Der Neue Merker

HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN

FilmPoster  Hidden Figures~1

Filmstart: 3. Februar 2017
HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN
Hidden Figures  /  USA  /  2016
Drehbuch und Regie: Theodore Melfi
Mit: 
Taraji P. Henson, Octavia Spencer, Janelle Monáe, Kevin Costner, Kirsten Dunst u.a.

Es muss einmal auch in den USA Programme gegeben haben, die sich begabter „farbiger“ Kinder annahmen. Auch unter diesen – und gar unter Mädchen! – fanden sich kleine Mathematik-Hochbegabungen, die Förderungen erfuhren. Und die als Erwachsene so gut waren, dass man sie schließlich für das Raumfahrtprogramm der USA engagierte (das selbstverständlich damals, zu Beginn der sechziger Jahre, fest in weißen Männerhänden war).

Drei dieser Frauen sind nun die Heldinnen des Films „Hidden Figures“ – was übrigens auf Englisch eine schöne Doppelbedeutung ergibt: „Hidden Figures“ spricht von verborgenen Menschen und von schwierigen, zu findenden Zahlen, und um beides geht es in diesem Film von Theodore Melfi.

Wenn wir diesen drei Frauen anfangs begegnen, wie sie in ihrem Auto zu ihrer künftigen Arbeitsstätte fahren, werden sie von weißen Polizisten angehalten. Und man sieht, mit welchen Demutsgesten die „Schwarzen“, wie es damals noch hieß („Negroes“ auch), versuchen mussten, hier dumpfe Männer, denen sie intellektuell tausendfach überlegen waren, nicht zu provozieren, damit sie zur Arbeit kamen und nicht hinter Gittern landeten…

Bei der NASA war die Situation1961 hoch gereizt, der Kalte Krieg spielte sich auch im Wettrennen um das Weltall ab, die Politiker forderten: Get us up there! und der (historische) Al Harrison, Direktor der NASA-Task-Force, sollte das zustande bringen, egal wie. Space is a business, gehört zu den Erkenntnissen des Films, und bevor die Russen „auf den verdammten Mond fliegen“, brauchte er Mathematiker. Katherine Goble, später verheiratete Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe) – übrigens eine prächtiger als die andere – waren solche, und sie leisteten brillante Arbeit, wenn sie auch an ihrem Arbeitsplatz  in Langley anfangs Gefahr liefen, für die Putzfrau gehalten zu werden, wenn die weißen NASA-Herren nicht begreifen wollen, dass die farbigen Damen sich aus derselben Kaffeekanne bedienen (!), wenn sie eine halbe Stunde lang gehen mussten, um eine Toilette für Farbige zu finden, und wenn man ihnen zuerst nur Hilfsarbeiten zuwies, die sie im Handumdrehen erledigten, und ihnen später den Zugang zu dem „Geheimmaterial“ verweigerte, das sie für ihre Arbeit dringend brauchten.

Aber sie setzten sich durch, jede von ihnen, und es war Astronauten John Glenn (Glen Powell), der meinte, wenn Katherine Johnson seinen Flug um die Erde berechnet hätte, würde er ihn ohne zu zögern antreten… Dorothy Vaughan bestand darauf,  auch offiziell den Job zu erhalten, dessen Arbeit sie in niedriger Stelle längst durchführte.  Mary Jackson erkämpfte sich das Recht, an einer weißen Highschool nötige Kurse zu belegen, eine Forderung, die vor Gericht kam, wo der Richter davon überzeugt wurde, dass überall jemand der oder die Erste sein müsse, um bestehende Schranken wegzuräumen. Das geht ans Herz, das hat schönes Pathos.

Das ist die berufliche Seite der Geschichte, die privat aufgeputzt wird, und ob sie sich beruflich durchkämpfen, ob sie privat als die patenten Frauen und Mütter dargestellt werden – es sind schon wahre Heldenmädchen, die da auf der Leinwand erscheinen. Keine Frage, dass sie jegliche Anerkennung für ihre Leistungen auf doppelter Ebene verdienen, aber der doch leicht kitschig-spekulierte Ansatz macht die Sache als Film nicht besser (so gab es auch außer für Octavia Spencer als Beste  Nebendarstellerin und das Beste adaptierte Drehbuch – nach dem Buch von Margot Lee Shetterly – keine „Oscar“-Nominierungen).

Dieser Film ist (was das Thema betrifft: wohl verdienter) Good Will, wobei es auch ein bisschen Ehrenrettung für die Weißen gibt: Kevin Costner (wo war er nur die ganze Zeit!) spielt den Mann, der angesichts seiner Arbeit keinen Kopf für Vorurteile, sondern nur für Leistung hat, und Kirsten Dunst, anfangs ein bisschen hochmütig der schwarzen Brigade gegenüber, darf am Ende ihre volle Anerkennung aussprechen. Na also.

Wer will angesichts einer Geschichte von Frauen, die so viel Anerkennung verdienen, schon über ein bisschen Zuviel an Zuckerguß rechten?

Renate Wagner

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