Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM JULI 2017

IN MEMORIAM-Geburtstage im JULI 2017

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

1.7. Henry PEYROTTES: 90. Geburtstag

Henry PEYROTTES

Nach seiner Ausbildung in Paris debütierte er 1952 an der Opéra-Comique Paris als Onkel Bonze in »Madame Butterfly«. Er ging jedoch bald an die großen französischen Provinztheater, an denen er rasch zu einer erfolgreichen Karriere im französischen wie im italienischen Repertoire kam. So gastierte er u.a. an den Opernhäusern von Marseille, Nizza, Rouen, Vichy, Toulouse und Avignon sowie am Théâtre Antique Orange. 1956 wirkte er am Opernhaus von Nancy in der Uraufführung von Marcel Lewandowskis Oper »Le Fou« mit. 1966 und 1977 trat er als Gast an der Oper von Monte Carlo auf; seit 1965 hörte man ihn auch mehrfach an der Grand Opéra Paris, u.a. als Valentin im »Faust« von Gounod, als Scarpia in »Tosca« und als Rigoletto, 1962 und 1963 war er an der Oper von Lüttich zu Gast, zwischen 1967 und 1971 erschien er an der Oper von Rio de Janeiro; 1969 sang er in London in einer konzertanten Aufführung von Verdis »Les Vêpres Siciliennes« (»I Vespri Siciliani«). Er setzte seine Auftritte bis gegen Ende der siebziger Jahre fort. Aus seinem Repertoire sind noch die Titelrolle in Rossinis »Wilhelm Tell«, der Alfonso in »La Favorita« von Donizetti, der Tonio im »Bajazzo«, der Alfio in »Cavalleria rusticana«, der Posa in Verdis »Don Carlos«, der Karnac in »Le Roi d’Ys« von Lalo, der Des Grieux in »Manon« von Massenet, der Herodes in »Hérodiade« vom gleichen Meister, der Germont-père in »La Traviata« und der Telramund im »Lohengrin« zu erwähnen. Er starb 2012 in Balma (bei Toulouse).

Schallplatten: Philips (Querschnitt »L’Africaine« von Meyerbeer).

 

1.7. Ruth MILLER: 125. Geburtstag

 Sie studierte fünf Jahre lang in Paris bei Lloyd d’Aubigné, Émile Bourgeois und Giovanni Sbriglia. Sie trat dann seit 1912 als lyrische und Koloratursopranistin an französischen und spanischen Theatern auf; ihre europäische Karriere erfolgte unter dem Künstlernamen Francesca Milena. Diesen benutzte sie auch noch 1917 bei ihrem amerikanischen Debüt mit der Aborn Opera Company. Dort sang sie erfolgreich als Partnerin des Baritons Richard Bonelli und des Tenors Mario Chamlee. 1917 wurde sie an die New Yorker Metropolitan Oper verpflichtet und debütierte dort unter ihrem eigentlichen Namen Ruth Miller als Musetta in »La Bohème« mit Frances Alda, John McCormack und Giuseppe De Luca als Partnern. Sie blieb jedoch nur während einer Saison Mitglied der Metropolitan Oper und sang hier in insgesamt 10 Vorstellungen auch die Micaela in »Carmen«; 1919 heiratete sie den Tenor Mario Chamlee (1892-1966) und gab ihre eigene Karriere auf. Sie ist auch bei der Scotti Grand Opera Company aufgetreten. Zuletzt wirkte sie zusammen mit ihrem Gatten als Pädagogin in Los Angeles. Zu ihren Schülern gehörte der Bariton Theodor Uppman. Ruth Miller starb 1983 in Van Nuys (Kalifornien).

Sie hat während ihrer Karriere keine offiziellen Platten besungen; in den Jahren 1940-54 erschienen jedoch Aufnahmen von ihrer Stimme auf IRCC, die diese in ihrer ursprünglichen Schönheit zeigen.

 

1.7. Charles TROYON: 150. Geburtstag

 Nachdem er sein Gesangstudium bei Blanchet und Masset sowie bei dem berühmten Pädagogen Julius Stockhausen in Frankfurt a.M. absolviert hatte, begann er eine sehr erfolgreiche Konzertkarriere in den Musikzentren in der Schweiz. Man hörte ihn immer wieder in Lausanne und Genf, in Zürich, Basel und Bern, in La Chaux-de-Fonds, Neuchâtel, St. Gallen und Vevey. Dabei trug er u.a. Solopartien in der 9. Sinfonie von Beethoven, im »Messias« von Händel, in der »Schöpfung« von J. Haydn, in der Faust-Sinfonie von F. Lizt, in »Elias« wie in »Paulus« von Mendelssohn und in »Le Paradis perdu« von F. Lauber vor. Als Lied-Interpret widmete er sich besonders dem Liedschaffen von F. Schubert, R. Schumann, J. Brahms, M. Reger und A. Meyer. Seit 1894 war er am Konservatorium von Lausanne als Pädagoge tätig und leitete dieses Institut in den Jahren 1921-41 als Direktor. Er gehörte zu den Gründern des Schweizer Tonkünstlervereins. Er starb 1948 in Lausanne. – Seine Gattin, die Sopranistin Emmy Troyon-Blaesi (* 10.5.1873 Solothurn, † 14.3.1956 Lausanne) war eine nicht weniger bekannte Konzertsolistin. Sie hatte am Conservatoire von Lausanne, dann 1890-91 bei Anton Hromada und seit 1891 bei Charles Troyon studiert, den sie heiratete. Auch sie kam in Städten in der Schweiz, dazu in Paris und Stuttgart, zu bedeutenden Erfolgen im Bereich des Oratorien- wie des Liedgesangs. Seit 1905 unterrichtete sie wie ihr Gatte am Konservatorium von Lausanne.

 

2.7. Ruth BERGHAUS: 90. Geburtstag

Sie studierte Ausdruckstanz und Tanzregie bei Gret Palucca in Dresden und war Meisterschülerin von Wolfgang Langhoff an der Deutschen Akademie der Künste in Berlin. Jedoch konnte sie von Langhoffs Theaterästhetik nicht profitieren; prägend wurde für sie vielmehr die Begegnung mit Bertolt Brecht und seiner Theaterarbeit. 1951-64 arbeitete sie als Choreografin u.a. am Deutschen Theater, an der Deutschen Staatsoper, am Berliner Ensemble

und auch in der „Distel“. Ihr Interesse für die Regie erwachte mit dem Verhör des Lukullus von Paul Dessau an der Staatsoper Berlin 1951, Regisseur Wolf Völker. 14 Jahre später führte sie selbst Regie bei der Verurteilung des Lukullus. Berühmt wurde sie aber mit der Choreografie der Schlachtszenen im Coriolan in Brechts Bearbeitung am Berliner Ensemble 1964. 1954 heiratete sie den Komponisten Paul Dessau, dessen Werke für Musiktheater sie inszenierte. 1970 wurde sie Stellvertreterin von Helene Weigel in der Leitung des Berliner Ensembles, dessen Intendantin sie bis 1977 war. In dieser Zeit gelang es ihr, das BE aus der ideologischen und ästhetischen Erstarrung zu reißen und junge, unkonventionelle Kräfte an das Haus zu binden, unter anderem Heiner Müller und Einar Schleef. Nach der konzertierten Absetzung Berghaus‘ durch die Brecht-Erben, das ZK und einzelner Mitarbeiter des Berliner Ensembles versank dieses in der musealen Ausgestaltung des Brechtschen Werks. Ruth Berghaus‘ Karriere begann an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin 1951. Dort inszenierte sie etliche Stücke. Bis heute werden dort noch zwei ihrer Inszenierungen gespielt: Der Barbier von Sevilla von Gioachino Rossini aus dem Jahr 1968 (inzwischen mehr als 300 mal aufgeführt) sowie Pelléas et Mélisande von Claude Debussy aus dem Jahr 1991 (erst etwa 30 mal aufgeführt). 1980-87 arbeitete sie an der Frankfurter Oper. Dort entstanden ihre bedeutendsten Aufführungen: 1980 Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, 1981 die – einschließlich Bühnenbild – von ihr entworfene Entführung aus dem Serail, 1982 Die Trojaner von Hector Berlioz (Bühnenbild Hans-Dieter Schaal), Die Sache Makropoulos von Leos Janácek und schließlich Richard Wagners Parsifal und 1985-87 Der Ring des Nibelungen. 1992 kehrte sie nochmals an die Frankfurter Oper zurück und inszenierte den Rosenkavalier. Daneben inszenierte sie 1980 am Nationaltheater Mannheim die Oper Elektra von Richard Strauss. Diese Inszenierung wird bis heute noch gespielt. 1985 in Prag den Wozzeck von Alban Berg und in Dresden Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke von Siegfried Matthus. 1986 debütierte sie an der Wiener Staatsoper mit der Choreografie von Hans Werner Henzes Orpheus (Bühnenbild Schaal, Dirigent Ulf Schirmer). In Brüssel inszenierte sie 1988 die Lulu von Alban Berg und im gleichen Jahr für die Wiener Festwochen im Theater an der Wien Fierrabras von Franz Schubert (Bühnenbild Schaal, Kostüme Marie-Louise Strandt, Dirigent Claudio Abbado) als auch in Hamburg an der Staatsoper Tristan und Isolde von Richard Wagner (Bühnenbild Schaal, Kostüme Strandt). Auch diese Inszenierung wird bis heute noch gespielt. Am Opernhaus Zürich entstanden Inszenierungen des Freischütz von Carl Maria von Weber (Dirigent Nikolaus Harnoncourt) und Der fliegende Holländers. Berghaus‘ letzte Arbeit war Freispruch für Medea von Rolf Liebermann, eine Uraufführung an der Hamburgischen Staatsoper 1994. Die letzte noch von Berghaus konzipierte Aufführung war 1995 Die Fledermaus von Johann Strauß in Leipzig, welche ein Assistententeam in ihrer Lesart realisierte. Sie arbeitete zudem am Wiener Burgtheater als Regisseurin und inszenierte hier 1991 Penthesilea von Kleist und 1993 Der kaukasische Kreidekreis von Brecht (beide mit Erich Wonder als Bühnenbildner). Sie war eine der wenigen Regisseure, die ihr Handwerk an junge Kollegen weiterzugeben versuchten. So veranstaltete sie in drei aufeinanderfolgenden Jahren einen „Meisterkurs für Opernregie“, bei denen Berufsanfänger Szenen aus ausgewählten Werken vorinszenierten. Sie starb 1996 in Zeuthen bei Berlin an den Folgen einer Krebserkrankung. Ihr Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte. Berghaus‘ Arbeit wird von der Berliner Akademie der Künste dokumentiert und ist dort für Interessenten zugänglich.

 

2.8. Bryan BALKWILL: 95. Geburtstag

Nach dem Privatstudium erhielt er ein Stipendium der Royal Academy of Music. Anschließend dirigierte er an der New London Opera und 1950 in Glyndebourne, wo er schließlich stellvertretender musikalischer Leiter wurde. Daneben wirkte er auch als musikalischer Direktor des Festival Ballett in London. 1959-65 war er ständiger Dirigent am Covent Garden Opera House; 1963-67 musikalischer Direktor der Welsh National Opera und musikalischer Direktor der Sadler’s Wells Opera (1966-69). 1978 wurde er von der Indiana University School of Music zum Professor der Musik ernannt. Er starb im Februar 2007.

 

3.7. Ken RUSSELL: 90. Geburtstag

Nach dem Besuch des Pangbourne Nautical College ließ er sich auf der Walthamstow Art School in London zum Fotografen ausbilden. Bereits früh beschäftigte er sich mit dem Film als Medium. Er experimentierte als Amateur mit 16-mm-Schmalfilm, den er später auch professionell nutzte. Seine ersten drei Amateurfilme, darunter Amelia und die Engel, drehte er 1957 und 1958. Ab 1958 schuf er für die BBC mehrere Dokumentarfilme über Komponisten. Sein unkonventioneller Stil – Russell stellte weniger Fakten als sein individuelles Empfinden in den Vordergrund – brachte ihm seitens verschiedener Musikkritiker den Vorwurf der Respektlosigkeit ein. Gleichzeitig lobte ihn die internationale Presse als außergewöhnlich einfallsreichen Regisseur. Nachdem er 1964 seinen ersten Kinofilm (French dressing) gedreht hatte, gelang ihm 1969 mit Liebende Frauen (Women in Love nach D.H. Lawrence) der Durchbruch als Spielfilmregisseur. Glenda Jackson erhielt für diesen Film den Oscar für die beste Hauptrolle. Es folgten weitere Erfolge wie die Aldous-Huxley-Verfilmung Die Teufel (The Devils) von 1972, 1974 die Rockoper Tommy von und mit der Band The Who, sowie 1973 der Musicalfilm Lisztomania. In den 1980er-Jahren arbeitete Russell für längere Zeit in den USA. Dabei entstanden moderne Genre-Klassiker wie 1980 Der Höllentrip (Altered States), 1984 China Blue bei Tag und Nacht  (Crimes of Passion) mit Kathleen Turner und Anthony Perkins, Gothic von 1986 und Der Biss der Schlangenfrau (Lair of the White Worm) von 1988. 1990 folgte Die Hure (Whore). Während der ersten Hälfte der 1980er Jahre betätigte sich Russell außerdem als Opernregisseur und inszenierte in Florenz, Lyon, Charleston (USA), an der Wiener Staatsoper (Charles Gounods Faust 1985) und in Spoleto verschiedene Opern, darunter Arrigo Boitos Mefistofele. Seine Inszenierungen unterstrichen zwar seinen Ruf als einfallsreichen Exzentriker, wurden von der Kritik aber größtenteils verrissen. In den 1990er Jahren hatte Russell zunehmend Schwierigkeiten, seine Projekte finanzieren zu lassen – nicht zuletzt aufgrund seiner Themen- und Darstellerwahl. Er ging deshalb dazu über, die Finanzierung selbst zu übernehmen und Low-Budget-Undergroundfilme zu produzieren. Durch Russells Werke ziehen sich Themen wie Sexualität und Religion, die Russell freizügig und oft auch bewusst provokant behandelte. Seine stark symbolhafte Bildsprache greift mitunter auf manieristische Elemente zurück. Er starb 2011 in London.

 

3.7. David WARD: 95. Geburtstag

David WARD

Er war zunächst Volksschullehrer in Sheffield. Dann ließ er seine Stimme am Royal College of Music in London durch Clive Carey ausbilden. Weitere Ausbildung durch Hans Hotter in München. 1952 trat er dem Chor der Sadler’s Wells Opera bei, und schon 1953 wurde er als erster Bassist in das Ensemble übernommen (Debüt als Old Bard in »The Immortal Hour« von Boughton). Seine erste große Partie war hier der Graf Walter in Verdis »Luisa Miller«. Er trat dort bis 1959 u.a. als Dr. Grenvil als »La Traviata«, als Simone in »Gianni Schicchi«, als Colline in »La Bohème«, als Monterone im »Rigoletto«, als Minister im »Fidelio«, als Zuniga in »Carmen«, als Mephisto im »Faust« von Gounod, als Daland in »Der fliegende Holländer« und als Landgraf im »Tannhäuser« auf und wirkte 1953 in der Uraufführung der Oper »Nelson« von Lennox Berkeley mit. 1954 übernahm er beim Aldeburgh Festival das Bass-Solo in der Johannespassion von J.S. Bach, wie er denn allgemein als großer Bach- und Händel-Sänger galt. 1957 sang er bei der Edinburgh Opera Company den Zaccaria im »Nabucco«, 1958 bei der Dundee Opera Society den Mephisto im »Faust« von Gounod. 1958 sang er beim Glyndebourne Festival den Trulove in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, 1960 ebenfalls dort sowie beim Edinburgh Festival den Lord Walton in Bellinis »I Puritani«. 1958 trat er in seiner ersten Wagner-Partie, dem Fliegenden Holländer, vor das Londoner Opernpublikum und entwickelte sich bald zum Wagner-Spezialisten. 1960 gastierte er an den Opern von Frankfurt a.M. und Hamburg als Hunding in der »Walküre«. Er wirkte auch bei den Festspielen von Bayreuth mit, und zwar 1960 als Titurel im »Parsifal«, 1961 als Fasolt im »Rheingold« und als einer der Ritter im »Parsifal«. Seit 1960 trat er an der Covent Garden Oper London auf (Antrittsrolle: Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«). Hier sang er 1961 den Morosus in der englischen Premiere der Oper »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, 1962 den Wanderer und 1964 den Wotan im Ring-Zyklus, auch den Arkel in »Pelléas et Mélisande«, den Papst Clemens in »Benvenuto Cellini« von H. Berlioz, den Rocco im »Fidelio«, den Basilio im »Barbier von Sevilla« und den Iwan Chowanski in »Chowanschtschina« von Mussorgsky. 1963 folgte er einem Ruf an die Metropolitan Oper New York. (Debüt 1964 als Sarastro in der »Zauberflöte«). Er sang an diesem Haus bis 1980 in insgesamt 48 Vorstellungen auch den Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, den Fliegenden Holländer, den Hunding, einen der Nazarener in »Salome« von R. Strauss, die Titelrolle in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók und den Mr. Flint in »Billy Budd« von B. Britten. An der Scottish Opera Glasgow gastierte er 1964-77 als Commendatore im »Don Giovanni«, als Boris Godunow, als Wotan und Wanderer im Ring-Zyklus, als König Marke in »Tristan und Isolde«, als Pogner und als Banquo in Verdis »Macbeth«. Beim Edinburgh Festival gastierte er 1968 mit dem Ensemble der Hamburger Staatsoper als Fliegender Holländer. Er gastierte am Teatro Colón Buenos Aires, an der Staatsoper Wien (1968 als Großinquisitor und 1970 als Wotan in der »Walküre«), an der Mailänder Scala (1968 als Wotan in der »Walküre« und 1976 bei einem Gastspiel der Covent Garden Oper London als Papst Clemens in »Benvenuto Cellini«), am Teatro San Carlos Lissabon (1967), an den Opern von Chicago, Mexico City, New Orleans, San Francisco (1967 als Wotan im »Rheingold«, 1969 als Sarastro, 1982 als König Heinrich im »Lohengrin«) und Los Angeles (1969 als Wotan in der »Walküre«). Am Teatro Colón Buenos Aires war er als Wotan im Nibelungenring zu hören. Allein in einem Jahr, 1967, wirkte er in fünf verschiedenen vollständigen Aufführungen des Nibelungenrings mit. Man schätzte auf der Bühne die Fülle seines Stimmmaterials wie die aristokratische Würde seines Vortrags. Weitere Bühnenpartien des Künstlers waren der König Philipp in Verdis »Don Carlos« und der Fiesco in »Simon Boccanegra«. 1972 wurde er zum Commander of the British Empire ernannt. Er starb 1983 in Dunedin (Neuseeland).

Lit: A. Jefferson: David Ward (in »Opera«, 1968).

Schallplatten der Firma Decca (Bass-Solo im »Messias«, Hunding in der »Walküre«). Auf MRF Mitschnitt der vollständigen Oper »Benvenuto Cellini« von Berlioz aus der Covent Garden Oper von 1966, auf EJS in »La jolie fille de Perth« von Bizet. Auf CBS singt er den Arkel in »Pelléas et Mélisande«.

 

5.7. Adolf LIEBAN: 150. Geburtstag

liebahn

 Er entstammte einer jüdischen Kantorenfamilie. Wie seine Brüder Julius, Siegmund und Adalbert Lieban wurde auch er ein bekannter Sänger. Er ist vor allem an Berliner Operettenbühnen aufgetreten, war aber auch als Opern- und Konzertsänger tätig. 1906-08 war er am Lortzing-Theater in Berlin als Sänger verpflichtet, dessen Leitung er in der folgenden Spielzeit 1907-08 übernahm. 1916-18 bestand ein Engagement am Berliner Metropoltheater. Er gastierte sogar gelegentlich an der Berliner Hofoper und ging in Berlin auch einer umfangreichen pädagogischen Tätigkeit nach. Seine Bühnentätigkeit ist in ihren Einzelheiten kaum zu klären. Er wurde in erster Linie durch eine Fülle von Schallplattenaufnahmen bekannt, von denen die ersten bereits in der Zeit kurz nach der Jahrhundertwende auf Zonophone erschienen. Es folgten viele Titel auf den Marken HMV, Beka und DGG. Zumeist sind auf diesen Aufnahmen Unterhaltungslieder zu hören, doch finden sich darunter auch musikalisch anspruchsvollere Stücke. Bekannt wurde er als Mitglied eines Männer-Quartetts, des nach ihm benannten Lieban-Quartetts, von dem auch Schallplatten vorhanden sind. Er war der Gründer der Schallplattenfirma Lyrophon, auf der 1904-06 Aufnahmen seiner Stimme erschienen. Auf Lyrophon singen die vier Brüder Lieban als Quartett auf einer Schallplatte. Seine Bühnentätigkeit ist in ihren Einzelheiten kaum zu klären. Er starb 1924 in Berlin.

Weitere Aufnahmen: Künstler-Phonographen-Walzen (um 1900), Polyphon, Vox.

 

6.7. Alexandre GOURDIN: 175. Geburtstag

 Seine Ausbildung fand bis 1860 am Conservatoire National Paris statt, wo er Schüler der Pädagogen Fontana, T.-E. Mocker und Duvernoy war. Im gleichen Jahr debütierte er an der Opéra-Comique Paris in der Uraufführung der Oper »Maître Claude« von Jules Cohen. Da er sich als gewandter Darsteller erwies, konnte er bald einen angesehenen Rang im dortigen Sängerensemble einnehmen, zumal er erfolgreich in einigen Uraufführungen mitwirkte, so als Baskir in »Lalla Roukh« von F. David (1862), als Lambro in »Lara« von Maillart (1864) und als Capitain Parole in »Le Saphir« (1865), wiederum einem Werk von F. David. Im Laufe des Jahres 1865 machten sich Zeichen einer schweren, unheilbaren Krankheit bei ihm bemerkbar, der er dann im Juli 1865 in Inchy bei Arras (Departement Pas-de-Calais) erlag, noch bevor seine Karriere auf ihrem Höhepunkt angelangt war. Von seinen weiteren Bühnenrollen sind der Dorimont in »La fausse Magie« von Grétry, der Max in »Le Chalet« von A. Adam, der Michel in »Le Caïd« von A. Thomas und der Pygmalion in »Galathée« von V. Massé zu nennen.

 

7.7. Harry FRIEDAUER: 90. Geburtstag

Harry FRIEDAUER

Er nahm als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil und erlitt eine schwere Verwundung. Er erhielt seine Ausbildung in Karlsruhe und war seit 1951 als Schauspieler am dortigen Staatstheater engagiert. 1952 wechselte er zur Operette und hatte in den Jahren 1953-78 eine sehr erfolgreiche Karriere am Theater am Gärtnerplatz in München wie auch bei Gastspielen. Er glänzte vor allem in Buffo-Rollen wie dem Bobinet in »Pariser Leben« von Offenbach, dem Merkur in »Orpheus in der Unterwelt« vom gleichen Komponisten, dem Armand in F. Lehárs  »Der Graf von Luxemburg«, dem Gustl im »Land des Lächelns«, dem Orlofsky in der »Fledermaus«, dem Koloman Zsupan in »Gräfin Mariza« von Kálmán, dem Iwan im »Zarewitsch« von Lehár, dem Seppl in »Maske in Blau« von Fred Raymond, dem Arpád in N. Dostals »Die ungarische Hochzeit«, um nur einige Höhepunkte aus seinem reichhaltigen Repertoire zu nennen. Er zeichnete sich neben seiner temperamentvollen Darstellung auf der Bühne auch als hervorragender Tänzer aus, dessen akrobatische Darbietungen umso erstaunlicher waren, als er unter den Folgen einer schweren Kriegsverletzung litt. In den fünfziger Jahren wurde er vor allem durch Radio- und Fernsehsendungen bekannt, nicht zuletzt auch durch sein Auftreten im Film. Er starb 1985 in Marzling (Landkreis Freising) an den Folgen eines Autounfalls, den er während eines Spaziergangs erlitt.

Schallplatten: Zahlreiche Aufnahmen, zumeist Operetten-Querschnitte auf Eurodisc (»Glückliche Reise« von E. Künnecke), Decca (»Friederike« von F. Lehár), Ariola (»Das Land des Lächelns«, »Viktoria und ihr Husar« von P. Abraham), auch auf HMV-Electrola vertreten.

 

7.7. Elda DI VEROLI: 125. Geburtstag

Elda Di Veroli

 Sie war Schülerin der Pädagogin Elvira Ceresoli-Salvatori in Rom und debütierte 1919 am Teatro Traiano von Civitavecchia als Gilda im »Rigoletto«. Noch im gleichen Jahr 1919 sang sie am Teatro Costanzi in Rom die Norina im »Don Pasquale«. Sie war dann oft am Teatro San Carlo in Neapel anzutreffen, wo sie 1921 die Rosina im »Barbier von Sevilla« sang. 1922 und 1925 trat sie am Teatro Costanzi in Rom als Gilda auf, 1923 gastierte sie am Teatro Carlo Felice von Genua. In der Saison 1922-23 war sie bei der Italienischen Oper in Holland engagiert. 1924 hatte sie, wiederum als Gilda, große Erfolge am Teatro Carcano in Mailand. 1929 gab sie ein längeres Gastspiel am Teatro Donizetti in Bergamo. Weitere Gastspiele an den Opernhäusern von Bologna, Triest, Verona und Padua; sie bereiste die Schweiz, Spanien und Portugal sowie Polen und trat an der Oper von Nizza, am Teatro Liceu Barcelona und in Portugal am Teatro Sao João Porto auf. 1926 gastierte sie sehr erfolgreich als Gilda an der Grand Opéra Paris. In der Saison 1936-37 kam ihre Bühnenkarriere zum Abschluss. Als Jüdin wurde sie in Italien während der Jahre des Zweiten Weltkrieges zunehmend verfolgt und musste 1943-44 ein gefährliches Leben im Untergrund führen. Nach Kriegsende trat sie 1945 nochmals in einem Konzert im italienischen Rundfunk RAI auf. Sie starb 1981 in Rom. Sie war eine Schwester des Komponisten und Dirigenten Manlio di Veroli.

Ihr Koloratursopran ist durch Columbia-Aufnahmen (1928) überliefert.

 

8.7. Sven Erik VIKSTRÖM: 90. Geburtstag

Sven-Erik_Vikstrom-als Orpheus in der Unterwelt mit Elisabeth_Soderstrom als Eurydike
Als Orpheus in der Unterwelt mit Elisabeth Söderström

Er erlernte zunächst den Beruf eines Kürschners, kam aber 1950 in die Opernklasse der Stockholmer Musikakademie und wurde Schüler von Stina Rappe-Lunner und Dagmar Gustafson. 1951-52 sang er als erster Tenor in dem Männerquartett Synkopen. Bühnendebüt 1955 als Titelheld in »Orpheus in der Unterwelt« von Offenbach an der Stockholmer Oper, deren Mitglied er seitdem blieb. Er gastierte am Rikstheater Stockholm und an der Oper von Oslo. Seit 1968 trat er fast alljährlich bei den Festspielen von Drottningholm auf. Er war ein hoch geschätzter Oratoriensolist und wurde durch Sendungen des schwedischen Fernsehens, in denen er auftrat, bekannt. Auch als Filmsänger in Erscheinung getreten. Aus der großen Zahl der Partien, die er auf der Opernbühne sang, seien der Idamante in Mozarts »Idomeneo«, der David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Herzog im »Rigoletto«, der Bardolfo in Verdis »Falstaff«, der Missail im »Boris Godunow« und der Mr. Triquet im »Eugen Onegin« erwähnt, hinzu kam eine Vielzahl von Operettenpartien. 1957 sang er an der Stockholmer Oper in der Premiere von Alban Bergs »Wozzeck« den Hauptmann, am 31.5.1959 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Aniara« von Blomdahl, am 2.9.1965 in der von »Herr von Hancken« vom gleichen Komponisten mit, am 3.4.1968 in der von »Drottningen av Golconda« von F.A. Berwald, 1971 am Rotunda Teater Stockholm in der Uraufführung von »Experiment X« von Bengt Hambraeus. Er starb 2002 in St. Johannes bei Stockholm.

Zahlreiche Schallplattenaufnahmen auf den schwedischen Marken Interdisc, Swedish Society (4. Sinfonie von H. Alfvén), Lisna, Rex, Caprice (Arien aus schwedischen Opern) und auf amerikan. Columbia (»Aniara« von Blomdahl).

 

8.7. Emmerich SMOLA: 95. Geburtstag

Er studierte bereist mit 12 Jahren am Prager Konservatorium. 1946 begann er seine Karriere als Kontrabassist beim unter der französischen Militärregierung neu gegründeten Funkorchesters Kaiserslautern, dessen Chefdirigent er 1948 wurde. Nach dessen Fusion mit dem Unterhaltungsorchester Koblenz 1951 im Rahmen einer Senderumstrukturierung war er bis 1987 Chefdirigent des Rundfunkorchesters Kaiserslautern des Südwestfunks, daneben Abteilungsleiter für Musik und Leiter des Studios Kaiserslautern des Südwestfunks. Nach Angaben des SWR dürfte Smola den Weltrekord halten, was Anzahl und Bandbreite der von ihm eingespielten Musik angeht: über 18.000 verschiedene Titel finden sich im Archiv des SWR – von der Barockmusik zur Neuen Musik, von Oper und Operette bis zu Jazz und Musical. Er starb 2011 in Kaiserlautern. Nach ihm benannt ist die Emmerich-Smola-Musikschule der Stadt Kaiserslautern, die Emmerich-Smola-Musikhalle in Kaiserslautern, der Emmerich-Smola-Platz in Kaiserslautern und ein Emmerich-Smola-Preis zur Förderung von Nachwuchsmusikern.

 

9.7. Karl DIETRICH: 90. Geburtstag

Er entstammte einer Familie auf dem katholischen Eichsfeld. Nach dem Abitur 1947 ging er zum Studium nach Jena und später nach Weimar, wo er ab 1954 als Dozent für Musiktheorie und Gehörbildung, ab 1984 als Professor für Komposition und Tonsatz lehrte. 1998 war er Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen im Deutschen Komponistenverband. Er starb 2014 in Weimar. Sein Grab befindet sich auf dem Weimarer Hauptfriedhof. Seit 2007 war er Ehrenbürger seines Geburtsortes.

In seinem musikalischen Schaffen war Karl Dietrich der Neuen Musik verpflichtet, die er nicht selten für Kompositionen mit christlichen Stoffen nutzte. Sein Werk umfasst Kammermusik, mehrere Liederzyklen, Kirchenmusik, Konzerte, acht Sinfonien, darunter die 1982 uraufgeführte 4. Sinfonie „contra bellum“ („Gegen den Krieg“) nach dem c.f. des lutherischen Renaissance-Komponisten Balthasar Resinarius „Verleih uns Frieden, gnädiglich“ (Schallplatte 1985, SSO Gotha, MD Seyfarth). Karl Dietrichs 5. Sinfonie „Die Weimarische“ nach dem Gedicht „Die Größe der Welt“ von Friedrich Schiller stand 1984/85 im Widerspruch zur sozialistischen Kulturtheorie. Es wurde als „dekadent“ beurteilt und durfte erst nach der Wende uraufgeführt werden, was 2004 in Form des Abschlusskonzertes der 5. Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik geschah (Staatskapelle Weimar, Peter Hirsch). Karl Dietrich schrieb auch zwei Opern: „Die Wette des Serapion“, Komische Oper in 4 Szenen und 3 utopischen Intermezzi, Libretto: Heidemarie Stahl, UA 1984 Gera, und „Pervonte oder Die Wünsche“, Oper nach dem gleichnamigen Gedicht von Christoph Martin Wieland, welches wiederum auf eine Märchenerzählung von Giambattista Basile von 1634 zurück geht; Libretto: Heidemarie Stahl, UA 1989 Stralsund, 1990 Kiel, erschienen im Bärenreiterverlag Kassel. Seine „Rupert Mayer-Reflexionen für Orgel“ wurden im Juni 2016 bei einer Audienz Papst Franziskus übergeben, damit das Werk bei einer eventuellen Heiligsprechung Mayers im Vatikan aufgeführt werden könnte. Das Werk ehrt den 1987 für seinen Widerstand gegen die NS-Herrschaft seliggesprochenen Jesuiten-Priester.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.karldietrich.de/

 

9.7. Clara Louise KELLOGG: 175. Geburtstag

Clara Louise KELLOGG

 Sie studierte in New York bei Émile Millet, Mariano Manzocchi und Emanuele Muzio. Sie debütierte an der Academy of Music New York 1860 als Gilda im »Rigoletto« und war während drei Spielzeiten bei der Operngesellschaft von Maurice Grau engagiert, wo sie als Linda di Chamounix, dann aber besonders am 26.11.1863 als Marguerite in der New Yorker Premiere von Gounods »Faust« große Erfolge erzielte. 1867 trat sie als Gast am Her Majesty’s Theatre in London auf. Sie erregte hier als Traviata, als Linda di Chamounix in der Oper gleichen Namens von Donizetti, als Zerline im »Don Giovanni« und als Martha in der bekannten Oper von Flotow großes Aufsehen. Der Komponist Luigi Arditi schrieb für sie den »Kellogg-Walzer«, eine Koloratur-Bravourarie, die sie im Finale der Oper »Linda di Chamounix« als Einlage vortrug. 1868-72 unternahm sie ausgedehnte Tourneen in den USA. 1872 war sie dann wieder in London als Gast zu hören. 1872 gründete sie zusammen mit der großen Primadonna Pauline Lucca die Kellogg-Lucca Opera Company, die aber nur vorübergehend Bestand hatte. 1873-76 war sie Direktorin der English Opera Company, mit der sie große Gastspiel-Tourneen durch den nordamerikanischen Kontinent unternahm. Diese Truppe entfaltete eine derartige Aktivität, dass sie während einer Stagione 125 Aufführungen veranstaltete, in denen auch Clara Louis Kellogg immer wieder als Sängerin auftrat. Insgesamt trug sie auf der Bühne 40 große Opernpartien vor; als eine ihrer Glanzrollen galt die Aida, die sie 1877 während ihrer USA-Tournee mit der Tre Grazie-Company unter Carl Rosa, 1879 auch in Montreal und Toronto, sang. 1879 erschien sie nochmals am Her Majesty’s Theatre in London, jetzt vor allem als Aida und als Philine in der Oper »Mignon« von A. Thomas bewundert. 1880 gastierte sie an der Wiener Hofoper (als Leonore im »Troubadour« und als Philine), 1881 an der Hofoper von St. Petersburg. Nach 1881 trat sie hauptsächlich im Konzertsaal auf. 1887 nahm sie von der Bühne Abschied, nachdem sie ihren Manager Carl Strakosch, einen Neffen des Impresarios Max Strakosch (1834-92), geheiratet hatte. Auch danach war sie noch in ihrer amerikanischen Heimat organisatorisch auf dem Gebiet der Oper tätig. Sie starb 1916 in Elpstone bei Hartford (Connecticut).

Lit: H.P. Spofford: Clara Louise Kellogg, Our Famous Woman (Hartford, Conn., 1884);  S.L. Kellogg: »Memoirs of an American Prima Donna« (New York, 1913 mit interessanten Mitteilungen über zeitgenössische Sängerinnen wie Adelina Patti und Lillian Nordica).

 

10.7. Maureen GUY: 85. Geburtstag

Maureen GUY

Sie wurde in einem kleinen Dorf in Wales westlich von Swansea als jüngstes von sechs Kindern eines walisischen Bergarbeiters geboren. Sie wuchs mit Kirchenmusik, die in der nahegelegenen Bethel Chapel zur Aufführung gebracht wurde, auf. Sie besuchte die Schule im Nachbarort Gowerton. Im Alter von 18 Jahren gewann sie ein Stipendium der Grafschaft Glamorgan, mit dem sie in London Musik studieren konnte. Sie besuchte die Guildhall School of Music and Drama. 1955 war sie Finalistin bei den Kathleen Ferrier Awards. Ihr Debüt als Opernsängerin gab sie an der Sadler’s Wells Opera in London als Dryade in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1957 gab sie ein Recital in der Londoner Wigmore Hall, wo sie Arien von Georg Friedrich Händel und Gaetano Donizetti sang. Sie erhielt hierfür hervorragende Kritiken, in denen vor allem die technische Sicherheit ihres Kontra-Alts hervorgehoben wurde. In den frühen 1960er Jahren war Maureen Guy regelmäßig als Konzertsolistin in London zu hören. Sie trat u.a. mit den London Mozart Players unter Harry Blech und dem Philharmonia Orchestra London unter Otto Klemperer auf. Außerdem sang sie an der Sadler’s Wells Opera die Olga in »Eugen Onegin«. Sie bekam durchgehend positive Kritiken, obwohl sie häufig zunächst auf der Opernbühne nur Nebenrollen sang. 1963 wurde sie als Erste Mezzosopranistin an das Royal Opera House Covent Garden verpflichtet. Sie trat dort u.a. in Hans Hotters Inszenierung von Richard Wagners »Götterdämmerung« auf, als Flosshilde neben Rita Hunter und Birgit Nilsson unter der musikalischen Leitung von Sir Georg Solti, außerdem als Maddalena in »Rigoletto« unter Sir Edward Downes (neben Peter Glossop in der Titelrolle) und als Suzuki in »Madame Butterfly«. Bei der Amtseinführung von Prinz Charles als Prince of Wales auf Caernarfon Castle sang sie am 1. Juli 1969 bei einem Festkonzert mit dem BBC Welsh Orchestra, in dem insgesamt 15 walisische Künstler auftraten, an der Seite von Geraint Evans, Gwyneth Jones und Margaret Price. 1972 wurde sie für drei Spielzeiten Ensemblemitglied der Oper Frankfurt. 1977 sang sie an der Welsh National Opera die alte Gräfin in der Oper »Pique Dame« unter dem Dirigenten David Lloyd-Jones. Maureen Guy trat an Opernhäusern in Frankreich, Spanien und Portugal auf; sie sang in Budapest, Israel, Neuseeland und unternahm eine Konzerttournee durch Australien. 1970 war sie die Alt-Solistin in einer Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie in Jerusalem, mit dem Israel Philharmonic Orchestra und dem Dirigenten Zubin Mehta. 1971 sang sie anlässlich des 80. Geburtstages von Igor Strawinsky unter der Leitung des Komponisten die Iokaste in einer Aufführung von dessen Oper »Oedipus Rex« im Theater des Herodes Atticus in Athen. In den 1960er und 1970er Jahren trat sie außerdem mehrfach bei den Proms-Konzerten auf. Sie sang 1963 im Proms-Konzert anlässlich des 150. Geburtstages von Richard Wagner unter der musikalischen Leitung von Sir Georg Solti, 1968 im Gedenkkonzert für Sir Malcolm Sargent unter Leitung von Sir Colin Davis bei der First Night of the Proms und 1976 die Alt-Partie bei der alljährlichen Aufführung von Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. Nach Beendigung ihrer Gesangskarriere war sie bis 1998 als Gesangsprofessorin am Welsh College of Music and Drama tätig; danach erteilte sie bis wenige Wochen vor ihrem Tod privaten Gesangsunterricht. Sie starb 2015 in Haverfordwest (Pembrokeshire, Wales). Sie war mit dem britischen Tenor John Mitchinson (* 1932) verheiratet. Die Ehe wurde am 8. Mai 1958 in der Kirche von Guys Heimatort Penclawdd in Glamorganshire geschlossen. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Guy und Mitchinson hatten sich bei einer Aufführung von »Elijah« in Wales kennengelernt. Guy sang auf der Opernbühne schwerpunktmäßig die dramatischen Partien für Mezzosopran und Alt. Zu ihren Rollen gehörten u.a. die Titelpartie in Glucks »Orfeo ed Euridice«, Azucena im »Troubadour«, Prinzessin Eboli in Verdis »Don Carlos«, Amneris in »Aida«, Adriano in Wagners »Rienzi«, Fricka und Erda im Nibelungenring, Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns und, als Charakterpartie, Mrs. Sedley in »Peter Grimes« von B. Britten.

Es liegen nur wenige kommerzielle, offizielle Tondokumente von Maureen Guy vor. 1963 sang sie in Wien in Sir Georg Soltis legendärer Decca-Einspielung von Wagners »Der Ring des Nibelungen« die Rolle der Flosshilde in der »Götterdämmerung«. Die Rolle der Maddalena in »Rigoletto« ist in einer Privataufnahme aus der Sadler’s Wells Opera, sowie in einem »Rigoletto«-Querschnitt bei HMV erhalten. In einer Live-Aufnahme von 1961 aus der Covent Garden Oper London sang sie unter der musikalischen Leitung von Sir Georg Solti die Partie der Grimgerde in »Die Walküre«. In einem Konzert-Livemitschnitt der BBC von 1978 singt Guy Arien aus Opern von Christoph Willibald Gluck, Camille Saint-Saëns und Giuseppe Verdi.

 

10.7. Gerd NIENSTEDT: 85. Geburtstag

Gerd Nienstedt als Kothner in Bayreuth
Als Kothner in Bayreuth

Studium bei Otto Köhler in Hannover. 1954 fand sein Bühnendebüt am Stadttheater von Bremerhaven als König Heinrich im »Lohengrin« statt. Er sang dann nacheinander am Stadttheater von Gelsenkirchen (1955-59), am Staatstheater von Wiesbaden (1959-61), an den Opernhäusern von Köln (1961-72) und Frankfurt a.M. In Köln wirkte er in der Uraufführung der Oper »Die Soldaten« von Bernd-Alois Zimmermann mit (15.2.1965). Als großer Wagnerinterpret erwies er sich bei den Festspielen von Bayreuth, wo er seit 1962 alljährlich bis 1976 zu hören war, im Einzelnen 1962-66 als einer der Gralsritter im »Parsifal«, 1962 und 1964 als Reinmar von Zweter im »Tannhäuser«, 1963-64 als Konrad Nachtigall in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1965-67 als Biterolf im »Tannhäuser«, 1965-75 als Donner im »Rheingold«, 1966 als Steuermann in »Tristan und Isolde«, 1967 als Hunding in der »Walküre«, 1967-73 als Klingsor im »Parsifal«, 1968-70 sowie 1973-76 als Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1968 als Fafner im »Siegfried«, 1972 als Heerrufer im »Lohengrin« und 1973-74 als Gunther in der »Götterdämmerung«. 1965 wurde er an die Wiener Staatsoper berufen, der er bis 1973 als Mitglied angehörte. Hier sang er in insgesamt 184 Vorstellungen den König Heinrich wie den Heerrufer im »Lohengrin«, den Pogner wie den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Sarastro wie den Sprecher in der »Zauberflöte«, den 1. Nazarener wie den Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, den Donner, den Minister im »Fidelio«, den Orest in »Elektra« von R. Strauss, den Crespel in »Hoffmanns Erzählungen«, den Landgrafen im »Tannhäuser«, den Hermann in »Dantons Tod« von G. von Einem, den Morone im »Palestrina« von H. Pfitzner, den Klingsor, den Tierbändiger wie den Theaterdirektor in »Lulu« von A. Berg, den Hagen in der »Götterdämmerung«, den Monterone im »Rigoletto«, den Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, den Komtur im »Don Giovanni«, den Albert K. in »Der Prozess« von G. von Einem, den Lehrer im »Besuch der alten Dame« von G. von Einem und den Ephraimit in »Moses und Aron« von A. Schönberg. Gastspiele führten den Künstler in die großen Musikmetropolen in Europa wie in Übersee. So gastierte er an der Mailänder Scala (1971 als Klingsor und in der Titelrolle von A. Bergs »Wozzeck« sowie 1979 bei einem Gastspiel der Pariser Oper als Tierbändiger und als Athlet in A. Bergs »Lulu«), an der Deutschen Oper Berlin, an der Oper von Rom, bei den Salzburger Osterfestspielen (1977 in Bachs Matthäuspassion) und am Teatro Colón von Buenos Aires. Gastspiele auch an den Opern von Genf (1971 als König Heinrich und 1979 als Kothner) und Zürich, von Chicago und Montreal, am Théâtre de la Monnaie Brüssel und in San Francisco (1970 als Jochanaan). Am 24.2.1979 wirkte er an der Grand Opéra Paris in der Uraufführung der von Fr. Cerha vervollständigten dreiaktigen Version von A. Bergs Oper »Lulu« mit (in den Partien des Tierbändigers und des Athleten). Große Erfolge hatte er dazu als Konzertsänger. 1973 ging er als Inspizient und persönlicher Referent des Intendanten an das Stadttheater von Bielefeld, dann Intendant des Städtebundtheaters in Hof (Bayern); 1985-87 Intendant des Landestheaters Detmold. Er trat in einem sehr umfangreichen Bühnenrepertoire auf: als Masetto im »Don Giovanni«, als Rocco im »Fidelio«, als Kaspar im »Freischütz«, als Zaccaria in Verdis »Nabucco«, als Iwan Chowanski in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, als Gurnemanz im »Parsifal«, als Falstaff von Verdi, als Gianni Schicchi in der Oper gleichen Namens von Puccini und als Förster in Janáceks »Das schlaue Füchslein«. Noch 1979 sang er in Amsterdam den 1. Nazarener in »Salome« von R. Strauss. Er ging später einer Lehrtätigkeit am Konservatorium der Stadt Wien nach. Er starb 1993 in Wien nach einer Operation.

Seine voluminöse, dunkle Stimme ist auf Philips-Schallplatten zu hören. Hier sang er in den vollständigen Opern »Tannhäuser«, »Parsifal«, »Die Meistersinger von Nürnberg«, »Die Walküre« und »Das Rheingold«, die bei den Bayreuther Festspielen aufgenommen wurden; weiter das Bass-Solo im Mozart-Requiem, das Solo in Gustav Mahlers »Das klagende Lied«; dazu auf der kleinen Marke Karussell volkstümliche Lieder, auf BASF Lieder von Grieg, auf Wergo (»Die Soldaten« von B.A. Zimmermann), auf HMV-Electrola in der vollständigen Oper »Salome« von R. Strauss und auf Gala den Piratenkönig in »Die Piraten« von A. Sullivan.

 

10.7. Werner FAULHABER: 90. Geburtstag

Werner Faulhammer als Donner in Bayreuth
Als „Donner“ im Rheingold.

Nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg wurde er durch den Bassisten Kurt Böhme entdeckt und studierte bei Robert Büssel und Walter Krone sowie an der Musikhochschule von Dresden. 1948 debütierte er an der Staatsoper von Dresden als Dr. Cajus in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«. 1950 erregte er in Dresden Aufsehen, als er ohne eine einzige Orchesterprobe den Don Pizarro im »Fidelio« und den Jago in Verdis »Otello« sang. Bei den Festspielen von Bayreuth sang er 1951-52 einen der Gralsritter im »Parsifal« und den Donner im »Rheingold«, 1951 den Nachtwächter und 1952 den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1952 auch den Steuermann in »Tristan und Isolde«. Es folgten Gastspiele an der Komischen Oper Berlin sowie am Teatro San Carlo von Neapel und am Teatro Liceu von Barcelona. Ab 1952 war er an der Wiener Staatsoper engagiert, an der er in insgesamt 25 Vorstellungen den  Mesner in »Tosca«, den Leporello im »Don Giovanni«, den Biterolf im »Tanhäuser«, den Nikititsch im »Boris Godunow«, den Figaro in »Figaros Hochzeit«, den Lodovico in Verdis »Otello«, den Schlemihl in »Hoffmanns Erzählungen«, den Don Pizarro,  den 1. Nazarener in »Salome« von R. Strauss, den Mandarin in Puccinis »Turandot«, den Kothner, den König in »Aida«, den Schaunard in »La Bohème«, den Bonze in »Madame Butterfly« und den Kaspar im »Freischütz« sang. Noch bevor seine Karriere ihren Höhepunkt erreicht hatte, stürzte der Künstler 1953 während eines Italienurlaubs an der Steilküste von Portofino einen Felsen hinab und wurde tödlich verletzt.

Die schön gebildete Bass-Baritonstimme des Künstlers ist uns auf Eterna sowie auf Decca (kleine Partien in »Die Meistersinger von Nürnberg« und im »Parsifal« aus Bayreuth, 1951) erhalten. Auf Melodram singt er den Donner im »Rheingold« (Bayreuth, 1952), auf Cetra Opera Live den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg« (1952); Übernahme einer Rundfunkaufnahme des »Freischütz« auf BASF.

 

10.7. Johann REINHARD: 150. Geburtstag

 Sein eigentlicher Name war Johan Reindert (R.) Schultze. Unter diesem Namen debütierte er 1896 beim Amsterdamer Wagner-Verein als Kunz Vogelgesang in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1899-1900 war er bei der Nederlandse Opera von van der Linden engagiert. 1901-02 war er dann am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg, 1902-04 am Stadttheater von Stralsund, 1904-05 am Nationaltheater Berlin, 1905-09 an der Wiener Volksoper tätig. In den Jahren 1909-11 sang er am Opernhaus von Riga, schließlich 1911-12 an der Komischen Oper Berlin. Seine Opernkarriere im Ausland erfolgte unter dem Pseudonym Johann Reinhard. In Wien war er auch in klassischen Operetten, so in einer glänzenden Inszenierung von Johann Strauß »`Der Zigeunerbaron« zu hören. Während seiner Karriere im Ausland trat er aber noch gastweise in seiner Heimat Holland auf, so 1900-02 in Amsterdam als David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, als Tamino in der »Zauberflöte«, als Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, als Gérald in »Lakmé« von Delibes, als Manrico im »Troubadour« und als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut« sowie am 9.1.1903 als Jean in der Uraufführung der Oper »Het Eerekruis« von Cornelis Dopper. Er gastierte auch bei De Nieuwe Nederlandse Opera Amsterdam und 1907 an der Nederlandse Opera im Amsterdamer Rembrandt-Theater. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, kam er 1914 wieder endgültig nach Holland zurück, wo er zuerst bei De Nederlandse Opera en Operette, dann bei den zu dieser Zeit in Holland zahlreich entstehenden (und zumeist kurzlebigen) Operngesellschaften sang, u.a. 1915 bei der Opernkompanie von Kopman, 1916-19 bei De Nederlandse Opera, 1919-23 bei De Nederlandse Nationale Opera, 1923-24 bei der »Gast«-Opera (Leitung Cornelis Bronsgeest), 1923-24 auch bei der Volks-Opera von Chris de Vos und D. Pauwels. Er sang hier, auf dem Höhepunkt seiner Karriere stehend, u.a. den Gennaro in »I Gioielli della Madonna« von E. Wolf-Ferrari, den Faust von Gounod, den Don José in »Carmen«, den Radames in »Aida«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Canio im »Bajazzo«, den Ktesiphar in Korngolds »Die toten Augen« (in der holländischen Erstaufführung der Oper 1920 in Amsterdam), den Leopold in »La Juive« von Halévy, insgesamt ein sehr umfangreiches Repertoire. 1924-28 war er bei der Gesellschaft Co-opera-tie in Den Haag engagiert, mit der er in Paris (1926 Grand Opéra) und Nizza gastierte und dabei den Mime im »Siegfried« mit dem berühmten Tenor Jacques Urlus in der Titelpartie sang. Seine Rollen bei der Gesellschaft Co-opera-tie waren mehr im Buffo- und Charakterfach beheimatet: der Nando in »Tiefland« von E. d’Albert, der Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, der Jaquino im »Fidelio«, der Steuermann in »Der fliegende Holländer«, der Basilio in »Figaros Hochzeit«, der Monostatos in der »Zauberflöte« und der Hirt in »Tristan und Isolde«. Bekannt wurde er auch als Konzertsänger, vor allem als Solist im holländischen Rundfunk. Hier sang er 1929 als Abschiedsrolle den Remendado in »Carmen«. Nach dem Rücktritt aus seiner Bühnenlaufbahn besaß er in Amsterdam ein Zigarrengeschäft. Er starb 1943 in Apeldoorn (Holland). –  Zu Beginn seiner Karriere trat er oft zusammen mit einer Sopranistin Helena Schlutze-Färber (vielleicht seine Ehefrau) auf, die in mittleren und kleineren Rollen 1897-1901 an der Nederlandse Oper von van der Linden, 1901-03 am Amsterdams Lyrisch Toneel, 1903 an De Nieuwe Nederlandse Opera in Amsterdam erscheint, u.a. als Sandmännchen in »Hänsel und Gretel«, als Frédéric in »Mignon« von A. Thomas, als Ines im »Troubadour«, als Annina in »La Traviata« und als Siebel im »Faust« von Gounod. – Seit seiner Rückkehr nach Holland sang er wieder unter seinem eigentlichen Namen Johann R. Schultze.

Unter diesem Namen erschienen Aufnahmen auf der Marke Jumbo; zuvor jedoch sang er während der Wiener Zeit als Johann Reinhard auf Odeon (Wien, um 1909), Pathé und Zonophone.

 10.7. Joseph Francis DUGGAN (britischer Komponist): 200. Geburtstag

 11.7. Giorgio Federico GHEDINI: 125. Geburtstag

Er studierte Orgel, Klavier und Violoncello am Liceo musicale in Turin. 1911 legte er seine Diplomprüfung in Komposition am Konservatorium Bologna bei Marco Enrico Bossi ab. Nach Tätigkeiten als Chor- und Orchesterdirigent verlagerte sich sein Schwerpunkt auf Komposition und Lehre. 1918-37 war er am Liceo musicale in Turin tätig, 1937-41 als Kompositionslehrer am Konservatorium Parma und seit 1941 am Konservatorium Mailand, dem er 1951-62 als Direktor vorstand. 1963 wurde er mit einem Antonio-Feltrinelli-Preis ausgezeichnet. Zu Ghedinis Schülern zählten Marcello und Claudio Abbado, Luciano Berio, Niccolò Castiglioni, Fiorenzo Carpi und Carlo Pinelli. Ghedini starb 1965 in Nervi.

Ghedinis Musik stand anfänglich unter dem Einfluss von Ravel und seines italienischen Zeitgenossen Pizzetti. Eine intensive Beschäftigung mit der Musik des 17. und frühen 18. Jahrhunderts (insbesondere Monteverdi, Gabrieli, Frescobaldi und Vivaldi) schlug sich dann zunehmend in seinen eigenen Werken nieder, in denen er eine Verbindung zwischen Musik der Gegenwart und Vergangenheit herzustellen suchte. Dies führte insbesondere ab den 1930er-Jahren zu einem schwer einzuordnenden polyphonen, vorwiegend lyrisch-kantablen Personalstil, der sich dabei durchaus harmonischer Mittel des 20. Jahrhunderts bedient.

Ghedinis Werkverzeichnis umfasst neben Opern und Bühnenmusiken eine Sinfonie, Orchesterwerke und Solokonzerte in verschiedener (oft kleiner) Besetzung, Kammermusik, Lieder und Geistliche Werke. Das dem Albatros gewidmete «Concerto dell’Albatro» (1945) gilt als eines von Ghedinis herausragenden Werken. In der Verbindung linearer, karg wirkender musikalischer Linien mit rezitierten Passagen aus Herman Melvilles «Moby Dick» evozieren die Instrumentalteile den Eindruck des Eismeeres, und durch zarte Dialoge von Orchesterklavier und Streichern sowie punktuell eingesetzte Bläser eine unheilschwangere Atmosphäre.

 

12.7. Mario BASIOLA: 125. Geburtstag

Mario Basiola as Gerard

 Studium bei Antonio Cotogni in Rom. Er hatte nach seinem Bühnendebüt 1919 am Theater von Viterbo (als Alfonso in »La Favorita« von Donizetti) seine ersten Erfolge am Teatro Comunale Florenz. 1920 Gastspiel am Teatro Liceu in Barcelona, wo er in der Uraufführung der Oper »Il Monaco nero« von Cassado mitwirkte; 1921 gastierte er am Teatro della Pergola Florenz als Rigoletto. 1923-25 erster Bariton bei der San Carlo Opera Company, mit der er Nordamerika bereiste. 1925-32 Mitglied der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Amonasro in Verdis »Aida«). Hier sang er in insgesamt 272 Vorstellungen alle großen italienischen Bariton-Partien alternierend mit Titta Ruffo, Giuseppe de Luca und Giuseppe Danise, übernahm aber auch Partien aus der französischen Opernliteratur: den Sharpless in »Madame Butterfly«, den Grafen Luna im »Troubadour«, den Alfio in »Cavalleria rusticana«, den Valentin im »Faust« von Gounod, den Barnaba in »La Gioconda« von Ponchielli, den Rigoletto, den Rafaele in »I Gioielli della Madonna« von E. Wolf-Ferrari, den Tonio im »Bajazzo«, den Cinna in Spontinis »La Vestale«, den Gerard in »Andrea Chénier« von Giordano, den Enrico in »Lucia di Lammermoor«, den Figaro im »Barbier von Sevilla«, den Germont-père in »La Traviata«, den Carlo in »La Forza del Destino«, den Ping in Puccinis »Turandot«, den Escamillo in »Carmen«, den Nelsuko in Meyerbeers »Die Afrikanerin«, den Don Carlo in Verdis »Ernani«, den Bischof in der amerikanischen Erstaufführung von Pizzettis »Fra Gherardo« (1929), den Lescaut in Massenets »Manon«, den Marcello in »La Bohème«, den Nickelmann in Respighis »La campana sommersa«, den venezianischen Gast in der amerikanischen Erstaufführung von Rimsky-Korssakows »Sadko« (1930), den Dapertutto in »Hoffmanns Erzählungen«, den Belcore in »L’Elisir d‘amore«, den Jodelet in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Le preziose ridicole« (1930) von Felice Lattuada und den Pedrito in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »La Notte di Zoraima« von Montemezzi (als Partner von Rosa Ponselle, 1931). Er gastierte 1924-31 alljährlich an der Sommer-Oper von Ravinia bei Chicago, 1926 an der Oper von Havanna. 1932 kündigte er seinen Vertrag mit der Metropolitan Oper, als deren Direktion die Gagen der Sänger kürzte. 1933 kehrte er nach Italien zurück und sang dann während 15 Spielzeiten an der Mailänder Scala, aber auch an der Oper von Rom (u.a. 1935 in »Il Pirata« von Bellini) und an anderen großen Bühnen. 1935 trat er als Gast an der Wiener Staatsoper (als Rigoletto), 1938 am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, 1935-36 am Teatro Comunale Bologna (u.a. als Posa im »Don Carlos« von Verdi), 1933 beim Maggio Musicale Fiorentino als Riccardo in »I Puritani«, 1937 als Vater Miller in Verdis »Luisa Miller« auf. 1939 sensationelle Erfolge an der Londoner Covent Garden Oper als Jago im »Otello« und als Scarpia in »Tosca«. Während der Jahre des Zweiten Weltkrieges trat er in Italien auf und gastierte an deutschen Bühnen. 1946 Tournee mit einer italienischen Operntruppe durch Australien; er blieb darauf bis 1951 als Gesanglehrer in Sydney, später lebet er wieder in Mailand und war dort als Pädagoge tätig; einer seiner Schüler war der Bariton Aldo Protti. Mario Basiola starb 1965 in Annico bei Cremona. – Sein Sohn Mario Basiola jr. (1935-96) hatte wie sein Vater eine bedeutende Karriere als Bariton.

Zahlreiche Schallplattenaufnahmen auf Edison, Columbia und HMV. Sang in vollständigen Aufnahmen der Opern »Bajazzo« und »Madame Butterfly« als Partner von Benjamino Gigli. Auf Legato in vollständiger Aufnahme von Verdis »Troubadour« zu hören.

 

13.7. Stanislaw NIEDZIELSKI: 175. Geburtstag

 Er studierte Gesang und Musik in Warschau und debütierte 1861 dort in der Oper »Szlachte czyshzowa« von F. Blotnicki. Dann ging er zur weiteren Ausbildung nach Wien. Er sang anschließend am Theater von Graz, kam aber 1866 nach Polen zurück und debütierte an der Oper von Krakau als Janusz in »Halka« von Moniuszko. Bis 1886 hatte er an diesem Haus, das er 1875-86 als Direktor leitete, eine große Karriere, wobei er auf der Bühne namentlich als Valentin im »Faust« von Gounod und als Nevers in den »Hugenotten« von Meyerbeer erfolgreich war. Dann ging er als Pädagoge nach Warschau; dort ist er noch gelegentlich im Konzertsaal aufgetreten. In seiner polnischen Heimat wurde er als Komponist volkstümlicher Lieder bekannt, von denen einige allgemein verbreitet waren. Er starb 1895 in Warschau.

 

13.7. Elizabeth Taylor GREENFIELD: 200. Geburtstag

Elizabeth_Taylor_Greenfield

 Sie wurde als Kind einer Sklavenfamilie geboren, dann aber von einer wohlhabenden Quäkerwitwe Elizabeth Holiday Greenfield (deren Namen sie annahm) in Philadelphia frei gekauft und adoptiert. Diese ließ ihr eine gute Erziehung zukommen, wobei sich bald ein erstaunliches musikalisches Talent zeigte. Sie lernte Gitarre-, Harfen- und Klavierspiel und begleitete sich später auch auf diesen Instrumenten. In erster Linie war sie jedoch als Sängerin begabt. Nach dem Tod ihrer Adoptivmutter kam sie nach Buffalo; sie gab bereits 1851 ein Konzert im »North Star« in Buffalo. Im Dezember des gleichen Jahres erregte sie bei einem Konzert in Rochester großes Aufsehen, bei dem sie Arien von Händel, Bellini, Donizetti und Lieder von Bishop zum Vortrag brachte. Dabei wurde sie von dem Pianisten Holson begleitet, der später auch als Begleiter der »schwedischen Nachtigall« Jenny Lind bekannt wurde. Als diese weltberühmte Künstlerin in den Jahren 1850-52 ihre großen Nordamerika-Tourneen unternahm, hinterließ deren Gesang bei Elizabeth Greenfield einen unvergesslichen Eindruck. Wie Jenny Lind ihre Konzerte meistens mit einigen schwedischen Volksliedern schloss, so wählte sie als Schluss ihrer Programme Lieder wie »Old Hundreth« oder »Old Folks at Home«, mit denen sie jedes Mal das Publikum begeisterte. Einen Höhepunkt in ihrer Karriere bezeichnete ein Konzert in der New Yorker Metropolitan Hall am 31.3.1853 vor 4000 Zuhörern. 1853-54 konnte sie mit Hilfe der Schriftstellerin Harriet Beecher Stowe eine Kunstreise durch England unternehmen, die ebenfalls einen sehr erfolgreichen Verlauf nahm. Sie wurde auf dieser Tournee durch den berühmten Dirigenten und Pianisten Sir George Smart begleitet. Höhepunkt ihrer England-Reise war im Mai 1854 ein Konzert vor der englischen Königin Victoria. Die englische Presse zeigte sich von der Künstlerin, die eigentlich als erste Farbige eine internationale Sängerkarriere entwickeln konnte, in höchstem Maße begeistert. In den USA, wo man sie auch als »The black Swan« pries, gab sie 1855 Konzerte in Michigan, 1857 in Wisconsin, 1863 trat sie im kanadischen Montreal auf. Später lehrte sie in Philadelphia und bildete eine Anzahl von Schülerinnen, darunter Carrie Thomas, aus. Ihre Stimme wird als ein wahres Phänomen geschildert. Sie verfügte einerseits über die Tiefe eines fast männlich wirkenden Alts, reichte aber bis in höchste Sopranregionen; dazu schätzte man die Ausdruckskraft ihres Vortrages. Sie starb 1876 in Philadelphia.

 

14.7. Jan DERKSEN: 85. Geburtstag

Jan DERKSEN

Er verbrachte seine Jugend in Nymwegen. Nach seinem Militärdienst Ausbildung der Stimme bei Felix Hupka, Coby Riemersmaa, Heinrich Altmaa und anderen Pädagogen des Amsterdamer Konservatoriums. Er erregte erstes Aufsehen bei Konservatoriums-Aufführungen der Opern »Così fan tutte« und »Giulio Cesare« von Händel sowie bei Opernsendungen des holländischen Rundfunks. 1964 debütierte er sehr erfolgreich am Stadttheater von Bremerhaven in Verdis Oper »Attila«. Er gastierte 1965 am Stadttheater von Trier als Posa in Verdis »Don Carlos« und wurde dann für lange Zeit Mitglied des Staatstheaters Hannover. Seit etwa 1965 trat er ständig an der Niederländischen Oper Amsterdam in Erscheinung; man schätzte seine Interpretation der Baritonpartien aus dem Bereich der italienischen Oper wie auch seine Darstellung des Titelhelden in Alban Bergs »Wozzeck«. 1971 Gastspiele in Leningrad und Kiew, 1974 an der Wiener Staatsoper (als Posa). 1982 sang er in Amsterdam als erste Tenorpartie den Canio im »Bajazzo« er trat dann auch als Parsifal auf. Seine Karriere dauerte lange; er wirkte u.a. noch am 29.4.1994 an der Niederländischen Oper Amsterdam in der Uraufführung der Oper »Symposion« von Peter Schat mit. Er starb 2004 in Amsterdam.

Schallplatten: Gala (Graf Luna im »Troubadour«), Movieplay (Papageno in der »Zauberflöte« mit Fritz Wunderlich) HMV (Duette mit Cristina Deutekom), MRF (Szene aus »Rigoletto« zusammen mit Magda Olivero).

 

14.7. Patricia KERN: 90. Geburtstag

Patricia Kern

Ausbildung 1949-52 an der Guildhall School London, vor allem durch Parry Jones. Zum Abschluss gewann sie alle nur möglichen Preise ihrer Schulklasse. Debüt 1952 bei der Opera for All in »La Cenerentola« von Rossini. Danach sang sie bei der Welsh Opera Cardiff und in Dublin. 1959 kam sie an die Sadler’s Wells Opera London; hier hörte man sie u.a. als Angelina in »La Cenerentola«, als Jill-all-alone in »Merrie England« von Edward German, als Rosina im »Barbier von Sevilla«, als Orlofsky in der »Fledermaus«, als Dorabella in »Così fan tutte«, als Euridice in Glucks »Orfeo ed Euridice«, als Isabella in »L’Italiana in Algeri«, als Cherubino in »Le nozze di Figaro«, als Pippo in »La gazza ladra« von Rossini, als Bote in Monteverdis »L‘Orfeo«, aber auch in modernen Werken. So wirkte sie dort auch in der Uraufführung von »The Violins of St. Jacques« von Malcolm Williamson in der Partie der Josephine mit (1966). 1969 erfolgte ihr USA-Debüt an der Washington Opera. 1967-72 übernahm sie an der Covent Garden Oper London Rollen wie die Zerline im »Don Giovanni«, den Cherubino, die Suzuki in »Madame Butterfly« und die Mrs. Herring in »Albert Herring« von B. Britten. Bei der Scottish Opera Glasgow gastierte sie 1969-79 als Angelina, als Hermia in B. Brittens »A Midsummer Night’s Dream«, als Rosina, als Ottavia in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«, als Geneviève in »Pelléas et Mélisande«, als Lucretia in B. Brittens »The Rape of Lucretia« und als Mrs. Grove in Brittens »The Turn of the Screw«. Am 16.3.1974 wirkte sie hier in der Uraufführung der Oper »The Catiline Conspiracy« von Iain Hamilton in der Partie der Aurelia mit. Beim Edinburgh Festival wirkte sie am 27.8.1975 in der Uraufführung der Oper »Hermiston« von Robin Orr in der Partie der Kirstie mit. Beim Glyndebourne Festival hörte man sie 1984 als Fortuna in »L’Incoronazione di Poppea«, 1985-86 und 1990 als Mrs. Herring in »Albert Herring«. Weitere Gastspiele an der City Opera New York, an der Oper von Dallas, an der Chicago Opera (1987 als Marcellina in »Le nozze di Figaro«), an der Oper von Toronto und bei den Festspielen von Drottningholm (Ottone in »L’Incoronazione di Poppea«) und Spoleto (Isabella). Vor allem als Interpretin der Koloratur-Altpartien in den Opern von Rossini bekannt geworden. Konzertauftritte in Paris, Turin und Hongkong. Ab 1980 unterrichtete sie für mehr als 20 Jahre an der Universität von Toronto Gesang; zu ihren Schülern gehörten u.a. Russell Braun, Brett Polegato, James Westman und Gidon Saks. Sie starb 2015 in Toronto.

Schallplatten: Ariola-Eurodisc (»Anna Bolena«), HMV (»Manon« von Massenet, »Hoffmanns Erzählungen«), Philips (Kantate von Strawinsky, »Romeo und Julia« von Berlioz, »Dido and Aeneas« von Purcell); Castle-Video (»L‘Incoronazione di Poppea«).

 

14.7. Gérard SERKOYAN: 95. Geburtstag

Gerard Serkoyan als König Marke
Als König Marke

Sohn armenischer Eltern, die später nach Paris verzogen. Sein Vater wurde Kantor an einer armenischen Kirche der französischen Metropole; er sang dort bereits als Knabe im Kirchenchor. Gesangstudium bei Paul Razavet. 1949 erfolgte sein Bühnendebüt an der Oper von Nizza in einer kleinen Rolle in »Boris Godunow«, seine erste große Partie war der Colline in »La Bohème«. Es schlossen sich Verpflichtungen an den Opernhäusern von Lyon (1950 als Sarastro in der »Zauberflöte«) und Nantes sowie an anderen französischen Provinzbühnen an, schließlich wurde er erster Bassist an der Oper von Straßburg. 1952 wurde er an die Grand Opéra Paris berufen (Antrittspartie Sparafucile im »Rigoletto«), an der er bis 1972 regelmäßig auftrat. 1957 hatte er dort einen sensationellen Erfolg als Mephisto im »Faust« von Gounod; bereits 1955 hatte er an diesem Haus in der Uraufführung der Oper »Numance« von H. Barraud mitgewirkt. Er war in der Lage sowohl in deutscher als auch in italienischer und russischer und natürlich in französischer Sprache zu singen. 1963 ersetzte er Nicolai Ghiaurov an der Grand Opéra als König Philipp in Verdis »Don Carlos«. Neben den genannten Rollen zählten der Oroveso in Bellinis »Norma«, der Conte Rodolfo in »La Sonnambula«, der Boris Godunow, der Osmin in Mozarts »Entführung aus dem Serail«, der Kardinal in »La Juive« von Halévy, der Marcel in den »Hugenotten«, der Vater in Charpentiers »Louise«, der Fiesco in »Simon Boccanegra«, der Pater Guardian in »La forza del destino«, der Rocco im »Fidelio« wie sämtliche großen Bass-Partien in Wagner-Opern zu den Höhepunkten in seinem umfassenden Repertoire. Erfolgreiche Gastspiele an führenden Opernbühnen in Frankreich wie in Brüssel (1983 Uraufführung »La Passion de Gilles« von Philippe Boesmans), Lüttich und Neapel. 1989 sang er in Nizza wie in Marseille den Hector und den Narbal in »Les Troyens« von Berlioz, 1991 am Théâtre Impérial in Compiegne den Norfolk in »Henri VIII.« von Saint-Saëns, 1992 an der Opéra de Wallonie Lüttich den Barré in »Die Teufel von Loudun« von K. Penderecki.

Er starb 2004 in La Cadière-d’Azur.

Aufnahmen seiner Stimme auf Philips (»La Juive«, »Louise« von Charpentier), Véga (»Thaïs« von Massenet), Chant du monde (»Henri VIII.«), Erato (»Krieg und Frieden« von Prokofjew).

 

18.7. Edith GABRY: 90. Geburtstag

Edith GABRY

Sie wurde an der Musikhochschule von Budapest ausgebildet und debütierte 1951 an der Budapester Nationaloper. 1957 verließ sie Ungarn und kam nach Westdeutschland. Hier war sie 1957-59 am Stadttheater von Bremen tätig. 1960 wurde sie an das Opernhaus von Köln berufen. Hier sang sie u.a. am 15.2.1965 in der Uraufführung der Oper »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann die Partie der Marie. Bei den Festspielen von Salzburg sang sie 1967 die Silvia in Mozarts »Ascanio in Alba« und wirkte 1974 in der Vokalsinfonie »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann (nach der gleichnamigen Oper) mit. Ihr umfangreiches Bühnenrepertoire brachte sie bei zahlreichen Gastspielen in Deutschland wie in den ausländischen Musikmetropolen zum Vortrag. Bühnenrollen: die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Zerline im »Don Giovanni«, die Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Baronin Freimann im »Wildschütz« von Lortzing, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Tochter in »Cardillac« von Hindemith, die Luise in »Der junge Lord« von H.W. Henze, die Sophie im »Rosenkavalier«, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Desdemona in Verdis »Otello«, die Alice Ford im »Falstaff« vom gleichen Meister, die Antonia in »Hoffmanns Erzählungen« und die Zerline in »Fra Diavolo« von Auber. Sie war verheiratet mit dem ungarischen Dirigenten István Kertész (* 28.8.1929 Budapest, † 16.4.1973 bei einem Gastspiel in Israel, wo er beim Baden im Mittelmeer bei Haifa ertrank), der seit 1964 am Kölner Opernhaus wirkte. 1971 wurde die Künstlerin als Dozentin an die Folkwang-Musikhochschule in Essen berufen. Seit 1977 lehrte sie an der Musikhochschule Köln. Noch 1988 trat sie bei den Festspielen von Schwetzingen als Berta in Rossinis »Barbier von Sevilla« auf.  Sie starb 2012 in Köln.

Schallplatten: Qualiton (Missa brevis von Z. Kodaly), Opera (Querschnitt »Otello« von Verdi mit Eugene Tobin), Vox, Eurodisc, FSM, Wergo (vollständige Oper »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann, »La Resurrezione« von Händel).

18.7. Luis BERBÉR (mexikanischer Dirigent): 90. Geburtstag

 18.7. Kurt MASUR: 90. Geburtstag

Er war der Sohn eines Elektroingenieurs, der ein Elektrofachgeschäft betrieb. Kurt Masur absolvierte eine Ausbildung zum Elektriker; zeitweise arbeitete er in der Firma seines Vaters. Er sagte von sich selbst, er habe viel Freude an praktischer Arbeit. Der Klavierunterricht seiner älteren Schwester weckte bei ihm das Interesse am Klavierspiel. Mit 10 Jahren bekam er Klavierunterricht von der zweiten Organistin der Brieger Kirche, und er begann Orgel zu spielen. Ab 1942 war er zwei Jahre Schüler an der Landesmusikschule Breslau in den Fächern Klavier und Violoncello. Mit 16 Jahren bekam er die ärztliche Diagnose, dass der kleine Finger seiner rechten Hand nicht mehr streckbar sei, was eine Karriere als Pianist ausschloss. So reifte der Entschluss, stattdessen zu dirigieren. 1944/45 wurde er zum Kriegsdienst bei den Fallschirmjägern eingezogen. Nach seiner Rückkehr studierte er 1946-48 an der Leipziger Hochschule für Musik Klavier bei Sigfrid Grundeis, Fritz Weitzmann und Franz Langer, Komposition und Orchesterleitung bei Heinz Bongartz und Kurt Soldan, brach das Studium jedoch ab. Später bezeichnete er sich deswegen als „Amateur“. Masur war bis 1966 in erster Ehe mit Brigitte Stütze verheiratet; sie bekamen zusammen drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. 1971 heiratete er die Mutter der gemeinsamen Tochter Carolin (* 1966), die Tänzerin Irmgard Elsa Kaul (* 1938). Sie starb 1972 bei einem Autounfall, bei dem Masur am Steuer saß und der noch zwei weitere Todesopfer forderte. Die genauen Umstände des Unfalls blieben ungeklärt. In dritter Ehe war er seit 1975 mit der japanischen Bratschistin und Sopranistin Tomoko Sakurai verheiratet. Aus dieser Ehe stammt der Sohn Ken-David (* 1977), der Dirigent ist. Insgesamt hat Masur fünf Kinder. Am 10. Oktober 2012 wurde öffentlich bekannt gegeben, dass Kurt Masur bereits seit einigen Jahren an der Parkinson-Krankheit leide. Nach mehreren Stürzen (April 2012 und Februar 2013) trat Masur nur noch selten auf; zuletzt dirigierte er im Rollstuhl sitzend. Am 19. Dezember 2015 starb Kurt Masur im Alter von 88 Jahren im amerikanischen Greenwich (Connecticut) im Krankenhaus. Nach einem öffentlichen Trauergottesdienst mit dem Thomanerchor und 28 Musikern des Gewandhausorchesters unter Leitung von Gotthold Schwarz in der Leipziger Thomaskirche wurde Masurs Urne am 14. Januar 2016 im engsten Familienkreis in der Abteilung II des Leipziger Südfriedhofs beigesetzt. Am 16. April 2016 fand ein Gedenkkonzert im Gewandhaus statt.

Kurt Masur prägte als Gewandhauskapellmeister fast dreißig Jahre das Leipziger Musikleben. Nach seinem Studium war er 1948-51 Solorepetitor und Kapellmeister am Mandestheater Halle an der Saale. Nach der Tätigkeit als Erster Kapellmeister an den Städtischen Bühnen Erfurt (1951–53) und den Städtischen Theatern Leipzig (1953–55) wurde er 1955 Dirigent der Dresdner Philharmonie. 1958-60 war er Musikalischer Oberleiter am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und 1960-64 an der Komischen Oper Berlin. Er gastierte 1964-67 in verschiedenen europäischen Ländern und in Brasilien; 1967-72 leitete er die Dresdner Philharmoniker als Chefdirigent. 1970-97 war Masur Gewandhauskapellmeister in Leipzig; er gab mit dem Gewandhausorchester über 900 Tournee-Konzerte. In dieser Funktion setzte er den Neubau des neuen (dritten) Gewandhauses für das Orchester durch (Eröffnung 1981), das seit der Zerstörung im Krieg 1943 ohne eigene Spielstätte war. 1991-2002 wirkte er zudem als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. 2000-07 war er Musikdirektor des London Philharmonic Orchestra. 2002-08 oblag ihm auch die musikalische Leitung des Orchestre National de France in Paris. Seit 1997 war Kurt Masur Ehrendirigent des Gewandhausorchesters. Zudem war er seit 1992 Ehrengastdirigent beim Israel Philharmonic Orchestra sowie seit 1994 Ehrendirigent der Dresdner Philharmonie. Am 9. Oktober 1989, dem Tag der Leipziger Montagsdemonstrationen, gehörte Masur zu den sechs prominenten Leipzigern (neben den Sekretären der SED-Bezirksleitung Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel, dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange und dem Theologen und Stasi-Mitarbeiter Peter Zimmermann), die den Aufruf Keine Gewalt! verfassten. Dieser Aufruf wurde während der Demonstration mehrfach über die Lautsprecher des Leipziger Stadtfunks verbreitet und trug maßgeblich zu deren friedlichem Verlauf bei. Am 27. Dezember 1989 wurde Masur erster Ehrenbürger der Stadt Leipzig nach dem Mauerfall. 2014 erhielt Masur für sein Engagement bei der Friedlichen Revolution die Goldene Henne in der Kategorie „Politik“. 1991 wurde unter Masurs Vorsitz die Internationale Mendelssohn-Stiftung e. V. für den Erhalt und die Wiederherstellung des Leipziger Mendelssohn-Hauses gegründet, in der er sich bis zuletzt engagierte. 2007 wurde ihm der Internationale Mendelssohn-Preis zu Leipzig verliehen, und er war Präsident der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung. Überdies war er Mitglied des Kuratoriums des forum thomanum Leipzig e.V. 2004-13 leitete Kurt Masur als Vorstandsvorsitzender das Beethoven-Haus Bonn. Hier führte er 2006 die jährlichen Meisterkurse für Nachwuchskünstler ein. Schon früh wurden Masur Ehrungen zuteil: Die DDR zeichnete ihn mit dem Leipziger Kunstpreis und dreimal mit dem Nationalpreis (1969/1970/1982) aus. Im Jahr 1975 wurde er zum Professor an der Leipziger Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ ernannt. Im Jahr 1984 wurde ihm der Ehrendoktorgrad der Universität Leipzig verliehen. Am 26. Januar 1990 gehörte Masur zu den Gründern der Kulturstiftung Leipzig und wurde zu deren erstem Präsidenten (bis 1995) gewählt. 1994 wurde er Vorstandsmitglied der Deutschen Nationalstiftung. Masur war Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der Akademie der Künste Berlin. 2003 wurde er zum Ehrenmitglied des „Vereins Beethoven-Haus“ ernannt. Masurs Arbeit umfasste ein reiches Repertoire; zu seinen bekanntesten Aufnahmen zählen die Werke von Bruckner, Dvorák, Liszt, Mendelssohn, Prokofjew und Tschaikowski sowie die neun Sinfonien von Beethoven. Letztere spielte er mit dem Gewandhausorchester mehrfach ein. Von Masur gibt es zudem Aufnahmen von Bach, Brahms, Britten, Bruch, Cerha, Debussy, Mahler, Schostakowitsch, Schubert, Schumann und Sibelius; aber auch von Gershwin, dessen Werke er 1975 auf Schallplatte veröffentlichte. Zusammen mit Annerose Schmidt spielte er sämtliche Klavierkonzerte von Mozart ein; gemeinsam mit Emil Gilels und dem Staatlichen Sinfonieorchester der UdSSR die Klavierkonzerte Beethovens. Sowohl mit Yehudi Menuhin als auch mit Anne-Sophie Mutter nahm er das Violinkonzert von Brahms auf und begleitete Mutter auch bei Werken von Beethoven und Mendelssohn. Masur konzertierte ebenso mit Cyproen Katsaris, Hélène Grimaud und Helen Huang. Mussorgskis Bilder einer Ausstellung nahm er mehrfach in der weniger bekannten Orchestrierung von Sergei Gortschakow auf. Unter der Leitung von Masur wurden auch die Opern Fidelio (Beethoven), Ariadne auf Naxos (Strauss) und Genoveva (Robert Schumann) aufgenommen. Für den Deutschen Fernsehfunk wurde außerdem Walter Felsensteins Inszenierung von Giuseppe Verdis Otello aufgezeichnet, bei der Masur die musikalische Leitung innehatte. Die zahlreichen Einspielungen Masurs wurden hauptsächlich von Eterna und Philips (Aufnahmen mit dem Gewandhausorchester), aber auch von Teldec (Aufnahmen mit dem Gewandhausorchester und mit den New Yorker Philharmonikern) veröffentlicht; die meisten der Aufnahmen sind auf CD erhältlich. Aufnahmen mit dem Orchestre National de France erschienen bei Naïve Records.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.kurtmasur.com/

 

18.7. Teodor ŠRUBAŘ: 100. Geburtstag

 Zuerst Jurastudium an der Universität von Brünn (Brno). Nach Entdeckung seiner schönen Stimme Ausbildung am Konservatorium von Brünn, bei Frau Matousková in Prag und bei Apollo Granforte in Mailand. Bühnendebüt 1942 an der Nationaloper Prag als Silvio im »Bajazzo«; er wurde durch den Dirigenten Vaclav Talich an die Prager Oper verpflichtet. Seither gehörte er zu den angesehensten Künstlern dieses bedeutendsten Opernhauses der CSSR. Über dreißig Jahre trat er hier in einer Fülle von Partien aus der gesamten Opernliteratur auf. Er wirkte hier am 8.5.1962 in der Uraufführung der Oper »Auferstehung« von Ján Cikker mit. Gastspiele brachten ihm an der Staatsoper von Wien (1949 als Germont-père in »La Traviata« und 1956 als Renato in Verdis »Maskenball«), an der Nationaloper Budapest und beim Edinburgh Festival (1964 als Jäger in Dvoráks »Rusalka« und als Fürst Dimitri Iwanowitsch Nechljudow in der englischen Erstaufführung von Ján Cikkers »Auferstehung«, beides anlässlich eines Gastspiel des Prager Nationaltheaters) große Erfolge. Er meisterte ein weitläufiges Repertoire: er sang den Escamillo in »Carmen«, den Janusz in »Halka« von Moniuszko, den Grafen in »Figaros Hochzeit«, den Eugen Onegin, den Prinzen Andrej in »Krieg und Frieden« von Prokofjew, den König in »Dalibor« von Smetana, den Premysl in »Sarka« von Fibich, den Titelhelden in »Fürst Igor« von Borodin, den Wolfram im »Tannhäuser«, den Fliegenden Holländer, dazu die großen Baritonpartien in den Opern von Verdi, Puccini und Smetana (Tomes in »Hubicka«, Vok in »Die Teufelswand«). Hoch geschätzt als Konzert- und Oratoriensänger. Er wurde zum Verdienten Künstler der CSSR ernannt. Er starb 1979 in Prag.

Seine Schallplattenaufnahmen erschienen unter dem Etikett von Supraphon; darunter die vollständige Oper »Dalibor« von Smetana und eine Aufnahme der »Carmina Burana« von C. Orff.

 

18.7. Zoltán ZÁVODSZKY : 125. Geburtstag

Zoltán Závodszky

 Er war ein Schüler des großen Wagner-Tenors Georg Anthes an der Franz Liszt-Musikakademie in Budapest. 1920 kam er an die Nationaloper Budapest, wo er sechs Jahre hindurch nur kleinere Partien sang. 1926 übertrug man ihm die Partie des Erik in »Der fliegende Holländer«, worin er einen sensationellen Erfolg hatte. In den folgenden Jahren sang er alle großen Wagner-Partien für Tenor an der Budapester Oper und galt nun als der führende Wagner-Interpret seines Landes. Die Kraft seiner Stimme und die Klarheit seiner Diktion wurden durch seine äußere Erscheinung, die dem Idealbild eines Wagner-Heroen entsprach, und durch sein mitreißendes Bühnenspiel glücklich ergänzt. Neben dem Wagner-Repertoire beherrschte er Partien wie den Pedro in »Tiefland« von d’Albert, den Prinzen Golizyn in Mussorgskys »Chowanschtschina« und kreierte 1928 die Titelrolle in Strawinskys »Oedipus Rex« für Ungarn. Die Schönheit seiner Stimme blieb ihm für die Bühne noch bis zu seinem 70. Lebensjahr erhalten, noch mit 80 Jahren trug er Lieder vor. Seit 1966 war er Professor an der Musikakademie von Budapest; später wirkte er als Gesangslehrer in Wien. Er wurde zum lebenslänglichen Mitglied der Budapester Oper ernannt. Er starb 1976 in Budapest.

Schallplatten der Marke Hungaroton, teilweise Mitschnitte von Radiosendungen und Bühnenaufführungen.

 

19.7. John HOPKINS : 90. Geburtstag

 Biographie des britischen Dirigenten auf Englisch : https://en.wikipedia.org/wiki/John_Hopkins_(conductor)

 

19.7. Emil GREDER: 150. Geburtstag

 Er entstammte einer Mennonitenfamilie und wollte zunächst Schauspieler werden. Als solcher kam er 1887 als Volontär an das Stadttheater von Köln. Als er dann 1887-88 am Stadttheater von Lübeck (und danach 1888-90 in Danzig) engagiert war, übernahm er am Tivoli-Theater in Lübeck Buffo-Partien in Operetten und wurde dadurch auf seine stimmliche Begabung aufmerksam. Nach einem Gesangstudium bei Josef Hauser in Karlsruhe debütierte er 1891 als Opernsänger am Stadttheater von Ulm in der Partie des Sarastro in der »Zauberflöte«. 1893-95 war er am Hoftheater von Stuttgart, 1895-96 am Hoftheater von Kassel, 1896-97 an der Hofoper von Dresden engagiert. Er ging dann nach Nordamerika, wo er sich der Damrosch Opera Company anschloss. Nach Deutschland zurückgekehrt, sang er 1897-1902 am Opernhaus von Leipzig, 1902-04 wieder an der Dresdner Hofoper. In den Jahren 1904-05 war er dann Mitglied der Metropolitan Oper New York, wo er als Reinmar von Zweter im »Tannhäuser« debütierte und u.a. den Konrad Nachtigall wie den Nachtwächter wie den Sixtus Beckmesser wie den Hermann Ortel in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Grafen Ceprano im »Rigoletto«, den Donner wie den Fasolt im »Rheingold« und den Falke in der »Fledermaus« sang; außerdem führte er dort bei mehreren Aufführungen Regie (»Lohengrin«, »Die Walküre«, »Fidelio«, »Das Rheingold«, »Tristan und Isolde«, »Götterdämmerung«). Nach seiner Rückkehr bestand 1906-07 ein Gast-Engagement an der Berliner Lortzing-Oper. Bereits 1897 hatte er an der Hofoper Berlin, 1906 am Deutschen Theater Prag gastiert. Er wirkte in den Uraufführungen der Opern »Orestes« von F. von Weingartner (1902 in Leipzig als Aigisthos) und »Alpenkönig und Menschenfeind« von Leo Blech (Hofoper Dresden 1903) mit. Seine großen Bühnenpartien waren der Leporello im »Don Giovanni«, der van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, der Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut« und der Mikhéli in »Der Wasserträger« (»Les deux journées«) von Cherubini. Er begann in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein ruheloses Wanderleben, das ihn in die entferntesten Länder führte. So ging er nach Australien und gründete in Sydney und Melbourne Chorschulen und Musikvereinigungen. Schließlich versuchte er in den USA als Manager Konzertveranstaltungen durchzuführen und entfaltete immer wieder neue Aktivitäten auf diesem Gebiet, blieb aber im Grunde immer erfolglos. Finanzielle Schwierigkeiten veranlassten ihn schließlich, 1919 in New York freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Er war verheiratet mit der Schauspielerin Stavy Horn (1869-1958), die in Hamburg und Stuttgart engagiert war.

 

19.7. Jean-Baptiste DAVAUX: 275. Geburtstag

Ab 1767 wirkte er in Paris und erhielt dort mehrere öffentliche Anstellungen. Er inszenierte 1785 zwei komische Opern. Bekanntheit erhielt er durch seine zwischen 1772 und 1800 komponierten konzertanten Sinfonien. Zu seinen weiteren Werken zählen 25 Streichquartette und weitere kammermusikalische Werke, Sinfonien, Arietten und ein Violinkonzert. Seine Kompositionen sind in einem dem Geschmack der Zeit entsprechenden einfachen, aber effektvollen Stil gehalten. 1784 entwickelte er auf Basis des BreguetChronometers ein Messgerät zur genauen Messung der Taktdauer, 30 Jahre vor Maelzels Metronom. Jean-Baptiste Davaux starb 1822 in Paris.

 

20.7. Lou Ann WYCKOFF: 80. Geburtstag

Sie war ursprünglich Büroangestellte, studierte dann Gesang bei Vivian Long in Los Angeles und bei Gibner King in New York. Sie gewann mehrere Stipendien zur Vervollständigung ihrer Ausbildung, die bei Josef Metternich und Irmgard Hartmann in Berlin stattfand. Debüt beim Spoleto Festival 1967 als Donna Elvira im »Don Giovanni«. Große Karriere an den führenden deutschen Opernhäusern; zuerst Mitglied der Hamburger Staatsoper, dann lange Jahre an der Deutschen Oper Berlin tätig. Gastspiele an den Opern von Köln und München, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel (u.a. mit dem Berliner Ensemble 1973 in der Uraufführung von Nicolas Nabokovs »Love’s Labour’s Lost«), an der Mailänder Scala (1967 Vier letzte Lieder von R. Strauss in einem Konzert unter Thomas Schippers, 1968 in Händels Oratorium »Israel in Ägypten«, 1972 als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«), in Genua, Venedig, Lyon, Marseille und Washington. 1985 gastierte sie an der Hawaii Opera in Honolulu als Senta in »Der fliegende Holländer«. Bedeutende Interpretin von Lirico-Spinto-Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur, auch von zeitgenössischen Werken. Erfolgreiche Konzert- und Oratoriensängerin. Sie starb am 26.12.2016 in New York. Sie lebte zuletzt in einem jüdischen Pflegeheim in Riverdale in der Bronx. Nur wenige Tage vor ihrem Tod wurde ein Artikel in der New York Times mit einem Foto von ihr veröffentlicht, in dem über den Einsatz von Katzen bei der Therapie von demenzkranken Patienten berichtet wurde.

Schallplatten: Turnabout (»Zoroastre« von Rameau), Eurodisc (Irene in Wagners »Rienzi«).

 

20.7. Dietrich ERDMANN: 100. Geburtstag

Sein Vater war der Publizist und Gewerkschaftsfunktionär Lothar Erdmann, seine Mutter Elisabeth Erdmann-Macke, die Witwe des Malers August Macke. Dietrich Erdmann lebte seit seinem achten Lebensjahr in Berlin. Ein kulturell sehr interessiertes familiäres Umfeld prägte seine Kindheit. Ersten Klavierunterricht erhielt er im Alter von neun Jahren. Schon während seiner Schulzeit am Humanistischen Gymnasium Berlin besuchte er Satzlehrekurse bei den Komponisten Paul Hindemith, Ernst Lothar von Knorr und Harald Genzmer. Im Jahre 1931 begann er seinen Cellounterricht bei Paul Hermann. 1934-38 studierte Erdmann Chorleitung und Tonsatz bei Kurt Thomas sowie Orchesterleitung bei Walter Gmeindl an der Musikhochschule Berlin. Er schloss sein Studium mit der künstlerischen Reifeprüfung in Chorleitung und der Privatmusiklehrerprüfung in Komposition ab. Erdmann war Mitgründer des Arbeitskreises für Neue Musik an der Berliner Hochschule. Ab 1947 unterrichtete Erdmann an der Pädagogischen Hochschule Berlin, wo er zwei Jahre später die Leitung des Musikseminars übernahm. Seine Ernennung zum außerordentlichen Professor erfolgte im Jahr 1954. 12 Jahre später wurde er Ordinarius und im Jahr 1970 schließlich Prorektor der Hochschule. Seine Emeritierung erfolgte im Jahr 1982. Er starb 2009 in Berlin. Dietrich Erdmann war 1940-46 mit Gisela Cludius, 1949-58 mit Bianca Kuron und ab 1959 mit Gertrud Schulz verheiratet.

Erdmanns Werk umfasst unterschiedlichste Besetzungen und fast alle musikalischen Formtypen: 16 Solokonzerte, 12 Werke für großes Orchester, Klaviermusik, Solo- und Kammermusik für Streicher und Bläser sowie Lieder, Kantaten und Chormusik. Darüber hinaus hat Erdmann auch zahlreiche Zupfmusik-Werke komponiert.

 

20.7. Friedrich STRATHMANN: 150. Geburtstag

 Er ergriff zunächst den Beruf eines Lehrers und war auch als solcher tätig. Als Mitglied eines Lehrergesangvereins trug er bei dessen Auftreten in Potsdam ein Solo vor; dabei hörte ihn der Intendant der Berliner Hofoper, Graf Hochberg, der ihm empfahl, seine Stimme ausbilden zu lassen. Dies geschah dann durch Franz von Milde in Hannover. 1894 konnte er am Stadttheater von Mainz debütieren, wo er bis 1897 blieb. Hier sang er während dieses Engagements am 2.4.1895 in der Uraufführung von Hans Pfitzners Oper »Der arme Heinrich« die Partie des Dietrich. 1897 trat er erfolgreich als Gast am Hoftheater von Weimar auf und wurde an dieses Haus verpflichtet, dessen Mitglied er bis zur Beendigung seiner Bühnenkarriere 1929 war. Er sang hier eine Fülle von Partien, von denen mit dem Minister im »Fidelio«, dem Lysiart in Webers »Euryanthe«, dem Fliegenden Holländer, dem Wolfram im »Tannhäuser«, dem Telramund im »Lohengrin«, dem Wotan wie dem Alberich in Ring-Zyklus, dem Kurwenal in »Tristan und Isolde«, dem Kühleborn in Lortzings »Undine«, dem Titelhelden in »Hans Heiling« von Marschner, dem Helgi in »Islandsaga« von Vollerthun, dem Borromeo in Pfitzners »Palestrina«, dem Sebastiano in »Tiefland« von E. d’Albert, dem Orest in »Elektra« von R. Strauss, dem Jago in Verdis »Otello«, dem Amonasro in »Aida«, dem Malatesta im »Don Pasquale«, dem Figaro im »Barbier von Sevilla«, dem Simeon in »Joseph« von Méhul, dem Escamillo in »Carmen«, dem Valentin im »Faust« von Gounod und dem Belamy im »Glöckchen des Eremiten« von Maillart die wichtigsten genannt seien. 1901 wirkte er in Weimar in der Uraufführung der Oper »Dürer in Venedig« von Waldemar von Baußnern mit. Er gab im Lauf seiner langen Karriere Gastspiele an der Oper von Frankfurt a.M., an den Hoftheatern von Wiesbaden und Hannover (1906), an den Hofopern von München (1899, 1905) und Berlin, am Opernhaus von Leipzig (1907) und an weiteren deutschen Theatern. Er starb 1946 in Weimar.

Schallplattenaufnahmen unter dem Etikett von Favorit, 1907 in Weimar aufgenommen.

 

22.7. Jiří BERKOVEC: 95. Geburtstag

 Biographie des tschechischen Komponisten auf Tschechisch:

https://cs.wikipedia.org/wiki/Ji%C5%99%C3%AD_Berkovec

 

23.7. Thomas HERNDON: 80. Geburtstag

 Gesangstudium bei Walter Johnson am Westminster College (New Jersey), bei Sidney Dietch und Dorothy Di Scala in Philadelphia, dann bei Hertha Kalcher in Stuttgart und Teilnahme an Kursen bei Dusolina Giannini in Zürich. Debüt 1964 am Stadttheater von Heidelberg als Ernesto in »Don Pasquale«. Er war 1964-68 am Stadttheater von Heidelberg, 1968-69 am Nationaltheater von Weimar, 1969-73 an der Staatsoper Stuttgart, dann in Hamburg engagiert. 1976-80 bestand ein Gastvertrag mit dem Opernhaus Zürich. Er gastierte an den Staatsopern von Wien (1970-77 als Matteo in »Arabella« und als Henry in »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, in insgesamt 6 Vorstellungen) und München, an den Opernhäusern von Frankfurt a.M., Hannover, Karlsruhe, Kassel, Mannheim und Hannover, an der Deutschen Oper Berlin, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an der Niederländischen Oper Amsterdam, am Opernhaus von Zürich, in Tel Aviv, beim Maggio Musicale von Florenz sowie an der Mailänder Scala (1977 als Aron in »Moses und Aron« von A. Schönberg). Von den vielen Partien, die er gesungen hat, sind hervorzuheben: der Titelheld in Gounods »Faust«, der Cavaradosi in »Tosca«, der Canio im »Bajazzo«, der Turiddu in »Cavalleria rusticana«, der Riccardo in Verdis »Maskenball«, der Manrico im »Troubadour«, der Herzog im »Rigoletto«, der Titelheld in »Don Carlos«, der Tamino in der »Zauberflöte«, der Stewa in Janáceks »Jenufa«, der Lenski im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky und der Erik in »Der fliegende Holländer«. In seinem Repertoire für die Bühne fanden sich in einem zweiten Abschnitt seiner Karriere auch Partien wie der Herodes in »Salome« von R. Straus, der Ägisth in dessen »Elektra« und der Präsident in »Kabale und Liebe« von G. von Einem. Auch als Konzertsänger in einem vielseitigen Repertoire aufgetreten. Er erlitt 1981 während einer »Palestrina«-Aufführung in Hamburg eine Gehirnblutung und starb wenige Tage darauf. Mitschnitte von Rundfunk-Opernsendungen.

 

23.7. Josef HERIBAN: 95. Geburtstag

Josef HERIBAN

 Studium bei den Pädagogen Anny Kornhauserová-Korinská, Rudolf Petrak und Margit Czessány in Bratislava (Preßburg), dann bei Tino Pattiera und Lunka Michelová in Prag. Seine erste Rolle auf der Opernbühne war 1945 der Morales in »Carmen« an der Slowakischen Nationaloper Bratislava. Er sang dann für vierzig Jahre im Ensemble der Nationaloper von Prag, wo er beim Opernpublikum sehr beliebt war. Schwerpunkte in seinem reichhaltigen Repertoire bildeten die lyrischen Baritonpartien aus der italienischen, französischen und vor allem der slawischen Opernliteratur. Am 4.4.1974 sang er am Prager Nationaltheater in der Uraufführung der Oper »Coriolanus« von J. Cikker. Auslandsgastspiele an der Niederländischen Oper in Amsterdam, am Teatro Liceu von Barcelona und an der Warschauer Nationaloper. Geschätzter Konzertsänger. Er starb 2007 in Prag.

Schallplattenaufnahmen auf Supraphon.

 

23.7. Gustav DUPONT: 150. Geburtstag

 Er begann seine Karriere 1897 am Stadttheater von Augsburg und kam über Engagements am Stadttheater von Danzig und am Opernhaus von Düsseldorf für die Spielzeit 1900-1901 an das Hoftheater von Wiesbaden. 1902-04 war er am Stadttheater von Magdeburg, 1904-06 am Stadttheater von Bern (Schweiz) tätig. Er lebte seither in Bern und unternahm von dort aus Gastspiele an zahlreichen Bühnen in Deutschland. Dabei galt er als hervorragender Vertreter des lyrischen Tenorfachs, konnte sich aber auch im Konzertsaal auszeichnen. Seine großen Bühnenpartien waren der Lyonel in Flotows »Martha«, der Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, der Don Ottavio im »Don Giovanni« und der Tamino in der »Zauberflöte«. Er endete durch Selbstmord in einem Anfall von Depression 1912 in Frankfurt a.M..

 

24.7. Robert FARNON: 100. Geburtstag

Im Zweiten Weltkrieg diente er als Captain in der kanadischen Armee und wurde dort der Dirigent und Arrangeur der Canadian Band der alliierten Expeditionsstreitkräfte, eine Einheit vergleichbar der US-amerikanischen Army Airforce Band unter der Leitung von Glenn Miller. Nach Beendigung des Krieges entschied Farnon, England zu seiner neuen Heimat zu machen und ließ sich schließlich mit Frau und Kindern auf der Kanalinsel Guernsey nieder. Er starb 2005 im Alter von siebenundachtzig Jahren in einem Hospiz nahe seinem Wohnsitz auf Guernsey, wo er beinahe vierzig Jahre gelebt hatte. Am bekanntesten ist Robert Farnon wohl für die zwei Werke Jumping Bean und Portrait of a Flirt, die beide ursprünglich als A und B-Seite auf derselben Schallplatte erschienen sind. Ebenfalls bekannte Werke sind der Westminster Waltz und A Star is Born. Farnon schrieb außerdem die Musik zu mehr als vierzig Spielfilmen, wie Des Königs Admiral (1950) und Die Bäreninsel in der Hölle der Arktis (1979), sowie für eine Anzahl Fernsehserien, wie Nummer 6 (1967) und Expedition ins Unbekannte (1961) von Hans Hass. 1968 war er an dem Film Man nennt mich Shalako beteiligt. 1962 arrangierte und dirigierte Farnon mit Sinatra Sings Great Songs from Great Britain das einzige Album, das Frank Sinatra außerhalb den USA aufgenommen hat. Robert Farnon gewann insgesamt viermal den Ivor Novello Award und 1996 einen Grammy Award.

 

25.7. Felix LOEFFEL: 125. Geburtstag

 Er wurde zunächst Volksschullehrer, dann Gesangstudium bei Wilhelm Lehnert und bei Heinrich Nahm in Bern, bei Otto Freund in Prag und bei Felix von Kraus in München. Bühnendebüt 1921 am Stadttheater der Schweizerischen Bundeshauptstadt Bern als König Marke in »Tristan und Isolde«. Länger als vierzig Jahre blieb er Mitglied dieses Hauses und sang hier Partien wie den Sarastro in der »Zauberflöte«, den Rocco im »Fidelio« und den Gurnemanz im »Parsifal«. Während seiner Tätigkeit am Stadttheater von Bern nahm er an mehreren Erstaufführungen von Opern für die Schweiz teil, darunter »Der Golem« von E. d’Albert (Spielzeit 1926-27 als Rabbi Löw), »Christelflein« von Hans Pfitzner (1921-22 als Knecht Ruprecht), »Turandot« von Puccini (1926-27 als Timur), »Halka« von Moniuszko (1933-34 als Stolnik), »Chowanschtschina« von Mussorgsky (1945-46 als Dosifej), »Ivan IV.« von Bizet (1952-53 als Yorlok), »Notre Dame« von Franz Schmidt (1957-58 als Quasimodo) und »Mazeppa« von Tschaikowsky (1959-60 als Orlik). Er trat auf der Bühne auch als Ramfis in »Aida« und als Thoas in »Iphigenie auf Tauris« von Gluck auf. 1928 gastierte er an der Berliner Staatsoper als Commendatore im »Don Giovanni«. Er gab auf dem Gebiet des Operngesangs Gastspiele am Opernhaus von Zürich, an den Theatern von Genf, Basel und St. Gallen und sang 1950 am Stadttheater Bern in der Uraufführung von Armin Schiblers »Der spanische Rosenstock«. Die eigentliche Bedeutung des Künstlers lag jedoch auf den Gebieten des Oratorien- und des Liedgesangs. Man schätzte ihn vor allem als Bach-Interpreten (Christus in der Matthäuspassion) und als großen Liedersänger. Er kreierte eine Anzahl von Liedern von Othmar Schoeck, darunter die Liedzyklen »Zwölf Hafis-Lieder« (1924, Bern) und »Unter Sternen« (1943, Zürich) sowie von Willy Burkhard den Zyklus »Frage« (1926, Colombier). 1929 gastierte er an der Mailänder Scala in der Matthäuspassion von J.S. Bach, 1936 in Berlin unter W. Furtwängler, 1930 und 1948 in Antwerpen, 1924 in Frankfurt a.M., 1929 in Leipzig, 1936 und 1937 in München. 1935 sang er bei den Salzburger Festspielen das Bass-Solo im Mozart-Requiem; man hörte ihn im Konzertsaal in Rom (1922), in Paris und in Wien (1935), in Köln (1936), Hamburg, Budapest, Amsterdam und 1935 auf der Weltausstellung in Brüssel, vor allem aber in einer langjährigen Karriere in Konzertveranstaltungen in seiner Schweizer Heimat. Er sang dort Solopartien in den Uraufführungen der Oratorien »Das Gesicht Jesajas« (Basel, 1936) und »Das Jahr« (Basel, 1942) von Willy Burkhard. Er wirkte als Pädagoge und Professor am Konservatorium von Bern. Er betätigte sich auch als Maler. Er starb 1981 in Münsingen (Kanton Bern). Seit 1926 war er verheiratet mit der Sopranistin  Olga Moser.

Lit: »Felix Loeffel, eine Freundesgabe zum 70. Geburtstag« (Bern, 1962)

Seine warm timbrierte, ausdrucksvolle Stimme findet sich auf schönen Polydor-Schallplatten und auf Elite sowie auf kleineren Marken (»Die Kantorei«).

 

25.7. Julius PFISTER: 200. Geburtstag

 Er war Sohn eines Juweliers und arbeitete im Geschäft seines Vaters. Nach dessen Tod 1835 nahm er jedoch die Ausbildung seiner Stimme auf. 1836 wurde er zu einem Probegastspiel an das Theater am Kärntnertor in Wien eingeladen und als Eleve an dieses Haus engagiert. Er studierte während dieses Engagements bei verschiedenen Wiener Pädagogen und konnte bereits 1837 als Solist in »Robert der Teufel« von Meyerbeer erfolgreich debütieren. In den nun folgenden Jahren sang er am Kärntnertor-Theater vor allem lyrische Tenorpartien. 1843 gastierte er an der Berliner Hofoper als Elvino in Bellinis »La Sonnambula«, als Pollione in »Norma« vom gleichen Komponisten, als Tamino in der »Zauberflöte« und als Don Ottavio im »Don Giovanni«. Der ungewöhnliche Erfolg dieses Gastspiels führte zur Verpflichtung an die Hofoper Berlin. Hier hatte er eine langjährige, bedeutende Karriere. Hier sang er Partien wie den Jakob von Lusignan in »Catharina Cornaro« von Franz Lachner, den Olivier d’Entragues in »Les Musquetaires de la Reine« von Halévy, den Henry in »Die beiden Prinzen« von Heinrich Esser, den Leopold in »La Juive« von Halévy, den Rienzi von R. Wagner (in der Berliner Premiere der Oper 1847), den Georg in »Der Verbannte« (»Il Proscritto«) von O. Nicolai (1849 in der Erstaufführung in Berlin), den Jonas in Meyerbeers »Der Prophet« und 1859 die Baritonrolle des Heerrufers im »Lohengrin«. Am 9.3.1849 sang er an der Berliner Hofoper in der Uraufführung von Otto Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor« die Rolle des Fenton, bereits 1844 wirkte er dort in der Uraufführung von Meyerbeers »Ein Feldlager in Schlesien« (unter der Leitung des Komponisten) mit, 1850 in der von Friedrich von Flotows »Sophie Catherine«, 1854 in der Premiere der Oper »Die Nibelungen« von Heinrich Dorn. Er gehörte noch bis 1863 der Berliner Hofoper an, übernahm aber später nur noch kleinere Partien. Er starb 1866 in Berlin.

 

26.7. Philipp JARNACH: 125. Geburtstag

Er wurde als Sohn eines Katalanen und einer Flämin in Noisy-le-Sec bei Paris geboren. Von Maurice Ravel und Claude Debussy ermuntert, trat er bereits mit 11 Jahren als „pianistisches Wunderkind“ auf. Nach einem vierjährigen Klavierstudium in Paris bei Édouard Risler und Theorieunterricht bei Albert Lavignac arbeitete er als Liedbegleiter und Korrepetitor an der Pariser Gesangsschule. Aufgrund der deutschen Kriegserklärung an Frankreich siedelte er 1914 mit seiner deutschen Frau nach Zürich um. Dort freundete er sich ein Jahr später mit Ferruccio Busoni an, der ihm Verdienstmöglichkeiten verschaffte und Jarnach durch seine geistige Haltung in Bezug auf sein Künstlerdasein nachhaltig prägte. So gelang es Jarnach, in Zürich Fuß zu fassen, er wirkte zuerst als Korrepetitor und Dirigent am Zürcher Stadttheater und später als Theorielehrer am städtischen Konservatorium. Im Jahre 1921 entschied er sich, Busoni nach Berlin zu folgen. Dort schaffte er den endgültigen Durchbruch als Komponist Neuer Musik. Ab 1922 wurden seine Werke von Schott verlegt und an den Donaueschinger Musiktagen war er damals der meistgespielte Komponist. In Berlin verdiente Jarnach seinen Lebensunterhalt durch Aufführungen, privaten Kompositionsunterricht und Musikkritiken und engagierte sich nebenher als Pianist, Organisator und gelegentlich als Dirigent. Außerdem war er Mitglied der sogenannten Novembergruppe sowie des Musikausschusses des ADMV, Vorstandsmitglied und Juror der IGNM und künstlerischer Leiter der von Herbert Graf veranstalteten Meloskonzerte. 1925 vollendete Jarnach die Oper Doktor Faust des kurz zuvor gestorbenen Busoni, was als eine seiner bedeutendsten Leistungen gewürdigt wurde. Seine Version ist trotz einer neueren von Antony Beaumont aus dem Jahre 1984, der sich auf inzwischen aufgetauchte Skizzen Busonis beruft, noch nicht verdrängt worden. 1927-49 arbeitete Jarnach als Leiter der Meisterklasse für Komposition an der Kölner Musikhochschule. Dort erwarb er sich seinen Ruf als hervorragender Pädagoge, während jedoch sein künstlerisches Schaffen zurückging. Im Jahre 1950 zog Jarnach, der inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, nach Hamburg. Dort war er bis 1959 als Direktor der neugegründeten Musikhochschule tätig, und anschließend noch 11 Jahre als Kompositionslehrer. Jarnach starb 1982 im Alter von 90 Jahren in Börnsen bei Hamburg.

Jarnachs Sohn Franz (1943–2017) war Pianist und Schauspieler, der insbesondere durch die Sendung Dittsche bekannt wurde. Auch seine Enkelin Lucy Jarnach (* 1987 in Hamburg) trat als Pianistin in seine Fußstapfen. Die Schülerin von Alfred Brendel und Gerhard Oppitz gilt als Spezialistin für die Werke ihres Großvaters.

 

27.7. Enrique GRANADOS: 150. Geburtstag

Er war der Sohn des Kubaners Calixto José de la Trinidad Granados y Armenteros und der Katalanin Enriqueta Elvira Campiña. Er studierte Klavier bei Ricardo Vinas und Komposition bei Felipe Pedrell, dem führenden spanischen Musiktheoretiker und Komponisten seiner Zeit. Dieser forderte eine Erneuerung der spanischen Musik aus dem Geist der Folklore. Granados gehört neben Pedrells beiden anderen bedeutenden Schülern Isaac Albéniz und Manuel de Falla zu den großen Erneuerern der spanischen Musik. Granados wurde ein ausgezeichneter und erfolgreicher Pianist. Er schrieb vor allem Lieder und Klavierwerke. Seine Opern, Zarzuelas und die Sinfonischen Dichtungen stehen in ihrer Bedeutung hinter der Klaviermusik. Hier nehmen die temperamentvollen Danzas españolas, die Valses Poeticos, sowie die poesievollen Goyescas (1911) den überragenden Platz ein. Der Klavierzyklus Goyescas, zu dem Granados durch Bilder des Malers Francisco de Goya (1746–1828) inspiriert wurde und die er seiner Frau widmete, schildert das Volksleben der Goya-Zeit. Die Goyescas gehören zu den virtuosesten Klavierkompositionen von Granados. Das berühmteste Stück ist Quejas ó la Maja y el Ruiseñor (deutsch Klagelieder oder das schöne Mädchen und die Nachtigall), auf dem die Melodie des später von Consuelo Velázquez geschaffenen Schlagers Bésame mucho beruht. Am 7. Dezember 1892 heiratete er in der Kirche Monasterio de San Pedro de las Puellas in Barcelona die aus Valencia stammende María de los Desamparados Gal y Lloveras (genannt Amparo). Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor: Eduardo, Solita, Enrique, Victor, Francisco und Natalia. Der älteste Sohn, Eduardo Granados Gal (1894–1928), wurde Pianist, Komponist und Dirigent.

Viele seiner Werke wurden auch für Gitarre transkribiert und gehören zum Standardrepertoire von Gitarristen. Herausragende Gitarrenaufnahmen seiner Werke gibt es u.a. von Andrès Segovia, Narciso Yepes, Julian Bream, John Williams, Pepe Romero, Christopher Parkening, Manuel Barrueco oder David Russell. 1901 gründete Granados in Barcelona die Academia Granados (später Academia Marshall), die er bis zu seinem Tod leitete. Die Pariser Oper gab Granados den Auftrag zur Komposition einer Oper. Darauf begann er den Klavierzyklus Goyescas zu einer gleichnamigen Oper umzuarbeiten. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste die Pariser Oper ihren Auftrag jedoch zurückziehen. Die New Yorker Metropolitan Opera, schon lange an einem Stück eines spanischen Komponisten interessiert, beauftragte Granados daraufhin, die Oper fertigzustellen. Granados, der in seinem Leben nie gerne und viel gereist war, fuhr mit seiner Frau zusammen mit dem Sängerensemble zur Aufführung der Oper nach New York. Dort erlebte er eine glückliche Zeit, wurde gefeiert und umjubelt. Unter anderem wurde Granados vom US-Präsidenten Woodrow Wilson eingeladen, im Weißen Haus einen Klavierabend zu geben, weshalb er nicht wie ursprünglich geplant direkt nach Spanien zurückreisen konnte; stattdessen nahm er ein späteres Schiff nach England. Auf der letzten Etappe der Heimreise wurde die französische Kanalfähre Sussex im Ärmelkanal beim Übersetzen von Folkestone nach Dieppe am 24. März 1916 von einem deutschen U-Boot torpediert und schwer beschädigt. Granados konnte zwar zunächst gerettet werden, stürzte sich aber, als er seine Frau hilflos im Meer treiben sah, in einem verzweifelten Rettungsversuch zurück in die Fluten, in denen beide ertranken.

 

28.7. Eva HASSBECKER: 85. Geburtstag

Eva HASSBECKER

 Ausbildung durch G. Krake in Leipzig. Ihr Bühnendebüt fand 1958 am Landestheater von Gera (Thüringen) statt, und zwar als Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Bis 1963 blieb die Künstlerin an diesem Theater und wechselte dann an das Stadttheater von Halle (Saale). Dort trat sie vor allem bei den Händel-Festspielen in Erscheinung, sang aber auch Partien wie die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Leonore in Verdis »Troubadour«, die Aida, die Amelia im »Maskenball« und die Tosca. Sie gab Gastspiele an Bühnen in der CSSR und in Ostdeutschland, war aber auch eine angesehene Konzertsängerin. Im Konzertsaal trat sie namentlich als Bach- und Händelinterpretin hervor. Sie wirkte zwanzig Jahre lang am Stadttheater von Halle/Saale und war dann in Magdeburg als Pädagogin tätig, wo sie 1998 starb.

Schallplatten: Eterna; sang auf Ariola-Eurodisc eine kleine Partie in der Matthäuspassion von J.S. Bach.

 

28.7. Ruth KEPLINGER: 95. Geburtstag

Ruth KEPLINGER

 Sie trat schon mit 13 Jahren als Pianistin auf, ergriff aber schließlich doch den Beruf einer Büroangestellten. Ihr Gesangstudium fand bei Zureck-Dippner und später bei der berühmten Koloratrice Maria Ivogün statt. 1942 begann sie ihre Bühnenlaufbahn als Choristin am Theater von Magdeburg, war 1942-43 Soloelevin am Theater von Dessau und kam 1943 an das Stadttheater Görlitz, wo sie als Dianora in »Mona Lisa« von M. von Schillings debütierte. Für die Spielzeit 1944-45 war sie an das Theater von Gotha verpflichtet, konnte das Engagement aber wegen der Kriegsverhältnisse nicht mehr antreten. 1945-49 war sie am Stadttheater von Magdeburg tätig, seit 1949 gehörte sie zu den führenden Mitgliedern des Ensembles der Staatsoper Berlin. Dort sang sie u.a. die Desdemona in Verdis »Otello«, die Elsa im »Lohengrin«, die Micaela in »Carmen«, vor allem aber die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die sie auch 1955 bei der Eröffnung des wieder aufgebauten Hauses der Berliner Staatsoper übernahm. Gastspiele führten sie vor allem an die Staatsoper von Hamburg. 1954 unternahm sie eine Tournee durch die Volksrepublik China mit Liedprogrammen. Seit 1953 gab die Sängerin mehr als hundert Liederabende. Sie ist als Gast auch in der CSSR, in Dänemark und in Schweden aufgetreten. 1982 erfolgte ihre Ernennung zum Ehrenmitglied der Staatsoper Berlin, an der sie bis 1972 regelmäßig aufgetreten war. Ihre großen Bühnenrollen waren die Agathe im »Freischütz«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Tatjana im »Eugen Onegin«, die Antonia in »Hoffmanns Erzählungen«, die Sophie im »Rosenkavalier«, die Eurydike in »Orpheus und Eurydike« von Gluck, die Marzelline im »Fidelio«, die Solveig in »Peer Gynt« von Werner Egk und die Jane in »Der Günstling« von R. Wagner-Régeny. Sie starb 1999 in Berlin.

Einige Schallplattenaufnahmen auf Eterna, darunter Querschnitt »Der Günstling« von Wagner-Régeny.

 

29.7. Carl BAY: 90. Geburtstag

Er war der Sohn eines Malers aus Pöseldorf. Nachdem er schon seit 1941 als Mitglied der Jugendbewegung gesungen hatte, erlebte er das Kriegsende als junger Soldat. Später absolvierte er eine klassische Gesangsausbildung zum Bariton und gastierte bis zum Beginn der 1950er Jahre an verschiedenen deutschen Opernhäusern. Parallel dazu begann 1947 seine Karriere beim Rundfunk, als er in Cuxhaven zum ersten Mal im Hamburger Hafenkonzert zu hören war. Bay gab seine Opernkarriere daraufhin auf und wechselte als „Salzwasser-Barde“, wie er häufig genannt wurde, mit Seemannsliedern ins maritime Fach. 60 Jahre lang blieb er dem Hafenkonzert mit unzähligen Auftritten treu, daneben fuhr er als Unterhalter auf den Schiffen der damaligen Hamburg-Amerika-Linie (HAPAG) oder spielte Theater, so z. B. in der Spielzeit 1975/76 am St. Pauli Theater in dem Stück Berta, laß das nach. In den 1950er Jahren ging Carl Bay gemeinsam mit seiner Kollegin Lale Andersen auf eine Amerika-Tournee, 1973 war er als „Käpt’n Blume“ die Symbolfigur bei der in Hamburg stattfindenden IGA. Einem breiten Fernsehpublikum wurde Carl Bay ab 1963 durch seine Mitwirkung in fast allen Folgen der ARD-Serie Haifischbar bekannt. Daneben trat er noch in einigen anderen Unterhaltungssendungen als Sänger auf. Auch ist seine Stimme auf zahlreichen Schallplatten erhalten geblieben. Ende der 1960er Jahre wirkte Bay in zwei niederdeutschen Hörspielproduktionen des NDR mit. Darüber hinaus war Carl Bay gemeinsam mit Dirks Paulun und Hans Harbeck 1946 Mitbegründer der Wendeltreppe in Hamburg, dem ältesten, noch existierenden literarischen Kabarett in Deutschland, an dem er auch selber regelmäßig auftrat. Carl Bay starb 2014 knapp zwei Wochen vor Vollendung seines 87. Lebensjahres und wurde anonym auf dem Hamburger Friedhof Öjendorf beigesetzt.

 

29.7. Bernard LEFORT: 95. Geburtstag

Bernard LEFORT

 Er studierte zuerst Philosophie, erwarb den akademischen Grad eines Bachelor of Arts und wandte sich dann dem Jura- und Politologiestudium zu. Gleichzeitig wurde seine Stimme am Conservatoire National Paris ausgebildet. Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er zur Armee eingezogen, konnte aber später seine Ausbildung bei Aureliano Pertile in Mailand, bei Hermann Weissenborn in Berlin und bei Elisabeth Rado in Wien zum Abschluss bringen. Noch während des Krieges gab er sein erstes Konzert in der Salle Gaveau in Paris. Er wurde bald als Interpret zeitgenössischer französischer Musikwerke bekannt; er brachte Kompositionen von O. Messiaen, A. Honegger, F. Poulenc, D. Milhaud, Jolivet und Dutilleux zum Vortrag; die Komponistin Germaine Tailleferre widmete ihm ihr »Concerto pour Baryton«, das er 1956 in der Uraufführung in Paris sang. Nachdem er am Pariser Théâtre Châtelet in Operetten aufgetreten war, nahm er 1957 eine Professur am Konservatorium von Lausanne an und trat während dieser Tätigkeit am Opernhaus von Lausanne in einer Anzahl von Partien auf, u.a. als Don Giovanni, als Malatesta im »Don Pasquale«, als Enrico in »Lucia di Lammermoor«, als Germont sr. in »La Traviata« und als Titelheld in »Macbeth« von Verdi. Er war 1957-58 auch am Stadttheater von Luzern engagiert. Trotz seiner Erfolge auf der Bühne wandte er sich wieder mehr dem Konzert- und Oratoriengesang zu, doch wurde seine Sängerkarriere 1960 durch eine schwere Krankheit beendet. Jetzt widmete er sich der Theaterleitung und wurde künstlerischer Direktor der Festspiele von Lausanne. 1965-68 war er Direktor der Oper von Marseille, an der er einerseits in Vergessenheit geratene alte Belcanto-Opern, anderseits zeitgenössische Werke seinem Publikum anbot. 1969-78 war er künstlerischer Direktor des Théâtre de la Ville Paris, zugleich 1973-80 der Festspiele von Aix-en-Provence. 1980-82 war er Generalintendant der Pariser Opéra. Gegen Ende der achtziger Jahre begann er eine intensive Tätigkeit an der École d’Art Lyrique in Paris. Später pädagogische Tätigkeit am Mannes College New York und an der Academy of Vocal Art Philadelphia. Er starb 1999 in Paris.

Schallplatten: Auf MMS sang er in einer vollständigen Aufnahme von »Hoffmanns Erzählungen« die Partien des Crespel, des Hermann und des Schlemihl in einer französischen und einer deutschen Version.

 

29.7. Anna QUILLING: 150. Geburtstag

 Sie begann ihre Bühnenkarriere 1889 am Stadttheater von Lübeck, sang 1890-92 am Stadttheater von Magdeburg und während der folgenden Spielzeit am Opernhaus von Breslau. 1893-98 hatte sie am Opernhaus von Riga bedeutende Erfolge; 1898-99 war sie am Theater des Westens in Berlin engagiert. Seit 1899 wirkte sie bis 1905 am Hoftheater von Dessau. Von den zahlreichen Bühnenpartien der Sängerin sind zu nennen: die Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Zerline im »Don Giovanni«, die Marie in Donizettis »Regimentstochter«, die Zerline in »Fra Diavolo« von Auber, die Marie im »Waffenschmied« von Lortzing, die Elsa im »Lohengrin«, die Nedda im »Bajazzo«  und die Adele in der »Fledermaus«. Auch als Operetten- und Konzertsopranistin hatte sie eine erfolgreiche Karriere. Sie trat noch bis 1908 als Gast auf. Sie starb 1912 in Leipzig.

Schallplatten: Zwei seltene Aufnahmen auf G & T von 1902.

 

30.7. Roger STALMAN: 90. Geburtstag

Musik- und Gesangstudium an der London University und bei den Pädagogen Eric Green und Frederick Jackson. Er begann seine Karriere im Jahre 1952 und kam als Opern-, vor allem aber als Konzertsänger zu bedeutenden Erfolgen, und zwar in England wie bei Konzertreisen in Westeuropa, in Kanada und Israel. Er galt als hervorragender Oratoriensolist und hat allein das Bass-Solo im »Messias« von Händel mehr als 250mal vorgetragen, u.a. auch in Fernsehsendungen. 1967 wirkte er beim Berlin Festival mit, 1968 sang er in einem Konzert im Vatikan in Rom vor Papst Paul VI. und trat in Israel in Aufführungen von Strawinskys »Oedipus Rex« auf. Er arbeitete dann auch als angesehener Gesangpädagoge in London. Er starb 2009 in Axminster.

Schallplatten: Er wirkte in zwei Aufnahmen des »Messias« unter Walter Süsskind und Frederick Jackson mit; auf Schwann-Edition sang er Vokalwerke von Purcell und Cathedral Music from Salisbury.

 

30.7. Meredith DAVIES: 95. Geburtstag

Informationen über den britischen Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Meredith_Davies

 

30.7. Franz Josef SCHÜTKY: 200. Geburtstag

 Er erhielt schon früh Unterricht im Violinspiel und sang in einem Kirchenchor seines Heimatortes Kratzau (Böhmen). Er interessierte sich dann für Bildhauerei, arbeitete aber schließlich in einem Textilunternehmen. 1837 kam er an das Konservatorium von Prag und wurde Schüler von Dionys Weber und von Maestro Gordigiani. Er fand sein erstes Engagement 1840 am Landestheater von Linz (Donau), wo er als Titelheld in Donizettis Oper »Belisario« debütierte. Er blieb dort zwei Jahre und gastierte dann in Prag als Commendatore wie als Masetto im »Don Giovanni«, als Tristan in »Jessonda« von Louis Spohr, als Enrico in »Lucia di Lammermoor« und als Marcel in den »Hugenotten« von Meyerbeer (in der dortigen Erstaufführung der Oper unter dem Titel »Die Welfen und die Ghibellinen«). 1844 ging er als erster Bassist und Regisseur an die Oper von Lwów (Lemberg), an der er bis 1847 blieb. Ein Gastspiel an der Wiener Hofoper führte zu seiner Berufung als Sänger und Direktor an das Stadttheater von Salzburg. 1849-54 war er am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg und dann seit 1854 bis zu seinem Tod 1893 an der Hofoper von Stuttgart engagiert, an der er zuvor 1853 in einer Reihe von Partien gastweise aufgetreten war. Am 4.5.1862 sang er dort in der Uraufführung der Oper »König Ezio« von Johann Joseph Abert, am 20.5.1866 in der Uraufführung der Oper »Astorga«, ebenfalls von J.J. Abert. Seit 1862 war er dort auch als Regisseur beschäftigt, dazu wirkte er 1868-72 als Professor am Stuttgarter Konservatorium. Während seiner langen Karriere zeichnete er sich in einer Vielzahl von Partien aus: als Don Pizarro im »Fidelio«, als Plumkett in Flotows »Martha«, als St. Bris in den »Hugenotten« von Meyerbeer, als Nelusco in dessen »Afrikanerin«, als Mephisto im »Faust« von Gounod, als Kaspar im »Freischütz«, als Fliegender Holländer, als Telramund im »Lohengrin« und als Alfonso in »Lucrezia Borgia« von Donizetti. Auch als Oratoriensolist besaß er einen großen Ruf. Dazu war er als Komponist tätig, schrieb Chorsätze, Lieder und religiöse Musik und übersetzte Opern-Libretti in die deutsche Sprache (u.a. »Nabucco« und »La Traviata« von Verdi und »La Princesse jaune« von Saint-Saëns). – Seine Tochter Fernande Schütky (1845-89) war eine bedeutende Opernsängerin, die 1864 in Stuttgart ihre Karriere begann und später in Darmstadt engagiert war. Eine zweite Tochter, Amélie Schmautz-Schütky (* um 1866) trat ebenfalls als Sängerin am Stuttgarter Hoftheater in Erscheinung.

 

31.7. Dermot TROY: 90. Geburtstag

Dermot TROY

 Er erhielt seine Ausbildung in Dublin und London. Er begann seine Laufbahn 1953-55 als Chorist bei den Festspielen von Glyndebourne, wo er 1955 eine kleine Solopartie in Rossinis »Le Comte Ory« übernahm. Beim Edinburgh Festival, bei dem er bereits 1954 in Rossinis »Le Comte Ory« debütierte, sang er 1955 den Dr. Cajus in Verdis »Falstaff« und 1960 den Leandro in »Arlecchino« von Busoni. Seine ersten Solo-Opernpartien sang er bei der Opera for All und wurde dann 1955 Mitglied der Covent Garden Oper London. Hier hatte er seine größten Erfolge als David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Monostatos in der »Zauberflöte«, als Don Basilio in »Le nozze di Figaro« und als Hylas in »Les Troyens« von Berlioz; er wirkte in den dortigen Premieren der Opern »Les Troyens« von Berlioz (1957) und »Dialogues des Carmélites« von Poulenc (1958) mit. Er galt namentlich als großer Mozart-Interpret. 1958-61 war er am Nationaltheater von Mannheim engagiert; 1961 kam er an die Hamburger Staatsoper, starb jedoch bereits im folgenden Jahr, noch ehe seine Karriere den Höhepunkt erreicht hatte.

Schallplatten: Seine Stimme ist durch Aufnahmen von integralen Opern auf HMV (»Falstaff« von Verdi, »Die Zauberflöte«) und Columbia (»Capriccio« von R. Strauss) erhalten. Aufnahmen mit irischen Volksliedern auf privaten Marken.

 

31.7. Amélie-Julie CANDEILLE: 250. Geburtstag

Amélie-Julie CANDEILLE

 Sie war sehr vielseitig begabt und gleichzeitig als Schauspielerin, Sängerin und Komponistin berühmt. Sie war die Tochter des Komponisten Pierre-Joseph Candeille (1744-1827), der auch ihr Lehrer war. Bereits mit 13 Jahren trat sie als Sängerin wie als Instrumentalsolistin öffentlich auf. 1782 debütierte sie auf der Opernbühne, und zwar an der Grand Opéra Paris als Iphigénie in Glucks »Iphigénie en Tauride«. 1783 hatte sie an der Opéra großen Erfolg in der Oper »Atys« von Piccinni. Später wandte sie sich mehr dem Schauspiel zu und war bis 1796 als Actrice am Théâtre Français in Paris tätig. Schließlich widmete sie sich jedoch dem Beruf einer Musiklehrerin. 1792 hatte ein von ihr komponiertes Singspiel »La belle Fermière« einen großen Erfolg. Bei der Uraufführung dieses Werks sang sie selbst die Hauptrolle. Auch ihre beiden folgenden Opern »Bathilde« und »Cathérine« wurden erfolgreich aufgeführt. Dagegen blieb eine später komponierte Oper »Ida, l’orpheline de Berlin« erfolglos. Neben diesen Bühnenwerken hat sie auch Lieder, Romanzen, Klavierstücke und Kammermusik geschrieben. 1796 besuchte sie Belgien und Holland; sie heiratete 1798 einen belgischen Karrosseriebauer mit Namen Simons. Während der Hundert Tage Napoleons ging sie nach London und gab dort nochmals einige Konzerte. 1813 kam sie nach Paris zurück und erhielt von König Ludwig XVIII. eine Pension bewilligt. 1821 heiratete sie in zweiter Ehe den Maler Périé. Sie starb 1934 in Paris.

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