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Houchang Allahyari: NORMALSEIN IST NICHT EINFACH

BuchCover  Allahyaria  Normalsein

Houchang Allahyari: 
NORMALSEIN IST NICHT EINFACH
Meine Erlebnisse als Psychiater und Filmemacher
Aufgezeichnet von August Staudenmayer
240 Seiten, Amalthea Verlag 2017 

Man kann Promis, die ihre Erinnerungen vorlegen, nicht befehlen, was sie zu schreiben haben. Möglicherweise erwartet man dann als Leser anderes als man bekommt. Das könnte bei Houchang Allahyari der Fall sein, einer von Österreichs „Haus-Persern“ (wie auch Michael Niavarani), die untrennbar zum Kulturleben des Landes gehören. Allahyari, 1941 geboren, feierte im Vorjahr seinen 75. Geburtstag, ist ein hoch geachteter Filmemacher und hätte, so meint man, darüber viel zu erzählen.

Tatsächlich aber bezieht sich der Titel des Buches, der  „Normalsein ist nicht einfach“ lautet, weit eher auf Allahyaris langjährige und trotz seines Pensionsalters offenbar noch immer ausgeführte Tätigkeit als Psychiater. Man springt in dieses Buch hinein – nein, man erfährt nicht, wie es kam, dass ein junger Iraner mit 19 Jahren nach Österreich kam und wieso er hier blieb. Dieser Teil der Geschichte ist immer verwaschen, auch im Internet liest man Verschiedenes, er kam, um Theaterwissenschaft zu studieren, nein, er kam, um Medizin zu studieren (sicher nicht „Psychiatrie“ per se, wie es am Schutzumschlag heißt, denn das geht nur mit Medizin Hand in Hand), er kam mit Mutter, Großmutter, Schwester… nein, was Genaues weiß und erfährt man nicht, und man fragt sich, warum.  Erst ganz am Ende berichtet er von seiner Rückkehr, Heimkehr in den Iran im Vorjahr, um auch daraus einen Film zu machen. Und wieder ist es vage.

Nein, man springt in dieses Buch, der Erste, der einem hier begegnet (und man versteht, bei aller Bedeutung, die er für Allahyaria hatte, nicht, wieso das der Einstieg ist), ist Paul Wittgenstein, der bekannte „Wittgensteins Neffe“, nicht der berühmte einarmige Pianist, sondern der Philosoph, der 1979 in Linz starb, manisch-depressiv und deshalb in jener Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg Linz untergebracht, an der Allahyari als junger Arzt und Psychiater arbeitete.

Über weiteste Strecken hat man nun Ärzte-Erinnerungen des „Doktor Huschi“ vor sich, reichlich versetzt mit den üblichen Krankenhaus-Anekdoten, und auch wenn er dann beginnt, von seiner Filmarbeit zu berichten, geschieht das eher anekdotisch als zumindest so weit analytisch, wie man es erwarten könnte. Auch wenn er möchte, dass ein breites Publikum sein Buch liest. Aber, um die Wahrheit zu sagen, für diese „breite Publikum“ sind seine Filme ja auch nicht geeignet…

Natürlich, wenn man liest, wie sich Waltraut Haas oder Erni Mangold, Gunther Philipp oder Leon Askin bei Dreharbeiten benehmen, mag das stellenweise ganz lustig sein, aber das, was man von Allahyari wissen möchte, ist es nicht. Wobei einer seiner wichtigsten Filme, „I love Vienna“, weder im Text noch im Anhang vorkommt. Schade, Ärzte gibt es viele, Filmemacher, die man ausführlich befragen möchte, nur wenige.

Renate Wagner

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