Der Neue Merker

HEIDELBERG: DIE ZAUBERFLÖTE. Neuinszenierung

Heidelberg: Die Zauberflöte    14.12.2016   /Neuinszenierung

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Rinnath Moria. Copyright: Annemarie Taake/ Theater Heidelberg

Am eindrücklichsten bei dieser Neuinszenierung von Maximilian v. Mayenburg ist das Bühnenbild  eines abgestorbenen wild verästelteten Baumes, der  aus dem grauenvollen Unort aus ‚Ballo in maschera‘ stammen könnte, wo Amelia die Pflanze für das Gegengift für ihre Liebe sucht. Der Baum ist nicht so groß aber bühnenbeherrschend und entspringt einem stufenartigen Podest, auf dem der Verlauf der Wurzeln angedeutet ist. (Bb.: Tanja Hofmann) Diese imaginären Wurzelveriästelungen sind rot und weiß beleuchtbar und stellen auch die Symbole für die Feuer- und die Wasserprobe dar, indem Pamina und Tamino zwischen den beiden nun geteilten Baumhälften hindurchschreiten. Diese Teilung des Baumes und der Aufstiegstreppe soll gleichzeitig die Trennung der Sarastrosphäre und der der Königin der Nacht darstellen. Daß sich die beiden Sphären aber wieder vereinigen können, wird durch ein von oben kommendes Brückchen versinnbildlicht, auf dem die  3 Knaben ‚einfliegen‘. Am Ende fahren auch die zwei Baumteile wieder gänzlich zusammen, und man denkt, es kommt zu einer Versöhnung der beiden Sphären, bemerkt aber später, dass Sarastro wohl durch einen Dolchschnitt im Oberkörper verletzt wurde. Weiters kann die Inszenierung durch sagenhafte Ausstattung  und märchenhafte Kostümierung (Sophie du Vinage) prunken. Die Königin der Nacht trägt eine den gesamten Wurzelbereich umspannende schwarze Robe. Tamino wird von den Damen zu seiner ‚Wallfahrt‘ in eine schwarze Hose und dazu perfekt sitzenden Umhang bei nacktem Oberkörper eingekleidet. Papageno und Monostatatos sind die Pendants der beiden Sphären in ihren Federkleidern, Papageno bunt, Monostatos natürlich schwarzer Rabe sowie als Tunte dargestellt. Die Sklaven Sarastros sind aneinandergekettet, und die zu den Gefolgen beider Sphären zählenden Damen tragen schwarze Gittermasken. Auch die 3 Damen  und Knaben sind sehr sorgfältig phantasievoll mit ihren Requisiten drapiert, die Priester erscheinen in opulenten weißen Soutanen. Auch bei dieser Inszenierrung zeigt sich ein gegenwärtiger Tend (wie auch bei der jüngsten Walküre in Karlsruhe), die Stücke wieder mehr aus sich selbst heraus zu interpretieren und dabei voll auf bis zu Disney-hafter Ausstattung zu setzen.

Den Sarastro gibt wieder Wilfried Staber mit seinem durchdringenden auch orgelnden Baß, der auch bewußt auf die Effekte der Tiefe setzt und diese  einzubinden versucht. Seine Gegenspielerin, die Königin, wird von Rinnat  Moriah verkörpert.  Leider gelingen ihr die Koloraturarien nicht, diese werden nur matt angedeutet. Damit wird der hohe Standard dieser  Kunstfigur verfehlt. Es bleibt zu hoffen, daß die israelische Sängerin sich aus dieser Krise wieder herausbewegt. Einen feinen aber schlagkräftigen Tenor besitzt Namwon Huh, dem auch seine Larmoyanz für die eher passive Tamino-Grundhaltung zugute kommt. Eine hingebungsvoll altruistische Pamina stellt Irina Simmes dar, die mit ihrem vollblutigen Sopran eine warme entspannte Atmosphäre generiert. Einen ganz exotischen Vogel gibt Ipca Ramanovic als Papageno . Mit eigenwillig timbriertem expressivem kantigen Bariton kann er das  Publikum auch sprechend  zum Lachen bringen. Rollendeckend seine Papagena der Marijke Janssens im gelbem Entenkostüm.

Unter dem gut mitgehenden Dirigenten Olivier Pols spielt das Orchester sehr erfrischend auf und bereitet den Sängern mit schönen vielgestaltigen Soli einen tollen Klangteppich Auch der Chor ist immer voll präsent,  klangschön und musikalisch integriert. Die 3 Damen Hye-Sung Na, Elisabeth Auerbach und Carolyn Frank wirken am Anfang noch etwas inhomogen, zeichnen sich dann aber durch  gesangliche Tiefenschärfe aus. Winfrid Mikus als tenoraler Monostatos, James Homann  als Sprecher , Adrien Mechler und Zachary Wilson als Priester, Sang Hoon Lee und Wilfried Staber als erster und zweiter Geharnischter ergänzen vielfarbig das Ensemble. Die 3 Knaben Hannes Düker, David Link und Anselm  Staber sind  stark szenisch eingebunden, besonders der erste Knabe kann aber gesanglich nicht reussieren. Vielleicht ist die Besetzung mit jungen Frauenstimmen besser. An der engagierten Stabführung Olivier Pols‘ kann es  sicher nicht gelegen haben.                                                       

Friedeon Rosén

 

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