Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM DEZEMBER 2015

IN MEMORIAM-Geburtstage

In Memoriam-Geburtstage im Dezember 2015. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 

 1.12. Ricardo YOST: 80. Geburtstag

Ricardo_YOST

 Er studierte in seiner Geburtsstadt Rosario (Argentinien), dann in Italien bei Adelaide Saraceni und Carlo Tagliabue. 1973 wurde er an das Teatro Colón Buenos Aires verpflichtet, wo er in den folgenden zwanzig Jahren in großen Partien auftrat. Er sang hier u.a. den Guglielmo in »Così fan tutte«, den Enrico in »Lucia di Lammermoor«, den Rigoletto, den Amonasro in »Aida« (den er noch 1996 dort sang), den Jago in Verdis »Otello«, den Malatesta im »Don Pasquale«, den Renato in »Un ballo in maschera« von Verdi, den Michonnet in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, den Escamillo in Carmen, den Lescaut in »Manon« von Massenet und 1973 den Napoleon in der südamerikanischen Erstaufführung der Oper »Krieg und Frieden« von Prokofieff. Er gastierte auch an anderen Opernhäusern in Südamerika, so regelmäßig in Santiago de Chile, aber auch in Rio de Janeiro, am Opernhaus von Lima und am Teatro Argentino in La Plata. 1977 hörte man ihn an der Oper von Tel Aviv in Verdis »Un ballo in maschera«; in Salzburg sang er den Escamillo, 1980 längeres Gastspiel an der Niederländischen Oper in Amsterdam, auch in Belgien, Frankreich und in den skandinavischen Ländern aufgetreten. In einem späteren Abschnitt seiner Karriere übernahm er auch Bass-Partien wie den Mephisto im »Faust« von Gounod und den Basilio im »Barbier von Sevilla«. 1998 trat er am Teatro Colón Buenos Aires als Don Pasquale von Donizetti auf. 1999 sang er am Teatro Colón Buenos Aires den Don Ignacio Del Puente in der Oper »Aurora« des argentinischen Komponisten Hector Panizza, auch den Mr. Kofner in »The Consul« von C.G. Menotti, 2000 am Opernhaus von Córdoba (Argentinien) den Don Liborio in »Il Matrero« von Felipe Boero, am Teatro Colón in »Francesca da Rimini« von R. Zandonai. Er starb 2006 in Buenos Aires.

 

1.12. Helga KOSTA: 95. Geburtstag
Helga_KOSTA

Sie war die Tochter eines Sängerehepaars. Ihre Mutter Elsa Koch (* 1894 Moskau, † 20.6.1953 Basel) hatte bereits in Moskau Gesang studiert, wurde dann im Ersten Weltkrieg mit ihrer Familie in Sibirien als Deutsche interniert, schließlich nach Deutschland entlassen, wo sie ihre Ausbildung bei Selma Nicklass-Kempner in Berlin beendete. Sie kam sogleich an die Berliner Hopfoper (Debüt als Konstanze in der »Entführung aus dem Serail« und als Rosina im »Barbier von Sevilla«), sang 1918-22 in Dessau, unternahm 1922-23 eine Südamerika-Tournee und war dann am Großen Schauspielhaus Berlin (1923-24 als Operettensängerin), in Königsberg, Danzig und 1927-31 am Stadttheater von Basel engagiert, wo sie wie bei Gastspielen und Konzerten als Koloratrice in Erscheinung trat. Sie war verheiratet mit dem Tenor Gustav Stabinsky (* 1893, † 1977 Thun), der hauptsächlich als Operettentenor und als Tenorbuffo hervortrat und am Berliner Metropol-Theater wie auch 1927-31 in Basel engagiert war, wo er noch lange Jahre als Gast sang. – Helga Kosta wurde durch ihre Großtante Emma Koch, eine Schülerin von Franz Liszt, im Klavierspiel ausgebildet, entschloss sich dann aber zur Sängerlaufbahn und wurde Schülerin ihrer Eltern, vor allem ihrer Mutter. 1938 begann sie ihre Karriere mit Rundfunkauftritten in der Schweiz und gab, noch als Helga Stabinsky, erste Lieder- und Arienabende. 1943 nahm sie den Künstlernamen Kosta an (aus den Anfangssilben der Namen ihrer Eltern gebildet); 1945 heiratete sie den Dirigenten, Geiger und Komponisten C.V. Menz, von dem sie sich später wieder trennte. 1948 debütierte sie am Städtebundtheater Biel-Solothurn in ihrer Glanzrolle, der Königin der Nacht in der »Zauberflöte«. 1950-60 war sie Mitglied des Theaters der Schweizer Bundeshauptstadt Bern. Hier sang sie mit großem Erfolg Partien wie die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Susanna wie den Cherubino in »Figaros Hochzeit«, die Zerline im »Don Giovanni«, die Gilda im »Rigoletto«, die Mimi in »La Bohème«, die Sophie im »Rosenkavalier«, den Ighino in »Palestrina« von Hans Pfitzner, die Lakmé von Delibes und die Gretel in »Hänsel und Gretel«. Gastspiele am Opernhaus von Zürich, in St. Gallen, an den Opernhäusern von Köln und Bonn (1956 als Königin der Nacht), zahlreiche Konzert- und Rundfunkauftritte im Schweizer wie im deutschen Rundfunk kennzeichneten die weitere Laufbahn der Künstlerin. 1969 musste sie krankheitshalber ihre Karriere aufgeben. Sie betätigte sich im pädagogischen Bereich und lebte später in Thun in der Schweiz. Sie starb 2014 in Steffisburg.

Lit.: M. Schimmrich: »Helga Kosta« (Münster, 1989).

Schallplatten: Decca (Cedric Dumont) mit Volks- und Operettenliedern, dazu zahlreiche Radio-Mitschnitte; von ihren Eltern sind einige Titel auf Electrola (Duette aus Operetten) aufgenommen worden.

 

2.12. Thomas PALMER: 80. Geburtstag

 Gesangstudium an der Academy of Vocal Art und an der Juilliard School of Music New York. Bühnendebüt 1966 in Kansas City als Valentin im »Faust« von Gounod. 1967 sang er sehr erfolgreich den Marcello in »La Bohème« am Grand Théâtre Genf und den Grafen in »Le nozze di Figaro« am Teatro Margherita in Genua, 1968 die gleiche Partie bei den Festspielen von Aix-en-Provence. Seine Karriere erreichte ihren Höhepunkt an den großen Opernhäusern in Nordamerika: er trat 1968 an der Oper von San Diego als Papageno in der »Zauberflöte« auf, 1977-78 an der Oper von Miami (u.a. als Ford im »Falstaff« von Verdi), an der Santa Fé Opera als de Siriex in »Fedora« von Giordano. Er gastierte an den Opernhäusern von Houston (Texas) und San Francisco (1968 als Escamillo in »Carmen«), schließlich auch an der New Yorker Metropolitan Oper, wo er in der Spielzeit 1974-75 den Silvio im »Bajazzo« und den Sharpless in »Madame Butterfly« in insgesamt vier Vorstellungen sang. Man schätzte ihn als Interpreten mehr lyrisch gearteter Partien, zumal als Mozartsänger. Zugleich bedeutender Konzert- und Oratoriensänger. Er starb im 1994 in Clearwater (Florida).

Schallplatten: RCA (»Medea in Corinto« von Simone Mayr, 1972).

 

2.12. Wolfgang WEBER: 80. Geburtstag

Er arbeitete seit den 1960er Jahren als Regisseur in Österreich, hauptsächlich in Wien an der Wiener Staatsoper und an der Wiener Volksoper. Erstmals inszenierte er 1963 eine Produktion der Wiener Staatsoper, die komische Oper Die Kluge im Theater an der Wien mit Evelyn Lear und Thomas Stewart in den Hauptrollen. 1973 wurde er unter der Direktion von Karl Dönch fest als Regisseur an die Wiener Volksoper engagiert. Er wurde außerdem gemeinsam mit dem Regisseur Robert Herzl Dönchs persönlicher Referent. Ab 1976 war er gleichzeitig Oberspielleiter der Operette. An der Wiener Volksoper inszenierte er unter anderem die Neueinstudierungen der Opern Kleider machen Leute von Alexander Zemlinsky (1973), Notre Dame (1975) (mit Walter Berry und Julia Migenes), Albert Herring (1976), Ein preußisches Märchen von Boris Blacher (1978) (mit Ernst Gutstein), Schwanda, der Dudelsackpfeifer von Jaromir Weinberger (1980) (mit Ernst Gutstein und Mirjana Irosch), Aus einem Totenhaus (1981) und Viva la Mamma (1983). Weber inszenierte mehrfach auch bei Erst- und Uraufführungen. Im Februar 1972 inszenierte er, mit Ernst Gutstein in der Titelrolle, die musikalische Neufassung der Oper König Nicolo von Rudolf Weishappel 1975 folgte die Inszenierung der Uraufführung der Oper Der eingebildete Kranke von Franz Alfons Wolpert. Außerdem führte er 1982 Regie bei dem Musical West Side Story. Bei der deutschsprachigen Erstaufführung von West Side Story 1968 an der Wiener Volksoper mit Julia Migenes und Adolf Dallapozza hatte Weber neben dem Regisseur Allan Johnson bereits die Spielleitung bei der Dialogregie und die Co-Regie bei der Choreographie übernommen. An der Wiener Staatsoper inszenierte er 1981 die österreichische und deutschsprachige Erstaufführung von Leonard Bernsteins Musiktheaterstück Mass. 1982 wurde er Oberspielleiter an der Wiener Staatsoper. Dort inszenierte er unter anderem die Premieren von Lulu (1983) und von Die Entführung aus dem Serail (1985) für eine Tournee der Wiener Staatsoper durch die österreichischen Bundesländer. Außerdem war er als Regisseur für die szenischen und musikalischen Neueinstudierungen von La fanciulla del West (1988) und Lohengrin (1990) verantwortlich. 1986-91 leitete er als Regisseur gemeinsam mit dem Dirigenten Ernst Märzendorfer das Opernstudio der Wiener Staatsoper, für das er ebenfalls eigene Regiearbeiten übernahm. Weber, der auch international als Regisseur tätig war, war als szenischer Mitarbeiter auch Assistent Herbert von Karajans bei dessen Inszenierungen bei den Salzburger Festspielen und bei den Salzburger Osterfestspielen. Weber inszenierte regelmäßig immer wieder auch als Gastregisseur in Deutschland. 1968 führte er am Opernhaus Nürnberg Regie bei der Uraufführung der Oper Die Witwe des Schmetterlings von Isang Yun. 1990 übernahm er dann am Opernhaus Nürnberg die Neuinszenierung der Oper Tannhäuser (Titelrolle: Karl-Heinz Thiemann; Musikalische Leitung: Christian Thielemann). 1997 inszenierte er zur Spielzeiteröffnung 1997/98 die Neuproduktion der Oper Il trovatore am Theater Aachen. Er starb im Juni 2010.

 

2.12. Ivana MIXOVÁ: 85. Geburtstag

 Sie stammte aus einer tschechischen Familie. Gesangsausbildung am Konservatorium von Brno (Brünn) durch G. Redlichová und Bohumil Sobesky sowie bei Konstantin Karenin. Debüt 1950 am Staatstheater von Olomouc (Olmütz) als Berta in Rossinis »Barbier von Sevilla«. Sie war 1950-53 am Theater von Olomouc, 1953-56 am Theater von Ostrava (Mährisch Ostrau), seit 1956 am Nationaltheater Prag engagiert, wo sie eine sehr erfolgreiche Karriere entfaltete. Gastspiele an den Nationalopern von Budapest, Sofia und Budapest, an der Berliner Staatsoper, an den Opernhäusern von Zürich, Frankfurt a.M., Nürnberg, Helsinki, Hannover, beim Holland Festival in Amsterdam (1959 als Varvara in »Katja Kabanowa« von Janácek, 1963 als fremde Fürstin in »Rusalka« von Dvorák, 1980 als Lotinka in »Der Jakobiner«, ebenfalls von Dvorák) und in Bologna. Am 4.4.1974 wirkte sie an der Prager Oper in der Uraufführung der Oper »Coriolanus« von Cikker mit. Die Sängerin, die zur verdienten Künstlerin der CSSR ernannt wurde, hatte ihre Glanzrollen im lyrischen Stimmfach, u.a. als Cherubino in »Le nozze di Figaro«, als Olga im »Eugen Onegin«, als Prinzessin Eboli im »Don Carlos« von Verdi und als Orpheus von Gluck. Weitere Bühnenpartien: die Carmen, die Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Meg Page in Verdis »Falstaff«, die Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss, die Lola in »Cavalleria rusticana« und die Klara in »Die Verlobung im Kloster« von Prokofieff; dazu erfolgreiche Konzertaltistin. Sie starb 2002 in Prag.

Schallplatten: Supraphon (u.a. vollständige Opern »Der Jakobiner« von Dvorák, »Die Teufelswand« von Smetana, »Das schlaue Füchslein« und »Katja Kabanowa« von Janácek), Decca (»Jenufa«).

 

2.12. Irina ARCHIPOWA: 90. Geburtstag

 Irina Archipowa

Ihre Mutter war Choristin am Moskauer Bolschoi Theater, ihr Vater Ingenieur. Sie studierte anfänglich Architektur und besuchte 1948-53 die Moskauer Hochschule für Baukunst. Dann entschloss sie sich jedoch zum Gesangstudium, das am Moskauer Konservatorium bei Leonid Sawranski erfolgte. Auch Schülerin von Nadeshda Malischewa. 1954 debütierte sie an der Oper von Swerdlowsk (Jekaterinburg), an der sie bis 1956 blieb, als Ljubascha in der »Zarenbraut« von Rimsky-Korssakow. Gewinnerin des internationalen Gesangwettbewerbs von Warschau 1955. 1956 wurde sie an das Bolschoi Theater Moskau berufen, wo ihre Karriere in einem jahrzehntelangen Engagement den Höhepunkt erreichte. Ihre Antrittsrolle war die Carmen in der Oper gleichen Namens von Bizet; Aus ihrem weitreichenden Bühnenrepertoire verdienen die Marina im »Boris Godunow«, die Marfa in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, die Eboli im »Don Carlos«, die Charlotte im »Werther« von Massenet sowie Partien in zeitgenössischen sowjetrussischen Opern besondere Erwähnung. So sang sie am Bolschoi Theater in den Premieren der Opern »Die Mutter« von Tichon Chrennikow (1957), »Krieg und Frieden« von Prokofieff und »Nicht nur Liebe« von Schtschedrin (1959). Sie wirkte am Bolschoi Theater Moskau auch in den Uraufführungen der Opern »Ein wahrer Mensch« von Prokofieff (1960 als Klawdija) und »Eine optimistische Tragödie« von Alexander Cholminow (1965 als Kommissar) mit. Sie gastierte weltweit mit dem Ensemble des Bolschoi Theaters, so u.a. 1964 an der Mailänder Scala (als Marina, als Polina in »Pique Dame« von Tschaikowsky und als Helena in »Krieg und Frieden«), 1967 bei der Weltausstellung von Montreal und 1971 an der Wiener Staatsoper (als Marina und als Polina). Gastspiele in Österreich, in Polen, Finnland, Italien, Ungarn, Rumänien, Japan, in Nordamerika und in Frankreich bestätigten ihren Ruf als bedeutendste russische Altistin ihrer Epoche. 1966 wurde sie als Abgeordnete in den Obersten Sowjet gewählt. Höhepunkte in ihrer Laufbahn waren ihre Gastspiele am Teatro San Carlo Neapel 1960 als Carmen, an der Mailänder Scala 1967 und 1971 als Marfa sowie 1967 und 1973 als Marina, an der Pariser Grand Opéra, an den Opernhäusern von Bordeaux, Lyon, Marseille, Rouen und Nancy wie beim Festival von Orange, wo sie 1972 als Azucena im »Troubadour« einen sensationellen Erfolg hatte. Sie gastierte an der Staatsoper Dresden und an der Berliner Komischen Oper, an der Deutschen Oper Berlin und bei den Festspielen von Wiesbaden, am Nationaltheater Belgrad und 1987 bei den Festspielen von Savonlinna (als Marfa). 1972 Gastspiel an der Oper von San Francisco als Amneris in »Aida«, 1975 an der Londoner Covent Garden Oper als Azucena, 1988 am gleichen Haus als Ulrica in Verdis »Maskenball«. 1992 hörte man sie am Théâtre Châtelet Paris als Filipjewna im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky. 1997 trat sie an der New Yorker Metropolitan Oper als Filipjewna auf (zugleich ihr spätes Debüt an diesem Haus). Sie betätigte sich auch auf dem Gebiet der Opernregie. Sie war verheiratet mit dem gleichfalls am Bolschoi Theater wirkenden Heldentenor Wladislaw Piavko (* 1941). 1993 errichtete sie eine Archipowa-Stiftung für junge russische Sänger. Sie starb 2010 in Moskau.

Ihre umfangreiche, durch ihre Tonfülle und die Dramatik des Vortrags gekennzeichnete Stimme (auf der Bühne unterstützt durch eine eminente darstellerische Begabung) begegnet uns auf vielen Schallplattenaufnahmen der sowjetrussischen Produktion; darunter befinden sich auch vollständige Opern (u.a. »Krieg und Frieden« von Prokofieff, »Chowanschtschina« und »Boris Godunow« von Mussorgsky, »Schneeflöckchen« und »Die Zarenbraut« von Rimsky-Korssakoff, »Pique Dame« und »Mazeppa« von Tschaikowsky, »Carmen«, auch in den Vespern op. 37 von Rachmaninoff; vieles davon auf Ariola-Eurodisc übernommen). Auf der Marke Decca kam »Alexander Nevsky« von Prokofieff heraus, auf Ultraphon »Der steinerne Gast« von Dargomyschski, auf Philips als alte Gräfin in »Pique Dame« und als Filipjewna im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky zu hören. Auf Bohème erschien ein Recital mit Szenen aus Opern von Mussorgsky.

 

4.12. Berthe AUGUEZ DE MONTHALANT: 150. Geburtstag

Berthe Auguez de Montalant

 Sie entstammte einer französischen Familie, die in der Französischen Revolution aus der Provinz Anjou nach Nordamerika ausgewandert war. Sie kam jung nach Paris, erhielt dort bereits ersten Gesangsunterricht durch den Pädagogen Cheret, studierte aber seit 1885 am Konservatorium von Bordeaux. Der Dirigent Charles Lamoureux holte sie noch im gleichen Jahr nach Paris, wo sie im Théâtre Odéon unter ihm in dem Oratorium »Athalie« von Händel auftrat. Sie wurde bald als Konzertsolistin bekannt; so sang sie in Paris in der sinfonischen Dichtung »Lutèce« von Augusta Holmès und hatte in den Concerts Colonne große Erfolge, namentlich in Werken von Berlioz. 1892 heiratete sie den Bariton Numa Auguez (1847-1903), mit dem sie oft zusammen im Konzertsaal auftrat. 1899 ersetzte sie an der Opéra- Comique Paris Rose Caron als Leonore im »Fidelio«, doch blieb dies ihr einziger Auftritt auf der Bühne. 1900 gab sie sehr erfolgreiche Konzerte in St. Petersburg und Moskau. Sie wirkte später in Paris im pädagogischen Bereich. Sie starb 1937 in Nizza.

 

4.12. František PÁCAL: 150. Geburtstag

Franz PACAL als Turiddu
Als Turridu

 Er war der Sohn eines Bierbrauers; zuerst Violinstudium am Prager Konservatorium, 1887-92 Geiger im Orchester des Prager Nationaltheaters. Er ließ dann seine Stimme in Prag und bei Gustav Walter in Wien ausbilden und war Chorsänger am Opernhaus von Köln (1892-93), am Stadttheater von Bremen (1893-94) und am Stadttheater von Graz (1894-95), seit 1895 an der Wiener Hofoper. Hier hatte er 1897 einen sensationellen Erfolg, als er die kleine Partie des Fischers in Rossinis »Wilhelm Tell« übernahm. Er wurde als Solist in das Ensemble übernommen und hatte bis 1905 an der Wiener Hofoper eine sehr erfolgreiche Karriere. Er sang hier Partien wie den Turiddu in »Cavalleria rusticana«, den Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Fenton im »Falstaff« von Verdi wie in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Faust von Gounod, den Steuermann in »Der fliegende Holländer«, den Lorenzo in »Fra Diavolo« von Auber, den Léopold in Halévys »La Juive«, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Gomez im »Nachtlager in Granada« von C. Kreutzer, den Canio im »Bajazzo«, den Melot in »Tristan und Isolde« und den Manrico im »Troubadour«.

1905-09 war er am Nationaltheater von Prag, 1909-11 an der Oper von Riga, 1911-13 am Stadttheater von Posen (Poznán) engagiert. Während des Ersten Weltkrieges war er leitender Beamter am Getreide-Amt in Prag. Im deutschsprachigen Raum trat er unter dem Namen Franz Pácal auf. Er starb 1938 in Nepomuk bei Pilsen (Südböhmen). – Lyrische Stimme, vor allem in den hohen Lagen vor trefflich gebildet.

Erste Aufnahmen auf Berliner Records (Wien, 1899-1901), dann auf G & T (Wien, 1901-02), Zonophone (Wien, 1902), Odeon (Wien, 1904), Favorit (Wien, 1905); in Prag entstanden Aufnahmen auf Lyrophon, Favorit (1907), Zonophone und HMV:

 

5.12. Nicola FILACURIDI: 95. Geburtstag

Nicola_Filacuridi

 Er wurde durch einen italienischen Pädagogen in Alexandria ausgebildet und debütierte dort 1945 als Turiddu in »Cavalleria rusticana«. Es schloss sich ein Engagement an der Oper von Kairo an, schließlich ging er nach Italien und vollendete dort seine Studien bei Federico Dal Cupulo. 1949 begann er seine italienische Karriere am Stadttheater von Savona in der Partie des Alfredo in »La Traviata«. Große Erfolge bei einem Gastspiel in Triest und bei einer Spanien-Tournee. 1950 Gastspiel an der Oper von Rio de Janeiro, im gleichen Jahr sang er an der Oper von Rom den Maurizio in »Adriana Lecouvreur« von Cilea. Er trat an den Opernhäusern von Venedig, Neapel, Parma und Turin, beim Maggio Musicale von Florenz, dann auch an der Mailänder Scala auf. An der Scala debütierte er 1953 als Albert in der italienischen Erstaufführung der modernen Oper »Leonore 40/45« von Liebermann. Hier wirkte er am 26.1.1957 in der Uraufführung der Oper »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc als Chevalier de la Force mit; er hatte an der Scala 1957 als Julien in »Louise« von Charpentier und als Kardinal in »Mathis der Maler« von P. Hindemith, 1958 als Maurizio und als Don Giovanni in »Der steinerne Gast« von Dargomyschski, 1960 als Chlestakow in Werner Egks »Der Revisor« sowie 1961 als Disperato in »Torneo notturno« von Malipiero und als Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen« besondere Erfolge. Es folgten Auftritte im italienischen Rundfunk und im Fernsehen, Gastspielreisen in Frankreich, Belgien, Portugal, Deutschland und Spanien. 1948-51 gastierte er an der Oper von Monte Carlo, 1949 am Théâtre de la Monnaie Brüssel, 1957 bei den Festspielen von Aix-en-Provence (als Don José in »Carmen«), 1956 an der Londoner Covent Garden Oper, 1958 an der Oper von Dallas, 1960 bei den Festspielen von Glyndebourne, dann auch an der Staatsoper von Wien (1957-60 als Don José, als Pinkerton in »Madama Butterfly« und als Alfredo) und an der Australian Opera Sydney (1976). 1955 wirkte er in Palermo in der Uraufführung der Oper »Il Capello di Paglia di Firenze« von N. Rota mit. Weitere Partien aus seinem Repertoire, das 65 Rollen umfasste, waren der Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet, der Faust von Gounod, der Werther von Massenet, der Herzog im »Rigoletto«, der Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, der Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, der Arturo in »I Puritani« von Bellini, der Idomeneo in der gleichnamigen Mozart-Oper und der Lohengrin. 1956 trat er am Teatro San Carlo Neapel in der Uraufführung der Oper »La Guerra« von Renzo Rossellini auf. Er 2009 in Sydney.

Sein Tenor ist uns durch Aufnahmen auf Orbis und Vox sowie durch eine integrale Aufnahme der Oper »Adriana Lecouvreur« von Cilea auf Colosseum erhalten. Auf Melodram singt er in der Oper »Il Furioso all‘ Isola di San Domingo« von Donizetti.

 

5.12. Josefine REINL: 150. Geburtstag

Josefine REINL als Brünnhilde

 Sie war Tochter eines Beamten und zeigte früh eine große musikalische Begabung. Als sie bei einer Dilettantengesellschaft die Leonore in Verdis »Troubadour« sang, wurde ihre Stimme entdeckt und durch die Pädagogen Jan Lukes und Frau Benevicová-Micová in Prag ausgebildet. Mit 15 Jahren debütierte sie am Prager Nationaltheater als Gretchen im »Wildschütz« von Lortzing. Sie blieb dort zwei Jahre und ging dann an deutsche Bühnen. Sie war 1885-86 am Stadttheater von Koblenz, 1888-90 am Stadttheater von Würzburg engagiert, danach bis 1892 am Theater von Königsberg (Ostpreußen) und 1892-94 am Opernhaus von Düsseldorf. Sie übernahm während dieser Zeit Partien aus dem Mezzosopran- und dem Altfach, doch entwickelte sich ihre Stimme immer mehr zum dramatischen und zum Wagner-Sopran. Nachdem sie in den Sommermonaten am Belle-Alliance-Theater Berlin als Gast aufgetreten war, wurde die Intendanz der Berliner Hofoper auf die Künstlerin aufmerksam und verpflichtete sie 1894 für dieses Haus, an dem sie nun eine große Karriere hatte. Sie brillierte hier und bei Gastspielen in Rollen wie der Venus im »Tannhäuser«, der Isolde in »Tristan und Isolde«, der Ortrud im »Lohengrin«, der Brünnhilde in den Opern des Ring-Zyklus, der Selika in Meyerbeers »Afrikanerin«, der Leonore im »Fidelio«, der Amelia in Verdis »Maskenball«, der Donna Anna im »Don Giovanni« und der Santuzza in »Cavalleria rusticana«. 1900 sang sie an der Berliner Hofoper in der Uraufführung der Oper »Kain« von E. d’Albert, 1902 in der von »Heilmar. der Narr« von W. Kienzl. Sie gastierte beim Wagner-Verein in Amsterdam 1894 als Waltraute in der »Walküre«, 1900 als Isolde und als Elsa im »Lohnegrin«, 1902 wieder als Isolde. Seit 1896 gastierte sie mehrfach am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg, seit 1897 an der Hofoper von Dresden, seit 1899 am Opernhaus von Leipzig, in Frankfurt a.M. (1903), am Deutschen Theater Prag (1902) und am Hoftheater Hannover (1899). In den Jahren 1903-07 war sie alljährlich an der Londoner Covent Garden Oper als Gast anzutreffen, wo sie ihre großen Wagner-Partien sang. 1909 stand sie letztmals in Berlin in der »Walküre« auf der Bühne. Nach ihrer Heirat ist sie auch unter dem Namen Josefine Reinl-von Olszewski aufgetreten. Sie starb 1945 in Templin (Uckermark).

Zwei sehr seltene Aufnahmen auf Berliner Records (1901).

 

6.12. William HERBERT: 95. Geburtstag

 Sein Vater stammte aus Wales, er hatte acht Geschwister. Er war in Melbourne Schüler des Pädagogen. A.E. Floyd. Er trat (angeblich) 1938 erstmals als Solist im »Messias« von Händel mit dem Victorian Symphony Orchestra, dann im gleichen Oratorium mit der Melbourne Philharmonic Society, auf. Er gab weitere Konzerte in den australischen Großstädten und im dortigen Rundfunk ABC, ging aber 1947 nach England. Hier entwickelte er eine große Karriere im Bereich des Konzert- und namentlich des Oratoriengesangs. Seine ersten Erfolge in England hatte er bei den Promenade Concerts in der Londoner Albert Hall und im englischen Rundfunk BBC. Bei seinen Auftritten in Oratorien (»The Dream of Gerontius« von E. Elgar, »Die Schöpfung« von Haydn, 9. Sinfonie von Beethoven, Werke von Händel, J.S. Bach und Monteverdi, von Mozart und Mendelssohn) trat er oft zusammen mit der berühmten englischen Altistin Kathleen Ferrier auf. Als seine große Partie galt der Evangelist in der Matthäuspassion von J.S. Bach. Er sang beim Three Choirs Festival und beim Festival von Edinburgh, bei den Musikfesten von Cambridge, Canterbury, Leeds und Norwich und 1951 während des Festival of Britain im Eröffnungskonzert in der Royal Festival Hall London. Er gastierte in den Konzertsälen in Holland, Belgien und Dänemark, in Spanien und in der Schweiz; hier sang er 1958 in einem weltweit ausgestrahlten Radiokonzert am Sitz der UN in Genf. 1950, 1955 und 1959 bereiste er Australien und Neuseeland in sehr erfolgreichen Konzert-Tourneen. 1963 folgte er einem Ruf als Professor an die University of Western Australia in Perth, trat aber auch noch während seiner Lehrtätigkeit im Konzertsaal auf. Er starb 1975 in Canberra.

Schallplatten: Nixa (»Der Messias« von Händel), Decca (Kantaten von J.S. Bach), London (»Semele« von Händel, 1955), L’Oiseau Lyre, Concert Hall/Westminster.

 

7.12. Seymour SCHWARTZMAN: 85. Geburtstag

 Seit 1954 wirkte er als Kantor an einer Synagoge in Philadelphia. Die Schulung seiner Stimme erfolgte am Hebrew Union College und an der Academy of Vocal Arts & Temple University Philadelphia. 1964 betrat er erstmals die Bühne, und zwar sang er an der Oper von Philadelphia den Sonora in Puccinis »La Fanciulla del West«. 1966 erster Preisträger bei Gesangwettbewerben der Illinois Opera Guild und in Cincinnati. Er sang an den großen nordamerikanischen Operntheatern: in Pittsburgh, St. Paul, San Francisco (1967-69 den Germont in »La Traviata«, den Tonio im »Bajazzo«, den Rigoletto und den John Sorel in Menottis »The Consul«), Newark, New Orleans, Cincinnati, Houston (Texas), Minneapolis, Hartford, San Diego, an der New York City Opera, namentlich aber an der Oper von Philadelphia. Sein Repertoire enthielt vor allem dramatische Partien: den Amonasro in »Aida«, den Grafen Luna im »Troubadour«, den Renato im »Maskenball«, den Titelhelden in »Der fliegende Holländer«, den Escamillo in »Carmen«, den Enrico in »Lucia di Lammermoor«, den Talbot in »Maria Stuarda« von Donizetti, die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, den Scarpia in »Tosca«, den Michele in Puccinis »Il Tabarro«, den Rabbi David in »L’Amico Fritz« von Mascagni und den Alfio in »Cavalleria rusticana«. Auch als Konzertsänger, vor allem als Interpret jüdischer religiöser Vokalwerke, bekannt geworden. Er starb 2009 in Plantation (Florida).

Schallplatten: ANNA-Records (vollständige Oper »Risurrezione« von Alfano).

 

7.12. Irma MION: 125. Geburtstag

 Gesangstudium in Venedig und Mailand. Im Anfang ihrer Karriere sang sie hauptsächlich in Operetten, wandte sich dann jedoch dem Operngesang, und zwar dem Fachgebiet der Koloratursoubrette, zu. Hier war sie an den großen italienischen Bühnen in der Provinz wie bei Gastspielen im europäischen Ausland erfolgreich. 1912-13 und 1921 war sie bei der Italienischen Oper in Holland engagiert. Hier sang sie 1912-13 die Micaela in »Carmen«, den Pagen Oscar in Verdis »Un ballo in maschera«, den Walter in »La Wally« von Catalani und die Musetta in »La Bohème« (ihre Glanzrolle). 1917 gastierte sie am Teatro Donizetti Bergamo und 1919 am Teatro Petruzzelli Bari als Anna in Catalanis »Loreley«. 1921 sang sie am Teatro Carcano von Mailand die Micaela, in Padua die Colombine in »Le donne curiose« von Wolf-Ferrari. In der Oper »I quattro rusteghi« des gleichen Meisters hatte sie 1924 am Teatro Sociale von Como großen Erfolg in der Rolle der Lucieta, die sie seitdem mit Vorliebe übernahm. 1924 am Teatro Verdi in Pisa als Afra in »La Wally«, 1925 am Teatro Costanzi Rom als Musetta, 1926 als Micaela zu Gast. 1926-27 sang sie die Lucieta und mehrere andere Partien am Teatro Carlo Felice von Genua. 1929 am Teatro Comunale Florenz als Musetta zu Gast. 1930-32 übernahm sie am Teatro Comunale Bologna Comprimario-Partien wie die Clotilde in »Norma«, den Tebaldo in Verdis »Don Carlos«, 1939 die Flora in »La Traviata« und die Frasquita in »Carmen«. 1932 hörte man sie am Teatro Fenice Venedig, 1934 am Teatro Comunale Florenz als Giovanna im »Rigoletto« und als Curra in »La forza del destino« von Verdi. Beim Maggio Musicale von Florenz wirkte sie 1935 in Aufführungen von I. Pizzettis »Orseolo« mit, am Teatro Massimo Palermo 1938 als Garsenda in »Francesca da Rimini« von Zandonai, 1939 als Donna Bionda in »Fra Gherardo« von Pizzetti und als Ortlinde in der »Walküre«, 1938 am Teatro San Carlo Neapel in »Cyrano de Bergérac« von Fr. Alfano. Am Teatro Carlo Felice Genua hörte man sie 1939 und 1941-42 in Comprimario-Rollen. Sie trat nach Beendigung ihrer Karriere in die Casa di riposo Verdi in Mailand ein.

Die Künstlerin sang eine Columbia-Platte in der akustischen Ära. Es folgten elektrische Columbia-Aufnahmen, u.a. singt auf diesen die Frasquita in einer vollständigen Aufnahme von »Carmen«.

 

7.12. Sibyl SANDERSON: 150. Geburtstag

Sibyl SANDERSON

 Sie wurde in San Francisco erzogen und kam zur Ausbildung der Stimme nach Paris. Sie besuchte dort das Conservatoire National und war Schülerin der berühmten Mathilde Marchesi de Castrone und des nicht weniger bekannten Pädagogen Giovanni Sbriglia. 1888 debütierte sie am Théâtre Royal de la Haye im Haag unter dem Namen Ada Palmer in der Titelpartie der Oper »Manon« von Massenet. Sie kam dann 1889 an die Pariser Opéra-Comique, wo sie sensationelle Erfolge verzeichnen konnte. Jules Massenet, der ihre schöne Stimme wie ihr enormes darstellerisches Talent bewunderte, und dessen Geliebte sie wurde, komponierte für sie mehrere Opern, die sie dann auch in deren Uraufführungen zum Erfolg führte. Am 15.5.1889 sang sie an der Opéra-Comique in der Uraufführung von »Esclarmode« die Titelrolle, am 16.3.1894 gestaltete sie an der Grand Opéra Paris die Titelpartie in der Uraufführung von »Thaïs«; namentlich in der letzteren Oper erregten ihre grandiose schauspielerische Leistung wie ihre aparte Schönheit höchste Bewunderung. Bereits am 24.5.1893 hatte sie ähnliche Erfolge in der Uraufführung der Oper »Phryné« von Saint-Saëns an der Opéra-Comique in deren Titelpartie gehabt. 1891 war sie zu Gast an der Covent Garden Oper London; 1894-95 und nochmals 1901-02 gehörte sie dem Ensemble der New Yorker Metropolitan Oper an. Dort debütierte sie im Januar 1895 als Manon von Massenet, trat aber an der Metropolitan Oper nur in insgesamt 20 Vorstellungen und zwei Partien (neben der Manon als Juliette in Gounods »Roméo et Juliette«) auf. In England wie in Nordamerika waren ihre Erfolge allerdings nicht so groß wie in Paris. Sie starb 1903, auf der Höhe ihrer Karriere stehend, während eines Aufenthalts in Paris an einer malignen Grippe. – Man hob die Weite ihres Stimmumfangs, der in der Höhe bis zum dreigestrichenen g reichte (man sprach von einem »sol Eiffel«), hervor und bewunderte immer wieder die Schönheit ihrer Erscheinung und die Intensität ihrer Darstellungskunst. Massenet schreibt über sie, sie sei »eine ideale Manon« und »eine unvergessliche Thaïs« gewesen.

 

7.12. Karl GANZEMÜLLER: 175. Geburtstag

 Er begann seine Bühnenlaufbahn mit einem Engagement am Stadttheater von Ulm (1864-65) und sang dann am Stadttheater von Augsburg (1865-66), am Stadttheater von Lübeck (1866-67), am Stadttheater von Würzburg (1867-69), am Deutschen Opernhaus Rotterdam (1869-70), am Stadttheater von Bremen (1870-72), am Opernhaus von Köln (1872-73), am Stadttheater von Nürnberg (1873-75), am Opernhaus von Düsseldorf (1875-76), wieder am Theater von Nürnberg (1876-77) und am Theater von Augsburg (1877-82), dann 1882-83 am Stadttheater von Zürich, wo er sich auch als Regisseur betätigte. Er setzte seine bewegte Karriere mit Engagements am Stadttheater von Stettin (1883-84), am Stadttheater von Regensburg (1884-85), am Theater von Linz/Donau (1885-87), wieder am Stadttheater von Würzburg (1887-91, hier auch als Regisseur beschäftigt) und zuletzt 1891-92 am Theater von Elbing in Ostpreußen fort. Er unternahm auch Gastspiele an den größeren deutschen Bühnen, so 1868 am Hoftheater von Braunschweig, 1874 am Hoftheater von Mannheim und 1883 wie 1884 an der Berliner Kroll-Oper. Höhepunkte in seinem Bühnenrepertoire waren der Eremit im »Freischütz«, der Daland in »Der fliegende Holländer«, der König Heinrich im »Lohengrin«, der Kardinal in »La Juive« von Halévy, der Mephisto im »Faust« von Gounod und der Marcel in Meyerbeers »Hugenotten«. Seit 1892 lebte er als Pädagoge in Würzburg, wo er 1896 starb.

 

7.12. Hermann GOETZ: 175. Geburtstag

Er wurde als Sohn eines musikliebenden Bierbrauers geboren, lernte bereits früh Klavier spielen, betätigte sich als Dirigent privater Liebhaberaufführungen und begann 15-jährig eine Sonate für Klavier vierhändig zu komponieren. Daneben besuchte er das Gymnasium seiner Heimatstadt Königsberg. Ab 1857 übernahm der in Königsberg ansässige Louis Köhler seine musikalische Ausbildung. Ende der 1850er Jahre begann er ein Mathematikstudium, brach es jedoch nach drei Semestern ab, um 1860 ans Stern’schen Konservatorium in Berlin zu wechseln. Hier studierte er bei Hans von Bülow Klavier, bei Hugo Ulrich Kontrapunkt und Instrumentation sowie bei Julius Stern Dirigieren. Mit glänzendem Erfolg spielte er am Schlussexamen 1862 sein Klavierkonzert Es-Dur und beendete damit seine Studien.

Im folgenden Jahr erhielt Goetz durch Vermittlung von Carl Reinecke eine Anstellung als Organist an der Stadtkirche von Winterthur – als Nachfolger von Theodor Kirchner. Hier vermochte er allmählich eine vielseitige musikalische Tätigkeit als Pianist, Dirigent, Organist und Klavierlehrer zu entfalten. Am 22. September 1868 heiratete er Laura Wirth, die Trauung vollzog der gemeinsame Freund Joseph Victor Widmann. Zwei Jahre später zog das Paar in die Gemeinde Hottingen, die heute ein Stadtteil von Zürich ist, doch blieb Goetz noch bis 1872 in Winterthur tätig. In den Jahren 1870 bis 1874 schrieb er außerdem Rezensionen für eine Musikzeitschrift. Am 11. Oktober 1874 gelangte die in Winterthur begonnene und in Zürich beendete Oper Der Widerspenstigen Zähmung in Mannheim zu einer erfolgreichen Uraufführung. In seinen letzten Lebensjahren musste Goetz auf Konzerttätigkeiten und Unterricht verzichten, da sich seine Tuberkulose, unter der er bereits seit den 1850er Jahren litt, zunehmend verschlimmerte und schließlich – vier Tage vor seinem 36. Geburtstag – zu seinem Tod führte. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Zürcher Friedhof Rehalp (FG 85133).

Obwohl Goetz für die bedeutenden Strömungen seiner Zeit – verkörpert durch Franz Liszt und Richard Wagner einerseits sowie Johannes Brahms andererseits – reges Interesse zeigte, orientierte er sich selbst eher an Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch lassen sich Einflüsse Robert Schumanns erkennen. Goetz‘ Musik zeichnet sich durch Lyrik und große Klarheit aus. Sie kann als tendenziell eher ruhig und introvertiert bezeichnet werden. Spektakuläre Effekte meidet Goetz fast völlig. Charakteristisch ist seine hohe kompositionstechnische Meisterschaft, die besonders in der motivischen Verknüpfung und satztechnischen Dichte zur Geltung kommt. Lange Zeit war Goetz nahezu vergessen, obwohl Gustav Mahler mehrfach einige seiner Werke zur Aufführung brachte; erst seit den 1990er Jahren wird sein Schaffen wieder stärker beachtet. Insgesamt ist Goetz zwar kein bahnbrechender Neuerer, doch ein Komponist, der die Kompositionstechnik souverän beherrschte und dessen Werke durch ihr hohes Niveau das Etikett „Kleinmeister“ Lügen strafen. Die Sinfonie F-Dur und das Violinkonzert G-Dur haben ihre stärksten Momente in ihren ausgeprägten Cantabile-Passagen. Der weit ausschwingende Mittelteil des zyklisch angelegten Violinkonzertes erinnert von ferne an Max Bruch. In seiner F-Dur Sinfonie aber finden sich gerade in den Mittelsätzen, dem heiteren Intermezzo und einem elegischen Minore-Adagio, Melodien, die an Schumann oder Brahms erinnern. Die Klavierstücke Lose Blätter op. 7 und Genrebilder op. 13 sind zarte, gelegentlich auch zufahrende Charakterstücke in schumannschem oder mendelssohnschem Abglanz. In der Mehrzahl seiner Werke schlug Goetz heitere, gelöste Töne an. Doch – so in der Einleitung des Finalsatzes seines Klavierquartettes E-Dur – gelangen ihm auch Momente tragischer Affektgestaltung. Nänie für Chor und Orchester op. 10 ging der Brahmsschen Komposition des gleichen Schiller-Textes voran, wurde von dieser jedoch verdrängt. Obwohl seine Oper Der Widerspenstigen Zähmung nach ihrer Uraufführung an vielen Bühnen nachgespielt wurde, blieb ihr ein Dauererfolg versagt. Erfolgreiche Aufführungen in den letzten Jahren haben indessen ihre Bühnenwirksamkeit bestätigt. Auch in der unvollendet hinterlassenen Oper Francesca da Rimini nach Dante hat Goetz kurz vor seinem Tod großartige Musik komponiert. Trotz Vollendung durch Ernst Frank fehlt dem Werk aber die dramatische Stringenz, welche eine Bühnenwirksamkeit sichert.

 

8.12. Jaroslav SOUČEK: 80. Geburtstag

Biographie des tschechischen Baritons auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Jaroslav_Sou%C4%8Dek

 

8.12. Bohuslav MARTINŮ: 125. Geburtstag

Der Sohn eines Schuhmachers und Türmers erhielt seinen ersten Violinunterricht beim Schneider seines Heimatortes Polička (Ost-Böhmen, damals Österreich-Ungarn). Aufgrund seiner bemerkenswerten Fortschritte finanzierten ihm die Stadtbewohner ein Studium am Prager Konservatorium, wo er ab 1906 Violine bei Josef Suk und ab 1909 zusätzlich Orgel und Komposition studierte. 1910 jedoch wurde er wegen mangelndem Interesse vom Unterricht ausgeschlossen. Trotzdem gelang es ihm 1912, das Diplom als Violinlehrer zu erlangen. In den Jahren 1913 und 1914 spielte er als Gast die zweite Violine bei der Tschechischen Philharmonie in Prag. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er als Musiklehrer in seiner Heimatstadt, er war als wehrdienstuntauglich eingestuft worden. 1918-23 war Martinů wiederum Geiger in der Tschechischen Philharmonie, laut Riemann Musiklexikon 2012 ab 1920 als reguläres Mitglied. In den Jahren 1922 und 1923 nahm er wiederholt Kompositionsunterricht bei Josef Suk und zog 1923 nach Paris, um dort seine Kompositionsstudien bei Albert Roussel zu vollenden. Bis 1940 lebte er in Paris. Als seine Musik in seiner Heimat von den Nationalsozialisten verboten wurde und sich der Einmarsch der deutschen Truppen in Paris abzeichnete, floh er, lebte einige Monate in Aix-en-Provence und reiste innerhalb von neun Monaten mit kurzen Stationen in Marseille und Lissabon in die USA aus. In USA lehrte Martinů 1941–53 Komposition, u.a. beim Musikfestival in Tanglewood und an der Princeton University, beides in Massachusetts (bis 1948), danach an der Mannes School of Music in New York. Eine 1945 erhaltene Professur für Komposition am neugegründeten Prager Konservatorium trat er wegen persönlicher Schicksalsfälle und der allgemeinen Situation in der Tschechoslowakei nicht an. 1952 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1953 kehrte er nach Europa zurück, wo er bis 1955 in Nizza und kurzzeitig in Rom lebte. Danach unterrichtete er ein Jahr lang am Curtis Institut in Philadelphia. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Martinů ab 1956 in der Schweiz mit einer Unterbrechung 1956/57 als Lehrer an der amerikanischen Musikakademie in Rom. Er starb 1959 in Liestal (Schweiz).

Martinů arbeitete schnell, und er war ein wandlungsfähiger Komponist. Sein umfangreiches und vielfältiges Schaffen zeigt einige Grundkonstanten: Auffällig ist ein stets enger Bezug zur tschechischen Volksmusik, der sein Werk oft sehr „musikantisch“ erscheinen lässt. Seine Kompositionen sind häufig vital und tänzerisch. Besonders differenziert ist Martinůs Rhythmik, die eine reizvolle Spannung zwischen regelmäßigen und unregelmäßigen Elementen sowie ständige Taktwechsel aufweist. Die Harmonik ist relativ traditionell, hat aber eine eigene Ausprägung – es entstehen ganz neue Zusammenhänge und Klangfarben; das Festhalten an einer erweiterten Tonalität schließt aber teilweise harsche Dissonanzbildungen nicht aus. Herkömmlichen Formen zieht Martinů freiere, rhapsodische Formen vor; Grundlage seiner Musik sind nicht so sehr Themen als vielmehr Motive, die einer vielschichtigen Verwandlung unterzogen werden. Während er zunächst besonders vom Impressionismus beeinflusst war, hatte die Begegnung mit der Musik von Igor Strawinsky und der Groupe de Six in Paris auf sein Schaffen nachhaltigen Einfluss. Er wandte sich von dieser Zeit an dem Neoklassizismus zu und baute teilweise Elemente des Jazz in seine Tonsprache ein. Einige seiner späten Werke lassen einen Hang zu einer gelassenen Diatonik erkennen, doch gibt es auch hier Ausnahmen (wie beispielsweise die Parabeln). Martinůs Musikverständnis stand in Gegensatz zur traditionellen Auffassung der Romantik. Für ihn war Musik kein subjektiv-gefühlshaftes Bekenntnis mit weltanschaulicher Bedeutung, sondern eher ein Spiel mit Tönen. Daher hat er auch viele Werke komponiert, die als „Hausmusik“ bezeichnet werden können. Einige seiner späteren Werke stehen freilich in Gegensatz zu dieser Auffassung und widmen sich eher philosophischen Gedankengängen. Martinů zählt zu den bedeutendsten tschechischen Komponisten. Sein Schaffen, insbesondere die Orchesterwerke und die Kammermusik, wird in letzter Zeit verstärkt öffentlich wahrgenommen.

 

8.12. Jean SIBELIUS: 150. Geburtstag

Er wurde in Hämeenlinna (Finnland) als Sohn von Christian Gustaf Sibelius und dessen Frau Maria Charlotte, geborene Borg, in eine schwedischsprachige Familie geboren. Janne, wie der Junge zuhause und in der Schule gerufen wurde, wuchs ab 1868, als der Vater starb, als Halbwaise auf. Den Rufnamen hatte Sibelius indirekt seinem Onkel zu verdanken. Der Schiffskapitän Johan Sibelius war 1864 auf einer Atlantikfahrt an Gelbfieber gestorben und war innerhalb der Familie eine legendäre Gestalt. Der junge Komponist fand später im Nachlass seines Onkels einen „Packen Visitenkarten, auf denen sein Vorname nach damaliger, unter Handelsschiffern üblicher Sitte auf Französisch geschrieben war: Jean Sibelius. Diese Visitenkarten nahm zwei Jahrzehnte später sein Neffe in Gebrauch, als er dabei war, seine Künstlerlaufbahn anzutreten.“ Sibelius studierte u. a. bei dem deutschstämmigen Musikprofessor, Komponisten und Sammler finnischer Volkslieder Richard Faltin und vor allem bei dem in Deutschland ausgebildeten Martin Wegelius, der 1882 das Musikinstitut in Helsinki gegründet hatte. 1889-90 studierte Sibelius in Berlin bei Albert Becker und vom 25. Oktober 1890 bis 8. Juni 1891 in Wien bei Karl Goldmark und Robert Fuchs; zeitlebens wichtig blieb die Bruckner-Rezeption der Wiener Jahre. 1891 kehrte er von seinen Studienaufenthalten zurück und arbeitete zunächst in Helsinki als Musiklehrer an der Universität. Als freischaffender Komponist etablierte er sich erst Jahre später, nachdem er durch eine Staatsrente finanzielle Unabhängigkeit erlangt hatte. 1892 heiratete er Aino, die Schwester der Künstler Arvid, Armas und Eero Järnefelt. 1904 bezog die Familie ihr Heim Ainola am Ufer des Tuusulanjärvi. Er komponierte u. a. Sinfonische Dichtungen, Orchestersuiten, sieben Sinfonien, ein Violinkonzert, Kammermusik, Chorwerke und eine Oper. Sibelius gilt als einer der bedeutendsten Komponisten Finnlands und ist einer der wenigen, die über die Grenzen ihrer Heimat hinaus berühmt wurden. Im deutschsprachigen Raum ist er vor allem durch sein Violinkonzert d-Moll op. 47 sowie seine Sinfonischen Dichtungen bekannt, in denen er u. a. Themen aus der finnischen Sagenwelt und Mythologie verarbeitete, wie z. B. aus dem Nationalepos Kalevala. Am bekanntesten ist die Lemminkäinen-Suite op. 22. Weniger bekannt, aber ebenso bedeutsam ist die Tondichtung für Solostimme (Sopran) und Orchester Luonnotar op. 70, in der die sagenumwobene Entstehung der Welt besungen wird. Aus der Bühnenmusik zu dem Schauspiel von Arvid Järnefeld Kuolema (Der Tod) stammt der weltberühmte Walzer Valse triste. Die Tondichtung Finlandia entspringt dem 6. Tableau seiner 1899 komponierten Pressemusiken. Mit ihnen hat Sibelius seinen musikalischen Beitrag zur Identität des sich aus russischer Vorherrschaft befreienden Finnlands geleistet. Die Karelia-Suite op. 11 ist eine populäre Fassung seiner gesamten Karelischen Musik ohne Opuszahl. Von großer Bedeutung sind aber auch seine sieben Sinfonien, in denen er, anfänglich noch von Spätromantik und finnischer Volksmusik beeinflusst, zu seinem eigenen orchestralen Stil findet. Dieser Stil zeichnet sich aus durch vorherrschende Transparenz trotz hoher musikalischer Dichte, Schroffheit, eigenwilliger Rhythmik und melodisches Pathos. Bereits Ende der 1920er Jahre beendete Sibelius sein offizielles kompositorisches Schaffen, über 30 Jahre vor seinem Tod 1957 in Järvenpää bei Helsinki. Noch später komponierte Stücke, wie seine 8. Sinfonie, vernichtete er wieder. Seine letzten Werke (op. 113 und op. 114, komponiert um 1929) sind eine freimaurerische Ritualmusik für die Loge Suami Lodge No. 1, in Helsinki, der er seit dem 18. August 1922 angehörte, sowie Cinq Esquisses für Klavier. Sein letztes erhaltenes großes Orchesterwerk Tapiola op. 112 entstand im Jahr 1926. Im Jahr 1929 erhielt Sibelius die Ehrenmitgliedschaft der Londoner Roiyal Philharmonic Society. Nach ihm ist die Sibelius-Akademie in Helsinki benannt. 1941 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Sibelius zu Ehren stiftete die finnische Wihuri Foundation for International Prizes 1953 den Wihuri Sibelius Prize, den sie ihm auch als erstem Preisträger verlieh. Die vor Einführung des Euro umlaufende Banknote zu 100 Finnmark trägt sein Porträt. Anlässlich seines 150. Geburtstages gab die Finnische Zentralbank im Januar 2015 eine mit Baumwipfeln und einem Sternenhimmel versehene 2€-Gedenkmünze aus.

 

9.12. Christina CARROLL: 95. Geburtstag

Christina CARROLL

 Ihre Familie verzog von Rumänien nach Nordamerika, wo sie ihre Erziehung und ihre musikalische Ausbildung erhielt. 1941 debütierte sie in St. Louis als Philine in »Mignon« von A. Thomas. 1941-42 gastierte sie an der San Francisco Opera als Poussette in »Manon« von Massenet, als Hirtenknabe im »Tannhäuser«, als Mercédès in »Carmen« und als Ida in der »Fledermaus«. 1943 kam sie bereits an die New Yorker Metropolitan Oper, der sie bis 1946 angehörte. Sie debütierte dort als Musetta in »La Bohème« und trat dann in insgesamt 32 Vorstellungen auch als Micaela in »Carmen«, als Page Oscar in Verdis »Un ballo in maschera«, als Blumenmädchen im »Parsifal«, als Barbarina in »Le nozze di Figaro« und mehrfach in Konzerten auf. Sie gastierte an der City Opera New York 1949 als Sophie im »Rosenkavalier«, auch in Los Angeles. In den Jahren 1947-48 war sie hauptsächlich an italienischen Operntheatern zu Gast, u.a. am Teatro Comunale Florenz (1949 als Marguerite im »Faust« von Gounod), am Teatro San Carlo in Neapel und am Teatro Fenice Venedig. Im Sommer 1948 wirkte sie bei den Festspielen von Glyndebourne und beim Festival von Edinburgh mit, 1951 gastierte sie in Rio de Janeiro. Mit ihrem technisch vorzüglich durchgebildeten Koloratursopran beherrschte sie ein umfangreiches Opern- und Konzertrepertoire. Sie starb 1990 in Scottsdale (Arizona).

Schallplatten: eine Remington-Platte (1949).

 

9.12. Elisabeth SCHWARZKOPF: 100. Geburtstag

elisabeth-schwarzkopf

 Sie begann ihr Studium 1934 an der Berliner Musikhochschule sowie bei Lula Mysz-Gmeiner und Maria Ivogün in Berlin, den Liedgesang studierte sie bei Michael Raucheisen in Berlin. 1935 und 1937 gab sie dort bereits erste Liederabende. 1938 debütierte sie an der Städtischen Oper Berlin als Blumenmädchen im »Parsifal«. Sie war 1938-42 dort als Ensemblemitglied engagiert und trat an diesem Haus anschließend noch als Gast auf. Nachdem sie dort zunächst kleinere Partien gesungen hatte, hatte sie ihre ersten Erfolge u.a. als Musetta in »La Bohème« und als Susanna in »Figaros Hochzeit«. Ab 1942 gastierte sie an der Wiener Staatsoper (Antrittsrolle: Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss). Bis zur kriegsbedingten Schließung der Wiener Staatsoper im Jahr 1944 sang sie hier außerdem noch das Blondchen und die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Musetta, die Rosina im »Barbier von Sevilla« und das Ännchen im »Freischütz«. Nach Beendigung des 2. Weltkrieges gehörte sie bis 1949 dem legendären Mozart-Ensemble der Wiener Staatsoper an und sang hier neben den bereits genannten Partien auch die Nedda im »Bajazzo«, die Mimi in »La Bohème«, die Gilda im »Rigoletto«, die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Susanna wie die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Traviata, die Marzelline im »Fidelio«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Agathe im »Freischütz«, die Sophie im »Rosenkavalier« und die Liù in Puccinis »Turandot«. Nach Beendigung ihres Engagements gastierte sie an der Wiener Staatsoper noch bis 1965 auch als Alice Ford im »Falstaff« von Verdi, als Fiordiligi in »Così fan tutte«, als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Marschallin im »Rosenkavalier«, als Gräfin im »Capriccio« von R. Strauss und als Elisabeth im »Tannhäuser«. Von Wien nahm ihre glanzvolle internationale Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Ausgang. Dabei wechselte sie vom Koloraturfach in das schwerere lyrische Fach hinüber. 1947 gastierte sie mit dem Ensemble der Wiener Staatsoper in London als Donna Elvira. Jahr für Jahr begeisterte sie bei den Festspielen von Salzburg das Publikum durch ihre Kunst des Mozart-Gesanges. Im Einzelnen sang sie dort die Susanna (1947) und die Gräfin (1948, 1952-53, 1956-58) in »Figaros Hochzeit«, den Seligen Geist in »Orpheus und Eurydike« von Gluck (1948), die Marzelline im »Fidelio« (1950), die Donna Elvira im »Don Giovanni« (1950, 1953-54 und 1960), die Alice Ford im »Falstaff« von Verdi (1957), die Fiordiligi in »Così fan tutte« (1958, 1960-64) und die Marschallin im »Rosenkavalier« (1960-61, 1963-64); nicht zuletzt wurde sie jedoch durch ihre Konzerte (Brahms-Requiem 1948, Mozarts C-Moll-Messe 1950, Verdi-Requiem 1951, Vier letzte Lieder von R. Strauss 1962 und 1964) und durch zehn große Liederabende (u.a. mit Hugo Wolf- Liedern 1953-54, 1956-58, 1960-64) in Salzburg berühmt. Bei den Bayreuther Festspielen feierte man sie 1951 als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« und als Woglinde im Nibelungenring sowie als Solistin in der 9. Sinfonie von Beethoven. Am 11.9.1951 sang sie am Teatro Fenice in Venedig in der Uraufführung der Oper »The Rake’s Progress« von Strawinsky die Rolle der Anne Trulove. Am 14.2.1953 kreierte sie an der Mailänder Scala C. Orffs »Trionfo di Afrodite« unter der Leitung von H. von Karajan. 1951-59 hatte sie große Erfolge bei ihren Gastspielen an der Covent Garden Oper London. Dort hörte man sie als Pamina, als Susanna, als Eva, als Mimi, als Butterfly, als Sophie wie als Marschallin im »Rosenkavalier« und als Manon von Massenet. 1948-63 huldigte man der Künstlerin an der Mailänder Scala. Dort sang sie im Laufe einer langen, erfolgreichen Karriere u.a. die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Donna Elvira, das Sopran-Solo im Verdi-Requiem, die Ann Trulove, die Marschallin, die Elsa im »Lohengrin«, die Sopran-Soli in »Carmina burana« und »Catulli Carmina« von C. Orff, die Mélisande in »Pelléas et Mélisannde«, die Gräfin in »Le nozze di Figaro«, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Pamina, die Fiordiligi, die Alice Ford, die Iole in Händels »Eracle« und viele Liederabende. 1951 verlegte die Künstlerin ihren Wohnsitz nach London. Seit 1953 war sie mit dem Direktor des EMI-Konzerns Walter Legge (1906-79) verheiratet. 1953 kam sie erstmalig nach Nordamerika, und zwar debütierte sie mit einem Liederabend in New York und sang später dort als erste Bühnenrolle 1955 an der San Francisco Opera die Marschallin. An der San Francisco Opera hörte man sie bis 1964 auch als Donna Elvira, als Fiordiligi, als Alice Ford, als Gräfin in »Le nozze di Figaro«, als Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut« und als Gräfin im »Capriccio«. Bei Konzerten und Gastspielen wurde sie in Chicago (1959) und New York wie überhaupt in den Zentren des Musiklebens in aller Welt begeistert gefeiert. 1964 gastierte sie als Marschallin auch am Grand Theâtre Genf. 1964 wurde sie an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Marschallin), der sie bis 1966 angehörte. Dort sang sie neben der Marschallin auch die Donna Elvira und ist insgesamt in zwölf Vorstellungen aufgetreten. 1970 sang sie in Toronto nochmals in einer konzertanten Aufführung des »Rosenkavaliers« die Marschallin. 1972 nahm sie in Brüssel als Marschallin von der Bühne Abschied. 1975 beendete sie auch ihre Konzertkarriere, 1979 gab sie einen letzten Liederabend in Zürich, wo sie nach dem Tod von Walter Legge lebte. Seit 1983 war sie Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper; 1990 verlieh ihr die württembergische Landesregierung den Titel eines Professors; der schwedische König Gustav VI. Adolf dekorierte sie mit dem Orden »Litteris et artibus«; sie wurde durch Königin Elizabeth II. von England 1992 zur Dame of the British Empire erhoben. Die Salzburger Mozart-Gesellschaft verlieh ihr die Lilli Lehmann-Medaille. Elisabeth Schwarzkopf besaß eine der schönsten Sopranstimmen ihrer Epoche, einmal durch die Fülle und Dichte ihres Stimmmaterials, anderseits durch die tief empfundene Beseelung ihres Vortrages ausgezeichnet. Dabei war sie sowohl auf der Opernbühne wie als Oratorien- und in ganz besonderer Weise als hervorragende Liedersängerin in einem Repertoire von großem Umfang zu hören. Schließlich trat sie als Opernregisseurin vor das Publikum: 1981 inszenierte sie an der Oper von Brüssel den »Rosenkavalier« von R. Strauss. Große Verdienste erwarb sie sich durch ihre pädagogische Arbeit; überhaupt war der Einfluss, den sie (wie auch Walter Legge) auf das Musikleben ihrer Zeit nahm, sehr groß. Sie starb 2006 in Schruns (Vorarlberg).

Lit.: B. Gavoty: »Elisabeth Schwarzkopf« (Frankfurt a.M. 1957); E. Greenfield: Elisabeth Schwarzkopf (in »Gramophone«, 1976); A. Jefferson: »Elisabeth Schwarzkopf« (London 1995); Alan Sanders: »Elisabeth Schwarzkopf, a Career on Record« (1996).

Schallplatten: Sehr viele, schöne Aufnahmen auf Telefunken (hier die frühesten Aufnahmen von 1940 mit Operettentiteln), Electrola (Matthäuspassion), Olympic (»Don Giovanni«) und Urania (vollständiger »Abu Hassan« von Weber), Testament (Woglinde in der »Götterdämmerung«, Bayreuth 1951; Kantaten und Arien von J.S. Bach und Mozart; zu ihrem 85. Geburtstag wurden 2001 bis dahin unveröffentlichte frühe Aufnahmen der Sängerin publiziert), Urania (Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, Radio Wien 1944), vor allem aber auf Columbia; hier viele integrale Opern (»Le nozze di Figaro«, »Così fan tutte«, »Der Rosenkavalier«, »Hänsel und Gretel«, »Die Kluge«, »Dido und Aeneas« von Purcell mit Kirsten Flagstad, »Die Fledermaus«, »Der Barbier von Bagdad«, »Capriccio«, »Ariadne auf Naxos«, »Don Giovanni«, »Falstaff« von Verdi, »Turandot« von Puccini, »Die Meistersinger von Nürnberg« aus Bayreuth, 1951). Dazu eine Fülle von Lied-Aufnahmen. Auf Decca erschien lange nach Abschluss ihrer Karriere eine Liederplatte mit Aufnahmen aus den Jahren 1977-79. Mitschnitte von Aufführungen auf Fonit-Cetra (»La damnation de Faust«), GDS (»Eracle« von Händel), Movimento Musica (»Don Giovanni«, Salzburg, 1960), Harmonia mundi (»Pelléas et Mélisande«), Discocorp (9.Sinfonie von Beethoven), Laudis (»Don Giovanni«, Salzburg 1950), TIS (Pamina in der »Zauberflöte«, Aufnahme des italienischen Rundfunks RAI von 1953), CLS (»Fidelio«, Salzburg, 1950). Auf MCD kam eine Aufnahme von Verdis »Alzira« heraus (Mitschnitt einer Radiosendung des Reichssenders Berlin von 1938!).

 

9.12. Emil OLŠOVSKÝ: 125. Geburtstag

Emil Olšovský

 Er arbeitete zuerst als Schlosser, doch entdeckte man seine schöne Stimme, und er erhielt durch die Pädagogen M. Lazar und C. Emerich seine Ausbildung zum Sänger. Sein Debüt fand 1910 statt; 1911-13 war er dann Mitglied des Tschechischen Nationaltheaters von Brno, sang danach bei der östlichen Landesbühne und 1915-19 am Theater von Plzen (Pilsen). 1919-21 trat er an der Oper von Ostrava (Mährisch-Ostrau) auf und war dann wieder seit 1923 bis zu seinem Tod Mitglied des Opernhauses von Brno. Hier sang er bei zwei Uraufführungen von Opern des Komponisten Leos Janácek: am 18.12.1926 in »Die Sache Makropoulos« (»Véc Makropoulos« den Albert Gregor) und am 12.4.1930 in »Aus einem Totenhaus« (»Z mrtvého domu«). Er gastierte regelmäßig an den weiteren Operntheatern in der Tschechoslowakei, vor allem am Nationaltheater Prag, war aber trotz zahlreicher Angebote nicht bereit von Brno nach Prag zu wechseln. Aus seinem Repertoire für die Bühne sind noch zu nennen: der Jíra in Smetanas »Brandenburgern in Böhmen« (»Branibori v Cechach«), der Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Lukás in »Der Kuss« (»Hubicka«), der Titelheld in »Dalibor« von Smetana, der Prinz in »Rusalka« von Dvorák, der Rinaldo in »Armida« vom gleichen Komponisten, der Laça in »Jenufa« von Janácek, der Ctirad in »Sárca« von Fibich, der Lohengrin, der Tannhäuser, der Siegfried im Nibelungenring, der Parsifal, der Radames in »Aida« und der Titelheld in Verdis »Otello«. Er starb 1945 in Jedovnice bei Brno (Brünn).

Schallplattenaufnahmen auf Polydor.

 

10.12. Edmond HURSHELL: 95. Geburtstag

Edmund-Hurshell

 Er erhielt seine Ausbildung in seiner amerikanischen Heimat und begann seine Karriere in den USA. Er kam dann zu weiteren Studien nach Deutschland und war dort 1952-53 an der Städtischen Oper Berlin engagiert, 1953-55 am Stadttheater von Kiel. Nach einem erfolgreichen Gastspiel 1955 (mit den vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«) wurde er an die Staatsoper von Wien verpflichtet, deren Mitglied er bis 1960 blieb. Hier sang er den Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Don Pizarro im »Fidelio«, den Amonasro in »Aida«, den Großinquisitor im »Don Carlos«, den Orest in »Elektra«, den Galitzky in »Fürst Igor« von Borodin, den Geisterboten in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss, den Scarpia in »Tosca«, den Biterolf im »Tannhäuser«, den Ercole Severolus in »Palestrina« von Pfitzner, den Kurwenal in »Tristan und Isolde«, den Pommersfelden in »Mathis der Maler« von Hindemith, den Achillas in » Giulio Cesare « von Händel, den Alfio in »Cavalleria rusticana«, den Kerkermeister in Poulencs »Gespräche der Karmeliterinnen«, den Monterone im »Rigoletto«, den Mandryka in »Arabella« von R. Strauss, einen der Priester in Pizzettis »Mord in der Kathedrale« und den Roucher in »Andrea Chénier« von Giordano. Er gastierte 1956 am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich als Hans Sachs, 1961 als Fliegender Holländer. Nach 1960 trat er nur noch als Gast auf; so sang er 1961 am Théâtre de la Monnaie Brüssel die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, am Teatro Fenice Venedig 1961 den Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, am Teatro Comunale Bologna 1963 den Wolfram im »Tannhäuser«, in Amsterdam 1963 den Wotan in der »Walküre«, am Teatro Liceu Barcelona 1964 die Titelpartie in »Giulio Cesare« von Händel, am Teatro Colón Buenos Aires 1965 den Fliegenden Holländer und an der Oper von Lille 1965 den Wanderer im »Siegfried«. Weitere Gastspiele am Staatstheater Hannover (1961), am Opernhaus von Nürnberg (1963), am Stadttheater von Basel (1964), in Rom, Genua, Tel-Aviv, Athen und Philadelphia. In der Spielzeit 1966-67 sang er an der Metropolitan Oper New York in insgesamt drei Vorstellungen den Kurwenal und den Telramund im »Lohengrin«. 1967-69 war er dem Opernhaus von Graz durch einen Gastvertrag verbunden. Aus seinem Bühnenrepertoire sind noch der Kaspar im »Freischütz« und der Titelheld im »Falstaff« von Verdi nachzutragen. Er starb 1993 in Portland (Oregon). – Seine Gattin, die Sopranistin Patricia Cullen, war u.a. am Stadttheater von Kiel und am Opernhaus von Köln engagiert und sang Partien wie die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Margiana im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius und die Titelfigur in »Salome« von R. Strauss.

Von der Stimme des Sängers existieren Schallplatten bei Morgan (Roucher in »Andrea Chénier« von Giordano, Mitschnitt einer Aufführung der Wiener Staatsoper von 1960) und Vox (»Cantata Profana« von B. Bartók) sowie DGG (»Mord in der Kathedrale« von I. Pizzetti).

 

11.12. Bette BJÖRLING: 90. Geburtstag

 Sie stammte aus einer schwedischen Familie, die in den USA lebte; ihr eigentlicher Name war Bette Wermine, unter dem sie auch anfänglich in Stockholm auftrat. Gesangstudium an der Juillard School of Music sowie bei der berühmten schwedischen Sängerin Karin Branzell in New York. Sie kam dann nach Schweden und debütierte 1947 an der Königlichen Oper Stockholm als Amneris unter dem Künstlernamen Kristine Lindberg. 1951 heiratete sie den Tenor Gösta Björling (1912-57), der gleichfalls an der Stockholmer Oper wirkte, und sang seither unter dem Namen Bette Björling. Bis 1956 blieb sie Mitglied der Königlichen Oper Stockholm, gab Gastspiele, war aber auch auf dem Gebiet des Konzertgesangs erfolgreich. Sie wirkte u.a. 1952 in Stockholm in der schwedischen Erstaufführung der Oper »The Consul« von Gian Carlo Menotti in der Rolle der Vera mit. Sie starb 2003 in Lexington Place (Maryland).

Von der Stimme der Sängerin existiert eine Aufnahme auf HMV, auf Blue Bell wurden Überspielungen von Auftritten publiziert.

 

11.12. Carlos GARDEL: 125. Geburtstag

Mit seiner Mutter kam Charles Romuald Gardès 1893 nach Argentinien und lebte fortan in Buenos Aires. Er wuchs dort in Abasto (einem Ortsteil von Balvanera) auf, in welchem der zentrale Obst- und Gemüsemarkt lag, dort befindet sich heute auch das Carlos Gardel Museum. Der Junge vertrieb sich, unbeobachtet von der alleinerziehenden Mutter, seine Zeit auf den Straßen der argentinischen Metropole. Schon in sehr jungem Alter fiel seine Stimme auf, und er wurde unter dem Namen El Morocho del Abasto (etwa: ‚Der Dunkelhäutige von Abasto‘) in der Umgebung bekannt. Im Jahre 1902, er half als Kulissenschieber im Teatro Victoria, hörte ihn der bekannte italienische Sänger Titta Ruffo, der ihn nun bei der Ausbildung seiner Stimme unterstützte. Seine Stimme entfaltete ihre Sinnlichkeit und ihre große dramatische Expressivität. 1906 verließ er die Schule und konzentrierte sich nur noch auf das Singen. Er trat in den Cafés und Restaurants der unmittelbaren Nachbarschaft auf. 1912 legte er seinen französischen Namen ab und nannte sich nun Carlos Gardel. Gleichzeitig leugnete er die französische Herkunft und gab an, aus Uruguay nach Argentinien gekommen zu sein. 1912 fand in der Calle Guardia Vieja im Abasto ein „Tango-Duell“ mit dem Sänger José Razzano statt. In diesem Duell gab es keinen Sieger, vielmehr gab es seither das Duo Gardel-Razzano, das die folgenden fünfzehn Jahre gemeinsam musizieren sollte. Bis 1915 wurden die beiden Sänger so populär, dass sie nicht nur in den besten Theatern und Clubs von Buenos Aires, sondern auch in ganz Argentinien, in Uruguay, in Chile und Brasilien auftraten. Auf diesen Tourneen traf Gardel sein großes Idol, den italienischen Tenor Enrico Caruso. Am 11. Dezember 1915 wurde Gardel in einem Club durch einen Lungensteckschuss niedergestreckt. An den Folgen dieser lebensgefährlichen Verletzung sollte er bis an sein Lebensende leiden. Nach einer einjährigen Pause kehrte er mit noch größerem Enthusiasmus zurück. Ab 1917 spezialisierte er sich ausschließlich auf den Tangogesang. Nach der Trennung von Razzano, der mit dieser Einseitigkeit nicht einverstanden war, stieg er zum ersten und bis heute berühmtesten Tangosänger Argentiniens und der Welt auf. Gemeinsam mit seinem lebenslangen Weggefährten, dem Dichter und Journalisten Alfredo Le Pera, komponierte Gardel zahlreiche klassische Tangos wie Mi Buenos Aires querido, Soledad, Golondrinas, Volver und El día que me quieras. Er schrieb nicht nur Tangos; ebenso folkloristische Musik wie Milongas, Zambas, Rancheras, Tonadas, Tristes, Estilos usw. Er komponierte und verfasste auch einige Foxtrotts in englischer Sprache, sowie einige Lieder traditionellen Stils auf Französisch. Ende 1925 kam Gardel nach Europa zurück und wurde in Spanien ein ebenso großer Star wie in Lateinamerika. Sein Debüt in Paris gab er 1928. Carlos Gardel war der erste und vielleicht einzige argentinische Weltstar im Showbusiness. Seine Bedeutung für den Tango wurde später höchstens noch von Astor Piazzolla erreicht. Mit Beginn des Paramount-Tonfilms sah er auch im Film für sich eine Zukunft und wirkte in der Folge in zahlreichen Musikfilmen mit. Am 24. Juni 1935 starben Gardel, Alfredo Le Pera und mehrere ihrer Begleiter beim Zusammenstoß zweier Flugzeuge auf der Landebahn des Flughafens der Stadt Medellin in Kolumbien. Gardel starb auf dem Höhepunkt seiner Karriere während einer Tournee, die ihn durch ganz Lateinamerika führen sollte. Millionen seiner Fans weinten um ihn, mehrere begingen Selbstmord. In Argentinien geht heute noch die Redensart um: „Gardel singt mit jedem Tag besser“. Ein Vers aus seinem Tango Volver wurde zum geflügelten Wort in ganz Lateinamerika: Veinte años no es nada (‚Zwanzig Jahre sind ein Nichts‘). Gardel ist auf dem Friedhof La Chacarita in Buenos Aires begraben. Am 1. September 2003 wurden Gardels Originalaufnahmen durch die UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt.

Die Frage nach dem Geburtsort von Gardel war in der Vergangenheit heftig umstritten und führte in Uruguay und Argentinien wiederholt zu Kontroversen. Die heute vorherrschende Meinung ist, dass Gardel im französischen Toulouse geboren wurde. In einem handgeschriebenen Testament, das Gardels Nachlassverwalter Armando Defino nach seinem Tod der Öffentlichkeit präsentierte, soll Gardel selbst erklärt haben, in Toulouse als Charles Romuald Gardès geboren zu sein. In der Tat findet sich in einem Geburtsregister in Toulouse der Name „Charles Romuald Gardès … Sohn eines unbekannten Vaters und von Berthe Gardès“. Allerdings gibt es außer der Erwähnung in dem Testament keinen Beweis dafür, dass Gardel tatsächlich mit Charles Romuald Gardès identisch ist. Im Jahre 1936 ratifizierte die uruguayische Regierung nach einem Streitverfahren ein Dokument, in welchem Frankreich als Geburtsland anerkannt wurde. Zu seinen Lebzeiten hatte Gardel selbst jedoch nie eine Abstammung aus Frankreich angedeutet, und im Gegenteil seine Abstammung von Rio La Plata verbreitet. Am 8. Oktober 1920 erklärte er vor dem uruguayischen Konsulat in Buenos Aires, er sei am 11. Dezember 1887 in Tacuarembó (Uruguay) geboren. Weiterhin gab er an, sein Vater Carlos und seine Mutter seien Uruguayer gewesen. Diese Eintragungen über seine Herkunft standen dann auch im Reisepass, der am 24. Juni 1935 nach dem Flugzeugunglück in Medellín bei seinen sterblichen Überresten gefunden wurde. Auch in verschiedenen Interviews behauptete Gardel, aus Tacuarembó (Uruguay) zu stammen.

 

11.12. Édouard LEBEL: 150. Geburtstag

Er studierte Gesang bei Achille Fortier und Guillaume Couture. Ab 1885 war er Solist des Chores Montagnards, der von seinem Schwager Charles Labelle geleitet wurde. Später war er Solist mehrerer Kirchenchöre, zuletzt des Chores der Saint Jacques Cathedral, dem er dreißig Jahre lang angehörte und den er ab 1912 leitete. Häufig trat LeBel als Solist mit dem Montreal Symphony Orchestra und der Montreal Philharmonic Society auf, wo er Rollen in Elijah, Samson et Dalila, Tannhäuser und Roméo et Juliette sowie 1905 den Abel in Alexis Contants Caïn sang. Er starb 1939 in Montréal.

LeBel hinterließ etwa vierzig Aufnahmen bei den Labels Berliner, His Master’s Voice und Victor Records. Von Zeitzeugen wurde seine Stimme mit der Enrico Carusos vergleichen. Seine Tochter Germaine Lebel wurde gleichfalls als Sängerin bekannt.

 

12.12. Adrienne WEITZ: 125. Geburtstag

 Sie war eine Schülerin der berühmten Johanna Wagner-Jachmann in München. 1887 begann sie ihre Opernkarriere an der Münchner Hofoper, der sie während einer Spielzeit angehörte. Hier sang sie am 29.6.1888 in der Uraufführung der Jugendoper von Richard Wagner »Die Feen«. Bereits 1888 wurde sie an die Berliner Hofoper verpflichtet, an der sie bis 1907 in Partien aus dem Repertoire für lyrischen Sopran auftrat, u.a. als Gräfin in »Figaros Hochzeit«, als Pamina in der »Zauberflöte«, als Zerline im »Don Giovanni«, als Euryanthe in der Oper gleichen Namens von Weber, als Klarissa in »Die drei Pintos« von Weber (in der Bearbeitung von Gustav Mahler, eine Rolle, die sie 1891 in der Berliner Erstaufführung dieser Oper sang) und als Leonore im »Troubadour« von Verdi. Sie arbeitete später im pädagogischen Bereich in Berlin. Sie starb nach 1920.

 

12.12. Gennaro MANNA: 300. Geburtstag

Er war ein Sohn des Komponisten Giuseppe Manna und der Caterina Feo, einer Schwester des bekannten Komponisten Francesco Feo. Er studierte bei seinem Onkel am Conservatorio S Onofrio a Capuana. Seine erste Oper Tito Manlio gelangte 1742 in Rom zur Aufführung. Gennaro Manna war ab 1744 Kapellmeister der Kathedrale von Neapel und später auch an der Kirche S Annunziata. 1755, nach dem Tod von Francesco Durante, dem Leiter des Conservatorio di S. Maria di Loreto, teilte sich Manna mit dem bisherigen „secondo maestro“ Pietro Antonio Gallo (um 1695–1777) die leitende Funktion. In dieser Zeit zählten Antonio Sacchini und Giuseppe Giordani zu seinen Schülern. Gennaro Manna komponierte in der Zeit von 1742 bis 1761 13 Opern, meist Opera seria für verschiedene Theater Italiens, 10 Oratorien und mehr als 150 geistliche Werke, zumeist mit Instrumentalbegleitung. Er starb 1779 in Neapel. Weitere Komponisten in der Familie waren ein Vetter Cristoforo Manna und sein Neffe Gaetano Manna (1751–1804), letzterer war sein Nachfolger bei S Annunziata und unter Gennaro Manna „secondo maestro di capella“ der Kathedrale. Er schrieb hauptsächlich geistliche Musik.

 

13.12. Maria VERHAERT (belgische Mezzosopranistin): 90. Geburtstag

 

13.12. Drago ČUDEN: 100. Geburtstag

 Er war Schüler der Pädagogen M. Serpek, B. Leskovic und Julius Betetto in Ljubljana. 1942 fand sein Bühnendebüt am Opernhaus von Ljubljana in der Partie des Alfredo in Verdis »La Traviata« statt. Er ist dann für viele Jahre Mitglied dieses Hauses geblieben, wo er seine größten Erfolge als Lenski im »Eugen Onegin«, als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, als Don José in »Carmen«, als des Grieux in »Manon« von Massenet wie in Puccinis »Manon Lescaut«, als Cavaradossi in »Tosca«, als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, als Dimitri wie als Schuiskij in Mussorgskys »Boris Godunow« hatte. Hinzu kamen erfolgreiche Gastspiel- und Konzertauftritte, vor allem in den Musikzentren in Jugoslawien. Er starb im Jahr 1988.

Schallplatten: Philips (»Die Liebe zu den drei Orangen« von Prokofieff als Truffaldino; hier erscheint sein Name in der Schreibweise Drago Chuden).

 

13.12. Gustav LUDERS: 150. Geburtstag

Er wanderte als junger Mann in die USA aus, wo er schon bald als Broadway-Komponist Karriere machte. Seine Operetten und Revue-Beiträge erreichten eine hohe Popularität. Insbesondere die Operette The Prince of Pilsen wurde häufig wiederbelebt, und der Hauptschlager des Werkes, der Heidelberg Stein Song wurde landesweit zu einem bei Männerchören besonders beliebten Schlager. Sein letztes Werk, Somewhere else war ein Misserfolg, der zu dem frühen Ende des Komponisten wesentlich beitrug. Er starb 1913 in New York.

 

14.12. Louise RESS: 175. Geburtstag

 Sie entstammte einer sehr musikalischen Familie. Ihre Brüder Johann Ress (1839-1916) und Carl Ress (1838-93) wie ihre Schwester Friederike Ress (1841-69) waren bedeutende Sänger. Luise Ress erhielt ihre Ausbildung zur Sängerin in Frankfurt a.M. Sie trat als Konzertsängerin auf und wurde bald eine berühmte Gesangpädagogin. Als solche ließ sie sich 1872 in Berlin nieder; viele nachmals bekannte Sängerinnen und Sänger sind durch sie ausgebildet worden, darunter Heinrich Gudehus, Ludwig Beer, Heinrich Ernst, William Müller, Mathilde Mallinger, Ida Hiedler, Helene Stägemann, Helene Perron, Gustav Schmidt, Elise Armani, Henny Pohl, Max Büttner, Carl Jörn, Richard Müller und Paul Bender. Sie starb 1908 in Berlin. Sie darf nicht mit ihrer Schwägerin, der tschechischen Sopranistin Vekoslava Aloisia Blazek (1841-73, der Gattin ihres Bruders Johannes) verwechselt werden, die sich in Deutschland nach ihrer Heirat Louise Ress nannte.

 

16.12. Enid HARTLE: 80. Geburtstag

 Biographie der englischen Mezzosopranistin auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Enid_Hartle

 

16.12. Georgi SWIRIDOW: 100. Geburtstag

 Seine musikalische Ausbildung begann mit dem Besuch der Musikschule in Kursk 1929-32. Danach zog er nach Leningrad, um bis 1936 Klavier- und Kompositionsunterricht zu nehmen. Ab 1936 studierte er Komposition am Leningrader Konservatorium. Seit 1937 war Dmitri Schostakowitsch sein Lehrer. Nach Abschluss seiner Studien im Jahre 1941 zog Swiridow kriegsbedingt nach Nowosibirsk, wo er bis 1944 blieb. 1956 ließ er sich in Moskau nieder. Dort war er bis an sein Lebensende als freischaffender Komponist tätig. Zeitweilig nahm Swiridow Positionen im russischen Komponistenverband ein. Er erhielt immer wieder hoch dotierte Preise und Orden, zum ersten Male im Jahre 1946 den Stalinpreis für sein Klaviertrio. Er starb 1998 in Moskau. Der Asteroid (4075) Sviridov wurde 1990 nach ihm benannt.

Zunächst orientierte sich Swiridow deutlich an seinem Lehrer Schostakowitsch. Mit der Zeit nahm dessen Einfluss jedoch ab und Swiridow entwickelte eine sehr eigene Tonsprache. Er war in erster Linie Vokalkomponist, was auch in seinen Instrumentalwerken klar erkennbar bleibt. Eingängige Melodien und gut nachvollziehbare Strukturen kennzeichnen seine Musik. In seinem Melos bleibt er mit dem russischen Volkslied eng verbunden. Die Tonalität stellte er nie in Frage. Überhaupt sind seine Werke eher traditionell angelegt, haben ihre Wurzeln in der russischen Musik des 19. Jahrhunderts und benutzen weit konservativere Stilmittel als etwa die Werke Schostakowitschs. Daher genoss Swiridow unter weiten Hörerkreisen große Popularität. Von Kritikern wurde ihm dagegen teilweise sogar ein Hang zum Kitsch und Nationalismus nachgesagt. Doch viele seiner Kompositionen sind in Russland noch heute sehr beliebt. Beispielsweise wurde ein kurzes Segment seiner Filmmusik zu dem Film „Zeit, vorwärts!“ (Время, вперёд!, Wremja wperjod“) zur Kennmelodie der bekannten TV-Nachrichtensendung Wremja (Время, ‚Zeit‘), die allabendlich russlandweit eine große Zuschauerquote erzielt.

 

17.12. Edith CHMIEL: 75. Geburtstag

 Sie erhielt ihre Ausbildung an der Musikhochschule ihrer Vaterstadt Dresden und war dann an den Theatern von Plauen und Dessau engagiert. Hier sang sie Partien wie die Pamina in der »Zauberflöte«, die Mimi in »La Bohème«, die Butterfly, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Zdenka in »Arabella« von R. Strauss und die Serena in »Porgy and Bess« von Gershwin. Seit 1979 war sie durch einen Gastvertrag dem Opernhaus von Leipzig verbunden und wurde dann dessen reguläres Mitglied. Hier hörte man sie als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Fiordiligi in »Così fan tutte«, als Ninetta in »Die Liebe zu den drei Orangen« von Prokofieff, als Butterfly, als Micaela in »Carmen« und als Antonia in »Hoffmanns Erzählungen«. Sie trat mit dem Ensemble des Leipziger Opernhauses bei Gastspielen in Italien, Frankreich und Spanien wie an der Oper von Monte Carlo auf und wurde auch als Konzertsolistin bekannt. Sie starb im März 2015.

 

17.12. Christian HORNEMAN: 175. Geburtstag

Der Sohn des Komponisten Johan Ole Emil Horneman studierte am Leipziger Konservatorium bei Ignaz Moscheles, Ernst Friedrich Richter, Moritz Hauptmann und Julius Rietz. Nach seiner Rückkehr nach Dänemark komponierte er Divertimenti und Opernfantasien, Orchesterstücke für die Aufführung im Tivoli, ein Streichquartett und 1863 die Oper Aladdin. Mit Gottfred Matthison-Hansen und anderen gründete er 1865 das Konzertinstitut Euterpe, dessen Konzerte er dirigierte. Während einer Deutschlandreise 1867 komponierte er in München die Ouverture heroique und führte bei einem Gewandhaus-Konzert in Leipzig die Aladdin-Ouvertüre auf. 1874 gründete er mit Otto Malling die Koncertforeningen, deren Konzerte beide abwechselnd dirigierten, 1879 das Konservatorium von Kopenhagen, das heute seinen Namen trägt. Daneben entstanden für das Dagmartheatret mehrere Schauspielmusiken, darunter zu Holger Drachmanns Esther und Frederik Paludan-Müllers Kalanus, und die Kantate In memoriam Christian IX. Er starb 1906 in Kopenhagen.

 

18.12. Virgilio CARBONARI: 90. Geburtstag

 Er begann seine Karriere Anfang der fünfziger Jahre an kleineren italienischen Theatern (u.a. am Teatro Donizetti Bergamo 1956), sang aber auch bereits 1953 und 1955-56 am Teatro Comunale Florenz (Mesner in »Tosca«, Talpa in »Il Tabarro«, Benoît in »La Bohème«), 1956 am Théâtre de la Monnaie Brüssel. 1959 erreichte er die Mailänder Scala (Antrittsrolle: Alcindoro in »La Bohème«), an der er nun bis 1975 ständig in zahlreichen Comprimario-Partien zu finden war. So sang er an der Scala u.a. den Dancairo in »Carmen«, den Talpa, den Mesner, den Mathieu in »Andrea Chénier« von Giordano, den Alessio in Bellinis »La Sonnambula«, den Naturgelehrten in »Doktor Faust« von Busoni, den Alcalde in »La forza del destino«, den Yamadori in »Madame Butterfly«, den Marcovaldo in »La Battaglia di Legnano« von Verdi, den Marullo im »Rigoletto«, den Mandarin in »Turandot«, den Hirten in »Debora e Jaele« von Pizzetti, den Faor in Cherubinis »Alì Baba«, den Hanezo in Mascagnis »L‘Amico Fritz«, den Sid in »La fanciulla del West«, den Fiorello im »Barbiere di Siviglia«, den Leutoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, den de Brigode in »Madame Sans-Gêne« von Giordano, den Wirt in »Manon« von Massenet und den Lowitzki in »Boris Godunow«. Am 23.3.1961 wirkte er hier als Malaguì in der Uraufführung der Oper »Il Calzare d’Argento« von Pizzetti mit, im gleichen Jahr auch in der italienischen Erstaufführung der Oper »A Midsummer Night’s Dream« von B. Britten (als Starveling). Am 5.4.1962 wirkte er an der Scala in der Uraufführung der Oper »Il buon soldato Svejk« von Guido Turchi mit, am 1.3.1965 in der Uraufführung der Oper »Clittenestra« von Pizzetti, 1966 in der italienischen Erstaufführung von Janáceks »Aus einem Totenhaus« (als Tschekunow). In den Jahren 1960-69 erschien er regelmäßig in derartigen Partien bei den Festspielen in der Arena von Verona (Marullo, Alcindoro). Er setzte gleichzeitig seine Bühnentätigkeit an den übrigen italienischen Opernhäusern fort, darunter am Teatro Comunale Bologna, am Teatro Regio Parma und am Teatro Margherita Genua, gastierte aber auch oft im Ausland, so am Teatro Liceu Barcelona (1960) und an der Staatsoper von Wien (1958 als Mesner). Von den vielen Partien, die in seinem Repertoire anzutreffen waren, ist noch der Fra Melitone in »La forza del destino« von Verdi zu nennen. 1983 trat er letztmalig an der Mailänder Scala als Notar in »Gianni Schicchi« auf. Er starb 1988 in Ivi.

Schallplatten: Er wirkte in vielen Gesamtaufnahmen von Opern in seinen Comprimario-Rollen mit, auf Decca in »Macbeth«, »La Traviata«, »La forza del destino«, »Madame Butterfly«, »La Fanciulla del West« von Puccini und »Fedora« von Giordano, auf DGG in »La Bohème«, »La Traviata« und »Rigoletto«, auf HMV in »Rigoletto« und »La forza del destino«, auf RCA in »Madame Butterfly«, »La forza del destino« und »Rigoletto«, auf Ricordi nochmals im »Rigoletto«.

 

18.12. Rita STREICH: 95. Geburtstag

Rita_Streich 

Sie kam als Kind nach Deutschland und ließ ihre Stimme durch Willi Domgraf-Fassbaender, Maria Ivogün und Erna Berger in Berlin ausbilden. Sie debütierte 1943 am Stadttheater von Aussig (Ùsti nad Labem) als Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1946 wurde sie an die Staatsoper Berlin berufen, wo sie als Olympia in »Hoffmanns Erzählungen« und als Blondchen in Mozarts »Entführung aus dem Serail« ihre ersten großen Erfolge hatte. Bis 1950 blieb sie an der Staatsoper Berlin und wechselte dann an die Städtische Oper Berlin, der sie bis 1953 angehörte. 1952-53 wirkte sie bei den Festspielen von Bayreuth als Waldvogel im »Siegfried« und als Blumenmädchen im »Parsifal« mit. 1953 wurde sie Mitglied der Staatsoper von Wien, an der sie bis 1972 in zwanzig Partien auftrat (als Olympia, als Rosina im »Barbier von Sevilla«, als Susanna in »Figaros Hochzeit«, als Papagena und als Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, als Blondchen und als Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, als Gilda im »Rigoletto«, als Adele in der »Fledermaus«, in der Titelpartie der Operette »Giroflé-Giroflá« von Lecocq, als Zerlina im »Don Giovanni«, als Sophie im »Rosenkavalier«, als Zerbinetta, als Despina in »Così fan tutte«, als Oscar in Verdis »Maskenball«, als einer der Engel im »Palestrina« von H. Pfitzner, als italienische Sängerin im »Capriccio« von R. Strauss, als eine der Mägde in »Daphne« von R. Strauss, als Waldvogel und als Hirt im »Tannhäuser«). In der Londoner Festival Hall sang sie (mit dem Ensemble der Wiener Staatsoper) 1954 die Zerbinetta und die Susanna. Seit 1954 trat sie bei den Festspielen von Salzburg in Erscheinung. Hier sang sie 1954 das Ännchen im »Freischütz«, 1954-55 die Najade in »Ariadne auf Naxos«, 1956 die Königin der Nacht und die Zerlina im »Don Giovanni«, 1957 die Despina, am 17.8.1959 die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »Julietta« von Heimo Erbse. 1955-60 und 1965-67 hörte man sie hier in Mozart-Konzerten. 1954 gastierte sie an der Oper von Rom als Sophie. Glänzende Erfolge hatte sie an der Mailänder Scala (1959 als Blondchen), an der Covent Garden Oper London (1954), an der Oper von Chicago (1960 als Susanna) sowie bei den Festspielen von Glyndebourne (1958 als Zerbinetta) und Aix-en-Provence. Ihr USA-Debüt fand 1957 an der San Francisco Opera als Sophie statt; sie sang dort auch die Zerbinetta in der lokalen Premiere von »Ariadne auf Naxos« und die Despina. Sie unternahm Konzerttourneen durch Japan, Australien und Neuseeland und trat gegen Ende ihrer Karriere, vor allem in Frankreich, in Liederabenden auf. Brillante, virtuos geführte Koloraturstimme, besonders als Mozart- und Richard Strauss-Interpretin gerühmt; auch im Konzert- und Lied-Repertoire gefeiert. 1974 wurde sie zur Professorin an der Folkwang-Musikhochschule in Essen ernannt, 1976 erhielt sie eine Professur an der Musikhochschule von Wien. Seit 1983 war sie Leiterin des Centre du Perfectionnement d’Art Lyrique in Nizza. Sie wirkte in zahlreichen Filmen mit; verheiratet mit dem Regisseur Dieter Berger. Sie starb 1987 nach langer Krankheit in Wien.

Viele Schalplatten bei DGG (»Orpheus und Eurydike«, »Hänsel und Gretel«, »Die Entführung aus dem Serail«, »Die Zauberflöte«, »La Bohème«, »Der Freischütz«, »Der Rosenkavalier«, »Bastien und Bastienne«), Philips (»Figaros Hochzeit«), BASF (»Hoffmanns Erzählungen«), Decca (»Ariadne auf Naxos«), Columbia (»Ariadne auf Naxos«, »Die Fledermaus«), Nixa (»Tannhäuser«), Urania (»Hoffmanns Erzählungen«), Pathé (»Le nozze di Figaro«), Electrola (»Der Zarewitsch« von Lehár, »Eine Nacht in Venedig« von J. Strauß, »Der Bettelstudent« von Millöcker), RCA (»Boccaccio« von F. von Suppé, 1949), Koch/Schwann (Ännchen im »Freischütz«, Westdeutscher Rundfunk Köln, 1955). Auf Discocorp erschien ein Rundfunkmitschnitt des »Don Giovanni« (Köln, 1955), auf Foyer als Waldvogel im »Siegfried« (Bayreuth, 1953), auf Cetra Opera Live »Der Freischütz« aus Salzburg (1956), Aufnahmen auf Melodram (»Die Fledermaus«) und Memories (»Undine« von Lortzing), auf Etcetera Duette mit Maureen Forrester.

 

18.12. Edmond de STOUTZ: 95. Geburtstag

Zunächst hatte er in Zürich Rechtswissenschaften studiert, dann aber zur Musik gewechselt und an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich, sowie in Salzburg und Wien Violoncello, Klavier, Oboe, Schlagzeug und Komposition gelernt. Er spielte zwei Jahre als Cellist und Schlagzeuger im Tonhalle-Orchester Zürich und gründete 1945 eine sogenannte Hausorchester-Vereinigung. Aus dieser ging 1951 das Zürcher Kammerorchester, dessen Leitung de Stoutz bis 1996 innehatte. 1962 gründete er zudem den Zürcher Konzertchor.

De Stoutz war bekannt dafür, in seinen Konzertprogrammen immer wieder auf Schweizer Komponisten zurückzugreifen, denen er auch immer wieder Kompositionsaufträge zukommen ließ. So war er auch für mehrere Uraufführungen Schweizer Werke verantwortlich, unter anderem von Frank Martin, Peter Mieg, Paul Müller-Zürich oder Rolf Urs Ringger.  De Stoutz wurde 1965 mit der Hans-Georg-Nägeli-Medaille der Stadt Zürich ausgezeichnet. Er erhielt zudem den Preis der Doron-Stiftung und 1991 den Freiheitspreis der Max Schmidheiny-Stiftung. Er starb 1997 in Zürich.

 

18.12. Sergio FAILONI: 125. Geburtstag

 Biographie des italienischen Dirigenten auf Italienisch:

http://www.treccani.it/enciclopedia/sergio-failoni_(Dizionario_Biografico)/

 

19.12. Anna ALTMUTTER : 125. Geburtstag

 Sie kam mit ihrem Vater nach München, der dort eine Seidenweberei eröffnete. Sie studierte Musik, Gesang und Schauspielkunst bei so bedeutenden Komponisten und Pädagogen wie Franz Danzi und Peter von Winter, dramatischen Unterricht erhielt sie auch durch Marianne Lang-Baudet. 1805 wurde sie als Hofschauspielerin und Sängerin in das Ensemble des Münchner Hoftheaters aufgenommen, an dem sie als Donna Elvira im »Don Giovanni« debütierte. Die zeitgenössische Kritik rühmt die Schönheit ihrer Stimme ebenso wie die ihrer Erscheinung auf der Bühne. Sie trat, einer alten Tradition folgend, auch immer wieder als Schauspielerin auf und übernahm 1812 in der Münchner Premiere die Titelrolle in Schillers »Jungfrau von Orléans«. Sie blieb bis 1820 am Münchner Hoftheater tätig und wirkte dann als Gesanglehrerin in München, wo sie 1826 starb.

 

19.12. Felice MANCIO : 175. Geburtstag

 Nachdem er zuerst bei der italienischen Armee als Offizier gedient hatte, wurde er Schüler des berühmten Komponisten Saverio Mercadante und der beiden bekannten Sängerinnen Wilhelmine Hassel-Barth und Agnes Schubert-Strauss. 1870 debütierte er am Theater von Como in der Oper »La Contessa d’Amalfi« von Petrella. Anschließend sang er dort sehr erfolgreich den Edgardo in »Lucia di Lammermoor« von Donizetti. Nachdem er an einer Reihe von italienischen Bühnen zu bedeutenden Erfolgen gekommen war, unternahm er ausgedehnte Konzertreisen, die ihn durch Italien, Österreich, Deutschland und England führten. 1873 gastierte er am Opernhaus von Frankfurt a.M. als Edgardo, 1880 trat er am Teatro Nazionale in Genua auf. 1886 hielt er sich längere Zeit am Hof des Herzogs Ernst II. von Coburg-Gotha auf, der selbst als Opernkomponist tätig war. In Hannover wurde er Lehrer der Prinzessin Mary, Herzogin von Cumberland. 1887 gab er am Hof von Weimar eine Serie von Konzerten mit klassischen italienischen Vokalwerken. 1895 ging er nach Wien und wurde Professor am Wiener Konservatorium. Dort hat er so bedeutende Sänger wie Maria De Sempsey, Fanchette Verhunk, Minnie Cortese und Max Traun ausgebildet. Er starb 1897 in Wien.

 

21.12. Victor de NARKÉ: 85. Geburtstag

 victor-de-narke

Er war der Sohn des Bassisten Jorge Dantón (* 1905, † 5.12.1986 Buenos Aires, also zwei Tage vor seinem Sohn), der in den Jahren 1940-54 am Teatro Colón Buenos Aires eine erfolgreiche Bühnenkarriere gehabt hatte. Victor de Narké debütierte 1952 (nach anfänglichem Medizinstudium und Ausbildung der Stimme in der Opernschule des Teatro Colón durch Roberto Kinsky und durch Edytha Fleischer) ebenfalls am Teatro Colón und blieb während seiner Karriere, die bis zu seinem Tod dauerte, an diesem Opernhaus tätig. Er spezialisierte sich besonders auf das Wagner-Fach und hatte seine größten Erfolge in Partien wie dem Landgrafen im »Tannhäuser«, dem König Heinrich im »Lohengrin«, dem König Marke in »Tristan und Isolde« und dem Gurnemanz im »Parsifal«, sang daneben aber ein vielgestaltiges Repertoire auf der Bühne wie im Konzertsaal. Am 24.7.1964 wirkte er am Teatro Colón in der Uraufführung der Oper »Don Rodrigo« von Alberto Ginastera mit. Auch in Europa konnte er an diese Erfolge in seiner argentinischen Heimat anknüpfen und war u.a. zu Gast an den Opernhäusern von Zürich (1960-61 als Sarastro in der »Zauberflöte«, als Titurel im »Parsifal«, als alter Hebräer in »Samson et Dalila« von Saint-Saens und als Snug in »Ein Sommernachtstraum« von B. Britten) und Nizza, am Teatro Liceu Barcelona, am Teatro Real Madrid (1966), beim Wexford Festival (1967), in Genf (1969), Rio de Janeiro, Santiago de Chile, Montevideo und bei den Festspielen von Glyndebourne (1963 im »Fidelio«). Seit 1966 trat er mehrfach in London als Konzertsänger auf. Man schätzte ihn nicht zuletzt als Liedersänger. Als letzte Partie sang er 1986 am Teatro Colón Buenos Aires den Titurel. Er starb am 7.12.1986 in Buenos Aires.

Schallplatten: Columbia (»El retablo de Maese Pedro« von de Falla), HMV (»La Vida breve« von de Falla).

 

21.12. André TURP: 90. Geburtstag

 André TURP

Er war zuerst in Montreal Schüler von Edouard J. Woolley und Frank H. Rowe und trat dort 1950 bei der Montreal Variétés Lyriques-Company in Operetten auf. Nachdem er bereits in einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall aufgetreten war, sang er 1955 in New Orleans in »Gianni Schicchi« von Puccini. 1956 sang er in Montreal in der Oper »Médée« von Cherubini als Partner von Eileen Farrell. Im gleichen Jahr gastierte er in New York in der Offenbach-Operette »La Grand Duchesse de Gerolstein«.Weitere Ausbildung der Stimme durch Luigi Marletta und Mme. Vita in Mailand. Er hatte dann große Erfolge als lyrischer Tenor, vornehmlich in England, wo er nach seinem Debüt 1960 als Edgardo in »Lucia di Lammermoor« acht Jahre hindurch an der Londoner Covent Garden Oper auftrat. 1961 sang er bei den Festspielen von Glyndebourne in H.W. Henzes »Elegie für junge Liebende«. Beim Empire State Music Festival sang er 1960 in der Händel-Oper »Semele«. Er gastierte 1961 mit dem Ensemble der Covent Garden Oper beim Edinburgh Festival (als Edgardo und als Pylade in Glucks »Iphigénie en Tauride«). Er trat 1964 an der Scottish Opera Glasgow als Faust von Gounod auf und gastierte in Frankreich an der Grand Opéra Paris und 1962 an der dortigen Opéra-Comique (als Edgardo). An der Pariser Grand Opéra bewunderte man seine Gestaltung der Titelrolle in Massenets »Werther«, in der er insgesamt mehr als 500mal auf der Bühne stand. Gastspiele und Konzerte in den Musikzentren in Europa und in Amerika, bei denen er in sieben verschiedenen Sprachen seine Partien zum Vortrag bringen konnte. So war er u.a. zu Gast in Rio de Janeiro, Lissabon, Barcelona und Marseille.1973 sang er an der City Opera New York und danach auch an europäischen Theatern den Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«. Zu seinen großen Bühnenpartien gehörten auch der Don José in »Carmen«, der Julien in Charpentiers »Louise und der Chevalier de la Force in »Dialogues des Carmélites« von Poulenc. 1983 sang er als Abschiedspartie in Montreal den Macduff in Verdis »Macbeth«, während sein Sohn, der Tenor Richard Turp, den Malcolm übernommen hatte. 1980-88 übte er eine Lehrtätigkeit am Konservatorium von Montreal aus. Er starb 1991 in Montreal.

Schallplatten: Columbia-CBS (Querschnitt durch »Medea« von Cherubini mit Eileen Farrell), RCA (»Roméo et Juliette« von Gounod), MRF, (»I gioielli della Madonna« von Wolf-Ferrari, »Pénélope« von Fauré), Bruno Walter Society (Faust in »La damnation de Faust« von Berlioz).

 

22.12. Felix SLATKIN: 100. Geburtstag

 Biografie des amerikanischen Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Felix_Slatkin

 

23.12. Willi GOHL: 90. Geburtstag

Er ließ sich zuerst zum Lehrer ausbilden. Später studierte er an der Musikhochschule Zürich Klavier und Schulmusik und ließ sich im In- und Ausland zum Dirigenten ausbilden. Im Orchester der Kammermusiker Zürich war er Solo-Cembalist. Nach zehn Jahren Unterricht an der damaligen Töchterschule Zürich widmete er sich ausschließlich dem Beruf des Musikers. 1954 gründete er den Singkreis Zürich, mit dem er an zahlreichen offenen Singen, Symposien, Konzerten und Veranstaltungen der Föderation Europa Cantat teilnahm. 1959-86 leitete er die Musikschule und das Konservatorium Winterthur, das zu einer der bedeutendsten Musikhochschulen wurde. Bekannt wurde er vor allem durch seine offenen Singen in der ganzen Schweiz, die oft im Radio übertragen wurden sowie die kommentierten Sinfoniekonzerte. Er war Ehrenpräsident des Schweizer Musikrats. 1975 brachte er zusammen mit Anne Diekmann im Diogenes-Verlag «Das Grosse Liederbuch» mit 204 deutschen Volks- und Kinderliedern heraus. Illustriert wurde es von Tomi Ungerer. Sein bekanntester Kanon «Ein heller Morgen ohne Sorgen» ist in das schweizerische Liedgut eingegangen. 1952 heiratete Gohl die Sängerin Verena Müller. Oft traten die beiden zusammen auf: sie als Solistin in seinen Chorkonzerten, er als Pianist an ihren Liederabenden. Die Beiden erhielten 1980 den Kulturpreis der Stadt Winterthur. Ihre drei Töchter und zwei Söhne sind alle ebenfalls musikalisch tätig. Sein Sohn Michael ist anerkannter Chorleiter und Leiter der Musikschule in Zollikon. Teese Gohl arbeitet in den USA als Komponist, Dirigent und Produzent für Filmmusik. Käthi Gohl ist als Cellistin international tätig. Seine letzte Lebenszeit verbrachte Willi Gohl in einer Pflegeeinrichtung in Küsnacht, wo er 2010 im Alter von 84 Jahren verstarb.

 

23.12. Mathilde LINDNER-HÄSER: 200. Geburtstag

 Sie war die Tochter des Bassisten Christian Wilhelm Häser (1781-1867); die große Primadonna Charlotte Häser-Vera (1784-1871) war ihre Tante. Sie wurde durch ihren Vater ausgebildet und betrat 1833 am Hoftheater von Weimar erstmalig die Bühne. 1834 sang sie am Hoftheater von Gotha und blieb dann bis 1837 Mitglied des Hoftheaters von Coburg, wo sie noch lange als Gast auftrat. Sie unternahm aber auch weitere Gastspiele und trat als Konzertsolistin auf. 1866 ging sie wegen Kränklichkeit endgültig in Pension; sie blieb jedoch in Coburg wohnhaft, wo sie 1885 starb. Seit 1838 war sie mit dem Sänger Lindner verheiratet, der gleichfalls dem Coburger Ensemble angehörte.

 

24.12. Bruno ADERHOLD: 100. Geburtstag

 Er stammte aus einer sehr musikalischen Familie, sein Vater war Sänger und Musikdirektor. Er wurde durch die Pädagogen Willi Stürzner in Magdeburg, Ludwig Runge in Berlin und Gerhard Hüsch in München zum Sänger ausgebildet. Wegen der Kriegsereignisse konnte er seine Karriere erst 1945 am Theater von Bernburg beginnen, wo er als Graf im »Wildschütz« von Lortzing debütierte. 1947 wurde er als erster Bariton an das Landestheater von Dessau berufen, an dem er bis 1951 blieb. Er sang dann 1951-58 am Stadttheater von Magdeburg, 1958 bis in die siebziger Jahre am Opernhaus von Leipzig. Zu seinen Bühnenpartien gehörten der Don Giovanni, der Papageno in der »Zauberflöte«, der Wolfram im »Tannhäuser«, der Silvio im »Bajazzo«, der Figaro im »Barbier von Sevilla«, der Lescaut in »Manon Lescaut« von Puccini, der Tomsky in »Pique Dame« und der La Hire in der »Jungfrau von Orléans« von Tschaikowsky. Er galt als hervorragender Verdi-Interpret von Partien wie dem Nabucco, dem Posa im »Don Carlos«, dem Grafen Luna im »Troubadour«, dem Don Carlo in »La forza del destino« und dem Germont sr. in »La Traviata«. 1959 sang er bei den Händel-Festspielen in Halle/Saale die Titelrolle in Händels »Admeto«, in Leipzig 1961 in der deutschsprachigen Erstaufführung von Prokofieffs »Krieg und Frieden« den Andrej.

Schallplatten: Eterna (u.a. kleine Partie in Gesamtaufnahme »Carmen«, auf DGG übernommen).

 

25.12. Eugenio FERNANDI: 90. Geburtstag

Eugenio Fernandi

 Er entstammte einer bäuerlichen Familie. Ausbildung in Turin bei Aureliano Pertile, dann in der Opernschule der Mailänder Scala. Er sang zunächst an der Scala kleinere Tenorpartien; sein Debüt erfolgte dort am 25.3.1953 in der Uraufführung der Oper »Mas‘aniello« von Jacopo Napoli. Er wirkte hier auch am 24.3.1954 in der Uraufführung der Oper »La Figlia del diavolo« von Virgilio Mortari (in der Partie des Giovanni Battista) mit. An der Scala trat er 1958 nochmals als Pinkerton in »Madame Butterfly« auf. 1955 sang er in Reggio Emilia den Herzog im »Rigoletto«. Nach ersten Erfolgen an den großen italienischen Bühnen (seit 1956 u.a. am Teatro Fenice Venedig und am Teatro San Carlo Neapel) wurde er 1958 an die Metropolitan Oper New York verpflichtet (Debüt als Pinkerton). Hier trat er in den Spielzeiten 1957-62, 1966-67, 1968-69 und 1970-71 in 95 Vorstellungen und in 13 verschiedenen Rollen auf: als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, als Herzog im »Rigoletto«, als Cavaradossi in »Tosca«, als Rodolfo in »La Bohème«, als Alfredo in »La Traviata«, als Don Carlos, als italienischer Sänger im »Rosenkavalier«, als Faust von Gounod, als Ismaele in Verdis »Nabucco«, als Radames in »Aida«, als Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli und als Arrigo in »I Vespri Siciliani« von Verdi. 1957 gastierte er bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom als Faust von Gounod. 1957-64 hatte er auch seine Erfolge an der Staatsoper Wien (als Cavaradossi, als Rodolfo, als Radames, als Don Carlos, als Herzog im »Rigoletto«, als Alfredo, als Pinkerton, als Riccardo in Verdis »Maskenball« und als Faust von Gounod in insgesamt 39 Vorstellungen). 1958 sang er in Zürich den Cavaradossi in »Tosca« mit Birgit Nilsson in der Titelrolle. Den Titelhelden in Verdis »Don Carlos« sang er 1958 und 1960 bei den Salzburger Festspielen. Er gastierte auch weiter in Italien, so 1963 am Teatro San Carlo Neapel (als Edgardo), 1964 am Teatro Petruzzelli Bari, 1965 am Teatro Comunale Florenz (als Cavaradossi), 1965 in San Remo (als Pinkerton) und 1966 am Teatro Fenice Venedig. 1964 sang er in einem Konzert im Vatikan in Rom vor Papst Paul VI. ein Solo in dem Oratorium »Il Giudizio Universale« von Lorenzo Perosi, im November des gleichen Jahres in einer Eurovisons-Sendung aus Paris das Tenorsolo im Requiem von Verdi. In Nordamerika trat er 1969 an der Oper von New Orleans als Pollione in »Norma« und als Foresto in »Attila« von Verdi auf, an der Oper von Santiago de Chile 1970 als Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, eine Partie, die er bereits 1966 an der Opéra du Rhin Straßburg übernommen hatte (wo er auch 1965 als Radames gastierte). Bedeutender Vertreter des Repertoires für das Lirico Spinto-Fach. Seine Karriere kam zu Beginn der siebziger Jahre zum Ausklang. Er lebte dann ganz zurückgezogen in den USA. Er starb 1991 in New Jersey.

Schallplatten: Columbia (vollständige Oper »Turandot« als Partner von Maria Callas), HMV (Verdi-Requiem.) Mitschnitte von Opernaufführungen auf Replica (»Lucia di Lammermoor« zusammen mit Maria Callas), Melodram (»Nabucco«), Cetra Opera Live (»Don Carlos« von Verdi), Mondo Musica (»Giulio Cesare« von Händel, Teatro Fenice Venedig 1966).

 

25.12. Viktor KOČI: 95. Geburtstag

 Seine Ausbildung erfolgte durch die Pädagogen J. Berlik und M. Lang in Prag. 1952 debütierte er am Theater von Plzen, von wo aus er 1955 ans Nationaltheater von Prag engagiert wurde, dem er bis in die achtziger Jahre hinein angehörte. Hier sang er eine große Zahl von Tenorpartien aus dem lyrischen Fachbereich wie den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Vitek in Smetanas »Dalibor«, den Kudrjas in »Katja Kabanowa«, den Stewa in »Jenufa«, den Cheravin in Janáceks »Aus einem Totenhaus«, den Michel in »Julietta« von B. Martinù und den Albert Herring in der gleichnamigen Oper von B. Britten. Er gab Gastspiele, zum Teil mit dem Ensemble des Nationaltheaters Prag, in Holland, Finnland, Italien und an der Komischen Oper Berlin. Er starb 2005 in Prag.

Wahrscheinlich sind Aufnahmen auf Supraphon vorhanden.

 

26.12. Tugomir ALAUPOVIĆ: 90. Geburtstag

 Schüler von Zlatko Sir in Zagreb und von Louis Kaderabek in Prag. Debütierte am Komedija Theater in Zagreb 1953 im »Zigeunerbaron« von J. Strauß. Seit 1955 Mitglied der Kroatischen Nationaloper Zagreb, wo er eine lange erfolgreiche Laufbahn hatte. Gastspiele, zumeist mit dem Ensemble der Oper von Zagreb, an der Nationaloper Belgrad, am Opernhaus von Graz, an der Komischen Oper Berlin, in Amsterdam, Mannheim, Stuttgart, Wiesbaden, Genf, Neapel, Bologna, Genua und Triest. Durch einen Vertrag mit dem Stadttheater Klagenfurt viele Jahre hindurch verbunden. Sang eine Vielzahl von Partien für Bass-Bariton, seriöse und komische Rollen wie den Figaro im »Barbier von Sevilla«, den Guglielmo in »Così fan tutte«, den Papageno in der »Zauberflöte«, den Dulcamara in »L’Elisir d’amore«, den Ford im »Falstaff« von Verdi, den Valentin im »Faust« von Gounod, den Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Balstrode in »Peter Grimes« von Benjamin Britten, den Sima in »Ero der Schelm« von Gotovac und den Jeletzky in Tschaikowskys »Pique Dame«. Erfolgreiche Auftritte im Konzertsaal wie im jugoslawischen Fernsehen. Später Gesangpädagoge an der Lisinski-Musikschule in Zagreb. Er starb 2005 in Zagreb.

Aufnahmen auf der jugoslawischen Marke Jugoton. Auf Philips vollständige Oper »Sadko« von Rimsky-Korssakow.

 

27.12. Sigrid EKKEHARD: 95. Geburtstag

 Sie studierte Gesang bei Maja Nissen-Stone in Berlin (1937-38), bei Hedwig Francillo-Kaufmann (1938-41) und nach 1945 bei Lula Mysz-Gmeiner in Schwerin. Sie sang in den Jahren 1943-46 als lyrischer Sopran am Staatstheater Schwerin und folgte 1946 einem Ruf an die Berliner Staatsoper. Bis 1961 wirkte sie an diesem Haus als jugendlich-dramatischer Sopran; gleichzeitig bestand 1954-58 ein Gastvertrag mit der Komischen Oper Berlin. Bei den Händel-Festspielen in Hall/Saale sang sie 1952 in der Oper »Alcina« von G.F. Händel. Sie trat bei Gastspielen am Staatstheater Hannover (1956), am Opernhaus von Zürich (1957 als Titelheldin in »Elektra« von R. Strauss), an der Wiener Staatsoper (1960 ebenfalls als Elektra von R. Strauss), in Paris und Prag, in Köln und Warschau auf. Später lebte sie in West-Berlin, wo sie 1996 starb. Sie sang auf der Bühne Partien wie die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Agathe im »Freischütz«, die Leonore im »Fidelio«, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Sieglinde in der »Walküre«, die Gutrune in der »Götterdämmerung«, die Desdemona im »Otello« von Verdi, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Mimi in »La Bohème«, die Butterfly, die Tosca, die Turandot in der gleichnamigen Puccini-Oper, die Marina im »Boris Godunow«, die Carmen, die Marie im »Wozzeck« von A. Berg und die Titelheldin in »Halka« von Moniuszko.

Schallplatten: Eterna (»Turandot« von Puccini, auf Philips in Form eines Querschnitts veröffentlicht).

 

27.12. Elizabeth BILLINGTON: 250. Geburtstag

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 Sie war die Tochter des aus Freiberg in Sachsen gebürtigen ersten Oboisten am Londoner King’s Theatre Carl Weichsell und einer englischen Sängerin, Mrs. Weichsell, die in volkstümlichen Konzerten auftrat und die Lieblingsschülerin von Johann Christian Bach gewesen war. Auch sie erhielt bei diesem Unterricht; im Klavierspiel wurde sie durch J.S. Schroeter ausgebildet. Zuerst trat sie als Pianistin öffentlich auf, indem sie seit 1774 in London mehrere Konzerte zusammen mit ihrem Bruder Charles Weichsell gab, der ein bedeutender Violinist und später auch Dirigent war. Als Johann Christian Bach 1782 starb, erhielt sie Unterricht durch den Kontrabassspieler James Billington, den sie 1783 gegen den Willen ihrer Familie heiratete. 1783 debütierte sie in Dublin als Polly in »The Beggar’s Opera« 1784 sang sie dort die Euridice in »Orfeo ed Euridice« von Gluck (in englischer Sprache) und war in den folgenden 13 Jahren immer wieder zu Gast in Dublin. 1786 kam sie nach London und sang an der Covent Garden Oper in »Love in a Village« von Arne. 1786 trat sie in London in englischen Ballad Operas auf, u.a. als Clara in »The Duenna« von Thomas Linley, als Rosina in der gleichnamigen Oper von William Shield und als Polly in »The Beggar’s Opera«. Ihre Erfolge waren überwältigend; sie übernahm seitdem nur noch große, tragende Partien und beanspruchte wahrhaft fürstliche Honorare. 1786 ging sie aber nach Paris, um bei dem berühmten Antonio Sacchini weitere Studien zu betreiben. Sie sang dann in London wie in den anderen englischen Großstädten in Ballad Operas und Oratorien; 1792 gab sie »Three Sonatas for Violin and Pianoforte« heraus. 1794 unternahm sie zusammen mit ihrem Gatten und ihrem Bruder eine Reise durch Deutschland nach Italien. Der König von Neapel hörte sie dort in einem Privatkonzert, das sie im Palais des englischen Gesandten Sir William Hamilton gab, und überredete sie, ein Engagement am dortigen Teatro San Carlo anzunehmen. Hier hatte sie im Mai 1794 ein glanzvolles Debüt in der eigens für sie komponierten Oper »Ines de Castro« von Bianchi. Kurz nach dieser Aufführung starb ihr Ehemann; sie trat weiter am Teatro San Carlo in Opern von Paisiello, Paër und Himmel auf und schloss eine lang anhaltende Freundschaft mit der berühmten Lady Hamilton. 1796 verließ sie Neapel und gastierte jetzt in Florenz, Livorno, Triest, Venedig, Rom und Mailand, wo sie 1796-97 an der Scala u.a. die Titelrolle in der Oper »Aldemira« (einem Gemeinschaftswerk verschiedener Komponisten) und die Ecaride in »La Congiura« von Tarchi sang. 1798-99 trat sie an der Scala in der Titelrolle der Oper »Il Trionfo di Clelia« von Nasolini und als Semira in der Uraufführung der Oper »Gli Sciti« vom gleichen Komponisten auf. 1796 hörte man sie am Teatro Comunale Bologna in der Titelpartie der Oper »Merope« von Sebastiano Nasolini und wieder als Ines de Castro von Bianchi, 1797 in der Titelrolle der Oper »Al zira« von Zingarelli und Nasolini und als Cleopatra in »La Morte di Cleopatra« von Nasolini. In Mailand begegnete sie Joséphine Bonaparte, die sie sehr bewunderte, und heiratete in zweiter Ehe Mr. Felican (oder auch Felissent), von dem sie sich aber bald wieder trennte. 1801 kam sie wieder nach England. Sie sang jetzt viel im Konzertsaal, wobei ihr Bruder Charles, der sie ständig begleitete, das Orchester dirigierte. 1802 feierte man sie am Londoner King’s Theatre in der Oper »Merope« von Nasolini. Im Januar 1803 begann sie ein neues Engagement an der Covent Garden Oper London, das sich über vier Spielzeiten erstreckte. In ihrer Benefiz-Vorstellung von 1805 trat sie in »La clemenza di Scipione« von J. Chr. Bach auf, in der von 1806 als Vitellia in »La clemenza di Tito« von Mozart; hierbei handelt es sich um die erste Aufführung einer Mozart-Oper in England. Bei dieser Gelegenheit lernte sie den Prince of Wales, den späteren englischen König Georg IV., kennen. Es gab Gerüchte, nach denen sie dessen Mätresse gewesen sei. Sie beendete damit gleichzeitig ihre Bühnenkarriere und gab jetzt nur noch Konzerte. 1811 gab sie ihre Karriere auf, sang aber 1814 nochmals in der Whitehall Chapel bei einem Konzert für die Gefallenen der Napoleonischen Kriege. Als ihr zweiter Ehemann 1817 unerwartet in England auftauchte, ging sie mit diesem nach Italien und starb dort ein Jahr später in einer Villa bei Venedig (Gerüchten zufolge nach brutalen Misshandlungen durch ihren Ehemann). Joseph Haydn, der zu den großen Bewunderern der Künstlerin gehörte und für sie die Szene »Arianna abbandonnata« komponierte, beschreibt sie als »ein großes Genie« und als »einen Engel voll Schönheit und die heilige Cäcilia des Gesangs« (wohl in Erinnerung an ein Gemälde von Reynolds, das sie als hl. Cäcilia darstellt). Mount Edgcumbe rühmt den flötenartigen Wohllaut ihrer Stimme. Man hob auch ihre großen Fähigkeiten in der Interpretation der alten Meister wie Purcell und Händel hervor. 1792 veröffentlichte James Ridgway »Memoirs of Mrs. Billington from her Birth« mit bösartigen Einzelheiten über sie. Sie antwortete darauf mit einer Gegendarstellung »Answer to the Memoirs of Mrs. Billington«. Als sie starb, nannte eine englische Zeitung sie »the most celebrated vocal performer that England ever produced«.

Weitere Lit.: Thomas Billington: »Preface to Love Canzonets« (London, 1784); Anthony Pasquin: »The Children of Thespis« (London, 1792); George Hogarth: »Memoirs of the Musical Drama« (London, 1834).

 

28.12. Marion BRINER: 80. Geburtstag

 Sie wurde Balletttänzerin und war 1953-60 als Solotänzerin an der Hamburger Staatsoper, dann 1960-61 am Stadttheater von Luzern und 1961-63 am Theater von Graz engagiert. Obwohl sie als Tänzerin eine erfolgreiche Karriere hatte, wechselte sie ins Gesangsfach und spezialisierte sich auf Operettenpartien. Sie trat als Operettensängerin zuerst 1968-69 am Theater an der Wien in Wien auf und wurde dann an das Theater am Gärtnerplatz in München verpflichtet. Hier debütierte sie 1969 in der Operette »Gasparone« von C. Millöcker und hatte dann als Hanna Glawari in Lehárs »Die lustige Witwe« und als Rosalinde in der »Fledermaus« ihre großen Erfolge in München. Ihr Repertoire war vielseitig und umfasste auch Comprimario-Rollen im Bereich der Oper wie der Operette. Dabei galt sie als begabte Darstellerin auf der Bühne. Sie hatte die Partie der Knusperhexe in »Hänsel und Gretel« gerade einstudiert, als sie durch einen tödlichen Verkehrsunfall 1974 bei München aus ihrer Karriere gerissen wurde.

Schallplatten: Telefunken (Querschnitt »Im weißen Rössl«).

 

28.12. Bruce YARNELL: 80. Geburtstag

Bruce YARNELL in dem Musical Carousel
Im Musical „Carousel“

Er hatte 1960 sein Broadwaydebüt als Sir Lionel in der Originalproduktion von Camelot. Danach spielte er in E.Y. Harburgs The Happiest Girl in the World, wofür er 1961 als Teil des Ensembles mit dem Theatre World Award ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr erhielt er die Rolle des Chalk Breeson, eine der Hauptrollen in der zweiten Staffel der Westernserie Outlaws. Die Serie wurde nach dem Ende der Staffel eingestellt, woraufhin Yarnell Gastrollen in Fernsehserien annahm. Unter anderem war er in zwei Folgen der Serie Bonanza als Muley Jones zu sehen, in denen er auch sang. 1963 stellte er an der Seite von Jack Lemmon und Shirley MacLaine den Hippolyte in Billy Wilders Irma la Douce dar. Obwohl es sich um eine größere Rolle in einem sehr erfolgreichen, Oscar-prämierten Spielfilm handelte, schlossen sich zunächst keine weiten Filmrollen an. Stattdessen kehrte er 1966 an den Broadway zurück, und trat dort in Annie Get Your Gun neben Ethel Merman in der männlichen Hauptrolle auf. Mit Beginn der 1970er Jahre wandte er sich der Oper zu und wechselte an die San Francisco Opera. Dort debütierte er 1971 als Sharpless in Madame Butterfly und sang bis 1973 mehrere Partien (Tierbändiger, Dr. Goll, Rodrigo, Jack the Ripper) in Alban Bergs Lulu, den Amonasro in Aida, den Pfarrer in der amerikanischen Erstaufführung von G. von Einems Der Besuch der alten Dame, den Scarpia in Tosca, den Rangoni in Boris Godunow, den Dr. Falke in der Fledermaus und den General Boum in Offenbachs Die Großherzogin von Gerolstein. Nach seinem letzten Auftritt als Marcello in La Bohème verunglückte er mit seinem Privatflugzeug. Er und zwei Passagiere kamen am 30. November 1973 kurz nach dem Verlassen des Flughafens von Los Angeles bei dem Absturz in den Santa Monica Mountains ums Leben. Er war verheiratet mit der Sopranistin Joan Patenaude. Seine Schwester Lorene Yarnell (1944-2010) war im Showgeschäft als Schauspielerin, Stepptänzerin und Pantomimin tätig.

 

29.12. Eleodoro ORTIZ DE ZÁRATE (chilenischer Komponist): 150. Geburtstag

 

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