Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM JUNI 2017

IN MEMORIAM-Geburtstage im Juni 2017

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

1.6. Přemysl  KOCÍ: 100. Geburtstag

Přemysl  KOCÍ als Eugen Onegin
Als Onegin

Er wollte ursprünglich Lehrer werden und studierte an der Lehrerbildungsanstalt in Ostrava (Mährisch Ostrau). Seine Stimme wurde durch die Pädagogen J. Soupal und Rudolf Vasek ausgebildet. Er debütierte 1939 am Theater von Ostrava (Mährisch Ostrau) als Escamillo in »Carmen«. 1940-42 wurde er durch den Dirigenten Václav Talich am Prager Nationaltheater in großen Aufgaben herausgestellt. 1943-49 gehörte er wieder dem Ensemble des Theaters von Ostrava an. 1949 wurde er dann an das Nationaltheater von Prag berufen, an dem er nun eine lange, erfolgreiche Karriere hatte. 1959 wirkte er am Smetana-Theater Prag in der Uraufführung von B. Martinùs Oper »Mirandolina« mit. Gastspiele brachten ihm in Polen, Jugoslawien und Rumänien, in Russland und Albanien, vor allem aber an der Berliner Staatsoper, bedeutende Erfolge. Beim Holland Festival sang er 1959 in der Oper »Katja Kabanowa« von Janácek. Bei den Festspielen von Edinburgh wirkte er 1964 bei einem Gastspiel des Prager Nationaltheaters in der englischen Erstaufführung von Janáceks »Aus einem Totenhaus« als Schischkow sowie als Jäger in Dvoráks »Rusalka« mit. Zu den Bühnenpartien des Künstlers zählten der Titelheld im »Eugen Onegin«, der Boris Godunow, der Scarpia in »Tosca«, der Don Manuel in »Die Braut von Messina« von Z. Fibich, der Tausendmark in Smetanas »Die Brandenburger in Böhmen«, der Mojimir in »Svätopluk« von Eugen Suchon und der Marbuelo in »Die Teufelskäthe« von A. Dvorák. 1963 erhielt er eine Professur an der Prager Musikakademie. 1969-78 war er Direktor des Nationaltheaters Prag; bis 1983 war er noch als Regisseur an diesem Haus tätig. Er wirkte in vielen Fernsehfilmen des tschechoslowakischen Fernsehens mit und inszenierte selbst Fernsehopern, u.a. auch eine zehnteilige Fernsehserie über große Sänger der CSR. Er starb 2003 in Prag.

Sehr viele Schallplattenaufnahmen auf Supraphon, darunter eine Reihe von integralen Opern (»Das Geheimnis« und »Der Kuss« von Smetana, »Rusalka« von Dvorák, »Katja Kabanowa«, »Die Sache Makropoulos« und »Die Ausflüge des Herrn Broucek« von Janácek, »Die Mutter« von Alois Hába, »Svätopluk« von Eugen Suchon; dazu Arien- und Liederplatten, darunter »Biblische Lieder« von A. Dvorák zusammen mit Marta Krasová).

 

1.6. Samuel BARLOW: 125. Geburtstag

Der Absolvent der Harvard University war Schüler von Percy Goetschius und Franklin Ribinson in New York und 1923 von Ottorino Respighi in Rom. Während des Zweiten Weltkrieges war er Lieutenant in der US Army. Nach dem Krieg lebte er in New York und in Èze in Südfrankreich. Seine einaktige Oper Mon ami Pierrot auf ein Libretto von Sacha Guitry war 1935 die erste Oper eines amerikanischen Komponisten, die in der Pariser Opéra-Comique aufgeführt wurde. 1938 wurde sein Concerto for Magic Lantern and Symphony Orchestra, eine Adaption der Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten, vom Philadelphia Orchestra unter Leopold Stokowski uraufgeführt. Er komponierte weitere Opern und Orchesterwerke sowie Kammermusik. Er starb 1982 in Wyndmoore (Pennsylvania).

 

2.6. André VANDERNOOT: 90. Geburtstag

Nach dem Brüsseler Konservatorium studierte er an der Wiener Musikakademie. 1958 ernannte ihn die Königliche Flämische Oper in Antwerpen zum Ersten Dirigenten. Ein Jahr später ging er als musikalischer Direktor zum Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, wo er bis 1973 blieb. Danach übernahm er dieselbe Position am Orchestre National de Belgique in Brüssel (1974-75). 1976-83 war er 1. Gastdirigent der Philharmonie Antwerpen. Er war außerdem 1978-79 Musikdirektor der Noordhollands Philharmonie in Haarlem. 1979-89 war er auch Chefdirigent des Orchestre Symphonique de la RTBF in Brüssel. Er trat auch als Gastdirigent in verschiedenen Städten Europas, der USA, Japans und Südamerikas auf. Er starb 1991 in Brüssel.

 

2.6. Pál KOMAROMY: 125. Geburtstag

 Nach einer ersten Ausbildung in der ungarischen Metropole Budapest debütierte er 1913 an der Hofoper (der nachmaligen Nationaloper) Budapest. Er blieb deren Mitglied bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, setzte jedoch zu Beginn seiner Karriere seine Ausbildung noch bei Jacques Stückgold in Berlin fort. Er brachte in Budapest ein breites Rollenrepertoire zum Vortrag, das später auch zahlreiche Buffo-Partien enthielt. Mit dem Bartolo im »Barbier von Sevilla«, dem Paolo Albani in Verdis »Simon Boccanegra«, dem Titelhelden im »Don Pasquale« von Donizetti, dem Ochs im »Rosenkavalier« und dem Iwan Chowanski in Mussorgskys »Chowanschtschina« seien wenigstens einige Höhepunkte aus seinem Repertoire genannt. Der Künstler trat als Gast in Österreich und Deutschland, in Italien und in Südamerika auf. Auch als Konzertsänger von Bedeutung. Er starb 1966 in Budapest.

Wahrscheinlich sind Aufnahmen auf Qualiton vorhanden.

 

3.6. David HICKS (amerikanischer Bariton): 80. Geburtstag

 

3.6. Natalie HAENISCH: 175. Geburtstag

 Sie war die Tochter eines preußischen Gerichtsrats und wurde von dem berühmten Tenor Joseph Tichatschek ermuntert, die Sängerlaufbahn einzuschlagen. Nach ihrer Ausbildung, die bei Ferdinand Böhm in Dresden, bei Teschner in Berlin und bei Delsarte in Paris stattfand, debütierte sie 1860 am Stadttheater von Rostock als Gräfin in »Figaros Hochzeit«. Es schlossen sich Engagements an den Hoftheatern von Braunschweig (1861-62; Antrittsrolle: Amina in Bellinis »La Sonnambula«) und Schwerin (1862-63; Antrittsrolle: Dinorah von Meyerbeer) an. 1863-69 war sie ein gefeiertes Mitglied der Hofoper von Dresden, 1869-70 am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg. Seit 1870 unternahm sie von ihrem Wohnsitz Dresden aus Gastspiele, so 1870 am Hoftheater von Hannover, 1872 am Hoftheater von Stuttgart, 1873 am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater Berlin und 1875 am Hoftheater von Coburg. Sie gab Gastspiele in Frankfurt a.M. und in Leipzig, in Wien und in Paris und in weiteren europäischen Musikmetropolen. Zu ihren großen Partien im Bereich der Oper gehörten die Agathe im »Freischütz«, die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Marie in der »Regimentstochter« von Donizetti und die Elsa im »Lohengrin«. Neben ihrem Wirken auf der Bühne kam sie auch als Konzertsolistin zu einer sehr erfolgreichen internationalen Karriere. Sie lebte nach ihrem Rücktritt von der Bühne als Pädagogin in Dresden. Zu ihren Schülern gehörte die große Sopranistin Elisabeth Schumann.

 

4.6. Robert POULTON: 60. Geburtstag

Robert-Poulton

 Er erhielt seine Ausbildung 1981-86 durch den Pädagogen Rudolf Piernay und in der Guildhall School London, dann noch im European Opera Centre in Belgien und 1986-87 im National Opera Studio London. 1986 erregte er erstes Aufsehen beim Festival von Bath in der Partie des Ferryman in Benjamin Brittens »Curlew River«. 1986-88 war er Mitglied des Chores beim Glyndebourne Festival, bei dem er bereits 1987 einen der Diener im »Capriccio« von R. Strauss sang und dann 1988 als Kuligin in »Katja Kabanowa«, 1989 und 2004 als Altgesell in »Jenufa« von Janácek, 1992 in B. Brittens »Death in Venice«, 1992 und 1994 als Ned Keene in »Peter Grimes« von Britten, 1995 als Mr. Dollarama in »The Second Mrs. Kong« von Birtwistle, 2002 als Mr. Gedge in »Albert Herring« von Britten, 2005 als Minskman in »Flight« von Jonathan Dove und 2011 als Hermann Ortel in »Die Meistersinger von Nürnberg« zu sehen war. Bei der Glyndebourne Touring Opera sang er 1987 mehrere Rollen in »L’Enfant et les sortilèges« und den Ramiro in »L’Heure espagnole« von Ravel, 1988 und 1996 den Baron Douphol in »La Traviata«, 1989 den Figaro in »Le nozze di Figaro«, am 24.10.1994 den Mr. Dollarama in der Uraufführung der Oper »The Second Mrs. Kong« von Harrison Birtwistle, 1995 den Marcello in »La Bohème«, 1997 den Jaroslav Prus in Janáceks »Die Sache Makropoulos«, 1999 den Golaud in »Pelléas et Mélisande« und 2012 den Wildhüter in »Rusalka« von A. Dvorák. 1988 wurde er mit dem John Christie Award ausgezeichnet. 1988 hörte man ihn bei der Dorset Opera als Don Pedro in »Maria Padilla« von Donizetti, 1989 sang er bei der Opera North Leeds in Massenets »Manon«. Am 17.10.1990 wirkte er an der Scottish Opera Glasgow in der Uraufführung von Judith Weirs »Vanishing Bridegroom« in mehreren Partien mit. Dort sang er dann auch 1991 den Publio in Mozarts »La clemenza di Tito« und den Moralès in »Carmen«, 1992 den Figaro in »Le nozze di Figaro« und 2012 den Scarpia in »Tosca«. An der English National Opera London, an der er seit 1986 auftrat, sang 1991 den Leander in Prokofjews »L‘Amour des trois oranges«, in Amsterdam 1992 den Punch in »Punch and Judy« von H. Birtwistle. Am 14.4.1997 wirkte er  in München in der Uraufführung der Oper »The Juniper Tree« von Roderick Watkins mit; 1998 sang er beim Garsington Festival die Titelrolle in Verdis »Falstaff«, an der Welsh Opera Cardiff den Vater in »Hänsel und Gretel«. 1999 trat er bei der Grange Park Opera als Bartolo im »Barbier von Sevilla« auf, 2000 sang er bei der Opera Zuid in Holland den Jaroslav Prus und bei der Grange Park Opera den Eugen Onegin. Am 27.4.2001 sang er an der English National Opera London in der Uraufführung der Oper »From Morning to Midnight« von David Sawer mehrere kleinere Partien. Neben seinen Erfolgen auf der Bühne trat er im Konzertsaal vor allem in Oratorien auf, darunter in der »Schöpfung« von Haydn, im »Messias« von Händel, in den Passionen von J.S. Bach, in »The Kingdom« von Elgar und in Werken von Purcell und Vaughan Williams. Seine Konzerte fanden in England, in Singapur, Italien, Belgien und Israel statt. Er starb 2012 bei einem Autounfall in Sussex. Er war verheiratet mit der Mezzosopranistin Philippa Smith.

Schallplatten: Hyperion-Koch (»L’Enfance du Christ« von H. Berlioz); Video-Aufnahme »Jenufa« von Janácek (Glyndebourne, 1989).

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Homepage: https://www.robertpoultonfoundation.org.uk/

 

4.6. Robert MERRILL: 100. Geburtstag

Robert Merrill als Rigoletto

 Zuerst war er ein professioneller Baseballspieler, womit er sein Gesangstudium finanzierte. Er erhielt seine erste Gesangsausbildung durch seine Mutter, Lillian Miller-Merrill, die eine Konzertsängerin war, anschließend in New York u.a. bei Renato Bellini, Armando Agnini und Samuel Margolis. Er sang dann zunächst an verschiedenen amerikanischen Rundfunkstationen, u.a. in »Frank Black’s Radio Programm«. Erster Bühnenauftritt 1944 in Trenton (New Jersey) als Amonasro in »Aida«. Er gewann 1945 den Wettbewerb der Metropolitan Oper Auditions of the Air. Darauf wurde er sogleich an die Metropolitan Oper New York engagiert, an der er 1945 als Germont-père in »La Traviata« debütierte (den er dann noch 85mal dort sang), wobei Licia Albanese und Richard Tucker seine Partner waren. Seitdem hatte er als erster Bariton eine sehr erfolgreiche Laufbahn an der Metropolitan Oper, an der er bis 1976 schließlich in 32 Spielzeiten, in 21 verschiedenen Partien und in insgesamt 789 Vorstellungen auftrat: als Enrico in »Lucia di Lammermoor«, als Escamillo in »Carmen«, als Schtschelkalow in »Boris Godunow«, als Valentin im »Faust« von Gounod, als Amonasro, als Figaro im »Barbier von Sevilla«, als Graf Luna im »Troubadour«, als Hohepriester in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, als Posa in Verdis »Don Carlos«, als Silvio wie als Tonio im »Bajazzo«, als Rigoletto, als Marcello in »La Bohème«, als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, als Dr. Malatesta in »Don Pasquale«, als Barnaba in »La Gioconda« von Ponchielli, als Carlo in »La forza del destino«, als Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano, als Jago in Verdis »Otello« und als Scarpia in »Tosca«. 1983 erschien er dort nochmals in einer Galavorstellung. In der Spielzeit 1957-58 gastierte er an der Oper von San Francisco als Amonasro, als Germont-père und als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«. Gastspiele in Chicago (Debüt 1960 als Amonasro), in Südamerika (1968 am Teatro Colón Buenos Aires) und in Europa, hier zumal in Italien (1960-61, u.a. in Venedig) und London (1967 an der Covent Garden Oper als Germont-père, 1975 in einem Konzert), ließen in ihm einen der bedeutendsten amerikanischen Sänger seiner Zeit erkennen. 1945 sang er vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses bei der Trauerfeier für Präsident Roosevelt. Arturo Toscanini übertrug ihm die Partien des Germont-père und des Renato in seinen berühmten Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen der Verdi-Opern »La Traviata« und »Un ballo in maschera«. Er war vorübergehend mit der Sopranistin Roberta Peters (1930-2017) verheiratet. Er wirkte in mehreren Tonfilmen mit. Als er 1951 wegen Filmaufnahmen in Hollywood seine Teilnahme an einer Tournee der Metropolitan Oper absagte, kündigte die Direktion ihren Vertrag mit dem Sänger. In der folgenden Saison 1953 wurde er aber wieder an die Metropolitan Oper engagiert, an der er jetzt bis 1976 blieb. 1970-74 trat er am New Yorker Broadway in über 500 Vorstellungen des Musicals »The Fiddler on the Roof« in der Rolle des Tevje auf.  Er starb im 2004 in New Rochelle bei New York. – An seinem Bariton rühmte man die Wärme des Timbres, die Tonfülle des Stimmmaterials wie die Steigerungsfähigkeit seines Vortrages; seine Glanzrollen lagen im italienischen und im französischen Repertoire. Seine Memoiren erschienen unter dem Titel »Once more from the Beginning« (New York, 1965).

Lit: R. Celletti /Leo Riemens: Robert Merrill (in »Le grandi Voci«, Rom 1964); H.E. Phillips: Merrill´s Milestone (in »Opera News«, 1970-71).

Schallplatten: Sehr viele Aufnahmen auf RCA-Victor (die ältesten Aufnahmen noch vor Beginn seiner Opernkarriere mit Duetten aus dem Musical »Up in Central Park« als Partner von Jeannette MacDonald), HMV und Decca, darunter eine Vielzahl von integralen Opern (»Cavalleria rusticana«, »Pagliacci«, »Rigoletto«, »La Bohème«, »La Traviata«, »Carmen«, »Il barbiere di Siviglia«, »Manon Lescaut« von Puccini, »La Gioconda«, »Il Tabarro« von Puccini, »Aida«, zweimal »Un ballo in maschera«, »Falstaff«, »La forza del destino«, Graf Luna im »Troubadour«, »Lucia di Lammermoor«); Naxos (Germont-père in »La Traviata«, Metropolitan Opera 1949), auf Melodram erschien eine Aufnahme von Verdis »Don Carlos«.

 

6.6. Géri BRUNIN (belgische Sopranistin): 90. Geburtstag

 6.6. Iain HAMILTON: 95. Geburtstag

Er besuchte in London die Mill Hill School und absolvierte ein Ingenieursstudium. Im Alter von 25 Jahren gewann er ein Studium für die Royal Academy of Music, wo er bis 1950 bei Harold Craxton und Guy Jonson Klavier und bei William Alwyn Komposition studierte. 1950 gewann er den Dove Prize der Royal Academy, und im Folgejahr den Preis der Royal Philharmonic Society für sein Klarinettenkonzert, den Preis der Koussevitzky Foundation für seine zweite Sinfonie und den Edwin Evans Prize. 1951-60 unterrichtete er am MorIey College in London, 1952-60 außerdem an der University of London. 1961-81 lebte Hamilton in den USA. Hier hatte er bis 1978 die Mary-Duke-Biddle-Professur an der Duke University in Durham inne. 1962 war er Composer in Residence am Berkshire Music Center in Tanglewood. Die University of Glasgow verlieh ihm 1970 einen Ehrendoktortitel. 1961 wurde seine Musik für den Kurzfilm Seawards the Great Ships verwendet. Dies blieb seine einzige Tätigkeit im Filmbereich. Nach seiner Rückkehr aus den USA lebte Hamilton bis zu seinem Tod 2000 in London.

 

6.6. Irén SZECSÖDY: 100. Geburtstag

Irén SZECSÖDY

 Sie studierte an der Franz Liszt-Musikakademie in Budapest. 1947 wurde sie Mitglied der Nationaloper von Budapest und hatte dort bald eine glanzvolle Karriere, die etwa 25 Jahre dauerte. Man bewunderte sie vor allem als Interpretin der Sopranpartien in Opern von Puccini, daneben sang sie jedoch ein breit angelegtes Repertoire aus allen Bereichen der Opernliteratur. Im Einzelnen sind zu nennen: die Pamina in der »Zauberflöte«, die Traviata, die Mimi in »La Bohème«, die Liu in Puccinis »Turandot«, die Sulamith in der »Königin von Saba« von Goldmark und die Marguerite im »Faust« von Gounod. In den Jahren 1952-59 gastierte sie mehrfach in Österreich, Frankreich und Deutschland, wobei sie sehr erfolgreich war. Neben ihrem Wirken auf der Opernbühne galt sie als eine der bedeutendsten ungarischen Konzert- und Oratoriensängerinnen ihrer Zeit. Sie starb 2001 in Budapest.

Schallplatten der Marke Qualiton, darunter vollständige Opern und Oratorien; auf DGG sang sie das Sopransolo in der Krönungsmesse von F. Liszt.

 

6.6. Rhea TONIOLO: 125. Geburtstag

Rhea Toniolo als Carmen

Als „Carmen“

 Die Künstlerin begann ihre Karriere gegen Ende des Ersten Weltkrieges und hatte an führenden italienischen Bühnen ihre ersten Erfolge. So sang sie in Genua, Parma, Turin, Venedig, am Teatro Dal Verme in Mailand und bei den Festspielen von Verona. Sie sang am 6.6.1921 am Teatro Nacíonal Havanna in der Uraufführung der Oper »La Esclava« von José Mauri die Partie der Eva. Sie gastierte auch am Teatro Colón von Buenos Aires. 1924 gab sie ein längeres Gastspiel in Berlin und war dann 1925-31 Mitglied der San Carlo Opera Company, mit der sie ausgedehnte Tourneen durch Nordamerika unternahm. Sie erschien auch an den Opern von San Francisco und Los Angeles und hatte in den Spielzeiten 1932-33 und 1935-36 große Erfolge bei der Italienischen Oper in Holland. Sehr oft trat sie am Teatro Liceu von Barcelona auf. Sie lebte später als Pädagogin in Mailand, wo sie 1974 starb.

1924 wurden in Berlin von ihr akustische Parlophon- Platten aufgenommen, und zwar Duette mit dem Tenor Antonio Cortis.

 

7.6. Andrea VELIS: 85. Geburtstag

Andrea VELIS

Er entstammte einer ursprünglich griechischen Familie. Ausbildung durch Louise Taylor in Pittsburgh, dann am Royal Conservatory of Music in London und an der Accademia di Santa Cecilia in Rom. Debüt 1957 an der Pittsburgh Opera als Goro in »Madame Butterfly«. Der Künstler verlegte sich auf das Buffo- und Charakterfach, wo er überzeugende Leistungen erreichte und eine bunte Fülle von Partien beherrschte. Seit 1961 bis zu seinem Tod 1994 Mitglied der Metropolitan Oper New York (Debüt als Joe in »La fanciulla del west«). Hier hörte man ihn insgesamt 1693 Vorstellungen und in mehr als 60 Partien, in der Hauptsache Comprimario- und Charakterrollen. Noch 1992 sang er dort den Kaiser in Puccinis »Turandot« und 1994 den Don Curzio in »Le nozze di Figaro«. Unter den Partien, die er an diesem Haus übernahm, fanden sich eindrucksvolle Charakterstudien wie der Mime im Nibelungenring, der Valzacchi im »Rosenkavalier«, der Spalanzani in »Hoffmanns Erzählungen«, der Mr. Triquet im »Eugen Onegin« und der Gottesnarr im »Boris Godunow«. Am 16.9.1966 wirkte er an der Metropolitan Oper bei der Eröffnung des neuen Hauses im New Yorker Lincoln Center in der Uraufführung der Oper »Anthony and Cleopatra« von Samuel Barber in der Rolle des Mardian mit. Am 19.12.1991 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »The Ghosts of Versailles« mit.  Er ist auch an den Opern von Chicago, Philadelphia, Cincinnati und Pittsburgh aufgetreten. Sehr geschätzt als Interpret von Partien in Opern von Benjamin Britten. Allein fünfmal wirkte er in amerikanischen Premieren von Opernwerken dieses Komponisten mit, u.a. 1974 an der Metropolitan Oper New York in »Death in Venice«. 1978 und 1980 großer Erfolg an der Metropolitan Oper als Hexe in »Hänsel und Gretel« von Humperdinck.

Schallplattenaufnahmen auf Columbia, HMV (»Tosca« von Puccini) und Bella Voce (»Carmen«, Metropolitan Oper New York 1978 mit Régine Crespin in der Titelrolle; Joe in »La fanciulla del West« von Puccini, Metropolitan Oper 1970).

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Homepage: http://andreavelis.com/

 

8.6. Robert KERNS: 85. Geburtstag

Robert KERNS

 Er sang bereits als Knabensopran in einem Chor und wurde als solcher auch auf Schallplatten aufgenommen. Er studierte an der Michigan University in Ann Arbour und erwarb dort zwei akademische Grade, u.a. den eines Bachelor of Music. Dann wurde er für vier Jahre Soldat und war Mitglied der American Airforce Band. Bühnendebüt 1955 in Toledo (Ohio) als Sharpless in »Madame Butterfly«. Nach weiterer Ausbildung trat er 1959 an der City Opera New York auf (Antrittsrolle: Morales in »Carmen«). 1960 Europa-Debüt beim Festival von Spoleto. 1960-63 war er Mitglied des Opernhauses von Zürich. Er sang am 9.6.1961 am Opernhaus von Zürich in der Uraufführung der Oper »Griechische Passion« von B. Martinu den Kostandis. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1961 einen der Trojaner in »Idomeneo« von Mozart und den Paolo in Verdis »Simon Boccanegra«, 1967 den Morales, 1969-73 den Corpo in »Rappresentatione di Anima e di Corpo« von Cavalieri, 1969 den Figaro im »Barbier von Sevilla« von Rossini, 1970 den Figaro in »Le nozze di Figaro«, 1973 in einem Mozart-Konzert, 1975 den Geisterboten in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss und den königlichen Herold in Verdis »Don Carlos«. Er war seit 1962 bis zu seinem Tod im Februar 1989 Mitglied der Wiener Staatsoper (Debüt als Marcello in »La Bohème«; letzter Auftritt Ende Januar 1989 als Baron Douphol in »La Traviata«). Er sang an diesem Haus über 50 Partien, darunter den Grafen in »Figaros Hochzeit« (allein 82mal), den Faninal im »Rosenkavalier«, den Grafen im »Capriccio« (32mal) und den Barbier in »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, den Enrico in »Lucia di Lammermoor«, den Posa im »Don Carlos« und den Ford wie auch die Titelpartie im »Falstaff« von Verdi, den Germont-père in »La Traviata«, den Sharpless und den Ping in Puccinis »Turandot«, den Don Giovanni, den Don Alfonso in »Così fan tutte«, den Valentin im »Faust« von Gounod, den Belcore in »L’Elisir d‘amore« von Donizetti und den Tomsky in »Pique Dame«. An der Covent Garden Oper London hatte er sein Debüt 1964 als Guglielmo in »Così fan tutte«. Er trat in der Folgezeit fast alljährlich an diesem Haus u.a. als Graf in »Figaros Hochzeit«, als Billy Budd von B. Britten und als Figaro im »Barbier von Sevilla« auf. 1963-66 trat er bei den Festspielen von Aix-en-Provence als Papageno in der »Zauberflöte«, als Don Giovanni und als Harlekin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss auf. 1966 sang er in New York (konzertant) im »Rheingold«. Bei den Osterfestspielen von Salzburg sang er unter Herbert von Karajan 1968-69 den Donner im »Rheingold«, 1974 in Bachs H-Moll-Messe und 1976 den Heerrufer im »Lohengrin«. Seit 1973 neben seinem Wiener Engagement auch der Deutschen Oper Berlin verbunden. 1974 an der Grand Opéra Paris als Marcello zu Gast. Zu seinen großen Wagner-Partien gehörten auch der Wolfram im »Tannhäuser« und der Amfortas im »Parsifal«. Weitere Höhepunkte in seinem Repertoire waren der Scarpia in »Tosca«, der Rigoletto und der Titelheld in »L‘Orfeo« von Monteverdi.

Schallplatten: DGG (Donner im »Rheingold« unter von Karajan), RCA (vollständige Opern »Rigoletto« und »Otello« von Verdi), Decca (»Madame Butterfly«; auch als Video), HMV (»Lohengrin«), CBS (Ping in Puccinis »Turandot«), Orfeo (Corpo in »Rappresentazione di anima e di corpo« von Cavalieri, Salzburg 1971), HRE (»Il Giuramento« von S. Mercadante); MMS, Myto (»L‘Elisir d‘ amore« aus dem Theater an der Wien, 1973); Topaz-Video (»Turandot« von Puccini aus der Wiener Staatsoper, 1983).

 

8.6. Robert ALLMAN: 90. Geburtstag

Robert-Allman

 Seine Tante, die selbst Sängerin gewesen war, stellte ihn dem berühmten Bariton Horace Stevens vor, der zur Ausbildung seiner Stimme riet. Diese erfolgte seit 1952 am Konservatorium von Melbourne, dann durch Marjorie Smith in Sydney und 1955-57 in Paris durch Dominique Modesti. Nachdem er bereits in seiner australischen Heimat in Konzerten und Opernaufführungen (Debüt 1952 bei der Victoria National Opera Company) aufgetreten war, kam er seit 1957 zu einer erfolgreichen Karriere an der Covent Garden Oper London wie auch bei der Sadler’s Wells Opera Company London (1957-58). Bis 1959 trat er in England wie bei Gastspielen an der Berliner Staatsoper, an der Staatsoper Hamburg (Jago in Verdis »Otello«), an der Städtischen Oper Berlin und am Opernhaus von Frankfurt a.M. (Tonio im »Bajazzo«) in Erscheinung. 1959-60 hielt er sich wieder in Australien auf; er sang in Melbourne das Bass-Solo im »Messias« und nahm an einer Tournee der Elizabethan Opera Company teil, bei der er als Rigoletto, als Jochanaan in »Salome«, als Sharpless in »Madame Butterfly« und als Sprecher in der »Zauberflöte« auftrat. In Melbourne hörte man ihn in seiner Glanzrolle, dem Scarpia in »Tosca«. Darauf verlegte er seine Tätigkeit wieder nach Westdeutschland und war 1960-62 am Opernhaus von Wuppertal und 1962-68 am Opernhaus von Köln engagiert. Während dieser Zeit gab er Gastspiele an den Staatsopern von München (1966) und Stuttgart, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an den Opernhäusern von Essen und Kassel, am Staatstheater von Wiesbaden, in Augsburg, an der Wiener Volksoper (Gastspielvertrag für mehrere Jahre seit 1961), am Opernhaus von Zürich und bei den Festspielen von Eutin. An der Opéra du Rhin Straßburg gastierte er 1962 als Macbeth in Verdis gleichnamiger Oper, 1964 als Simon Boccanegra. Er gastierte auch an den Opern von New Orleans (1965, 1967) und Houston/Texas, in Johannesburg und Pretoria (1968) und sang 1979 bei den Festspielen von Glyndebourne den Don Pizarro im »Fidelio«. Nachdem er 1964/65 eine zweite Gastspiel-Tournee mit der Elizabethan Company (an der auch die große Primadonna Joan Sutherland teilnahm) unternommen hatte, wurde er schließlich 1971 Mitglied der Australian Opera Sydney. Hier entfaltete er eine langjährige Karriere in einer Vielfalt von Bühnenrollen; nicht weniger von Bedeutung war sein Wirken als Konzert- und Oratoriensänger. Noch 1988 sang er in einer Aufführung von »Aida« während der Weltausstellung von Brisbane den Amonasro, wie er denn allgemein als großer Interpret von Verdi-Partien (Graf Luna im »Troubadour«, Titelpartie im »Nabucco«, Ford im »Falstaff«) galt. Er starb 2013 in Sydney.

Pickwick-Video (»Fidelio«, 1980).

 

8.6. Arthur EISEN: 90. Geburtstag

Arthur EISEN

 Er erhielt eine erste Ausbildung 1944-48 an der Theaterschule Moskau durch B.W. Schukina und F. Vachtangova und trat dann in Sprechstücken auf. 1949-57 Gesangsausbildung am Gnesin-Konservatorium in Moskau durch Wladimir Politkowsky. 1949-57 war er Solist des Sowjetischen Alexandrow-Ensembles. 1955 wurde er bei den Welt-Jugendfestspielen in Warschau mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. 1957 erfolgte seine Berufung an das Bolschoi Theater Moskau, wo er als Basilio im »Barbier von Sevilla« debütierte und dann eine große Karriere entfalten konnte. Man schätzte dort vor allem seine Gestaltung von Rollen wie dem Farlaf in »Ruslan und Ludmilla« von Glinka, dem Leporello in »Der steinerne Gast« von Dargomyschski, dem Titelhelden wie dem Warlaam im »Boris Godunow«, dem Galitzky in Borodins »Fürst Igor«, dem Mephisto im »Faust« von Gounod, dem Iwan Chowanski in Mussorgskys »Chowanschtschina«, dem Salieri in »Mozart und Salieri« und dem Titelhelden im »Märchen vom Zaren Saltan« von Rimsky-Korssakow, dem René in »Jolanthe« von Tschaikowsky, dem General in »Der Spieler« von Prokofieff, dem Pestel in den »Dekabristen« von Schaporin. 1976 erfolgte seine Ernennung zum Volkskünstler der UdSSR. Neben seinem Wirken auf der Bühne galt der Sänger, der auch in Westeuropa in Erscheinung getreten ist, als hervorragender Interpret von Konzertwerken (13. Sinfonie von Schostakowitsch) und von russischen Volks- und Kunstliedern. Seine Karriere war von langer Dauer; er gastierte u.a. 1987 mit dem Ensemble des Bolschoi Theaters in Budapest als Pimen im »Boris Godunow« und sang an dessen Haus in Moskau 1990 den Tschub in »Die Nacht vor Weihnachten« von Rimsky-Korssakow. Seit 1975 unterrichtete er am Gnesin-Konservatorium in Moskau. Er starb 2008 in Moskau.

Zahlreiche Schallplattenaufnahmen der staatlichen sowjetrussischen Produktion (Melodiya); auf Eurodisc kam eine Schallplatte mit russischen Volksliedern heraus. Auf der gleichen Marke singt er in einer integralen Aufnahme von Borodins »Fürst Igor«. Auf russischen Platten ist auch »Die Geschichte vom wahren Menschen« von Prokofjew in einer vollständigen Aufnahme vorhanden. Eine Gesamtaufnahme des »Boris Godunow«, in der er den Warlaam singt, wurde auf Philips übernommen.

 

9.6. Gordana JEVTOVIC: 70. Geburtstag

 Sie war an der Musikakademie von Belgrad Schülerin von Nikola Cvejic. 1969 wurde sie sogleich an die Nationaloper von Belgrad verpflichtet und ist seitdem Mitglied dieses Opernhauses geblieben. Gastspiele trugen ihr an den Nationalopern von Prag und Sofia, in Budapest und London, am Teatro Liceu Barcelona, am Teatro Regio Turin und an der Berliner Staatsoper bedeutende Erfolge ein; hinzu traten die gleichen Erfolge in einer internationalen Konzertlaufbahn. Sie brillierte im Koloraturfach in Bühnenpartien wie der Gilda im »Rigoletto«, dem Pagen Oscar in Verdis »Maskenball«, der Adina in »L‘Elisir d’amore«, der Norina im »Don Pasquale«, der Rosina im »Barbier von Sevilla«, der Mimi in »La Bohème« und der Papagena in der »Zauberflöte«.  Sie starb 2007 in Belgrad.

Schallplatten: Jugoton.

 

9.6. Franco DONATONI: 90. Geburtstag

Er studierte in Mailand, Bologna und Rom und wirkte danach als Professor an den Konservatorien in Bologna und Mailand. 1965 erhielt er einen Ruf an das Konservatorium in Turin. Dem musikalischen Stil der Avantgarde seiner Zeitgenossen stand er eher fern, er orientierte sich an tonalen Formen. Sein Schaffen umfasst Werke verschiedenster Gattungen und Besetzungen, darunter ein Ballett, eine Streichersinfonie, Kammermusik und Musik für Tasteninstrumente. Er starb 2000 in Mailand.

 

10.6. Edmond KARLSRUD: 90. Geburtstag

Edmond KARLSRUD

 Gesangstudium an der University of Minnesota bei Earle G. Killeen, an der Juilliard School of Music New York bei Mack Harrell und bei Gibner King in New York. Er debütierte 1962 bei der Atlanta Opera als Baron Douphol in Verdis »La Traviata«. Er war in den Jahren 1968-77 Mitglied der Metropolitan Oper New York (Debüt im Jänner 1969 als Hans Foltz in »Die Meistersinger von Nürnberg«), an der er in insgesamt 447 Vorstellungen kleinere und mittlere Partien übernahm, darunter den Monterone im »Rigoletto«, den Marquis de Calatrava in Verdis »La forza del destino«, den König in »Aida«, den Kuno im »Freischütz«, den Angelotti in »Tosca« und den Dr. Grenvil in »La Traviata«. Höhepunkte in seinem Repertoire für die Bühne waren der Figaro in »Le nozze di Figaro«, der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, der Minister im »Fidelio«, der Landgraf im »Tannhäuser« und der Tiresias in »Oedipus Rex« von Strawinsky. Gastspiele an amerikanischen Opernhäusern, u.a. an der Oper von New Orleans, und eine ausgedehnte Konzerttätigkeit kennzeichneten die weitere Karriere des Sängers. Er starb 1997 in New York.

Schallplatten: Mitschnitte von Aufführungen aus der Metropolitan Oper.

 

10.6. Elise KUTSCHERRA DE NYSS: 150. Geburtstag

Der Vater der Sängerin stammte aus der Tschechoslowakei, die Mutter aus Polen. Sie erhielt eine vorzügliche Ausbildung ihrer Stimme durch so bedeutende Pädagogen wie Rosa de Ruda, Désirée Artôt de Padilla und Julius Hey in Berlin. Im Juli 1887 stand sie erstmals auf der Bühne, und zwar sang sie an der Berliner Kroll-Oper die Marguerite im »Faust« von Gounod. Noch im gleichen Jahr wurde sie an das Hoftheater von Altenburg in Thüringen verpflichtet, dem sie bis 1889 angehörte. Sie war 1889-92 am Hoftheater von Coburg verpflichtet, wo sie zur Kammersängerin ernannt wurde. Sie unternahm ausgedehnte Gastspielreisen, die ihr auf der Bühne wie im Konzertsaal glänzende Erfolge eintrugen. 1894 trat sie in einem Konzert an der New Yorker Metropolitan Oper auf, in dem sie die kranke Nellie Melba ersetzte. 1894-95 sang sie bei der Damrosch Opera Company in den USA. In Paris war sie 1895-1907 oft in Konzerten zu hören, 1896 trat sie als erste deutsche Sängerin nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870-71 an der Grand Opéra Paris als Sieglinde in der »Walküre« auf. Sie gastierte 1896-97 und 1898-99 am Théâtre de la Monnaie Brüssel. In der Zeit um die Jahrhundertwende war sie oft in Opernaufführungen in Amsterdam anzutreffen, 1897 sowie 1906 im holländischen Seebad Scheveningen; sie gastierte auch in London. 1902 hatte sie einen ihrer größten Erfolge bei einem Gastspiel an der Wiener Hofoper als Leonore im »Fidelio«. Sie gastierte 1902 und 1903 am Deutschen Theater Prag, 1904 bei den Wagner-Festspielen in München (als Brünnhilde im »Siegfried«), 1908 an der Opéra-Comique Paris (als Fidelio), auch an den Hoftheatern von Dresden und Wiesbaden. Von ihren Bühnenrollen sind die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Brünnhilde in den Opern des Ring-Zyklus, die Leonore im »Troubadour«, die Rachel in »La Juive« von Halévy, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Eglantine in »Euryanthe« von Weber, die Senta in »Der fliegende Holländer«, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Elsa im »Lohengrin«, die Fricka im »Rheingold«, die Königin von Saba in der gleichnamigen Oper von Goldmark, die Alice in »Robert le Diable«, die Valentine in den »Hugenotten« und die Selika in der »Afrikanerin« von Meyerbeer hervorzuheben. Im Konzertsaal wurde sie vor allem als Liedersängerin bekannt. Die Sängerin, die mit dem Direktor des Niederländischen Lloyd, Maximilian de Nyß verheiratet war, hatte ihren Wohnsitz später in Berlin, zuletzt in Wien, wo sie 1945 starb.

Es ist unverständlich, dass von ihrer Stimme keine Schallplattenaufnahmen existieren.

 

13.6. Valeria BARSOVA: 125. Geburtstag

Valeria Barsova

 Sie studierte zuerst Klavierspiel bei dem estnischen Komponisten Arthur Kapp. Sie wurde dann Schülerin des Moskauer Konservatoriums, wo sie durch U.A. Mazetti zur Sängerin ausgebildet wurde, nachdem sie zuvor durch ihre Schwester Maria Vladimirovna Barsova Gesangsunterricht erhalten hatte. Sie trat 1915 in einem Moskauer Kabarett auf, wo sie durch den Direktor der Zimin-Privatoper Sergej Zimin entdeckt wurde. 1917 debütierte sie an dieser Oper als Gilda im »Rigoletto«. Nach der Oktoberrevolution sang sie mit dem Ensemble der Zimin-Oper Partien wie die Susanna in »Le nozze di Figaro«, die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Nedda im »Bajazzo«, die Rosina im »Barbier von Sevilla« und die drei Frauenrollen in »Hoffmanns Erzählungen«. Sie setzte während dieses Engagements ihre Ausbildung durch weitere Studien bei U. Mazetti in Moskau fort. 1919 sprang sie am Eremitage-Theater in Moskau für die indisponierte Primadonna Antonina Nezhdanova als Rosina ein und erregte das Aufsehen des berühmten Bassisten Feodor Chaliapin, der in dieser Vorstellung mitwirkte. Darauf sang sie am Stanislawski-Theater Moskau u.a. die Clairette in der Operette »La Fille de Madame Angot« von Lecoqc. 1920 wurde sie an das Bolschoi Theater in Moskau berufen, an dem sie bis 1948 als gefeierte Künstlerin wirkte. Sie trat in den Jahren 1920-24 auch an den Opernhäusern von Stanislawsky und Nemirowitsch-Dantchenko in Moskau auf. Ihre Glanzrollen waren die Ludmilla in »Ruslan und Ludmilla« von Glinka, die Antonida in dessen »Iwan Susanin«, die Butterfly, die Musetta in »La Bohème«, die Lakmé, die Gilda im »Rigoletto«, die Königin von Schemacha in Rimsky-Korssakows »Der goldene Hahn«, die Titelrolle in »Schneeflöckchen« vom gleichen Komponisten, die Manon von Massenet und die Traviata. Neben ihrem Wirken auf der Bühne entfaltete sie eine erfolgreiche Konzerttätigkeit und trat auch im Ausland auf, u.a. 1929 in Berlin und bei einer Konzerttournee durch Polen. 1939 organisierte sie Opern-Aufführungen für Arbeiter in Kollektiven und in Lagern beim Bau des Wolga-Don-Kanals. Sie wurde 1937 zur Volkskünstlerin der UdSSR ernannt und erhielt 1941 den Stalin-Preis; sie setzte sich immer wieder für die kulturpolitischen Aktivitäten der Sowjetunion und der Kommunistischen Partei ein. 1950-53 wirkte sie als Professorin am Konservatorium von Moskau. Sie zog sich dann nach Sotschi am Schwarzen Meer zurück, wo sie 1967 starb. – Man bewunderte im Koloraturfach die Leichtigkeit und Virtuosität ihrer Stimmführung, in lyrischen Partien die Feinheit ihrer Ausdruckskunst.

Lit: G. Polianowsky: V.W. Barsova (Moskau und Leningrad, 1941).

Schallplatten: bereits um 1930 elektrische Odeon-Platten, später zahlreiche Aufnahmen der staatlichen sowjetrussischen Produktion (Melodiya), darunter auch integrale Opern (»Ruslan und Ludmilla« von Glinka, »Sadko« von Rimsky-Korssakow, »Pique Dame« von Tschaikowsky).

 

14.6. Eva SCHWARZHAUPT: 90. Geburtstag

 Sie lebte seit 1939 in Argentinien und nahm die argentinische Staatsangehörigkeit an. Sie war Absolventin des Instituto Superior de Arte del Teatro Colón Buenos Ares, wo sie 1951 ihr Diplom für den Sologesang erwarb. Seit 1951 gehörte sie dem Chor des Teatro Colón an. Sie trat als Konzert- und vor allem als Liedersängerin in Buenos Aires wie in den weiteren Zentren des argentinischen Musiklebens auf, gastierte in Deutschland (Mannheim, Limburg a. d. Lahn) und in den USA (New York). In den Jahren 1960-87 war sie als Regie-Assistentin und als Dozentin für deutsche Sprache und deutsche Phonetik am Teatro Colón beschäftigt und erwarb sich große Verdienste um deutschsprachige Opernaufführungen an diesem Theater wie überhaupt in Argentinien. Seit 1978 ging sie einer ähnlichen Tätigkeit am Instituto de Música in Avellaneda (Teatro Roma) nach. 1982 wurde sie als Professorin für deutsche Sprache und Phonetik an das Museo Social Argentino berufen, seit 1988 wirkte sie als Professorin für Germanistik an der Universidad Católica Buenos Aires. Auch in ihrem Konzertrepertoire fanden sich bevorzugt Werke aus dem deutschen Repertoire. Sie starb 2003.

 

16.6. Jerry HADLEY: 65. Geburtstag

Jerry HADLEY

 Er studierte Dirigieren und Gesang an der Bradley University und an der University of Illinois wie auch bei Thomas Lo Monaco. Er debütierte, noch als Student, beim Lake Georgia Opera Festival als Ferrando in »Così fan tutte«. 1978 erregte er Aufsehen beim Gesangswettbewerb des National Opera Institute und wurde darauf an die New York City Opera verpflichtet. Nach seinem Debüt an diesem Haus 1979 als Arturo in »Lucia di Lammermoor« sang er dort eine Vielzahl weiterer Partien: den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, den Alfredo in »La Traviata«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet, den Fenton in Verdis »Falstaff« wie in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Herzog im »Rigoletto«, den Des Grieux in Massenets »Manon« und den Tom Rakewell in »The Rake’s Progress« von Strawinsky. Er gastierte in Washington (u.a. 1989 als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«), St. Louis, an der Tulsa Opera, der Sarasota Opera und an kanadischen Opernbühnen. 1981 sang er bei der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan. 1982-96 gastierte er in insgesamt 58 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper (als Nemorino in Donizettis »L’elisir d‘amore«, als Pinkerton in »Madame Butterfly«, als italienischer Sänger im »Rosenkavalier«, als Leicester in Donizettis »Maria Stuarda«,  als Alfredo, als Rodolfo, als Tamino in der »Zauberflöte«, als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als Ferrando und als Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«). 1984 wirkte er an der Münchner Staatsoper und 1983 bei den Festspielen von Glyndebourne als Idamante in »Idomeneo« von Mozart mit, 1984 trat er an der Londoner Covent Garden Oper als Fenton im »Falstaff« von Verdi auf. 1986 Gastspiel an der Staatsoper Hamburg als Rodolfo, 1987 als Tamino. Im gleichen Jahr gastierte er an der Oper von Rom als Rodolfo. Im März 1987 debütierte er an der Metropolitan Oper New York als Des Grieux in Massenets »Manon«. Bis 2002 sang er an diesem Haus in insgesamt 122 Vorstellungen auch den Lenski im »Eugen Onegin«, den Herzog im »Rigoletto«, den Ferrando, den Don Ottavio, den Alfredo, den Tamino, den Edgardo, den Nemorino, den Tom Rakewell und den Sam Polf in »Susannah« von Carlisle Floyd. Am 20.12.1999 sang er an der Metropolitan Oper die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »The Great Gatsby« von John Harbison, die er 2000 an der Chicago Opera wiederholte.  1988 Gastspiel an der Deutschen Oper Berlin als Edgardo. An der Oper von San Francisco gastierte er 1988 als Tom Rakewell, 1991 als Tamino, 1992 als Nemorino, 1996 als Hoffmann, 1998 als Des Grieux in Massenets »Manon« und 1999 als Julien in »Manon« von Charpentier. Weitere Gastspiele an der Oper von Chicago (als Tamino), an der Deutschen Oper Berlin (als Nemorino) und an der Covent Garden Oper London (1990-93 als Rodolfo und als Hoffmann). In der Londoner Royal Festival Hall sang er 1993 den Benedict in »Béatrice et Benedict« von Berlioz. Beim Festival von Aix-en-Provence sang er 1991, an der Chicago Opera den Pelléas in »Pelléas et Mélisande«, 1994 in San Diego den Hoffmann, 1995 in Aix-en-Provence den Ferrando, in Lyon den Tom Rakewell und an der Mailänder Scala den Faust in »La Damnation de Faust« von Berlioz, 1996 in Zürich den Werther von Massenet. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1994 und 1996 den Tom Rakewell, 1997 die Titelpartie in Mozarts »La clemenza di Tito«, 1998 den Jimmy Mahoney in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill, 2000 die Titelrolle in Mozarts »Idomeneo«, 2001 den Alfred in der »Fledermaus« und den Laca in »Jenufa« von Janácek. Am 1.3.1997 wirkte er an der Oper von San Diego in der Uraufführung der Oper »The Conquistador« von Myron Fink (als Don Luis de Carvajal) mit. An der Pariser Opéra Bastille gastierte er 1997 als Faust in »La Damnation de Faust« von Berlioz, 2005 als Skuratow in Janáckes »Aus einem Totenhaus« und als Aegisth in »Elektra« von R. Strauss. An der Oper von Dallas gastierte er 1999 als Rodolfo. 1999 sang er in Wien (konzertant) den Leukippos in »Daphne« von R. Strauss, an der Santa Fé Opera die Titelrolle in Mozarts »Idomeneo«. 2000 gastierte er im Festspielhaus von Baden-Baden als Idomeneo von Mozart, 2001 am Opernhaus von Köln als Captain Vere in »Billy Budd« von B. Britten. Konzerte trugen dem Künstler, der bei seinen Liederabenden von seiner Gattin, der Pianistin Cheryl Drake Hadley, am Flügel begleitet wurde, u.a. in Boston, Los Angeles, in Toronto und Paris, beim Edinburgh Festival und in der New Yorker Carnegie Hall (1984) große Erfolge ein. Am 10. Juli 2007 wurde er mit einer Schusswunde am Kopf bewusstlos in seinem Haus in Clinton aufgefunden. Da er an Depressionen litt, geht die Polizei von einem Suizidversuch aus. Jerry Hadley erlag seinen schweren Verletzungen am 18. Juli 2007 in einem Krankenhaus in Poughkeepsie (NY).

Lit: N. Goodwin: Jerry Hadley (in »Opera«, 1993).

Schallplatten: Decca (»Anna Bolena« von Donizetti mit Joan Sutherland, »Street Scene« von K. Weill, »My Fair Lady«), Telarc (Mozart- und Verdi-Requiem, Tamino in der »Zauberflöte«, Don Ottavio im »Don Giovanni«, »Giuditta«, »Der Zarewitsch« und »Das Land des Lächelns« von F. Lehár), DGG (Rodolfo in »La Bohème« von Puccini, Messe Es-Dur von Schubert, »Candide« von L. Bernstein), HMV (»Show Boat« von J. Kern), Intercord (Missa solemnis von Beethoven), Philips (»Il Re pastore« von Mozart, »Messias« von Händel), EMI (Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«), Teldec (Titelheld im »Faust« von Gounod), Teldec/East West (War Requiem von B. Britten), RCA/BMG (Aus Wiener Operetten, Recital), Virgin-EMI (»Susannah« von C. Floyd), Pro Arte (9. Sinfonie von Beethoven), Sony (Musical »Man of La Mancha« mit Placido Domingo), Erato (»The Rake’s Progress« von Strawinsky); Arthaus-Video (»Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von Kurt Weill, Salzburg 1998).

 

17.6. Donald DAME: 100. Geburtstag

Donald DAME

 Ausbildung an der Juilliard School of Music und bei Vera Schwarz in New York. 1939 sang er beim Worcester Festival in den Opern »Bajazzo« und »Cavalleria rusticana«. 1943 wurde er an die Metropolitan Oper New York verpflichtet (Antrittsrolle: Laërtes in »Mignon« von Thomas). Bereits bei seinem Debüt erregte er Aufsehen; umso unverständlicher ist es, dass er an der Metropolitan Oper in zwei Spielzeiten  in nur insgesamt 20 Vorstellungen und dann in kleinen Partien eingesetzt wurde (als Nathanael in »Hoffmanns Erzählungen«, als Remendado in »Carmen«, als Kunz Vogelgesang in »Die Meistersinger von Nürnberg« und als Arturo in »Lucia di Lammermoor«). Er verließ schließlich 1945 die Metropolitan Oper und trat jetzt vor allem im amerikanischen Rundfunk auf; hier gestaltete er eine interessante Sendereihe unter dem Titel »Album of American Music«. 1950 kam er erstmals nach Europa und gab sehr erfolgreiche Konzerte in London, in den skandinavischen Ländern, in Deutschland und in Holland. 1951 bereiste er die USA mit der Operntruppe »Company of the Metropolitan Opera« und hatte dabei als Eisenstein in der »Fledermaus« große Erfolge. Kurz darauf im Jänner 1952 starb er plötzlich nach einem Herzanfall in New York.

Die lyrische Tenorstimme des Künstlers wurde hauptsächlich auf Victor aufgenommen; dabei handelte es sich zumeist um volkstümliche und Unterhaltungslieder. Bei der Beecham Society wurde eine Aufnahme von »Hoffmanns Erzählungen« aus der Metropolitan Opera veröffentlicht, in der er den Nathanael singt, auch Aufnahmen auf Allegro und Pilotone (hier Opernarien). Seine Schwester Beverly Dame hatte eine erfolgreiche Karriere als Sopranistin und sang u.a. in einer Columbia-Aufnahme von Menottis »The Medium«; eine Video-Aufnahme dieser Oper kam auf Artists International heraus.

 

17.6. Georges JOUATTE: 125. Geburtstag

Georges Jouatte

 Er war der Sohn eines Bierbrauers. Um sein Gesangstudium finanzieren zu können, trat er auf der Bühne des Casino de Paris als Tänzer auf. Er schloss seine Sängerausbildung in Deutschland ab. Nachdem er anfänglich nur im Konzertsaal aufgetreten war, debütierte er 1932 am Théâtre Mogador in Paris. Umschulung zum Tenor durch Paul Cabanel und Louis Fourestier. 1935 kam er an die Grand Opéra von Paris (Antrittsrolle Faust in »La Damnation de Faust« von H. Berlioz). Große Erfolge hatte er an diesem Theater 1936 als italienischer Sänger im »Rosenkavalier« von R. Strauss bei einer Aufführung in Anwesenheit des Komponisten. An der Grand Opéra schätzte man vor allem seinen Florestan im »Fidelio«, seinen Admète in »Alceste« von Gluck, seinen Don Ottavio im »Don Giovanni«, seinen Erik in »Der fliegende Holländer« (1937), seinen Ulysse in »Pénélope« von Fauré und seinen Armal in »Gwendoline« von E. Chabrier. Seit 1937 war er auch Mitglied der Opéra-Comique Paris, wo er sich als Belmonte in der »Entführung aus dem Serail« und dann in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea« vorstellte. Es folgten Gastspiele des Künstlers in Österreich und Italien. An der Londoner Covent Garden Oper hörte man ihn 1937 als Admète in »Alceste« von Gluck, bei den Salzburger Festspielen in den Jahren 1933 und 1936 bei Konzertveranstaltungen. Beim Festival von Montreux sang er das Tenorsolo im Verdi-Requiem unter Bruno Walter. 1946 gab er als Tamino in der »Zauberflöte« seine Abschiedsvorstellung an der Opéra-Comique. Gelegentlich trat er noch nach seinem Bühnenabschied auf, so 1951 an der Oper von Monte Carlo als Tamino. Bereits frühzeitig trat er auch als Filmschauspieler in Erscheinung, so 1923 in dem deutschen Film »Land ohne Frauen« mit Brigitte Helm und Conrad Veidt. 1949-62 wirkte er als Pädagoge am Conservatoire National de Paris; die bedeutende Sopranistin Régine Crespin war seine Schülerin. Er starb 1969 auf der Île de Ré.

Aufnahmen auf den Marken Odeon und Pathé; auf Columbia Faust in »La Damnation de Faust«.

 

17.6. Johann STAMITZ: 300. Geburtstag

Er war das vierte von fünf Kindern von Anton Ignaz und Rosina Stamitz. Seinen ersten musikalischen Unterricht erhielt er vermutlich von seinem Vater, der lange Zeit das Amt des Organisten an der örtlichen Dekanalkirche in Deutschbrod in Böhmen bekleidete und ebenfalls als Stadtrat tätig war. Nachdem Johann Stamitz kurze Zeit die örtliche Schule besuchte, wechselte er im Alter elf Jahren auf das Jesuitengymnasium in Iglau. Dort kam er im Zuge seiner jesuitischen, nach Rom orientierten, Musikausbildung erstmals in Kontakt mit der italienischen Musik. Johann Stamitz` erste Kompositionen waren wahrscheinlich geistliche Stücke, doch lernte er sicherlich auch die landestypischen Volkslieder- und tänze kennen. Nach seiner sechsjährigen Schulzeit (1728–1734) besuchte Johann Stamitz für ein Jahr die Karls-Universität Prag als Philosophiestudent. Für die Zeit von 1735 bis 1741gibt es leider keine konkrete Aufzeichnungen, es wird aber vermutet, dass Stamitz sich ausgiebig mit musikalischen Studien beschäftigte, worauf insbesondere sein frühes Virtuosentum auf der Violine hindeutet. Auch die italienische Konzertsinfonie und die italienische Musik im Allgemeinen konnte Stamitz in Prag, wo sich seit der Krönung König Karls VI. und den angeschlossenen Festlichkeiten im Jahre 1723 zahlreiche italienische Komponisten aufhielten, bestens kennenlernen. Schließlich verließ er Böhmen, mit dem Ziel Arbeit als Musiker zu finden. Über die Stationen, welche Johann Stamitz als reisender Virtuose nahm, bis er als Mannheimer Musiker verpflichtet wurde, ist sich die Musikforschung sehr uneins. Zudem wird die Rekonstruktion seines Karrierebeginns in Mannheim dadurch, dass sich überhaupt keine Anstellungsurkunde des Mannheimer Kurfürsten für Johann Stamitz finden lässt, erschwert. Manche Forscher behaupten, Stamitz habe im Rahmen der Doppelhochzeit von Kurprinz Carl Theodor mit Elisabeth Augusta und Herzog Clemens von Bayern mit Maria Anna im Januar 1742 gespielt und so die Aufmerksamkeit von Karl Theodor auf sich gelenkt. Andere Musikwissenschaftler gehen wiederum davon aus, dass Stamitz bei der Kaiserkrönung Karls VII anwesend war und Carl Theodor ihn dort verpflichtete. Dies gilt jedoch eher als unwahrscheinlich, da Carl Philipp noch Kurfürst war und Carl Theodor als entfernter Verwandter nicht von seinem kurfürstlichen Erbe wissen konnte. Wieder andere Musikhistoriker sehen in der Vermittlung eines einflussreichen, befreundeten Jesuitenpartners, der um eine vakante Stelle in Mannheim wusste, den Grund für Stamitz` Anstellung in Mannheim. Fest steht, dass er spätestens 1741 oder 1742 als Geiger in das Mannheimer Hoforchester aufgenommen wurde. 1742 konzertierte er in Frankfurt am Main, wo er beim Kartenverkauf schon als Virtuose angekündigt wurde. 1743 ernannte Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz den Geigenvirtuosen zum Konzertmeister der Mannheimer Hofmusik. Am 27. Februar 1750 erfolgte dann die Beförderung zum Hofinstrumentalmusikdirektor. In den Jahren 1751 bis zum Sommer 1753, dem Engagement des Wiener Komponisten Ignaz Holzbauer, betreute er darüber hinaus die zweite Hofkapellmeisterstelle. 1747 begann Stamitz mit dem Aufbau der Violinklasse im Mannheimer Hoforchester. Er wird daher bis heute als Gründer der berühmten Mannheimer Schule angesehen, die großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Konzertsinfonie und der Orchesterkultur in Europa hatte. Stamitz unternahm mehrere Konzertreisen, vor allem nach Paris, wo er in den Jahren 1754-55 auch die Leitung des Orchesters von Alexandre Jean Joseph Le Riche de la Pouplinière übernahm. Vor allem in dieser Zeit festigte er seinen Ruf als anerkannter Komponist und Virtuose. Er starb zwei Jahre später im Alter von 39 Jahren in Mannheim. Stamitz‘ Nachfolger im Mannheimer Hoforchester wurde sein Meisterschüler, der Geiger Christian Cannabich, der durch seine strenge Führung dem Orchester zu dem legendären Ruhm der 1770er Jahre verhalf.

Johann Stamitz war der Vater der ebenfalls bekannten Violinisten und Komponisten Carl Stamitz und Anton Stamitz, wovon der ältere zu einigem Ruhm gelangte. Außer Stamitz gehören Ignaz Holzbauer, Christian Cannabich, Franz Xaver Richter, Anton Fils und Varl Joseph Toeschi zur „Mannheimer Schule“. Den ersten kompositionshistorisch wichtigen Beitrag zur Konzertsinfonie leistete Johann Stamitz, der nach Ludwig Finscher die Geschichte der Konzertsinfonie so stark geprägt hat wie kein anderer Komponist vor Joseph Haydn. Bis zu den Meisterwerken der Wiener Klassik galt vor allem der Sinfonietypus, der in Mannheim gepflegt wurde, als mustergültig: Der Tonsatz ist einerseits massiv orchestral, andererseits durch die neuartige Einbeziehung von Bläserepisoden aufgelockert und farbiger als zuvor; durch die einfachen harmonischen Verhältnisse und die regelmäßige Periodik sind die Großformen sehr stabil und damit die solide Basis für das Spiel mit ständig neuen Überraschungen, für das jetzt ein ganzes Arsenal mit melodischen Figuren entwickelt wird, das Hugo Riemann vor gut 100 Jahren mit dem Begriff „Mannheimer Manieren“ berühmt machte: die Begriffe, wie die Rakete, die Walze, der Mannheimer Seufzer oder auch das Vögelchen werden bis heute gern zur Beschreibung dieser melodischen Figuren herangezogen. Charakteristisch für die Mannheimer Sinfonien sind aber auch Orchestereffekte, die unter Cannabichs Leitung von dem Orchester in dem perfekt funktionierenden Zusammenspiel geradezu zelebriert wurden und deren Wirkungen die Zuhörer gleichermaßen erschütterte und begeisterte: Gemeint ist vor allem das berühmte, auskomponierte Orchestercrescendo. Dieser neue Sinfoniestil, der strukturell vom Orchester aus gedacht war, wurde als Sensation gefeiert. Mit ihren modernen aussagekräftigen Sinfonien und ihrer einzigartigen Spielkultur setzten die Mannheimer Maßstäbe, die auch noch die Orchestermusik der Romantik nachhaltig beeinflussen sollten. Die Leistungen dieser einzigartigen Orchester- und Kompositionswerkstatt, deren Entwicklung mit Johann Stamitz ihren Anfang nahm, blieben unvergessen. Unter dem Begriff Mannheimer Schule sind sie heute weltweit anerkannt.

 

18.6. Hans VONK: 75. Geburtstag

 Er studierte am Amsterdamer Konservatorium Klavier und Orchesterdirigieren. Anschließend besuchte er Kurse bei Hermann Scherchen in Siena, Salzburg und Hilversum. 1966-69 war er Dirigent beim Niederländischen Nationalballett, bis ihn Bernard Haitink als Assistenten für die Zeit von 1969-73 an das Concertgebouw holte. 1973 übernahm Vonk die Leitung des philharmonischen Orchesters von Radio Hilversum (bis 1979). Ab 1976 war er gleichzeitig Musikdirektor der Niederländischen Oper und stellvertretender Leiter des Royal Philharmonic Orchestra. 1980 übernahm er das Residenz-Orchester in Den Haag. 1985-90 war er Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle und der Dresdner Semperoper. 1990-97 arbeitete Vonk als Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters. Vonk war in seiner letzten beruflichen Station Musikdirektor und Dirigent des Saint Louis Symphony Orchestra. Diese Stelle gab er 2002 nach rund sechs Jahren wegen gesundheitlicher Probleme auf, er litt an Amyotropher Lateralsklerose (ALS). Er starb 2004 in Amsterdam.

 

18.6. Róbert ILOSFALVY: 90. Geburtstag

Robert ILOSFALVY

 Zuerst war er Kantor in der Synagoge seines Heimatortes; er erhielt seine Ausbildung an der Musikakademie von Budapest durch Andór Lendrai. 1953 gewann er den ersten Preis bei einem Gesangswettbewerb in Bukarest. Im gleichen Jahr wurde er an die Nationaloper von Budapest verpflichtet und debütierte dort in der Oper »Hunyadi Laszló« von F. Erkel. In Ungarn entwickelte der Künstler bald eine große Karriere; er gastierte während dieser Zeit in Polen, in der Sowjetunion, in der Tschechoslowakei, in Bulgarien und Rumänien. Dabei hatte er am Bolschoi Theater Moskau große Erfolge zu verzeichnen. 1964 erhielt er den Kossuth-Preis, die höchste Auszeichnung des ungarischen Staates für einen Künstler. Dann hatte er auch in Westeuropa eine große Karriere. 1964 sang er beim Holland Festival den Pylades in »Iphigénie en Tauride« von Gluck. Sein US-Debüt gab er 1964 als Alfredo in »La Traviata« an der Oper von San Francisco, an der er auch 1967 als italienischer Sänger im »Rosenkavalier« und als Des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut«, 1968 als Manrico im »Troubadour« und 1976 als Alvaro in »La forza del destino« gastierte. Bei den Festspielen von Bregenz trat er 1966 als Paris in Offenbachs »Die schöne Helena« auf. 1966-81 war er Mitglied der Oper von Köln. Man hörte ihn 1967-74 an der Staatsoper von München u.a. als Arrigo in Verdis »I Vespri Siciliani« und als Gabriele Adorno in dessen »Simon Boccanegra«. Gastspiele in Holland, an der Covent Garden Oper London (1968-69 und nochmals 1983), an der Staatsoper von Stuttgart (1969-75) und an den führenden italienischen Theatern. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1970-78 in insgesamt 11 Vorstellungen als Alfredo, als Manrico, als italienischer Sänger im  »Rosenkavalier«, als Herzog im »Rigoletto« und als Don Carlos von Verdi. Weitere Gastspiele an der Staatsoper Hamburg (1971) und am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1976 als Florestan im »Fidelio«), Seit 1981 wieder hauptsächlich an der Budapester Oper wirkend. Als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg« gastierte er noch 1985 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1986 beim Maggio Musicale in Florenz und 1987 am Opernhaus von Köln. Auch als Konzertsänger wurde er bekannt; so musizierte er u.a. zusammen mit den Berliner Philharmonikern und mit dem Orchester der Accademia di Santa Cecilia in Rom. 1969 sang er in der New Yorker Carnegie Hall. Er beherrschte ein sehr umfangreiches Repertoire, dessen Schwergewicht wohl im italienischen Fach lag; daraus seien noch genannt: der Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, der Rodolfo in »La Bohème«, der Luigi in Puccinis »Il Tabarro«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Dick Johnson in »La Fanciulla del West« von Puccini, der Tamino in der »Zauberflöte«, der Lohengrin, der Dimitrij im »Boris Godunow«, der Laça in »Jenufa« von Janácek, der Eisenstein in der »Fledermaus« und der Barinkay im »Zigeunerbaron« von J. Strauß.  Er starb 2009 in Budapest.

Schallplatten: Bereits in Ungarn erschienen zahlreiche Aufnahmen auf der Marke Qualiton-Hungaroton (integrale Opern »Madame Butterfly« und »Manon Lescaut« von Puccini, Ausschnitte aus »Rigoletto« und »La Traviata«, Soloplatten, zum Teil mit ungarischen Volksliedern). Später entstanden Aufnahmen auf Electrola (Opernquerschnitte, darunter »Rigoletto«), HMV (»Roberto Devereux« von Donizetti als Partner von Beverly Sills), Orfeo (Henri in Puccinis »Der Mantel«, München 1973), Decca (Requiem von Dvorák); auch Szenen aus Operetten.

 

18.6. Simeon PIRONKOV: 90. Geburtstag

 Biographie des bulgarischen Komponisten auf Englisch:

http://www.ubc-bg.com/en/composer/257

 

19.6. John GIBBS: 80. Geburtstag

Seine Ausbildung erfolgte durch die Gesangspädagogen Domenic Modesti in Paris, Joan Cross in London, Luigi Ricci in Rom und an der Royal Academy of Music in London. Er gewann einen Preis bei einem Wettbewerb des New Philharmonic Orchestra London. Sein Bühnendebüt erfolgte 1964 bei der Phoenix Opera London in der Uraufführung der Oper »One Man Show« von N. Maw. Seine Bühnenkarriere blieb auf England beschränkt; hier sang er erfolgreich an der Covent Garden Oper wie an der Sadler’s Wells Opera London, bei der English National Opera London und bei der Welsh Opera Cardiff. Bei den Festspielen von Aldeburgh sang er in der Kirche von Orford am 9.6.1966 in der Uraufführung von Benjamin Brittens »The Burning Fiery Furnace«. Bei der Glyndebourne Touring Opera sang er 1968 den Papageno in der »Zauberflöte«, den er auch 1970 beim Glyndebourne Festival sang. Bei den Festspielen von Glyndebourne wirkte er auch am 19.7.1970 in der Uraufführung der Oper »The Rising of the Moon« von Nicholas Maw als Donal O’Dowd mit. Diese Partie wiederholte er dort im nächsten Jahr und sang bei den dortigen Festspielen auch 1971-72 den Harlekin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1985 trat er bei den Festspielen im Theater des Herodes Atticus in Athen in »King Priam« von Michael Tippett auf, beim Wexford Festival als Trinity Moses in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill. Er widmete sich gern dem zeitgenössischen englischen Musikschaffen und gehörte zum Künstlerkreis um den Komponisten Benjamin Britten und die Festspiele von Aldeburgh. Erfolgreiche Konzertkarriere. Er starb 1986 in London.

Schallplatten: Decca (Graf Ceprano im »Rigoletto«, »The Burning Fiery Furnace«), RCA (Szenen aus Puccini-Opern).

 

19.6. Karl Heinz ARMAAN: 95. Geburtstag

Ausbildung an der Musikakademie Wien, allerdings unterbrochen durch seinen Einsatz als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Nach 1945 Fortsetzung des Gesangstudiums am Horak-Konservatorium in Wien. 1952-56 am Stadttheater von Bremerhaven engagiert, 1956-60 am Opernhaus von Dortmund, 1960-65 am Stadttheater von Mainz, 1965-69 am Stadttheater von Bielefeld, dann 1969-84 am Stadttheater von Freiburg i. Br. Auf der Bühne gestaltete er ein umfangreiches Repertoire mit Partien wie dem Papageno in der »Zauberflöte«, dem Guglielmo und dem Don  Alfonso in »Così fan tutte«, dem Minister im »Fidelio«, dem Grafen Eberbach im »Wildschütz« von Lortzing, dem Wolfram im »Tannhäuser«, dem Faninal im »Rosenkavalier«, dem Dominik in »Arabella« von R. Strauss, dem Figaro im »Barbier von Sevilla«, dem Germont-père in »La Traviata«, dem Sharpless in »Madame Butterfly«, dem Titelhelden in »Gianni Schicchi« von Puccini und dem Falke in der »Fledermaus«. Er starb im Dezember 2001. – Er war verheiratet mit der Opernsängerin Waltraut Braun (1936-94), die seit ihrem Bühnendebüt 1961 am Stadttheater von Pforzheim in kleineren Rollen auftrat und wie ihr Ehemann 1963-82 am Stadttheater von Freiburg i. Br. engagiert war.

 

19.6. Alois DOUBRAVSKÝ: 150. Geburtstag

 Eigentlicher Name Alois Stanek. Er absolvierte seine Ausbildung in der Gesangschule Pivoda in Prag und kam im Oktober 1897 zu seinem Bühnendebüt am Theater von Brno (Brünn) in der Partie des Dalibor in der Oper gleichen Namens von Smetana. 1898-99 war er am Stadttheater von Plzen (Pilsen), 1899-1901 wieder in Brno, 1901-02 am Theater von Opava (Troppau) verpflichtet. Seit 1902 war er dann ein überaus beliebtes Mitglied des Theaters von Brno (Národni divadlo), an dem er im Lauf seiner langen Karriere über 1000mal auf der Bühne stand. Am 21.1.1904 sang er dort in der denkwürdigen Uraufführung der Oper »Jenufa« (»Její pastorkyna«) von Leos Janácek die Partie des Laça. Die Aufführung brachte zunächst nur einen lokalen Erfolg; der Durchbruch zum Weltruhm kam erst in den zwanziger Jahren zustande. Von den großen Bühnenpartien des Sängers sind der Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Titelheld in Smetanas »Dalibor«, der Prinz in »Rusalka« von Dvorák, der Radames in »Aida«, der Otello von Verdi, der Turiddu in »Cavalleria rusticana«, der Faust von Gounod, der Eleazar in »La Juive« von Halévy und der Lohengrin zu nennen. Er gab auch Gastspiele im Ausland, u.a. in Hamburg, lehnte aber als überzeugter Tscheche ein Engagement in einem anderen Land ab. Auch als Konzertsänger hatte er eine erfolgreiche Karriere. Seit 1918 war er in Brno, dann in Prag auf pädagogischem Gebiet tätig. Er starb 1924 in Stredokluky bei Prag. Sein Sohn Stanislaw Doubravský (1895-1933) war ein bekannter Komponist und wirkte lange als Dirigent am Opernhaus von Brno.

Schallplattenaufnahmen auf Zonophone.

 

19.6. Jenny JUNGBAUER: 125. Geburtstag

 Nach ihrer Ausbildung in Wien begann die Künstlerin ihre Bühnenlaufbahn 1915 als Elevin am Hof- und Nationaltheater Mannheim. Sie war engagiert am Hoftheater von Mannheim (1915-16), am Hoftheater von Altenburg in Thüringen (1916-18), am Landestheater Darmstadt (1918-22), am Stadttheater (Opernhaus) Hamburg (1922-27) und 1927-30 am Stadttheater Chemnitz. 1920 Gastspiel am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg als Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, worauf sie an dieses Haus verpflichtet wurde. Sie gastierte 1920-33 an der Wiener Staatsoper (als Königin der Nacht, als Zerbinetta wie als Najade in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, als Aithra in »Die ägyptische Helena« von R. Strauss, als Dorota in »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von Weinberger, als Antonia in »Hoffmanns Erzählungen« und als Eudoxie in »La Juive« von Halévy); auch an der Wiener Volksoper aufgetreten. Sie wirkte in Darmstad 1921 in der Uraufführung von E. d’Alberts »Sirocco« mit. Sie gastierte 1927 an der Staatsoper Dresden, 1932 am Opernhaus von Düsseldorf und gab u.a. 1934 in Luxemburg Konzerte. 1934-35 große Operettentournee zusammen mit dem Tenor Eduard Lichtenstein durch Belgien. Sehr oft war sie in Opernaufführungen des österreichischen, des deutschen wie auch des holländischen Rundfunks zu hören. 1937-38 kam es zu einer Konzertreise in die USA, die jedoch ohne wesentliche Erfolge blieb. Sie trat in Wien, wo sie ihren Wohnsitz nahm, noch in den vierziger Jahren im Konzertsaal auf. Sie beherrschte das gesamte klassische Repertoire für Koloratursopran; dabei schätzte man die Akkuratesse ihrer Technik wie die Leichtigkeit ihres Vortrages, namentlich in Partien wie der Gilda im »Rigoletto«, der Violetta in »La Traviata«, der Titelheldin in »Lucia di Lammermoor«, der Baronin im »Wildschütz« von Lortzing, der Martha von Flotow, der Musetta in »La Bohème«, der Madeleine im »Postillon de Lonjumeau« von A. Adam und in Mozart-Rollen. Bedeutende Erfolge als Konzert- und Liedersängerin.

Schallplatten: Es existieren von ihrer Stimme eine Anzahl akustischer Aufnahmen auf DGG-Polydor und auf Polyphon.

 

19.6. Carl ZELLER: 175. Geburtstag

Er wurde als Sohn eines Arztes geboren und besuchte in seinem Geburtsort St. Peter in der Au (Niederösterreich) die Volksschule. Schon als Kind spielte er mehrere Instrumente. Im Alter von elf Jahren wurde er Sängerknabe in der kaiserlichen Hofkapelle (Wiener Sängerknabe). Carl Zeller absolvierte die Unterstufe des Josefstädter Gymnasiums in Wien und dann die Oberstufe des bekannten Stiftsgymnasiums Melk, wo er auch mit Auszeichnung maturierte. Danach studierte er Rechtswissenschaften in Wien und zugleich Komposition bei Simon Sechter in Wien. Nach seiner Promotion zum Dr. jur. in Graz war Zeller zuerst an verschiedenen Gerichten tätig. Aus dem Justizdienst wurde er von Minister Stremayr 1873 in das Ministerium für Kultus und Unterricht berufen, wo er in der Folge Leiter des Kunstreferates wurde und bis zur Dienstklasse Ministerialrat aufstieg. Am 15. Mai 1875 heiratete Carl Zeller Anna Maria Schwetz, Tochter eines Wiener Schneidermeisters. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Carl Zeller komponierte sein Leben lang nur nebenberuflich, aus Liebhaberei. Dennoch steht sein musikalisches Werk in einer Reihe neben den drei Großmeistern der klassischen Wiener Operette, Carl Millöcker, Franz von Suppé und Johann Strauß. Insgesamt hat Zeller in knapp 20 Jahren sechs abendfüllende Bühnenwerke komponiert, wenn man von seinen unveröffentlichten Vorarbeiten und eigenhändigen Nachbearbeitungen seiner Werke absieht. Seine frühesten Kompositionen sind Lieder, Männerchöre und zyklische Liederspiele wie Das kölnische Narrenfest (Wien 1868). An seinem ersten Bühnenstück, der komischen Oper Joconde (Wien 1876), arbeitete sein unentbehrlicher Librettist Moritz West mit. In den 1880er Jahren ging Zeller ganz zur Operette über und fand sogleich Anklang mit seinen Werken im neapolitanischen und tscherkessischen Milieu: Die Carbonari (Wien 1880) und Der Vagabund (Wien 1886).

Die erfolgreichsten Operetten Der Vogelhändler (Inbegriff der deutsch-österreichischen Heimatoperette) und Der Obersteiger werden noch heute von zahlreichen Bühnen gespielt. Daraus wurden Lieder wie „Grüß euch Gott, alle miteinander“, „Wie mein Ahnl zwanzig Jahr“, „Ich bin die Christel von der Post“, „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ und „Sei nicht bös’“ zu Weltschlagern. Aus seinem Nachlass wurden später die Operetten Der Kellermeister von Johann Brandl sowie Die Rosl vom Wörthersee von seinem Sohn Carl Wolfgang Zeller in Verbindung mit Rudolf Kattnigg fertiggestellt. Carl Zeller verlebte seine letzten Jahre als schwerkranker Mann, von der Öffentlichkeit wahrgenommen durch die peinliche Affaire eines Erbschaftsstreites und eines damit zusammenhängenden Criminalprocesses. Am 31. März 1897 wurde Zeller am Oberlandesgericht Wien wegen Ablegung eines falschen Eides zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. (Die Anklage selbst hatte zur Folge gehabt, dass Hofrath Zeller aus seiner amtlichen Stellung schied und pensioniert wurde.) Da Zeller in krankheitsbedingter Abwesenheit verurteilt worden war, wurde von Zellers Frau (und nicht von Zeller selbst) Nichtigkeitsbeschwerde erhoben. Am 18. Juni 1897 kassierte der Oberste Gerichtshof das Urteil und wies die Affaire zur neuerlichen Verhandlung an das Wiener Schwurgericht. — Zu dieser Verhandlung kam es nicht mehr, da Carl Zeller am 17. August 1898 in Baden bei Wien im Alter von nur 56 Jahren an einer Lungenentzündung verstarb. Leichenbegängnis sowie Beerdigung fanden am 19. August 1898 statt. Carl Zeller wurde von der Stadt Wien ein Grab ehrenhalber gewidmet (Wiener Zentralfriedhof, Grabstelle 47B-G1-9). Am Geburtshaus von Carl Zeller in St. Peter in der Au wurde am 10. Juli 1927 im Rahmen einer Zeller-Feier zum 85. Geburtstag des Komponisten eine kupferne Gedenktafel, gestaltet vom Bildhauer Walter Schmieg, errichtet. Zum 125. Geburtstag des Komponisten wurde 1967 ein Vogelhändler-Brunnen, geschaffen vom St. Peterer Bildhauer Kunibert Zinner, vor der Hauptschule in St. Peter in der Au errichtet. Aus Anlass des 150. Geburtstages der Operettenkomponisten Carl Zeller und Carl Millöcker legte die österreichische Post (zum Nennwert von 6,00 ÖS) eine Sonderpostmarke auf, deren erster Ausgabetag der 30. April 1992 war.

 

21.6. Hilding ROSENBERG: 125. Geburtstag

Ab 1909 war er Organist in Kalmar und wirkte dann als Konzertpianist, Lehrer und kurzzeitig als Kirchenmusiker. Ab 1914 studierte er Klavier bei Richard Andersson, später Komposition bei Ernst Henrik Ellberg und Wilhelm Stenhammar und nahm Dirigierunterricht bei Kurt Stiegler und Hermann Scherchen. 1932-34 war er Kapellmeister der Oper von Stockholm. Danach wirkte er als Gastdirigent in vielen Ländern Europas und in den USA. Zu seinen Schülern zählen Karl-Birger Blomdahl, Sven-Erik Bäck, Ingvar Lidholm und Ake Hermanson. Rosenberg komponierte sieben Opern, ein Opernoratorium (Joseph und seine Brüder, 1946–48), sieben Ballette, vier Oratorien, zwei Melodramen, sieben Sinfonien und weitere sinfonische Werke, zwei Violin-, ein Cello- und ein Trompetenkonzert, Schauspiel-, Hörspiel- und Filmmusiken, kammermusikalische Werke, Klavier- und Orgelstücke, Lieder und Chorwerke. Er starb 1985 in Stockholm.

 

21.6. Meyriane HÉGLON: 150. Geburtstag

Meyriane HÉGLON

 Ihre Eltern kamen aus Dänemark (eigentlicher Name Willemsen). Sie war in Paris Schülerin von Marie Sass, Rosine Laborde und von Louis-Henri Obin. Die belgische Sängerin sang zunächst am Théâtre de la Monnaie in Brüssel. Dann hatte sie eine große Karriere an der Grand Opéra Paris (Debüt 1890 als Maddalena im »Rigoletto«). Hier wirkte sie am 16.3.1894 in einer kleinen Partie in der Uraufführung der Oper »Thaïs« von Massenet mit. Noch im gleichen Jahr sang sie dort in der französischen Erstaufführung von Verdis »Otello« die Emilia und am 25.5.1894 in der Uraufführung der Oper »Djelma« von Charles Lefebvre. 1895 kreierte sie an der Grand Opéra die anspruchsvolle Titelrolle in der Uraufführung der nachgelassenen Oper »Frédégonde« von Ernest Guiraud, deren Partitur durch Saint-Saëns und Dukas vollendet worden war. Weitere Uraufführungen, in denen sie an diesem Haus mitwirkte: »La Montagne Noire« von Augusta Holmès (8.2.1895), »La Cloche du Rhin« von A. Bruneau (8.6.1898), »Les Barbares« von Saint-Saëns (23.10.1901), »Astarte« von Xavier Leroux (19.2.1901), »Le Fils de l’Étoile« von Camille Erlanger (17.4.1904) und »Miarka« von A. Georges (7.12.1905). Am 21.3.1899 gestaltete sie in der Uraufführung der Oper »Messaline« von Isidore de Lara an der Oper von Monte Carlo die Titelrolle mit dem großen Tenor Francesco Tamagno als Partner. Am 18.2.1904 wirkte sie in Monte Carlo in der Uraufführung der Oper »Hélène« mit, die Saint-Saëns der großen Primadonna Nellie Melba gewidmet hatte, die die Hauptrolle kreierte; am 19.3.1907 sang sie in der Uraufführung von »Théodora« von Xavier Leroux in Monte Carlo die Titelheldin. 1902 kreierte sie an der Grand Opéra für Paris die Erda in R. Wagners »Siegfried«. 1898 Gastspiel an der Covent Garden Oper London (wo sie bereits zuvor aufgetreten war) in der dortigen Erstaufführung der Oper »Henri VIII.« von Saint Saëns; 1899, noch im Jahr der Uraufführung, sang sie in der Londoner Premiere von »Messaline« von I. de Lara. 1894 und 1901 war sie am Théâtre de la Monnaie in Brüsel zu Gast, 1906 an der Hofoper Dresden (als Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns); 1903 Gastspiel in Zürich als Dalila. Sie trat an den großen französischen Opernhäusern, u.a. in Bordeaux und Toulouse, auf und gastierte 1907 mit dem Ensemble der Oper von Monte Carlo in Berlin (in der Oper »Théodora« von Xavier Leroux). An der Oper von Monte Carlo war sie 1897-1900 und auch noch später in Partien wie der Königin von Saba von Goldmark, der Elisabeth in »Amy Robsart« von I. de Lara und 1904 als Dalila zu hören. Die Künstlerin heiratete den berühmten Komponisten Xavier Leroux (1863-1919), in dessen Opern sie oft auftrat. Nachdem sie bereits ihre Bühnenkarriere aufgegeben hatte, sang sie nochmals 1917 an der Oper von Monte Carlo die Partie der Mutter in der Uraufführung der Oper ihres Gatten Xavier Leroux »1814«. Später war sie in Paris als Pädagogin tätig; zu ihren Schülerinnen gehörte die große Sopranistin Ninon Vallin. Meyriane Héglon starb 1942 in Brüssel.

Schallplatten: Ursprünglich war nur eine Aufnahme der Künstlerin auf G &T aus den Jahren 1902-03 bekannt, eine Szene aus der Oper »Ascanio« von Saint-Saëns, vom Komponisten am Flügel begleitet. Es existieren jedoch mindestens sechs weitere G & T-Aufnahmen aus dieser Zeit, bei denen viermal Saint-Saëns und zweimal Xavier Leroux als Begleiter mitwirken.

 

22.6. Lore WISSMANN: 95. Geburtstag

Lore WISSMANN als Eva in Bayreuth
Als „Eva“ (Meistersinger)  in Bayreuth

Sie begann ihr Studium 1939 an der Musikhochschule Stuttgart und war dort auch Schülerin von Eduard Ewen. Debüt 1942 an der Staatsoper Stuttgart als Kordula in »Hans Sachs« von Lortzing. Sie blieb länger als dreißig Jahre Mitglied dieses Hauses, wo sie zuerst kleinere Partien, seit 1946 aber große Aufgaben aus dem lyrischen Repertoire übernahm. 1946 wirkte sie dort in der deutschen Erstaufführung von P. Hindemiths »Mathis der Maler« mit, 1951 in der von Strawinskys »The Rake’s Progress« in der Partie der Anne Trulove, 1953 in Carl Orffs »Il Trionfo di Afrodite« und 1964 in der deutschen Erstaufführung der Oper »Auferstehung« von Ján Cikker. Sie gastierte in der Spielzeit 1952/53 am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich als Mimi in »La Bohème« und als Pamina in der »Zauberflöte«, die sie 1955 nochmals dort sang, dazu 1959 die Baronin im »Wildschütz« von Lortzing. 1958 gastierte sie beim Maggio Musicale von Florenz. Gastspiele führten sie an die Staatsopern von Wien (1956-59 als Mimi, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Micaela in »Carmen«, als Octavian im »Rosenkavalier« und als Komponist in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss), München und Hamburg, an die Grand Opéra Paris, an die Oper von Rom, an das Teatro San Carlos Lissabon und an die Opernhäuser von Genf, Marseille und Bordeaux. 1963-65 musste sie wegen Krankheit ihre Karriere unterbrechen, nahm sie dann aber wieder auf. Sie wirkte auch bei den Festspielen von Bayreuth mit; dort sang sie 1951 eines der Blumenmädchen im »Parsifal«  und die Wellgunde im »Rheingold«, 1956 die Woglinde im Nibelungenring und die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Auch als Konzert-Sopranistin erfolgreich. Sie starb 2007 in Uffing am Staffelsee. Sie war verheiratet mit dem berühmten Wagner-Tenor Wolfgang Windgassen (1914-74).

Schallplatten: DGG, Decca (»Parsifal«, Bayreuth), Capitol (Sopransolo im Deutschen Requiem von J. Brahms).

 

22.6. Jean HUBEAU: 100. Geburtstag 

Er kam im Alter von neun Jahren an das Conservatoire de Paris, wo er Komposition bei Paul Dukas, Klavier bei Lazare Lévy, Harmonielehre bei Jean und Kontrapunkt bei Noel Gallon studierte. 1934 gewann er mit der Kantate La Légende de Roukmani den Ersten Second Grand Prix de Rome. Im Folgejahr wurde er mit dem Prix Louis Dièmer ausgezeichnet. Später studierte Hubeau Dirigieren bei Felix Weingartner in Wien. 1942 folgte er Claude Delvincourt als Leiter des Konservatoriums von Versailles nach, der die Leitung des Conservatoire de Paris übernahm. 1957-82 war Hubeau Professor für Kammermusik am Conservatoire de Paris. Hier zählten der Pianist Jacques Rouvier, der Geiger Olivier Charlier und die Cellistin Sonia Wieder-Atherton zu seinen Schülern. Daneben war Hubeau auch ein angesehener Pianist. Als Solist und Kammermusiker spielte er (z.B. mit Pierre Fournier) unter anderem Werke von Franz Schubert, Robert Schumann, Antonin Dvorák, Gabriel Fauré und Camille Saint-Saens ein. Neben Werken für das Klavier komponierte Hubeau mehrere Instrumentalkonzerte, drei Ballette, Kammermusik, Lieder und Chansons. Er starb 1922 in Paris.

 

23.6. Kenneth McKELLAR: 90. Geburtstag

Kenneth McKELLAR

Er studierte an der Universität von Aberdeen Philologie und erwarb den Grad eines Bachelor of Science. Dann besuchte er das Royal College of Music in London, wo er seine Stimme ausbilden ließ. Nachdem er dort vier Jahre lang studiert hatte, debütierte er bei der Carl Rosa Opera Company in London. In der Folgezeit betätigte er sich viel in Operetten und Revuen; so trat er in der Operette »Old Chelsea« auf, in der ehedem Richard Tauber seine Triumphe gefeiert hatte. 1958-60 unternahm er eine ausgedehnte Gastspiel- und Konzertreise durch die USA und Kanada. Im Konzertfach schätzte man ihn als Oratoriensolisten wie als Interpreten schottischer Balladen, er war auch als Komponist tätig. Er starb 2010 in Lake Tahoe (CA).

Schallplatten: Decca (Tenorsolo im »Messias«).

 

23.6. Geraldine ULMAR : 150. Geburtstag

Geraldine ULMER

 Sie begann ihre Bühnenkarriere im Herbst 1879 bei der Boston Ideal Opera Company, wo sie sogleich in Operetten von Gilbert & Sullivan auftrat. Im Juli 1885 erfolgten dann ihre ersten Auftritte bei der D’Oily Carte Company in England, mit der sie in New York im gleichen Jahr als Yum-Yum in der Operette »The Mikado« auftrat. Sie kehrte mit dieser Gesellschaft nach England zurück und trat bei deren Gastspiel in Berlin im Mai 1887 als Rose Maybud in der Gilbert & Sullivan-Operette »Ruddigore« auf. Seitdem sang sie die großen Rollen in diesen Operetten am Londoner Savoy-Theater; sie wirkte dort in den Uraufführungen von »The Yeomen of the Guard« (1888 als Elsie Maynard) und »The Gondoliers« (1889 als Gianetta) mit. 1889 verließ sie die D’Oily Carte-Company und das Savoy Theatre und trat 1890 am Lyric Theatre London in »La cigale et la fournie« von Audran auf. 1892 kam sie an das Savoy Theatre zurück, wo sie jetzt Gilberts »The Mountebanks« (mit Musik von A. Cellier) kreierte. 1894 heiratete sie den Komponisten Ivan Caryll, Direktor des Gaiety Theatre London; in zweiter Ehe war sie mit dem Komponisten Jack Thompson verheiratet. Sie starb 1932 in Merstham (Surrey).

 

26.6. Jean-Pierre LAFFAGE : 90. Geburtstag

 Er war zuerst als Kameramann beim Film tätig, ließ dann jedoch seine Stimme am Konservatorium von Dijon, anschließend am Conservatoire National Paris, ausbilden, wo er Schüler von E. Rousseau und Paul Cabanel war. Während dieser Zeit trat er bereits als Chorist am Théâtre Mogador und am Théâtre Châtelet Paris auf. 1957 kam es dann zu seinem Solistendebüt, als er an der Pariser Grand Opéra den Valentin in »Faust« von Gounod sang. Bis 1972 blieb er Mitglied dieses Opernhauses und erschien während dieser Zeit auch regelmäßig am zweiten großen Pariser Operntheater, der Opéra-Comique. Dazu absolvierte er Gastspiele an den führenden Opernhäusern in der französischen Provinz (Bordeaux, Rouen, Nizza, Marseille, Lille, Lyon), aber auch im Ausland. So gastierte er 1967 am Teatro Liceu Barcelona (als Lescaut in »Manon« von Massenet), am Teatro Fenice Venedig, am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Bellini Catania, in Turin und Genf, an der Oper von Monte Carlo (1977) und an der Opéra de Wallonie Lüttich. In der Spielzeit 1979-80 war er nochmals an der Opéra-Comique anzutreffen. Seit 1976 war er als Pädagoge tätig, setzte aber seine Sängerkarriere bis 1981 fort. 1977-87 wirkte er als Professor am Conservatoire de Paris, seitdem erteilte er nur noch privat Unterricht. An der Grand Opéra trat er in vielen Partien auf: als Don Alvar in »Les Indes galantes« von Rameau, als Graf wie als Figaro in »Le nozze di Figaro«, als Mikhéli in »Les deux journées« (»Der Wasserträger«) von Cherubini, als Rigoletto, als Escamillo in »Carmen«, als Tonio im »Bajazzo«, als Sharpless in »Madame Butterfly«, als Mercutio in »Roméo et Juliette« von Gounod, als Marquis de la Force in »Dialogues des Carmélites« von Poulenc, als Faninal im »Rosenkavalier« und als Geisterbote in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss. An der Opéra-Comique sang er den Figaro im »Barbier von Sevilla«, die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, den Ourrias in »Mireille« von Gounod, den Zurga in »Carmen«, den Germont sr. in »La Traviata«, den Scarpia in »Tosca«  und den Karnac in »Le Roi d’Ys« von Lalo; weitere Rollen in seinem Repertoire für die Bühne waren der Ford im »Falstaff« von Verdi, der Amonasro in »Aida«, der Athanaël in »Thaïs« von Massenet, der Oreste in »Iphigénie en Tauride« von Gluck, der Balstrode in »Peter Grimes« von B. Britten und der Jeletzky in »Pique Dame« von Mussorgsky. Er starb 2012 in Sarcelles.

Schallplatten: Véga (»Rigoletto«), Orpheus (»Djamileh« von Bizet), HMV (»Hoffmanns Erzählungen«).

 

26.6. Katharina SCHRÖFFEL: 150. Geburtstag

 Ihr Vater war Schullehrer, gleichzeitig aber musikalisch sehr begabt. Sie erhielt bei diesem ihren ersten Gesang- und Klavierunterricht, dazu Unterweisung im Violinspiel durch Berner in Neuhausen. Auch ihr Bruder Anton Schröffel (* 1774) kam zu einer bedeutenden Karriere als Sänger. 1783 kam Katharina Schröffel als Hausangestellte in den Dienst des Kurfürstlichen Kammerdieners und Hofbauschreibers Karl Ballistier in Nymphenburg bei München. Dieser entdeckte zufällig ihre musikalische Begabung und veranlasste ihre Ausbildung durch den Hofmusikus Maximilian Heiss in München. Durch den berühmten Sänger Johann Baptist Valesi wurde sie zur Sängerin, durch Buchwieser zur Pianistin ausgebildet. Außerdem erhielt sie Unterricht bei dem damals hoch angesehenen Komponisten und Hofkapellmeister Peter von Winter in München. Sie trat auch selbst als Komponistin hervor und schrieb u.a. Messen und Motetten. Trotz all dieser Vorzüge konnte sie kein Engagement am Münchner Hoftheater erhalten. Sie musste sich in der bayerischen Hauptstadt mit Auftritten im Faberbräu-Theater begnügen, das der Hofmusikus Virgili eingerichtet hatte. Daher verließ sie München und ging an das Theater des Grafen Erdödy in Preßburg (Bratislava), von dort dann nach Budapest. Später sang sie in Graz und Salzburg und kam dann nach zehnjähriger Abwesenheit 1795 wieder nach München zurück. Aber auch jetzt wurde sie nicht an das Hoftheater engagiert. Sie trat wieder am Faberbräu-Theater in der Sendlinger Gasse auf und unternahm dann eine glänzende, ausgedehnte Gastspiel- und Konzerttournee, die ihr in Augsburg, Regensburg, Passau, Salzburg und Innsbruck Erfolge über Erfolge einbrachte. Dabei trat sie nicht nur als Sängerin, sondern auch als Klavier- und Violinvirtuosin auf. Sie heiratete dann den Bassisten Joseph Wolfgang Kainz (1773-1855), der in Wien am Theater am Kärtnertor wie am Theater an der Wien und später am Deutschen Theater Prag eine große Karriere durchlief. Seine Gattin begleitete ihn seither auf den einzelnen Stationen dieser Karriere. Aus der Ehe der beiden Sänger stammte die Tochter Marianne Kainz-Holland (1800-1866). Katharina Schröffel starb 1836 in Prag.

 

27.6. Jérôme SAVARY: 75. Geburtstag

Er wurde als Sohn eines Schriftstellers geboren, seine Mutter war eine Tochter des Gouverneurs von New York, Frank W. Higgins (1905–07). 1947 übersiedelte seine Mutter in die Ardèche, wo er mit seinen zwei Brüdern aufwuchs und in Le Chambon-sur-Lignon das Collège Cévenol besuchte. In Paris studierte er Musik bei Maurice Martenot und später an der École Nationale Supérieure des Arts décoratifs. Mit 19 ging er nach New York, wo er als Jazzmusiker (Trompete) lebte und Lenny Bruce, Jack Kerouac, Allen Ginsberg, Count Basie und Thelonious Monk kennenlernte. Nachdem er in Argentinien seinen Militärdienst abgeleistet hatte, arbeitete Savary als Comicstrip-Zeichner bei Copi, schrieb Fotoromane und war Chauffeur, u. a. der Witwe von Charlie Parker. Nach ersten Regiearbeiten an Theatern in Argentinien und Frankreich gründete Savary 1965 in Paris die Compagnie Jérôme Savary, aus der sich Le Grand Magic Circus und schließlich Le Grand Magic Circus et ses animaux Tristes entwickelte. Mit seiner überwiegend aus Laiendarstellern bestehenden Theatertruppe, bei deren Aufführungen er selbst oft als Conférencier mitwirkte, wurde Savary auch international bekannt. Seine Inszenierung von Cabaret gewann 1987 den „Molière“. Die Bandbreite seiner Regiearbeiten war sehr weit und umfasste Schauspiel, Oper, Operette und Musical; von Molières Bürger als Edelmann über Verdis Rigoletto, Offenbachs La Périchole und Lehárs Die lustige Witwe bis zu Monnots Musical Irma la Douce. In der Folge inszenierte Savary ständig in Deutschland, Österreich (etwa bei den Bregenzer Festspielen 1982 Der Zigeunerbaron, 1985-86 Die Zauberflöte, 1987-88 Hoffmanns Erzählungen, 1991-92 Carmen und an der Wiener Volksoper) und Frankreich Schauspiele, Operetten, Musicals, Opern und war als Gast an den Opernhäusern von San Francisco (1991 Krieg und Frieden von Prokofjew), Washington, Shanghai, Tokio, Rom und Madrid tätig. Savary brachte oft bis zu acht Produktionen im Jahr heraus, insgesamt waren es mehr als 300. 1990 inszenierte er auch die Revue Holiday on Ice in der Olympiahalle München. Zuletzt hatte Savary für sich und seine Theater- und Musikertruppe La Boîte à Rêves eine neue Heimstätte in einer ehemaligen Franziskanerabtei im südwestfranzösischen Béziers gefunden und unternahm von dort aus Tourneen als freier Regisseur und Produzent. In den Koproduktionen des Landestheaters Niederösterreich mit der Bühne Baden inszenierte Savary 2010 bis 2012 in der Sommerarena in Baden bei Wien drei Werke von Ferdinand Raimund: 2010 Der Alpenkönig und der Menscheinfeind, 2011 Der Verschwender und 2012 Der Bauer als Millionär. Savary starb 2013 in Levallois-Perret

 

27.6. Anna MOFFO: 85. Geburtstag

Anna MOFFO

Ihre Familie war italienischer Abkunft, ihr Vater arbeitete als Schuhmacher. Sie studierte zunächst in Amerika Literaturgeschichte und Musik am Curtis Institute in Philadelphia und kam 1953 zum Abschluss dieser Ausbildung nach Italien. Dort Studium an der Universität von Perugia, zugleich Klavier- und Gesangsausbildung an der Accademia di Santa Cecilia in Rom. Sie hatte während ihres Studiums auch als Sportlerin Erfolge und gehörte der italienischen Damen-Hockey-Nationalmannschaft an. Ihre Gesangslehrer waren Eufemia Giannini Gregory in Philadelphia, Luigi Ricci und Mercedes Llopart in Italien. Sie debütierte 1955 in Spoleto als Norina im »Don Pasquale« von Donizetti. 1956 begann sie dann ihre Karriere in den USA mit einem Auftritt an der Chicago Opera als Mimi in »La Bohème«. 1956 sang sie bei den Festspielen von Aix-en-Provence die Zerline im »Don Giovanni«. Nachdem sie dort wie auch am Teatro San Carlo von Neapel große Erfolge gehabt hatte, trat sie seit 1956 an der Mailänder Scala auf, zunächst in einem Mozart-Konzert, dann 1957 als Nannetta in Verdis »Falstaff«, 1964 als Traviata und 1968 als Lucia di Lammermoor. 1957 sang sie bei den Festspielen von Salzburg die Nannetta im »Falstaff« von Verdi und das Sopran-Solo in der C-Moll-Messe von Mozart. Am 15.9.1957 debütierte sie an der Wiener Staatsoper als Nannetta unter Herbert von Karajan. Hier trat sie weiter als Micaela in »Carmen«, als Gilda im »Rigoletto«, als Traviata, als Marguerite im »Faust« von Gounod, als Mimi und als Manon von Massenet in insgesamt 26 Vorstellungen auf.  Es folgten Gastspiele in München und Paris. 1959 wurde sie an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Violetta in »La Traviata«). Hier sang sie  bis 1976 in 17 Spielzeiten 21 Partien in insgesamt 201 Vorstellungen:  die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Gilda, die Adina in »L’Elisir d‘amore«, die Liù in »Turandot« von Puccini, sämtliche vier Frauenpartien in »Hoffmanns Erzählungen«, die Titelpartien in »La Périchole« von Offenbach und »Lucia di Lammermoor«, die Mélisande in »Pelléas et Mélisande« (1962 unter Ernest Ansermet), die Manon von Massenet,  die Pamina in der »Zauberflöte«, die Norina, die Mimì, die Butterfly, die Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod, die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Rosalinde in der »Fledermaus« und die Nedda im »Bajazzo«. Sie gastierte 1964 an der Londoner Covent Garden Oper als Gilda, 1964-65 an der Staatsoper Stuttgart, 1960 und 1965 am Teatro Colón Buenos Aires, 1960-61 an der San Francisco Opera (als Amina in »La Sonnambula« von Bellini, als Traviata und als Lucia di Lammermoor) und in Los Angeles (als Mimì, als Amina und als Traviata), an der Oper von Rom (1959 als Rosina), am Teatro Comunale Bologna (1965 als Lucia di Lammermoor), in Amsterdam (1962 als Elvira in »I Puritani« von Bellini), an der Deutschen Oper Berlin (1968), an der Königlichen Oper Stockholm (1969) und an der Nationaloper Budapest (1969). Sie hatte auch eine sehr erfolgreiche Operetten- und Film-Karriere. Überanstrengung der Stimme führten 1974-75 zu einer Stimmkrise. Nach Überwindung dieser sang sie u.a. 1976 in Seattle die Thaïs von Massenet, 1978 am Teatro Regio Parma die Adriana Lecouvreur in der gleichnamigen Oper von Cilea, 1979 an der Wolf Trap Opera die Kate in »The Taming of the Shrew« von Vittorio Giannini. Sie starb im 2006 in New York an einem Schlaganfall.  Sie war in erster Ehe mit dem Regisseur Mario Lanfranchi, seit 1974 mit Robert W. Sarnoff, einem der Direktoren der RCA, verheiratet. – Schön gebildete, technisch souverän beherrschte Koloraturstimme; neben ihren Erfolgen auf der Bühne auch im Konzertsaal in einem umfangreichen Repertoire aufgetreten. Auf der Bühne kam die aparte Schönheit ihrer Erscheinung nicht weniger zur Geltung als ihr temperamentvolles Spieltalent. Ihre große Glanzrolle war die Traviata, die sie auch 1960 an der Komischen Oper Berlin in einer Inszenierung durch Walter Felsenstein sang.

Lit: J. Hines: Anna Moffo (Garden City, NY, 1982).

Schallplatten: Ihre Stimme ist auf Columbia (»La Bohème« als Musetta mit Maria Callas als Mimi, »Le nozze di Figaro«, »Capriccio« von R. Strauss, »Carmen« »Falstaff«), Eurodisc (»Carmen«, »Lucia di Lammermoor«, »Hänsel und Gretel«, »Iphigenie in Aulis« von Gluck), RCA (»Madame Butterfly«, »Il filosofo di campagna« von Galuppi, »La serva padrona«, »Luisa Miller« von Verdi, »La Bohème«, jetzt als Mimi, »La Traviata«, »L’Amore dei tre Re« von Montemezzi, »Lucia di Lammermoor«, »La Rondine« von Puccini, »Rigoletto«, »Orfeo ed Euridice« von Gluck, »Thaïs« von Massenet), RCA/BGM (Rosalinde in Ausschnitten aus der »Fledermaus« in englischer Sprache), HRE (Nannetta in »Falstaff«), Pathé (Zerline im »Don Giovanni«) und DGG zu hören; VAI-Video (»La Traviata«).

 

27.6. Marion STUDHOLME: 90. Geburtstag

 Biographie der englischen Sopranistin auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Marion_Studholme

 

28.6. Mauro BOLOGNINI: 95. Geburtstag

Er studierte zunächst Architektur in Florenz und ab 1947 Regie am Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom. Nach Beendigung seines Studiums arbeitete er als Regieassistent bei Luigi Zampa in Italien, sowie bei Yves Allégret und Jean Delannoy in Frankreich. 1953 inszenierte er mit Ci troviamo in galleria seinen Debütfilm als Filmregisseur, weitere Spielfilme folgten. In der sogenannten Epoche des „zweiten italienischen Neorealismus“ entwickelte Bolognini seinen eigenen Stil und thematisierte zu Beginn der 1960er Jahre das Leben der Armen im Kontrast zu den Reichen seines Landes. In jener Zeit entstanden drei seiner wichtigsten Werke: Bel Antonio, Wenn das Leben lockt und Das Haus in der Via Roma. Bekanntheit erlangte er vor allem für seine Literaturadaptionen bedeutender italienischer Nachkriegsliteratur, u. a. von Pier Paolo Pasolini, Alberto Moravia, Mario Pratesi und Vasco Pratolini, die er auch für das Fernsehen realisierte. Gegen Ende seiner Karriere wandte er sich der Oper zu. Er starb 2001 in Rom

 

28.6. Carl August WEBER: 175. Geburtstag

 Er war ein Schüler von Friedrich Rebling in Leipzig und begann seine Bühnenkarriere 1860 am Stadttheater von Magdeburg. 1867-72 war er am Opernhaus von Leipzig tätig und folgte dann einer Verpflichtung an das Hoftheater Schwerin, wo er als erster Tenor in Partien wie dem Max im »Freischütz«, dem David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, dem Mime in den Opern des Ring-Zyklus und dem Dickson in Boieldieus »Die weiße Dame« (»La dame blanche«) seine größten Erfolge hatte. Am 26.11.1899 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Der Pfeifertag« von Max von Schillings mit. Er blieb bis zu seiner Pensionierung 1900 am Hoftheater Schwerin im Engagement. Er starb 1908 in Schwerin.

 

29.6. Paula BUKOVAC: 85. Geburtstag

Sie war in ihrer kroatischen Heimat Schülerin des Pädagogen M. Lunzer in Zagreb. 1960 erfolgte ihr Bühnendebüt am Stadttheater von Saarbrücken als Antonia in »Hoffmanns Erzählungen«. Sie blieb dort bis 1962. Nach einer Spielzeit in Bremen (1962-63) war sie 1963-65 am Landestheater von Linz/Donau engagiert, danach 1965-76 am Staatstheater von Braunschweig. Dort trat sie bis 1980 noch als Gast auf. Seit 1980 war sie für mehr als zehn Jahre am Theater von St. Gallen im Engagement. Sie wurde durch Gastspiele bekannt, die sie u.a. an die Staatstheater von Karlsruhe (1964) und Hannover (1966), an die Wiener Volksoper (1967), an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, aber auch ins Ausland führten. So gastierte sie in Italien am Teatro Fenice Venedig (1969) und an anderen Opernhäusern, darunter auch an der Mailänder Scala (1968 als Turandot von Puccini). Häufig trat sie dabei als Salome in der gleichnamigen Oper von Richard Strauss auf, die als ihre besondere Glanzrolle galt. Ihr Repertoire umfasste eine Vielzahl weiterer Rollen, darunter die Leonore im »Fidelio«, die Sieglinde in der »Walküre«, die Martha in »Tiefland« von E. d’Albert, die Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss, die Marie im »Wozzeck« von A. Berg, die Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«, die Eboli im »Don Carlos«, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Tosca, die Butterfly, die Minnie in Puccinis »La Fanciulla del West«, die Jaroslawna in »Fürst Igor« von Borodin, die Küsterin in Janáceks »Jenufa« und die Katerina in »Auferstehung« von J. Cikker. Sie starb 1991 in St. Gallen.

Schallplatten: Mondo Musica (Titelrolle in »Salome« von R. Strauss).

 

29.6. Piero FILIPPI: 90. Geburtstag

Piero FILIPPI

 Er erhielt seine Ausbildung in seiner Heimatstadt Triest, wo er auch 1952 als Melot in »Tristan und Isolde« von R. Wagner debütierte. 1954-55 war er am Theater von Osijek (Esseg) tätig und folgte dann einem Ruf an die Kroatische Nationaloper in Zagreb, an der er seit 1955 zu einer langjährigen Karriere kam. Er sang dort hauptsächlich Partien aus dem heldischen Fach: den Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, den Canio im »Bajazzo«, den Don José in »Carmen«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Ismaele in Verdis »Nabucco«, den Erik in »Der fliegende Holländer«, den Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Hermann in Tschaikowskys »Pique Dame« und den Dimitrij in Mussorgskys »Boris Godunow«. Er trat auch an italienischen Opernhäusern auf, so 1972 am Teatro Municipale Piacenza als Max im »Freischütz«, den er auch 1973 am Teatro Comunale Bologna vortrug. Bedeutender Konzertsolist. Er starb im 2012 in Triest.

Schallplatten: Philips (vollständige Oper »Sadko« von Rimsky-Korssakow).

 

30.6. György BORDÁS: 80. Geburtstag

György BORDÁS

 Zuerst am Konservatorium von Szeged Schüler von Anna Renée, dann an der Franz Liszt-Musikakademie Budapest von Endre Rösler und Jenö Sipos. 1964 Debüt an der Nationaloper Budapest als Ben in »Das Telefon« von Menotti; seitdem beliebtes Mitglied dieses Opernhauses. Er wurde hier in einer Vielfalt von Partien aus dem Bass- wie dem Baritonfach eingesetzt, wobei er sowohl Rollen aus dem italienischen und dem französischen Repertoire als auch Partien in ungarischen Opern und Wagner-Partien, auch Aufgaben aus dem Charakterfach, zum Vortrag brachte. Davon seien der Rigoletto, der Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, der Figaro in »Figaros Hochzeit«, der Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Alberich im Nibelungenring und der Vater in »Hänsel und Gretel« genannt. Bedeutende Karriere auch im Konzertsaal. Er starb 2001 in Budapest.

Schallplattenaufnahmen auf Hungaroton (Fra Melitone in vollständiger Oper »La Forza del destino«, »Az ajtón kivül« von Sándor Balassa).

 

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