme God save the King ist auch ein Orgelwerk Zöllners erhalten.

 

7.5. Helmut BERGER-TUNA: 75. Geburtstag

Helmut BERGER-TUNA

Er ergriff zunächst den Beruf eines Elektro-Ingenieurs, wurde dann Schüler des Wiener Gesangpädagogen Franz Schuch-Tovini und debütierte 1968 an der Wiener Kammeroper als Osmin in der »Entführung aus dem Serail«. 1969 sang er am Landestheater von Linz/Donau den Lodovico in Verdis »Otello«. Seit 1972 Mitglied des Opernhauses von Graz, wo er u.a. den Fafner im »Rheingold«, den Zuniga in »Carmen«, den Bartolo in »Figaros Hochzeit«, den Podestà in Rossinis »La gazza ladra«, den Trunkenbold in der österreichischen Erstaufführung von E. Kreneks »Orpheus und Eurydike«, den Pfleger des Orest in »Elektra« von R. Strauss, den Zsupán im »Zigeunerbaron« von J. Strauß, den Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, den Leporello im »Don Giovanni«, den Doktor im »Wozzeck« von A. Berg, den Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Pfarrer in Janáceks »Das schlaue Füchslein«, den Ochs im »Rosenkavalier« und den Ollendorf in Millöckers »Der Bettelstudent« sang. Erfolgreiche Gastspiele an den Opernhäusern von Frankfurt a.M. und Karlsruhe, am Teatro Liceu von Barcelona und an der Oper von Oslo. 1977 an die Staatsoper Stuttgart berufen, an der er bis 2007 Ensemblemitglied war und wo er 1985 zum Kammersänger ernannt wurde; zugleich 1980-86 durch Gastspielvertrag der Wiener Staatsoper verbunden, wo er als Osmin, als Ekart in F. Cerhas »Baal«, als Ochs, als Daland in »Der fliegende Holländer«,  als 1. Nazarener in »Salome« von R. Strauss und als Leporello in insgesamt 25 Vorstellungen zu sehen war.  Er wirkte bei den Salzburger Festspielen 1981 in der Uraufführung von F. Cerhas »Baal« als Ekart mit, 1983 in einer konzertanten Aufführung von »Dantons Tod« von G. von Einem als Saint-Just. In Stuttgart 1981 großer Erfolg als Ochs, 1989 als Don Magnifico in Rossinis »La Cenerentola«, 1990 als Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den er auch 1988 am Opernhaus von Zürich (dazu auch den Ochs) und 1991 am Opernhaus von Bonn sang. 1983 zu Gast in Hamburg in einer konzertanten Aufführung der Oper »Die ersten Menschen« von Rudi Stephan, 1984 an der Grand Opéra Paris als Osmin. 1993 gastierte er an der Staatsoper Hamburg als Baculus im »Wildschütz« von Lortzing. 1994 fand sein USA-Debüt in Los Angeles als Ochs statt, wo er dann 1995 auch als Mustafà in Rossinis »L‘Italiana in Algeri« auftrat. 1995 sang er in Stuttgart den Celio in Prokofjews »Liebe zu den drei Orangen«, 1996 den Grafen Oscar in der Offenbach-Operette »Ritter Blaubart«. 1997 gastierte er an der Oper von Seattle als Ochs, 1998 bei den Festspielen im Hafen von Bergen (Norwegen) als Daland, bei den Festspielen von Mörbisch am Neusiedler See als Weps in der Operette »Der Vogelhändler« von Zelller. Sein umfangreiches Opernrepertoire enthielt sowohl Partien für seriösen Bass als auch Buffo-Typen, wobei er sich im Mozart- wie im Wagner-Fach auszeichnete, weiter in Opern von Rossini, Donizetti, Smetana, Verdi und Richard Strauss. Angesehener Konzertsänger; er wirkte in mehreren Fernsehaufnahmen von Opern mit. Er starb im September 2009.

Schallplatten: BASF (Syndham in »Zar und Zimmermann« von Lortzing), HMV-Electrola (»Die schweigsame Frau« von R. Strauss), Amadeo (»Baal« von Fr. Cerha, Mitschnitt der Uraufführung, Salzburger Festspiele 1981), Wergo (»Simplicius Simplicissimus« von K.A. Hartmann), Schwann (»Der Corregidor« von Hugo Wolf), RCA (José Castro in »La Fanciulla del West«), Arts (»Feuersnot« von R. Strauss), Arte Nova (»Der Zigeunerbaron« von J. Strauß, Festspiele Mörbisch).

 

7.5. Elisabeth SÖDERSTRÖM: 90. Geburtstag

Elisabeth Söderström

Sie ließ ihre Stimme durch Adelaide von Skilondz und an der Königlichen Musikakademie in Stockholm ausbilden und debütierte 1947 am historischen Drottningholm Theater in Stockholm als Bastienne in »Bastien und Bastienne« von Mozart. Im folgenden Jahr sang sie dort in »Le Tableau parlant« von Grétry und ist seither dort immer wieder aufgetreten. 1948 debütierte sie an der Königlichen Oper Stockholm als Anna in »Värmlänningarna« von Andreas Randel; seit 1949 war sie deren reguläres Mitglied. Hier sang sie u.a. die Pamina in der »Zauberflöte«, den Octavian (später auch die Marschallin) im »Rosenkavalier«, die Titelrolle in Charpentiers »Louise«, die Traviata, die vier Sopranpartien in »Hoffmanns Erzählungen« und übernahm in der schwedischen Erstaufführung der Oper »Mathis der Maler« von Hindemith die Partie der Regina. Sie wirkte auch in den Stockholmer Premieren der Opern »Katja Kabanowa« (1976) und »Die Sache Makropoulos« (1965) von Janácek und »Doktor Faust« von Busoni (1969) und in der Uraufführung von H. Sutermeisters »Der rote Stiefel« (23.11.1959) mit. Bei den Salzburger Festspielen wirkte sie 1955 als Ighino in Hans Pfitzners »Palestrina« mit.  Seit 1957 erschien sie lange Jahre hindurch bei den Festspielen von Glyndebourne; dort hörte man sie u.a. 1957 als Komponist in »Ariadne auf Naxos«, 1959 als Octavian, 1959 als Susanna in »Le nozze di Figaro«, 1961 als Elisabeth Zimmer in »Elegy for Young Lovers« von H.W. Henze, 1963-64, 1973 und 1976 als Gräfin im »Capriccio«, 1968 als Tatjana in »Eugen Onegin«, 1974-75 als Christine im »Intermezzo« von R. Strauss und 1979 als Leonore im »Fidelio«. Beim Edinburgh Festival hörte man sie 1959 als Ortlinde in der »Walküre« und als Marie im »Wozzeck« von A. Berg und 1974 in der Titelpartie von Janáceks »Jenufa« (immer im Rahmen von Gastspielen der Stockholmer Oper) sowie 1992 in Poulencs »La Voix Humaine«. Es folgten Auftritte an allen europäischen Bühnen von Rang. 1959 fand ihr Debüt an der New Yorker Metropolitan Oper in der Partie der Susanna in »Le nozze di Figaro« statt. Bis 1964 hatte sie auch dort eine große Karriere (als Marguerite im »Faust« von Gounod, als Sophie im »Rosenkavalier«,  als Adina in »L’elisir d‘amore«, als Musetta in Puccinis »La Bohème«, als Rosalinde in der »Fledermaus« und als Komponist in »Ariadne auf Naxos«).  1983-87 war sie wieder an der Metropolitan Oper engagiert, an der sie jetzt als Marschallin im »Rosenkavalier«, als Ellen Orford in »Peter Grimes« von B. Britten und als Gräfin in »Le nozze di Figaro« auftrat. Seit 1960 große Erfolge an der Covent Garden Oper London, wo sie in der modernen schwedischen Oper »Aniara« von Blomdahl (bei einem Gastspiel mit dem Ensemble der Stockholmer Oper) und in weiteren Partien (Fiordiligi) gastierte. Einen besonderen Erfolg erzielte sie hier 1969 als Mélisande in »Pelléas et Mélisande«. Sie wirkte am 24.3.1963 in Venedig in der Uraufführung von H.W. Henzes »Novae de infinito Laudes« mit. 1964 gastierte sie als Octavian an der Wiener Staatsoper.  1970 wirkte sie an der Stockholmer Oper in der Uraufführung der Oper »Hus med dubbel ingang« von Hilding Rosenberg (als Laura), 1978 in der von »Le Grand Macabre« von Giörgy Ligeti (als Clitoria), bereits 1968 in »Drottningen av Golconda« von Berwald mit. An der Oper von San Francisco gastierte sie 1977 in der Titelpartie von Janáceks »Katja Kabanowa« und 1980 als Jenufa. Ihr Australien-Debüt fand 1982 am Opernhaus von Adelaide als Emilia Marty in Janáceks »Die Sache Makropoulos« statt. 1988 sang sie an der Oper von Dallas in der Uraufführung der Oper »The Aspern Papers« von Dominick Argento, 1992 in Stockholm in der schwedischen Erstaufführung dieser Oper. Noch 1999 sang sie an der Metropolitan Oper New York die alte Gräfin in »Pique Dame« von Tschaikowsky (mit Placido Domingo als Hermann). Zu ihren großen Kreationen zählten auch die Traviata. Dazu war sie eine bedeutende Konzertsängerin. Vor allem als Liedinterpretin hatte sie seit ihrem ersten Liederabend 1947 in Stockholm eine weltweite Karriere; sie trat seit 1958 auch gerne zusammen mit der schwedischen Altistin Kerstin Meyer in Duetten auf. 1959 wurde ihr der Titel einer schwedischen Hofsängerin verliehen, 1965 Mitglied der Stockholmer Musikakademie, 1969 Verleihung des Ordens »Litteris et artibus«. Sie gab ihre Selbstbiographie unter dem Titel »I min Tonart« (Stockholm, 1978) heraus. 1991-96 war sie die musikalische Direktorin der Drottningholmer Festspiele. Sie starb 2009 in Stockholm.

Lit: John Amis: Elisabeth Söderström (in »Opera«, 1969).

Ihre im Ausdruck besonders wandlungsfähige, technisch hervorragend durchgebildete, klangschöne Sopranstimme erscheint auf den Schallplatten-Marken Decca (»L’Incoronazione di Poppea« von Monteverdi, Sophie im »Rosenkavalier«, Lieder von Tschaikowsky, Mussorgsky, Prokofjew und Gretschaninow, »Jenufa« von Janácek, »Die Sache Makropoulos« von Janácek, 15. Sinfonie von Schostakowitsch), DGG (»Cardillac« von Hindemith), Unicorn (»Saul og David« von C. Nielsen), MMS (»Hänsel und Gretel«), Electrola (»Le nozze di Figaro«, Missa solemnis von Beethoven), HMV (»Vier letzte Lieder« von R. Strauss, »Fennymore and Gerda« von Delius, »Das klagende Lied« von G. Mahler), Edition Schwann (Lyrische Sinfonie von A. Zemlinsky), CBS (»Pelléas et Mélisande« »Hänsel und Gretel«), Supraphon (Glagolitische Messe von Janácek, auf Ariola-Eurodisc übernommen); Pickwick-Video (»Fidelio«, 1980).

 

8.5. Carlo COSSUTTA: 85. Geburtstag

Carlo_COSSUTTA

Er wanderte in seiner Jugend nach Argentinien aus. Hier ergriff er zunächst den Beruf eines Möbeltischlers. Nachdem man seine Stimme entdeckt hatte, erfolgte deren Ausbildung durch Manfredo Miselli, Mario Melani und Arturo Wolken in Buenos Aires. 1958 fand sein Bühnendebüt am Teatro Colón von Buenos Aires als Cassio in Verdis »Otello« statt, nachdem er bereits 1956 an einem kleinen argentinischen Theater den Alfredo in »La Traviata« gesungen hatte. Sein US-Debüt fand 1963 an der Oper von Chicago als Abdallo in Verdis »Nabucco« statt. Er ging dann nach Europa und debütierte 1964 an der Covent Garden Oper London als Herzog im »Rigoletto«. 1965 hatte er dort als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, 1968 als Titelheld in Verdis »Don Carlos« große Erfolge. Er debütierte 1966 als Cavaradossi in »Tosca« an der Wiener Staatsoper, an der er bis 1991 in insgesamt 130 Vorstellungen auch den Rodolfo in »La Bohème«, den Riccardo im »Maskenball« von Verdi, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Alfredo, den Alvaro in »La forza del destino«, den Turiddu, den Don Carlos von Verdi, den Gabriele Adorno in »Simon Boccanegra«, den Macduff in Verdis »Macbeth«, den Froh im »Rheingold«, den Radames in »Aida«, den Pollione in »Norma« (mit Montserrat Caballé in der Titelrolle), den Otello, den Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns und den Canio im »Bajazzo« sang.  1970 sang er in Chicago das Tenor-Solo im Verdi-Requiem. Jetzt kam es zur Ausbildung einer weltweiten Karriere. So sang er an der Mailänder Scala (1969 als Don Carlos, 1972 im Verdi-Requiem, 1976 als Otello, 1981 als Turiddu), in Triest, bei den Festspielen von Spoleto und 1973-74 in der Arena von Verona. 1974 sang er an der Covent Garden Oper London seinen ersten Otello. Gastspiele an der Grand Opéra Paris (1973 als Rodolfo in »La Bohème«, 1974 als Cavaradossi, 1975-76 als Manrico im »Troubadour«, 1977 als Alvaro, 1979 als Ismaele in »Nabucco«, 1983 als Otello, 1991 als Samson), an der Deutschen Oper Berlin, an den Opernhäusern von Köln, München, Stuttgart, Hamburg (hier seit 1977 als ständiger Gast), am Bolschoi Theater Moskau, an den Nationalopern von Budapest und Belgrad. In Nordamerika trat er an den Opern von Boston, Philadelphia, San Francisco (1972 als Radames, 1983 als Otello, 1986 als Alvaro), Chicago, New Orleans und an der Metropolitan Oper New York (1973-79 in insgesamt 13 Vorstellungen als Pollione) auf; dazu trat er immer wieder am Teatro Colón in Buenos Aires auf (u.a. 1978 als Macduff). Hier wirkte er auch am 24.7.1964 in der Uraufführung der Oper »Don Rodrigo« von Ginastera in der Titelpartie mit. 1988 gastierte er bei den Festspielen von Bregenz als Samson; die gleiche Partie sang er bereits 1982 und 1984 am Teatro Verdi Triest und in Hamburg 1991 den Manrico. Noch 1996 wirkte er in Hamburg in einer konzertanten Aufführung von »Samson et Dalila« in der Partie des Samson mit. Schwerpunkte seines weit gespannten Bühnenrepertoires bildeten die großen dramatischen Partien aus dem Bereich der italienischen wie der französischen Opernliteratur. Er starb 2000 in Triest.

Schallplatten: HMV (»La vida breve« von de Falla), DGG (Requiem von Verdi), Decca (Titelrolle in Verdis »Otello«), Koch/Schwann (Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns). Auf Morgan Records in »Macbeth«, auf Legendary Recordings in »Nabucco« von Verdi zu hören.

 

9.5. William DANSBY (amerikanischer Bariton): 75. Geburtstag

 

9.5. Carlos PIANTINI: 90. Geburtstag

Er debütierte im Alter von zehn Jahren als Violinsolist. Er studierte in Mexiko bei Henryk Szeryng und war Mitglied des Orquesta Sinfónica de México unter Leitung von Carlos Chávez Ramírez. In New York war er an der Juilliard School of Music Schüler von Joseph Fusch. 1956 wurde er Violinist des von Leonard Bernstein geleiteten New York Philharmonic Orchestra. 1969 debütierte er als Dirigent dieses Orchesters mit Verdis Requiem. Ab 1970 studierte er Dirigieren bei Hans Swarowsky in Wien. 1972 leitete er eine Aufführung der Wiener Philharmoniker von Mahlers 1. Sinfonie. 1972-73 war er Kulturbotschafter der Dominikanischen Republik bei den Vereinten Nationen. 1973-78 war Piantini künstlerischer Direktor des Teatro Nacional de la República Dominicana. Danach leitete er bis 1983 das neu gegründete Caracas Philharmonic Orchestra. 1985-86 dirigierte er siebzehn Konzerte am Teatro San Carlo in Neapel. Seit 1988 gab er jährlich Konzerte mit dem Orchestra Alessandro Scarlatti der RAI in Neapel. Beim Festival del Valle d’Itria 1990 dirigierte er eine Aufführung von Bizets Oper Die Perlenfischer, 1992 zum Jahrestag der Entdeckung Amerikas die Aufführung von Antonio Bragas Oper 1492. Daneben war er 1984-94 Direktor des Orquesta Sinfónica Nacional de la República Dominicana. 1998 nahm er mit dem Warschauer Philharmonieorchester und dem kubanischen Gitarristen Rubén González Ávila Román Ernesto Penas Konzert für Gitarre und Orchester auf. Im gleichen Jahr leitete er eine Aufführung von Antonio Bragas Oratorium Santo Domingo de Guzmán am Teatro San Carlo in Neapel. 1999 dirigierte er eine szenische Aufführung von Bizets Carmen am Teatro Nacional de Santo Domingo und führte mit dem Orquesta Sinfónica Nacional Michael Camilos Klavierkonzert mit dem Komponisten als Solist auf. 2009 wurde der Hauptsaal des Teatro National nach Piantini als Gran Sala Maestro Carlos Piantini benannt. Im gleichen Jahr zeichnete ihn der dominikanische Kongress einstimmig als National Treasure of Music aus. Bis zu seinem Tod 2010 in Port Jervis war Piantini Ehrendirigent des Orquesta Sinfónica Nacional.

 

9.5. Marie SCHULZ-DORNBURG: 125. Geburtstag

 Sie begann ihre Ausbildung in Köln, wo ihr Vater Richard Schulz-Dornburg (1855-1913) als gesuchter Gesangspädagoge wirkte. Sie eröffnete ihre Karriere 1916-18 mit einem Engagement am Stadttheater von Kiel, sang dann 1919-21 am Stadttheater von Chemnitz (u.a. 1921 in der Uraufführung der Oper »Der Sonnenstürmer« von Hans Stieber) und hatte ihre ersten großen Erfolge am Staatstheater Hannover in den Jahren 1921-24. 1925 gastierte sie an der Hamburger Staatsoper als Kundry im »Parsifal«, 1931 als Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss. 1925 wurde sie an die Staatsoper Berlin berufen, an der sie eine langjährige, erfolgreiche Karriere hatte. 1928-31 gehörte sie zum Ensemble der Berliner Kroll-Oper, das unter der Leitung von Otto Klemperer stand. Sie wirkte an diesem Haus in der Premiere von Strawinskys »Oedipus Rex« mit. Dort sang sie weiter die Herodias in »Salome«, die Mutter in Charpentiers »Louise«, die Federica in Verdis »Luisa Miller«, die Mrs. Quickly im »Falstaff«, die Marcellina in »Figaros Hochzeit«, dazu auch kleinere Rollen. Sie war nicht nur eine begabte Sängerin sondern auch eine große Schauspielerin und hatte demgemäß ihre größten Erfolge in Partien, die eine intensive dramatische Gestaltung erforderten, so als als Hexe in »Hänsel und Gretel« und als Azucena im »Troubadour«. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie als Pädagogin tätig und bekleidete schließlich in den Jahren 1950-62 eine Professur am Salzburger Mozarteum. – Ihre Schwester Else Schulz-Dornburg hatte eine Karriere als Koloratursoubrette; ihr Bruder Rudolf Schulz-Dornburg (1891-1949) war in den dreißiger Jahren erster Dirigent und Generalintendant der Kölner Oper.

Auf Polydor sang die Künstlerin in einer Kurzfassung der Oper »Hänsel und Gretel« von Humperdinck die Rolle der Knusperhexe.

 

12.5. Herbert MOGG: 90. Geburtstag

Nach dem Schulbesuch studierte er Klavier und Komposition an der Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst in Wien und komponierte bereits Ende der 1940er zahlreiche Schlager, die Elemente der Operette, aber auch des Swing und für Tänze wie dem Slowfox enthielten. Zu bekannten Kompositionen dieser Zeit gehörten „Wer in England nicht englisch kann“ (1947), „Sommernacht, eine Sommernacht hat mein Herz zur Glut entfacht“ (1948), „Meine große Liebe ist der Wein!“ (1948) und „Du bist für mich ein Rätsel …“ (1948). Nach einem ersten Engagement an der am 30. Juni 1956 geschlossenen Scala Wien wirkte er als Dirigent von Wiener Operetten an verschiedenen Musiktheatern in Österreich und Deutschland. Eine große Bedeutung für diese Tätigkeit hatte dabei die Begegnung mit dem Komponisten Hanns Eisler und dem Regisseur Walter Felsenstein. Nachdem er 1966-68 als Theaterkapellmeister Organist an der katholischen Stadtpfarrkirche St. Marien in Hof an der Saale war, wurde er 1969 Dirigent am Wiener Raimundtheater und war dort bis 1985 tätig. 1977 wurde er als Nachfolger von Rudolf Mark auch Direktor des Theaters. Während der mehrjährigen Zusammenarbeit zwischen Marik und ihm erlebte die Operette mit Johannes Heesters, Marika Rökk, Zarah Leander und anderen bekannten Darstellern und Sängern einen Höhepunkt. Im Anschluss wechselte er 1985 als Dirigent an das Wiener Volkstheater, an dem er bis 1987 unter Direktor Paul Blaha arbeitete. Danach wurde er 1987 Dirigent am Staatstheater am Gärtnerplatz in München und wirkte dort bis 1999. 2000 erfolgte dort die Uraufführung seiner Operette Das Mädchen vom Rialto. Neben dem dortigen Engagement war er auch Gastdirigent zahlreicher namhafter Orchester wie des der Pariser Oper, des Mozarteumorchesters Salzburg und des Schlosstheaters Schönbrunn. Bei den dortigen Konzerten entstanden auch zahlreiche Konzertmitschnitte wie von Die drei Wünsche von Carl Michael Ziehrer, Die Perlen der Cleopatra von Oscar Straus sowie Die Winzerbraut von Oskar Nedbal. Er starb am 2012 in Athen.

 

12.5. Félicie KASCHOWSKA: 150. Geburtstag

Felicie Kaschowska als Brünnhilde

 Mit 15 Jahren wurde ihre Stimme durch den berühmten Tenor Enrico Tamberlik entdeckt. Sie studierte darauf bei Troschel in Warschau, am Wiener Konservatorium bei Joseph Gänsbacher und bei Jean de Reszke in Paris. Mit 16 Jahren gab sie ihr erstes Konzert in Warschau und debütierte 1887 an der Oper von Warschau als Alice in »Robert le Diable« von Meyerbeer und als Marguerite im »Faust« von Gounod. Bereits 1888 wurde sie an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle Page Urbain in den »Hugenotten« von Meyerbeer), an der sie zwei Jahre bis 1890 blieb. Sie sang dort den Jemmy in Rossinis »Guillaume Tell«, den Siebel im »Faust« von Gounod, die Wellgunde in der amerikanischen Erstaufführung von Wagners »Das Rheingold«, den Hirten wie die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Ortlinde wie die Sieglinde in der »Walküre«, die Wellgunde und die Gutrune in der »Götterdämmerung«, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Elsa im »Lohengrin«, die Senta in »Der fliegende Holländer«, die Priesterin wie die Titelrolle in »Aida«, die Maria in Nesslers »Der Trompeter von Säkkingen«, den Boten in Wagners »Rienzi«, die Adalgis in Bellinis »Norma«, die Donna Elvira im »Don Giovanni« und den Pagen Oscar in Verdis »Un ballo in maschera«. Sie gastierte in Amerika auch an den Opernhäusern von St. Louis, Boston und Buffalo und sang im Konzertsaal zusammen mit den führenden Orchestern. 1892 unternahm sie eine große USA-Tournee. 1892 gastierte sie nochmals an der Metropolitan Oper als Selika in Meyerbeers »Afrikanerin«. 1893 wurde sie an die Nationaloper Budapest engagiert, an der sie als Brünnhilde in der »Walküre« großes Aufsehen erregte. Sie trat dann in Deutschland 1894-96 am Opernhaus von Düsseldorf auf und gastierte u.a. an den Opernhäusern von Frankfurt a.M. und Köln, am Hoftheater von Stuttgart und an der Komischen Oper Berlin. Sie trat dann 1896-97 am Opernhaus von Leipzig und 1897-1905 am Hoftheater von Darmstadt auf. 1906-07 gab sie ein Gastspiel am Hoftheater Karlsruhe. In der Spielzeit 1908-09 war sie nochmals an der Metropolitan Oper engagiert und sang nun die Brünnhilde in der »Walküre«, die 3. Norn in der »Götterdämmerung«, die Leonore im »Troubadour«, die Gertrud in »Hänsel und Gretel«, die Venus im »Tannhäuser« und die Fricka im Nibelungenring. Sie ist in insgesamt 134 Vorstellungen an der Metropolitan Oper aufgetreten. 1909-12 sang sie am Teatro Costanzi in Rom u.a. die Isolde in »Tristan und Isolde« (1910); sie gastierte auch in St. Petersburg, an der Großen Oper Warschau (1910-11), am Théâtre de la Monnaie Brüssel, in Amsterdam, Madrid, Stockholm und trat in Paris, hier vor allem in Wagner-Konzerten, auf (1903-04, 1907-08, 1910). 1911-12 nahm sie an einer Australien-Tournee teil, die durch die große Primadonna Nellie Melba veranstaltet wurde. Seit 1912 sang sie vor allem in Polen. 1919 nahm sie an der Oper von Warschau als Selika in Meyerbeers »Afrikanerin« von der Bühne Abschied, trat dort aber nochmals 1934-36 auf. Seit 1916 wirkte sie in Warschau als Pädagogin. Sie betätigte sich dann auch in Wien im pädagogischen Bereich. Zu ihren Schülern gehörten der berühmte Tenor Jan Kiepura und die Sängerinnen Maria Németh, Rosette Anday und Flora Nielsen. Ihr Bühnenrepertoire hatte seine Höhepunkte in Partien wie der Pamina in der »Zauberflöte«, der Leonore im »Fidelio«, der Valentine in Meyerbeers »Hugenotten«, der Rachel in »La Juive« von Halévy, der Titelfigur in Bellinis »Norma«, der Carmen, der Amelia in Verdis »Maskenball«, der Santuzza in »Cavalleria rusticana«, der Martha in »Tiefland« von d’Albert und der Brünnhilde im Nibelungenring. Auch als Konzert- und Oratoriensolistin hatte sie eine ganz internationale Karriere. Sie starb 1951 in Bielskuj-Bialej (Polen). – Voluminöse, dramatische Stimme von großer Steigerungsfähigkeit.

Ihre Schallplatten sind selten; es existiert nur eine Soloplatte auf Anker (1912), einige Aufnahmen sind auf Pathé (Arien aus »Tosca« und »Don Giovanni«, Duette und Lieder, Berlin 1909) zu finden; 1921 sang sie zusammen mit Frieda Hempel zwei Duette auf Polydor.

 

12.5. Sophie TRAUBMANN: 150. Geburtstag

Sophie TRAUBMANN

 Ihre Eltern waren aus Prag in die USA ausgewandert. Sie war in New York Schülerin von Emma Fursch-Madi und studierte dann in Paris bei zwei der berühmtesten Pädagoginnen ihrer Zeit, bei Pauline Viardot-Garcia und bei Mathilde Marchesi de Castrone. Cosima Wagner selbst führte sie in die Kunst des Wagnergesangs ein. 1885 gab sie ein erstes Konzert in der New Yorker Steinway Hall. 1887 debütierte sie an der Academy of Music New York als Venus im »Tannhäuser«. Anschließend sang sie dort die Titelpartie in Goldmarks »Königin von Saba«. 1887 wurde sie an die Metropolitan Oper New York verpflichtet (Debüt im Januar 1888 als Helmwige in der »Walküre«), an der sie bis 1890 und dann wieder 1895-99 und nochmals in der Spielzeit 1901-02 große Erfolge im Wagner-Fach hatte, aber auch in italienischen und französischen Opern auftrat. Sie sang dort in insgesamt 159 Aufführungen die Woglinde in den amerikanischen Erstaufführungen von Wagners »Rheingold« und »Götterdämmerung«, die Inès in Meyerbeers »Afrikanerin«, den Waldvogel im »Siegfried«, die Priesterin in »Aida«, die Elisabeth wie die Venus im »Tannhäuser«, die Marzelline im »Fidelio«, die Margiana in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Der Barbier von Bagdad« von P. Cornelius (zusammen mit Paul Kalisch und Emil Fischer), die Irene in Wagners »Rienzi«, die Mathilde in Rossinis »Guillaume Tell«, die Marguerite in Meyerbeers »Hugenotten«, die Zerlina im »Don Giovanni«, die Prinzessin Eudoxie in Halévys »La Juive«, die Sulamith in Goldmarks »Königin von Saba«, die Leonore im »Troubadour«, die Micaela in »Carmen« und die Sophie im »Werther« von Massenet. 1892 war sie bei einem Gastspiel an der Covent Garden Oper London zu hören. In den Jahren 1890-92 war sie am Opernhaus von Köln, 1892-95 am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg im Engagement. Sie gastierte an der Hofoper von München. Insgesamt enthielt ihr Repertoire für die Bühne 53 Rollen, darunter die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Brünnhilde im Nibelungenring und die Norma. Zeitgenössische Berichte schildern ihre einerseits schön gebildete, andererseits kraftvolle Stimme, dazu ihre charmante Bühnenerscheinung wie ihre Darstellungskunst. Nach Beendigung ihrer aktiven Sängerlaufbahn wirkte sie in New York als Pädagogin. Sie starb 1951 in New York.

 

12.5. Jules MASSENET: 175. Geburtstag

Er war das vierte und jüngste Kind der zweiten Ehe seines Vaters Alexis Massenet (1788-1863), eines Ingenieurs, Offiziers und Industriellen, mit Adélaïde Royer de Marancour (1809-1875). Der Vater war in erster Ehe mit Sophie von Jaegerschmidt (1797-1829) verheiratet, beide hatten acht gemeinsame Kinder. Durch seine Mutter erhielt Jules den ersten Klavierunterricht. Bereits als Elfjähriger (1853) erhielt er am Conservatoire de Paris die erste Ausbildung bei Ambroise Thomas und Charles Gounod und beendete dort 1863 sein Studium, als er den Prix de Rome gewann. In dieser Zeit begegnete er auch Franz Liszt und seiner zukünftigen Frau Louise-Constance de Gressy (genannt Ninon), die Liszt ihm als Klavierschülerin vermittelt hatte. Massenet hielt sich drei Jahre in der Villa Medici auf, danach kehrte er wieder in seine Heimat zurück. Er engagierte sich in der Pariser Opernszene und brachte seine erste Oper 1867 auf die Bühne. Doch sein Erfolg kam nur schrittweise und erst ein Jahrzehnt später gelang ihm sein erster richtiger Erfolg mit Le Roi de Lahore. 1884 erlangte er durch seine Oper Manon internationalen Ruhm. Er gehörte bald zu den einflussreichsten Musikdramatikern Frankreichs. Seine Werke überzeugten besonders durch nuancenreiche Melodik und Harmonik. Die strengen Regeln der Pariser Opéra Comique verlangten zwischen den Musiknummern gesprochene Dialoge. Massenet fand die Lösung, die Texte zur Orchesterbegleitung sprechen zu lassen. Dadurch blieb die musikalische Linie aufrechterhalten. Diese besondere Eingebundenheit der Handlung war bei der Oper Manon auffällig. 1871 war er Mitbegründer der Société Nationale de Musique, und 1878 wurde er Mitglied der Académie des Beaux-Arts. 1878-93 war er Professor für Komposition am Conservatoire und unterrichtete unter anderem Georges Enescu und Gustave Charpentier. Die Leitung des Conservatoires nach dem Tode von Ambroise Thomas schlug er aus. Er wollte sich ausschließlich mit der Komposition beschäftigen. Drei seiner Werke erfuhren erst nach seinem Tode im Jahre 1912 eine Uraufführung. Besondere Bekanntheit erreichte Massenet durch das Violinsolo Meditation, das Teil der leicht orientalisch geprägten Oper Thais ist. Dieses Solo gilt als beliebte Zugabe in Konzerten und ist häufig Bestandteil von Klassik-Editionen zu bestimmten Themen. Während der vergangenen zwei Jahrzehnte setzte eine dezente Renaissance der französischen Spätromantik ein, die bewirkte, dass Massenets Opern wieder regelmäßig auf den Spielplänen internationaler Häuser zu finden sind.

 

13.5. Judith SOMOGI: 80. Geburtstag

Sie studierte an der Juilliard School of Music Violine, Klavier und Orgel; danach setzte sie ihr Studium am Berkshire Music Centre in Tanglewood fort. Nach ihrem Abschluss wirkte sie als musikalische Assistentin an der New York City Opera, bevor sie als Assistentin zu Thomas Schippers ans Spoleto Festival und zu Leopold Stokowski an das American Symphonic Orchestra in New York ging. 1974 dirigierte sie erfolgreich an der New York City Opera, in San Francisco (1978 »L’Italiana in Algeri«), San Diego, San Antonio und Pittsburgh. Ihr europäisches Debüt gab sie 1979 in Saarbrücken. Nach einer erfolgreichen Saison an der Frankfurter Oper (1982) wurde sie dort Stellvertreterin von Michael Gielen. Sie war begehrte Gastdirigentin an europäischen und amerikanischen Opernhäusern.  Sie starb 1988 auf Long Island (NY).

 

13.5. Yuri AHRONOVITCH: 85. Geburtstag

Er studierte zunächst am Konservatorium seiner Heimatstadt Musik und danach Orchesterleitung bei Natan Rachlin und Kurt Sanderling. 1964 wurde er Chefdirigent des Sinfonieorchesters des Moskauer Rundfunks. 1972 wanderte er nach Israel aus. Konzerte als Gastdirigent mit dem Israel Philharmonic Orchestra, dem London Symphony Orchestra, den Wiener Symphonikern u.a. folgten. 1975-86 war er Chefdirigent des Gürzenich-Orchesters Köln, 1982-87 außerdem der Stockholmer Philharmonie. Auch als Operndirigent war er gerngesehener Gast an vielen bedeutenden Bühnen. Er starb 2002 in Köln.

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Homepage http://www.yuriahronovitch.com/

 

13.5. Arthur SULLIVAN: 175. Geburtstag

Durch seinen Vater, den Militärkapellmeister und Musikpädagogen Thomas Sullivan (1805–66), kam er schon von Kindesbeinen an mit Musik in Berührung. Erste Kompositionsversuche wie das Anthem By the Waters of Babylon machte er 1850. Im Alter von zwölf Jahren wurde Sullivan Mitglied der Chapel Royal in London, bei der er 1854-56 prägende Einflüsse empfing. Durch seine gute Stimme avancierte er zum „first boy“ des Chores und kam durch viele Auftritte erstmals mit namhaften Künstlern sowie der High Society und dem Königshaus in Kontakt. Arthur Sullivan setzte seine musikalische Ausbildung ab 1856 an der Royal Academy of Music in London fort, unter anderem bei John Goss. Seine Lehrer erkannten sein Talent und ermutigten ihn zu Kompositionen; einige Chorstücke wurden auch aufgeführt. Als jüngster Teilnehmer gewann Sullivan 1856 den erstmals ausgeschriebenen Mendelssohn-Wettbewerb, was ihm nach zwei weiteren Ausbildungsjahren an der Royal Academy of Music ermöglichte, 1858-61 am Konservatorium Leipzig zu studieren (u.a. bei Robert Papperitz, Ignaz Moscheles und Carl Reinicke). Dort entschied Sullivan, der auch ein vielbeachteter Pianist und Dirigent war, sich in erster Linie dem Komponieren zu widmen. Das Leipziger Kulturleben bot vielfältige Anregungen; unter anderem lernte Sullivan Franz Liszt kennen, der ihn im Dezember 1858 zur Uraufführung von Peter Cornelius‘ Der Barbier von Bagdad nach Weimar einlud. Nach dem erfolgreichen Abschluss 1861 katapultierte die Londoner Aufführung seiner Bühnenmusik zu William Shakespeares The Tempest (Der Sturm) im April 1862 Sullivan in die vorderste Reihe englischer Komponisten. Sullivan etablierte sich als Komponist von Orchester- und Vokalwerken, wobei ihm Organisten- und Chorleiterstellen an der St. Michael’s Church am Chester Square in London (1861–67) und an der St. Peter’s Church in Kensington (1867–72) ein geregeltes Einkommen verschafften. Zu den Auftragsarbeiten für die großen Musikfestivals des Landes gehörten The Prodigal Son (Der verlorene Sohn) für das Three Choirs Festival in Worcester (1869) sowie Kenilworth (1864) und The Light of the World für das Birmingham Triennial Music Festival (1873). 1872 schrieb Sullivan ein großes Te Deum zur Genesung des schwer erkrankten Prince of Wales. Zahlreiche Liedkompositionen und Kammermusiken prägten die Anfangsphase von Sullivans Laufbahn. Beachtung fanden zudem seine Orchesterwerke, etwa die Konzertouvertüren In Memoriam (1866), Marmion (1867, nach Walter Scott) oder die Di-ballo-Ouvertüre (1870) sowie seine Bühnenmusiken zu Shakespeare-Dramen. Weiterhin komponierte Sullivan ein Cello-Konzert und eine Symphonie in E-Dur (Irish), die 1866 von Presse und Publikum begeistert aufgenommen wurden. Zur Förderung des englischen Nachwuchses gründete Sullivan 1876 die National Training School for Music, der er bis 1881 vorstand, bevor das Institut dann 1882 in das Royal College of Music integriert wurde. Sullivan nutzte seine Popularität zum kulturpolitischen Engagement für die Pflege des Musiklebens. Er erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge sowie 1879 den Ehrendoktortitel der Universität Oxford. Sullivan wurde 1885-88 Dirigent der Philharmonischen Gesellschaft und 1881-98 war er künstlerischer Leiter des Musikfestivals in Leeds, wo er das Publikum nicht nur mit den Klassikern, sondern auch mit Werken englischer Kollegen und mit zeitgenössischer Musik vertraut machte. Als Dirigent gehörte Sullivan zu den ersten Verfechtern historisch informierter Aufführungspraxis. Durch seinen gestiegenen Lebensstandard und seine Kontakte zur High Society und der königlichen Familie benötigte Sullivan eine substanzielle Einkommensquelle, die nur das Unterhaltungstheater bieten konnte, nicht aber die Musikerziehung und das Komponieren von Oratorien und Symphonien. Der ersten Arbeit für die Bühne, dem Ballett L’Ile enchanteé (1864), folgten mit dem Einakter Cox and Box (1866) und der zweiaktigen Oper The Contrabandista (1867) bald frühe Versuche auf dem Gebiet der komischen Oper. Doch erst die Zusammenarbeit mit dem Dramatiker William Schwenck Gilbert führte zu künstlerisch anspruchsvollen Ergebnissen. Schließlich gelang es dem Impresario Richard D’Oyly Carte (1844–1901), die Kooperation beider auf eine solide Grundlage zu stellen. Carte, Spross einer französisch-englischen Familie, war zunächst als Mitarbeiter bei dem Instrumentenhersteller Rudall, Carte & Co. tätig, gründete aber bald darauf eine eigene Künstler- und Konzertagentur. 1870 wurde Carte Manager im Royalty Theatre in Soho, das die Sängerin Selina Dolaro finanzierte, die dort vor allem selbst in den neuesten französischen Opéras bouffes (= komische Oper) brillieren wollte. Carte hegte indes Pläne, eine nationale englische (komische) Oper in einem eigenen Theater zu etablieren. Das erste Werk von Sullivan und Gilbert für Carte, die einaktige Oper Trial by Jury (1875), wurde ein durchschlagender Erfolg. Carte gründete Ende 1876 die „Comedy Opera Company Ltd.“ und wurde Manager der Opéra Comique, einem kleinen Theater in der Londoner Theatermeile „Strand“. Hier begann im November 1877 mit der „Entirely New and Original Modern Comic Opera“ The Sorcerer ein neues Kapitel in Londons Theatergeschichte. Diese Oper war Sullivans erster Erfolg mit einem umfangreicheren Werk für die Bühne, zudem zeichnen sich hinsichtlich der Rollen- und Orchesterbesetzung die Grundmuster der folgenden Opern ab. Durch die finanziellen Gewinne mit den Stücken von Sullivan und Gilbert wurde es Carte möglich, sich von den Geldgebern der alten Operngesellschaft zu lösen und am 4. August 1879 die „D’Oyly Carte Opera Company“ zu gründen. Schließlich konnte Carte es sich sogar leisten, ein eigenes Theater zu bauen. Das Londoner Savoy Theatre wurde mit einer Übernahme der Oper Patience (1881) aus der Opéra Comique am 10. Oktober 1881 als eines der technisch fortschrittlichsten Häuser seiner Zeit eröffnet. Sullivan war die treibende künstlerische Kraft, die den Theater-Routinier Gilbert dazu brachte, die Qualität der Stücke zu steigern. Am Savoy Theatre kam es nach Iolanthe (1882) und Princess Ida (1884) allerdings zu ersten Unstimmigkeiten mit Gilbert hinsichtlich der Konzeption und Gestaltung der Opern. Dennoch folgte mit der komischen Oper The Mikado (1885) der größte Triumph des Duos, dem sich Ruddigore (1887), The Yeomen of the Guard (1888) sowie The Gondoliers (1889) anschlossen. Sullivans Spagat zwischen Theater, Kirche und Konzertsaal brachte den Komponisten in einen Zwiespalt, der sowohl sein Leben als auch die Rezeption seiner Werke prägte. Ungeachtet der Publikumserfolge musste sich Sullivan allmählich an die Kritik gewöhnen, sein Talent an Unterhaltungsmusik zu verschwenden. Da englische Bühnen keine Aufführungsmöglichkeiten für ernste Opern einheimischer Komponisten boten, schrieb Sullivan – inspiriert von Hector Berlioz – parallel an dramatischen Kantaten wie The Martyr of Antioch (1880) und The Golden Legend (1886) für das Musikfestival in Leeds. Für seine Kantaten, Orchestermusik und Verdienste um das englische Musikleben empfing er im Mai 1883 den Ritterschlag von Königin Viktoria und wurde so Knight Bachelor. Sullivan und Carte planten, neben der nationalen komischen Oper auch eine Oper historischen Stils zu etablieren. Für die vorgesehene große Nationaloper ließ Carte das Royal English Opera House (das heutige Palace Theatre in London) errichten. Die „romantic opera“ Ivanhoe (1891) nach Walter Scotts Roman hielt sich zwar für ein Werk dieser Art lange auf dem Spielplan, jedoch standen in diesem Genre keine englischen Repertoirewerke zur Verfügung, die einen dauerhaften Spielbetrieb hätten sicherstellen können. Im Jahr 1890 kam es nach einem Streit um Finanzierungsfragen (dem so genannten „Carpet Quarrel“) zu einem mehrjährigen Bruch mit Gilbert, auf den noch die Opern Utopia Limited (1893) und The Grand Duke (1896) folgten. Während seiner letzten zehn Lebensjahre arbeitete der an einer chronischen Nierenerkrankung leidende Sullivan mit verschiedenen Librettisten zusammen. Zu seinen wichtigsten Spätwerken gehören die Opern Haddon Hall (1892), The Beauty Stone (1898) und The Rose of Persia (1899). Sullivan starb am 22. November 1900 in London und wurde in der St. Paul’s Cathedral in London beigesetzt. Ihm zu Ehren trägt der Sullivan-Gletscher auf der westantarktischen Alexander-I.-Insel seinen Namen.

 

14.5. Hans BRAUN: 100. Geburtstag

Hans BRAUN

Er gehörte als Kind zu den Peterlini-Sängerknaben in Wien. Ausbildung der Stimme durch Hermann Gallos und Hans Duhan an der Musikhochschule in Wien. Er begann seine Karriere 1941 und war seit 1943 am Stadttheater von Königsberg (Ostpreußen) engagiert. 1945 folgte er einem Ruf an die Wiener Staatsoper, der er seither bis 1979 angehörte. Bei seinem Ausscheiden aus dem Ensemble der Wiener Staatsoper wurde er zu deren Ehrenmitglied ernannt. Er sang in Wien (Debüt als Schaunard in  »La Bohème«) zunächst kleinere Partien wie den Fiorello im »Barbier von Sevilla«, den Angelotti in »Tosca« und den Schlemihl in »Hoffmanns Erzählungen«, wurde aber bald in großen Partien herausgestellt. Man hörte ihn jetzt u.a. als Grafen im »Waffenschmied« und im »Wildschütz« von Lortzing, als Sharpless in »Madame Butterfly«, als Marcello in »La Bohème«, als Grafen wie als Titelhelden in »Figaros Hochzeit«, als Silvio im »Bajazzo«, als Escamillo in »Carmen«, als Tomsky in Tschaikowskys »Pique Dame«, als Germont sr. in »La Traviata«, als Posa in Verdis »Don Carlos«, als Wolfram im »Tannhäuser«, als Valentin im »Faust« von Gounod, als Lescaut in Massenets »Manon«, als Morone in Pfitzners »Palestrina«, als Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Sprecher in der »Zauberflöte«, als Orest in »Elektra« von R. Strauss, als John Sorel in Menottis »Der Konsul«, als Simon Boccanegra von Verdi, als Carlo in »La forza del destino«, als Zaren in »Zar und Zimmermann«, als Falstaff von Verdi, als Amonasro in »Aida« und als Alfio in »Cavalleria rusticana«. Insgesamt trat er an der Wiener Staatsoper in 75 Partien auf. Er gastierte an der Covent Garden Oper London (1949 als Graf in »Figaros Hochzeit«, 1953 als Orest), an der Mailänder Scala (1950 als Wolfram, 1959 in Händels »Israel in Ägypten«), am Teatro San Carlo von Neapel, beim Maggio Musicale von Florenz (1953 ebenfalls als Orest), in Berlin, München und Hamburg. Bei den Salzburger Festspielen erregte er Aufsehen einmal als Konzertsänger (1948 im Requiem von Gabriel Fauré,  1949 Krönungs-Messe von Mozart, 1950 C-Moll-Messe von Mozart und der Messe in C-Dur von Beethoven sowie einem weiteren Konzert mit Sakralmusik), dann 1949-50 als Minister im »Fidelio« und 1950 als Olivier im »Capriccio« von R. Strauss. 1953 sang er bei den Festspielen von Bayreuth den Heerrufer im »Lohengrin«. Auch als Konzert- und namentlich als Oratoriensänger (Christus in den Passionen von J.S. Bach) hatte er eine erfolgreiche Karriere. Er starb 1992 in Wien. Zeitweilig verheiratet mit der Altistin Dagmar Hermann (1918-97).

Schallplatten: Er sang auf vielen Marken, darunter auch in integralen Opern, u.a. auf DGG (»Carmina burana« von C. Orff), Cetra (»Elektra«), Decca (»Salome«, »Lohengrin«), Philips, Vanguard-Amadeo, MMS, Remington und Bertelsmann. Weiter auf CLS-Records (»Fidelio«, Salzburg, 1959) und Cetra Opera Live (»Elektra«, Florenz, 1950) zu hören.

 

14.5. Lou HARRISON: 100. Geburtstag

Der Schüler von Henry Cowell und Arnold Schönberg wirkte 1936-43 als Lehrer verschiedener Musikschulen in Kalifornien, danach ließ er sich als Musikkritiker und Instrumentenbauer in New York City nieder. 1952-53 unterrichtete er am Black Mountain Collage von Buncombe County. Zuletzt lebte er in Aptos/Kalifornien mit seinem Lebensgefährten Bill Colvig, der 2000 verstarb. Mit seinem kompositorischen Schaffen erweiterte Harrison das Instrumentarium und die musikalischen Formen, indem er beispielsweise in seinen Schlagzeugstücken Gegenstände wie Bremszylinder, Metallrohre, Blumentöpfe und Mülleimer einsetzte. Zudem schrieb er Werke für die Instrumentierung von Gamelan-Orchestern und verwendete mittelalterliche Tänze, Rituale der Navaho-Indianer, frühe kalifornische Missionsmusik oder die Hofmusik Koreas in seinen Werken. Harrison komponierte neben Anderem eine Oper (Rapunzel, 1954), ein Ballett, zwei Sinfonien, sieben Pastoralen für Kammerorchester, zwei Streichersuiten, zwei Violinkonzerte, drei Klavier- und sechs Cembalosonaten, eine Messe, eine Motette und Bühnenmusiken. Sein Klavierkonzert widmete er Keith Jarrett. Lou Harrison starb 2003 in Lafayette/Indiana.

 

14.5. Alfons CZIBULKA: 175. Geburtstag

Zunächst war er Kapellmeister an der französischen Oper in Odessa und am Nationaltheater in Innsbruck, 1865 wurde er neben Franz von Suppé 2. Kapellmeister am Carl-Theater in Wien. 1866-69 diente Alfons Czibulka als Militärkapellmeister beim österreichisch-ungarischen Infanterieregiment Nr. 17 in Bozen, 1869-70 in gleicher Funktion bei den „23ern“ in Peterwardein, anschließend bis 1871 beim Infanterieregiment Nr. 20 in Krakau.

Erfolge als Militärdirigent und Tanzkomponist hatte Czibulka als Kapellmeister beim Infanterieregiment Nr. 25 in Prag 1872-80. In diesem Jahr gewann er als Vertreter Österreich-Ungarns den Internationalen Concours für Militärorchester in Brüssel. Der mit Rudolf von Österreich-Ungarn verlobten belgischen Prinzessin Stephanie widmete er die Stephanie-Gavotte, die eines der beliebtesten Salonmusik-Werke des 19. Jahrhunderts wurde. 1880-83 war Czibulka Militärkapellmeister beim Infanterieregiment Nr. 44 in Triest. 1884 wurde seine Operette Pfingsten in Florenz in Wien uraufgeführt; ihr Siegeszug führte sie über verschiedene Bühnen Österreich-Ungarns, Deutschlands und Italiens bis in die Vereinigten Staaten von Amerika. Als Militärkapellmeister im Infanterieregiment Nr. 31 in Wien 1883-87 veranstaltete er vielbeachtete „Componisten-Abende“ gemeinsam mit den Musikern der „30er“ unter Carl Czerny (nicht mit dem Klavierpädagogen verwandt). Als ziviler Musikdirektor war Czibulka u. a. 1889 Dirigent des „Concerthauses Flora“ in Hamburg. 1891-94 diente er wieder als Militärkapellmeister bei den „19ern“ in Wien. Alfons Czibulka starb 1894 in Wien. Er ist am Wiener Zentralfriedhof begraben. Im Jahr 1938 wurde in Wien Simmering (11. Bezirk) die Czibulkagasse nach ihm benannt.

 

15.5. Sophie STEHLE: 175. Geburtstag

Sophie STEHLE

 Sie war die Tochter eines Lehrers. Sie studierte Gesang bei Frau Ahlers in Augsburg und wurde dann durch Franz Lachner in München weiter unterrichtet. 1860 debütierte sie an der Münchner Hofoper als Emmeline in der damals sehr beliebten Oper »Die Schweizerfamilie« von Joseph Weigl. 1862 hatte sie in München einen überwältigenden Erfolg, als sie die Marguerite in der dortigen Erstaufführung von Gounods »Faust« sang. 1864 kreierte sie für München die Senta in »Der fliegende Holländer« von R. Wagner unter der Leitung des Komponisten. Sie galt als Wagner-Interpretin von höchstem Rang, begeisterte aber auch das Münchner Publikum als Agathe im »Freischütz«, als Iphigenie in Glucks »Iphigenie in Aulis«, als Rachel in »La Juive« von Halévy, als Selika in Meyerbeers »Afrikanerin«, als Pamina in der »Zauberflöte«, als Amazili in »Fernand Cortez« von Spontini, als Anna in »Hans Heiling« von Marschner, als Valbor in »Der Haideschacht« von Franz von Holstein und als Titelfigur in »Genoveva« von R. Schumann. Ihre großen Wagner-Rollen waren die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Elsa im »Lohengrin«, der Adriano in »Rienzi« und die Senta. (1865 lehnte sie jedoch die Übernahme der Brangäne in der Uraufführung von Wagners »Tristan und Isolde« ab). Sie wirkte in München in zwei Uraufführungen von Wagner-Opern mit: am 22.9.1869 sang sie die Fricka in der Uraufführung von »Das Rheingold«, am 26.6.1870 die Brünnhilde in der »Walküre«. 1863 wirkte sie in München in der Uraufführung von Max Zengers Oper »Die Foscari« mit, 1869 in der von Josef Rheinbergers »Die sieben Raben«, 1872 in »Theodor Körner« von Wendelin Weißheimer, 1873 in »Des Türmers Töchterlein« von Rheinberger. König Ludwig II. von Bayern war ein besonderer Verehrer ihrer Kunst. Gastspiele in Berlin und Wien, in Paris und London brachten der Sängerin große Erfolge ein. Anlässlich eines Gastspiels in Wien schrieb der gefürchtete Kritiker Eduard Hanslick 1865: »Ein Talent von Gottes Gnaden. Ihre Stimme ist ein weicher, voller, jugendlicher Sopran, dessen dunkler, an manche Altstimme erinnerndes Timbre etwas Eigentümliches, Gewinnendes, Überzeugendes hat«. Auch im Konzertsaal hatte sie eine große Karriere. 1874 verabschiedete sie sich von ihrem Münchner Publikum als Gretchen im »Wildschütz« von Lortzing und heiratete den Freiherrn Wilhelm von Knigge. Sie lebte seither auf dessen Familienbesitzungen in der Nähe von Hannover, hauptsächlich auf Schloss Harkerode, wo sie 1921 starb. Ihr Bruder Karl Ritter von Stehle war länger als 40 Jahre als Verwaltungsbeamter am Münchner Hoftheater tätig und später dessen Vize-Intendant.

 

15.5. Claudio MONTEVERDI: 450. Geburtstag

Er war der älteste Sohn des Wundarztes Baldassare Monteverdi (* um 1542), der auch als Barbier arbeitete, seine Mutter war Maddalena, geb. Zignani. Er hatte noch eine Schwester, Maria Domitilla (* 1571), und einen Bruder, Giulio Cesare (1573–1630/31). Nach dem Tod seiner Mutter (um 1576) heiratete sein Vater ein zweites Mal und hatte mit seiner zweiten Frau noch drei Kinder, darunter die Tochter Clara Massimilla (* 1579) und den Sohn Luca (* 1581). Obwohl sein Vater in bescheidenen Verhältnissen lebte und bis 1566 seine Arbeit in einem kleinen, vom Domkapitel der Kathedrale von Cremona gemieteten Geschäft ausführte, ließ er seinen zwei Söhnen aus erster Ehe eine gründliche musikalische Erziehung bei Marc‘ Antonio Ingegneri, dem Kapellmeister der Kathedrale von Cremona, zukommen. Ingegneris Einfluss findet sich in Claudios erster Werksammlung Sacrae cantiunculae wieder, die er 1582 mit fünfzehn Jahren im Druck veröffentlichte. Er bezeichnet sich darin als Schüler des herausragenden Ingegneri (Egregii Ingegnerii Discipulus). 1583 erschien ein Buch mit Madrigali spirituali, von dem nur ein Bassstimmbuch erhalten ist. Im Jahr 1587 folgte dann die Veröffentlichung seines ersten Madrigalbuches, das nunmehr nur weltliche Werke enthielt. 1590 wurde Monteverdi an den Hof des Herzogs Vincenzo I. Gonzaga als Sänger und Violist nach Mantua bestellt, wo er 22 Jahre lang bleiben sollte. Er fand dort mit einem vollständigen Orchester und herausragenden Solisten außergewöhnlich gute Bedingungen vor. Dort wurde Monteverdi 1594 „Cantore“. Er heiratete die Sängerin Claudia Cattaneo, die Tochter eines ansässigen Musikers. 1597 bereiste er mit dem Orchester Flandern, wo er die großen Meister des franko-flämischen Stils kennenlernte. Nach seiner Rückkehr wurde er 1601 zum Kapellmeister berufen, trotz der Angriffe von Giovanni Artusi, welcher den harmonischen Neuerungen von Monteverdi zu viel „Modernität“ vorwarf, da er im Dienste des Ausdrucks die alten Regeln des Kontrapunktes missachtete. Trotz seiner Verpflichtungen gegenüber dem Hof komponierte Monteverdi von 1590 bis 1605 vier weitere Madrigalbücher. Von der Monodie mit ihrer Betonung klarer Melodielinien, verständlichen Texten und einer zurückhaltend begleitenden Musik war es nur ein kurzer, logischer Schritt zur Entwicklung der Oper. 1607 komponierte er eine der ersten ihrer Art, L‘Orfeo, die als Auftragsarbeit anlässlich des jährlichen Karnevals in Mantua erschien und am 24. Februar uraufgeführt wurde; zum Einsatz kamen unter anderen die beiden Kastraten Giovanni Gualberto Magli und Girolamo Bacchini als Mezzosoprane. Die Oper war auf Anhieb ein großer Erfolg.

Vom Tod seiner Frau, die im September 1607 in Cremona begraben wurde, zeigte sich Monteverdi tief getroffen. Nachdem er sich zunächst geweigert hatte, nach Mantua zurückzukehren, komponierte er dort 1608 eine weitere Oper, L‘Arianna, von der nur das Lamento überliefert ist. 1610 komponierte er sein heute vielleicht bekanntestes Sakralwerk, die sogenannte Marienvesper (Vespro della Beata Vergine). Nach dem Tod des Herzogs Vincenzo im Jahr 1612 wurde Monteverdi von dessen für Musik wenig empfänglichen Nachfolger entlassen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Cremona wurde Monteverdi 1613 einstimmig zum Kapellmeister des Markusdoms in Venedig ernannt, einem der bedeutendsten musikalischen Ämter der damaligen Zeit, wo er den Chor wiederbelebte, neue virtuose Sänger wie Francesco Cavalli engagierte, neue Noten einkaufte, das Singen von Messen an Wochen- und Festtagen wieder einführte und dafür sorgte, dass die Mitglieder des Instrumentalensembles Monatslöhne erhielten, anstatt wie bisher auf Tagesbasis bezahlt zu werden. Damit begannen seine wohl angenehmsten und produktivsten Jahre. Parallel zu zahlreichen geistlichen Werken führte Monteverdi sein weltliches Werk weiter und veröffentlichte zwischen 1614 und 1638 die Madrigalbücher VI bis VIII. Nach dem Tod seines Sohnes, der der Pestepidemie während des Mantuanischen Erbfolgekrieges zum Opfer fiel, wurde Monteverdi zusehends krank. 1632 ließ er sich, auch unter dem Eindruck einer Pestepidemie, zum Priester weihen. Insbesondere durch die Eröffnung des ersten öffentlichen Opernhauses in Venedig im Jahre 1637 angeregt, verfasste er weitere Bühnenwerke, darunter Il ritorno d’Ulisse in patria (1641) und L’Incoronazione di Poppea (1642). Zeitgleich überwachte er die Ausgabe seiner ausgewählten geistlichen Musik in der Sammlung Selva morale e spirituale (1641). Nach einer letzten Reise nach Cremona und Mantua starb er 1643 in Venedig, wo ihm ein feierliches Begräbnis zuteilwurde. Sein Grab befindet sich in der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari in der ersten der vier Kapellen, die den Hauptchor flankieren.

Zusammen mit seiner 1607 verstorbenen Frau hatte Monteverdi zwei Söhne. Francesco wurde später Tenorsänger am Markusdom; Massimiliano studierte Medizin, wurde 1627 auf Befehl der Inquisition wegen der Lektüre von verbotenen Büchern verhaftet, nach der Zahlung eines Lösegelds durch seinen Vater ein Jahr später aus dem Gefängnis entlassen und praktizierte als Arzt in Cremona bis zu seinem Tod im Jahr 1661. Monteverdi führte die von den Florentinern (vor allem Jacopo Peri) kurz vor der Jahrhundertwende als neue musikalische Form entwickelte Oper zu ihrem ersten Höhepunkt und erntete bereits zu Lebzeiten großen Ruhm. Insgesamt komponierte er mindestens 18 Opern; aber nur L’Orfeo, L’Incoronazione di Poppea und Il ritorno d’Ulisse in patria blieben erhalten. Monteverdis 8. Madrigalbuch enthält die „Madrigale von Liebe und Krieg“ (Madrigali guerrieri et amorosi), welche vielfach als die vollendetsten Beispiele dieser Form angesehen werden. Insgesamt demonstrieren die acht Bücher den bedeutenden Schritt vom polyphonen Stil der Renaissancemusik zum monodischen Stil des Barock. In formaler Hinsicht ist Monteverdi der Erfinder des Ostinatobasses, der sich in unterschiedlichen Formen bis in die moderne Popmusik fortgesetzt hat. Den gehenden Bass mit seinen regelmäßig schreitenden Viertelnoten erfand er im Zusammenhang mit der Szene in L’Orfeo, in der Orpheus mit Eurydike den Weg von der Unterwelt in die Welt der Lebenden geht. Zudem geht das diatonisch absteigende Tetrachord, das als Lamentobass in der Barockmusik und bisweilen darüber hinaus eine zentrale Rolle spielte, auf Monteverdis Lamento della Ninfa aus dem 8. Madrigalbuch zurück. Monteverdi hat auch mit theoretischen Äußerungen die spätere Musikgeschichtsschreibung beeinflusst. In seiner Auseinandersetzung mit Giovanni Artusi sprach er im Vorwort seines 5. Madrigalbuchs von „Seconda pratica, overo perfettione della moderna musica“. In der Vorrede zu seinem 8. Madrigalbuch behauptet er, er selbst habe mit der Erfindung eines bislang fehlenden „erregten Stils“ („genere concitato“) die Musik erst „vollständig“ bzw. „vollkommen“ gemacht. Nach seinem Tod geriet Monteverdi lange Zeit in Vergessenheit; erst mit Gian Francesco Malipiero, der Monteverdis Kompositionen von 1916 bis 1942 in sechzehn Bänden veröffentlichte, erwachte wieder das Interesse an seinem Werk. Ein Werkverzeichnis, das Stattkus-Verzeichnis, erschien 1985. Im Mai 1992 wurde der Asteroid (5063) Monteverdi nach ihm benannt. Bereits seit 1974 ist er Namensgeber für die Monteverdi-Halbinsel in der Antarktis.

Nach 1945 setzte zaghaft die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Monteverdis Opern als auch in der Aufführungspraxis ein. 1963 präsentierten Regisseur Günther Rennert und Dirigent Herbert von Karajan erstmals L’Incoronazione di Poppea an der Wiener Staatsoper. Die luxuriöse Besetzung – mit Sena Jurinac (Poppea), Gerhard Stolze (Nerone), Margarita Lilowa (Ottavia), Otto Wiener (Ottone), Carlo Cava (Seneca), Hilde Rössel-Majdan (Arnalta), Gunduila Janowitz (Drusilla/Pallas Athene) und Murray Dickie (Lucano) trug erheblich zum Erfolg der Wiener Produktion mit zwanzig Aufführungen bis 1970 bei. Zwar dirigierte Karajan nur die Premierenserie der ersten vier Vorstellungen, doch übernahm danach der in Wien hoch angesehene und musikhistorisch kundige Hans Swarowsky die musikalische Leitung. 1971, 1985 und 1993 wurden alle erhaltenen Monteverdi-Opern bei den Salzburger Festspielen vorgestellt. 1972 präsentierte Nikolaus Harnoncourt an der Mailänder Scala Il ritorno d’Ulisse in patria. Der Monteverdi-Zyklus des Regisseurs Jean-Pierre Ponnelle und des Dirigenten Nikolaus Harnoncourt an der Oper Zürich in den 1970er Jahren führte zur definitiven Verankerung des Monteverdi’schen Bühnenwerks in den Spielplänen der großen europäischen Opernhäuser. Auch führte die erstmalige Befassung des Zürcher Opernorchesters mit Originalinstrumenten durch Harnoncourt zur späteren Begründung des Originalklangorchesters La Scintilla in den 1990er Jahren. Seit der Umwidmung des Theaters an der Wien zu einem Opernhaus mit Stagionebetrieb im Jahr 2006 stellt Monteverdi auch eine zentrale Achse von dessen Spielplan dar. 2010 wurde in Kooperation mit dem Glyndebourne Festival L’Incoronazione di Poppea in einer Inszenierung von Robert Carsen vorgestellt. Ein vollständiger Zyklus der drei Monteverdi-Opern wurde in den Jahren 2011, 2012 und 2015 an der Wien vom Regisseur Claus Guth betreut. Es spielten das Freiburger Barockorchester unter Ivor Bolton, Les Talens Lyriques unter Christophe Rousset und das Ensemble Matheus unter Jean-Christophe Spinosi.

 

16.5. Otmar SUITNER: 95. Geburtstag

Er studierte am Konservatorium in Innsbruck Klavier bei Fritz Weidlich und 1940-42 am Mozarteum in Salzburg ebenfalls Klavier bei Franz Ledwinka und Dirigieren bei Clemens Krauss. 1942-44 war er Ballettrepetitor mit Dirigierverpflichtung am Tiroler Landestheater in Innsbruck. Danach gab er vor allem Konzerte als Pianist, unter anderem in Wien, Rom, München sowie in der Schweiz. 1952 war er Musikdirektor in Remscheid. 1957 wurde er Generalmusikdirektor der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen, mit der er in Berlin, München, Hamburg sowie in Italien und Griechenland gastierte. Mit diesem Orchester begleitete er auch die legendäre Sopranistin Maria Callas. Seine GMD-Stelle hatte er dort bis 1960 inne. 1960-64 war er Chefdirigent der Staatskapelle Dresden. Bei den Bayreuther Festspielen dirigierte er 1964 Tannhäuser, 1965 den Fliegenden Holländer und 1966-67 den Ring des Nibelungen. 1964-71 und wiederum 1974-91 war er Generalmusikdirektor an der Deutschen Staatsoper in Ost-Berlin. Er gastierte in fast allen europäischen Ländern, vor allem in Schweden, Italien, der Schweiz und an der Wiener Staatsoper (an der er 1972-73 insgesamt 8 Vorstellungen des Fliegenden Holländers dirigierte), aber auch in den USA (San Francisco Opera, wo er 1969-81 den Ring des Nibelungen, Tristan und Isolde, Die Meistersinger von Nürnberg, Elektra, Tannhäuser, Parsifal und Salome dirigierte), Lateinamerika und Japan. Er wurde zum Ehrendirigenten des NHK-Symphonieorchesters Tokio ernannt. In der BRD nahm man ihm, vor allem von Seiten der CDU, seinen Wohn- und Arbeitsplatz in Ost-Berlin übel und auch seine Rehabilitierung durch Helmut Kohl, der ihn noch aus Ludwigshafen kannte, half ihm wenig, so dass sich seine Auslandsgastspiele meist in anderen Ländern abspielten. Otmar Suitner war mit dem Komponisten Paul Dessau eng verbunden. Er dirigierte die Uraufführungen von Dessaus Opern Puntila (1966), Einstein (1974) und Leonce und Lena (1979) an der Deutschen Staatsoper Berlin. 1977-90 war Suitner auch Professor für Dirigieren an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst (heute Universität für Musik und darstellende Kunst) in Wien. Im Laufe der 1980er-Jahr bekam Suitner immer größere gesundheitliche Probleme, die dazu führten, dass er auf Grund einer Parkinson-Erkrankung 1990 mit dem Dirigieren aufhören musste. Er starb 2010 in Berlin. Otmar Suitner hatte zwei Familien. Er war mit seiner Frau Marita verheiratet, mit der er schon 1960 in die DDR kam und später in Ost-Berlin lebte. Daneben hatte er in West-Berlin eine Geliebte, die er am Wochenende besuchte. 1965 hatte er die westdeutsche Studentin Renate Heitzmann in Bayreuth kennengelernt, die ihm 1971 den Sohn Igor Heitzmann gebar. So wurde sein Leben ein Balanceakt im geteilten Berlin, dessen Grenze er mit seinem österreichischen Pass jederzeit überschreiten konnte. Nach der Wende änderte sich sein Familienleben, indem beide Familien sich öfter trafen. In dem Dokumentarfilm Nach der Musik erzählt sein Sohn Igor Heitzmann die Geschichte einer Annäherung: an den Vater, den fernen Dirigenten, an das verschwundene Land DDR, die ungewöhnlichen Lebenswege der Eltern – und an die Musik. In Gesprächen und Bildern rekonstruiert er die Familiengeschichte zwischen Ost und West und verbindet sie mit den eigenen, bruchstückhaften Erinnerungen an die Begegnungen mit dem Vater. Otmar Suitner erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 1963 den Nationalpreis der DDR, 1973 von Papst Paul VI. den Gregoriusorden, 1982 den Nationalpreis der DDR I. Klasse für Kunst und Literatur und 2004 den Tiroler Landespreis für Kunst. Suitner war diesem österreichischen Bundesland seit seiner frühen Jugend eng verbunden. Bereits im Januar 1944 hatte er am Innsbrucker Theater eine Aufführung des Rigoletto geleitet. Mehrfach wurde ihm der Professorentitel (zum Beispiel 1965 in Berlin) verliehen. 1975 und 1976 leitete er den Dirigentenkurs der Sommerakademie Salzburg. Er starb 2010 in Berlin. Er ist auf dem Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden in Berlin-Mitte bestattet.

 

16.5. Vera RÓZSA: 100. Geburtstag

Vera Rozsa at home in London 1990...Vera Rozsa at home in London 1990. Hungarian singer and teacher 16 May 1917  15 October 2010

Vera Rozsa at home in London 1990…Vera Rozsa at home in London 1990. Hungarian singer and teacher 16 May 1917 15 October 2010

Sie erhielt ihre Ausbildung an der Franz Liszt-Musikakademie in Budapest (u.a. Kompositionsstudium bei Zoltán Kodály), auch bei Sergio Nasor in Wien. Sie debütierte 1943 an der OMIKE-Oper in Budapest als Cherubino in »Figaros Hochzeit« von Mozart und trat dort in weiteren Rollen auf. Sie kam in der Spielzeit 1945-46 an die Nationaloper Budapest, wo sie als erste Partie den Hänsel in »Hänsel und Gretel« sang. Zu Beginn ihrer Karriere übernahm sie Partien wie die Mercedes in Carmen, den Nicklausse in »Hoffmanns Erzählungen«, den Orlofsky in der »Fledermaus«, die Maddalena im »Rigoletto« und die Azucena im »Troubadour«. Sie verließ jedoch 1946 Ungarn und sang 1946-49 an der Staatsoper von Wien, an der sie als Rosina im »Barbier von Sevilla« debütierte und dann in der Hauptsache in mittleren und kleineren Partien auftrat (als Giovanna im »Rigoletto«, als Stimme der Mutter in »Hoffmanns Erzählungen«, als Annina in »La Traviata« und als Fjodor im »Boris Godunow«). Seit 1949 trat sie gastierend auf und hatte vor allem als Konzertsängerin ihre Erfolge, u.a. bei Auftritten im Konzertsaal in Rom und Brüssel. 1953 ließ sie sich in London nieder, von wo aus sie ihre internationale Konzertkarriere bis 1975 fortsetzte, sich aber mehr und mehr der pädagogischen Tätigkeit widmete. 1965-70 war sie als Pädagogin am Royal Northern College of Music in Manchester, 1975-80 im Opera Studio Paris tätig. Seit 1980 Consultant Professor an der Guildhall School of Music in London,  seit 1981 an der Highman Opera School tätig. Sie gab Meisterkurse vielerorts in Europa, auch an Universitäten in den USA, in Australien und Neuseeland. Eine Vielzahl von Sängerinnen und Sängern verdankt ihr ihre Ausbildung, darunter Nancy Argenta, Ingrid Attrot, Nan Christie, Helena Döse, Enid Hartle, Anne Howells, Karita Mattila, Alan Opie, Anne-Sofie von Otter, Anthony Rolfe Johnson, Patrizia Rozario, Anna Steiger, Kiri Te Kanawa, Magnus Lindén, Sarah Walker und Lillian Watson. 1989 wurde sie von der englischen Königin zum Officer, Order of the British Empire, ernannt. Sie starb 2010 in London.

Schallplatten: Mercury (»Kindertotenlieder« von G. Mahler).

 

16.5. Geraint JONES: 100. Geburtstag

Student der Royal Academy in London, war bis 1950 hauptsächlich als Organist tätig, wobei er sich einen guten Namen als Bach-Interpret machte. Danach wirkte er erst als Dirigent am Mermaid Theatre in London. Aus den Musikern, die an der dortigen Produktion von Purcells »Dido and Aeneas« mitwirkten, bildete er seine »Geraint Jones Singers and Orchestra«, die zahlreiche Konzerte gaben und Schallplattenaufnahmen machten. 1960 lancierte er das jährlich stattfindende Lake District Festival, leitete außerdem die Kirkman Concert Society (bis 1963) und das Salesbury Festival (ab 1973). Er starb im Mai 1998.

 

17.5. Marianne FISCHER-KUPFER: 95. Geburtstag

Sie begann ihre Gesangausbildung bei A. Pfanner-Drießen in Chemnitz, war dann in Dresden Schülerin von Rudolf Dittrich, schließlich in Berlin von Tiana Lemnitz und Raimund von Zur Mühlen. Die Künstlerin begann ihre Bühnenlaufbahn 1950 an der Dresdner Staatsoper, der sie bis 1955 angehörte. 1955-60 Mitglied der Staatsoper Berlin. 1960-68 gab sie Gastspiele, wurde aber auch als Konzert- und namentlich als Oratoriensopranistin allseitig bekannt. Später betätigte sie sich sehr verdienstvoll auf dem pädagogischen Sektor: 1968-72 war sie als Pädagogin an der Musikhochschule von Weimar tätig, seit 1972 an der Musikhochschule von Dresden. Gastspiele brachten der Sängerin in den Musikzentren in Ost- wie in Westdeutschland, in der Schweiz, in Holland und in der Mongolei große Erfolge. Verheiratet mit dem bekannten Opernregisseur Harry Kupfer (* 1935). Sie starb 2008 in Wandlitz.

Schallplattenaufnahmen auf Eterna.

 

18.5. Ezio PINZA: 125. Geburtstag

Ezio Pinza
Als „Boris“

 Eigentlicher Name Fortunato Pinza. Er wollte ursprünglich Radrennfahrer werden, studierte dann jedoch Gesang an den Konservatorien von Ravenna und Bologna (bei Ruzza und Vizzani). Er debütierte 1914 am Stadttheater von Spezia als Oroveso in »Norma«. Nachdem er im Ersten Weltkrieg bei der italienischen Armee gedient hatte, nahm er 1919 seine Karriere am Teatro Verdi in Florenz wieder auf. 1919-20 hörte man ihn am Teatro Costanzi in Rom, wo er in den folgenden Spielzeiten Partien in Verdis »La forza del destino«, in »La Gioconda« von Ponchielli, im »Barbier von Sevilla«, in »Aida«, im »Rigoletto«, in »Thaïs« von Massenet, in »Salome« von R. Strauss und den König Marke in »Tristan und Isolde« sang. 1921 war er auch am Teatro Politeama Giocosa Neapel zu Gast und hatte später in Neapel besondere Erfolge als Mefistofele von A. Boito. 1922 wirkte er am Teatro Regio Turin in der Uraufführung der Oper »La Figlia del Re« von Adriano Lualdi mit. 1922 kam er an die Mailänder Scala, wo er als Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg« debütierte und bis 1924 große Erfolge hatte. An der Scala wirkte er in mehreren Uraufführungen mit; so am 16.12.1922 in »Debora e Jaele« von Pizzetti (als Blinder) und am 1.5.1924 in »Nerone« von Boito (als Tigellino). Arturo Toscanini schätzte seine Stimme sehr und stellte ihn an der Scala in großen Aufgaben heraus. Bei den Festspielen von Verona hatte er 1922-24, 1929-30 und 1933 glänzende Erfolge. 1924 sang er in Turin den Oroveso und bereiste mit der Operntruppe von Max Sauter Deutschland und die Schweiz. 1926 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Hohepriester in »La Vestale« von Spontini). Bis 1948 war er als erster Bassist für das italienische Fach an der Metropolitan Oper verpflichtet. Insgesamt hat er an der Metropolitan Oper in 22 Spielzeiten 51 verschiedene Partien in insgesamt 879 Vorstellungen vorgetragen: den Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, den Ramfis in »Aida«, den Alvise in »La Gioconda«, den Sparafucile in »Rigoletto«, den Pater Guardian in »La forza del destino«, den Basilio im »Barbier von Sevilla«, den Kardinal in »La Juive« von Halévy, den Ferrando im »Troubadour«, den Colline in »La Bohème«, den Archibaldo in Montemezzis »L’Amore dei tre Re«, den Pimen wie den Titelhelden in »Boris Godunow«, den Großinquisitor und den Oberpriester in Meyerbeers »Afrikanerin«, den Oroveso, den Zacharie in Meyerbeers »Le Prophète«, den Kanzler Ragusa in der amerikanischen Erstaufführung von Alfanos »Madonna Imperia«, den König Dodon in Rimsky-Korssakows »Der goldene Hahn«, den Escamillo in »Carmen«, den Simone in »Gianni Schicchi«, den Timur in Puccinis »Turandot«, den Pastor in der amerikanischen Erstaufführung von Respighis »La Campana Sommersa«, den Silva in Verdis »Ernani«,  den Frère Laurent in »Roméo et Juliette« von Gounod, den Antonio und den Podestà in der amerikanischen Erstaufführung von Pizzettis »Fra Gherardo«, den Don Giovanni, den Mephisto im »Faust« von Gounod, den Dulcamara in »L’elisir d‘amore«, den Tscherewik in der amerikanischen Erstaufführung von Mussorgskys »Der Jahrmarkt von Sorotschintzi«, den blinden Mann in Mascagnis »Iris«, den Walter in Rossinis »Guillaume Tell«, den Lothario in »Mignon« von A. Thomas, den Landgrafen im »Tannhäuser«, den Fiesco in der amerikanischen Erstaufführung von »Simon Boccanegra«, den Rodolfo in Bellinis »La Sonnambula«, den Nilakantha in »Lakmé« von Delibes, den Gaudenzio in Rossinis »Il Signor Bruschino«, den Golaud in »Pelléas et Mélisande«, den Präfekten in Donizettis »Linda di Chamounix«, den König Marke, den Don Pasquale, den Hohepriester in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, den Vater in »Louise« von Charpentier, den Grafen Des Grieux in Massenets »Manon«, den Figaro in »Le nozze di Figaro«, den Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Sarastro in der »Zauberflöte«, den Coppélius und den Dr. Miracle in »Hoffmanns Erzählungen«. 1925-32 gastierte er regelmäßig am Teatro Colón Buenos Aires; hier wirkte er in der Uraufführung der argentinischen Oper »Ollantay« von Constantino Gaito mit (23.7.1926). Er gastierte 1927 und 1928 an der Oper von Rio de Janeiro. In den Jahren 1927-48 gastierte er immer wieder an der Oper von San Francisco (Ramfis, Colline, Frère Laurent, Timur, Escamillo, Mephisto im »Faust« von Gounod, Archibaldo, Lothario, Landgraf in »Tannhäuser«, Pogner, Sparafucile, Pater Guardian, Hohepriester in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, König Marke, Nilakantha, Basilio im »Barbier von Sevilla«, Kardinal in »La Juive« von Halévy, Figaro in »Le nozze di Figaro«, Oroveso, Don Giovanni, König Dodon, Fiesco, Coppélius und Dr. Miracle in »Hoffmanns Erzählungen«. Boris Godunow, Vater in »Louise« von Charpentier). Er gastierte 1930-39 an der Londoner Covent Garden Oper, 1935 und 1937 an der Wiener Staatsoper (als Mephisto im »Faust« von Gounod, als Don Giovanni und als Pater Guardian), 1933 in Florenz, 1936 an der Grand Opéra Paris (als Don Giovanni) und an vielen anderen großen Bühnen. Bei den Salzburger Festspielen bewunderte man ihn 1934-35 und 1937-39 als Don Giovanni, 1937-39 als Figaro in »Le nozze di Figaro« und 1939 als Basilio im »Barbier von Sevilla«. 1934-45 gastierte er an der Chicago Opera. Am 5.5.1935 war er nochmals an der Mailänder Scala in der Uraufführung der Oper »Orseolo« von Ildebrando Pizzetti zu hören. In Amerika betätigte er sich auch als Filmsänger. Nachdem er 1948 seine Opernkarriere aufgegeben hatte, trat er noch in Musicals und Operetten und in populären Konzerten in Amerika auf. Am New Yorker Broadway sang er in den Musicals »South Pacific« (1949 mit grandiosem Erfolg) und »Fanny«. Er gab eine Autobiographie »Ezio Pinza« (zusammen mit R. Magidoff, New York, 1958) heraus. Er starb 1957 in Stamford (Connecticut). – Seine Tochter, die Sopranistin Claudia Pinza (* 27.7.1925 Buenos Aires), studierte in Bologna nd hatte ihr Debüt 1944 an der Mailänder Scala in Monteverdis »L‘Orfeo«. Sie trat als Gast 1947 an der Oper von Philadelphia auf und sang in der Spielzeit 1947-48 an der Metropolitan Oper New York die Micaela in »Carmen« und die Mimì in »La Bohème«. An der Oper von San Francisco sang sie 1947-48 die Donna Elvira im »Don Giovanni« und die Marguerite im »Faust« von Gounod immer an der Seite ihres Vaters (die Schlussszene aus »Faust« wurde auf Peoria Record Club aufgenommen) sowie die Micaela in »Carmen«. Ihre Karriere war wohl frühzeitig beendet. – Warm timbrierte, sehr modulationsfähige Bass-Stimme von größter Ausdruckskraft; er sang 70 Opern-Partien, in denen er auch als glänzender Darsteller geschätzt wurde. Ohne Zweifel war er der bedeutendste italienische Bass der Epoche zwischen den beiden Weltkriegen, ein echter Basso cantante. Während seiner Karriere trat er über 200mal als Don Giovanni auf.

Lit: R. Celletti: J.B. Richards & P. Kenyon: Ezio Pinza (in »Le grandi Voci«, Rom 1964.

Schallplatten: HMV (frühe akustische Aufnahmen aus Italien, 1922-25), Victor (USA, 1927-41), Columbia (1945), RCA (letzte Aufnahmen von 1950). Auf HRE als Mephisto in einer vollständigen Aufnahme von Gounods »Faust« zu hören, auf Rococo in »Simon Boccanegra« von Verdi, auf EJS als Pater Guardian in »La forza del destino« (Metropolitan Oper, 1943), als Oroveso in »Norma« (1937), als Nilakantha in »Lakmé« (1940) und als Golaud in Debussys »Pelléas et Mélisande« (Metropolitan Oper, 1934), auf Unique Opera Records als Titelheld in »Boris Godunow« (in italienischer Sprache, Metropolitan Oper, 1941), auf der gleichen Marke als Basilio im »Barbier von Sevilla«, als Sarastro in der »Zauberflöte« (in Englisch, Metropolitan Oper, 1942) und in »Lucia di Lammermoor« (1937), auf Bruno Walter Society als Titelheld im »Don Giovanni« und in »Le nozze di Figaro«, auf Melodram als Boris Godunow (Mitschnitt einer Aufführung von 1947), Naxos (Titelrolle im »Boris Godunow«, Metropolitan Oper 1939).

 

20.5. Antoine VIDAL: 175. Geburtstag

 Nachdem er seine Ausbildung zum Sänger am Conservatoire National Paris erhalten hatte, kam er 1863 zu seinem Debüt am Pariser Théâtre Lyrique. In der Spielzeit 1864-65 war er dann an der Grand Opéra Paris engagiert, an der er 1865 in einer kleinen Rolle in der Uraufführung von Meyerbeers »Afrikanerin« mitwirkte. 1865-68 gehörte er dem Théâtre de la Monnaie Brüssel an; hier sang er 1872 in der ersten französischsprachigen Aufführung von Wagners »Der fliegende Holländers« den Daland. Nachdem er die belgische Hauptstadt verlassen hatte, trat er gastweise an den führenden französischen Provinztheatern auf, sang 1871 an der Pariser Grand Opéra den Kardinal in Halévys Oper »La Juive« und hatte 1879 und 1880 an der Covent Garden Oper London in Rollen wie dem Mephisto im »Faust« von Gounod, dem Silva in Verdis »Ernani«, dem Bertram in »Robert le Diable« von Meyerbeer und dem Marcel in den »Hugenotten« vom gleichen Meister bedeutende Erfolge. Weitere Höhepunkte in seinem Repertoire waren der Basilio im »Barbier von Sevilla«, der König Philipp in Verdis »Don Carlos«, der Claudius in »Hamlet« von A. Thomas, der Don Pedro in Meyerbeers »Afrikanerin« und der Lothario in »Mignon« von Thomas. Er wirkte später als Gesangpädagoge in Paris.

 

20.5. Ferdinand FRÄNZL: 250. Geburtstag

 Biographie des deutschen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Fr%C3%A4nzl

 

21.5. Rosemarie LANG: 70. Geburtstag

Rosemarie LANG

Sie studierte in Leipzig Gesang und war dort Schülerin von Elisabeth Breul, Eva Schubert-Hoffmann und später von Helga Forner. 1969 gewann sie den Robert Schumann-Wettbewerb in Zwickau, 1972 den Bach-Wettbewerb. Nachdem sie zunächst am Landestheater von Altenburg (Thüringen) gesungen hatte, kam sie 1972 an das Opernhaus von Leipzig, an dem sie eine langjährige Karriere durchlief. Gastspiele führten sie an die Staatsopern von Dresden und Berlin (hier u.a. 1987 als Klytämnestra in »Iphigenie in Aulis« von Gluck, 1988 als Brangäne in »Tristan und Isolde« aufgetreten) und an weitere Bühnen in Ostdeutschland. Seit 1987 war sie reguläres Mitglied der Staatsoper Berlin. Dazu hatte sie eine vielseitige, erfolgreiche Konzertkarriere. Aus ihrem Bühnenrepertoire sind als Höhepunkte Rollen wie die Dorabella in »Così fan tutte«, der Cherubino in »Figaros Hochzeit«, der Sesto in »La clemenza di Tito« von Mozart, der Romeo in »I Capuleti e i Montecchi« von Bellini, die Rosina im »Barbier von Sevilla« von Rossini und der Octavian im »Rosenkavalier« zu nennen. Sie sang an der Staatsoper Berlin am 14.7.1989 in der Uraufführung der Oper »Graf Mirabeau« von S. Matthus. Bei den Festspielen von Salzburg übernahm sie 1990 das Alt-Solo im Stabat mater von Dvorák. 1996 war sie an der Oper von Oslo als Fricka und als Waltraute im Nibelungenring zu Gast. 1997 sang sie an der Berliner Staatsoper die Suzuki in »Madame Butterfly« und die Gräfin Geschwitz in »Lulu« von A. Berg, 1998 die 2. Dame in der »Zauberflöte«, 1999 die Clairon im »Capriccio« von R. Strauss und die Marcellina in »Figaros Hochzeit«. Sie gastierte mit dem Ensemble der Oper von Oslo 1997 am Theater Royal in Norwich im Ring-Zyklus (Fricka, Waltraute). 1999 hörte man sie an der Oper von Washington als Brangäne, zugleich ihr US-Debüt. 2000 trat sie an der Staatsoper Berlin wie am Teatro Real Madrid als Brangäne  auf und sang in Berlin das Alt-Solo im Requiem von Verdi, 2001 an der Berliner Staatsoper die Waltraute und die 1. Norn im Nibelungenring. – Sie war eine geschätzte Liedersängerin (»Frauenliebe und -leben« von R. Schumann, »Winterreise« von Schubert, Wesendonck-Lieder von R. Wagner). Sie starb am 12.1.2017.

Schallplatten: Philips (Alt-Solo in »Paulus« von Mendelssohn), DGG (Larina in »Eugen Onegin«, »Der feurige Engel« von Prokofjew, 8. Sinfonie von G. Mahler), Ars vivendi (»Deutsche Sinfonie« von Hans Eisler, Lieder von R. Schumann und J. Brahms, Te Deum von Bruckner), BGM (Silla in »Palestrina« von Hans Pfitzner), Eterna/Berlin Classics (»Israel in Ägypten« von Händel), BIS (Missa solemnis von Beethoven), Chandos (Lieder von Tschaikowsky), Teldec (9. Sinfonie von Beethoven), Capriccio/EMI (Messen von Fr. Schubert), Eterna (»Gurrelieder« von A. Schönberg).

 

21.5. Margaretha HEYNE-FRANKE: 125. Geburstag

 Sie debütierte 1917 in Nürnberg als Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos«, von R. Strauss. 1918-21 gehörte sie dem Landestheater von Gera (Thüringen) an. Der berühmte Dirigent Fritz Busch hörte sie bei einem Gastspiel in Leipzig und verpflichtete sie als Zwischenfachsängerin an die Staatsoper von Stuttgart, an der sie 1921-24 engagiert war. 1924-28 war sie Mitglied der Staatsoper von Dresden. Seit 1928 war sie durch Gastspielverträge mit den Opernhäusern von München, Leipzig, Frankfurt a.M., mit dem Nationaltheater von Mannheim, der Kroll-Oper und der Staatsoper von Berlin verbunden. Auf der Bühne sang sie ein vielseitiges Repertoire, das von den schwierigsten Koloraturpartien bis zu Rollen wie der Aida oder der Venus im »Tannhäuser« reichte. Von den Partien, die sie auf der Bühne sang, sind zu nennen: die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, die Irene in »Rienzi« von R. Wagner, die Sieglinde in der »Walküre«, die Minneleide in »Die Rose vom Liebesgarten« von Hans Pfitzner, die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Gilda im »Rigoletto«, die Traviata, die Nedda im »Bajazzo« und die Mignon in der gleichnamigen Oper von A. Thomas. Neben ihrer Bühnentätigkeit war sie eine bedeutende Konzertsängerin. Im Konzertsaal trat sie unter so großen Dirigenten wie Richard Strauss, Hans Pfitzner, Fritz Busch und Hermann Abendroth auf. Sie starb 1980 in Dresden.

1925 entstanden akustische Aufnahmen ihrer Stimme auf der Marke Polydor. Von ihrer Stimme sind auch spätere elektrische Polydor-Aufnahmen vorhanden.

 

21.5. Maria COPPÉ: 150. Geburtstag

 Sie war während ihrer gesamten Karriere als Sängerin wie als Schauspielerin tätig. Dabei übernahm sie an erster Stelle Soubretten- und Koloraturpartien im Bereich der Oper wie der Operette. Sie begann ihre Bühnenlaufbahn in Rotterdam, trat dann in Celle, Berlin, Halle/Saale und Hannover auf. Seit 1889 war sie am Hoftheater von Kassel im Engagement. Eine ihrer Glanzrollen war die Adele in der »Fledermaus« von J. Strauß. 1902 verließ sie Kassel und ging in die USA, wo sie in Milwaukee auftrat. Damit enden die Nachrichten über die Künstlerin.

 

22.5. Georg TINTNER: 100. Geburtstag

Er begann mit sechs Jahren Klavier zu lernen und komponierte bereits wenig später. Vom neunten bis zum dreizehnten Lebensjahr gehörte er den Wiener Sängerknaben an. Er studierte in Wien Musik, unter anderem bei Felix Weingartner und Joseph Marx, und wurde dort sowohl vom „Wiener Klang“ der Philharmoniker als auch von deren Repertoire geprägt, insbesondere durch die Wiederentdeckung und beginnende Pflege der Originalfassungen der Sinfonien Anton Bruckners. Mit 19 Jahren wurde Tintner an die Wiener Volksoper engagiert. Er galt als außergewöhnliches Talent. Nach der Annexion Österreichs musste er aufgrund seiner jüdischen Herkunft das Land verlassen, emigrierte über Jugoslawien und Großbritannien nach Neuseeland, wo er einige Jahre zurückgezogen lebte. Aufgrund persönlicher Verluste und der Entwurzelung durch die Emigration war es ihm nicht mehr möglich weiter zu komponieren. Er zählt zur Reihe der lost composers in Folge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Erst Ende der 1940er Jahre fand er wieder Boden unter den Füssen und begann eine erfolgreiche Karriere als Dirigent. Er wurde Resident Conductor der australischen Nationaloper, ging 1966 nach Kapstadt, wo er das städtische Orchester leitete, und wurde danach für drei Jahre ans Sadler’s Wells in London verpflichtet. Dort dirigierte er auch die London Mozart Players, das Bournemouth Symphony Orchestra, die Royal Northern Sinfonia und das London Symphony Orchestra. 1971 ging er wiederum nach Australien, wo er alle wichtigen Operntruppen dirigierte, darunter auch am Sydney Opera House. Zu seinem Repertoire zählten fünfzig Opern, rund zwei Drittel davon konnte er auswendig dirigieren. Er wurde zum wahrscheinlich gefragtesten Spezialisten der österreichischen Romantik in den Ländern des Commonwealth – Neuseeland, Australien, Kanada, auch Schottland und Irland. Mit den dortigen Orchestern spielte er für Naxos eine glänzende und eigenwillige Gesamtaufnahme der Sinfonien Bruckners ein, wobei er diesen Ensembles die Prinzipien des Wiener Klanges (Bogenführung u. ä.) generell überhaupt erst beibringen musste und dabei eine ähnliche Leistung vollbrachte wie Bruno Walter mit dem Columbia Symphony Orchestra. Seine Vorworte zu den verschiedenen Aufnahmen sind vom technischen und analytischen Standpunkt dementsprechend faszinierend. Im Jahr 1987 wurde er zum Musikdirektor des Symphony Nova Scotia in Halifax bestellt und übersiedelte nach Kanada. Er dirigierte fortan alle wichtigen kanadischen Orchester, wie das Toronto Symphony Orchestra und das Montreal Symphony Orchestra, und wurde auch von der Michigan Opera in Detroit verpflichtet. Regelmäßig kam er nach Tschechien um dort Meisterklassen zu geben. Nach sechsjährigem Krebsleiden beging er 1999 in Halifax durch Fenstersturz Suizid.

 

22.5. Louis van TULDER: 125. Geburtstag

Louis van TULDER

 Anfänglich sang er in einem Kirchenchor und wurde dann Chorleiter in einer katholischen Kirche in Amsterdam. Nach seiner Ausbildung durch die berühmte Konzertsängerin Aaltje Noordewier-Reddingius kam er 1915 an die Niederländische Oper von Koopman, an der er hauptsächlich lyrische Tenorpartien sang. Er debütierte in Amsterdam als Rodolfo in »La Bohème«. 1921 gab er seine Bühnenlaufbahn auf und spezialisierte sich ganz auf den Konzert-, vor allem den Oratoriengesang. Er galt als der bedeutendste holländische Oratorientenor seiner Generation. 1924-33 war er zumeist in Deutschland anzutreffen, doch gab er auch Konzerte in Belgien, England, Italien, Schweden und in der Schweiz. 1935 wirkte er bei einem Konzert an der Mailänder Scala mit. Vor allem bewunderte man seine Kunst des Bach-Gesangs; sehr oft sang er den Evangelisten in der Matthäuspassion in den berühmten Aufführungen unter Willem Mengelberg in Holland. Auch als Liedersänger war er angesehen, er galt als vortrefflicher Interpret der Lieder von Alphons Diepenbrock. Später war er Gesanglehrer, zuerst in Amsterdam, dann im Haag. Er starb 1969 in Hilversum (Opfer eines Verkehrsunfalls).

Akustische Aufnahmen auf HMV und Archiphon (Verdi-Requiem, Amsterdam 1937), elektrische auf Odeon, Columbia und Philips (Matthäuspassion unter Mengelberg).

 

23.5. Ilva LIGABUE: 85. Geburtstag

Ilva Ligabue

Ausgebildet am Conservatorio Giuseppe Verdi und in der Opernschule der Mailänder Scala. Zu ihren Lehrern gehörte u.a. Ettore Campogalliani. An der Mailänder Scala debütierte sie 1951 als Käthchen in Massenets »Werther« und hatte dann hier eine sehr erfolgreiche Karriere. Sie sang hier u.a. die Donna Gabriella in Cherubinis »L’Osteria Portoghese«, die Serpina in Pergolesis »La Serva Padrona«, die Nella in »Gianni Schicchi«, die Livia in Cimarosas »L’Italiana in Londra«, die Jungfrau in »Jeanne d’Arc au bûcher« von A. Honegger, die Marina in »I quattro rusteghi« von E. Wolf-Ferrari, die Fatime in »Abu Hassan« von C.M. von Weber, die Liu in Puccinis »Turandot«, die Matilde in Rossinis »Guglielmo Tell«, die Leonora in »La forza del destino«, die Donna Elvira im »Don Giovanni« und die Alice Ford in Verdis »Falstaff«. Sie wirkte hier auch am 9.2.1952 in der Uraufführung von Lodovico Roccas »L‘Uragano« und am 2.4.1955 in der von Vieri Tosattis »Il Giudizio Universale« (als Helga) mit. Nach ersten Erfolgen in Italien gab sie Gastspiele in Deutschland und in England. Sie gastierte 1954 am Teatro Comunale Bologna, 1959 an der Oper von Tel Aviv (in ihrer Glanzrolle, der Alice Ford), bei den Festspielen von Glyndebourne (1958 und 1960 als Alice Ford, 1959 als Fiordiligi in »Così fan tutte«, 1960-61 als Donna Elvira) und Edinburgh (1960 als Alice Ford), 1963-70 an der Staatsoper Wien in insgesamt 25 Vorstellungen (als Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, als Leonore im »Troubadour«, als Alice Ford, als Desdemona in Verdis »Otello« und als Gräfin in »Le nozze di Figaro«), an der Oper von Dallas (1962 als Desdemona, 1973 als Alice Ford), 1971 an der Hamburger Staatsoper. Sie gastierte an der Covent Garden Oper London (1963, 1974) u.a. als Alice Ford, als Donna Elvira und als Elisabetta in Verdis »Don Carlos«. 1959 hörte man sie in Palermo in der Titelpartie der Oper »Beatrice di Tenda« von Bellini. An der Oper von Chicago trat sie 1961 als Margherita in Boitos »Mefistofele« und 1973 als Alice Ford auf. 1963 war sie bei der American Opera Society in New York anzutreffen; auch beim Holland Festival aufgetreten. Bei den Festspielen von Aix-en-Provence hörte man sie 1962 als Gräfin in »Le nozze di Figaro« und als Donna Elvira, 1964 wieder als Donna Elvira und als Alice Ford, 1964 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, an der Oper von Monte Carlo (1963 als Donna Elvira, 1972 als Tosca, 1974 als Manon Lescaut von Puccini, 1975 als Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano), bei den Festspielen in der Arena von Verona (1971-72), an der Oper von Nizza (1978 als Amelia in Verdis »Simon Boccanegra«), an der Oper von Marseille (1978 als Elvira in »Ernani« von Verdi) und am Teatro Colón von Buenos Aires (1963 als Alice Ford, 1967-68, 1982 nochmals als Alice Ford).  In erster Ehe war sie mit dem Bassisten Paolo Pedani, in zweiter Ehe mit dem Direktor des Teatro Massimo Palermo Pietro Diliberto verheiratet. Auf der Bühne bewunderte man neben der Schönheit ihres lyrischen Soprans ihre aparte Bühnenerscheinung. Sie starb 1998 in Palermo.

Schallplatten: Philips (»L’Italiana in Londra« von Cimarosa), Bertelsmann, Decca, RCA (»Falstaff« von Verdi), Harmonia mundi (»Ascanio in Alba« von Mozart), MRF (»Lodoïska« und »L’Osteria portoghese« von Cherubini, »Nerone« von Boito), Rodolphe Records (»Francesca da Rimini« von Zandonai), Fonit-Cetra (»I quattro rusteghi« von Wolf-Ferrari), EJS.

 

23.5. Per GRUNDÉN: 95. Geburtstag

Per_Grunden als Danilo
Als Danilo

Er war Schüler des Königlichen Konservatoriums von Stockholm und wurde durch J. Hislop, K. Erman und Olan Nyberg ausgebildet. 1945 debütierte er am Stora Theater in Göteborg als Sportin´ Life in »Porgy and Bess«. Bis 1949 blieb er an diesem Haus tätig und kam dann an das Oscar-Theater in Stockholm. Hier widmete er sich dem Operettengesang, setzte aber auch noch seine Karriere als Opernsänger weiter fort und sang an der Königlichen Oper Stockholm in den Jahren 1952-55 und später als Gast vor allem lyrische Partien aus seinem Stimmfach. In den Jahren 1953-55 trat er als Mitglied der Wiener Staatsoper im damaligen Ausweichquartier der Wiener Volksoper auf, und zwar als Symon in Millöckers »Der Bettelstudent«, als Danilo in Lehárs »Die lustige Witwe«, als Max im »Freischütz«, als Armand in Lehárs »Der Graf von Luxemburg«, als Barinkay im »Zigeunerbaron« von J. Strauß, als Fra Diavolo von Auber und als Paris in Offenbachs »Die schöne Helena«, danach hatte er bis 1963 als Operettentenor eine sehr erfolgreiche Karriere an der Wiener Volksoper. Hier zählten neben dem Danilo der Graf René in »Madame Pompadour« von Leo Fall, der Prinz Sou-Chong in Lehárs »Das Land des Lächelns« (den er hier mehr als 80mal sang) und die Titelrolle in Lehárs »Der Zarewitsch« zu seinen Glanzrollen. 1958 wurde er hier zum Kammersänger ernannt. 1954 sang er am Stadttheater von Malmö (unter der Regie von Ingmar Bergman), 1955 bei den Jubiläums-Aufführungen von Lehárs »Die lustige Witwe« (zur 50jährigen Uraufführung dieser Operette) in Wien, München und Hamburg den Danilo. Er trat als Gast in Hamburg, an verschiedenen Stockholmer Theatern, in München und 1960 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, in Malmö und Kopenhagen auf. Seit 1965 trat er als Operettensänger am Drams Theater Stockholm, seit 1973 am dortigen Rikstheater auf. Er wirkte in mehreren schwedischen Filmen mit und galt allgemein als der führende schwedische Operettensänger seiner Generation. Seit 1967 ging er ins Buffo- und Charakterfach über. 1976 sang er an der Wiener Volksoper nochmals den Calicot in der Operette »Madame Pompadour« von Leo Fall. Weitere Bühnenpartien: Pinkerton in »Madame Butterfly« und Silvio im »Bajazzo«. Er starb 2011 in Trosa (Schweden).

Seine Stimme erscheint auf Decca in einer vollständigen Aufnahme von Lehárs »Die lustige Witwe« als Partner von Hilde Güden, Schallplatten auch bei Columbia und HMV.

 

24.5. Paolo WASHINGTON: 85. Geburtstag

Paolo WASHINGTON

Ausbildung im Centro Lirico des Opernhauses von Florenz bei Flaminio Contini und bei Bruno Bartoletti. Er sang bereits 1953-54 (wohl noch während seiner Ausbildung) einige kleinere Partien am Teatro Comunale Florenz; dort fand dann auch 1954 sein offizielles Debüt als Oberpriester in Verdis »Nabucco« statt. 1958 sang er beim Maggio Musicale Fiorentino den Douglas in »La donna del lago« von Rossini. Er ist in den Jahren 1968, 1975, 1982 und 1984-86 bei den Festspielen in der Arena von Verona aufgetreten, jedes Mal mit großem Erfolg. Es kam zu einer großen internationalen Karriere des Künstlers. In Italien sang er an der Mailänder Scala (1968 und 1970 den Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, 1968-69, 1971, 1975-77 und 1981 den Colline in »La Bohème«, 1968 den Kadmos in der italienischen  Erstaufführung von H.W. Henzes »Die Bassariden«, 1968, 1970 und 1976 den Timur in Puccinis »Turandot«, 1969 den Hieros in Rossinis »L’Assedio di Corinto« und in »Roméo et Juliette« von Berlioz, 1969 und 1976 den Grafen Walter in Verdis »Luisa Miller«, 1970 den Procida in Verdis »I Vespri Siciliani«, 1971 den Dosifej in »Chowanschtschina« von Mussorgsky und den Talbot in Donizettis »Maria Stuarda«, 1973 den Pimen in »Boris Godunow«, 1974 den Baldassare in Donizettis »La Favorita«, 1975 den Oroveso in Bellinis »Norma«,  1978 den Massimiliano in Verdis »I Masnadieri«, 1980 den Bailli in Massenets »Werther« und den Familienvater in »L’Enfance du Christ« von Berlioz), an den Opern von Rom, Neapel, Bologna, Palermo und Parma, bei den Festspielen von Florenz und Rom. Es schlossen sich Gastspiele an der Wiener Staatsoper (1977-82 als Colline und als Raimondo in insgesamt 11 Vorstellungen), am Théâtre de la Monnaie in Brüssel und an der Opéra de Wallonie Lüttich, in Budapest, Athen, Mexico City, Genf (1963 als Sparafucile in »Rigoletto« und 1964 als Basilio im »Barbier von Sevilla«), Barcelona, Marseille, Toulouse, Nizza und Lissabon sowie beim Festival von Edinburgh (1963 als Graf Walter in »Luisa Miller« bei einem Gastspiel des Teatro San Carlo Neapel) an. 1972 feierte man ihn an der Oper von Rom in einer glanzvollen Aufführung des »Rigoletto«. 1979 trat er an der New Yorker Metropolitan Oper in zwei Vorstellungen als Don Pasquale auf, 1987 in Florenz als Pimen, 1989 beim Maggio Musicale Fiorentino als Arkel in »Pelleas et Mélisande«, 1991 am Teatro Verdi Triest wieder als Don Pasquale, 1998 am Teatro Comunale Florenz als Simone in Puccinis »Gianni Schicchi«. Er beherrschte ein weitläufiges Repertoire vor allem aus der italienischen Opernliteratur, wobei er gern die Belcanto-Partien von Bellini, Cherubini, Rossini und Donizetti vortrug. Er sang auch Partien aus dem Bereich der slawischen Oper. Bedeutender Konzertbassist.  Er starb 2008 in Florenz.

Schallplatten: DGG, Decca (Requiem von Donizetti), Angelicum, Eurodisc (»Lucia di Lammermoor«), Italia (»Il Bravo« von Mercadante), MRF (»Zelmira« von Rossini), Paragon (»La forza del destino«, Maggio Musicale Fiorentino, 1965), EJS (»La donna del lago« von Rossini, Maggio Musicale, 1958), Mondo Musica (Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, Teatro Fenice Venedig, 1973).

 

24.5. András KÓRODI: 95. Geburtstag

Er studierte an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest Klavier, Komposition und Dirigieren bei János Ferencsik. 1946 begann er an der Budapester Oper als Korrepetitor zu arbeiten, seine erste von ihm dirigierte Oper an diesem Haus war Zoltán Kodálys Singspiel Háry János. 1963 wurde er zum Ersten Dirigenten der Oper berufen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon eine bedeutsame Karriere als Dirigent aufzuweisen; so hatte er 1957 Carmen am Bolschoi-Theater dirigiert. 1967 wurde er außerdem Chef der Budapester Philharmoniker. Ab 1957 wirkte er auch als Lehrer an der Budapester Akademie, zahlreiche berühmte Dirigenten der folgenden Generation gehörten zu seinen Schülern, so u. a. Andras Ligeti und Adám Medveczky. Kórodi setzte sich stark für die Musik des 20. Jahrhunderts und vor allem für die Komponisten seines Landes ein. So spielte er mehrere Werke von Béla Bartók, Zoltán Kodály und Franz Liszt für die Schallplatte ein. Weitere Komponisten mit Erst- und Uraufführungen waren Sándor Szokolay (Bluthochzeit), Ferenc Szabó und Pál Kadosa. Kórodi starb 1986 in Treviso und  ist auf dem Farkasréter Friedhof in Budapest beigesetzt.

 

24.5. Sadao BEKKU: 95. Geburtstag

Biographie des japanischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Sadao_Bekku

 

25.5. Franco BONISOLLI: 80. Geburtstag

Franco Bonisolli

Er war Schüler des Tenors Alfredo Lattaro. Er gewann 1961 den internationalen Gesangwettbewerb von Spoleto und debütierte darauf beim dortigen Festival als Ruggiero in »La Rondine« von Puccini. Der Komponist Gian Carlo Menotti wurde auf den jungen Sänger aufmerksam und lud ihn 1963 ein, bei den Festspielen von Spoleto den Prinzen in »L’Amour des trois oranges« von Prokofjew zu singen. Bereits 1965 war er in Amsterdam als des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut« zu hören. Die Karriere des Künstlers nahm jetzt eine schnelle Entwicklung. 1969 debütierte er als Cleomene in Rossinis »L’Assedio di Corinto« an der Mailänder Scala, an der er dann auch im gleichen Jahr in »Roméo et Juliette« von Berlioz zu hören war und 1970 den Des Grieux in Massenets »Manon«, 1970 den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, 1978 den Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera« und 1983 den Kalaf in Puccinis »Turandot« gesungen hat. 1969 debütierte er als Alfredo in »La Traviata« an der Oper von San Francisco, an der er auch 1981 den Don José in »Carmen«, 1983 den Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli, 1984 den Radames in »Aida«, 1985 den Kalaf und 1986 den Manrico im »Troubadour« sang. 1971 bewunderte man ihn bei seinem Debüt an der Metropolitan Oper New York in der Rolle des Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«. Er trat dort bis 1990 in insgesamt 25 Vorstellungen auch als Faust von Gounod, als Nemorino in »L’Elisir d‘amore«, als Herzog im »Rigoletto«, als Alfredo, als Cavaradossi in »Tosca« und als Manrico auf. An der Wiener Staatsoper debütierte er 1972 als Herzog im »Rigoletto«. Bis 2000 sang er hier in insgesamt 187 Vorstellungen auch den Faust von Gounod, den Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, den Alfredo, den Cavaradossi, den Rodolfo sowohl in »La Bohème« als auch in Verdis »Luisa Miller«, den Alvaro in »La forza del destino«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Manrico, den Barinkay im »Zigeunerbaron« von J. Strauß, den Otello von Verdi, den Dick Johnson in »La fanciulla del West«, den Turiddu in »Cavalleria rusticana«, den Edgardo, den Andrea Chénier von Giordano, den Radames, den Kalaf und den Loris in »Fedora« von Giordano. Bei den Osterfestspielen von Salzburg sang er unter Herbert von Karajan 1975 den Rodolfo in »La Bohème« sowie 1977-78 den Manrico. 1978 kam es bei einem Auftritt des Künstlers als Manrico an der Wiener Staatsoper unter Herbert von Karajan zu einem Skandal, als er wegen Missfallenskundgebungen aus dem Publikum abrupt die Vorstellung abbrach. Sehr erfolgreiche Gastspiele an der Oper von Rom, in Bordeaux, Lyon, Toulouse, Dallas, Philadelphia, Hamburg und Brüssel schlossen sich an. An der Grand Opéra Paris sang er 1974 den Arrigo in Verdis »I Vespri Siciliani« und 1981 den Kalaf, an der Oper von Monte Carlo 1977 den Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen« und 1981 den Faust von Gounod. 1987 an der Covent Garden Oper London als Kalaf zu Gast, an der er bereits 1981 den Vasco in Meyerbeers »Afrikanerin« und bei deren Fernost-Tournee 1986 den Kalaf und den Don José sang. Er sang 1982 an der Deutschen Oper Berlin den Dick Johnson, 1985 bei den Festspielen in der Arena von Verona den Manrico, 1988 den Enzo, den Radames und den Kalaf, 1989 wiederum den Radames. 2001 gastierte er an der Staatsoper von Dresden als Kalaf. Dazu im Konzertsaal und beim Film erfolgreich. Er starb 2003 in Monte Carlo.

Schöne Schallplattenaufnahmen auf BASF (Recital; »La Traviata«), DGG (»Tosca«), HMV (»Il Trovatore«, »Pagliacci«), Bellaphon (»Rigoletto«, »Il Trovatore«), Orfeo (»La Bohème« von Leoncavallo »Iphigénie en Tauride« und »Paride ed Elena« von Gluck, Neapolitanische Lieder), MRF (»L’Assedio di Corinto« von Rossini, »Anacreon« von Cherubini, »La Dirindina« von Alessandro Scarlatti), TIS (Titelrolle in »Andrea Chénier«); VAI-Video (»La Traviata« mit Anna Moffo), Warner-Video (Manrico im »Troubadour«, Verona 1985).

 

25.5. Henk SMIT: 85. Geburtstag

Henk_Smit

Er begann seine Ausbildung am Konservatorium von Toronto und setzte diese in seiner holländischen Heimat am Konservatorium von Amsterdam fort. Er war Schüler von Hermann Schey (Konzertgesang) und von Jess Walters (Operngesang). 1958 sang er als erste Partie an der Niederländischen Oper Amsterdam den Angelotti in »Tosca«; seit 1961 Mitglied dieses Hauses. 1961 gehörte er zu den Preisträgern des Internationalen Gesangwettbewerbs von s’Hertogenbosch. Nachdem er zuerst als Konzertsänger aufgetreten war, übernahm er etwa seit 1963 in einer langjährigen Karriere zahlreiche Partien an der Niederländischen Oper Amsterdam. Er sang hier anfänglich kleinere Rollen wie den Lescaut in »Manon Lescaut« von Puccini, den Vater in »Hänsel und Gretel«, den Pistola in Verdis »Falstaff«, den Polizeikommissar in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch, später übernahm er dort große Aufgaben wie den Bartolo im »Barbier von Sevilla«, den Don Magnifico in Rossinis »La Cenerentola«, den Jack Rance in »La Fanciulla del West« von Puccini, den Ramfis in »Aida«, den Zaccaria in Verdis »Nabucco«, den Simon Boccanegra von Verdi, den Fliegenden Holländer, den Sharpless in »Madame Butterfly«, den Sprecher in der »Zauberflöte«, den Don Pizarro im »Fidelio«, den Mann in »Die glückliche Hand« von A. Schönberg und den Tomsky in »Pique Dame« von Tschaikowsky. 1979 wirkte er an der Niederländischen Oper in der Uraufführung der Oper »Winterkruise« von Hans Henkemans mit. 1986 trat er an diesem Haus in »Der Kreidekreis« von Zemlinsky auf, 1990 als Klingsor im »Parsifal«. 1986 wirkte er bei der Eröffnung des neu erbauten Muziek Theaters Amsterdam in der Uraufführung der Oper »Ithaka« von Otto Keating (als Journalist) mit. 1982 und 1983 gastierte er an der Oper von Tel-Aviv u.a. als Teiresias in »Oedipus Rex« von Strawinsky, 1984 an der Grand Opéra Paris als Warlaam im »Boris Godunow«, 1990 bei der Operngesellschaft Forum in Enschede als Falstaff in der gleichnamigen Oper von Verdi. In der Spielzeit 1993-94 war er am Opernhaus von Frankfurt a.M. anzutreffen, 1995 am Theater von Montpellier als Klingsor im »Parsifal«. 1997 trat er am Opernhaus von Frankfurt a.M. als Don Pizarro, in Amsterdam als Alberich im »Rheingold« (und 1998 auch im »Siegfried«) auf. 1998 sang er bei den Salzburger Festspielen den Dikoj in Janáceks »Katja Kabanowa«. Während seines langen Wirkens an der Niederländischen Oper setzte er ununterbrochen seine Konzertkarriere fort, die ihm in den Musikzentren in Belgien, Frankreich, England und natürlich in Holland anhaltende Erfolge eintrug. In den achtziger Jahren unternahm er große Konzert-Tourneen durch Spanien (mit Auftritten in Barcelona und Madrid) und durch die USA (u.a. Konzerte in New York und Chicago). Hinzu traten weitere Konzert-, Radio- und Fernsehauftritte in einem weit gespannten Konzertrepertoire. Er starb 2010 in Paris.

Schallplatten: Philips (Polizeikommissar im »Rosenkavalier«), Mitschnitte von Rundfunksendungen.

 

25.5. Heinz REHFUSS: 100. Geburtstag

Heinz REHFUSS

Sein Vater war der Konzertsänger und Pädagoge Carl Rehfuß (1885-1946), seine Mutter, Florentine Rehfuß-Peichert (* 5.1.1893), eine geschätzte Konzert-Altistin. Der Künstler verbrachte seine Jugend in Neuchâtel in der Schweiz, wohin seine Eltern verzogen waren; er wurde durch seinen Vater ausgebildet und debütierte 1938 am Städtebundtheater Biel-Solothurn. 1939 kam er an das Stadttheater Luzern, 1940 an das Stadttheater (Opernhaus) von Zürich. Hier hatte er große Erfolge. Er sang zu Beginn seiner Bühnenkarriere Bassrollen wie den Monterone in »Rigoletto«, den König in »Aida« und den Arkel in »Pelléas et Mélisande«, trat an Theatern in der Schweiz, aber auch als Chorist auf. Er nahm an mehreren Schweizer Opern-Erstaufführungen teil, so am Theater von Basel an der von B. Brittens »The Rape of Lucretia« (Spielzeit 1946-47 als Collatinus), am Opernhaus von Zürich in »Porgy and Bess« von Gershwin (1945 als Jake), »The Telephone« von G.C. Menotti (1948-49 als Ben), »L´Enfant et les sortilèges« von M. Ravel (1948-49 in zwei Rollen), »Schloss Dürande« von Othmar Schoeck (1943 als Nicole), »Les Noces« (1948, Bass-Solo) und »The Rake´s Progress« von Strawinsky 1951-52 als Trulove). Am Grand Théâtre Genf gastierte er 1945 als Don Quichotte in »Meister Pedros Puppenspiel« von M. de Falla und als Don Alfonso in »Così fan tutte«, 1948 als Klingsor im »Parsifal«, 1950, 1952 und 1963 als Golaud in »Pelléas et Mélisande«, 1951 als Ramon in »Mireille« von Gounod und als Onkel Salvador in M. de Fallas »La vida breve«, 1952 als Nick Shadow in »The Rake´s Progress«, 1953 als Ramiro in Ravels »L’Heure Espagnole«, 1954 als Don Giovanni und 1961 als Graf in »Le nozze di Figaro«; am 23.4.1963 wirkte er hier in der Uraufführung von Frank Martins »Monsieur de Pourceaugnac« in der Partie des Oronte mit. Er gastierte 1949 am Teatro Fenice Venedig als Klingsor, bei den dortigen Festspielen des gleichen Jahres als Dr. Schön in der italienischen Erstaufführung der Oper »Lulu« von A. Berg. Er trat 1950 beim Maggio Musicale von Florenz in der italienischen Erstaufführung der Oper »Armide« von Lully als la Haine auf. An der Grand Opéra Paris sang er 1950 den Gunther in der »Götterdämmerung«, bei den Festspielen von Aix-en-Provence 1952 und 1955 den Grafen in »Le nozze di Figaro«, 1952 und 1954 den Don Giovanni. 1953 war er an der Oper von Monte Carlo als Don Giovanni zu Gast, 1955 am Teatro Carlo Felice Genua als Klingsor, 1953 am Teatro Margherita Genua in der italienischen Erstaufführung von »Le Mystère de la Nativité« von Frank Martin, beim Holland Festival von 1963 in der holländischen Erstaufführung von »Monsieur de Pourceaugnac«. Von Zürich aus gastierte er weiters in München und an der Oper von Chicago und wirkte bei den Festspielen von Edinburgh mit. Beim Maggio Musicale von Florenz sang er 1959 in der Uraufführung von Dallapiccolas »Job«, 1963 das Bass-Solo in der 9. Sinfonie von Beethoven. Er trat auch an der Mailänder Scala in deren Konzertveranstaltungen auf, so 1959 in der Johannespassion von J.S. Bach und in Händels »Israel in Egypt«, 1961 in »Roméo et Juliette« von Berlioz, 1962 in der 8. Sinfonie von Gustav Mahler. Am 13.4.1961 sang er am Teatro Fenice von Venedig in der Uraufführung der Oper »intolleranza 60« von Luigi Nono. Seine Konzert-Tourneen brachten ihm in Deutschland und Frankreich, in Italien und England, in Österreich, Belgien und Holland sowie in Nordamerika immer wieder Erfolge ein. Er wirkte zugleich in Zürich als Pädagoge. Umfangreiche, sehr modulationsfähige Stimme; zu seinen Glanzrollen auf der Bühne gehörte auch der Boris Godunow. Weitere Bühnenrollen: die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, Titelrolle in »Giulio Cesare« von Händel und Vater in »Hänsel und Gretel«. Im Konzertbereich wurde er namentlich als Bach-Interpret berühmt. Er folgte 1961 einem Ruf als Professor an das Konservatorium von Montreal. 1965 erhielt er eine Professur an der Universität von Buffalo, seit 1970 auch an der Eastman Music School von Rochester wirkend. Er starb 1988 in Buffalo.

Schallplatten der Marken MMS (»Fidelio«, »Hoffmanns Erzählungen«, »Carmen«, »Der Messias«), Nixa (Matthäus-Passion, Hohe Messe von J.S. Bach), Decca (»L’Heure espagnole« von Ravel, »Pelléas et Mélisande«, »Roméo et Juliette«), Philips (»Oedipus Rex« von Strawinsky, »Carmen«), Pathé (»Le nozze di Figaro«), Claves (Lieder), Elite (Aufnahmen aus der Schweiz), Columbia, Véga.

 

25.5. Hans WRANA: 125. Geburtstag

Hans WRANA

 Gesangstudium an der Wiener Musikakademie. 1919 Debüt am Stadttheater von Innsbruck in den vier dämonischen Partien in »Hoffmanns Erzählungen«. Er sang dann nacheinander 1920-22 am Stadttheater von Czernowitz, 1922-24 am Stadttheater von Baden bei Wien, 1924-25 in Reichenberg (Liberec) in Böhmen, 1925-26 an der Wiener Volksoper, 1926-27 am Landestheater Saarbrücken, 1927-28 am Stadttheater von Hagen (Westfalen), 1928-30 am Stadttheater Stettin. In der Spielzeit 1930-31 trat er am Teatro Colón von Buenos Aires auf. Er wirkte auch bei den Bayreuther Festspielen der Jahre 1933 und 1934 als 2. Gralsritter im »Parsifal« und als Konrad Nachtigall in »Die Meistersinger von Nürnberg« mit. 1933-34 war er am Stadttheater von Halle/Saale engagiert und sang dann 1934-44, zumeist kleinere Partien, an der Berliner Staatsoper. 1948-52 war er noch für einige Zeit an der Staatsoper von Wien tätig (Wirt in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, Guccio in »Gianni Schicchi«, Zigeuner in »Notre Dame« von Fr. Schmidt, 2. Konstabler in Brittens »Bettleroper« und 2. Gast im »Jahrmarkt von Sorotschintzi« von Mussorgsky). Neben einem umfangreichen Bühnenrepertoire beherrschte er auch im Konzertsaal ein vielseitiges Programm. Er starb 1956 in Wien.

Schallplatten: Auf BASF singt er in Querschnitten durch die Opern »Otello« von Verdi und »Andrea Chénier« von Giordano.

 

27.5. Liana ALEXANDRA: 70. Geburtstag

Sie studierte 1965-71 am Bukarester Konservatorium Ciprian Porumbescu bei Tudor Ciortea Formenlehre, bei Emilia Comisel Ethnomusikologie und bei Tiberiu Olah Komposition. Sie erhielt ein Enescu-Verdienststipendium und besuchte 1974, 1978, 1980 und 1984 die Darmstädter Ferienkurse. Ab 1972 unterrichtete sie Instrumentenkunde, ab 1980 auch Komposition, Orchestration und Musikanalyse an der Musikuniversität Bukarest. Mit ihrem Ehemann Serban Nichifor bildete sie das Duo Intermedia und leitete sie das Nuova Musica Consonante-Living Music Foundation Festival. Für ihre Kompositionen erhielt sie fünfmal Preise des rumänischen Komponisten- und Musikologenverbandes. 1979 gewann sie den ersten Preis beim Carl-Maria-von-Weber-Wettbewerb in Dresden, außerdem war sie 1979 und 1980 Teilnehmerin am Kompositionswettbewerb der Gaudeamus-Stiftung, bei dem in dieser Zeit kein Preis vergeben wurde. Sie starb 2011 in Bukarest. (Quelle:Wikipedia)

 

27.5. Georg SCHNAPKA: 85. Geburtstag

Georg SCHNAPKA

Er war am Bruckner-Konservatorium von Linz (Donau) Schüler von Andreas Sotzkow und debütierte 1954 am Stadttheater von Heidelberg als Repela in Hugo Wolfs Oper »Der Corregidor«. Er sang dann 1955-58 am Stadttheater von Lübeck, 1958-59 am Stadttheater von Oberhausen, 1959-64 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Gleichzeitig war er in den Jahren 1963-65 am Opernhaus von Köln engagiert. 1961 gastierte er am Opernhaus von Zürich als Stadinger im »Waffenschmied« von Lortzing. Seit 1964 kam er zu einer langjährigen Karriere an der Wiener Volksoper, an der er u.a. den Erzieher in Rossinis »Der Graf Ory«, den Ortolf Sentlinger in »Feuersnot« von Richard Strauss, den Guldensack in Werner Egks »Die Zaubergeige«, den Stolnik in »Halka« von Moniuszko, den 3. Strolch in Carl Orffs »Die Kluge«, den kleinen Sträfling in Janáceks »Aus einem Totenhaus«, den Winter in Purcells »Die Feenkönigin«, den Mars in Offenbachs »Orpheus in der Unterwelt«, den Wirt in Zemlinskys »Kleider machen Leute« sowie in konzertanten Aufführungen den König in W. Kienzls »Der Kuhreigen« und den Filip in Dvoráks »Der Jakobiner« sang, trat aber auch an der Staatsoper Wien (1964-77 in insgesamt 17 Vorstellungen als Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, als Pope in »Katerina Ismailowa« von Schostakowitsch, als Bartolo im »Barbier von Sevilla« und als Ochs im »Rosenkavalier«) auf. Gastspiele an der Deutschen Oper Berlin, am Opernhaus von Dortmund, an den Staatsopern von München, Hamburg und Stuttgart, an den Staatstheatern von Karlsruhe, Hannover, Wiesbaden und Saarbrücken, an der Dresdner Staatsoper, in Wuppertal und Frankfurt a.M. Er sang beim Maggio Musicale von Florenz, am Teatro Fenice Venedig, an der Niederländischen Oper Amsterdam, an der Opéra du Rhin Strasbourg, am Teatro San Carlos Lissabon, in Zürich und Bukarest, an der New York City Opera, in Washington und Baltimore. Dabei brachte er ein weitläufiges Repertoire zum Vortrag, einerseits Rollen für tiefen seriösen Bass (Philipp II. im »Don Carlos«, Daland in »Der fliegende Holländer«, Fafner und Hunding im Ring-Zyklus, Sarastro in der »Zauberflöte«, Pimen in »Boris Godunow«), anderseits Buffo-Typen, die er auch darstellerisch hervorragend meisterte (Leporello, Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, Baculus im »Wildschütz« und van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing). Neben seinem Wirken auf der Bühne auch angesehener Konzertbassist. Er starb im Jahr 2005. – Er war verheiratet mit der bekannten Sopranistin Elisabeth Schwarzenberg (1926-2004).

Schallplatten: Die Oper von Dortmund gab auf einer Gedenkplatte Ausschnitte aus dem »Rosenkavalier« heraus, in denen er die Partie des Ochs gestaltet. Bei Preiser erschienen zwei Platten, eine mit Opernarien, eine mit Unterhaltungsliedern, auf Mondo Musica ist er als Waldner in »Arabella« von R. Strauss (Teatro Fenice Venedig 1966) zu hören.

 

27.5. Mary HAGEN: 150. Geburtstag

Mary_Hagen

 Eigentlicher Name Marie Schön. Sie begann ihre Theaterkarriere 1896-97 als Schauspielerin und als Soubrette am Wilhelmtheater in Magdeburg und trat dann an den Stadttheatern von Kiel, Aachen und Görlitz auf. Sie wandte sich bald der Operette zu und sang seit 1898 am Berliner Central-Theater. In Berlin studierte sie nochmals bei Frau Muschler, bei der Primadonna Etelka Gerster und bei einer der berühmtesten Gesangslehrerinnen ihre Zeit, Selma Nicklass-Kempner. 1900-1902 war sie am Residenztheater in Berlin tätig; 1902 ging sie an das Theater an der Wien in der österreichischen Hauptstadt, wo sie während einer Spielzeit sehr erfolgreich war und am 27.2.1903 in der Uraufführung der Operette »Bruder Straubinger« von E. Eysler mitwirkte. Mit noch größeren Erfolgen sang 1903-07 am Theater des Westens in Berlin (u.a. die Titelrolle in »Zazà« von Leoncavallo, die Carmen und die Ilona in »Zigeunerliebe« von F. Lehár). 1909-11 war sie an der Komischen Oper Berlin engagiert. 1909 Gastspiel an der Hofoper von Dresden als Martha in »Tiefland« von E. d’Albert, 1910 an der Berliner Hofoper in der »Fledermaus«. Dann entschloss sie sich plötzlich, hochdramatische Sopranistin zu werden und sang einige Wagner-Heroinen an deutschen Provinztheatern. Als diese Versuche erfolglos blieben, ließ sie sich in Weimar als Gesangspädagogin nieder. Dort lebte sie während des Zweiten Weltkrieges im Emmy Göring-Stift, wo sie 1944 starb.

Von ihrer Sopranstimme existieren einige hübsche Operettenplatten auf Zonophone (Wien, 1902) und HMV (Ausschnitte aus der Operette »Der Opernball« von R. Heuberger, Berlin 1908).

 

28.5. Constantina ARAUJO: 95. Geburtstag

Constantina Araujo

Sie studierte in São Paulo und Rio de Janeiro und debütierte 1944 an der Oper von São Paulo. In den ersten Jahren ihrer Karriere hatte sie in Südamerika ihre Erfolge. 1950 kam sie nach Italien; hier sang sie bis 1953 an der Mailänder Scala die Aida, die Amelia im »Maskenball«, die Butterfly und die Salud in »La Vida Breve« von de Falla. Auch an den übrigen großen italienischen Opernbühnen war sie mit bedeutenden Erfolgen tätig. Bei den Festspielen in der Arena von Verona hörte man sie 1951 und 1953 als Aida, 1952 gastierte sie an der Covent Garden Oper London, 1953 an der Grand Opéra Paris als Rezia im »Oberon« von Weber, an der Oper von Monte Carlo 1952 als Aida und 1953 als Butterfly. Sie sang dann wieder in Südamerika, vor allem am Teatro Colón von Buenos Aires und an den Opern von Rio de Janeiro und São Paulo, starb jedoch 1966 auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn allzu früh in São Paulo.

Schallplatten: Columbia.

 

28.5. Nada VIDMAR: 100. Geburtstag

Nada VIDMAR

Sie entstammte einer slowenischen Familie und wurde in Ljubljana (Laibach) durch Julius Betetto und B. Leskovich ausgebildet. 1943 debütierte sie am Opernhaus von Ljubljana als Königin der Nacht in der »Zauberflöte«. Dann unterbrach sie jedoch ihre Karriere und schloss sich einer Partisanengruppe innerhalb des Widerstands gegen die deutsche Besatzungsmacht an. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm sie ihre Tätigkeit am Opernhaus von Ljubljana wieder auf, die sie bis zur Beendigung ihrer Karriere 1974 fortsetzte. Zusammen mit dem Ensemble des Hauses trat sie bei in- und ausländischen Gastspielen in Erscheinung und war zugleich eine geschätzte Konzertsolistin, wobei sie vor allem in Oratorienpartien ihre Erfolge hatte. Aus ihrem Repertoire für die Bühne sind die Lucia di Lammermoor, die Gilda im »Rigoletto«, die Titelheldin in »La Traviata«, die Susanna in »Le nozze di Figaro«, die Zerline im »Don Giovanni«, die Mimi in »La Bohème« von Puccini, die Butterfly und die Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss zu nennen. Sie starb 1990 in Ljubljana..

Schallplattenaufnahmen unter dem Etikett von Jugoton.

 

29.5. Karl RIDDERBUSCH: 85. Geburtstag

Karl RIDDERBUSCH als König Marke in Bayreuth
Als König Marke

Zunächst sollte er Ingenieur werden und in seinem väterlichen Betrieb arbeiten. Bei einem Amateurwettbewerb der Herzog-Filmgesellschaft in Düsseldorf wurde seine schöne Stimme durch den berühmten Tenor Rudolf Schock entdeckt. Dieser setzte sich für seine Ausbildung ein und finanzierte einen Teil der Studienkosten. Sein Studium fand an der Folkwang-Musikhochschule in Essen bei Clemens Kaiser-Breme statt. 1961 erfolgte sein Bühnendebüt am Stadttheater von Münster (Westfalen). 1963-65 wirkte er am Opernhaus von Essen. 1965 folgte er einem Ruf an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg und ist seither Mitglied dieses Hauses geblieben. Er nahm seinen Wohnsitz in Duisburg. Seinen Durchbruch erreichte er 1965 in Düsseldorf, als er den Seneca in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea« sang. An der Mailänder Scala gastierte er 1966 als Daland in »Der fliegende Holländer«, 1976 als Ochs im »Rosenkavalier« und 1978 als König Marke in »Tristan und Isolde«. Er war in den Jahren 1967-91 Mitglied der Wiener Staatsoper (Antrittsrolle: Daland), an der er in mehr als 400 Vorstellungen auftrat (als Crespel in »Hoffmanns Erzählungen«, als Komtur in »Don Giovanni«, als Hunding in der »Walküre«, als Fasolt im »Rheingold«, als 1. Nazarener in »Salome« von R. Strauss, als Sarastro in der »Zauberflöte«, als Ramfis in »Aida«, als König Heinrich im »Lohengrin«, als Pogner und als Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Titurel und als Gurnemanz im »Parsifal«, als Fafner im »Siegfried«, als Ochs, als Basilio im »Barbier von Sevilla«, als Sparafucile im »Rigoletto«, als Seneca, als Colline in »La Bohème«, als Banquo in Verdis »Macbeth«, als Minister und als Rocco in »Fidelio«, als Hagen in der »Götterdämmerung«, als König Marke, als Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, als Kaspar im »Freischütz«, als Landgraf in »Tannhäuser«, als Papst Pius in H. Pfitzners »Palestrina«, als Morosus in »Die schweigsame Frau« und als Waldner in »Arabella« von R. Strauss). Bei den Festspielen von Bayreuth wirkte er seit 1967 mit: 1967-68 und 1971-72 als König Heinrich, 1967-75 als Fasolt, 1967-72 und 1975-77 als Titurel, 1968-70 als Pogner, 1970-76 als Hunding, 1970-77 als Hagen, 1970-71 als Daland, 1973-75 als Hans Sachs und 1975-77 als König Marke. An der Grand Opéra Paris gastierte er 1967 als König Marke und 1978 als Ochs. An der Oper von Chicago gastierte er 1967 als Sarastro und 1977 als Hans Sachs. 1967 debütierte er als Hunding an der Metropolitan Oper New York, an der dann bis 1976 in insgesamt 15 Vorstellungen auch den Fafner im »Rheingold« und den Hans Sachs sang. Sehr erfolgreich bei den Osterfestspielen von Salzburg, bei denen er unter Herbert von Karajan 1968-70 den Fafner und den Hagen im Nibelungenring, 1970 das Bass-Solo im Mozart-Requiem, 1971 den Rocco und das Bass-Solo in Beethovens 9. Sinfonie, 1972-73 den König Marke, 1973 den Fasolt und das Bass-Solo in Mozarts Krönungsmesse, 1974 das Bass-Solo in Bachs H-Moll-Messe, 1974-75 den Hans Sachs, 1975 das Bass-Solo in Beethovens Missa solemnis und 1976 den König Heinrich sang. Er trat 1969 an der Oper von Kopenhagen, 1970 an der Oper von Graz auf. 1971 hörte man ihn an der Covent Garden Opera London als Fasolt, als Hunding und als Hagen im Nibelungenring, 1973 als Landgraf. Er erschien oft als Gast an der Staatsoper München (u.a. 1972 als Ochs, 1982 als Doktor im »Wozzeck« von A. Berg und mit dem Münchner Ensemble 1975 in Tokio als Hunding und als Ochs), auch bei den Münchner Festspielen (1980 und 1981 als Hans Sachs). An der Oper von Monte Carlo übernahm er 1979 den Hunding. Er gastierte am Teatro Colón Buenos Aires 1980 als Waldner, als Rocco und als Pogner sowie 1985 als Ochs. 1981 sang er an der Oper von San Francisco den Hans Sachs. An der Oper von Rom gastierte er 1981 als König Marke, 1984 als Gurnemanz, 1985 als Landgraf. Er gastierte weiters 1982 am Teatro Regio Turin als Gurnemanz, 1983 bei den Bregenzer Festspielen als Kaspar im »Freischütz«, 1984 am Teatro Liceu Barcelona als Rocco, 1986 am Teatro Politeama Margherita Genua als Landgraf, 1987 in Madrid als Doktor im »Wozzeck«. Weitere Gastspiele trugen dem Künstler sehr große Erfolge ein. So gastierte er an der Staatsoper von Hamburg, mit der er durch einen ständigen Gastspielvertrag verbunden war. Er gastierte an der Deutschen Oper Berlin, in Mannheim und Stuttgart. In den achtziger Jahren erkrankte er schwer, konnte aber nach längerer Pause seine Karriere mit einem Balladenabend im Markgräflichen Operntheater in Bayreuth wieder aufnehmen. Er trat dann auch wieder auf der Bühne, vor allem an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, auf. 1989 gastierte er mit dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein bei den Wiener Festwochen in »Die Gezeichneten« von Fr. Schreker. Noch 1991 sang er an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg den Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, 1993 den Waldner. Seine mächtige Stimme erreichte ihre bedeutenden Leistungen im Wagner-Repertoire, aber auch in seinen köstlichen Buffo-Partien (van Bett, Falstaff). Weitere Bühnenpartien des Sängers außerhalb des Wagner-Repertoires waren der Gremin im »Eugen Onegin«, der König Philipp im »Don Carlos« von Verdi, der Enrico in »Anna Bolena« von Donizetti und der Boris Godunow. Auch im Konzertsaal erschien er mit großem Erfolg, namentlich als Solist in Oratorien und geistlichen Vokalwerken Er starb 1997 in Wels (Oberösterreich).

Schallplatten: Electrola (»Fidelio«, »Die Meistersinger von Nürnberg«, »Tristan und Isolde«, »Königskinder« von Humperdinck), DGG (»Palestrina« von Pfitzner, »Der fliegende Holländer«, »Lohengrin«, Ring-Zyklus, »Parsifal«, »Capriccio« von R. Strauss), Eurodisc (»Der Barbier von Bagdad« von Cornelius, »Martha«, Verdi-Requiem), Philips (Missa solemnis von Beethoven, »Die Meistersinger von Nürnberg«), Acanta (»Zar und Zimmermann« von Lortzing), Decca (»Die lustigen Weiber von Windsor« von Nicolai), RCA (»Orpheus« von Monteverdi/Orff), Koch Records (»Undine« von E.T.A. Hoffmann), Arkadia (Ochs im »Rosenkavalier«), Melodram (König Heinrich im »Lohengrin«, Bayreuth 1967; Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Bayreuth 1968).

 

29.5. Mario CHAMLEE: 125. Geburtstag

Mario CHAMLEE

 Eigentlich Archer Cholmondeley. Er begann ein wissenschaftliches Studium an der South California University, in deren Glee Club er als Sänger Aufsehen erregte. Dann Schüler von Achille Alberti in Los Angeles. Debüt 1916 in Los Angeles als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, doch blieb er dabei ganz erfolglos. Nach einem erneuten Studium bei Sibella und Dellera in New York folgte 1917 eine Tournee mit der Aborn Opera Company, wobei er den Künstlernamen Mario Rodolfi führte. Seine Partnerin war – unter dem Namen Francesca Milena – die Sopranistin Ruth Miller (1892-1983), die er 1919 heiratete. 1917-19 war er Soldat im Ersten Weltkrieg; er stellte an der Front in Frankreich eine Unterhaltungstruppe zusammen, mit der er Vorstellungen vor alliierten Soldaten und 1919 vor den Delegierten der Pariser Friedenskonferenz gab. In die USA zurückgekehrt, sang er 1919-20 bei der Scotti Opera Company Partien aus dem italienischen und dem französischen Repertoire. 1920 wurde er an die Metropolitan Oper New York verpflichtet (Antrittsrolle: Cavaradossi in »Tosca«). Bis 1939 sang er hier in insgesamt 219 Vorstellungen den herzog im »Rigoletto«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Uin-San-Lui in Leonis »L‘Oracolo«, den Christian in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Der polnische Jude« von Karel Weis, den Faust in »Mefistofele« von Boito, den Faust von Gounod, den Grafen Almaviva im »Barbier von Seilla«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Des Grieux in »Manon« von Massenet, den Turiddu in »Cavalleria rusticana«, den Alfredo in »La Traviata«, den Dimitrij im »Boris Godunow«, den Vasco in Meyerbeers »Afrikanerin«, den Enzo in »La Gioconda«, den Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, den Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, den Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Titelhelden in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Caponsacchi« von Richard Hageman, den Titelhelden in »Mârouf« von Rabaud und den Liebhaber in Menottis »Amelia goes tot he ball«. 1921-31 trat er alljährlich an der Sommer-Oper von Ravinia bei Chicago auf. Sein Europa-Debüt fand 1923 am Deutschen Theater in Prag statt, wo er zusammen mit seiner Ehefrau u.a. in »Lucia di Lammermoor« auftrat. 1927-34 sang er auch an der Oper von San Francisco, und zwar den Turiddu, den Rodolfo, den Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod, den Cavaradossi, den Pinkerton, den Mârouf, den Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Lohengrin, den Don José in »Carmen«, den Gérald in »Lakmé« von Delibes und den Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«. 1928-36 trat er in Europa auf, und zwar an der Opéra-Comique von Paris, wo man ihn 1929 als Des Grieux in »Manon« von Massenet hörte, an der dortigen Grand Opéra, wo er den Mârouf und den Faust von Gounod sang, aber auch in Brüssel, Lüttich, Lille, Bordeaux, Nizza und an der Wiener Volksoper. 1933 an der Oper von Chicago zu Gast. 1940 gab er seine Bühnenkarriere auf. Er wirkte dann, zusammen mit seiner Gattin, als Pädagoge in Los Angeles, wo er 1966 starb.

Seine Stimme ist ausschließlich auf Brunswick-Platten erhalten, die in den Jahren 1920-30 entstanden.

 

29.5. Konstantin VILBOA: 100. Geburtstag

 Biographie des russischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Konstantin_Vilboa

 

29.5. Carl SCHUBERT: 150. Geburtstag

 Nach anfänglichem Studium der Literatur- und Musikgeschichte an der Universität Berlin ließ er seine Stimme am Stern’schen Konservatorium und bei Nikolaus Rothmühl in Berlin ausbilden. 1888 kam es zu seinem Bühnendebüt in Glogau in Schlesien. 1891 ging er an das Hoftheater von Dessau, 1892 an das Stadttheater Rostock, 1893 an das Hoftheater von Altenburg (Thüringen), 1894 an das Opernhaus von Breslau, schließlich 1897 an das Hoftheater Hannover. 1900 übernahm er die Direktion des Fürstlichen Theaters in Bad Pyrmont. Als Sänger hatte er seine größten Erfolge in Buffo-Rollen wie dem van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, dem Baculus in dessen »Wildschütz«, dem Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, dem Bartolo in »Figaros Hochzeit« wie im »Barbier von Sevilla« und dem Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Er starb 1908 im Spreewald.

 

29.5. Julie ZELTER-PAPPRITZ: 250. Geburtstag

 Ihr eigentlicher Name war Julie Caroline Auguste Pappritz. Ihr Vater war Geheimer Oberfinanzrat in Berlin. Sie erhielt eine sehr sorgfältige Erziehung, die auch die Ausbildung ihrer Stimme umfasste. Ihre Lehrer auf dem Gebiet der Gesangskunst waren die beiden hoch angesehenen Komponisten und Dirigenten Carl Friedrich Fasch und Carl Friedrich Zelter. Bereits 1790 erregte sie bei einem ersten Konzert in der preußischen Hauptstadt großes Aufsehen. Sie trat nunmehr als Solistin in den Konzerten des von ihrem Lehrer Fasch gebildeten Singvereins (dem Vorgänger der berühmten Berliner Singakademie) auf. Vielleicht hat sie ursprünglich einige Mezzosopran-Partien übernommen, sang aber später ausschließlich im Sopranfach. Die junge Sängerin stand bald im Mittelpunkt des damaligen Berliner Musiklebens und wurde von der Berliner Gesellschaft wie in Hofkreisen geradezu verwöhnt. 1796 wurde sie die Gattin von Carl Friedrich Zelter (1758-1832, in dessen zweiter Ehe), der sie nun in großen Konzert-Aufgaben herausstellte. Ein letztes, glanzvolles Konzert gab sie am 14.1.1806 in Berlin. Wenige Wochen später starb die erst 39jährige Sängerin bei der Geburt eines Kindes. Der berühmte Bildhauer Schadow fertigte eine Marmorbüste der so früh verstorbenen Sängerin an, die am 13.10.1807 in der Berliner Singakademie, der Stätte ihrer großen Triumphe, aufgestellt wurde. Gleichzeitig hängte man im Cäciliensaal ein repräsentatives Ölgemälde des Sohnes dieses Bildhauers auf, das die dahingegangene Künstlerin, von der Patronin der Musik, der heiligen Cäcilia, unterrichtet, zeigte.

 

30.5. Zoltán KOCSIS: 65. Geburtstag

Er begann seine musikalische Ausbildung im Alter von fünf Jahren. Ab 1963 studierte er Klavier und Komposition am Béla-Bartók-Konservatorium in Budapest, ab 1968 war er an der Franz-Liszt-Musikakademie Schüler von Pál Kadosa, Ferenc Rados und György Kurtág. Noch als Student initiierte er zusammen mit Péter Eötvös und anderen das Studio für Neue Musik in Budapest – ein gewichtiges Laboratorium für die Avantgarde, für Komponisten und ausführende Musiker im kommunistischen Ostblock. 1970 gab er sein internationales Debüt als Pianist. Seine Interpretation der Aufnahme der Sonate F-Moll op. 2 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven begeisterte. Er trat in den folgenden 25 Jahren u.a. mit dem Chicago Symphony Orchestra, der Dresdner Staatskapelle, dem San Francisco Symphony Orchestra, dem New York Philharmonic Orchestra, dem Londoner Philharmonia Orchestra, den Wiener Philharmonikern, dem Mozarteum-Orchester Salzburg und den Berliner Philharmonikern auf. 

Seit den 1970er Jahren prägte Kocsis nicht nur als Pianist, sondern auch als Dirigent und Komponist das Musikleben in Ungarn. In den letzten Jahren seiner Laufbahn war Kocsis überwiegend als Dirigent tätig, vor allem beim Festival Orchester Budapest, das er 1983 zusammen mit Iván Fischer gegründet hat, und bei der Ungarischen Nationalphilharmonie, deren musikalischer Leiter er seit 1997 war. Kocsis war zweimaliger Träger des Kossuth-Preises (1978 und 2005), der höchsten staatlichen Auszeichnung in Ungarn im Bereich Kunst und Kultur. Er starb am 6. November 2016 in Budapest. 

 

30.5. Marie-Sophie PONCHARD-COLLAULT: 225. Geburtstag

 Sie war in Paris Schülerin von Pierre Garat und wurde die Gattin des berühmten Tenors der Pariser Opéra-Comique Louis-Antoine-Eléonore Ponchard (1787-1866). 1811 und 1812 wurde sie mit dem Prix du Conservatoire ausgezeichnet. Sie debütierte 1814 an der Grand Opéra Paris als Iphigénie in »Iphigénie en Aulide« von Gluck, hatte dort aber keinen besonderen Erfolg, da man ihre Stimme für zu klein hielt. Darauf trat sie an Theatern in der französischen Provinz auf und erregte 1817 in Rouen großes Aufsehen. Nun kam sie 1818 sie an die Opéra-Comique, deren Mitglied sie bis 1836 blieb. Sie hatte dort bald eine große Karriere und sang in einer Anzahl von Uraufführungen und Premieren, vor allem in komischen Opern von Hérold und Auber, die beim damaligen Opernpublikum sehr beliebt waren. 1821 übernahm sie an der Opéra-Comique Paris in der Uraufführung der Oper »Emma ou La promesse imprudente« von Auber die Partie der Juliette, 1826 in der von »La Timide« vom gleichen Komponisten die der Mme. D’Hérancy, am 23.3.1835 in einer weiteren Uraufführung einer Oper von Auber die Tao-Jin in »Le Cheval de Bronze«. Am 15.12.1832 wirkte sie an der Opéra-Comique in der Uraufführung von »Le Pré aux clercs« von Hérold in der Partie der Reine Marguerite, am 20.7.1833 in der Uraufführung von »La Prison d’Édinbourg« von Michele Carafa mit. Sie starb 1873 in Paris. – Ihr Sohn, Charles-Marie-Auguste Ponchard (1824-91) wurde wie sein Vater ein bekannter Tenor, dann auch Bühnendirektor und Gesangpädagoge.

 

31.5. Florence QUARTARARO: 95. Geburtstag

Florence_Quartararo

Sie absolvierte ihr Gesangstudium bei Elizabeth Wells in San Francisco und bei Pietro Cimini in Los Angeles. Sie erhielt ihr Diplom als Gesangslehrerin und erwarb den akademischen Grad eines Honorary Musical Bachelor. Sie debütierte als Opernsängerin 1945 in der Hollywood Bowl in Los Angeles als Leonore in einer konzertanten Aufführung von Verdis  »Troubadour«; im gleichen Jahr Bühnendebüt in der Redlands Bowl (Kalifornien), wieder  als Leonore im »Troubadour«. Nach erfolgreichen Auftritten im amerikanischen Rundfunk wurde sie bereits 1946 an die Metropolitan Oper New York verpflichtet (Antrittsrolle: Micaela in »Carmen«). Sie blieb deren Mitglied bis 1949 und sang dort in 37 Vorstellungen auch die Pamina in der »Zauberflöte«, eines der Blumenmädchen im »Parsifal«,  die Desdemona in Verdis »Otello«, die Traviata, die Gräfin in »Le nozze di Figaro«, die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Nedda im »Bajazzo« und die Lauretta im »Gianni Schicchi«. 1946 sang sie in Mexixo City die Micaela. An der Oper von San Francisco gastierte sie 1947-50 als Donna Elvira, als Marguerite im »Faust« von Gounod und als Gräfin in »Le nozze di Figaro«. Weitere Gastspiele an der Central City Opera (Colorado) als Traviata und in Philadelphia als Thaïs von Massenet. 1953 sang sie bei ihrem Europa-Debüt bei den Festspielen in der Arena Flegrea von Neapel die Margherita in »Mefistofele« von Boito. Sie beendete frühzeitig ihre Karriere; nach ihrer Heirat mit dem bekannten Bassisten Italo Tajo (1915-93) im Jahr 1951 ist sie nur noch selten aufgetreten. Man schätzte die Ausdruckskraft wie die lyrische Schönheit ihrer Stimme in Mozart- und Verdi-Partien, allgemein in einem Lirico Spinto-Repertoire. Die Kritik verglich ihre Stimme gern mit der der unvergessenen Rosa Ponselle.  Sie starb 1994 in San Francisco.

Schallplatten: RCA-Victor (Duette mit Ramon Vinay).

 

31.5. Louis FOURESTIER: 125. Geburtstag

Er hatte ersten Musikunterricht bei seinem Vater und Cellounterricht am Konservatorium seiner Geburtsstadt Montpellier. Am Conservatoire de Paris war er Schüler von André Gedalge, Alexandre Guilmant, Vincent d‘Indy, Paul Dukas und Xavier Leroux. 1924 gewann er mit der Kantate Patria den Prix Rossini, im Folgejahr mit der Kantate La mort d’Adonis den Premier Gradn Prix de Rome und 1927 mit der sinfonischen Dichtung Polynice nach Sophokles den Prix Heugel. Die sinfonische Dichtung wurde 1928 bei den Concerts Colonne uraufgeführt. 1927 wurde Fourestier als Dirigent an die Opéra-Comique engagiert, 1938 folgte er Philippe Gaubert an der Pariser Oper nach. Außerdem leitete er seit dessen Gründung 1928 das Orchestre Symphonique de Paris. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte er als Gastdirigent in Spanien, Deutschland, Italien und der Schweiz. 1946 und 1947 leitete er Aufführungen an der Metropoplitan Opera in New York (Lakmé, Faust, Carmen, Manon, Louise). 1946-63 unterrichtete Fourestier Orchesterleitung am Conservatoire de Paris. 1974 hatte er die musikalische Leitung bei den Feierlichkeiten zum 60. Todestag von Gabriel Fauré in der Kirche La Madeleine. Fourestier starb 1976 in Boulogne-Billancourt.

 

31.5. Willem RAVELLI: 125. Geburtstag

Schüler der Pädagogin Cornélie van Zanten in Amsterdam. Er sang bereits 1917 beim Wagner-Verein in Amsterdam den 2. Nazarener in »Salome« von R. Strauss, studierte aber dann weiter bei Cornélie van Zanten. Er war bis 1922 bei der Niederländischen Post (PTT) angestellt und begann seine professionelle Bühnenkarriere in der Saison 1922-23 bei der Nederlandse Nationale Opera Amsterdam. Dort sang er u.a. den 2. Gefangenen im »Fidelio«, den Reinmar von Zweter im »Tannhäuser«, den Dr. Cajus in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Spoletta in »Tosca«, den Moralès in »Carmen«, den Marullo im »Rigoletto« und den Alcindor in »La Bohème«. 1927 hörte man ihn bei der Gesellschaft Co-Opera-tie in Den Haag als Papageno in der »Zauberflöte«, bei der Nederlandse Opera, ebenfalls in Den Haag, als Wolfram im »Tannhäuser«. Er wandte sich aber bald dem Oratoriengesang zu. Er wurde der Nachfolger des berühmten holländischen Baritons Thomas Denijs und galt als großer Bach-Interpret. Seine ergreifende Darstellung des Christus in der Matthäuspassion in den Aufführungen unter der Leitung von Willem Mengelberg bleibt unvergesslich. Er hatte große Erfolge auf den Konzertpodien in Deutschland, England und Belgien, wobei er ein umfangreiches Repertoire zum Vortrag brachte, wenn auch der Bach-Gesang im Mittelpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit blieb. Er übernahm etwa 400mal die Partie des Christus in den Passionen von J.S. Bach; er trat auch häufig in der 9. Sinfonie von Beethoven auf. Bis in die Zeit um 1960 setzte er seine Karriere fort und wirkte gleichzeitig als Pädagoge am Konservatorium im Haag. Seinen Lebensabend verbrachte er im Rosa Spier-Huis bei Laren (Provinz Gelderland), wo er 1980 starb.

Schallplatten: Columbia und Philips (Christus in vollständiger Matthäuspassion unter W. Mengelberg).

 

 

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