Gustav Mahler: 7. Symphonie

by R.Wagner | 3. Oktober 2016 19:36

CD 7. Mahler

Gustav Mahler: 7. Symphonie
Düsseldorfer Symphoniker, Adam Fischer
CAvi CD

Gelungener Auftakt zu einer neuen Gesamteinspielung von Mahlers Symphonien

„Schlösser, die im Monde liegen, bringen Kummer, lieber Schatz. Um im Glück dich einzuwiegen, hast du auf der Erde Platz“ Paul Lincke

Basierend auf live Konzerten vom 19. bis 23. November 2015, ist die erste Symphonie vom geplanten Gesamtzyklus Mahlers nun auf Tonträger erschienen. Adam Fischer hat als Einstand als Chefdirigent des nordrhein-westphalischen Klangkörpers mit dieser Siebenten eine Spitzenleistung geboten, besser gesagt, zusammen haben die Orchestermusiker und der charismatische ungarische Chef wirklich Neues und  Essentielles zu Mahler zu sagen. Ganz aus dem Geiste Haydns heraus interpretiert, ist dies ein Mahler mit Bodenhaftung geworden, ein surrealistisches Klanggebilde eines (lichten) Tagträumers. Keine dunkle Nachtmär wird da erzählt, Adam Fischers sieht etwa den ersten Satz wie die Vorstellung eines (bewussten) Krankheitsablaufs mit trügerischen Elementen der Erholung.  „Eine Dramaturgie wie bei hohem Fieber, im Scherzo sind wir Zeugen eines getriebenen Angstzustandes.“ 

Adam Fischer lässt die bestens disponierten Musiker schlank und hochnervig spielen, er trägt Intuition dort hin, wo sie wie ein Widerhall gespiegelt zurückkommt. Den Schlüssel zu seinem Mahler-Verständnis liefert er, wenn Fischer sagt, dass viele der einen Dirigenten eigentlich beleidigenden Anweisungen Mahlers im Endeffekt Sinn machen, ohne sie freilich allzu sehr buchstabieren zu müssen. Die Art und Weise, wie Mahler seine Symphonien selbst auf dem Welt-Mignon Flügel gespielt hat, ist partiell überliefert und die andere Richtschnur von Fischers Mahler-Sicht. Fazit: Mahler selbst hält sich an vieles nicht, was er vorgeschrieben hat. Fischer will nun eher dem freien Spiel Mahler folgen, als seinen allzu akademischen Anweisungen. Wenn man die Siebente hört, ist klar, das Fischer ungeachtet des beschriebenen Zugangs einen ganz persönlichen Mahler-Stil gefunden hat. Im Endeffekt sind programmatische Überlegungen kaum von Belang, vielmehr die kompromisslose Aneignung des musikalischen Materials. Emotionale

Assoziationen stellen da höchstens Brücken dar, „das Unwirkliche und Traumhafte sowie die Tiefen des Unbewussten auszuloten und den durch die menschliche Logik begrenzten Erfahrungsbereich durch das Phantastische und Absurde  zu erweitern.“

Wie die Düsseldorfer Symphoniker hier ihrem neuen Chef folgen, kann wirklich nur als ideal-symbiotisch bezeichnet werden. Die Qualität des vor allem als Orchester der Deutschen Oper am Rhein tätigen Klangkörpers ist stupend. Wieder einmal zeigt sich, Oper zu spielen, ist auch für das Verständnis des symphonischen Repertoires von unschätzbarem Wert. 

Die Klangqualität der als Co-Produktion mit dem Deutschlandfunk entstandenen Aufnahme ist klar, durchsichtig und genügt höchsten audiophilen Ansprüchen.

Dr. Ingobert Waltenberger

Source URL: http://der-neue-merker.eu/gustav-mahler-7-symphonie