Der Neue Merker

HANNOVER/ Kuppelsaal der Stadthalle: SAISONAUFTAKT MIT BEETHOVEN – NDR Elbphilharmonie Orchester/ Hengelbrock/ Brandauer

HANNOVER: Saisonauftakt mit Beethoven, Hannover, Kuppelsaal der Stadthalle, 25. Oktober 2017

Zum Auftakt der Saison der Pro-Musica-Konzerte in Hannover gastierte das NDR Elbphilharmonie Orchester im Kuppelsaal der Stadthalle mit einem reinen Beethoven-Programm. Am Pult stand Chefdirigent Thomas Hengelbrock, als Prominenter Gast war Burgschauspieler Klaus Maria Brandauer als Rezitator mit dabei.

Den Anfang machte Beethovens vergleichsweise selten gespielte vierte Sinfonie in B-Dur op. 60. Hengelbock nahm die Sinfonie, die oftmals als Leichtgewicht zwischen den beiden schwermütigen Monolithen der dritten und fünften Sinfonie angesehen wird, von der heiteren Seite, ohne auf Dramatik und die Herausarbeitung der inneren Kontraste zu verzichten. Für Dynamik und Vitalität sorgte er mit forschen, teilweise recht straffen Tempi, für die Akustik des Kuppelsaals vielleicht eine Spur zu forsch, denn ein paar Details blieben leider auf der Strecke. Dessen ungeachtet formte Hengelbrock aber eine durchgehende innere Spannung, betonte die dramatisch aufgeladenen Passagen im Kontrast zu den eher verspielten Elementen klar und plastisch. Sein Orchester folgte ihm nicht nur präzise, sondern mit weichem, homogenem Klang, vor allem in den Bläsern.

Nach der Pause ging es ungleich dramatischer zu. Beethonvens Schauspielmusik zu Goethes Egmont ist heute vor allem mit der Ouvertüre bekannt, die Thomas Hengelbrock und sein Orchester als fabelhaftes Kabinettstück Beethovenscher Musikdramatik eindrucksvoll zum Klingen brachten. Zwischen Ouvertüre und den folgenden Nummern rezitierte Klaus Maria Brandauer eine von ihm und Hengelbrock neu eingerichtete Textfassung für den konzertanten Gebrauch. Keine Mühe hatte er, den großen Saal ganz mit seiner Präsenz zu füllen, und auch ohne Szenerie und Kostüm und „nur“ als Rezitator ist er ein packender Darsteller. Daneben hatte es die Sopranistin Katharina Konradi mit Clärchens Liedern nicht einfach sich zu behaupten, sie sang mit klarem und leichtem Sopran und sehr guter Textverständlichkeit. Thomas Hengelbrock und das noch konzentrierter musizierende Orchester zeigten, wie stark und auch wie differenziert Beethovens musikdramatische Veranlagung war, diese Schauspielmusik ist mehr als Illustration eines Geschehens, sie deutet den Text und gibt ihm Untertöne.

Das Publikum applaudierte begeistert und mit vielen Bravos. Einzig für Irritation sorgte, dass die im Programmheft abgekündigte Abfolge der Egmont-Musiken ohne Vorankündigung gekürzt war und so das Ende des Konzertes etwas unvorhersehbar kam.

Christian Schütte

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