Der Neue Merker

IN MEMORIAM GEBURTSTAGE IM FEBRUAR 2017

IN MEMORIAM-Geburtstage

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny


1.2. Gianfranco PASTINE: 80. Geburtstag

Gianfranco Pastine

 Nachdem er zunächst im Hotelgewerbe beschäftigt gewesen war, studierte er in Mailand Gesang und kam 1963 am Teatro Nuovo Mailand zu seinem Bühnendebüt in der Rolle des Titelhelden in Mascagnis »Silvano«. 1965 nahm er an einer Gastspiel-Tournee mit dem Teatro dell’Opera Italiana durch einige europäische Länder teil, bei der er u.a. in Amsterdam den Alfredo in »La Traviata« sang; 1967 gastierte er dort als Pinkerton in »Madame Butterfly«. Er sang in der Folgezeit an vielen italienischen Bühnen von Rang, darunter an der Oper von Rom, am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Carlo Felice Genua, am Teatro Regio Parma, in Bologna und Turin sowie am Teatro Verdi Triest (1982 den Leicester in Donizettis »Maria Stuarda«). Zu Gast an den Nationalopern von Budapest (1973 und 1974) und Belgrad, am Teatro Liceu Barcelona, an den Operntheatern von Philadelphia, Cincinnati und Hartford. 1977 debütierte er in einem Konzert an der Mailänder Scala, an der er 1978 den Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, das Tenorsolo in Rossinis Petite Messe solemnelle und den Nathanael in Schuberts »Lazarus«, 1979 den Nemorino in »L’Elisir d’amore« und die Titelrolle in Mysliveceks »Il gran Tamerlano« sang. 1977 sang er an der Metropolitan Oper New York in sieben Vorstellungen den Pinkerton, 1978 an der Wiener Staatsoper den Herzog im »Rigoletto«, 1985 am Teatro Colón Buenos Aires ebenfalls den Pinkerton. Im Mittelpunkt seines Bühnenrepertoires standen vor allem Partien für lyrischen Tenor aus der italienischen wie der französischen Opernliteratur: der Fenton im »Falstaff« von Verdi, der Ernesto im »Don Pasquale«, der Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, der Riccardo in »Maria di Rohan« und der Fernando in »La Favorita« von Donizetti, der Rodolfo in »La Bohème«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Rinuccio in »Gianni Schicchi« und der Ruggero in »La Rondine« von Puccini, der des Grieux in »Manon« von Massenet, der Fritz in Mascagnis »L’Amico Fritz«, der Faust in »Mefistofele« von Boito, der Graf Almaviva in Rossinis »Barbier von Sevilla« und der Nerone in »L’Incoronazione di Poppea« von Monteverdi. Der Künstler hatte auch eine erfolgreiche Karriere im Konzertsaal. Er starb im August 2008.

Schallplatten: Philips (Jago in vollständigem »Otello« von Rossini, 1979).

 

1.2. Flaviano LABÒ: 90. Geburtstag

Flaviano Labò

 Er war ursprünglich Angestellter bei der italienischen Eisenbahn. Er begann das Gesangstudium im Alter von 17 Jahren, wurde dann aber im Zweiten Weltkrieg Soldat. Seine Stimme wurde während der Militärdienstzeit durch den Dirigenten Antonino Votto entdeckt, der ihn in der Opernschule der Mailänder Scala ausbilden ließ. Zu seinen Lehrern gehörten Renato Pastorino und Valentino Metti in Mailand und Ettore Campogalliani in Parma. Er debütierte 1954 am Theater von Piacenza als Cavaradossi in »Tosca«. In den folgenden Jahren sang er an den großen italienischen Opernhäusern, darunter seit 1960 an der Mailänder Scala (Debüt als Don Carlos von Verdi); er sang an der Scala in der Folge 1961 den Alvaro in »La forza del destino«, 1969 den Riccardo in Verdis »Un Ballo in Maschera«, 1969-70 wieder den Don Carlos, 1970 den Edgardo und 1984 den Arturo in »Lucia di Lammermoor«, 1970 den Kalaf in Puccinis »Turandot« und den Manrico im »Troubadour«. Er gastierte an der Staatsoper Wien (1960-68 in insgesamt 17 Vorstellungen als Radames in »Aida«, als Alvaro, als Don Carlos, als Kalaf, als Rodolfo in »La Bohème« und als Cavaradossi), an der Grand Opéra Paris (1959 als Radames, 1963 als Don Carlos), an der Nationaloper Budapest (1972 als Manrico), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1956), an der Deutschen Oper Berlin (1969), an der Staatsoper Hamburg (1970), an der Niederländischen Oper Amsterdam (1971), an der Oper von Monte Carlo (1956 als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, 1957 als Rodolfo in »La Bohème«, 1958 als Edgardo), am Teatro Colón Buenos Aires (1960), beim Maggio Musicale von Florenz (1956 als Alvaro), in Lissabon, in Leipzig (1975), am Opernhaus von Zürich, an der Covent Garden Oper London (1959 als Radames) und bei den Festspielen in der Arena von Verona (1962, 1967, 1982). 1957-71 trat er an der Metropolitan Oper New York auf, an der er 13 Partien in insgesamt 62 Vorstellungen sang: den Alvaro (seine Antrittsrolle), den Cavaradossi, den Rodolfo in »La Bohème«, den Alfredo in »La Traviata«, den Edgardo, den Radames, den Kalaf, den Riccardo in Verdis »Un Ballo in Maschera«, den Turiddu, den Don Carlos, den Manrico, den Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli und den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«. In Nordamerika sang er an der City Opera New York (1959 Kalaf), in Houston/Texas, New Orleans und Philadelphia. Weitere Bühnenrollen: Faust von Gounod, des Grieux in »Manon Lescaut« von Puccini, Canio im »Bajazzo«, Macduff in »Macbeth« von Verdi, Pinkerton in »Madame Butterfly«. Noch 1987 gastierte er am Teatro Regio Turin als Ismaele in Verdis »Nabucco«. Er kam 1991 bei einem Autounfall in Melegnano ums Leben.

Schallplatten: DGG (vollständige Oper »Don Carlos« von Verdi), RCA, Philips, Supraphon (»Lucia di Lammermoor«), Mondo Musica (»Giovanna d’Arco« von Verdi, Aufnahme aus dem Teatro Fenice Venedig von 1972).

Weitere Informationen auf der ihm gewidmeten Homepage: http://flavianolabo.altervista.org/  

 

1.2. Renata TEBALDI: 95. Geburtstag

Renata Tebaldi

 Sie erkrankte als Kind an Poliomyelitis. Wegen der Armut ihrer Eltern hatte sie in ihrer Jugend große Schwierigkeiten zu überwinden, bevor sie zu einem Studium kommen konnte. Sie wollte zunächst Pianistin werden, studierte dann aber Gesang am Konservatorium von Parma bei Brancucci, bei Ettore Campogalliani in Mantua, später auch bei Carmen Melis in Mailand. Sie debütierte 1944 am Teatro Municipale von Rovigo als Elena in »Mefistofele« von Boito. Im gleichen Jahr sang sie in Parma und in Venedig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ihre Karriere durch den berühmten Dirigenten Arturo Toscanini gefördert, der sie 1946 hörte und sogleich an die Mailänder Scala engagierte. Sie sang am 11.5.1946 mit sensationellem Erfolg in dem von ihm dirigierten Konzert zur Wiedereröffnung der Scala u.a. das Sopransolo im Requiem von Verdi. In ihrer ersten Saison an der Mailänder Scala 1946-47 sang sie dort die Mimì in »La Bohème« und die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Seitdem ist sie an diesem traditionsreichen Opernhaus in den Jahren 1949-54 und 1959-60 immer wieder bewundert worden. Zu den Partien, die sie an der Mailänder Scala sang, gehörten die Alice Ford im »Falstaff« von Verdi, die Aida, die Desdemona im »Otello« von Verdi, die Traviata, die Margherita in »Mefistofele« von Boito, die Tosca, die Titelrolle in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, die Wally in der gleichnamigen Oper von Catalani, die Tatjana im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky, die Leonora in »La forza del destino« und die Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano; 1974 und 1976 gab sie hier nochmals Konzerte. Sie wurde eine weltberühmte Sängerin und gastierte mit dem Ensemble der Scala 1950 (als Aida) und wiederum 1955 an der Covent Garden Oper London; seit 1962 an der Deutschen Oper Berlin, in Paris, Rom, Neapel und Barcelona gefeiert. In der ganz vergessenen Rossini-Oper »L’Assedio di Corinto« trat sie zuerst 1949 beim Maggio Musicale von Florenz, dann mit großem Erfolg 1951 an der Oper von Rom, 1952 am Teatro San Carlo Neapel auf. Beim Maggio Musicale von Florenz hörte man sie 1950 in der Oper »Olympia«, 1954 in »Agnese di Hohenstaufen« von Spontini. 1947-50 und 1957 wirkte sie bei den Festspielen in der Arena von Verona mit. 1951 sang sie am Teatro San Carlo Neapel und dann an der Pariser Opéra die Titelheldin in Verdis »Giovanna d’Arco«. 1950 war sie erstmals in Amerika, und zwar an der Oper von San Francisco, als Aida zu Gast. Hier sang sie bis 1965 auch die Gräfin in »Le nozze di Figaro«, die Desdemona, die Maddalena in »Andrea Chénier«, die Tosca, die Amelia in Verdis »Simon Boccanegra« und die Mimì in »La Bohème«. 1955 folgte sie einem Ruf an die Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Desdemona im »Otello« von Verdi), an der sie seitdem von Erfolg zu Erfolg eilte. Sie sang dort bis 1973 in 17 Spielzeiten und in insgesamt 269 Vorstellungen 14 Partien: die Mimì, die Tosca, die Maddalena in »Andrea Chénier«, die Titelheldin in »La Gioconda«, die Aida, die Leonore in »La forza del destino«, die Manon Lescaut von Puccini, die Traviata, die Butterfly, die Amelia in »Simon Boccanegra«, die Adriana Lecouvreur, die Minnie in »La Fanciulla del West« von Puccini und die Alice Ford im »Falstaff« von Verdi. Seit 1956 gastierte sie bis 1969 alljährlich in Chicago. 1958-60 gastierte sie in insgesamt 18 Vorstellungen als Tosca, als Desdemona, als Aida und als Maddalena in »Andrea Chénier« an der Wiener Staatsoper. In Südamerika feierte man sie am Teatro Colón von Buenos Aires und an der Oper von Rio de Janeiro. In Südamerika verglich man sie mit der unvergessenen Claudia Muzio, namentlich in der Rolle der Traviata. 1961 war sie in Tokio und in Osaka zu Gast. Konzertreisen führten sie nach Spanien, Portugal, Deutschland, Holland, Frankreich, Nord- und Südamerika. 1973 gab sie nach 18jähriger Zugehörigkeit zum Ensemble ihr Engagement an der Metropolitan Oper New York auf, indem sie nochmals die Desdemona im »Otello« von Verdi vortrug. Seither beschränkte sie ihr Auftreten im Wesentlichen auf den Konzertsaal. So unternahm sie noch 1976 eine glanzvolle Russland-Tournee. Seit den siebziger Jahren lebte sie zurückgezogen in Mailand. Sie starb 2004 in San Marino. – Renata Tebaldi besaß eine der schönsten Sopranstimmen ihrer Zeit, in der Reinheit ihrer Intonation wie der Eleganz ihres Vortrages gleich ausgezeichnet. Selbst bei höchster dramatischer Intensität wurde die Stimme durch einen seltenen Wohllaut gekennzeichnet; berühmt war ihr verschwebendes Pianissimo. In erster Linie war sie als Verdi- und Puccini-Interpretin zu bewundern. Sie nahm »seltene Opernpartien« wie die Titelpartie in Spontinis »Olympia«, die Palmira in Rossinis »L’Assedio di Corinto«, die Cleopatra in »Giulio Cesare« von Händel und die Gianna d’Arco von Verdi in ihr Repertoire auf. Obwohl sie, vor allem von der Kritik, immer wieder als Rivalin von Maria Callas bezeichnet wurde, besaßen die beiden wohl größten Primadonnen ihrer Epoche im Grunde sehr verschiedene Stimmen.

Lit.: V. Seroff: »Renata Tebaldi: The Woman or the Diva« (New York, 1975); W. Panowsky: »Renata Tebaldi« (Berlin, 1961); K. Harris: »Renata Tebaldi« (New York, 1974), A.M. Gasparri Rossotto: Renata Tebaldi (Florenz, 1990); E. Forbes: Tebaldi: Wonderful Memories (in »Opera«, 1991), Cesare Clerico: Renata Tebaldi; viaggio intorno a una voce.

Schallplatten zuerst auf Fonit, dann viele Aufnahmen auf Decca, darunter eine Reihe integraler Opern (»La Bohème«, »Tosca«, »Madame Butterfly«, »Manon Lescaut«, »Turandot«, »Aida«, »La Traviata«, »Il Trovatore«, »Otello«, »Adriana Lecouvreur«, »Mefistofele« von Boito, »La Wally« von Catalani, »La Gioconda« von Ponchielli, »Suor Angelica«, »Il Tabarro« und »Gianni Schicchi« von Puccini, »Cavalleria rusticana«, »Un ballo in maschera«, »Don Carlos« von Verdi, »La forza del destino«, »Andrea Chénier«), auch RCA-Platten (»Cavalleria rusticana«, Liu in »Turandot«). Auf HRE singt sie die Elsa in einer »Lohengrin«-Aufnahme in italienischer Sprache, auf EJS die Titelrolle in »Giovanna d’Arco« von Verdi, auf MRF die Fedora in »Fedora« von Giordano. Es sind dazu zahlreiche weitere Mitschnitte von Opernaufführungen zu finden, u.a. auf Nuova Era (Alice Ford im »Falstaff«, Scala 1951), On Stage (Titelrolle in »La Gioconda« von Ponchielli, Philadelphia 1966), Bella Voce (Minnie in »La Fanciulla del West«, Metropolitan Oper New York 1970); auf Artists International-Video als Tosca, Hardy Video (Elisabeth im »Tannhäuser« in italienischer Sprache; Leonore in »La forza del destino«, Neapel 1958).

Weitere Informationen auf der ihr gewidmeten Homepage: http://www.renata-tebaldi.com/

 

2.2. Fritz Heinrich KLEIN: 125. Geburtstag

 Er begann im Jahr 1917 bei Arnold Schönberg mit einem Studium, ein Jahr später setzte er es unter Alban Berg fort. Klein schrieb in den Folgejahren die Klavierauszüge von Bergs Oper Wozzeck und seinem Kammerkonzert. Er entdeckte den sogenannten Mutterakkord, einen Akkord, welcher aus zwölf verschiedenen Tönen und zugleich aus zwölf verschiedenen Intervallen besteht. Er benutzt diesen Akkord erstmals in seinem Werk Die Maschine: Eine extonale Selbstsatire, Op. 1 (1921). Dieses Stück wurde zum ersten gedruckten Zwölftonwerk der Musikliteratur, die Uraufführung fand 1924 in New York statt. Dadurch wurde Klein zum Pionier der seriellen Musik. Er selbst bezeichnete sein Opus 1 immer mit den Worten „Diesen Grenzstein – meiner Zeit“, er kehrte bald darauf wieder zur Tonalität zurück. Im Jahr 1924 zog Klein nach Linz, wo er 1932-57 am Brucknerkonservatorium als Hauptfachlehrer in den Fächern Komposition und Theorie unterrichtete. Er starb 1977 in Linz.

 

3.2. Claire WATSON: 90. Geburtstag

Claire Watson

 Sie begann ihre Ausbildung bei Elisabeth Schumann und Sergius Kagen in New York und studierte dann am Konservatorium von Amsterdam bei Eduard Lichtenstein. In Wien studierte sie einige Partien mit dem berühmten Dirigenten Otto Klemperer ein. 1951 erfolgte ihr Bühnendebüt als Desdemona in Verdis »Otello« am Stadttheater von Graz. Sie kehrte dann aber wieder in die USA zurück, wo sie nur gelegentlich auftrat. 1956 kam sie wieder nach Europa und sang 1956-59 an der Oper von Frankfurt a.M., an der sie ihre ersten großen Erfolge hatte (bereits in der ersten Saison ihres Engagements in Frankfurt a.M. sang sie dort 12 große Rollen, darunter die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Leonora in Donizettis »La Favorita«, die Aida und die Traviata, in der folgenden Spielzeit 1957-58 die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Elisabetta in Verdis »Don Carlos« und die Marschallin im »Rosenkavalier«). Seit 1958 war sie an der Bayerischen Staatsoper München tätig. 1958 sang sie hier in der Eröffnungsvorstellung des Cuvilliés-Theaters die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, 1963 bei der Eröffnung der wieder aufgebauten Staatsoper die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1957-72 gastierte sie in insgesamt 74 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper (als Aida, als Donna Anna wie als Donna Elvira im »Don Giovanni«, als Fiordiligi, als Gräfin in »Figaros Hochzeit«, als Marschallin, als Sieglinde in der »Walküre«, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Elsa im »Lohengrin«, als 3. Norn in der »Götterdämmerung«, als Gräfin im »Capriccio« und als Ariadne auf Naxos von R. Strauss, als Elisabeth in Verdis »Don Carlos«, als Arabella in der Oper gleichen Namens von R. Strauss und als Elisabeth im »Tannhäuser«). 1958-64, 1970 und 1972 absolvierte sie glanzvolle Gastspiele an der Covent Garden Oper London, wo sie als Antrittsrolle die Marschallin sang. 1958 wirkte sie dort in der englischen Premiere von Poulencs »Dialogues des Carmélites« mit. An der Covent Garden Oper London trat sie auch als Ellen Orford in »Peter Grimes« von B. Britten und als Sieglinde, mit dem Münchner Ensemble 1972 als Ariadne auf Naxos und als Gräfin im »Capriccio« auf. 1960 sang sie bei den Festspielen von Glyndebourne wieder die Marschallin. 1961 gastierte sie bei den Zürcher Festwochen als Fiordiligi. 1966-68 hatte sie große Erfolge bei den Salzburger Festspielen als Gräfin in »Le nozze di Figaro«. Auch in ihrer amerikanischen Heimat war sie seit 1969 bei Gastspielen sehr erfolgreich. 1969 gastierte sie am Opernhaus von New Orleans als Arabella. Sie gastierte weiter in Brüssel, Barcelona, Lissabon, Zagreb, an der Mailänder Scala (1962 als Eva) und an der Oper von Rom, in Turin, Venedig und Amsterdam, am Teatro Colón Buenos Aires, an den Opern von San Francisco (1966 als Elisabeth in Verdis »Don Carlos« und als Gräfin in »Le nozze di Figaro«), Chicago, Boston, New Orleans und Toronto. Die vielseitige Künstlerin, die zugleich als große Schauspielerin beeindruckte, bewältigte mit hoher Musikalität und großer Stilsicherheit zahlreiche Partien; zusätzlich zu den bereits genannten Partien sei noch die Tatjana im »Eugen Onegin« erwähnt. Große Karriere auch im Konzertsaal. 1979 gab sie in München ihre Abschiedsvorstellung als Marschallin. Sie starb 1986 in Utting am Ammersee. Verheiratet mit dem amerikanischen Tenor David Thaw (1928-2006).

Lit: C. Rothon: Claire Watson (in »Opera«, 1970); L. Rasponi: Claire Watson (New York, 1982).

Schallplatten der Marken Decca (»Peter Grimes«, »Das Rheingold«, Partien im Ring-Zyklus, »Die Meistersinger von Nürnberg«, »Die Zauberflöte«), HMV (»Don Giovanni«), Intercord (Lieder) und Philips (»Le nozze di Figaro«), Arkadia (Marschallin im »Rosenkavalier«), Melodram (Marschallin im »Rosenkavalier«).

 

3.2. Rolf REINHARDT: 90. Geburtstag

Er studierte Klavier und Komposition bei Frieda Kwats-Hodapp und Wolfgang Fortner. Rolf Reinhardt war zunächst als Kapellmeister in Heidelberg, Darmstadt und Stuttgart tätig. Danach war er mehrere Jahre Assistent in Bayreuth. 1958 wurde er Generalmusikdirektor der Pfalzoper in Kaiserslautern. 1959 wechselte er als Generalmusikdirektor nach Trier. 1968 erhielt er einen Ruf als Professor an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, wo er später auch die Leitung der Fachgebiete Oper und Darstellende Kunst übernahm. Zudem wirkte er als Dirigent an der Oper Frankfurt und des Frankfurter Bach-Orchesters. 1973-82 war er zudem künstlerischer Leiter des Bach-Vereins Köln. Prof. Rolf Reinhardt war ebenso bekannt als Liedbegleiter und Kammermusiker. Er hat zahlreiche Platten eingespielt, beispielsweise mit Fritz Wunderlich. Rolf Reinhardt starb 2006.

 

5.2. Elvina RAMELLA: 90. Geburtstag

Elvina Ramella

 Sie begann ihre Ausbildung am Konservatorium von Parma und war dann Schülerin von Italo Brancucci und Elvira de Hidalgo in Mailand. Debüt 1951 am Teatro Nuovo in Mailand als Rosina im »Barbier von Sevilla«. Die Künstlerin, die in Mailand lebte, machte schnell eine große Karriere an den führenden italienischen Theatern. So sang sie an den Opern von Florenz, Bologna, Turin, Triest und Parma. 1954 sang sie am Teatro Comunale Piacenza die Rosina, im gleichen Jahr am Teatro Fenice Venedig die Musetta in »La Bohème«, 1960 an der Oper von Rom wieder die Rosina, 1961 am Teatro Massimo Palermo den Pagen Oscar in Verdis »Un Ballo in maschera«, 1966 die Gilda im »Rigoletto«, die sie auch 1961 und 1962 am Teatro San Carlo Neapel vortrug. 1968 erreichte sie die Mailänder Scala (Debüt als Musetta) und trat dort 1969 wieder als Musetta, 1969, 1973 und 1975 als Page Oscar, 1971 als Gilda, 1974 als Ines in Donizettis »La Favorita« und 1982 als Eugenia in Galuppis »Il filosofo di Campagna« auf. An der Piccolo Scala sang sie 1972 die Serafina in Donizettis Buffo-Oper »Il campanello dello speziale«, die Donata Donati in G. Malipieros »Uno dei dieci« und die Giunone in Monteverdis »Il ritorno d’Ulisse in patria«. Gastspiele vornehmlich an deutschen Opernhäusern (Köln, Düsseldorf-Duisburg, Frankfurt a.M., Hannover, Stuttgart, Hamburg). Sie trat auch bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom auf. Ihre Karriere dauerte bis in die siebziger Jahre, wobei sie sowohl Partien für Koloratur- wie für lyrischen Sopran zum Vortrag brachte. Sie starb 2007 in Mailand.

Aufnahmen der Künstlerin erschienen bei Cetra, darunter auch vollständige Opern (Musetta in »La Bohème«).

 

5.2. Otto EDELMANN: 100. Geburtstag

Otto EDELMANN

 Ausbildung an der Wiener Musikakademie bei Theo Lierhammer und bei Gunnar Graarud. Er debütierte 1937 am Thüringischen Landestheater in Gera als Figaro in »Figaros Hochzeit« seit 1940 war er am Stadttheater von Nürnberg engagiert. Er wurde im Zweiten Weltkrieg Soldat und geriet gegen Kriegsende für zwei Jahre in russische Kriegsgefangenschaft. Er nahm dann am Theater von Graz seine Bühnentätigkeit wieder auf. 1947 kam er an die Wiener Staatsoper, deren Mitglied er dann bis 1976 geblieben ist (Debüt als Eremit im »Freischütz«). Von den vielen Partien, die er hier gesungen hat, seien nur der Mönch wie der Großinquisitor als auch der König Philipp in Verdis »Don Carlos«, der Alvaro von Kastilien in E. Wolf-Ferraris »Die schalkhafte Witwe«, der Mephisto im »Faust« von Gounod, der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Abul Hassan im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, der Publio in Mozarts »La clemenza di Tito«, der Pogner wie der Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Don Pizarro wie der Rocco im »Fidelio«, der Plumkett in Flotows »Martha«, der Madruscht in »Palestrina« von H. Pfitzner, der Komtur wie der Leporello im »Don Giovanni«, der Malignac in E.W. Korngolds »Die Kathrin«, der Sprecher in der »Zauberflöte«, der Landgraf im »Tannhäuser«, der Falstaff von Verdi, der Ochs im »Rosenkavalier«, der Waldner in »Arabella« von R. Strauss, der Knecht Ruprecht im »Christelflein« von H. Pfitzner, der Fliegende Holländer, der König Heinrich im »Lohengrin«, der Wotan in der »Walküre«, der Dulcamara in »L’Elisir d’amore«, der Wanderer im »Siegfried« und der Boris in »Katerina Ismailowa« von Schostakowitsch genannt. Seit 1948 wirkte er fast alljährlich bei den Festspielen von Salzburg mit. Hier sang er im einzelnen 1948 den Minister im »Fidelio«, 1949 den Publio in »La clemenza di Tito« von Mozart, 1953-54 den Leporello, 1954 den Eremiten im »Freischütz«, 1957-58 den Rocco, 1958 den Waldner, 1960-61 und 1963-64 seine große Glanzrolle, den Ochs im »Rosenkavalier« (den er auch in der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Festspielhauses 1960 vortrug) und 1962-63 den Kalchas in Glucks »Iphigenie in Aulis«. 1950 sang er in Salzburg das Bass-Solo in Franz Schmidts »Das Buch mit 7 Siegeln« und 1960 war er einer der Solisten in der 8. Sinfonie von Gustav Mahler. 1971 wurde er in Salzburg mit der Max Reinhardt-Medaille ausgezeichnet. Bei den Bayreuther Festspielen sang er 1951 das Bass-Solo in der 9. Sinfonie von Beethoven sowie 1951-52 den Hans Sachs, 1952 die gleiche Partie bei den Festspielen von Edinburgh (bei einem Gastspiel der Hamburger Staatsoper), 1965 in Glyndebourne den Ochs. 1954 debütierte er, wieder als Hans Sachs, an der New Yorker Metropolitan Oper und blieb deren Mitglied bis 1976. Er sang an der Metropolitan Oper in 15 Spielzeiten neun verschiedene Partien in insgesamt 146 Vorstellungen: König Heinrich, Pater Guardian in Verdis »La forza del destino«, Ochs, Gurnemanz im »Parsifal«, Wotan in der »Walküre«, Wanderer im »Siegfried«, König Marke in »Tristan und Isolde« und Rocco. Seinen unübertrefflichen Ochs auf Lerchenau. hat er im Lauf seiner Karriere 236mal gesungen. A der Oper von San Francisco gastierte er 1955 (als Ochs und als König Heinrich), 1957 und 1964 (jeweils wieder als Ochs) und in San Diego 1963 als Wotan in der »Walküre«.  Er gastierte weiter an der Mailänder Scala (1951 als Amfortas, 1952 als Rocco und als Ochs, 1953 als König Heinrich und 1961 nochmals als Ochs), in Berlin (Gastvertrag 1953-62) und Hamburg. Seit 1955 war er auch an der Staatsoper München verbunden. 1961 gastierte er bei den Zürcher Festwochen als Ochs. Seine umfangreiche Gastspieltätigkeit führte ihn an die Oper von Monte Carlo (1963 als Ochs), an das Opernhaus von Rio de Janeiro (1965), an die Chicago Opera, an die Opern von Lyon und Marseille, an das Teatro San Carlos Lissabon, an die Stuttgarter Staatsoper, an das Grand Théâtre Genf, an die Opern von Houston/Texas, Philadelphia und Pittsburgh; 1955 trat er auch beim Maggio Musicale von Florenz als Ochs auf. Von seinen Bühnenrollen sind noch der van Bett in »Zar und Zimmermann« wie der Stadinger in »Waffenschmied« von Lortzing und die Titelrolle in »Cardillac« von P. Hindemith zu nennen. Er sang 1959 das Bass-Solo in einer Aufführung des Te Deum von Bruckner im Vatikan vor Papst Johannes XXIII. Er wurde Professor für Gesangpädagogik an der Wiener Musikakademie. Zu seinen Schülern zählten seine beiden Söhne Peter Edelmann (* 1962) und Paul-Armin Edelmann (* 1968), die wie ihr Vater eine erfolgreiche Karriere als Baritonisten hatten. Otto Edelmann starb 2003 in Wien. – Kraftvolle dunkle Stimme, die sich im Wagnergesang, aber auch in Aufgaben aus dem Buffo-Fach bewährte.

Lit: St.-M. Schlinke: »Otto Edelmann« (Wien, 1987).

Schallplatten auf Philips, Decca (Recital; »Arabella«), Columbia (Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Bayreuth 1951; »Fidelio«, »Der Rosenkavalier«). Weitere Aufnahmen auf Melodram (Wotan in der »Walküre« aus New York, 1957; Rocco in »Fidelio«, Salzburg, 1957), Morgan (Leporello im »Don Giovanni«), Penzance (»Iphigenie in Aulis« von Gluck), TIS (8. Sinfonie von G. Mahler), Movimento Musica (Matthäuspassion von J.S. Bach). Als Ochs auch in Gesamtaufnahmen des »Rosenkavalier« bei Melodram und Movimento musica anzutreffen; DGG-Video (»Don Giovanni«).

 

6.2. Giancarlo BOLDRINI: 65. Geburtstag

Er studierte zunächst Gesang an der Schule von Gina Cigna. 1984-86 sang er in Konzerten an der Mailänder Scala, an der er dann auch u.a. 1987 als Nume Infernale in Glucks »Alceste« und als Samuel in Verdis »Un ballo in maschera«, 1994 als Gazone in Prokofjews »L‘Ange de feu«, 1995 als 1. Soldat in »Salome« von R. Strauss, 1996 als Direktor in Prokofjews »Der Spieler«, 1998 als 2. Strelitze in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, 1999 als Orlik in »Mazeppa« von Tschaikowsky, 2001 als Tom in Verdis »Un ballo in maschera« und als Montano in Verdis »Otello«,  2002 und 2007 als 2. Soldat in »Salome« von R. Strauss, 2003 als Notar im »Rosenkavalier« und als Diener in »Macbeth« von Verdi, 2004 als Grech in »Fedora« von Giordano, 2007 als Pförtner in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch und 2008 als Spinelloccio in »Gianni Schicchi« auftrat. Am 20.10.2000 wirkte er an der Mailänder Scala in der Uraufführung der Oper »Tatjána« von Azio Corghi die Partie des Kotleníkov und 2008 in der italienischen Erstaufführung von Lorin Maazels Oper »1984« mit. Dann folgten Engagements in Rollen an vielen großen Bühnen der Welt, darunter die Arena di Verona, das Teatro Communale in Alessandria, die Opera di Roma, das Teatro Grande in Brescia, das Zürcher Opernhaus, das Teatro Filarmonico in Verona und das Giuseppe-Verdi-Konservatorium in Mailand. In Boldrinis Repertoire figurierten Opern wie Verdis »Aida«, »Nabucco« und »Falstaff«, Ponichiellis »La Gioconda«, Paisiellos »Il Barbiere di Siviglia«, Bellinis »Norma«, Tschaikowskis »Pique Dame«, Schuberts »Fierrabras«, Donziettis »Lucia di Lammermoor« sowie Boitos »Mefistofele«. Berühmt wurde er aber auch als Konzertsänger und Liederinterpret, insbesondere mit seinen Auftritten in Mozarts Requiem und Beethovens Neunter Symphonie. Giancarlo Boldrini hat im Laufe seiner Karriere mit zahlreichen berühmten Dirigenten gearbeitet, etwa Gianandrea Gavazzeni, Riccardo Muti, Claudio Abbado, Roberto Abbado und Riccardo Chailly.

 

6.2. August KINDERMANN: 200. Geburtstag

August_Kindermann

Er war der Sohn eines Webers und arbeitete zunächst in einer Berliner Buchhandlung. Er begann seine Tätigkeit auf der Bühne als Autodidakt, indem er 1836 als Chorist an die Berliner Hofoper ging. 1837 sang er erstmals in Berlin eine kleine Solopartie in »Agnese di Hohenstaufen« von Spontini. 1839 wurde er als Solist an das Opernhaus von Leipzig verpflichtet, wo er bis 1846 sowohl Partien aus dem Bariton- wie dem Bass-Fach sang. Er debütierte hier 1839 als Oroveso in Bellinis »Norma«. Aus seiner Leipziger Zeit rührte seine enge Freundschaft mit dem Komponisten Albert Lortzing her, der damals am Opernhaus von Leipzig als Kapellmeister angestellt war. So sang August Kindermann am 31.12.1842 in Leipzig in der Uraufführung von Lortzings Oper »Der Wildschütz« die Partie des Grafen Eberbach. Bereits zuvor hatte er dort in den Uraufführungen der Lortzing-Opern »Caramo oder Das Fischerstechen« (20.9.1839) und »Hans Sachs« (23.6.1840 in der Titelrolle) mitgewirkt. Die Partitur des letztgenannten Werks hatte der Komponist ihm gewidmet. 1846 folgte der bereits allseitig bekannte Sänger einem Ruf an die Hofoper von München, die gerade in dieser Epoche eine besondere Blütezeit erlebte, und an der er über vierzig Jahre blieb. Er hatte dort zuvor als Graf in »Figaros Hochzeit«, als Wilhelm Tell von Rossini, als Jäger im »Nachtlager von Granada« und als Titelheld in »Belisario« von Donizetti gastiert. Sein Bühnenrepertoire besaß einen sehr großen Umfang; man rühmte ihn vor allem auch als Mozart-Interpreten. 1863 wirkte er in München in der Uraufführung der Oper »Die Foscari« von Max Zenger mit, 1869 in der von Josef Rheinbergers »Die sieben Schwaben«, 1872 in der der Oper »Theodor Körner« von Wendelin Weissheimer. Sein 25jähriges Jubiläum feierte er 1871 in München mit einer Gala-Vorstellung von »Figaros Hochzeit«, in der er die Titelrolle sang, sein 40jähriges Jubiläum 1886 als Stadinger im »Waffenschmied« von Lortzing. Am 22.9.1869 sang er in der Uraufführung von Wagners »Rheingold« an der Münchner Hofoper die Partie des Wotan. Den Wotan sang er dann auch am gleichen Haus am 26.6.1870 in der Uraufführung der »Walküre« von Wagner. Bei den Festspielen von Bayreuth übernahm er am 26.7.1882 in der Uraufführung des »Parsifal« den Titurel. 1887 wurde er zum Ehrenmitglied der Münchner Hofoper ernannt. Er trat danach nur noch selten auf der Bühne in Erscheinung und gab 1889 seine Karriere endgültig auf. In seinem Repertoire für die Bühne fanden sich als weitere Partien der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Hidraot in »Armida« von Gluck, der Indra in »Le Roi de Lahore« von Massenet, der König Heinrich im »Lohengrin«, der Fafner in den Opern des Ring-Zyklus, der König Marke in »Tristan und Isolde« und der Hagen in der »Götterdämmerung«. Er starb 1891 in Berlin Er war verheiratet mit der Pianistin Magdalene Kindermann-Hoffmann (†  21.3.1878 München). Mehrere seiner Kinder hatten wie ihr Vater eine bedeutende Sängerkarriere. Die älteste Tochter, Marie Kindermann, hatte nur eine kurze Bühnenkarriere; sie debütierte in der Spielzeit 1871-72 am Hoftheater von Kassel, wo sie als Agathe im  »Freischütz«, als Cherubino in »Figaros Hochzeit« und als Marie im »Waffenschmied« von Lortzing auftrat. 1872-73 war sie an der Münchner Hofoper, 1873-74 am Stadttheater von Zürich engagiert; danach lassen sich keine Auftritte mehr finden. Eine weitere Tochter, Franziska Kindermann, sang in München, sein Sohn August Kindermann jr. an Hoftheater von Weimar und in Hamburg. Am bekanntesten wurde jedoch seine Tochter Hedwig Reicher-Kindermann (1853-83), die eine große Karriere, vor allem als Wagner-Sängerin, hatte. Eine weitere Tochter, Magdalene (Madeleine) Karl-Kindermann (1848-1924) heiratete den Schauspieler, Regisseur und Bühnendirektor Engelbert Karl (1841-91).

 

8.2. Josef CHALOUPKA: 80. Geburtstag

Biographie des tschechischen Dirigenten auf Tschechisch: http://host.divadlo.cz/art/clanek.asp?id=3301

 

8.2. Tugomir FRANC: 85. Geburtstag

Tugomir Franc

 Er begann seine Ausbildung am Konservatorium von Zagreb bei Zlatko Sir und Lav Vrbanik und wurde dann in Wien Schüler von Elisabeth Rado. Er debütierte 1959 an der Oper von Zagreb, 1960 wurde er durch Herbert von Karajan an die Wiener Staatsoper vermittelt (Debüt als König in »Aida«), deren Mitglied er bis 1982 blieb. In Wien wurde er als Interpret eines vielgestaltigen Repertoires bekannt. Unter den vielen Partien, die er hier sang, waren u.a. der Marchese di Calatrava wie der Pater Guardian in »La forza del destino«, der Mönch wie der König Philipp in Verdis »Don Carlos«, der Titurel im »Parsifal«, der Sparafucile im »Rigoletto«, der Timur in Puccinis »Turandot«, der Madruscht wie der Papst Pius IV. in »Palestrina« von H. Pfitzner, der Lodovico im »Otello« von Verdi, der Minister wie der Rocco im »Fidelio«, der Ramfis in »Aida«, der Ferrando im »Troubadour«, der Fafner wie der Hunding im Nibelungenring, der Arkel in »Pelléas et Mélisande«, der Banquo in Verdis »Macbeth«, der Comte des Grieux in »Manon« von Massenet, der Eremit im »Freischütz«, der Daland in »Der fliegende Holländer«, der Colline in »La Bohème«, der Gremin im »Eugen Onegin«, der Basilio im »Barbier von Sevilla«, der Graf Walter in »Luisa Miller« von Verdi, der Komtur im »Don Giovanni«, der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Lorenzo in Bellinis »I Capuleti e i Montecchi« und der König Marke in »Tristan und Isolde«. 1964-66 wirkte er bei den Festspielen von Salzburg mit, und zwar 1964 als Aufidio in »Lucio Silla« von Mozart, 1964-65 als Pfleger des Orest in »Elektra« von R. Strauss, 1965-66 als Nikitisch in »Boris Godunow« und 1966 in einem Mozart-Konzert. 1967 sang er bei den Festspielen von Bayreuth den Landgrafen im »Tannhäuser«. Er gastierte an den Opern von Bordeaux, Nancy, Toulouse, an der Oper von Rom, in Turin, Frankfurt a.M., Stockholm und Genf, an den Nationalopern von Belgrad und Zagreb und an der Wiener Volksoper. Eine erfolgreiche Karriere hatte er dazu als Konzert- und Oratorienbassist. Er starb 1983 in Wien.

Schallplatten: Decca (Mönch in »Don Carlos«, Publio in »La clemenza di Tito« von Mozart, kleine Rolle in »Elektra« von Richard Strauss, Mozart-Requiem), MMS (Ferrando im »Troubadour«), Legendary Recordings (Basilio im »Barbier von Sevilla«), Preiser (Lieder), DGG (Reinmar von Zweter im »Tannhäuser«, Wien 1963).

 

8.2. Nathaniel MERRILL: 90. Geburtstag

Biographie des amerikanischen Opernregisseurs auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Nathaniel_Merrill

 

8.2. Zdeněk ZOUHAR: 90. Geburtstag

Biographie des tschechischen Komponisten auf Tschechisch: https://cs.wikipedia.org/wiki/Zden%C4%9Bk_Zouhar

 

8.2. Morley MEREDITH: 95. Geburtstag

 Zuerst Schüler von W.H. Anderson, dann von Boris Goldovsky in Tanglewood, schließlich von Alfredo Martino und Melchiorre Luise in New York. Er debütierte 1956 in einem Konzert in der New Yorker Town Hall. Bühnendebüt 1957 bei der New York City Opera als Escamillo in »Carmen«. Er folgte 1961 einem Ruf an die Metropolitan Oper New York, an der er bis 1992 wirkte. Im Januar 1962 sang er bei seinem Debüt an der Metropolitan Oper die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«. Er trat dort in 31 Spielzeiten in 40 Partien in insgesamt 593 Vorstellungen auf, darunter als Scarpia in »Tosca«, als Jochanaan in »Salome«, als Orest in »Elektra« von R. Strauss, als Don Alfonso in »Così fan tutte«, als Falke in der »Fledermaus«, als Haushofmeister in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Don Pizarro in »Fidelio«, als Alfio in »Cavalleria rusticana«, als Rangoni in »Boris Godunow«, als Sprecher in der »Zauberflöte«, als Scattergood in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »The Last Savage« von Menotti, als Eugen Onegin, als Tomsky in »Pique Dame« von Tschaikowsky, als Klingsor in »Parsifal«, als Zuniga in »Carmen«, als Principe di Bouillon in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, als Faninal im »Rosenkavalier«, als Balstrode in »Peter Grimes« von B. Britten, als Telramund in »Lohengrin«, als Oberthal in Meyerbeers »Le Prophète«, als Bosun in »Billy Budd« von B. Britten, als Marquis de la Force in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc, als Doktor in »Wozzeck« von A. Berg, als Gendarm in Poulencs »Les Mamelles de Tirésias«, als Dreieinigkeitsmoses in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill, als Abimélech in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, als Bonze in »Madame Butterfly«, als Kaiser von China in Strawinskys »Le Rossignol«, als Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg« und in vielen kleineren Rollen. Er sang in Nordamerika auch an den Opern von Chicago, San Francisco (1966 Rangoni), New Orleans, Kansas City und Toronto. 1971 nahm er in der New Yorker Carnegie Hall an der konzertanten amerikanischen Premiere der Händel-Oper »Ariodante« teil. Sein Europa-Debüt fand 1971 am Grand Théâtre Genf statt. Er trat in Europa auch bei der Scottish Opera Company Glasgow (1970 als Don Pizarro in »Fidelio«) auf. Schwerpunkte in seinem ausgedehnten Bühnenrepertoire bildeten die heldischen Partien für Bariton. Dazu erfolgreiche Konzertauftritte. Er starb 2000 in Palm Beach (Florida).

Schallplatten: Vanguard.

 

8.2. Friedrich CARLÉN: 150. Geburtstag

Der Sänger, dessen eigentlicher Name Carl Friedrich Näser war, war der Sohn eines Organisten und studierte an der Berliner Musikhochschule bei Rudolf Otto. 1891 nahm er die Stelle eines Tenor-Solisten an der Deutschen Evangelischen Kirche in New York-Brooklyn an. In Nordamerika hatte er bei Konzerten und als Solist in Oratorienaufführungen erste Erfolge. Auf Drängen des Dirigenten Anton Seidl und der berühmten Sängerin Katharina Klafsky, die damals in New York weilten, entschloss er sich schließlich zu einer Bühnenlaufbahn. 1896 kam er nach Europa zurück und debütierte an der Hofoper von Dresden als Titelheld im »Faust« von Gounod. Er sang in Dresden als weitere Rollen den Max im »Freischütz«, den Lyonel in »Martha«, den Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, den Tamino in der »Zauberflöte« und wirkte 1897 in der Uraufführung der Oper »Haschisch« von Oscar von Chelius mit, ging aber dann für die Saison 1897-98 an das Opernhaus von Düsseldorf. 1899 nahm er am Theater des Westens Berlin an der Uraufführung von H. Zöllners Oper »Die versunkene Glocke« teil. 1898-1903 war er, jetzt als Helden- und Wagner-Tenor, Mitglied des Stadttheaters von Bremen und seit 1903 bis zu seinem frühen Tod des Hoftheaters von Mannheim. Hier trat er als Rienzi, als Tannhäuser, als Lohengrin und als Tristan hervor. Zu seinen weiteren großen Partien zählten der Canio im »Bajazzo«, der Herodes in »Salome« von R. Strauss, der Siegnot in der »Rose vom Liebesgarten« von Hans Pfitzner, der Don José in »Carmen«, der Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns und der Florestan im »Fidelio«. Er entfaltete eine umfangreiche Gastiertätigkeit, die ihn u.a. an die Covent Garden Oper London (1900 als Tannhäuser), an die Hoftheater von München, Stuttgart, Hannover, Karlsruhe und Wiesbaden und häufig an das Opernhaus von Frankfurt a.M. führte. In Bremen wirkte er 1901 in der Uraufführung der Oper »Gugeline« von Ludwig Thuille mit. Er entwickelte dazu eine große Karriere im Konzertsaal und wurde vor allem als Solist bei den Leipziger Gewandhauskonzerten bekannt. Er starb 1907 in Sand bei Baden-Baden.

 

9.2. Hildegard BEHRENS: 80. Geburtstag

Hildegard BEHRENS

 Als Kind spielte sie bereits Violine, begann aber zunächst das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität von Freiburg i. Br. und schloss dieses mit dem Referendarexamen ab. Dann Ausbildung der Stimme an der Musikhochschule von Freiburg i. Br. durch Ines Leuwen. Am dortigen Stadttheater erfolgte (nach einem ersten Auftreten im gleichen Jahr am Stadttheater von Osnabrück) 1971 auch ihr eigentliches Bühnendebüt als Gräfin in »Figaros Hochzeit«. Die Karriere der Künstlerin nahm eine sehr schnelle Entwicklung. 1973 wurde sie Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, zugleich seit 1974 auch Mitglied der Oper von Frankfurt a.M. Seit 1975 auch Gastspiele an der Covent Garden Oper London (Antrittsrolle: Leonore im »Fidelio«). In Düsseldorf hatte sie erste große Erfolge als Agathe im »Freischütz« und 1976 als Marie in »Wozzeck« von A. Berg. Glanzvolle Gastspiele an den Opernhäusern von Zürich (1975) und München wie am Teatro San Carlos von Lissabon ließen in ihr eine der begabtesten Sängerinnen ihrer künstlerischen Generation für das dramatische und das Wagner-Fach erkennen. Sie erhielt schon früh einen Ruf an die New Yorker Metropolitan Oper New York, wo sie 1976 als Giorgetta in Puccinis »Il Tabarro« debütierte und bis 1999 in insgesamt 171 Vorstellungen auftrat: als Leonore im »Fidelio«, als Elettra in »Idomeneo« von Mozart, als Sieglinde und als Brünnhilde im Nibelungenring, als Isolde in »Tristan und Isolde«, als Donna Anna im »Don Giovanni«, als Marie im »Wozzeck« von A. Berg, als Tosca, als Santuzza in »Cavalleria rusticana«, als Salome, als Senta in »Der fliegende Holländer« und als Elektra von R. Strauss. 1977-78 erregte ihre Gestaltung der Titelpartie in der Richard Strauss-Oper »Salome« bei den Salzburger Festspielen unter Herbert von Karajan großes Aufsehen. 1979 sang sie dort die Ariadne in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, 1996 die Elektra von R. Strauss und 2001 die Kostelnicka in Janáceks »Jenufa«. Am 24.7.1999 wirkte sie bei den Salzburger Festspielen in der Uraufführung der Oper »Cronaca del Luogo« von Luciano Berio als R mit, außerdem sang sie hier 1998 in einem Konzert Isoldes Liebestod und gab 1999 sehr erfolgreich einen Liederabend. An der Pariser Oper gastierte sie 1980 als Kaiserin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, 1981 als Senta, 1982 als Leonore im »Fidelio«, 1984 als Tosca und 1987 als Elektra von R. Strauss. 1983-86 kam sie zu nicht weniger großen Erfolgen bei den Bayreuther Festspielen als Brünnhilde im Nibelungenring. 1985-2001 gastierte sie in insgesamt 82 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper (als Leonore im »Fidelio«, Salome, Marie im »Wozzeck« von A: Berg, Brünnhilde im Nibelungenring, Elektra von R. Strauss, Isolde und Tosca). Sie sang 1987 in der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Opernhauses von Houston/Texas die Schlussszene aus »Salome« von R. Strauss. 1988 hörte man sie an der Münchner Staatsoper als Emilia Marty in »Die Sache Makropoulos« von L. Janácek, 1989 bei den Festspielen von Savonlinna in Finnland als Senta. An der Oper von San Francisco sang sie 1990 die Brünnhilde im Nibelungenring, 1992 die Leonore im »Fidelio« und 1999 die Marie im »Wozzeck« von A: Berg. 1992 gastierte sie in der Neuen Musikhalle (Megaron Mousikis Athenon) in Athen als Elektra von R. Strauss. An der Oper von Santiago de Chile übernahm sie 1996 die Brünnhilde in der chilenischen Erstaufführung (!) des »Siegfried«. Am 10.11.1996 sang sie in der Eröffnungsvorstellung des wieder hergestellten Prinzregententheaters in München die Isolde. 1997 Gastspiel an der Oper von Houston/Texas als Salome von R. Strauss, an der Deutschen Oper Berlin 1997 als Senta. In Los Angeles trat sie 1998 als Salome auf, in München in dem Monodrama »Erwartung« von Schönberg, bei den Festspielen im römischen Amphitheater von Trier 1998 als Elektra von R. Strauss, am Teatro Colón Buenos Aires 1998 als Brünnhilde in der »Götterdämmerung«. 1999 trat sie im Festspielhaus von Baden-Baden wie an der Staatsoper Dresden als Elektra von R. Strauss auf. 2000 sang sie am Gärtnerplatztheater München die Hanna Glawari in Lehárs »Die lustige Witwe« und beim Festival von La Coruna (konzertant) die Leonore im »Fidelio«. Sie war zeitweilig verheiratet mit dem Regisseur Seth Schneidman. Sie starb 2009 in Tokyo.

Lit: A. Blyth: Hildegard Behrens (in »Opera«, 1991).

Schallplatten: EMI (Brünnhilde in vollständigem Ring-Zyklus, München 1989), HMV-Electrola (Titelheldin in integraler Aufnahme der »Salome« unter von Karajan, Szenen aus Wagner-Opern, »Guercoeur« von A. Magnard, Lieder, u.a. »Frauenliebe und -leben« von Schumann), Decca (»Fidelio«, »Shéhérazade« von Ravel, »Der Freischütz«, »Die Frau ohne Schatten«, »Der fliegende Holländer«), Philips (»Tristan und Isolde«, »Elektra«), DGG (Brünnhilde in der »Walküre«, »Wozzeck«, »Götterdämmerung«), Telefunken (Teldec; »Hänsel und Gretel«); Virgin (Marie im »Wozzeck«, auch Video), Teldec-Video (»Der fliegende Holländer«), Pioneer-Video (»Wozzeck«).

 

9.2. Alessandro CASSIS: 80. Geburtstag

 Er studierte in Rom und Mailand und gewann 1969 den internationalen Gesangwettbewerb von Treviso. Im gleichen Jahr debütierte er am dortigen Teatro Comunale in »Madame Butterfly«. Bereits 1971 debütierte er an der Piccolo Scala in Mailand (als Operatore Cinematografico in »Morte dell‘Aria« von Goffredo Petrassi; er sang hier in der Folge auch 1974 (ebenfalls in der Piccolo Scala) den Aristeo in Alfredo Casellas »La Favola d’Orfeo« und dann im großen Haus der Mailänder Scala 1983 den Michele in Puccinis »Il Tabarro«, 1985 den Sharpless in »Madama Butterfly«, 1989 und 1991 den Michonnet in »Adriana Lecouvreur« von Cilea und 1994 den Rambaldo in Puccinis »La Rondine«. 1974 sang er beim Maggio Musicale von Florenz den Jack Wallace in Puccinis »La Fanciulla del West«. 1975 hörte man ihn im italienischen Rundfunk RAI als Fanuel in »Nerone« von Boito. 1977 sang er am Teatro Regio Turin, an dem er auch später oft anzutreffen war, den Germont-père in »La Traviata« 1982 war er bei den Festspielen in der Arena von Verona (bei denen er auch 1973 und 1978 mitgewirkt hatte) als Amonasro in »Aida« (eine seiner großen Kreationen) zu Gast, ebenso gastierte er 1982 am Grand Théâtre Genf. Bei den Festspielen von Verona gastierte er 1986 als Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano, 1988 als Barnaba in »La Gioconda« von Ponchielli. Es kam zu erfolgreichen Auftritten am Teatro San Carlo Neapel (1984), am Teatro Comunale Florenz (1985 als Carlos in »La forza del destino« von Verdi), in Genua (1985), am Teatro Massimo Palermo (1986; 1996 als Michonnet), am Teatro Verdi Triest (1987) und bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla, bei denen er 1989 und 1991 als Amonasro beeindruckte. 1987 gastierte er in Avignon, 1989 am Teatro San Carlo Lissabon als Amonasro. Am 4.9.1990 sang er am Teatro Gran Guardio in Livorno in der Uraufführung der Oper »La Lupa« von Marco Tutino. 1991 hörte man ihn in Brescia in Bellinis »I Puritani«, 1994 als Nabucco von Verdi, am Teatro Donizetti Bergamo als Alfonso in »La Favorita« von Donizetti, am Teatro Carlo Felice Genua 1995 als Michele in Puccinis »Il Tabarro«, im gleichen Jahr am Teatro Massimo Palermo. Er starb 1998 in Bergamo.

Schallplatten: ANNA-Records (»I Lituani« von Ponchielli), MRF (»Nerone« von A. Boito), Fono (Alfio in »Cavalleria rusticana«), Bongiovanni (»Nozze Istriane« von Smareglia), TIS (»Loreley« von Catalani).

 

9.2. Hans KIEMER: 85. Geburtstag

 Er kam erst relativ spät zum Gesangstudium, das in München stattfand. Nach einem ersten Engagement 1968-70 am Tiroler Landestheater in Innsbruck, kam er 1970 an das Stadttheater von Augsburg, an dem er als Antrittsrolle den Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg« übernahm. Bis 1976 blieb er in Augsburg. Nach einem Engagement am Staatstheater von Wiesbaden (1976-79) hatte der Künstler seit 1979 eine langjährige Karriere am Staatstheater von Karlsruhe. Hier wie bei internationalen Gastspielen erwies er sich als bedeutender Interpret des Wagner-Repertoires in Partien wie dem Fliegenden Holländer, dem Hans Sachs, dem Kurwenal in »Tristan und Isolde«, dem Wotan in den Opern des Ring-Zyklus und dem Amfortas im »Parsifal«. 1978 und 1990 sang er in Karlsruhe den Barak in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, 1990 am Landestheater Innsbruck die Titelpartie in »Mefistofele« von Boito. Erfolgreiche Gastspiele in Amsterdam, Barcelona (1985), Belgrad, am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1981 als Wanderer im »Siegfried«), am Opernhaus von Bordeaux (Jochanaan in »Salome« von R. Strauss), am Teatro San Carlos Lissabon (Kurwenal), am Teatro Verdi Triest (Don Pizarro im »Fidelio«), an der Königlichen Oper Stockholm, in Rom und Frankfurt a.M. (1978), in Kopenhagen und Warschau (1989 Wanderer), in Hannover und an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. 1979-89 gastierte er in insgesamt 13 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper (als Barak, als Hans Sachs, als Luther in »Karl V.« von E. Krenek und als Wotan in der »Walküre«). Der Sänger beherrschte ein Bühnenrepertoire von über 40 großen Partien, neben den bereits erwähnten u.a. den Falstaff in der gleichnamigen Verdi-Oper, den Mandryka wie den Waldner in »Arabella« von R. Strauss, den Ochs im »Rosenkavalier«, den Don Alfonso in »Così fan tutte«, den Amonasro in »Aida«, den Scarpia in »Tosca« und den Borromeo in Hans Pfitzners »Palestrina«. Er sang in Karlsruhe in der Uraufführung von »Der Meister und Margarita« von Rainer Kunad (9.3.1986). 1995 verabschiedete er sich in Karlsruhe in »Die Kluge« von Carl Orff von der Bühne. Auch als Konzert- und Liedersänger (Loewe-Balladen) hervorgetreten. Er starb 2009 in Großhelfendorf.

Schallplatten: Amadeo.

 

9.2. Hannelore BACKRASS: 95. Geburtstag

 Ihre Ausbildung erfolgte an der Musikhochschule ihrer Vaterstadt Frankfurt a.M. 1948 debütierte sie am Stadttheater von Heidelberg als Desdemona in Verdis »Otello«. In der Spielzeit 1949-50 sang sie am Staatstheater Kassel und wurde dann an das Staatstheater von Wiesbaden engagiert, dem sie bis 1963 angehörte. Hier trat sie in Partien wie der Agathe im »Freischütz«, der Elsa im »Lohengrin«, der Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Sieglinde in der »Walküre«, der Arabella in der gleichnamigen Richard Strauss-Oper und der Chrysothemis in »Elektra« vom gleichen Komponisten auf. 1961 gastierte sie als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« an der Wiener Staatsoper. Mit einem Engagement am Stadttheater von Würzburg in den Jahren 1964-67 fand ihre Karriere den Abschluss. Weitere Bühnenrollen der Sängerin waren die Iphigenie in »Das Leben des Orest« von E. Krenek, die Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, die Marguerite im »Faust« von Gounod und die Emilia Marty in Janáceks »Sache Makropoulos«. Sie starb 1994 in Wiesbaden.

 

10.2. Georges LICCIONI: 85. Geburtstag

Georges Liccioni

 Seine Familie stammte aus Korsika. Er studierte zuerst als Bariton, doch entdeckte der Direktor der Oper von Marseille Pierre Mercadel seine Tenorstimme. Nach fünfjähriger Ausbildung fand 1958 in Marseille sein Debüt als Tenor in der Partie des Vincent in »Mireille« von Gounod statt. Er erzielte bedeutende Erfolge an den Opernhäusern von Toulouse, Avignon und Nizza sowie bei den Festspielen in der Arena von Arles (hier wiederum in »Mireille«). Gastspiele in der Schweiz und an der Opéra de Wallonie Lüttich. Er trat 1964-73 und nochmals 1988 (als Nicias in »Thais« von Massenet) an der Opéra-Comique Paris auf. Seit 1964 zugleich Mitglied der Pariser Grand Opéra, wo man ihn als Herzog im »Rigoletto«, als Alfredo in »La Traviata« und als Pinkerton in »Madame Butterfly« hörte. 1967 hatte er an der Grand Opéra einen besonderen Erfolg in der Titelrolle von Verdis »Don Carlos«. 1962 gastierte er am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1963 an der Oper von Bordeaux, 1964 (als Faust von Gounod) und 1977 (als Alwa in »Lulu« von A. Berg) an der Oper von Lyon, 1966 (als Faust) und 1978 (als Nangis in »Le Roi malgré lui« von E. Chabrier) an der Oper von Toulouse, 1967 und 1971 (als des Grieux in »Manon« von Massenet) an der Oper von Rio de Janeiro, 1969 beim Holland Festival, 1969 an der Oper von Monte Carlo (als Lenski im »Eugen Onegin«), 1971 an der Staatsoper von Wien (als des Grieux in »Manon« von Massenet), 1971 an der Oper von Boston und an der New York City Opera (als Julien in »Louise« von Charpentier), 1973 an der Oper von Montreal (als des Grieux in »Manon« von Massenet), 1979 am Opernhaus von Dublin (als Julien), an der Oper von Rom, an der Miami Opera und am Grand Théâtre Genf (1960 als Nicias und als Vincent, 1961 als des Grieux in »Manon« von Massenet und 1968 als Pinkerton). Er trat oft an den Opernhäusern von Nantes, Vichy und Marseille auf (hier mit besonderem Erfolg 1968 als Gennaro in »Lucrezia Borgia« von Donizetti mit Montserrat Caballé in der Titelrolle), auch an der Opéra du Rhin Straßburg. Weitere Bühnenpartien: Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, Rodolfo in »La Bohème«, Gérald in »Lakmé« von Delibes, Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod, Leopold in »La Juive« von Halévy, Werther von Massenet, Ramirez in Puccinis »La Fanciulla del West«. Er starb im März 2013.

Schallplatten der Marke Véga.

 

10.2. Brian PRIESTMAN: 90. Geburtstag

Nach dem Studium an der Universität von Birmingham (bis 1952) war er musikalischer Direktor des Royal Shakespeare Theaters in Stratford-upon-Avon (1960-63). 1964 ging er nach Amerika, wo er zuerst das Symphony Orchestra von Edmonton in Alberta, Kanada (1964-68) und im folgenden Jahr die Symphoniker von Baltimore dirigierte. 1970 verpflichtete ihn das Denver Symphony Orchestra als musikalischen Direktor (bis 1978). Daneben wirkte er drei Jahre lang am New Zealand National Orchestra (1973-76). Auch war er drei Jahre lang musikalischer Direktor der Philharmonie von Florida. Er siedelte nach Südafrika über und wirkte dort seit 1980 als musikalischer Berater des Cape Town Symphonic Orchestra, als Professor an der Universität von Kapstadt und Direktor des South African College of Music. Er starb 2014 in Broze (Frankreich).

 

11.2. Jiří OLEJNÍČEK: 80. Geburtstag

 Er begann seine Ausbildung 1954 am Konservatorium von Brno bei G. Fischer und setzte sie in Prag bei J. Berlik fort. 1962 debütierte er am Theater von Opava (Troppau) und kam 1964 an das Opernhaus (Janácek-Theater) von Brno, dem er länger als zwanzig Jahre angehörte. Mit dem Ensemble dieses Hauses gastierte er u.a. auch beim Maggio Musicale von Florenz (1967) und am Teatro Liceu Barcelona (1976 als Lenski im »Eugen Onegin«). Wichtige Partien aus seinem Repertoire für die Bühne waren der Tamino in der »Zauberflöte«, der Alvaro in Verdis »La forza del destino«, der Rodolfo in »La Bohème«, der Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Prinz in A. Dvoráks »Rusalka«, der Jiri in »Der Jakobiner« vom gleichen Meister, der Vit in »Tajemství« (»Das Geheimnis«) und der Stáhlav in »Libussa« von Smetana, der Petrik in »Die Abenteuer des Herrn Broucek« (»Výlety pana Broucka«) von Janácek, der Dimitrij im »Boris Godunow« und der Sinowi in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch. Nicht weniger von Bedeutung war seine Karriere als Konzertsänger. Er starb 2013 in Brünn.

Schallplatten: Supraphon.

 

11.2. Heinz FRICKE: 90. Geburtstag

Er begann am Theater Halberstadt 1946 als Repetitor. 1948-50 studierte er an der Musikhochschule Weimar, unter anderem bei Hermann Abendroth sowie in Berlin bei Erich Kleiber. 1950-60 war er dann 1. Kapellmeister an den Städtischen Theatern Leipzig. Bereits während dieser Zeit gastierte er häufig an der Berliner Staatsoper Unter den Linden im damaligen Admiralspalast. 1960-61 war er Nachfolger von Kurt Masur als Generalmusikdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. 1961-92 war er dann Generalmusikdirektor an der Deutschen Staatsoper Berlin. Mit stilistischer Vielfalt beherrschte er ein Repertoire von etwa 180 Werken, darunter zahlreiche Ur- und Erstaufführungen von Opern von Schostakowitsch, Prokofjew, Wagner-Regeny, Cerha, Eerst Hermann Meyer, Alan Bush, Günter Kochan und Siegfried Matthus. Gastdirigate führten ihn an nahezu alle großen Opernhäuser Europas und in Übersee. 1984 bis 1990 war Fricke auch Musikdirektor der Norske Opera Oslo und 1992-2008 „Music Director“ der Washington National Opera, seit 1996 mit Placido Domingo als „Artist Director“. Insbesondere als Interpret der Werke Richard Wagners und Richard Strauss’ hat er sich international einen Namen gemacht. Er dirigiert regelmäßig u.a. in Hamburg, München, Wien (zehn Vorstellungen von Beethovens Fidelio an der Wiener Staatsoper), Köln, Brüssel, in Spanien und Skandinavien, das Gewandhausorchester Leipzig und die Staatskapelle Berlin. Er starb 2015 in Berlin.

 

12.2. Jewgenij KIBKALO: 85. Geburtstag

Jewgenij KIBKALO und Galina WISCHNEWSKAJA in Der Widerspenstigen Zähmung
Mit Galina Wischnewskaja in „Der Widerspenstigen Zähmung“

 Kurz nach seiner Geburt verzogen seine Eltern von Kiew nach Znamenka in der Provinz Kirowograd. 1949 trat er in die Schule der russischen Luftwaffe ein, sang aber als Amateur und erregte 1951 erstes Aufsehen bei einem Gesangwettbewerb in der Ukraine. Darauf ließ er seine Stimme 1951-56 am Konservatorium von Moskau durch den berühmten Bariton Wladimir Michailowitsch Politkowsky ausbilden. 1955 gewann er beim Gesangwettbewerb des internationalen Jugend-Festivals in Warschau eine Silbermedaille. 1956 wurde er an das Bolschoi Theater Moskau berufen. Er blieb länger als zwanzig Jahre, bis 1977, an diesem Haus tätig und sang dort Partien wie den Figaro in »Le nozze di Figaro« und im »Barbier von Sevilla«, den Marcello in »La Bohème«, den Alfio in »Cavalleria rusticana«, den Demetrius in »A Midsummer Night’s Dream« von B. Britten, den Mizgir in »Schneeflöckchen« von Rimsky-Korssakow, den Griaznoj in der »Zarenbraut« vom gleichen Komponisten, den Schaklowity in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, den Zarjew in »Semjon Kotko« von Prokofjew, den Eugen Onegin, den Jeletzky in »Pique Dame« und den Mazeppa von Tschaikowsky. Er wirkte am Bolschoi Theater in mehreren Uraufführungen zeitgenössischer, sowjetrussischer Opern mit, so als Petrucchio in »Der Widerspenstigen Zähmung« von Wissarion Schebalin (1957 mit Galina Wischnewskaja in der Rolle der Catarina; der Petruccio wurde seine große Glanzrolle, in der er in den Jahren 1960-70 seine Triumphe feierte) und als Alexej in »Ein wahrer Mensch« von Prokofjew (1960, Neu-Fassung), Er sang dort auch 1957 den Andrej Bolkonskij in einer Neu-Bearbeitung von Prokofjews »Krieg und Frieden« (in der letztgenannten Partie gastierte er auch 1971 an der Wiener Staatsoper im Rahmen eines Gesamtgastspiels des Bolschoi Theaters Moskau). Nicht weniger von Bedeutung war seine Karriere im Konzertbereich. 1959 wurde er zum Verdienten Künstler, 1980 zum Volkskünstler der UdSSR ernannt. Nach 1970 gab er seine Karriere auf und wirkte seither als Pädagoge am Konservatorium von Moskau. Er starb 2003 in Moskau.

Schallplatten: Melodiya, u.a. vollständige Opern »Krieg und Frieden« (als Andrej Bolkonsky) und »Boris Godunow« (als Rangoni).

 

12.2. Thomas SCHERMAN: 100. Geburtstag

 Nach dem Besuch der Columbia University (1937) studierte er bei Isabelle Vengerova Klavier, bei Hans Weisse Theorie und bei Carl Bamberger, Max Rudolf und Otto Klemperer Dirigieren. Klemperer berief ihn auch zum Assistenten an ein Kammerorchester europäischer Flüchtlinge an der New School in New York (1939-41). 1947 gründetet er die Little Orchestra Society in New York, die es sich zur Aufgabe machte, neue Werke aufzuführen, von denen einige eigens in Auftrag gegeben wurden, und alte Werke wiederzubeleben. 1975 stellte er die Konzerte der Little Orchestra Society ein, gründete allerdings daraufhin die New Little Orchestra Society, die Kinderkonzerte aufführte; er leitete sie bis zu seinem Tod 1979.

 

12.2. David NEY: 175. Geburtstag

David NEY

 Er erlernte zuerst das Schneiderhandwerk und sang im Chor des Synagoge von Veszprém. Er war dann 1873-74 Chorsänger in der Synagoge von Raab, seit 1874 Chorist und seit 1878 Solist am Nationaltheater Budapest. 1884 wurde er an die Hofoper von Budapest berufen und hatte als Sarastro in der »Zauberflöte« ein aufsehenerregendes Debüt in der Eröffnungsvorstellung des neuen Gebäudes der Budapester Oper. In den folgenden zwanzig Jahren erlangte er als der unübertroffene erste Bassist dieses Opernhauses einen legendären Ruhm. In zahllosen Vorstellungen begeisterte er das Budapester Opernpublikum in einem Repertoire, das 103 Partien aus 78 Opern umfasste. Er gastierte 1881 an der Wiener Hofoper (als Kardinal Brogni in »La Juive« von Halévy und als Kaspar im »Freischütz«), 1885 am Opernhaus von Leipzig, 1885 und 1887 an der Berliner Kroll- Oper und gab 1887 in Brünn, 1888 in Berlin erfolgreiche Konzerte. Obwohl er von Hause aus einen tiefen, dunklen Bass besaß, gestaltete er auch Partien wie den Don Giovanni, den Wotan im »Ring des Nibelungen« und den Titelhelden in »Der fliegende Holländer« mit Meisterschaft. 1901 sang er in der ungarischen Premiere von »Tristan und Isolde« an der Budapester Oper den König Marke. In seinem Repertoire fanden sich weiter Partien wie der Bertram in »Robert der Teufel« von Meyerbeer, der Leporello wie der Commendatore im »Don Giovanni«, der Daland in »Der fliegende Holländer«, der Petur Bán in »Bánk Bán« von F. Erkel, der Salomon in Goldmarks »Königin von Saba«, der Figaro in »Figaros Hochzeit«, der Landgraf im »Tannhäuser« und der Mephisto im »Faust« von Gounod. Als er 1905 in Budapest starb waren drei neu engagierte Sänger erforderlich, um die Lücke auszufüllen, die er in dem Ensemble hinterließ. Er war verheiratet mit der Sopranistin Hermine Ney (* 1875), die wie er an der Oper von Budapest engagiert war. Auch sein Sohn Bernat Ney (1863-1935) wirkte an diesem Opernhaus.

Schallplatten: G & T (Budapest, 1902-05, darunter zwei Duette mit seiner Gattin Hermine Ney), auch Aufnahmen auf Odeon (Budapest, 1904) und auf Columbia (hier auch jüdische religiöse Musik).

 

13.2. Susan KESSLER: 70. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung in ihrer australischen Heimat, wo sie auch ihre Karriere begann. 1975 kam sie erstmals nach England, 1977 gehörte sie dort zu den Preisträgern beim Benson and Hedges Concours in Aldeburgh. Sie entwickelte eine umfangreiche Tätigkeit als Konzert- und Liedersängerin und trat in den europäischen Ländern, in Nordamerika, im Fernen Osten und in Australien auf. Sie widmete sich dann aber auch dem Operngesang und befasste sich vor allem mit Werken zeitgenössischer englischer Komponisten. Bei der Chelsea Opera Group erschien sie in der Oper »Nelson« von Berkeley und in der klassischen Oper »La Vestale« von Spontini. Beim Holland Festival 1991 wirkte sie in einer konzertanten Aufführung der Oper »Krieg und Frieden« von Prokofjew mit. Sie sollte im Juli 1992 an der Londoner Covent Garden Oper in der Premiere von Rossinis »Il viaggio a Reims« auftreten, starb aber wenige Monate zuvor an einem plötzlichen Herzversagen.

 

13.2. Maria LITWINENKO-VOLGEMUT: 125. Geburtstag

Maria LITWINENKO-VOLGEMUT

 Sie zeigte früh eine ausgesprochene musikalische Begabung, sang Soli bei Kirchenkonzerten und Amateurveranstaltungen und ließ dann seit 1908 ihre Stimme am Konservatorium von Kiew bei Frau M. Aleksejewa-Junewitsch ausbilden. 1912 debütierte sie am Ukrainischen Theater von M. Sadovsky in Kiew in der Titelpartie der Oper »Natalka Poltavka« von Lysenko. 1914 wurde sie an das Musikdramatische Theater St. Petersburg (Petrograd) verpflichtet, wo sie namentlich in Tschaikowsky-Partien erfolgreich war, aber auch allgemein in einem weitläufigen Repertoire zu hören war, das von der Micaela in »Carmen« bis zur Kundry im »Parsifal« reichte, 1916 kehrte sie nach Kiew zurück, wo sie aber, durch die Kriegsverhältnisse bedingt, hauptsächlich im Konzertsaal auftrat. 1919 war sie an der Gründung des Ukrainischen Nationaltheaters in Kiew beteiligt, in dessen Eröffnungsvorstellung sie sang. Die Bürgerkriegssituation veranlassten jedoch bald ihre Flucht nach Winnyzja (Ukraine), wo sie 1920-22 am dortigen Theater auftrat und sich um den Aufbau eines Opernensembles bemühte. In der Spielzeit 1922-23 sang sie wieder in Kiew, wo sie jetzt große Erfolge im Wagner-Repertoire hatte (Elisabeth im »Tannhäuser«, Elsa im »Lohengrin«, Sieglinde in der »Walküre«). 1923-35 war sie die eigentliche Primadonna des Opernhauses von Charkow, der damaligen Hauptstadt der Ukraine. Hier hatte sie einen ihrer größten Erfolge in der Titelpartie der Oper »Halka« von Moniuszko mit Iwan Koslowski als Partner. 1935-51 nahm sie dann eine ähnliche Stellung an der Oper von Kiew ein. Hier kam sie in der Partie der Odarka in der Oper »Die Saporosher Kosaken jenseits der Donau« von Gulak-Artemowsky zu einem besonderen Erfolg und brillierte in Partien wie der Aida, der Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen« und der Nastya in »Taras Bulba« von Lysenko. Sie trat gerne in Opern ukrainischer zeitgenössischer Komponisten wie »Bogdan Chmelnitzky« von Konstantin Dankjewitsch (als Varvara) und »Naymitschka« von Michailo Verykivsky (als Hanna) mit. Zu ihren Bühnenrollen gehörten auch die Natascha in »Rusalka« von Dargomyschski, die Lisa in Tschaikowskys »Pique Dame« und sie Tosca. Sie gab Gastspiele an den großen Opernhäusern der Sowjetunion und setzte sich bei Konzertreisen, die sie auch ins Ausland führten, für das Musikschaffen ukrainischer Komponisten wie für das ukrainische Volkslied ein. Sie wirkte als hoch angesehene Pädagogin am Konservatorium von Kiew. Sie starb 1966 in Kiew.

Lit: A. Polyakow: M.I. Litwinenko-Volgemut (Kiew, 1956); T. Schwaschko: Mariya Litwinenko-Volgemut (Kiew, 1972).

Schallplatten der staatlichen sowjetrussischen Plattenherstellung (Melodiya), darunter eine Gesamtaufnahme der Oper »Natalka Poltavka« von Mykola Lysenko.

 

13.2. Julie KOPACSY-KARCZAG: 150. Geburtstag

Julie KOPACSY-KARCZAG

 Sie zeigte schon als Kind eine auffallende musikalische Begabung und wurde durch Frau Adele Passy-Cornet zur Sängerin ausgebildet. Mit 15 Jahren sang sie die Titelpartie in dem Oratorium »Die Legende von der heiligen Elisabeth« von Franz Liszt in Anwesenheit des Komponisten in Budapest. Sie trat dann in Budapest in Opernpartien wie der Rosina im »Barbier von Sevilla«, der Titelfigur in Flotows »Martha«, der Traviata von Verdi und der Rose Friquet in »Les dragons de Villars« (»Das Glöckchen de Eremiten«) von Maillart auf. 1889 nahm sie ein Engagement am Operettentheater von Debrecen an und hatte gleich in ihrer ersten Rolle, der Fiametta in »Boccacco« von F. von Suppé, einen aufsehenerregenden Erfolg. 1891 kam sie an das Budapester Volkstheater (Budai Népszinház) und hatte dort als Nachfolgerin der großen Diva Ilka Palmay abermals große Erfolge. 1894 wurde sie an das Wiener Carl-Theater engagiert und gehörte für lange Zeit zu dessen erfolgreichsten Primadonnen. Ihre großen Erfolge hatte sie in den Koloraturpartien der klassischen Wiener Operette, aber auch in französischen Operetten. Sie gastierte am Theater von Brünn (Brno, 1894), am Deutschen Theater Prag (regelmäßig 1895-99), am Theater am Gärtnerplatz in München (1895) und am Theater des Westens Berlin (1901). 1895 erschien sie in einer Matinee der Wiener Hofoper in ihrer großen Glanzrolle, der Adele in der »Fledermaus«. 1896 absolvierte sie ein langes, glanzvolles Gastspiel in Berlin. Dass sie immer noch in der Lage war, auch Opernpartien zu übernehmen, bewies sie bei einem Gastspiel in Prag, bei dem sie 1896 die Carmen sang. Am 13.3.1897 sang sie am Theater an der Wien in der Uraufführung der Johann Strauß-Operette »Die Göttin der Vernunft«. 1897 führte sie eine große Nordamerika-Tournee in die Zentren des dortigen Musiklebens. Große Triumphe brachten ihr auch zwei Russland-Tourneen in den Jahren 1898 und 1899. Sie starb 1957 in Wien. Seit 1891 war sie mit dem Schriftsteller und Bühnendirektor Wilhelm Karczag (1857-1923) verheiratet, der 1901 die Leitung des Theaters an der Wien übernahm, an dem sie oft in ihren Operettenpartien auftrat. Er war dazu der Inhaber eines großen Wiener Musikverlages (Karczag-Verlag). Ihre Tochter Lilian Karczag war mit dem Tenor und Operettenproduzenten Hubert Marischka (1882-1959) verheiratet.

Es ist unverständlich, dass von Julie Kopacsy-Karczag keine Schallplattenaufnahmen vorhanden sind.

 

13.2. Emil HOLM: 150. Geburtstag

 Er war der Sohn eines Reeders, beabsichtigte zunächst Kaufmann zu werden, ließ dann aber seine Stimme in Kopenhagen ausbilden. 1892 trat er dort erstmals in einem Konzert auf und debütierte noch im gleichen Jahr an der Königlichen Oper Kopenhagen als Landgraf im »Tannhäuser« von R. Wagner. Darauf ging er nach Stockholm und setzte dort seine Ausbildung bei dem berühmten Bariton Fritz Arlberg fort. Er wollte anschließend in Deutschland seine Studien vervollständigen, nahm aber 1893 ein Engagement am Opernhaus von Nürnberg an, wo er als Antrittsrolle den Sarastro in der »Zauberflöte« sang. 1896-98 wirkte er abermals an der Kopenhagener Oper, ging aber 1898 an das Opernhaus von Breslau. Von dort wechselte er 1899 an das Opernhaus von Düsseldorf und nach einem Gastspiel als Daland in »Der fliegende Holländer« 1900 an die Hofoper von Stuttgart. Hier nahm er u.a. 1909 an der Uraufführung der Oper »Prinzessin Brambilla« von Walter Braunfels teil. Er gastierte an der Wiener Hofoper (1902 als Landgraf, als Mephisto im »Faust« von Gounod und als Sarastro), an den Hoftheatern von Wiesbaden und Karlsruhe und trat auch in Holland, u.a. 1905 in Amsterdam im »Parsifal«, auf. 1914 verließ er Deutschland und kehrte in seine dänische Heimat zurück. Hier begann er in den zwanziger Jahren eine zweite Karriere beim Dänischen Rundfunk, dessen Direktor er in den Jahren 1926-37 war. Im Mittelpunkt seines umfassenden Bühnenrepertoires standen die Bass-Partien in Wagner-Opern; dazu trat er als Kardinal in Halévys »La Juive«, als Bertram in »Robert der Teufel« von Meyerbeer, als Kaspar im »Freischütz«, als Basilio in Rossinis »Barbier von Sevilla«, als Rocco im »Fidelio«, als Komtur im »Don Giovanni«, als Gessler in Rossinis »Wilhelm Tell«, als Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor« und in der Titelpartie in »Mefistofele« von Boito auf. Er starb 1950 in Frederiksberg. Er war verheiratet mit der Sopranistin Katharina Rosing (* 9.10.1870 Jever, † 17.8.1956 Frederiksberg), die ebenfalls in Stuttgart engagiert war, aber ihre größten Erfolge als Konzertsängerin hatte. Seine selbstbiographischen Erinnerungen erschienen unter dem Titel »Erindringer og Tidsbilder fra Midten af forrige Århundrede til vor Tid« (Kopenhagen, 1939).

 

13.2. Charles Louis SAINTE-FOY: 200. Geburtstag

Charles Louis SAINTE-FOY_in_Meyerbeer's_Le_Pardon_de_Ploërmel

 Er war der Sohn eines Soldaten der Napoleonischen Armee. 1836 begann er seine Ausbildung am Pariser Conservatoire, wo er Schüler von Panseron und Gavaudé war. Er wurde einer der bedeutendsten Buffo-Tenöre, die die französische Oper innerhalb seiner Generation besaß und galt allgemein als der Nachfolger des berühmten Louis Féréol. Seit 1839 wurde er an der Pariser Opéra-Comique für diese in Frankreich (nach dem berühmten Vertreter des Fachs Antoine Trial) »Trial« genannten Partien eingesetzt. Er debütierte dort 1839 als Cantarelli in »Le pré aux clercs« von Hérold und hat im Ablauf seiner Karriere an der Opéra-Comique mehr als 100 verschiedene Rollen gestaltet, bei denen es sich um über 60 Kreationen neuer Werke handelte. Von den vielen Uraufführungen, in denen er mitwirkte, sind »Zanetta« von Auber (18.5.1840), »Les quatre fils Aymon« von Michael Balfe (15.7.1844), »Le Carillonneur de Bruges« von Albert Grisar (20.2.1852), »Giralda« (20.7.1850) und »Le Sourd« (8.2.1853) von Adolphe Adam, »Le Caïd« von Ambroise Thomas (3.1.1849), »La Fée aux Roses« von Halévy (4.10.1850), »Les Porcherons« von Albert Grisar (12.1.1850), »Galathée« (14.4.1852) von Victor Massé, »Jocrisse« von Jean-François Gautier (10.1.1862), »Dinorah« von Meyerbeer (4.4.1859 in der Partie des Corentin), »Les Absents« von J.A.F. Poise (26.10.1864), »Le Voyage en Chine« von François-Emanuel Bazin (9.12.1865), »Le premier Jour de Bonheur« von Auber (15.2.1865), »Zilda« von F. von Flotow (28.5.1866) und »Le Joailleur de Saint- James« von Albert Grisar (17.2.1862) zu nennen. Er sang hier auch in weiteren Uraufführungen der Opern von Auber: »Jenny Bell« (2.6.1855 als Dodson), »La Fiancée du Roi Garbe« (11.1.1864 als Truxillo), »Le premier jour de bonheur« (15.2.1868 als Sir John Littlepol) und »Rêve d‘amour« (20.12.1869 als Andoche). Er sang dort auch in den Uraufführungen der Operetten von J. Offenbach »Robinson Crusoie« (1861) und »Vert-Vert« (1869). Seine weiteren großen Rollen waren der Dickson in »La Dame blanche« von Boieldieu, der Lord Cookburn in »Fra Diavolo« von Auber, der Grand-Cousin in »Le Déserteur« von Monsigny und der Maître Léonard in »Joconde« von Isouard. In der Gestaltung dieser Rollen wurden seine Intelligenz und seine Musikalität des Vortrags durch seine komisch wirkende äußere Erscheinung und ein glänzendes Spieltalent wirksam unterstützt. 1869 gastierte er erfolgreich in St. Petersburg und sang nach seiner Rückkehr an den Folies-Dramatiques in Paris. Bald machten sich jedoch Zeichen einer fortschreitenden geistigen Erkrankung bei dem Künstler bemerkbar, der schließlich in großer Armut 1877 in Neuilly-sur-Seine bei Paris starb. Er war zeitweilig mit der Sopranistin Mlle. Clarisse-Henri verheiratet, die 1840 an der Opéra-Comique debütierte aber bald ihre Karriere aufgab.

 

14.2. Jean BONHOMME: 80. Geburtstag

 Er studierte zunächst Medizin, dann Rechtswissenschaften, ließ aber schließlich seine Stimme am Konservatorium der Provinz Quebec durch Raoul Jobin, am Royal Conservatory Toronto durch Herman Geiger-Torel, bei Maria Carpi in Genf und Luigi Ricci in Rom ausbilden. Er debütierte 1965 bei der Sadler’s Wells Opera Company London als Pinkerton in »Madame Butterfly« und hatte dann bereits 1965 wichtige Erfolge an der Covent Garden Oper London (wo er 1976 nochmals zu hören war), später an den Opern von Monte Carlo, Marseille, Amsterdam und Budapest. An der Grand Opéra Paris sang er 1969 den Énée in »Les Troyens« von H. Berlioz. Er nahm seinen Wohnsitz in seiner kanadischen Heimat und ging von Ottawa aus einer regen Gastspieltätigkeit, vor allem an den großen Opernhäusern des nordamerikanischen Kontinents, nach. So sang er ständig in Montreal, Ottawa, Toronto und Vancouver, gastierte an den Opern von Houston (Texas), Pittsburgh und Santa Fé und hatte eine erfolgreiche Karriere als Konzertsänger. Auf der Opernbühne meisterte er ein breites Repertoire, das seine Höhepunkte im Spinto-Fach erreichte. Seine Hauptrollen waren der Rodolfo in »La Bohème«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Pylades in Glucks »Iphigénie en Tauride« und der Don José in »Carmen«. Er starb 1986 in Ottawa.

Schallplatten: HMV, Decca (Quartett aus Puccinis »Bohème«).

 

15.2. Kurt RAPF: 95. Geburtstag

Er studierte an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst Dirigieren, Orgel, Cembalo, Klavier und Komposition. Nach seinem Studium war er in der Spielzeit 1948/49 als Assistent von Hans Knappertsbusch zunächst am Opernhaus Zürich engagiert. 1949-53 war er Professor an der Wiener Musikhochschule. Anschließend war er bis 1960 Musikdirektor der Stadt Innsbruck. Ab 1960 arbeitete Rapf als freischaffender Dirigent, Organist, Komponist und Klavierbegleiter. 1968 übernahm er am Konservatorium der Stadt Wien eine Klasse „Repertoirestudium“ für Sänger und Instrumentalisten.. Rapf gründete kurz nach Ende des 2. Weltkrieges das „Collegium Musicum Wien“, das er bis 1956 leitete, 1986 gründete er ein Kammerorchester, die „Wiener Sinfonietta“. Er war 1970-87 Leiter des Musikreferates im Kulturamt der Stadt Wien und von 1970-83 Präsident des Österreichischen Komponistenbundes. Als Dirigent war er auf zahlreichen Auslandstourneen. Als Komponist schuf er über 150 Werke, darunter eine Oper, zwei Oratorien, vier Symphonien, zahlreiche Orchesterwerke, Vokal-, Orgel- und Kammermusik. 1981 erhielt er als einziger Europäer den Outstanding Composition Award für die Komposition und Uraufführung seines Orchesterwerkes Poème symphonique beim Yamaha-Festival in Tokio. Er starb 2007 in Wien und ruht in einem ehrenhalber gewidmeten Graf auf dem Ober Sankt Veiter Friedhof in Wien.

 

15.12. Denise SCHARLEY: 100. Geburtstag

Denise Scharley

Sie studierte vier Jahre lang am Conservatoire von Paris und gewann beim Abschluss ihrer Ausbildung alle drei Preise des Conservatoire. Sie debütierte 1942 an der Pariser Opéra-Comique als Geneviève in »Pelléas et Mélisande« von Debussy. Im folgenden Jahr hatte sie an diesem Opernhaus große Erfolge als Carmen und als Mignon von A. Thomas. Sie sang an der Opéra-Comique dann u.a. die Taven in »Mireille« von Gounod, die Charlotte in »Werther« und die Dulcinée in »Don Quichotte« von Massenet. Nachdem sie bis 1947 an der Opéra-Comique aufgetreten war, war sie 1947-48 am Théâtre de la Monnaie in Brüssel engagiert und unternahm darauf zahlreiche Gastspiele; so sang sie an der Oper von Rom 1947 die Carmen als Partnerin von Mario del Monaco und die Geneviève. In der Spielzeit 1951-52 folgte sie einem Ruf an die Grand Opéra Paris und sang hier als Antrittsrolle die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns. Man bewunderte sie dort in den folgenden Jahren als Bellone in »Les Indes galantes« von Rameau, als Mary in »Der fliegende Holländer«, als Erda wie als Fricka im Nibelungenring (unter H. Knappertsbusch), als Emilia in Verdis »Otello«, als Bathseba in »David« von A. Honegger, als Amneris in »Aida«, als Fatime im »Oberon« von Weber, als Ulrica im »Maskenball« von Verdi und in der französischen Erstaufführung von Fr. Poulencs »Dialogues des Carmélites« (1957). An den Opernhäusern von Marseille und Lyon trat sie als alte Gräfin in »Pique Dame« von Tschaikowsky (1961) und als Madame Flora in »The Medium« von Menotti (1962) auf. Sehr oft trat sie am Grand Théatre Genf auf (1948-69 als Mignon, als Maddalena im »Rigoletto«, als Suzuki in »Madame Butterfly«, als Charlotte, als Carmen, als Marfa in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, als Amneris, als Amme wie als Schenkenwirtin im »Boris Godunow«, als Erda im »Siegfried«, als Dalila, als alte Gräfin in »Pique Dame«, als Ulrica, als Orphée in Glucks »Orphée et Euridice« und als Öffentliche Meinung in Offenbachs »Orphée aux Enfers«). Am 4.3.1950 sang sie hier in der Uraufführung von G. Faurés »Masques et Bergamasques« die Partie der Eglé und am 14.5.1965 in der Uraufführung der Oper »Alissa« von Raffaello de Banfield die Partie der alten Frau. Erfolgreiche Gastspiele u.a. in Lyon, an der Oper von Monte Carlo (1970 als Mutter in Charpentiers »Louise«, 1978 in »Dialogues des Carmélites«), am Teatro Fenice Venedig (1973 in »L’Annonce fait à Marie« von Rossellini) und am Teatro San Carlo Neapel (1972). Sie gastierte an Theatern in der Schweiz, in Spanien, England, Holland und Deutschland. Sie trat bis 1973 an der Grand Opéra auf, gab aber auch später noch Gastspiele, so u.a. 1979 in Avignon. Noch am 26.4.1982 wirkte sie am Théâtre des Champs-Élysées in Paris in der Uraufführung der Oper »Ondine« von Daniel Lesur in der Partie der Eugénie mit. Auf der Bühne wirkte sie nicht zuletzt durch ihre darstellerische Präsenz. Sie starb 2011 in Versailles. Sie war verheiratet mit dem Tenor Jacques Hivert (* 4.12.1919, † 1987; eigentlich Jean-Jacques Lecaillon), der seine Ausbildung in Paris erhielt und 1944 an der dortigen Opéra-Comique als Jean in »Les Noces de Jeanette« von Massé debütierte. Er sang an diesem Haus viele Jahre hindurch Charakter- und Bufforollen und wirkte u.a. am 3.6.1947 in der Uraufführung der Oper »Les mamelles de Tirésias« von Fr. Poulemc mit.

Schallplatten: Vega (Querschnitte durch »Hérodiade« von Massenet, »Werther«, »Carmen«), HMV (»Dialogues des Carmélites«), Columbia (»L’Enfant et les sortilèges« von Ravel). – Jacques Hivert sang auf Pathé kleine Partien in Gesamtaufnahmen der Opern »La Bohème« und »Madame Butterfly«.

 

16.2. Geraint EVANS: 95. Geburtstag

 Er war der Sohn eines walisischen Bergmanns. Nachdem er zuerst einen kaufmännischen Beruf erlernt hatte, erfolgte sein Gesangstudium in Cardiff. Dieses wurde durch seine Einberufung zum Militär im Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Seit 1945 war er als Programmgestalter und Sänger bei einem englischen Soldatensender in Hamburg tätig. Weitere Ausbildung seiner Stimme durch Theo Hermann in Hamburg, Fernando Carpi in Genf und Walter Hyde in London. Debüt 1948 an der Covent Garden Oper London als Nachtwächter in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1949 hatte er an diesem Haus große Erfolge als Titelheld in »Le nozze di Figaro« von Mozart. An der Covent Garden Oper sang er in mehreren Uraufführungen: am 1.12.1951 den Mr. Flint in »Billy Budd« von Benjamin Britten, am 8.6.1953 den Montjoy in »Gloriana«, ebenfalls von B. Britten, am 3.12.1954 den Antenor in »Troilus and Cressida« von Sir William Walton. Beim Glyndebourne Festival erschien er 1950, 1953 und 1959 als Guglielmo in »Così fan tutte«, 1951 als Masetto im »Don Giovanni«, 1954 als Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und als Abbate Cospicuo in Busonis »Arlecchino«, 1955-56 und 1960-61 als Leporello im »Don Giovanni«, 1956-57 und 1960 als Papageno in der »Zauberflöte«, 1957-58 und 1960 in einer seiner größten Kreationen, dem Falstaff in Verdis bekannter Oper und 1958-59 als Figaro in »Le nozze di Figaro«. Beim Edinburgh Festival gastierte er 1951 als Masetto, 1954 als Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos« und als Guglielmo, 1960 als Falstaff und 1973-74 als Leporello; 1975-76 sang er dort auch den Figaro in  »Le nozze di Figaro«, wobei er gleichzeitig auch Regie führte. Dazu sang er immer wieder an der Londoner Covent Garden Oper (u.a. den Escamillo in »Carmen«, den Schaunard in »La Bohème« und den Bottom in B. Brittens »A Midsummer Night’s Dream«). An der Oper von San Francisco debütierte er 1959 als Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg« (zugleich sein US-Debüt); an diesem Haus sang er dann bis 1983 auch den Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos«, den Schaunard, den Paolo Albiani in Verdis »Simon Boccanegra«, die Titelhelden im »Wozzeck« von Alban Berg und im »Gianni Schicchi« von Puccini, den Figaro in »Le nozze di Figaro«, den Bottom in der amerikanischen Erstaufführung von Brittens »A Midsummer Night’s Dream«, den Beckmesser, den Leporello, den Tonio im »Bajazzo«, den Don Pizarro im »Fidelio«, den Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Papageno, den Don Alfonso in »Così fan tutte«, den Balstrode in »Peter Grimes« von Benjamin Britten, den Jaroslav Prus in Janáceks »Die Sache Makropoulos« und den Don Pasquale. An der Mailänder Scala gastierte er 1960 als Figaro im »Le nozze di Figaro« und 1976 als Balstrode, an der Staatsoper von Wien 1961-69 in insgesamt 25 Vorstellungen (als Schaunard, als Figaro in »Le nozze di Figaro«, als Papageno, als Leporello, als Beckmesser, als Tonio im »Bajazzo« und als Falstaff von Verdi). Bei den Salzburger Festspielen sang er 1962-64, 1966-68 und 1970-71 den Figaro in »Le nozze di Figaro«, 1968-70 den Leporello, 1971 den Wozzeck von A. Berg sowie 1964 in einem Mozart-Konzert. 1961 sang er in Chicago den Lem in der Uraufführung der Oper »The Harvest« von Vittorio Giannini, am Teatro Colón Buenoas Aires 1963 den Falstaff. 1964 kam er an die Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Titelheld in Verdis »Falstaff«). Er trat hier während sechs Spielzeiten bis 1972 in 47 Vorstellungen und sieben Partien auf: als Figaro in »Le nozze di Figaro«, als Don Pizarro in »Fidelio«, als Leporello, als Balstrode, als Beckmesser und besonders erfolgreich als Wozzeck von Alban Berg. 1966 gastierte er an der Scottish Opera Glasgow als Falstaff von Verdi. 1975 hörte man ihn an der Grand Opéra Paris als Leporello. 1971 wurde er durch Königin Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben (»Sir Geraint Evans«). Er wurde zum Ehrenmitglied der Royal Academy of Music ernannt. Zu seinem 25jährigen Bühnenjubiläum an der Covent Garden Oper inszenierte er dort 1973 Donizettis »Don Pasquale«. In der Partie des Dulcamara in »L’Elisir d’amore« nahm er 1984 an der Covent Garden Oper von der Bühne Abschied. Er war auch als Regisseur bei der Welsh Opera in Cardiff, an den Opern von Chicago und San Francisco tätig. Er veröffentlichte eine Autobiographie unter dem Titel »A Knight at the Opera« (London, 1984). Er starb 1992 in Wales. Schön gebildete, ausdrucksvolle Baritonstimme von großem Tonumfang und besonderer Klarheit der Diktion, namentlich im Mozart-Gesang ausgezeichnet.

Lit: N. Goodwin: »Sir Geraint Evans – a Knight of Opera« (1984), L. Dunlop: Geraint Evans (in »Opera«, 1961); R. Celletti, G. Baldini & J.P. Kenyon: Geraint Evans (in »Le grandi Voci«, Rom 1964); A. Blyth: Sir Geraint Evans (in »Opera«, 1993).

Schallplatten: HMV (»Arlecchino« von Busoni aus Glyndebourne, »Le nozze di Figaro«, »Die Meistersinger von Nürnberg« als Beckmesser, »Così fan tutte«, »Don Giovanni«, »La forza del destino«, »The Pilgrim’s Progress« von Vaughan Williams, Coppelius in »Hoffmanns Erzählungen«, »The Gondoliers« von Gilbert & Sullivan), Decca (»Peter Grimes« und »Albert Herring« von B. Britten), Replica (»Falstaff«, Glyndebourne, 1957), HOP (»L’Elisir d’amore«), Parlophon, RCA (»Falstaff«); SL-Video (»Don Pasquale«).

 

16.2. Sara CESAR: 125. Geburtstag

Sara CESAR

Eigentlicher Name Sara Oliveira Cézar; sie absolvierte ihr Gesangstudium in Buenos Aires und debütierte 1912 dort am Teatro Politeama als Amneris in Verdis »Aida«. Dann kam sie in Italien zu einer bedeutenden Karriere; 1917 sang sie am Teatro Costanzi in Rom die Titelrollen in »La Gioconda« von Ponchielli und in »Aida« von Verdi, 1918 die Elena in »Mefistofele« von Boito, 1919 die Brünnhilde in der »Walküre«, 1920 wieder die Brünnhilde, dazu die Isolde, 1921 die Kundry im »Parsifal«. 1923 hörte man sie auch am Teatro Comunale Bologna als Brünnhilde in der »Walküre«. 1920 sang sie am Teatro Coliseo in Buenos Aires mit glänzendem Erfolg die Kundry unter Felix Weingartner, später unter dem gleichen Dirigenten die Brünnhilde in den Aufführungen des Nibelungenrings am Teatro Colón Buenos Aires zu Beginn der zwanziger Jahre. 1920-21 trat sie in Rio de Janeiro als Brünnhilde, als Isolde und als Elena auf. 1924 und 1925 gestaltete sie am Teatro Colón die Elena in »Mefistofele« von Boito und die Amneris und wirkte dort 1924 in der Uraufführung der Oper »Nazdah« von Athos Palma mit, 1937 in der von Felipe Boeros »Siripo«. Man hörte sie am Teatro Colón auch als Pontezuela in »Il matrero« von Boero, in der Hauptrolle der argentinischen Oper »La novia del hereje« von Pascual de Rogatis und als Prinzessin in »Marouf« von H. Rabaud. Weitere Erfolge in Südamerika und an italienischen Opernhäusern. Sie nahm in ihr Repertoire die großen Wagner-Partien auf, neben der Kundry und der Brünnhilde vor allem die Isolde in »Tristan und Isolde«. So sang sie 1935 an der Oper von Genua die Kundry als Partnerin von Isidoro Fagoaga und Ghiannis Anghelopoulos. Höhepunkte in ihrem Repertoire für die Bühne waren auch die Azucena im »Troubadour«, die Ulrica in Verdis »Un ballo in maschera«, die Principessa in »Suor Angelica« von Puccini und die Hexe in »Hänsel und Gretel«, mit der sie sich 1941 am Teatro Colón Buenos Aires aus ihrer Bühnenlaufbahn verabschiedete. Sie wirkte nach Beendigung ihrer Bühnenkarriere bis in ihr hohes Alter als Pädagogin in Buenos Aires, wo sie 1984 starb.

Einige sehr seltene Schallplatten der Künstlerin erschienen in Argentinien auf HMV.

 

16.2. Oscar BRAUN: 150. Geburtstag

Oskar_Braun

Er absolvierte seine Ausbildung in Wien und begann seine Karriere als Operettensänger 1890 am Wiener Carl-Theater. 1891 kam er an das Opernhaus von Köln, wo er 1894 in der Uraufführung der Oper »A basso porto« von Nicola Spinelli mitwirkte. Er wurde bekannt, als er 1895 als erster lyrischer Tenor an das Opernhaus von Frankfurt a.M. berufen wurde. Hier sang er ein umfangreiches Repertoire, wandte sich aber weiter auch der Operette zu. 1898 betrieb er weitere Studien in Paris. 1898-1900 sowie 1902-03 sang er am Theater des Westens in Berlin, 1900-01 an der Berliner Hofoper. 1903-07 sang er am Central-Theater Berlin in Operetten, 1907-11 am Neuen Operettentheater in Berlin und gastierte dann als Operettensänger, u.a. 1912-13 in Amsterdam. Um 1910 unternahm er Gastspiel-Tourneen mit der von ihm gegründeten Oscar-Braun-Operettengesellschaft. Er gastierte 1915-20 an der Komischen Oper Berlin in Operetten, 1922-23 am Kurtheater in Freudenstadt. Gastspiele (anfänglich für den Bereich der Oper) führten ihn bereits 1902 an die Hofoper von Dresden und an das Theater von Brünn (Brno), 1905 an das Opernhaus von Leipzig und 1908 an die Berliner Kroll-Oper (als Manrico im »Troubadour«!), an das Hoftheater Schwerin (1909), 1907-08 an das Neue Operettentheater Leipzig sowie an Bühnen in Österreich. Dabei sang er u.a. Partien wie den Gomez im »Nachtlager von Granda« von C. Kreutzer, den Lyonel in Flotows »Martha«, den Peter Iwanow in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, den Fra Diavolo von Auber, den Alfredo in »La Traviata« und den David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Jan in Millöckers »Der Bettelstudent«, den Barinkay im »Zigeunerbaron« und den Eisenstein in der »Fledermaus« von J. Strauß. Oscar Braun war jüdischer Abstammung, lebte aber noch 1941 in Berlin: Über sein weiteres Schicksal ließ sich (bis jetzt) nichts ermitteln.

Schallplatten seiner ausdrucksvollen, lyrischen Stimme auf G & T (Berlin, 1904-05), zum Teil unter dem Etikett von Zonophone erschienen, dann auf Lyrophon, Beka, Favorit (alle Berlin, 1904-06), Odeon (Berlin, 1905-06), Homochord (Berlin, 1906-07), Columbia (Berlin, 1906), Dacapo (Berlin, 1908). 1909-10 erschien eine weitere Serie von Odeon-Platten (jetzt u.a. Duette mit Fritzi Massary), zudem Edison-Zylinder (Berlin, 1905)

 

17.2. Georg BRONNER: 350. Geburtstag

Der Sohn des Christoffer Bronner (auch Brunner), aus Groden (Cuxhaven) und der Margareta Brodhagen aus Hamburg war seit Ostern 1688 als Küster und von Ostern 1689 bis Weihnachten 1719 zugleich als Organist am Heiligen-Geist-Hospital in Hamburg tätig. 1699 übernahm er gemeinsam mit einem Dr. M. Cordes das Direktorium der 1678 von Gerhard Schott begründeten Oper am Gänsemarkt, gab es aber schon im gleichen Jahre wieder an diesen ab. Bronners Tätigkeit als Komponist für die Gänsemarktoper erstreckt sich auf die Zeit von 1693 bis 1702. Hier dürfte seine Hauptbedeutung gelegen haben, wenn er auch Kantaten geschrieben hat. Allerdings ist von Bronners Werken nur ein Choralbuch von 1715 erhalten. Von den 7 Opern, die Bronner zum Teil gemeinsam mit Johann Mattheson und Johann Christian Schieferdecker komponierte, sind nur die Titel bekannt. Georg Bronner starb 1720 in Hamburg. Einer seiner Schüler war der Stralsunder Organist Christoph Raupach.

 

18.2. Luigi SQUARZINA: 95. Geburtstag

Er war einer der wichtigsten Akteure in der Theaterwelt des Italiens der Nachkriegszeit, unter anderem als Direktor des Teatro Stabile von Genua 1972-76 und darauf als Direktor des Theaters von Rom. Überdies lehrte er als Dozent für Theaterwissenschaften an der Universität Bologna und verfasste mehrere mit Preisen ausgezeichnete Theaterstücke wie L’esposizione universale, Romagnola oder Siamo momentaneamente assenti. Er inszenierte auch Opern, u.a. 1974 an der Wiener Staatsoper Verdis La forza del destino. Er starb 2010 in Rom.

 

18.2. Eva GUSTAVSON: 100. Geburtstag

Eva GUSTAVSON

 Ausgebildet durch Bokken Larsson, Soffi Schønning und Signe Amundsen in Oslo. 1943-46 schloss sie ihre Ausbildung bei Adelaide von Skilondz in Stockholm ab. 1946 debütierte sie am Opernhaus von Oslo. 1947 erhielt sie den ersten Preis im Unesco-Wettbewerb in Paris. 1947-48 sang sie an der Opéra de Wallonie von Lüttich und gastierte während dieser Zeit an der Oper von Brüssel (Théâtre de la Monnaie). Sie war 1949 an der Königlichen Oper von Kopenhagen als Gast zu hören. 1949 gab sie ein glanzvolles Gastspiel an der Königlichen Oper Stockholm als Carmen. Neben dieser Partie galten die Amneris in »Aida« und die Azucena im »Troubadour« als ihre besten Leistungen. Während sie ständig an der Oper von Oslo sang, unternahm sie Gastspieltourneen in Europa wie in Nordamerika. 1949 wanderte sie in die USA aus. Sie starb 2009 in San Pedro bei Los Angeles (Kalifornien).

Auf RCA sang sie die Amneris in »Aida« unter Arturo Toscanini, auf Decca die Waltraute in einer Aufnahme der »Götterdämmerung« mit Kirsten Flagstad.

 

19.2. Jean-Pierre PONNELLE: 85. Geburtstag

Er wuchs in einer musischen Familie auf. Sein Großvater, ein Weinhändler und Musikkritiker, war mit dem Komponisten Richard Strauss befreundet. Aufmerksam förderten Ponnelles Eltern seine künstlerischen Kenntnisse und Fähigkeiten. Acht Jahre lang erhielt er den in großbürgerlichen Kreisen üblichen Klavierunterricht. Die Mutter, Mia Ponnelle, geb. Reiter, eine Sängerin aus einer ungarisch-tschechischen Theaterfamilie, und der Vater, Pierre Ponnelle, Weinhändler und Journalist, besaßen ein Weingut in Beaune (Burgund). Ab 1942 unterstützte Ponnelle père die Résistance, später okkupierte die deutsche Armee ihren Wohnsitz. Die französische Militärregierung beauftragte 1945 u.a. Pierre Ponnelle als Offizier für kulturelle Angelegenheiten mit dem Aufbau eines neuen Rundfunksenders, dem Südwestfunk. Bis 1948 verbrachte Jean-Pierre Ponnelle seine letzten Schuljahre im französischen Gymnasium in der Cité von Baden-Oos. Der Umgang und Austausch mit bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten, die bei den Ponnelles ein- und ausgingen, verstärkten noch einmal diesen Wunsch nach kreativer Betätigung bei Ponnelle fils. Unter den Freunden des Hauses befanden sich Persönlichkeiten wie Heinrich Strobel, der einflussreiche Hauptabteilungsleiter für Musik beim SWF, der Baden-Baden und Donaueschingen zu Zentren der zeitgenössischen Musik machte; Hans Rosbaud, der Chefdirigent des Rundfunkorchesters, bei dem Ponnelle fils Musikunterricht erhielt; Pierre Boulez,, Avantgardekomponist und zeitweiliger Nachfolger von Rosbaud, seit 1958 in Baden-Baden wohnend; Hannes Tannert, der Intendant des Baden-Badener Theaters, der Jean-Pierre Ponnelle zu vielen Engagements zusammen mit seiner Frau, der Schauspielerin Margit Saad einlud, darunter „Les Caprices de Marianne“, womit man 1963 bei den Berliner Festwochen auftreten durfte; aber auch Hans Werner Henze, den Ponnelle auf den Donaueschinger Musiktagen kennenlernte. Henze debütierte 1950 mit seinem Ballettstück „Jack Pudding“ in Wiesbaden und für das Bühnenbild und die Kostüme beauftragte er seinen Freund Jean-Pierre. Beide gingen sie nach Paris, Ponnelle studierte an der Sorbonne Kunstgeschichte und Philosophie sowie Malerei bei Fernand Léger; später arbeiteten sie noch mehrmals gemeinsam zu Henzes Stücken, darunter Ponnelles Durchbruch mit der Oper „Boulevard Solitude“ (1952). Im März 1959 wird Ponnelle zum Militärdienst in Frankreich eingezogen. Da er pazifistisch eingestellt ist, verzichtet er auf eine Nutzung der privilegierten Offizierslaufbahn, die ihm als Abiturient offen gestanden wäre. Es wird ein zweieinhalbjähriges Martyrium in der marokkanisch-algerischen Wüste, unterbrochen von zwei Malaufträgen: ein Fresko in der Turnhalle der Kaserne von Rabat; sodann ein Kreuzabnahme-Triptychon für die katholische Militärkapelle „Notre-Dame de la Paix“ in Baden-Oos auf Veranlassung von General Paul Vanuxem, stellvertretender Generalkommandeur der französischen Truppen in Deutschland, davor Professor für Philosophie. Es gilt als sein bedeutendstes Gemälde, misst 265 x 657 cm und ist seit 1968 in der Militärkapelle von Évreux (Normandie); die Besitzer der Firma Schmincke (Düsseldorf), mit denen die Ponnelles befreundet waren, stellten ihm umsonst die Ölfarben. Ein ganzes glückliches Jahr durfte er dadurch mit seiner Familie in Baden-Baden verbringen. So fährt man mehrmals nach Colmar, um den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald zu besichtigen und genießt die elsässische Küche. Dann muss er wieder zurück in die Wüste und in den Algerienkrieg. Von dieser feindseligen Umwelt aufs Äußerste bedrängt, reift sein Entschluss, sich nicht länger auf die Herstellung von Bühnenbild und Kostümen zu beschränken, sondern ein ganzes Werk als Regisseur zu durchdringen und zu beherrschen. In die oberrheinische Region wird er wieder 1965 von seinem Freund Germain Muller, Elsass‘ bedeutendstem Kabarettisten und damaligem Kulturbeauftragten der Stadt Straßburg zu einer Opernproduktion eingeladen. Dieser Inszenierung von Brittens Ein Sommernachtstraum sollten noch elf weitere aufsehenerregende Engagements in Straßburg folgen. Ponnelle beschränkte sich in den 50er Jahren noch auf den Entwurf von Bühnenbildern und Kostümen für Oper, Schauspiel und Ballett; er blieb also stets im Hintergrund, hinter den Kulissen. Das wollte er nach seiner traumatischen Kriegszeit in Algerien ändern. Zunächst erweiterte er seinen Aktionsradius auf die Theaterregie. Sein Mentor, der Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses Karl Heinz Stroux, förderte und betraute ihn 1961 mit Camus’ Caligula. Zwei Jahre später folgte die erste Opernregie mit Wagners Tristan und Isolde. 1968 feierte er mit Rossinis Il Barbiere di Siviglia und Abbado bei den Salzburger Festspielen den internationalen Durchbruch. 20 Jahre in Folge arbeitete er nun für diese Festspiele, wovon besonders seine Mozartzyklen hervorzuheben sind: Così fan tutte (1969, Dirigent Seiji Ozawa), Le nozze di Figaro (1972, Dirigent Herbert von Karajan) (wurde auch in Wien gezeigt), Don Giovanni (1977, Dirigent Karl Böhm), La clemenza di Tito (1976, Dirigent James Levine), Die Zauberflöte (1978, Dirigent James Levine) und Idomeneo (1983, Dirigent James Levine). Außerdem inszenierte Jean Pierre Ponnelle in Salzburg Les Contes d‘Hoffmann (1980, Dirigent James Levine), und Moses und Aron (1987, Dirigent James Levine) und schuf die Ausstattung zu Il Sant‘ Alessio (1977). Ende der 70er Jahre erarbeitete er den Monteverdi-Zyklus am Opernhaus Zürich. Wichtige Arbeiten Ponnelles entstanden auch an der Mailänder Scala – etwa 1973 La Cenerentola – sowie an der Wiener Staatsoper – 1971 Manon, 1985 Cavalleria rusticana / Pagliacci, 1987 L’Italiana in Algeri (wurde auch in München gezeigt). Für Salzburg entwickelte er eine spezielle Fassung der Zauberflöte, die sogenannte Kinder-Zauberflöte: Dabei wurde nicht nur die Handlung der Mozart-Oper erklärt und dargestellt – Conferencier war Papageno -, sondern auch die Theaterarbeit erläutert, indem Ponnelle selbst auf der Bühne der Felsenreitschule als Regisseur auftrat. Als Schauspielregisseur war er auch später gelegentlich aktiv, etwa am Akademietheater in Wien mit Man spielt nicht mit der Liebe von Alfred de Musset (1973; u. a. mit Paul Hörbiger). Er arbeitete in seinem Künstlerleben für 303 Inszenierungen und brauchte dafür nur 36 Bühnenjahre, was durchschnittlich 8 ½ Stücken pro Jahr entspricht. Ponnelle setzte sich für jede Inszenierung eine Probenfrist von zumeist 4 Wochen, die er fast immer einhielt. Als vermutlich erster Regisseur des Musiktheaters inszenierte er mehrere Stücke gleichzeitig in verschiedenen Städten. Ponnelle las die Noten grundsätzlich aus der Orchesterpartitur, nur ausnahmsweise aus dem leichteren Klavierauszug. Sein Inszenierungsstil war getragen von einer zuweilen ironischen, aber letztlich mitfühlsamen Menschlichkeit für seine Bühnenfiguren. Ponelle verwahrte sich energisch gegen jegliche, vordergründige Aktualisierung. Das Werk sollte für sich allein sprechen, für ihn hatte es genug Aussagekraft. Er konnte sich fließend in vier Sprachen mit seinen Bühnenkollegen verständigen und nötigenfalls auch Libretti neu in die Sprache des Aufführungslandes übertragen. Der Preis seiner Theaterbesessenheit und der Raubbau an seiner Gesundheit war ein viel zu früher Tod mit 56 Jahren. Bereits 1982 und 1988 zwang ihn seine angeschlagene Gesundheit zu längeren Klinikaufenthalten. Mit der physischen Erschöpfung ging auch ein kreativer Stillstand einher in Form von zunehmenden Wiederholungen. Seine Kenntnisse und Routine sicherten aber immer ein überdurchschnittliches Maß an handwerklicher Qualität. Im Sommer 1988 fiel er bei Proben in Tel Aviv in den ungesicherten Orchestergraben. Von den Folgen des Sturzes erholte er sich nur scheinbar, er arbeitete weiter und starb wenige Wochen später in einem Münchner Krankenhaus an Herzversagen am 11. August 1988. Ponelle war verheiratet mit der Schauspielerin Margit Saad-Ponnelle (* 1929), hatte mit ihr einen gemeinsamen Sohn, den Dirigenten und Komponisten Pierre-Dominique Ponnelle (* 1957). Sein zweiter Sohn Jean-Philippe wurde 1985 geboren. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris. Der Grabstein wurde von dem Bildhauer Ulrich Rückriem gestaltet. Was der Nachwelt von Ponnelles Werk vor allem erhalten bleibt, das sind seine Opernverfilmungen, die er seit Anfang der 70er Jahre machte, großzügig unterstützt vom Medienmagnaten Leo Kirch. Andere Opernfilme erweisen Ponnelle bis heute ihre Reverenz. Besonders bekannt geworden sind die Verfilmungen der szenischen Werke Claudio Monteverdis, seiner Inszenierungen von Wolfgang Amadeus Mozarts Opern bei den Salzburger Festspielen und der Carmina burana von Carl Orff, ausgezeichnet mit dem Regiepreis des Prix Italia.

 

19.2. Konrad RUHLAND: 85. Geburtstag

Seine ersten Kontakte mit der Musik hatte er als Chorsänger im Dom von Passau. Er studierte Musikwissenschaft bei Thrasybulos Georgiades und Theodor Göllner. Weitere Kurse in Geschichte, Theologie und Kirchengeschichte bildeten den Hintergrund für seine musikwissenschaftlichen Forschungen. Unter seiner Leitung fanden sich 1956 in München neun begeisterte Studenten, welche die Capella Antiqua bildeten, eine der ersten Gruppen, die sich mit der Renaissancemusik und der Musik des Frühbarock im Studium auseinandersetzten. Mit der Zeit wuchs das Ensemble auf 19 Musiker an und machte zahlreiche Schallplattenaufnahmen. 1968-91 wirkte Ruhland am musischen und neusprachlichen St.-Gotthard-Gymnasium seines Wohnortes Niederalteich. Dort gestaltete er zusammen mit seiner Frau Elisabeth (Musiklehrerin 1968-95) die Qualität der musikalischen Ausbildung und damit zusammenhängend den Ruf der Schule entscheidend mit. Aus seiner langjährigen Musizierpraxis im Bereich der Historischen Aufführungspraxis heraus gründete er 1976 die Niederaltaicher Scholaren, einen Konzertchor, mit dem er sich der Gregorianik und bis dahin wenig bekannten Werken und Komponisten widmete. Als Wissenschaftler sowie als Herausgeber hat sich Ruhland einen Namen gemacht und mehrere hundert Werke von vorwiegend süddeutschen Komponisten herausgegeben. Daneben gab er in Sommerkursen sein Wissen weiter, so an der University of Philadelphia. Für sein Wirken wurde Ruhland 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet. Er starb 2010 in Deggendorf.

 

21.2. John McCOLLUM: 95. Geburtstag

John McCollum

 Er war anfänglich als Journalist und Herausgeber von Zeitschriften tätig. Dann Ausbildung der Stimme bei Mynard Jones in Oakland, bei Edgar Schofield in New York, im Berkshire Music Centre und an der Goldovsky Opera School in Lenox. Sein Bühnendebüt kam 1953 am New England Opera Theatre als Fenton in Verdis »Falstaff« zustande. 1958 wirkte er beim Festival von Spoleto in der Uraufführung der Oper »Scarf« von Hoiby mit. Seine Karriere spielte sich weitgehend in Nordamerika ab; er sang dort an den Opern von Boston, Seattle und Santa Fé, in Washington, Cincinnati, Vancouver und Toronto, vor allem aber 1962-63 und 1967 an der New York City Opera. Aus seinem lyrischen Repertoire seien genannt: der Paolino in »Il matrimonio segreto« von Cimarosa, der Pelléas in »Pelléas et Mélisande«, der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Tamino in der Zauberflöte, der Ferrando in »Così fan tutte«, der Idamante in »Idomeneo«, der Rodolfo in »La Bohème«, der Alfredo in »La Traviata«, der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der Titelheld im »Faust« von Gounod, der Licinio in »La Vestale« von Spontini, der Jason in »Médée« von Milhaud, der Male Chorus in Benjamin Brittens »The Rape of Lucretia« und der Fischer in Strawinskys »Le Rossignol«. Neben seinem Wirken auf der Bühne geschätzter Konzertsänger und Gesangpädagoge. Als solcher wirkte er seit 1964 an der University of Michigan in Ann Arbor. Er starb 2015 in Sarasota (Florioda).

Schallplatten: RCA (»Amahl and the Night Visitors« von Menotti).

 

22.2. Oskar FLINTZER: 200. Geburtstag

Er studierte ursprünglich protestantische Theologie an den Universitäten von Jena und Leipzig, ließ dann jedoch auf Anraten von Felix Mendelssohn-Bartholdy seine Stimme ausbilden und begann 1839 seine Karriere am Hoftheater von Weimar, wo er das lyrische Fach sang. Seine Antrittsrolle war dort die Titelgestalt in »Joseph« von Méhul. Später wandelte seine Stimme sich zum Heldentenor. Er blieb bis 1844 in Weimar und sang dann 1844-45 am Hoftheater von Hannover, verließ dieses Engagement jedoch unter Kontraktbruch und war darauf 1845-46 am Stadttheater von Königsberg (Ostpreußen) tätig. Er gastierte an mehreren großen deutschen Theatern, u.a. an der Hofoper Dresden und am Opernhaus von Leipzig. Seit 1846 wirkte er als erster Tenor am Hoftheater von Mannheim, doch machten sich seit 1845 bei ihm erste Anzeichen einer langsam zunehmenden Geisteskrankheit bemerkbar, die 1853 zur Aufgabe der Karriere zwang und schließlich eine Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt erforderlich nachte. Aus seinem Bühnenrepertoire verdienen der Masaniello in »La muette de Portici« von Auber, der Fra Diavolo in der Oper gleichen Namens von Auber, der Idamante in »Idomeneo« von Mozart, der Tamino in der »Zauberflöte«, der Lyonel in Flotows »Martha«, der Konrad in »Hans Heiling« von H. Marschner, der George Brown in »La Dame blanche« von Boieldieu, der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der Gennaro in »Lucrezia Borgia« von Donizetti und der Tonio in der »Regimentstochter« vom gleichen Komponisten Erwähnung. Oskar Flintzer starb 1868 in Jena. Er war verheiratet mit der Sopranistin Emilie Flintzer-Haupt (* 27.6.1819 Posen, † 11.2.1888 Riga). Sie war eine Tochter des Kapellmeisters Johann Gottlob Haupt, durch den sie auch zur Sängerin ausgebildet wurde. Sie sang zuerst 1838-39 in Posen (Poznan), anschließend am Stadttheater von Rostock (1839-42), dann am Hoftheater von Altenburg (Thüringen, 1842-43), am Opernhaus von Leipzig (1843-44), am Hoftheater von Schwerin (1844-45) und am Stadttheater von Königsberg (Ostpreußen, 1845-46). Bis dahin trat sie als Frl. Haupt auf. 1846 heiratete sie dann Oskar Flintzer, war 1846-47 als Frau Flintzer-Haupt am Stadttheater von Mainz, 1847-49 am Hoftheater Mannheim und dann noch am Stadttheater Stettin engagiert. Sie beherrschte sowohl das dramatische wie das Koloratur-Fach und wurde als Giulia in Spontinis »La Vestale«, als Donna Anna im »Don Giovanni«, als Vitellia in »La clemenza di Tito«, als Rezia im »Oberon« von Weber, als Marie in Donizettis »Regimentstochter«, als Antonina in dessen Oper »Belisario«, als Adina in »L‘Elisir d’amore«, als Angela in »Le Domino noir« von Auber, als Isabella in »Robert le Diable« von Meyerbeer, als Valentine in den »Hugenotten« und als Titelheldin in Bellinis »Norma« bekannt, war aber auch eine erfolgreiche Konzertsopranistin. Aus der Ehe der beiden Sänger stammten zwei Töchter, die ebenfalls als Sängerinnen in Erscheinung traten: Clara Maria Flintzer und Ottilie Hermine Flintzer.

 

22.2. Niels Wilhelm GADE: 200. Geburtstag

Seine musikalische Laufbahn begann als Violinist an der königlichen Kapelle in Kopenhagen. Gleichzeitig studierte er privat bei Andreas Peter Berggreen Komposition. Seine später als op. 1 erschienene Ouvertüre Nachklänge von Ossian gewann 1841 einen vom Kopenhagener Musikverein ausgeschriebenen Preis. 1843 ging er mit einem königlichen Stipendium zu seiner weiteren Ausbildung nach Leipzig, wo Felix Mendelssohn Bartholdy sein Mentor wurde. Durch dessen Vermittlung konnte er im Leipziger Gewandhaus seine Ossian-Ouvertüre und zwei Sinfonien, in C-Moll und in Es-Dur, zur Aufführung bringen. Für die Saison 1844/45 übernahm er die Leitung der Gewandhauskonzerte, die er im folgenden Winter abwechselnd mit Mendelssohn ausübte. Mit dessen Tod leitete Gade das Orchester wieder allein. Im Frühling 1848 ließ er sich mit Ausbruch des Schleswig-Holsteinischen Kriegs bleibend in Kopenhagen nieder, erhielt hier eine Anstellung als Organist nebst dem Titel eines Professors und übernahm zugleich – bis zu seinem Tod 40 Jahre später – die Leitung des Kopenhagener Musikvereins, der in den Wintermonaten regelmäßige Konzertaufführungen veranstaltete. 1861 wurde er zum Hofkapellmeister ernannt. 1865 begründete er gemeinsam mit seinem Schwiegervater, dem Komponisten Johann Peter Emilius Hartmann, das Kopenhagener Konservatorium (Det Kongelige Danske Musikkonservatorium). Gade war Anreger einiger Frühwerke Edvard Griegs, unter anderem von dessen erster Sinfonie in C-Moll. Gade begann seine Komponistenlaufbahn mit Werken in einem national geprägten Stil: Er ließ sich durch nordische Literatur inspirieren und neigte zu nordisch-volksliedhafter Melodik. Am deutlichsten ausgeprägt ist dies in seiner Ossian-Ouvertüre und seiner ersten Sinfonie. Die Ossian-Ouvertüre machte ihn schlagartig bekannt, als er mit ihr einen Kompositionswettbewerb gewann, den der Kopenhagener Musikverein veranstaltete. Die erste Sinfonie wurde in Leipzig uraufgeführt (dirigiert von Felix Mendelssohn Bartholdy; die Sinfonie ist von Mendelssohns Kompositionen beeinflusst); sie hatte viel Erfolg und fand in Robert Schumann einen begeisterten Fürsprecher. Nach den Leipziger Jahren (1843-48) veränderte sich sein Personalstil und wurde mehr kontinental geprägt, was ihm von der dänischen Musikrezeption und nicht zuletzt von seinem norwegischen Kollegen Edvard Grieg gelegentlich vorgeworfen wurde. Ein gängiges Vorurteil über Gade lautet, seine späten Werke zeichneten sich durch klassische Ausgeglichenheit und die Vermeidung dramatischer Konflikte aus. Die fünfte und achte Sinfonie zeigen jedoch auch andere Charakterzüge. Eigenwillig in der fünften Sinfonie ist schon die Verwendung des Klaviers im Orchestersatz. Weniger ausgeprägt erscheint das nationale Element in seinen Vokalwerken, den Kantaten Comala, Erlkönigs Tochter, Frühlingsbotschaft, Die Kreuzfahrer und anderen. Bemerkenswert ist die Kantate Baldurs Traum, in der sich Gade der Tonsprache Richard Wagners nähert. Gade starb 1890 in Kopenhagen.

 

23.2. Régine CRESPIN: 90. Geburtstag

Régine Crespin

Nachdem sie zuerst Pharmazie studiert hatte, ließ sie ihre Stimme am Conservatoire National in Paris bei Paul Cabanel, Suzanne Cesbron-Viseur und Georges Jouatte ausbilden. Sie debütierte 1950 am Theater von Mulhouse (Elsass) als Elsa im »Lohengrin«. 1951 kam sie an die Pariser Opéra-Comique (Antrittsrolle: Tosca). Im gleichen Jahr trat sie auch an der Grand Opéra Paris auf und hatte dort, wieder als Elsa, einen ersten Erfolg, 1954-55 sang sie dann sehr erfolgreich an diesem Haus die Rezia im »Oberon« von Weber. 1957 sang sie an der Grand Opéra Paris die Mme. Lidoine in der französischen Erstaufführung von Poulencs »Dialogues des Carmélites«. Sie wurde jetzt die bedeutendste dramatische und Wagner-Sopranistin ihrer Generation in Frankreich. Ständig war sie an der Grand Opéra verpflichtet, dazu ausgedehnte Gastspieltätigkeit an Theatern in der französischen Provinz. 1956 sang sie in Bordeaux in der Uraufführung der Oper »Sampiero Corso« von Tomasi. Bei den Festspielen von Bayreuth sang sie 1958-61 die Kundry im »Parsifal« sowie 1961 die Sieglinde in der »Walküre« und die 3. Norn in der »Götterdämmerung«. Sie gastierte an der Wiener Staatsoper 1959-62 in insgesamt sieben Vorstellungen als  Sieglinde, als Desdemona in Verdis »Otello«, als Marschallin im »Rosenkavalier« und als Amelia in Verdis »Un Ballo in maschera«. 1959 debütierte sie an der Mailänder Scala in der Titelrolle der Oper »Fedra« von Pizzetti; hier gastierte sie 1968 auch als Sieglinde. 1959-60 erlebte man sie bei den Festspielen von Glyndebourne als Marschallin, die als eine ihren größten Kreationen galt. Weitere Gastspiele gab sie an der Covent Garden Oper London (1960-64 als Marschallin, als Elsa und als Tosca), in Chicago und an der Städtischen Oper Berlin. Sie bereiste auch Südamerika, wo sie seit 1962 am Teatro Colón Buenos Aires große Erfolge erzielen konnte, u.a. als Iphigénie in Glucks »Iphigénie en Tauride«. 1962 wurde sie an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Marschallin) und hatte seitdem bis 1987 auch dort eine große Karriere, wobei sie sich seit 1977 dem Mezzosopran-Fach zuwandte. Sie trat an der Metropolitan Oper in insgesamt 129 Vorstellungen und in zwölf Rollen auf: als Amelia in Verdis »Un Ballo in maschera«, als Senta in »Der fliegende Holländer«, als Elsa, als Sieglinde wie als Brünnhilde in der »Walküre«, als Tosca, als Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen«, als Charlotte im »Werther« von Massenet, als Santuzza in »Cavalleria rusticana«, als Carmen und als Mme. de Croissy in »Dialogues des Carmélites« von F. Poulenc. In Paris bewunderte man sie auch in der Titelrolle der Offenbach-Operette »La Grande Duchesse de Gerolstein«, als Kundry und als Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen«. 1966 gastierte sie beim Festival von Aix-en-Provence in der Titelrolle der Richard Strauss-Oper »Ariadne auf Naxos«. An der Oper von San Francisco debütierte sie 1966 als Elisabeth im »Tannhäuser«; hier erschien sie bis 1987 auch als Cassandra wie als Didon in »Les Troyens« von Berlioz, als Marschallin, als Sieglinde, als Tosca, als Santuzza, als Mme. de Croissy, in der Titelrolle von Offenbachs »La Grande Duchesse de Gérolstein«, als Madame Flora in Menottis »The Medium« und als alte Gräfin in »Pique Dame« von Tschaikowsky. Bei den Salzburger Osterfestspielen 1967-68 als Brünnhilde in der »Walküre« gefeiert. 1987 gastierte sie nochmals am Teatro Colón als Mme. Flora. 1989 Bühnenabschied in Paris als alte Gräfin in »Pique Dame«. Sie wurde als Professorin an das Conservatoire National Paris berufen. Vom französischen Präsidenten wurde sie zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Sie war zeitweilig verheiratet mit dem Regisseur Lou Bruder. Sie publizierte ihre Memoiren unter dem Titel »La vie et l’amour d’une femme« (Paris, 1982). Sie starb 2007 in Paris.

Dunkel timbrierte, große Sopranstimme von bezwingender dramatischer Ausdruckskraft, vor allem im Wagner-Repertoire ausgezeichnet. Zu ihren großen Partien gehörten auch die Giulia in »La Vestale« von Spontini, die Titelrollen in »La Gioconda« von Ponchielli und in »Pénélope« von Gabriel Fauré.

Lit: A. Tubeuf: Régine Crespin (in »Opera«, 1963); R. Celletti, F. Serpa & R. Vegeto: Régine Crespin (in »Le gradi Voci«, Rom 1964).

Schallplatten auf HMV, u.a. vollständige Oper »Les Dialogues des Carmélites« von Francis Poulenc. Auch Aufnahmen auf Decca (Sieglinde in der »Walküre«, Marschallin im »Rosenkavalier«, »Don Quichotte« von Massenet), Véga, DGG (Brünnhilde in der »Walküre«, Ring-Zyklus), EMI (Charlotte im »Werther« von Massenet mit Alfredo Kraus), Saga, BJR (»Marie-Magdeleine« von Massenet), Erato (»Carmen«), Discocorp (»La Damnation de Faust«), DR (»Pénélope« von Gabriel Fauré), Bella Voce (Titelrolle in »Carmen«, Metropolitan Oper New York 1978), Gala (Kundry im »Parsifal«, Bayreuth 1960) und Melodram (»Parsifal«, Bayreuth, 1958).

 

23.2. Ilse HOLWEG: 95. Geburtstag

Ilse Hollweg

 Sie war an der Kölner Musikhochschule Schülerin von Gertrude Förstel. Bereits 1939 sang sie das Sopransolo im Requiem von Mozart. Bühnendebüt 1943 am Stadttheater von Saarbrücken als Blondchen in der »Entführung aus dem Serail«. Sie ging von dort 1946 als erste Koloratursopranistin an das Opernhaus von Düsseldorf. 1951 nahm sie an diesem Haus an der Uraufführung der Oper »Troilus und Cressida« von Winfried Zillig teil. Bei den Festspielen von Edinburgh erregte sie 1950 als Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und bei den Festspielen von Glyndebourne 1950 als Konstanze in Mozarts »Entführung aus dem Serail« Aufsehen und 1954 als Zerbinetta sowie 1958 beim Holland Festival als Zerbinetta Aufsehen. 1951-52 war sie an der Covent Garden Oper London als Königin der Nacht zu Gast. 1951-52 sang sie vorübergehend in Berlin und Hamburg. 1952-58 gastierte sie in insgesamt 93 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper (als Rosina im »Barbier von Sevilla«, als Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, als Marzelline im »Fidelio«, als Gilda im »Rigoletto«, als Konstanze, als Olympia in »Hoffmanns Erzählungen«, als Fiakermilli in »Arabella« von R. Strauss, als Zerlina im »Don Giovanni«, als Frasquita in »Carmen«, als Page Oscar im »Maskenball« von Verdi, als Zerbinetta und als Susanna in »Figaros Hochzeit«). Seit 1955 war sie Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg (bis 1970). 1954-57 erschien sie bei den Festspielen von Bayreuth als Waldvogel im »Siegfried« und als eines der Blumenmädchen im »Parsifal«. 1955 war sie bei den Salzburger Festspielen wiederum als Konstanze sehr erfolgreich. 1964 wirkte sie an der Hamburger Staatsoper in der Uraufführung von Ernst Kreneks »Der goldene Bock« mit. Sie trat als Gast an den großen deutschen Theatern, 1953 an der Grand Opéra Paris (Waldvogel), an der Mailänder Scala (1962 in A. Schönbergs »Die Jakobsleiter«), an der Oper von Monte Carlo (1971), bei den Festspielen von Dubrovnik, in Südafrika. beim Holland Festival (1965 in Konzerten) und in Brüssel (1958 im Konzertsaal) auf. Sie sang in der Uraufführung von »Il Canto Sospeso« von L. Nono 1956 in Köln, auch 1961 in Venedig in der italienischen Erstaufführung des Werks. 1961 nahm sie in Wien an der Uraufführung des Oratoriums »Die Jakobsleiter« von A. Schönberg teil. Ihre Konzert- und Liedauftritte setzte sie bis 1978 fort. Sie starb 1990 in ihrer Heimatstadt Solingen.

Lit.: K. Ruhrberg: »Ilse Hollweg« (Duisburg, 1971).

Sang auf den Schallplatten-Marken Decca, Columbia (»Die Entführung aus dem Serail«), HMV, Columbia (Musik zu »Peer Gynt« von E. Grieg), Acanta (»Der Zigeunerbaron«), Intercord (Lieder) und Philips (»Bastien et Bastienne« von Mozart). Auf Cetra Opera Live sang sie den Waldvogel im »Siegfried« aus Bayreuth (1957), auf Melodram die Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« (Wien 1953).

 

24.2. Alma WENDORF: 150. Geburtstag

 Sie studierte am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt a.M. und war dann noch Schülerin von Franz Krükl und von Pauline Viardot-Garcia. 1882 kam sie an das Opernhaus von Frankfurt a.M. und blieb während ihrer gesamten Karriere bis 1912 Mitglied dieses traditionsreichen Hauses. Als Opernsängerin übernahm sie Partien wie den Siebel im »Faust« von Gounod, die Lorezza in »Jean de Paris« von Boieldieu, die Zerline im »Don Giovanni«, die Susanna in »Figaros Hochzeit«, aber auch die Elsa im »Lohengrin«. 1898 gastierte sie am Hoftheater von Wiesbaden, im gleichen Jahr am Hoftheater von Mannheim und 1905 am Hoftheater von Darmstadt. Einer alten Tradition folgend erschien sie auch der Sprechbühne und wurde besonders beliebt durch ihre Auftritte in Frankfurter Lokalstücken. Daneben war sie anderseits aber auch eine angesehene Konzert- und Oratoriensolistin. Sie starb 1934 in Frankfurt a.M. Sie war in erster Ehe mit dem Heldenbariton August Hunger (* 29.7.1870 Frankfurt a.M., † 10.1.1909 Frankfurt a.M.) verheiratet, der am Opernhaus von Frankfurt a.M. eine bedeutende Karriere hatte. Nach einer zweiten Eheschließung trat sie auch unter dem Namen Alma Wendorf-Weintraub auf.

 

24.2. Arrigo BOITO: 175. Geburtstag

Er war der zweite Sohn des Miniaturmalers Silvestro Boito (1802–56) und der Giuseppina Boito, geb. Józefa Radolinska, einer verwitweten polnischen Gräfin. Bereits mit neun Jahren verfasste „Enrichetto“ erste Kompositionen, u. a. eine Polka auf La donna è mobile aus Verdis Rigoletto. 1853 studierte er am Mailänder Konservatorium Geige, Klavier und Komposition. Dort schloss er 1855 Freundschaft mit dem Mitschüler Franco Faccio (Komponist und Dirigent,- dirigierte die Uraufführung des Otello, 1840–91). Nach Beendigung des Studiums begab er sich nach Paris, wo er mit Gioacchino Rossini und Giuseppe Verdi zusammentraf. Hier schrieb er 1862 die Verse der Hymne der Nationen, die von Giuseppe Verdi aus Anlass der Weltausstellung in London vertont wurden. Auf der Rückreise nach Mailand besuchte er Polen, Deutschland und England. Zurück in Mailand (November 1862) gehörte er für die nächsten fünf Jahre der revolutionären Intellektuellen-Bewegung Scapigliatura an, verfasste vor allem (oft scharfe) Kritiken und Gedichte. Für Faccio schrieb er das Libretto zu Amleto (nach William Shakespeares Hamlet, Uraufführung 30. Mai 1865 in Genua). 1866 nahm er als Freiwilliger mit Faccio an den Freiheitskriegen gegen Österreich teil. Am 5. März 1868 erschien seine erste Oper Mefistofele (nach Goethes Faust) an der Mailänder Scala und fiel durch (u. a. weil der im Dirigieren unerfahrene Boito die musikalische Leitung selbst übernehmen musste). Daraufhin revidierte Boito das Werk und verkürzte es drastisch. So wurde die Rolle des Faust, die ursprünglich für Baritonstimme geschrieben war, in eine Tenorpartie umgewandelt. Die neue Version wurde am 4. Oktober 1875 am Teatro Comunale di Bologna uraufgeführt und war sofort ein Erfolg. Mefistofele ist die einzige Oper Boitos, die sich mit zunehmender Aufführungsfrequenz und Beliebtheit bis heute im Opernrepertoire gehalten hat. Als Komponist wurde er besonders von Ludwig van Beethoven und Richard Wagner beeinflusst. Ihm schwebte eine Synthese deutscher und italienischer Kunst vor.

1869 übersetzte er Richard Wagners Rienzi ins Italienische. Am 19. November 1871 besuchte er mit Faccio in Bologna den Lohengrin, die erste Aufführung einer Wagner-Oper in Italien. Auf der Rückreise trafen sie um 3 Uhr nachts auf dem Bahnhof mit Verdi zusammen, und sie unterhielten sich – über die Unbequemlichkeit des Schlafens in der Eisenbahn. 1874 verfasste er für Amilcare Ponchielli (1834–86) das Libretto zu La Gioconda, die unter Leitung von Faccio am 8. April 1876 an der Scala uraufgeführt wurde. In den folgenden Jahren widmete Boito sich hauptsächlich der Dichtkunst und Übersetzungen. 1876 übersetzte er Wagners Tristan und Isolde (italienische Erstaufführung 2. Juni 1888 in Bologna) und die Wesendonck-Lieder. Ebenfalls von Boito stammt die Übertragung des Freischütz von Carl Maria von Weber. Im Sommer 1879 skizzierte er für Verdi das Textbuch für Otello, dessen ersten Entwurf der Komponist am 18. November 1879 erhielt. 1880/81 arbeiteten beide dann an der Neufassung von Simon Boccanegra. 1884 begegnete er erstmals der Schauspielerin Eleonora Duse (1858–1924), verliebte sich jedoch erst beim Wiedersehen kurze Zeit nach der Uraufführung des Otello (5. Februar 1887) in sie. 1889 begann Boito die Arbeit am Textbuch zu Verdis letzter Oper Falstaff. Im Sommer 1890 kühlte sich die Beziehung Boitos zur Duse ab. Am 9. Februar 1893 feierte er mit der Uraufführung des Falstaff den letzten großen Triumph seines Lebens. Bis zu Verdis Tod (27. Januar 1901) war er mit dem Komponisten freundschaftlich verbunden, besuchte ihn mehrmals im Jahr und vermittelte die Uraufführung von dessen letztem Werk, den Quattro pezzi sacri in Paris (7. April 1898). 1895 setzte er sich zusammen mit Giulio Ricordi und anderen für die Verbesserung der Autorenrechte ein, 1898 verliebte er sich in Velleda Ferretti. 1903 erkrankte er erstmals an Angina pectoris. 1910 wurde er als auswärtiges Mitglied in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen. 1911/12 wurde Boito Mitinitiator des Scala-Museums. Am 17. März 1912 wurde er zum Senator ernannt und stimmte am 20. Mai 1915 für den Eintritt Italiens an der Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg. 1917 besuchte er die Front, darauf verschlimmerte sich seine Angina, Eleonora Duse eilte nach Mailand (24. Dezember 1917–17. Januar 1918), traf aber nicht mit ihm zusammen. Am 19. Mai 1918 schrieb er ihr zum letzten Mal, er starb am Morgen des 10. Juni 1918. Sein ewig in Entstehung befindliches Werk, den Nerone (begonnen 1862!), vollendete er nie, er wurde nach einer Bearbeitung von Antonio Smareglia, Vittorio Tommassini und Arturo Toscanini erst am 1. Mai 1924 unter Toscaninis Leitung an der Scala uraufgeführt. Als Schriftsteller benutzte Boito zeitweise ein Anagramm seines Namens als Pseudonym: Tobia Gorrio. Der Architekt Camillo Boito ist der Bruder von Arrigo Boito.

 

25.2. Bohumil BENONI: 150. Geburtstag

Bohumil_Benoni

 Er studierte zuerst bei Anny Chrzová in Chrudim, dann in der Opernschule J.L. Lukes in Prag. 1882 debütierte er in Prag als Konzertsänger, doch gelang es ihm nicht, an das dortige Nationaltheater engagiert zu werden. Er kehrte nach Chrudim zurück und leitete dort einen Gutsbetrieb. Durch Vermittlung seines Lehrers Lukes konnte er dann doch 1883 in einer kleinen Rolle (Nachtwächter in »Kolár Primátor«) am Nationaltheater debütieren, wobei er so erfolgreich war, dass man ihn sogleich unter Vertrag nahm (eigentliche Antrittsrolle: Valentin im »Faust« von Gounod 1883). Berühmt war er als Don Giovanni, den er auch 1887 in Prag in der Hundertjahrfeier der Uraufführung der Oper sang, weiter in den Titelrollen von Rossinis »Wilhelm Tell« und des »Boris Godunow« von Mussorgsky. Bereits 1885 sang er in Prag den Telramund im »Lohengrin«, 1888 den Eugen Onegin in der Prager Erstaufführung der gleichnamigen Oper von Tschaikowsky, die vom Komponisten selbst dirigiert wurde. Nach dem Ausscheiden von Josef Lev übernahm er auch das italienische Repertoire, vor allem in Verdi-Opern. Aus seinem Repertoire für die Bühne sind ergänzend der Fliegende Holländer, der Wolfram im »Tannhäuser« und der Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg« zu nennen und natürlich die Baritonpartien in den Opern von Smetana, in denen er immer wieder bewundert wurde. Er nahm am Nationaltheater Prag an mehreren Uraufführungen von Opern teil; er sang am 12.2.1889 in »Der Jakobiner« von A. Dvorák den Bohus, am 31.3.1901 in »Eva« von J.B. Foerster und am 31.3.1901 in »Rusalka« von Dvorák. Später wirkte er in Prag als Pädagoge; einer seiner Schüler war der Bariton Zdenek Otava. Er starb 1942 in Belá pod Bezdezem (CSR). Er war verheiratet mit der bekannten tschechischen Schauspielerin Hanna Benoni (1868-1922).

Schallplatten: Edison-Zylinder, G & T, HMV, Zonophon, alle sehr selten.

 

26.2. Jean ALLISTER: 85. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung an der Royal Academy of Music London sowie bei Norman Allin. 1954 debütierte sie als Konzertsängerin in der Royal Albert Hall in London und kam zunächst als solche in England zu einer erfolgreichen Karriere. Sie sang 1959-70 bei den Henry Wood Promenade Concerts, 1961-77 beim Three Choirs Festival und in vielen weiteren großen Konzertveranstaltungen. Beim Camden Festival von 1961 trat sie auf der Bühne in Rossinis »L’Italiana in Algeri« auf und debütierte im folgenden Jahr an der Sadler’s Wells Opera London. Bei den Festspielen von Glyndebourne sang sie 1962 die Dryade in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, 1962-63 die Arnalta in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«, 1966 eine der Hexen in »Dido and Aeneas« von Purcell und 1968 die Melide in Cavallis »L‘Ormindo«. Die Melide sang sie auch 1968 bei der Glyndebourne Touring Opera Company sowie bei Gastspielen mit dem Ensemble des Glandebourne Festival 1968 beim Falndern Festival und 1969 im Münchener Cuvilliès-Theater. 1965 hörte man sie in Leeds in der englischen Premiere von »Novae de Infinito Laude« von H.W. Henze. 1969 sang sie als Antrittsrolle an der Covent Garden Oper London den Pagen in »Salome« von R. Strauss, 1970 bei der Handel Opera Society wie bei den Festspielen von Herrenhausen und Drottningholm in der Oper »Scipione« von G.F. Händel. 1972 trat sie bei der Sadler’s Wells Opera in der Oper »Koanga« von F. Delius auf, 1975 sang sie in der englischen Premiere des Requiems von Frank Martin. Nachdem sie 1980 bei der Opera North Leeds als Jenufa in der gleichnamigen Oper von Janácek große Erfolge gehabt hatte, gab sie ihre Karriere wenig später auf. Sie war verheiratet mit dem Konzert-Tenor Edgar Fleet (1931-99), der zahlreiche Schallplattenaufnahmen (DGG, Oiseau Lyre, EA) gemacht hat. Sie starb 2012 in Church Crookham.

Schallplatten der Sängerin auf Oiseau Lyre (Messe von Strawinsky), RCA-Victor (Ausschnitte aus Operetten von Gilbert & Sullivan), Argo (»L’Ormindo«), HMV (»Koanga«).

 

26.2. Donald GRAMM: 90. Geburtstag

Donald GRAMM
Donald Gramm rechts als Dr. Schön in „Lulu“

 Mit acht Jahren studierte er bereits Klavier-, mit 13 Orgelspiel. Er entschloss sich dann jedoch, seine Stimme ausbilden zu lassen und gewann mit 16 Jahren bereits einen Gesangwettbewerb. Seine Ausbildung erfolgte am Chicago Music College bei George Graham, an der Music Academy of the West in Santa Barbara (Kalifornien) und bei Ruth Streiter in Boston. Nachdem er zuerst als Konzertsänger aufgetreten war, bereiste er seit 1952 mit der Metropolitan Opera Touring Company, einer Wanderoper, Nordamerika. Sein eigentliches Bühnendebüt fand 1952 an der City Opera New York als Colline in »La Bohème« statt, an der er bis 1966 engagiert war und bis 1980 gastierte. 1956 sang er dort in der amerikanischen Erstaufführung von C. Orffs »Der Mond«, 1965 in der Uraufführung von »Miss Julie« von Ned Rorem, 1963 an der Oper von Santa Fé (an der er dann immer wieder zu hören war) in der von »Lulu« von A. Berg. 1974 hörte man ihn in Washington in Monteverdis »Il Ritorno d’Ulisse in patria«, 1974 an der Oper von Boston in der amerikanischen Premiere von Prokofjews »Krieg und Frieden«. Gleichzeitig setzte er seine Karriere als Konzertbassist fort. 1952 wirkte er in der Konzert-Premiere der Oper »Der Corregidor« von Hugo Wolf für Nordamerika in der Carnegie Hall in New York mit. 1962 sang er beim Tanglewood Festival das Bass-Solo in Beethovens 9. Sinfonie unter Charles Münch und erregte dabei allgemeines Aufsehen. 1964 wurde er an die New Yorker Metropolitan Oper berufen; hier debütierte er als Truffaldino in »Ariadne auf Naxos« von Richard Strauss. Insgesamt hat er an der Metropolitan Oper in 19 Spielzeiten zwanzig Partien in insgesamt 230 Vorstellungen gesungen: den Maharajah in »The Last Savage« von Menotti, den Don Alfonso in »Così fan tutte«, den Doktor in »Wozzeck« von A. Berg, den Waldner in »Arabella« von R. Strauss, den Pedro in »La Périchole« von Offenbach, den Geronte in »Manon Lescaut« von Puccini, den Leporello im »Don Giovanni«, den Falke in der »Fledermaus«, den Sprecher in der »Zauberflöte«, den Plumkett in Flotows »Martha«, den Basilio im »Barbier von Sevilla«, den Bailli in Massenets »Werther«, den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Sulpice in Donizettis »La fille du régiment«, den Zuniga in »Carmen«, den Balstrode in Benjamin Brittens »Peter Grimes«, den Warlaam im »Boris Godunow«, den Dr. Schön und Jack the Ripper in »Lulu« von Alban Berg und den Don Pasquale. Er blieb praktisch bis zu seinem Tod 1983 Mitglied dieses Hauses. Er gastierte 1967 beim Spoleto Festival (Leporello), 1961 bei den Berliner Festwochen (Konzerte), 1965 an der Oper von Mexico City, in den USA an den Opernhäusern von Santa Fé, New Orleans, Chicago (Lyric Opera) und Philadelphia. 1968 gastierte er an der Oper von Seattle als Leporello, eine seiner Glanzrollen, 1958 erstmalig und nochmals 1973 an der Oper von Boston aufgetreten. Bei den Festspielen von Glyndebourne sang er 1975 den Nick Shadow in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, 1976 den Titelhelden in Verdis »Falstaff«, 1980 und 1982 den Ochs im »Rosenkavalier«. 1979 gastierte er an der Londoner Covent Garden Oper ebenfalls in »The Rake’s Progress«.

Schallplatten: Decca (Leporello in vollständigem »Don Giovanni«), RCA (Brander in »La Damnation de Faust« von Berlioz, 1954;  9. Sinfonie von Beethoven unter Münch), DGG (»Carmen«, »Songfest« von L. Bernstein), CBS (»Oedipus Rex« und »Le Rossignol« von Strawinsky), Columbia (Lieder von A. Schönberg); Pickwick-Video (»Falstaff« aus Glyndebourne, 1976).

 

27.2. Ferenc BEGÁNYI: 80. Geburtstag

 Biographie des ungarischen Bassisten auf Ungarisch: https://hu.wikipedia.org/wiki/Beg%C3%A1nyi_Ferenc

 

27.2. Alberto HAMIN: 85. Geburtstag

 Biographie des mexikanischen Tenors auf Spanisch: https://es.wikipedia.org/wiki/Alberto_Hamin  

 

27.2. Wilhelm PETERSON-BERGER: 150. Geburtstag

Die ersten musikalischen Eindrücke erhielt er als Kind von seiner Mutter, die als begabte Pianistin Beethoven und Chopin spielte. Diese prägten sich ihm derart tief ein, dass er sie später in seinen Klavierstücken Fyra Danspoem verarbeitete. Mit 18 Jahren begab sich Peterson-Berger 1885 nach Stockholm, um dort das Konservatorium zu besuchen. Hier studierte er unter anderem Komposition bei Joseph Dente, einem Schüler von Franz Berwald. Einen tiefen Eindruck hinterließ die Aufführung von Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg im April 1887 in Stockholm. Peterson-Berger beschäftigte sich seit seiner Schulzeit mit Wagner. Wagner war für ihn nicht nur ein Musiker, sondern eine kulturelle Erscheinung. Peterson-Berger übersetzte später einzelne von Wagners Schriften ins Schwedische. Mit 21 Jahren legte Peterson-Berger 1888 seine Prüfung am Konservatorium ab und begab sich zu einem Studienaufenthalt nach Dresden. Zwei Jahre später kehrte er nach Schweden zurück und unterrichtete in Umeå in Västerbotten (Norrland) Musik. Bereits ein Jahr zuvor hatte er während eines Sommeraufenthaltes die Landschaft Jämtlands (Norrland) kennengelernt, die für sein weiteres Leben und Schaffen bestimmend werden sollte. Die Natur und Landschaft Jämtlands wurden ihm zu Inspirationsquellen seiner Musik (so etwa in den Klavierstücken Frösöblomster und in seiner Oper Arnljot). Das Freiluftleben und mehrwöchige Wandertouren durch die nördlichen schwedischen Landschaften wurden für Peterson-Berger eine wichtige Erholung, ein Rückzug von der Zivilisation. Peterson-Berger schrieb über seine Wanderungen in den Jahrbüchern der Svenska Turistföreningen. Direkte Anknüpfung an Wandererlebnisse hat auch der Zyklus En Fjällfärd (Eine Bergwanderung) für Männerchor von 1893, den er selbst dichtete. Lange hielt es Peterson-Berger aber nicht in Umeå: Mit 25 Jahren (1892) wurde Peterson-Berger als Musiklehrer nach Dresden berufen. Doch konnte ihn Dresden nicht wirklich fesseln. Nach nur zwei Jahren kehrte er nach Schweden zurück und ließ sich ein Jahr später in Stockholm nieder. Hier begann er, mittlerweile 29 Jahre alt, einen seiner folgenschwersten Schritte: Er wurde Musikkritiker der bedeutenden schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter. Seine Kritiken mit dem Kürzel P.-B. wurden bald zu den gefürchtetsten im ganzen Land. P.-B. schuf sich mit seiner schonungslosen Forderung nach Wahrheit und Einfachheit, seiner Ablehnung alles Künstlichen und Gekünstelten, lebenslange Feinde und wurde im schwedischen Musikleben eine zunehmend isolierte Persönlichkeit.

Peterson-Berger hat neben seinen Kritiken auch zahlreiche Schriften publiziert, die auch heute noch lesenswert sind, insbesondere seine Analyse der „kulturellen Erscheinung“ Richard Wagners. Die zunehmende Isolation fand auch in den äußeren Lebensumständen ihren Ausdruck, als sich Peterson-Berger mit 43 Jahren (1910) auf Frösön, einer Insel im Storsjön in Jämtland bei Östersund, ein Stück Land kaufte, auf dem er sich vier Jahre später inmitten der unverdorbenen Landschaft ein Haus baute – mit Blick auf den Oviksfjället, einen seiner Lieblingsberge. Hier starb er 1942, im Alter von 75 Jahren.

 

28.2. Ernst-August STEINHOFF: 100. Geburtstag

 Nach seinem Studium bei Wilhelm Rabot und Hermann Winkelmann in Hannover begann er 1939 seine Bühnenkarriere beim Staatstheater Hannover (Debüt als Nando in »Tiefland« von E. d’Albert), wo er bis 1941 blieb. Nach Engagements an den Theatern von Posen (Poznan, 1941-42) und Gera (1942-44) wurde er 1945 für zwei Jahre Bürgermeister seiner Heimatstadt Gandersheim. 1946 nahm er seine Sängerlaufbahn wieder am Stadttheater von Göttingen auf und sang dann 1947-49 am Staatstheater von Kassel, 1949-53 am Stadttheater von Krefeld, 1953-55 am Staatstheater von Braunschweig, 1955-56 am Stadttheater von Freiburg i. Br. und seit 1956 am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich. Länger als zwanzig Jahre gehörte er zum Ensemble dieses Opernhauses und gastierte während dieser langen Zeit u a. an der Wiener Staatsoper (1958 als Don Ottavio im »Don Giovanni« von Mozart), am Nationaltheater Mannheim, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg sowie in Spanien und Portugal. Am 6.9.1961 sang er am Opernhaus von Zürich in der Uraufführung von B. Martinus »Griechische Passion« die Rolle des Michelis. Er sang in Zürich auch den Tamino in der »Zauberflöte«, den Ferrando in »Così fan tutte« und den König Kaspar in »Amahl and the Night Visitors« von G.C. Menotti (1960), den Romeo in »Romeo und Julia« von H. Sutermeister, den Herzog in »Rigoletto«, den Alfredo in »La Traviata« und den Fenton im »Falstaff« von Verdi, den Froh im »Rheingold«, den Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, den Turiddu in »Cavalleria rusticana«, den Nureddin im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, den Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Rinuccio in Puccinis »Gianni Schicchi«, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevillai«, den Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut« und die beiden Haushofmeister-Rollen im »Rosenkavalier«. Er nahm in Zürich auch an einer Vielzahl von Schweizer Opern-Erstaufführungen teil: »Aroldo« von Verdi (Spielzeit 1956-57 als Godvino), »Schule der Frauen« von Rolf Liebermann (1957-58 als Horace), »A Midsummer Night´s Dream« von B. Britten (1960-61 als Lysander), »Mystère de la Nativité« von Frank Martin (1961-62 als Ysambert), »Karl V.« von E. Krenek (1969-70 als Henry Mathis), »Der Besuch der alten Dame« von Gottfried von Einem (1971-72 als Koby), »Jakob Lenz« von Wolfgang Rihm (1982-83 als Kaufmann), »Owen Wingrave« von B. Britten (1986-87 als Sir Philip Wingrave), »Rothschilds Geige« von B. Flejschman (1987 als Rothschild), »Venus« von Othmar Schoeck (1988-89 als Baron de Zarandelle) und »Lear« von Aribert Reimann (1987-88 als Kent). Auch als Konzertsänger hatte er eine bedeutende Karriere. Verheiratet mit der Sängerin May Torrend (1911-2009). Er starb 1998 in Zürich.

Schallplatten: Eurodisc (integrale Oper »Fra Diavolo« von Auber), Harmonia mundi (»Jakob Lenz« von Wolfgang Rihm), Concert Hall (Monostatos in der »Zauberflöte«).

 

28.2. George MALCOLM: 100. Geburtstag

 Biographie des englischen Cembalisten und Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/George_Malcolm_(musician)

 

28.2. Anna HENNEBERG: 150. Geburtstag

 Sie war Schülerin von so bedeutenden Pädagogen wie Lilli Lehmann, Johanna Wagner-Jachmann und Emma Seehofer. Sie nahm 1889 an der Russland-Tournee von Angelo Neumanns reisendem Wagner-Theater teil, bei der u.a. die ersten Aufführungen des Ring-Zyklus in St. Petersburg und Moskau zustande kamen. 1890-93 war sie Mitglied der Berliner Hofoper, an der sie in kleinen Partien eingesetzt wurde. 1893-94 gehörte sie dem Stadttheater Lübeck, 1894-95 dem Hoftheater Stuttgart, 1895-96 wieder dem Theater von Lübeck an. Sie gab ausgedehnte Gastspiele an deutschen Bühnen. 1897 ließ sie sich in Berlin als Gesanglehrerin nieder. 1916 gründete sie die Münchner Kammeroper, die während einiger Jahre kammermusikalische Opernaufführungen veranstaltete. Nachdem sie bereits in Berlin pädagogisch tätig gewesen war, verlegte sie diese Tätigkeit 1917 nach München, wo der Tenor Karl Ostertag einer ihrer Schüler war. Von ihren großen Bühnenpartien sind die Ortrud im »Lohengrin«, die Fricka und die Erda im Nibelungenring, die Azucena im »Troubadour« von Verdi, der Cherubino in »Figaros Hochzeit« und der Puck im »Oberon« von Weber anzuführen. Auch als Konzertsängerin war sie mit anhaltendem Erfolg tätig. Sie starb 1931 in München.

 

29.2. Gioacchino ROSSINI: 225. Geburtstag

Er war der einzige Sohn aus der Ehe des Hornisten Giuseppe Rossini (1758–1839) mit der Sängerin Anna Rossini geb. Guidarini (1771–1827). Eigentlich wurde der Sohn noch am Tag seiner Geburt in Pesaro auf den Namen Giovacchino getauft, doch bekannt wurde sein Name ohne „v“, und Rossini selbst schrieb ihn fast durchwegs als Gioachino, weshalb auch diese ungewöhnliche Namensform heute allgemein von der Musikwissenschaft verwendet wird.

Als Kind lernte Rossini, Violine und Cembalo zu spielen; außerdem hatte er eine gute Gesangsstimme. Seine Mutter lehnte jedoch energisch den Vorschlag ihres Bruders ab, die Sopranstimme ihres Kindes als Sängerkastrat zu bewahren, wofür ihr Rossini später dankbar war. Als die Familie 1802 nach Lugo zog, machte Gioacchino Rossini die Bekanntschaft mit dem wohlhabenden Giuseppe Malerbi, von dem ein nachhaltiger Einfluss ausging. In Malerbis Bibliothek lernte Rossini die Werke von Haydn und Mozart kennen. Am 22. April 1804 hatte der zwölfjährige Rossini gemeinsam mit seiner Mutter einen ersten öffentlichen Auftritt im kommunalen Theater von Imola. Im selben Jahr schrieb Rossini seine erste Komposition für zwei Violinen, Violoncello und Kontrabass, die Sei sonate a quattro, deren komplette Urfassung erst 1954 im Druck erschien. 1805 zog die Familie nach Bologna, wo Gioachino Rossini als Sänger auftrat. Seit April 1806 besuchte er das Liceo Musicale. Seine Mitschüler waren Francesco Morlacchi und Gaetano Donizetti. Hier erhielt er Unterricht in Komposition sowie Violoncello, Horn, Klavier und Gesang. 1810 verließ Rossini das Liceo ohne Abschluss und ging nach Venedig. Zu diesem Zeitpunkt hatte er mit Demetrio e Polibio bereits seine erste Oper sowie einige weitere Stücke komponiert. Für seine Leistungen als Sänger wurde er durch die Aufnahme in die Accademia Filarmonica di Bologna geehrt. In Venedig trat der zwanzigjährige Rossini mit der Uraufführung der Oper La cambiale di matrimonio am 3. November 1812 erstmals als Komponist an die Öffentlichkeit. In den folgenden Jahren schrieb Rossini mehrere Opern, die jedoch nicht sonderlich bekannt wurden. Erst mit Tancredi komponierte er 1813 seine erste wirklich erfolgreiche Oper. Nach einigen weiteren Opernkompositionen, darunter L’Italiana in Algeri, für verschiedene Opernhäuser in Italien wurde er 1815 Leiter der beiden Opernhäuser in Neapel. Er war dabei zwar vertraglich verpflichtet, für jedes der beiden Häuser eine Oper pro Jahr zu schreiben, konnte daneben aber auch für andere Städte tätig sein. Nicht alle seine Opern wurden gleich von Anfang an gefeiert: Die Uraufführungen von Il barbiere di Siviglia und La Cenerentola in Rom waren kein großer Erfolg, erst durch spätere Aufführungen wurden die Werke beliebt. In Neapel lernte Rossini Isabella Colbran, eine Opernsängerin, kennen, mit der er 1823-36 verheiratet war. 1822 reiste Rossini nach Wien und löste hier den berühmten „Rossini-Taumel“ aus. Nach einem fünfmonatigen Aufenthalt in London, wo er am King’s Theatre tätig und mit 7000 Pfund großzügig entlohnt worden war, nahm er 1824 den Posten des Leiters der italienischen Oper in Paris an. Zwei Jahre später wurde er königlicher Hofkomponist und Generalinspekteur des Gesangs in Frankreich. 1829 schrieb Rossini mit Guillaume Tell die letzte Oper seines Lebens. Insgesamt hatte er in zwei Jahrzehnten 39 Opern verfasst. In dieser Zeit hatte er sich seinen Ruf als Meister der Opera buffa, der komischen Oper, erworben, obwohl er auch ernste Opern komponiert hatte. Das Jahr 1830 brachte für Rossini den Verlust seiner Ämter, da der französische König im Verlauf der Julirevolution abdanken musste. Es gelang Rossini jedoch, gerichtlich eine lebenslange Rente durchzusetzen. 1836-48 wirkte Rossini in Bologna als Direktor des Musiklyzeums. Er war auch weiterhin als Komponist tätig, widmete sich aber mehr der geistlichen und der Kammermusik. 1846 heiratete er seine zweite Frau, die Französin Olympe Pélissier; diese Ehe hielt bis zu seinem Tod. Wegen politischer Unruhen in Bologna floh Rossini 1848 nach Florenz. 1855 zog er erneut nach Paris (Passy) und lebte dort bis an sein Lebensende. Ab 1858 entstanden zahlreiche, heute meist unbekannte Werke, die sogenannten Péchés de vieillesse, die „Alterssünden“, die Rossini in 13 Bänden und zwei Supplements sammelte. Darunter sind allein über 100 Klavierstücke, die für ihren Witz bekannt sind. Unter anderem heißen die Stücke Gefolterter Walzer, asthmatische Etüde, chromatischer Drehteller oder Fehlgeburt einer Polka-Mazurka. Zu den bekannten und großen Werken nach seiner Zeit als Opernkomponist zählen Stabat mater und Petite Messe solennelle, die trotz ihres Namens („kleine Messe“) ein neunzigminütiges Werk ist. Rossini litt – insbesondere in seiner zweiten Lebenshälfte – an Depressionen, die möglicherweise die Folge einer Gonorrhoe waren, die er sich schon in jungen Jahren zugezogen hatte. Er starb an den Folgen einer Darmoperation 1868 in Passy. Er wurde zunächst auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise beigesetzt, bevor man seine Gebeine 1887 in die Kirche Santa Croce in Florenz überführte. Unter dem Eindruck von Rossinis Tod lud Giuseppe Verdi die zwölf bedeutendsten Komponisten Italiens seiner Zeit ein, sich an der Gemeinschaftskomposition einer Totenmesse für Rossini zu beteiligen, die am ersten Todestag aufgeführt werden sollte. Die Messa per Rossini wurde 1869 fertiggestellt, eine Aufführung kam jedoch wegen widriger Umstände nicht zustande. Die Gemeinschaftskomposition wurde erstmals 1988 posthum aufgeführt. Verdi übernahm seinen eigenen Beitrag, das abschließende Libera me, als Keimzelle für die Komposition seines eigenen Requiems. Auch der Florentiner Musiker Guido Tacchinardi komponierte zur gleichen Zeit sein Requiem a Rossini, das erst 2014 veröffentlicht wurde. Der italienische Staat hat Rossinis Geburtshaus in Pesaro, das heute ein Museum beherbergt, zugleich mit den Geburtshäusern von Giacomo Puccini und Giuseppe Verdi, mit dem Europäischen Kulturerbe-.Siegel ausgezeichnet. Rossini wurde vielfach geehrt, darunter durch seine Aufnahme als auswärtiges Mitglied in die Académie des Beaux-Arts (1823) und als ausländisches Mitglied in den preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste am 31.

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