Der Neue Merker

HEIDELBERG: MORGEN UND ABEND von Friedrich Haas – „Zweitaufführung“

Heidelberg: Morgen und Abend (Friedrich Haas)  1.2.2017 Zweitaufführung

In iher Reihe „Zweitaufführung“ brachte die Opernsparte des Theater Heidelberg ‚Morgen und Abend‘ von Friedrich Haas zur Aufführung/Neuinszenierung. Dabei werden moderne Opern, die bislang ihre Uraufführung erlebten, nach kurzer Zeit zum 2.Mal inszeniert, um so einer schnellen Vergessenheit womöglich zu begegnen. Bekanntestes Beispiel der letzten Zeit ist ‚Dionysos‘ von Wolfgang Rihm, der im damaligen Zelt-Provisorium mit großem Erfolg lief.

‚Morgen und Abend‘ von Friedrich Haas kann in der Reihe seiner Opern über den Tod bzw.über Nahtoderfahrungen gesehen werden. die z.T.auch bei den Schwetzinger Festapielen uraufgführt wurden. Morgen und Abend wurde vor einem Jahr in London uraufgeführt, was auch das Renomée zeigt, das Haas inzwischen besitzt. Und daß sie nach so kurzer Zeit nachgespielt wird, bekräftigt das nur. Es liegt zu Teilen sicher auch an dem vorherrschenden Thema seiner Libretti, wobei diese aber längst nicht mehr so zwingend sind. Haas möchte aber anscheinend weiter auf der ‚Masche‘ reiten, und sie inspiriert ihn auch zu interessanter eigenwilliger Musik. Alles gerät in einen schwankenden schwindelerregenden Zustand, sämtliche Ordnungsschemata erscheinen aufgelöst, und doch erreicht die Musik immer wieder diese Inbrunst. Ein ganzes Orchester kann darauf eingeschworen werden. und das zeigt auch das Dirigat von Elias Grandy in seiner erzmusikalischen Art. Technisch wird hier  permanent die in Halbtönen organisierte Musik verlassen zugunsten einer Vierteltonmusik, die sich in den Streichern oft in langgezogenen Glissandi manifestiert. Diese langsamen Grundtöne werden nur selten zugunsten von schnellen, wie hingetupften Passagen verlassen. Insgesamt eine Musik, die wirklich etwas hermacht, aber ihre Bühnentauglichkeit auch in Zusammenhang mit anderen Stoffen zu erweisen hätte.  Bei Morgen und Abend  geht es um eine Familie an den Schnittstellen des Todes. Vater Olais (Sprechrolle: Winfrid Mikus) Frau bringt drinnen im Haus gerade einen Sohn Johannes zur Welt. Später wird der Fischer und Angler Johannes in seiner Hütte gezeigt, wie er den Tod seiner Frau Erna betrauert, die aber als ‚Untote‘ noch erscheint. Mit seinem Freund Peter will er sich nochmal zum Fischfang aufmachen, bevor auch ihn der Tod erreicht, und er von Peter in die ‚Totensammelstelle‘ geführt wird. Chöre begleiten das in dunklen Farben gehaltene Geschehen hinter der Bühne, wie die Regie von Ingo Kerkhof daraus ein von aller Welt entrücktes abseitiges Kammerspiel formt, das hauptsächlich durch Johannes‘  Gesänge und seine Dialoge mit Erna und Peter einen Sog entfaltet. Vielleicht befindet sich zu Beginn Vater Olai auch schon unter Seinesgleichen, mit denen er Wasser und Brot teilt, auf der Fahrt ins Schattenreich. Das einfache Haus in Diagonalstellung stammt von Anna Neuser. Die schlichten dunklen Tuniken bzw. Anzüge /Wetterjacken sind von Inge Medert.

Den Johannes singt Holger Falk mit schön gleichförmig strömendem Bariton und sehr legato. Bei der Geburt hat eine Hebamme, Hye-Sung Na einen ihrer stimmkräftig passionalen Auftritte. Den Peter gibt mit gleichfalls kräftiger Stimme Angus Wood. Der Erna leiht Katherine Lerner ihr schöne Gestalt und Mezzo-Stimme.                                                  

  Friedeon Rosén

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