Der Neue Merker

IN MEMORIAM GEBURTSTAGE IM MÄRZ 2016

IN MEMORIAM-Geburtstage

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 

 1.3. Margarita ZAMBRANA (kubanische Sopranistin): 80. Geburtstag

 

1.3. Reinhold BARTEL: 90. Geburtstag

Reinhold_BARTEL

 Gesangstudium an der Musikhochschule Köln; bereits während seiner Studienzeit sang er am Theater von Bonn den Rossillon in Lehárs »Die lustige Witwe«. Er begann seine Bühnenlaufbahn mit einem Engagement am Stadttheater von Trier 1953-56 und wechselte dann an das Staatstheater Wiesbaden, dessen Mitglied er bis zu seinem Abschied von der Bühne 1977 blieb. Gastspiele führten ihn u.a. an die Staatsoper von Wien (1963 als Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«) und an die Nationaloper von Warschau. Dabei trug er vor allem Partien aus dem lyrischen Fachbereich vor: den Titelhelden in »Xerxes« (»Serse«) von Händel, den Idamante in »Idomeneo« von Mozart, den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den Tamino in der »Zauberflöte«, den Jaquino im »Fidelio«, den Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, den Lenski im »Eugen Onegin« und den Stewa in Janáceks »Jenufa«. Später nahm er auch Charakterpartien in sein Repertoire auf (Hauptmann im »Wozzeck« von A. Berg, Schwalb in »Mathis der Maler« von Hindemith). Daneben war er ein geschätzter Operettensänger, der auch häufig an deutschen Rundfunksendern auftrat. In Wiesbaden sang er 1966 in der Uraufführung der Oper »Yolimba« von W. Killmayer und in den deutschen Erstaufführungen von »The Crucible« von R. Ward (1963) und »La Diavolezza« von B. Galuppi (1964). Neben seinem Wirken auf der Bühne entfaltete er eine erfolgreiche Karriere als Konzert- und Oratoriensänger. Seit 1976 wirkte er als Pädagoge an der Universität von Mainz. Er starb 1996 nach langer Krankheit in Wiesbaden.

Schallplatten: Telefunken (Recital; Operetten-Querschnitte), Polydor (Operetten-Querschnitte), HMV, Philips (»Die schöne Galathee« von F. Suppé), Vox (»L’Incoronazione di Poppea« von Monteverdi), Melodram (Szene aus »Don Giovanni« zusammen mit Liane Synek).

 

3.3. Gilbert KAPLAN: 75. Geburtstag

 Er war der Sohn eines Schneiders. Er absolvierte ein Ökonomiestudium und gründete 1967 das Monatsmagazin Institutional Investor, das sich in der Folge sehr erfolgreich entwickelte. 1984 verkaufte Kaplan das Magazin mit erheblichem Gewinn. 1965 beeindruckte ihn eine Aufführung der 2. Sinfonie Gustav Mahlers unter Leopold Stokowski derart, dass er sich – ohne tiefere musikalische Ausbildung, abgesehen von einigen Jahren Klavierunterricht als Kind – zunehmend auf das Studium dieses Werkes konzentrierte. 1981 nahm er Dirigierunterricht bei Charles Zachary Bornstein, einem Absolventen der Juilliard School. Im gleichen Jahr mietete er das Amerian Symphony Orchestra und dirigierte es mit dem 1. Satz der Sinfonie. 1982 dirigierte er die komplette Sinfonie in der Avery Fisher Hall vor geladenem Publikum; die Aufführung wurde anschließend öffentlich wiederholt. Seitdem entwickelte sich Kaplan zu einem weltweit bekannten Dirigenten der 2. Sinfonie Gustav Mahlers und leitete mehr als 50 renommierte Orchester bei Aufführungen dieses Werks, darunter das Los Angeles Philharmonic Orchestra, das Pittsburgh Symphony, das London Symphony Orchestra, das NDR Sinfonieorchester, das Orchester der Deutschen Oper Berlin, das Bayerische Staatsorchester, die Prager Symphoniker, das Israel Philharmonic Orchestra, die Sankt Petersburger Philharmonie, das Bejing Symphony Orchestra (chinesische Erstaufführung von Mahlers 2. Sinfonie) oder das Melbourne Symphony. 1996 wurde er als erster Amateurdirigent eingeladen, bei den Salzburger Festspielen zu dirigieren. Kaplans Einspielung von Mahlers 2. Sinfonie mit dem London Symphony Orchestra 1987 wurde 1988 von der New York Times zu einer der Records of the Year gewählt. In mehr als 175.000 Exemplaren verkauft, wurde sie zur meistverkauften Mahleraufnahme der Geschichte. Eine zweite Einspielung des Werks unter Kaplan erfolgte 2002 mit den Wiener Philharmonikern. Kaplans dirigentische Fähigkeiten waren trotz diverser Auszeichnungen nicht unumstritten. So hielten ihm Mitglieder des New York Philharmonic 2008 öffentlich handwerkliche Mängel vor. Kaplan widmete sich fast ausschließlich der 2. Sinfonie Mahlers, einzige Ausnahmen bilden das „Adagietto“ aus Mahlers 5. Sinfonie, das er ebenfalls mit dem London Symphony Orchestra aufnahm sowie Mahlers Bearbeitung von Franz Schuberts Streichquartett Der Tod und das Mädchen. Weiterhin fungierte er 1993 als Produzent von Mahler Plays Mahler, einer Aufnahme von Mahlers selbst 1905 auf einem Welte-Mignon-Reproduktionsklavier eingespielten Klavierrollen, die 1994 einen Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielt. Gilbert Kaplan war Fakultätsmitglied der Juilliard School (Evening Division), hielt weltweit Vorträge über Gustav Mahler und publizierte Artikel über ihn. Die von ihm 1985 gegründete Kaplan Foundation setzt sich für die Pflege und den Erhalt des Werks von Gustav Mahler ein. Zu den bisher von der Stiftung geförderten Projekten gehören die Herausgabe von Faksimiles der Autographen der 2. Sinfonie (die Handschrift hatte Kaplan 1984 erworben) und des „Adagietto“ aus der 5. Sinfonie, einer Diskographie aller Mahler-Einspielungen, der Bild-Biographie The Mahler Album (dt. Das Mahler-Album) und der Welte-Mignon-Klavierrollen, die kritische Neuausgabe der Partitur der 2. Sinfonie (Kaplan war gemeinsam mit renate Stark-Voit Mitherausgeber im Rahmen der Mahler-Gesamtausgabe bei der Universal-Edition) sowie die Restaurierung von Gustav Mahlers „Komponierhäuschen“. Ferner veranlasste Kaplan die Veröffentlichung der von Mahler erstellten Streichorchesterversion des Quartetts Der Tod und das Mädchen von Schubert. Er starb am 1.1.2016 in New York.

 

3.3. Miroslav ČANGALOVIC: 95. Geburtstag

Miroslav Čangalović

 Er wurde anfänglich Journalist, ließ dann aber seine Stimme in Belgrad bei Zdenka Ziková ausbilden. Bühnendebüt 1946 an der Oper von Belgrad als Pimen in Mussorgskys »Boris Godunow«. Seitdem hatte er eine große Karriere an der Belgrader Oper, deren erster Bassist er für Jahrzehnte blieb. Sein internationaler Ruhm, vor allen Dingen als Interpret des slawischen Repertoires, kam durch eine Reihe erfolgreicher Gastspiele zustande. 1954 unternahm er eine Gastspieltournee durch die Schweiz als Boris Godunow, 1955-56 mit der Belgrader Oper zu Gast bei den Festspielen von Wiesbaden, wobei er als Boris Godunow, als Dosifej in »Chowanschtschina« von Mussorgsky und in »Fürst Igor« von Borodin große Erfolge erzielte. 1957 sang er in der Eröffnungsvorstellung des Théâtre des Nations in Paris die Titelrolle in »Don Quichotte« von Massenet. 1958 Gastspiel in Paris und in Italien, 1962 beim Edinburgh Festival (als Dosifej, als der Kontschak wie als Galitzky in Borodins »Fürst Igor« und als Don Quichotte von Massenet), 1963 in Barcelona, 1965 Gastspiele an englischen Opernbühnen. Zu Gast an der Mailänder Scala (1961 in einem Konzert mit den Liedern und Tänzen des Todes von Mussorgsky), am Bolschoi Theater Moskau, beim Holland Festival, in Brüssel, Chicago, Buenos Aires, Sofia, Budapest, beim Maggio Musicale von Florenz, in Berlin, Leipzig und Leningrad. Höhepunkte seines Bühnenrepertoires waren der Iwan in Glinkas »Iwan Susanin« (»Ein Leben für den Zaren«), der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Mephisto in »Faust« von Gounod, der Leporello im »Don Giovanni«, der Sarastro in der »Zauberflöte«, die Titelfigur in »Mefistofele« von Boito und der Philipp in Verdis »Don Carlos«. 1976 verabschiedete er sich von der Bühne. Sein Basso profondo bewältigte dazu auch ein weitreichendes Konzertrepertoire. Er starb 1999 in Belgrad.

Schallplatten: Decca (u.a. vollständige Opern »Boris Godunow«, »Chowanschtschina«, »Fürst Igor«, »Eugen Onegin«, »Schneeflöckchen« von Rimsky-Korssakow), Jugoton, Everest (Titelheld in »Don Quichotte« von Massenet), Myto/TIS (»Mazeppa« von Tschaikowsky).

 

3.3. Federico MORENO TORROBA: 125. Geburtstag

 Er erhielt seinen ersten Musikunterricht von seinem Vater José Moreno Ballestro. Später studierte er dann am Konservatorium von Madrid und war Schüler von Conrado del Campo.

Torroba komponierte zunächst sinfonische Werke wie Zoraida, Cuadros castellanos, La ajorca de oro, Capricho romántico oder die Suite Castellana. Doch schon bald folgt Torroba musikalisch seinen Komponistenkollegen und wandte sich der Zarzuela zu, und verhalf ihr als einer der großen Komponisten dieses Genres im 20. Jahrhundert zur Blüte. Die Zarzuela selbst hat einige Ähnlichkeit mit der französischen opéra comique und dem deutschen Singspiel oder der Operette. Man könnte sagen: die Zarzuela ist die spanische Schwester der Operette. Wie diese ist die Zarzuela durch abwechselnd gesprochenen und gesungenen Text gekennzeichnet. Torrobas erstes Werk war die Oper Las decicidas und wurde im Teatro Lara von Madrid uraufgeführt. Im Jahre 1925 hatte Torroba größten Erfolg mit seiner ersten Zarzuela La mesonera de Tordesillas. Das Libretto dazu schrieb Sepúlveda y Manzona. Dieses Werk hat historischen Charakter und erzählt die Abenteuer des Königs Felipe IV. Es folgten Werke wie Manola, la del porillo, La Marcharena, Cascabeles, Baturra de temple, El aguaducho, Azabache y la zarzuela. Am 31. März 1931 wurde zum ersten Mal La chulapona aufgeführt. Diese Partitur folgte der volkstümlichen Madrider Linie Madrilena der La Revoltosa und La verbena de La Palona, die Musik für ein in Madrid bekanntes religiöses Volksfest, am Vorabend der genannten Patrone gefeiert. Torrobas bekanntestes Werk Luisa Fernanda wurde am 26. März 1932 im Teatro Calderón uraufgeführt. Das Libretto dazu schrieben Federico Romero und Guillermo Fernandéz Shaw. Dieses berühmteste Werk Torrobas wurde inzwischen mehr als zehntausendmal aufgeführt. Der Spanische Bürgerkrieg (1936) und der aufkommende Film setzten der Zarzuelabegeisterung ein vorläufiges Ende. Der Versuch des Franco-Regimes, die Zarzuela zum nationalen Symbol zu stilisieren, stieß auf Ablehnung. Erst mit den Vorbereitungen zur 500-Jahr-Feier zur Entdeckung Amerikas (1982) erinnerte man sich an das musikalische Erbe. Nach dieser Zwangspause erschien wieder ein neues Werk von Torroba: Monte Carmelo, in Zusammenarbeit mit den beiden Librettisten Romero und Shaw. Weiter gab es Erfolge mit La Caramba, im April 1942 uraufgeführt im Teatro de la Zarzuela. Hier war der Librettist Luis Fernandéz Ardavin; La illustre moza, Los laurelos, El cantar del organillo, Sierra Morena, Una noche en Aravaca.

Neben seinen sinfonischen Werken, Opern und Zarzuelas hatte Torroba den Wunsch, eine eigenständige, typisch spanische Musik zu schaffen, denn er war – wie z.B. auch Manuel de Falla und viele andere spanische Komponisten – von der Bedeutung der Gitarre als Nationalinstrument Spaniens überzeugt. So verfasste er im Laufe seines Lebens ungefähr hundert Werke für dieses Instrument. Teilweise wurden die Werke angeregt oder beauftragt von Andrés Segovía, aber auch anderen Gitarristen. Stets komponierte er dabei aus dem Geiste der spanischen Volksmusik heraus, wie sich dies beispielsweise in den Überschriften seiner acht Estampas (Bilder) für vier Gitarren ausdrückt: „Einen Bauern-Fandango tanzend – Stauwasser – Ernte – Fest im Dorf – Tagesanbruch – Hochzeit – Mühlenweg – Kindliche Spiele.“ Aber auch in Werken ohne solche programmatischen Themen und Motive, wie z.B. der dreisätzigen Sonatina für Gitarre und kleines Orchester, sprechen die musikalischen Themen und Motive eine eindeutig spanische Sprache. Oft erweist sich Torroba in seinen Sätzen als Meister der Miniatur. In seinen Puertas de Madrid, Pièces caractéristiques, Siete Piezas de Àlbum oder Aires de la Mancha. Bezüglich der Kompositionstechnik verwendete er – formal betrachtet – häufig die Liedform A-B-A‘ und die Rondoform. Der musikalische Gestus wirkt häufig heiter, malt das Bild einer sonnendurchfluteten Landschaft und schmeichelt dem Hörer mit seinen tänzerischen Rhythmen. Im Jahre 1935 wurde Torroba Mitglied der Académico de Bellas Artes und 1975 wurde er zum Präsidenten der Sociedad de Autores Espanoles ernannt. Mehr als zwanzig Jahre war er Direktor der Theater Calderón und de la Zarzuela von Madrid sowie der Compania Lírica Nacional. Die Stadt Madrid verlieh Torroba die Consiguió la medalla de oro de la Villa de Madrid. Er starb 1982 in Madrid.

 

3.3. Marie GEISSLER: 150. Geburtstag

 Sie war die Tochter eines Kaiserlich-Königlichen österreichischen Militärkapellmeisters und führte den Geburtsnamen Marie Kotzmann. Ihre Stimme fiel während ihrer Kindheit in Kirchenchören auf, und die berühmte Primadonna Caroline von Gompertz-Bettelheim riet dringend zur Ausbildung dieser Stimme. Sie empfahl sie ihrer Freundin, der Gesanglehrerin Frau Bondi in Brünn (Brno), die sie als Schülerin annahm und sie in den Jahren 1884-88 unterrichtete. 1888-89 sang sie am Theater von Salzburg Partien wie die Azucena im »Troubadour«, die Nancy in Flotows »Martha« und die Czipra im »Zigeunerbaron« von J. Strauß. In den Jahren 1889-93 war sie am Stadttheater von Aachen engagiert und wechselte dann an das Hoftheater von Braunschweig, an dem sie eine lange, erfolgreiche Karriere hatte. Sie debütierte dort als Ortrud im »Lohengrin« und trug an ihrem Braunschweiger Haus wie bei Gastspielen Partien wie die Fides im »Le Prophète« von Meyerbeer, die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Klytämnestra in Glucks »Iphigenie in Aulis«, die Amneris in »Aida« und die Brangäne in »Tristan und Isolde« vor; als ihre Glanzrolle galt jedoch die Carmen. Sie blieb bis 1906 Mitglied des Braunschweiger Hoftheaters. Sie war verheiratet mit dem Schauspieler Hilmar Geißler (1863-1937).

 

4.3. Jenny LUTZER: 200. Geburtstag

Jenny LUTZER

 Ihre Eltern erkannten frühzeitig die stimmliche Begabung der Tochter und verlegten ihren Wohnsitz nach Wien, um ihr eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Dort wurde sie Schülerin des berühmten Pädagogen Giuseppe Ciccimarra. 1829 debütierte sie in einem Konzert in Prag und erregte großes Aufsehen durch die Perfektion ihrer Gesangstechnik. 1832 kam es dann am Deutschen Landestheater Prag zu ihrem Bühnendebüt in der Rossini-Oper »La Donna del lago«. 1835 sang sie in einem Konzert vor dem österreichischen Kaiserhof in Teplitz in Böhmen. Sie wirkte bis 1836 in Prag und unternahm in dieser Zeit Gastspiele an führenden Theatern im deutschen Sprachraum wie in Mailand. Sie verabschiedete sich vom Prager Publikum als Elvira in »I Puritani« von Bellini und war dann 1837-42 eins der prominentesten Mitglieder der Wiener Hofoper, damals im Theater am Kärntnertor (Antrittsrolle: Desdemona im »Otello« von Rossini). Aus ihrem Bühnenrepertoire sind die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Zerline im »Don Giovanni«, die Adina in »L‘Elisir d’amore«, die Isabella in »Der Zweikampf« von Louis Spohr, die Alice in »Robert le Diable«, die Marguerite de Valois in den »Hugenotten« von Meyerbeer, die Madeleine im »Postillon von Lonjumeau« von Adam und die Gabriele im »Nachtlager von Granada« von C. Kreutzer zu nennen. 1839 sang sie in Wien in der Uraufführung der Oper »Die Genueserin« von P.J. von Lindpaintner die Titelrolle. Sie gastierte an den Hofopern von München und Stuttgart (1838), am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg, am Opernhaus von Frankfurt a.M., am Hoftheater von Mannheim (1839) und am Deutschen Theater in Pesth (1840). 1841 war sie an der Mailänder Scala als Amina in Bellinis »La Sonnambula« und als Adina zu Gast. Am 20.6.1842 sang sie an der Covent Garden Oper London die Königin Marguerite de Valois in der englischen Erstaufführung von Meyerbeers »Hugenotten«. Kurz darauf (1842) heiratete sie den Schriftsteller und Bühnendirektor Franz von Dingelstedt (1814-81) und beendete ihre Karriere als Sängerin. Sie verabschiedete sich von ihrem Wiener Publikum, das ihr als Abschiedsgabe eine Medaille mit ihrem Bild und der Umschrift »Der Kunst unersetzlich, den Wienern unvergesslich« schenkte. Sie folgte ihrem Gatten an die Bühnen, die er leitete: 1851 an das Hoftheater München (wo er durch König Maximilian II. Joseph geadelt und zum Freiherrn von Dingelstedt erhoben wurde), 1857 an das Hoftheater Weimar, 1867 an die Wiener Hofoper, 1870 an das Burgtheater in Wien. Sie starb 1877 in Wien.

 

6.3. Oleksandr BILASH: 85. Geburtstag

 Biographie des ukrainischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Oleksandr_Bilash

 

6.3. Julius RUDEL: 95. Geburtstag

 Er begann seine musikalische Ausbildung an der Musikhochschule Wien, nach dem Anschluss Österreichs 1938 emigrierte seine Familie mit ihm in die Vereinigten Staaten, wo er seine Studien am Mannes College of Music in New York fortsetzte. Im Jahr 1943 wurde er Korrepetitor an der New York City Opera und gab im folgenden Jahr dort sein Debüt als Dirigent mit Der Zigeunerbaron von Johann Strauß. Künstlerischer Leiter der New York City Opera war er dann 1957-79. Er studierte dort ein breites Repertoire von Claudio Monteverdi bis Leos Janácek ein. Zugleich war er 1962-76 auch künstlerischer Leiter des Festival Caramoor im Staat New York und erster Musikdirektor des Kennedy Center in Washington, D.C. Daneben wirkte er als Gastdirigent am Philadelphia Orchestra und bei zahlreichen Opernhäusern und Orchestern und erhielt zahlreiche Auszeichnungen: 1961 die Ehrenmedaille für Kunst und Wissenschaft der österreichischen Regierung. Er war ein meisterhafter Interpret und Förderer der amerikanischen Oper und dirigierte zahlreiche Uraufführungen moderner amerikanischer Bühnenwerke. 1979 trat er von seiner Stelle an der New York City Opera zurück und ist seitdem musikalischer Direktor des Buffalo Philharmonic Orchestra und gefragter Operndirigent in Europa u.a. an der Wiener Staatsoper (1976-2005 insgesamt 37 Vorstellungen von Die Fledermaus, La Clemenza di Tito, La Traviata, La Bohème, Cavalleria rusticana/Pagliacci, Il barbiere di Siviglia, Carmen, Tosca, Il Trovatore) oder den Opernhäusern Hamburgs und Münchens. 1978 debütierte er mit Massenets Werther an der Metropolitan Opera und dirigierte an diesem Haus bis 2005 mehr als 250 Opernvorstellungen. Er starb im Juni 2014 im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Manhattan.

 

7.3. Robert POLÁK: 150. Geburtstag

Robert_POLAK

 Seine Ausbildung erfolgte im Wesentlichen in der Opernschule Lukes in Prag, nachdem er zuerst ein Studium der Malerei begonnen hatte. Bereits 1884 trat er als Bassbuffo der Operngesellschaft Pistekov bei und wechselte dann zur Operngesellschaft Svandov. Nach erfolgreichen Gastspielen in den Jahren 1893 und 1894 am Nationaltheater Prag (u.a. als Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«) wurde er 1894 als Nachfolger von Wilhelm Hesch an dieses Haus engagiert, dem er seither bis zu seinem Tod 1926 angehörte. Seit 1899 übernahm er an diesem Haus auch Aufgaben als Regisseur; so führte er in der wichtigen Prager Premiere von Janáceks »Jenufa« 1916 Regie. Im Mittelpunkt seines Repertoires standen Buffo-Partien (Kezal, Mumlal in »Zwei Witwen« von Smetana, Bonifác in Smetanas »Das Geheimnis«, Bartolo im »Barbier von Sevilla«), doch sang er auch Rollen wie den Mephisto im »Faust« von Gounod, den Benes in »Dalibor« von Smetana und den König Heinrich im »Lohengrin«. 1899 übernahm er am Nationaltheater Prag in der Uraufführung der »Teufelskäthe« (»Cert a Káca«) von Dvorák den Lucifer, 1904 wirkte er dort in einer weiteren Uraufführung einer Oper von Dvorák, »Armida«, mit.

Schallplatten: G & T (Prag 1906), Parlophon, Heliophon, Amor Gr. Records.

 

7.3. Elise BERNER: 250. Geburtstag

 Ihr Vater Felix Berner (1738-87) war Leiter einer Theatergruppe, die aus Kindern bestand, mit denen er in Bayern, in Österreich und in der Schweiz kleine Operetten und Schauspiele zur Aufführung brachte. Auf einer derartigen Tournee wurde die Künstlerin geboren. Bereits mit fünf Jahren trat sie auf der Bühne auf und wurde durch den Gesanglehrer Gspan unterrichtet. 1782 sang sie am Fürstbischöflichen Hof Würzburg und trat dort auch auf der Bühne auf. Der Fürstbischof wollte die begabte junge Sängerin zur weiteren Ausbildung nach Italien schicken, doch scheiterte dies, weil der Fürstbischof bald verstarb. Darauf ging sie nach Regensburg, wo sie noch 1782 den Sänger und Schauspieler Johann Nepomuk Peierl (1761-1800) heiratete. Mit ihm sang sie 1783 in Mannheim, dann in Salzburg (1785) und Graz, schließlich wurden beide 1787 an das Hoftheater von München engagiert. Dort konnte sie bald eine glänzende Karriere entfalten. Der bayerische Kurfürst Carl Theodor wie seine Gattin Maria Leopoldine waren große Verehrer ihrer Kunst; 1797 erfolgte ihre Ernennung zur Hofsängerin. Einer alten Tradition folgend trat sie auch als Schauspielerin auf der Sprechbühne auf, wobei die Frauengestalten in den Dramen von Schiller zu ihren besten Leistungen zählten. 1805 wirkte sie in München in der Uraufführung der Oper »Castor und Pollux« von P. von Winter als Teleira mit; sie sang auch die Phöbe in der gleichnamigen Oper (»Castore e Polluce«) von Abbé Vogler und die Obervestalin in Spontinis »La Vestale« und als besondere Glanzrolle die Klytämnestra in Glucks »Iphigenie in Aulis«. Als Nepomuk Peierl am 21.8.1800 in München starb, heiratete sie im November 1801 in zweiter Ehe den Hofmusikus Franz Lang (Witwer der Sängerin und Schauspielerin Franziska Lang-Stamitz, die 1800 verstorben war). Elise Berner setzte ihre Karriere in München bis etwa 1815 fort, zuletzt übernahm sie Alt-Partien, dann noch kleinere Rollen. Sie starb 1824 in München. Aus ihrer Ehe mit Johann Nepomuk Peierl stammte ihre Tochter Antonia Peierl (1789-1851), die an der Münchner Hofoper eine große Karriere hatte und 1809 den Professor für Architektur Karl Fischer heiratete.

 

9.3. Sergej LARIN: 60. Geburtstag

Sergei Larin

 Der Künstler, der einer russischen Familie entstammte, studierte zunächst Französisch. Nachdem er dieses Studium abgeschlossen hatte, begann er am Konservatorium von Vilnius (Wilna) seine Ausbildung zum Sänger. Er debütierte in Vilnius bereits während des zweiten Ausbildungsjahres als Alfredo in »La Traviata«. Hatte er zunächst lyrische Tenorpartien gesungen, so wechselte er nach einigen Jahren in das jugendlich-heldische Stimmfach und übernahm jetzt Rollen wie den Wladimir in Borodins »Fürst Igor« und den Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky. Seit der Spielzeit 1989-90 war er Mitglied des Slowakischen Nationaltheaters Bratislava (Preßburg) und begann nun eine große internationale Gastspiel-Karriere. 1989 gastierte er in Dresden in »Prometheus« von R. Wagner-Régeny, 1990 mit dem Ensemble der Oper von Leningrad am Pariser Théâtre des Champs-Élysées als Hermann, 1991 an der Oper von Monte Carlo als Don José in »Carmen«. 1990 sang er bei den Wiener Festwochen in »Mozart und Salieri« von Rimsky-Korssakow (mit Jewgenij Nesterenko als Partner), im gleichen Jahr debütierte er an der Wiener Staatsoper als Lenski im »Eugen Onegin«; bis 2001 sang er hier in insgesamt 44 Vorstellungen auch den Alvaro in  »La forza del destino«, den Hermann in »Pique Dame«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Dimitri im »Boris Godunow«, den Loris in »Fedora« von Giordano, den Canio im »Bajazzo«, den Don Carlos in der gleichnamigen Oper von Verdi, den Radames in »Aida« und den Don José. 1991 debütierte er als Maurizio in »Adriana Lecouvreur« an der Mailänder Scala, an der 1992 auch das Tenorsolo im Verdi-Requiem und den Don Carlos von Verdi, 1993 den Loris und das Tenorsolo in der Glagolitischen Messe von Janácek, 1995 den Dick Johnson in »La fanciulla del West«, 1997 den Cavaradossi, 2000 nochmals den Maurizio, 2002 das Tenorsolo in der 1. Sinfonie von Skrjabin und 2004 das Tenorsolo in Dvoráks Stabat mater gesungen hat. Bei den Bregenzer Festspielen gastierte er 1992 als Don José, 1993 als Loris und 1995 als Florestan im »Fidelio«. An der San Francisco Opera gastierte er 1992 als Cavaradossi (zugleich sein US-Debüt), 1995 als Prinz in Dvoráks »Rusalka«, 1997 als Don José, 1998 als Don Carlos von Verdi und 2001 als Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saens. Weitere Gastspiele in St. Petersburg und Moskau, in Prag, Budapest und Warschau, an Bühnen in Deutschland und in der Schweiz. Am Opernhaus von Frankfurt a.M. sang er 1993 den Sergej in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch. Bei den Osterfestspielen von Salzburg gastierte er 1994 als Dimitrij im »Boris Godunow«, bei den dortigen Sommerfestspielen 1994 und 1997 ebenfalls als Dimitrij sowie 1998 und 1999 als Don Carlos. An der Pariser Oper gastierte er 1994 als Cavaradossi, 1994, 1997 und 2002 als Don José, 1997 als Gabriele Adorno in Verdis »Simon Boccanegra«, 1997 als Kalaf in Puccinis »Turandot«, 1998 als Lenski und als Pollione in Bellinis »Norma«, 1999 und 2001 als Don Carlos, 2001 als Hermann in »Pique Dame« und 2002 als Prinz in »Rusalka«. 1994 gastierte er an der Hamburger Staatsoper als Cavaradossi, am Teatro Colón Buens Aires (und 1995 bei den Festspielen von Verona wie am Teatro Comunale Bologna) als Don José, 1995 an der Berliner Staatsoper als Cavaradossi, 1995-96 an der Münchner Staatsoper als Gabriele Adorno, 1996 an der Berliner Staatsoper als Canio, am Teatro Municipale Piacenza als Loris (als Partner von Mirella Freni). 1996 gastierte er als Partner von Béatrice Uria-Monzon am Teatro Regio Turin als Don José. An der Metropolitan Oper New York sang er 1997-2004 in insgesamt elf Vorstellungen den Dimitrij im »Boris Godunow«. 1997 hörte man ihn in Turin ebenfalls als Dimitrij, an der Bayerischen Staatsoper München als Cavaradossi, am Teatro Comunale Florenz als Dick Johnson. Am Teatro Regio Turin sang er 1998 den Lenski, an der Berliner Staatsoper den Canio, beim Festival von Orange den Don José, beim Ravenna-Festival den Canio, bei den Aufführungen von Puccinis »Turandot« in der Verbotenen Stadt in Peking den Kalaf. 1999 gastierte er an der Oper von Rom als Radames, an der Staatsoper von München als Alvaro, am Teatro San Carlo Neapel als Pollione. 2000 hörete man ihn an der Münchner Staatsoper als Don Carlos und als Don José, den er auch am Teatro San Carlo sang. 2000 am Teatro Colón Buenos Aires als Paolo in  »Francesca da Rimini« von R. Zandonai zu Gast. An der Bayerischen Staatsoper München hörte man ihn 2002-03 als des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut« und als Don Carlos. Auch als Konzertsänger kam er zu einer erfolgreichen Karriere; er wirkte in der russischen Erstaufführung des Oratoriums »Les Béatitudes« von César Franck mit. Er starb 2008 in Bratislava.

Schallplatten: DGG (Sergej in »Lady Macbeth von Mzensk«, »Mazeppa« von Tschaikowsky, Paolo in »Francesca da Rimini« von Rachmaninoff, »Die Glocken« von Rachmaninoff und »Johannes Damascenus« von Tanejew), Sony (»Boris Godunow«), Chandos (Lieder vom Tschaikowsky; Lieder von Rimsky-Korssakow, C. Cui, Balakirew, Borodin und Mussorgsky; Lieder von S. Rachmaninoff; Arien aus russischen Opern), Stradivarius (Lieder von Verdi); RCA-Video (Kalaf in »Turandot«, Peking 1998).

 

9.3. Nicolas-Prosper LEVASSEUR: 225. Geburtstag

Nicolas-Prosper LEVASSEUR

 Sein eigentlicher Name war Prosper Levasseur. Er wurde seit 1807 am Conservatoire National durch Pierre Garat ausgebildet. Sein Debüt erfolgte 1813 an der Grand Opéra Paris als Osman Pascha in »La Caravane du Caïre « von André Grétry. Er debütierte 1815 am Londoner King’s Theatre in der Oper »Adelasia ed Aleramo« von Simone Mayr. 1815-17 sang er an diesem Theater, wohin er nochmals 1832 zurückkehrte und den Bertram in der Londoner Erstaufführung von Meyerbeers »Robert le Diable« kreierte. Am Théâtre-Italien in Paris, an dem er 1819 als Antrittsrolle den Grafen Almaviva in »Le nozze di Figaro« sang, trat er in vielen Premieren von Rossini-Opern auf, mit besonderem Erfolg 1822 in der Titelrolle von dessen »Mosè in Egitto«. 1819-27 hatte er eine große Karriere am Théâtre-Italien in Paris, und von 1828 bis 1853 gehörte er dann zu den prominentesten Sängern der Pariser Grand Opéra. Er wirkte am 19.6.1825 in der Uraufführung von Rossinis »Il Viaggio a Reims« am Pariser Théatre-Italien als Don Alvaro mit. Die wichtigsten Uraufführungen, in denen er an der Grand Opéra auftrat, waren: am 26.3.1827 »Moïse et Pharaon ou le Passage de la Mer Rouge« von Gioacchino Rossini (eine Neu-Bearbeitung der bereits 1818 uraufgeführten Rossini-Oper »Mosè in Egitto«), am 20.8.1828 »Le Comte Ory« (als Gouverneur) und am 3.8.1829 »Wilhelm Tell« (als Walter Fürst), beide ebenfalls von Rossini, am 20.6.1831 »Le Philtre« von Auber, am 21.11.1831 »Robert le Diable« von Meyerbeer (als Bertram), am 1.10.1832 »Le Serment« von Auber, am 27.2.1833 »Gustave III. ou le Bal masqué« von Auber (als Ankarström), am 29.2.1836 »Les Huguenots« von Meyerbeer (als Marcel), am 3.3.1837 »Stradella« von Louis Niedermeyer, am 16.4.1849 »Le Prophète«, wiederum von Meyerbeer (als Zacharie), am 1.4.1839 »Le Lac des Fées« von Auber, am 2.12.1840 »La Favorite« von Donizetti (als Balthazar), am 13.11.1843 »Dom Sébastien« vom gleichen Meister (als Don Juan), am 15.3.1843 »Charles VI.« von Halévy. Er sang an der Grand Opéra auch am 23.2.1835 in der Uraufführung von Halévys »La Juive« die Partie des Kardinals Brogni, 1838 in einer weiteren Uraufführung einer Oper von Halévy »Guido et Ginevra«, 1844 in der von »Le Lazzarone« vom gleichen Komponisten, 1844 auch in »Marie Stuart« von Louis Niedermeyer. In den Jahren 1819-28 trat Nicolas Levasseur, der als einer der berühmtesten Bassisten seiner Epoche galt, fast alljährlich an der Mailänder Scala, u.a. auch am 14.11.1820 in der Uraufführung einer weiteren Oper von Meyerbeer, »Margherita d’Anjou«, auf. Seine Stimme wird als echter Basso cantante geschildert; auf der Bühne erreichte er seine besten Leistungen in der Interpretation seriöser Partien. Nachdem er 1853 seine an Ehrungen (er wurde u.a. zum Ritter der Ehrenlegion ernannt) und Erfolgen überreiche Karriere beendet hatte, wurde er Professor am Conservatoire National de Paris. Diese Professur nahm er bis 1870 wahr. Er starb 1871 in Paris. Der Komponist und Musikologe Francois-Joseph Fétis wurde durch seine Stimme besonders begeistert, als er in der Partie des Gouverneurs in Rossinis »Le Comte Ory« ein tiefes F über dem vollen Orchester sang. Sein Stimmumfang reichte vom tiefen Des bis zum eingestrichenen f‘.

 

10.3. Arta FLORESCU: 95. Geburtstag

Arta_FLORESCU

 Sie begann zunächst ein Jurastudium, ließ dann aber ihre Stimme am Konservatorium von Bukarest ausbilden. 1945 kam es zu ihrem Debüt an der Nationaloper Bukarest in der Partie der Lucia di Lammermoor. Seitdem blieb sie für die gesamte Dauer ihrer Karriere Mitglied dieses Hauses, wurde aber durch Gastspiele auf internationaler Ebene bekannt. So bereiste sie 1958 und 1964 die Sowjetunion; 1963 gastierte sie am Théâtre de la Monnaie Brüssel als Marschallin im »Rosenkavalier«, 1967 am Opernhaus von Rio de Janeiro als Donna Anna im »Don Giovanni«, 1967 an der Oper von Toulouse. Von ihren vielen Bühnenpartien seien nur die Gräfin in »Le nozze di Figaro«, die Traviata, die Desdemona in Verdis »Otello«, die Aida, die Mimi in »La Bohème«, die Tosca, die Butterfly, die Elsa im »Lohengrin«, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« und die Antonida in »Iwan Susanin« (»Ein Leben für den Zaren«) von Glinka genannt. Dazu war sie eine bekannte Konzert- und Oratoriensolistin. Sie wirkte später als hoch angesehene Pädagogin am Konservatorium Ciprian Porumbescu in der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Sie starb 1998 in Bukarest.

Schallplattenaufnahmen auf der rumänischen Marke Electrecord und auf der russischen Marke Melodiya.

 

10.3. Maurice BEVAN: 95. Geburtstag

 Er erhielt seine musikalische Ausbildung am Magdalen College in Oxford. 1949 wurde er Vicar Choral an der Londoner St. Pauls-Kathedrale, eine Position, in der er bis 1989 wirkte. Er war einer der Mitbegründer des bekannten Deller Consort, das sich um den Countertenor Alfred Deller bildete und vor allem Werke aus der Barock-Epoche in authentischer Form zur Aufführung brachte. Mit diesem Vokal-Ensemble kam er in England wie bei Konzertreisen in aller Welt zu aufsehenerregenden Erfolgen. So trat er in Europa, in den USA, in Israel und in Brasilien auf. Er gab dazu englische Barockmusik des 17. und 18. Jahrhunderts neu heraus, war als Musikologe und Schriftsteller tätig, wobei er auch auf diesen Gebieten allgemein bekannt wurde. Nicht zuletzt sind seine zahlreichen Schallplattenaufnahmen zu erwähnen, die zumeist mit dem Deller Consort erfolgten; sie erschienen auf den Marken RCA, Harmonia mundi (»Acis and Galatea« von Händel, 1970; »The Fairy Queen«, »The Indian Queen« und »King Arthur« von Purcell; dazu Arien und Lieder), Vanguard (Aeneas in Purcells »Dido and Aeneas«, 1956; »Alexander’s Feast« von Händel), Abbey (Religiöse Musik des 17. und 18. Jahrhunderts). Er starb im Juni 2006.

 

11.3. Geraldine DECKER: 85. Geburtstag

 Biographie der amerikanischen Mezzosopranistin auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Geraldine_Decker

 

12.3. Tapani VALTASAARI: 75. Geburtstag

 Er ergriff zunächst den Beruf eines Elementarschullehrers, studierte dann Gesang bei Onerva Rautiainen, bei Lauri Lahtinen und bei Lea Piltti in Helsinki, weitere Ausbildung bei Clemens Kaiser-Breme in Essen. 1971 Debüt an der Nationaloper Helsinki als Tartaglia in »König Hirsch« von H.W. Henze. Er blieb seitdem Mitglied dieses Opernhauses, an dem er eine Reihe von Partien aus dem lyrischen wie dem dramatischen Bariton-Repertoire zum Vortrag brachte. Zu seinen Hauptrollen gehörten der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Graf wie der Figaro in »Figaros Hochzeit«, der Scarpia in »Tosca« von Puccini, der Renato im »Maskenball« von Verdi, der Jago im »Otello«, der Germont-père in »La Traviata«, der Graf Luna im »Troubadour«, der Wotan im »Rheingold« und der Figaro in Rossinis »Barbier von Sevilla«. 1995 wirkte er dort in Aufführungen der Oper »Die letzten Versuchungen« von J. Kokkonen mit. Er trat als Gast bei den Festspielen von Savonlinna auf, erschien in Fernsehbearbeitungen von Opern und hatte auch als Konzertsänger eine erfolgreiche Karriere. Er starb im 2004 in Lappeenranta.

 

12.3. Erkki SALMENHAARA: 75. Geburtstag

 Er studierte am Konservatorium von Helsinki bei Joonas Kokkonen und 1963 einige Monate in Wien bei György Ligeti. Es folgte ein Studium der Musikwissenschaft, Ästhetik und Philosophie, das er mit einer Dissertation über die Musik Ligetis 1970 abschloss, an der Universität Helsinki, wo er seit 1966 als Lehrer, seit 1975 als Assistenzprofessor wirkte.

1963-73 war er Musikkritiker beim Helsingin Sanomat. Ab 1969 war er Vizepräsident der Finnischen Gesellschaft für Musikwissenschaft, 1974-76 Präsident des Finnischen Komponistenverbandes und 1974-78 Präsident des finnischen Sinfonieorchesterverbandes.

Salmenhaara verfasste Biographien Jean Sibelius‘‘ und Leevi Madetojas, Kommentare zu den Werken Ligetis und Johannes Brahms‘ und zu Sibelius Tondichtung Tapiola, Schriften zur Musik des 20. Jahrhunderts, Beiträge zum Lexikon der finnischen Musikgeschichte und ein Lehrbuch der Musiktheorie. Er komponierte u. a. fünf Sinfonien und eine sinfonische Dichtung, vier Elegien für Kammerorchester, kammermusikalische Werke, Klavierstücke, Kantaten, Chorwerke, Lieder sowie Stücke für elektronische Instrumente. Er starb 2002 in Helsinki.

 

12.3. Elena DIMA: 90. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung an der Musikakademie von Bukarest durch Constanta Badescu und Petre Stefanescu-Goanga. Sie trat zunächst nur als Konzertsängerin hervor und begann erst spät eine Karriere als Opernsängerin. Sie debütierte 1967 an der Rumänischen Nationaloper Bukarest als Gräfin in »Figaros Hochzeit« von Mozart. Sie kam zu großen Erfolgen im Ensemble dieses Opernhauses, wobei sie sich vor allem in dramatischen Partien auszeichnete (Leonore im »Fidelio«, Santuzza in »Cavalleria rusticana«, Aida, Amelia im »Maskenball« von Verdi, Marschallin im »Rosenkavalier«, Senta in »Der fliegende Holländer«, Elsa im »Lohengrin«, Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«). Zu Gast an den Opern von Lüttich, Brno (Brünn), Tiflis und an der Nationaloper Sofia. Sie sang nach ihrer Heirat auch unter dem Namen Elena Dima-Toroiman. Sie starb im Dezember 2010.

Schallplatten: Electrecord (Leonore im »Troubadour«).

 

12.3. Zoltán KÉLEMEN: 90. Geburtstag

Zoltan Kelemen als Alberich in Bayreuth

Als Alberich in Bayreuth

 Er erhielt seine Ausbildung in den Jahren 1954-56 an der Franz Liszt-Musikakademie in Budapest und setzte sie an der Accademia di Santa Cecilia in Rom bei Maria Teresa Pediconi fort. 1959 kam er nach Westdeutschland und wurde an das Stadttheater Augsburg verpflichtet, an dem er als Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut« debütierte, und dem er bis 1961 angehörte. 1961 wechselte er an das Opernhaus on Wuppertal. 1962 erregte er bei einem Gastspiel am Opernhaus von Köln großes Aufsehen als Alberich im Nibelungenring und als Klingsor im »Parsifal«. Darauf wurde er an dieses Haus berufen, dessen Mitglied er dann geblieben ist. Gleichzeitig war er als ständiger Gast der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg verbunden. Seit 1975 bestand ein Gastvertrag mit dem Opernhaus von Zürich. 1964 sang er den Alberich, seine besondere Glanzrolle, bei den Festspielen von Bayreuth und wiederholte seinen Erfolg in dieser Partie in den Jahren 1976-78; bereits 1962 sang er in Bayreuth einen der Edlen im »Lohengrin« sowie 1963-64 den Hermann Ortel in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Bei den Festspielen von Salzburg wirkte er 1966-67 als Rangoni im »Boris Godunow«, 1966-68 und 1970-71 als Bartolo in »Le nozze di Figaro«, 1972-74 als Antonio in der gleichen Oper, 1971-72 als einer der Handwerksburschen in A. Bergs »Wozzeck« und 1974-75 als Einäugiger in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss mit; er trat dort 1968 auch als Konzertsänger in einer Mozart-Matinee in Erscheinung. Bei den Osterfestspielen von Salzburg trat er 1968-70 als Alberich, 1971 als Don Pizarro im »Fidelio« und 1973 nochmals als Alberich im »Rheingold« auf. 1968 debütierte er an der Metropolitan Oper New York, wo er ebenfalls als Alberich im »Rheingold« seine Erfolge hatte. Am 15.2.1965 wirkte er in Köln in der Uraufführung der Oper »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann mit. 1969 gastierte er mit dem Ensemble der Kölner Oper an der Salder’s Wells Opera London in »Der junge Lord« von H.W. Henze. Gastspiele trugen ihm an den Staatsopern von Wien (1965-78 als Klingsor im »Parsifal«, als Alberich, als Bartolo im »Barbier von Sevilla« und als Antonio in »Le nozze di Figaro«) und an der Grand Opéra Paris (1973 als Bartolo in »Le nozze di Figaro«) große Erfolge ein. Er gastierte an der Deutschen Oper Berlin 1967 als Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, an der Münchner Staatsoper 1967 als Alberich, den er auch 1968 an der Oper von Rom, 1972 an der Stockholmer Oper und 1970 sowie bei den Ring-Aufführungen der Jahre 1975-78 an der Covent Garden Oper London übernahm. 1971 gastierte er am Teatro San Carlo Neapel als Don Pizarro, 1971 an der Oper von Nancy und 1977 am Teatro Regio Turin als Alberich im »Siegfried«, 1967 an der Opéra du Rhin Straßburg als Klingsor, 1975 am Opernhaus von Marseille als Alberich im »Rheingold«. Auch als Konzertsänger hatte er eine bedeutende Karriere. Er starb 1978 in Zürich. – Die für einen Bass hell timbrierte, dabei aber sehr ausdrucksintensive Stimme fand die ihr entsprechenden Aufgaben vor allem im Wagner-Repertoire, doch war er auch ein vortrefflicher Interpret von Buffo-Rollen, dazu ein hervorragender Darsteller. Zu den Bühnenpartien des zu früh verstorbenen Sängers gehörten der Don Magnifico in Rossinis »La Cenerentola«, der Leporello im »Don Giovanni«, der Don Pasquale von Donizetti, der Dulcamara in »L’Elisir d‘ amore«, der Sancho Panza in Massenets »Don Quichotte« (Hamburg 1975), die Titelrolle in »Gianni Schicchi« von Puccini, der Kurwenal in »Tristan und Isolde«, der Ochs im »Rosenkavalier«, der Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos« und der Waldner in »Arabella« von R. Strauss, der Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg« und der Iwan Chowanski in Mussorgskys »Chowanschtschina«.

Schallplatten: DGG (Ring-Zyklus, »Die lustige Witwe«), Decca (Klingsor im »Parsifal«, Rangoni im »Boris Godunow«), Electrola (»Die Meistersinger von Nürnberg«, Minister im »Fidelio«), Wergo (Vater Wesener in »Die Soldaten« von B.A.Zimmermann).

 

12.3. Fritz DÜTTBERND: 125. Geburtstag

 Nach einer kurzen Ausbildung seiner Stimme trat er 1911 in den Chor der Berliner Hofoper ein. Dort erhielt er mit Unterstützung des Intendanten, Grafen von Hülsen, eine weiterführende Ausbildung, sodass er 1916 am Hoftheater von Altenburg (Thüringen) sein Solistendebüt als Graf in »Figaros Hochzeit« geben konnte. Nach einer Spielzeit an diesem Haus wurde er 1917 an das Stadttheater von Elberfeld engagiert, ging von dort 1918 an das Stadttheater von Chemnitz und wurde 1920 Mitglied der Berliner Staatsoper. 1923 wechselte er von dort an das Stadttheater Aachen, dem er bis 1927 angehörte. Er lebte dann gastierend in Berlin, ging aber 1935 nochmals an die Berliner Volksoper ins Engagement, das bis 1942 Bestand hatte. Aus seinem vielgestaltigen Bühnenrepertoire sind zu nennen: der Don Giovanni, der Guglielmo in »Così fan tutte«, der Minister im »Fidelio«, der Wolfram im »Tannhäuser«, der Wilhelm in Lortzings »Die beiden Schützen«, der Lord Ruthwen in »Der Vampyr« von H. Marschner, der Marcello in »La Bohème«, der Sharpless in »Madame Butterfly«, der Scarpia in »Tosca«, der Graf Luna im »Troubadour«, der Renato in Verdis »Maskenball«, der Alberich im »Ring des Nibelungen«, der Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Titelheld in »Cardillac« von Hindemith, der Lord in »Fra Diavolo« von Auber und der Nelusco in Meyerbeers »Afrikanerin«. Er trat häufig als Rundfunksänger in Erscheinung und kam auch im Konzertsaal zu einer erfolgreichen Karriere. Er starb 1954 in Berlin.

Schallplatten: Parlophon (Ensembleszene aus »Lohengrin« mit Meta Seinemeyer und Tino Pattiera von 1928).

 

13.3. Dodi PROTERO: 85. Geburtstag

 Sie begann ihre Ausbildung bei James Rosselino in Toronto. Sie kam dann nach Europa, wurde in Venedig Schülerin der großen Koloratrice Toti dal Monte und studierte bei Lorenz Fehenberger in München sowie bei Ferdinand Großmann in Wien. Bühnendebüt 1956 als zweiter Knabe in der »Zauberflöte« am Teatro San Carlo von Neapel. Sie gewann 1955 einen Gesangsconcours in Siena, 1957 einen weiteren am Salzburger Mozarteum. Sie trat in der Folgezeit an den Theatern von Bielefeld, Köln und Wuppertal auf und war 1958-60 am Theater von Gelsenkirchen engagiert. Sie sang bei den Festspielen von Salzburg 1959 die Clarice in J. Haydns »Il mondo della luna« und 1956 sowie 1958-59 in Mozart-Konzerten. Sie gastierte bei der English National Opera in London und bei den Festspielen von Glyndebourne (1960 als Papagena in der »Zauberflöte«). In Italien war sie an den Opern von Rom, Palermo und Neapel zu hören, in Nordamerika in ihrer kanadischen Heimat, wo sie später lebte, in Toronto und Vancouver, in den USA an den Opern von Philadelphia, New Orleans, Pittsburgh und San Antonio. Die besten Leistungen erreichte ihre bewegliche, technisch vortrefflich ausgebildete Stimme im Fach der Koloratursoubrette. Verheiratet mit dem Tenor Alan Crofoot (1929-79). Sie wirkte 1975-82 als Pädagogin an der Banff School of Fine Arts, 1976-86 als Professorin an der University of Illinois, seit 1987 war sie im Direktorium der New Jersey Opera tätig. Sie starb 2007 in New York.

Schallplatten: Philips (»La finta giardiniera« von Mozart, »La serva padrona« von Pergolesi, Nuri in »Tiefland« von d’Albert).

 

13.3. Julius PEROTTI: 175. Geburtstag

Julius Perotti

 Er hieß mit eigentlichem Namen Julius Prott und besuchte zunächst das Stern’sche Konservatorium Berlin. Dann ergänzte er seine Ausbildung durch umfassende Studien bei Pietro Romani in Florenz, bei Francesco Lamperti in Mailand, bei den italienischen Pädagogen Corsi und Deck-Servani wie bei Gustave Roger in Paris. 1863 eröffnete er seine Karriere am Opernhaus von Breslau. Er begann dann eine ganz internationale Sängerlaufbahn, die ihn für die folgenden dreißig Jahre an die großen Operntheater in aller Welt führte. Er trat 1864 am Deutschen Theater Prag, im gleichen Jahr auch in Mailand, 1865-66 (wohl mit einer italienischen Truppe) in Konstantinopel auf. 1866-68 war er Mitglied der Hofoper von Wien, an der er 1879 und 1884 nochmals gastierte (als Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer und als Masaniello in »Die Stumme von Portici« von Auber). Nach Aufgabe seines Wiener Engagements war er seit 1868 hauptsächlich in Italien (unter dem Namen Giulio Perotti) anzutreffen. 1868 gastierte er am Teatro Andrea Doria in Genua als Lyonel in Flotows »Martha« und als Faust von Gounod, 1869 am Teatro Regio Turin als Lyonel und als Fernando in Donizettis »La Favorita«, im gleichen Jahr am Teatro della Pergola Florenz als Lorenzo in »Giovanna II.« von E. Petrella. Am Teatro Argentina in Rom hörte man ihn 1869 in den Titelrollen von Meyerbeers »Robert le Diable« und von Donizettis »Don Sebastiano«, 1870 als Manrico im »Troubadour« und als Ernani von Verdi sowie als Egidio in »La contessa d‘Amalfi« von E. Petrella, 1872 an der Mailänder Scala als Max im »Freischütz« und als Viscardo in »Il Giuramento« von S. Mercadante. Am Drury Lane Theatre London sang er 1870 den Erik in der englischen Erstaufführung von Wagners »Der fliegende Holländer«, noch in italienischer Sprache. 1872 trat er in der Eröffnungsvorstellung des Teatro de la Opera in Buenos Aires als Manrico auf; auch 1874 war er dort zu Gast. 1874 sang er am Teatro Apollo in Rom den Don Ottavio im »Don Giovanni«, 1875-76 an der Oper von Budapest. Dort sang er später auch in den ungarischen Erstaufführungen der Opern »Mefistofele« von Boito (1862 den Faust), »La Gioconda« von Ponchielli (1886 den Enzo), von Verdis »Otello« (1887 die Titelrolle) und von Giordanos »Andrea Chénier« (1897 ebenfalls die Titelrolle). 1876 trat er in den Premieren von Verdis »Aida« an den Opernhäusern von Breslau und Leipzig als Radames auf. In den Jahren 1884-86 gab er mehrere Gastspiele im deutschen Sprachraum, u.a. an der Berliner Kroll-Oper (1885), am Opernhaus von Frankfurt a. M. und am Hoftheater von Mannheim (1886). Er war zu Gast ebenso in London, Madrid und Moskau. Mehrfach besuchte er Nordamerika, wo er an Opernhäusern in Boston, Chicago, New York und in vielen anderen Städten auftrat. In den Spielzeiten 1888-90 und 1899-1900 war er an der Metropolitan Oper New York engagiert (Antrittsrolle: Raoul in den »Hugenotten«; in insgesamt 77 Vorstellungen sang er hier auch den Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, den Vasca da Gama in der »Afrikanerin« von Meyerbeer, den Faust von Gounod, den Johann von Leiden in Meyerbeers »Le Prophète«, den Eléazar in »La Juive« von Halévy, den Manrico, den Siegmund in der »Walküre«, den Radames, den Assad in Goldmarks »Die Königin von Saba«, den Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, den Lohengrin, den Rienzi von R. Wagner, den Tannhäuser, den Don Ottavio und den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«). In Südamerika war er u.a. in Buenos Aires und in Montevideo zu hören. 1891 trat er an der Covent Garden Oper London als Faust von Gounod (alternierend mit Jean de Reszke und Ernest van Dyck), als Lohengrin und als Tannhäuser auf. 1892-1900 gehörte er wiederum der Budapester Oper an, an der er seine bewegte Karriere zum Abschluss brachte. Seine bedeutendsten Leistungen entwickelte er in Aufgaben aus dem heldischen Stimmfach, darunter auch als Siegfried im Nibelungenring. Seit 1879 besaß er in Triest ein Gärtnereiunternehmen, das für seine Rosenkulturen international bekannt war. Er starb 1901 in Mailand.

Lit: C. Dionisotti: Notizie biografiche dei Vercellesi (Biella, 1862).

Schallplatten: Von seiner Stimme existieren Bettini-Zylinder aus der Frühzeit der Schallplatte (unter dem Namen Julian Pierotti).

 

14.3. Rachel MATHES: 75. Geburtstag

Sie verbrachte ihre Jugend in Birmingham (Alabama). Nachdem sie zuerst als Telefonistin gearbeitet hatte, studierte sie Gesang und Musik am Birmingham Southern College und erwarb den akademischen Grad eines Bachelor of Arts. Sie studierte dann mit einem Fulbright-Stipendium an der Wiener Musikakademie und bei Edith Boroschek in Düsseldorf, schließlich noch bei Marie Wagner in New York. Sie gewann Gesangwettbewerbe in Washington (1962) und Baltimore (1965). Bühnendebüt 1965 am Stadttheater von Basel als Aida. Sie war 1966-71 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg engagiert, 1971-75 am Opernhaus von Bonn, zugleich 1972-75 am Staatstheater Karlsruhe. Sie gab Gastspiele an den Staatsopern von München und Stuttgart, an den Opernhäusern von Köln, Essen, Mannheim, Kassel und Nürnberg, am Teatro San Carlos Lissabon, an den Opernhäusern von Zürich und Genf (1974 als Senta in »Der fliegende Holländer«), in Helsinki, bei der Scottish Opera Glasgow (1975-76 als Donna Anna im »Don Giovanni«) und in ihrer amerikanischen Heimat an den Opern von Pittsburgh und San Diego. In der Saison 1974-75 gehörte sie dem Ensemble der Metropolitan Oper New York an; hier sang sie die Donna Anna (Antrittsrolle), die Tosca, die Gerhilde in der »Walküre« und die Leonore in Verdis »La forza del destino« in insgesamt 17 Vorstellungen. Auf der Bühne trat sie in einem sehr umfangreichen Repertoire, hauptsächlich in Lirico-Spinto-Partien, auf: als Leonore im »Fidelio« (1986 Greenville, South Carolina), als Abigaille in Verdis »Nabucco«, als Amelia in »Un Ballo in maschera«, als Leonore im »Troubadour«, als Elisabeth wie als Venus im »Tannhäuser«, als Elettra in Mozarts »Idomeneo«, als Butterfly, als Ariadne in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und als Lady Billows in »Albert Herring« von Benjamin Britten. Bei den Festspielen von Schwetzingen wirkte sie am 15.5.1969 in der Uraufführung von Giselher Klebes »Märchen von der schönen Lilie« mit. Sie starb 2013 in Birmingham (Alabama).

Schallplatten: HMV (Querschnitt »Don Giovanni«).

 

15.3. Manfred HOPP: 80. Geburtstag

 Er war an der Musikhochschule Berlin Schüler von Frau Dagmar Freiwald-Lange. 1961 debütierte er an der Komischen Oper Berlin als Lysander in »A Midsummer Night’s Dream« von Benjamin Britten und blieb seither Mitglied dieses Opernhauses mit einer Unterbrechung, als er in der Spielzeit 1967-68 an der Staatsoper von Dresden verpflichtet war. An der Komischen Oper Berlin sang er Partien wie den Tamino in der »Zauberflöte«, den Fuchs in »Das schlaue Füchslein« von Janácek, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla« von Paisiello und weitere Rollen in den denkwürdigen Inszenierungen von Opern durch Walter Felsenstein, dazu den Ferrando in »Così fan tutte«, den Belmonte in der »Entführung aus dem Serail« und den Anatol in »Vanessa« von Samuel Barber. Gastspiele, zumeist mit dem Ensemble der Berliner Komischen Oper, führten ihn an wichtige Bühnen in Ostdeutschland wie im Ausland. Er hatte an der Komischen Oper Berlin eine jahrzehntelange Karriere, er trat dort noch 1997 auf. Er war neben seinem Wirken als Sänger auch ein bekannter Autor von Kinderbüchern. Er starb im Juni 2009.

Schallplatten: Eterna, Berlin Classics (David in »Judith« von S. Matthus).

 

16.3. Theo ALTMEYER: 85. Geburtstag

 1953-56 Gesangstudium bei Clemens Glettenberg in Köln. 1955 erhielt er den zweiten Preis beim Gesangwettbewerb der deutschen Rundfunkanstalten in München. 1956-60 gehörte er der Städtischen Oper Berlin an; hier sang er u.a. in deren Opernstudio die Titelpartie in der Uraufführung der Oper »Tagebuch eines Irren« von Humphrey Searle (1958). 1960-68 als erster lyrischer Tenor am Staatstheater von Hannover tätig, danach als Gastsänger dem Haus verbunden. Er zeichnete sich vor allem in Opern von Mozart, Lortzing und Rossini aus; als seine Glanzrolle galt der Titelheld in »Palestrina« von Hans Pfitzner. In dieser Partie gastierte er 1958 an der Staatsoper von Stuttgart, 1969 an der Wiener Staatsoper. Bedeutender noch als sein Wirken auf der Bühne gestaltete sich seine Tätigkeit als Konzertsänger. Konzertreisen führten den Künstler, der als einer der bedeutendsten Oratorientenöre seiner Epoche galt, durch Deutschland, nach Frankreich, Österreich, Italien, England, Belgien, Holland und in die Schweiz. Zwei große Konzerttourneen durch Nordamerika verliefen ungewöhnlich erfolgreich. Er trat bei den Festspielen von Ansbach, Luzern, Montreux, Wien, Florenz, Neapel und Venedig in Erscheinung. Dabei bewältigte er mit seiner ausdrucksreichen, in der Stilistik des Vortrages vorbildlichen Stimme ein Repertoire, das von mittelalterlichen Meistern bis zu modernen Werken reichte und seinen Höhepunkt in der Bach-Interpretation fand. Seit 1974 Dozent an der Musikhochschule Hannover. Er setzte seine Konzerttätigkeit, jetzt aber als Bariton, bis Ende der achtziger Jahre fort. Er starb 2007 in Hannover.

Sehr viele Schallplattenaufnahmen, vor allem aus dem Bereich des Oratoriums und der religiösen Musik: genannt seien auf HMV-Electrola Solopartien in der Matthäus- und Johannespassion von Bach, im Osteroratorium und in vielen Kantaten von Bach, Dettinger Te Deum von Händel, Messen von Beethoven und Mozart. Weitere Platten unter dem Etikett von Philips, auf Cantate (Evangelist in der Lukaspassion von Telemann und in der Johannespassion von H. Schütz), beim Bärenreiter Verlag (Matthäuspassion von H. Schütz), auf Vox und auf Sony (»Das kalte Herz« von N. Schultze, 1994).

 

16.3. Margarita MIGLAU: 90. Geburtstag

Margarita MIGLAU

 Ihre Familie wurde nach Dorpat (Tartu, Estland) umgesiedelt, wo sie am Konservatorium durch die Pädagogin Salme Kann ausgebildet wurde. Seit 1951 setzte sie diese Ausbildung an der Gnesin-Musikhochschule in Moskau fort. 1956 wurde sie sogleich an das Moskauer Bolschoi Theater engagiert und blieb während ihrer gesamten Karriere bis 1986 diesem Haus verbunden. Sie sang dort ein Repertoire, das von Comprimario-Partien bis später zu den großen Rollen ihres Stimmfachs reichte. Aus diesem Repertoire seien genannt: die Priesterin in »Aida«, die Mercedes wie die Micaela in »Carmen«, die Mascha in »Pique Dame« und die Larina wie die Tatjana im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky, die Sascha in »Die Mutter« von Chrennikow, die Bianca in »Der Widerspenstigen Zähmung« von Schebalin, die Wolkhowa in »Sadko« und die Schwanenprinzessin im »Märchen vom Zaren Saltan« von Rimsky-Korssakow, die Clara in der »Schneekönigin« von Banewitsch, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Gräfin in »Le nozze di Figaro«, die Butterfly, die Helena in »A Midsummer Night’s Dream« von B. Britten, die Maria in »Im Mogengrauen ist es noch still« von Kyrill Moltschanow und die Senta in »Der fliegende Holländer«. Auch als Konzertsängerin hatte sie eine erfolgreiche Karriere, u.a. als Solistin im Verdi-Requiem, in der 9. Sinfonie von Beethoven und in »Die Glocken« von Rachmaninoff. 1966 wurde sie zur Verdienten Künstlerin, 1973 zur Volkskünstlerin der UdSSR ernannt. 1986 gab sie ihre Karriere auf; seit 1983 unterrichtete sie an der Gnesin-Musikhochschule in Moskau. Sie starb 2013 in Moskau.

 

  1. 3. Leonard del FERRO: 95. Geburtstag

Leonard del FERRO als Otello mit Robertas Knie
Als Otello mit Roberta Knie

 Ausbildung an der Academy of Operatic Arts in Philadelphia. Abschluss seiner Studien in der Opernschule der Mailänder Scala. 1959 debütierte er an der Covent Garden Oper London als Canio im »Bajazzo«. 1961 sang er an der Niederländischen Oper in Amsterdam wieder den Canio, seitdem hatte er in Holland eine große Karriere. Er spezialisierte sich in erster Linie auf das heldische Fach der italienischen und französischen Opernliteratur (Otello von Verdi, Don José in »Carmen«, Manrico im »Troubadour«, Canio). 1960 sang er an der Metropolitan Oper New York in einer einzigen Vorstellung den Don José. 1962 gastierte er an der Philadelphia Grand Opera als Otello und als Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, 1962 an der Oper von Helsinki, ebenso 1962 an der Oper von Tel Aviv als Kalaf in »Turandot« von Puccini und als Don José, 1968 am Stadttheater von Augsburg als Otello, den er dann auch sehr erfolgreich 1971 bei einem Gastspiel an der Wiener Staatsoper vortrug (bereits 1960 war er dort als Canio aufgetreten). Weitere Gastspiele in Österreich, Belgien und in der Schweiz. In Holland war er besonders beliebt und wohnte in Amsterdam, wo er auch als Pädagoge tätig war. Er starb 1992 in Amsterdam.

Schallplatten: HMV (Arturo in »Lucia di Lammermoor« mit Maria Callas in der Titelrolle, auch Lieder).

 

19.3. Robert McFERRIN: 95. Geburtstag

Robert McFERRIN als Valentin

 Er war eins von zwölf Kindern eines farbigen Baptistenpredigers und wurde in St. Louis erzogen. Seine Stimme fiel zunächst in einem Kirchenchor auf; er besuchte die Fisk University in Nashville und erhielt auch Unterricht am Chicago Conservatory. Im Zweiten Weltkrieg wurde er dann jedoch zur Armee eingezogen und leistete Kriegsdienst in England und auf den Philippinen. Nach Kriegsende kam seine Ausbildung bei Boris Goldovsky in Tanglewood zum Abschluss. Zunächst sang er am New Yorker Broadway in Musicals, u.a. in »Lost in the Stars«, wandte sich dann aber endgültig dem Operngesang zu. Sein Operndebüt erfolgte beim Tanglewood Festival als Orest in Glucks »Iphigénie en Tauride«. Er nahm 1949 an der City Opera New York an der Uraufführung der Oper »Troubled Island« von William Grant Still teil und sang bei der National Negro’s Opera Company den Amonasro in »Aida«; 1950 wurde er Mitglied der New England Opera Company. 1955 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen, wo er als Amonasro in Verdis »Aida« debütierte. (Er war der erste farbige männliche Sänger, der an der Metropolitan Oper erschien, nachdem Marian Anderson dort 1954 als erste farbige Sängerin aufgetreten war). Bis 1957 sang er dort in insgesamt 10 Vorstellungen auch den Valentin im »Faust« von Gounod und den Rigoletto. In dieser Partie ist er auch auf einem Querschnitt durch die gleichnamige Verdi-Oper zu hören, der in einer Serie von Aufnahmen aus der Metropolitan Oper durch den Book-of-the-Month Club veröffentlicht wurde. Er trat später als Gast am Teatro San Carlo Neapel auf und übernahm in dem Film »Porgy and Bess« die Gesangspartie des Porgy, der von Sidney Poitier dargestellt wurde. Er hatte eine bedeutende Konzertkarriere und war ein geschätzter Gesangslehrer. Er starb 2006 in St. Louis. Sein Sohn, Bobby McFerrin (* 11.3.1950) wurde ein bedeutender Musiker und Vokalkünstler.

 

19.3. Myriam FERRETTI: 100. Geburtstag

Myriam FERRETTI

 Sie verzog mit ihren Eltern als Kind nach Marina di Pisa. Ihre Stimme wurde zufällig durch den berühmten Dirigenten Tullio Serafin entdeckt und an der Accademia di Santa Cecilia in Rom ausgebildet. Nachdem sie 1936 einen von der Oper von Rom durchgeführten Gesang-Concours gewonnen und ihre Ausbildung in Kursen des italienischen Rundfunks RAI vervollständigt hatte, debütierte sie 1936 im römischen Studio der RAI in einer Sendung von Giordanos Oper »Fedora« unter der Leitung des Komponisten in der Rolle der Olga. In den Jahren 1936-40 entstanden bei der RAI eine Anzahl von Operettenaufnahmen, in denen sie mitwirkte (»Die Fledermaus« von J. Strauß, »Die lustige Witwe«, »Eva«, »Frasquita« und »Paganini« von F. Lehár, »Das Dreimäderlhaus« von Schubert-Berté). 1945 debütierte sie dann auf der Bühne des Teatro San Carlo Neapel als Tosca mit Benjamino Gigli als Partner. 1947-48 hörte man sie am Teatro Massimo Palermo als Tosca, als Caterina in Alfanos »Risurrezione« und als Isabeau in der Oper gleichen Namens von Mascagni. Sie sang in Italien an vielen führenden Bühnen, u.a. am Teatro Petruzzelli Bari (1947), am Teatro Verdi Florenz, am Teatro Verdi Pisa, in La Spezia und in Cagliari. In der Schweiz gastierte sie in Lugano und in Lausanne. Auch in Nordamerika kam sie zu Erfolgen; 1948 sang sie an der Oper von Chicago die Titelfigur in »Thaïs« von Massenet. Später wandte sie sich dem Konzertgesang und speziell dem Vortrag italienischer Kanzonen zu. Sie starb 1998 in Castelfiorentino.

Schallplatten: RAI.

 

20.3. Norma NEWTON: 80. Geburtstag

Norma NEWTON

 Sie wurde zuerst in Austin (Texas), dann in Paris ausgebildet. Seit 1962 erschien sie auf der Opernbühne; 1962-63 sang sie bei der Dallas Civic Opera und trat 1964 und 1966 an der City Opera New York u.a. als Donna Elvira im »Don Giovanni« und als Gräfin in »Le nozze di Figaro« auf. Sie verlegte ihre Tätigkeit dann nach Europa und war in den Jahren 1966-72 Mitglied des Stadttheaters von Kiel, 1972-74 des Opernhauses von Graz (wo sie u.a. die Micaela in »Carmen«, die Susanna in »Le nozze di Figaro«, die Gerhilde und die Woglinde im Ring-Zyklus, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut« und die 5. Magd in »Elektra« von R. Strauss sang). Während dieser Zeit trat sie als Gast an verschiedenen deutschen und ausländischen Theatern auf, so 1969 an der Staatsoper von Hamburg und 1973 an der Welsh Opera Cardiff (als Butterfly), gab aber auch Gastspiele in den USA. Seit 1980 wirkte sie überwiegend im pädagogischen Bereich in Houston/Texas. Weitere Partien aus dem Bühnenrepertoire der Sängerin: die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Eurydike in »Orpheus und Eurydike« von Gluck, die Titelpartie in Janáceks »Katja Kabanowa« und die Marie im »Wozzeck« von A. Berg. Sie starb 2008 in New York.

 

20.3. Rudolf CHRIST: 100. Geburtstag

Rudolf CHRIST

 Er begann 1938 als Chorist im Chor der Wiener Volksoper, absolvierte dann aber ein dreijähriges Studium bei Adolf Vogel in Wien. Er debütierte 1941 als Solist am Stadttheater von Innsbruck. 1946-49 wirkte er am Stadttheater von Zürich als lyrischer Tenor und als Operettensänger (Antrittsrolle: Prinz Sou-Chong in der Lehár-Operette »Das Land des Lächelns«). 1949 kam er an die Wiener Staatsoper, die damals wegen der Zerstörung des Staatsoperngebäudes im Theater an der Wien und an der Volksoper untergebracht war (Debüt als Graf Zedlau in »Wiener Blut« von J. Strauß). Er sang hier bis 1955 den Caramello in »Eine Nacht in Venedig« von J. Strauß, der Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, den Le Bleau in »Die schalkhafte Witwe« von E. Wolf-Ferrari, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, den Fürsten Suleiman in »Tausend und eine Nacht« von J. Strauß, den Fenton sowohl in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor« als auch in Verdis »Falstaff«, den Symon in Millöckers »Der Bettelstudent«, den Prinzen Orlofsky in der »Fledermaus«, den Afanassij Iwanowitsch im »Jahrmarkt von Sorotschintzi« von Mussorgsky, den Benozzo in »Gasparone« von Millöcker, den Grafen von Gloria-Cassi in den »Banditen« von Offenbach, den Baron Kronthal im »Wildschütz« von Lortzing, den Pietro im »Boccaccio« von Fr. v. Suppé, den Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Stanislaus wie den Adam im »Vogelhändler« von C. Zeller, den Frieder im »Christelflein« von H. Pfitzner, den Barinkay im »Zigeunerbaron« von J. Strauß, den Mann mit dem Esel in C. Orffs »Die Kluge«, den Rosillon in Lehárs »Die lustige Witwe«, den Châteauneuf in Lortzings »Zar und Zimmermann«, den Marasquin in »Giroflé-Girofla« von Lecocq, den Baron Lummer im »Intermezzo« von R. Strauss, den René in Lehárs »Der Graf von Luxemburg«, den Grafen Baranski in »Polenblut« von Nedbal und den Paris in Offenbachs »Die schöne Helena«. 1955-76 an der Wiener Volksoper engagiert, wo er u.a. den Nemorino in »L’Elisir d‘amore«, den Ernesto im »Don Pasquale«, den Amandus in der »Zaubergeige« von W. Egk, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Matthias Freudhofer im »Evangelimann« von W. Kienzl und den Erzähler in C. Orffs »Der Mond« verkörperte. 1956-59 auch an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg engagiert. Gastspiele an der Wiener Staatsoper (1958-59 als Tamino in der »Zauberflöte« und als Sänger im »Rosenkavalier«), an führenden Bühnen in Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich, Italien und in der Schweiz. Er wirkte auch bei den Salzburger Festspielen mit, und zwar 1955 als Bischof von Budoja in »Palestrina« von Hans Pfitzner und 1958 als Jaquino im »Fidelio«. Auf der Bühne trat er in einem vielgestaltigen Repertoire auf. Von seinen Opernpartien sind noch der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Herzog im »Rigoletto«, der Ernesto im »Don Pasquale«, der Titelheld in »Hoffmanns Erzählungen« und der Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut« zu nennen. Er starb 1982 in Wien.

Die schön gebildete, lyrische Stimme des Sängers ist auf vielen Schallplatten-Marken zu hören: auf Decca (»Der Barbier von Bagdad« von Cornelius, »Die Kluge« von Orff), Philips (Operetten-Querschnitte), Columbia (»Die Fledermaus«), HMVI (»Capriccio« von R. Strauss), Westminster/Vanguard-Amadeo (»Der Zigeunerbaron«) und MMS.

 

22.3. Kurt FLEMING (belgischer Tenor): 75. Geburtstag

 

22.3. ROLAND-MANUEL: 125. Geburtstag

 Er hieß eigentlich Roland Alexis Manuel Lévy; er studierte an der Schola Cantorum Paris bei Albert Roussel, Vincent d‘Indy und Auguste Sérieyx. 1911 machte ihn Eric Satie mit Maurice Ravel bekannt, dessen Schüler und Freund er wurde. Später verfasste er mehrere biographische Schriften über Ravel. 1947-61 war Roland-Manuel Professor am Conservatoire de Paris, zunächst für Musikästhetik, ab 1959 für Musikpädagogik. Ab 1949 war er Präsident des Internationalen Musikrates der UNESCO.

Neben einigen kammermusikalischen Werken komponierte Roland-Manuel Opern und Filmmusiken. Er starb 1966 in Paris.

 

23.3. Ema MIRIKOVSKÁ: 125. Geburtstag

 Sie wurde zunächst am Konservatorium von Prag zur Pianistin ausgebildet, entschloss sich dann aber zum Gesangstudium, das sie in der Gesangschule Pivoda in Prag absolvierte. Sie wurde dabei durch die große tschechische Sopranistin Emmy Destinn gefördert. Ihr Bühnendebüt erfolgte 1913 am Nationaltheater Prag in der Rolle der Esmeralda in Smetanas »Die verkaufte Braut«. Sie blieb bis 1939 Mitglied dieses traditionsreichen Hauses, an dem sie auch am 23.4.1920 in der Uraufführung von Janáceks Oper »Výleti pana Broucka« (»Die Ausflüge des Herrn Broucek«) mitwirkte. Auf Wunsch Janáceks nahm sie dann am Theater von Brno (Brünn) an der Uraufführung von dessen Oper »Vec Makropulos« (»Die Sache Makropoulos«) am 18.12.1926 teil. Zu ihren wichtigsten Rollen zählten die Susanna in »Le nozze di Figaro«, die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Traviata, die Musetta in »La Bohème«, die Zerline in »Fra Diavolo« von Auber, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Barce in »Hubicka« (»Der Kuss«) von Smetana und die Titelrolle in »Schneeflöckchen« von Rimsky-Korssakow. Ihr Repertoire umfasste rund hundert Bühnenpartien. In den Jahren 1936-46 trat sie oft als Radiosängerin in Erscheinung. Außerdem wirkte sie in Prag im pädagogischen Bereich.

Schallplatten: Ultraphon.

 

24.3. Herbert WERNICKE: 70. Geburtstag

 Der Sohn eines gleichnamigen Gemälderestaurators studierte 1965–66 Klavier, Flöte und Dirigieren am Konservatorium in Braunschweig. 1967–71 ließ er sich an der Kunstakademie München zum Bühnenbildner ausbilden. Nach Anfängen als Bühnen- und Kostümbildner in Landshut (1971) und Wuppertal (1972–74) sowie ersten Schauspielinszenierungen in Darmstadt, entstand 1978 in Darmstadt mit Händels Belsazar seine erste Opernregie. Ab den späten 1980er-Jahren lag der Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit beim Theater der Stadt Basel, wo er seit 1990 lebte. Daneben schuf er Inszenierungen für große Opernhäuser Europas und Amerikas. . Für die Salzburger Festspiele inszenierte er Monteverdis L’Orfeo (1993), Boris Godunow (1994), Der Rosenkavalier (1995), Fidelio (1996), Don Carlo (1998), Les Troyens (2000); für die Wiener Staatsoper I Vespri Siciliani (1998) und Palestrina (1999). Am 16. April 2002 verstarb Herbert Wernicke unerwartet nach kurzer, schwerer Krankheit im Kantonsspital Basel. Er wurde in seinem Geburtsort Auggen beerdigt.

 

24.3. Luisa BOSABALIAN: 80. Geburtstag

Luisa BOSABALIAN

 Sie wuchs in Beirut heran, wo ihre Stimme bereits in einem Schulchor auffiel. Sie studierte dann jedoch Sprachwissenschaften und Philologie, entschloss sich aber nach zwei Jahren zur Ausbildung ihrer Stimme. In Mailand wurde sie Schülerin von Vittorio Ruffo. 1963 gewann sie den Gesangwettbewerb von Reggio Emilia, 1964 den »Grand Prix Reine Elisabeth« in Verviers. An der Opera Scotland gastierte sie 1963-64 als Desdemona in Verdis »Otello«, 1966 als Alice Ford in Verdis »Falstaff« und als Marguerite im »Faust« von Gounod,  1967 als Mimì in »La Bohème«, 1970 als Donna Elvira und 1971 als Donna Anna. 1964 sang sie am Théâtre de la Monnaie in Brüssel die Micaela in »Carmen«. Hier sang sie die Mimi, die Donna Anna wie die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Desdemona und in »Hoffmanns Erzählungen« die Giulietta und die Antonia. Durch den bekannten Dirigenten Carlo Maria Giulini wurde sie zum Edinburgh Festival (1965 als Donna Anna) und zum Holland Festival eingeladen, wo sie auf der Bühne, aber auch als Konzertsopranistin sehr erfolgreich auftrat. 1965-73 war sie Mitglied der Staatsoper von Hamburg. Mit dem Ensemble dieses Hauses gastierte sie 1966 an der Metropolitan Oper in einer ihrer großen Kreationen, der Titelheldin in »Jenufa« von Janácek. Weitere Gastspiele trugen ihr bei den Festspielen von Aix-en-Provence (1966 als Donna Elvira), in Düsseldorf, Frankfurt a.M., Berlin, Mailand, Rom, London, Moskau, Oslo und Kopenhagen große Erfolge ein. Seit 1973 arbeitete sie als freischaffende Künstlerin. 1973 sang sie an der Grand Opéra Paris die Leonore im »Troubadour«, 1974 an der Opéra du Rhin Straßburg in »Hippolyte et Aricie« von Rameau. 1974-82 hörte man sie bei Gastauftritten an der Staatsoper von Wien (als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, als Donna Anna, als Butterfly, als Liù in Puccinis »Turandot«, als Elisabetta in Verdis »Don Carlo«, als Mimì, als Jenufa, als Leonore im »Troubadour«, als Desdemona und als Alice Ford). 1995 sang sie am Opernhaus von Köln als erste Mezzosopranpartie die Filipjewna im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky. Im Konzertsaal meisterte sie ein Repertoire, das von den Werken J.S. Bachs bis zu zeitgenössischen Kompositionen reichte. Sie wurde 1987 als Professorin an die Musikhochschule in Stuttgart berufen. 1988 wurde das Wilhelma-Theater in Stuttgart mit einem Liederabend, den die Sängerin gab, wieder eröffnet. 1988-89 unternahm die in München lebende Künstlerin Konzertreisen für die Erdbebenopfer in ihrer armenischen Heimat. Sie starb 1998 in Stuttgart.

Schallplatten: DGG (Te Deum von Joäo de Sousa Carvalho, »La Passione di Gesù Christo« von Joäo Pedro de Motta), Electrola (»Staatstheater« von M. Kagel), Coriolan Classic (Armenische Lieder).

 

25.3. Jacques MARS: 90. Geburtstag

Jacques MARS als Mephisto
Als Mephisto/ Faust

 Er spielte als Autodidakt Harmonium und Violine und eignete sich in ähnlicher Weise den Gesangsvortrag an. Ohne eigentliches Studium wurde er an die Grand Opéra Paris verpflichtet und debütierte dort 1956 als Herzog in »Roméo et Juliette« von Gounod. Nach und nach sang er an diesem Opernhaus dann Partien für Basse chantante: den Commendatore im »Don Giovanni«, den Brander in »La Damnation de Faust«, den Angelotti in »Tosca«, den Monterone im »Rigoletto« und den Zuniga in »Carmen«. 1963 hatte er einen aufsehenerregenden Erfolg, als er an der Grand Opéra den Golaud in »Pelléas et Mélisande« vortrug, im folgenden Jahr als Mephisto in »La Damnation de Faust« von Berlioz. Er sang dort auch den Ramon in Gounods »Mireille«, den Scarpia in »Tosca«, den Basilio im »Barbier von Sevilla«, den Großinquisitor wie den König Philipp im »Don Carlos« von Verdi, den Timur in Puccinis »Turandot«, den Hunding in der »Walküre«, den Klingsor im »Parsifal« und 1966 seine große Glanzrolle, den Mephisto im »Faust« von Gounod, den er an der Grand Opéra allein 300mal übernahm. 1965 sang er an der Pariser Opéra-Comique die vier dämonischen Partien in »Hoffmanns Erzählungen«, Er gastierte an der Oper von Rom und am Teatro Fenice Venedig, 1965 in Rio de Janeiro, 1970 beim Wexford Festival (Nilakantha in »Lakmé« von Delibes), 1967 beim Festival von Aix-en-Provence (Commendatore). An der Wiener Staatsoper hörte man ihn 1976 als Escamillo in »Carmen« und 1991 als Calchas in Glucks »Iphigénie en Aulide«. Am Theater von Dijon sang er den Boris Godunow, bei der Hundertjahrfeier der Oper von Monte Carlo 1979 den Titelhelden in »Don Quichotte« von Massenet. Er gastierte als Golaud 1969 beim Glyndebourne Festival und 1970 beim Flandern Festival und trat auch an der Mailänder Scala (1973 als Golaud, 1976 und 1978-79 als Ramiro in Ravels »L’Heure Espagnole«) und beim Maggio Musicale von Florenz auf. 1985 wirkte er am Opernhaus von Toulouse in der Uraufführung von Marcel Landowskis Oper »Montségur« (als Bertrand Martin) mit. 1991 sang er an der Covent Garden Oper London den Calchas in Glucks »Iphigénie en Aulide«. Er trat auch regelmäßig an den großen französischen Provinzbühnen auf, u.a. in Toulouse, Marseille, Nizza, Lyon, Bordeaux und Rouen. Er gastierte in den USA (Seattle, Portland, Hartford), in Belgien, Holland, Japan, Griechenland und Spanien, auch als Konzertsänger. Er wirkte in Uraufführungen zeitgenössischer Musikwerke (u.a. im Konzertsaal in »Andréa del Sarto« von Daniel-Lesur) mit. Seit 1989 lebte er als Pädagoge in Paris, trat aber noch weiter auf. Er starb 2003 in Paris.

Schallplatten: Bourg Records (»Persée et Andromède« von Ibert, 1963), MRF (»Les Abencérages« von Cherubini), Barclay (Golaud in »Pelléas et Mélisande«), HMV (»Der Barbier von Sevilla« in französischer Sprache, »Les pêcheurs de perles« von Bizet, Schtschelkalow im »Boris Godunow«).

 

25.3. Nikolai Iwanowitsch PEIKO: 100. Geburtstag

 Er zeigte schon in jungen Jahren ein ausgesprochenes Interesse für die Musik und schrieb bereits im Kindesalter seine ersten Kompositionen. Ab 1933 studierte er Komposition an der Musikschule in Moskau; 1937 wechselte er an das Moskauer Konservatorium, wo er bis 1940 Komposition bei Nikolai Mjaskowski und Nikolai Rakow studierte. Nachdem er 1941-43 in Ufa in einem Militärkrankenhaus tätig gewesen war, wurde Peiko 1944 Lehrbeauftragter und Assistent von Dmitri Schostakowitsch am Moskauer Konservatorium. Ab 1952 war er an derselben Stätte Dozent. Im Jahre 1959 wechselte er ans Moskauer Gnessin-Institut, eine Musikfachschule, an der er bis zu seinem Lebensende als Professor für Komposition wirkte. Peiko galt als bedeutender Kompositionslehrer und brachte seinen Schülern, zu denen Sofia Gubaidulina und Alexander Arutjunjan zählen, auf Wunsch auch modernere Kompositionstechniken wie Dodekaphonie bei. Peiko erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. zwei Stalinpreise für seine erste Symphonie (1947) und seine Moldauische Suite (1951).

Peiko war ein recht traditioneller Komponist, der an einer erweiterten, mit Dissonanzen angereicherten Tonalität festhielt. Sein Schaffen spiegelt teilweise den Einfluss seines Bekannten Dmitri Schostakowitsch wider, doch band er viel stärker als dieser die Volksmusik der Sowjetvölker in seine Tonsprache ein und unternahm zu diesem Zweck häufig Forschungsreisen. Etwa um 1960 fand Peiko zu einer eigenständigen Tonsprache, die vor allem auf oft wiederholten kurzen, rhythmisch prägnanten Motiven und scheinbar abrupten Pausen aufbaut. Seine Werke sind eher knapp und konzentriert gehalten, charakteristisch ist ein ironischer, grotesker Tonfall. Peiko bevorzugte einen distanzierten, herben, fast kühlen Ausdruck. Er trat auch als Dirigent und Pianist eigener Werke hervor. Er starb 1995 in Moskau.

 

26.3. Arnold van MILL: 95. Geburtstag

Arnold van Mill als König Marke in bayreuth
Als König Marke in Bayreuth

 Er besuchte die Konservatorien von Rotterdam und Den Haag und schloss seine Ausbildung bei Frau Zeghers-de Beyl ab. Er debütierte 1941 bei der Nationale Operagroep in Den Haag als Wagner im »Faust« von Gounod und sang 1942 bei der Nederlandse Opera in Utrecht den Morales in »Carmen«. 1943-44 war er am Stadttheater von Heilbronn engagiert; 1946 trat er bei der Stichting Haagsche Operafonds als Plumkett in »Martha« und als alter Hebräer in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns auf, 1946 an der Oper von Brüssel (Théâtre de la Monnaie). 1947-51 war er an der Oper von Antwerpen anzutreffen. 1951-53 war er am Staatstheater von Wiesbaden engagiert, 1952 hörte man ihn an der Städtischen Oper Berlin als Zaccaria in »Nabucco« von Verdi. 1953 wurde er Mitglied der Hamburger Staatsoper, an der er bis 1971 (und auch danach noch als Gast) sehr große Erfolge hatte. Hier wirkte er am 17.10.1955 in der Uraufführung der Oper »Pallas Athene weint« von E. Krenek, am 15.3.1968 in der der Oper »Hamlet« von Humphrey Searle, am 20.6.1969 in der Uraufführung der Oper »Die Teufel von Loudun« von K. Penderecki mit. Bei den Festspielen von Bayreuth sang er 1951 den Hunding in der »Walküre« und den Hans Foltz in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1951 und 1956-57 den Titurel im »Parsifal«, 1956 den Daland in »Der fliegende Holländer« und den Fafner im »Rheingold«, 1956-57 den Fafner im »Siegfried«, 1957 und 1960 den Fasolt im »Rheingold«, 1957 den König Marke in »Tristan und Isolde« und den Nachtwächter in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Er gastierte an der Oper von Rio de Janeiro 1952 als Daland und als Rocco im »Fidelio«, 1953 als Landgraf im »Tannhäuser«, als Sarastro in der »Zauberflöte« und als Eremit im »Freischütz«, 1954 als Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg« und als Osmin in der »Entführung aus dem Serail« sowie 1955 als Don Alfonso in »Così fan tutte« und als Dosifej in »Chowanschtschina« von Mussorgsky. 1957-60 hörte man ihn auch an der Wiener Staatsoper (als König Philipp in Verdis »Don Carlo«, als Osmin, als Pogner, als Sparafucile im »Rigoletto«, als Rocco, als Daland, als Fasolt und als Sarastro). Weitere Gastspiele am Teatro Colón Buenos Aires (1958), am Teatro San Carlos von Lissabon, am Teatro Comunale Bologna (1955 als Hagen in der »Götterdämmerung«), am Teatro Fenice Venedig (1969), am Teatro Comunale Florenz (1953 als Pogner, als Landgraf und als Sparafucile), beim Maggio Musicale von Florenz (1953 in Spontinis »Agnese di Hohenstaufen«, 1960 als Rocco, 1961 als König Heinrich im »Lohengrin«), am Teatro Liceu Barcelona (1952 und 1956 in Wagner-Opern). Er sang als Gast an der Grand Opéra Paris (1957 als Fasolt und als Fafner im Ring-Zyklus, 1960 als Daland), an den Opern von Bordeaux (1956) und Straßburg (1969), an der Covent Garden Oper London (1965 als Fasolt im »Rheingold«), an der Oper von San Francisco (1958 US-Debüt als Orest in »Elektra« von R. Strauss, dann als Landgraf, als König Philipp und als Pater Guardian in »La forza del destino«). An der Niederländischen Oper Amsterdam hörte man ihn seit 1956, u.a. 1957 als König Philipp, 1960 als Ramfis in »Aida«, 1965 als Ochs im »Rosenkavalier«, 1966 als Rocco, 1967 als Landgraf, 1969 wieder als Rocco, 1970 als Hunding, 1971 als Rocco (in der Abschiedsvorstellung von Gré Brouwenstijn). An der Mailänder Scala gastierte er 1959 als Daland sowie 1963 als Fafner, Hunding und Hagen im Nibelungenring. Sehr erfolgreich war er beim Holland Festival und bei den Festspielen von Edinburgh (1956 im Rahmen eines Gastspiels der Hamburger Staatsoper als Sarastro, als Tiresias in der englischen szenischen Premiere von Strawinskys »Oedipus Rex« und als Abdul Hassan im »Barbier von Bagdad« von Cornelius). 1961 trat er als Sarastro bei den Festspielen von Aix-en-Provence auf. Noch 1971 trat er als Operettensänger am Operettenhaus Hamburg (Zsupan im »Zigeunerbaron«) und am Theater des Westens in Berlin (Ollendorf im »Bettelstudenten«) auf. Er starb 1996 in Hamburg. – An seiner Bassstimme hat man die Fülle des Stimmmaterials ebenso bewundert wie die Größe und Kraft seines dramatischen Ausdrucks.

Sang auf Decca (König Marke in »Tristan und Isolde«, Hunding in »Die Walküre«, Titurel im »Parsifal«, Ramfis in »Aida«, Komtur in »Don Giovanni«), Columbia, Philips (»Die Entführung aus dem Serail«, »Die Teufel von Loudun« von Penderecki), RCA (»Don Giovanni«), BBC Records (8. Sinfonie von Gustav Mahler) und Mondo Musica (Gurnemanz im »Parsifal«, Teatro Fenice Venedig, 1978). Bayreuther Mitschnitte von »Der fliegende Holländer« auf Melodram und »Das Rheingold« (als Fasolt), auch auf Cetra Opera Live (1960)

 

28.3. Jules-Célestien DEVOYOD: 175. Geburtstag

 

Jules-Célestien Devoyod

 Er erhielt seine Ausbildung am Conservatoire National in Paris durch Nicolas Levasseur und Joseph Couderc. 1867 erfolgte sein Debüt sogleich an der Grand Opéra Paris als Nelusco in Meyerbeers »Afrikanerin«. Er übernahm an diesem Haus Partien wie den Wilhelm Tell in der Rossini-Oper gleichen Namens, den Nevers in den »Hugenotten« von Meyerbeer, den Pietro in »La Muette de Portici« von Auber, den Alphonse in Donizettis »La Favorite«, den Valentin im »Faust« von Gounod und den Grafen Luna im »Troubadour«. 1870 verließ er die Grand Opéra, da er dort ungenügend beschäftigt wurde. Er trat nun an den großen französischen Provinztheatern auf (Lyon, Marseille, Bordeaux, Toulouse) und unternahm auch Auslandsgastspiele. 1873 war er an der Oper von New Orleans in den USA anzutreffen, 1874-78 war er am Théâtre de la Monnaie in Brüssel im Engagement, 1888 sang er am Teatro de l’Opera in Buenos Aires. Seit 1875 hatte er große Erfolge an der Hofoper von St. Petersburg wie überhaupt in Russland. An der Covent Garden Oper London war er in den Jahren 1883, 1884, 1887 und 1891 zu Gast und kreierte an diesem Haus den Iwan Susanin in der englischen Erstaufführung von Glinkas »Ein Leben für den Zaren«, eine Partie, die er auch 1890 in der französischen Erstaufführung der Oper in Nizza und 1896 bei der Premiere in Paris vortrug. An der Mailänder Scala sang er 1893 den Wotan in der »Walküre« von R. Wagner. Seine größten Erfolge hatte der Künstler jedoch an den Hofopern von St. Petersburg und Moskau wie auch bei Gastspielen und Konzerten in den übrigen Zentren des russischen Musiklebens. Er verstarb ganz plötzlich 1901 während einer Aufführung von Verdis »Rigoletto« in der Moskauer Eremitage.

 

28.3. Joseph WEIGL: 250. Geburtstag

 Er war der Sohn des Cellisten Joseph Franz Weigl und ein Patenkind Joseph Haydns. Weigl studierte Musik bei Johann Georg Albrechtsberger, dem die Frühklassik wichtige Impulse verdankt, und beim Hofkapellmeister Antonio Salieri, von dem er sehr gefördert wurde. Weigl assistierte bei den Einstudierungen der Uraufführung von Le nozze di Figaro, deren spätere Wiederholungen er teilweise selbst dirigierte. Ebenfalls assistierte er Mozart bei den Wiener Erstaufführungen der Opern Don Giovanni und Così fan tutte. 1790 wurde Weigl Theaterkapellmeister an den Wiener Hoftheatern, dann 1792 Erster Theaterkapellmeister und 1827 Vizehofkapellmeister. 1839 ging er in Pension. Weigls jüngerer Bruder Thaddäus Weigl (1776–1844) wirkte ebenfalls als Opernkomponist. Die Werke von Joseph Weigl umfassen primär Vokal- und Bühnenmusik: Messen, zirka 34 Opern, Singspiele und Operetten in Deutsch und Italienisch nach Libretti von u. a. C. Mazzolà, G. Bertati, G. De Gamerra, August von Kotzebue, G. Carpani, Georg Friedrich Treitschke, Emanuel Schikaneder, Ignaz Franz Castelli, Johann Anton Friedrich Reil, einmal auch Lorenzo da ponte (La caffettiera bizzarra). Ein Großteil seines Spätwerks widmet sich der Kirchenmusik. Weigls Singspiele Das Waisenhaus und Die Schweizer Familie gehören zu den erfolgreichsten dieser Gattung überhaupt. Er starb 1846 in Wien. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 0, Reihe 1, Nummer 21). Im Jahr 1912 wurde in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus (15. Bezirk) die Weiglgasse nach ihm benannt.

 

28.3. Johann ANDRÉ: 275. Geburtstag

 1774 gründete der Seidenfabrikant und Spross einer Hugenottenfamilie in Offenbach am Main einen der ersten Musikverlage Deutschlands, die vom Buchhandel unabhängig waren. Er zählte zum engsten Offenbacher Freundeskreis Goethes während dessen Verlobungszeit mit Anna Elisabeth Schönemann, die vor dem Offenbacher Hintergrund des Jahres 1775 im 17. Buch von Goethes Autobiographie Dichtung und Wahrheit geschildert wird. 1777 wurde er Musikdirektor am deutschen Theater in Berlin, ohne jedoch Offenbach den Rücken zu kehren. André komponierte etwa 30 Opern, Balladen und Lieder, darunter war Christoph Friedrich Bretzners Belmonte und Constanze, oder: die Entführung aus dem Serail, dessen Libretto Mozart in die Die Entführung aus dem Serail plagiierte. Johann André starb 1799 in Offenbach am Main. Sein Sohn Johann Anton André (1775–1842) trat ebenfalls als Verleger, Komponist und Musiktheoretiker hervor. Das Musikhaus André und der Musikverlag Johann André mit seinem umfangreichen Musikarchiv existieren bis heute in der Frankfurter Straße in der Offenbacher Innenstadt.

 

29.3. Richard Rodney BENNETT: 80. Geburtstag

 Er stammte aus einer musikalischen Familie. Seine Mutter war Musikerin und studierte bei Gustav Holst. 1953 bekam er ein Stipendium an der Royal Academy of Music in London und begann zu komponieren. Angeregt durch Elisabeth Lutyens, begann er sich für Neue Musik zu interessieren. 1955-58 hielt er sich häufig in Darmstadt auf und arbeitete dort mit avantgardistischen Musikern zusammen. In diese Zeit fiel auch der Beginn der Kooperation mit Pierre Boulez in Paris. Gemeinsam mit der Pianistin Susan Bradshaw erarbeitete er eine Übersetzung der theoretischen Schriften von Pierre Boulez ins Englische und bildete einige Jahre lang mit ihr gemeinsam ein Klavierduo. 1958 schrieb er die Musik zu Stanley Donens Film Indiscreet. In den 1960er-Jahren komponierte er große Opern: The Mines of Sulphur (Schwefelminen) und Victory. The Mines of Sulphur wurde im November 2005 in New York mit großem Erfolg wieder aufgeführt. Im angelsächsischen Raum ist auch seine häufig aufgeführte Kinderoper All the King’s Men sehr populär. Darüber hinaus komponierte Bennett in den 1960er- und 1970er-Jahren Musik für eine Reihe weiterer Genres: Werke für Chor und Orchester, Chorwerke a cappella sowie Orchester- und Solostücke für eine enorme Bandbreite der verschiedensten Einzelinstrumente. Dazu gehören die symphonische Dichtung Aubade und die Oper A Penny for a Song (Napoleon kommt), die 1968 in München unter der Leitung von Christoph von Dohnányi mit Ingeborg Hallstein und Martha Mödl in den Hauptrollen seine deutsche Erstaufführung hatte. Bennetts Begleitmusik zu verschiedenen Filmwerken, darunter Mord im Orient-Express (1974), bezeichnete er selbst als musikalischen Journalismus. Diese Arbeiten brachten ihm zum einen eine ganze Reihe von Auszeichnungen und zum anderen die finanzielle Unabhängigkeit, die ihm gestattete, die Musik zu gestalten, die ihm am Herzen lag. Aus einigen Treffen mit dem Gitarristen Julian Bream entstanden faszinierende Werke wie das Concerto for Guitar and Orchestra, eine lange Sonata for Solo Guitar und andere. Sie bilden heute einen wichtigen Teil im zeitgenössischen Gitarrenrepertoire. In seinen letzten Jahren konzentrierte er sich vornehmlich auf den Jazz und fand wieder zurück zu einer eher tonalen Kompositionsweise, die jedoch weiterhin serielle und chromatische Ausdrucksweisen mit einbezog. Er begleitete auch die Sängerinnen Mary Cleere Haran und Marian Montgomery. 1977 wurde Richard Rodney Bennett mit dem Order oft he British Empire geehrt. 1999 wurde er zum Knight Bachelor geschlagen. Kritiker bezeichnen ihn als einen der vielseitigsten zeitgenössischen Komponisten. Er starb 2012 in New York.

 

29.3. Gloria DAVY: 85. Geburtstag

Gloria DAVY als Aida

 Ihre Eltern stammten von der westindischen Insel St. Vincent, wo sie auch ihre Kindheit verbrachte. Mit zwölf Jahren begann sie das Musik- und Gesangstudium in New York. Dort war sie an der Juilliard-Musikschule Schülerin von Belle Soudent und erhielt 1953 den Marian-Anderson-Preis. 1954 wirkte sie an der Juilliard School in der amerikanischen Premiere der Richard Strauss-Oper »Capriccio« in der Rolle der Gräfin mit. 1954 erregte die junge farbige Sängerin Aufsehen, als sie mit der »Porgy and Bess Opera Company« eine Welt-Tournee unternahm. Weiteres Studium dann in Mailand. Sie debütierte an der Mailänder Scala 1955 als Bess in »Porgy and Bess« von Gershwin; hier sang sie auch 1956, 1957, 1960, 1966 und 1978 in Konzerten sowie 1964 die Leokadia Begbick in Kurt Weills »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny«. 1957 Gastspiel an der Oper von Nizza, 1958 am Teatro Comunale Bologna als Aida. 1958 kam sie an die Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Aida). Hier sang sie in vier Spielzeiten bis 1961 außerdem noch die Pamina in der »Zauberflöte«, die Nedda im »Bajazzo« und die Leonore im »Troubadour« in insgesamt 15 Vorstellungen. 1959-61 war sie als Aida an der Staatsoper von Wien als Gast zu hören. Es folgten Konzertreisen und Gastspiele in den europäischen Musikzentren, wobei sie in London, Paris, Zürich und Brüssel sehr erfolgreich war. 1960 an der Covent Garden Oper London als Aida bewundert, ebenso am Teatro Regio von Parma. 1961-68 ständiges Mitglied der Städtischen Oper (Deutsches Opernhaus) Berlin. Bei den Donaueschinger Musiktagen des Jahres 1957 kreierte sie die »Nachtstücke und Arien« von H.W. Henze. 1958 gab sie glanzvolle Konzerte im Rahmen der Brüsseler Weltausstellung. 1958 sang sie in Como, 1959 beim Maggio Musicale von Florenz die Dido in »Dido and Aeneas« von Purcell, 1958 in Mailand in einer konzertanten Aufführung von Glucks »Armida«, 1959-60 am Teatro Massimo Palermo. 1962 war sie am Teatro Liceu Barcelona, 1965 in Madrid als Aida zu Gast, 1969 trat sie am Théâtre de la Monnaie Brüssel auf. Sie lebte dann in Genf und ging einer ausgedehnten Gastspiel- und Konzerttätigkeit nach. Am Grand Théâtre Genf sang sie 1966 die Amelia in Verdis »Simon Boccanegra« und 1967 die Salome von R. Strauss.

Nach einem schweren Autounfall, den sie 1969 erlitt, konnte sie zunächst ihre Bühnenkarriere nicht mehr fortsetzen. Sie sang dann 1969 am Grand Théâtre Genf (im Rollstuhl sitzend) die Mme. Lidoine in »Dialogues des Carmélites« von F. Poulenc. Seit 1973 erschien sie gelegentlich wieder auf der Bühne, trat aber hauptsächlich noch in Konzerten auf. 1985 wurde sie als Professorin an die Indiana University Bloomington berufen, wohnte aber weiter in Genf, wo sie 2012 starb. – Neben der Qualität ihrer Stimme rühmte man die Musikalität des Vortrags und das stilistische Einfühlungsvermögen der Sängerin.

Schallplatten: DGG (Querschnitte »Aida« und »Cavalleria rusticana«), London, Cetra (Szenen aus der Oper »Conchita« von Zandonai zusammen mit Giuseppe Campora) und Colosseum (Ausschnitte aus »Porgy und Bess«).

 

30.3. Sándor SZOKOLAY: 85. Geburtstag

Er wurde in eine Musiker-Familie hineingeboren, begann früh Musik zu studieren und setzte seine Studien 1947-50 an der Musikschule in Békéstarhos fort, die Kodálys Ideen folgte. Szokolay studierte 1950-57 an der Musikakademie Budapest bei Ferenc Szabó und Ferenc Farkas. Er unterrichtete an der Musikschule von Radio Budapest und wurde 1966 Professor für Komposition und Kontrapunkt an der Musikhochschule. Er komponierte u.a. mehrere Opern, drei Ballette, ein Klavier-, ein Violin- und ein Trompetenkonzert, zwei Oratorien und ein Requiem zum Gedenken an Francis Poulenc. Sein Sohn Balázs Szokolay wurde als Pianist bekannt. Bis zu seinem Ruhestand 1994 lebte Sándor Szokolay in Sopran in der Nähe des Neusiedler Sees. Für sein Schaffen erhielt er unter anderem zwei Erkel-Preise, den Kossuth-Preis (1966) für die Oper Vérnász („Bluthochzeit“) und den Bartók-Pásztory-Preis (1987). Von Anfang an komponierte er Werke für junge Musiker, indem er seine Ansprüche als junger Komponist mit denen junger Interpreten oder Zuhörer verband. In den späten 1950er Jahren komponierte er einige Instrumentalwerke, insbesondere eine Sonate für Violine solo und Konzerte für Klavier und Violine, bald jedoch legte er seinen Schwerpunkt auf Vokalmusik und dramatische Musik. Er erzielte einen eindrucksvollen Erfolg mit dem Oratorium A Tűz márciusa (Feuriger März 1957–58), in dem er revolutionäre Gedichte von Endre Ady vertonte. Denselben leidenschaftlichen Ton und ein ähnlich ideologisches Engagement zeichnen sein Ein-Akt-Ballett Az iszonyat balladája („Ballade des Greuels“, 1960) aus, dessen Thema aus dem Zweiten Weltkrieg stammt. Eines seiner größten Werke ist die Oper Bluthochzeit (1962–64), die auf Lorcas Schauspiel basiert. Die dunkle und dichte Atmosphäre des Dramas kommen in der Oper eindrucksvoll zur Geltung. Nach der Premiere in Budapest wurde die Oper schnell von Opernhäusern in Wuppertal, Zagreb, Košice, Brünn, Helsinki und Tallinn übernommen. Seine zweite Oper Hamlet markiert eine klare Wende auf seinem kreativen Weg. Nach den fesselnden und beinahe brutalen Effekten in der Bluthochzeit sah er es als notwendig an, nach einem introvertierteren Stil zu suchen. Szokolays wahre Stärken sind sichtbar in seinen kühnen Bildern und der ungebändigten dynamischen Kraft seiner Musik. Nach der Oper Samson (1971–73) legte er eine 10-jährige Pause ein, bevor er mit Ecce homo ein weiteres Werk dieser Gattung vorlegte. 1973-83 schuf er neben einigen Instrumentalwerken eine Anzahl von Oratorien und anderen Vokalwerken. Nach Ecce homo erneuerte sich Szokolays Stil: Er orientierte sich mehr an Volksmusik und gregorianischen Gesängen, rang darum, Tonalität und Melodie zu erhalten und komponierte weiterhin reich verzierte Vokalmusik. In der letzten Periode seines Schaffens konzentriert sich Szokolay auf Dinge wie Natur, Licht, Spiel und Vertrauen. Die Probleme, als Ungar eine nationale Identität zu finden, spielen eine zunehmende Rolle bei seiner Themenwahl. Ende der 1990er Jahre schrieb er drei Sinfonien, womit er sein Lebenswerk mit einem neuen Genre bereicherte. Szokolays Werke wurden auch in mehreren ungarischen Filmen verwendet. Er starb 2013 in Sopron.

 

30.3. Werner TORKANOWSKY: 90. Geburtstag

 Er wurde in Berlin geboren, wuchs in einem Kibbuz in Israel auf und kam 1948 in die USA, wo er Violine studierte. 1954-58 studierte er Dirigieren bei Pierre Monteux. Nach seinem Debüt mit dem Balletts Espagnoles wurde er Musikdirektor von Jerome Robbins’ Ballett USA. 1959 debütierte Torkanowsky an der New York City Opera mit Gian Carlo Menottis The Medium mit Claramae Turner in der Titelrolle. Im nächsten Jahr leitete er bei der gleichen Opernkompanie The Consul. Zur gleichen Zeit war er auch der Dirigent der Filmversion dieser Oper mit Patricia Neway und Chester Ludgin. (2004 wurde diese vielgerühmte Aufnahme bei VAI auf DVD veröffentlicht.) Er kehrte 1962 an die New York City Opera zurück, neuerlich für The Consul. 1961 leitete er erstmals die New Yorker Philharmoniker als Gastdirigent und machte seine erste Schallplattenaufnahme mit diesem Orchester mit George Rochbergs 2. Symphonie (für Columbia, 1962; wiederveröffentlicht auf CD bei CRI im Jahr 1997). Er leitete bedeutende Orchester in Israel, Philadelphia, Boston, Chicago und Detroit sowie beim Spoleto Festival (Samuel Barbers Vanessa, 1961). 1963-77 war er Musikdirektor und Chefdirigent des New Orleans Philharmonic Symphony Orchestra, mit dem er im Dezember 1971 ein Album aufnahm, auf dem Werke von Carlisle Floyd, Alan Hovhannes (Fra Angelico) und Ned Rorem (Lions) enthalten sind. Die Floyd-Kompositionen waren drei Ausschnitte aus seiner Solo-Kantate auf biblischen Texten Pilgrimage mit Norman Treigle. Er dirigierte außerdem Aufführungen von Boitos Mefistofele mit Treigle an der San Diego Opera (1973) und an der Seattle Opera (1974). 1981 wurde er zum Musikdirektor des Bangor Symphony Orchestra in Maine ernannt. Diese Position übte er bis zu seinem Tod im Jahr 1992 aus. Nach seinem Tod gab das Orchester eine Doppel-CD heraus mit verschiedenen Aufnahmen aus den Jahren 1989-92, darunter Beethovens Die Weihe des Hauses, Tschaikowskys Romeo und Julia, Sibelius’ 2. Symphonie (aus seinem letzten Konzert), Ravels Daphnis und Chloe, Schumans New England Tritych, Baladas Fantasias sonoras, sowie drei eigene Kompositionen 3 Movements for Maine. Sein Sohn David Torkanowsky (aus der ersten seiner drei Ehen) ist Jazzmusiker in New Orleans.

 

31.3. Helene LIEBAN-GLOBIG: 150. Geburtstag

 Sie hieß mit ihrem Geburtsnamen Helene Globig und erhielt ihre Ausbildung zur Sängerin an der Musikakademie Berlin bei Gustav Engel. 1886 debütierte sie an der Hofoper Berlin als Undine in der Oper gleichen Namens von Lortzing. Sie blieb bis 1888 an der Hofoper im Engagement, gab dann Konzerte, trat aber seit 1889 auch am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater Berlin in Operetten auf, so mit besonderem Erfolg als Yum-Yum in der Operette »Die Geisha« von Sidney Jones. 1897 kam die Sängerin wieder an die Berliner Hofoper zurück, wo sie jetzt als Rosalinde in der »Fledermaus« brillierte. An diesem Haus blieb sie bis 1907 tätig. Sie wirkte dort in den Uraufführungen der Opern »Turandot« von Th. Rehbaum (1888 als Zelima) und »Die Heirat wider Willen« von E. Humperdinck (1905) mit. Weitere Partien aus ihrem Repertoire waren die Jenny in »Die weiße Dame« (»La Dame blanche«) von Boieldieu, die Lola in »Cavalleria rusticana«, die Blanche in »Louise« von G. Charpentier, die Rossweisse in der »Walküre« und die Lise in der Operette »Die Verlobung bei der Laterne« von Offenbach. Nach ihrer Heirat mit dem bekannten Tenor Julius Lieban (1857-1940) trat sie unter dem Namen Helene Lieban-Globig auf. 1901 war sie am Theater an der Wien in der österreichischen Metropole zu Gast, 1902 am Hoftheater von Schwerin, auch am Berliner Theater des Westens. Sie war nicht nur eine angesehene Bühnensängerin sondern kam auch im Konzertsaal, vor allem als Liedersängerin, zu großen Erfolgen. Ihre Duettabende mit Julius Lieban erregten in Berlin wie in anderen Musikzentren Aufsehen. Sie setzte sich gern für das zeitgenössische Liedschaffen ein und gab als eine der ersten Sängerinnen Liederabende mit Werken von Hans Pfitzner. Sie starb 1919 Stettin.

Schallplatten: Odeon-Aufnahmen, 1905 in Berlin aufgenommen. Auf Beka singt sie Duette zusammen mit Julius Lieban (Berlin, um 1906).

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