Der Neue Merker

Hannelore Fischer: SOSHANA

BuchCover Soshana

Hannelore Fischer:
SOSHANA
Die Frau, die mit Picasso kochte
Ein Dramolett
70 Seiten, Verlagshaus Hernals, 2017 

Bei Wikipedia findet man eine lange Eintragung über Susanne Schüller, geboren 1927 in Wien, gestorben ebenda 2015 nach langem Vazieren in der Welt. Als Malerin nannte sie sich Soshana, ihr Familienname lautete nach ihrem Gatten Afroyim (Beys Afroyim, 1895-1984, geboren als Ephraim Bernstein in Polen).

Susanne, aus gutbürgerlicher jüdischer Familie (der Vater besaß eine Manschettenknopffabrik), war 9 Jahre als, als die Nationalsozialisten in Österreich einmarschierten. Die Familie flüchtete über die Schweiz, Frankreich und England schließlich in die USA. Susanne, die sich als Künstlerin „Soshana“ nannte, studierte in New York bei Afroyim, den sie 1945 heiratete und mit dem sie 1946 einen Sohn, Amos, hatte. Aufgrund ihrer kommunistischen Überzeugung wandten sich die beiden erst nach Kuba, dann nach Europa, um schließlich in Israel zu landen.

Nach der Scheidung 1950 ging Soshana mit ihrem Sohn nach Wien, ließ ihn aber hier zurück und übersiedelte nach Paris, um sich als Malerin zu verwirklichen. Sie tauchte tief in die Künstlerkreise ein und lernte auch Picasso kennen, der ein – in schlichten Strichen gehaltenes – Bild von ihr zeichnete.

Der Rest ihres Lebens war mit großen Reisen in die ganze Welt ausgefüllt, bis sie wieder für zehn Jahre in New York landete. 1985 allerdings kam sie endgültig nach Wien  zurück, wo man ihr 2009 auch das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien und 2010 das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich verlieh. Bis ins hohe Alter gab es für sie Ausstellungen in aller Welt.

Wenn nun Hannelore Fischer, die Nichte von O.W. Fischer und verheiratet mit Gustav Knuths Sohn Klaus, selbst lange Jahre Schauspielerin, das „Dramolett“ über Soshana vorlegt (Untertitel: „Die Frau, die mit Picasso kochte“), ist das weder für die Bühne gedacht noch ein exakter biographischer Abriß der Künstlerin. Vielmehr werden in Kurzkapiteln neuralgische Punkte von Soshanas Leben in absoluter dichterischer Freiheit behandelt.

Es beginnt 1932 in Wien, wo die fünfjährige Susi störrisch schon künstlerisches Temperament zeigt und wandert über zahlreiche Stationen; 1938, Hitler in Wien, Susi zeichnet Hitler als Clown (eine berühmte Kinderzeichnung); 1942 in London, wo es gleichfalls eine Hitler-Zeichnung von ihr gibt (sie sind im Buch abgebildet); 1943 auf dem Schiff von Schottland nach Amerika, dann in New York; 1946, als sie für sich den Namen Soshana findet, wobei es dann einen Rückblick auf ihre erste Begegnung mit Bey gibt; die Jahre als Künstlerin und schließlich 1954 „Picasso, Picasso, Picasso!“ bis zum letzten Interview zum 85. Geburtstag.

Das alles ist in der Freiheit eines historischen Romans geschrieben, wobei die Autorin vorgibt, im Inneren ihrer Figur zu wohnen, ihre stürmischen Gedanken und ihre Gespräche nachzuvollziehen. Man wird das Gefühl nicht los, eine „reale“ Biographie wäre noch interessanter – oder vielleicht die Tagebücher von Soshana, die im Juli 2017, herausgegeben von ihrem Sohn Amos Schueller, erscheinen werden.

Renate Wagner  

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