Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM JUNI 2015

 IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM JUNI 2015

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage ab dem 60er. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 1.6. Emil KRAUS : 175. Geburtstag

 Er durchlief zunächst ein Medizinstudium, das er mit dem Staatsexamen und seiner Promotion zum Dr. med. zum Abschluss brachte. Er hatte daneben jedoch bereits seine Stimme ausbilden lassen und brachte anschließend in Wien nun auch sein Gesangstudium zum Abschluss. 1869 sang er erstmalig an der Wiener Hofoper (den Sprecher in der »Zauberflöte«), wurde an das Haus verpflichtet und trat dort in den Jahren 1870-73 auf (u.a. als Valentin im »Faust« von Gounod, als Biterolf im »Tannhäuser«, als Heerrufer im »Lohengrin«, als Monterone im »Rigoletto«, als Paolo Orsini im »Rienzi«, als Minister im »Fidelio«, als Eremit im »Freischütz«, als Gessler wie als Melchthal in Rossinis »Wilhelm Tell«, als Uberto in Meyerbeers »Robert der Teufel«, als Daniel in Cherubinis »Der Wasserträger«, als Komtur im »Don Giovanni«, als Capulet in »Roméo et Juliette« von Gounod, als Hidraot in Glucks »Armida«, als Thoas in Glucks »Iphigenie auf Tauris« und als Geist in »Hamlet« von A. Thomas). 1873-76 war er am Stadttheater Zürich, 1876-77 am Stadttheater Chemnitz, dann wieder für eine Spielzeit in Zürich, schließlich 1878-81 am Opernhaus von Köln tätig. 1881 wurde er an das Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg berufen, dessen Mitglied er bis zu seinem Tod 1889 blieb. Hier sang er 1883 den Herodes in der deutschen Erstaufführung von Massenets »Hérodiade«. Er trat als Gast an führenden Theatern auf, darunter 1880-81 mehrfach an der Wiener Hofoper (nun als Don Pizarro im »Fidelio«, als Wolfram im »Tannhäuser«, in der Titelrolle von Rossinis »Wilhelm Tell«, als Telramund im »Lohengrin« und als Lothario in »Mignon« von A. Thomas) und an der Kroll-Oper Berlin. 1882 war er als Gast am Drury Lane Theatre London zu hören, wo er den Kurwenal in »Tristan und Isolde« und den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg« in den jeweiligen englischen Erstaufführungen dieser Wagner-Opern sang. Aus seinem Repertoire sind noch aufzuführen: der Jäger im »Nachtlager von Granada« von C. Kreutzer, der Templer in Marschners »Der Templer und die Jüdin«, der Kühleborn in Lortzings »Undine«,der König Salomon in der »Königin von Saba« von Goldmark, der Rigoletto, der Graf Luna im »Troubadour«, der Amonasro in »Aida«, der Nevers in Meyerbeers »Hugenotten« und der Escamillo in »Carmen«.

 

2.6. Jacques DOUCET: 90. Geburtstag

 Ausbildung am Conservatoire National in Paris. 1950 fand sein Debüt am Opernhaus von Nancy statt. 1952 wurde er an die Opéra-Comique Paris berufen. Er sang dort als Antrittsrolle den Escamillo in »Carmen« und blieb bis 1972 Mitglied dieses Hauses. Er gab zahlreiche Gastspiele an den führenden französischen Opernbühnen, darunter in Marseille, Bordeaux, Toulouse, Nizza, Straßburg und Vichy, hatte aber auch eine erfolgreiche internationale Karriere. Am Grand Théâtre Genf gastierte er 1957 als Escamillo und als Valentin im »Faust« von Gounod, 1958 als Marcello in »La Bohème« und als Albert im »Werther« von Massenet, 1960 als Ourrias in »Mireille« von Gounod, 1964 als Faninal im »Rosenkavalier« und als Fieramosca in »Benvenuto Cellini« von Berlioz, 1965 als Doppelgänger in »Raskolnikoff« von Sutermeister und als Falke in der »Fledermaus«. Am 28.11.1958 wirkte er hier als Wirt in der Uraufführung der Operette »Monsieur Jabot« von Roger Vuataz und am 13.6.1966 als Begearss in der Uraufführung der Oper »La Mère coupable« von Darius Milhaud mit. 1958 gastierte er an der Mailänder Scala (als Inigo in Ravels »L’Heure Espagnole« sowie in mehreren Partien in Ravels »L’Enfant et les sortilèges«), 1953 und 1971 an der Oper von Monte Carlo, 1962 am Teatro San Carlos Lissabon, 1964-66 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1968 in Turin und am Teatro Fenice Venedig. Er trat gern in zeitgenössischen Opern auf; so wirkte er 1954 am Theater von Mulhouse (Elsass) in der Uraufführung von Henri Tomasis »L’Atlantide«, 1962 an der Opéra-Comique in der von »Princesse Pauline«, ebenfalls einem Werk von Tomasi und 1962 am Opernhaus von Toulouse in »Hop! Signor« von Manuel Rosenthal mit und sang in den französischen Erstaufführungen der Opern »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch (Nizza, 1966), »Bluthochzeit« von W. Fortner (Bordeaux, 1968) und »Ulisse« von Dallapiccola (Rouen, 1971). Bis 1973 dauerte seine Sängerkarriere, doch widmete er sich gegen deren Ende zunehmend Aufgaben aus dem Bereich der Bühnenregie. Seit 1974 bekleidete er eine Professur am Conservatoire von Toulouse, 1980-90 war er künstlerischer Direktor des Opernhauses von Toulouse (Théâtre Capitole). Von den vielen Rollen, die er auf der Bühne gestaltet hat, sind zu nennen: der Graf in »Figaros Hochzeit«, der Dr. Schön in »Lulu« von A. Berg, der Claudio in »Béatrice et Bénédict« von Berlioz, der Lescaut in »Manon« von Massenet, der Golaud in »Pelléas et Mélisande« von Debussy, der Paolo in »Simon Boccanegra« von Verdi, der Sharpless in »Madame Butterfly«, der Rivière in »Volo di notte« von Dallapiccola und der Gregor Mittenhofer in H.W. Henzes »Elegie für junge Liebende«. Er starb im Dezember 2009.

Schallplatten: HMV (Operetten-Aufnahmen).

 

2.6. Josef METTERNICH: 100. Geburtstag

0Josef_METTERNICH

 Er verdiente sich als Geiger in einem Tanzorchester Geld für sein Gesangstudium. Er sang 1935-36 im Opernchor in Bonn, 1936-37 in Köln. Am Theater von Bonn sang er bereits einige Solistenpartien, darunter den Schaunard in »La Bohème«. Er musste wegen einer Erkrankung zwei Jahre aussetzen und kam dann 1939 nach Berlin, wo er weiter studierte; seit 1940 war er am Deutschen Opernhaus Berlin engagiert. 1941 sang er am Deutschen Opernhaus (Städtische Oper) Berlin den Heerrufer im »Lohengrin« und übernahm dort in den folgenden Spielzeiten kleinere und mittlere Rollen. Ein Engagement in Wiesbaden wurde durch die Schließung der deutschen Theater im Herbst 1944 bald beendet. 1945 trat er dann wieder am Deutschen Opernhaus (Städtische Oper) Berlin in seiner ersten großen Partie, dem Tonio im »Bajazzo«, auf. In Berlin wurde er durch den damaligen Intendanten der Städtischen Oper Michael Bohnen in seiner Karriere gefördert. 1946 hatte er an der Städtischen Oper Berlin als Simon Boccanegra wie als Jago im »Otello« von Verdi große Erfolge, an der Staatsoper Berlin 1946 als Germont sr. in »La Traviata« und als Jeletzky in »Pique Dame« von Tschaikowsky. 1952-58 Mitglied der Wiener Staatsoper, an der er bereits 1949 erstmals gastiert hatte. Er trat hier in insgesamt 82 Vorstellungen auf, und zwar als die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, als Rigoletto, als Germont sr., als Minister und später als Don Pizarro im »Fidelio«, als Carlo in »La forza del destino«, als Graf Luna im »Troubadour«, als Mandryka in »Arabella« von R. Strauss, als Gunther in der »Götterdämmerung«, als Heerrufer, als Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, als Kurwenal in »Tristan und Isolde«, als Macbeth in der gleichnamigen Verdi-Oper (mit besonderem Erfolg als Partner von Martha Mödl), als Sprecher in der »Zauberflöte«, als Amonasro in »Aida«, als Scarpia in »Tosca«, als Posa in Verdis »Don Carlos«, als Jago, als Valentin im »Faust« von Gounod, als Wolfram im »Tannhäuser«, als Renato im »Maskenball« und als Escamillo in »Carmen«. Große, internationale Erfolge bei Gastspielen an der Londoner Covent Garden Oper (Debüt 1951 als Fliegender Holländer), an der Mailänder Scala (1953 als Heerrufer), an den Opernhäusern von Köln und Hamburg (1951-63) und bei den Festspielen von Edinburgh, wo er mit dem Ensemble der Hamburger Oper 1952 als Sprecher in der »Zauberflöte« und als Don Pizarro sowie 1956 als Jochanaan gastierte. 1953-56 war er Mitglied der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Carlo in »La forza del destino« von Verdi). Hier trat er in insgesamt 23 Vorstellungen auch als Graf Luna, als Wolfram, als Tonio, als Renato, als Kurwenal, als Amfortas im »Parsifal« und als Amonasro auf. An der Grand Opéra Paris hörte man ihn als Alberich im »Siegfried« wie in der »Götterdämmerung« (1959, 1962), 1953 auch an der Oper von Marseille, 1962 in Osaka als Jochanaan in »Salome« von R. Strauss (japanische Erstaufführung dieser Oper). Seit 1954 war er an der Staatsoper von München engagiert, wirkte aber zugleich auch bis 1963 an der Hamburger Staatsoper und am Deutschen Opernhaus Berlin. Von den vielen Partien, die er an der Münchner Staatsoper gesungen hat, sind zu nennen: der Macbeth und der Simon Boccanegra von Verdi, der Jochanaan, der Barak in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, der Titelheld in »Giulio Cesare« von Händel, der Enrico in »Lucia di Lammermoor« (mit Erika Köth als Lucia), der Michele in Puccinis »Il Tabarro«, der Kommandant im »Friedenstag« von R. Strauss (1961) und der Nevers in Meyerbeers »Hugenotten« (1962). Er trat dort auch 1956 in der Uraufführung der Oper »Don Juan de Mañara« von Henri Tomasi auf. Am 11.8.1957 sang er an der Münchner Oper in der Uraufführung von Hindemiths »Harmonie der Welt« die Partie des Johannes Kepler, 1963 den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg« zur Eröffnung der wieder aufgebauten Münchner Oper. Bis 1971 blieb er Mitglied der Münchner Staatsoper. Als Konzert- und Oratoriensänger gehörte er zu den führenden Sängern seiner Generation. Neben der nuancenreichen Ausdruckskraft seiner schön gebildeten Stimme wurde auf der Bühne immer wieder auch sein eminentes darstellerisches Talent bewundert. Seit 1965 war er bis 1990 als Professor an der Musikhochschule von Köln tätig. Zu seinen Schülern zählten so bedeutende Sänger wie Ruthild Engert, Mechthild Gessendorf, Carol Malone, Stella Kleindienst, Katerina Ikonomu, Penelope Lusi, Michael Ebbecke, Frank Schneiders, Eike Wilm Schulte, Guido Götzen, Wicus Slabbert und Oskar Hildebrandt. Josef Metternich starb 2005 in Feldafing. Er war verheiratet mit der Sopranistin Liselotte Losch (1917-2011). Sein Bruder Anton Metternich (* 1920) war ebenfalls ein geschätzter Bariton.

Zahlreiche Schallplatten-Aufnahmen auf HMV (»Bajazzo«), Electrola (viele Opern-Querschnitte, u.a. »La forza del destino«, »Un Ballo in Maschera« und »Lucia di Lammermoor« mit Erika Köth als Lucia), Columbia (»Hänsel und Gretel«), Urania (»Lieder eines fahrenden Gesellen« von Gustav Mahler), Philips (Jochanaan in »Salome«), Ariola (»La forza del destino«), zumeist aber auf DGG (integrale Opern »Lohengrin«, »Der fliegende Holländer«, »Fidelio« u.a.) und Eurodisc (»Macht des Schicksals« von 1952, »Tosca« von 1953). Mitschnitte von Opernaufführungen bei Cetra Opera Live (»Aida«), Foyer (»Un ballo in maschera«, Metropolitan Oper 1955) und Melodram (»Frau ohne Schatten« von R. Strauss, München, 1954).

 

2.6. Guido ROCA DE AMICIS (italienischer Bariton): 100. Geburtstag

 

3.6. Olga von TÜRK-ROHN: 150. Geburtstag

 Eigentlicher Name Olga von Rohn. Ihre musikalische Begabung zeigte sich früh. Die berühmte Gesanglehrerin Mathilde Marchesi de Castrone hörte sie im Alter von 15 Jahren und riet dringend zur Ausbildung ihrer Stimme. Die Eltern lehnten jedoch eine Bühnenkarriere ihrer Tochter strikt ab, doch konnte sie ihr Gesangstudium schließlich bei der Wiener Pädagogin Frau Liebhardt-Bayer aufnehmen. Schließlich erreichte der Direktor der Wiener Hofoper Jahn es, dass sie auch die Bühne betreten durfte. Während zwei Jahren war sie am Theater von Graz engagiert. Nachdem sie geheiratet hatte, widmete sie sich einem intensiven Studium des Liedgesangs bei dem Tenor und Pädagogen Gustav Walter in Wien, der als einer der größten Lied-Interpreten seiner Zeit galt. Sie war weiter in Wien Schülerin von Professor Friedrich. In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts begann sie nun eine glänzende internationale Karriere als Liedersängerin. Ihr Vortrag der Lieder von Franz Schubert galt als klassisch; am Schubert-Denkmal in Gablonz, das 1900 enthüllt wurde, war sie als »singende Muse« abgebildet. Sie wurde mit der silbernen Schubert-Medaille ausgezeichnet und zum Ehrenmitglied des deutschen Sängerbundes ernannt. Neben dem Schubert-Lied brachte sie in ihren Liederabenden auch Liedkompositionen von Johannes Brahms und anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts zum Vortrag, dazu Opernarien. Sie sang Solopartien in Oratorien und religiösen Vokalwerken, entwickelte aber keine Bühnenkarriere mehr. Sie wurde als Liedersängerin in den Musikzentren Österreichs und Deutschlands, aber auch im Ausland, u.a. in Italien, gefeiert. Auch auf pädagogischem Gebiet tätig. Sie starb im Jahr 1940.

Schallplatten: G & T (Wien, 1905-07, vier Lieder, darunter der Frühlingsstimmen-Walzer von J. Strauß), Odeon (Duette mit Karl Meister).

 

4.6. Fedora BARBIERI: 95. Geburtstag

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 Ausbildung durch Federico Bugamelli und durch Luigi Toffolo in Triest, dann durch Giulia Tess in Mailand. Erstes öffentliches Auftreten in der Basilika San Giusto in Triest; Bühnendebüt 1940 am Teatro Comunale Florenz als Fidalma in »Il matrimonio segreto« von Cimarosa. 1941 wirkte sie beim Maggio Musicale von Florenz in Glucks »Armida« und in der Uraufführung der Oper »Don Juan de Mañara« von Alfano mit, 1942 sang sie bei diesen Festspielen in Monteverdis »Il ritorno d’Ulisse in patria«. 1941-42 wirkte sie an der Oper von Rom; 1942 erfolgte ihr Debüt an der Mailänder Scala als Meg Page im »Falstaff« von Verdi. 1943 nahm sie an einer großen Gastspieltournee durch Deutschland, Belgien und Holland teil, wobei sie als Mrs. Quickly im »Falstaff« (mit Mariano Stabile in der Titelpartie) Aufsehen erregte. 1943 heiratete sie Luigi Bartoletti, den Direktor des Maggio Musicale Fiorentino und gab zunächst einmal ihre Karriere auf. 1945 betrat sie jedoch wieder die Bühne. An der Mailänder Scala galt sie jetzt als die Nachfolgerin der großen Altistin Ebe Stignani. An der Scala sang sie u.a. 1946 die Angelina in Rossinis »La Cenerentola«, 1950-51 und 1960 die Amneris in »Aida«, 1951 und 1958 den Orfeo in Glucks »Orfeo ed Euridice«,  1951 die Kontschakowna in Borodins »Fürst Igor«, 1952 die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, 1953 als Partnerin von Maria Callas die Neris in Cherubinis »Medea«, 1957, 1961, 1963, 1967 und 1980 die Mrs. Quickly, 1958 die Fidalma und die Dejanira in Händels »Eracle«, 1959 die Azucena im »Troubadour«, 1960 und 1968-69 die Ulrica in Verdis »Un ballo in maschera«, 1963 die Debora in I. Pizzettis »Debora e Jaele«, 1967 die Baldad di Suach in Dallapiccolas »Job«, 1968 die alte Beatrice in Malipieros »I Capricci di Callot« und die Beroe in Henzes »Die Bassariden«, 1979 und 1981 die Schenkenwirtin im »Boris Godunow«. Am 8.2.1963 sang sie an der Piccola Scala Mailand in der Uraufführung von »Il Linguaggio dei Fiori« von Renzo Rossellini die Gouvernante. 1949 sang sie beim Maggio Musicale Fiorentino die Titelrolle in Monteverdis »L’Orfeo« (in einer Neubearbeitung durch Vito Frazzi). Bei den Salzburger Festspielen übernahm sie 1952 das Alt-Solo im Verdi-Requiem. Weitere Gastspiele in London (1950 mit dem Ensemble der Scala als Mrs. Quickly, 1957-58 als Azucena, Amneris und Eboli im »Don Carlos«, 1964 nochmals als Mrs. Quickly), San Francisco (1952 als Amneris, als Santuzza in »Cavalleria rusticana« und als Azucena, 1975 als Frugola in Puccinis »Il tabarro« und als Zita in dessen »Gianni Schicchi«, 1979 nochmals als Zita) und Chicago (1950-57; Antrittsrolle: Eboli). 1955-58 bei den Festspielen von Verona, vor allem als Carmen, gefeiert. In Florenz hörte man sie in der Donizetti-Oper »Don Sebastiano« und 1953 in der italienischen Erstaufführung von Prokofieffs »Krieg und Frieden«. 1956 sang sie an der Oper von Rom in »Giulio Cesare« von Händel. An der Oper von Monte Carlo hörte man sie 1956 (als Santuzza), 1963 und nochmals 1970 (als Mrs. Quickly); 1970 zu Gast an der Grand Opéra Paris (als Mrs. Quickly), bereits 1947 am Teatro San Carlos Lissabon und am Teatro Colón Buenos Aires, seit 1947 mehrfach an der Oper von Rio de Janeiro aufgetreten. An der New Yorker Metropolitan Oper war sie in den Spielzeiten 1950-54, 1956-57, 1967-68, 1971-72 und 1974-77 engagiert. Sie sang dort 11 Rollen in insgesamt 96 Vorstellungen: nachdem sie dort als Eboli debütiert und zunächst die großen klassischen Altpartien (Azucena, Amneris, Laura in »La Gioconda«, Carmen, Santuzza, Adalgisa in Bellinis »Norma« und Mrs. Quickly) gesungen hatte, übernahm sie später Aufgaben aus dem Charakterfach wie die Cieca in »La Gioconda«, die Principessa in »Suor Angelica« und die Zita. Ihre Karriere dauerte sehr lange. 1981 trat sie erstmalig an der Wiener Staatsoper als Principessa in »Suor Angelica« und als Madelon in »Andrea Chénier« auf. 1987 wirkte sie bei den Puccini-Festspielen in Torre del Lago als Zita mit und sang im gleichen Jahr in Florenz die Schenkenwirtin im »Boris Godunow«; noch 1991 gastierte sie in Florenz als Mamma Lucia in »Cavalleria rusticana« und an der Oper von Warschau in »Norma« (wobei sie auch Regie führte). Sie starb 2003 in Florenz. – Eine der bedeutendsten Altistinnen ihrer Zeit; ihr Repertoire für die Bühne umfasste mehr als hundert Rollen.

Lit: A. Natan: Barbieri, Fedora, Primadonna (Basel, 1962); C. Faria: Tajo and Barbieri (in »Opera News«, 1976-77); Liliana Uessi: Fedora Barbieri, un viaggio nella memoria.

Ihre Schallplatten erschienen bei HMV (»Un ballo in maschera«, 1943), Cetra (»La Favorita«, »La Gioconda«), Columbia (»Suor Angelica« von Puccini, »Aida«) Melodram (»La forza del destino«), Foyer (»Il trovatore«), Gala (Margarita in »I quattro rusteghi«, Turin 1969), Cetra Opera Live (»Don Sebastiano« von Donizetti, »Medea« von Cherubini, »Eracle« von Händel, »Orfeo ed Euridice« von Gluck, die letzten beiden Aufnahmen aus der Scala von 1958 bzw. 1951), Philips (»Linda di Chamounix« von Donizetti), Vox, RCA (»Il trovatore«, »Aida«), TIS (»Don Carlos«, Mitschnitt aus der Metropolitan Oper), Fono (Mamma Lucia in »Cavalleria rusticana« von 1990!).

 

5.6. Peter SCHAT: 80. Geburtstag

 Biographie des holländischen Komponisten auf Englisch: http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Schat

 

6.6. Jan RUBES: 95. Geburtstag

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 Er wollte ursprünglich Medizin studieren, betrieb dann aber die Ausbildung seiner Stimme am Konservatorium und an der Musikakademie von Prag. Er debütierte bereits 1940 an der Oper von Prag als Basilio in Rossinis »Barbier von Sevilla«. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte er nach Kanada aus und widmete sich einer nochmaligen Ausbildung an der Universität von Toronto. Darauf große Karriere an den kanadischen Opernhäusern von Toronto, Montreal, Ottawa und Vancouver. Er gastierte bei der New York City Opera, an den Bühnen von Seattle, Philadelphia, New Orleans und Chicago. In Europa war er an der Nationaloper und am Smetana Theater von Prag wie auch an der Oper von Frankfurt a.M. zu Gast. Neben seinem Wirken als Sänger erwarb er sich als Direktor der Canadian Opera Company Toronto große Verdienste; 1967 wurde er von der kanadischen Regierung mit der Canadian Centennial Medal ausgezeichnet. Er sang auf der Bühne ein weit gespanntes Repertoire mit seriösen wie komischen Basspartien aus der gesamten Opernliteratur; auch als Konzertbassist geschätzt. Er starb 2009 in Toronto.

Schallplatten: Canadian Record Company.

 

6.6. John STAINER: 175. Geburtstag

 Er sang als Knabe im Chor der St. Paul’s Cathedral und wurde im Alter von 16 Jahren von Sir Frederick Ouseley als Organist am neu gegründeten St. Michael’s College, Tenbury verpflichtet. Im Jahre 1860 wurde er Organist am Magdalen College, Oxford, im Jahre 1872 wechselte er an die S. Paul’s Cathedral. Seine Tätigkeit als Chorerzieher und Organist setzte Maßstäbe für die Anglikanische Kirchenmusik, deren Einfluss bis heute zu spüren ist. Stainer war außerdem als Lehrer tätig, 1889 erhielt er eine Professur für Musik an der Oxford University und unternahm bahnbrechende Forschung im Bereich der Alten Musik. Als Komponist brachte er ein umfangreiches Werk geistlicher Musik hervor, worunter seine Passionskantate The Crucifixion zu den bekanntesten gehört. Aus seiner Feder stammen ebenfalls zahlreiche, noch heute gesungene anglikanische Kirchenlieder. The Crucifixion war lange Zeit eine der verschiedenen Kantaten zur Passion, die während der Karwoche in englischen Kirchen aufgeführt wurden. Stainer gelang zudem ein bis heute anhaltender Beitrag zur traditionellen englischen Weihnachtsmusik, indem er gemeinsam mit H. R. Bramley die Sammlung Christmas Carols New and Old (1871) veröffentlichte, die ein entscheidender Impuls für die Wiederbelebung des Singens von Weihnachtsliedern war. John Stainer starb 1901 in Verona.

 

7.6. Alfreda HODGSON: 75. Geburtstag

0Alfreda HODGSON

 Ihr Vater war Trompeter, und sie erhielt eine sorgfältige musikalische Erziehung. Sie studierte zunächst Violoncello, dann aber wurde sie an der Northern School of Music zur Sängerin ausgebildet. Nachdem sie den begehrten Kathleen Ferrier Gedächtnis-Preis gewonnen hatte, begann sie eine große Karriere als Konzertsängerin. Sie debütierte 1961 in einem Konzert in Liverpool. Ihr erster großer Erfolg war das Alt-Solo in der 2. Sinfonie von Gustav Mahler in der Royal Festival Hall London. Seitdem trat sie in den Werken dieses Komponisten mit großer Vorliebe auf (2. und 3. Sinfonie, »Lied von der Erde«). Sie sang mit allen englischen Orchestern und Dirigenten von Rang, besuchte zusammen mit dem Philharmonia Orchestra London Spanien und unternahm Tourneen mit dem Chor Academy of St. Martins in the Fields durch Westdeutschland, Österreich, Belgien und Spanien; auch in Mexiko und in Israel war sie zu Gast. In dem letztgenannten Land sang sie das Alt-Solo im »Messias« von Händel bei den ersten Ausführungen dieses Oratoriums in Israel. 1973 große Skandinavien-Tournee. 1982 bereiste sie erneut Deutschland, sang in Holland zusammen mit dem Concertgebouw Orchester, in Hongkong mit dem Bach-Chor und in Chicago in Händels Oratorium »Israel in Egypt«. Dazu war sie ständig in den großen Londoner Konzertveranstaltungen anzutreffen, beim Three Choirs Festival in Edinburgh (1981) und im englischen Rundfunk BBC (Requiem von Verdi, 1978). Erst relativ spät begann sie eine Bühnenkarriere (Debüt 1974 bei der English National Opera London als Ulrica in Verdis »Un ballo in maschera«). 1983-84 trat sie an der Covent Garden Oper London in »L’Enfant et les sortilèges« von Ravel und in Strawinskys »Le Rossignol« auf, 1987 war sie dort nochmals zu hören. 1985 gastierte sie an der English National Opera als Sosostris in »The Midsummer Marriage« von M. Tippett. In Glasgow sang sie den Orpheus von Gluck in einer konzertanten Aufführung dieser Oper, in London, ebenfalls konzertant, in »Béatrice et Bénédict« von Berlioz. 1990 trug sie bei der Eröffnung der Royal Festival Hall in Glasgow »Lieder aus des Knaben Wunderhorn« von Gustav Mahler vor, in Rotterdam sang sie »Das Lied von der Erde« vom gleichen Komponisten, in Tokio das Alt-Solo in seiner 2. Sinfonie. Sie starb 1992 in Morecambe.

Die dunkel timbrierte, ausdrucksvolle Stimme mit dem Reichtum ihrer Tongebung erscheint auf vielen Schallplatten: auf Decca (Johannespassion von Bach, »The Dream of Gerontius« von Elgar, »Das Lied von der Erde«, Cieca in »La Gioconda« von Ponchielli, »The Fairy Queen« von Purcell unter der Leitung von Benjamin Britten von 1971), HMV (»Der Messias«, »Jephtha« von Händel, Petite Messe solennelle von Rossini, »The Pilgrim’s Progress« von Vaughan Williams), FSM (Stabat mater von Pergolesi), Chandos (»The Apostles« von E. Elgar), Argo, Orfeo (Alt-Rhapsodie von J. Brahms).

 8.6. Raymond MICHALSKI: 85. Geburtstag

 Er erhielt seine Ausbildung zum Sänger an der Mannes School of Music in New York durch Rosalie Miller. Debüt 1959 an der Oper von Philadelphia als Nourabad in »Les pêcheurs de Perles« von Bizet. 1964 wirkte er in der New Yorker Carnegie Hall in der konzertanten amerikanischen Premiere von Donizettis »Maria Stuarda« mit. Er war in den Spielzeiten 1965-71 und 1972-76 an der Metropolitan Oper New York engagiert (Debüt als König in »Aida«), an der er in insgesamt 301 Vorstellungen zumeist mittlere und kleinere Partien sang (u.a. den Benoit in »La Bohème«, den Mathieu in »Andrea Chénier« von Giordano, den Monterone im »Rigoletto«, den Swallow in »Peter Grimes« von B. Britten, den Lodovico in Verdis »Otello«, den Capulet in »Roméo et Juliette« von Gounod, den Angelotti in »Tosca«, den Quinault in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, den Samuel in Verdis »Un ballo in maschera« und den Simone in Puccinis »Gianni Schicchi«), gelegentlich aber auch große Rollen wie den Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, den Commendatore wie den Masetto im »Don Giovanni«, den Ferrando im »Troubadour«, den Timur in »Turandot« von Puccini, den König Heinrich im »Lohengrin«, den Geronte in »Manon Lescaut« von Puccini, den Sparafucile im »Rigoletto«, den Ramfis in »Aida«, den Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, den Colline in »La Bohème«, den Warlaam im »Boris Godunow« und den Oroveso in »Norma«. Am 16.9.1966 wirkte er hier in der Uraufführung von Samuel Barbers »Anthony and Cleopatra« in der Rolle des Alexas mit. Am 17.3.1967 sang er hier in der Uraufführung von Marvin David Levys  »Mourning Becomes Electra« den Jed. 1971 gastierte er an der San Francisco Opera als Ferrando im »Troubadour«. Man schätzte besonders seine darstellerische Begabung. Eine seiner beliebtesten Partien war der Leporello im »Don Giovanni«. Er trat als Gast an den Opern von Boston, Chicago, New Orleans, Philadelphia, San Diego und Mexico City auf. Er starb 1978 in Elizabeth (New Jersey).

Schallplatten: RCA (vollständige Oper »Rinaldo« von Händel).

 

8.6. Peter ROTH-EHRANG: 95. Geburtstag

 Nachdem er den Beruf eines Vermessungstechnikers erlernt hatte, fiel seine stimmliche Begabung in einem Männerchor auf. Er wurde an der Berliner Musikhochschule Schüler von Paul Lohmann und Kurt Prasse. Bühnendebüt 1950 am Stadttheater von Trier als Eremit im »Freischütz«. 1952-55 wirkte er am Opernhaus von Leipzig und war in der Spielzeit 1952-53 gleichzeitig in Dessau engagiert. 1953 wirkte er in Leipzig in der Uraufführung der Oper »Wat Tyler« von Alan Bush mit. 1955-61 große Erfolge, zumal im Wagner-Repertoire, an der Städtischen Oper Berlin, wo er 1960 in der Uraufführung der Oper »Rosamunde Floris« von Boris Blacher mitwirkte. 1960-64 sang er bei den Bayreuther Festspielen den Fafner im Ring-Zyklus. Seit 1961 Mitglied der Staatsoper Hamburg. Gastspiele an der Wiener Staatsoper (1960-63 als Fafner und als Hagen im Ring-Zyklus), an der Grand Opéra Paris (1963), an der Oper von Lyon und in England. In Hamburg sang er 1963 in der Uraufführung der Oper »Figaro lässt sich scheiden« von Giselher Klebe, 1964 in der der Oper »Der Zerrissene« von G. von Einem, 1966 in der von »Die Heimsuchung« (»The Visitation«) von Gunther Schuller. Neben seinem Wirken auf der Opernbühne hatte er eine ebenso erfolgreiche Karriere im Konzertsaal.

Die gewaltige, tiefe Bass-Stimme des 1966 in Hamburg verstorbenen Sängers begegnet uns auf den Marken HMV, DGG (»L’Orfeo« von Monteverdi) und Opera. Bei Melodram singt er den Fafner im Nibelungenring in einem Mitschnitt von den Bayreuther Festspielen des Jahres 1960.

 

8.6. Nikander CHANAJEW: 125. Geburtstag

0Nikander Chanajew als Hermann
Als Herrmann/Pique Dame

 Der Künstler wurde als Sohn einer armen Bauernfamilie geboren, wurde mit sechs Jahren elternlos und hatte eine freudlose Jugend. Er sang zuerst in einem Kirchenchor. Erst spät, im Jahre 1921 kam er zum Gesangstudium, nachdem er einen Wettbewerb des Moskauer Konservatoriums gewonnen hatte. Er war am Konservatorium von Moskau Schüler von Frau Lydia Zviaguina, die selbst in Paris Schülerin der berühmten Mme. Viardot-Garcia gewesen war. 1924 schloss er dort seine Ausbildung ab und war dann 1925-26 im Opernstudio des Moskauer Bolschoi Theaters. Allgemein bekannt wurde er, als er 1926 als Ensemblemitglied an das Bolschoi Theater in Moskau verpflichtet wurde, dem er bis 1954 als erster Tenor angehörte. Er gab noch bis in die sechziger Jahre Gastspiele und Konzerte. Durch den Tenor Wladimir Klipper-Nardow wurde er in den Wagner-Gesang eingeführt. Man bewunderte seither vor allem seine Gestaltung von heldischen Partien; zu seinen Glanzrollen zählten der Siegmund in der »Walküre«, der Titelheld in Verdis »Otello«, der Radames in »Aida«, der Don José in »Carmen«, der Fürst in »Rusalka« von Dargomyschski, der Grigorij Melikow in »Der stille Don« von Dserschinski, der Hermann in »Pique Dame« (seit 1931 seine große Glanzrolle, den er noch mit 68 Jahren sang), der Schuiskij im »Boris Godunow«, der Sinodal im »Dämon« von Rubinstein und der Sobinin in »Iwan Susanin« (»Ein Leben für den Zaren«) von Glinka, den er seit 1939 als weiteren Höhepunkt in sein Bühnenrepertoire einfügte. Auf der Bühne wurden seine Interpretationen durch ein eminentes darstellerisches Talent gekennzeichnet. Auch als Konzertsänger hatte er große Erfolge, u.a. als Solist in der 9. Sinfonie von Beethoven und in dem Oratorium »Samson« von Händel. Er wurde dreimal, 1943, 1949 und 1950 mit dem Staatspreis der UdSSR ausgezeichnet; seit 1951 war er Volkskünstler der UdSSR. In den Jahren 1943-50 unterrichtete er am Konservatorium von Moskau. Er starb 1974 in Moskau.

Schallplatten der staatlichen sowjetrussischen Plattenproduktion Melodiya (u.a. Schuiskij in »Boris Godunow« mit Mark Reisen), vollständige Opern »Pique Dame« von Tschaikowsky (Hermann in zwei verschiedenen Aufnahmen), »Sadko« von Rimsky-Korssakow, »Carmen«. Auf diesen wird er manchmal auch unter dem Namen Nikolai Chanajew aufgeführt.

 

8.6. Zerline DRUCKER: 150. Geburtstag

 Sie war die Tochter eines Hamburger Kaufmanns und ging mit 15 Jahren als Choristin an das Friedrich Wilhelmstädtische Theater Berlin. Nach und nach übertrug man ihr größere Operettenpartien, und schließlich sang sie die Rosalinde in der »Fledermaus«, die Fantaska in »Indigo« von Johann Strauß, die Saffi im »Zigeunerbaron«, die Laura in Millöckers »Der Bettelstudent«, die Titelfigur in Offenbachs »Großherzogin von Gerolstein« und weitere große Rollen. Sie wechselte dann in die österreichische Metropole Wien und sang bis 1888 am Theater an der Wien u.a. die Maria im »Karneval in Rom«, die Titelrollen im »Spitzentuch der Königin« von J. Strauß und in »Nanon« von Genée. 1888-90 gehörte sie als Diva einer Truppe an, die eine große Operetten-Tournee durch Italien unternahm und dabei die Suppé-Operetten »Boccaccio« und »Donna Juanita«, Genées »Seekadett« und »Die schöne Helena« von Offenbach zur Aufführung brachte. Sie gastierte auch sehr erfolgreich in Budapest. Trotz aller Erfolge auf dem Gebiet der Operette fasste sie den Entschluss, zur Oper überzugehen. Nach dreijährigem weiterem Studium bei Rosa de Ruda, Emma Seehofer und bei dem Kapellmeister Heinefetter debütierte sie bei einem Gastspiel am Stadttheater von Danzig in der Rolle der Selika in Meyerbeers »Afrikanerin«. Sie wurde darauf 1891 an dieses Haus engagiert und eröffnete dort mit der Micaela in »Carmen« eine Karriere, die sie 1891-93 in Danzig wie bei Gastspielen (u.a. in Riga) Erfolge fortsetzte. Seit 1893 war sie mit dem norwegischen Tenor Sigurd Lunde (* 1865) verheiratet, scheint dann aber bald ihre Karriere beendet zu haben. Der Bruder der Sängerin, Ernst Drucker (1855-1918), war ein bekannter Schauspieler und Theaterdirektor.

 

8.6. Hans KELLER: 150. Geburtstag

 Er war der Sohn eines Konditors und wurde durch die Gräfin Usedom, eine angesehene Pädagogin, in Berlin ausgebildet. 1889 begann er seine Bühnenkarriere am Hoftheater von Sondershausen in Thüringen als Rocco im »Fidelio«. 1890 kam er an das Stadttheater von Halle/Saale, 1892-95 war er Mitglied des Opernhauses von Breslau (Antrittsrolle: Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«). 1895-98 gehörte er dem Ensemble der Hofoper von Dresden an und ging darauf 1898-1911 an das Hoftheater von Karlsruhe. Durch sein Auftreten unter dem großen Wagner-Dirigenten Felix Mottl, der 1891-1904 in Karlsruhe wirkte, erlangte er als Wagner-Interpret hohes Ansehen. 1898 sang er bei den Düsseldorfer Musteraufführungen von Wagner-Opern den König Marke in »Tristan und Isolde«, 1901 bei den Festaufführungen in Magdeburg den Pogner, den Fasolt und den Hagen im Ring-Zyklus. Bei den Festspielen von Bayreuth trat er 1899, 1901 und 1904 als Fasolt im »Rheingold« auf. Er trat als Gast an der Wiener Hofoper (1902 Landgraf im »Tannhäuser«), am Hoftheater von Stuttgart (1900 und 1903), an der Hofoper Berlin (1897), am Opernhaus von Frankfurt a.M. (1906), an der Münchner Hofoper (1908 und 1909), am Hoftheater von Wiesbaden (1904-09), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1910) und beim Wagner-Verein in Amsterdam, zumeist in Wagner-Partien, auf. Von seinen Bühnenpartien sind noch zu nennen: der Leporello im »Don Giovanni«, der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Kardinal in »La Juive« von Halévy, der Mephisto im »Faust« von Gounod, der Basilio im »Barbier von Sevilla«, der Hunding und der Wotan im Nibelungenring. Er wirkte 1902 in Karlsruhe in der Uraufführung der Oper »Till Eulenspiegel« von E.N. von Reznicek, 1910 in der Uraufführung der Oper »Banadietrich« von Siegfried Wagner mit. 1911-15 leitete er das Theater von Luzern, dann eine Operettenbühne in Karlsruhe. 1917-25 war er Oberspielleiter in Kaiserslautern, wo er auch noch als Sänger aufgetreten ist. Er ließ sich später in Konstanz als gesuchter Gesangpädagoge nieder, wo er 1942 starb. Eine seiner Schülerinnen war die Schweizer Sopranistin Maria Stader.

 

8.6. Anton FORTI: 225. Geburtstag

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 Er studierte anfänglich Violinspiel bei einem Geiger des Theaters an der Wien, entschloss sich dann aber zur Karriere eines Sängers. Nach seinem Debüt am Opernhaus von Bratislava (Preßburg) war er 1807-11 Kammersänger in der Fürstlich Eszterházy’schen Kapelle in Eisenstadt und Eszterháza. 1811 kam er nach Wien, wo er zwei Jahre lang am Theater an der Wien sang und dann 1813 an die Hofoper (Theater am Kärntnertor) wechselte. Seine erste Partie, die er dort sang, war der Sarastro in der »Zauberflöte«. Hier übernahm er, obwohl er von Hause aus ein Bariton war, auch einige Tenorpartien wie den Titelhelden in Rossinis »Otello« (1819), den Max im »Freischütz« von Weber (1821) und den Titelhelden in »Titus« von Mozart (1823); zugleich war er aber ein hervorragender Interpret von Baritonrollen wie dem Don Giovanni, einer seiner größten Rollen, dem Figaro in »Figaros Hochzeit« oder dem Don Pizarro im »Fidelio«. Zu seinen Glanzrollen zählten weiter der Figaro im »Barbier von Sevilla« von Rossini, der Telasco in Spontinis »Fernando Cortez« und viele Aufgaben aus dem Bereich der französischen Dialog-Oper. Am 25.12.1823 sang er am Theater am Kärntnertor in der Uraufführung von »Euryanthe« von C.M. von Weber die Partie des Lysiart, bereits 1820 in der Uraufführung der Oper »Baals Sturz« von Joseph Weigl. Er unternahm 1826 und 1828 zwei große Tourneen durch Deutschland, wobei er u.a. am Opernhaus von Frankfurt a.M. und am Hoftheater von Hannover auftrat, zumeist als Don Giovanni, als Figaro und als Papageno in der »Zauberflöte«, in den Titelrollen der Opern »Faust« von L. Spohr und »Fernando Cortez« von Spontini. Mit der Übernahme der Direktion der Hofoper durch den Grafen Gallenberg 1829 wurde der Künstler pensioniert. In der Spielzeit 1829-30 trat er dann am Königstädtischen Theater in Berlin auf. Gastspiele brachten ihm an der Königlichen Hofoper von Berlin wie an den Opernhäusern von Prag und Hamburg große Erfolge ein. Als er 1833 das große Los in der österreichischen Staatslotterie gewann, gab er seine Laufbahn auf, trat aber noch gelegentlich auch in späteren Jahren in einzelnen ausgewählten Partien auf. Noch 1841 war er in Wien in den Opern »Le pré aux clercs« von Ferdinand Hérold und »Le panier fleuri« von Ambroise Thomas zu hören. Zuletzt lebte er, fast erblindet, ganz zurückgezogen in Wien, wo er 1859 starb. Seine Gattin, die Sopranistin Henriette Forti (* 1796 Wien, † 1818 Wien; eigentlich Henriette Theimer) sang in Wien zuerst am Theater an der Wien, dann wie ihr Gatte an der Hofoper im Theater am Kärntnertor und kam dort ganz jung zu einer glänzenden Karriere in leichteren Sopranpartien, starb jedoch mit nur 22 Jahren.

 

9.6. Nino PICCALUGA: 125. Geburtstag

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 Er debütierte 1918 am Teatro Coccia von Novara als des Grieux in »Manon Lescaut« von Puccini und sang dann am Teatro Carlo Felice Genua und am Teatro Regio Parma. 1919 heiratete er die Sopranistin Augusta Concato (1895-1964), von der er sich später wieder trennte. Mit ihr zusammen trat er in den zwanziger Jahren an den großen italienischen Operntheatern auf. 1921 wirkte er am Teatro Verdi Triest in der Premiere der Oper »In Alto« von Gallignani mit, im gleichen Jahr gastierte er am Teatro Dal Verme Mailand in »Giulietta e Romeo« von Zandonai. Am Teatro Fenice Venedig trat er 1921 als Cavaradossi in »Tosca«, 1929 in der Oper »Rosmunda« von Trentimaglia, 1932 als Loris in »Fedora« von Giordano, 1933 als Paolo in »Francesca da Rimini« von Zandonai und 1934 als Lodovico in der Oper »La Baronessa di Carini« von Giuseppe Mulè auf. 1922 kam er zusammen mit seiner Gattin an die Mailänder Scala (Antrittsrolle: Luigi in »Il Tabarro« von Puccini). Dort sang er seit 1922 u.a. den Dimitrij im »Boris Godunow«, den des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut«, den Hagenbach in »La Wally« von Catalani und in der Premiere von Alfanos »La Leggenda di Sakùntala«. (Zuvor hatte er mit Augusta Concato zusammen am 10.12.1921 in Bologna in der Uraufführung dieser Oper gesungen). 1923 bereiste er Chile, Ägypten und Spanien, wo er vor allem in Barcelona auftrat, 1924 folgte eine Australien-Tournee. Er gastierte 1925 an der Oper von Monte Carlo als Pinkerton in »Madame Butterfly«, am Teatro Comunale Modena 1926 als des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut« und 1933 als Don José in »Carmen«. 1926 war er wieder in Chile zu Gast. Am Teatro Colón Buenos Aires hörte man ihn 1928 als Walther in Catalanis »Loreley« und in der Uraufführung der Oper »Frenos« von R.H. Espoile (19.6.1928). Er gastierte 1928 an der Oper von Rio de Janeiro als Don José und am Teatro Carlo Felice Genua als des Grieux in Puccinis »Manon Lescaut« sowie 1929 und 1934 an der Staatsoper von Budapest. 1930 nahm er an einer Nordamerika-Tournee mit der Columbia Grand Opera Company teil, die jedoch vorzeitig beendet wurde. Er gastierte am Teatro Politeama Genua 1931 als Manrico im »Troubadour« und als Canio im »Bajazzo«. In der Saison 1931-32 hörte man ihn bei der Italienischen Oper in Holland als Cavardossi, als Don José, als Canio und als Andrea Chénier von Giordano, 1934 gab er in Holland und Belgien Konzerte. Er gastierte in Frankreich, Spanien, Brasilien und Chile. Er sang an der Mailänder Scala in der Saison 1931-32 den Avito in Montemezzis »L’Amore dei tre Re«,  1933 in »Chowanschtschina« von Mussorgsky und in der Titelrolle der Oper »Don Giovanni« von Felice Lattuada sowie in der Uraufführung der Oper »Una Partita« von Zandonai. Der Komponist Riccardo Zandonai schätzte seine Stimme besonders und übertrug ihm gern Partien in seinen Opern, wie er denn überhaupt als vorzüglicher Interpret der veristischen Oper galt. 1934 war er am Teatro Ariosto in Reggio Emilia als Andrea Chénier zu Gast. 1936 gastierte er am Stadttheater von Bremen. 1936 musste er seine Karriere krankheitshalber weitgehend aufgeben, 1939 sang er nochmals am Teatro Puccini in Mailand den Don José. Er verbrachte seinen Lebensabend in der Casa di riposo Verdi in Mailand, wo er 1973 starb.

Schallplatten: Fonotipia (älteste Aufnahmen in akustischer Technik), Parlophon (ebenfalls akustische Aufnahmen), Columbia (akustische wie elektrische Aufnahmen), Pathé (1929 Mailand) und Homochord. Sein Name erscheint auf einigen Schallplatten-Etiketten als Filippo Piccaluga.

 

9.6. Carl NIELSEN: 150. Geburtstag

 Er war das siebte von zwölf Kindern eines armen Malers und Anstreichers, der jedoch auch Geige spielte. Er erhielt achtjährig von seinem Vater und einem Lehrer des Ortes Violinunterricht. Um eine Stelle im Militärorchester zu bekommen, lernte er Trompete und bekam dann auch mit 14 Jahren eine Stelle als Militärmusiker in Odense. Diese Kindheits- und Jugendjahre beschrieb er später in seinem autobiographischen Buch Min fynske barndom (Eine Kindheit auf Fünen) (1927). 1883 wurde ihm ein Studium in Kopenhagen ermöglicht. Er studierte am Königlichen Konservatorium im Hauptfach Violine, andere Fächer unter anderem bei Niels Wilhelm Gade und Johann Peter Emilius Hartmann. 1888 hatte er seinen ersten Erfolg als Komponist mit der Kleinen Suite für Streicher op.1. 1889 wurde er Violinist am Königlichen Theater in Kopenhagen und konnte durch ein Stipendium 1890 seine Studien in Deutschland fortsetzen. 1891 lernte Nielsen in Paris die Bildhauerin Anne Marie Bordersen kennen, die er im selben Jahr heiratete. Die Ehe hielt bis zu seinem Tod, durchlebte aber auch einige Krisen. 1892 entstand die erste Sinfonie, 1898 der Hymnus Amoris, eine Liebeserklärung an seine Frau. 1902 debütierte Nielsen bei der Uraufführung seiner Oper Saul und David als Dirigent. Im selben Jahr erschien seine zweite Sinfonie Die vier Temperamente.

1903 reiste er mit seiner Frau nach Griechenland, wo die Helios-Ouvertüre entstand. 1905 kündigte Nielsen seine Stelle als Violinist, wirkte aber als Dirigent noch 1906–14 am Königlichen Theater, danach beim Kopenhagener Musikverein. 1906 hatte die heitere Oper Maskerade, nach einer Komödie von Ludvig Holberg, Premiere. Sie wurde später zur „heimlichen Nationaloper“ Dänemarks. Doch erst die 1912 uraufgeführte dritte Sinfonie Sinfonia espansiva und sein Violinkonzert aus dem gleichen Jahr brachte ihm größere Anerkennung, welche bis ins Ausland reichte. Während der Jahre des Ersten Weltkriegs, in denen er die vierte Sinfonie Das Unauslöschliche schrieb, erlebte Nielsen berufliche und persönliche Krisen. Er überwand sie erst mit der fünften Sinfonie sowie der Kantate Frühling auf Fünen, einem in Dänemark sehr beliebten Werk, welche beide 1922 uraufgeführt wurden. Im selben Jahr gab er mit den Komponistenkollegen Thorvald Aagaard, Thomas Laub und Oluf Ring das Liederbuch Folkehøjskolens Melodibog heraus. Und ebenfalls 1922 schrieb Nielsen für fünf Musikerfreunde ein Bläserquintett, plante darüber hinaus sogar, für jeden ein Solokonzert zu komponieren. Entstanden sind nur zwei Werke, das Flötenkonzert (1926) und das Klarinettenkonzert (1928). 1925, zu seinem 60. Geburtstag, wurde Carl Nielsen wie ein Volksheld gefeiert. Seine Auftritte als Dirigent im Ausland nahmen zu. In seinen späten Werken, wie den beiden Bläserkonzerten, der eigenwilligen sechsten Sinfonie (1925) und den Drei Klavierstücken op.59 (1928), wurde Nielsens Tonsprache immer moderner. Sein letztes großes Werk war Commotio (1931), seine einzige größere Orgelkomposition. Am 3. Oktober 1931 starb der bedeutende dänische Komponist an Herzversagen in Kopenhagen. Nach ihm wurde das Carl Nielsen Museum in Odense benannt.

 

9.6. Albéric MAGNARD: 150. Geburtstag

 Er war Sohn von Francis Magnard (1837–94), Bestsellerautor und Herausgeber von Le Figaro. 1869 verlor er seine Mutter durch Selbstmord. Nach dem Militärdienst und einem Abschluss der juristischen Fakultät ging er an das Pariser Conservatoire, wo er ab 1886 Kontrapunkt bei Théodore Dubois studierte und in die Klasse von Jules Massenet kam. 1888 erhielt er einen ersten Preis in Harmonielehre. Dort traf er auch auf Vincent d‘Indy, bei dem er privat 1888-92 Jahre Fugenlehre und Orchestrierung studierte; Magnards erste beide Sinfonien entstanden unter der Anleitung von d’Indy, die 1. Sinfonie c-Moll ist ihm gewidmet.

Zur selben Zeit veröffentlichte er scharfzüngige Musikkritiken in Le Figaro, mit denen er sich viele Gegner schuf. Andererseits lehnte er es ab, von den sozialen Beziehungen seines Vaters zu profitieren. Nach dem Tod des Vaters 1894 (dessen Andenken er Chant Funèbre op. 9 widmete) verlor er auch diese literarische Plattform. 1896 heiratete Magnard Julie Creton. 1896/97 erteilte er Kontrapunktunterricht an der 1894 von d’Indy mitgegründeten Schola Cantorum und schrieb seine 3. Sinfonie b-Moll. Etwa um diese Zeit begann sich Magnards Gehör zu verschlechtern. Dies, und jahrelange künstlerische Enttäuschungen dürften zu seiner zunehmenden Verbitterung und Vereinsamung beigetragen haben. Durch das Vermögen seines Vaters war er finanziell gesichert: Unabhängig, auf keine musikalischen Kompromisse angewiesen und auch nicht dazu bereit, hatte er jahrelang größte Schwierigkeiten, seine Kompositionen zur Aufführung zu bringen. Sein Freund Guy Ropartz, seit 1894 Leiter des Konservatoriums in Nancy, führte mehrere seiner Werke auf. 1899 veranstaltete Magnard ein Konzert ganz auf eigene Kosten, 1902 begann er, seine Werke auch selbst zu drucken (opus 8 bis opus 20), was zu großen Verlusten beim Brand seines Hauses 1914 führen sollte. In der Dreyfus-Affäre stellte sich Magnard auf die Seite von Émile Zola und komponierte in diesem Zusammenhang 1902 das Orchesterwerk Hymne à la Justice. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs schickte Magnard seine Frau mit den beiden Töchtern an einen sicheren Ort, während er auf dem von ihm seit 1904 bewohnten Anwesen Manoir de Fontaines in Baron blieb. Als am 3. September 1914 eine deutsche Aufklärungspatrouille es betrat, schoss er auf sie und tötete einen Soldaten. Die deutschen Soldaten feuerten zurück und setzten das Haus in Brand. Magnard kam dabei um, sein Körper konnte in der Ruine später nicht mehr identifiziert werden. Das Feuer zerstörte auch Magnards unveröffentlichte Partituren, etwa die frühe Oper Yolande, zwei Akte von Guercœur sowie einen später komponierten Liederzyklus. Ropartz, der 1908 Guercœur aufgeführt hatte, rekonstruierte aus dem Gedächtnis die verlorenen Akte und führte das Werk ab 1931 mehrfach erneut auf. 

Magnards Stil besitzt Beziehungen zu seinen französischen Zeitgenossen, so in der Affinität zu modalen Wendungen zu Gabriel Fauré, in der Vorliebe für Kanons, Choräle und Fugen zu César Franck. Die Neigung zu rhythmisch-metrischen Wechseln und Überlagerungen verweist auf Claude Debussy und Maurice Ravel, allerdings lehnte Magnard den auf Farbwirkungen setzenden Impressionismus ab, bevorzugte eine schmucklos-sachliche Satzweise und fühlte sich der Klassik Beethovens verpflichtet. Zuweilen, so in den Sinfonien, gibt es Passagen, die an Gustav Mahler gemahnen. Die gelegentliche Verwendung von Chorälen brachte ihm auch das Attribut eines „französischen Bruckners“ ein. Allerdings entspricht Magnards Handhabung der zyklischen Form mehr derjenigen von Franck als von Bruckner. In seinen Opern wandte Magnard die Leitmotiv-Technik Richard Wagners an.

Magnards erhaltenes Œuvre ist nicht sehr umfangreich. Die Zahl der veröffentlichten Werke liegt nur knapp über 20, darunter sind 3 Opern und 4 Sinfonien. Auch wenn Magnard ein Außenseiter des Musikbetriebs blieb, zählen zumindest die beiden erhaltenen Opern, die 3. und 4. Sinfonie sowie die Violinsonate und das Streichquartett zu den herausragenden Werken der französischen Musikgeschichte um 1900.

 

9.6. Kaiser Leopold I.: 375. Geburtstag

 Er war ein begabter Komponist und Musikliebhaber, der mehrere Instrumente spielte und sein Kammerorchester selbst dirigierte. Er hinterließ über 230 Kompositionen verschiedenster Art, von kleineren geistlichen Kompositionen und Oratorien über Ballette bis hin zu deutschen Singspielen. Vor allem förderte er die italienische Musik, insbesondere die Italienische Oper. Dennoch ernannte er als ersten Nicht-Italiener Johann Heinrich Schmelzer zum kaiserlichen Hofkapellmeister. Auch literarisch spielten italienische, oft religiös gefärbte Einflüsse eine wichtige Rolle. Im Jahr 1659 ließ er ein Hoftheater errichten, das später mehrfach erneuert wurde. Er starb 1705 in Wien.

Ausführliche Biographie über Kaiser Leopold I.: http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_I._(HRR)

 

10.6. Zbyněk VOSTŘÁK: 95. Geburtstag

 Er studierte 1939-43 am Prager Konservatorium Dirigieren bei Pavel Dedecek und nahm zugleich (1938-45) privaten Kompositionsunterricht bei Rudolf Karl. Außerdem war er 1943-45 Perkussionist des Rundfunksinfonieorchesters. 1945-48 unterrichtete er am Prager Konservatorium und war (1946-47) Dozent für Partiturlesen an der Kunstakademie. Später wirkte er als Dirigent an der Oper von Ústí nad Labem und am Nationaltheater in Prag. Ab 1963 bis zur Auflösung 1973 leitete er das Ensemble Musica viva Pragensis, mit dem er zeitgenössische tschechische Musik bei internationalen Festivals vorstellte. 1965 und 1966 nahm Vostřák an den Darmstädter Ferienkursen teil. An den Weltmusiktagen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik 1969 in Hamburg wirkte er als Juror und Dirigent eigener Werke mit. Nachdem sein Ensemble Musica viva aufgelöst wurde und seine Werke von der offiziellen Kulturpolitik in Prag als „mysteriös“ boykottiert wurden, zog sich Vostřák zurück und widmete sich ganz der Komposition. Für die Wittener Tage der Neuen Musik 1980 und 1985 erhielt er Kompositionsaufträge des WDR. Seit Anfang der 1960er Jahre begann Vostrak in seinen Werken das Zwölftonsystem und serielle Techniken einzusetzen. Ab dem Ende der 1960er Jahre widmete er sich auch der elektroakustischen Musik und der Musique concrète. Mitte der 1970er Jahre entwickelte er eine eigene Kompositionstechnik in Auseinandersetzung mit Daniel Brozáks Konzept der Intervalltonarten und strukturellen Harmonie. Zbyněk Vostřák starb 1985 in Strakonice.

 

10.6. Inia TE WIATA: 100. Geburtstag

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 Er gehörte der Maori-Volksgruppe auf Neuseeland an und erhielt seine Ausbildung zum Sänger seit 1947 am Trinity College London. 1950-54 trat er an der Covent Garden Oper London auf. Hier sang er in dieser Zeit in den Uraufführungen der Opern »The Pilgrims Progress« von Vaughan Williams (26.4.1951 den John Bunyan), »Billy Budd« von Benjamin Britten (1.12.1951 den Dansker) und »Gloriana«, ebenfalls von B. Britten (8.6.1953 zur Krönung von Königin Elizabeth II. den Ballad Singer). Dann wandte er sich dem Musical zu und erschien u.a. sehr erfolgreich am New Yorker Broadway in »The most happy fella«; in diesem Musical trat er dann auch 1960 in London auf. 1962 trat er bei der Sadler’s Wells Opera London als Trinity Moses in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill auf. In den Jahren 1964-70 war er wieder an der Covent Garden Oper London anzutreffen; hier sang er jetzt 1970 in der Uraufführung von Richard Rodney Bennetts Oper »Victory«. Er wirkte 1965 bei der London New Opera Company in der englischen Erstaufführung von Prokofieffs »The Fiery Angel« (als Großinquisitor) mit. 1969 sang er an der Covent Garden Oper in der englischen Erstaufführung der Oper »Hamlet« von Humphrey Searle. Er unternahm Tourneen durch die Sowjetunion (1962), durch Israel (1966) und Japan (1970), gastierte bei der Scottish Opera Glasgow (1951 als Bartolo in »Le nozze di Figaro«, 1952 als Dansker und als Bunyan in »The Pilgrims Progress«, 1953 und 1967 als Colline in »La Bohème«, 1963 als Osmin in der »Entführung aus dem Serail« und 1967 als Don Alfonso in »Così fan tutte«) und im englischen Fernsehen. Auf der Bühne hörte man ihn u.a. als Sarastro in der »Zauberflöte«, als Pimen im »Boris Godunow« und in vielen anderen Rollen; dazu war er als Konzertsänger tätig. 1965 sang er in seiner neuseeländischen Heimat den Porgy in Aufführungen von Gershwins Oper »Porgy and Bess«. Bei der New Zealand Opera Company hörte man ihn 1968-69 als Osmin. Er trat auch in Filmen auf und betätigte sich als Bildschnitzer im Maori-Stil. Er erkrankte 1971 ganz plötzlich in London während einer Probe zu »Boris Godunow« und starb kurz darauf. – Seine Gattin Beryl Margaret McMillan-Te Wiata veröffentlichte eine Biographie des Künstlers.

Schallplatten: Nixa, Kiwi-Pacific (Recital mit Opernarien und Maori-Gesängen).

 

10.6. Therese ROTHAUSER: 150. Geburtstag

 Sie war die Tochter eines Budapester Kaufmanns und erhielt ihre Gesangsausbildung durch Emmerich Bellovicz in Budapest. Schwester des Schauspielers Eduard Rothauser (1876-1956). Sie trat zuerst als Konzertsängerin, vor allem als Oratoriensolistin, auf und kreierte u.a. in Leipzig einige Lieder von Gustav Mahler. 1887 wurde sie an das Opernhaus von Leipzig verpflichtet, wo sie in der Oper »Die Loreley« von Max Bruch debütierte. Am 20.1.1888 sang sie dort in der Uraufführung von Webers »Die drei Pintos« in der Neu-Bearbeitung des Fragments durch G. Mahler. 1889 wurde sie Mitglied der Berliner Hofoper, an der sie länger als 25 Jahre auftrat. Hier sang sie 1892 in der Uraufführung von Felix von Weingartners Oper »Genesius«, 1898 in der von »Don Quixote« von W. Kienzl, 1899 in »Mudarra« von Fernand Le Borne, 1900 in der Uraufführung der Oper »Kain« von Eugen d’Albert, 1910 in der von »Poia« des amerikanischen Komponisten Arthur Nevin, 1907 in der deutschen Premiere von Puccinis »Madame Butterfly« die Partie der Suzuki, 1911 in der denkwürdigen Berliner Erstaufführung des »Rosenkavalier« die Rolle der Annina, 1913 die Bostana in einer glänzenden Inszenierung der Oper »Der Barbier von Bagdad« von Cornelius. Man schätzte sie vor allem als Mozartsängerin (Cherubino, Donna Elvira, Dorabella), aber auch als Orlofsky in der »Fledermaus«, als Amneris in »Aida« und als Hänsel in »Hänsel und Gretel«. 1890 ließ Kaiser Wilhelm II. ihr nach einer »Carmen«-Aufführung eine kostbare Saphirbrosche überreichen. Bei Gastspielen war sie an den großen deutschen Theatern erfolgreich. Nach Abschluss ihrer aktiven Sängerlaufbahn wirkte sie in Berlin als Pädagogin. Als Jüdin wurde die Künstlerin in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, schließlich verhaftet und (im Alter von 78 Jahren) mit dem Transport I/49 am 21.8.1942 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, wo sie im April 1943 umgekommen ist.

Schallplatten: Columbia (Berlin, 1904-05), eine HMV-Platte.

 

10.6. Joseph DAUSSOIGNE-MÉHUL: 225. Geburtstag

 Der Neffe und spätere Adoptivsohn von Étienne-Nicolas Méhul wurde im Alter von sieben Jahren von seinem Onkel nach Paris geholt um seine musikalische Begabung zu fördern. Im Alter von 9 Jahren kam Joseph Daussoigne ans Pariser Konservatorium, in die Klavierklasse von Louis Adam und wurde von Charles-Simon Catel in Harmonielehre unterrichtet. Luigi Cherubini und sein Onkel unterrichteten ihn in Komposition. 1803 wurde er Repetitor am Konservatorium und 1807 bewarb er sich ein erstes Mal beim Prix de Rome, wo er mit seiner Kantate Ariane à Naxos den zweiten Preis errang. 1809 gewann er mit der Kantate Agar dans le désert den premier grand Prix de Rome. Mit dem Preisgeld verbunden, war ein mehrjähriger Bildungsaufenthalt in Rom, die Zeit von Februar 1811 bis Ende 1813 verbrachte er in der Villa Medici, dem Sitz der Académie de France à Rome. 1814 wurde er Professor für Harmonielehre für die neu gegründete Damenklasse am Pariser Konservatorium. 1820 wurde in Paris seine komische Oper Aspasie et Pericles uraufgeführt. Er vollendete auch die im Fragment gebliebene Oper Valentine de Milan seines Onkels Étienne-Nicolas Méhul, die mit großem Erfolg aufgenommen wurde, außerdem komponierte er die Musik zu den ursprünglich gesprochenen Rezitativen zu dessen Oper Stratonice. Beim Wiener Kongress wurden die Habsburgischen Niederlande dem Königreich der Niederlande einverleibt. König Wilhelm I. errichtete daraufhin in seinem Land vier königliche Musikschulen, so in Amsterdam, Den Haag, Brüssel und in Lüttich. Auf Empfehlung Cherubinis übertrug der König Daussoigne 1827 die Leitung der königlichen Musikschule Lüttich, die mit 10 Professoren und 35 Studenten ihre Arbeit aufnahm. Daussoigne selber übernahm die Fächer Harmonielehre und Komposition. Nach der belgischen Revolution und der Thronbesteigung des ersten belgischen Königs Leopold I. erfolgte 1831 die Umbenennung der Musikschule, in Conservatoire Royal de Musique. Durch einen Beschluss vom 12. August 1845 erhielt er die Genehmigung, zu Ehren seines Onkels den Doppelnamen Daussoigne-Méhul zu tragen. 1846 wurde er in die Académie royale de Belgique aufgenommen, für die er bis zu seinem Ableben zahlreiche Veröffentlichungen machte. Bereits seit 1834 war er korrespondierendes Mitglied der Académie des Beaux-Arts in Paris. Per Königlichem Erlass vom 13. Oktober 1859 erhielt er für seine Verdienste den Leopoldsorden (Kommandeur). Bis 1862 leitete Daussoigne das Konservatorium von Lüttich. In dieser Zeit zählten unter anderem Césare Franck, Adolphe Samuel, die Violinisten Martin Marsick und Francois Prume, sowie Daussoignes Nachfolger Étienne Soubre zu den Schülern. Joseph Daussoigne-Méhul starb 1875 in Lüttich.

 

11.6. Natale VILLA: 125. Geburtstag

 Sein Vater Francesco Villa (1861-1944) war wie er ein Tenor und wirkte während 40 Jahren als Chorist am Teatro Regio Turin. Er selbst arbeitete zunächst als Mechaniker bei den FIAT-Automobilwerken in Turin. Nachdem man seine Stimme entdeckt hatte, wurde diese durch Maestro Perigozzo am Liceo Musicale Turin ausgebildet. 1919-24 sang er kleinere, gelegentlich auch größere Partien am Teatro Regio seiner Heimatstadt Turin; 1922 wirkte er hier in der Uraufführung der Oper »La Figlia del Re« von Adriano Lualdi mit.

1925 holte ihn Arturo Toscanini an die Mailänder Scala. Hier sang er gleichfalls Comprimario-Rollen aus allen Bereichen der Opernliteratur. Länger als zwanzig Jahre gehörte er als ganz unentbehrliches Ensemblemitglied diesem großen Opernhaus an. 1928 wirkte er bei den Festspielen in der Arena von Verona mit, 1929 nahm er an dem Gastspiel der Mailänder Scala in Berlin unter A. Toscanini teil. Auch im italienischen Rundfunk (EIAR, später RAI) hat er seine Partien in zahlreichen Opernsendungen vorgetragen. Er starb 1967 in Turin.

Comprimario-Partien sang er in den Jahren um 1930 auch in vollständigen Schallplattenaufnahmen der Opern »La Traviata«, »Manon Lescaut« von Puccini und »Andrea Chénier« von Giordano, die bei Columbia herauskamen.

 

11.6. Luigi GATTI: 275. Geburtstag

 Er wurde als Sohn des Organisten Francesco della Gatto in Lazise geboren. Seine Ausbildung erhielt er in Mantua, wo er zum Priester geweiht wurde und Tenor an der Kirche Santa Barbara war. Der Kapellmeister Giovanni Battista Pattoni (1713–73) erwähnte ihn 1768 als einen als „zuverlässigen Tenor,…guten Organisten und Komponisten“. Auch seine erste Oper Alessandro nell‘Indie wurde in Mantua aufgeführt. 1770 begegnete Gatti der Familie Mozart auf deren ersten Italienreise und kopierte eine von Wolfgang Amadeus Mozarts Messen. Seit dem Tode von Hofkapellmeister Giuseppe Lolli (1701–78) suchte Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo (1732–1812) in allen italienischen Städten sowie in Wien, Prag und Königgrätz nach einem Nachfolger, und da Ferdinando Bertoni (1725–1813) nicht zur Verfügung stand, wurde (über Empfehlung von Anton Theodor von Colloredo-Waldsee-Mels, Erzbischof von Olmütz) 1783 Luigi Gatti (letzter) fürsterzbischöflicher Hofkapellmeister in Salzburg. Die Folge war eine gewisse Missstimmung mit Leopold Mozart, dessen Bewerbung für diese Position abgelehnt worden war. Zwischen 1801 und 1803 half Gatti Wolfgang Amadeus Mozarts Schwester Nannerl bei der Suche nach bis dahin unbekannten Werken Mozarts. In diesem Zusammenhang korrespondierte er bis 1804 mehrmals mit dem Verlag Breitkopf & Härtel. Es war seinerzeit durchaus üblich, Teile aus populären Opern mit einem geistlichen Text zu unterlegen, was im 18. Jahrhundert als wenig anstößig galt und eher als eine Aufwertung der Musik verstanden wurde. So stellte Gatti, indem er Teile von Joseph Haydns Oratorium Die Schöpfung umarbeitete, seine Schöpfungsmesse zusammen. Zu Lebzeiten Gattis wurden nur wenige Werke veröffentlicht, obwohl in den Salzburger Archiven zahlreiche Manuskripte und Abschriften vorhanden waren. Luigi Gatti verstarb am 1. März 1817 und wurde auf dem Sebastiansfriedhof, Salzburg, begraben.

 

12.6. Edith DELLA PERGOLA: 100. Geburtstag  

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 Sie erhielt ihre Ausbildung in Bukarest durch den Pädagogen und Tenor Luciano della Pergola (1910-91), den sie 1935 heiratete. Sie ging dann zur weiterführenden Ausbildung nach Florenz und debütierte dort 1939 als Mimi in »La Bohème«. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam sie nach Rumänien zurück, trat an der Nationaloper von Bukarest auf und war zusammen mit ihrem Ehemann als Pädagogin in der von diesem eingerichteten privaten Musikschule in Bukarest tätig. Sie verließen beide 1947 Rumänien, und nun gab sie Gastspiele an zahlreichen Bühnen in Italien, u.a. 1950-52 am Teatro San Carlo Neapel. Sie gastierte auch in Österreich, wo sie in der Spielzeit 1947-48 an der Staatsoper von Wien als Amelia in Verdis »Maskenball«, als Aida und als Tosca auftrat, an den Opernhäusern von Zürich und Frankfurt a.M., an der Staatsoper von München, in Brüssel und Antwerpen. Das Sängerehepaar wanderte Mitte der fünfziger Jahre nach Kanada aus, wo Edith della Pergola noch als Sängerin und als Pädagogin wirkte. Sie starb 2009 in Montreal.

 

13.6. Mario CARLIN: 100. Geburtstag

 Seine Stimme wurde in Triest und Mailand ausgebildet. 1942 sang er als Debütrolle an der Oper von Triest den Herzog im »Rigoletto«. Nachdem er an den italienischen Provinzbühnen, zum Teil in tragenden Rollen, aufgetreten war, kam er 1947 an die Mailänder Scala, an der er als Cassio im »Otello« debütierte. Hier spezialisierte er sich auf mittlere und kleinere Partien, in denen er sich als hervorragender Sänger und Darsteller erwies. Sein Bühnenrepertoire, das er in den folgenden 30 Jahren vortrug, umfasste mehr als 200 Rollen. So hörte man ihn an der Scala bis 1958 u.a. als Boten in »Aida«, als Roderigo in Verdis »Otello«, als Giuseppe in »La Traviata«, als Tancredi in Monteverdis »Il Combattimento di Tancredi e Clorinda«, als Bärendompteur in Rimsky-Korssakows »Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch«, als einen der Knappen im »Parsifal«, als Ovlur in Borodins »Fürst Igor«, als Wagner in A. Boitos »Mefistofele«, als einen der Philister in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, als Kellner in »Leonore 40/45« von R. Liebermann, als Normanno in »Lucia di Lammermoor«, als Perrot in »Johanna auf dem Scheiterhaufen« von Honegger, als Mr. Triquet in »Eugen Onegin«, als jungen Diener in »Elektra« von R. Strauss, als Filipeto in E. Wolf-Ferraris »I quattro rusteghi«, als Abate in »Andrea Chénier« von Giordano, als Dancairo in »Carmen«, als Agrippa in Prokofieffs »L’Ange de Feu«, als Tanzmeister in Puccinis »Manon Lescaut«, als Abbé in »Adriana Lecouvreur« von Cilea und als Goro in »Madame Butterfly«. Am 2.1.1955 wirkte er hier in mehreren Partien in der Uraufführung der Oper »David« von D. Milhaud mit. Er gastierte mehrfach, zum Teil mit dem Ensemble der Scala, in Italien wie im Ausland. So sang er 1957 an der Staatsoper Wien (den Boten in »Aida«), 1959 an der Oper von Tel Aviv (den Dr. Cajus im »Falstaff« von Verdi), 1968 beim Wexford Festival; auch am Teatro San Carlo Neapel, am Grand Théâtre Genf (1964 als Goro in »Madame Butterfly«), bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom und beim Maggio Musicale von Florenz (1948, 1966, 1973 u.a. als Schreiber in »Chowanschtschina« von Mussorgsky) als Gast aufgetreten. Er gastierte bei den Bregenzer Festspielen 1959 (als Tancredi in Monteverdis »Il Combattimento di Tancredi e Clorinda« und als Spiridione in Donizettis »Il Campanello«) und 1968 (als Bardolfo im »Falstaff« von Verdi), 1961 beim Holland Festival, 1965 in Amsterdam, 1951 in Rio de Janeiro. Am 14.9.1955 wirkte er am Teatro Fenice Venedig in der szenischen Uraufführung der Oper »L’Ange de Feu« von Prokofieff mit. Bei den Festspielen von Glyndebourne sang er 1958 und 1960 den Bardolfo. Er sang auch an Häusern wie dem Teatro Comunale Bologna, dem Teatro Fenice Venedig, dem Teatro Regio Parma, dem Teatro Massimo Palermo, dem Teatro Verdi Triest und beim Spoleto Festival. Seine Karriere dauerte lange; an der Scala trat er noch 1967 als einer der Soldaten in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«, 1970 als Liverotto in Donizettis »Lucrezia Borgia« und zuletzt 1972 als Goro auf. Aus seinem umfassenden Bühnenrepertoire seien noch der Jaquino im »Fidelio«, der Incredibile in »Andrea Chénier« von Giordano, der Baron Rouvel in »Fedora« von Giordano, der Harry in Puccinis »La Fanciulla del West« und der Rolla in »I Masnadieri« nachgetragen. Hoch geschätzt wurde er dazu als Interpret klassischer Barockmusik, die er gerne zusammen mit dem Mailänder Collegium Angelicum sang. Mit diesem Ensemble unternahm er auch eine Brasilien-Tournee. Er starb 1984 in Lavagna.

Schallplatten: Seine Stimme ist uns durch sehr viele vollständige Opernaufnahmen erhalten, in denen er kleinere Rollen singt, und die bei Cetra (»Un giorno di Regno« von Verdi, »Francesca da Rimini« von Zandonai), Gala (Riccardo in »I quattro rusteghi« von E. Wolf-Ferrari, Turin 1969), Myto (»Otello« von Verdi, RAI Turin), Standing Room Only (Beppe im »Bajazzo«), Nixa (»Mefistofele« von Boito, »Lucia di Lammermoor«), Decca (»Madame Butterfly«, »La Fanciulla del West« und »Turandot« von Puccini, »Otello« von Verdi), RCA und HMV erschienen sind. Noch 1974 sang er in einer integralen Aufnahme von »La Traviata« auf HMV.

 

13.6. Giovanni ALBINOLO: 150. Geburtstag

 Seine Stimme wurde in einem Chor entdeckt; 1896 kam es zu seinem Bühnendebüt am Teatro Piccinni von Bari in der Partie des Grafen Luna im »Troubadour« von Verdi. Er wurde bekannt als Titelheld in Verdis »Rigoletto«, vor allem aber als Jago in dessen »Otello«, den er im Verlauf seiner Karriere 400mal gesungen hat. 1899 hörte man ihn am Teatro San Carlo Neapel als Don Carlo in »Ernani«, als Grafen Luna im »Troubadour«, als Enrico in »Lucia di Lammermoor«, als Barnaba in »La Gioconda« von Ponchielli, als Germont-père in »La Traviata«, als Renato in Verdis »Un ballo in maschera« und, zusammen mit dem berühmten Tenor Francesco Tamagno, mit dem er befreundet war, in »Poliuto« von Donizetti. Er galt auch als großer Interpret der Baritonpartien in den damals aufkommenden Opern des italienischen Verismo. So sang er 1902 am Teatro Vittorio Emanuele von Turin in der Oper »A basso porto« von Spinelli die Rolle des Cicillo. An diesem Theater war er oft anzutreffen; hier wirkte er auch in mehreren Uraufführungen von Opern mit (»Il Battista« von Giocondo Fino 1906, »Margherita d’Orleans« von A. Restano 1897, »Suprema Via« von Radeglia 1902, »Dolorosa« von E. Sanchez 1911). Auch als Konzertsänger hervorgetreten. Er starb 1925 in Turin.

Schallplatten: Aufnahmen auf Anker (Duette mit Tina Alasia, um 1907).

 

13.6. Sarolta von RETTICH-PIRK: 150. Geburtstag

 Sie war die Tochter eines Kaiserlich österreichischen Regierungsrats und hieß mit eigentlichem Namen Karoline Krippel. Ihre Gesanglehrerin war die berühmte Louise Dustmann, dazu am Wiener Konservatorium Schülerin von Leo Friedrich. 1884 debütierte sie unter dem Namen Sarolta Pirk an der Wiener Hofoper. Hier sang sie 1884-85 das Ännchen im »Freischütz«, die Ianthe im Marschners »Vampyr«, die Natalie in Meyerbeers »Der Nordstern« und die >Marzellin im »Fidelio«. 1885 ging sie an das Deutsche Theater in Prag, wo sie als Sopranistin eine Vielfalt von Partien aus den Fachbereichen der Soubrette, des jugendlich dramatischen Soprans wie der Operette übernahm. 1887 sang sie in der Eröffnungsvorstellung des neuen Hauses des Deutschen Theaters Prag die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1894 wirkte sie dort in der Uraufführung der Oper »Donna Diana« von E.N. von Reznicek mit. Man bewunderte neben der Schönheit ihrer Stimme allgemein ihr temperamentvolles Bühnenspiel. Von den vielen Partien, die sie gesungen hat, sind der Cherubino in »Figaros Hochzeit«, die Pamina wie die Papagena in der »Zauberflöte«, die Marie in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, die Frau Fluth in O. Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Gretel in »Hänsel und Gretel«, der Waldvogel im »Siegfried«, die Zerline im Don Giovanni, die Adele in der »Fledermaus«, die Fiametta in »Boccaccio« von Franz von Suppé und die Bronislawa in Millöckers »Der Bettelstudent« zu nennen, dazu eine Vielzahl von Rollen in Singspielen, Possen und Sprechstücken (wie die Rosl im »Verschwender« von Raimund). 1897 gab sie ihr Prager Engagement auf und trat jetzt häufig im Konzertsaal in Erscheinung. 1898 ging sie für vier Jahre an das Wiener Kaiserjubiläumstheater, wo sie in Volksstücken und in musikalischen Possen mitwirkte. 1902 wechselte sie an das Theater an der Wien in der österreichischen Hauptstadt. Dort trat sie bis 1907 in Operetten auf, u.a. am 20.2.1903 in der Uraufführung der Operette »Bruder Straubinger« von E. Eysler. Seit 1886 war sie mit dem Legationsrat im Kaiserlich österreichisch-ungarischen Außenministerium Benno von Rettich-Wildenhorst verheiratet. Später war sie in Wien als Pädagogin tätig, wo sie 1948 starb.

 

13.6. Anton EBERL: 250. Geburtstag

 Sein Vater, Josef Eberl, war ein Beamter der kaiserlichen Verwaltung. Bereits als Kind tat sich Anton Eberl durch beachtliche Leistungen als Pianist hervor. Das erkannte auch der neun Jahre ältere Wolfgang Amadeus Mozart (1756-91). Von seinem Vater gedrängt nahm Eberl Ende der 1770er-Jahre ein Jurastudium auf, das er jedoch bald schon wegen dessen finanziellem Bankrott aufzugeben gezwungen war; hatte er das Klavierspiel schon während des Studiums nicht aufgegeben, so wandte er sich nun vollständig der Musik zu. Eberl wurde Mozarts Schüler und Freund. Und Eberls Werke befanden sich bald auf so hohem Niveau, dass sie oft unter Mozarts Namen veröffentlicht wurden. Zu Mozarts Tod (1791) komponierte Eberl die Trauerkantate „Bey Mozarts Grab“. Auch nach Mozarts Tod brach der Kontakt zu dessen Familie nicht ab. So begleitete Eberl im Winter 1795–96 Constanze Mozart und ihre Schwester Aloisia auf einer Konzertreise nach Hamburg und Leipzig. Am 28. März 1796 heiratete Eberl Anna Maria Scheffler und im selben Jahr brach er nach St. Petersburg auf, wo er am Zarenhof als Kapellmeister, Komponist, Klaviervirtuose und Musiklehrer der Zarenfamilie tätig war. Ab 1803 machte Eberl wieder in Wien von sich reden. Seine Oper Die Königin der schwarzen Inseln war zwar kein Erfolg beim Publikum, jedoch lobte Joseph Haydn die Musik. Eberl komponierte nun viel – und seine Werke kamen durchaus zu erfolgreichen Aufführungen. Sein Klavierkonzert in C-Dur op. 32 wurde von Eberl persönlich uraufgeführt, und als seine Symphonie in Es-Dur op. 33 im April 1805 zusammen mit Beethovens Dritter Symphonie (Eroica) aufgeführt wurde, bekam Eberls Symphonie die deutlich besseren Kritiken. Im Jahre 1806 stand Eberl auf dem Gipfel seines Ruhms. Tragischerweise starb er schon wenige Monate nach seiner Rückkehr nach Wien am 11. März 1807 an einer Blutvergiftung. Trotz seines kurzen Lebens komponierte Eberl zahlreiche Sonaten, vier Klavierkonzerte, fünf Symphonien, Lieder, Fantasien, Tänze und Variationen für Klavier, acht Bühnenwerke und vieles mehr. Stilistisch basiert seine Musik auf der Wiener Klassik, weist jedoch oft schon romantischer Merkmale auf, sie verweist also auf den Übergang von der Klassik zur Romantik.

 

15.6. Hans BRANDT: 125. Geburtstag

 Seine Ausbildung erfolgte durch Paul Kuhn und Wilhelm Hauschild in München sowie durch Hugo Rasch in Berlin. Er war in der Spielzeit 1913-14 an der Hofoper von München engagiert, wurde dann aber bis 1916 als Soldat im Ersten Weltkrieg eingezogen. 1916 setzte er seine Karriere am Hoftheater Hannover fort. An dieser Bühne wirkte er bis 1922. 1922-24 war er am Stadttheater von Basel, 1924-30 am Opernhaus von Frankfurt a.M. tätig, 1930-32 am Stadttheater von Mainz. 1935 wurde er als Oberspielleiter an das Staatstheater Schwerin berufen an dem er bis 1944 wirkte. In Frankfurt a.M. sang er in der Uraufführung von d’Alberts Oper »Der Golem« (14.11.1926) und in der deutschen Erstaufführung von »Die Sache Makropoulos« von Janácek (1929). In seinem Bühnenrepertoire fanden sich Partien wie der Ferrando in »Così fan tutte«, der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Baron Kronthal im »Wildschütz« von Lortzing, der Froh wie der Loge im »Rheingold«, der Don José in »Carmen«, der Titelheld in »Hoffmanns Erzählungen« und der Astrologe in »Der goldene Hahn« von Rimsky-Korssakow. Er war verheiratet mit der Konzertsopranistin Alice Rau (* 1893) und war auch selbst ein geschätzter Konzertsolist.

 

15.6. Albert VAGUET: 150. Geburtstag

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 Ausbildung am Conservatoire National de Paris durch Barbot, Obin und Ponchard. 1890 debütierte er an der Grand Opéra Paris als Faust von Gounod. Während seiner gesamten Karriere blieb er Mitglied dieses Hauses. Hier sang er eine Fülle von Partien und kreierte u.a. 1897 den David in der Erstaufführung der »Meistersinger von Nürnberg«, 1894 den Cassio in Verdis »Otello«, 1899 den Hylas in der Erstaufführung der Oper »Briseïs« von Chabrier, 1901 den Marcomir in »Les Barbares« von Saint-Saëns, 1899 den Titelhelden in einer aufsehenerregenden Aufführung der biblischen Oper »Joseph« von Méhul. 1893 wirkte er (wie auch seine Gattin) in der Uraufführung der Oper »Deïdamie« von Henri Maréchal mit. 1895 sang er an der Grand Opéra in der glanzvollen Wiederaufführung des »Tannhäuser« nach dem Debakel der Erstaufführung von 1861 den Titelhelden, 1900 nahm er an der Uraufführung der Oper »Lancelot« von F.L.R. Joncières teil. In seinem Repertoire fanden sich dazu Partien wie der Herzog im »Rigoletto«, der Fernand in »La Favorite« von Donizetti, der Lohengrin, die Titelpartien in »Salammbô« von Ernest Reyer und in »Robert le Diable« von Meyerbeer. Der Künstler, der mit der Sopranistin Alba Chrétien-Vaguet (1872-1963) verheiratet war, verlor durch einen Unfall 1903 ein Bein, wodurch seine Karriere als Opernsänger abrupt beendet wurde. Er trat jedoch noch als Konzert- und Schallplattensänger hervor und wirkte später als Pädagoge in Pau, wo er 1943 starb.

Die schöne Stimme des Künstlers mit ihrer hervorragenden Gesangtechnik und der Stilsicherheit ihres Vortrages ist auf zahlreichen Pathé-Platten erhalten, die fast ausschließlich nach der Aufgabe seiner Karriere in Paris entstanden sind. Die ersten Aufnahmen erschienen 1902 in Paris. 1928 kam eine letzte, bereits elektrisch aufgenommene Pathé-Platte heraus, die seine Stimme noch in ihrer ursprünglichen Schönheit präsentiert.

 

15.6. Paul GILSON: 150. Geburtstag

 1866 zog die elterliche Familie von Brüssel nach Ruisbroek im Brüsseler Umland. Dort erhielt er auch als kleiner Junge den ersten Musikunterricht in Klavier und etwas Harmonielehre vom Kloster-Organisten, dem Dirigenten des Kirchenchores und des örtlichen Fanfare-Orchesters Auguste Cantillon. Gegen 1880 schrieb er hier auch seine Erstlingswerke für Chor oder Fanfare-Orchester. Diese Nähe zum Chor und zum Blasorchester hat er nachher auch als Komponist beibehalten und sie ist auch in seinen symphonischen Werken spürbar. Landläufig wird er als Vater der belgischen Blasmusik bezeichnet, da er niveauvolle Werke für dieses Medium komponierte. Sein Studium absolvierte er am Konservatorium in Brüssel bei Francois Auguste Gevaert (1828–1908) Komposition und bei Charles Duyck Harmonielehre und Kontrapunkt. 1889 wurde er Preisträger des Prix de Rome mit seiner Kantate Sinai. Im Brüsseler Konzertleben hat er zum einen die Opern von Richard Wagner und zum anderen das farbenprächtige Orchesterspiel in den Werken der Komponisten der sogenannten Russischen Nationalschule (Nikolai Rimski-Korsakow, Alexander Glasunow und Alexander Skrjabin) kennen und schätzen gelernt. Mit César Cui (1835–1918) und dem Musikverleger Mitrofan Beljajew (1836–1904) pflegte er eine intensive Korrespondenz. Die drei zuvor genannten Komponisten besuchte er alle. 1899-1904 war er Professor für Harmonielehre am Konservatorium in Brüssel und bis 1906 am Konservatorium in Antwerpen. 1909 wurde er vom Kultusministerium zum Inspektor für den allgemeinen Musikunterricht in Belgien ernannt. Diese Position hielt er bis 1930 inne. 1924 gründete er zusammen mit Marcel Poot (1901–88) und Maurice Schoemaker (1890–1964) das Magazin La Revue Musicale belge. Bis zur letzten Ausgabe dieses Magazins im Dezember 1939 blieb er Chefredakteur. Er war der geistige Vater der Gruppe Les Synthétistes in der er ehemalige Studenten vereinte, um mit gebündelter Kraft dem Musikalltag fundierte zeitgenössische Werke einzuverleiben. Auch wenn die einzelnen Mitglieder dieser Gruppe (René Bernier, Francis de Bourguignon, Théo de Joncker, Marcel Poot, Maurice Schoemaker, Jules Strens und Robert Otlet) jeweils und mit unterschiedlicher Intensität das große Ziel nicht erreichten, so waren sie aber in aller Munde. Als Komponist zählt er zu den bekanntesten Belgiern. Sein Œuvre weist mehr als 100 Symphonische Werke aus. Unter Kennern gilt er als das Herz der romantischen, symphonischen Musiktradition in Belgien. Breite Lyrik, thematisches Denken und vor allen Dingen eine bemerkenswerte Beherrschung des Orchesterkolorits zeichnen sein Œuvre aus. Er starb 1942 in Brüssel.

 

16.6. Gladys KUCHTA: 100. Geburtstag

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 Ihre Familie war polnischer Herkunft. Sie erhielt ihre Ausbildung an der Mannes School und an der Juilliard School of Music sowie bei Zinaida Lisitchkina in New York. 1951 erhielt sie ein Stipendium für eine weiterführende Ausbildung in Italien. Sie debütierte 1952 am Teatro Comunale Florenz als Donna Elvira im »Don Giovanni«. Die gleiche Partie sang sie anschließend in Genua. 1952 gastierte sie am Opernhaus von Zürich als Elvira in Verdis »Ernani«. 1953 wurde sie an das Stadttheater von Flensburg verpflichtet, wo sie als erste Partie mit großem Erfolg die Leonore im »Fidelio« sang. 1954-58 war sie am Staatstheater von Kassel, seitdem am Deutschen Opernhaus Berlin engagiert. Hier hörte man sie u.a. als Daphne in der gleichnamigen Richard Strauss-Oper, als Ursula in »Mathis der Maler« von Hindemith (1959), als Elettra in »Idomeneo« von Mozart, als Euryanthe von Weber und als Marie im »Wozzeck« von A. Berg. Durch einen Gastspielvertrag war sie der Staatsoper von Stuttgart, seit 1965 auch der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg verbunden. An der Wiener Staatsoper gastierte sie 1958-64 in insgesamt sieben Vorstellungen zunächst als Chrysothemis, später in der Titelrolle in »Elektra« von R. Strauss, als Sieglinde in der »Walküre«, als Leonore im »Fidelio«, als Senta in »Der fliegende Holländer« und als Färberin in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss. 1961 debütierte sie an der Metropolitan Oper New York als Chrysothemis und sang dort 1961-65 und 1968 zwölf weitere Partien in insgesamt 34 Vorstellungen: die Sieglinde, die Elsa im »Lohengrin«, die Gutrune und später auch die Brünnhilde in der »Götterdämmerung«, die Senta, die Leonore im »Fidelio«, die Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, die Turandot in der gleichnamigen Puccini-Oper, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Titelrolle in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, die Aida und die Titelrolle in »Elektra« von R. Strauss. 1964-68 wirkte sie in den Aufführungen des Nibelungenrings an der Staatsoper von Stuttgart mit. 1968 gastierte sie als Brünnhilde in der »Walküre« an der Mailänder Scala. Sie sang bei den Festspielen von Bayreuth 1968 die Isolde in »Tristan und Isolde« sowie 1968-69 die Brünnhilde in der »Götterdämmerung«. 1960 hörte man sie an der Covent Garden Oper London als Chrysothemis, 1964 an der San Francisco Opera als Färberin und als Abigaille in Verdis »Nabucco«, 1963, 1965 und 1966 am Teatro Colón Buenos Aires, 1963 in Tokio als Isolde, 1965 in Philadelphia als Brünnhilde in der »Walküre«, 1967 an der Staatsoper Dresden als Turandot, 1970 an der Oper von Montreal als Leonore im »Fidelio«, 1969 an der Staatsoper München als Isolde, 1970 auch an der Königlichen Oper Stockholm. An der Oper von Rom übernahm sie 1960 die Donna Anna, 1967 die Brünnhilde im »Siegfried«, am Teatro Comunale Florenz 1965 die Turandot, an der Grand Opéra Paris 1967 die Isolde, 1969 die Turandot und die Färberin und 1972 die Kaiserin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss. Beim Festival von Edinburgh gastierte sie 1968 gemeinsam mit dem Ensemble der Hamburgischen Staatsoper als Elektra in der gleichnamigen Oper von R. Strauss. Sie verabschiedete sich 1975 an der Deutschen Oper Berlin als Isolde von der Bühne. Sie wirkte dann als Pädagogin an den Folkwang-Schulen in Essen. Zu ihren Schülern gehörten so bedeutende Sänger wie Albert Dohmen und Andreas Förster. Sie starb 1998 in Hamburg.

Schallplatten: MMS (Leonore im »Fidelio« mit Julius Patzak als Partner), Nonesuch, DGG.

 

16.6. Karl LIEBL: 100. Geburtstag

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Als Lohengrin

 Er wurde zunächst Volksschullehrer. doch wurde man schon während der Ausbildung für diesen Beruf auf seine Stimme aufmerksam. Während des Zweiten Weltkrieges leistete er Kriegsdienst und nahm 1945 seine Tätigkeit an einer Volksschule bei Aichach in Bayern auf. Zugleich studierte er jedoch Gesang bei Paul Bender (mit dessen Sohn er während des Krieges als Soldat gedient hatte) und bei Franz Hallasch in München sowie bei Albert Mayer in Augsburg. Erst im Alter von 35 Jahren wurde er als jugendlicher Heldentenor an das Stadttheater von Regensburg verpflichtet, wo er 1950 debütierte. Hier sang er u.a. den Riccardo im »Maskenball« und den Radames in »Aida« von Verdi und als erste Wagnerpartie den Siegmund in der »Walküre«. 1951 folgte er einem Ruf an das Staatstheater von Wiesbaden, an dem er eine sehr erfolgreiche Karriere hatte und bis 1969 immer wieder auftrat. Seine Stimme entwickelte sich allmählich zum Heldentenor, speziell für das deutsche und das Wagner-Fach. 1955-59 war er dem Opernhaus von Köln verbunden; hier sang er in der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Opernhauses 1957 dem Hüon im »Oberon« von Weber. 1956-60 gastierte er in 27 Vorstellungen an der Staatsoper von Wien, wo er als Tristan debütierte und weiter den Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Tannhäuser, den Siegmund, den Florestan im »Fidelio« und den Palestrina in der gleichnamigen Oper von H. Pfitzner sang. Außerdem sang er hier in der Premiere der Oper »Mathis der Maler« von Paul Hindemith unter der Leitung des Komponisten die Partie des Kardinals Albrecht von Brandenburg. 1957 gastierte er am Grand Théâtre Genf als Tristan. 1959 folgte er einem Ruf an die Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Lohengrin). Bis 1967 ist er dort in insgesamt 58 Vorstellungen außerdem als Tristan, als Erik in »Der fliegende Holländer«, als Siegmund, als Parsifal, als Ägisth in »Elektra« von R. Strauss, als Loge im »Rheingold«, als Siegfried in der »Götterdämmerung«, als Herodes in »Salome« von R. Strauss und als Stolzing aufgetreten. In der Spielzeit 1959-60 gastierte er am Opernhaus von Zürich als Lohengrin. Er trat als Gast an den Staatsopern von München, Stuttgart und Hamburg, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, in Amsterdam, Brüssel, Antwerpen, Bordeaux, Lyon, an der Covent Garden Oper London, an den Opern von Chicago, Baltimore, Kansas City und Toronto, in Venedig und Madrid auf. Seit 1967 wirkte er als Dozent für Musikerziehung an der Universität von Mainz. Er starb 2007 in Wiesbaden.

Schallplattenaufnahmen der kraftvoll geführten, heldischen Stimme des Sängers erschienen bei RCA (Erik in »Der fliegende Holländer«), HMV-Electrola (»Die Zauberflöte«), bei Melodram (»Tannhäuser«, Mitschnitt einer Aufführung in Rom von 1957) und bei MMS (Titelheld im »Lohengrin«, Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Hüon im »Oberon«).

 

16.6. Martha LEFFLER-BURCKHARD: 150. Geburtstag

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Als Ortrud

 Sie studierte bei Anna von Meichsner in Dresden und bei der berühmten Pauline Viardot-Garcia in Paris. Sie debütierte 1888 am Stadttheater von Straßburg. 1889-90 sang sie am Opernhaus von Breslau, 1891-92 am Opernhaus von Köln, 1892-93 mit bedeutenden Erfolgen bei einer Nordamerika-Tournee. Sie war 1894-98 am Stadttheater von Bremen engagiert, 1898-1900 am Hoftheater von Weimar, 1900-1913 am Hoftheater von Wiesbaden, 1913-18 an der Berliner Hofoper, 1918-19 am Deutschen Opernhaus Berlin. Hatte sie zu Beginn ihrer Karriere Partien für Koloratursopran gesungen, so wandte sie sich bald dem dramatischen und dem Wagner-Fach zu. Am Hoftheater von Weimar übernahm sie erstmals die Brünnhilde im Nibelungenring (seitdem neben der Isolde in »Tristan und Isolde« ihre große Glanzrolle). 1906 und 1908-09 sang sie in Bayreuth die Kundry im »Parsifal«, 1908 auch die Sieglinde in der »Walküre«, 1909 auch die Ortrud im »Lohengrin«. Beim Amsterdamer Wagnerverein gastierte sie als Isolde (1908, 1913), als Brünnhilde (1909, 1910) und als Kundry (1912). 1908 kam sie an die Metropolitan Oper New York, wo sie in insgesamt sechs Vorstellungen als Brünnhilde in der »Walküre« (ihre Antrittspartie), als Leonore im »Fidelio« und als Brünnhilde in der »Götterdämmerung« zu sehen war. Sie trat als Gast an den Hoftheatern von Dresden (1898), Hannover (1898) und Mannheim (1900, 1901), an den Opernhäusern von Leipzig (1903) und Frankfurt a.M. (1906), an der Wiener Volksoper (1906), am Stadttheater von Hamburg (1907), am Deutschen Theater Prag (1909) und am Hoftheater Karlsruhe (1910, 1912) auf. An der Covent Garden Oper London sang sie 1903 die Brünnhilde, 1907 die Isolde und die Leonore im »Fidelio«. Sie lebte später als Pädagogin in Berlin. Weitere Höhepunkte in ihrem Repertoire für die Bühne waren die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Selika in Meyerbeers »Afrikanerin«, die Leonore im »Troubadour«, die Titelrolle in Goldmarks »Königin von Saba«, die Martha im »Evangelimann« von W. Kienzl, die Pelagia in »Genesius« von Weingartner, die Titelfigur in Glucks »Armide«, die Senta in »Der fliegende Holländer« und die Rezia im »Oberon« von Weber. Sie war in erster Ehe mit dem Schauspieler und Regisseur Hermann Werbke (1854-1922) verheiratet. In Bremen heiratete sie in zweiter Ehe den Schauspieler Hermann Leffler (1864-1929). Sie starb 1954 in Wiesbaden.

Schallplatten: Vier Titel auf G & T (Lieder und der Walkürenruf aus der »Walküre« mit Klavierbegleitung), alle sehr selten.

 

16.6. Josef NEMESKEI: 150. Geburtstag

 Sein eigentlicher Name war Franz Josef Nebenzahl. Er trat im Verlauf seiner Karriere an deutschen und Schweizer Bühnen als Tenor-Buffo auf und betätigte sich gleichzeitig als Regisseur. Bereits in der Saison 1886-87 erscheint er am Operettentheater Paradies in Moskau in kleinen Rollen. Er war dann 1888-89 am Lobethater Breslau, 1889-91 als Sänger wie als Regisseur am Theater von Stralsund, 1891-92 am Theater von Zittau, 1892-93 als Sänger und Regisseur am Stadttheater von Bern (Schweiz), 1893-97 am Stadttheater von Basel, 1897-1908 dann am Theater von Nürnberg (auch dort als Sänger und Regisseur) engagiert, wo er sehr beliebt war. 1908-13 wirkte er am Stadttheater von Stettin, lebte dann aber wieder in Nürnberg. Man schätzte neben seinen Leistungen als Sänger sein humorvolles, gewandtes Bühnenspiel in seinen Charakter- und Bufforollen. Er starb 1916 in Nürnberg. – Er war verheiratet mit der Sängerin Emma Rotter († 1947). Diese war 1889-90 am Theater von Troppau (Opava), 1890-91 am Stadttheater von Rostock, 1891-92 am Stadttheater von Lübeck, 1893-95 am Stadttheater von Basel, 1895-97 in Augsburg und 1897-99 am Stadttheater von Nürnberg engagiert. Aus ihrer Ehe mit Josef Nemeskei stammten eine Tochter, Johanna Amalia Nemeskei (* 15.8.1898), die als Sopranistin in Soubrettenpartien (u.a. 1919-20 in Regensburg und 1920-23 in Würzburg) auftrat, und ein Sohn Franz Nemeskei (* 4.1.1897 Augsburg, † 27.8.1975 Nürnberg), der Pianist wurde und als Musikleiter zusammen mit der Braun’schen Marionettenbühne in München und bei deren Gastspielen (u.a. in Holland) hervortrat.

 

17.6. Florence COLE-TALBERT: 125. Geburtstag

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 Vater und Mutter der farbigen Künstlerin betätigten sich als Sänger. Sie studierte Klavierspiel und konnte bereits im Alter von zwölf Jahren ihre Mutter, eine Mezzosopranistin, bei Konzerten begleiten. Ihre Familie verzog nach Kalifornien, wo sie zuerst bei Gloria Mayne Windsor, dann an der University of Southern California bei Mrs. Rockhold-Robinson studierte. Sie trat dem Chor der Jubilee Singers bei, mit dem sie Tourneen in den USA unternahm. Sie heiratete den Jazzbandleader und -pianisten Wendell Talbert, trennte sich aber 1915 von diesem und verließ die Jubilee Singers. Sie nahm nochmals ein Studium am Chicago Musical College auf und studierte auch bei Oscar Saenger in New York. Nachdem sie Konzerte in Chicago, Detroit, Los Angeles und 1918 in der Aeolian Hall New York gegeben hatte, ging sie 1925 nach Europa und vervollständigte ihre Ausbildung bei Delia Valeri, Vito Carnevale und anderen Pädagogen in Italien. 1927 debütierte sie am Teatro Comunale in Cosenza als Aida und trat an kleineren italienischen Bühnen auf. 1927 gab sie nach ihrer Rückkehr in die USA ein erstes, sehr erfolgreiches Konzert in New York und wurde jetzt eine der bekanntesten farbigen Sängerinnen in ihrer amerikanischen Heimat. Seit 1930 war sie als Pädagogin am Bishop College in Marshall/Texas tätig. Nachdem sie im August 1930 Dr. Benjamin F. McCleave geheiratet hatte, verzog sie nach Memphis und übte ihre Lehrtätigkeit weiter am Tuskegee Institute (Alabama) und an der Fisk University in Nashville (Tennessee) aus. 1953 wurde sie durch die National Negro Opera Company Foundation in besonderer Weise geehrt. Sie starb 1961 in Memphis (Tennessee).

Schallplatten: Einige wenige akustische Aufnahmen auf Broome und Black Swan Records sowie auf Paramount vom Beginn der zwanziger Jahre.

 

19.6. Hugh THOMPSON: 100. Geburtstag

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 Er war zuerst Journalist und Musikkritiker an einer New Yorker Zeitung, entschloss sich dann jedoch seine Stimme ausbilden zu lassen. Er wurde Schüler der Juilliard Music School New York. Zu seinen Lehrern zählten in New York Anna Schoen-René und Leopold Sachse. Bühnendebüt 1942 an der Oper von Chicago als Ford in Verdis »Falstaff«. Er hatte in Nordamerika große Erfolge an den Opern von Boston, Chicago, Cincinnati, Kansas City, Philadelphia, New Orleans, Pittsburgh, San Francisco (1944 Graf Gil in »Susannens Geheimnis« von E. Wolf-Ferrari) und Montreal. Er trat auch an beiden großen New Yorker Opernhäusern, der Metropolitan Oper und der City Opera, auf. Nachdem er 1944 den Wettbewerb der Metropolitan Oper Auditions of the Air gewonnen hatte, debütierte er im Dezember 1944 als Schaunard in Puccinis »La Bohème«. Bis 1953 trat er hier in insgesamt 238 Vorstellungen in einer Vielzahl von kleineren und mittleren Partien, vor allem aus dem lyrischen Fachbereich (u.a. als Konrad Nachtigall in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Afron in »Der goldenen Hahn« von Rimsky-Korssakow, als Mércutio in »Roméo et Juliette« von Gounod, als Zuàne in »La Gioconda« von Ponchielli, als Lavitsky in »Boris Godunow«, als Graf Ceprano im »Rigoletto«, als Baron Douphol in »La Traviata«, als Ned Keene in »Peter Grimes« von B. Britten und als Angelotti in »Tosca«), auf, aber auch als Escamillo in »Carmen«, als Heerrufer im »Lohengrin«, als Papageno in der »Zauberflöte«, als Minister im »Fidelio«, als Silvio im »Bajazzo«, als Melot in »Tristan und Isolde«, als Faninal im »Rosenkavalier«, als Bassa Selim in der »Entführung aus dem Serail«,  als Enrico in »Lucia di Lammermoor«, als Valentin im »Faust« von Gounod, als Masetto im »Don Giovanni«, als Paolo in Verdis »Simon Boccanegra«, als Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, als Lescaut in »Manon Lescaut« von Puccini und als Frank in der »Fledermaus«. 1952 sang er in der New Yorker Carnegie Hall in der konzertanten amerikanischen Premiere von Hugo Wolfs »Der Corregidor«. Er begann dann noch eine zweite Karriere als Opernregisseur und Bühnendirektor. Als erste Aufgabe auf diesem Gebiet inszenierte er 1955 bei den Festspielen von St. Louis »Figaros Hochzeit« von Mozart. Er starb 2006 in Estero (Florida).

Aufnahmen auf RCA-Victor. Auf ANNA-Records vollständige Oper »Otello« von Rossini, auf Cetra Opera Live singt er den Heerrufer im »Lohengrin« (Metropolitan Oper, 1947).

 

19.6. John William GLOVER: 200. Geburtstag

 Biographie des irischen Komponisten auf Englisch: http://en.wikipedia.org/wiki/John_William_Glover

 

20.6. Jiří JORAN: 95. Geburtstag

 Ausbildung am Prager Konservatorium, wo er Schüler von Apollo Granforte, Robert Rosner und Bronislaw Chorovic war. Er debütierte am Theater von Lytomysz (Leitomischl) als König Wladislaw in »Dalibor« von Smetana, sang 1943-45 bei einer tschechischen reisenden Operngesellschaft und war 1945-48 an der Oper des 5. Mai in Prag engagiert. 1948 wurde er an das Nationaltheater in Prag verpflichtet, dessen Mitglied er für viele Jahre, bis 1981, blieb. Er trat als Gast in Polen (1950), in Ungarn (1952) und an der Staatsoper von Dresden auf. Zu seinen Bühnenrollen zählten der Don Giovanni, der Germont-père in »La Traviata«, der Sharpless in »Madame Butterfly«, der Tomas in »Der Kuss« (»Hubicka«) von Smetana, der Prus in »Die Sache Makropoulos« von Janácek, der Jeletzky in »Pique Dame« von Tschaikowsky und der Dolochow in »Krieg und Frieden« von Prokofieff. Er erhielt seine Ernennung zum verdienten Künstler der CSSR. Während seiner langen Karriere ist er auch in einem umfangreichen Konzertrepertoire aufgetreten. Er starb 2011 in Prag.

Aufnahmen auf Ultraphon, Artia, Bruno, vor allem aber auf Supraphon, darunter »Das schlaue Füchslein« von Janácek und »Die Brandenburger in Böhmen« von Smetana.

 

21.6. Larissa AWDEJEWA: 90. Geburtstag

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 Sie war die Tochter des Sängers L. Avdejew. Ihre musikalische Begabung fiel früh auf; mit elf Jahren sang sie im Kinderchor des Hauses für künstlerische Kindererziehung in Moskau. 1945 begann sie ihre Ausbildung im Operndramatischen Studio von K.S. Stanislawski. 1947 kam sie an Stanislawskis Musiktheater in Moskau (Debüt in der Titelrolle der Offenbach-Operette »La Périchole«), wo sie ihre ersten Erfolge als Suzuki in »Madame Butterfly«, als Olga im »Eugen Onegin« und in den modernen russischen Opern »Im Sturm« von T. Chrennikow und »Die steinerne Blume« von Molchanow hatte. 1953 war sie Preisträgerin in einem Wettbewerb bei den Welt-Jugendfestspielen in Bukarest. Seit 1952 Mitglied des Moskauer Bolschoi Theaters. Sie sang dort Partien wie die Olga im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky (ihre Antrittsrolle 1952), die Marina im »Boris Godunow« von Mussorgsky, die Kontschakowna in Borodins »Fürst Igor«, den Lehl in »Schneeflöckchen« von Rimsky-Korssakow und die Titelheldin in »Carmen«. In ihrem Repertoire für die Bühne fanden sich auch die Filipjewna im »Eugen Onegin«, die Pauline in »Pique Dame«, die Stescha in »Die Dekabristen« von Schaporin, die Marfa in »Chowanschtschina« von Mussorgsky und die Gertrude in »Bánk Bán« von F. Erkel. Sie war zugleich eine angesehene Konzertaltistin; sie unternahm Gastspiel- und Konzertreisen in mehreren europäischen Ländern, in den USA, in Kanada und im Fernen Osten. 1964 wurde sie zur Volkskünstlerin der Sowjetunion ernannt. 1983 beendete sie ihre Karriere. Sie starb 2013 in Moskau. Sie war verheiratet mit dem bekannten russischen Dirigenten Jewgenij Swetlanow (1928-2002), der am Bolschoi Theater Moskau wirkte und mit dem Ensemble dieses Hauses auch im Ausland, u.a. an der Mailänder Scala, auftrat.

Aufnahmen der staatlichen sowjetrussischen Plattenproduktion (Melodiya), darunter die kompletten Opern »Eugen Onegin« von Tschaikowsky und »Die toten Seelen« von Schtschedrin; auf HEK singt sie Vokalwerke von Prokofieff, zusammen mit Jurij Elnikow.

 

21.6. Marcella ROESELER: 125. Geburtstag

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 Sie erhielt ihre Ausbildung zur Sängerin am Stern’schen Konservatorium in Berlin. Bühnendebüt 1910 am Hoftheater Wiesbaden als Santuzza in »Cavalleria rusticana«. 1911 kam sie an das Hoftheater Kassel und sang dann bis 1918 am Hoftheater von Dessau. Hier wirkte sie 1914 in der Uraufführung der Oper »Der heilige Berg« von Christian Sinding mit. Sie gastierte von Dessau aus an der Münchner Hofoper. Sie heiratete während dieser Zeit den Bassisten Rudolf Sollfrank (1883-1939), der lange in Dessau im Engagement war (und dort auch in den Uraufführungen von »Der heilige Berg« von Sinding 1914 und »Magda Maria« von Oscar von Chelius 1920 mitwirkte), doch trennten die beiden Sänger sich später wieder. Marcella Roeseler sang 1919-21 am Opernhaus von Breslau, 1922-23 an der Berliner Volksoper. 1922 gastierte sie als Elsa im »Lohengrin« an der Wiener Staatsoper. 1923 Nordamerika-Tournee mit der German Opera Company. 1923 wurde sie an die New Yorker Metropolitan Oper engagiert (Antrittsrolle: Marianne Leitmetzerin im »Rosenkavalier«), an der sie bis 1927 blieb. Hier sang sie meist kleinere Partien (eines der Blumenmädchen im »Parsifal«, die Helmwige in der »Walküre«, die 3. Norn in der »Götterdämmerung« und die 1. Dame in der »Zauberflöte«), wurde aber auch als Santuzza, in der Titelrolle von Rimsky-Korssakows »Der goldene Hahn«, als Elsa, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« und als Margiana im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius eingesetzt. Seit 1928 lebte sie wieder in Berlin und gab Gastspiele in Dresden und Hamburg, an der Städtischen Oper Berlin und am Opernhaus von Leipzig; häufig sang sie im deutschen Rundfunk. Ihre Gastspiel- und Konzerttätigkeit erstreckte sich auch auf Holland, Belgien und Frankreich; zuletzt wirkte sie als Pädagogin in Berlin. Zu ihren Schülern gehörte u.a. die Filmschauspielerin Hildegard Knef (1925-2002). Marcella Roeseler starb 1957 in Berlin.

Akustische Platten auf Polydor und Odeon, elektrische auf Kristall, Ultraphon und Tri-Ergon.

 

21.6. Paul KNÜPFER: 150. Geburtstag

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 Der Vater des Sängers war Domkantor in Halle (Saale). Paul Knüpfer wollte ursprünglich Medizin studieren, besuchte aber seit 1884 das Konservatorium von Sondershausen in Thüringen und studierte Orchesterleitung. Nur nebenbei ließ er seine Stimme durch den Pädagogen Bernhard Günsburger ausbilden. Gegen den Willen des Vaters schlug er die Sängerlaufbahn ein und debütierte 1887 am Hoftheater von Sondershausen. 1888-98 war er als erster Bassist am Opernhaus von Leipzig engagiert, wo er u.a. 1890 in der Uraufführung der Oper »Die Almohaden« von Johann Joseph Abert mitwirkte. Er folgte 1898 einem Ruf an die Berliner Hofoper (Antrittsrolle: van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing), wo seine Karriere ihren Höhepunkt erreichte. Am 13.12.1904 sang er dort in der Uraufführung von Leoncavallos »Der Roland von Berlin« die Partie des Kurfürsten Friedrich, am 14.4.1905 in der Uraufführung von E. Humperdincks »Die Heirat wider Willen«. Bereits am 14.1.1899 hatte er an der Berliner Hofoper in der Uraufführung der unvollendet hinterlassenen Oper »Briseïs« von E. Chabrier (in einer Bearbeitung von E. Klingenfeld), 1900 in der einer Neufassung von Aubers »Le Cheval de Bronze« (bearbeitet von E. Humperdinck) mitgewirkt. 1897 und 1908-09 trat er gastweise an der Dresdner Hofoper auf, 1903, 1911 und 1916 am Deutschen Theater Prag, 1915 am Hoftheater Hannover. 1901-02, 1904 und 1906 sang er bei den Festspielen von Bayreuth den Gurnemanz und den Titurel im »Parsifal«, 1902 den Daland in »Der fliegende Holländer«, 1904 den Landgrafen im »Tannhäuser«, 1904 und 1906 den König Marke in »Tristan und Isolde«, 1904, 1906 und 1912 den Hunding in der »Walküre«, 1912 den Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1911 übernahm er in der Berliner Premiere der Richard Strauss-Oper »Der Rosenkavalier« die Partie des Ochs, die er dann auch 1913 in der Premiere dieser Oper an der Covent Garden London sang. Seit 1904 trat er als Gast an der Covent Garden Oper auf, wo er 1906 für London auch den Abul Hassan im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius und 1914 den Gurnemanz in der denkwürdigen Erstaufführung des »Parsifal« kreierte. 1913 war er in der (späten) Berliner Premiere von Verdis »Don Carlos« der König Philipp. Weitere Höhepunkte in seinem Bühnenrepertoire waren der Falstaff in »Die lustigen Weiber von Windsor« von Nicolai, der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, der Rocco im »Fidelio« (den er u.a. 1910 im Haag sang) und der Mephisto im »Faust« von Gounod. Als eine seiner letzten Partien übernahm er 1919 den Madruscht in der Berliner Premiere von H. Pfitzners »Palestrina«. Weitere Bühnenpartien des Sängers waren der Figaro in »Figaros Hochzeit«, der Komtur wie der Leporello im »Don Giovanni«, der Stadinger im »Waffenschmied« von Lortzing, der Gil Perez in »Der dchwarze Domino« von Auber, der Marcel in den »Hugenotten« und der Zacharias im »Le Prophète« von Meyerbeer, der Sulpice in Donizettis »Regimentstochter«, der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Ramfis in »Aida« und der Titelheld in der Gilbert & Sullivan-Operette »Der Mikado«. Bekannt wurde er auch als Konzert- und Liedersänger (Loewe-Balladen). 1920 musste er wegen einer schweren, unheilbaren Krankheit seine Karriere beenden. Er wirkte als Pädagoge am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin, wo er 1920 starb. Paul Knüpfer war verheiratet mit der Sopranistin Marie Knüpfer-Egli (1872-1924), die eine große Bühnenkarriere hatte. Auch seine Schwester Margarete Knüpfer war eine bekannte Opernsängerin. – Eine der schönsten Bass-Stimmen seiner künstlerischen Generation, gleich vollendet in der Interpretation von seriösen wie Buffo-Partien, zumal im Wagner-Fach bewundert.

Schallplatten: Erste Aufnahmen um 1900 auf »Künstler-Phonographen-Walzen« des Sängers Adolf Kommisarshewski-Lieban (der später die Firma »Lyrophon« ins Leben rief), dann Berliner Records (1901); auf HMV sang er 1908 in einer vollständigen Aufnahme von Gounods »Faust« den Mephisto. Wahrscheinlich entstanden seine letzten Aufnahmen 1915 (später unter dem Etikett von Polydor veröffentlicht). Alle Aufnahmen von großer Schönheit.

 

22.6. Robert MOSLEY: 80. Geburtstag

 Der junge farbige Künstler war zunächst als Fernsehdarsteller, als Solist in New Yorker Kirchen und als Operettensänger tätig. Er studierte dann Gesang bei W. Bretz in Westchester (Pennsylvania), bei Giuseppe Danise und Pasquale Rescigno in New York und erhielt den Marian Anderson-Preis für begabte farbige Sänger; er war Preisträger beim National Concours der Metropolitan Oper New York. 1966 debütierte er auf der Bühne der New York City Opera als Valentin im »Faust« von Gounod. Seitdem kam er an diesem Opernhaus wie an den Opern von Boston, San Francisco (1971 als Rigoletto, 1972 als Trinity Moses in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill und 1977 als Porgy in »Porgy an Bess« von Gershwin), Seattle, Santa Fé, Fort Worth, Memphis und bei der Opera South Jackson zu bedeutenden Erfolgen. 1985-86 trat er auch an der Metropolitan Oper New York als Porgy auf. Von seinen Bühnenpartien sind zu nennen: der Jago im »Otello« von Rossini wie in Verdis »Otello«, der Titelheld in »Der fliegende Holländer«, der Scarpia in »Tosca«, der Amonasro in »Aida«, der Germont-père in »La Traviata« und der Ford in Verdis »Falstaff«. Geschätzter Konzertsänger; auch im pädagogischen Bereich tätig. Er starb 2002 in North Carolina.

 

22.6. Hans-Hubert SCHÖNZELER: 90. Geburtstag

 Er ging als Jugendlicher nach Australien und studierte bei Eugen Goossens am New South Wales Conservatory of Sydney Dirigieren. Später reiste er nach Europa, wo er seine weitere Ausbildung bei Rafael Kubelik, bei Carlo Zecchi in Hilversum und bei Paul von Kempen in Siena erhielt. Schließlich ließ er sich in London nieder, wo er das 20th Century Ensemble übernahm (1957-62). 1967 wurde er zum stellvertretenden Chefdirigenten des West Australian Symphonic Orchestra in Perth ernannt, trat aber weiterhin als Gastdirigent in Westeuropa auf. Er starb im April 1997-

 

22.6. Carolina BUGLIONE DI MONALE: 150. Geburtstag

 Ihre Familie gehörte dem alten piemontesischen Adel an, sie führte den Titel einer Contessa; ihr Vater war Offizier in der italienischen Armee. Ihre musikalische Begabung zeigte sich in einem ungewöhnlich frühen Alter. Sie studierte als Kind Klavierspiel, erhielt ihre ersten Gesangstunden durch einen Freund ihrer Familie, Vincenzo Robaudi, und wurde dann Schülerin von Maestro Sangiovanni in Mailand. 1876 erregte sie als elfjähriges Mädchen großes Aufsehen, als sie am Konservatorium von Mailand eine Koloraturarie aus »I Puritani« von Bellini und die Koloratur-Variationen von Benedict vortrug. 1876-77 kam es dann zu ersten Bühnenauftritten am Teatro Municipale Piacenza, am Teatro Grande Brescia und am Teatro Regio Turin. 1877-78 findet man sie am Teatro Real Madrid u.a. als Ines in Meyerbeers »Afrikanerin«. 1880 erregte sie als Violetta in »La Traviata« am Teatro Dal Verme Mailand größtes Aufsehen; diese, ihre eigentliche Glanzrolle, hat sie im Lauf ihrer Karriere über 900mal gesungen. 1881 wirkte sie in Piacenza in der Titelrolle der Oper »Jezla« von G. Bolzoni bei deren Uraufführung mit. Am Teatro Dal Verme hörte man sie in den folgenden Jahren auch als Prascovia in »L’Étoile du Nord« von Meyerbeer, als Gilda im »Rigoletto« und als Micaela in »Carmen«. 1881 kam es dann zum Debüt der Künstlerin an der Mailänder Scala, als sie dort die Cecilia in »Il Guarany« von C. Gomes sang. Sehr erfolgreich gestalteten sich Gastspiele in der rumänischen Hauptstadt Bukarest und wiederum 1883 am Teatro Real Madrid. 1883 sang sie am Teatro Argentina Rom in der italienischen Erstaufführung von Bizets »La jolie fille de Perth« die Partie der Cathérine. 1886 absolvierte sie eine sehr erfolgreiche Gastspiel-Tournee durch Brasilien. 1887 war sie wieder an der Mailänder Scala anzutreffen, und zwar in Verdis »Aida« und in der Oper »Flora mirabilis« von Spiro Samara. 1888 sang sie am Teatro Dal Verme Mailand, am Teatro Comunale Ferrara und am Teatro Carignano Turin, 1890 in Cremona, 1891-92 in Florenz in »I Lombardi« von Verdi und in Donizettis »Marino Faliero«. Sie scheint sich früh aus ihrer Karriere zurückgezogen zu haben.

 

24.6. Harry Plunket GREENE: 150. Geburtstag

 Er wurde durch Anton Hromada in Stuttgart, durch Vanuccini in Mailand und durch Blume in London ausgebildet. Er debütierte 1888 und sang ursprünglich im Bass-Fach. So trat er 1890 an der Londoner Covent Garden Oper als Commendatore im »Don Giovanni« auf, wandte sich aber dann dem Bariton-Fach zu und konzentrierte sich ausschließlich auf den Konzert-, den Oratorien- und den Liedgesang. Er kreierte 1892 beim Three Choirs Festival das Oratorium »Job« von Hubert Charles Parry. 1899 heiratete er die Tochter dieses Komponisten. 1889 und 1891 gab er Konzerte in Berlin. 1893 unternahm er seine erste Nordamerika-Tournee, wo er seitdem immer wieder große Erfolge hatte. Er verlor frühzeitig seine Stimme und hatte Intonationsschwierigkeiten, doch waren seine Interpretationen so faszinierend, dass sein Publikum dies überhörte. Er wurde dann ein hoch angesehener Lehrer am Royal College of Music in London und nahm großen Einfluss auf das englische Musikleben seiner Zeit. Er schrieb »Interpretation in Song«, eine Anleitung für den Liedvortrag. Er starb 1936 in London.

Schallplatten: G & T (London 1904-06, zumeist englische Volkslieder, ein Lied von Schubert); im Januar 1934 erschienen auf Columbia vier Aufnahmen des fast 70jährigen Sängers, in denen er in überlegener Weise Lieder (drei irische Volkslieder und »Der Leiermann« von Schubert) gestaltet.

 

24.6. Klara WEBER: 150. Geburtstag

 Sie wurde durch Emilie Kaula und durch Josef Stich in München ausgebildet. Nachdem sie ein erstes Engagement am Stadttheater von Regensburg gehabt hatte, kam sie an die Dresdner Hofoper und schließlich 1887 an das Opernhaus von Frankfurt a.M. (Antrittsrolle: Amneris in »Aida«). Sie sang lange Jahre hindurch hier die großen Partien ihres Stimmfachs, darunter die Fides in »Le Prophète« von Meyerbeer, die Azucena im »Troubadour«, die Ortrud im »Lohengrin«, den Adriano in »Rienzi«, die Fricka im Nibelungenring und die Königin der Erdgeister in »Hans Heiling« von Marschner. Sie nahm in Frankfurt an zahlreichen Premieren teil, u.a. 1888 als Laura in »La Gioconda« von Ponchielli und 1894 als Hexe in »Hänsel und Gretel«; 1892 sang sie dort in der deutschen Erstaufführung von Mascagnis »L’Amico Fritz« den Beppe. Sie war bis 1916 am Opernhaus von Frankfurt a.M. engagiert. Bei den Wagner-Aufführungen des Wagnervereins in Amsterdam wirkte sie u.a. als Waltraute im Ring-Zyklus mit. Sie war eine hoch geschätzte Konzertaltistin, die vor allem auf dem Gebiet des Liedgesangs in Erscheinung trat. Sie hat nach ihrer Heirat auch unter dem Namen Klara Keller-Weber gesungen. Sie starb 1919 in Frankfurt a.M.

 

24.6. Louis BRASSIN: 175. Geburtstag

 Der Sohn des Schauspielerehepaars De Brassine gab sein erstes Konzert im Alter von sechs Jahren in Hamburg. Ein Jahr später hatte der Vater eine Anstellung in Leipzig und Louis besuchte dort das Konservatorium als Schüler von Ignaz Moscheles. Ein denkwürdiges Konzert gab der damals Achtjährige 1848 in Stade, wo er zusammen mit seinem fünfjährigen Bruder Leopold, dem er selber das Klavierspiel beigebracht hatte, auftrat. 1857 konzertierte er unter dem Künstlernamen Brassin zum ersten Mal in Belgien. Ab 1866 lehrte er am Stern’schen Konservatorium in Berlin. Nach der Ernennung zum Klavierprofessor am Konservatorium Brüssel ließ er sich 1869 für zehn Jahre in Belgien nieder, wo er eine gewichtige Rolle im Musikleben des Landes spielte. 1878 übernahm er die Klavierklasse von Theodor Leschetizky am Sankt Petersburger Konservatorium. Brassin hat zahlreiche Richard-Wagner-Stücke für Klavier bearbeitet und schrieb viele kleinere, heute weitgehend in Vergessenheit geratene Klavierstücke. Zu seinen Schülern zählen Edgar Tinel und Wassili Sapelnikow. Er starb 1884 in Sankt Petersburg. Seine Brüder Leopold Brassin (1843–90) und der Violinist Gerhard Brassin (1844–85) unternahmen viele gemeinsame Konzertreisen, sie lehrten am Stern’schen Konservatorium aber auch in Bern. Beide hinterließen vorwiegend Kompositionen für ihr Instrument.

 

25.6. Barry McCAULEY: 65. Geburtstag

0Barry McCauley

 Seine Ausbildung erfolgte an der Eastern Kentucky University und an der Arizona State University. 1977 debütierte er bei der San Francisco Spring Opera als Don José in »Carmen« und erschien noch im gleichen Jahr an der San Francisco Opera als Kudrjasch in »Katja Kabanowa« von Janácek, als Froh im »Rheingold« und als Faust von Gounod. An diesem Haus gastierte er auch  1978 als Ruggero in Puccinis »La Rondine«, als Cassio in Verdis »Otello« und als Rodolfo in »La Bohème«, 1986 als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, 1989 als Alwa in A. Bergs »Lulu« sowie 1991 als Pierre in Prokofieffs »Krieg und Frieden« und nochmals als Don José. Es kam zu einer schnellen Karriere an den großen amerikanischen Operntheatern; er sang seit 1979 an den Opern von San Diego, Houston/Texas und Fort Worth. In Europa gastierte er vor allem in Frankreich, wo er 1979 als Edgardo an den Opernhäusern von Bordeaux und Marseille auftrat. Seit 1980 war er Mitglied der City Opera New York und sang im gleichen Jahr bei den Festspielen von Aix-en-Provence den Don Ottavio im »Don Giovanni«. Er teilte nun seine Bühnenauftritte zwischen den großen Opernhäusern in Europa und in Nordamerika. An der Grand Opéra Paris gastierte er 1982 als Lenski in »Eugen Onegin« und als Titelheld in »Hoffmanns Erzählungen«, 1983 als Cassio in Verdis »Otello« und als Fenton in Verdis »Falstaff«, 1984 als des Grieux in Massenets »Manon« und als Belmonte in der »Entführung aus dem Serasil«, 1985 als Admète in Glucks »Alceste«, 1988 als Faust von Gounod, 1988 und 1993 als Boris in »Katja Kabanowa« sowie 1993 als Don José. 1982 gastierte er an der Staatsoper Wien (Don Ottavio), 1983 am Teatro Comunale Florenz (Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas), 1983 (Camille in Lehárs »Die lustige Witwe«) und 1990 (Titelheld in »Hoffmanns Erzählungen«) am Grand Théâtre Genf, 1984 und 1986 am Théâtre de la Monnaie Brüssel (Idamante in »Idomeneo« und Belfiore in »La finta giardiniera« von Mozart), 1985, 1987 (als Don José mit Maria Ewing als Carmen) und 1988 (Boris in »Katja Kabanowa«) bei den Festspielen von Glyndebourne. 1985 hörte man ihn an der Covent Garden Oper London (Don José, seine Glanzrolle), 1986 bei der Hawaii Opera Honolulu und 1989 beim Festival von Spoleto (Titelheld in »Hoffmanns Erzählungen«), 1985 an der Oper von New Orleans (Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet), 1986 an der Washington Opera, 1987 an der Oper von Miami. Seit 1983 trat er an der Oper von Chicago auf; 1985 sang er dort den Cassio in Verdis »Otello« (mit Placido Domingo in der Titelrolle). Seit 1986 Mitglied der Metropolitan Oper New York, an der als Antrittsrolle den Jaquino im »Fidelio«, dann bis 1990 auch den Maler und den Neger in »Lulu« von A. Berg und den Cassio in insgesamt 16 Vorstellungen sang. 1988 an der Oper von Seattle als Alfredo in »La Traviata«, 1990 als Hoffmann (1991 in dieser Partie auch am Théâtre Châtelet Paris) zu Gast, in Amsterdam 1991 als Parsifal, am Teatro Comunale Bologna 1994 in Janáceks »Die Sache Makropoulos«. Bei den Salzburger Festspielen trat er 1992 als Filka in Janáceks »Aus einem Totenhaus« auf. Am Kölner Opernhaus hörte man ihn, wie bereits zuvor in Venedig, als Alwa in »Lulu« von A. Berg, am Amsterdamer Muziektheater 1993 als Hagenbach in »La Wally« von Catalani, bei den Salzburger Osterfestspielen 1994 als Ägisth in »Elektra«. Aus seinem Bühnenrepertoire sind noch der Nemorino in »L’Elisir d’amore«, der Roberto Dudley in »Maria Stuarda« von Donizetti, der Herzog im »Rigoletto«, der Pinkerton in »Madame Butterfly«, der Gérald in »Lakmé« von Delibes, der Alfred in der »Fledermaus« und der Fritz in der »Großherzogin von Gerolstein« von Offenbach nachzutragen. Er starb 2001 in Oradell (New Jersey).

Schallplatten: Virgin (Boris in »Katja Kabanowa« von Janácek), Composers Rec. (»The Face on the Barroom Floor« von H. Mollicone); Arthaus-Video (»Katja Kabanowa«, Glyndebourne 1998).

 

25.6. Werner MANN: 80. Geburtstag

 Er studierte an der Musikhochschule München bei Hedwig Fichtmüller und bei Juliette Bise in Bern. 1958-69 gehörte er dem Opernhaus von Zürich als Chorsänger an, wo er in der Spielzeit 1969-70 im Opernstudio weiter ausgebildet wurde. Er war dann als Solist 1980-84 am Stadttheater von Aachen, 1984-85 am Staatstheater Darmstadt und 1985-90 am Stadttheater von Trier engagiert. 1990-93 gehörte er dem Theater Biel-Solothurn, seit 1993 dem Stadttheater Pforzheim an. Als Gast trat er am Stadttheater von Basel, am Theater von St. Gallen, am Grand Théâtre Genf (1984 Tschelio in »L’Amour des trois oranges« von Prokofieff, 19856 Polizeikommissär in »Lulu« von A. Berg), an der Opera Scotland Glasgow (1970 Don Pizarro in »Fidelio«), am Raimund-Theater und an der Kammeroper Wien auf. Auf der Bühne hörte man ihn in einer Vielzahl von Opern- und Operettenpartien: als Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, als Sarastro in der »Zauberflöte«, als van Bett in »Zar und Zimmermann« und als Stadinger im »Waffenschmied« von Lortzing, als Don Pasquale, als Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, als Colline in »La Bohème«, als Angelotti wie als Mesner in »Tosca«, als Titelheld in »Attila« von Verdi, als König Philipp im »Don Carlos«, als Pater Guardian in »La forza del destino«, als Basilio im »Barbier von Sevilla«, als Don Magnifico in Rossinis »La Cenerentola«, als Daland in »Der fliegende Holländer«, als König Marke in »Tristan und Isolde«, als Ochs im »Rosenkavalier«, als Trulove in »The Rake’s Progress« von Strawinsky und als Oger in »Melusine« von A. Reimann, dazu in vielen Operettenrollen. Im Konzertsaal wurde er als Oratoriensolist wie als Lied-Interpret bekannt. Er trat in diesem Bereich u.a. in Zürich, Lausanne, Biel, Aachen, Glasgow, Belfast, Düsseldorf, Straßburg, Paris und Parma auf. Er starb 2006 in Luzern.

Schallplatten: Philips (Gesamtaufnahme »Moses und Aron« von Schönberg).

 

25.6. Leslie KONDOROSSY (amerikanischer Komponist): 100. Geburtstag

 

27.6. James LOOMIS: 90. Geburtstag

 Er studierte 1946-47 bei John O. Samuel in Philadelphia, 1947-51 am Curtis Institute of Music Philadelphia bei Eufemia Giannini-Gregory und 1952-53 an der Accademia di Santa Cecilia Rom bei Rachele Maragliano-Mori. 1955-56 war er am Staatstheater von Oldenburg engagiert, 1956-57 am Opernhaus von Wuppertal. Seither entfaltete er von Lugano aus, wo er seinen Wohnsitz hatte, eine intensive Konzert- und Bühnen-Gastspieltätigkeit von internationalem Zuschnitt. Am 20.8.1958 wirkte er in der Weltausstellungshalle in Brüssel in der Uraufführung der Oper »Maria Golovin« von Gian Carlo Menotti mit. Er trat vor allem an den großen italienischen Opernbühnen auf, an der Oper von Rom, am Teatro Fenice Venedig, am Teatro Filarmonico Verona, am Teatro Comunale Bologna, am Teatro Sociale Mantua, in Turin, Genua, Spoleto und Siena. In seinem Bühnenrepertoire fanden sich Partien wie der Caronte in Monteverdis »L’Orfeo«, der Minister im »Fidelio«, der Eremit im »Freischütz«, der Blansac in »La scala di seta« von Rossini, der Daland in »Der fliegende Holländer«, der Dottore Bombasto in »Arlecchino« von Busoni, der Doktor im »Wozzeck« von A. Berg, der König in »L’Amour des trois oranges« von Prokofieff und der Riedinger in »Mathis der Maler« von Hindemith. Noch bedeutender entwickelte sich seine Konzertkarriere, in der er auf dem Gebiet des Oratoriums in Werken von J.S. Bach, Händel, Beethoven, Monteverdi, Mozart, Rossini, Mendelssohn, Verdi, Carl Orff, Igor Strawinsky und Frank Martin auftrat. Er gab Konzerte in Lugano, Genf, Lausanne und Zürich, an der Mailänder Scala, in Neapel, Venedig, Turin, Florenz, Lucca, Mantua und Rom, in Wien und Paris. Auch als Liedersänger zeichnete er sich immer wieder aus. Zahlreiche Radio-Auftritte in Italien wie in der Schweiz, wo man ihn seit 1952 ständig bei Radio Lugano, aber auch bei den übrigen Sendern, hören konnte. Er starb 2007 in der Schweiz.

Schallplatten: Decca (»Oedipus Rex« von Strawinsky), Erato (Petite Messe solennelle von Rossini), Accord (»Péchés de ma vieillesse« von Rossini), Eurodisc-Cycnus (Werke von Monteverdi, Caldara und Vivaldi), Bongiovanni (»Alcide al Bivio« von V. Righini).

 

27.6. Tino PATTIERA: 125. Geburtstag

 Er studierte zunächst 1911-12 je ein Semester Medizin und ein Semester Jura in Wien. 1912-14 ließ er seine Stimme an der Wiener Musikakademie bei de Ranieri ausbilden, nachdem er bei einer Operettentruppe seine ersten Erfolge gehabt hatte. Durch den Bühnenagenten William Frankfurter wurde ihm ein Engagement an der Hofoper (seit 1918 Staatsoper) von Dresden vermittelt, wo er 1915 als einer der Geharnischten in der »Zauberflöte« debütierte. Nachdem man ihm 1916 den Manrico im »Troubadour« und seitdem die großen Partien seines Stimmfachs übertragen hatte, eilte er in Dresden von Erfolg zu Erfolg. Die Verdi-Renaissance, die in den zwanziger Jahren in Deutschland von der Dresdner Oper ausging, beruhte zum Teil auf dem Wirken des großen Sängers. Daneben sang er mit Vorliebe Partien wie den Andrea Chénier von Giordano, den Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky und den Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1923 war er in Dresden der Dimitrij in Aufführungen des »Boris Godunow« von Mussorgsky, die dieses Opernwerk für Deutschland erschlossen. 1926 sang er in Dresden in der Erstaufführung von Giordanos »Andrea Chénier« den Titelhelden, 1926 an der Staatsoper Berlin, 1927 in Dresden den Alvaro in der Premiere von Verdis »La forza del destino«. 1924 übernahm er in Dresden mit dem Tannhäuser seine erste Wagner-Partie. Als weitere Wagner-Partie sang er den Erik in »Der fliegende Holländer«. 1924-29 war Tino Pattiera zugleich Mitglied der Staatsoper Berlin. Er gastierte in den Jahren 1920-32 oft an der Wiener Staatsoper (als Cavaradossi in »Tosca«, als Manrico, als Don José in »Carmen«, als Riccardo in Verdis »Maskenball«, als Canio im »Bajazzo«, als Alfredo in »La Traviata«, als Titelheld in Verdis »Otello«, als Rodolfo in »La Bohème«, als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, als Titelheld in »Fra Diavolo« von Auber, als Andrea Chénier und als Tannhäuser. Weitere Gastspiele in Paris, Budapest und Brüssel (Théâtre de la Monnaie). 1921-22 sang er an der Oper von Chicago, ist aber nie in Italien aufgetreten. Bis 1941 setzte er seine große Karriere in Dresden fort. Er sang dann noch einige Zeit am Deutschen Theater in Prag und ließ sich schließlich als Pädagoge in Wien nieder. 1951 und 1953 gab er nochmals sehr erfolgreiche Konzerte in Dresden. Seit 1950 Professor an der Wiener Musikakademie. 1919-27 war er mit Hedwig Gräfin Schaffgotsch, 1935-36 mit der Filmschauspielerin Erika von Thellmann (1902-88) verheiratet. Er starb 1966 in Cavtat (Kroatien). – An seiner Tenorstimme bewunderte man den strahlenden Glanz und die Biegsamkeit des Stimmmaterials wie die hohe Musikalität des Vortrages; auch als Darsteller berühmt.

Lit: A. Viscenti & J. Dennis: Tino Pattiera (in »Record Collector«, 1966-67).

Schallplatten: Odeon (akustische Aufnahmen 1919-20), Parlophon (akustische wie elektrische Aufnahmen, 1926-32), Polydor, HMV, Brunswick (1921-22), Kristall (Neapolitanische Lieder). Unveröffentlichte Aufnahmen auf Homochord.

 

28.6. Giselher KLEBE: 90. Geburtstag

 Er erhielt schon früh von seiner Mutter, der Geigerin Gertrud Klebe, musikalischen Unterricht. 1932 übersiedelte die Familie nach München. Dort besuchte er zunächst die Vorschule der Schönherrlschen Privatschule, ab 1935 den humanistischen Gymnasialzweig desselben Institutes. Den bereits in Mannheim begonnenen Violinunterricht setzte er bei Melanie Michaelis, einer Schwester seiner Mutter, fort. Ein weiterer berufsbedingter Ortswechsel seines Vaters führte ihn 1936 nach Rostock; nach der Trennung seiner Eltern erfolgte im selben Jahr die Übersiedlung mit Mutter und Schwester nach Berlin. Im Laufe des Jahres 1938 begann er mit der Skizzierung erster Kompositionsentwürfe; 1940 begann er ein von der Stadt Berlin gefördertes Musikstudium in den Fächern Violine, Viola und Komposition. Nach Ableistung seiner Arbeitsdienstpflicht wurde Klebe 1943 als Funker zum Militärdienst bei einer Beobachtungsabteilung eingezogen. Nach der Kapitulation geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er bereits kurz nach Kriegsende auf Grund seines Gesundheitszustandes entlassen wurde. 1950 nahm Klebe nach längerer Rekonvaleszenz sein Kompositionsstudium wieder auf, zunächst am Internationalen Musikinstitut in Berlin bei Josef Rufer, später in der Meisterklasse Boris Blachers; zudem erhielt der Komponist eine Anstellung als Bandprüfer und Programmgestalter in der Abteilung Ernste Musik des damaligen Berliner Rundfunks. Am 10. September 1946 heiratete Klebe die Geigerin Lore Schiller (1924–2001). Der Ehe entstammen die beiden Töchter Sonja Katharina und Annette Marianne. Nach Lösung seines Kontraktes mit dem Berliner Rundfunk Ende 1948 arbeitete Klebe als freischaffender Komponist in Berlin. Im Jahre 1957 entschied er sich erneut für eine feste Anstellung. Als Nachfolger Wolfgang Fortners übte er nunmehr die Tätigkeit eines Dozenten für die Fächer Komposition und Musiktheorie an der Nordwestdeutschen Musikakademie Detmold aus; im Jahre 1962 erfolgte die Ernennung Klebes zum Professor. Aus seiner Meistersklasse ging eine Anzahl angesehener Komponisten hervor. Nach seiner Pensionierung 1990 blieb Klebe der Hochschule für Musik Detmold weiterhin eng verbunden. Er starb 2009 nach schwerer Erkrankung in Detmold.

Sein Gesamtwerk umfasst mehr als 140 Kompositionen, darunter 7 Symphonien, 15 Solokonzerte, Kammermusikwerke verschiedenster Besetzung, Klavierwerke, geistliche Werke und 14 Opern, für die zumeist Lore Klebe als Librettistin mit ihm zusammenarbeitete. Seine erste Oper war Die Räuber (1957, Düsseldorf), frei nach Friedrich Schillers Drama. Als Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper komponierte er die im November 1965 uraufgeführte Oper Jacobowsky und der Oberst nach Franz Werfels gleichnamigen Theaterstück. Im Auftrag des Staatstheaters Darmstadt schrieb er zusammen mit Lore Klebe die Oper Die Fastnachtsbeichte nach der Erzählung von Carl Zuckmayer, die am 20. Dezember 1983 in Darmstadt uraufgeführt wurde. Seine letzte Oper war Chlestakows Wiederkehr (2008, Detmold), deren Libretto auf Nikolai Gogols Komödie Der Revisor beruhte.

 

28.6. Robert FRANZ: 200. Geburtstag

 Er besuchte ab 1828 in seiner Heimatstadt Halle (Saale) die Latina der Franckeschen Stiftungen. Hier fiel er als musikalisch begabt auf. Der Gesangslehrer der Stiftungen, der Kantor Carl Gottlob Abela (1803-41), ließ ihn die Proben des „Sängerchors der lateinischen Hauptschule“ am Klavier begleiten. (Dem Stadtsingechor zu Halle, dem ältesten Knabenchor Mitteldeutschlands, der seit 1808 in den Stiftungen beheimatet war, gehörte er nie an.) 1835-37 studierte er in Dessau Komposition bei Friedrich Schneider und kehrte danach zurück nach Halle. 1841 wurde Robert Franz Organist an der Ulrichskirche, 1842 Dirigent der Singakademie Halle und 1859 Universitätsmusikdirektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nachdem Robert Franz 1843 mit seinen Zwölf Gesängen für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 1 an die Öffentlichkeit getreten war, widmete Robert Schumann diesen Liedern eine Besprechung in der Neuen Zeitschrift für Musik. Was Schumann selbst einige Jahre zuvor als Gebot der Stunde erkannt hatte, sah er in den Liedern von Franz verwirklicht: das gedankenvolle Kunstwerk als Gegenposition zum vorherrschenden Geschmack der Zeit, als die künstlerisch musikalische Reaktion auf „das in Bausch und Bogen fabrizierende Liedermachen“. Franz pflegte Freundschaften unter anderem mit Robert Schumann und Franz Liszt. 1867 wurde er wegen eines Gehör- und Nervenleidens beurlaubt und musste schließlich alle seine Ämter aufgeben. Er starb 1892 in Dessau und liegt auf dem Stadtgottesacker in Halle begraben.

Franz schrieb über 350 Kunstlieder, davon etwa ein Viertel nach Heinrich Heine und sehr viele nach Karl Wilhelm Osterwald, Chorwerke (unter anderem den 117. Psalm Lobet den Herren, alle Heiden für zwei vierstimmige Chöre, op. 19 im Auftrage des Berliner Domchores) und zahlreiche Bearbeitungen von Kompositionen Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels. Seine Werke werden heute nur noch selten aufgeführt. Einige seiner Lieder sind jedoch bis heute in Sammelbänden zu finden. 1885 wurde Robert Franz zu seinem 70. Geburtstag durch die Stadtverordnetenversammlung die Ehrenbürgerschaft der Stadt Halle verliehen. Eine weitere Ehrung folgte 1903 durch die Aufstellung eines Denkmals am Universitätsring und eine Straßenbenennung. Außerdem wurde 1907 die Singakademie Halle nach ihm benannt und die Musikschule Robert Franz gegründet.

 

29.6. Brian KEMP: 75. Geburtstag

 Er wurde 1965-67 im London Opera Centre ausgebildet, war aber auch Schüler von E. Herbet-Caesari, von Tito Gobbi und Lorenzo Malfatti und studierte am Salzburger Mozarteum. Sein Bühnendebüt erfolgte 1967 am Théâtre de la Monnaie Brüssel als Graf in »Figaros Hochzeit«. 1969-71 gehörte er dem Ensemble der Scottish National Opera Glasgow an, an der er als Merkur in »Les Troyens« von Berlioz, als Publio in Mozarts »La clemenza di Tito«, als Germont-père in »La Traviata« und als Aeneas in »Dido and Aeneas« von Purcell zu sehen war; 1983 gastierte er hier nochmals als Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«. In den folgenden Jahren gab er Gastspiele und wirkte u.a. an der Covent Garden Oper London in der Uraufführung von Hans Werner Henzes Bühnenwerk »We Come to the River« mit (1976). 1984-88 war er als erster Bariton am Stadttheater von Aachen engagiert. Er behielt seinen Wohnsitz in Aachen und ging von dort aus seiner Gastspielkarriere nach. So gastierte er an der Niederländischen Oper Amsterdam, an der English National Opera London und in Brüssel (u.a. in »La Bohème« mit José Carreras). In der Londoner Festival Hall hörte man ihn mit Montserrat Caballé und Shirley Verrett zusammen in »Maria Stuarda« von Donizetti, an der Covent Garden Oper in Janáceks »Jenufa«, am Teatro Verdi Triest in »Dinorah« von Meyerbeer (mit Luciana Serra) und in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, beim Wexford Festival in den Opern »Sakuntala« von Alfano und »Linda di Chamounix« von Donizetti. Bei der Chelsea Opera Group trat er 1988 als Barnaba in »La Gioconda« von Ponchielli, am Theater von Biel-Solothurn 1994 als Germont-père auf. Aus seinem Bühnenrepertoire sind hervorzuheben: der Posa in Verdis »Don Carlos«, der Don Carlo in »La forza del destino«, der Fliegende Holländer. der Telramund im »Lohengrin«, der Escamillo in »Carmen«, der Kaspar im »Freischütz«, der Jochanaan in »Salome« von R. Strauss und die Titelrolle in »Il Prigioniero« von Dallapiccola. Auch als Konzert- und Oratoriensänger erfolgreich. Er starb 1995 in Aachen.

 

29.6. John COATES: 150. Geburtstag

0John_COATES

 Er sang als Kind in einem Knabenchor, wurde dann aber Buchhalter und Auslandskorrespondent in einer Handelsfirma. Er sang zuerst als Bariton bei der Carl Rosa Company (Valentin im »Faust« von Gounod), war dabei aber erfolglos. Er begann dann sein Studium 1893 in London und sang seit 1894 bei der D’Oyly Carte Company zumeist leichte Operettenpartien für Bariton. 1895 war er mit dieser Truppe auch in Nordamerika. Er wurde durch den Pädagogen William Shakespeare darauf hingewiesen, dass er eine Tenorstimme habe und wechselte schließlich in dieses Stimmfach. Er wollte dann Opernsänger werden; er sang ein weiteres Jahr an allerlei Kleinkunstbühnen, um sein Studium zu bezahlen. Schließlich hatte er ein erfolgreiches Debüt am 30.5.1901 an der Londoner Covent Garden Oper in der Uraufführung der Oper »Much Ado About Nothing« von Stanford. Er wurde der gefeierte englische Oratorien-Tenor seiner Generation; vor allem schätzte man ihn als Interpreten der Werke Elgars; so sang er in den Uraufführungen von dessen Oratorien »The Apostles« (14.10.1903 Birmingham Festival) und »The Kingdom« (3.10.1906 Birmingham Festival). 1901-07 unternahm er große Konzert- und Gastspiel-Tourneen in Deutschland, wobei er an der Oper von Köln als Faust, als Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod und als Lohengrin auftrat. Operngastspiele führten ihn auch an die Berliner Hofoper (1902 als Lohengrin), an das Hoftheater Hannover (1902), an die Hofoper Dresden, an die Opernhäuser von Leipzig, Frankfurt a.M., Düsseldorf, Mannheim, Mainz und Bremen. 1905 sang er wieder an der Covent Garden Oper, 1907-08 bei der Moody-Manners Company. 1909 hörte man ihn am His Majesty’s Theatre London in der englischen Erstaufführung der Oper »The Wreckers« der Komponistin Ethel Smith. 1910 gab er im Rahmen einer weiteren Deutschland-Tournee Liederabende in Berlin, Hamburg und Bremen. Er sang 1910 bei der Beecham Opera (im Haus der Covent Garden Oper) in London den Don José in »Carmen« und den Pedro in der englischen Erstaufführung von d’Alberts »Tiefland«, 1913 den Tannhäuser und den Tristan in der English Opera Season unter Raymond Roze.  Seit 1914 spezialisierte er sich auf den Liedgesang. Er nahm jedoch noch 1916 an einer Tournee der Moody-Manners Opera Company teil, wo er Wagner-Heroen wie den Siegfried und den Tristan übernahm. 1926-27 große Nordamerika-Tournee, in deren Mittelpunkt sein ganz unvergleichlicher Vortrag von Vokalwerken aus dem Elisabethanischen England stand. Er gab noch nach Vollendung seines 70. Lebensjahres wiederholt Liederabende im Londoner Rundfunk, die er auch selbst einleitete. Er starb 1941 in Northwood.

Schallplatten auf G & T (London, 1907), auf HMV und Pathé. Aus den zwanziger Jahren sind schöne Aufnahmen auf Vocalion und auf Columbia vorhanden.

 

30.6. Adriaan van LIMPT: 80. Geburtstag

 Er arbeitete zunächst im Gaststättengewerbe, dann im Kraftfahrzeughandel; er erhielt dann seine Ausbildung am Konservatorium von Maastricht bei Leo Ketelaars und in der Opernschule der Niederländischen Oper Amsterdam. Er debütierte 1975 im »Capriccio« von R. Strauss und sang in diesem Jahr auch in Amsterdam in der (endgültigen) Uraufführung der Oper »Der Kaiser von Atlantis« von V. Ullmann den Pierrot. Nachdem er anfänglich in kleineren Partien aufgetreten war, erfolgte 1977 an der Niederländischen Oper der Durchbruch als Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«. 1977 erregte er Aufsehen als Preisträger bei einem Gesangwettbewerb des Niederländischen Fernsehens. Er hatte an der Niederländischen Oper auch als Pinkerton in »Madame Butterfly« seine Erfolge. 1978 trat er in Amsterdam als Pollione in »Norma« zusammen mit der berühmten Primadonna Joan Sutherland auf. In Amsterdam sang er auch den Arrigo in Verdis »I Vespri Siciliani«, den Turiddu in »Cavalleria rusticana« und 1987 den Lerma in Verdis »Don Carlos«. Er gastierte an der Welsh Opera Cardiff (1980 und 1983), an der Oper von San Diego (1982 in Verdis »Macbeth«, 1984 in »Simon Boccanegra«) und bei den Festspielen von Bregenz (1977 als Hüon im »Oberon« von Weber). Er wirkte im holländischen Rundfunk in mehreren Opernsendungen mit, u.a. 1980 in »Alzira« von Verdi und 1982 in Mascagnis »Isabeau«. Weitere Bühnenrollen: der Erik in »Der fliegende Holländer«, der Manrico im »Troubadour« und der Edgardo in »Lucia di Lammermoor«. Er starb im Mai 1997.

Schallplatten: Philips (leine Rolle im »Rosenkavalier«, Duette mit Cristina Deutekom), Gala (»Troubadour« von Verdi).

 

30.6. Nikolai KARETNIKOV: 85. Geburtstag

 Seine musikalischen Studien beendete er 1953 am Moskauer Konservatorium in der Kompositionsklasse von Vissarion Chebalin. Er gehörte derselben Generation sowjetischer Komponisten an wie Edison Denissow, Alfred Schnittke und Sofia Gubaidulina. Nikolai Karetnikow musste lange warten bis er im eigenen Land und im Ausland den Platz einnehmen konnte, der ihm als Neuerer der gegenwärtigen Musik gebührt. Unglücklicherweise zog er sich als Zwölftöner die Feindschaft Kabalewskys zu und wurde aus den öffentlichen Musikprogrammen weitgehend verbannt. Immerhin konnte er durchsetzen, dass es im Bolschoi-Theater 1962 zur Aufführung seines Balletts Vanino Vanini kommen konnte. Im Opernhaus von Hannover wurde allerdings 1973 Der kleine Zaches mit überwältigendem Erfolg uraufgeführt, ohne dass es dem Komponisten vergönnt war, an der Premiere teilzunehmen, da man ihm die Reise nicht gestattete. Seinen Lebensunterhalt erwarb er mit der Komposition von Filmmusik. Zum Ende seines Lebens nutzte er die Möglichkeiten, Reisen nach Frankreich und in die Schweiz zu unternehmen. Er starb 1994 in Moskau.
Sein Hauptwerk, die Oper Till Eulenspiegel, wurde 1983 fertiggestellt und war das Ergebnis einer jahrelangen Arbeit. Als Vorlage benutzte er das Buch des flämischen Dichters Charles de Coster.

 

30.6. Eugène BADIALI: 150. Geburtstag

0Eugène BADIALI

 Sein eigentlicher Name war Eugène-Charles-Constant Badouaille. Er erhielt seine Ausbildung am Conservatoire National Paris und kam 1888 am Théâtre Lyrique Paris zu seinem Debüt in der Oper »Jocelyn« von B. Godard. Nach einer Spielzeit wurde er 1889 an das Théâtre de la Monnaie Brüssel verpflichtet, an dem er bis 1892 sang. Darauf kam er nach Paris zurück und war 1892-1900 an der dortigen Opéra-Comique engagiert. 1900-1902 wirkte er erneut am Théâtre de la Monnaie Brüssel und trat seitdem in der Hauptsache gastierend an den führenden Operntheatern in der französischen Provinz auf. 1897 wirkte er an der Opéra-Comique in der Uraufführung der Oper »Daphnis et Cloë« von H. Busser mit. Zu seinen wichtigsten Partien zählten der Scapin in »L’Irato« von Méhul, der Sganarelle in »L’Amour médecin« von Ferdinand Poise, der Escamillo in »Carmen«, der Figaro im »Barbier von Sevilla«, der Marcello in Puccinis »La Bohème« und der Alberich im Nibelungenring. 1895 wirkte er an der Opéra-Comique in den Uraufführungen der Opern »La Vivandière« von Benjamin Godard und »Xavière« von Théodore Dubois mit. Er starb 1907 in Jette-Saint-Pierre bei Brüsse

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