Der Neue Merker

GYÖR/Nationaltheater: „GALA-ABEND – XIII. UNGARISCHES TANZFESTIVAL“

Győr: Nationaltheater: 19.06.: „GALA-ABEND – XIII. UNGARISCHES TANZFESTIVAL“

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Stimmige Hommage an Zoltán Kodály: das Ballett von Győr  in der Premiere von „Romance“ (Choreografie: László Velekei). Photo: Mátyás Mészáros

Wieder stand die westungarische Stadt Györ ein Woche lang ganz im Zeichen des Tanzes – im Nationaltheater, auf der kleinen Bühne unter dem Dach des Nationaltheaters (Kisfaludy Tér), im Vaskaras Art Centre  und auf zahlreichen öffentlichen Plätzen wurde Tanz aller Art geboten,  insgesamt 35 Aufführungen. Gezeigt wurde beim XIII. Ungarischen Tanzfestival (18. – 25. Juni) eine bunte Vielfalt an Tanzrichtungen – von klassisch bis zeitgenössisch, von Folklore bis Tanztheater. Die renommiertesten ungarischen Compagnien waren vertreten und präsentierten aktuelle Produktionen. Parallel dazu fand das 3. Kindertanzfestival statt. Als Neuerung wurden diesmal die Aufführungen zusätzlich auch im live stream gezeigt. Traditionell hingegen war die Eröffnungsveranstaltung mit einer Ballettgala. Nach den Ansprachen des Vertreters des Bürgermeisters und der Vertreterin des Kulturministeriums sprach auch János Kiss als Festival Direktor und leiter des Ballet Györ. Er betonte seine Dankbarkeit gegenüber allen Beteiligten und wünschte dem Festival viel Erfolg – sei doch die Zahl 13 für ihn persönlich eine Glückszahl, da er an einem 13. geboren sei, um 13 Uhr, im 13. Bezirk in Budapest.

Im Zentrum des Abends standen zwei Uraufführungen von Choreografien von László Velekei, getanzt vom Ballet Györ. Mit „A Survivor of Warsaw“ stellt er die gleichnamige Komposition von Arnold Schönberg in einer themenentsprechenden expressiven Tanzsprache als Solo für einen Tänzer auf die Bühne, geht es doch um die Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto. In diesem Melodram für einen Sprecher, Männerchor und Orchester wird der beklemmende Text dreisprachig rezitiert und unterstreicht damit die Eindringlichkeit – beraubt der Freiheit und aller menschlichen Rechte bleibt als Ausweg nur die Entscheidung den Tod zu wählen. 

Nach der Pause folgte dann mit „Romance“ ein weiterer Beitrag des Gastgebers Ballet Györ. Hier schuf der Choreograf eine tänzerische Hommage an den ungarischen Komponisten, Volksmusikforscher und Musiklehrer Zoltán Kodály. Umrahmt vom Gesang der Folklore Sängerin Eszter Pál entwickelt sich in wechselnden Formationen eine tänzerische Auseinandersetzung von Männern und Frauen, von Gruppen und Soli. Als starke Ensembleleistung werden die 14 Tänzer und Tänzerinnen heftig vom Publikum akklamiert.

Die Hungarian National Dance Company zeigt mit „Fox Dance“ eine Kreation des Choreografen und künstlerischen Leiters Zoltán Zsuráfszky (Musik: Jag Kalyí). Hier agiert ein Männer-Duo in mit Folklore-Elementen versehenen Tanztheater-Bewegungsmustern.

Auch der Tanzjugend wird Gelegenheit zum Auftritt gegeben. Nach einer Schülerin der Ballettschule Györ mit einem Solo zu Musik von Arvo Pärt stellt die Abschlussklasse der ungarischen Tanzakademie ihr Können mit Ausschnitten aus dem Ballettklassiker „Don Quixote“ (Musik: Ludwig Minkus) unter Beweis.    

Die vielen attraktiven Tanzereignisse dieses Festivals  machen die Industriemetropole zu einem Hotspot des Tanzes. Györ bewirbt sich auch als Kulturhauptstadt – mögen die vielen ambitionierten Projekte zum gewünschten Erfolg führen. 

Ira Werbowsky

 

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