Der Neue Merker

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM AUGUST 2017

IN MEMORIAM-Geburtstage im August 2017

Zusammenstellung der Liste: WalterNowotny

1.8. Mladen BAŠIĆ: 100. Geburtstag

Er studierte Klavier, Dirigieren und Komposition an der Musikakademie in Zagreb. Seine musikalische Karriere begann er 1940 zuerst als Korrepetitor und ab 1945 als Dirigent der Oper des Kroatischen Nationaltheaters in Zagreb (1955-58 war er dort auch als Operndirektor tätig). 1959 wurde er als Operndirektor an das Salzburger Landestheater eingeladen und ein Jahr später in Salzburg auch als Chefdirigent des Mozarteum-Orchesters engagiert. 1962-72 war er ständiger Gastdirigent am berühmten Gran Teatre del Liceu in Barcelona. 1967 und 1968 wurde er als Erster Kapellmeister an die Oper Frankfurt berufen. 1968-70 wirkte er wieder in seiner Heimat, diesmal als Musikdirektor des Sommerfestivals „Splitskoljeto“ und als Operndirektor des Kroatischen Nationaltheaters in Split. 1970-78 war er ständiger Dirigent und Programmchef der Zagreber Philharmonie, wo er eng und sehr erfolgreich mit dem damaligen Hauptdirigenten Lovro von Matacic zusammengearbeitet hatte. 1978 wurde Bašić nach Mainz eingeladen, wo er bis 1990 als Generalmusikdirektor tätig war. Als Orchesterdirigent trat er in vielen namhaften europäischen Konzertsälen auf. Sein genauestes Auslesen der Partitur und äußerst sorgfältige Vorbereitung jeder Aufführung machten seine meisterhaften musikalischen Interpretationen immer stilistisch raffiniert und inhaltlich reich. Besondere Anerkennung hat er sich für die zahlreichen Uraufführungen von Werken zeitgenössischer kroatischer Komponisten – wie, z.B., für die Uraufführung des Szenischen Oratoriums Marulovapisan von Boris Papandopulo – verdient. Respektvolle Verdienste hat er sich in seiner Heimat auch für die Erstaufführungen der weltweit bekannten Werke von Maurice Ravel, Benjamin Britten, Sergej Prokofjew, Igor Strawinsky, Florent Schmitt und Béla Bartók erworben. Er starb 2012 in Zagreb.

2.8. Marvin David LEVY: 85. Geburtstag

Er studierte an der Juilliard School of Music in New York City und der New York University. Er war maßgeblich an der Gründung der Fort Lauderdale Opera beteiligt, die er auch leitete. Seine Oper MourningBecomes Electra wurde 1967 anlässlich der Neueröffnung der Metropolitan Opera in ihrem neuen Haus uraufgeführt. Er starb 2015 in Fort Lauderdale (Florida).

2.8. Gertraud PRENZLOW: 95. Geburtstag

Gertraud Prenzlow als Amneris

Sie wurde durch ihren Vater, der Gesangpädagoge war, unterrichtet und war zunächst als Chorsängerin an den Stadttheatern von Cottbus und Göttingen, dann am Staatstheater in Hannover beschäftigt. Als erste eigentliche Solopartie sang sie in Hannover die Mercedes in »Carmen« (1946). 1947-50 gehörte sie dem Stadttheater von Cottbus an. 1950 folgte die Künstlerin einem Ruf an die Staatsoper von Berlin, an der sie über zwei Jahrzehnte eine erfolgreiche Karriere entfalten konnte. Hier sang sie alle großen Partien ihres Fachbereichs von klassischen und barocken Opernwerken bis hin zu zeitgenössischen Opern und Partien aus dem Bereich der Operette. 1956 wurde sie zur Kammersängerin ernannt. Bühnenpartien: die Preziosilla in Verdis »La Forza del Destino«, die Marcellina in »Figaros Hochzeit«, die Dorabella in »Cosifantutte«, die Kathinka in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Wellgunde im Nibelungenring, die Wirtin im »Boris Godunow«, die alte Buryja in »Jenufa« von Janácek und die Arnalta in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea«. Gastspiele führten sie in die Musikmetropolen der DDR, nach Italien, Frankreich, Polen, Westdeutschland und in die CSSR. Sie wurde zum Ehrenmitglied der Berliner Staatsoper ernannt und war in den Jahren 1958-67 auch an der Komischen Oper Berlin engagiert. An der Berliner Staatsoper sang sie in den Uraufführungen der Opern »Die Verurteilung des Lukullus« von P. Dessau (14.5.1951 die Tertullia), »Der arme Konrad« von Jean Kurt Forest (4.10.1959) und »Reiter in der Nacht« von Ernst Hermann Meyer (17.11.1973). Bei den Festspielen von Bayreuth wirkte sie 1958 als Soloblume im »Parsifal« mit. Neben ihrem Wirken auf der Bühne hatte sie eine zweite große Karriere als Konzert- und zumal als Oratoriensängerin. Dabei widmete sie sich in besonderer Weise der Vokalmusik von J.S. Bach und Händel. Sie starb im Oktober 1998.

Schallplatten: Eterna (Irmentraud im »Waffenschmied« von Lortzing, Querschnitt »Die Hexe von Passau« von Othmar Gerster, »Einstein« von Paul Dessau, »Die Hochzeit des Herkules und Hebe« von Gluck), Ariola-Eurodisc, Telefunken (»Die Verurteilung des Lukullus« von Paul Dessau).

 

3.8. Göran JÄRVEFELT: 70. Geburtstag

Nach der Schauspielausbildung am Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm wirkte er dort acht Jahre, bevor er sich zu einer freiberuflichen Karriere entschied. Er war 1977-79 als Chefregisseur am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen tätig. 1977-89 arbeitete er in der Regel mit dem Ausstatter Carl Friedrich Oberle. Dieses Team erlangte international Ruhm für seine Operninszenierungen zahlreicher Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauss, Richard Wagner, Claudio Monteverdi, Engelbert Humperdinck, Jacques Offenbach, Francis Poulenc, Gioacchino Rossini, Antonio Salieri, Alessandro Stradella, Kurt Weill und Giuseppe Verdi. 1979 erarbeitete Järvefelt die Inszenierung von Mozarts Don Giovanni im Schlosstheater Drottningholm. Als Schauspielregisseur realisierte er Werke von Henrik Ibsen, Aristophanes, Austregésilo de Athayde (1898–1993) und William Shakespeare. Järvefelt inszenierte in Schweden, Norwegen, Dänemark, Deutschland, Holland, der Schweiz, Frankreich, England, den USA, Italien und Kanada. 1989 starb er an den Folgen eines Hirntumors in Stockholm.

 

3.8. Denis HARBOUR: 100. Geburtstag

Er begann zunächst ein Jurastudium, nahm aber bereits während dieser Zeit Gesangunterricht bei A. Laurendeau in Montreal. Schließlich wandte er sich ganz der Ausbildung seiner Stimme zu und führte dieses Studium an der Juilliard School of Music New York durch. Hier war er u.a. Schüler von Paul Althouse, Léon Rothier und H. Graf. Noch während dieser Ausbildung trat er bereits als Konzert- und Radiosänger auf und gastierte bei der Charles Wagner Opera Company. Für die Saison 1949-50 wurde er an die Metropolitan Oper New York verpflichtet (Antrittsrolle: Schließer in »Tosca«). Hier sang er kleinere Partien wie den Steuermann in »Tristan und Isolde«, den Kaiserlichen Kommissär in »Madame Butterfly«, den Grafen Ceprano im »Rigoletto«, den Wagner im »Faust« von Gounod und einen der Strelitzen in »Chowanschtschina« von Mussorgsky. Dann nahm er wieder seine Tätigkeit als Konzert- und Radiosänger in den USA und in Kanada auf. 1952-53 hatte er bei einer großen Europa-Tournee in England, in Holland, in der Schweiz und in den skandinavischen Ländern wichtige Erfolge. Von 1959 bis 1971 war er als Radio Producer bei der Kanadischen Radiogesellschaft CBC tätig, setzte aber während dieser Zeit seine Konzertauftritte weiter fort. Oftmals erschien er dabei im Konzertsaal im »Messias« von Händel, im Mozart- wie im Verdi-Requiem und in der 9. Sinfonie von Beethoven. Er starb 2009 in Oka bei Montréal.

Schallplatten: RCA (König in »Aida« unter A. Toscanini).

 

4.8. Jess THOMAS: 90. Geburtstag

Jess Thomas

Studium an der Stanford University in Kalifornien. Er wurde zunächst Jugendpsychologe und Erziehungsberater, dann Gesangstudium bei Otto Schulmann. Bühnendebüt 1957 an der Oper von San Francisco als Haushofmeister im »Rosenkavalier«. Danach sang er hier den Malcolm in »Macbeth« von Verdi. 1958 wurde er an das Staatstheater von Karlsruhe verpflichtet, an dem er als Lohengrin debütierte. 1960 wirkte er bei den Münchner Festspielen als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss mit. Große Erfolge hatte er dann bei den Festspielen von Bayreuth. Hier sang er den Parsifal (1961-63, 1965), den Lohengrin (1962, 1967), den Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg« (1963, 1969), den Tannhäuser (1966-67), den Siegfried in »Siegfried« (1969) und den Siegfried in der »Götterdämmerung«  (1969, 1976), 1963 auch das Tenorsolo in der 9. Sinfonie von Beethoven. Er wurde 1963 in Bayreuth durch die Verleihung der Wagner-Medaille geehrt. Gastspiele an der Deutschen Oper Berlin. Hier debütierte er 1961 als Radames in »Aida« in der Inszenierung der Oper durch Wieland Wagner. Seit 1961 reguläres Mitglied der Bayerischen Staatsoper München. In der Eröffnungsvorstellung der wieder aufgebauten Münchner Staatsoper 1963 sang er den Kaiser in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss. Seit 1962 gastierte er oft an der Staatsoper von Stuttgart. Seit 1962 auch Mitglied der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Walther von Stolzing). Hier übernahm er bis 1982 15 Partien in 109 Vorstellungen: den Bacchus, des Radames, den Florestan im »Fidelio«, den Lenski in »Eugen Onegin«, den Lohengrin, den Parsifal, den Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, den Kalaf in »Turandot«, den Kaiser in der »Frau ohne Schatten«, den Tristan, den Siegmund und den Siegfried im Ring-Zyklus und den Tannhäuser. Am 19.6.1966 übernahm er in der Uraufführung der Oper »Anthony and Cleopatra« von Samuel Barber bei der Eröffnung der neuen Metropolitan Oper im New Yorker Lincoln Center den Caesar. 1964-82 Mitglied der Wiener Staatsoper. Hier debütierte er als Kaiser in der »Frau ohne Schatten« und sang in insgesamt 193 Vorstellungen auch den Walther von Stolzing, den Bacchus, den Cavaradossi in »Tosca«, den Radames, den Lohengrin, den Parsifal, den Florestan, den Tannhäuser, den Tristan, den Loge im »Rheingold«, den Siegmund, den Siegfried und den Menelas in »Die ägyptische Helena« von R. Strauss.  Mittelpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit blieb neben der Metropolitan Oper jedoch die Münchner Staatsoper. Bei den Salzburger Festspielen 1964-65 sang er den Bacchus. 1965-82 regelmäßig an der San Francisco Opera zu Gast (als Bacchus, Walther von Stolzing, Lohengrin, Cavaradossi, Tannhäuser, Loge, Tristan, Siegmund, Siegfried, Peter Grimes und Parsifal). 1966 sang er auch an derCovent Garden Oper London in der englischen Erstaufführung von S. Barbers »Anthony and Cleopatra« den Caesar. 1969-71 an der Londoner Covent Garden Oper als Walther von Stolzing und als Tristan gefeiert, An der Grand Opéra Paris gastierte er 1967 als Siegmund, 1972 als Tristan. Bei den Salzburger Osterfestspielen 1969-70 sang er den Siegfried im Ring Zyklus, Gastspiele am Opernhaus von Zürich (seit 1975).Im April 1982 verabschiedete er sich bei einem Gastspiel der Metropolitan Oper in Washington als Parsifal von der Bühne. Er trat aber 1983 noch einmal an der Metropolitan Oper in der Centennial Gala auf. Er starb 1993 in Tiburon (Kalifornien). – Metallisch timbrierter, großer Heldentenor, vor allem im Wagner-Repertoire als einer der führenden Interpreten innerhalb seiner Künstler-Generation geschätzt.

Lit.:Jess Thomas u. Kurd P. Judmann: »Kein Schwert verhieß mir mein Vater. Das Opernbuch meines Lebens« (Wien, 1986).

Schallplatten: HMV-Electrola (»Lohengrin«), DGG (»Die Frau ohne Schatten«, 9. Sinfonie von Beethoven, »Ariadne auf Naxos«, »Siegfried«), Ariola, Eurodisc (»Die Meistersinger von Nürnberg«), Philips (»Lohengrin«, Titelheld im »Parsifal« aus Bayreuth, 1962), CBS (»Gurrelieder« von A. Schönberg).

 

4.8. Henry PARKER (Komponist): 175. Geburtstag

 

5.8. Gerhard SCHEDL: 60. Geburtstag

Er studierte zunächst ab 1967 Violine und Gitarre, spielte in verschiedenen Bands, ehe er sich (erst relativ spät) 1972 der Komposition zuwandte. 1976-80 studierte er einerseits Musikwissenschaft an der Universität Wien, ohne hier einen Abschluss zu machen, andererseits an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (damals noch Hochschule für Musik und darstellende Kunst) Komposition bei Erich Urbanner, Tonsatz und Kontrapunkt sowie im Nebenfach Dirigieren bei Otmar Suitner. Diesen Ausbildungsweg schloss er 1980 mit Diplom „mit Auszeichnung“ ab.Im Jahr 1980 trat Schedl mit insgesamt drei Werken hervor, darunter die Kinderoper Der Schweinehirt nach einem Märchen von Hans Christian Andersen, für die er den 2. Preis beim Carl-Maria-von-Weber-Wettbewerb der Stadt Dresden erhielt. 1982 erhielt er daselbst den Zweiten Preis für die KammeroperII. Kontrabass.Ab 1981 hatte er einen Lehrauftrag am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main inne, ab 1982 zusätzlich an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 1987-2000 leitete er gemeinsam mit Claus Kühnl die Frankfurter Kurse für Neue Musik.Für das Salzburger Landestheater erstellte Schedl drei Auftragswerke. Er war damit in den neunziger Jahren einer der bedeutendsten Komponisten Österreichs von Musiktheaterwerken.

Aufgrund von Depressionen nahm Gerhard Schedl sich im Alter von 43 Jahren in Eppstein das Leben. Er ruht in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nummer 97).

 

6.8. Udo REINEMANN: 75. Geburtstag

Udo Reinemann

 Er war zunächst als Industriekaufmann tätig, entschloss sich dann jedoch zum Klavier- und Gesangstudium bei Geiger-Lindner in Krefeld. 1962-67 setzte er seine Ausbildung an der Wiener Musikakademie und am Mozarteum von Salzburg fort, wobei Erik Werba und W. Steinbrück seine Lehrer waren. 1967 gewann er einen Gesangwettbewerb in Wien und gab einen ersten Liederabend in Bordeaux; 1970 Preisträger beim Concours international von Genf. Er vervollkommnete seine Ausbildung dann in Paris bei der berühmten Wagnersopranistin Germaine Lubin und bei Ré Koster, schließlich in London bei Otakar Kraus. Seine Karriere nahm ihre Entwicklung gleichzeitig auf den Gebieten des Oratorien- und des Liedgesangs wie auf dem der Oper. 1975 gründete er ein Vokalquartett zusammen mit Ana-Maria Miranda, Clara Wirtz und Jean-Claude Orliac, mit dem er u.a. Terzette und Quartette von Haydn vortrug und auf Schallplatten aufnahm. 1978 nahm er an der Uraufführung der Oper »Nietzsche« von Adrienne Clostre teil, 1979 an der von »MyChauTrongThuy« von Dao. Er kreierte Lieder von Sauguet, Darasse und Victory, war aber auch ein großer Interpret des deutschen klassischen und romantischen Liedguts (Hugo Wolf, R. Schumann, J. Brahms). Er starb 2013 in Monthodon (Frankreich).

Schallplatten: Harmoniamundi, Erato; sang auf der Marke Arion in der vollständigen Aufnahme der Barock-Oper »Le Sorcier« von Philidor, auf der gleichen Marke Vokalquartette von Johannes Brahms mit dem oben genannten Quartett zusammen, mit Ana-Maria Miranda »Duettos et Nocturnes pourdeuxvoix et harpe« von Cherubini, ebenfalls auf Arion, Globe (Lieder von Richard Strauss, »Winterreise« von Schubert).

 

6.8. Max SPILCKER: 125. Geburtstag

Er studierte bei Ernst Grenzebach in Berlin, begann seine Karriere 1913-16 am Stadttheater von Lübeck und setzte sie nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg 1917-18 am Operettentheater Hamburg fort. 1918-20 gehörte er dem Stadttheater von Rostock, 1920-23 dem Opernhaus (Stadttheater) von Dortmund und 1923-26 der Berliner Staatsoper an. 1926-35 war er Mitglied des Opernhauses von Leipzig; in diese Zeit fallen einige Uraufführungen von Opern, an denen er beteiligt war: »Jonny spielt auf« von Ernst Krenek (10.2.1927 in der Titelrolle), »Clavigo« von M. Ettinger (1927 als Beaumarchais), »Satuala« von E.N. von Reznicek (ebenfalls 1927). 1935-38 war er am Stadttheater von Königsberg (Ostpreußen) verpflichtet; 1938-39 leitete er als Intendant das Theater von Kaiserslautern, 1939-43 war er Intendant in Königsberg und 1943-44 am Staatstheater Wiesbaden. 1928 gastierte er an der Städtischen Oper Berlin, 1929 an der Staatsoper Dresden. Noch 1949 konnte man ihn am Hamburger Flora-Theater hören. Neben seinem Wirken auf der Bühne war er ein hoch angesehener Konzert- und Oratoriensänger. Aus der Vielzahl seiner Bühnenpartien seien der Ottokar im »Freischütz« von Weber, der Kühleborn in Lortzings »Undine«, der Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Amfortas im »Parsifal«, der Spielmann in »Königskinder« von Humperdinck, der Malatesta im »Don Pasquale« von Donizetti, der Falstaff von Verdi, der Sharpless in »Madame Butterfly«, der Dietrich in Hans Pfitzners »Der arme Heinrich«, der Mandryka in »Arabella« von R. Strauss und der Rangoni im »Boris Godunow« herausgegriffen. Er starb 1954 in Bonn.

 

8.8. Eduard GÖBEL: 150. Geburtstag

Eduard_Goebel

Er war der Sohn eines Malers, wollte zuerst Schauspieler werden und kam als solcher 1886 an das Hoftheater von Darmstadt, wo er bis 1892 als jugendlicher Liebhaber auftrat. Auch während der folgenden Engagements am Berliner Theater (1892-93), am Lessing-Theater Berlin (1895-98) und seit 1898 am Theater von Breslau war er als Schauspieler auf der Sprechbühne tätig. Auf Anraten des Hofkapellmeisters Sucher ließ er dann jedoch seine Tenorstimme durch Frau Blanche Corelli und durch Adolf Neundörfer ausbilden. In Breslau übernahm er jetzt heldische Tenorpartien. 1902 wurde er an das Hoftheater Hannover verpflichtet, wo er als Antrittspartien den Titelhelden in »Fra Diavolo« von Auber und den Max im »Freischütz« sang. Er blieb dort bis 1905 engagiert, gehörte 1905-08 dem Hoftheater von Neustrelitz, 1908-11 dem Stadttheater von Lübeck an und lebte seitdem in Halle/Saale. Er unternahm von dort aus noch Gastspiele, gab Konzerte und arbeitete pädagogisch. Von seinen Bühnenpartien verdienen der Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, der Faust von Gounod, der Don José in »Carmen«, der Turiddu in »Cavalleriarusticana«, der Erik in »Der fliegende Holländer«, der Tannhäuser und der Lohengrin Erwähnung. Er starb 1945 in Darmstadt.

 

10.8. Roderick RISTOW: 85. Geburtstag

 Er wurde zunächst als Baseballspieler in seiner Heimat bekannt, ließ dann aber seine Stimme bei Joseph J. Klein in Los Angeles und bei Enzo Mascherini in Rom ausbilden. Bühnendebüt 1958 in Los Angeles als Baron Douphol in »La Traviata«. Seine Engagements waren 1964-66 Stadttheater (Opernhaus) Zürich, 1966-71 Opernhaus Essen. 1972-82 Staatstheater Hannover, zugleich 1974-82 Theater am Gärtnerplatz München. Er nahm seinen Wohnsitz in Hannover. Er setzte nach 1982 seine Karriere bis Ende der achtziger Jahre noch mit Gastspiele fort. Diese führten ihn an die Staatsopern von Hamburg und Stuttgart, an die Opernhäuser von Köln, Kassel, Darmstadt und Wuppertal, an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an das Nationaltheater Mannheim, nach Karlsruhe, Graz und Basel, an das Teatro San Carlos Lissabon, an die Opern von Nancy und Toulouse. Auch in seiner amerikanischen Heimat trat er auf, u.a. an den Opern von San Francisco (1963 die vier Bösewichter in »Hoffmanns Erzählungen«) und Seattle. Zu seinen Bühnenpartien gehörten der Don Pizarro im »Fidelio«, der Jochanaan in »Salome« und der Orest in »Elektra« von R. Strauss, der Lescaut in »Boulevard Solitude« von H.W. Henze, der Enrico in »Lucia di Lammermoor«, die Mamma Agata in Donizettis Buffo-Oper »Viva la Mamma«, der Nabucco von Verdi, der Graf Luna im »Troubadour«, der Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano, der Jack Rancein Puccinis »La Fanciulla del West« und der Jaroslav Prus in Janáceks »Die Sache Makropoulos«. Auch im Konzertsaal entwickelte er eine erfolgreiche Karriere. Er ist vermutlich identisch mit dem Sänger Rod Risto, der mit der italienischen Wanderoper Compagniad´OperaItaliana di Milano 1986 in Holland als Germont-pêre in »La Traviata« gastierte. Er starb im Jänner 2017.

 

11.8. Reinhold BECKER: 175. Geburtstag

 Biographie des deutschen Komponisten:

http://wesendonck.blogspot.co.at/2012/03/reinhold-becker.html

 

12.8. Pavel KUDRIAVTCHENKO: 65. Geburtstag

Pavel Kudriavchenko

 Nach seiner Ausbildung am Neshdanova-Konservatorium in seiner Heimatstadt Odessa begann er seine Bühnenkarriere am dortigen Opernhaus und war dann für zehn Jahre Mitglied des Opernhauses von Kiew. 1984 kam er an das Bolschoi Theater Moskau, wo er in der »Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch« von Rimsky-Korssakow debütierte und in den folgenden Jahren u.a. als Dimitrij im »Boris Godunow«, als Turiddu in »Cavalleriarusticana«, als Canio im »Bajazzo«, als Don José in »Carmen« und als Jaromir in »Mlada« von Rimsky-Korssakow erfolgreich auftrat. 1989 gastierte er als Dimitrij mit dem Ensemble des Bolschoi Theaters an der Mailänder Scala. Im gleichen Jahr 1989 fand sein US-Debüt am Opernhaus von Miami als Manrico im »Troubadour« statt. An der Covent Garden Oper London trat er 1989 als Turiddu, 1991 als Dimitrij, an der Bayerischen Staatsoper München als Kalaf in »Turandot«, im Wembley Stadion London wie bei der Welsh Opera Cardiff als Ernani in der gleichnamigen Verdi-Oper auf. Bei Gastspielen des Bolschoi Theaters in Italien und Frankreich hörte man ihn als Radames in »Aida«, als Kalaf und ebenfalls als Dimitrij, in Moskau 1990 als Wakula in »Die Nacht vor Weihnachten« von Rimsky-Korssakow. Bei den Festspielen von Bregenz sang er 1993 den Ismaele in Verdis »Nabucco«, an der Oper von Bordeaux im gleichen Jahr den Dimitrij. Auch als Konzertsänger kam er zu einer großen internationalen Karriere. Er trat auch unter dem Namen Paolo Kudriavtchenko auf.  Er war verheiratet mit der Sopranistin Katerina Sverdlovskaya-Kudriavtchenko (* 1958). Er starb im Jänner 2017.

 

12.8. Maria OLSZEWSKA: 125. Geburtstag

Maria_Olszewska_als_Carmen
Als Carmen

 Eigentlich Maria Berchtenbreiter. Nach ihrem Gesangstudium bei Karl Erler in München betätigte sie sich anfänglich als Operettensängerin. Sie war seit 1917 am Stadttheater von Krefeld engagiert (Antrittsrolle: Page im »Tannhäuser«). Nach einem Engagement am Opernhaus von Leipzig kam sie für die Jahre 1919-22 an die Oper von Hamburg. Hier sang sie am 4.12.1920 in der Uraufführung von Korngolds »Die tote Stadt« die Partie der Brigitta. 1921 wurde sie an die Wiener Staatsoper berufen (Antrittsrolle: Azucena im »Troubadour«), an der sie bis 1928 glänzende Erfolge hatte (als Carmen, als Ortrud im »Lohengrin«, als Amneris in »Aida«, als Fricka und als Erda im Nibelungenring, als Amme in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, als Brangäne in »Tristan und Isolde«, als Magdalena in Kienzls »Der Evangelimann«, als Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss, als Königin der Erdgeister in Marschners »Hans Heiling«, als Waltraute in der »Götterdämmerung«, als Herodias in »Salome« von R. Strauss, als Ulrica in Verdis »Maskenball«, als Orlofsky in der »Fledermaus«, als Orpheus von Gluck, als Selika in Meyerbeers »Afrikanerin«, als Stimme der Mutter in »Hoffmanns Erzählungen«, als Octavian im »Rosenkavalier« und als Fidès in Meybeers »Der Prophet«.  1923-24 war sie an der Staatsoper von München tätig.1925-28 war sie der Städtischen Oper Berlin verbunden. 1923 Gastspiel beim Wagner-Verein in Amsterdam als Brangäne, 1930 an der Grand Opéra Paris als Sieglinde in der »Walküre«, 1931 auch dort als Brangäne und als Waltraute in der »Götterdämmerung«, 1931 am Grand Théâtre Genf, 1926 am Theater von Graz, 1932 am Stadttheater von Basel. 1923 gastierte sie an der Oper von Rio de Janeiro als Brangäne, als Herodias, als Ortrud, als Klytämnestra, 1928 als Cherubino in »Le nozze di Figaro« und als Brangäne. Bei Gastspielen hatte sie in aller Welt große Erfolge; sie gastierte an der Mailänder Scala, am Théâtre de la Monnaie Brüssel und absolvierte glanzvolle Tourneen in Süd- und Mittelamerika. 1923 und 1928 hörte man sie als Gast am Teatro Colón Buenos Aires (als Brangäne). 1930 sang sie in Paris wie in London in der »Fledermaus« unter Bruno Walter. 1924-33hörte man sie ständig an der Londoner Covent Garden Oper. Dort sang sie als Antrittsrolle die Herodias in »Salome« von R. Strauss; in der Folge war sie an diesem Haus vor allem als Wagnersängerin tätig, namentlich als Waltraute im Ring-Zyklus, auch als Ortrud und als Octavian. 1928-32 war sie Mitglied der Oper von Chicago. 1932 folgte sie einem Ruf an die Metropolitan Oper New York, wo sie im Januar 1933 als Antrittsrolle die Brangäne sang und bis 1935 in insgesamt 58 Vorstellungen neben ihren Wagner-Partien (Erda, Waltraute, Fricka, Ortrud, Venus im »Tannhäuser«) als Klytämnestra, als Amneris, als Azucena und als Octavian auftrat. Seit 1947 unterrichtete sie an der Staatsakademie für Musik in Wien, 1948 wurde sie Lektorin an der Wiener Staatsoper. 1951-55 trat sie nochmals an der Wiener Volksoper auf, wo sie allein 145mal als Agricola in der Johann Strauß-Operette »Eine Nacht in Venedig« und 23mal als Jadwiga Pawlowa in O. Nedbals »Polenblut« auf der Bühne erschien. Auch als Konzertsängerin hatte sie eine große, internationale Karriere; am 27.1.1922 sang sie in Berlin ein Solo in der Uraufführung der Kantate »Von deutscher Seele« von Hans Pfitzner. Sie lebte später in Salzburg dann in Baden bei Wien. Sie starb 1969 in Klagenfurt. In erster Ehe mit dem Dirigenten Adolf Fest verheiratet, der am Stadttheater von Krefeld wirkte. 1925 heiratete sie den Bariton Emil Schipper (1882-1957), von dem sie sich aber später wieder trennte.Ihre Schwester hatte unter dem Namen Anni Andrassy (1898-1959) ebenfalls eine erfolgreiche Karriere als Altistin. – Die Stimme von Maria Olszewskawurde durch die Weite des Tonumfanges, durch die überlegene Musikalität der Stimmführung und durch ihre dramatische Steigerungsfähigkeit ausgezeichnet. Dazu galt sie als hervorragende Darstellerin.

Lit: H.M. Barnes: Maria OlszewskaDiscography (British Institute ofRecorded Sound, 1957).

Von ihr sind Aufnahmen auf Odeon, HMV (Kurzfassung des »Rosenkavaliers«, 1934) und Polydor vorhanden.

 

13.8. Károly THERN: 200. Geburtstag

Er studierte in Budapest und wirkte dort ab 1841 als Kapellmeister am Nationaltheater und ab 1853 als Klavier- und Kompositionslehrer am Nationalkonservatorium. 1868-73 war er Dirigent der Gesellschaft der Musikfreunde in Pest. Neben drei ungarischen Opern komponierte er zahlreiche Klavierwerke und Arrangements klassischer Werke für zwei Klaviere, die von seinen Söhnen, den Pianisten Willy Thern (Vilmos Thern, * 22. Juni 1847 in Budapest; † 7. April 1911 in Wien) und Louis Thern (Lajos Thern, * 18. Dezember 1848 in Wien; † 12. März 1920 in Wien) auf ihren Konzertreisen vorgetragen wurden. Beliebt waren auch seine Lieder. Liszt, der ihn sehr schätzte, verwendete die Melodie von Fótidal für seine Erste Ungarische Rhapsodie. KárolyThern starb 1886 in Wien.

 

14.8. Emma LUART: 125. Geburtstag

Emma LUART

 Eigentlicher Name Emma Luwaert. Sie erhielt ihre Ausbildung am Konservatorium von Brüssel. Sie debütierte 1914 am Théâtre de la Haye im Haag und kreierte dort für Holland die Mélisande in »Pelléas et Mélisande« (1916), die Tatjana im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky (1916) und die Prinzessin in »Marouf« von Henri Rabaud (1917). 1918 ging sie an das Théâtre de la Monnaie Brüssel, an dem sie die Konstanze in der Brüsseler Erstaufführung von Mozarts »Entführung aus dem Serail« sang. 1922 kam sie an die Opéra-Comique Paris (Antrittsrolle: Lakmé von Delibes) und gehörte dann jahrelang zu den großen Primadonnen der französischen Metropole. In der Spielzeit 1923-24 hörte man sie an der Oper von Monte Carlo in der Uraufführung der Oper »La Hulla« von Samuel-Rousseau in der Partie der Dilara sowie in einer Neu-Bearbeitung von Mussorgskys »Jahrmarkt von Sorotschinzy« durch Tscherepnin in der Partie der Parasja (mit John McCormack als Partner). 1927 wirkte sie an der Opéra-Comique in der Uraufführung der Oper »Sophie Arnoult« von Gabriel Pierné in der Titelrolle mit. Am 15.1.1930 kreierte sie an der Opéra-Comique die Jeanneton in der Uraufführung von Jacques Iberts »Le roid’Yvetot«, am 5.12.1927 wirkte sie amgleichen Haus in der Uraufführung der Oper »Le bonRoi Dagobert« von Samuel-Rousseau, am 16.1.1928 in der von A. Bruneaus »Angelo, Tyran de Padoue«, am 17.12.1928 in der von »Riquet à la houppe« von Georges Hüe mit. Aus ihrem Bühnenrepertoire seien noch die Titelfiguren in den Opern »Manon« und »Thaïs« von Massenet, die Louise in der gleichnamigen Oper von Charpentier, die Marie in »La Fille du Régiment« und die Mimi in »La Bohème« von Puccini genannt. Sie trat in den Jahren 1930-35 noch am Théâtre de la Monnaie in Brüssel auf.Nach ihrem Abschied von der Bühne lebte sie als Gesanglehrerin in Brüssel, wo sie 1968 starb. – Brillanz der Gesangstechnik und Wandlungsfähigkeit des Ausdrucks zeichneten den Koloratursopran der Sängerin aus.

Schallplattenaufnahmen bei Pathé (Brüssel, 1920-22) und Odeon.

 

15.8. Christo BAJEW: 95. Geburtstag

Christo_Bajew

 Nach Besuch des Gymnasiums begann er das Theologiestudium. Kurz vor Abschluss dieses Studiums Entdeckung seiner Stimme (als er in einem Chorkonzert ein Solo sang) durch den Regisseur der Tobis-Filmgesellschaft Berlin, Graf Molny. Er kam dann nach Deutschland und absolvierte sein Gesangstudium an der Musikhochschule Dresden. Nach Bühnenengagements in Dresden, München und Wiesbaden wirkte er seit 1949 am Stadttheater von Koblenz. Dazu Gastspiele an deutschen und ausländischen Bühnen. Weiten Kreisen wurde er durch seine Mitwirkung in Opernsendungen deutscher Rundfunksender bekannt; er wurde hier allein in 24 Sendungen vollständiger Opern und Operetten gehört. Bis 1971 stand er im Mittelpunkt von alljährlichen Operettenaufführungen auf der »Freilichtbühne im Rhein« in Koblenz. Sein Repertoire war sehr umfangreich und enthielt Aufgaben aus den verschiedensten Stilepochen. Seit 1962 Leiter eines Gesang- und Opernstudios in Koblenz. Er starb 1983 in Koblenz.

Schallplatten: RCA (»Die große Sünderin«, Operette von E. Künnecke), Mitschnitte von Rundfunksendungen.

 

15.8. Lukas FOSS: 95. Geburtstag

Lukas Fuchs – wie er gebürtig hieß – musste als Jude mit seiner Familie 1933 aus Deutschland emigrieren und erhielt eine erste musikalische Ausbildung in Paris, unter anderem bei Noel Gallon und Felix Wolfes, bevor er 1937-40 in den USA am Curtis-Institut und anschließend am Boston University Tanglewood Institute bei Serge Kussewizki und an der Yale University bei Paul Hindemith studierte. Seit 1944 war er Pianist beim Boston Symphony Orchestra. 1950-52 studierte er in Rom. 1952-62 war er Professor und Orchesterleiter an der University of California in Los Angeles. Danach leitete er das Sinfonieorchester in Buffalo, seit 1972 das Jerusalem Symphony Orchestra. Zugleich war er 1972/73 „composer in residence“ an der Manhattan School of Music in New York. 1981-86 war er Dirigent des Milwaukee Symphony Orchestra. 1989/90 wirkte er am Tanglewood Music Center und wurde 1991 Professor an der School forthe Arts der Boston University. Neben drei Opern und drei Balletten, zwei Sinfonien, zwei Klavierkonzerten, einem Oboen-, einem Cello- und einem Klarinettenkonzert, kammermusikalischen Werken, Kantaten und Liedern komponierte Foss ab 1960 auch zahlreiche experimentelle Werke. Er starb 2009 in New York City.

 

15.8. André NOEL: 125. Geburtstag

 Seine Karriere begann er Mitte der zwanziger Jahre mit Auftritten an verschiedenen französischen Provinztheatern, wobei er auch oft in Operettenpartien erschien. Seit Anfang der dreißiger Jahre wirkte er an Pariser Bühnen, so u.a. 1934 bei der Uraufführung der Oper »Fragonard« von Gabriel Pierné am Théâtre Lyrique de la Porte Saint-Martin. 1947 wurde er schließlich an die Pariser Opéra-Comique verpflichtet, an der er bis zum Ende der fünfziger Jahre in zahlreichen Charakterpartien erschien. Auch hier war er an mehreren Uraufführungen von Opernwerken beteiligt, so sang er hier 1948 in der Uraufführung von »Le Carrosse du Saint-Sacrement« von Henri Busser, 1951 in »Il étaitunpetitnavire« von Germaine Tailleferre und 1951 in der Uraufführung von »Madame Bovary« von Emmanuel Bondeville. Zu den Rollen, die er an der Opera-Comique vortrug, gehörten der Remendado in »Carmen«, der Laërte in »Mignon« von A. Thomas, die vier Dienerrollen in »Hoffmanns Erzählungen«, der Guillot in »Manon« von Massenet, der Schmidt in »Werther« vom gleichen Komponisten, der Poète in Charpentiers »Louise«, der Spoletta in »Tosca« und der Parpignol in »La Bohème«. An der Grand Opéra Paris ist er nur bei zwei Gelegenheiten aufgetreten, 1950 in der Uraufführungder Oper »Bolivar« von Darius Milhaud und 1958 als Torquemada in »L’Heureespagnole« von Maurice Ravel. Er starb im Oktober 1967.

Schallplattenaufnahmen auf Pathé (Solo-Aufnahmen aus Operetten, seit 1930).

 

16.8. William PELL: 70. Geburtstag

William Pell als Parsifal in Bayreuth
Als Parsifal in Bayreuth

 Der amerikanische Sänger begann nach seiner Ausbildung am Konservatorium von Baltimore und an der Manhattan School of Music New York seine Karriere als Bariton und sang in diesem Fach in den USA Partien wie den Don Giovanni. 1975 wechselte er dann in eine zweite erfolgreiche Karriere als Tenor (erste Tenor-Partie: Rodolfo in »La Bohème«).In Toronto gastierteerals Figaro in »Le nozze di Figaro«, in San Francisco 1977 als Stefano in »Viva la Mamma« von Donizetti und alsOffizier in »Ariadneauf Naxos« von R. Strauss, 1981 alsRoméo in »Roméo et Juliette« von Gounod. Seine Stimme entwickelte sich allmählich zum Helden- und Wagner-Tenor. Seit 1982 war er Mitglied der Deutschen Oper Berlin. Hier sang er u.a. in der Uraufführung der Oper »Oedipus« von Wolfgang Rihm (4.10.1987), bei den Festspielen von Schwetzingen in der von R. Kelterborns »Ophelia«. 1980 gastierte er in Toronto, 1983 in Amsterdam, 1987 an der Stuttgarter Staatsoper. An der Oper von Frankfurt a.M. wirkte er in der Uraufführung der Oper »Stephen Climax« von Hans Zender mit (16.4.1986). Beim Spoleto Festival 1987 erregte er als Titelheld im »Parsifal« großes Aufsehen. Dort sang er dann 1988 den Laça in »Jenufa« von Janácek. 1988 Gastspiele am Teatro Verdi Triest (Bacchus in »Ariadne auf Naxos«), in Genua und am Staatstheater Hannover (Alwa in »Lulu« von A. Berg). Ebenfalls 1988 hatte er an der Deutschen Oper Berlin große Erfolge als Siegfried im Nibelungenring und als Kudrjas in »Katja Kabanowa« von Janácek. Bei den Bayreuther Festspielen sang er 1989-91 den Parsifal, 1989 auch den Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«. 1990 gastierte er in Triest als Florestan in »Fidelio«, an der Oper von Frankfurt a.M. als Jimmy in der modernen Oper »Der Meister und Margarita« von York Höller. 1990-91 gastierte er in insgesamt 4 Vorstellungen als Parsifal und als 1. Geharnischter in der »Zauberflöte« an der Wiener Staatsoper. Aus seinem Repertoire sind noch zu nennen: der Matteo in »Arabella« von R. Strauss, der Desportes in »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann, der Sinowij in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch, der Andres im »Wozzeck« und der Jean in »Fräulein Julie« von Bibalo. Er starb 2003 in Nashville (Tennessee).

Schallplatten: DGG (Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«), ColLegno (»Der Meister und Margarita« von York Höller).

 

16.8. Sophie BRASLAU: 125. Geburtstag

sophie-BRASLAU

Tochter des russischen Wissenschaftlers und Arztes Dr. Abel Braslau. Nachdem sie zuerst Klavierspiel (am Institute of Musical Art in New York bei Alexander Lambert) studiert hatte, wurde ihre Stimme durch die Pädagogen Buzzi-Peccia, Sibella, Herbert Witherspoon und Marafioti, schließlich durch Marcella Sembrich, ausgebildet. Debüt 1913 an der Metropolitan Oper New York (unsichtbar) als Stimme aus der Höhe im »Parsifal«. Bereits am nächsten Abend sang sie dann auf der Bühne der Metropolitan Oper den Fjodor im »Boris Godunow« von Mussorgsky. Bis 1920 wirkte sie in insgesamt 242 Vorstellungen sehr erfolgreich an der Metropolitan Oper, wo sie u.a. in den Uraufführungen von »Madame Sans-Gêne« von Giordano (25.1.1915 als La Rossa) und »The Robin Woman: Shanewis« von Cadman (23.5.1918 in der Titelpartie) sowie in den amerikanischen Erstaufführungen der Opern »Der Rosenkavalier« (1913), »L’Amoredeitrere« (1914), »Julien« von Charpentier (1914), »L‘Oracolo« von Leoni (1915), »Francesca da Rimini« von Zandonai (1916 als Altichiari) und »Crispino e la Comare«von Federico und Luigi Ricci (1918) mitwirkte. Man hörte sie dort auch als Hirte in »Tosca«, als Sandmännchen in »Hänsel und Gretel« von Humperdinck, als Mercédès in »Carmen«, als Javotte in »Manon« von Massenet, als Maddalena im »Rigoletto«, als Lola in »Cavalleriarusticana«, als Albine in »Thais« von Massenet, als Preziosilla in Verdis »La forza del destino« und als Marina im »Boris Godunow«; sie trat mit besonderem Erfolg in den SundayNightConcerts der MetropolitanOper auf; 1918 gastierte sie an der Sommer-Oper in Ravinia bei Chicago. Seit 1920 große Karriere als Konzert-Altistin in Amerika, 1931 ausgedehnte Europa-Tournee. In Europa trat sie in England, Holland und in den skandinavischen Staaten auf.Dabei zeichnete sie sich im Konzertsaal als begabte Lied-Interpretin aus (Lieder von Schubert, Lieder von russischen Komponisten, jüdische religiöse Volksmusik). 1930-31 nochmals an der Oper von Philadelphia als Carmen und als Marina im »Boris Godunow« aufgetreten. 1934 nahm sie im New Yorker Lewison Stadion in »El Amor brujo« von M. de Falla aus ihrer Karriere Abschied. Sie starb nach langer Krankheit 1935 in New York. – Pastose, dunkel timbrierte Stimme von großer Ausdrucksfähigkeit.

Schallplatten: Victor (akustische Aufnahmen 1914-21); elektrische Aufnahmen bei Columbia.

 

17.8. Waltraut DEMMER: 100. Geburtstag

 Sie war an der Wiener Musikakademie Schülerin der großen Sopranistin Helene Wildbrunn. 1937 begann sie ihre Bühnenlaufbahn am Opernhaus von Graz, dem sie bis 1940 angehörte. Dann sang sie 1940-44 an der Wiener Volksoper, 1946-52 am Stadttheater von Bern und in der Spielzeit 1952-53 am Stadttheater von Basel. Als Gast trat sie am Grand Théâtre Genf (1947 als Page der Herodias in »Salome« von R. Strauss), an der Mailänder Scala (1949 Waltraute in der »Walküre«), an der Grand Opéra Paris (1955 als Wellgunde in Ring-Zyklus), am Opernhaus von Zürich (in der Spielzeit 1950-51 als Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg«), an den Opern von Toulouse und Lyon auf. An der Oper von Rom trat sie 1952 in der »Walküre«, 1953 als Wellgunde, als 2. Norn und als eine der Walküren im Nibelungenring auf. Sie setzte ihre Bühnentätigkeit bis 1965 fort. Ihr Bühnenrepertoire war umfangreich; im Einzelnen sind daraus zu nennen: der Orpheus von Gluck, die Maddalena im »Rigoletto«, die Azucena im »Troubadour«, die Ulrica in Verdis »Unballo in maschera«, die Amneris in »Aida«, die Mary in »Der fliegende Holländer«, die Fricka, die Erda und die Waltraute im Ring-Zyklus, die Kundry im »Parsifal«, die Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss, die Herodias in »Salome«, die Amme in der »Frau ohne Schatten«, die Annina im »Rosenkavalier«, die Mutter in »Louise« von Charpentier, die Bersi in »Andrea Chénier« von Giordano, die Marina im »Boris Godunow«, der Nicklausse in »Hoffmanns Erzählungen«, der Prinz Orlofsky in der »Fledermaus« und die Cathérine in »Jeanne d’Arc au bûcher« von A. Honegger. Am Stadttheater Bern wirkte sie in der Spielzeit 1949-50 in der Uraufführung der Oper »Der spanische Rosenstock« von A. Schibler in der Rolle der Clelia mit. Sie nahm am Stadttheater von Bern an den Schweizer Erstaufführungen folgender Opern teil: »Faun« von W. Fortner (Spielzeit 1946-47 als Krähe), »Rusalka« von A. Dvorak (1951-52 als Hexe), »Das Märchen vom Zaren Saltan« von Rimsky-Korssakow (1958-59), »Albert Herring« von B. Britten (1961-62 als Florence Pike), »Crucible« von Robert Ward (1983-84 als Rebecca Nurse). Sie trat auch als Konzert- und Rundfunksängerin in Erscheinung. Sie war zeitweilig verheiratet mit dem Bassisten Gottfried Fehr. Sie lebte in Leubringen (Evilard) bei Biel, wo sie 2000 starb.

Schallplatten: Telefunken, Polydor.

 

21.8. Wilhelm KILLMAYER: 90. Geburtstag

Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Dachau-Mitterndorf. Nach dem Tod des Vaters 1932 wuchs er in München auf. Dort begann er Klavier zu spielen und besuchte nach der Volksschule (1934-37) das humanistische Maximiliansgymnasium, an dem er 1947 das Abitur ablegte. 1945-51 studierte er am Musikseminar von Hermann Wolfgang von Waltershausen Dirigieren und Komposition. 1951 wurde er Privatschüler von Carl Orff, der ihn 1953/54 in seine Meisterklasse an der Musikhochschule aufnahm. Parallel studierte Killmayer 1949-52 Musikwissenschaft bei Rudolf von Ficker und Walter Riezler sowie Germanistik und Italienisch an der Ludwig-Maximilians-Universität. 1955-58 war Wilhelm Killmayer Dozent für Musiktheorie und Kontrapunkt am Trapp’schen Konservatorium, 1961-64 Ballettdirigent an der Bayerischen Staatsoper. Danach arbeitete er als freischaffender Komponist. 1968-75 wohnte er in Frankfurt am Main. 1973-92 hatte er eine Professur für Komposition an der Münchner Musikhochschule inne. Zu seinen Schülern gehören Max Beckschäfer, SandeepBhagwati, Moritz Eggert, Paul Engel, Markus Schmitt, Lutz Landwehr von Pragenau, Alfred Müller-Kranich, Walther Prokop, Rudi Spring und Laurence Traiger. Auf Einladung von Walter Fink war er 1994 der vierte Komponist im jährlichen Komponistenporträt des Rheingau Musik Festival. Wilhelm Killmayer starb am 20.8.2017 einen Tag vor seinem 90. Geburtstag. Er lebte bis zu seinem Tod in München und Frasdorf.

 

17.8. Heinrich BRUNS: 150. Geburtstag

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 Er war der Sohn eines Fabrikanten. Nachdem er zuerst ein wissenschaftliches Studium betrieben hatte, war er in der Fabrik seiner Eltern tätig, konnte aber dann doch seine Stimme ausbilden lassen. Er studierte Gesang in Berlin und München sowie bei Maestro Galliera in Mailand. Er begann seine Bühnenkarriere 1891 am Hoftheater von Weimar, war dann 1895-96 Mitglied der Dresdner Hofoper, darauf 1899-1900 des Stadttheaters von Hamburg. Obwohl er auf der Bühne wie auch im Konzertsaal zu einer beachtlichen Karriere kam, ging er später zum Kabarett über und trat, jetzt unter dem Namen Lebrun, in Wien und München in diesem Bereich auf. Er starb 1914 in München.

 

19.8. Chase BAROMEO: 125. Geburtstag

 Als Kind kam er nach Detroit, wo er später an der Michigan University den Grad eines Bachelor of Arts erwarb. 1917 wurde er als Soldat eingezogen und machte den Ersten Weltkrieg an der französischen Front mit. Er studierte weiter bei Campanari in New York, dann bei Carlo Schneider in Mailand. Am TeatroCarcano von Mailand debütierte er 1922 in »La forza del destino« von Verdi. Darauf wurde er für 1923 an die Mailänder Scala verpflichtet, an der er bis 1926 blieb. Es folgte ein Gastspiel am Teatro Colón von Buenos Aires; 1927-37 war er als erster Bassist an der Oper von Chicago tätig. Dort sang er am 4.11.1929 in der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Hauses den König in »Aida«. 1934 gastierte er bei der Cosmopolitan Opera Company im Hippodrome in New York. 1935 folgte er einem Ruf an die Metropolitan Oper New York, wo er als Ramfis in »Aida« debütierte und bis 1938 blieb. Dort hörte man ihn in insgesamt 46 Vorstellungen auch als Comte Des Grieux in »Manon« von Massenet, als Simone in »Gianni Schicchi«, als Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Fafner im »Siegfried«, als Sparafucile im »Rigoletto«, als alten Hebräer in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, als Nilakantha in »Lakmé« von Délibes und als Ferrando im »Troubadour«. Seine weiteren Glanzrollen waren der Oroveso in »Norma«, der Mephisto im »Faust«, der Lothario in »Mignon« und der Hunding in der »Walküre«. Nach Beendigung seiner Karriere Pädagoge an der Universität von Ann Arbour. Er starb 1973 in Birmingham (Michigan).

Schallplatten: Ursprünglich war eine einzige Aufnahme, das Quintett aus »Unballo in maschera«, u.a. mit Aureliano Pertile auf Fomotipia vorhanden, es wurden jedoch Mitschnitte von Aufnahmen aus der Metropolitan Oper auf EJS und Naxos (Comte des Grieux in »Manon« von Massenet, Mitschnitt aus der Metropolitan Oper New York)übertragen.

 

20.8. Johanna FISCHER-FREY: 150. Geburtstag

 Nach dem Besuch einer Handelsschule nahm sie das Gesangstudium bei dem Musikdirektor Elser in Klagenfurt auf. 1884 debütierte sie als Operettensängerin in Salzburg. 1886 ging sie an das Stadttheater von Würzburg, wo sie auch in Opernpartien (u.a. als Irmentraud im »Waffenschmied« von Lortzing) auftrat. Über die Theater von Reichenberg (Liberec) und Braunschweig kam sie 1891 an das Theater an der Wien in der österreichischen Metropole; hier wurde sie vor allem in den Operettenpartien der klassischen Wiener Operette eingesetzt. 1897-99 sang sie am Theater am Gärtnerplatz in München, 1899-1901 am Carl Schultze-Theater Hamburg. 1901 hörte man sie am Lyrischen Theater Bukarest, 1902-03 am Jantsch-Theater Wien und seit 1903 am Deutschen Theater in Prag. Zu ihren großen Partien auf dem Gebiet der Operette zählten die Harriet in Millöckers »Der arme Jonathan« und die Kurfürstin im »Vogelhändler« von Zeller. Am 5.1.1898 wirkte sie am Theater an der Wien in der Uraufführung der Operette »Der Opernball« von Richard Heuberger mit. Seit 1890 war sie mit dem Schauspieler Alexander Fischer verheiratet, der am Deutschen Volkstheater in Wien wirkte. Sie starb 1907 in Salzburg.

 

21.8. Luella MELIUS: 125. Geburtstag

 Ihr eigentlicher Name war Mrs. W. Fulton Melhuish. Sie begann schon als Kind ihre Ausbildung in Chicago und wurde dann in Paris Schülerin von Jean de Reszke. Sie debütierte an der Wiener Volksoper unter Felix von Weingartner zu Beginn der zwanziger Jahre und gab Gastvorstellungen an der Grand Opéra Paris (1924 als Gilda im »Rigoletto«), in Madrid, Neapel und Berlin. In der Saison 1925-26 war sie an der Oper von Chicago als Gilda (ihre Antrittsrolle an diesem Haus) und als Rosina im »Barbier von Sevilla« zu hören, 1926 gastierte sie an der Oper von San Francisco als Gilda und als Lucia di Lammermoor. Bereits frühzeitig kam sie zu einer großen Karriere, zunächst am englischen Rundfunk BBC, dann auch am amerikanischen Radio. Hier wirkte sie in zahlreichen Opernsendungen der zwanziger Jahre mit. Sie gastierte auch an einigen deutschen Bühnen. 1932 gründete sie in New York eine School ofVocal Art, ein Konservatorium von hohem Niveau, an dem unter ihrer Leitung so bedeutende Sänger wie Marguerite Sylva, Adamo Didur, Carolina Lazzari und Eva Gauthier unterrichteten.

Schallplatten: Erste akustische Aufnahme der Sängerin erschienen in England bei HMV (1925 die beidenArien der Königin der Nacht aus der »Zauberflöte« in Italienisch); später wurden in den USA frühe elektrische Victor-Platten veröffentlicht. Alle zeigen einen technisch souverän geführten Koloratursopran.

 

23.8. Hans ZANOTELLI: 90. Geburtstag

Er erlernte als Kind das Spielen von Violine und Klavier und wurde bereits als Vierzehnjähriger zum Musikstudium in Köln zugelassen. Sein Lehrer im Fach Dirigieren war Hans Swarowsky. Zanotelli begann seine Karriere als Korrepetitor an den Theatern Remscheid-Solingen. Mit 24 Jahren wurde er Kapellmeister in Düsseldorf, anschließend wechselte er an die Häuser in Bonn und Hamburg. 1957 wurde er als Generalmusikdirektor nach Darmstadt berufen. Mit 30 Jahren war er damals einer der jüngsten GMDs in Deutschland. 1963 ging er als Chefdirigent und stellvertretender Intendant nach Augsburg. 1971 wurde er zum Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker ernannt. Daneben dirigierte er an der Deutschen Oper Berlin, an der Bayerischen Staatsoper München und an anderen Häusern. 1977 wurde er auf eine Professur berufen, 1984 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Ab 1985 war er Generalmusikdirektor der Stadt Kiel und damit für die Oper und die städtischen Konzerte in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt verantwortlich. Er musste seine Karriere 1987 aus gesundheitlichen Gründen beenden. Er starb 1993 in Stuttgart und ist in Wuppertal-Cronenberg begraben. Dort wurde eine Straße nach ihm benannt. Der Produzent Alfred Scholz veröffentlichte zahllose Tonaufnahmen mit einem von ihm Süddeutsche Philharmonie genannten Orchester, darunter viele mit fiktiven Dirigentennamen, aber auch solche mit Angabe des Dirigenten Zanotelli. Es wird teilweise angezweifelt, ob die betreffenden Aufnahmen der Süddeutschen Philharmonie tatsächlich von Zanotelli dirigiert wurden. Gesicherte Schallplatten-Einspielung: Ludwig van Beethoven, Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58 (Saphir, Intercord Klassische Diskothek INT 120.933). Ernst Gröschel, Klavier; Philharmonisches Orchester Bamberg, Dirigent: Hans Zanotelli.

 

23.8. Inez MATTHEWS: 100. Geburtstag

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 Sie entstammte einer sehr musikalischen, farbigen Familie; ihr Vater war Geistlicher, ihr Bruder war der bekannte Bariton Edward Matthews (1904-54). Sie wurde durch Katherine Morgan Douglas ausgebildet. 1945 gehörte sie zu den Sängern, die in New York das Musical »Carmen Jones« aufführten (als Carmen) und mit dieser Produktion eine große Tournee durchführten. 1947 gab sie ein Konzert in der New Yorker Town Hall; am New Yorker Broadway sang sie die Irina in »Lost in the Stars« von K. Weill. In den zehn Jahren zwischen 1940 und 1950 gab sie viele Konzerte in ihrer amerikanischen Heimat wie in Europa. Zusammen mit ihrem Bruder Edward Matthews und dessen Gattin, der Mezzosopranistin Altonell Hines (1905-77), übte sie eine Lehrtätigkeit am Virginia State College in Petersburg (Virginia) aus. 1950 heiratete sie den Geistlichen Ulysses Jackson. 1959 sang sie in dem Tonfilm »PorgyandBess« die Serena (die von Ruth Attaway gespielt wurde). Sie starb 2004 in New York City.

Schallplatten: RCA-Victor (»Four Saints in Three Acts« von V. Thomson, »Lost in the Stars« von K. Weill).

 

24.8. Richard MEALE: 85. Geburtstag

Biographie des australischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Richard_Meale

 

24.8. Ida HIEDLER: 150. Geburtstag

Ida HIEDLER

Sie war die Tochter eines Kaiserlich österreichischen Beamten. Sie studierte in Wien bei Johannes Ress. Der Intendant der Berliner Hofoper Graf Hochberg engagierte sie vom Konservatorium aus direkt an sein Opernhaus, an dem sie 1887 als Marguerite im »Faust« von Gounod debütierte. Dort hatte sie dann einen spektakulären Erfolg als Elsa im »Lohengrin«. Am 21.4.1892 sang sie an der Berliner Hofoper in der Uraufführung der Oper »Boabdil« von M. Moszkowski, am 9.6.1894 in der von »Angla« von Ferdinand Hummel, am 14.2.1899 in der Uraufführung der nachgelassenen Oper »Brisëis« von E. Chabrier (in deutscher Sprache), am 21.3.1899 in »Regina« von Lortzing (ebenfalls einem nachgelassenen Werk), am 28.1.1902 in der von »Heilmar, der Narr« von W. Kienzl, am 9.4.1902 in »Der Wald« von Mrs. Ethel Smyth. Bis 1908 blieb sie ein gefeiertes Mitglied der Berliner Hofoper, wo sie sich zumal auf das dramatische Stimmfach und den Wagnergesang verlegte. 1896 gastierte sie anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten des russischen Zaren Nikolaus II. sehr erfolgreich in Moskau. Ihre großen Rollen waren einmal Wagner-Heroinen (Venus und Elisabeth im »Tannhäuser«, Senta in »Der fliegende Holländer«, Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Freia im »Rheingold«), zum anderen Partien wie die Aida, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Marguerite inGounods »Faust«, die Leonore im »Fidelio«, die Agathe im »Freischütz«, die Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer, die Alice in »Robert le Diable« vom gleichen Komponisten, die Marie im »Trompeter von Säckingen« von V. Nessler, die Anna in »Hans Heiling« von H. Marschner, die Rezia im »Oberon« von Weber, die Leonore im »Troubadour« und die Herodias in »Salome« von R. Strauss. Sie gastierte 1901 an der Hofoper von Dresden, 1907 am Deutschen Theater Prag, 1897 bei den Festspielen von Wiesbaden, 1899 am Stadttheater von Basel, auch am Opernhaus von Köln, an den Stadttheatern von Bremen und Danzig. 1907 trat sie an der Covent Garden Oper London als Senta und als Sieglinde in der »Walküre« auf. 1908 verabschiedete sie sich in Berlin als Sieglinde von ihrem Publikum, trat danach aber noch gelegentlich im Konzertsaal auf. Nach ihrem Abschied von der Bühne war sie 1910-26 Professorin an der Berliner Musikhochschule.Sie wirkte später als Pädagogin am Eichelberg’schen Konservatorium in Berlin. Auch als Konzertsopranistin stand sie in hohem Ansehen. Sie starb 1932 in Berlin.

Von ihrer Stimme existieren zwei Columbia-Aufnahmen (Berlin, 1904), die überaus selten sind.

 

25.8. Charles van TASSEL: 80. Geburtstag

Charles-van-Tassel

 Er arbeitete zunächst in einem kaufmännischen Beruf, ließ dann aber seine Stimme durch den Pädagogen Blake Stern ausbilden und war später in Europa Schüler von Theodor Schlott, Luigi Ricci und Jan Tamaru. 1967 debütierte er bei den Contemporary Chamber Players in Chicago in »Purgatory« von H. Weisgall. Er kam darauf nach Deutschland, wo er 1968-71 am Stadttheater von Bremerhaven, 1971-75 am Staatstheater von Kassel engagiert war und auch am Staatstheater Wiesbaden und an der Hamburger Staatsoper auftrat. 1975 nahm er seinen Wohnsitz in Holland; hier trat er in den achtziger Jahren an der Niederländischen Oper Amsterdam und beim Holland Festival auf und kam vor allem seit 1975 bei der Operngesellschaft Forum in Enschede zu großen Erfolgen. Er sang dort u.a. den Guglielmo in »Cosìfantutte«, den Enrico in »Lucia di Lammermoor«, den Nabucco von Verdi, den Ford im »Falstaff« vom gleichen Komponisten und den Jeletzky in »Pique Dame« von Tschaikowsky. Beim Holland Festival trat er 1983 in »Mörder, Hoffnung der Frauen« von P. Hindemith (als »der Mann«) auf. Auch als Konzert- und Oratoriensänger kam er zu einer bedeutenden Karriere. Er wirkte als Dozent am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam. Von den Partien, die er auf der Bühne sang, sind noch der Escamillo in »Carmen«, der Graf in »Le nozze di Figaro«, der Marcello in Puccinis »La Bohème«, der Graf Robinson in Cimarosas »Il matrimoniosegreto«, der Posa im »Don Carlos« von Verdi, der Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, der Demetrius in Benjamin Brittens »A MidsummerNight’sDream« und der Graf Eberbach im »Wildschütz« von Lortzing zu nennen. Am 29.4.1994 wirkte er in Amsterdam in der Uraufführung der Oper »Symposion« von Peter Schat in der Rolle des Mussorgsky mit. 1998 trat er am Stadttheater von Basel als Mary in »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann auf. Auf der Bühne wie im Konzertsaal widmete er sich gern dem zeitgenössischen Musikschaffen. Er starb 2013 in Amsterdam.

Schallplatten: Erato (»Die Zauberflöte«), Marco Polo (»Die Gezeichneten« von F. Schreker), KRO (»St. François d’Assise« von O. Messiaen), Canal Grande (»Thérèse« von Massenet).

 

28.8. Alfred ANDERSON: 75. Geburtstag

Alfred ANDERSON

 Er begann 1965 sein Musik- und Gesangstudium am Mississippi College und erwarb 1970 an der Indiana University den akademischen Grad eines Masterof Music. Nach zusätzlichen Studien an der Manhattan School of Music wie an der Juilliard School of Music debütierte er 1971 bei der Boris Goldovsky Grand Opera. Er sang in den folgenden Jahren an vielen Opernbühnen in den USA, darunter an der City Opera New York, in San Diego, New Orleans, Pittsburgh und bei der Palm Beach Opera. Gastspiele führten ihn u.a. an das Opernhaus von Gent (Belgien) und an die Hongkong Opera. Er betätigte sich auch als Pädagoge und als Bühnenleiter; er wurde Direktor der Opernabteilung der School of Music der University ofAcron (Ohio). Er starb 2016 in Akron (Ohio).

Schallplatten: CRI, EAV (Ben in »The Telephone« von Menotti).

 

28.8. Nicolae HERLEA: 90. Geburtstag

Nicolae HERLEA

 Er studierte am Konservatorium von Bukarest bei Aurelius Costescu-Duca, später auch an der Accademia di Santa Cecilia in Rom. Er debütierte 1951 an der Nationaloper von Bukarest als Silvio im »Bajazzo« und blieb seitdem als erster Bariton an diesem Haus engagiert. 1951 gewann er Preise bei den internationalen Gesangwettbewerben von Genf, Prag und Brüssel. Es schlossen sich große Erfolge bei Gastspielen an führenden Bühnen an: er sang an der Mailänder Scala (1964 Posa im »Don Carlos« von Verdi und Figaro im »Barbier von Sevilla«, 1966 als Valentin im »Faust« von Gounod), mehrfach am Bolschoi Theater in Moskau und an der Berliner Staatsoper. 1961 trat er sehr erfolgreich an derCovent Garden Oper London auf, im gleichen Jahr gastierte er mit der Bukarester Oper in Brüssel. An der New Yorker Metropolitan Oper sang er in drei Spielzeiten 1964-66 in insgesamt 24 Vorstellungen denPosa(als Antrittsrolle), den Tonio im »Bajazzo«, den Rigoletto, den Enrico in »Lucia di Lammermoor«, den Carlos in Verdis »La forza del destino«, den Figaro im »Barbier von Sevilla« und den Valentin. Gastspiele führten ihn an die Staatsoper Stuttgart (1969), an die Deutsche Oper Berlin (1969), an die Opéra de Wallonie Lüttich (1971), an die Dresdner Staatsoper, an das Nationaltheater Prag, an die Nationalopern von Belgrad, Warschau und Sofia, 1965-67 auch an das TeatroLiceu Barcelona (hier als Renato in »UnBallo in maschera« und als Graf Luna im »Troubadour« von Verdi). 1965 wirkte er bei den Salzburger Festspielen als Rangoni im »Boris Godunow« mit. Gastspiele an den Opern von Boston, Cleveland, Detroit und in zwei Vorstellungen an der Wiener Staatsoper (1965 als Graf Luna und 1967 als Renato). 1962 mit dem Titel eines Volkskünstlers der Rumänischen Volksrepublik ausgezeichnet. Auf der Bühne zumal im italienischen Repertoire, im Konzertsaal in vielen Partien erfolgreich. Auch als Musikkritiker tätig. Er starb 2014 in Frankfurt am Main.

Schallplatten: Supraphon, Electrecord. Auf letzterer Marke sang er in mehreren integralen Opern (»Der Barbier von Sevilla«, »Rigoletto«, »La Traviata«, »La forza del destino«, »Der Bajazzo«). Auf DGG zwei Arien- Platten, auch Aufnahmen der sowjetrussischen staatlichen Produktion (Melodyia).

 

28.8. Umberto GIORDANO: 150. Geburtstag

Bei der Aufnahmeprüfung im Konservatorium seiner Heimatstadt Foggia fiel Giordano zunächst durch; danach war er Privatschüler bei Paolo Serrao, einem Lehrer am Konservatorium von Neapel. Im Jahr 1882 trat er in diese Lehranstalt ein und studierte bis zum Jahr 1890 Klavier, Tonsatz, Instrumentation und Dirigieren; bei Paolo Serrao wurde er außerdem in szenischer Komposition unterwiesen. Seine erste OperMarina schrieb er für einen gehobenen Wettbewerb des Verlagshauses Sonzogno im Jahr 1888. Giordano war hier der jüngste von 73 Kandidaten und erreichte im Wettbewerb den 6. Platz. Pietro Mascagni hat später einen Akt dieses Werks in seiner Oper Cavalleriarusticana eingebaut. Giordano hat im Zuge dieses Wettbewerbs das Interesse des genannten Verlagshauses für den Auftrag einer Oper für die Saison 1891/92 geweckt. Daraufhin entstand die Oper Malavita (Libretto: Nicola Daspuro 1889, inspiriert von den Volkstümlichen Szenen aus Neapel in drei Akten von Salvatore Di Giacomo und Goffredo Cognetti). Dieses Drama dreht sich um einen Arbeiter, der die Rettung einer Prostituierten gelobt, wenn er dafür die Genesung von seiner Tuberkulose erreicht. Als die Oper 1892 in Rom aufgeführt wurde, löste sie wegen ihrer allzu realistischen Darstellung neapolitanischer Missstände einen Skandal aus und wurde bis zu ihrer Umarbeitung 1897 zurückgezogen. Immerhin machte diese Oper auf den neuartigen Ausdruck des beginnenden Stils des Verismus aufmerksam. Sie wurde noch im gleichen Jahr an der Wiener Staatsoper, an der Berliner Kroll-Oper und in Prag mit großer Zustimmung aufgeführt.Mit seiner nächsten Oper Regina Diaz (1894, Libretto: Giovanni Targioni-Tozzetti und Guido Menasci, eine Bearbeitung des Stoffs der Oper Maria di Rohan von Gaetano Donizetti) versuchte Giordano eine mehr romantische Richtung. Sie hatte jedoch nur geringen Erfolg und wurde nur zwei Mal aufgeführt. Nach diesem Misserfolg zog der Komponist wegen der engen Zusammenarbeit mit seinem Librettisten Luigi Illica nach Mailand und kehrte zum veristischen Stil zurück. Er lebte abwechselnd in Mailand (Heirat mit Olga Spatz 1896) und in seiner Villa in Baveno am Lago Maggiore. Es entstand sein später bekanntestes Werk Andrea Chénier (1896, Libretto: Luigi Illica) auf der Grundlage des Lebens des französischen Dichters André Chénier (1762–94). Auch Fedora war erfolgreich und wird heute noch öfters aufgeführt. Weitere Erfolge waren die Opern Siberia (Mailänder Scala 1903) und Mesemariano (Teatro Massimo in Palermo 1910). Im Jahr 1924 kam die Oper Madame Sans-Gêne (Komposition 1915) an der Metropolitan Opera in New York unter Arturo Toscanini zur Uraufführung. Spätere Werke hatten nur mäßigen Erfolg, zum Beispiel La cena delle beffe (Das Mahl der Spötter, 1924) oder Il Ré (Der König, 1929); beide wurden ebenfalls von Arturo Toscanini dirigiert.Giordano hat noch weitere lyrische Opern geschrieben, darüber hinaus eine gewisse Anzahl Klavierstücke, Vokalwerke und Motetten sowie eine Symphonische Dichtung. Obwohl er noch verschiedene andere Pläne zu Bühnenwerken hatte, hat er nach 1929 keine weiteren mehr kompositorisch umgesetzt, wohl wegen der Erkenntnis, dass inzwischen das Kino die Oper als populäre Gattung abgelöst hatte. Er starb 1948 in Mailand.

Neben Pietro Mascagni und Ruggiero Leoncavallo gilt Umberto Giordano mit seinen effektvollen Opern als der bedeutendste Vertreter des Verismus. Er ist vor allem Dramatiker; seine übrigen Werke stehen im Schatten seiner Opern. Deren bedeutendste, Andrea Chénier, ist nach wie vor auf den internationalen Spielplänen zu finden, während Fedora erst seit den 1980er Jahren wieder auf vermehrtes Interesse stößt. Alle anderen Werke konnten sich trotz anfänglicher großer Erfolge nicht dauerhaft durchsetzen. In Andrea Chénier und Fedoragelingt es Giordano mit großem Geschick, sein melodisches Talent für die veristische Dramaturgie nutzbar zu machen: ein Gesangsstil, der zwischen Parlando und ariosen Passagen abwechselt, der den Sängern jedoch nicht so viel Hochspannung abverlangt wie bei Mascagni, wird durch ein farbiges Orchester unterstützt, welches aber niemals in den Vordergrund tritt, sondern die zahlreichen theaterwirksamen Wendungen der teilweise kolportagehaften Handlung begleitet. In seiner letzten abendfüllenden Oper La cena delle beffe gelingt Giordano eine Verfeinerung der Orchestertechnik bei weitgehend deklamatorischer Behandlung der Gesangsstimmen. Von seinem übrigen kompositorischen Schaffen stellt Piedigrotta eine Orchesterdichtung voller kühner naturalistischer Klangkombinationen dar.

In seiner Geburtsstadt Foggia sind nach ihm das Musik-Konservatorium und das Städtische Theater benannt. Darüber hinaus trägt ein Platz seinen Namen: zuvor wurde das dort befindliche Mahnmal der Gefallenen auf die Piazza Italia verlegt, und an dessen Stelle steht seit 1961 Giordanos Statue, umringt von einem Kranz von Figuren aus seinen wichtigsten Opern. Im Zusammenhang mit Foggia wird aus dem Leben Giordanos noch folgende Begebenheit berichtet: Als Malavita 1892 aufgeführt worden war, wurde Giordano eingeladen, einige Stücke auf dem Klavier beim Club Dauno in Foggia zu spielen. Als er aber mitten im Vortrag während des Spiels vom Klavier aufsah, bemerkte der Komponist, dass sich einige Leute an die Tische setzten, um Karten zu spielen, anstatt zuzuhören. Dieser Vorfall führte zu einem lange dauernden Bruch zwischen Giordano und seiner Geburtsstadt, mit der er sich erst 1928 wieder versöhnte.

In neuerer Zeit ist eine Arie aus Andrea Chénier, „La mammamorta“, gesungen von Maria Callas, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden durch ihre Verwendung in dem Film Philadelphia (Regie: Jonathan Demme 1993).

 

30.8. Regina RESNIK: 95. Geburtstag

Regina RESNIK

 Sie entstammte einer ukrainischen Familie, die in die USA eingewandert war, und studierte Musik an der Harvard Universität, in erster Linie bei Rosalie Miller, wo zu ihren Lehrern aber auch Fritz Busch gehörte. Sie gewann dann den Gesangwettbewerb Auditionsofthe Air der Metropolitan Oper und debütierte 1942 bei der New Opera Company in New York, als sie kurzfristig bei einer Aufführung von Verdis »Macbeth« die Partie der Lady Macbeth übernahm. Im gleichen Jahr sang sie an der New York City Opera die Santuzza in »Cavalleriarusticana«. 1943 gastierte sie an der Oper von Mexico City als Leonore im »Fidelio« und als Micaela in »Carmen«. 1944 wurde sie an die Metropolitan Oper New York verpflichtet (Debüt als Leonore im »Troubadour«, wobei sie kurzfristig ZinkaMilanov ersetzte). An der Metropolitan Oper hat sie bis 1983 in insgesamt 327 Vorstellungen 38 verschiedenen Partien zum Vortrag gebracht: die Santuzza, die Titelrolle und später die Amneris in »Aida«, die Leonore im »Fidelio«, die 1. Dame in der »Zauberflöte«, die Tosca, die Helmwige und später die Sieglinde in der »Walküre«, die Butterfly, die Donna Anna und die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Ellen Orford in »Peter Grimes« von Benjamin Britten, die Alice Ford und später die Mrs.Quickly im »Falstaff« von Verdi, die Gutrune in der »Götterdämmerung«, die Rosalinde und später den Orlofsky in der »Fledermaus«, die Chrysothemis und später die Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss, die Eboli in Verdis »Don Carlos«, die Musetta in »La Bohème«, die Venus im »Tannhäuser«, die Marina im »Boris Godunow«, die Laura in »La Gioconda« von Ponchielli, die Marcellina in »Le nozze di Figaro«, die Herodias in »Salome« von R. Strauss, die Carmen, die Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Ulrica in Verdis »Unballo in maschera«, die Czipra im »Zigeunerbaron« von J. Strauß, die Geneviève in »Pelléas et Mélisande«, die Azucena im »Troubadour«, die alte Gräfin in »Pique Dame« von Tschaikowsky, die Principessa di Bouillon in »Adriana Lecouvreur« von Cilea und die Marquise de Berkenfield in »La Fille du Régiment« von Donizetti. Sie wirkte hier am 11.1.1947 in der Uraufführung der Oper »The Warrior« von B. Rogers (als Delilah) und am 15.1.1958 in der der Oper »Vanessa« von Samuel Barber (als alte Baronin) mit. 1945-46 war sie bei der San Carlo Opera Company in den USA engagiert. Es folgten Gastspiele in Philadelphia (1946 als Tosca) und Chicago (1953 amerikanische Premiere von B. Brittens »The Rapeof Lucretia« als Female Chorus), Weitere Gastspiele führten sie an die San Francisco Opera (1946-82 als Leonore im »Fidelio«, als Donna Elvira wie als Donna Anna, als Gutrune, in der Titelpartie von Ponchiellis »La Gioconda«, als Alice Ford, als Amneris, als Mme. de Croissy in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc, als Fricka in der »Walküre«, als alte Gräfin in »Pique Dame«, als Carmen, als Azucena, als Klytämnestra und als Claire Zachanassian in der amerikanischern Erstaufführung der Oper »Der Besuch der alten Dame« von G. von Einem), an das Théâtre de la Monnaie in Brüssel (1959), an das Teatro Colón Buenos Aires(1962), an die Grand Opéra Paris (1964 als Carmen), an das Opernhaus von Marseille (1964 gleichfalls als Carmen), an die Staatsoper München (1968) und an die Nationaloper Budapest (1969). Bei den Bayreuther Festspielen wirkte sie 1953 als Sieglinde und 3. Norn, 1961 als Fricka im Nibelungenring mit. 1961-63 bestand ein Engagement der Sängerin an der Deutschen Oper Berlin. 1963 gastierte sie an der Mailänder Scala als Fricka in der »Walküre«. Anfangs sang sie ausschließlich Sopranpartien, dann wandelte sich ihre Stimme jedoch zum Alt, und nach abermaligem Studium bei Giuseppe Danise, debütierte sie 1956 als Altistin in Cincinnati als Amneris und als Laura. 1957 hatte sie an der Londoner Covent Garden Oper zuerst als Carmen bedeutende Erfolge und ist bis 1972 fast alljährlich dort aufgetreten (u.a. als Marina, als Klytämnestra und als Mrs.Quickly). 1959-71 gastierte sie in insgesamt 92 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper (als Carmen, als Klytämnestra, als Amneris, als Fricka in der »Walküre«, als Erda im »Rheingold«, als Herodias, als Zauberin in »Dido andAeneas« von Purcell, als Eboli, als Ulrica und als Mrs.Quickly). 1960 bewunderte man sie bei den Salzburger Festspielen als Eboli und als Prophetin Anna in Frank Martins »Le Mystère de la Nativité«, 1965 in Vancouver als Carmen. Sie gastierte weiter an den großen italienischen Theatern. 1982 beging man an der Oper von San Francisco ihr vierzigjähriges Bühnenjubiläum mit einer festlichen Aufführung von Tschaikowskys »Pique Dame«, bei der sie die alte Gräfin sang. Seit 1971 war sie auch als Opernregisseurin tätig: in Hamburg inszenierte sie »Carmen« (1971), in Venedig »Elektra« von R. Strauss, in Warschau Verdis »Falstaff«. Sie war verheiratet mit dem Bühnenbildner ArbitBlatas (1908-99). Zu ihren Schülern gehörte auch ihr Sohn, der Tenor Michael Philip Davis. Sie starb 2013 in New York City. – Die dunkle Tonfülle ihrer Stimme und die faszinierende Dramatik ihres Vortrages haben mit Recht immer wieder Bewunderung erregt; hinzu gesellte sich auf der Bühne eine ungewöhnliche darstellerische Begabung.

Lit: I. Cook: Regina Resnik (in »Opera«, 1963).

Als Sopran ist sie auf Columbia, als Alt auf Decca (»Tristan und Isolde«, »Ein Maskenball« von Verdi, »Elektra«, »Die Fledermaus«, »Salome«, »Carmen«, »Falstaff« von Verdi, Querschnitt »Die lustige Witwe«) anzutreffen, weiter auf DGG (»Pique Dame«), RCA (»Vanessa« von S. Barber), CBS (»The Medium« von Menotti), EJS (Alice Ford in »Falstaff«), Melodram (Recital) und Foyer (Sieglinde in der »Walküre«) zu hören.

 

31.8. Leif ROAR: 80. Geburtstag

Leif ROAR

 Seine Gesangausbildung erfolgte am Königlichen Musikkonservatorium und in der Opernschule und durch VagnThordal in Kopenhagen. Er debütierte 1964 am Königlichen Opernhaus Kopenhagen als Thoas in »Iphigénie en Tauride« von Gluck. Er sang dort eine Anzahl großer Partien und trat auch an der Jütländischen Oper Aarhus (u.a. als Rigoletto und als Falstaff von Verdi sowie als Tarquinius in »The Rapeof Lucretia« von B. Britten) auf. Erstes Auslandsengagement 1967 am Landestheater von Kiel. Mit seiner Berufung an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg 1967 begann für ihn eine große, internationale Karriere. 1972 erregte er dort als Titelheld in »Der fliegende Holländer« Aufsehen und galt bald als hervorragender Wagner-Interpret. Am 15.5.1969 wirkte er bei den Schwetzinger Festspielen in der Uraufführung von Giselher Klebes »Märchen von der schönen Lilie« mit. 1973 sang er bei den Salzburger Osterfestspielen den Donner im »Rheingold«. Im gleichen Jahr am Teatro Colón Buenos Aires zu Gast. 1974 Gastspiel an der Münchner Staatsoper, an der er seit 1971 gastierte, als Wotan, bei den Münchner Festspielen 1974 als Don Pizarro im »Fidelio« wie als Jochanaan in »Salome« von R. Strauss aufgetreten; 1974 Gastspiel an der Staatsoper von Stuttgart als Escamillo in »Carmen«, 1975 an der Stockholmer Oper als Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Durch Gastspielverträge war der Künstler mit den Opernhäusern von Hamburg, München, Stuttgart, Düsseldorf und Frankfurt a.M. verbunden. Er sang 1972 am TeatroFenice Venedig den Fliegenden Holländer, 1973 an der Oper von Monte Carlo und 1977 an der Grand Opéra Paris den Wotan in der »Walküre«. 1972-80 gastierte er in insgesamt 7 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper (als Kurwenal in »Tristan und Isolde«, als Don Pizarro, als Wotan in der »Walküre«, als Fliegender Holländer und als Amfortas im »Parsifal«). An der Mailänder Scala hörte man ihn 1973 als Donner wie auch als Wotan im »Rheingold« und 1984 als Biterolf im »Tannhäuser«. Bei den Festspielen von Bregenz trat er 1973 als Fliegender Holländer auf, 1972 beim MaggioMusicalevon Florenz mit dem Ensemble des Düsseldorfer Opernhauses als Ulisse in der gleichnamigen Oper von L. Dallapiccola. Weitere Gastspiele am Bolschoi Theater Moskau, am Théâtre de la Monnaie Brüssel, am Opernhaus von Chicago, am Teatro Colón Buenos Aires und am Nationaltheater Mannheim. Bei den Bayreuther Festspielen sang er 1976-77 den Kurwenal, 1979-82 den Telramund im »Lohengrin« und 1982 den Klingsor im »Parsifal«. 1982 folgte er einem Ruf an die Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Don Pizarro), wo er bis 1986 in insgesamt 14 Vorstellungen auch als Telramund sehr erfolgreich war. 1986 sang er an der Oper von Kopenhagen, wo er seit 1984 wieder regelmäßig auftrat, den Orest in »Elektra« von R. Strauss, seit 1987 an der Jütländischen Oper Aarhus den Wotan wie den Wanderer in Aufführungen des Nibelungenrings. Neben dem Wagner-Repertoire war er in zahlreichen anderen dramatischen Baritonpartien erfolgreich: als Don Giovanni, als Graf in »Le nozze di Figaro«, als Saul in »Saul og David« von C. Nielsen (Kopenhagen 1986), als Titelheld in »Mathis der Maler« von Hindemith, als Scarpia in »Tosca«, als Nick Shadow in Strawinskys »The Rake’s Progress« und als Mandryka in »Arabella« von R. Strauss. Große Karriere auch als Konzert- und Oratoriensänger. Er starb 2003 in Kopenhagen.

Schallplatten: CBS (Telramund in vollständigem »Lohengrin« aus Bayreuth, 1982); Philips-Video (»Lohengrin«, Bayreuth 1982; »Parsifal«, Bayreuth 1981).

 

31.8. Rosa RODRÍGUEZ (mexikanische Sopranistin): 100. Geburtstag

 

31.8. Józef PROHAZKA: 175. Geburtstag

Józef PROHAZKA

 Sein Vater war Orchestermusiker in Warschau. Zunächst war er als Schauspieler tätig, seit 1860 sang er im Opernchor der Warschauer Großen Oper und wurde 1863 als Solist in deren Ensemble aufgenommen. Er war, wie zahlreiche Sänger seiner Generation in Polen, Schüler des Pädagogen Jan Quattrini in Warschau. Bis 1873 sang er an der Oper von Warschau mit großem Erfolg Partien wie den Skoluba in »StrasznyDwór« (»Das Gespensterschloss«) und den Akebar im »Paria« in den Uraufführungen dieser Opern von Stanislaw Moniuszko am 28.9.1865 bzw. am 10.12.1869, dazu den Mephisto im »Faust« von Gounod, den Basilio im »Barbier von Sevilla«, den Janusz in »Halka« von Moniuszko, den Pedro in Meyerbeers »Afrikanerin« und den Alfonso in Donizettis »Lucrezia Borgia«. Das Ende seiner Karriere gestaltete sich tragisch. Im April 1872 wurde er wegen Trunksucht aus dem Ensemble der Warschauer Oper entlassen, im Juni des gleichen Jahres wieder eingestellt. Als letzte Rolle sang er 1873 in Warschau den Bertram in »Robert le Diable« von Meyerbeer. 1874 verließ er die polnische Metropole, sang jetzt (und trat auch als Schauspieler auf) in Piotrkow (1864), dann in Kalisz (1875), schließlich in Plock (1876). Dort starb er 1876 ganz verarmt an einerLungentuberkulose, erst 34 Jahre alt. Zeitgenössische Berichte rühmen seine hervorragende Stimme wie seine Bühnenpräsenz, namentlich in den Opernwerken von Moniuszko. Sein Familienname kommt auch in den Schreibweisen Prohaska oder Prochaska vor. Kurz vor seinem Tod heiratete er noch die Schauspielerin FlorentyneWyszkowsky. Sein Bruder, WaslawPochazka (1849-1903), war Schauspieler und Theaterleiter, ein weiterer Bruder, Stanislaw Prochazka (1843. 1908) wirkte als Sänger und Schauspieler, zeitweilig auch als

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