HELENA RUBINSTEIM

by R.Wagner | 19. Dezember 2017 20:28

BuchCover  Rubinstein, Helene Schönheitserfindern

HELENA RUBINSTEIM
Die Schönheitserfinderin
Katalog zur Ausstellung des Jüdischen Museums Wien
180 Seiten, Amalthea Verlag, 2017

Wenn Frauen heute eine große Karriere machen, ist das immer noch nicht einfach – zumal im Sektor der großen Geschäftswelt -, aber es ist möglich, viele haben es gezeigt. Als Helena Rubinstein (1870-1965) „Karriere“ machte, einzig und allein basierend auf ihrem Einfallsreichtum und ihrer Energie, war sie eine absolute Pionierin, der man kaum genügend Bewunderung zollen kann.

Das Jüdische Museum in Wien widmete ihr eine Ausstellung (noch bis 6. Mai 2018 im Museum Judenplatz zu sehen), und der dazu gehörige Katalog blättert das Leben dieser ungewöhnlichen Frau auf. Es ist „self made“, wenn es je eines war, denn das Schicksal einer jüdischen Frau, die 1870 in Krakau geboren wurde (damals als Untertanin der Habsburger-Monarchie), gab zu keinen großen Hoffnungen Anlass. Man heiratete, bekam Kinder und starb. Nichts, was Chaja Rubinstein, die Älteste von zwölf Kindern, angestrebt hätte.

Doch sie erinnerte sich, dass es etwas bedeutet hat, in der großen Familie die Älteste zu sein, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen – kurz, das Amt einer „Vorgesetzten“ auszuüben. Zähigkeit, Hartnäckigkeit, Intelligent und schließlich ein ausgeprägter Geschmack kamen dazu.

Das Buch zeigt nicht zuletzt an vielen Bildern, welch schöne, gestylte Frau Helena Rubinstein in ihren jungen Jahren war. Das verstand sie zu vermitteln, als sie dazu überging, ihre Schönheitsmittel perfekt zu vermarkten – allein die zahllosen Beispiele ihrer Werbemittel und Werbesprüche zeigt, wie punktgenau sie weibliche Bedürfnisse erkannte und umsetzte.

Das war nur möglich, weil sie ihre wohlhabende Bürgerfamilie und deren Sicherheit verlassen hatte, um anderswo ihr Glück zu suchen und zu finden – auch wissend, dass Bildung und Wissen sich mit Geschäftssinn und Unternehmergeist paaren mussten.

Parallel zu ihren erstaunlichen geschäftlichen Erfolgen mit Kosmetika bildet das Buch in Texten, aber vor allem vielen Bildern ihr Privatleben ab, zeigt ihre geschmackvollen Wohnungen, ihre Beziehung zur modernen Kunst, ihre Bekanntschaften mit Berühmtheiten. Auch wenn das meiste Material aus den frühen Jahren nur in Schwarzweiß vorliegt, transportieren sich Eleganz und Opulenz.

Bedauernswert ist, dass auch Helena Rubinstein das immer wieder erlebte Schicksal erlitt, dass ihr Werk ihre Person nicht überlebt hat: Jeder kennt „Helena Rubinstein“ als Begriff – ihr weltweit erfolgreicher Konzern ging in den Besitz von L’Oreal über… Immerhin, einzelne Produkte immerhin, vor allem das von ihr erfundene Mascara, tragen noch ihren legendären Namen.

Renate Wagner

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