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Helmut Luther: ÖSTERREICH LIEGT AM MEER

BuchCover  Luther  Österreich liegt am Meer

Helmut Luther:  Erstellen
ÖSTERREICH LIEGT AM MEER
Eine Reise durch die k.u.k. Sehnsuchtsorte
288 Seiten, Amalthea Verlag, 2017

Wenn man selbst zu jenen Leuten gehört, die immer wieder sehnsuchtsvoll zwischen Venedig, Triest und Abbazia, Pula und Fiume herumreisen, natürlich auch mit einem Sprung nach Brioni, dabei trotzig noch die alten Namen im Kopf, immer in dem Gefühl, die Zeit möge stehen geblieben sein… dann wird man dem Autor Helmut Luther nur allzu gern bei seinen Berichten über Streifzüge zu den „k.u.k. Sehnsuchtsorten“ folgen. Dorthin, wo Österreich war, als es noch „am Meer“ lag. Jeder erlebt schließlich anderes, und man kann immer noch Neues lernen…

Wie so mancher Österreicher hatte auch Luther eine Großmutter, in deren Nähe die Welt der Monarchie lebendig wurde, und man muss ja nur der Südbahn folgen (die heute nicht mehr durchfährt wie einst!!!), um jene nördliche Adria-Küste zu erreichen, die einst ebenso elegant und gesucht war wie die Riviera. Heute sind die „Reste“ von einst durchaus noch aufzufinden, verbunden mit Geschichten, die man sich gerne erzählen lässt.

Luther, der zwischendurch fallen lässt, dass er als Junge als Bote für das Blumengeschäft der Eltern die Hotels von Meran belieferte, war Geschichtslehrer, ist aber auch Feuilletonist und offenbar selbst leidenschaftlicher Reisender. Er kann die Landschaft mit vielen Begegnungen, historischen und durchaus lebendigen, beleben.

Er beginnt seine  Reise in seinem heimatlichen Südtirol, wenn er sich in Cles im Nontal auf die Spuren der Brüder Strudel setzt, die im 17. Jahrhundert eine bedeutende Künstlerdynastie waren (Paul Strudel erhielt von Kaiser Leopold I. die Projektleitung für die Pestsäule am Wiener Graben, heute noch zu bewundern). Es gibt Orte, an denen Reisende vorbeifahren, weil sie gar nicht wissen, was dort zu sehen wäre, etwa Villa Lagarina, wo es eine prachtvolle Barockkirche gibt, die von Fürsterzbischof Paris Lodron in Auftrag gegeben wurde…

Und so reist man weiter, von Luther an der Hand genommen, nach Venedig, nach Görz (natürlich ist hier der Abstecher zu der Schauspielerin Nora Gregor unvermeidlich), nach Triest, wo es so viel zu entdecken gibt, nicht immer Schönes auch wie die Schatten der Vergangenheit in Opicina oben… Luther trifft immer wieder alte Leute, die ihm Ereignisse der Geschichte aus ihrer Sicht her berichten.

Ob Illy-Kaffee, ob Lipizzaner, ob Josef Ressel mit seiner Schiffsschraube oder Paul Kupelwieser  mit seiner „Erfindung“ von Brioni (nur dass Arthur Schnitzler dort auch gerne Sommergast war, erzählt der Autor nicht), Alt-Österreich setzt sich aus Bekanntem und weniger Bekanntem zusammen.

Eines ist sicher: Wenn man wieder einmal hinunter fährt, was ja unvermeidlich ist, hat man den „Luther“ im Gepäck, und das ist kein Gebetbuch, sondern ein Reiseführer.

Renate Wagner

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